PAPST PAUL VI.: DAS KREUZ ZU TRAGEN, WAS BEDEUTET DAS?

Das Kreuz tragen, was bedeutet das? Wir tragen es symbolisch während des Kreuzweges und bei vielen liturgischen Feiern. Es gibt viele Personen, die Christus — wie auf dem Schauplatz des Evange­liums — nachfolgen; die von ihm einige Worte hören, einige seiner wunderbaren Werke bestaunen, die in Augenblicken des Wohlbe­hagens und einer guten Eingebung mit ihm sympathisieren und zum Herrn sagen: »Sequar te quocumque ieris — Ich werde dir fol­gen, wo immer du hingehst.« Von gleicher Art waren die Verspre­chungen der Apostel wenige Stunden vorher: »Etiam si oportuerit me mori tecum, non te negabo — Wenn es nötig sein wird, mit dir zu sterben, werde ich dich nicht verleugnen.« Aber dann: »relicto eum fugerunt — verlassen sie ihn, fliehen sie alle.«

Die Apostel, die treuesten, die belehrtesten Gläubigen, sie, die Treue geschworen hatten, waren, als es sich darum handelte, Jesus zum Prozeß zu folgen, als es darum ging, ihm auf diesem schmachvollen Kreuzweg zu folgen, allesamt abwesend. Dem Herrn bis zum Kreuze zu folgen ist ein Privileg, ist ein besonderer Akt, der sich einzig und allein mit demjenigen verbindet, der auf dem Kal­varienberg ankam, »quem diligebat Jesus — den Jesus liebte«, Johannes. Er war vielleicht der jüngste unter den Aposteln. Johan­nes langte an: Er stieg bis auf den Kalvarienberg empor. Er schäm­te, er fürchtete sich nicht, er stand unter dem Kreuz, stand neben Ihm, um das Weinen der Betrübten und der heiligsten Maria zu teilen und die Schande mitverantwortlich zu erleiden, die Qual der ebenso grausamen wie schandbaren Szene mitzuempfinden: die Kreuzigung.

Und da eröffnet sich ein viel tieferer, intimerer, ein viel realerer Sinn der Kreuztragung: Sie ist in Wirklichkeit ein Bekenntnis des Glaubens, so als wollten wir sagen, ja wir glauben, daß sich aus die­sem Drama nicht nur eine Szene des Schmerzes und der Unehre entwickelt, sondern daß sich hier etwas Tieferes vollendet hat. Es scheint, daß gerade dort, wo die Balken des Kreuzes einander be­rühren, sie uns zu Wegweisern werden, zu den großen Grundlinien aller menschlichen Schicksale. Da ist das Gesetz der Gerechtigkeit, das sich aus den Tiefen Gottes auf dieses Opfer stürzt, und da ist die Verurteilung; die aus den Abgründen des Bösen heraus einen Tod fordert; und diese beiden Gesetze kreuzen sich, und anstatt einander aufzuheben, werfen sie sich miteinander auf Christus und machen ihn zum Opferlamm, das geschlachtet wird für die Sünden der Welt. Und das Lamm, der gekreuzigte Christus, hat seine Hän­de geöffnet, weil sich nicht nur die Gerechtigkeit und die Sünde auf dem Kreuz treffen, sondern dort auch die Liebe anwesend ist. »Propter nos et propter nostram salutem descendit de coelis — für uns Menschen und um unseres Heiles willen ist er vom Himmel herabgestiegen.« Es ist das Sich-Auftun des Himmels, der die Welt mit Blitzen der Liebe durchzuckt, sie liebend umfängt und zu ihr kommt.

Das Kreuz ist die Ankunftsstation der unbegrenzten Liebe Gottes zu den Menschen. Für uns ist er gestorben — »dilexit me et tradidit semetipsum pro me — er liebte mich und gab sich selbst für mich hin« —, und es geht vom Kreuz für alle Menschen eine Welle der Güte aus, die zu allen Seelen geht, um sie zu erretten; mit anderen Worten, im Kreuz hat sich das Mysterium der Erlösung vollendet

Die Erlösung umschließt das Geheimnis der großen menschliche Schicksale; ohne das Kreuz ist das Menschengeschlecht verloren, mit dem Kreuz kann es gerettet werden. »Salve, spes unica — Sei gegrüßt, einzige Hoffnung«, ich grüße dich, o Kreuz, von dem das Heil der Welt abhängt. »Salus mundi pependit — Von dir hängt das Heil der Welt ab!« Und wir sagen es beinahe verwirrt durch die Größe des Geheimnisses, das zu ermessen uns nicht gelingt; in gewaltiger Tiefe und Höhe dehnt es sich durch die Schicksale der Seelen, durch die Zielsetzungen der Geschichte hin und durchzieht die Gedanken Gottes.

Alle sind wir daran beteiligt, alle sind wir davon betroffen, alle werden wir von Christus aus der Höhe des Kreuzes herab beobach­tet. Er beobachtet uns, er ruft uns, er liebt uns; wir glauben, daß unsere Schicksale im Kreuz Christi zusammenlaufen.

Und noch etwas: Wie hat sich das Epos, das Drama der Erlösung vollzogen? Es hat sich erfüllt im Opfer, in der Duldung des Schmer­zes, in der Herausforderung des Schmerzes, der Demütigung und des Todes. Es hat sich um der Werte, Ziele und Ideale willen voll­zogen, die höher stehen als das Leben selbst: Das Opfer ist eine Art Bilanz, eine Art Bewertung, es ist Auswählen: Was ist mehr wert? Ist mein Leben, das menschliche Leben, mehr wert, oder ist das Heil der anderen mehr wert, die Gerechtigkeit, das Ausströ­men der Barmherzigkeit, der Beweis der Liebe? Die wahre Liebe bestätigt sich im Opfer, in der Treue, die in den Schmerz mündet, in das Geschenk seiner selbst; man begegnet diesem in einem äu­ßersten, einem paradoxen Maß, das der Herr für sich bestimmte, indem er für die anderen, für das Heil anderer, starb.

Und dann müssen auch wir das Gesetz des »Sterbens, um zu leben«, das Gesetz des Opfers auf uns nehmen, müssen es neuerlich überdenken. Aber wir vergessen das Opfer immer wieder: Wir möchten es wohl gerne beständig vor Augen haben, aber es ent­weicht uns; wir trachten, anderen Gutes zu tun, lassen es aber auf halbem Wege sein und tun das Gute für uns selbst; der Egoismus verfolgt uns und läßt uns fast immer aus den idealen, guten, heili­gen und ehrlichen Absichten, die unsere Schritte zu Anfang be­flügelt haben, in die verschiedensten eigensüchtigen Zielsetzungen hineingeraten.

Das Kreuz muß mit seinem Gesetz des Opfers unsere egoistische, hedonistische, interessierte und zeitliche Konzeption umkehren, und die Gestaltung unseres moralischen Lebens möge gerade von diesem Prinzip des Glaubens ausgehen.

Es ist gesagt worden, daß man eine Askese braucht, die von der Mystik ausgeht. Wir sagen einfacher: Unser Leben muß, um christ­lich zu sein, auf der Bereitschaft zum Opfer, auf der Heiligung des Schmerzes, auf dem Bekenntnis zum Schmerz, auf der Fähigkeit begründet sein, anderen das zu geben, was sie vielleicht nicht ver­dienen, wessen sie aber bedürfen.

Es ist nötig, daß das Opfer zum Grundgesetz meiner inneren Haltung werde, meines Lebensprogramms; wir müssen, wie am Tag der Taufe, für immer vom Zeichen des Kreuzes gezeichnet sein.

Zuletzt, wenn man das Kreuz durch die Straßen der profanen Stadt trägt, rastend den Lauf der zeitlichen Dinge unterbricht und auf den großen Wegen der Stadt den vielen irdischen Angelegen­heiten begegnet, setzt man fast einen Gewaltakt, gibt man eine Erklärung ab; man sagt gleichsam zum Leben: Bleib einen Augen­blick stehen, das Kreuz geht vorüber. Es ist eine öffentliche Pro­klamation, ein Bekenntnis ohne menschliche Rücksicht, ohne Maß, fast ungehörig, nur um zu sagen: »Non erubesco evangelium — Ich schäme mich des Evangeliums nicht«, und ich verkünde gegenüber meiner Gesellschaft, meinen Mitbürgern, meinen Nächsten und im Angesicht der Affären dieser Welt: Das Evangelium hat das Recht, sich auch unter diesem Aspekt des menschlichen Lebens zu behaup­ten, hat ein Recht, so bejaht zu werden, gleichsam um seine Prin­zipien durch die Adern seiner Blutzirkulation und seines lebendigen Daseins kreisen zu lassen.

Wir werden immer so handeln; wir werden trachten, uns des Glaubens, den wir empfangen haben, und des Kreuzes, das wir bekennen, nie zu schämen. »Non erubesco evangelium — Ich schä­me mich des Evangeliums nicht.«

Wenn wir unser Leben an dieses heilige, trockene und nackte Holz binden, binden wir es nicht an einen toten Baum. Wir binden es an den Baum des Lebens, an den Baum, der über sich das Prinzip des Lebens trägt, Jesus Christus.

Auf einem der schrecklichsten, umkämpftesten Schlachtfelder des Krieges, wo zwanzigtausend junge Alpini gefallen sind — auf der Ortigara —, hat eines Tages jemand auf einen großen Felsstein ein Kreuz hingesetzt; er fügte zwei astfreie, dürre Pinienstämme zu­sammen; sie waren von den Bomben zerstückelt, die den unglück­lichen Boden gequält hatten. Die Worte, die darauf angebracht wurden, stammen aus der Hymne des Venantius Fortunatus: »Nulla silva talem profert frondem florem germine — Kein Wald hat je so schöne Frucht und Blüte getragen wie dieser.«

Auch wir können es voll Vertrauen sagen: Aus menschlichen Quellen quillt kein höheres Leben hervor als aus jenem dürren Holz des Kreuzes, weil aus ihm der Glaube hervorgeht, die Aus­söhnung mit Gott, die moralische Energie, die Verzeihung unserer Sünden und unsere und Christi Auferstehung.

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Quelle: Papst Paul VI. – Christus und der Mensch von heute – Ansprachen und Aufsätze, Wilhelm Goldmann Verlag, München

Österreich: Bischof Elbs für Kreuze in Gerichtssälen

Gerichtssaal

Für Kreuze in Gerichtssälen hat sich der Feldkircher Bischof Benno Elbs ausgesprochen. Die Kreuze seien ein Zeichen der hiesigen Kultur, schließlich seien 80 Prozent der Menschen in Österreich Christen. Deshalb sind laut Elbs religiöse Zeichen in der Öffentlichkeit „wichtige Symbole für unsere Wurzeln, für die Frage, woher wir als Gesellschaft und auch als einzelner Mensch kommen“. Auch stünden Kreuze für Gerechtigkeit und Menschenrechte, erklärte Elbs. Diese Erinnerungen an fundamentale Werte der Gesellschaft haben laut Elbs auch in einem Gerichtssaal Platz. Kreuze seien ein stummes Symbol, das niemanden zu etwas zwinge. So wie Elbs hatte sich dieser Tage auch Kardinal Christoph Schönborn, Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, für Kreuze in den Gerichtsälen ausgesprochen.

(kap 15.04.2017 gs)

Papst beim Kreuzweg: „Niemals sich des Kreuzes Jesu schämen“

Kreuzweg mit Papst Franziskus

Es ist einer der stimmungsvollen Momente der Osterfeierlichkeiten in Rom: Der traditionelle Kreuzweg mit dem Papst. Im Schein tausender Kerzen und Fackeln betete Franziskus am Freitagabend am römischen Kolosseum die Kreuzwegandacht in 14 Stationen am antiken Amphitheater der Ewigen Stadt. Tausende von Pilgern aus aller Welt nahmen teil, Passanten und Touristen gesellten sich hinzu.

Schande und Hoffnung: Der Papst sprach wie gewohnt zum Abschluss ein längeres Gebet, das vor allem um diese beiden Worte kreiste.„Christus, einziger Erlöser, wir wenden uns in diesem Jahr dir zu mit niedergeschlagenen Augen, voller Scham aber mit dem Herzen voll Hoffnung“, betete der Papst. „Schande der vielen Bilder der Zerstörung wegen, die in unserem Leben so normal geworden sind. Schande wegen all des unschuldigen Blutes, das tagtäglich vergossen wird, das Blut von Frauen, Kindern, Migranten und von Menschen, die wegen ihrer Hautfarbe, wegen ihrer ethnischen oder sozialen Zugehörigkeit oder wegen ihres Glaubens an dich verfolgt werden.“ Der Papst zählte viele weitere Weisen auf, in denen „wir wie Judas und Petrus dich verraten und verkauft haben.“

Schweigen vor der Ungerechtigkeit, der Gleichgültigkeit, des fehlenden Einsatzes für andere, der Angst. Aber ausdrücklich beklagte der Papst auch die Schande, wenn Bischöfe, Priester und Ordensleute den Leib Christi verletzt haben, der die Kirche ist.Die Herzen seien neben all der Schande aber auch voller vertrauensvoller Hoffnung, griff der Papst in seinem Gebet den zweiten Begriff auf, Hoffnung, „dass du uns nicht behandelst, wie wir es verdienen, sondern nach der Fülle deiner Barmherzigkeit.“ Gottes mütterliches und väterliches Herz vergesse den Menschen nie, so der Papst. Auch an Hoffnungen zählte er viele in seinem Beten auf.

Zum Abschluss hielt der Papst kurz Fürbitte: Dass Jesus Christus die Opfer von Gewalt, Gleichgültigkeit und Krieg nicht vergesse, dass er die Fesseln des Egoismus zerschneide, dass er Sünde und Schuld vergebe. „Christus, wir bitten dich uns zu lehren, uns niemals deines Kreuzes zu schämen, es nicht zu instrumentalisieren, sondern es zu ehren und anzubeten, denn durch dieses Kreuz zeigst du uns die Größe unserer Sünden, die Weite deiner Liebe, die Ungerechtigkeit unserer Urteile und die Macht deiner Barmherzigkeit. Amen“

Während der Feier trugen Gläubige aus Ägypten, Portugal und Kolumbien ein schlichtes Holzkreuz aus dem Innern des Kolosseum hinauf auf den Palatin-Hügel.

Die Kreuzweg-Meditationen unter dem Titel „Die Liebe Gottes erreicht im Kreuz ihr volles Maß“ stammen in diesem Jahr aus weiblicher Feder. Sie wurden von der französischen Theologin und Ratzinger-Preisträgerin Anne-Marie Pelletier verfasst, die darin das Leid der heutigen Flüchtlinge und Kriegsopfer, aber auch der aufgrund von Religion oder ethnischer Zugehörigkeit Verfolgten hervorhob.

Weiträumig war das Gelände am Ort der „Via Crucis“ rund um das Kolosseum bereits am Morgen abgesperrt worden. Die Zugänge wurden nach Öffnung am späten Nachmittag streng bewacht.

(rv/kap 14.04.2017 ord/ap)

Angelus: „Wer mit Christus stirbt, wird mit ihm auferstehen“

Der Petersplatz beim Angelusgebet

Dass der Weg des Christen ein Weg der Hingabe und des Opfers ist – daran hat der Papst beim Angelusgebet auf dem Petersplatz erinnert. Am zweiten Fastensonntag rief der Papst die Gläubigen dazu auf, die Bereitschaft zum Kreuz im eigenen Alltag zu verankern.

Der Papst ging beim Angelus von der Transfiguration Jesu auf dem Berg Tabor aus, von der das Matthäusevangelium erzählt (Mt 17,1-9): dem Moment, als Jesus vor den drei Jüngern Petrus, Jakobus und Johannes in verklärter Form und mit den Propheten Mose und Elija erscheint. Das lichtvolle Ereignis nehme den Sieg Jesu vorweg und verweise zugleich auf den Weg, den die Jünger zu gehen hätten, so der Papst:

„Der verklärte Jesus auf dem Berg Tabor wollte den Jüngern seine Herrlichkeit nicht zeigen, um zu verhindern, dass sie den Weg des Kreuzes gehen, sondern um ihnen zu zeigen, wohin dieser führt. Wer mit Christus stirbt, wird mit Christus wiederauferstehen. Und das Kreuz ist die Tür der Auferstehung. Wer mit ihm zusammen kämpft, wird mit ihm siegen. Das ist die Botschaft der Hoffnung, die Jesu Kreuz beinhaltet, sie appelliert an die Stärke unserer Existenz. Das christliche Kreuz ist kein Hausrat oder ein Ornament, sondern ein Verweis auf die Liebe, mit der sich Jesus geopfert hat, um die Menschheit vom Bösen und von der Sünde zu retten.“

Nicht als mächtiger und ruhmsüchtiger Herr habe sich Jesus gezeigt, sondern als „demütiger und unbewaffneter Diener“, erinnerte der Papst. Mit seiner Offenbarung auf dem Berg der Verklärung habe Jesus seine Jünger auch auf den „Skandal der Kreuzigung“ vorbereiten wollen, die kurze Zeit später stattfinden sollte. Franziskus rief an dieser Stelle die Gläubigen dazu auf, sich in der Fastenzeit mit Buße auf das Osterfest vorzubereiten:

„Betrachten wir in dieser Fastenzeit mit Hingabe das Bild des Kreuzes, Jesus am Kreuz: es ist ein Symbol des christlichen Glaubens, das Sinnbild Jesu, der für uns starb und wiederauferstand. Bemühen wir uns darum, dass das Kreuz die Etappen unserer Fastenzeit prägt, damit wir immer mehr die Schwere der Sünde und den Wert des Opfers verstehen, mit dem der Erlöser uns gerettet hat, uns alle.“

(rv 12.03.2017 pr)

Australien: Pläne für Riesenkreuz

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Unterstützer: Mel Gibson

Im australischen Outback ist der Bau eines Riesenkreuzes geplant. Das 22 Meter hohe Kreuz soll auf einem Hügel errichtet und beleuchtet werden. Wie der australische Sender „ABC“ am Freitag berichtete, wird es über 700.000 Euro kosten, inklusive der notwendigen Infrastruktur nahe einer Aborigines-Siedlung.

Der Initiator ist der Landschaftsfotograf Ken Duncan mit seiner Stiftung „Walk a While“. Die Idee basiere auf dem Wunsch der örtlichen indigenen Gemeinde und solle ihren Glauben, ihre Kultur und Kreativität zum Ausdruck bringen, heißt es auf der Internetseite der Stiftung. „Einige Hunderttausend Dollar“ sind laut Duncan bereits gespendet worden.

Den Angaben zufolge unterstützt auch der Hollywood-Star Mel Gibson die Aktion. Großspender ab 44.000 Euro erhalten eine signierte Kopie seines Films „Die Passion Christi“, ab 71.000 Euro gibt es von Gibson signierte Requisiten des Films, heißt es auf der Website.

(kap/kna 04.02.2017 jg)

Vatikan: Ältestes Kruzifix wird zum Denkmal des Jubiläums

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Das älteste Kruzifix in St. Peter

Wenn am 20. November das Heilige Jahr zu Ende gehen wird, soll im Petersdom zur „Erinnerung“ an dieses außerordentliche Jubiläumsjahr das älteste Kruzifix von St. Peter für alle Gläubigen wieder sichtbar angebracht werden. Das kündigte an diesem Freitag der Erzpriester der vatikanischen Basilika an, Kardinal Angelo Comastri. Er stellte der Presse das frisch restaurierte Kruzifix vor. 15 Monate lang haben die Arbeiten gedauert, rund 60.000 Euro hat das Ganze gekostet, so Kardinal Comastri.

„Es handelt sich um ein hölzernes Kruzifix, der aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts stammt, also aus der Zeit von Dante Alighieri, und ist bei weitem das älteste Kreuz dieser Größe, das wir hier im Petersdom haben“, so der Erzpriester von St. Peter. Doch in den vergangenen achtzig Jahren war es an einer „ungünstigen“ Stelle platziert, abseits von der Öffentlichkeit. Davor stand ein Aufzug, den nur die Päpste und ihre Begleiter benützten und immer noch exklusiv verwenden. Das Kruzifix ist über 2,15 Meter groß und ist aus dem Stamm eines Nussbaumes erstellt worden. Doch trotz verschiedener Restaurierungsarbeiten im Lauf der Jahrhunderte befand es sich in einem ziemlich schlechten Zustand, wie die Restauratorin Lorenza D’Alessandro erläutert. „Wir mussten jede einzelne Schicht mit speziellen Lasergeräten entfernen“, sagt sie bei der Vorstellung des „neuen“ Kruzifixes. Die Arbeiten fanden im Kapitelsaal der Sakristei von St. Peter statt, wo das frisch restaurierte Kreuz auch der Presse vorgestellt wurde.

„Das Kruzifix wird dann erstmals am 6. November zum Anlass des Gottesdienstes mit dem Papst für das Jubiläumsjahr der Gefängnisinsassen wieder der Öffentlichkeit gezeigt. Gerade für die Gefängnisinsassen als Pilger in St. Peter wird das ein besonderes Zeichen der Hoffnung und eine Botschaft der Barmherzigkeit sein“, so Kardinal Comastri. Übrigens, Franziskus selber hat das Kreuz noch nicht gesehen und wird es wie die Pilger erst am 6. November sehen.

Danach soll es als „Denkmal für das Heilige Jahr der Barmherzigkeit“ in der Sakramentskapelle – also unmittelbar neben dem Grabmal des heiligen Papstes Johannes Paul II. – aufgestellt werden. „Der Pilger, der in jene Seitenkapelle zum Beten kommt, wird dann als erstes den Anblick des Gekreuzigten sehen“, fügt der Erzpriester an.

(rv 28.10.2016 mg)

Maria Restituta Kafka (1894-1943)

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Pfarrkirche Münchendorf, Maria Restituta Kafka Rechts / Wikimedia Commons – Hannes 24, CC BY-SA 3.0

Österreichs erste Märtyrerin

„An der seligen Schwester Restituta können wir ablesen, zu welchen Höhen innerer Reife ein Mensch an der Hand Gottes geführt werden kann. Für das Bekenntnis zum Kreuz hat sie ihren Kopf hingehalten. Sie hat es im Herzen bewahrt und vor der Hinrichtung noch einmal leise ausgesprochen, als sie den Gefängnispfarrer um ein ‚Kreuzerl auf die Stirne‘ bat“, so der heilige Johannes Paul II. während der Seligsprechungsfeier am 21. Juni 1998 in Wien.

Helene Kafka wurde am 1. Mai 1894 in Brünn-Hussovitz geboren. Das Mädchen, das in armen Verhältnissen aufwuchs, besuchte die Schule in Wien, wohin die Familie 1896 verzogen war. Nach der Volksschule absolvierte die Selige eine Haushatsschule und war anschließend als Dienstmädchen tätig.

Eine entscheidende Wende nahm ihr Leben 1913, als Helene begann, als Hilfskrankenpflegerin im Städtischen Krankenhaus Wien-Lainz zu arbeiten. Die Begegnung mit den Franziskanerinnen von der christlichen Liebe, die in dem Krankenhaus in der Krankenpflege tätig waren, hinterließ einen tiefen Eindruck auf sie. Die Selige wollte ihrem Beispiel folgen und auch ihr Leben in den Dienst des Herrn stellen. Ihre Eltern widersetzten sich jedoch dieser Idee. Helene aber setzte ihren Entschluß eigenmächtig um und schloß sich am 23. Oktober 1915 den Franziskanerinnen von der christlichen Liebe, nach ihrem Sitz auch Hartmannschwestern genannt, an.

1916 legte sie die Gelübde ab und nahm den Namen Maria Restituta an. Auch als Ordensschwester blieb sie weiterhin im Krankenhausdienst in verschiedenen Hospitälern tätig, bis sie 1919 im Krankenhaus Mödling zur leitenden Operations- und Anästhesieschwester ernannt wurde. 1923 legte die wegen ihres lebhaften Temperaments auch Schwester Resoluta genannte die ewgien Gelübde ab.

Mit dem Anschluß Österreichs an Nazideutschland im April 1938 änderte sich die Situation schlagartig, und gegen die katholischen Einrichtungen im Land wurden harte Maßnahmen ergriffen. Schwester Maria Restituta zeigte von Anfang an eine ablehnende Haltung gegen die Politik der Nazis. Als sie sich Anfang 1940 der Anordnung widersetzte, die chirurgische Abteilung des Krankenhauses nicht mit Kruzifixen auszustetten, kam es zum Eklat. Die Selige hatte die Räume mit Kruzifixen ausgestattet und weigerte sich standhaft, diese wieder zu entfernen.

Zum Verhängnis sollte der Schwester jedoch ein Flugblatt werden, das sie am 8. Dezember 1941 erhielt und das sie abschreiben ließ. Als sie den regimekritischen Inhalt am Folgetag Kolleginnen vorlas, wurde sie von einem Arzt denunziert und am 18. Februar von der Gestapo im Krankenhaus verhaftet. Sie wurde in das Gefängnis des Wiener Landgerichts verbracht. In der Verhandlung am 29. Oktober vor dem Volksgerichtshof wurde sie „wegen landesverräterischer Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode und zum Ehrenrechtsverlust auf Lebenszeit“ verurteilt.

Schwester Maria Restituta nahm das Urteil gelassen und in Demut hin, wie auch ein Brief an ihre Schwester verdeutlicht: „Schau Anny, wie schwer sieht mein Kreuz aus, doch ist dem nicht so, der lb. Gott überschüttet mich mit Trost, Kraft und Mut.“ Die außerordentliche Haltung, die die Selige während ihrer Gefangenschaft an den Tag legte, hinterließ einen tiefen Eindruck bei ihren Mitgefangenen: „Der Einfluß, den Schwester Restituta auf die Mitgefangenen ausgeübt hat, war wegen ihrer Ausstrahlung und Menschlichkeit wirklich groß. Sie lebte uns allen vor, was es heißt, zu glauben, wenn auch viele von uns aufgrund der Unmenschlichkeit des Lebens und der Mitmenschen nicht mehr glauben konnten.“

Schwester Maria Restituta wurde am 30. März 1943 durch das Fallbeil hingerichtet. Ihre Seligsprechung erfolgte am 21. Juni 1998. Als ihr Gedenktag wurde der 29. Oktober festgesetzt.

„Schwester Restituta, die aus Brünn stammt, in Wien zuhause ist, hier auch ihr Leben als Zeugin des Glaubens, als Märtyrerin beendet hat, verbindet das, was Nationalismus, Sprachen- und Völkerhass getrennt hat. Sie tut es durch ihre Person und ihr Glaubenszeugnis, ihr Martyrium“, so Christoph Kardinal Schönborn.

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Quelle