Jesus war kein Flüchtlingskind

Politisch linksorientierte Menschen haben es üblicherweise nicht so mit der Kirche und dem Christentum. Wenn aber Kirchenfeste wie Weihnachten Anlass und Möglichkeiten bieten, sie für die eigenen, oft sinistren Zwecke zu instrumentalisieren oder gar den Christen aus demselben Grund die Evangelien erklären zu wollen, dann werden die üblichen Kirchenkritiker, die das restliche Jahr meist Häme gegenüber dem Christentum verbreiten, plötzlich zu Bibelspezialisten und beherrschen scheinbar die Exegese der Heiligen Schrift besser als die Theologen und Priester.

Die Familie war nicht auf der Flucht

Alle Jahre wieder wird in diversen Artikeln und Kommentaren der Mythos verbreitet, Jesus wäre ein Flüchtlingskind und seine Geburt in Bethlehem deswegen eine dramatische und gefährliche Angelegenheit gewesen. Das ist aber nach dem offiziellen und in jeder Weihnachtsmesse verlesenen Weihnachtsevangelium von Lukas  definitiv nicht wahr. Maria und Josef waren gemäß dem Evangelisten Lukas auf dem Weg zu einer von Kaiser Augustus angeordneten Volkszählung, die zur Erstellung der Steuerlisten angeordnet worden war. Die Einwohner Judäas mussten deswegen in ihre Geburtsstadt reisen, um sich dort zu melden. Maria und Josef brachen deswegen auf, fanden aber zur Zeit der Niederkunft kein freies Zimmer in den Herbergen und mussten sich mit einem Stall begnügen (was damals kein ungewöhnlicher Platz für Reisende war). Die Geburtsgeschichte aus dem Stall in Bethlehem wird trotzdem fälschlicherweise immer wieder als Flüchtlingsgeschichte dargestellt.

Eine andere Version

Freilich, der Evangelist Matthäus erzählt eine andere Version von Weihnachten bzw. der Zeit danach. Sie gilt allerdings nicht als das klassische Weihnachtsevangelium. Nach den Beschreibungen des Matthäus war der als brutale Schlächter verrufene und in ständiger Angst vor Attentaten lebende König Herodes höchst besorgt, dass laut den kursierenden Informationen ein neuer König der Juden (eben der Messias) geboren werden würde. Als er von Jesu Geburt hörte, schickte er Kundschafter aus, die bei Matthäus als „die Weisen“ bezeichnet werden. Nach der Verifizierung der Geburt ordnete Herodes die Tötung aller männlichen Kinder unter zwei Jahren an. Er wollte sichergehen, dass nirgendwo ein Erstgeborener als Messias gefeiert werden könne.

Laut Matthäus wurde Josef rechtzeitig von einem Engel gewarnt und er floh danach mit seiner Familie nach Ägypten, um sich dort vor den Häschern des Königs zu verstecken und das Leben des Kindes zu retten. Nach dem Tod des Herodes kehrten Maria und Josef wieder nach Judäa zurück. Das war also keine Flucht, die der heutigen Massenmigration in irgendeiner Weise gleichzustellen ist. Es ging damals um eine ganz konkrete persönliche Bedrohung und nicht um wirtschaftliche, kulturelle oder religiöse Motive. Die Reise von Jesus, Maria und Josef erfolgte auch bloß über die nächste Grenze. Die heutige Massenmigration erstreckt sich hingegen über Kontinente und es migrieren kaum Familien, sondern vor allem junge Männer – aus wie gesagt gänzlich anderen Motiven.

Ein Missbrauch des Evangelisten

Die Matthäus-Geschichte wird trotzdem gern von linken Zynikern als „Beweis“ dafür missbraucht, dass die Heilige Familie ein typisches Migrantenschicksal durchgemacht hätte und dass daher gerade die Christen das größte Verständnis für Flüchtlinge aller Art haben müssten. Das ist natürlich eine unlautere und anmaßende Argumentationstechnik. Christen sollten auf diese meist als Provokation gemeinten Anwürfe und Falschmeldungen nicht hereinfallen und sie gar nicht ernst nehmen. Apropos: Jeder ernstzunehmende Mensch wird anderen Menschen in echter Not und körperlicher Bedrängnis Hilfe vergönnen und selber etwas dazu beitragen, Notsituationen zu beheben oder zumindest zu lindern. Dazu braucht man keine linken Bibel-Exegeten, die das Evangelium offensichtlich noch weniger verstanden haben oder verstehen wollen als ihren Marx und ihren Engels.

Klare Worte sind notwendig

Christen müssen aber stets auch klarstellen: Die Bereitschaft zur Hilfe bedeutet nicht, dass man Migranten aller Art über tausende Kilometer nach Europa kommen lassen oder diese sogar per Jet einfliegen muss, wie dies kürzlich in Italien geschehen ist. Und Nächstenliebe heisst definitiv nicht, dass man kritiklos der Massenmigration das Wort reden und alle aufnehmen muss. Das Gegenteil ist wahr: Verantwortungsvolle Hilfe und ein vernünftiges Bewältigen der Migrationskrise kann nur in den Herkunftsregionen stattfinden. Und am allerwenigsten wird die Lösung der Krise in den von sauertöpfisch-atheistischen Besserwissern und linken Provokateuren besetzen Redaktionsstuben gelingen, aus denen zu Weihnachten regelmäßig süffisante Kommentare an die Öffentlichkeit dringen.

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Papstpredigt zur Christmette: Ein Ereignis, das alles verändert

Christmette im Petersdom (@Vatican Media)

Lesen Sie hier die ganze Predigt des Papstes bei der Christmette im Petersdom.

Maria „gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war“ (Lk 2,7). Mit diesem einfachen, aber klaren Satz führt uns Lukas ins Zentrum der Heiligen Nacht: Sie gebar ihren Sohn. Durch Maria erblickte Jesus das Licht der Welt, ja, Maria schenkt uns das Licht der Welt. Eine schlichte Erzählung, die uns eintauchen lässt in jenes Ereignis, das für immer unsere Geschichte verändert. Alles in dieser Nacht wurde zum lichten Hoffnungsquell.

Der lichte Hoffnungsquell

Gehen wir einige Verse zurück. Auf das kaiserliche Dekret hin sahen Maria und Josef sich genötigt aufzubrechen. Sie mussten ihr Volk, ihr Haus und ihre Heimat verlassen und sich auf den Weg machen zur Volkszählung. Weder ein bequemes noch ein leichtes Unterfangen für ein junges Paar, so kurz vor der Geburt eines Kindes: Sie waren gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Im Herzen waren sie wegen des Kindes, das bald zur Welt kommen sollte, voller Hoffnung auf die Zukunft. Ihre Schritte jedoch waren voller Unsicherheiten und Gefahren, die dem begegnen, der sein Zuhause verlassen muss.

“ Und gerade dort, inmitten dieser Herausforderung, hat Maria uns den Immanuel geschenkt ”

Und dann mussten sie die wohl größte Schwierigkeit bewältigen: bei der Ankunft in Betlehem die Erfahrung machen, dass sie dort niemand erwartete, dass dort kein Platz für sie war.

Und gerade dort, inmitten dieser Herausforderung, hat Maria uns den Immanuel geschenkt. Der Sohn Gottes musste in einem Stall zur Welt kommen, weil die Seinen keinen Platz für ihn hatten. „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11). Und dort … inmitten der Dunkelheit einer Stadt, die für den weit gereisten Fremden weder Raum noch Platz hat, inmitten der Dunkelheit einer sehr bewegten Stadt, die, wie es in diesem Fall scheint, dadurch aufgebaut wird, dass jeder nur auf sich bedacht ist, gerade dort entzündet sich der revolutionäre Funke der Zärtlichkeit Gottes. In Betlehem tat sich da ein kleiner Lichtblick auf für jene, die ihr Land, ihre Heimat und ihre Träume verloren haben; sogar für jene, die der Erstickung eines in sich verschlossenen Lebens verfallen waren.

Die Spuren der vielen, die einfach nur überleben wollen

Hinter den Schritten von Maria und Josef verbergen sich viele Schritte. Wir sehen die Spuren ganzer Familien, die auch heute gezwungen sind, von zu Hause wegzugehen. Wir sehen die Spuren von Millionen Menschen, die nicht freiwillig gehen, sondern gezwungen sind, sich von ihren Lieben zu trennen, weil sie aus ihrem Land vertrieben werden. In vielen Fällen ist es ein Aufbruch voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft; in vielen anderen Fällen hat dieser Aufbruch nur einen Namen: Überleben. Die aktuellen Nachfolger des Herodes zu überleben, die zur Durchsetzung ihrer Macht und zur Mehrung ihrer Reichtümer nicht davor zurückschrecken, unschuldiges Blut zu vergießen.

Maria und Josef, für die kein Platz war, sind die Ersten, die den umarmen durften, der kommt, um uns allen ein Bürgerrecht zu verleihen. Ihn, der in seiner Armut und Kleinheit aufzeigt und deutlich macht, dass die wahre Macht und wirkliche Freiheit darin bestehen, der Zerbrechlichkeit der Schwächsten respektvoll und hilfsbereit zu begegnen.

“ Ihn, der in seiner Armut und Kleinheit aufzeigt und deutlich macht, dass die wahre Macht und wirkliche Freiheit darin bestehen, der Zerbrechlichkeit der Schwächsten respektvoll und hilfsbereit zu begegnen ”

In jener Nacht wird er, dem man für seine Geburt keinen Platz zugestanden hatte, denen verkündet, die keinen Platz an den Tischen und in den Straßen der Stadt hatten. Die Hirten sind die ersten Adressaten dieser guten Nachricht. Aufgrund ihrer Arbeit waren dies Männer und Frauen, die am Rande der Gesellschaft leben mussten. Ihre Lebensumstände, die Orte, wo sie sein mussten, machten es ihnen unmöglich, alle vorgeschriebenen religiösen Reinigungsriten einzuhalten, und so galten sie als unrein. Ihre Haut, ihre Kleidung, der Geruch, ihre Sprechweise, ihre Herkunft verriet sie. Alles an ihnen erweckte Misstrauen. Sie waren Männer und Frauen, von denen man sich fernhalten und die man fürchten musste; sie galten als Heiden unter den Gläubigen, als Sünder unter den Gerechten, als Fremde unter den Bürgern. Und ihnen – den Heiden, Sündern und Fremden – sagt der Engel: „Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr“ (Lk 2,10-11).

Teilen, feiern, verkünden

Dies also ist die Freude, die wir in dieser Nacht eingeladen sind zu teilen, zu feiern und zu verkünden. Die Freude, mit der Gott uns Heiden, Sünder und Fremde in seiner unendlichen Barmherzigkeit umarmt hat und uns dazu treibt, es ihm gleich zu tun.

Der Glaube dieser Nacht lässt uns Gott als den erkennen, der überall dort anwesend ist, wo wir glauben, er sei abwesend. Er ist ein unerkannter, nicht erkennbarer Gast, der in unseren Städten, in unseren Vierteln, in unseren Bussen unterwegs ist und an unsere Türen klopft.

“ Weihnachten ist die Zeit, die Kraft der Angst in eine Kraft der Liebe zu verwandeln, in eine Kraft für eine neue Auffassung von Nächstenliebe ”

Und eben dieser Glaube drängt uns, einer neuen Auffassung des Sozialen Raum zu geben und keine Angst zu haben, neue Formen der Beziehung auszuprobieren, in denen niemand das Gefühl haben muss, in dieser Welt keinen Platz zu haben. Weihnachten ist die Zeit, die Kraft der Angst in eine Kraft der Liebe zu verwandeln, in eine Kraft für eine neue Auffassung von Nächstenliebe. Nämlich die Nächstenliebe, sich nicht mit der Ungerechtigkeit zufriedengibt, als wäre sie etwas Normales, sondern den Mut hat, inmitten von Spannungen und Konflikten zu einem „Haus des Brotes“, zu einem Raum der Gastfreundschaft zu werden. Daran erinnerte uns Johannes Paul II. „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus“ (Homilie in der Messe am Beginn des Pontifikats, 22. Oktober 1978).

Gott kommt im Kind entgegen

Im Kind von Betlehem kommt Gott uns entgegen, um uns zu Protagonisten des uns umgebenden Lebens zu machen. Er schenkt sich uns, damit wir ihn in die Arme nehmen, damit wir ihn hochheben und umarmen – damit wir in ihm uns nicht scheuen, den Dürstenden, den Fremden, den Nackten, den Kranken und den Gefangenen in die Arme zu nehmen, sie aufzurichten und zu umarmen (vgl. Mt 25,35-36). „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus“. In diesem Kind lädt Gott uns ein, der Hoffnung zu dienen. Er lädt uns dazu ein, auf die vielen Menschen achtzugeben, die unter der Last der Trostlosigkeit so vieler verschlossener Türen aufgegeben haben. In diesem Kind macht Gott uns zu Protagonisten seiner Gastfreundschaft.

Ergriffen von Freude über dein Geschenk, bitten wir dich, kleines Kind von Betlehem, dass dein Weinen uns aufwecke aus unserer Gleichgültigkeit und unsere Augen öffne für den, der leidet. Deine Zärtlichkeit wecke unsere Sensibilität und schenke uns, dass wir uns angesprochen fühlen, dich in all jenen zu erkennen, die in unseren Städten, in unserem Alltag, in unseren Leben ankommen. Deine revolutionäre Zärtlichkeit überzeuge uns, dem Ruf zu folgen und uns für die Hoffnung und Zärtlichkeit unserer Leute einzusetzen.

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Weihnachtsbotschaft von Bischof Gregor Maria Hanke, Bistum Eichstätt

Die Weihnachtsbotschaft von Bischof Gregor Maria Hanke im Video. Dazu ist die Jugendkantorei am Eichstätter Dom unter Leitung von Domkapellmeister Christian Heiß zu sehen und zu hören.

Die Sängerinnen und Sänger präsentieren „Vom Himmel hoch, o Engel kommt“. Text und Melodie: Geistliches Wiegenlied 1625; Satz: Christian Heiß

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Homilie von Bischof Vitus Huonder am Hochfest von Weihnachten

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Brüder und Schwestern im Herrn,

es ist tatsächlich so: Märchen können erbauen und ergötzen. Als Kind hörte ich fürs Leben gerne Märchen. Es ist auch so: Märchen vermitteln Lehren und enthalten viele Wahrheiten. Aber – und dies ist letztendlich entscheidend – nicht jede Wahrheit ist ein Märchen.

Auch die Wahrheit der geistgewirkten Empfängnis und Menschwerdung unseres Herrn Jesus Christus ist kein Märchen. Die Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria ist kein Märchen. Die Kirche unterstreicht diese Wahrheit, indem sie in ihrer Lehre festhält: Maria war Jungfrau vor, in und nach der Geburt. Die Kirche spricht daher von der immerwährenden Jungfräulichkeit Marias. Das ist fester, verbindlicher Inhalt des katholischen Glaubens.
Im Mittelpunkt der heutigen Feier steht der dritte Artikel des Glaubensbekenntnisses. Er lautet, wie wir dies anschließend im Credo zum Ausdruck bringen: „Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel (herab)gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden“ (Qui propter nos homines et propter nostram salutem, descendit de caelis, et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria Virgine et homo factus est). Auf diese Weise bekennen wir, dass die Menschwerdung des Sohnes Gottes aus der Jungfrau Maria – die Empfängnis ohne Zutun eines Mannes – Wirklichkeit ist; dass dies geschehen ist. Es ist nicht die Wahrheit eines Märchens. Es ist die Wahrheit der Geschichte. Es ist die Wahrheit eines Ereignisses. Es ist die Wahrheit des göttlichen Wirkens, der göttlichen Allmacht. „Denn für Gott ist nichts unmöglich“ (Lk 1,37), hält Lukas bei der Schilderung der Empfängnis des Sohnes Gottes fest. Damit aber sagt uns der Evangelist, dass er uns kein Märchen erzählen will. Nichts Erfundenes! Nichts Erdichtetes! Vielmehr will er das wunderbare Walten Gottes vor Augen führen. Er will uns das erschließen, was für uns Menschen nicht ohne weiteres einsichtig und nachvollziehbar ist, und uns im Glauben stärken.

Der Evangelist will uns auch darlegen, wie dieses wunderbare Walten Gottes zu erklären ist: Durch das Wirken des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist – die dritte göttliche Person – wirkt so in die Schöpfung, in die Natur hinein, dass die Menschwerdung des Sohnes Gottes aus der Jungfrau Maria – die Empfängnis ohne Zutun eines Mannes – eine geschichtliche Wirklichkeit wird. Das ist der Inhalt des heutigen Festgeheimnisses. Das ist der Inhalt von Weihnachten. Nicht der Weihnachtsmann, nicht die Lichterdekoration, nicht der Weihnachtsmarkt, nicht die vielen Weihnachtsessen! Ja, ohne das heutige Festgeheimnis gäbe es dies alles gar nicht.

Der Evangelist Johannes – wir haben ihn eben gehört – fasst dieses Geheimnis in die gedrängten Worte: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14). So ist die Menschwerdung des Sohnes Gottes die Wahrheit eines Geschehens. Das Märchen hingegen ist die Erfindung einer Geschichte. Erfindung und Geschehen sind darin verschieden, dass das eine die Vorstellung des menschlichen Geistes ist – Phantasie; das andere der Gegenstand eines Ereignisses – Wirklichkeit. Deshalb bekennt die Kirche als Wirklichkeit und nicht als Ausdruck eines Märchens im Credo: Er „hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden“ (Et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria Virgine et homo factus est).

Wir haben in der Heiligen Nacht den ersten Teil des Bekenntnisses der Menschwerdung unseres Herrn betrachtet: „Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel (herab) gekommen“ (qui propter nos homines et propter nostram salutem, descendit de caelis). Wir haben dabei festgehalten: Was in dieser „Nacht geschehen ist – die Geburt Jesu – ist zu unserem Heil geschehen. Es ist geschehen, damit wir aus unserer menschlichen Not befreit werden. Es ist geschehen, damit das Böse, damit Verletzungen, Hass, Unfriede, Unglück, Elend, ja der Tod ein Ende nehmen. Es ist geschehen, damit wir erlöst werden und uns die Tür zum Himmel offen stehe“. Meine Lieben, wäre das alles nur ein Märchen, würden wir heute nicht die Geburt des Sohnes Gottes feiern und – was ganz schlimm wäre – wir wären gar nicht erlöst. Dank sei Gott, dass er uns seinen einzigen Sohn, das Wort vom Wort, das von Ewigkeit her ist, durch das Ja der Jungfrau geschenkt hat, so dass Erlösung Wirklichkeit ist – und kein Märchen. Amen.

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PREDIGT VON JOHANNES PAUL II. AM NEUJAHRSTAG 2001

Papstwappen Johannes Paul II.HEILIGE MESSE AM HOCHFEST DER GOTTESMUTTER MARIA
XXXIV. WELTFRIEDENSTAG

PREDIGT VON JOHANNES PAUL  II.

1. Januar 2001

1. »So eilten [die Hirten] hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag« (Lk 2,16).

Heute, in der Weihnachtsoktav, fordert uns die Liturgie mit diesen Worten auf, mit neuem und entschlossenem Eifer nach Betlehem zu ziehen, um das göttliche Kind anzubeten, das für uns geboren wurde. Sie lädt uns ein, den Schritten der Hirten zu folgen, die sich in die Grotte begeben und in jenem kleinen Menschenwesen, »geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt« (Gal4,4), den Allmächtigen erkennen, der zu einem von uns geworden ist. Neben ihm sind Josef und Maria stille Zeugen des Weihnachtswunders. Das ist das Geheimnis, das auch wir heute staunend betrachten: Der Herr ist für uns zur Welt gekommen. Maria hat »den König geboren, der in Ewigkeit herrscht über Himmel und Erde« (vgl. Sedulius).

Verzückt stehen wir vor der Szene, die der Evangelist uns erzählt. Halten wir nun ein wenig inne, um die Hirten zu betrachten. Sie bringen auf einfache und freudvolle Weise das menschliche Suchen zum Ausdruck und stellen – insbesondere im Rahmen des Großen Jubiläumsjahres – die inneren Voraussetzungen zur Begegnung mit Jesus heraus.

Die entwaffnende Zartheit des Kindes, die überraschende Armut, in der es sich befindet, die demütige Bescheidenheit von Maria und Josef verwandeln das Leben der Hirten: Sie werden somit zu Heilsboten, zu Evangelisten ante litteram. Der hl. Lukas schreibt: »Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war« (Lk 2,20). Sie verließen das Kind voll Freude und bereichert von einem Ereignis, das ihre Existenz verändert hatte. In ihren Worten hallt eine innere Freude wider, die zum Lied wird: »Sie kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn.«

2. Auch wir haben uns in diesem Jubiläumsjahr auf den Weg gemacht, um Christus, dem Erlöser des Menschen, zu begegnen. Beim Gang durch die Heilige Pforte haben wir seine geheimnisvolle Gegenwart gespürt, durch die dem Menschen die Möglichkeit gegeben ist, von der Sünde zur Gnade und vom Tod zum Leben zu gelangen. Der Gottessohn, der für uns Fleisch geworden ist, hat uns den eindringlichen Aufruf zur Bekehrung und Liebe vernehmen lassen.

Wie viele Gnadengaben, wie viele außerordentliche Gelegenheiten hat das Große Jubiläumsjahr den Gläubigen geboten! Durch die Erfahrung der empfangenen und geschenkten Vergebung, im Gedenken an die Märtyrer, im Hören des Aufschreies der Armen dieser Welt und in den Glaubenszeugnissen, die uns die gläubigen Brüder aller Zeiten hinterlassen haben, konnten auch wir die heilbringende Gegenwart Gottes in der Geschichte erkennen. Wir haben seine Liebe, die das Antlitz der Erde erneuert, gewissermaßen am eigenen Leibe erfahren. Diese besondere Zeit der Gnade wird nun in wenigen Tagen zu Ende gehen. Ebenso wie von den Hirten, die herbeieilten, um ihn anzubeten, fordert Christus auch von den Gläubigen, denen er die Freude der Begegnung mit ihm geschenkt hat, eine mutige Bereitschaft zum Wiederaufbruch, um sein so altes und doch immer neues Evangelium zu verkünden. Er sendet sie aus, um die Geschichte und die Kulturen der Menschen mit seiner heilbringenden Botschaft zu beleben.

3. »Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn« (Lk 2,20). Von der Gnade des Heiligen Jahres ermutigt und bereichert, beginnen auch wir dieses neue Jahr, das der Herr uns schenkt. Es mögen uns dabei die Worte aus der ersten Lesung stärken, die den Segen des Schöpfers erneuern: »Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil« (Num 6,24–26). Der Herr schenke uns seinen Frieden, der nicht das Ergebnis menschlicher Kompromisse, sondern die überraschende Wirkung seines wohlwollendes Blickes auf uns ist. Dies ist der Friede, um den wir heute bitten, wenn wir den 34. Weltfriedenstag feiern.

Mit großer Herzlichkeit begrüße ich die Botschafter des beim Hl. Stuhl akkreditierten Diplomatischen Korps, die an dieser feierlichen Liturgie teilnehmen. Besonders begrüße ich den lieben Msgr. François Xavier Nguyên Van Thuân, Präsident des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden, und mit ihm die Mitarbeiter des Dikasteriums, das mit der besonderen Aufgabe betraut ist, die Bemühungen des Papstes und des Apostolischen Stuhls für die Förderung einer gerechteren und geeinteren Welt zum Ausdruck zu bringen. Ich begrüße die Vertreter des öffentlichen Lebens und alle, die an dieser Begegnung des Gebetes für den Frieden teilnehmen. Ihnen allen möchte ich im Geiste noch einmal die Botschaft zum diesjährigen Weltfriedenstag übergeben; darin habe ich mich mit einem besonders aktuellen Thema auseinandergesetzt, nämlich dem »Dialog zwischen den Kulturen für eine Zivilisation der Liebe und des Friedens«.

4. In diesem eindrucksvollen liturgischen Rahmen erneuere ich heute gegenüber jedem Menschen guten Willens die nachdrückliche Einladung, den privilegierten Weg des Dialogs vertrauensvoll und beharrlich zu gehen. Nur so werden die besonderen Reichtümer, die die Geschichte und das Leben der Menschen und Völker prägen, nicht verlorengehen, sondern können im Gegenteil zum Aufbau eines neuen Zeitalters brüderlicher Solidarität beitragen. Alle sollen um die Förderung einer echten Kultur der Solidarität und Gerechtigkeit bemüht sein; sie »ist eng mit dem Wert des Friedens verbunden, dem vorrangigen Ziel jeder Gesellschaft und des Zusammenlebens auf nationaler und internationaler Ebene« (Botschaft zum Weltfriedenstag,18).

Dies ist überaus notwendig in der jetzigen Situation der Welt, die durch die zunehmende Mobilität der Menschen, durch die globale Kommunikation und die nicht immer einfache Begegnung zwischen verschiedenen Kulturen noch komplexer geworden ist. Zugleich muß die Dringlichkeit der Verteidigung des Lebens mit Nachdruck betont werden. Das Leben ist ein fundamentales Gut der Menschheit, denn »man kann nicht den Frieden fordern und das Leben mißachten« (ebd. 19).

Bitten wir den Herrn, daß die Achtung dieser Grundwerte, die zum Bestand jeder Kultur gehören, zum Aufbau der ersehnten Zivilisation der Liebe und des Friedens beitragen möge. Dies erwirke uns Christus, der Friedensfürst, den wir in der Armut der Krippe betrachten.

5. »Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach« (Lk 2,19).

Heute feiert die Kirche das Hochfest der Gottesmutter Maria. Nachdem der Evangelist sie als diejenige dargestellt hat, die den suchenden Hirten das Kind zeigt, schenkt er uns ein weiteres,  einfaches und zugleich majestätisches Bild Mariens. Maria ist die Frau des Glaubens, die in ihrem Herzen, in ihren Plänen, in ihrem Leib, in ihrer Erfahrung als Braut und Mutter für Gott Raum schuf. Sie ist die Glaubende, die in der ungewöhnlichen Lebensgeschichte des Sohnes das Kommen jener »Fülle der Zeit«(vgl. Gal 4,4) zu erahnen vermochte. In ihr wollte Gott, indem er die einfachen Wege der menschlichen Existenz wählte, sich persönlich in das Heilswerk einbringen.

Der Glaube führt die heilige Jungfrau dazu, unbekannte und unvorhersehbare Wege zu gehen; dabei bewahrt sie alles in ihrem Herzen, das heißt in der Tiefe ihres Geistes, um Gott und seinem Liebesplan mit erneuerter Treue Antwort zu geben.

6. An sie richten wir zu Beginn dieses neuen Jahres unser Gebet.

Hilf auch uns, o Maria, unser Dasein immer im Geiste des Glaubens zu überdenken. Hilf uns, im hektischen täglichen Leben Zeiten der Stille und Betrachtung zu bewahren. Mach, daß wir immer nach den Bedürfnissen des wahren Friedens streben, der ein Geschenk der Geburt Christi ist.

Dir empfehlen wir an diesem ersten Tag des Jahres 2001 die Erwartungen und Hoffnungen der ganzen Menschheit: »Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, heilige Gottesgebärerin; verschmähe nicht unser Gebet in unsern Nöten, sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren,  o du glorreiche und gebenedeite Jungfrau« (Aus dem Stundenbuch).

Jungfrau und Gottesmutter, sei unsere Fürsprecherin bei deinem Sohn, damit sein Antlitz über dem Weg des neuen Jahrtausends leuchte und damit jeder Mensch in Gerechtigkeit und Frieden leben kann!

Amen!

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Siehe auch:

APOSTOLISCHES SCHREIBEN „NOVO MILLENNIO INEUNTE“ SEINER HEILIGKEIT PAPST JOHANNES PAUL II. AN DIE BISCHÖFE, DEN KLERUS, DIE ORDENSLEUTE UND AN DIE GLÄUBIGEN ZUM ABSCHLUSS DES GROSSEN JUBILÄUMS DES JAHRES 2000 vom 6. Januar 2001

Papst Franziskus: Urbi et orbi: „Jesus ist das Heil für jeden Menschen und für alle Völker!“

„Jesus ist das Heil für jeden Menschen und für alle Völker!“ Mit diesen Worten hat sich Papst Franziskus am ersten Weihnachtstag an die Welt gewandt. In seiner Weihnachtsbotschaft gedachte der Papst vor rund 80.000 Pilgern auf dem Petersplatz aller leidenden, verfolgten und bedürftigen Menschen in Konflikt- und Notstandsgebieten auf dem gesamten Globus: „In der Tat gibt es zu diesem Weihnachten viele Tränen“, so Franziskus wörtlich, „zusammen mit den Tränen des Jesuskindes“. Nach seiner Botschaft erteilte Franziskus, von der Mittelloggia des Petersdoms aus, den traditionellen Weihnachtssegen „Urbi et Orbi“ – „Der Stadt und dem Erdkreis“.

Begleitet wurde Papst Franziskus bei der Zeremonie neben dem emeritierten Kurienkardinal und Slowenen Franc Rodé vom deutschen Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller. Es ist das zweite Weihnachtsfest des lateinamerikanischen Papstes in Rom.

Aufruf zu Hilfe für Menschen im Nahen Osten

Franziskus ging in seiner Weihnachtsbotschaft zunächst auf die Lage im Nahen Osten ein: „Ihn, den Retter der Welt, bitte ich, dass er auf unsere Brüder und Schwestern im Irak und in Syrien schaue, die seit zu langer Zeit unter den Auswirkungen der andauernden Konflikte leiden und zusammen mit den Angehörigen anderer ethnischer und religiöser Gruppen grausame Verfolgung erleiden. Weihnachten bringe ihnen Hoffnung wie den zahlreichen Evakuierten – Vertriebene und Flüchtlinge, Kinder, Erwachsene und Alte – in der Region und in der ganzen Welt.“

Der Papst bat hier um konkrete Solidarität und Hilfe: „Weihnachten verwandle die Gleichgültigkeit in Nähe und die Ablehnung in Aufnahme, damit alle, die jetzt geprüft sind, die notwendigen menschlichen Hilfen erhalten, um die Härten des Winters zu überstehen, um in ihre Länder zurückzukehren und in Würde zu leben.“

Für Dialog im Heiligen Land, in der Ukraine und in Afrika

Weiter drängte Franziskus auf eine Fortsetzung des Dialoges zwischen Israelis und Palästinensern: „Möge der Herr die Herzen für das Vertrauen öffnen und dem ganzen Nahen Osten seinen Frieden schenken – angefangen bei dem Land, das durch seine Geburt gesegnet worden ist –, indem er die Anstrengungen derer unterstütze, die sich tatkräftig für den Dialog zwischen Israelis und Palästinenser einsetzen.“

Mit Blick auf die Ukraine bat der Papst um „Versöhnung und Brüderlichkeit“ für das bürgerkriegsgeschüttelte Land und dass „Spannungen, Hass und Gewalt“ dort ein Ende nähmen.

Für die aktuellen Krisengebiete des afrikanischen Kontinentes forderte der Papst Dialog und ein Ende des Blutvergießens: „Christus, der Erlöser, möge Nigeria Frieden geben, wo weiteres Blut vergossen wird und zu viele Menschen ungerecht ihrem Leben entrissen, als Geißeln gehalten oder umgebracht werden. Frieden erbitte ich auch für andere Teile des afrikanischen Kontinentes. Ich denke besonders an Libyen, an den Süd-Sudan, an die Zentralafrikanische Republik und an verschiedene Regionen in der Demokratischen Republik Kongo; und ich bitte alle, die politische Verantwortung tragen, sich durch Dialog dafür einzusetzen, die Gegensätze zu überwinden und ein dauerhaftes geschwisterliches Miteinander aufzubauen.“

Gebet für Ebola-Opfer und die Opfer des Anschlags von Peschawar

Den im Kampf gegen die Ebola-Epidemie engagierten Helfern in Guinea, Liberia und Sierra Leone sprach er Dank und Anerkennung aus; zugleich warnte er davor, das Virus zu unterschätzen: „Von Herzen danke ich allen, die sich mutig darum bemühen, den Kranken und ihren Familienangehörigen beizustehen, und erneuere zugleich den dringenden Aufruf, Fürsorge und notwendige Therapien sicherzustellen.“

Papst verurteilt Abtreibungen und jede Form der Gewalt gegen Kinder

Besonderes Augenmerk richtete der Papst in seiner Weihnachtsbotschaft auf die minderjährigen Opfer von Ausbeutung, Hass und Gewalt: „Jesus schütze die Kinder! Zu viele von ihnen sind Opfer von Gewalt geworden, weil sie zum Gegenstand von Ausbeutung und Menschenhandel gemacht oder als Soldaten verdingt wurden. Er gebe den Familien Trost, deren Kinder letzte Woche in Pakistan getötet wurden.“

Ausgehend vom Jesuskind meditierte Franziskus über die vielfältigen Formen von Missbrauch an Kindern. Dabei ging er auch auf das Thema Lebensschutz ein und fand hier deutliche Worte: „Meine Gedanken gehen zu allen Kindern, die heute getötet und misshandelt werden: diejenigen, die – noch bevor sie das Licht der Welt erblicken – getötet werden, denen eine großzügige Elternliebe entzogen wird und die im Egoismus einer Kultur begraben werden, die nicht das Leben liebt.“ Weiter erhob der Papst Anklage gegen Gleichgültigkeit und Untätigkeit gegenüber solcher Verbrechen. Er gedachte der „Kinder, die aufgrund von Kriegen und Verfolgungen obdachlos sind, die unter unseren Augen und unserem komplizenhaften Schweigen missbraucht und ausgebeutet werden“ sowie der „Kinder, die unter Bomben sterben – auch dort, wo der Sohn Gottes geboren wurde. Noch heute schreit ihr hilfloses Schweigen unter dem Schwert so vieler Herodesse. Auf ihrem Blut breitet sich heute der Schatten der heutigen Herodesse aus!“

Der Papst erbat Hoffnung für alle diejenigen, „die unter Kriegen, Verfolgungen und Sklaverei leiden“. Und er rief er zu einer Bekehrung der Herzen eines jeden Einzelnen auf: „Mit ihrer Sanftmut nehme die göttliche Macht die Herzenshärte vieler Männer und Frauen weg, die in einem verweltlichten Leben oder in der Gleichgültigkeit versunken sind. Seine rettende Kraft mache die Waffen zu Pflugscharen und verwandle die Zerstörung in Kreativität und den Hass in Liebe und Zärtlichkeit. (…) Ihnen allen wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest!“

(rv 25.12.2014 pr)

PAPST BENEDIKT XVI.: „Kommt, ihr Völker, und betet an den HERRN, unseren GOTT!“

CHRISTUS IST GEBOREN!

CHRISTUS IST GEBOREN!

„Aufgeleuchtet ist uns aufs neue der Tag der Erlösung:
Ein großes Licht ist heute auf Erden erschienen.
Kommt, ihr Völker, und betet an den Herrn, unseren Gott.“
(Weihnachten – Messe am Tag, Ruf vor dem Evangelium)

Liebe Brüder und Schwestern! „Aufgeleuchtet ist uns aufs neue der Tag der Erlösung.“ Ein Tag großer Hoffnung: Heute ist der Retter der Menschheit geboren! Die Geburt eines Kindes bringt normalerweise ein Licht der Hoffnung allen, die es bange erwarten. Als Jesus in der Grotte von Bethlehem geboren wurde, erschien ein „großes Licht“ auf der Erde; eine große Hoffnung trat in das Herz all jener ein, die ihn erwarteten: „lux magna“ singt die Liturgie am heutigen Weihnachtstag. Dieses Licht war gewiß nicht „groß“ nach der Art und Weise dieser Welt, denn anfangs sahen es nur Maria, Josef und einige Hirten, dann die Sterndeuter, der alte Simeon, die Prophetin Hanna: diejenigen, die Gott auserwählt hatte. Und doch ist in der Verborgenheit und Stille jener heiligen Nacht einem jeden Menschen ein strahlendes und unvergängliches Licht aufgeleuchtet; die große Hoffnung, die Glück mit sich bringt, ist in die Welt gekommen: „Das Wort ist Fleisch geworden … und wir haben seine Herrlichkeit gesehen“ (Joh 1, 14).

„Gott ist Licht“ – sagt der heilige Johannes – „und keine Finsternis ist in ihm“ (1 Joh 1, 5). Im Buch Genesis lesen wir, daß, als das Universum seinen Anfang nahm, „die Erde wüst und wirr war und Finsternis über der Urflut lag“. „Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht“ (Gen 1, 2.3). Das schöpferische Wort Gottes ist Licht, Quelle des Lebens. Alles ist durch den Logos geworden und ohne Ihn wurde nichts, was geworden ist (vgl. Joh 1, 3). Das ist der Grund, warum alle Geschöpfe grundsätzlich gut sind und Gottes Spur in sich tragen, einen Funken seines Lichts. Dennoch, als Jesus aus der Jungfrau Maria geboren wurde, ist das Licht selbst in die Welt gekommen: „Gott von Gott, Licht vom Licht“ bekennen wir im Credo. In Jesus hat Gott angenommen, was er nicht war, während er blieb, was er war: „Die Allmacht trat in einen Kindesleib ein und entzog sich nicht der Leitung des Weltalls“ (vgl. Augustinus, Sermo 184, 1 über Weihnachten). Er wurde Mensch, der der Schöpfer des Menschen ist, um der Welt den Frieden zu bringen. Daher singen in der Nacht von Weihnachten die Scharen der Engel: „Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade“ (Lk 2, 14).

„Ein großes Licht ist heute auf Erden erschienen.“ Das Licht Christi bringt Frieden. Die Liturgie der Messe in der Heiligen Nacht wurde mit genau diesem Gesang eröffnet: „Heute ist der wahre Friede vom Himmel herabgestiegen“ (Eröffnungsvers). Mehr noch, nur das „große“ Licht, das in Christus erschienen ist, kann den Menschen den „wahren“ Frieden schenken: Das ist der Grund, warum jede Generation gerufen ist, es aufzunehmen, den Gott aufzunehmen, der in Bethlehem einer von uns wurde.

Das ist Weihnachten! Ein historisches Ereignis und ein Geheimnis der Liebe, das sich seit über zweitausend Jahren an die Männer und Frauen aller Zeiten und aller Orte richtet. Es ist der heilige Tag, an dem das „große Licht“ Christi, das Frieden bringt, erstrahlt! Sicher, um es zu erkennen, um es aufzunehmen, braucht es Glaube, braucht es Demut: die Demut Marias, die dem Wort des Herrn geglaubt hat und als erste, über die Krippe gebeugt, die Frucht ihres Leibes anbetete; die Demut Josefs, des gerechten Mannes, der Glaubensmut hatte und es vorzog, Gott mehr zu gehorchen als das eigene Ansehen zu wahren; die Demut der Hirten, der armen und namenslosen Hirten, die die Nachricht des himmlischen Boten aufnahmen und eilends zur Grotte gelangten, wo sie das neugeborene Kind fanden und es voll Staunen anbeteten und Gott priesen (vgl. Lk 2, 15-20). Die Kleinen, die Armen im Geiste: sie sind die Hauptfiguren von Weihnachten, gestern wie heute; sie sind immer die Hauptfiguren der Geschichte Gottes, die unermüdlichen Arbeiter seines Reiches der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens.

In der Stille der Nacht von Bethlehem wurde Jesus geboren und von fürsorglichen Händen aufgenommen. Und heute, an diesem unseren Weihnachten, an dem die frohe Nachricht seiner erlösenden Geburt weiter erklingt, wer ist bereit, ihm die Tür des Herzens zu öffnen? Männer und Frauen unserer Zeit, auch zu uns kommt Christus, um das Licht zu bringen, auch zu uns kommt er, um den Frieden zu schenken! Wer aber wacht in der Nacht des Zweifels und der Unsicherheit mit einem wachen und betenden Herzen? Wer erwartet die Morgenröte des neuen Tages mit der brennenden Flamme des Glaubens? Wer hat Zeit, um sein Wort zu hören und sich von der Anziehungskraft seiner Liebe umfangen zu lassen? Ja! Allen gilt seine Friedensbotschaft; zu allen kommt er, um sich selbst als sichere Hoffnung auf Heil anzubieten.

Möge das Licht Christi, das kommt, um jeden Menschen zu erleuchten, endlich erstrahlen, und möge es Trost sein besonders für alle, die sich in der Finsternis des Elends, der Ungerechtigkeit, des Krieges befinden; möge es Trost sein für diejenigen, die sich in ihrem berechtigten Streben nach einem sicheren Auskommen, nach Gesundheit, Bildung, nach einer festen Beschäftigung immer noch verneint sehen, in ihrem Streben nach einer volleren Teilnahme an der bürgerlichen und politischen Verantwortung – jenseits aller Unterdrückung und geschützt vor Bedingungen, die die menschliche Würde beleidigen. Opfer blutiger bewaffneter Konflikte, des Terrorismus und jeder Art von Gewalt, die ganzen Völkern unerhörte Leiden zufügen, sind insbesondere die schwächeren Personengruppen, die Kinder, die Frauen, die Betagten. Gleichzeitig verhärten ethnische, religiöse und politische Spannungen, Instabilität, Rivalitäten, Gegensätze, Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen, die das innere Gefüge vieler Länder zerreißen, die internationalen Beziehungen. Und in der Welt nimmt die Zahl der Migranten, der Flüchtlinge, der Vertriebenen auch wegen der häufigen Naturkatastrophen, die oft Auswirkung besorgniserregender Umweltschäden sind, ständig zu.

An diesem Tag des Friedens gehen die Gedanken vor allem dorthin, wo das Donnern der Waffen dröhnt: zu den gequälten Gebieten in Darfur, Somalia und im Norden der Demokratischen Republik Kongo, an die Grenzen von Eritrea und Äthiopien, in den ganzen Nahen Osten, insbesondere in denIrak, in den Iran, in den Libanon und in das Heilige Land, nach Afghanistan, Pakistan und Sri Lanka, in die Balkanregion und zu vielen anderen, leider oft vergessenen Krisensituationen. Möge das Jesuskind denen Erleichterungen bringen, die sich in der Prüfung befinden, und möge es den Regierungsverantwortlichen Weisheit und Mut einflößen, um menschliche, gerechte und dauerhafte Lösungen zu suchen und zu finden. Auf den Durst nach Sinn und Wert, den die Welt heute verspürt, auf die Suche nach Wohlergehen und Frieden, die das Leben der ganzen Menschheit kennzeichnet, auf die Erwartungen der Armen antwortet Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, mit seiner Geburt an Weihnachten. Die einzelnen und die Nationen sollen sich nicht fürchten, Ihn anzuerkennen und Ihn aufzunehmen: Mit Ihm erhellt „ein großes Licht“ den Horizont der Menschheit; mit Ihm beginnt „ein heiliger Tag“, der keinen Untergang kennt. Dieses Weihnachten möge wirklich für alle ein Tag der Freude, der Hoffnung und des Friedens sein!

„Kommt, ihr Völker, und betet an den Herrn, unseren Gott.“ Mit Maria, Josef und den Hirten, mit den Sterndeutern und der unzähligen Schar der demütigen Anbeter des neugeborenen Kindes, die im Laufe der Jahrhunderte das Geheimnis von Weihnachten aufgenommen haben, lassen auch wir, Brüder und Schwestern auf allen Kontinenten, es zu, daß das Licht dieses Tages sich überall verbreite: Es möge in unsere Herzen eintreten, unsere Häuser erhellen und erwärmen, Ruhe und Hoffnung in unsere Städte bringen, der Welt den Frieden geben. Dies ist mein Wunsch für euch, die ihr mich hört. Ein Wunsch, der zu einem demütigen und vertrauensvollen Gebet zum Jesuskind wird, damit sein Licht alle Finsternis aus eurem Leben vertreibe und euch mit Liebe und Frieden erfülle. Der Herr, der in Christus sein Antlitz der Barmherzigkeit hat aufleuchten lassen, erfülle euch mit seiner Glückseligkeit und mache euch zu Boten seiner Güte. Gesegnete Weihnachten!

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BOTSCHAFT VON PAPST BENEDIKT XVI. BEIM SEGEN „URBI ET ORBI“, Weihnachten, 25. Dezember 2007