Generalaudienz: In der Einheit mit Christus leben

Die Taufe ist ein einzigartiges „spirituelles Siegel“, das jeden Menschen rettet. Daran erinnerte der Papst in seiner Katechese an diesem Mittwoch anlässlich der Generalaudienz auf dem Petersplatz.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Wir verdanken unser irdisches Leben unseren Eltern, doch der Kirche verdanken wir das ewige Leben, so Franziskus vor tausenden Pilgern und Besuchern, die unter Regenschirmen dem Papst zuhörten. Nicht der römische Regen, sondern das Wasser war auch der rote Faden in seinen Erläuterungen. Er ging auch an diesem Mittwoch auf die Bedeutung der Taufe ein. Es handelte sich um die fünfte Katechese zu dieser Reihe, das Thema der „Neuschöpfung“ stand diesmal im Mittelpunkt der Überlegungen.

„Auch ein jeder von uns ist durch das Wasser und den Heiligen Geist wiedergeboren. Der himmlische Vater lässt in uns mit unendlicher Liebe seine Stimme wiederhallen: ,Du bist mein geliebter Sohn.´ Diese väterliche Stimme ist zwar mit unserem Ohren nicht hörbar, wohl aber in den Herzen all jener, die glauben. Diese Stimme begleitet uns das ganze Leben“, so der Papst. Niemals verlasse sie uns. Einmal als „Kinder Gottes wiedergeboren“, sei man dies für immer, fügte Franziskus an. Selbst die Sünden könnten dieses „spirituelle Siegel“ nicht zerstören.

Gott verleugnet seine Kinder nicht

Dazu gab der Papst noch ein konkretes Beispiel: „Da sagt vielleicht einer: ,aber Pater, wenn eine Person kriminell wird und zwar schlimmer als die bekannten Kriminellen, wenn er Menschen umbringt und Ungerechtigkeiten verübt, geht da dieses Siegel nicht verloren?´ Nein, denn dieses Kind Gottes tut diese Dinge zur eigenen Scham, aber das Siegel geht nicht verloren.“ Man bleibe weiterhin „Kind Gottes“, denn Gott verleugnet niemals seine Kinder, betonte Franziskus, der die Pilger einlud, dies gemeinsam mit ihm laut zu wiederholen.

Die Berufung eines jeden Gläubigen sei es, in der Kirche in Einheit mit Christus zu leben und dieselbe Mission zu verfolgen. Der Papst ging auch auf den wesentlichen Teil des Ritus des Sakraments der Taufe ein, der im dreimaligen Eintauchen in das Wasser unter der Anrufung der heiligsten Dreifaltigkeit bestehe. So tauche der Täufling in das „österliche Geheimnis“ Christi ein, getauft „in seinem Tod“, wie der Apostel Paulus im Römerbrief erläuterte. Daraus folge jedoch ein „neues Leben“: „Die Taufe“, unterstrich der Papst, „öffnet uns die Tür zu einem Leben der Erlösung, nicht zu einem weltlichen Leben. Ein Leben nach Jesus.“

Grab für die Sünde und Mutterschoß für das neue Leben

Eine weitere Besonderheit der Taufe sei der Ort dieses Rituals. Am Taufbrunnen zeige sich die Bedeutung von Ostern, denn der Taufbrunnen sei „sozusagen das Grab für die Sünde und der Mutterschoß für das neue Leben“, so der Papst, den heiligen Kyrill von Jerusalem zitierend.

Franziskus betonte, dass die Taufe einmalig und nicht wiederholbar sei, weil die Taufe ein unauslöschliches spirituelles Siegel hinterlasse, das selbst die Sünde nicht auslöschen könne. Diese Zugehörigkeit zu Gott werde durch die Salbung mit dem heiligen Chrisam deutlich. Auf diese Weise forme der Heilige Geist „die vielen zu dem einen Leib Christi, der Kirche“.

Den Besuchern aus dem deutschen Sprachraum sagte der Papst:

„Mit Freude heiße ich die Pilger deutscher Sprache willkommen. Insbesondere grüße ich die Grabesritter der Komturei St. Hildegard und die Schwestern vom Göttlichen Erlöser, die ihr 25-jähriges Professjubiläum feiern. Als Getaufte sind wir wiedergeboren zu einem neuen Leben in Christus und berufen, seine Sendung weiterzuführen, indem wir seine Liebe und sein Evangelium zu unseren Mitmenschen bringen. Von Herzen segne ich euch alle.“

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Quelle

PAPST PAUL VI.: WORT UND WEISUNG IM JAHR 1975 – 01

Paul VI. Silbermedaille 1975, von E. Greco. Auf den Heiligen Geist. Brustbild / Taube

Bei der Generalaudienz am 15. Januar 1975

EIN MISSTRAUEN GEGEN DIE AMTSKIRCHE?

Wir müssen wieder zu einer christlichen Geisteshaltung kom­men: so sagten wir beim letzten Mal über die Erneuerung unseres ganzen Lebens, besonders aber unseres christlichen, unseres katholischen Lebens. Um diese Geisteshaltung zurückzugewinnen, um ihr Glanz und Sicherheit zu geben, sie fruchtbar zu machen in praktischen Taten und sittlicher Kraft, könnte das Ereignis des Heiligen Jahres für alle heilsam sein.

Wir wissen ganz gut, daß es eine dauernde Einladung ist, die ihren Ursprung in dem hat, was uns die Bibel lehrt und was den Mittelpunkt der Taufkatechetik bildet, die Wiedergeburt des Men­schen in einer existentiell andersartigen, paradoxen, höheren und neuen Weise (wir erinnern an das nächtliche Gespräch Jesu mit Nikodemus: Joh 3,3 ff und an den Vergleich, ja die Gegenüber­stellung, die Verwandlung des „alten Menschen“, des Menschen dieser natürlichen Welt, in den aus einem übernatürlichen Prinzip lebenden „neuen Menschen“, von dem der hl. Paulus so oft spricht: siehe Eph 4, 24; Kol 3, 10; 2 Kor 5,17 usw.). Wir müßten es aber noch besser wissen, wenn unser Bewußtsein wirklich den Gedanken an unsere christliche Berufung bewahrt hätte. Der Christ ist ein neues, ein ursprüngliches, ein glückliches Wesen, wie Pascal richtig sagt: „Niemand ist so glücklich wie ein wirklicher Christ, niemand so vernünftig, so tugendhaft und liebenswert wie er“ (Pensées, 541). Wir Modernen, auch wenn wir uns zur Gemein­schaft der christlichen Religion bekennen (oft in versteckter, ver­kürzter und säkularisierter Form), entwickeln nur selten oder un­vollkommen den Sinn für das Neue an diesem unserem Lebensstil. Wir zeigen uns oft konformistisch und „vorurteilslos“ gegenüber dem „Ansehen bei den Menschen“, statt einfach als das aufzutre­ten, was wir sind, nämlich Christen. Also Menschen, die ihre ebenso freie und souveräne wie konsequente und ernsthafte Art zu leben haben.

Deshalb fordert uns die Kirche auf und mahnt uns: Christ, sei dir deiner selbst bewußt! Christ, halte etwas auf dich! Christ, bleib deinem Glauben treu! Christ, sei tapfer! Mit einem Wort: Christ, sei Christ!

Es wäre hier nützlich, die Hindernisse zu untersuchen, die es vereiteln, daß wir unserem Leben ein christliches Gesicht geben. Eine Diagnose dieser äußeren und inneren Hindernisse würde eine Abhandlung über spirituelle Pathologie ergeben, und das auf we­nigen Seiten zu machen, wäre schwierig. Das gilt übrigens auch für unsere gesamte religiöse und moralische Wiedergesundung. Wir können uns hier darauf beschränken, einen unerläßlichen Faktor der erhofften christlichen Erneuerung zu nennen. Er ist gar nicht so schwer zu erkennen, auch wenn es vielen schwer fällt, ihn anzu­nehmen. Wir meinen die Gnade, das Wirken des Heiligen Geistes, jenes Licht und jene Kraft, die allein der Kontakt mit dem gött­lichen Quell unserer Wiedergeburt im Geiste herstellen kann.

Dies ergibt sich klar aus dem Wort des hl. Paulus, das wir als Beispiel für die von uns erstrebte Erneuerung gewählt haben. Der Apostel sagt: „Erneuert euren Geist und Sinn“ (Eph 4, 23), wobei sich das Wort „spiritu“ griechisch „pneumati“ im Originaltext, wie uns die Bibelwissenschaftler sagen, eben auf die Gnade bezieht, also auf den Heiligen Geist (vgl. J. Knabenbauer, Comm. ad Eph. S. 132). Dies ist die Wirkkraft, die für uns vom Leiden Christi, von seinem Erlösungswerk, ausgeht und sich uns, wie der hl. Thomas lehrt, vor allem auf zweifache Weise mitteilt: durch den Glauben und durch die Sakramente; also durch einen geistigen Akt, eben den Glauben, und durch den sichtbaren Empfang der Sakramente (S. Th. III, 62, 6). Hier haben nun auch die religiösen Übungen des Heiligen Jahres für uns ihren Platz. Sie sollen gewiß nicht nur diese besondere Feier kennzeichnen, aber sie werden dabei doch mit besonderem Eifer und, bewußt unterstützt durch. das Amt der Kir­che, gepflegt: Wir bekennen unseren Glauben, und wir empfangen die Sakramente.

Dies läßt uns an ein anderes typisches Hindernis für die ge­wünschte Erneuerung denken. Wir meinen die innere Einstellung, die sich in letzter Zeit immer weiter verbreitet und verstärkt hat: das Mißtrauen gegen die sogenannte Amtskirche, die reale, mensch­liche Kirche, die Kirche als Dienerin, Hüterin und Spende­rin göttlicher Geheimnisse (vgl. 1 Kor 4, 1). Wir erinnern hier an einen großartigen Gedanken des berühmten deutschen katholischen Denkers Johann Adam Möhler ( 1 7 96-1 83 8 ), der ein Vorläu­fer der ökumenischen Bewegung war. Die Vermittlung der Kirche ist nach ihm unbedingt notwendig, um Christus kennenzulernen und aus seinem Leben zu leben (vgl. Die Einheit in der Kirche, 1, 7). So wird unsere christliche Erneuerung in Geist und Leben nicht davon absehen können, unsere Zugehörigkeit zum mystischen und sozialen Leib Christi wiederzuentdecken, der eben die katho­lische Kirche ist. Zugleich müssen wir uns von der heute leider so modernen Versuchung freimachen, Christus und Kirche zu tren­nen, so als könnte man dadurch, daß man die Kirche bekämpft und bei der Erklärung religiöser Wahrheiten jede, auch willkür­liche Kritik an dieser Kirche zuläßt, zu einer echteren und leben­digeren Gemeinschaft mit Jesus, dem Herrn, gelangen, der doch gerade durch seine Kirche Quelle unseres Heiles ist. Mit dem hl. Ignatius von Antiochia wollen wir daher sagen: „Lernen wir, wahrhaft christlich zu leben“ (ad Magnesios, X). Das ist Erneuerung im Sinn des Konzils, Erneuerung im Sinn des Heiligen Jahres! „Wer Ohren hat, der höre“ (Mt 13, 9).

 

Bei der Generalaudienz am 22. Januar 1975

„SUCHET ZUERST DAS REICH GOTTES…“

Sprechen wir noch einmal von der Erneuerung, die das Heilige Jahr in den Menschen und den Völkern mit sich bringen sollte. „Erneuerung“: das Wort ist klar, der Sinn ist dunkel. Er ist dun­kel, weil es nicht leicht ist, klarzustellen, was hier erneuert werden soll. Man könnte meinen: alles; alles, was die Welt ausmacht, alles, über das sie verfügt, alles, was sie tut, sollte erneuert werden. Eine herrliche Vision, aber sie bietet nicht wenig Grund zur Beun­ruhigung. Weil das heißen würde, daß alles unvollkommen, alles in Unordnung ist. Weil es bedeuten würde, daß alles, was der Mensch an großartigen Werken zuwegegebracht hat, vor allem in den letzten Jahrhunderten, der ganze moderne Fortschritt, der die Erde mit erstaunlichen Errungenschaften auf allen Gebieten menschlicher Aktivität überschwemmt hat, daß das alles die Bedürf­nisse und Sehnsüchte der Menschen nur teilweise erfüllt, dafür aber unermeßliches Elend, unermeßliches Unrecht und unermeßliche Not offenbar werden läßt. Dieser Fortschritt hat aber auch das Gewissen wachgerüttelt für die soziale Ungleichheit, für die Zu­rücksetzung eines großen Teils der Menschheit, den Hunger nach Brot, nach Kultur, nach Rechten, einen Hunger, der bisher ge­duldig und stumm ertragen wurde, jetzt aber grausam und uner­träglich geworden ist. Hier zeigt sich ein überraschendes Phäno­men: das Bedürfnis nach mehr, nach einer neuen und höheren Lebensqualität äußert sich gieriger und unersättlicher in den vom Fortschritt begünstigten Kreisen als bei den einfachen Leuten, so sehr auch bei ihnen sich Unruhe bemerkbar macht. Eine Flut von Protesten und Forderungen scheint beweisen zu wollen, daß kein Wohlstand die unersättliche Sucht nach Geltung, Besitz und Genuß befriedigen kann, und daß er nur ein noch quälenderes Verlangen nach anderen Dingen, nach neuen Erfahrungen weckt. Auf der anderen Seite beweisen sie, daß die sogenannte Ordnung, die sich aus dem wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt ableitet, in Wirk­lichkeit Unordnung und Ungerechtigkeit ist, weil sie die Errungen­schaften ungleichmäßig verteilt, weil sie absolut unzulänglich ist quantitativ, und wohlgemerkt auch qualitativ, alle Menschen glück­lich zu machen, und nicht einmal für gewisse Grundbedürfnisse ausreicht, die zum Rechtsanspruch geworden sind, angefangen bei der Würde der menschlichen Person — jeder Person — bis hin zur Freiheit und einem ausreichenden Wohlstand.

Aus diesen gigantischen und bitteren Erfahrungen heraus kommt es dann zu befremdlichen und negativen Phänomenen: dem Miß­trauen, bis hin zu Protest und Revolution; dem sozialen Haß, bis hin zu seiner institutionellen Verfestigung in Klassen, Parteien, Stämmen, Völkern und. Zivilisationen; der Langeweile und dem zynischen Lebensüberdruß; der ideologischen Gleichgültigkeit; dem Skeptizismus, der als Liberalismus ausgegeben wird; dem raffinier­ten, totalen, kosmischen Pessimismus, einer Art vorbedachten Selbstmords des idealisierten Menschen, Entlarvung einer Lüge und gefährlichen Utopie; schließlich die pseudo-kluge, in Wirklichkeit wahnsinnige und verzweifelte Flucht in das momentane Vergnügen, zum egoistischen Genuß und damit in die Kalkulation menschenun­würdiger Mittel zur Planung und Begrenzung der Statistiken zum menschlichen Wachstum.

Ist das unsere Welt? Wir meinen, das sind leider gewisse Aspek­te dieser Welt. Aber das ist nicht die ganze Welt. Diese ist noch immer von einer großen, dynamischen Hoffnung durchdrungen, welche eine Verheißung der Geschichte auszulegen scheint: die Welt kann sich erneuern, immer noch und immer wieder. Aber wie? Auf diese Frage gibt es eine Fülle von Antworten. Diese Antworten sind aber zugleich eine Quelle neuer Qualen und Enttäuschungen.

Gibt es überhaupt einen Weg zur Lösung? Eine Theorie, die den Vorzug verdient? Eine Deutung, die den Idealplan für das menschliche Leben wiederherstellt und es seinen wahren und höch­sten Zielen entgegenführt?

Wir glauben, ja. Wir sagen das ohne jede polemische Absicht. Wir greifen auch nicht auf magische oder triumphalistische Formeln zurück. Wir glauben an das Evangelium Jesu Christi, und wir wissen, daß wir ihm das Grundprinzip echter Erneuerung entneh­men können. Deshalb predigen wir die Frohbotschaft in dieser gesegneten Zeit des Heiligen Jahres. Das Grundprinzip aller Er­neuerung wird in dem alten und stets lebendigen Wort Jesu verkün­det: „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere dazugegeben“ (Mt 6, 33).

Ein bekanntes Wort, das im Bewußtsein nachdenklicher und bereitwilliger Menschen immer noch Widerhall findet. Es ist auch ein aktuelles Wort. Ein Wort, das — wenn auch vielleicht ver­gebens — gerade die führenden Häupter anspricht, welche an den Schalthebeln der Macht die eigentlichen Entscheidungen für die Führung der Völker fällen. Das Wesentliche und Zwingende an diesem Wort scheint uns zu sein: Wir müssen eine Rangordnung jener Ziele aufstellen, die der Mensch anstreben kann und muß. An der Spitze dieser Wertskala steht „das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit“. Wird dieses Ziel mißachtet oder geleugnet, gerät die ganze Wertskala in Unordnung. Man weiß dann nicht mehr wirklich, für wen und wozu der Mensch eigentlich lebt. An die Stelle des obersten Zieles, das für uns auch den höchsten Wert bedeutet, treten andere Ziele und andere Werte. Diese können zwar die menschliche Aktivität steigern und sie zu großen Leistun­gen auf vielen Gebieten befähigen. Doch am Ende bleibt gerade das aus, was mehr gilt: wahre Ordnung, Weisheit, Glück und Friede; vor allem bleibt aus das unschätzbare Geschenk des Aus­gleichs für jeden Mangel an Sicherheit, an Arbeits- und Lebens­freude, die eschatologische Hoffnung, das heißt die Gewißheit des ewigen Lebens.

Wenn er zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit sucht, vollzieht der Mensch in seinem Gewissen immer wieder einen Ver­gleich zwischen den Gütern, nach denen er streben kann; er korri­giert beständig die Grundausrichtung seiner wichtigsten Interessen und Absichten. Diese Grundausrichtung beginnt im Herzen des Menschen und endet beim strahlenden Geheimnis der Vaterschaft Gottes; das Leben aber läuft ab zwischen beiden Angelpunkten in der Gerechtigkeit, das heißt, der Mensch lernt überzeugend die Kunst, so als Mensch in Liebe und Opferbereitschaft zu leben, wie es uns Christus gelehrt hat.

Wenn wir die Erneuerung unserer Lebensphilosophie so auffassen, ergibt sich als erste Folgerung ein Abstand, eine Befreiung, eine relative Entwertung der irdischen Güter, zumal des Reichtums, des „verruchten Hungers nach Gold“, der die Menschen oft zu gierigen und grausamen Egoisten macht, sie untereinander verfein­det und zu unsozialen Ausbeutern werden läßt. Als zweite Folge­rung ergibt sich aber auch die „Armut im Geiste“, von der das Evangelium spricht. Sie findet zwar auf Erden keinen angemessenen Ausgleich, doch sie erlaubt dem, der sie besitzt, den maßvollen Genuß der Dinge dieser Welt und läßt diese zugleich zu einem Weg des Aufstiegs zum höchsten Gut werden, das letztlich allein würdig ist, von Menschen erstrebt und besessen zu werden: das Himmel­reich. Es ist jene „Armut im Geiste“, die uns reich und wach macht für die Nöte und Leiden unserer Brüder, aber auch aufgeschlossen für jene Änderungen im wirtschaftlichen und sozialen Bereich, die geeignet sind, zu mehr Gerechtigkeit und Brüderlichkeit auf Erden zu führen.

Wer aber vermag die Weisheit solcher Erneuerung heute zu begreifen? Wer will sie begreifen? Das läßt sich schwer sagen. Die Welt möchte oft davon nichts hören. Doch die „Kinder des Rei­ches“ können es, jawohl, und sie wollen es auch! Ist es nicht so, liebe Brüder und Schwestern?

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Quelle: PAPST PAUL VI. WORT UND WEISUNG IM JAHR 1975

Generalaudienz: Papst gegen verkaufsoffene Sonntage

Ein Papst zum Anfassen: Papst Franziskus bei der Generalaudienz

Papst Franziskus lädt die Gläubigen ein, den Besuch der Sonntagsmesse wieder ernster zu nehmen. Bei seiner Generalaudienz im Vatikan sprach er sich am Mittwoch außerdem gegen verkaufsoffene Sonntage aus.

„Warum gehen wir am Sonntag in die Messe?“ Das war der Ausgangspunkt der Katechese des Papstes. Seine Antwort: Die sonntägliche Eucharistiefeier stehe, darauf weise auch der Weltkatechismus hin, im Zentrum des Lebens der Kirche. „Wir Christen gehen am Sonntag in die Messe, um dem auferstandenen Herrn zu begegnen, um sein Wort zu hören, uns an seinem Tisch zu nähren und um dadurch Kirche zu werden, also sein mystischer Leib, der in der Welt lebt.“

Die Jünger Jesu hätten das von Anfang an so gesehen: Ihre „eucharistische Begegnung mit dem Herrn“ hätten sie bewusst auf den – aus jüdischer Sicht – ersten Tag der Woche gelegt, den Tag also, an dem der auferstandene Jesus den Seinen erschienen war.

Die Messe macht den Sonntag zum Sonntag

„Auch die große Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten geschah sonntags – am fünfzigsten Tag nach der Auferstehung Jesu. Darum ist der Sonntag für uns ein heiliger Tag: geheiligt durch die Eucharistiefeier, lebendige Gegenwart des Herrn unter uns und für uns. Es ist also die Messe, die den christlichen Sonntag ausmacht – der Sonntag der Christen kreist um die Messe. Was für ein Sonntag ist das denn für einen Christen, wenn die Begegnung mit dem Herrn fehlt?“

Dazu würden Katholiken in der Diaspora jetzt sagen: Woher nehmen und nicht stehlen? Nicht nur im Amazonasgebiet in Lateinamerika, sondern auch mitten in Deutschland ist es oft schwer, eine katholische Sonntagsmesse in der Nähe zu haben, erst recht in Zeiten des Pfarreien-Zusammenlegens zu Großverbänden.

Franziskus kennt diese Einwände: Ja, es gebe leider „christliche Gemeinschaften, die nicht jeden Sonntag in den Genuss einer Messe“ kämen. „Auch sie sind aber an diesem heiligen Tag dazu aufgerufen, sich im Namen des Herrn im Gebet zu versammeln, das Wort Gottes zu hören und die Sehnsucht nach der Eucharistie lebendig zu erhalten.“ Sogenannte priesterlose Gottesdienste sind damit gemeint.

Den Sinn für das Feiern wieder entdecken

„Einige säkularisierte Gesellschaften haben den christlichen Sinn des Sonntags, der von der Eucharistie sein Licht erhält, verloren – das ist schade! In einem solchen Umfeld ist es nötig, dieses Bewusstsein wiederzubeleben und den Sinn des Festes wieder zu verstehen. Nicht den Sinn des Festes verlieren… Den Sinn der Freude, der Pfarrei-Gemeinschaft, der Solidarität, der Ruhe, die Geist und Seele erfrischt. Die Eucharistie ist, Sonntag für Sonntag, eine Lehrerin dieser Werte.“

Der disruptive, erholende Charakter des Sonntags ist am meisten bedroht, wenn die Läden auch am Tag des Herrn offenbleiben und immer mehr Menschen arbeiten müssen. „In den ersten Jahrhunderten gab es keine Sonntagsruhe – das ist ein spezifisch christlicher Beitrag. Der biblischen Tradition entsprechend ruhten die Juden am Samstag, während in der römischen Gesellschaft kein Tag vorgesehen war, um Sklavenarbeiten einmal auszusetzen. Es war der christliche Sinn für ein Leben als Söhne und nicht als Sklaven, genährt von der Eucharistie, der aus dem Sonntag fast weltweit den Ruhetag machte!“

Und diesen christlichen Sinn für den Sonntag als Ruhetag gilt es, so fordert Papst Franziskus, wiederzugewinnen. „Ohne Christus sind wir dazu verurteilt, von der Müdigkeit des Alltags, seinen Sorgen und der Angst vor dem Morgen dominiert zu werden. Das sonntägliche Treffen mit dem Herrn gibt uns die Kraft, das Heute mit Zuversicht und Mut zu leben und voller Hoffnung voranzugehen.“

Wir gehen nicht in die Messe, um Gott etwas zu geben

Aber Papst Franziskus ist ein realistischer Mensch: Er weiß auch, dass es viele Christen gibt, die sagen, so wichtig sei die Sonntagsmesse ja auch wieder nicht – eigentlich komme es doch auf die Nächstenliebe und auf das richtige Handeln an. Was könne man denn darauf antworten?, fragte der Papst. Und versuchte sich gleich an so einer Antwort.

„Es stimmt ja, dass die Qualität des christlichen Lebens sich an der Fähigkeit zu lieben misst. Jesus hat das selbst klar gesagt: Daran würden alle erkennen, dass sie seine Jünger seien – dass sie einander liebten (vgl. Joh 13,35). Aber wie können wir denn das Evangelium praktizieren, ohne dass wir uns aus der Quelle der Eucharistie, Sonntag für Sonntag, die nötige Energie dazu holen? Wir gehen nicht in die Messe, um Gott etwas zu geben, sondern um von ihm das zu bekommen, was wir wirklich brauchen!“

Es reiche nicht, in die Sonntagsmesse zu gehen, einfach weil das eine kirchliche Vorschrift sei, bündelte Franziskus das bisher Gesagte. „Das hilft zwar, den Wert dieser Vorschrift zu bewahren, aber es reicht nicht aus. Wir Christen brauchen die Sonntagsmesse, weil wir nur mit der Gnade Jesu, mit seiner lebendigen Gegenwart in uns und durch uns, sein Gebot (der Nächstenliebe) in die Tat umsetzen können. Und nur so können wir glaubwürdige Zeugen sein für ihn.“

(rv 13.12.2017 sk)

PAPST PAUL VI. 1968: ENZYKLIKA „HUMANAE VITAE“

ENZYKLIKA
SEINER HEILIGKEIT
PAUL PP. VI.

HUMANAE VITAE

ÜBER DIE WEITERGABE DES LEBENS

An die Ehrwürdigen Brüder, die Patriarchen, die Erzbischöfe,
Bischöfe und die übrigen Ortsordinarien, die mit dem Apostolischen Stuhl
in Frieden und Gemeinschaft leben,
an den Klerus und die Christgläubigen des ganzen katholischen Erdkreises sowie an alle Menschen guten Willens

EHRWÜRDIGE BRÜDER, LIEBE SÖHNE UND TÖCHTER!
GRUSS UND APOSTOLISCHEN SEGEN!

 

Die Weitergabe des Lebens

1. Die überaus ernste Aufgabe, menschliches Leben weiterzugeben, durch die die Gatten freie und bewußte Mitarbeiter des Schöpfergottes sind, erfüllt sie immer mit großer Freude; doch ist die Freude vielfach mit nicht geringen Schwierigkeiten und Bedrängnissen verbunden. Zu allen Zeiten stellte die Erfüllung dieser Aufgabe das Gewissen der Gatten vor schwere Probleme. Die jüngste Entwicklung jedoch, die die menschliche Gesellschaft nimmt, bringt derartige Veränderungen mit sich, daß sich neue Fragen erheben, denen die Kirche sich stellen muß, weil sie aufs engste mit menschlichem Leben und Glück zusammenhängen.

I. NEUE GESICHTSPUNKTE DES PROBLEMS:
DIE ZUSTÄNDIGKEIT DES KIRCHLICHEN LEHRAMTES

2. Die Veränderungen sind wirklich bedeutsam und verschiedenartig. Zunächst handelt es sich um die rasche Bevölkerungszunahme: viele fürchten, daß die Weltbevölkerung schneller zunimmt, als die zur Verfügung stehende Nahrung erlaubt. Dadurch wächst die Not in vielen Familien und in den Entwicklungsländern. Das kann staatliche Regierungen leicht dazu drängen, diese Gefahr mit radikalen Maßnahmen zu bekämpfen. Dazu erschweren nicht nur Arbeits- und Wohnverhältnisse, sondern auch gesteigerte Ansprüche wirtschaftlicher Art und im Hinblick auf die Erziehung und den Unterricht der Jugend den angemessenen Unterhalt einer größeren Zahl von Kindern. Wir erleben auch einen gewissen Wandel in der Auffassung von der Persönlichkeit der Frau und ihrer Aufgabe in der menschlichen Gesellschaft; ebenso in der Auffassung vom Wert der Gattenliebe in der Ehe und in der Beurteilung des ehelichen Verkehrs im Hinblick auf diese Liebe. Schließlich ist vor allem der staunenswerte Fortschritt des Menschen in der Beherrschung der Naturkräfte und deren rationaler Auswertung in Betracht zu ziehen. Diese Herrschaft sucht nun der Mensch auf sein ganzes Leben auszudehnen: auf seinen Körper, seine seelischen Kräfte, auf das soziale Leben und selbst auf die Gesetze, die die Weitergabe des Lebens regeln.

3. Diese Sachlage wirft neue Fragen auf. Wäre es nicht angebracht, angesichts der gegenwärtigen Lebensverhältnisse und der Bedeutung, die der eheliche Verkehr für die Harmonie und gegenseitige Treue der Gatten hat, die heute geltenden sittlichen Normen zu überprüfen? Zumal, wenn man erwägt, daß diese unter Umständen nur unter heroischen Opfern befolgt werden können? Könnte nicht das sogenannte Ganzheitsprinzip auf diesen Bereich angewandt werden und damit die Planung einer weniger großen, aber vernünftig geregelten Fruchtbarkeit einen physisch unfruchtbar machenden Akt in eine erlaubte und vorausschauende Geburtenlenkung verwandeln? Kann man nicht die Meinung vertreten, daß das Ziel des Dienstes an der Fortpflanzung mehr dem Eheleben als Ganzen aufgegeben sei als jedem einzelnen Akt? Man stellt auch die Frage, ob bei dem gesteigerten Verantwortungsbewußtsein des heutigen Menschen nicht die Zeit gekommen sei, wo die Weitergabe des Lebens mehr von Vernunft und freier Entscheidung bestimmt werden sollte als von gewissen biologischen Regelmäßigkeiten.

4. Zweifellos forderten solche Fragen vom kirchlichen Lehramt eine neue und vertiefte Überlegung über die Prinzipien der Ehemoral, die ihre Grundlage im natürlichen Sittengesetz haben, das durch die göttliche Offenbarung erhellt und bereichert wird. Kein gläubiger Christ wird bestreiten, daß die Auslegung des natürlichen Sittengesetzes zur Aufgabe des kirchlichen Lehramtes gehört. Denn zweifellos hat – wie Unsere Vorgänger wiederholt ausgesprochen haben (1) – Christus Jesus, als er dem Petrus und den übrigen Aposteln an seiner göttlichen Gewalt Anteil gab und sie aussandte, alle Völker zu lehren, was er uns geboten hat (2), sie zu zuverlässigen Wächtern und Auslegern des ganzen Sittengesetzes bestellt, das heißt nicht nur des evangelischen, sondern auch des natürlichen Sittengesetzes. Denn auch das natürliche Sittengesetz bringt den Willen Gottes zum Ausdruck, und dessen treue Befolgung ist ja allen Menschen zum ewigen Heil notwendig (3). In Erfüllung dieses Auftrags hat sich die Kirche zu allen Zeiten, besonders oft in letzter Zeit über die Natur der Ehe, über die sittlich geordnete Inanspruchnahme der ehelichen Rechte und die Pflichten der Eheleute in übereinstimmenden Dokumenten geäußert (4).

5. Im Bewußtsein dieser gleichen Aufgabe haben Wir den von Unserm Vorgänger Johannes XXIII. im März 1963 eingesetzten Ausschuß bestätigt und erweitert. Ihm gehörten außer vielen Gelehrten aus den betreffenden Fachgebieten auch Ehepaare an. Dieser Ausschuß sollte Gutachten einholen über die Fragen, die das eheliche Leben und vor allem die sittlich geordnete Geburtenregelung aufwirft; er sollte darüber hinaus die Ergebnisse seiner Studien so vorlegen, daß das kirchliche Lehramt eine den Erwartungen nicht nur der Gläubigen, sondern auch der übrigen Welt entsprechende Antwort geben könnte (5). Das Forschungsergebnis der Sachkundigen und die Gutachten vieler Unserer Brüder im Bischofsamt, die sie teils aus eigenem Antrieb einsandten, die teils von Uns erbeten waren, erlaubten Uns, dieses vielseitige Problem von allen Seiten aus sorgfältiger zu bedenken. Deshalb sagen Wir allen von Herzen Dank.

6. Die Folgerungen jedoch, zu denen der Ausschuß gelangt war, konnten für Uns kein sicheres und endgültiges Urteil darstellen, das Uns der Pflicht enthoben hätte, ein so bedeutsames Problem zum Gegenstand Unserer persönlichen Erwägung zu machen. Das war auch deshalb notwendig, weil es in der Vollversammlung des Ausschusses nicht zu einer vollen Übereinstimmung der Auffassungen über die vorzulegenden sittlichen Normen gekommen war; und vor allem, weil einige Lösungsvorschläge auftauchten, die von der Ehemoral, wie sie vom kirchlichen Lehramt bestimmt und beständig vorgelegt wurde, abwichen. Daher wollen Wir nun nach genauer Prüfung der Uns zugesandten Akten, nach reiflicher Überlegung, nach inständigem Gebet zu Gott, in kraft des von Christus Uns übertragenen Auftrags auf diese schwerwiegenden Fragen Unsere Antwort geben.

II. PRINZIPIEN DER KIRCHLICHEN LEHRE

Gesamtschau des Menschen

7. Die Frage der Weitergabe menschlichen Lebens darf – wie jede andere Frage, die das menschliche Leben angeht – nicht nur unter biologischen, psychologischen, demographischen, soziologischen Gesichtspunkten gesehen werden; man muß vielmehr den ganzen Menschen im Auge behalten, die gesamte Aufgabe, zu der er berufen ist; nicht nur seine natürliche und irdische Existenz, sondern auch seine übernatürliche und ewige. Da nun viele, die sich für künstliche Geburtenregelung einsetzen, sich dabei auf die Forderungen der ehelichen Liebe und der verantwortlichen Elternschaft berufen, ist es nötig, diese beiden bedeutsamen Elemente des ehelichen Lebens genauer zu bestimmen und zu beleuchten. – Dabei wollen Wir vor allem zurückgreifen auf die Pastoralkonstitution „Gaudium et spes„, in der sich jüngst das Zweite Vatikanische Konzil mit sehr hoher Autorität dazu geäußert hat.

Die eheliche Liebe

8. Die eheliche Liebe zeigt sich uns in ihrem wahren Wesen und Adel, wenn wir sie von ihrem Quellgrund her sehen; von Gott, der „Liebe ist (6)“, von ihm, dem Vater, „nach dem alle Vaterschaft im Himmel und auf Erden ihren Namen trägt (7)“. Weit davon entfernt, das bloße Produkt des Zufalls oder Ergebnis des blinden Ablaufs von Naturkräften zu sein, ist die Ehe in Wirklichkeit vom Schöpfergott in weiser Voraussicht so eingerichtet, daß sie in den Menschen seinen Liebesplan verwirklicht. Darum streben Mann und Frau durch ihre gegenseitige Hingabe, die ihnen in der Ehe eigen und ausschließlich ist, nach jener personalen Gemeinschaft, in der sie sich gegenseitig vollenden, um mit Gott zusammenzuwirken bei der Weckung und Erziehung neuen menschlichen Lebens. Darüber hinaus hat für die Getauften die Ehe die hohe Würde eines sakramentalen Gnadenzeichens, und bringt darin die Verbundenheit Christi mit seiner Kirche zum Ausdruck.

Eigenart der ehelichen Liebe

9. In diesem Licht wird die besondere Eigenart und Forderung der ehelichen Liebe deutlich. Es kommt sehr darauf an, daß man davon die rechte Vorstellung hat. An erster Stelle müssen wir sie als vollmenschliche Liebe sehen; das heißt als sinnenhaft und geistig zugleich. Sie entspringt darum nicht nur Trieb und Leidenschaft, sondern auch und vor allem einem Entscheid des freien Willens, der darauf hindrängt, in Freud und Leid des Alltags durchzuhalten, ja dadurch stärker zu werden: so werden dann die Gatten ein Herz und eine Seele und kommen gemeinsam zu ihrer menschlichen Vollendung. Weiterhin ist es Liebe, die aufs Ganze geht; jene besondere Form personaler Freundschaft, in der die Gatten alles großherzig miteinander teilen, weder unberechtigte Vorbehalte machen noch ihren eigenen Vorteil suchen. Wer seinen Gatten wirklich liebt, liebt ihn um seiner selbst willen, nicht nur wegen dessen, was er von ihm empfängt. Und es ist seine Freude, daß er durch seine Ganzhingabe bereichern darf. Die Liebe der Gatten ist zudem treu und ausschließlich bis zum Ende des Lebens; so wie sie Braut und Bräutigam an jenem Tag verstanden, da sie sich frei und klar bewußt durch das gegenseitige eheliche Jawort aneinander gebunden haben. Niemand kann behaupten, daß die Treue der Gatten – mag sie auch bisweilen schwer werden – unmöglich sei. Im Gegenteil. Zu allen Zeiten hatte sie ihren Adel und reiche Verdienste. Beispiele sehr vieler Ehepaare im Lauf der Jahrhunderte sind der Beweis dafür: Treue entspricht nicht nur dem Wesen der Ehe, sie ist darüber hinaus eine Quelle innigen, dauernden Glücks. Diese Liebe ist schließlich fruchtbar, da sie nicht ganz in der ehelichen Vereinigung aufgeht, sondern darüber hinaus fortzudauern strebt und neues Leben wecken will. „Ehe und eheliche Liebe sind ihrem Wesen nach auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft ausgerichtet. Kinder sind gewiß die vorzüglichste Gabe für die Ehe und tragen zum Wohl der Eltern selbst sehr bei (8).“

Verantwortliche Elternschaft

10. Deshalb fordert die Liebe von den Ehegatten, daß sie ihre Aufgabe verantwortlicher Elternschaft richtig erkennen. Diese Aufgabe, auf die man heute mit gutem Recht ganz besonderen Wert legt, muß darum richtig verstanden werden. Sie muß aber unter verschiedenen berechtigten, miteinander zusammenhängenden Gesichtspunkten betrachtet werden. Was zunächst die biologischen Vorgänge angeht, bedeutet verantwortungsbewußte Elternschaft die Kenntnis und die Beachtung der mit ihnen zusammenhängenden Funktionen. So vermag der Mensch in seinen Fortpflanzungskräften die biologischen Gesetze zu entdecken, die zur menschlichen Person gehören (9). Was dann psychologisch Trieb und Leidenschaft betrifft, so meint verantwortungsbewußte Elternschaft ihre erforderliche Beherrschung durch Vernunft und Willen. Im Hinblick schließlich auf die gesundheitliche, wirtschaftliche, seelische und soziale Situation bedeutet verantwortungsbewußte Elternschaft, daß man entweder, nach klug abwägender Überlegung, sich hochherzig zu einem größeren Kinderreichtum entschließt, oder bei ernsten Gründen und unter Beobachtung des Sittengesetzes zur Entscheidung kommt, zeitweise oder dauernd auf weitere Kinder zu verzichten. Endlich und vor allem hat verantwortungsbewußte Elternschaft einen inneren Bezug zur sogenannten objektiven sittlichen Ordnung, die auf Gott zurückzuführen ist, und deren Deuterin das rechte Gewissen ist. Die Aufgabe verantwortungsbewußter Elternschaft verlangt von den Gatten, daß sie in Wahrung der rechten Güter- und Wertordnung ihre Pflichten gegenüber Gott, sich selbst, gegenüber ihrer Familie und der menschlichen Gesellschaft anerkennen. Daraus folgt, daß sie bei der Aufgabe, das Leben weiterzugeben, keineswegs ihrer Willkür folgen dürfen, gleichsam als hinge die Bestimmung der sittlich gangbaren Wege von ihrem eigenen und freien Ermessen ab. Sie sind vielmehr verpflichtet, ihr Verhalten auf den göttlichen Schöpfungsplan auszurichten, der einerseits im Wesen der Ehe selbst und ihrer Akte zum Ausdruck kommt, den anderseits die beständige Lehre der Kirche kundtut (10).

Achtung vor dem Wesen und der Zielsetzung des ehelichen Aktes

11. Jene Akte, die eine intime und keusche Vereinigung der Gatten darstellen und die das menschliche Leben weitertragen, sind, wie das letzte Konzil betont hat, „zu achten und zu ehren (11)“; sie bleiben auch sittlich erlaubt bei vorauszusehender Unfruchtbarkeit, wenn deren Ursache keineswegs im Willen der Gatten liegt; denn die Bestimmung dieser Akte, die Verbundenheit der Gatten zum Ausdruck zu bringen und zu bestärken, bleibt bestehen. Wie die Erfahrung lehrt, geht tatsächlich nicht aus jedem ehelichen Verkehr neues Leben hervor. Gott hat ja die natürlichen Gesetze und Zeiten der Fruchtbarkeit in seiner Weisheit so gefügt, daß diese schon von selbst Abstände in der Aufeinanderfolge der Geburten schaffen. Indem die Kirche die Menschen zur Beobachtung des von ihr in beständiger Lehre ausgelegten natürlichen Sittengesetzes anhält, lehrt sie nun, daß „jeder eheliche Akt“ von sich aus auf die Erzeugung menschlichen Lebens hingeordnet bleiben muß (12).

Untrennbarkeit von liebender Vereinigung und Fortpflanzung

12. Diese vom kirchlichen Lehramt oft dargelegte Lehre gründet in einer von Gott bestimmten unlösbaren Verknüpfung der beiden Sinngehalte – liebende Vereinigung und Fortpflanzung -, die beide dem ehelichen Akt innewohnen. Diese Verknüpfung darf der Mensch nicht eigenmächtig auflösen. Seiner innersten Struktur nach befähigt der eheliche Akt, indem er den Gatten und die Gattin aufs engste miteinander vereint, zugleich zur Zeugung neuen Lebens, entsprechend den Gesetzen, die in die Natur des Mannes und der Frau eingeschrieben sind. Wenn die beiden wesentlichen Gesichtspunkte der liebenden Vereinigung und der Fortpflanzung beachtet werden, behält der Verkehr in der Ehe voll und ganz den Sinngehalt gegenseitiger und wahrer Liebe, und seine Hinordnung auf die erhabene Aufgabe der Elternschaft, zu der der Mensch berufen ist. Unserer Meinung nach sind die Menschen unserer Zeit durchaus imstande, die Vernunftgemäßheit dieser Lehre zu erfassen.

Treue zum Schöpfungsplan Gottes

13. Man weist ja mit Recht darauf hin, daß ein dem Partner aufgenötigter Verkehr, der weder auf sein Befinden noch auf seine berechtigten Wünsche Rücksicht nimmt, kein wahrer Akt der Liebe ist, daß solche Handlungsweise vielmehr dem widerspricht, was mit Recht die sittliche Ordnung für das Verhältnis der beiden Gatten zueinander verlangt. Ebenso muß man dann auch, wenn man darüber nachdenkt, zugeben: Ein Akt gegenseitiger Liebe widerspricht dem göttlichen Plan, nach dem die Ehe entworfen ist, und dem Willen des ersten Urhebers menschlichen Lebens, wenn er der vom Schöpfergott in ihn nach besonderen Gesetzen hineingelegten Eignung, zur Weckung neuen Lebens beizutragen, abträglich ist. Wenn jemand daher einerseits Gottes Gabe genießt und anderseits – wenn auch nur teilweise – Sinn und Ziel dieser Gabe ausschließt, handelt er somit im Widerspruch zur Natur des Mannes und der Frau und deren inniger Verbundenheit; er stellt sich damit gegen Gottes Plan und heiligen Willen. Wer das Geschenk ehelicher Liebe genießt und sich dabei an die Zeugungsgesetze hält, der verhält sich nicht, als wäre er Herr über die Quellen des Lebens, sondern er stellt sich vielmehr in den Dienst des auf den Schöpfer zurückgehenden Planes. Wie nämlich der Mensch ganz allgemein keine unbeschränkte Verfügungsmacht über seinen Körper hat, so im besonderen auch nicht über die Zeugungskräfte als solche, sind doch diese ihrer innersten Natur nach auf die Weckung menschlichen Lebens angelegt, dessen Ursprung Gott ist. „Das menschliche Leben muß allen etwas Heiliges sein“, mahnt Unser Vorgänger Johannes XXIII., „denn es verlangt von seinem ersten Aufkeimen an das schöpferische Eingreifen Gottes (13).“

Unerlaubte Wege der Geburtenregelung

14. Gemäß diesen fundamentalen Grundsätzen menschlicher und christlicher Eheauffassung müssen Wir noch einmal öffentlich erklären: Der direkte Abbruch einer begonnenen Zeugung, vor allem die direkte Abtreibung – auch wenn zu Heilzwecken vorgenommen -, sind kein rechtmäßiger Weg, die Zahl der Kinder zu beschränken, und daher absolut zu verwerfen (14). Gleicherweise muß, wie das kirchliche Lehramt des öfteren dargetan hat, die direkte, dauernde oder zeitlich begrenzte Sterilisierung des Mannes oder der Frau verurteilt werden (15). Ebenso ist jede Handlung verwerflich, die entweder in Voraussicht oder während des Vollzugs des ehelichen Aktes oder im Anschluß an ihn beim Ablauf seiner natürlichen Auswirkungen darauf abstellt, die Fortpflanzung zu verhindern, sei es als Ziel, sei es als Mittel zum Ziel (16). Man darf, um diese absichtlich unfruchtbar gemachten ehelichen Akte zu rechtfertigen, nicht als Argument geltend machen, man müsse das Übel wählen, das als das weniger schwere erscheine; auch nicht, daß solche Akte eine gewisse Einheit darstellen mit früheren oder nachfolgenden fruchtbaren Akten und deshalb an ihrer einen und gleichen Gutheit teilhaben. Wenn es auch zuweilen erlaubt ist, das kleinere sittliche Übel zu dulden, um ein größeres zu verhindern oder um etwas sittlich Höherwertiges zu fördern (17), so ist es dennoch niemals erlaubt – auch aus noch so ernsten Gründen nicht -, Böses zu tun um eines guten Zweckes willen (18): das heißt etwas zu wollen, was seiner Natur nach die sittliche Ordnung verletzt und deshalb als des Menschen unwürdig gelten muß; das gilt auch, wenn dies mit der Absicht geschieht, das Wohl des einzelnen, der Familie oder der menschlichen Gesellschaft zu schützen oder zu fördern. Völlig irrig ist deshalb die Meinung, ein absichtlich unfruchtbar gemachter und damit in sich unsittlicher ehelicher Akt könne durch die fruchtbaren ehelichen Akte des gesamtehelichen Lebens seine Rechtfertigung erhalten.

Erlaubtheit therapeutischer Mittel

15. Die Kirche hält aber jene therapeutischen Maßnahmen, die zur Heilung körperlicher Krankheiten notwendig sind, nicht für unerlaubt, auch wenn daraus aller Voraussicht nach eine Zeugungsverhinderung eintritt. Voraussetzung dabei ist, daß diese Verhinderung nicht aus irgendeinem Grunde direkt angestrebt wird (19).

Erlaubte Inanspruchnahme unfruchtbarer Perioden

16. Allein dieser Lehre der Kirche über die Gestaltung der ehelichen Sittlichkeit halten einige heute entgegen, wie schon oben (Nr. 3) erwähnt, es sei Recht und Aufgabe der menschlichen Vernunft, die ihr von der Naturwelt dargebotenen Kräfte zu steuern und auf Ziele auszurichten, die dem Wohl des Menschen entsprechen. Ja, man fragt: Ist nicht in diesem Zusammenhang in vielen Situationen künstliche Geburtenregelung vernünftiger, wenn man nämlich damit mehr Frieden und Eintracht in der Familie erreichen und für die Erziehung schon lebender Kinder bessere Bedingungen schaffen kann? Auf diese Frage ist entschieden zu antworten: Die Kirche ist die erste, die den Einsatz der menschlichen Vernunft anerkennt und empfiehlt, wenn es um ein Werk geht, das den vernunftbegabten Menschen so eng mit seinem Schöpfer verbindet; aber ebenso betont sie, daß man sich dabei an die von Gott gesetzte Ordnung halten muß. Wenn also gerechte Gründe dafür sprechen, Abstände einzuhalten in der Reihenfolge der Geburten – Gründe, die sich aus der körperlichen oder seelischen Situation der Gatten oder aus äußeren Verhältnissen ergeben -, ist es nach kirchlicher Lehre den Gatten erlaubt, dem natürlichen Zyklus der Zeugungsfunktionen zu folgen, dabei den ehelichen Verkehr auf die empfängnisfreien Zeiten zu beschränken und die Kinderzahl so zu planen, daß die oben dargelegten sittlichen Grundsätze nicht verletzt werden (20). Die Kirche bleibt sich und ihrer Lehre treu, wenn sie einerseits die Berücksichtigung der empfängnisfreien Zeiten durch die Gatten für erlaubt hält, andererseits den Gebrauch direkt empfängnisverhütender Mittel als immer unerlaubt verwirft auch wenn für diese andere Praxis immer wieder ehrbare und schwerwiegende Gründe angeführt werden. Tatsächlich handelt es sich um zwei ganz unterschiedliche Verhaltensweisen: bei der ersten machen die Eheleute von einer naturgegebenen Möglichkeit rechtmäßig Gebrauch; bei der anderen dagegen hindern sie den Zeugungsvorgang bei seinem natürlichen Ablauf. Zweifellos sind in beiden Fällen die Gatten sich einig, daß sie aus guten Gründen Kinder vermeiden wollen, und dabei möchten sie auch sicher sein. Jedoch ist zu bemerken, daß nur im ersten Fall die Gatten sich in fruchtbaren Zeiten des ehelichen Verkehrs enthalten können, wenn aus berechtigten Gründen keine weiteren Kinder mehr wünschenswert sind. In den empfängnisfreien Zeiten aber vollziehen sie dann den ehelichen Verkehr zur Bezeugung der gegenseitigen Liebe und zur Wahrung der versprochenen Treue. Wenn die Eheleute sich so verhalten, geben sie wirklich ein Zeugnis der rechten Liebe.

Ernste Folgen der Methoden einer künstlichen Geburtenregelung

17. Verständige Menschen können sich noch besser von der Wahrheit der kirchlichen Lehre überzeugen, wenn sie ihr Augenmerk auf die Folgen der Methoden der künstlichen Geburtenregelung richten. Man sollte vor allem bedenken, wie bei solcher Handlungsweise sich ein breiter und leichter Weg einerseits zur ehelichen Untreue, anderseits zur allgemeinen Aufweichung der sittlichen Zucht auftun könnte. Man braucht nicht viel Erfahrung, um zu wissen, wie schwach der Mensch ist, und um zu begreifen, daß der Mensch – besonders der Jugendliche, der gegenüber seiner Triebwelt so verwundbar ist – anspornender Hilfe bedarf, um das Sittengesetz zu beobachten, und daß es unverantwortlich wäre, wenn man ihm die Verletzung des Gesetzes selbst erleichterte. Auch muß man wohl befürchten: Männer, die sich an empfängnisverhütende Mittel gewöhnt haben, könnten die Ehrfurcht vor der Frau verlieren, und, ohne auf ihr körperliches Wohl und seelisches Gleichgewicht Rücksicht zu nehmen, sie zum bloßen Werkzeug ihrer Triebbefriedigung erniedrigen und nicht mehr als Partnerin ansehen, der man Achtung und Liebe schuldet. Schließlich ist sehr zu bedenken, welch gefährliche Macht man auf diese Weise jenen staatlichen Behörden in die Hand gäbe, die sich über sittliche Grundsätze hinwegsetzen. Wer könnte es Staatsregierungen verwehren, zur Überwindung der Schwierigkeiten ihrer Nationen für sich in Anspruch zu nehmen, was man Ehegatten als erlaubte Lösung ihrer Familienprobleme zugesteht? Wer könnte Regierungen hindern, empfängnisverhütende Methoden zu fördern, die ihnen am wirksamsten zu sein scheinen, ja sogar ihre Anwendung allgemein vorzuschreiben, wo immer es ihnen notwendig erscheint? Auf diese Weise könnte es geschehen, daß man, um Schwierigkeiten persönlicher, familiärer oder sozialer Art, die sich aus der Befolgung des göttlichen Gesetzes ergeben, zu vermeiden, es dem Ermessen staatlicher Behörden zugestände, sich in die ganz persönliche und intime Aufgabe der Eheleute einzumischen. Will man nicht den Dienst an der Weitergabe des Lebens menschlicher Willkür überlassen, dann muß man für die Verfügungsmacht des Menschen über den eigenen Körper und seine natürlichen Funktionen unüberschreitbare Grenzen anerkennen, die von niemand, sei es Privatperson oder öffentliche Autorität, verletzt werden dürfen. Diese Grenzen bestimmen sich einzig aus der Ehrfurcht, die dem menschlichen Leibe in seiner Ganzheit und seinen natürlichen Funktionen geschuldet wird: und zwar entsprechend den oben dargelegten Grundsätzen und dem recht verstandenen sogenannten Ganzheitsprinzip, so wie es Unser Vorgänger Pius XII. erläutert hat (21).

Die Kirche als Garant der wahren Werte des Menschen

18. Es ist vorauszusehen, daß vielleicht nicht alle diese überkommene Lehre ohne weiteres annehmen werden; es werden sich, verstärkt durch die modernen Kommunikationsmittel, zu viele Gegenstimmen gegen das Wort der Kirche erheben. Die Kirche aber, die es nicht überrascht, daß sie ebenso wie ihr göttlicher Stifter gesetzt ist „zum Zeichen, dem widersprochen wird (22)“, steht dennoch zu ihrem Auftrag, das gesamte Sittengesetz, das natürliche und evangelische, demütig, aber auch fest zu verkünden. Die Kirche ist ja nicht Urheberin dieser beiden Gesetze; sie kann deshalb darüber nicht nach eigenem Ermessen entscheiden, sondern nur Wächterin und Auslegerin sein; niemals darf sie etwas für erlaubt erklären, was in Wirklichkeit unerlaubt ist, weil das seiner Natur nach dem wahren Wohl des Menschen widerspricht. Indem sie das eheliche Sittengesetz unverkürzt wahrt, weiß die Kirche sehr wohl, daß sie zum Aufbau echter menschlicher Kultur beiträgt; darüber hinaus spornt sie den Menschen an, sich nicht seiner Verantwortung dadurch zu entziehen, daß er sich auf technische Mittel verläßt; damit sichert sie die Würde der Eheleute. Indem die Kirche so dem Beispiel und der Lehre unseres göttlichen Erlösers getreu vorgeht, zeigt sie, daß ihre aufrichtige und uneigennützige Liebe den Menschen begleitet: sie will ihm helfen in dieser Welt, daß er wirklich als Kind am Leben des lebendigen Gottes teilhat, der aller Menschen Vater ist (23).

III. SEELSORGLICHE RICHTLINIEN

Die Kirche als Mutter und Lehrmeisterin

19. Unsere Worte wären nicht der volle und deutliche Ausdruck der Gedanken und Sorgen der Kirche, der Mutter und Lehrmeisterin aller Völker, wenn sie den Menschen, die sie zur treuen Befolgung von Gottes Gebot über die Ehe auffordern, nicht auch in den schweren Situationen, unter denen heute Familien und Völker leiden, Hilfen böten bei der Durchführung einer sittlich geordneten Geburtenregelung. Die Kirche kann sich ja zu den Menschen nicht anders verhalten als unser göttlicher Erlöser: sie kennt die Schwachheit der Menschen, sie hat Erbarmen mit den Scharen, sie nimmt sich der Sünder an; sie muß aber jenes Gesetz lehren, das wirklich das Gesetz des menschlichen Lebens ist: jenes Lebens, das auf seine ursprüngliche Wahrheit zurückgeführt, von Gottes Geist bewegt wird (24).

Möglichkeit der Beobachtung des göttlichen Gesetzes

20. Die Verwirklichung der Lehre über die rechte Geburtenregelung, die die Kirche als Gottes Gebot selbst verkündet, erscheint zweifellos vielen schwer, ja sogar ganz unmöglich. Aber wie jedes besonders hohe und wertvolle Gut verlangt dieses Gesetz vom einzelnen Menschen, von der Familie und von der menschlichen Gesellschaft feste Entschlüsse und viele Anstrengungen. Ja, seine Befolgung ist nicht möglich ohne die helfende Gnade Gottes, die den guten Willen des Menschen stützt und stärkt. Wer aber tiefer nachdenkt, wird erkennen, daß diese Anstrengungen die Würde des Menschen erhöhen und beitragen zum Wohl der menschlichen Gesellschaft.

Selbstbeherrschung

21. Sittlich geordnete Geburtenregelung aber verlangt von den Gatten vor allem eine volle Anerkennung und Wertschätzung der wahren Güter des Lebens und der Familie, ferner eine ständige Bemühung um allseitige Beherrschung ihrer selbst und ihres Trieblebens. Ganz sicher ist diese geistige Herrschaft über den Naturtrieb ohne Askese nicht möglich. Nur so vermag man die dem ehelichen Leben eigentümlichen Ausdrucksformen der Liebe in Einklang zu bringen mit der rechten Ordnung. Das gilt besonders für jene Zeiten, in denen man Enthaltsamkeit üben muß. Solche Selbstzucht, Ausdruck ehelicher Keuschheit, braucht keineswegs der Gattenliebe zu schaden; sie erfüllt sie vielmehr mit einem höheren Sinn für Menschlichkeit. Solche Selbstzucht verlangt zwar beständiges Sich-Mühen; ihre heilsame Kraft aber führt die Gatten zu einer volleren Entfaltung ihrer selbst und macht sie reich an geistlichen Gütern. Sie schenkt der Familie wahren Frieden und hilft, auch sonstige Schwierigkeiten zu meistern. Sie fördert bei den Gatten gegenseitige Achtung und Besorgtsein füreinander; sie hilft den Eheleuten, ungezügelte Selbstsucht, die der wahren Liebe widerspricht, zu überwinden, sie hebt bei ihnen das Verantwortungsbewußtsein für die Erfüllung ihrer Aufgaben. Sie verleiht den Eltern bei der Erziehung der Kinder eine innerlich begründete, wirkungsvollere Autorität: dementsprechend werden dann Kinder und junge Menschen mit fortschreitendem Alter zu den wahren menschlichen Werten die rechte Einstellung bekommen und die Kräfte ihres Geistes und ihrer Sinne in glücklicher Harmonie entfalten.

Schaffung einer für die Keuschheit gedeihlichen Atmosphäre

22. Bei dieser Gelegenheit wollen Wir die Erzieher und alle, die für das Gemeinwohl der menschlichen Gesellschaft verantwortlich sind, an die Notwendigkeit erinnern, ein Klima zu schaffen, das geschlechtlich zuchtvolles Verhalten begünstigt. So überwindet wahre Freiheit Ungebundenheit durch Wahrung der sittlichen Ordnung. Alle, denen der Fortschritt der menschlichen Kultur und der Schutz der wesentlichen Güter der Seele am Herzen liegt, müssen einstimmig verurteilen, was bei den modernen Massenmedien dazu beiträgt, die Sinne aufzupeitschen und Sittenverfall zu verbreiten, ebenso jede Form von Pornographie in Schrift, Wort und Darstellung. Man soll doch nicht versuchen, solche Entartung mit Berufung auf Kunst und Wissenschaft zu rechtfertigen (25) oder mit dem Hinweis auf die Freiheit, die vielleicht in diesem Bereich die staatlichen Stellen gewähren.

Appell an die staatlichen Behörden

23. Daher richten Wir das Wort an die Regierungen, denen vor allem die Verantwortung für den Schutz des Gemeinwohls obliegt und die soviel zur Wahrung der guten Sitten beitragen können: Duldet niemals, daß die guten Sitten eurer Völker untergraben werden; verhindert unter allen Umständen, daß durch Gesetze in die Familie, die Keimzelle des Staates, Praktiken eindringen, die zum natürlichen und göttlichen Gesetz im Widerspruch stehen. Um das Problem des Bevölkerungszuwachses zu lösen, kann und muß die staatliche Gewalt einen anderen Weg gehen: den einer weisen und vorausschauenden Familien- und Bildungspolitik, die das Sittengesetz und die Freiheit der Bürger sicherstellt. Wir wissen sehr wohl um die Schwierigkeiten, die hier die Regierungen haben, zumal in den Entwicklungsländern. Unser Verständnis für diese begründeten Sorgen beweist Unsere Enzyklika „Populorum progressio“. Hier aber wiederholen Wir mit Unserem Vorgänger Johannes XXIII.: „Bei Behandlung und Lösung dieser Fragen darf der Mensch weder Wege gehen noch Mittel anwenden, die im Widerspruch zu seiner Würde stehen, wie sie von jenen ungescheut angeboten werden, die vom Menschen und seinem Leben rein materialistisch denken. Unserer Überzeugung nach läßt sich die Frage nur lösen, wenn beim wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt sowohl der einzelnen wie des ganzen Menschheitsgeschlechtes die echt menschlichen Güter und Werte geachtet und gemehrt werden (26).“ Sehr zu Unrecht würde man die göttliche Vorsehung für das verantwortlich machen, was im Gegenteil eine Folge kurzsichtiger Politik ist, mangelnden Sinns für soziale Gerechtigkeit, selbstsüchtiger Bereicherung, schließlich fauler Nachlässigkeit in der Übernahme von Anstrengungen, die ein Volk mit all seinen Bürgern zu höherem Lebensstandard führen könnten (27). Möchten doch alle Verantwortlichen, auf die es ankommt – wie es einige schon ausgezeichnet tun -, immer wieder mit allen Kräften ans Werk gehen. Man darf nicht nachlassen im Eifer, sich innerhalb der großen Menschenfamilie gegenseitig zu helfen; hier öffnet sich, meinen Wir, ein schier unbegrenztes Betätigungsfeld für die großen überstaatlichen Einrichtungen.

An die Wissenschaftler

24. Wir möchten nun Unsern Appell an die Männer der Wissenschaft richten, „die dem Wohl von Ehe und Familie und dem Frieden des Gewissens sehr dienen, wenn sie durch ihre gemeinsame wissenschaftliche Arbeit die Voraussetzungen für eine sittlich einwandfreie Geburtenregelung genauer zu klären versuchen (28)“. Vor allem ist zu wünschen – was schon Pius XII. gesagt hat -, daß aufbauend auf dem Wissen um die natürlichen Zyklen die Medizin für eine sittlich geordnete Geburtenregelung sichere Grundlagen zu schaffen vermag (29). So werden dann die Wissenschaftler – besonders die Katholiken unter ihnen – durch ihren Beitrag beweisen, daß es so ist, wie die Kirche lehrt: daß nämlich „es keinen wahren Widerspruch geben kann zwischen den göttlichen Gesetzen hinsichtlich der Übermittlung des Lebens und dem, was echter ehelicher Liebe dient (30)“.

An die christlichen Eheleute

25. Nun richtet sich Unser Wort insbesondere an Unsere Söhne und Töchter, besonders an diejenigen, die Gott beruft, ihm im Ehestande zu dienen. Indem die Kirche die unumstößlichen Forderungen des göttlichen Gesetzes weitergibt, verkündet sie das Heil und schließt in den Sakramenten Wege der Gnade auf: dadurch wird der Mensch eine neue Schöpfung, die in Liebe und echter Freiheit dem erhabenen Plan seines Schöpfers und Erlösers entspricht und Sinn hat für die leichte Last Christi (31). Indem sie in Demut seiner Stimme folgen, sollen die christlichen Eheleute daran denken, daß ihre Berufung zum christlichen Leben, die in der Taufe gründet, im Sakrament der Ehe entfaltet und gefestigt wurde. So werden sie „gestärkt und gleichsam geweiht“, um ihre Aufgaben treu erfüllen, ihre Berufung zur Vollendung führen und vor der Welt das ihnen aufgetragene christliche Zeugnis geben zu können (32). Diese Aufgabe hat der Herr ihnen anvertraut, damit sie den Menschen jenes heilige und doch milde Gesetz offenbar machen, das ihre gegenseitige Liebe und ihr Zusammenwirken mit der Liebe Gottes, des Urhebers menschlichen Lebens, innig vereint. Daß für das Leben christlicher Eheleute bisweilen ernste Schwierigkeiten auftreten, leugnen Wir keineswegs: denn wie für jeden von uns ist auch für sie „die Pforte eng und schmal der Weg, der zum Leben führt (33)“. Dennoch wird die Hoffnung auf dieses Leben wie ein hellstrahlendes Licht ihren Weg erleuchten, wenn sie tapferen Sinnes bemüht sind, „nüchtern, gerecht und gottesfürchtig in dieser Welt zu leben (34)“, wohl wissend, daß „die Gestalt dieser Welt vergeht (35)“. Deshalb sollen die Eheleute die ihnen auferlegten Opfer bereitwillig auf sich nehmen, gestärkt durch den Glauben und die Hoffnung, die „nicht zuschanden werden läßt: denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ward (36)“. Sie sollen ferner in inständigem Gebet die Hilfe Gottes erflehen und vor allem aus der immer strömenden Quelle der Eucharistie Gnade und Liebe schöpfen. Sollten aber Sünden ihren Weg hemmen, dann mögen sie nicht den Mut verlieren, sondern demütig und beharrlich zur Barmherzigkeit Gottes ihre Zuflucht nehmen, die ihnen im Bußsakrament in reichem Maße geschenkt wird. So können die Eheleute zu der ihnen als Gatten eigenen Vollkommenheit kommen, wie der Apostel sie kennzeichnet: „Ihr Männer, liebet eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt hat … So sollen die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Hat doch niemand je sein eigenes Fleisch gehaßt, sondern er hegt und pflegt es wie Christus seine Kirche … Dieses Geheimnis ist groß: ich meine im Hinblick auf Christus und die Kirche. Wohlan, so liebe jeder von euch seine Frau ebenso wie sich selbst; die Frau aber stehe in Ehrfurcht zum Manne (37).“

Familienapostolat

26. Eine der edelsten Früchte, die aus dem unentwegten Bemühen der Eheleute um die Befolgung des göttlichen Gesetzes heranreift, ist der häufige Wunsch der Eheleute, andere an ihrer Erfahrung teilhaben zu lassen. So fügt sich dem weiten Bereich der Laienberufung ein neues Apostolat ausgezeichneter Art ein: der Dienst jener aneinander, die in gleicher Situation stehen: die Eheleute übernehmen für andere Eheleute, denen gegenüber sie sich als Führer erweisen, eine apostolische Aufgabe. Das scheint heute eine besonders zeitgemäße Form des Apostolates zu sein (38).

An die Ärzte und ihre Helfer

27. Große Hochachtung zollen Wir den Ärzten und ihren Helfern, die in der Ausübung ihres Berufes mehr darauf schauen, was ein christliches Berufsethos von ihnen fordert als auf rein menschliche Interessen. Sie mögen beharrlich bei dem Vorsatz bleiben, sich für die Lösungen einzusetzen, die dem Glauben und der Vernunft entsprechen; sie mögen sich auch bemühen, ihre Berufskollegen für die gleiche Einstellung zu gewinnen. Zudem sollen sie es als besondere Aufgabe ihres Berufes betrachten, sich das notwendige Wissen zu erwerben, um in diesem schwierigen Bereich Eheleute, die zu ihnen kommen, recht beraten und ihnen verantwortbare Wege zeigen zu können, wie es mit Fug und Recht von ihnen erwartet wird.

An die Priester

28. Liebe Priester, liebe Söhne! Durch euren heiligen Beruf seid ihr Berater und geistliche Führer der einzelnen Menschen wie der Familien. Voll Vertrauen möchten Wir Uns an euch wenden. Eure Pflicht ist es ja – Unser Wort gilt besonders den Lehrern der Moraltheologie -, die kirchliche Ehelehre unverfälscht und offen vorzulegen. Gebt an erster Stelle ihr bei der Ausübung eures Amtes das Beispiel aufrichtigen Gehorsams, der innerlich und nach außen dem kirchlichen Lehramt zu leisten ist. Wie ihr wohl wißt, verpflichtet euch dieser Gehorsam nicht so sehr wegen der beigebrachten Beweisgründe, als wegen des Lichtes des Heiligen Geistes, mit dem besonders die Hirten der Kirche bei der Darlegung der Wahrheit ausgestattet sind (39). Ihr wißt auch, daß es zur Wahrung des inneren Friedens der einzelnen und der Einheit des christlichen Volkes von größter Bedeutung ist, daß in Sitten- wie in Glaubensfragen alle dem kirchlichen Lehramt gehorchen und die gleiche Sprache sprechen. Deshalb machen Wir Uns die eindringlichen Worte des großen Apostels Paulus zu eigen und appellieren erneut an euch aus ganzem Herzen: „Ich ermahne euch, Brüder, … daß Ihr alle in Eintracht redet; keine Parteiungen soll es unter euch geben, vielmehr sollt ihr im gleichen Sinn und in gleicher Überzeugung zusammenstehen (40).“

29. Ferner, wenn nichts von der Heilsiehre Christi zu unterschlagen eine hervorragende Ausdrucksform der Liebe ist, so muß dies immer mit Duldsamkeit und Liebe verbunden sein; dafür hat der Herr selbst durch sein Wort und Werk den Menschen ein Beispiel gegeben. Denn obwohl er gekommen war; nicht um die Welt zu richten, sondern zu retten (41), war er zwar unerbittlich streng gegen die Sünde, aber geduldig und barmherzig gegenüber den Sündern. Bei ihren Schwierigkeiten und Nöten sollten die Eheleute im Wort und im mitfühlenden Herzen des Priesters ein Echo der Stimme und der Liebe unseres Erlösers finden. Redet mit Zuversicht, liebe Söhne, überzeugt, daß der Heilige Geist, welcher dem Lehramt bei der Darlegung der rechten Lehre beisteht, die Herzen der Gläubigen erleuchtet und sie zur Zustimmung einlädt. Es geht nicht ohne Gebet. Lehrt es die Eheleute; unterweist sie, daß sie oft, mit großem Glauben, zu den Sakramenten der Eucharistie und der Buße kommen und niemals wegen ihrer Schwachheit den Mut verlieren.

An die Bischöfe

30. Liebe und ehrwürdige Brüder im Bischofsamt! Am Ende dieses Rundschreibens wenden Wir Uns in Ehrerbietung und Liebe an euch. Mit euch teilen Wir besonders eng die Sorgen um das geistliche Wohl des Gottesvolkes. An euch richtet sich Unsere dringende Bitte: Setzt euch, an der Spitze eurer Mitarbeiter, der Priester, und eurer Gläubigen restlos und unverzüglich ein für Schutz und Heiligkeit der Ehe; dafür, daß damit das Leben in der Ehe zu menschlicher und christlicher Vollendung kommt. Das sollt ihr als die größte und verantwortungsvollste Aufgabe ansehen, die euch heute anvertraut ist. Ihr wißt sehr wohl, daß dieser Hirtendienst eine gewisse Abstimmung der pastoralen Bemühungen aufeinander erfordert, die alle Bereiche menschlichen Tuns umfaßt: den wirtschaftlichen, den der Bildung und den gesellschaftlichen. Gleichzeitiger Fortschritt auf allen diesen Gebieten wird das Leben von Eltern und Kindern in der Familie erträglicher, leichter und froher machen. Bei ehrfürchtiger Wahrung von Gottes Plan mit der Welt wird auch das Leben der menschlichen Gesellschaft durch brüderliche Liebe reicher und durch wahren Frieden gesicherter werden.

SCHLUSSWORT

31. Euch, ehrwürdige Brüder, liebe Söhne und Töchter, und euch alle, Menschen guten Willens, rufen Wir auf zu einem wahrhaft großen Werk der Erziehung und des Fortschritts und der Liebe. Wir stützen Uns dabei auf die feste Lehre der Kirche, die der Nachfolger des heiligen Petrus, gemeinsam mit den Brüdern im katholischen Bischofsamt, treu bewahrt und auslegt. Dieses wahrhaft große Werk, davon sind Wir fest überzeugt, gereicht sowohl der Welt wie der Kirche zum Segen. Nur wenn der Mensch sich an die von Gott in seine Natur eingeschriebenen und darum weise und liebevoll zu achtenden Gesetze hält, kann er zum wahren, sehnlichst erstrebten Glück gelangen. Für dieses große Werk erflehen Wir nicht nur euch allen, sondern besonders den Eheleuten, vom allheiligen und allbarmherzigen Gott die Fülle himmlischer Gnade und erteilen euch als deren Unterpfand von Herzen Unseren Apostolischen Segen.

Rom, bei St. Peter, am 25. Juli, am Fest des heiligen Apostels Jakobus 1968, im sechsten Jahre Unseres Pontifikats.

PAUL PP. VI.


Anmerkungen

1) Vgl. Pius IX., Enz. Qui Pluribus, 9. Nov. 1846: Pius IX. P. M. Acta, Bd. 1, S. 9-10; Pius X., Enz. Singulari Quadam, 24. Sept. 1912: AAS 4 (1912), S. 658; Pius XI., Enz. Casti Connubii, 31. Dezember 1930: AAS 22 (1930), S. 579-581; Pius XII., Ansprache Magnificate Dominum, an den katholischen Weltepiskopat, 2. Nov. 1954: AAS 46 (1954), S. 671-672; Johannes XXIII., Enz. Mater et Magistra, 15. Mai 1961: AAS 53 (1961), S. 457.

2) Vgl. Mt 28,18-19.

3) Vgl. Mt 7,21.

4) Vgl. Catechismus Romanus Concilii Tridentini, II. Teil, c. CIII; Leo XIII., Enz. Arcanum, 10. Febr. 1880: Acta Leonis XIII., 2 (1881), S. 26-29; Pius XI., Enz. Divini Illius Magistri, 31. Dez. 1929: AAS 22 (1930), S. 56-61; Enz. Casti ConnubiiAAS 22 (1930), S. 545-546; Pius XII., Ansprache an die italienische medizinisch-biologische Vereinigung vom hl. Lukas, 12. Nov. 1944: Ansprache und Radiobotschaften, VI, S. 191-192; An die katholische Vereinigung der Hebammen Italiens, 29. Okt. 1951: AAS 43 (1951), S. 835-854; An den Kongreß des Fronte della Famiglia und der Vereinigung der kinderreichen Familien, 28. Nov. 1951: AAS 43 (1951), S. 857-859; An den 7. Kongreß der internationalen Gesellschaft für Hämatologie, 12. Sept. 1958: AAS 50 (1958), S. 734-735; Johannes XXIII., Enz. Mater et MagistraAAS 53 (1961), S. 446-447; Codex luris Canonici, c. 1067; c. 1068, § 1; c. 1076, §§ 1-2; 2. Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et Spes, Nr. 47-52.

5) Vgl. Paul VI., Ansprache an das Kardinalskollegium, 23. Juni 1964: AAS 56 (1964), S. 588; An die Kommission zum Studium der Probleme der Bevölkerung, der Familie und der Geburten, 27. März 1965: AAS 57 (1965), S. 388; An den Nationalkongreß der italienischen Vereinigung der Hebammen und Gynäkologen, 29. Okt. 1966: AAS 58 (1966), S. 1168.

6) Vgl. 1 Joh 4-8.

7) Vgl. Eph 3,15.

8) Vgl. 2. Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et Spes, Nr. 50.

9) Vgl. S. Thom. Aqu., S. Th., I-II, qu. 94, a. 2.

10) Vgl. 2. Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et Spes, Nr. 50 und 51.

11) Vgl. 2. Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et Spes, Nr. 49.

12) Vgl. Pius XI., Enz. Casti Connubii: AAS 92 (1930), S. 560; Pius XII., Ansprache an die katholische Vereinigung der Hebammen Italiens, 29. Okt.1951: AAS 43 (1951), S. 843.

13) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Mater et MagistraAAS 53 (1961), S. 447.

14) Vgl. Catechisrnus Romanus Concilii Tridentini, II. Teil, c. VIII; Pius XI., Enz. Casti ConnubiiAAS 22 (1930), S. 562-564; Pius XII., Ansprache an die italienische medizinisch-biologische Vereinigung vom hl. Lukas, 12. Nov. 1944: Ansprache und Radiobotschaften, VI (1944), S. 191-192; Ansprache an die katholische Vereinigung der Hebammen Italiens, 29. Okt. 1951: AAS 43 (1951), S. 842-843; S. 857-859; Johannes XXIII., Enz. Pacem in Terris, 11. April 1963: AAS 55 (1963), S. 259-260; 2. Vatikanisches Konzil, Gaudium et Spes, Nr. 51.

15) Vgl. Pius XI., Enz. Casti Connubii: AAS 22 (1930), S. 565; Dekret d. Hl. Off., 22. Februar 1940, AAS 32 (1940), S. 73; Pius XII., Ansprache an die katholische Vereinigung der Hebammen Italiens, 29. Okt. 1951: AAS 43 (1951), S. 843-844; An den 7. Kongreß der internationalen Gesellschaft für Hämatologie, 12. Sept. 1958: AAS 50 (1958), S. 734-735.

16) Vgl. Catechismus Romanus Concilii Tridentini, II. Teil, c. VIII; Pius XI., Enz. Casti Connubii: AAS 22 (1930), S. 559-561; Pius XII., An die katholische Vereinigung der Hebammen Italiens, 29. Okt. 1951: AAS 43 (1951), S. 843; AAS 45 (1953), S. 674-675; An den 7. Kongreß der internationalen Gesellschaft für Hämatologie, 12. Sept. 1958: AAS 50 (1958), S. 734-735; Johannes XXIII., Enz. Mater et Magistra: AAS 53 (1961), S. 447.

17) Vgl. Pius XII., Ansprache an den Nationalkongreß der Vereinigung kath. Juristen Italiens, 6. Dez. 1953: AAS 45 (1953), S. 798-799.

18) Vgl. Röm 3,8.

19) Vgl. Pius XII., Ansprache an die Teilnehmer des 26. Kongresses der italien. Gesellschaft für Urologie, 8.7.1953: AAS 45 (1953), S. 674-675; An den 7. Kongreß der internationalen Gesellschaft für Hämatologie, 12. Sept. 1958: AAS 50 (1958), S. 734-735.

20) Vgl. Pius XII., Ansprache an die katholische Vereinigung der Hebammen Italiens, 29. Okt. 1951: AAS 43 (1951), S. 846.

21) Vgl. Pius XII., Ansprache an die Teilnehmer des 26. Kongresses der italien. Gesellschaft für Urologie, 8.7.1953: AAS 45 (1953), S. 674-675; AAS 48 (1956), S. 46l-462.

22) Vgl. Lk 2,34.

23) Vgl. Paul VI., Enz. Populorum Progressio, 26. März 1967, Nr. 21.

24) Vgl. Röm 8.

25) Vgl. 2. Vatikanisches Konzil, Dekret Inter Mirifica über die sozialen Kommunikationsmittel, Nr. 6-7.

26) Vgl. Enz. Mater et MagistraAAS 53 (1961), S. 447.

27) Vgl. Enz. Populorum Progressio, Nr. 48-55.

28) Vgl. 2. Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et Spes, Nr. 52.

29) Vgl. Pius XII., Ansprache an den Kongreß des Fronte della Famiglia und der Vereinigung der kinderreichen FamilienAAS 43 (1951), S. 859.

30) Vgl. 2. Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et Spes, Nr. 51.

31) Vgl. Mt 11,30.

32) Vgl. 2. Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et Spes, Nr. 48; Dogm. Konst. Lumen Gentium, Nr. 35.

33) Mt 7,14; vgl. Hebr 12,11.

34) Vgl. Tit 2,12.

35) Vgl. 1 Kor 7,31.

36) Vgl. Röm 5,5.

37) Eph 5,25.28-29.32-33.

38) Vgl. Dogm. Konst. Lumen Gentium, Nr. 35 und 41; Pastoralkonstitution Gaudium et Spes, Nr. 48-49; 2. Vatikanisches Konzil, Dekret Apostolicam Actuositatem, Nr. 11.

39) Vgl. Dogm. Konst. Lumen Gentium, Nr. 25.

40) Vgl. 1 Kor 1,10.

41) Vgl. Joh 3,17.

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Quelle

 

Generalaudienz: „Der Widersacher wollte das Volk spalten“

Generalaudienz, 13. September 2017

Mittwochskatechese von Papst Franziskus — Volltext

Wir dokumentieren in einer eigenen Übersetzung die Ansprache von Papst Franziskus bei der Generalaudienz von Mittwoch, dem 13. September 2017.

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Apostolische Reise nach Kolumbien

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Wir ihr wisst, habe ich in den vergangenen Tagen eine apostolische Reise nach Kolumbien unternommen. Aus ganzem Herzen danke ich dem Herrn für dieses große Geschenk und möchte dem Präsidenten der Republik für den äußerst freundlichen Empfang, den kolumbianischen Bischöfen für ihre intensive Vorbereitungsarbeit für diesen Besuch sowie den weiteren Obrigkeiten des Landes und allen, die an der Verwirklichung dieser Visite mitgearbeitet haben, erneut meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Ein besonderer Dank geht an das kolumbianische Volk, das mich mit großer Zärtlichkeit und viel Freude aufgenommen hat! Dieses Volk ist freudig inmitten großen Leids, es ist jedoch freudig; ein Volk mit Hoffnung. Zu jenen Dingen, die mich in allen Städten am meisten berührt haben, waren die Väter und Mütter mit den Kindern in der Menschenmenge. Sie haben die Kinder hochgehoben, um sie vom Papst segnen zu lassen; sie haben ihre Kinder jedoch auch mit Stolz gezeigt, um zu sagen: „Das ist unser Stolz! Das ist unsere Hoffnung“. Ich habe gedacht: ein Volk, das Kinder zu zeugen fähig ist und sie mit Stolz zeigen kann, als Hoffnung: Dieses Volk hat Zukunft. Und es hat mir sehr gut gefallen.

In besonderer Weise habe ich während dieser Reise die Kontinuität mit den beiden Päpsten gespürt, die Kolumbien vor mir besucht haben: der Selige Paul VI. im Jahre 1968 und der hl. Johannes Paul II. im Jahre 1986. Diese Kontinuität wird stark vom Geist belebt, der die Schritte des Volkes Gottes auf den Wegen der Geschichte führt.

Das Thema der Reise lautete: „Demos el primer paso“, d.h. „Machen wir den ersten Schritt“ bezogen auf den von Kolumbien erlebten Versöhnungsprozess, um den seit einem halben Jahrhundert währenden internen Konflikt zu überwinden, der Leid und Feindschaft gesägt und viele schwer zu heilende Verletzungen verursacht hat. Mit der Hilfe Gottes ist der Weg jedoch geebnet. Mit meinem Besuch wollte ich die Anstrengungen dieses Volkes segnen, es im Glauben und in der Hoffnung bestätigen und sein Zeugnis erhalten, das einen Reichtum für mein Amt und die gesamte Kirche darstellt. Das Zeugnis dieses Volkes ist ein Reichtum für die gesamte Kirche.

Wie der Großteil der lateinamerikanischen Länder verfügt Kolumbien über starke christliche Wurzeln. Und wenn diese Tatsache den Schmerz aufgrund des tragischen Krieges, der das Land zerrissen hat, noch stärker macht, stellt sie auch eine Zusicherung des Friedens dar, das feste Fundament seines Wiederaufbaus, den Lebenssaft seiner unbesiegbaren Hoffnung. Offensichtlich wollte der Widersacher das Volk spalten, um das Werk Gottes zu zerstören, doch es ist ebenso offensichtlich, dass die Liebe Christi, dessen unendliche Barmherzigkeit, stärker als die Sünde und der Tod ist.

Diese Reise bestand darin, den Segen Christi zu bringen, den kirchlichen Segen des Wunsches des Lebens und des Friedens, der aus dem Herzen dieser Nation überströmt: Ich konnte dies in den Augen der Tausenden von Kindern, Jugendlichen und jungen Menschen sehen, die die Piazza von Bogotá füllten und denen ich überall begegnet bin; jene Lebenskraft, die die Natur selbst mit ihren Überfluss und ihrer Biodiversität proklamiert. Kolumbien belegt in Bezug auf Biodiversität weltweit den zweiten Platz. In Bogotá konnte ich alle Bischöfe des Landes treffen und auch den Lenkungsausschuss der lateinamerikanischen Bischofskonferenz. Ich danke Gott für die Möglichkeit, sie zu umarmen und meine pastorale Ermutigung zu erteilen, für ihre Sendung im Dienst der Kirche als Sakrament Christi unseres Friedens und unserer Hoffnung.

Der in besonderer Weise dem Thema der Versöhnung gewidmete Tag – Höhepunkt der gesamten Reise – wurde in Villavicencio begangen. Am Morgen fand eine große eucharistische Feier statt mit der Seligsprechung der Märtyrer Jesús Emilio Jaramillo Monsalve, Bischof, und Pedro María Ramírez Ramos, Priester; der Nachmittag stand im Zeichen der Versöhnungsliturgie, die symbolisch auf den wie sein Volk verstümmelten Christus von Bocayá ohne Arme und Beine hinorientiert ist.

Die Seligsprechung der beiden Märtyrer erinnerte plastisch daran, dass der Friede auch und vor allem auf dem Blut der vielen Zeugen der Liebe, der Wahrheit, der Gerechtigkeit und auch wahrer Märtyrer beruht, die wie in den beiden oben genannten Fällen aufgrund ihrer Glaubens ermordet wurden.  Ihre Biographien zu hören hat mit zu Tränen gerührt: Tränen des Schmerzes und zugleich der Freude. Vor ihren Reliquien und Antlitzen hat das heilige Gott treue Volk die eigene Identität stark gespürt und dabei beim Gedanken an die vielen, zu vielen Opfer Schmerz empfunden und aufgrund der Barmherzigkeit Gottes, die sich über die ausbreitet, die ihn fürchten, Freude verspürt (vgl. Lk 1,50).

Zu Beginn haben wir den folgenden Satz vernommen: „Es begegnen einander Huld und Treue; Gerechtigkeit und Friede küssen sich.“ (Ps 85,11). Dieser Vers des Psalms beinhaltet die Prophezeiung dessen, das sich am vergangenen Freitag in Kolumbien zugetragen hat; die Prophezeiung und die Gnade Gottes gegenüber diesem verletzten Volk, auf dass es sich wieder erhebe und in einem neuen Leben gehe. Diese prophetischen Worte voller Gnade haben wir in den Geschichten der Zeugnisse verlebendigt gesehen. Diese sprachen im Namen der vielen, die ausgehend von ihren Verletzungen mit der Gnade Christi aus sich selbst herausgegangen sind und sich für die Begegnung, die Vergebung und die Versöhnung geöffnet haben.

In Medellín war die Perspektive jene des christlichen Lebens als Jüngerschaft: die Berufung und die Sendung. Wenn Christen sich bis zum Äußersten für den Weg der Nachfolge Jesu Christi einsetzen, werden sie wahrhaft zu Salz, Licht und Sauerteig der Welt, und die Früchte sind in Fülle zu erkennen. Eine dieser Früchte sind die Hogares, d.h. die Häuser, in denen vom Leben verletzte Kinder und Jugendliche eine neue Familie finden können, in der sie geliebt, aufgenommen, beschützt und begleitet werden. Weitere Früchte, die wie Weitrauben in Fülle vorhanden sind, sind die Berufungen zum priesterlichen und geweihten Leben, die ich in einer unvergesslichen Begegnung mit den Geweihten und deren Familienangehörigen mit Freude segnen und ermutigen konnte.

Zum Schluss richtete sich der Schwerpunkt in Cartagena, der Stadt des hl. Petrus Claver, Apostel der Sklaven, auf die Förderung des Menschen und dessen grundlegende Rechte. Der hl. Petrus Claver und in der jüngeren Vergangenheit Maria Bernarda Bütler gaben ihr Leben für die Ärmsten und am meisten Ausgegrenzten hin, und so wiesen sie den Weg der wahren Revolution, der evangelischen und nicht ideologischen, die die Menschen und die Gesellschaften wahrhaft aus der Versklavung von gestern und leider auch von heute befreit. In diesem Sinne bedeutet das Motto der Reise „den ersten Schritt zu machen“ sich anzunähern, sich zu verbeugen, das Fleisch des verletzten und verlassenen Bruders zu berühren, und zwar mit Christus, dem für uns zum Sklaven gewordenen Herrn. Dank ihm gibt es Hoffnung, denn er ist die Barmherzigkeit und der Friede.

Erneut vertraue ich Kolumbien und dessen geliebtes Volk der Mutter, Unserer Lieben Frau von Chiquinquirá an, die ich in der Kathedrale von Bogotá vehren konnte. Möge jedreer Kolumbianer mit der Hilfe Mariens jeden Tag den ersten Schritt auf den Bruder und die Schwester hinzu machen und so gemeinsam, Tag für Tag, in Liebe, Gerechtigkeit und Wahrheit Frieden stiften.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner]

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Quelle

JOHANNES PAUL II. ZUM AXIOM: EXTRA ECCLESIAM NULLA SALUS

GIOVANNI PAOLO II

UDIENZA GENERALE

Mercoledì, 31 maggio 1995

1. Le difficoltà che talora accompagnano lo sviluppo dell’evangelizzazione pongono in luce un problema delicato la cui soluzione non va cercata in termini puramente storici o sociologici: il problema della salvezza di coloro che non appartengono visibilmente alla Chiesa. Non ci è data la possibilità di scrutare il mistero dell’azione divina nelle menti e nei cuori, per valutare la potenza della grazia di Cristo nel prendere possesso, in vita e in morte, di quanti “il Padre gli ha dato”, e che Egli stesso ha proclamato di non voler “perdere”. Lo sentiamo ripetere in una delle letture evangeliche proposte per la Messa dei defunti (cf. Gv 6, 39-40).

Ma, come ho scritto nell’Enciclica Redemptoris Missio, non si può limitare il dono della salvezza “a coloro che, in modo esplicito, credono in Dio e sono entrati nella Chiesa. Se è destinata a tutti la salvezza deve essere messa in concreto a disposizione di tutti”. E, ammettendo che è concretamente impossibile per tanta gente accedere al messaggio cristiano, ho aggiunto: “Molti uomini non hanno la possibilità di conoscere o di accettare la rivelazione del Vangelo di entrare nella Chiesa. Essi vivono in condizioni socio-culturali che non lo permettono, e spesso sono stati educati in altre tradizioni religiose” (Redemptoris Missio, 10).

Dobbiamo riconoscere che per quanto rientra nelle umane capacità di previsione e di conoscenza questa impossibilità pratica sembrerebbe destinata a durare ancora a lungo forse anche fino al compimento finale dell’opera di evangelizzazione. Gesù stesso ha ammonito che solo il Padre conosce “i tempi e i momenti” da lui fissati per l’instaurazione del suo Regno nel mondo (cf. At 1, 7).

2. Quanto sopra ho detto non giustifica però la posizione relativistica di chi ritiene che in qualsiasi religione si possa trovare una via di salvezza, anche indipendentemente dalla fede in Cristo Redentore, e che su questa ambigua concezione debba basarsi il dialogo interreligioso. Non è qui la soluzione conforme al Vangelo del problema della salvezza di chi non professa il Credo cristiano. Dobbiamo invece sostenere che la strada della salvezza passa sempre per Cristo, e che quindi spetta alla Chiesa e ai suoi missionari il compito di farlo conoscere ed amare in ogni tempo, in ogni luogo e in ogni cultura. Al di fuori di Cristo non “vi è salvezza”. Come proclamava Pietro davanti al Sinedrio, fin dall’inizio della predicazione apostolica: “Non vi è altro nome dato agli uomini sotto il cielo nel quale sia stabilito che possiamo essere salvati” (At 4, 12).

Anche per coloro che senza loro colpa non conoscono Cristo e non si riconoscono cristiani, il piano divino ha predisposto una via di salvezza. Come leggiamo nel Decreto conciliare sull’attività missionaria Ad Gentes, noi crediamo che “Dio, attraverso le vie che lui solo conosce può portare gli uomini che senza loro colpa ignorano il Vangelo” alla fede necessaria alla salvezza (Ad Gentes, 7). Certo, la condizione “senza loro colpa” non può essere verificata né apprezzata da una valutazione umana, ma deve essere lasciata unicamente al giudizio divino. Per questo nella Costituzione Gaudium et Spes il Concilio dichiara che nel cuore di ogni uomo di buona volontà “opera invisibilmente la grazia”, e che “lo Spirito Santo dà a tutti la possibilità di venire in contatto, nel modo che Dio conosce, col Mistero pasquale” (Gaudium et Spes, 22).

3. E importante sottolineare che la via della salvezza percorsa da quanti ignorano il Vangelo non è una via fuori di Cristo e della Chiesa. La volontà salvifica universale è legata all’unica mediazione di Cristo. Lo afferma la Prima Lettera a Timoteo: “Dio nostro Salvatore, il quale vuole che tutti gli uomini siano salvati e arrivino alla conoscenza della verità. Uno solo, infatti, è Dio, e uno solo il mediatore fra Dio e gli uomini, l’uomo Cristo Gesù, che ha dato se stesso in riscatto per tutti” (1 Tm 2, 3-6). Lo proclama Pietro quando dice che “in nessun altro c’è salvezza”, e chiama Gesù “testata d’angolo” (At 4,11-12), ponendo in evidenza il ruolo necessario di Cristo a fondamento della Chiesa.

Questa affermazione della “unicità” del Salvatore trae la sua origine dalle stesse parole del Signore, il quale afferma di essere venuto “per dare la propria vita in riscatto per molti” (Mc 10, 45), cioè per l’umanità, come spiega San Paolo quando scrive: “Uno è morto per tutti” (2 Cor 5, 14 cf. Rm 5, 18). Cristo ha ottenuto la salvezza universale con il dono della propria vita: nessun altro mediatore è stato stabilito da Dio come Salvatore. Il valore unico del sacrificio della Croce deve essere sempre riconosciuto nel destino di ogni uomo.

4. E siccome Cristo opera la salvezza mediante il suo mistico Corpo, che è la Chiesa, la via di salvezza è essenzialmente legata alla Chiesa. L’assioma extra Ecclesiam nulla salus – “fuori della Chiesa non c’è salvezza” –, enunciato da San Cipriano (Epist 73,21: PL1123 AB), appartiene alla tradizione cristiana ed è stato inserito nel Concilio Lateranense IV (Denz.-S. 802), nella bolla Unam Sanctam di Bonifacio VIII (Denz.-S. 870) e nel Concilio di Firenze (Decretum pro Jacobitis, Denz.-S. 1351).

L’assioma significa che per quanti non ignorano che la Chiesa è stata fondata da Dio per mezzo di Gesù Cristo come necessaria c’è l’obbligo di entrare e di perseverare in essa al fine di ottenere la salvezza (cf. Lumen Gentium, 14). Per coloro che invece non hanno ricevuto l’annunzio del Vangelo, come ho scritto nell’Enciclica Redemptoris Missio, la salvezza è accessibile attraverso vie misteriose in quanto la grazia divina viene loro conferita in virtù del sacrificio redentore di Cristo, senza adesione esterna alla Chiesa ma sempre, tuttavia, in relazione con essa (cf. Redemptoris Missio, 10). Si tratta di una “misteriosa relazione”: misteriosa per coloro che la ricevono, perché essi non conoscono la Chiesa e anzi, talvolta, esternamente la respingono; misteriosa anche in se stessa perché legata al mistero salvifico della grazia, che comporta un riferimento essenziale alla Chiesa fondata dal Salvatore.

La grazia salvifica, per operare, richiede un’adesione, una cooperazione, un sì alla divina donazione: e tale adesione è, almeno implicitamente, orientata verso Cristo e la Chiesa. Perciò si può dire anche sine Ecclesia nulla salus – “senza la Chiesa non c’è salvezza” –: l’adesione alla Chiesa-Corpo mistico di Cristo, per quanto implicita è appunto misteriosa, costituisce una condizione essenziale per la salvezza.

5. Le religioni possono esercitare un influsso positivo sul destino di chi ne fa parte e ne segue le indicazioni con sincerità di spirito. Ma se l’azione decisiva per la salvezza è opera dello Spirito Santo dobbiamo tener presente che l’uomo riceve soltanto da Cristo, mediante lo Spirito Santo, la sua salvezza. Essa ha inizio già nella vita terrena, che la grazia, accettata e corrisposta, rende fruttuosa, in senso evangelico, per la terra e per il cielo.

Di qui l’importanza del ruolo indispensabile della Chiesa, la quale “non è fine a se stessa ma fervidamente sollecita di essere tutta di Cristo, in Cristo e per Cristo, e tutta degli uomini, fra gli uomini e per gli uomini”. Un ruolo che non è dunque “ecclesiocentrico” come a volte si è detto: la Chiesa non esiste infatti né lavora per se stessa, ma è al servizio di una umanità chiamata alla filiazione divina in Cristo (cf. Redemptoris Missio, 19). Essa esercita perciò una mediazione implicita anche nei confronti di quanti ignorano il Vangelo.

Ciò non deve però portare alla conclusione che la sua attività missionaria sia in tali circostanze meno necessaria. Tutt’altro. In effetti chi ignora Cristo, pur senza sua colpa, viene a trovarsi in una condizione di oscurità e di carestia spirituale con riflessi negativi spesso anche sul piano culturale e morale. L’azione missionaria della Chiesa può procurargli le condizioni di pieno sviluppo della grazia salvatrice di Cristo, proponendo l’adesione piena e consapevole al messaggio della fede e la partecipazione attiva alla vita ecclesiale nei sacramenti.

Questa è la linea teologica tratta dalla tradizione cristiana. Il magistero della Chiesa l’ha seguita nella dottrina e nella prassi come via segnata da Cristo stesso per gli Apostoli e per i missionari di tutti i tempi.

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Quelle

„Ohne Rachen, Krallen und Waffen“

Generalaudienz, 28. Juni 2017

Generalaudienz am Mittwoch, dem 28. Juni 2017 — Volltext

Wir dokumentieren in einer eigenen Übersetzung die Ansprache von Papst Franziskus bei der Generalaudienz von Mittwoch, dem 28. Juni 2017, auf dem römischen Petersplatz.

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Die christliche Hoffnung – 28. Die Hoffnung, Kraft der Märtyrer

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute stellen wir eine Betrachtung der christlichen Hoffnung als Kraft der Märtyrer an. Als Jesus die Jünger im Evangelium zur Mission aussendet, macht er ihnen nicht die falsche Hoffnung, auf einfachem Wege zu Erfolgen zu gelangen – ganz im Gegenteil: Er macht sie ganz klar darauf aufmerksam, dass die Ankündigung des Reiches Gottes immer auf Widerstände stößt. Er verwendet dazu den extremen Ausdruck: „Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden“ (Mt 10,22). Die Christen lieben, doch nicht immer werden sie geliebt. Schon jetzt konfrontiert uns Jesus mit dieser Realität: in stärkerem oder schwächerem Ausmaß vollzieht sich das Glaubensbekenntnis in einem feindseligen Klima.

Die Christen sind  daher „gegen den Strom schwimmende“ Männer und Frauen. Das ist normal, denn die Welt ist von der Sünde gekennzeichnet, die sich in verschiedenen Formen des Egoismus und der Ungerechtigkeit manifestiert. Wer Christus nachfolgt, ist in entgegengesetzter Richtung unterwegs; nicht in polemischem Sinn, sondern aus Treue zur Logik des Reiches Gottes, einer Logik der Hoffnung, die in einem auf den Anweisungen Jesu basierenden Lebensstil zum Ausdruck kommt.

Die erste Anweisung ist die Armut. Als Jesus seine Jünger zur Mission aussendet, scheint er sie mit größerer Sorgfalt zu „entkleiden“ als sie zu „kleiden“! Tatsächlich ist ein Christ, der nicht arm und bescheiden, von Reichtümern und Macht und vor allem von sich selbst getrennt ist, Jesus nicht ähnlich. Der Christ geht seinen Weg in dieser Weise mit den für die Wanderung notwendigen Dingen zurück, doch sein Herz ist voller Liebe. Die wahre Niederlage für ihn oder sie besteht darin, der Versuchung der Rache und der Gewalt zu erliegen und Böses mit Bösem zu beantworten. Jesus sagt uns: „Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe“ (Mt 10,16), d.h. ohne Rachen, Krallen und Waffen. Vielmehr muss der Christ vorsichtig und manchmal sogar schlau sein: Diese Tugenden sind mit der Logik des Evangeliums verbunden, Gewalt jedoch niemals. Um das Böse zu besiegen, können die Methoden des Bösen nicht geteilt werden.

Die einzige Kraft des Christen ist das Evangelium. In schwierigen Zeiten muss man glauben, dass Jesus vor uns steht und nie aufhört, seine Jünger zu begleiten. Die Verfolgung ist kein Widerspruch des Evangeliums, jedoch ein Teil davon: Wenn unser Meister verfolgt wurde, wie können wir dann hoffen, dass uns der Kampf erspart bleibt? Inmitten des Wirbelwindes darf der Christ jedoch die Hoffnung nicht verlieren und denken, dass er verlassen wurde. Jesus beruhigt die Seinen, indem er sagt: „Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt“ (Mt 10,30). Das heißt letztendlich, dass kein Leiden des Menschen, nicht einmal die kleinsten und verstecktesten Formen davon, dem Auge Gottes verborgen bleibt. Gott sieht und schützt mit Sicherheit; er schenkt seine Befreiung. Tatsächlich befindet sich mitten unter uns jemand, der stärker als das Böse, die Mafias, die dunklen Handlungen und jene ist, die aus der Haut der Verzweifelten Profit schlagen, die andere rücksichtslos erdrücken… Jemand, der seit jeher die Stimme des Blutes Abels hört, die aus der Erde erklingt.

Die Christen müssen daher stets auf  dem „anderen Hang“ der Welt angesiedelt sein, der von Gott gewählt wurde: nicht Verfolger sein, sondern Verfolgte, keine Arroganz, sondern Sanftmut an den Tag legen, nicht Rauch verkaufen, sondern der Wahrheit unterliegen, nicht betrügen, sondern ehrlich sein.

Diese Treue zum Stil Jesu – einem Stil der Hoffnung – bis zum Tod, wird von den ersten Christen mit einem wunderschönen Wort verlangt: „Martyrium“, was „Zeugnis“ bedeutet. Der Wortschatz bot viele andere Möglichkeiten: Man konnte sie Heldentum, Entsagung, Opfer seiner selbst nennen. Die Christen der ersten Stunde wählten jedoch einen Namen, der nach Jüngerschaft duftete. Die Märtyrer leben nicht für sich selbst. Sie kämpfen nicht, um ihre eigenen Vorstellungen zu bekräftigen und nehmen allein aus Treue zum Evangelium den Tod an. Das Martyrium ist auch nicht das höchste Ideal des christlichen Lebens, denn darüber steht die Nächstenliebe, d.h. die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Der Apostel Paulus brachte dies in hervorragender Weise in der Hymne an die Nächstenliebe zum Ausdruck, die verstanden wird als Liebe zu Gott und zum Nächsten: „Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts“ (1 Kor 13,3). Den Christen widerstrebt die Vorstellung, dass Selbstmordattentäter als „Märtyrer“ bezeichnet werden können. In ihrem Ende befindet sich nichts, das der Haltung der Kinder Gottes nahe kommt.

Wenn wir die Geschichten vieler Märtyrer der Vergangenheit und Gegenwart lesen – die heute zahlreicher sind als die Märtyrer der Anfangszeit –, versetzt uns die Stärke, mit der sie die Prüfung bewältigten, manchmal in Erstaunen. Diese Stärke ist ein Zeichen der großen Hoffnung, von der sie beseelt waren: die sichere Hoffnung, dass nichts und niemand sie von der Liebe Gottes trennen konnte, die uns in Jesus Christus geschenkt wurde (vgl. Röm 8,38-39).

Möge Gott uns immer die Stärke schenken, als seine Zeugen zu wirken. Möge es uns geschenkt werden, die christliche Hoffnung vor allem im verborgenen Martyrium zu leben, unsere Pflicht tagtäglich gut und liebevoll zu verrichten. Danke.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner]

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Quelle