Die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen

s02oben3

Generalaudienz in der »Aula Paolo VI« am 15. Februar

Lesung: Röm 5,1-5

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Schon in der Kindheit wird uns beigebracht, dass es nicht schön ist, sich selbst zu rühmen. In meinem Land bezeichnen wir jene, die prahlen, als »Pfauen«. Und das ist richtig, denn sich dessen zu rühmen, was man ist oder was man hat, lässt außer einem gewissen Hochmut auch einen Mangel an Respekt gegenüber den anderen erkennen, besonders gegenüber jenen, die uns gegenüber benachteiligt sind. In diesem Abschnitt aus dem Brief an die Römer überrascht uns jedoch der Apostel Paulus damit, dass er uns gleich zweimal auffordert, uns zu rühmen. Wessen sollen wir uns also rühmen? Denn wenn er dazu auffordert, sich zu rühmen, dann ist es richtig, sich wegen etwas zu rühmen. Und wie ist es möglich, das zu tun, ohne die anderen zu beleidigen, ohne jemanden auszuschließen?

Im ersten Fall sind wir eingeladen, uns der Fülle der Gnade zu rühmen, von der wir in Jesus Christus durch den Glauben durchdrungen sind. Paulus will uns zu verstehen geben, dass wir, wenn wir lernen, alles im Licht des Heiligen Geistes zu betrachten, erkennen, dass alles Gnade ist! Alles ist Geschenk! Bei genauerer Betrachtung sind es nämlich nicht nur wir, die – in der Geschichte ebenso wie in unserem Leben – handeln, sondern es ist vor allem Gott. Er ist der absolute Protagonist, der alles als eine Liebesgabe schafft, der das Gewebe seines Heilsplans knüpft und ihn für uns zur Vollendung bringt, durch seinen Sohn Jesus. Von uns wird verlangt, all das anzuerkennen, es mit Dankbarkeit anzunehmen und es zum Grund von Lobpreis und großer Freude zu machen. Wenn wir das tun, sind wir im Frieden mit Gott und machen die Erfahrung der Freiheit. Und dieser Friede greift dann auf alle Bereiche und alle Beziehungen unseres Lebens über: Wir sind im Frieden mit uns selbst, wir sind im Frieden in der Familie, in unserer Gemeinschaft, am Arbeitsplatz und mit den Menschen, denen wir täglich auf unserem Weg begegnen.

Paulus fordert uns jedoch auf, uns auch unserer Bedrängnis zu rühmen. Das ist nicht leicht zu verstehen. Damit tun wir uns schwerer, und es kann den Anschein haben, dass es mit dem soeben beschriebenen Zustand des Friedens nichts zu tun hat. Aber es ist die reinste, die wahrste Voraussetzung dafür. Denn der Friede, den uns der Herr schenkt und gewährt, darf nicht als Abwesenheit von Sorgen, von Enttäuschungen, von Not, von Leid verstanden werden. Wenn es so wäre, dann würde, falls es uns gelänge, im Frieden zu sein, dieser Augenblick schnell enden und wir würden unvermeidlich der Niedergeschlagenheit anheimfallen. Der Friede, der dem Glauben entspringt, ist vielmehr ein Geschenk: Er ist die Gnade zu erfahren, dass Gott uns liebt und dass er immer bei uns ist und uns keinen Augenblick unseres Lebens allein lässt. Und das bewirkt, wie der Apostel sagt, Geduld, denn wir wissen, dass auch in den schwersten und erschütterndsten Augenblicken die Barmherzigkeit und die Güte des Herrn größer sind als alles andere und niemand uns seinen Händen und seiner Gemeinschaft entreißen wird.

Darum also ist die christliche Hoffnung festgefügt, darum lässt sie nicht zugrunde gehen. Nie lässt sie zugrunde gehen. Die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen! Sie gründet nicht auf dem, was wir tun oder sein können, und auch nicht auf dem, an das wir glauben können. Ihre Grundlage, also die Grundlage der christlichen Hoffnung, ist das Treueste und Sicherste, was es geben kann: die Liebe, die Gott selbst einem jeden von uns entgegenbringt. Das sagt sich leicht: Gott liebt uns. Wir alle sagen es. Aber denkt ein wenig nach: Ist jeder von uns in der Lage zu sagen: Ich bin sicher, dass Gott mich liebt? Das ist die Wurzel unserer Sicherheit, die Wurzel der Hoffnung. Und der Herr hat in unsere Herzen den Heiligen Geist – der die Liebe Gottes ist – in Überfülle ausgegossen, als Schöpfer, als Garant, damit er in uns den Glauben nähren und diese Hoffnung lebendig erhalten kann. Und diese Sicherheit: Gott liebt mich. »Aber dieser schlimme Augenblick?« – Gott liebt mich. »Und mich, der ich diese schlimme und böse Sache getan habe?« – Gott liebt mich. Diese Sicherheit nimmt uns keiner. Und wir müssen es wiederholen als Gebet: Gott liebt mich. Ich bin sicher, dass Gott mich liebt. Ich bin sicher, dass Gott mich liebt.

Jetzt verstehen wir, warum der Apostel Paulus uns auffordert, uns stets all dieser Dinge zu rühmen. Ich rühme mich der Liebe Gottes, weil er mich liebt. Die Hoffnung, die uns geschenkt ist, trennt uns nicht von den anderen, und sie bringt uns schon gar nicht dazu, sie zu diskreditieren oder auszugrenzen. Es handelt sich vielmehr um ein wunderbares Geschenk, zu dessen »Kanälen« wir uns machen sollen, mit Demut und Einfachheit, für alle. Und daher wird unser größter Ruhm darin bestehen, als Vater einen Gott zu haben, der niemanden vorzieht, der keinen ausschließt, sondern der sein Haus allen Menschen öffnet, begonnen bei den Letzten und bei den Fernstehenden, damit wir als seine Kinder lernen, einander zu trösten und zu stützen. Und vergesst nicht: Die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen.

(Orig. ital. in O.R. 16.2.2017)

_______

Quelle: Osservatore Romano 8/2017

Judit – Der Mut einer Frau gibt dem Volk neue Hoffnung

s02obmitte

Judith; August Riedel (1840).

Generalaudienz in der »Aula Paolo VI« am 25. Januar

 

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Unter den Frauengestalten, die das Alte Testament uns vor Augen führt, ragt die einer großen Heldin des Volkes heraus: Judit. Das biblische Buch, das ihren Namen trägt, berichtet von der gewaltigen Militärkampagne des Königs Nebukadnezzar, der in Ninive herrscht und die Grenzen des Reiches erweitert, indem er alle Nachbarvölker besiegt und unterwirft. Der Leser versteht, dass er einem großen, unschlagbaren Feind gegenübersteht, der Tod und Zerstörung sät, der bis zum Heiligen Land gelangt und so das Leben der Kinder Israels in Gefahr bringt.

Das Heer des Nebukadnezzar belagert nämlich unter der Führung des Generals Holofernes eine Stadt in Judäa, Betulia. Es schneidet die Wasserversorgung ab und schwächt so den Widerstand der Bevölkerung.

Warten auf Rettung

Die Lage wird so dramatisch, dass die Einwohner der Stadt sich an die Ältesten wenden und bitten, sich den Feinden zu ergeben. Ihre Worte sind verzweifelt: »Jetzt gibt es für uns keine Rettung mehr; denn Gott hat uns an sie verkauft. Darum müssen wir verdursten und vor ihren Augen elend zugrunde gehen.« Sie sagen sogar: »Gott hat uns verkauft«; die Verzweiflung dieser Menschen war groß. »Ruft sie also jetzt herbei, und liefert die ganze Stadt den Soldaten des Holofernes und seinem Heer zur Plünderung aus!« (Jdt 7,25-26). Das Ende scheint nunmehr unumgänglich zu sein, die Fähigkeit, auf Gott zu vertrauen, ist erschöpft. Die Fähigkeit, auf Gott zu vertrauen, ist erschöpft. Und wie oft geraten wir an unsere Grenzen, wo wir nicht einmal die Fähigkeit spüren, auf den Herrn zu vertrauen. Das ist eine schlimme Versuchung! Um dem Tod zu entgehen, scheint paradoxerweise nichts anderes übrig zu bleiben, als sich in die Hände derer zu begeben, die töten. Sie wissen, dass die Soldaten in die Stadt eindringen und sie plündern werden, dass sie die Frauen als Sklavinnen nehmen und dann alle anderen töten werden. Das ist wirklich »das Ende«.

Und angesichts so großer Verzweiflung versucht das Stadtoberhaupt, eine Hoffnung anzubieten, um sich daran zu klammern: noch fünf Tage aushalten und auf das rettende Eingreifen Gottes warten. Es ist jedoch eine schwache Hoffnung, die ihn abschließend sagen lässt: »Sollten aber diese Tage vergehen, ohne dass uns geholfen wird, dann will ich tun, was ihr gefordert habt« (7,31). Der arme Mann: Er hatte keinen Ausweg. Fünf Tage werden Gott zugestanden – und hier liegt die Sünde –, fünf Tage werden Gott zugestanden, um einzugreifen: fünf Tage warten, aber das Ende ist schon absehbar. Sie geben Gott fünf Tage Zeit für ihre Rettung, aber sie wissen, dass sie kein Vertrauen haben, und erwarten das Schlimmste. In Wirklichkeit ist im Volk niemand mehr fähig zu hoffen. Sie waren verzweifelt.

Und in dieser Situation erscheint Judit auf der Bildfläche. Die Witwe und Frau von großer Schönheit und Weisheit spricht zum Volk mit der Sprache des Glaubens. Mutig weist sie das Volk zurecht, indem sie ihm ins Gesicht sagt: »Ihr wollt den Herrn, den Allmächtigen, auf die Probe stellen […] Nein, meine Brüder, reizt den Herrn, unseren Gott, nicht zum Zorn! Auch wenn er nicht gewillt ist, uns in diesen fünf Tagen Hilfe zu schaffen, so hat doch er zu bestimmen, zu welcher Zeit er uns helfen oder uns vor den Augen unserer Feinde vernichten will […] Darum wollen wir die Rettung von ihm erwarten und ihn um Hilfe anrufen. Er wird unser Flehen erhören, wenn es seinem Willen entspricht« (8,13.14-15.17). Das ist die Sprache der Hoffnung. Klopfen wir an die Tür des Herzens Gottes, er ist der Vater, er kann uns retten. Diese Frau, eine Witwe, nimmt sogar die Gefahr auf sich, vor den anderen schlecht dazustehen! Aber sie ist mutig! Sie geht voran! Das ist meine Meinung: Frauen sind mutiger als Männer [Beifall in der Audienzhalle].

Papst Franziskus begrüßte vor Beginn der Generalaudienz die Mitglieder des anglikanischen »Westminster-Abbey-Choir«. Der weltbekannte Chor sang bei der ökumenischen Vesper in der Basilika St. Paul vor den Mauern zum Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen.

Mit der Kraft eines Propheten tadelt Judit die Männer ihres Volkes, um sie wieder zum Vertrauen auf Gott zurückzuführen. Mit dem Blick eines Propheten sieht sie über den engen Horizont hinaus, den die führenden Männer vorgeschlagen hatten und den die Angst noch beschränkter macht. Gott wird gewiss handeln – sagt sie –, aber der Vorschlag, fünf Tage zu warten, bedeutet, ihn zu versuchen und sich seinem Willen zu entziehen. Der Herr ist der Gott des Heils – und sie glaubt daran –, welche Form auch immer dieses annimmt. Vor den Feinden zu retten und am Leben zu lassen ist Heil, aber in seinen unergründlichen Plänen kann das Heil auch bedeuten, sie dem Tod zu übergeben. Als Frau des Glaubens weiß sie das. Wir kennen das Ende und wissen, wie die Geschichte ausging: Gott rettet.

Liebe Brüder und Schwestern, wir dürfen Gott niemals Bedingungen stellen und müssen vielmehr unsere Ängste durch die Hoffnung überwinden. Auf Gott vertrauen heißt, in seine Pläne einzutreten, ohne etwas zu verlangen, sondern anzunehmen, dass sein Heil und seine Hilfe anders zu uns kommen können, als wir es erwarten. Wir bitten den Herrn um Leben, Gesundheit, Liebe, Glück: Es ist richtig, das zu tun, aber im Bewusstsein, dass Gott Leben aus dem Tod hervorbringen kann, dass man Frieden auch in der Krankheit erfahren kann, und dass es innere Ruhe auch in der Einsamkeit und Glückseligkeit in der Trauer geben kann. Wir können Gott nicht lehren, was er tun soll, was wir brauchen. Er weiß es besser als wir, und wir müssen darauf vertrauen, denn seine Wege und seine Gedanken sind anders als unsere.

Weg des Vertrauens

Der Weg, den Judit uns aufzeigt, ist der Weg des Vertrauens, des friedlichen Wartens, des Gebets und des Gehorsams. Es ist der Weg der Hoffnung. Ohne einfach aufzugeben, sondern alles zu tun, was uns möglich ist, aber immer dem Willen des Herrn folgend. Denn – das wissen wir – sie hat viel gebetet, sie hat viel zum Volk gesprochen und ist dann mutig hingegangen, hat einen Weg gesucht, sich dem Heerführer zu nähern und ihm den Kopf abzuschlagen, ihn niederzumetzeln. Sie ist mutig im Glauben und in den Werken. Und sie sucht immer den Herrn! Denn Judit hat einen eigenen Plan, setzt ihn erfolgreich um und führt das Volk zum Sieg, aber immer in der gläubigen Haltung derer, die alles aus der Hand Gottes annimmt und sich seiner Güte sicher ist.

So gibt eine Frau voll Glauben und Mut ihrem Volk wieder Kraft in Todesgefahr, führt es auf die Wege der Hoffnung und zeigt sie auch uns auf. Und wenn wir ein wenig zurückdenken: Wie oft haben wir weise, mutige Worte gehört, von einfachen Menschen, von einfachen Frauen, von denen man meint – ohne sie zu verachten –, dass sie unwissend seien… Aber es sind Worte der Weisheit Gottes! Die Worte der Großmütter… Wie oft wissen die Großmütter das rechte Wort zu sagen, das Wort der Hoffnung, weil sie Lebens­erfahrung haben, viel gelitten haben, sich Gott anvertraut haben, und der Herr macht das Geschenk, uns den Rat der Hoffnung zu geben. Und wenn wir auf diesen Wegen gehen, wird es Freude und Osterlicht sein, sich dem Herrn anzuvertrauen mit den Worten Jesu: »Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen« (Lk 22,42). Und das ist das Gebet der Weisheit, des Vertrauens und der Hoffnung.

(Orig. ital. in O.R. 26.1.2017)

Papst gegen Menschenhandel: „Beschämend und inakzeptabel“

ossrom100126_articolo

Papst Franziskus bei der Generalaudienz

Franziskus hat zur Befreiung Minderjähriger von Sklaverei und Menschenhandel aufgerufen. Am internationalen Gebetstag gegen den Menschenhandel, der an diesem Mittwoch begangen wird, wandte sich der Papst erneut an Regierungen und politische Verantwortungsträger, „mit Entschiedenheit diese Plage zu bekämpfen“. Es müsse „jede Anstrengung“ unternommen werden, „um dieses beschämende und inakzeptable Verbrechen zu bezwingen“, sagte er bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz. An diesem Mittwoch begeht die katholische Kirche den dritten Weltgebetstag gegen Menschenhandel, den Franziskus seinerzeit einführte und auf den 8. Februar legte.

Iana Mafei ist Gründerin und Präsidentin der Hilfsorganisation „Reaching out Romania“, die sich seit 1998 in Rumänien um die Befreiung von Mädchen aus den Fängen von Menschenhändlern kümmert. Sie war in diesen Tagen auf einer Konferenz in Rom, die das Ordensnetzwerk gegen Menschenhandel „Talitha Kum“ ausgerichtet hat. Im Interview mit Radio Vatikan zieht die engagierte Helferin eine ernüchternde Bilanz über die Situation der Opfer von Sklaverei und Menschenhandel in ihrem Heimatland Rumänien:

„Die Situation ist dieselbe wie vor 20 Jahren, der einzige Unterschied ist nur, dass das Alter der Mädchen dramatisch gesunken ist. Wir haben jetzt Opfer schon ab elf Jahren, das sind alles Minderjährige, sie werden jünger und jünger.“

Staat und Polizeibehörden kennen das Phänomen aufgrund internationaler Bemühungen etwa der Vereinten Nationen inzwischen, sagt die Menschenrechtlerin, trotzdem aber erfahren die gehandelten und versklavten Kinder nur selten Hilfe: „In all den Jahren haben die Autoritäten gelernt, sich politisch korrekt zu verhalten, sie haben die Sprache gelernt, aber die Mentalität ist die alte“, urteilt Mafei.

Sie selbst wurde vor Jahren gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel aktiv, als sie auf einer Polizeistation drei minderjährige Zwangsprostituierte kennenlernte, die die Beamten einfach wieder auf die Straße schicken wollten. Kurzerhand mietete Mafei eine Wohnung und nahm die Mädchen auf – und entwickelte daraus nach und nach eine gut funktionierende Hilfsorganisation, die bereits hunderten Mädchen wieder zu einem halbwegs normalen Leben verhalf. „Reaching out Romania“ bietet den Opfern medizinische und psychologische Betreuung sowie Rechtsberatung an, organisiert Ausbildungsprojekte und unterhält landesweit drei Schutzhäuser, ein weiteres wird derzeit gebaut.

Zuhälter und Menschenhändler machten auch heute in Rumänien noch reiche Beute, berichtet Mafei: „Die Anwerber der Mädchen gehen zu den Waisenhäusern, das ist ihr Aktionsfeld. Diese Kinder haben niemanden, der sich um sie kümmert und sie großzieht oder sie unterrichtet, und da kommt dann der Händler und sagt: ich kümmere mich um dich. Viele von ihnen werden durch die Loverboy-Methode angeworben, ein junger Mann macht den Mädchen den Hof, sagt ihnen, ich liebe dich und will dich heiraten.“

Ursachen des Missbrauchs lägen dabei weniger in der Armut als vielmehr in sozialer Verwahrlosung: „Es gibt diesen Mangel an Liebe, den diese Kinder haben, deshalb landen die Mädchen auf der Straße, es ist nicht die Armut. Es geht um Familien, die nicht funktionieren, fehlende Liebe. Einige werden auch von ihren eigenen Eltern verkauft oder auf die Straße geschickt, um Geld zu verdienen. Das ist mangelnde Bildung; die kriegen Kinder, weil es passiert, nicht, weil sie das wollten. Und das Kind wird dann benutzt, um etwas zu verdienen.“

Handlungsbedarf sieht Mafei im Kontext des Phänomens vor allem im Bereich der Kinderrechte. An der Gedankenlosigkeit der Behörden beiße sie sich, erzählt die Menschenrechtlerin, die Zähne aus. Selten nähmen die Beamten die Perspektive der minderjährigen Opfer ein, es fehle an Fingerspitzengefühl und auch an gutem Willen – das sei für sie „das härteste“ an ihrer Arbeit:

„Es geht immer um Autoritäten und darum, der Perspektive des Kindes zum Durchbruch zu verhelfen. Diese Menschen nehmen die Bedürfnisse des Kindes einfach nicht wahr. Sie denken, es gibt doch die Gesetzgebung, wir müssen die Familien neu integrieren, das Recht der Mutter ist es, in Kontakt mit ihrem Sohn zu sein, aber wenn man das umdreht und sagt, was ist denn mit dem Recht des Kindes, die Mutter war doch diejenige, die missbraucht hat, wo können wir das festmachen? Das macht mich so wütend, denn die Behörden bringen die Kinder zurück in die Hände derjenigen, die sie missbraucht haben, einfach um sie loszuwerden. Denn es ist ja nicht einfach, diese Kinder zu betreuen, man muss sie zur Schule schicken etc. Ihr Mut aber ist atemberaubend – sie sind dazu bereit, ihr Leben wieder auf die Reihe zu kriegen, wenn man sie nur ein kleines bisschen unterstützt. Und das kostet kein Geld – es braucht nur Seele, ein Herz.“

(rv 08.02.2017 pr)

„Wir Christen sind Frauen und Männer der Hoffnung“

or20170201093318_000142-800x533

Generalaudienz, 1. Februar 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Generalaudienz von Mittwoch, dem 1. Februar 2017 — Volltext

Wir dokumentieren im Folgenden in einer eigenen Übersetzung die vollständige Ansprache von Papst Franziskus bei der Generalaudienz von Mittwoch, dem 1. Februar 2017, in der Audienzhalle „Paul VI.“.

***

Die christliche Hoffnung – 9. Der Helm der Hoffnung (1 Thess 5,4-11)

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

In den vergangenen Katechesen begann unser Weg zum Thema der Hoffnung durch eine neue Betrachtung einiger Teile des Alten Testamentes aus dieser Perspektive. Nun wollen wir dazu übergehen, die außergewöhnliche Tragweite zu beleuchten, die diese Tugend im Neuen Testament bei der Begegnung mit der von Jesus Christus verkörperten Neuheit und dem Osterereignis annimmt: die christliche Hoffnung. Wir Christen sind Frauen und Männer der Hoffnung.

Dies tritt bereits mit dem ersten geschriebenen Text – dem ersten Brief des hl. Paulus an die Thessalonicher –  mit großer Klarheit hervor. Aus der vernommenen Passage tritt die gesamte Frische und Schönheit der ersten christlichen Ankündigung  hervor. Die Thessalonicher sind eine junge und kürzlich gegründete Gemeinde; dennoch ist sie trotz der Schwierigkeiten und zahlreichen Prüfungen im Glauben verankert und feiert die Auferstehung des Herrn Jesus mit Begeisterung und Freude. Der Apostel freut sich somit von Herzen über alle, denn die zu Ostern Neugeborenen werden tatsächlich „Söhne des Lichts und Söhne des Tages“ (5,5) kraft der vollen Gemeinschaft mit Christus.

Zum Zeitpunkt der Entstehung Paulus‘ Brief wurde die Gemeinde von Thessalonich soeben gegründet und nur wenige Jahre trennen sie vom Ostern Christi. Aus diesem Grund versucht der Apostel, alle Wirkungen und Folgen dieses einzigartigen und entscheidenden Ereignisses – die Auferstehung des  Herrn – für die Geschichte und das Leben eines jeden Einzelnen begreiflich zu machen. Insbesondere bestand die Schwierigkeit der Gemeinde nicht so sehr in der Anerkennung der Auferstehung Jesu – alle glaubten daran -, sondern vielmehr im Glauben an die Auferstehung der Toten. Ja, Jesus ist auferstanden, doch die Schwierigkeit lag darin zu glauben, dass die Toten auferstehen. In diesem Sinne offenbart sich dieser Brief als höchst aktuell. Jedes Mal, wenn wir unserem Tod oder jenem eines lieben Menschen gegenüberstehen, spüren wir, dass unser Glaube auf den Prüfstand gebracht wird. All unsere Zweifel und unsere gesamte Schwachheit treten hervor und wir fragen uns: „Aber gibt es tatsächlich ein Leben nach dem Tod …? Werde ich die Menschen, die ich geliebt habe, noch sehen und umarmen können …?“. Diese Frage hat mir vor einigen Tagen eine Frau im Rahmen einer Audienz gestellt. Sie hat den folgenden Zweifel geäußert: „Werde ich meiner Familie begegnen?“ Im aktuellen Kontext haben es auch wir eine Rückkehr zu den Wurzeln und Fundamenten unseres Glaubens vonnöten, sodass uns bewusst wird, was Gott für uns in Jesus Christus bewirkt hat und was unser Tod bedeutet. Wir alle haben ein wenig Angst vor dieser Unsicherheit des Todes. Ich erinnere mich an einen guten alten Mann, der sagte: „Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich habe ein wenig Angst davor, ihn kommen zu sehen“. Davor hatte er Angst.

Paulus lädt uns angesichts der Furcht und der Verblüffung der Gemeinde dazu ein, „die Hoffnung des Heils“ vor allem in den Prüfungen und schwierigsten Momenten unseres Lebens wie einen Helm fest auf dem Haupt zu tragen. Sie ist ein Helm. Das ist die christliche Hoffnung. Wenn von Hoffnung die Rede ist, können wir dazu bewogen werden, sie der gewöhnlichen Bedeutung des Begriffs entsprechend zu verstehen, d.h. in Bezug auf etwas Schönes, das wir uns wünschen, das sich jedoch verwirklichen kann oder auch nicht. Wir hoffen, dass es geschieht, es ist wie ein Wunsch. Man sagt beispielsweise: „Ich hoffe, dass das Wetter morgen schön sein wird!“; wobei wir jedoch wissen, dass das Wetter am nächsten Tage auch schlecht sein kann … Die christliche Hoffnung ist anders. Die christliche Hoffnung ist die Erwartung auf etwas schon Vollendetes; dort ist die Türe und ich hoffe, dass ich bei der Türe ankomme. Was muss ich tun? Auf die Türe zugehen! Ich bin mir sicher, dass ich bei der Türe ankomme. So ist die christliche Hoffnung: die Gewissheit haben, dass ich auf etwas zugehe, das ist und von dem ich möchte, dass es ist. Das ist die christliche Hoffnung. Die christliche Hoffnung ist die Erwartung auf etwas schon Vollendetes und das sich mit Sicherheit für jeden von uns verwirklicht. Auch unsere Auferstehung und jene unserer lieben Verstorbenen ist daher nicht etwas, das geschehen kann oder auch nicht, sondern insofern eine sichere Realität, als sie im Ereignis der Auferstehung verwurzelt ist. Hoffen bedeutet daher zu lernen, im der Erwartung zu leben, in der Erwartung leben zu lernen und das Leben zu finden. Wenn eine Frau erkennt, dass sie schwanger ist lernt sie jeden Tag, in der Erwartung zu leben, dem Blick des kommenden Kindes zu begegnen. Daher müssen auch wir leben und von diesen menschlichen Erwartungen lernen und in der Erwartung leben, den Herrn zu sehen und ihm zu begegnen. Dies ist nicht einfach, doch man lernt: in der Erwartung leben. Hoffen bedeutet und impliziert ein demütiges und armes Herz. Nur ein Armer kann warten. Wer schon voll von sich selbst und seinem Besitz ist, vermag es nicht, sein Vertrauen auf einen anderen zu setzen.

Ebenso schreibt der hl. Paulus: „Er [Jesus] ist für uns gestorben, damit wir vereint mit ihm leben, ob wir nun wachen oder schlafen“ (1 Thess 5,10). Diese Wortegeben uns stets Grund für großen Trost und Frieden. Wir sind dazu berufen, auch für die geliebten Menschen, die uns verlassen haben, zu beten, damit sie in Christus und in voller Gemeinschaft mit uns leben. In besonderer Weise berührt mich ein Satz des hl. Paulus an die Gemeinde von Thessalonich. Ich werde davon mit der Sicherheit der Hoffnung erfüllt. Der Satz lautet folgendermaßen: „Dann werden wir immer beim Herrn sein“ (1 Thess 4,17). Sehr schön ist dieser Gedanke: Alles vergeht, doch nach dem Tod werden wir immer beim Herrn sein. Das ist die totale Gewissheit der Hoffnung, dieselbe, die lange Zeit früher Hiob den folgenden Ausruf tätigen ließ: „Doch ich, ich weiß: mein Erlöser lebt, […] Ihn selber werde ich dann für mich schauen; meine Augen werden ihn sehen, nicht mehr fremd“ (Hiob 19,25.27). Und so werden wir immer beim Herrn sein. Glaubt ihr daran? Ich frage euch: glaubt ihr daran? Um etwas Kraft zu bekommen lade ich euch ein, dies dreimal gemeinsam mit mir zu sagen: „So ist es. Wir werden immer beim Herrn sein“. Und dort, mit dem Herrn, werden wir uns begegnen.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner]

_______

Quelle

Jona – ein Prophet im Aufbruch

s02obrechts

»Jona und der Wal«, Gemälde von Pieter Lastman, 1621.

Generalaudienz in der »Aula Paolo VI« am 18. Januar

 

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

In der Heiligen Schrift hebt sich unter den Propheten Israels eine etwas ungewöhnliche Gestalt ab: ein Prophet, der versucht, sich dem Ruf des Herrn zu entziehen, indem er sich weigert, sich in den Dienst des göttlichen Heilsplans zu stellen. Es handelt sich um den Propheten Jona, dessen Geschichte in einem kleinen Buch mit nur vier Kapiteln erzählt wird: eine Art Gleichnis, das eine große Lehre enthält, die Lehre der Barmherzigkeit Gottes, der vergibt.

Jona ist ein Prophet »im Aufbruch« und auch ein Prophet auf der Flucht! Er ist ein Prophet im Aufbruch, den Gott in ein »Randgebiet« sendet, nach Ninive, um die Bewohner jener großen Stadt zu bekehren. Ninive war jedoch für einen Israeliten wie Jona eine bedrohliche Realität: der Feind, der Jerusalem selbst in Gefahr brachte und daher zerstört und gewiss nicht gerettet werden sollte. Als Gott ihn also zum Predigen in jene Stadt sendet, versucht der Prophet, der die Güte des Herrn und seinen Wunsch nach Vergebung kennt, sich der Aufgabe zu entziehen, und flieht.

Flucht und Todesgefahr

Auf seiner Flucht kommt der Prophet in Kontakt mit einigen Heiden, den Seeleuten des Schiffes, auf dem er sich eingeschifft hatte, um sich von Gott und von seiner Sendung zu entfernen. Er flieht weit weg, denn Ninive lag im Gebiet des Irak, und er flieht nach Spanien, er flieht ernsthaft. Und gerade das Verhalten dieser heidnischen Männer, ebenso wie später das der Bewohner von Ninive, gestattet uns heute, etwas über die Hoffnung nachzudenken, die angesichts der Todesgefahr im Gebet zum Ausdruck kommt.

Denn auf der Überfahrt über das Meer bricht ein gewaltiger Sturm los, und Jona steigt in den Laderaum des Schiffes hinab und legt sich schlafen. Die Seeleute dagegen sehen sich verloren, und »jeder schrie zu seinem Gott um Hilfe«: Sie waren Heiden (Jona 1,5). Der Kapitän des Schiffes weckt Jona und sagt zu ihm: »Wie kannst du schlafen? Steh auf, ruf deinen Gott an; vielleicht denkt dieser Gott an uns, so dass wir nicht untergehen« (Jona 1,6).

Die Reaktion dieser »Heiden« ist die richtige Reaktion angesichts des Todes, angesichts der Gefahr: denn dann erfährt der Mensch in ganzer Fülle seine eigene Schwäche und seine Heilsbedürftigkeit. Der instinktive Schauder vor dem Tod offenbart die Notwendigkeit, auf den Gott des Lebens zu hoffen. »Vielleicht denkt dieser Gott an uns, so dass wir nicht untergehen«: Es sind Worte der Hoffnung, die zum Gebet wird, zu jenem ängstlichen Flehen, das dem Menschen angesichts einer unmittelbaren Todesgefahr über die Lippen kommt.

s02mitte

Vor der Generalaudienz segnete der Papst zwei mobile Krankenstationen, die künftig in den Randgebieten Roms zur medizinischen Versorgung von Kindern und alten Menschen eingesetzt werden sollen. Die Initiative wurde vom Vikariat Rom und der römischen Kinder­klinik »Bambino Gesù« in Zusammenarbeit mit der Katholischen Universität »Sacro Cuore« ins Leben gerufen. Finanziert wird das Projekt durch Spendengelder des Peterspfennigs. Die mobilen Krankenstationen bieten medizinische Erstversorgung und Vorsorgemaßnahmen an. Vor allem benachteiligten Familien und Arbeitslosen soll geholfen werden. Im Laufe dieses Jahres werden die beiden mobilen Kranken­stationen in rund zwanzig römischen Pfarreien zum Einsatz kommen und dabei zwölf Vorsorgeinitiativen anbieten.

 

Zu leicht verschmähen wir die Anrufung Gottes in der Not, so als sei es nur ein eigennütziges und daher unvollkommenes Gebet. Aber Gott kennt unsere Schwäche, er weiß, dass wir uns an ihn erinnern, um Hilfe zu erbitten, und mit dem milden Lächeln eines Vaters gibt Gott eine gütige Antwort.

Als Jona die eigene Verantwortung erkennt und sich ins Meer werfen lässt, um seine Reisegefährten zu retten, legt sich der Sturm. Der bevorstehende Tod hat jene heidnischen Männer zum Gebet gebracht, er hat dafür gesorgt, dass der Prophet trotz allem seine Berufung im Dienst der anderen lebt und bereit ist, sich für sie zu opfern. Jetzt führt er die Überlebenden zur Erkenntnis des wahren Herrn und zum Lobpreis. Die Seeleute, die von Angst ergriffen gebetet und sich an ihre Götter gewandt hatten, erkennen jetzt mit aufrichtiger Gottesfurcht den wahren Gott, bringen Opfer dar und machen ihm Gelübde. Die Hoffnung, die sie dazu gebracht hatte zu beten, um nicht zu sterben, erweist sich als noch mächtiger und bringt eine Wirklichkeit hervor, die über das, was sie gehofft hatten, sogar hinausgeht: Sie kommen nicht nur nicht im Sturm um, sondern öffnen sich für die Erkenntnis des wahren und einzigen Herrn des Himmels und der Erde.

Gebet und Hoffnung

Später werden auch die Bewohner von Ninive angesichts der Gefahr, vernichtet zu werden, beten, getrieben von der Hoffnung auf die Vergebung Gottes. Sie werden Buße tun, werden den Herrn anrufen und sich zu ihm bekehren, begonnen beim König, der – wie der Kapitän des Schiffes – der Hoffnung die Stimme verleiht, indem er sagt: »Wer weiß, vielleicht reut es Gott wieder […] so dass wir nicht zugrunde gehen« (Jona 3,9). Auch Sie, ebenso wie die Schiffsbesatzung im Sturm, hat die Tatsache, dass sie sich dem Tod gestellt haben und heil herausgekommen sind, zur Wahrheit geführt. So kann in der göttlichen Barmherzigkeit und noch mehr im Licht des Ostergeheimnisses der Tod zu »unserem Bruder Tod« werden, wie für den heiligen Franz von Assisi, und für alle Menschen und einen jeden von uns die überraschende Gelegenheit darstellen, die Hoffnung kennenzulernen und dem Herrn zu begegnen.

s02oblinks

Am Ende der Generalaudienz begegnete der Papst wie immer jungen Brautpaaren aus aller Welt.

Möge der Herr uns diese Verbindung zwischen Gebet und Hoffnung verstehen lassen. Das Gebet bringt dich voran in der Hoffnung, und wenn die Dinge dunkel werden, braucht man mehr Gebet! Und es wird mehr Hoffnung da sein. Danke.

(Orig. ital. in O.R. 19.1.2017)

Medienkampagne anlässlich des Weltflüchtlingstages 2017

cq5dam

Papst Franziskus, Generalaudienz, 9. November 2016

Papst Franziskus wird vom 12. bis zum 15. Januar 2017 Twittereinträge zur Situation der Flüchtlinge und Migranten veröffentlichen

Mit einer Pressemitteilung informierte heute die Abteilung für Migranten und Flüchtlinge des Dikasteriums zur ganzheitlichen Entwicklung des Menschen, dass sie anlässlich des Weltflüchtlingstags am 19. Januar 2017 am 15. Januar eine Medienkampagne zum Thema starte. Der Weltflüchtlingstag wurde zum ersten 1914 begangen.

Wie die Abteilung für Migranten und Flüchtlinge verlauten ließ, werde in diesem Jahr insbeondere das Schicksal der minderjährigen Migranten, der schwachen Menschen und der Menschen ohne Stimme in den Blickpunkt gerückt. Damit folgt die Abteilung für Migranten und Flüchtlinge der von Papst Franziskus in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag 2017 vorgegebenen Linie: „Darum liegt es mir anlässlich des diesjährigen Welttags des Migranten und des Flüchtlings am Herzen, auf die Wirklichkeit der minderjährigen Migranten – besonders auf die, welche ganz allein unterwegs sind – aufmerksam zu machen und alle aufzurufen, sich um diese Kinder zu kümmern, die dreifach schutzlos sind: weil sie minderjährig, weil sie fremd und weil sie wehrlos sind, wenn sie aus verschiedenen Gründen gezwungen sind, fern von ihrer Heimat und getrennt von der Liebe in der Familie zu leben.“

Papst Franziskus selbst wird zusätzlich in Tweets auf seinem Account vom 12. bis 15. Januar 2017 das Schicksal und die Situation der Migranten und Flüchtlinge thematisieren.

Zu Verständnis und Barmherzigkeit forderte Papst Franziskus bereits in seiner Botschaft zum Weltflüchtlingstag auf, in der er die Umstände, die Menschen zu Migration und Flucht treiben, und die Gefahren vor allem für Kinder und Jugendliche darlegte: „Heute sind die Migrationen kein auf einige Gebiete des Planeten beschränktes Phänomen, sondern betreffen alle Kontinente und nehmen immer mehr die Dimension eines dramatischen weltweiten Problems an. Es handelt sich nicht nur um Menschen auf der Suche nach einer würdigen Arbeit oder nach besseren Lebensbedingungen, sondern auch um Männer und Frauen, alte Menschen und Kinder, die gezwungen sind, ihre Häuser zu verlassen, in der Hoffnung, ihr Leben zu retten und woanders Frieden und Sicherheit zu finden. Und an erster Stelle sind es die Minderjährigen, die den hohen Preis der Emigration zahlen, die fast immer durch Gewalt, durch Elend und durch die Umweltbedingungen ausgelöst wird – Faktoren, zu denen sich auch die Globalisierung in ihren negativen Aspekten gesellt. Die zügellose Jagd nach schnellem und leichtem Gewinn zieht auch die Entwicklung abnormer Übel nach sich wie Kinderhandel, Ausbeutung und Missbrauch Minderjähriger und ganz allgemein die Beraubung der Rechte, die mit der Kindheit verbunden und in der UN-Kinderrechtskonvention sanktioniert sind.“

Die Abteilung für Migranten und Flüchtlinge ist Teil des Dikasteriums für den Dienst für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, das am 17. August 2016 durch ein „Motu proprio“ von Papst Franziskus gegründet wurde und seit dem 1. Januar 2017 seine Aufgaben wahrnimmt. In dem neuen Dikasterium wurden der Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden, der Päpstlichn Rat „Cor Unum“, der Päpstliche Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs sowie der Päpstliche Rat für die Pastoral im Krankendienst vereint.

_______

Quelle

Papst Franziskus: Setzt Hoffnung nicht auf falsche Götzen

reuters1911962_articolo

Franziskus bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch

Kartenleger zum Wahrsagen und Abtreibungen der Figur zuliebe – diese plastischen Beispiele eitler Götzenbilder legte Papst Franziskus bei seiner Generalaudienz am Mittwoch vor. Er sprach über trügerische christliche Hoffnungen, solche, die auf menschengemachte Götzen zurückgehen. Vor falschen Idolen hätten sich auch Kirchenmänner zu hüten, betonte Franziskus. Ausgangspunkt seiner Überlegungen war Psalm 115, in dem es heißt: „Die Götzen der Völker sind nur Silber und Gold, ein Machwerk von Menschenhand. … Alle, die ihr den Herrn fürchtet, vertraut auf den Herrn! Er ist für euch Helfer und Schild.“

Zwar seien die menschengemachten Idole – sei es materieller wie auch geistiger Art – verführerisch und verleiteten die Menschen dazu, ihre Hoffnung in sie zu legen. Doch die Propheten und Weisen hätten scharfsichtig darauf hingewiesen, wie nichtig diese eingebildeten Sicherheiten seien.

„Aber wir mögen die Götzen, sehr sogar! Einmal in Buenos Aires, als ich von einer Kirche zu einer anderen unterwegs war, habe ich einen Park durchquert. Da standen viele kleine Tische, an denen saßen Wahrsager. Die Leute standen Schlange. Und du gabst ihm deine Hand und er fing an, aber er sagte immer das gleiche: ,Es gibt eine Frau in deinem Leben, ein Schatten legt sich über dich, aber alles wird gut enden…´ und dann hast du bezahlt. Und das gibt dir Sicherheit? Das ist die Sicherheit, entschuldigt den Ausdruck, einer Dummheit!“

Zum Wahrsager zu gehen, sei nur ein Beispiel für die Götzen, in die wir unsere falschen Hoffnungen legten. Doch während man für diese Hoffnungen bezahlen müsse, sei die wahrhafte Hoffnung, die Jesus Christus uns gebracht habe, vollständig kostenlos. Ein weiteres Beispiel für Götzenanbetung sei das Anhängen an Ideologien, die Absolutheitsanspruch erhöben, aber auch Reichtum, Macht und Erfolg, Eitelkeit und dergleichen mehr.

„Es ist schlimm, das zu hören und tut in der Seele weh, was ich einmal in der Diözese von Buenos Aires gehört habe: eine sehr schöne Frau, die sich mit ihrer Schönheit brüstete, sagte, als wäre es die natürlichste Sache der Welt: ,Ja, ich musste abtreiben, denn meine Figur ist sehr wichtig…´ Das sind die Götzen, sie bringen dich auf den falschen Weg und bringen dir kein Glück.“

Diese falschen Hoffnungen stellten sich gegen die Hoffnung in einen Herrn des Lebens, der mit seinem Wort die Welt erschaffen habe und unsere Existenzen leite. Doch statt dem Leben zu dienen, führten sie direkt zum Tod, so Papst Franziskus.

„Und wir müssen einsehen, dass es sich nicht nur um Bildnisse aus Metall oder anderen Materialien handelt, sondern auch um diejenigen, die wir mit unserem Geist erschaffen, wenn wir unser Vertrauen in begrenzte Realitäten legen, die wir absolut setzen, oder wenn wir Gott auf unseren Horizont und unsere Ideen von Göttlichkeit reduzieren.“

Ein Gott, der uns ähnele; der Mensch also, der sich Gott nach seinem Abbild schaffe – jedoch ein Abbild, das auch noch schlecht gelungen sei, mahnte der Papst:

„Die Botschaft des Psalms ist sehr deutlich: wenn man seine Hoffnung in die Götzen legt, dann wird man wie sie: leere Bilder mit Händen, die nicht berühren, mit Füßen, die nicht laufen, mit Mündern, die nicht sprechen können. Man hat nichts mehr zu sagen, man wird unfähig, Hilfe zu leisten, die Dinge zu ändern, zu lächeln, sich zu schenken und zu lieben. Und auch wir, Männer der Kirche, unterliegen diesem Risiko, wenn wir uns ,verweltlichen´. Man muss in der Welt stehen, aber sich gegen die Illusionen der Welt verteidigen.“

(rv 11.01.2017 cs)