Generalaudienz: „Der Widersacher wollte das Volk spalten“

Generalaudienz, 13. September 2017

Mittwochskatechese von Papst Franziskus — Volltext

Wir dokumentieren in einer eigenen Übersetzung die Ansprache von Papst Franziskus bei der Generalaudienz von Mittwoch, dem 13. September 2017.

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Apostolische Reise nach Kolumbien

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Wir ihr wisst, habe ich in den vergangenen Tagen eine apostolische Reise nach Kolumbien unternommen. Aus ganzem Herzen danke ich dem Herrn für dieses große Geschenk und möchte dem Präsidenten der Republik für den äußerst freundlichen Empfang, den kolumbianischen Bischöfen für ihre intensive Vorbereitungsarbeit für diesen Besuch sowie den weiteren Obrigkeiten des Landes und allen, die an der Verwirklichung dieser Visite mitgearbeitet haben, erneut meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Ein besonderer Dank geht an das kolumbianische Volk, das mich mit großer Zärtlichkeit und viel Freude aufgenommen hat! Dieses Volk ist freudig inmitten großen Leids, es ist jedoch freudig; ein Volk mit Hoffnung. Zu jenen Dingen, die mich in allen Städten am meisten berührt haben, waren die Väter und Mütter mit den Kindern in der Menschenmenge. Sie haben die Kinder hochgehoben, um sie vom Papst segnen zu lassen; sie haben ihre Kinder jedoch auch mit Stolz gezeigt, um zu sagen: „Das ist unser Stolz! Das ist unsere Hoffnung“. Ich habe gedacht: ein Volk, das Kinder zu zeugen fähig ist und sie mit Stolz zeigen kann, als Hoffnung: Dieses Volk hat Zukunft. Und es hat mir sehr gut gefallen.

In besonderer Weise habe ich während dieser Reise die Kontinuität mit den beiden Päpsten gespürt, die Kolumbien vor mir besucht haben: der Selige Paul VI. im Jahre 1968 und der hl. Johannes Paul II. im Jahre 1986. Diese Kontinuität wird stark vom Geist belebt, der die Schritte des Volkes Gottes auf den Wegen der Geschichte führt.

Das Thema der Reise lautete: „Demos el primer paso“, d.h. „Machen wir den ersten Schritt“ bezogen auf den von Kolumbien erlebten Versöhnungsprozess, um den seit einem halben Jahrhundert währenden internen Konflikt zu überwinden, der Leid und Feindschaft gesägt und viele schwer zu heilende Verletzungen verursacht hat. Mit der Hilfe Gottes ist der Weg jedoch geebnet. Mit meinem Besuch wollte ich die Anstrengungen dieses Volkes segnen, es im Glauben und in der Hoffnung bestätigen und sein Zeugnis erhalten, das einen Reichtum für mein Amt und die gesamte Kirche darstellt. Das Zeugnis dieses Volkes ist ein Reichtum für die gesamte Kirche.

Wie der Großteil der lateinamerikanischen Länder verfügt Kolumbien über starke christliche Wurzeln. Und wenn diese Tatsache den Schmerz aufgrund des tragischen Krieges, der das Land zerrissen hat, noch stärker macht, stellt sie auch eine Zusicherung des Friedens dar, das feste Fundament seines Wiederaufbaus, den Lebenssaft seiner unbesiegbaren Hoffnung. Offensichtlich wollte der Widersacher das Volk spalten, um das Werk Gottes zu zerstören, doch es ist ebenso offensichtlich, dass die Liebe Christi, dessen unendliche Barmherzigkeit, stärker als die Sünde und der Tod ist.

Diese Reise bestand darin, den Segen Christi zu bringen, den kirchlichen Segen des Wunsches des Lebens und des Friedens, der aus dem Herzen dieser Nation überströmt: Ich konnte dies in den Augen der Tausenden von Kindern, Jugendlichen und jungen Menschen sehen, die die Piazza von Bogotá füllten und denen ich überall begegnet bin; jene Lebenskraft, die die Natur selbst mit ihren Überfluss und ihrer Biodiversität proklamiert. Kolumbien belegt in Bezug auf Biodiversität weltweit den zweiten Platz. In Bogotá konnte ich alle Bischöfe des Landes treffen und auch den Lenkungsausschuss der lateinamerikanischen Bischofskonferenz. Ich danke Gott für die Möglichkeit, sie zu umarmen und meine pastorale Ermutigung zu erteilen, für ihre Sendung im Dienst der Kirche als Sakrament Christi unseres Friedens und unserer Hoffnung.

Der in besonderer Weise dem Thema der Versöhnung gewidmete Tag – Höhepunkt der gesamten Reise – wurde in Villavicencio begangen. Am Morgen fand eine große eucharistische Feier statt mit der Seligsprechung der Märtyrer Jesús Emilio Jaramillo Monsalve, Bischof, und Pedro María Ramírez Ramos, Priester; der Nachmittag stand im Zeichen der Versöhnungsliturgie, die symbolisch auf den wie sein Volk verstümmelten Christus von Bocayá ohne Arme und Beine hinorientiert ist.

Die Seligsprechung der beiden Märtyrer erinnerte plastisch daran, dass der Friede auch und vor allem auf dem Blut der vielen Zeugen der Liebe, der Wahrheit, der Gerechtigkeit und auch wahrer Märtyrer beruht, die wie in den beiden oben genannten Fällen aufgrund ihrer Glaubens ermordet wurden.  Ihre Biographien zu hören hat mit zu Tränen gerührt: Tränen des Schmerzes und zugleich der Freude. Vor ihren Reliquien und Antlitzen hat das heilige Gott treue Volk die eigene Identität stark gespürt und dabei beim Gedanken an die vielen, zu vielen Opfer Schmerz empfunden und aufgrund der Barmherzigkeit Gottes, die sich über die ausbreitet, die ihn fürchten, Freude verspürt (vgl. Lk 1,50).

Zu Beginn haben wir den folgenden Satz vernommen: „Es begegnen einander Huld und Treue; Gerechtigkeit und Friede küssen sich.“ (Ps 85,11). Dieser Vers des Psalms beinhaltet die Prophezeiung dessen, das sich am vergangenen Freitag in Kolumbien zugetragen hat; die Prophezeiung und die Gnade Gottes gegenüber diesem verletzten Volk, auf dass es sich wieder erhebe und in einem neuen Leben gehe. Diese prophetischen Worte voller Gnade haben wir in den Geschichten der Zeugnisse verlebendigt gesehen. Diese sprachen im Namen der vielen, die ausgehend von ihren Verletzungen mit der Gnade Christi aus sich selbst herausgegangen sind und sich für die Begegnung, die Vergebung und die Versöhnung geöffnet haben.

In Medellín war die Perspektive jene des christlichen Lebens als Jüngerschaft: die Berufung und die Sendung. Wenn Christen sich bis zum Äußersten für den Weg der Nachfolge Jesu Christi einsetzen, werden sie wahrhaft zu Salz, Licht und Sauerteig der Welt, und die Früchte sind in Fülle zu erkennen. Eine dieser Früchte sind die Hogares, d.h. die Häuser, in denen vom Leben verletzte Kinder und Jugendliche eine neue Familie finden können, in der sie geliebt, aufgenommen, beschützt und begleitet werden. Weitere Früchte, die wie Weitrauben in Fülle vorhanden sind, sind die Berufungen zum priesterlichen und geweihten Leben, die ich in einer unvergesslichen Begegnung mit den Geweihten und deren Familienangehörigen mit Freude segnen und ermutigen konnte.

Zum Schluss richtete sich der Schwerpunkt in Cartagena, der Stadt des hl. Petrus Claver, Apostel der Sklaven, auf die Förderung des Menschen und dessen grundlegende Rechte. Der hl. Petrus Claver und in der jüngeren Vergangenheit Maria Bernarda Bütler gaben ihr Leben für die Ärmsten und am meisten Ausgegrenzten hin, und so wiesen sie den Weg der wahren Revolution, der evangelischen und nicht ideologischen, die die Menschen und die Gesellschaften wahrhaft aus der Versklavung von gestern und leider auch von heute befreit. In diesem Sinne bedeutet das Motto der Reise „den ersten Schritt zu machen“ sich anzunähern, sich zu verbeugen, das Fleisch des verletzten und verlassenen Bruders zu berühren, und zwar mit Christus, dem für uns zum Sklaven gewordenen Herrn. Dank ihm gibt es Hoffnung, denn er ist die Barmherzigkeit und der Friede.

Erneut vertraue ich Kolumbien und dessen geliebtes Volk der Mutter, Unserer Lieben Frau von Chiquinquirá an, die ich in der Kathedrale von Bogotá vehren konnte. Möge jedreer Kolumbianer mit der Hilfe Mariens jeden Tag den ersten Schritt auf den Bruder und die Schwester hinzu machen und so gemeinsam, Tag für Tag, in Liebe, Gerechtigkeit und Wahrheit Frieden stiften.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner]

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Quelle

JOHANNES PAUL II. ZUM AXIOM: EXTRA ECCLESIAM NULLA SALUS

GIOVANNI PAOLO II

UDIENZA GENERALE

Mercoledì, 31 maggio 1995

1. Le difficoltà che talora accompagnano lo sviluppo dell’evangelizzazione pongono in luce un problema delicato la cui soluzione non va cercata in termini puramente storici o sociologici: il problema della salvezza di coloro che non appartengono visibilmente alla Chiesa. Non ci è data la possibilità di scrutare il mistero dell’azione divina nelle menti e nei cuori, per valutare la potenza della grazia di Cristo nel prendere possesso, in vita e in morte, di quanti “il Padre gli ha dato”, e che Egli stesso ha proclamato di non voler “perdere”. Lo sentiamo ripetere in una delle letture evangeliche proposte per la Messa dei defunti (cf. Gv 6, 39-40).

Ma, come ho scritto nell’Enciclica Redemptoris Missio, non si può limitare il dono della salvezza “a coloro che, in modo esplicito, credono in Dio e sono entrati nella Chiesa. Se è destinata a tutti la salvezza deve essere messa in concreto a disposizione di tutti”. E, ammettendo che è concretamente impossibile per tanta gente accedere al messaggio cristiano, ho aggiunto: “Molti uomini non hanno la possibilità di conoscere o di accettare la rivelazione del Vangelo di entrare nella Chiesa. Essi vivono in condizioni socio-culturali che non lo permettono, e spesso sono stati educati in altre tradizioni religiose” (Redemptoris Missio, 10).

Dobbiamo riconoscere che per quanto rientra nelle umane capacità di previsione e di conoscenza questa impossibilità pratica sembrerebbe destinata a durare ancora a lungo forse anche fino al compimento finale dell’opera di evangelizzazione. Gesù stesso ha ammonito che solo il Padre conosce “i tempi e i momenti” da lui fissati per l’instaurazione del suo Regno nel mondo (cf. At 1, 7).

2. Quanto sopra ho detto non giustifica però la posizione relativistica di chi ritiene che in qualsiasi religione si possa trovare una via di salvezza, anche indipendentemente dalla fede in Cristo Redentore, e che su questa ambigua concezione debba basarsi il dialogo interreligioso. Non è qui la soluzione conforme al Vangelo del problema della salvezza di chi non professa il Credo cristiano. Dobbiamo invece sostenere che la strada della salvezza passa sempre per Cristo, e che quindi spetta alla Chiesa e ai suoi missionari il compito di farlo conoscere ed amare in ogni tempo, in ogni luogo e in ogni cultura. Al di fuori di Cristo non “vi è salvezza”. Come proclamava Pietro davanti al Sinedrio, fin dall’inizio della predicazione apostolica: “Non vi è altro nome dato agli uomini sotto il cielo nel quale sia stabilito che possiamo essere salvati” (At 4, 12).

Anche per coloro che senza loro colpa non conoscono Cristo e non si riconoscono cristiani, il piano divino ha predisposto una via di salvezza. Come leggiamo nel Decreto conciliare sull’attività missionaria Ad Gentes, noi crediamo che “Dio, attraverso le vie che lui solo conosce può portare gli uomini che senza loro colpa ignorano il Vangelo” alla fede necessaria alla salvezza (Ad Gentes, 7). Certo, la condizione “senza loro colpa” non può essere verificata né apprezzata da una valutazione umana, ma deve essere lasciata unicamente al giudizio divino. Per questo nella Costituzione Gaudium et Spes il Concilio dichiara che nel cuore di ogni uomo di buona volontà “opera invisibilmente la grazia”, e che “lo Spirito Santo dà a tutti la possibilità di venire in contatto, nel modo che Dio conosce, col Mistero pasquale” (Gaudium et Spes, 22).

3. E importante sottolineare che la via della salvezza percorsa da quanti ignorano il Vangelo non è una via fuori di Cristo e della Chiesa. La volontà salvifica universale è legata all’unica mediazione di Cristo. Lo afferma la Prima Lettera a Timoteo: “Dio nostro Salvatore, il quale vuole che tutti gli uomini siano salvati e arrivino alla conoscenza della verità. Uno solo, infatti, è Dio, e uno solo il mediatore fra Dio e gli uomini, l’uomo Cristo Gesù, che ha dato se stesso in riscatto per tutti” (1 Tm 2, 3-6). Lo proclama Pietro quando dice che “in nessun altro c’è salvezza”, e chiama Gesù “testata d’angolo” (At 4,11-12), ponendo in evidenza il ruolo necessario di Cristo a fondamento della Chiesa.

Questa affermazione della “unicità” del Salvatore trae la sua origine dalle stesse parole del Signore, il quale afferma di essere venuto “per dare la propria vita in riscatto per molti” (Mc 10, 45), cioè per l’umanità, come spiega San Paolo quando scrive: “Uno è morto per tutti” (2 Cor 5, 14 cf. Rm 5, 18). Cristo ha ottenuto la salvezza universale con il dono della propria vita: nessun altro mediatore è stato stabilito da Dio come Salvatore. Il valore unico del sacrificio della Croce deve essere sempre riconosciuto nel destino di ogni uomo.

4. E siccome Cristo opera la salvezza mediante il suo mistico Corpo, che è la Chiesa, la via di salvezza è essenzialmente legata alla Chiesa. L’assioma extra Ecclesiam nulla salus – “fuori della Chiesa non c’è salvezza” –, enunciato da San Cipriano (Epist 73,21: PL1123 AB), appartiene alla tradizione cristiana ed è stato inserito nel Concilio Lateranense IV (Denz.-S. 802), nella bolla Unam Sanctam di Bonifacio VIII (Denz.-S. 870) e nel Concilio di Firenze (Decretum pro Jacobitis, Denz.-S. 1351).

L’assioma significa che per quanti non ignorano che la Chiesa è stata fondata da Dio per mezzo di Gesù Cristo come necessaria c’è l’obbligo di entrare e di perseverare in essa al fine di ottenere la salvezza (cf. Lumen Gentium, 14). Per coloro che invece non hanno ricevuto l’annunzio del Vangelo, come ho scritto nell’Enciclica Redemptoris Missio, la salvezza è accessibile attraverso vie misteriose in quanto la grazia divina viene loro conferita in virtù del sacrificio redentore di Cristo, senza adesione esterna alla Chiesa ma sempre, tuttavia, in relazione con essa (cf. Redemptoris Missio, 10). Si tratta di una “misteriosa relazione”: misteriosa per coloro che la ricevono, perché essi non conoscono la Chiesa e anzi, talvolta, esternamente la respingono; misteriosa anche in se stessa perché legata al mistero salvifico della grazia, che comporta un riferimento essenziale alla Chiesa fondata dal Salvatore.

La grazia salvifica, per operare, richiede un’adesione, una cooperazione, un sì alla divina donazione: e tale adesione è, almeno implicitamente, orientata verso Cristo e la Chiesa. Perciò si può dire anche sine Ecclesia nulla salus – “senza la Chiesa non c’è salvezza” –: l’adesione alla Chiesa-Corpo mistico di Cristo, per quanto implicita è appunto misteriosa, costituisce una condizione essenziale per la salvezza.

5. Le religioni possono esercitare un influsso positivo sul destino di chi ne fa parte e ne segue le indicazioni con sincerità di spirito. Ma se l’azione decisiva per la salvezza è opera dello Spirito Santo dobbiamo tener presente che l’uomo riceve soltanto da Cristo, mediante lo Spirito Santo, la sua salvezza. Essa ha inizio già nella vita terrena, che la grazia, accettata e corrisposta, rende fruttuosa, in senso evangelico, per la terra e per il cielo.

Di qui l’importanza del ruolo indispensabile della Chiesa, la quale “non è fine a se stessa ma fervidamente sollecita di essere tutta di Cristo, in Cristo e per Cristo, e tutta degli uomini, fra gli uomini e per gli uomini”. Un ruolo che non è dunque “ecclesiocentrico” come a volte si è detto: la Chiesa non esiste infatti né lavora per se stessa, ma è al servizio di una umanità chiamata alla filiazione divina in Cristo (cf. Redemptoris Missio, 19). Essa esercita perciò una mediazione implicita anche nei confronti di quanti ignorano il Vangelo.

Ciò non deve però portare alla conclusione che la sua attività missionaria sia in tali circostanze meno necessaria. Tutt’altro. In effetti chi ignora Cristo, pur senza sua colpa, viene a trovarsi in una condizione di oscurità e di carestia spirituale con riflessi negativi spesso anche sul piano culturale e morale. L’azione missionaria della Chiesa può procurargli le condizioni di pieno sviluppo della grazia salvatrice di Cristo, proponendo l’adesione piena e consapevole al messaggio della fede e la partecipazione attiva alla vita ecclesiale nei sacramenti.

Questa è la linea teologica tratta dalla tradizione cristiana. Il magistero della Chiesa l’ha seguita nella dottrina e nella prassi come via segnata da Cristo stesso per gli Apostoli e per i missionari di tutti i tempi.

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Quelle

„Ohne Rachen, Krallen und Waffen“

Generalaudienz, 28. Juni 2017

Generalaudienz am Mittwoch, dem 28. Juni 2017 — Volltext

Wir dokumentieren in einer eigenen Übersetzung die Ansprache von Papst Franziskus bei der Generalaudienz von Mittwoch, dem 28. Juni 2017, auf dem römischen Petersplatz.

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Die christliche Hoffnung – 28. Die Hoffnung, Kraft der Märtyrer

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute stellen wir eine Betrachtung der christlichen Hoffnung als Kraft der Märtyrer an. Als Jesus die Jünger im Evangelium zur Mission aussendet, macht er ihnen nicht die falsche Hoffnung, auf einfachem Wege zu Erfolgen zu gelangen – ganz im Gegenteil: Er macht sie ganz klar darauf aufmerksam, dass die Ankündigung des Reiches Gottes immer auf Widerstände stößt. Er verwendet dazu den extremen Ausdruck: „Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden“ (Mt 10,22). Die Christen lieben, doch nicht immer werden sie geliebt. Schon jetzt konfrontiert uns Jesus mit dieser Realität: in stärkerem oder schwächerem Ausmaß vollzieht sich das Glaubensbekenntnis in einem feindseligen Klima.

Die Christen sind  daher „gegen den Strom schwimmende“ Männer und Frauen. Das ist normal, denn die Welt ist von der Sünde gekennzeichnet, die sich in verschiedenen Formen des Egoismus und der Ungerechtigkeit manifestiert. Wer Christus nachfolgt, ist in entgegengesetzter Richtung unterwegs; nicht in polemischem Sinn, sondern aus Treue zur Logik des Reiches Gottes, einer Logik der Hoffnung, die in einem auf den Anweisungen Jesu basierenden Lebensstil zum Ausdruck kommt.

Die erste Anweisung ist die Armut. Als Jesus seine Jünger zur Mission aussendet, scheint er sie mit größerer Sorgfalt zu „entkleiden“ als sie zu „kleiden“! Tatsächlich ist ein Christ, der nicht arm und bescheiden, von Reichtümern und Macht und vor allem von sich selbst getrennt ist, Jesus nicht ähnlich. Der Christ geht seinen Weg in dieser Weise mit den für die Wanderung notwendigen Dingen zurück, doch sein Herz ist voller Liebe. Die wahre Niederlage für ihn oder sie besteht darin, der Versuchung der Rache und der Gewalt zu erliegen und Böses mit Bösem zu beantworten. Jesus sagt uns: „Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe“ (Mt 10,16), d.h. ohne Rachen, Krallen und Waffen. Vielmehr muss der Christ vorsichtig und manchmal sogar schlau sein: Diese Tugenden sind mit der Logik des Evangeliums verbunden, Gewalt jedoch niemals. Um das Böse zu besiegen, können die Methoden des Bösen nicht geteilt werden.

Die einzige Kraft des Christen ist das Evangelium. In schwierigen Zeiten muss man glauben, dass Jesus vor uns steht und nie aufhört, seine Jünger zu begleiten. Die Verfolgung ist kein Widerspruch des Evangeliums, jedoch ein Teil davon: Wenn unser Meister verfolgt wurde, wie können wir dann hoffen, dass uns der Kampf erspart bleibt? Inmitten des Wirbelwindes darf der Christ jedoch die Hoffnung nicht verlieren und denken, dass er verlassen wurde. Jesus beruhigt die Seinen, indem er sagt: „Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt“ (Mt 10,30). Das heißt letztendlich, dass kein Leiden des Menschen, nicht einmal die kleinsten und verstecktesten Formen davon, dem Auge Gottes verborgen bleibt. Gott sieht und schützt mit Sicherheit; er schenkt seine Befreiung. Tatsächlich befindet sich mitten unter uns jemand, der stärker als das Böse, die Mafias, die dunklen Handlungen und jene ist, die aus der Haut der Verzweifelten Profit schlagen, die andere rücksichtslos erdrücken… Jemand, der seit jeher die Stimme des Blutes Abels hört, die aus der Erde erklingt.

Die Christen müssen daher stets auf  dem „anderen Hang“ der Welt angesiedelt sein, der von Gott gewählt wurde: nicht Verfolger sein, sondern Verfolgte, keine Arroganz, sondern Sanftmut an den Tag legen, nicht Rauch verkaufen, sondern der Wahrheit unterliegen, nicht betrügen, sondern ehrlich sein.

Diese Treue zum Stil Jesu – einem Stil der Hoffnung – bis zum Tod, wird von den ersten Christen mit einem wunderschönen Wort verlangt: „Martyrium“, was „Zeugnis“ bedeutet. Der Wortschatz bot viele andere Möglichkeiten: Man konnte sie Heldentum, Entsagung, Opfer seiner selbst nennen. Die Christen der ersten Stunde wählten jedoch einen Namen, der nach Jüngerschaft duftete. Die Märtyrer leben nicht für sich selbst. Sie kämpfen nicht, um ihre eigenen Vorstellungen zu bekräftigen und nehmen allein aus Treue zum Evangelium den Tod an. Das Martyrium ist auch nicht das höchste Ideal des christlichen Lebens, denn darüber steht die Nächstenliebe, d.h. die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Der Apostel Paulus brachte dies in hervorragender Weise in der Hymne an die Nächstenliebe zum Ausdruck, die verstanden wird als Liebe zu Gott und zum Nächsten: „Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts“ (1 Kor 13,3). Den Christen widerstrebt die Vorstellung, dass Selbstmordattentäter als „Märtyrer“ bezeichnet werden können. In ihrem Ende befindet sich nichts, das der Haltung der Kinder Gottes nahe kommt.

Wenn wir die Geschichten vieler Märtyrer der Vergangenheit und Gegenwart lesen – die heute zahlreicher sind als die Märtyrer der Anfangszeit –, versetzt uns die Stärke, mit der sie die Prüfung bewältigten, manchmal in Erstaunen. Diese Stärke ist ein Zeichen der großen Hoffnung, von der sie beseelt waren: die sichere Hoffnung, dass nichts und niemand sie von der Liebe Gottes trennen konnte, die uns in Jesus Christus geschenkt wurde (vgl. Röm 8,38-39).

Möge Gott uns immer die Stärke schenken, als seine Zeugen zu wirken. Möge es uns geschenkt werden, die christliche Hoffnung vor allem im verborgenen Martyrium zu leben, unsere Pflicht tagtäglich gut und liebevoll zu verrichten. Danke.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner]

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Quelle

Franziskus bittet Katholische Aktion um mehr Nähe zum Volk

Das Mikrofon ist an: Papst Franziskus spricht mit Angehörigen der Katholischen Aktion

Papst Franziskus hat die internationale Katholische Aktion zu mehr Einsatz für die Evangelisierung aufgerufen. Bei einer Audienz im Vatikan an diesem Donnerstag sagte das Kirchenoberhaupt der traditionsreichen Laienbewegung, sie müsse mehr „im Volk“ sein und dürfe sich nicht in sich selbst einschließen. Es handle sich nicht um eine Frage der Außenwirkung und habe auch nichts mit Volksbeeinflussung zu tun, sondern sei eine Frage der Wahrhaftigkeit und des Charismas, sagte der Papst den Angehörigen der Katholischen Aktion. Franziskus hielt seine lange und immer wieder von Applaus unterbrochene Rede frei anhand eines sichtlich von ihm selbst vorbereiteten Entwurfs; Radio Vatikan war gehalten, aus den freien Einschüben nicht zu zitieren.

Sechs Unterpunkte umfasste der Redeentwurf des Papstes: Charisma, Engagement in der Evangelisierung, Handelnde, Zielgruppe,  Art und Weise sowie Zukunftsperspektiven. Im Wesentlichen bezog sich der Papst, wie er eingangs klarstellte, auf sein programmatisches Schreiben „Evangelii Gaudium“, das er in seiner auf Spanisch gehaltenen Rede in teils sehr konkreten Worten und Beispielen ausbuchstabierte.

Von den vier Säulen der Katholischen Aktion – Gebet, Glaubensbildung, Opfer und Apostolat – sei letzteres heute das Wichtigste, betonte der Papst. Apostolat brauche aber immer auch die anderen drei Elemente, sonst bleibe das Wirken fruchtlose. Franziskus riet der Katholischen Aktion, ihre Pläne der Glaubensbildung und ihre Formen des Apostolats neu auf die Mission auszurichten. „Gebt die alten Begründungen auf – dieses ,weil wir es immer so gemacht haben´“, heißt es in dem Redeentwurf. „Es gibt Dinge, die sehr gut und verdienstvoll gewesen sind, die aber heute außerhalb des Rahmens wären, wenn wir sie wiederholen wollten.“

Als Handelnde der Katholischen Aktion identifizierte Papst Franziskus „alle“ ihre Angehörigen. Er warnte vor der „perfektionistischen Versuchung der ewigen Vorbereitung auf die Mission“ und den „ewigen Analysen“, die bereits veraltet seien, wenn sie zu Ende gedacht sind. „Das Beispiel ist Jesus mit den Aposteln: Er schickte sie mit dem, was sie hatten. Danach versammelte er sie wieder um sich und half ihnen nachzudenken über das, was sie erlebt hatten.“

Aktionsfeld der Katholischen Aktion ist nach Aussage von Papst Franziskus jeder Winkel der Wirklichkeit: die politische Welt und das Berufsleben ebenso wie die Gefängnisse, die Krankenhäuser, die Straßen, Vororte und Fabriken. „Wenn das nicht so ist, wird es eine Institution der Exklusiven, die niemandem etwas sagt, nicht einmal der Kirche“, so der Papst. Und niemand dürfe als Empfänger ausgeschlossen werden. „Seid keine Zollstationen“, warnte Franziskus, „ihr sollt nicht restriktiver als die Kirche und nicht päpstlicher als der Papst sein. Öffnet die Türen, macht keine Eingangstests in christlicher Perfektion, denn so fördert ihr bloß ein heuchlerisches Pharisäsertum. Es braucht aktive Barmherzigkeit.“ Die Bewegung solle auch einen „Raum der Aufnahme und der christlichen Erfahrung“ für jene bereithalten, die sich aus persönlichen Gründen als „Christen zweiter Klasse“ fühlen.

Franziskus bat die Katholische Aktion um mehr Nähe zum Volk. „Ihr müsst die Katholische Aktion popularisieren“, erklärte der Papst und riet dazu, beispielsweise ein Stadtviertel zu empfangen. „Das Leben der Leute teilen und entdecken, was ihre Interessen und Sehnsüchte und Wunden sind, und was sie von uns brauchen. Das ist fundamental, um nicht in die Sterilität dessen zu verfallen, der Antworten gibt auf Fragen, die niemand gestellt hat. Die Arten der Evangelisierung kann man vom Schreibtisch her durchdenken, aber erst, nachdem man inmitten des Volkes war – nicht umgekehrt.“

Diese Form des Zugehens „wird euch Probleme machen“, räumte der Papst ein, „denn da werden Menschen dazugehören wollen, die anscheinend nicht die rechten Voraussetzungen mitbringen: Familien, bei denen die Eltern nicht in der Kirche geheiratet haben, Männer und Frauen, die mit einer schwierigen Vergangenheit oder Gegenwart kämpfen, oder orientierungslose Jugendliche.“ Sie alle zu begleiten, sei eine Herausforderung an die „kirchliche Mütterlichkeit“ der Katholischen Aktion. Doch dieses konkrete Volk müsse im Glauben herangebildet werden. „Mit diesem und für dieses Volk wird gebetet.“

(rv 27.04.2017 gs)

Generalaudienz: „Unser Glaube ist ein Anker“

Der Papst bei der Generalaudienz

Der Glaube der Christen ist ein „Anker im Himmel“ und somit die Verbindung zu Gott. Das betonte der Papst in seiner Katechese bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch auf dem Petersplatz. Was für die Gläubigen zu tun sei, sei deshalb klar, so Franziskus vor den tausenden Besuchern und Pilgern: „Wir müssen uns an diesem Seil festhalten. Diese Bindung ist immer für uns da. Wir können so vorwärts gehen, weil wir uns sicher fühlen, dass unser Leben ,mit dem Himmel verankert´ ist, wo wir am Schluss gelangen werden.“

Franziskus setzte damit seine Katechesenreihe zur christlichen Hoffnung fort und beschäftigte sich mit dem Thema „Die Verheißung, die Hoffnung schenkt“. Ausgangspunkt seiner Erläuterung war die Bibelstelle aus dem Matthäus-Evangelium (Mt 28,16.18-20), in der es um die Verheißung des Auferstandenen geht. „Gott wird mit uns sein, jeden Tag, bis zum Ende der Welt. Jesus läuft mit uns, jeden Tag, bis zum Ende der Welt“, so der Papst. Dies sei eine Hinführung zum Geheimnis Gottes. Dieses Geheimnis sei in seinem Name „Jahwe – Gott mit uns“ ersichtlich: „Er ist nicht ein ferner, abwesender Gott, sondern er liebt und begleitet uns Menschen immer, selbst wenn wir ihn vergessen sollten.“

Der Herr wisse, was der Gläubige nötig habe. Diese Gewissheit müsse deshalb im Herzen eines jeden Gläubigen verankert sein, denn auf Gottes Vorsehung könne man immer zählen, fuhr Franziskus fort. „Es wird keinen Tag in unserem Leben geben, an dem wir aufhören, eine Sorge für das Herz Gottes zu sein“, sagte der Papst.

Ihm gefalle der Anker als jenes christliche Symbol für die Hoffnung. Denn darin werde die christliche Hoffnung als etwas Konkretes dargestellt. Der Glaube sei nicht etwas Vages, das sich auf die menschlichen Wünschen stütze. Die Sicherheit komme von Gott und seiner „Garantie“, auf ihn zählen zu können. Bedingung hierzu sei, der Berufung Gottes – dem „Folge mir nach“ – zu folgen. Man müsse hierbei keine Angst haben, versicherte Franziskus. Mit dieser Verheißung könnte jeder Christ überall hingehen, auch in jenen Teilen der Welt, wo es Probleme und Schwierigkeiten gib. „Das heilige und treue Volk Gottes“, so der Papst, seien Menschen, die auf den Füssen stünden und in der Hoffnung gingen. Es gebe keinen Teil der Welt, der „dem Sieg des auferstandenen Christus entgeht: dem Sieg der Liebe“.

(rv 26.04.2017 mg)

Papst bei Generalaudienz: Christen sollen staunen können

Ein Plädoyer für die Kunst des Staunens machte der Papst bei seiner Generalaudienz

Der Kern des christlichen Glaubens ist die Auferstehung Jesu. Christen bräuchten die Fähigkeit zum Staunen, denn das Christentum ist Gnade und Überraschung, erinnerte Papst Franziskus bei seiner Generalaudienz.In seiner 19. Katechese zum Thema der christlichen Hoffnung und im Licht des eben begangenen Osterfestes wolle er über den Auferstandenen sprechen, so wie ihn der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther beschreibe, leitete Franziskus seine Ausführungen auf dem Petersplatz ein.

Die Auferstehung sei der Reihenfolge nach das letzte Argument, das Paulus in seinem Brief an die junge Gemeinde behandele, doch es sei möglicherweise das wichtigste des gesamten Schreibens. „Alles fußt in der Tat auf dieser Annahme“, betonte der Papst.

Die christliche Botschaft erwachse nicht aus den Gedanken eines Weisen, sondern trete von außen an die Menschheit heran. „Das Christentum hat von hier aus seinen Ursprung. Es ist keine Ideologie, kein philosophisches System, sondern ein Weg des Glaubens, der von einem Ereignis ausgeht, das die ersten Jünger bezeugen. Paulus fasst es auf diese Weise zusammen: Jesus ist für unsere Sünden gestorben, er wurde begraben und am dritten Tag ist er auferstanden und Petrus und den Zwölf erschienen. Das ist die Tatsache. Jesus lebt. Das ist der Kern der christlichen Botschaft.”

Paulus wolle das Unerhörte des Ostergeheimnisses deutlich machen, wenn er hervorhebe, dass Christus für uns nicht nur gestorben sei, so der Papst. Denn wenn alles mit dem Tod Jesu geendet hätte, wäre das zwar ein Beispiel höchster Hingabe gewesen, doch als tragfähiges Fundament für den Glauben hätte das nicht genügt. Vielmehr drehe sich alles um die Auferstehung Jesu. Zur Untermauerung dieses historischen Ereignisses liefert Paulus eine Liste von Zeugen, die das Ereignis weiter verkünden könnten – er selbst sei der unwürdigste all dieser Zeugen, eine „Missgeburt“, wie er sich selbst nennt.

„Paulus benutzt diesen Ausdruck, weil seine persönliche Geschichte dramatisch ist. Er war kein unschuldiger Ministrant, nicht wahr? Er hat die Kirche verfolgt, war stolz auf seine Überzeugungen; er fühlte sich als Mann, der angekommen ist, mit einer sehr klaren Idee davon, was sein Leben und seine Pflicht sei. Aber in diesem perfekten Leben passiert eines Tages etwas vollkommen Unvorhersehbares: Die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus auf der Straße nach Damaskus.“

Und hier, so führte der Papst weiter aus, werde der Verfolger zum Apostel, denn er habe den auferstandenen Jesus gesehen – die Grundlage des Glaubens der Kirche, wie auch unseres eigenen Glaubens.

„Wie schön ist es, zu denken, dass das Christentum im Kern genau das ist. Es ist nicht so sehr unsere Suche nach Gott – eine Suche, die in Wahrheit so zögerlich ist – sondern vielmehr die Suche von Gott nach uns. Das Christentum ist Gnade, Überraschung, und aus diesem Grund setzt es ein Herz voraus, das fähig zum Staunen ist.“

Auch wenn wir Sünder seien – und das seien wir alle, erinnerte der Papst – und unsere guten Vorsätze nicht eingehalten oder viele Misserfolge gesammelt hätten, könnten wir am Ostermorgen das tun, was auch die Menschen taten, von denen das Evangelium spricht: „Zum Grab des Christus gehen, den großen Fels verrückt zu sehen und zu denken, dass Gott für mich, für uns alle, eine unerwartete Zukunft Wirklichkeit werden lässt. Hier ist das Glück, hier ist die Freude und das Leben, wo alle dachten, dass es nur Traurigkeit, Niederlage und Schatten gebe. Gott lässt seine schönsten Blumen inmitten der unwirtlichsten Felsen wachsen.“

(rv 19.04.2017 cs)

„Der verheißende ist der Gott der Auferstehung und des Lebens“

Generalaudienz, 29. März 2017

Generalaudienz am Mittwoch, dem 29. März 2017 — Volltext

Wir dokumentieren in einer eigenen Übersetzung die Katechese von Papst Franziskus bei der Generalaudienz von Mittwoch, dem 29. März 2017, auf dem Petersplatz.

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Die christliche Hoffnung – 16. Hoffnung gegen jede Hoffnung (vgl. Röm 4,16-25)

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Die soeben vernommene Stelle aus dem Brief des hl. Paulus an die Römer macht uns ein großes Geschenk. Tatsächlich sind wir daran gewöhnt, in Abraham unseren Vater im Glauben zu erkennen; heute lässt uns der Apostel begreifen, dass Abraham der Vater in der Hoffnung für uns ist; nicht nur der Vater des Glaubens, sondern Vater in der Hoffnung. Bei der Betrachtung seines Lebens können wir bereits eine Verheißung der Auferstehung erkennen, des neuen Lebens, das das Böse und selbst den Tod besiegt.

In dem Text lesen wir, dass Abraham an Gott glaubte, „der die Toten lebendig macht und das, was nicht ist, ins Dasein ruft“ (Röm 4,17). Anschließend wird präzisiert: „Ohne im Glauben schwach zu werden, war er, der fast Hundertjährige, sich bewusst, dass sein Leib und auch Saras Mutterschoß erstorben waren“ (Röm 4,19). Auch wir sind dazu berufen, diese Erfahrung zu machen. Gott offenbart sich Abraham als der rettende Gott, der aus der Verzweiflung und dem Tod austreten lässt, der zum Leben beruft. In der Geschichte Abrahams wird alles zu einer Hymne an Gott, der befreit und zu neuem Leben erweckt, alles wird zu einer Prophetie. Dazu wird es für uns, die wir nun die Vollendung all dessen im Pasche-Geheimnis anerkennen und feiern. So hat Gott „Jesus […] von den Toten auferweckt“ (Röm 4,24), damit auch wir in ihm vom Tod zum Leben übergehen können. Somit kann Abraham insofern durchaus als „Vater vieler Völker“ betrachtet werden, als er als Verheißung einer neuen Menschheit  – uns! – erstrahlt, die von Christus von der Sünde und vor dem Tod befreit wurde und ein für allemal in der Umarmung der Liebe Gottes geführt wurde.

An dieser Stelle hilft uns Paulus, die enge Verbindung zwischen Glauben und Hoffnung zu begreifen. So sagt er, dass Abraham gegen alle Hoffnung voll Hoffnung geglaubt hat (vgl. Röm 4,18). Unsere Hoffnung stützt sich nicht auf Überlegungen, Prognosen und menschlichen Sicherheiten; sie zeigt sich dort, wo keine Hoffnung mehr gegeben ist, wo es nichts mehr zu hoffen gibt; genau so, wie es im Falle Abrahams angesichts seines bevorstehenden Todes und der Unfruchtbarkeit seiner Frau Sara geschah. Das Ende der beiden nähert sich, sie konnten keine Kinder bekommen, und in dieser Situation glaubte Abraham und hegte Hoffnung gegen jede Hoffnung. Und das ist großartig! Die große Hoffnung wurzelt im Glauben, und gerade deshalb kann sie über jede Hoffnung hinausgehen. Ja, denn sie gründet sich nicht auf unser Wort, sondern auf das Wort Gottes. Auch in diesem Sinne sind wir daher dazu berufen, dem Beispiel Abrahams zu folgen, der trotz der Offenkundigkeit einer Realität, die dem Tod geweiht erscheint Gott vertraut ; „fest davon überzeugt, dass Gott die Macht besitzt zu tun, was er verheißen hat“ (Röm 4,21). Ich würde euch gerne eine Frage stellen: Sind wir, wir alle, überzeugt davon? Sind wir überzeugt davon, dass Gott uns gern hat und dazu bereit ist, alles zu tun, was er verheißen hat? Aber Vater, wie viel müssen wir dafür bezahlen? Es gibt nur einen Preis: „das Herz öffnen“. Öffnet eure Herzen und diese Kraft Gottes wird euch vorwärts bringen. Sie wird wundervolle Dinge vollbringen und euch lehren, was Hoffnung ist. Das ist der einzige Preis: Öffnen das Herz für den Glauben und Gott tut den Rest.

Das ist der Widerspruch und zugleich das stärkste und höchste Element unserer Hoffnung – einer Hoffnung, die sich auf eine Verheißung gründet, die aus menschlicher Perspektive unsicher und unvorhersehbar erscheint, die jedoch nicht einmal angesichts des Todes verloren geht, wenn die Verheißung von dem Gott der Auferstehung und des Lebens stammt. Dies wird nicht von irgendjemandem verheißen! Der verheißende ist der Gott der Auferstehung und des Lebens.

Liebe Brüder und Schwestern, bitten wir heute den Herrn um die Gnade, uns nicht so sehr auf unsere Sicherheiten zu gründen, auf unsere Fähigkeiten, sondern auf die Hoffnung, die der Verheißung Gottes entspringt, als wahre Kinder Abrahams. Wenn Gott verheißt, dann tut er, was er verheißen hat. Er hält sein Wort immer. So wird unser Leben ein neues Licht annehmen, in dem Bewusstsein, dass er, der seinen Sohn auferweckt hat, auch uns auferwecken wird und uns wirklich eins mit ihm werden lässt, zusammen mit all unseren Brüdern und Schwestern im Glauben. Wir alle glauben. Heute sind wir alle auf der Piazza versammelt; wir preisen den Herrn, singen das Vater Unser und werden dann den Segen empfangen … Aber dies geht vorbei. Es ist jedoch auch eine Verheißung der Hoffnung. Wenn unser Herz heute offen ist, versichere ich euch, dass wir alle uns  auf der Piazza des nie vergehenden Himmels für immer begegnen werden. Dies ist die Verheißung Gottes und das ist unsere Hoffnung, wenn wir unsere Herzen öffnen. Danke.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner]

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