Franziskus bittet Katholische Aktion um mehr Nähe zum Volk

Das Mikrofon ist an: Papst Franziskus spricht mit Angehörigen der Katholischen Aktion

Papst Franziskus hat die internationale Katholische Aktion zu mehr Einsatz für die Evangelisierung aufgerufen. Bei einer Audienz im Vatikan an diesem Donnerstag sagte das Kirchenoberhaupt der traditionsreichen Laienbewegung, sie müsse mehr „im Volk“ sein und dürfe sich nicht in sich selbst einschließen. Es handle sich nicht um eine Frage der Außenwirkung und habe auch nichts mit Volksbeeinflussung zu tun, sondern sei eine Frage der Wahrhaftigkeit und des Charismas, sagte der Papst den Angehörigen der Katholischen Aktion. Franziskus hielt seine lange und immer wieder von Applaus unterbrochene Rede frei anhand eines sichtlich von ihm selbst vorbereiteten Entwurfs; Radio Vatikan war gehalten, aus den freien Einschüben nicht zu zitieren.

Sechs Unterpunkte umfasste der Redeentwurf des Papstes: Charisma, Engagement in der Evangelisierung, Handelnde, Zielgruppe,  Art und Weise sowie Zukunftsperspektiven. Im Wesentlichen bezog sich der Papst, wie er eingangs klarstellte, auf sein programmatisches Schreiben „Evangelii Gaudium“, das er in seiner auf Spanisch gehaltenen Rede in teils sehr konkreten Worten und Beispielen ausbuchstabierte.

Von den vier Säulen der Katholischen Aktion – Gebet, Glaubensbildung, Opfer und Apostolat – sei letzteres heute das Wichtigste, betonte der Papst. Apostolat brauche aber immer auch die anderen drei Elemente, sonst bleibe das Wirken fruchtlose. Franziskus riet der Katholischen Aktion, ihre Pläne der Glaubensbildung und ihre Formen des Apostolats neu auf die Mission auszurichten. „Gebt die alten Begründungen auf – dieses ,weil wir es immer so gemacht haben´“, heißt es in dem Redeentwurf. „Es gibt Dinge, die sehr gut und verdienstvoll gewesen sind, die aber heute außerhalb des Rahmens wären, wenn wir sie wiederholen wollten.“

Als Handelnde der Katholischen Aktion identifizierte Papst Franziskus „alle“ ihre Angehörigen. Er warnte vor der „perfektionistischen Versuchung der ewigen Vorbereitung auf die Mission“ und den „ewigen Analysen“, die bereits veraltet seien, wenn sie zu Ende gedacht sind. „Das Beispiel ist Jesus mit den Aposteln: Er schickte sie mit dem, was sie hatten. Danach versammelte er sie wieder um sich und half ihnen nachzudenken über das, was sie erlebt hatten.“

Aktionsfeld der Katholischen Aktion ist nach Aussage von Papst Franziskus jeder Winkel der Wirklichkeit: die politische Welt und das Berufsleben ebenso wie die Gefängnisse, die Krankenhäuser, die Straßen, Vororte und Fabriken. „Wenn das nicht so ist, wird es eine Institution der Exklusiven, die niemandem etwas sagt, nicht einmal der Kirche“, so der Papst. Und niemand dürfe als Empfänger ausgeschlossen werden. „Seid keine Zollstationen“, warnte Franziskus, „ihr sollt nicht restriktiver als die Kirche und nicht päpstlicher als der Papst sein. Öffnet die Türen, macht keine Eingangstests in christlicher Perfektion, denn so fördert ihr bloß ein heuchlerisches Pharisäsertum. Es braucht aktive Barmherzigkeit.“ Die Bewegung solle auch einen „Raum der Aufnahme und der christlichen Erfahrung“ für jene bereithalten, die sich aus persönlichen Gründen als „Christen zweiter Klasse“ fühlen.

Franziskus bat die Katholische Aktion um mehr Nähe zum Volk. „Ihr müsst die Katholische Aktion popularisieren“, erklärte der Papst und riet dazu, beispielsweise ein Stadtviertel zu empfangen. „Das Leben der Leute teilen und entdecken, was ihre Interessen und Sehnsüchte und Wunden sind, und was sie von uns brauchen. Das ist fundamental, um nicht in die Sterilität dessen zu verfallen, der Antworten gibt auf Fragen, die niemand gestellt hat. Die Arten der Evangelisierung kann man vom Schreibtisch her durchdenken, aber erst, nachdem man inmitten des Volkes war – nicht umgekehrt.“

Diese Form des Zugehens „wird euch Probleme machen“, räumte der Papst ein, „denn da werden Menschen dazugehören wollen, die anscheinend nicht die rechten Voraussetzungen mitbringen: Familien, bei denen die Eltern nicht in der Kirche geheiratet haben, Männer und Frauen, die mit einer schwierigen Vergangenheit oder Gegenwart kämpfen, oder orientierungslose Jugendliche.“ Sie alle zu begleiten, sei eine Herausforderung an die „kirchliche Mütterlichkeit“ der Katholischen Aktion. Doch dieses konkrete Volk müsse im Glauben herangebildet werden. „Mit diesem und für dieses Volk wird gebetet.“

(rv 27.04.2017 gs)

Generalaudienz: „Unser Glaube ist ein Anker“

Der Papst bei der Generalaudienz

Der Glaube der Christen ist ein „Anker im Himmel“ und somit die Verbindung zu Gott. Das betonte der Papst in seiner Katechese bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch auf dem Petersplatz. Was für die Gläubigen zu tun sei, sei deshalb klar, so Franziskus vor den tausenden Besuchern und Pilgern: „Wir müssen uns an diesem Seil festhalten. Diese Bindung ist immer für uns da. Wir können so vorwärts gehen, weil wir uns sicher fühlen, dass unser Leben ,mit dem Himmel verankert´ ist, wo wir am Schluss gelangen werden.“

Franziskus setzte damit seine Katechesenreihe zur christlichen Hoffnung fort und beschäftigte sich mit dem Thema „Die Verheißung, die Hoffnung schenkt“. Ausgangspunkt seiner Erläuterung war die Bibelstelle aus dem Matthäus-Evangelium (Mt 28,16.18-20), in der es um die Verheißung des Auferstandenen geht. „Gott wird mit uns sein, jeden Tag, bis zum Ende der Welt. Jesus läuft mit uns, jeden Tag, bis zum Ende der Welt“, so der Papst. Dies sei eine Hinführung zum Geheimnis Gottes. Dieses Geheimnis sei in seinem Name „Jahwe – Gott mit uns“ ersichtlich: „Er ist nicht ein ferner, abwesender Gott, sondern er liebt und begleitet uns Menschen immer, selbst wenn wir ihn vergessen sollten.“

Der Herr wisse, was der Gläubige nötig habe. Diese Gewissheit müsse deshalb im Herzen eines jeden Gläubigen verankert sein, denn auf Gottes Vorsehung könne man immer zählen, fuhr Franziskus fort. „Es wird keinen Tag in unserem Leben geben, an dem wir aufhören, eine Sorge für das Herz Gottes zu sein“, sagte der Papst.

Ihm gefalle der Anker als jenes christliche Symbol für die Hoffnung. Denn darin werde die christliche Hoffnung als etwas Konkretes dargestellt. Der Glaube sei nicht etwas Vages, das sich auf die menschlichen Wünschen stütze. Die Sicherheit komme von Gott und seiner „Garantie“, auf ihn zählen zu können. Bedingung hierzu sei, der Berufung Gottes – dem „Folge mir nach“ – zu folgen. Man müsse hierbei keine Angst haben, versicherte Franziskus. Mit dieser Verheißung könnte jeder Christ überall hingehen, auch in jenen Teilen der Welt, wo es Probleme und Schwierigkeiten gib. „Das heilige und treue Volk Gottes“, so der Papst, seien Menschen, die auf den Füssen stünden und in der Hoffnung gingen. Es gebe keinen Teil der Welt, der „dem Sieg des auferstandenen Christus entgeht: dem Sieg der Liebe“.

(rv 26.04.2017 mg)

Papst bei Generalaudienz: Christen sollen staunen können

Ein Plädoyer für die Kunst des Staunens machte der Papst bei seiner Generalaudienz

Der Kern des christlichen Glaubens ist die Auferstehung Jesu. Christen bräuchten die Fähigkeit zum Staunen, denn das Christentum ist Gnade und Überraschung, erinnerte Papst Franziskus bei seiner Generalaudienz.In seiner 19. Katechese zum Thema der christlichen Hoffnung und im Licht des eben begangenen Osterfestes wolle er über den Auferstandenen sprechen, so wie ihn der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther beschreibe, leitete Franziskus seine Ausführungen auf dem Petersplatz ein.

Die Auferstehung sei der Reihenfolge nach das letzte Argument, das Paulus in seinem Brief an die junge Gemeinde behandele, doch es sei möglicherweise das wichtigste des gesamten Schreibens. „Alles fußt in der Tat auf dieser Annahme“, betonte der Papst.

Die christliche Botschaft erwachse nicht aus den Gedanken eines Weisen, sondern trete von außen an die Menschheit heran. „Das Christentum hat von hier aus seinen Ursprung. Es ist keine Ideologie, kein philosophisches System, sondern ein Weg des Glaubens, der von einem Ereignis ausgeht, das die ersten Jünger bezeugen. Paulus fasst es auf diese Weise zusammen: Jesus ist für unsere Sünden gestorben, er wurde begraben und am dritten Tag ist er auferstanden und Petrus und den Zwölf erschienen. Das ist die Tatsache. Jesus lebt. Das ist der Kern der christlichen Botschaft.”

Paulus wolle das Unerhörte des Ostergeheimnisses deutlich machen, wenn er hervorhebe, dass Christus für uns nicht nur gestorben sei, so der Papst. Denn wenn alles mit dem Tod Jesu geendet hätte, wäre das zwar ein Beispiel höchster Hingabe gewesen, doch als tragfähiges Fundament für den Glauben hätte das nicht genügt. Vielmehr drehe sich alles um die Auferstehung Jesu. Zur Untermauerung dieses historischen Ereignisses liefert Paulus eine Liste von Zeugen, die das Ereignis weiter verkünden könnten – er selbst sei der unwürdigste all dieser Zeugen, eine „Missgeburt“, wie er sich selbst nennt.

„Paulus benutzt diesen Ausdruck, weil seine persönliche Geschichte dramatisch ist. Er war kein unschuldiger Ministrant, nicht wahr? Er hat die Kirche verfolgt, war stolz auf seine Überzeugungen; er fühlte sich als Mann, der angekommen ist, mit einer sehr klaren Idee davon, was sein Leben und seine Pflicht sei. Aber in diesem perfekten Leben passiert eines Tages etwas vollkommen Unvorhersehbares: Die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus auf der Straße nach Damaskus.“

Und hier, so führte der Papst weiter aus, werde der Verfolger zum Apostel, denn er habe den auferstandenen Jesus gesehen – die Grundlage des Glaubens der Kirche, wie auch unseres eigenen Glaubens.

„Wie schön ist es, zu denken, dass das Christentum im Kern genau das ist. Es ist nicht so sehr unsere Suche nach Gott – eine Suche, die in Wahrheit so zögerlich ist – sondern vielmehr die Suche von Gott nach uns. Das Christentum ist Gnade, Überraschung, und aus diesem Grund setzt es ein Herz voraus, das fähig zum Staunen ist.“

Auch wenn wir Sünder seien – und das seien wir alle, erinnerte der Papst – und unsere guten Vorsätze nicht eingehalten oder viele Misserfolge gesammelt hätten, könnten wir am Ostermorgen das tun, was auch die Menschen taten, von denen das Evangelium spricht: „Zum Grab des Christus gehen, den großen Fels verrückt zu sehen und zu denken, dass Gott für mich, für uns alle, eine unerwartete Zukunft Wirklichkeit werden lässt. Hier ist das Glück, hier ist die Freude und das Leben, wo alle dachten, dass es nur Traurigkeit, Niederlage und Schatten gebe. Gott lässt seine schönsten Blumen inmitten der unwirtlichsten Felsen wachsen.“

(rv 19.04.2017 cs)

„Der verheißende ist der Gott der Auferstehung und des Lebens“

Generalaudienz, 29. März 2017

Generalaudienz am Mittwoch, dem 29. März 2017 — Volltext

Wir dokumentieren in einer eigenen Übersetzung die Katechese von Papst Franziskus bei der Generalaudienz von Mittwoch, dem 29. März 2017, auf dem Petersplatz.

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Die christliche Hoffnung – 16. Hoffnung gegen jede Hoffnung (vgl. Röm 4,16-25)

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Die soeben vernommene Stelle aus dem Brief des hl. Paulus an die Römer macht uns ein großes Geschenk. Tatsächlich sind wir daran gewöhnt, in Abraham unseren Vater im Glauben zu erkennen; heute lässt uns der Apostel begreifen, dass Abraham der Vater in der Hoffnung für uns ist; nicht nur der Vater des Glaubens, sondern Vater in der Hoffnung. Bei der Betrachtung seines Lebens können wir bereits eine Verheißung der Auferstehung erkennen, des neuen Lebens, das das Böse und selbst den Tod besiegt.

In dem Text lesen wir, dass Abraham an Gott glaubte, „der die Toten lebendig macht und das, was nicht ist, ins Dasein ruft“ (Röm 4,17). Anschließend wird präzisiert: „Ohne im Glauben schwach zu werden, war er, der fast Hundertjährige, sich bewusst, dass sein Leib und auch Saras Mutterschoß erstorben waren“ (Röm 4,19). Auch wir sind dazu berufen, diese Erfahrung zu machen. Gott offenbart sich Abraham als der rettende Gott, der aus der Verzweiflung und dem Tod austreten lässt, der zum Leben beruft. In der Geschichte Abrahams wird alles zu einer Hymne an Gott, der befreit und zu neuem Leben erweckt, alles wird zu einer Prophetie. Dazu wird es für uns, die wir nun die Vollendung all dessen im Pasche-Geheimnis anerkennen und feiern. So hat Gott „Jesus […] von den Toten auferweckt“ (Röm 4,24), damit auch wir in ihm vom Tod zum Leben übergehen können. Somit kann Abraham insofern durchaus als „Vater vieler Völker“ betrachtet werden, als er als Verheißung einer neuen Menschheit  – uns! – erstrahlt, die von Christus von der Sünde und vor dem Tod befreit wurde und ein für allemal in der Umarmung der Liebe Gottes geführt wurde.

An dieser Stelle hilft uns Paulus, die enge Verbindung zwischen Glauben und Hoffnung zu begreifen. So sagt er, dass Abraham gegen alle Hoffnung voll Hoffnung geglaubt hat (vgl. Röm 4,18). Unsere Hoffnung stützt sich nicht auf Überlegungen, Prognosen und menschlichen Sicherheiten; sie zeigt sich dort, wo keine Hoffnung mehr gegeben ist, wo es nichts mehr zu hoffen gibt; genau so, wie es im Falle Abrahams angesichts seines bevorstehenden Todes und der Unfruchtbarkeit seiner Frau Sara geschah. Das Ende der beiden nähert sich, sie konnten keine Kinder bekommen, und in dieser Situation glaubte Abraham und hegte Hoffnung gegen jede Hoffnung. Und das ist großartig! Die große Hoffnung wurzelt im Glauben, und gerade deshalb kann sie über jede Hoffnung hinausgehen. Ja, denn sie gründet sich nicht auf unser Wort, sondern auf das Wort Gottes. Auch in diesem Sinne sind wir daher dazu berufen, dem Beispiel Abrahams zu folgen, der trotz der Offenkundigkeit einer Realität, die dem Tod geweiht erscheint Gott vertraut ; „fest davon überzeugt, dass Gott die Macht besitzt zu tun, was er verheißen hat“ (Röm 4,21). Ich würde euch gerne eine Frage stellen: Sind wir, wir alle, überzeugt davon? Sind wir überzeugt davon, dass Gott uns gern hat und dazu bereit ist, alles zu tun, was er verheißen hat? Aber Vater, wie viel müssen wir dafür bezahlen? Es gibt nur einen Preis: „das Herz öffnen“. Öffnet eure Herzen und diese Kraft Gottes wird euch vorwärts bringen. Sie wird wundervolle Dinge vollbringen und euch lehren, was Hoffnung ist. Das ist der einzige Preis: Öffnen das Herz für den Glauben und Gott tut den Rest.

Das ist der Widerspruch und zugleich das stärkste und höchste Element unserer Hoffnung – einer Hoffnung, die sich auf eine Verheißung gründet, die aus menschlicher Perspektive unsicher und unvorhersehbar erscheint, die jedoch nicht einmal angesichts des Todes verloren geht, wenn die Verheißung von dem Gott der Auferstehung und des Lebens stammt. Dies wird nicht von irgendjemandem verheißen! Der verheißende ist der Gott der Auferstehung und des Lebens.

Liebe Brüder und Schwestern, bitten wir heute den Herrn um die Gnade, uns nicht so sehr auf unsere Sicherheiten zu gründen, auf unsere Fähigkeiten, sondern auf die Hoffnung, die der Verheißung Gottes entspringt, als wahre Kinder Abrahams. Wenn Gott verheißt, dann tut er, was er verheißen hat. Er hält sein Wort immer. So wird unser Leben ein neues Licht annehmen, in dem Bewusstsein, dass er, der seinen Sohn auferweckt hat, auch uns auferwecken wird und uns wirklich eins mit ihm werden lässt, zusammen mit all unseren Brüdern und Schwestern im Glauben. Wir alle glauben. Heute sind wir alle auf der Piazza versammelt; wir preisen den Herrn, singen das Vater Unser und werden dann den Segen empfangen … Aber dies geht vorbei. Es ist jedoch auch eine Verheißung der Hoffnung. Wenn unser Herz heute offen ist, versichere ich euch, dass wir alle uns  auf der Piazza des nie vergehenden Himmels für immer begegnen werden. Dies ist die Verheißung Gottes und das ist unsere Hoffnung, wenn wir unsere Herzen öffnen. Danke.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner]

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Quelle

„Die Mühe der Überquerung der Wüste

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Wir dokumentieren in einer eigenen Übersetzung die Ansprache von Papst Franziskus bei der Generalaudienz von Mittwoch, dem 1. März 2017, auf dem Petersplatz.

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Die christliche Hoffnung – 13. Die Fastenzeit – Weg der Hoffnung

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Am heutigen Aschermittwoch treten wir in die liturgische Fastenzeit ein. Da unsere Katechesenreihe der christlichen Hoffnung gewidmet ist, möchte ich heute die Fastenzeit als einen Weg der Hoffnung beschreiben.

Tatsächlich tritt diese Perspektive klar hervor, wenn wir bedenken, dass die Fastenzeit in der Kirche als Zeit der Vorbereitung auf Ostern eingerichtet wurde. Daher wird der gesamte Sinn dieser vierzig Tage vom österlichen Geheimnis erleuchtet, auf das sie ausgerichtet sind. Wir können uns den auferstandenen Herrn vorstellen, der uns dazu aufruft, aus unserer Dunkelheit auszutreten, und wir gehen auf ihn, das Licht, zu. Die Fastenzeit ist ein Weg zum auferstandenen Herrn. Sie ist eine Zeit der Buße und auch der Kasteiung, jedoch kein Selbstzweck. Vielmehr zielt sie auf unsere Auferstehung mit Christus ab, auf die Erneuerung unseres Taufbekenntnisses, d.h. darauf, dass wir wieder neu „von oben“ – von der Liebe Gottes – geboren werden (vgl. Joh 3.3). Insofern ist die Fastenzeit ihrem Wesen nach Zeit der Hoffnung.

Zum besseren Verständnis der Bedeutung des zuvor Gesagten müssen wir auf die grundlegende Erfahrung des Auszugs des Volkes Israel aus Ägypten Bezug nehmen, von der die Bibel im Buch Exodus berichtet. Ausgangspunkt ist die Situation der Knechtschaft in Ägypten, die Unterdrückung, die Zwangsarbeit. Der Herr hat sein Volk und seine Verheißung jedoch nicht vergessen: Er ruft Mose  und lässt das Volk Israel unter der Führung eines starken Armes ausbrechen und führt sie durch die Wüste in das Land der Freiheit. Während dieses Weges aus der Knechtschaft in die Freiheit gibt der Herr den Israeliten das Gesetz, damit sie ihn, ihren einzigen Herrn, zu lieben lernen und auch untereinander geschwisterliche Liebe üben. Die Heilige Schrift beschreibt den Auszug als lang und beschwerlich: Symbolisch dauert er 40 Tage; dies entspricht der Lebenszeit einer Generation, die angesichts der Prüfungen des Weges stets der Versuchung unterliegt, Ägypten nachzutrauern und zurückzukehren. Auch wir kennen die Versuchung, zurückzukehren, alle. Der Herr bleibt diesen armen von Mose geführten Menschen, die in das verheißene Land kommen, jedoch treu. Der gesamte Weg wird in der Hoffnung zurückgelegt: der Hoffnung, das Land zu erreichen und gerade in diesem Sinne handelt es sich um einen „Auszug“, den Austritt aus der Knechtschaft in die Freiheit. Diese 40 Tage sind auch für uns alle ein Austritt aus der Knechtschaft, aus der Sünde in die Freiheit, in die Begegnung mit dem auferstandenen Christus. Jeder Schritt, jede Mühe, jede Prüfung, jedes Fallen und jede Wiederaufnahme – alles hat nur im Heilsplan Gottes einen Sinn, der für sein Volk das Leben will und nicht den Tod, die Freude und nicht den Schmerz.

Das Paschaopfer Jesu und sein Exodus haben uns den Weg zum vollen, ewigen und seligen Leben geöffnet. Um diesen Weg zu gehen musste sich Jesus seiner Herrlichkeit entäußern, sich erniedrigen, bis zum Tod und bis zum Tod am Kreuz gehorsam sein. Damit er uns den Weg zum ewigen Leben eröffnen könnte, vergoss er sein gesamtes Blut und dank ihm sind wir von der Knechtschaft der Sünde befreit. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er alles getan hat und wir nichts tun müssen, dass er durch das Kreuz ging und wir „mit der Kutsche ins Paradies fahren“ So ist es nicht. Unsere Rettung ist gewiss ein Geschenk von ihm, doch da es sich um eine Liebesgeschichte handelt, sind unser „ja“ und unsere Teilhabe an seiner Liebe erforderlich, wie es uns von seiner Mutter Maria und nach ihr von allen Heiligen gezeigt wird.

Die Fastenzeit lebt von der folgenden Dynamik: Christus geht mit seinem Exodus voraus und wir durchqueren die Wüste dank ihm und hinter ihm. Er wird für uns versucht und hat den Versucher für uns besiegt, aber auch wir müssen mit ihm die Versuchungen bewältigen und überwinden. Er schenkt uns das lebendige Wasser seines Geistes und es ist an uns, aus seiner Quelle zu schöpfen und zu trinken; in den Sakramenten, im Gebet, in der Anbetung: Er ist das Licht, das die Finsternis überwindet und wir werden gebeten, die kleine uns am Tag unserer Taufe anvertraute Flamme zu nähren.

In diesem Sinne ist die Fastenzeit „sakramentales Zeichen unserer Umkehr“ (ital. Quelle: Messale Romano, Oraz. Colletta I Dom. Di Quar.; eigene Übersetzung). Wer den Weg der Fastenzeit geht, ist immer auf dem Weg der Umkehr. Die Fastenzeit ist stets zu erneuerndes sakramentales Zeichen unseres Weges aus der Knechtschaft in die Freiheit. Dieser Weg ist gewiss anspruchsvoll, wie es auch sein soll, denn die Liebe ist anspruchsvoll, doch dieser Weg ist voller Hoffnung. Ich würde sogar sagen: Der Exodus der Fastenzeit ist der Weg, auf dem die Hoffnung selbst entsteht. Die Mühe der Überquerung der Wüste – alle Herausforderungen, Versuchungen, Illusionen, Trugbilder …-, all dies formt eine starke und feste Hoffnung nach dem Beispiel der Jungfrau Maria, die inmitten der Finsternis der Passion und des Todes ihres Sohnes nicht aufhört an seine Auferstehung, an den Sieg der Liebe Gottes, zu glauben und darauf zu hoffen.

Mit auf diesen Horizont hingeöffnetem Herzen treten wir heute in die Fastenzeit ein. Uns als Teil des heiligen Volkes Gottes empfindend, beginnen wir mit Freude diesen Weg der Hoffnung.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner]

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Quelle

Papst Franziskus: Inklusion heißt aktive Teilhabe

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Papst Franziskus bei der Audienz für die Gemeinschaft von Capodarco – RV

Die Vertreter eines italienweiten Projektes zur Inklusion von Menschen mit körperlichem Handicap, Suchtproblemen oder mentalen Krankheiten waren an diesem Samstag im Vatikan zu Gast. Papst Franziskus würdigte in seiner Ansprache die 50-jährige Erfolgsgeschichte der „Comunità di Capodarco“, die sich von einem Projekt in den Marken mittlerweile über ganz Italien ausgebreitet hat. Nur eine Gesellschaft, die sich auch der schwächeren Mitglieder annehme, könne von sich selbst behaupten, auf den Prinzipien wie Recht und Gerechtigkeit zu basieren, betonte der Papst: „Die Lebensqualität innerhalb einer Gesellschaft misst man in großem Maße durch die Fähigkeit, diejenigen einzubeziehen, die am schwächsten und hilfsbedürftigsten sind, mit effektivem Respekt für ihre Würde als Männer und Frauen. Und die Reife erreicht man, wenn diese Inklusion nicht als etwas Außergewöhnliches wahrgenommen wird, sondern als normal. Auch der Mensch mit körperlichen, geistigen oder moralischen Behinderungen muss am Leben der Gesellschaft teilhaben können und ihm muss dabei geholfen werden, sein Potential, je nach seinen Möglichkeiten, zu entfalten.“

Formen der Diskriminierung

Eine Diskriminierung, die aufgrund der Fähigkeit erfolge, inwieweit man in der Gesellschaft produktiv wirken könne, sei nicht weniger gravierend als eine Diskriminierung aufgrund des Glaubens, der Hautfarbe oder des Gesellschaftlichen Status, fuhr der Papst fort. Es zeichne die Gemeinschaft von Capodarco aus, dass sie in ihrer langjährigen Tätigkeit auf italienischem Terrain stets die Nöte und Anliegen ihrer Schützlinge im Auge behalten habe und sie bei der Ausbildung ihrer Fähigkeiten kundig unterstütze – dieser Ansatz sorge dafür, dass die betreuten Menschen am Leben der Gesellschaft aktiv teilhaben könnten und nicht innerhalb der engen Grenzen ihrer Gemeinschaft zu verbleiben hätten, würdigte Franziskus den Einsatz der Priester und Laien, die sich in der Gemeinschaft engagieren.

Ermutigung

„Ich ermuntere euch, auf diesem Weg weiter zu gehen, der in erster Linie den persönlichen Einsatz der Menschen mit Behinderung selbst vorsieht. Angesichts der wirtschaftlichen Probleme und negativen Folgen der Globalisierung versucht eure Gemeinschaft, denjenigen zu helfen, die in Gefahr geraten sich ausgeschlossen oder an den Rand gedrängt zu fühlen. Ihr helft ihnen, im Gegenteil, dabei, an vorderster Front zu gehen.“

Gerade die Kirchengemeinschaft müsse diesen „Kleinen“ einen besonderen Platz einräumen, denn sie seien besondere Zeugen der Zärtlichkeit Gottes, von denen alle anderen viel zu lernen hätten, so Franziskus. Der Papst erinnerte auch an die Ursprünge der Gemeinschaft, die in den Pilgerfahrten nach Lourdes und Loreto lagen. Die Gottesmutter Maria, so schloss der Papst seine Ansprache, sei in den Werken der Gemeinschaft stets präsent gewesen und werde auch weiterhin präsent sein, „indem sie euch hilft, jedes Mal neue Energien zu finden und stets den Stil des Evangeliums, die Zärtlichkeit, die Fürsorge, die Nähe und auch den Mut sowie den Geist der Aufopferung zu bewahren – denn es ist nicht einfach, auf dem Gebiet der persönlichen und sozialen Härtefälle zu arbeiten.“

(rv 25.02.2017 cs)

Die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen

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Generalaudienz in der »Aula Paolo VI« am 15. Februar

Lesung: Röm 5,1-5

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Schon in der Kindheit wird uns beigebracht, dass es nicht schön ist, sich selbst zu rühmen. In meinem Land bezeichnen wir jene, die prahlen, als »Pfauen«. Und das ist richtig, denn sich dessen zu rühmen, was man ist oder was man hat, lässt außer einem gewissen Hochmut auch einen Mangel an Respekt gegenüber den anderen erkennen, besonders gegenüber jenen, die uns gegenüber benachteiligt sind. In diesem Abschnitt aus dem Brief an die Römer überrascht uns jedoch der Apostel Paulus damit, dass er uns gleich zweimal auffordert, uns zu rühmen. Wessen sollen wir uns also rühmen? Denn wenn er dazu auffordert, sich zu rühmen, dann ist es richtig, sich wegen etwas zu rühmen. Und wie ist es möglich, das zu tun, ohne die anderen zu beleidigen, ohne jemanden auszuschließen?

Im ersten Fall sind wir eingeladen, uns der Fülle der Gnade zu rühmen, von der wir in Jesus Christus durch den Glauben durchdrungen sind. Paulus will uns zu verstehen geben, dass wir, wenn wir lernen, alles im Licht des Heiligen Geistes zu betrachten, erkennen, dass alles Gnade ist! Alles ist Geschenk! Bei genauerer Betrachtung sind es nämlich nicht nur wir, die – in der Geschichte ebenso wie in unserem Leben – handeln, sondern es ist vor allem Gott. Er ist der absolute Protagonist, der alles als eine Liebesgabe schafft, der das Gewebe seines Heilsplans knüpft und ihn für uns zur Vollendung bringt, durch seinen Sohn Jesus. Von uns wird verlangt, all das anzuerkennen, es mit Dankbarkeit anzunehmen und es zum Grund von Lobpreis und großer Freude zu machen. Wenn wir das tun, sind wir im Frieden mit Gott und machen die Erfahrung der Freiheit. Und dieser Friede greift dann auf alle Bereiche und alle Beziehungen unseres Lebens über: Wir sind im Frieden mit uns selbst, wir sind im Frieden in der Familie, in unserer Gemeinschaft, am Arbeitsplatz und mit den Menschen, denen wir täglich auf unserem Weg begegnen.

Paulus fordert uns jedoch auf, uns auch unserer Bedrängnis zu rühmen. Das ist nicht leicht zu verstehen. Damit tun wir uns schwerer, und es kann den Anschein haben, dass es mit dem soeben beschriebenen Zustand des Friedens nichts zu tun hat. Aber es ist die reinste, die wahrste Voraussetzung dafür. Denn der Friede, den uns der Herr schenkt und gewährt, darf nicht als Abwesenheit von Sorgen, von Enttäuschungen, von Not, von Leid verstanden werden. Wenn es so wäre, dann würde, falls es uns gelänge, im Frieden zu sein, dieser Augenblick schnell enden und wir würden unvermeidlich der Niedergeschlagenheit anheimfallen. Der Friede, der dem Glauben entspringt, ist vielmehr ein Geschenk: Er ist die Gnade zu erfahren, dass Gott uns liebt und dass er immer bei uns ist und uns keinen Augenblick unseres Lebens allein lässt. Und das bewirkt, wie der Apostel sagt, Geduld, denn wir wissen, dass auch in den schwersten und erschütterndsten Augenblicken die Barmherzigkeit und die Güte des Herrn größer sind als alles andere und niemand uns seinen Händen und seiner Gemeinschaft entreißen wird.

Darum also ist die christliche Hoffnung festgefügt, darum lässt sie nicht zugrunde gehen. Nie lässt sie zugrunde gehen. Die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen! Sie gründet nicht auf dem, was wir tun oder sein können, und auch nicht auf dem, an das wir glauben können. Ihre Grundlage, also die Grundlage der christlichen Hoffnung, ist das Treueste und Sicherste, was es geben kann: die Liebe, die Gott selbst einem jeden von uns entgegenbringt. Das sagt sich leicht: Gott liebt uns. Wir alle sagen es. Aber denkt ein wenig nach: Ist jeder von uns in der Lage zu sagen: Ich bin sicher, dass Gott mich liebt? Das ist die Wurzel unserer Sicherheit, die Wurzel der Hoffnung. Und der Herr hat in unsere Herzen den Heiligen Geist – der die Liebe Gottes ist – in Überfülle ausgegossen, als Schöpfer, als Garant, damit er in uns den Glauben nähren und diese Hoffnung lebendig erhalten kann. Und diese Sicherheit: Gott liebt mich. »Aber dieser schlimme Augenblick?« – Gott liebt mich. »Und mich, der ich diese schlimme und böse Sache getan habe?« – Gott liebt mich. Diese Sicherheit nimmt uns keiner. Und wir müssen es wiederholen als Gebet: Gott liebt mich. Ich bin sicher, dass Gott mich liebt. Ich bin sicher, dass Gott mich liebt.

Jetzt verstehen wir, warum der Apostel Paulus uns auffordert, uns stets all dieser Dinge zu rühmen. Ich rühme mich der Liebe Gottes, weil er mich liebt. Die Hoffnung, die uns geschenkt ist, trennt uns nicht von den anderen, und sie bringt uns schon gar nicht dazu, sie zu diskreditieren oder auszugrenzen. Es handelt sich vielmehr um ein wunderbares Geschenk, zu dessen »Kanälen« wir uns machen sollen, mit Demut und Einfachheit, für alle. Und daher wird unser größter Ruhm darin bestehen, als Vater einen Gott zu haben, der niemanden vorzieht, der keinen ausschließt, sondern der sein Haus allen Menschen öffnet, begonnen bei den Letzten und bei den Fernstehenden, damit wir als seine Kinder lernen, einander zu trösten und zu stützen. Und vergesst nicht: Die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen.

(Orig. ital. in O.R. 16.2.2017)

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Quelle: Osservatore Romano 8/2017