DAS GÖTTLICHE KIND MACHT UNS ZU GOTTESKINDERN

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Anbetung Der Hirten / Wikimedia Commons – Giorgione (1477–1510), Public Domain

Impuls zum Weihnachten 2016, Lesejahr A | Gedanken des hl. Josefmaria zu Weihnachten — 25. Dezember 2016

Jesus Christus, Gott-Mensch. Dies ist eine der magnalia Dei (Apg 2,11), der Großtaten Gottes, die wir in Dankbarkeit vor dem Herrn betrachten müssen, der gekommen ist, Frieden auf Erden den Menschen guten Willens zu bringen (Lk 2,14) – allen Menschen, die ihren Willen dem Willen Gottes gleichförmig machen wollen: nicht nur den Reichen und nicht nur den Armen, allen Menschen, allen Brüdern. Denn wir alle sind Brüder in Jesus, Kinder Gottes, Brüder und Schwestern Christi: seine Mutter ist unsere Mutter.

Es gibt nur ein Volk auf Erden, das Volk der Kinder Gottes. Wir alle müssen dieselbe Sprache sprechen, jene, die uns unser Vater lehrt, der im Himmel ist: die Sprache des Zwiegesprächs Jesu mit seinem Vater, die Sprache, die man mit dem Herzen und dem Verstand spricht, die Sprache, die ihr jetzt in eurem Gebet benutzt. Es ist die Sprache kontemplativer Menschen, die ein spirituelles Leben führen, weil sie sich ihrer Gotteskindschaft bewußt geworden sind. Eine Sprache, die sich in Impulsen des Willens, in Erleuchtungen des Verstandes, in Regungen des Herzens und in Entscheidungen zum rechten Leben, zum Guten, zur Freude und zum Frieden kundtut.

Schauen wir auf das Kind in der Krippe, das wir lieben. Schauen wir auf Es, wohl wissend aber, dass wir vor einem Geheimnis stehen. Wir müssen dieses Geheimnis durch den Glauben annehmen und, ebenfalls durch den Glauben, seinen Sinn vertiefen. Dazu ist die demütige Haltung nötig, die einer christlichen Seele eigen ist: nicht das Bestreben, die Größe Gottes auf die ärmliche Ebene menschlichen Begreifens und Deutens zu beschränken, sondern die Einsicht, dass dieses Geheimnis in seiner Dunkelheit Licht ist, das das Leben der Menschen erhellt.

Wir sehen, sagt der heilige Johannes Chrysostomus, dass Jesus aus uns und unserer menschlichen Natur hervorgegangen ist, dass Er aus der Mutter und Jungfrau geboren wurde, ohne dass wir verstehen, wie dieses Wunder geschehen konnte. Versuche nicht, es zu verstehen, sondern nimm einfach an, was Gott dir geoffenbart hat und grüble nicht nach dem, was dir geheim gehalten worden ist (Johannes Chrysostomus, In Matthaeum homiliae, 4,3 [PG 57, 43]). In dieser Haltung werden wir begreifen und lieben lernen, und das Geheimnis wird für uns eine eindringliche Lehre sein, überzeugender als jedes menschliche Argument

Jedesmal, wenn ich vor der Krippe spreche, versuche ich, auf Christus, unseren Herrn zu schauen, wie Er in Windeln gewickelt auf Stroh liegt: obwohl noch ein Kind, das nicht sprechen kann, sehe ich in Ihm schon den Lehrer und Meister. Ich muss Ihn so betrachten, denn ich soll von Ihm lernen. Und dazu ist es nötig, sein Leben zu kennen, das Evangelium zu lesen, sich in das Geschehen des Neuen Testamentes hineinzuversetzen, um den göttlichen Sinn des Erdenwandels Jesu zu erfassen.

Das Leben Jesu muss sich in unserem eigenen Leben wiederholen, indem wir Christus kennenlernen: durch Lesen und immer wieder Lesen, durch Meditieren und immer wieder Meditieren der Heiligen Schrift, durch Beten und wieder Beten wie jetzt hier vor der Krippe. Versuchen wir, die Lehre zu begreifen, die Jesus uns bereits jetzt gibt: als Kind, als Neugeborener, dessen Augen sich eben erst für diese unsere Erde geöffnet haben.

Indem Jesus wie einer von uns aufwächst und lebt, offenbart Er uns, dass das menschliche Dasein, das gewöhnliche und alltägliche Tun einen göttlichen Sinn hat. Sooft wir diese Wahrheit auch betrachtet haben mögen, immer wieder sollte uns der Gedanke an die dreißig Jahre seines verborgenen Lebens in Staunen versetzen, jene dreißig Jahre, die den größten Teil seines Wandels unter uns Menschen, seinen Brüdern, ausmachen. Jahre im Schatten, für uns aber klar wie Sonnenlicht. Oder vielmehr: strahlende Jahre, die unsere Tage erhellen und ihnen ihren wirklichen Sinn geben; denn wir sind gewöhnliche Christen, die ein normales Leben führen wie Millionen Menschen überall auf der Welt.

Dreißig Jahre lang lebte Jesus so: als fabri filius (Mt 13,55), als der Sohn des Zimmermanns. Dann erst folgen die drei Jahre seines öffentlichen Lebens inmitten der lärmenden Menge. Die Leute fragen sich verwundert: Wer ist dieser, woher weiß Er das alles? Denn Er war ja einer von ihnen, führte das Leben der Menschen seines Landes. Er war der faber, filius Mariae (Mk 6,3), der Zimmermann, der Sohn Mariens. Und Er war Gott, im Begriff, das Menschengeschlecht zu erlösen und alles an sich zu ziehen (Joh 12,32).

(Josefmaria Escrivá: Weihnachtshomilie aus „Christus begegnen“, Auszug)

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Heiligung inmitten der Welt – Theologie und Spiritualität

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Harm Klueting rezensiert in „Die Tagespost“ das umfassende Werk von Ernst Burkhart und Javier Lopez über die Theologie und Spiritualität des Hl. Josefmaria Escrivá.

Im Jahr 1421 starb in der Haft in der Engelsburg in Rom der deutsche Dominikaner Matthäus Grabow, nachdem 1419 siebzehn Sätze aus seiner gegen die Brüder vom gemeinsamen Leben gerichteten Schrift als ketzerisch verdammt worden waren. Grabow hatte in dieser in Florenz öffentlich verbrannten Schrift Christentum und Mönchtum gleichgesetzt und in einem Leben nach den evangelischen Räten – Keuschheit, Armut und Gehorsam – den einzigen Weg der Nachfolge Christi gesehen. Er verneinte die Existenz anderer Wege und leugnete die Möglichkeit eines Lebens nach den evangelischen Räten außerhalb des Ordensstandes und somit auch in der Lebensform der Brüder vom gemeinsamen Leben, die keine Ordensregel befolgten und keine Gelübde ablegten. Den Gegenpol zu seiner radikal-monastischen Sicht nahm nach seinem Bruch mit dem Papst und mit der Kirche unter dem Papstprimat der ehemalige Augustinereremit Martin Luther ein, der ein Jahrhundert später in seiner 1521 entstandenen Schrift „De votis monasticis iudicium“ die auf den evangelischen Räten beruhenden Mönchsgelübde als dem Teufel gelobte gotteslästerliche, gottlose und abgöttische Sache bezeichnete, die nur dazu diene, sich selbst gerecht zu machen. Schon in seiner Schrift „An den christlichen Adel deutscher Nation“ von 1520 hatte Luther mit seiner Lehre vom Allgemeinen Priestertum den Unterschied von Klerus und Laien und das Weihepriestertum verworfen: „Alle Christen sind in Wahrheit geistlichen Standes und ist unter ihnen kein Unterschied denn des Amtes halben allein.“ Die Arbeit im weltlichen Beruf bezeichnete er als Gottesdienst im Sinne des Dienstes an der Gesellschaft: „Christus hat nicht zwei, noch zweierlei Art Körper, einer weltlich, der andere geistlich. Ein Schuster, ein Schmied, ein Bauer, ein jeglicher hat seines Handwerks Amt und Werk, und dennoch sind sie alle gleich geweihte Priester und Bischöfe, und ein jeglicher soll mit seinem Amt oder Werk den anderen nützlich und dienstlich sein. Man sagt zum Papst und den Seinen: Tu ora, Du sollst beten; zum Kaiser und den Seinen: Tu protege, Du sollst schützen; zu dem gemeinen Mann: Tu labora, Du sollst arbeiten. Das soll nicht heißen, dass nicht ein jeglicher beten, schützen, arbeiten sollte, denn das heißt alles beten, schützen, arbeiten, wenn sich jemand in seinem Werk übt.“

Was haben der radikale Monastizismus des Matthäus Grabow und der radikale Laizismus Martin Luthers mit dem 1902 geborenen, 1975 gestorbenen und 2002 heiliggesprochenen spanischen Priester Josefmaria Escrivá de Balaguer zu tun? Was den radikalen Monastizismus betrifft, scheint die Antwort klar, schreibt der Gründer des Opus Dei doch 1930, „dass Heiligkeit nicht eine Sache für Privilegierte ist“, oder, Jahrzehnte später, dass Menschen, die nach Heiligkeit streben, „normale Menschen sind, die einer normalen Arbeit nachgehen und in der Welt als das leben, was sie sind: als christliche Staatsbürger, die den Forderungen ihres Glaubens ganz entsprechen wollen“. In einer Äußerung über das Opus Dei heißt es, dass dieses „weder an Gelübden noch an Versprechen, noch an irgendeiner anderen Form von Weihe seiner Mitglieder Interesse hat, die über jene Weihe hinausginge, welche alle Christen bereits in der Taufe empfangen haben“. Aber Luther? Wenn der heilige Josefmaria die „Heiligung der Welt“ durch Menschen zum Programm erhebt, die „sich mit vollem Einsatz ihrer beruflichen Arbeit widmen und in den verschiedensten bürgerlichen und weltlichen Angelegenheiten verantwortlich ihren Mann stehen“, so könnte das auch von dem deutschen Reformator des 16. Jahrhunderts gesagt sein. Aber Escrivá verwirft, anders als Luther, den Ordensstand nicht; er kommt – wie die Autoren des hier vorzustellenden Werkes schreiben – „oft auf das Beispiel heiliger Ordensleute zu sprechen, um die Laien einzuladen, Christus in radikaler Konsequenz nachzufolgen und ohne Abstriche die gleiche vollkommene Hingabe zu leben, allerdings in und durch die weltlichen Tätigkeiten“. Dabei ist dieser Weg der Heiligung „in der Säkularität“ für Escrivá aber keine Verlängerung – Überbietung, Verdrängung oder Ersetzung – der Ordensspiritualität, sondern etwas Anderes und Eigenes: „Escrivá schätzt, ja verehrt das geweihte Leben, aber er lehrt die Heiligung in der Welt. In beiden Fällen handelt es sich um direkte Wege zur Heiligkeit – aber um verschiedene Wege.“ Escrivá verwirft auch nicht, wie Luther, das Papstamt, den Klerus, den hierarchischen Charakter der Kirche oder die Tradition, in der nach der Lehre des Konzils von Trient das eine Evangelium Jesu Christi ebenso gegenwärtig ist wie in der Heiligen Schrift. Das Leben der an Gelübde gebundenen Ordensleute ist für Escrivá „ein Geschenk Gottes und von unschätzbarem Wert für die Kirche – das ist die Antwort an den radikalen Laizismus –, aber es ist keineswegs das Paradigma christlicher Existenz“ – so die Antwort an den radikalen Monastizismus. Deshalb hat der heilige Josefmaria Escrivá durchaus etwas mit dem Reformator Martin Luther und mit dem Dominikaner Matthäus Grabow zu tun. Ernst Burkhart und Javier López, beide Priester der Prälatur Opus Dei und beide Professoren für Spirituelle Theologie an der Opus Dei-Universität „Santa Croce“ in Rom, haben in den Jahren 2010 bis 2013 ihr großes, dreibändiges Werk über die Theologie des heiligen Josefmaria Escrivá in spanischer Sprache unter dem Titel „Vida cotidiana y santidad e la ensenanza de San Josémaría“ veröffentlicht. Jetzt liegt der erste Band in einer von Wilhelm Mühlöcker besorgten deutschen Übersetzung vor, auf den auch der zweite und der dritte Band auf Deutsch folgen sollen. Band eins bringt nach dem mehr als 200 Seiten umfassenden Grundlagentext „Historischer und theologischer Rahmen der Lehre des heiligen Josefmaria“ den Teil I des Werkes mit dem Titel „Das Ziel des christlichen Lebens: Die Verherrlichung Gottes, das Reich Christi, die Kirche“ mit den Kapiteln „Gott verherrlichen: Beschauung inmitten der Welt“, „Auf dass Christus herrsche: Jesus Christus an der Spitze der menschlichen Tätigkeiten“ und „Die Kirche aufbauen: Heiligung und Apostolat“.

Besonders gelungen scheint dem von der Theologie- und Kirchengeschichte aus urteilenden Rezensenten die Einbindung der Theologie Escrivás in die geschichtliche Entwicklung der Rolle der Laien in der Kirche seit der Antike. Escrivá selbst sprach in einem Interview von 1966 von dem „Entfaltungsprozess der Theologie und des Lebens, der die Laien immer mehr zur vollen Übernahme ihrer ekklesialen Verantwortung und ihrer spezifischen Teilnahme an der Sendung Christi und seiner Kirche führt“. Es ist die Rede vom „Verblassen des Bewusstseins von der Berufung der Laien zur Heiligkeit in Mittelalter und Neuzeit“, aber auch von den verschiedenen Fassungen des Allgemeinen Priestertums, das ja keineswegs nur Luther beschäftigte. Auch die „Entfaltung der Laienspiritualität im 20. Jahrhundert“ mit einem interessanten Blick auf den französischen Philosophen Jacques Maritain bis zu der dogmatischen Konstitution „Lumen gentium“ des Zweiten Vatikanischen Konzils und dem Apostolischen Schreiben „Christifideles laici“ Papst Johannes Pauls II. von 1988 wird thematisiert. Es wird deutlich, dass Escrivá mit der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils vollkommen übereinstimmt und zugleich „ein spirituelles Lehrgebäude entfaltet, das über die Konzilsdokumente hinausführt“.

Das Werk ist trotz seines großen Umfangs hervorragend geeignet, jenseits der Polemik gegen das Opus Dei einen sehr guten und in dieser Form bisher fehlenden Einblick in die Theologie Escrivás zu geben. Das erscheint auch deshalb notwendig, weil Escrivá in der akademischen Theologie kaum rezipiert wird. Dazu die Autoren: „Wer die einschlägigen wissenschaftlichen Publikationen der letzten Jahrzehnte durchgeht, stellt fest, dass es zwar nicht wenige Studien über seine Person und über Aspekte seiner Lehre gibt, dass er aber in Werken der systematischen Theologie oder in Arbeiten, die an sich zentrale Punkte seiner Lehre betreffen, praktisch nicht erwähnt wird. Es muss aber auch erwähnt werden, dass sich die heutige akademische Theologie überhaupt kaum mit den Lehren von Heiligen befasst, die nicht auch wissenschaftliche theologische Werke hinterlassen haben“ – ein Schicksal, das Escrivá mit anderen, etwa mit Edith Stein, teilt. Eine Lösung dieses Problems sehen die beiden Autoren darin, „dass die Theologie ,kontemplativer‘ werden muss, was letztlich bedeuten würde, dass sie auch wieder ,theologischer‘ wird“.

Ernst Burkhart/Javier López: Alltag und Heiligkeit in der Lehre des heiligen Josefmaria. Studie zur spirituellen Theologie, Bd. 1., Adamas Verlag, Köln 2015, 631 Seiten, ISBN 978-3-937-626-27-7, EUR 36,–

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ZUR HEILIGSPRECHUNG VON JOSEMARÍA ESCRIVÁ DE BALAGUER (3)

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ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.

AN DIE PILGER, DIE ZUR HEILIGSPRECHUNG VON
JOSEMARÍA ESCRIVÁ DE BALAGUER
NACH ROM GEKOMMEN SIND

Montag, 7. Oktober 2002

Liebe Brüder und Schwestern! 

1. Mit Freude richte ich meinen herzlichen Gruß an euch, an diesem Tag nach der Heiligsprechung des sel. Josemaría Escrivá de Balaguer. Ich danke Seiner Exzellenz, Bischof Javier Echevarría, Prälat des Opus Dei, für die Worte im Namen aller, die hier versammelt sind. Herzlich begrüße ich auch die zahlreichen Kardinäle, Bischöfe und Priester, die an dieser Feier haben teilnehmen wollen.

Diese festliche Begegnung führt eine große Vielfalt von Gläubigen zusammen. Sie kommen aus vielen Ländern und gehören den verschiedensten Gesellschaftsbereichen und Kulturen an: Priester und Laien, Männer und Frauen, Junge und Alte, Intellektuelle und handwerkliche Arbeiter. Es ist dies ein Zeichen für den apostolischen Eifer, der in der Seele des hl. Josemaría brannte.

2. Beim Gründer des Opus Dei ragt die Liebe zum Willen Gottes hervor. Es gibt ein sicheres Anzeichen der Heiligkeit: die Treue in der Erfüllung des göttlichen Willens bis zu den letzten Konsequenzen. Mit uns allen hat Gott einen Plan, jedem vertraut er eine Sendung auf Erden an. Der Heilige kann sich selbst außerhalb des göttlichen Planes gar nicht vorstellen: Er lebt nur, um ihn zu erfüllen.

Der hl. Josemaría wurde von Gott dazu auserwählt, die allgemeine Berufung zur Heiligkeit zu verkünden und aufzuzeigen, daß das Alltagsleben, die gewöhnliche Beschäftigung, Weg der Heiligung ist. Man könnte sagen, daß er der Heilige des Alltäglichen war. In der Tat war er überzeugt, daß für den, der in einer Optik des Glaubens lebt, alles Gelegenheit zur Begegnung mit Gott ist und alles Anlaß zum Gebet wird. So gesehen offenbart das Alltagsleben eine ungeahnte Größe, und die Heiligkeit wird wirklich für alle erreichbar.

3. Escrivá de Balaguer war ein sehr menschlicher Heiliger. Für alle, die mit ihm in Beziehung standen, ungeachtet ihrer Kultur und sozialen Stellung, war er wie ein Vater, der ganz im Dienst an den anderen aufging, denn er war überzeugt, daß jede Seele ein wunderbarer Schatz ist; in der Tat ist jeder Mensch das ganze Blut Christi wert. Diese Haltung des Dienens zeigt sich unübersehbar in seiner Hingabe an den priesterlichen Dienst und in der Großherzigkeit, mit der er den Anstoß gab zu so vielen Werken der Evangelisierung und der menschlichen Förderung zu Gunsten der Ärmsten.

Der Herr ließ ihn zutiefst die Gabe unserer Gotteskindschaft begreifen. Er lehrte das gütige Antlitz eines Vaters in Gott betrachten, der durch die verschiedensten Wechselfälle des Lebens zu uns spricht. Ein Vater, der uns liebt, der uns Schritt für Schritt folgt und uns beschützt, uns versteht und von einem jeden von uns die Antwort der Liebe erwartet. Die Betrachtung dieser väterlichen Gegenwart, die ihn überall hin begleitet, gibt dem Christen ein unzerstörbares Vertrauen; in jedem Augenblick soll er auf den himmlischen Vater vertrauen. Nie fühlt er sich allein oder hat Angst. Wenn das Kreuz kommt, so sieht er darin nicht eine Strafe, sondern eine von demselben Herrn anvertraute Aufgabe. Der Christ ist notwendig zuversichtlich, denn er weiß, daß er Kind Gottes in Christus ist.

4. Der hl. Josemaría war tief davon überzeugt, daß das christliche Leben eine Sendung und ein Apostolat beinhaltet: Wir leben in der Welt, um sie mit Christus zu erlösen. Er liebte die Welt leidenschaftlich, mit einer »erlösenden Liebe« (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 604). Exakt aus diesem Grund hat seine Lehre so vielen gewöhnlichen Gläubigen geholfen, die erlösende Kraft des Glaubens zu entdecken, seine Fähigkeit, die Erde umzugestalten. Diese Botschaft wirkt sich vielfältig und fruchtbar auf die Evangelisierungsaufgabe der Kirche aus. Sie fördert die Verchristlichung der Welt »von innen her« und zeigt, daß es keinen Gegensatz geben kann zwischen dem göttlichen Gesetz und den Anforderungen des echten menschlichen Fortschritts. Dieser heiligmäßige Priester lehrte, daß Christus an die Spitze aller menschlichen Tätigkeiten gestellt werden muß (vgl. Joh 12, 32).

Seine Botschaft treibt den Christen an, dort tätig zu werden, wo die Zukunft der Gesellschaft gestaltet wird. Die aktive Präsenz der Laien in allen Berufen und an den vordersten Fronten der Entwicklung kann sich nur positiv auswirken auf die Stärkung jener Harmonie von Glaube und Kultur, die eine der dringendsten Notwendigkeiten unserer Zeit darstellt.

5. Der hl. Josemaría Escrivá hat sein Leben eingesetzt für den Dienst an der Kirche. In seinen Schriften finden die Priester, die auf verschiedensten Wegen gehenden Laien und die Ordensleute eine anregende Inspirationsquelle. Liebe Brüder und Schwestern, wenn ihr ihn mit offenem Geist und Herz in der Bereitschaft nachahmt, den Ortskirchen zu dienen, trägt ihr dazu bei, der »Spiritualität der Gemeinschaft« Kraft zu verleihen, die das Apostolische Schreiben Novo Millennio ineunte als eines der wichtigsten Ziele für unsere Zeit vorstellt (vgl. Nr. 42–45).

Es liegt mir am Herzen, mit einem Gedanken zum heutigen liturgischen Fest zu schließen, dem Fest Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz. Der hl. Josemaría Escrivá hat ein schönes Büchlein mit dem Titel Der Rosenkranz geschrieben, das aus der geistlichen Kindschaft schöpft, der Geisteshaltung derjenigen, die zu einer Ganzhingabe an den Willen Gottes gelangen wollen. Von ganzem Herzen vertraue ich euch, eure Familien und euer Apostolat dem mütterlichen Schutz Marias an und danke euch für euer Kommen.

6. Ich danke noch einmal allen Anwesenden, vor allem denen, die von weither gekommen sind. Ich lade euch ein, liebe Brüder und Schwestern, überall ein klares Glaubenszeugnis zu geben, entsprechend dem Beispiel und der Lehre eures heiligen Gründers. Ich begleite euch mit meinem Gebet und segne euch, eure Familien und eure Tätigkeiten von Herzen.

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ZUR HEILIGSPRECHUNG VON JOSEMARÍA ESCRIVÁ DE BALAGUER (2)

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HEILIGSPRECHUNG VON JOSEMARÍA ESCRIVÁ DE BALAGUER

PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.

Sonntag, 6. Oktober 2002

1. »Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes« (Röm 8, 14). Diese Worte des Apostels Paulus, die in unserer Versammlung soeben erklungen sind, helfen uns, die bedeutende Botschaft der heutigen Heiligsprechung von Josemaría Escrivá de Balaguer zu verstehen. Er ließ sich vom Heiligen Geist fügsam leiten in der Überzeugung, daß man nur so den Willen Gottes vollkommen erfüllen kann.

Diese grundlegende christliche Wahrheit war das ständig wiederkehrende Thema in seiner Predigt. In der Tat lud er seine geistlichen Söhne und Töchter unaufhörlich dazu ein, den Heiligen Geist anzurufen, damit das innere Leben, das heißt die lebendige Beziehung zu Gott, und das familiäre, berufliche und gesellschaftliche Leben, das sich aus vielen kleinen irdischen Wirklichkeiten zusammensetzt, nicht voneinander getrennt werden, sondern ein einziges »heiliges und gotterfülltes« Dasein bilden. Dem unsichtbaren Gott, schrieb er, begegnen wir »in ganz sichtbaren und materiellen Dingen« (Gespräche mit Msgr. Escrivá de Balaguer, Nr. 114).

Diese seine Lehre ist auch heute noch aktuell und dringend. Der Gläubige ist durch die Taufe, die ihn in Christus eingliedert, berufen, mit dem Herrn eine ununterbrochene und vitale Beziehung zu unterhalten. Er ist berufen, heilig zu sein und an der Erlösung der Menschheit mitzuarbeiten.

2. »Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und hüte« (Gen 2, 15). Wie wir in der ersten Lesung gehört haben, erinnert uns das Buch Genesis daran, daß der Schöpfer dem Menschen die Erde anvertraut hat, damit er sie »bebaue und hüte«. Zu diesem umfassenden göttlichen Projekt tragen die Gläubigen bei, wenn sie in den verschiedenen Bereichen der Welt tätig sind. Die Arbeit und alles andere Tun wird mit Hilfe der Gnade zu einem Mittel der täglichen Heiligung.

»Im Leben eines gläubigen Christen«, sagte Josemaría Escrivá gern, »ist Gott immer zugegenund zwar in jedem Augenblick, wenn er arbeitet oder sich erholt, wenn er betet oder schläft (Betrachtungen, 3. März 1954). Diese übernatürliche Sicht des Lebens öffnet weite und reiche Horizonte des Heils. Denn Gott kommt uns nahe auch in den scheinbar einförmigen Umständen normaler irdischer Vorgänge, und wir können an seinem Heilsplan mitwirken. So wird auch die Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils leichter verständlich, daß »durch die christliche Botschaft die Menschen nicht vom Aufbau der Welt abgehalten […], sondern vielmehr strenger zur Bewältigung dieser Aufgaben verpflichtet werden« (Gaudium et spes, 34).

3. Die Welt zu Gott erheben und sie von innen her verwandeln: Das ist das Ideal, das der heilige Gründer euch vorstellt, liebe Brüder und Schwestern, die ihr euch heute über seine Erhebung zur Ehre der Altäre freut. Er erinnert euch weiterhin daran, daß ihr euch nicht von einer materialistischen Kultur einschüchtern lassen dürft, die die innerste Identität der Jünger Christi aufzulösen droht. Er wiederholte gerne und kraftvoll, daß der christliche Glaube sich dem Konformismus und der inneren Trägheit widersetzt.

Folgt seinen Spuren und verbreitet in der Gesellschaft das Bewußtsein, daß wir alle zur Heiligkeit berufen sind, ohne dabei Unterschiede zu machen nach Hautfarbe, Gesellschaftsschicht, Kultur oder Alter. Bemüht euch selbst als erste darum, heilig zu sein, indem ihr einen evangelischen Stil der Demut und des Dienstes pflegt, des Vertrauens in die Vorsehung und des ständigen Hörens auf die Stimme des Geistes. Auf diese Weise werdet ihr das »Salz der Erde« (vgl. Mt 5, 13) sein, und es wird »euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen« (ebd., 5, 16).

4. Gewiß, wer der Sache des Evangeliums treu zu dienen sucht, dem fehlt es nicht an Unverständnis und Schwierigkeiten. Der Herr reinigt und formt mit der geheimnisvollen Kraft des Kreuzes diejenigen, die er in seine Nachfolge beruft; doch im Kreuz – so sagte es der neue Heilige immer wieder – finden wir Licht, Frieden und Freude: »Lux in Cruce, requies in Cruce, gaudium in Cruce

Seit dem 7. August 1931, als während der Feier der heiligen Messe in seiner Seele die Worte Jesu »Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen« (Joh 12, 32) ertönten, verstand Josemaría Escrivá klarer, daß die Aufgabe der Getauften darin besteht, das Kreuz Christi an die Spitze jeder menschlichen Realität zu erheben, und nahm in seinem Inneren den mitreißenden Ruf wahr, alle Bereiche der Gesellschaft zu evangelisieren. Er nahm darauf hin ohne zu zögern die von Jesus an den Apostel Petrus ergangene Einladung an, die vorhin über diesen Platz hallte: Duc in altum! Er gab sie an seine ganze geistliche Familie weiter, damit sie der Kirche einen gültigen Beitrag der Gemeinschaft und des apostolischen Dienstes darbringe. Diese Einladung richtet sich heute an uns alle. »Fahrt hinaus auf den See«, sagt uns der göttliche Meister, »dort werft eure Netze zum Fang aus!« (Lk 5, 4).

5. Um diese anspruchsvolle Aufgabe zu erfüllen, ist ein vom Gebet genährtes ständiges inneres Wachstum erforderlich. Der hl. Josemaría war ein Lehrer in der Praxis des Gebets, das er für die wirksamste »Waffe« hielt, um die Welt zu erlösen. Er empfahl stets: »Zuerst Gebet, dann Buße, an dritter Stelle, weit an ›dritter Stelle‹, das Tun« (Der Weg, Nr. 82). Es ist kein Paradoxon, sondern eine ewige Wahrheit: Die Fruchtbarkeit des Apostolats besteht vor allem im Gebet und in einem intensiven und stetigen sakramentalen Leben. Das ist im Grunde der Schlüssel der Heiligkeit und des wahren Erfolgs der Heiligen.

Liebe Brüder und Schwestern, der Herr helfe euch, dieses anspruchsvolle asketische und missionarische Erbe zu übernehmen. Maria, die der heilige Gründer als »Spes nostra, Sedes Sapientiae« und »Ancilla Domini« anrief, stehe euch bei.

Die Mutter Gottes mache jeden zu einem glaubwürdigen Zeugen des Evangeliums, der bereit ist, überall hochherzig zum Aufbau des Reiches Christi beizutragen. Das Vorbild und die Weisung des hl. Josemaría sollen uns anspornen, damit auch wir am Ende unserer irdischen Pilgerschaft am seligen Erbe des Himmels teilhaben können. Zusammen mit den Engeln und allen Heiligen werden wir dort das Angesicht Gottes schauen und seine Herrlichkeit in alle Ewigkeit lobpreisen!

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JOHANNES PAUL II.

ANGELUS

Sonntag, 6. Oktober 2002

1. Zum Abschluß dieses feierlichen Gottesdienstes möchte ich die Pilger, die aus allen Teilen der Welt hierhergekommen sind, ganz herzlich begrüßen. Einen besonderen Gruß richte ich an die Regierungsdelegationen, an die zahlreichen Persönlichkeiten und an die Pilger aus Italien, wo der neue Heilige in jedem Umfeld weitgehend für das Seelenheil und die Verbreitung des Evangeliums gewirkt hat. [Der Papst begrüßte anschließend die Anwesenden in verschiedenen Sprachen:]

2. Herzlich begrüße ich die französischsprachigen Delegationen und Pilger, die zur Kanonisierung von Josemaría Escrivá gekommen sind. Sie mögen in den Weisungen des neuen Heiligen die geistlichen Anstöße finden, die sie benötigen, um in ihrem täglichen Leben den Weg der Heiligkeit zu gehen! Ich segne euch alle von Herzen.

Ich lade die Mitglieder der verschiedenen Delegationen und euch alle, die ihr aus den Ländern englischer Sprache angereist seid, ein, die Weisung des neuen Heiligen zu beherzigen: daß Jesus Christus in jeder Hinsicht Inspiration und Ziel eures Alltagslebens sein soll. Ich empfehle euch und eure Familien seiner Fürsprache und rufe auf euer Engagement und Apostolat den reichen Segen des Himmels herab.

Herzlich begrüße ich die deutschsprachigen Pilger, die an den Feiern zur Heiligsprechung des Priesters Josemaría Escrivá de Balaguer teilnehmen. Sein Wort und Beispiel mögen euch ermutigen, auch selbst nach Heiligkeit zu streben. Vollbringt die kleinen Dinge des Alltags mit großer Liebe zu Gott! Der Herr schenke euch allen seine Gnade!

Ich begrüße alle offiziellen Delegationen wie auch die zahlreichen Teilnehmer an der Heiligsprechung von Josemaría Escrivá de Balaguer, die aus Spanien und Lateinamerika hierhergekommen sind. Folgt – wie Petrus – der Aufforderung des Herrn, »fahrt hinaus« und werdet dadurch zu Aposteln in eurem jeweiligen Lebensumfeld. Auf diesem Weg mögen euch die Jungfrau Maria und die Fürsprache des neuen Heiligen begleiten!

Zugleich begrüße ich die hier anwesenden Teilnehmer aus dem portugiesischen Sprachraum. Möge der hl. Josemaría als Vorbild für eure Bemühungen zur Heiligung eurer Arbeit und eurer Familien dienen. Gelobt sei unser Herr Jesus Christus.

Herzlich begrüße ich alle Mitglieder des »Opus Dei«, die Verehrer des hl. Josemaría und alle Pilger aus Polen. Seine Fürsprache erwirke euch reiche Gnaden, und das Charisma seines Lebens gebe euch den Anstoß zum geistlichen Fortschritt. Gott segne euch! [Der Papst sagte zum Schluß auf italienisch:]

3. Die Liebe zur Muttergottes ist ein bleibendes Merkmal im Leben des hl. Josemaría Escrivá und ein bedeutender Teil des Erbes, das er seinen geistlichen Söhnen und Töchtern hinterläßt. Bitten wir die demütige Magd des Herrn, damit sie – auf die Fürsprache ihres göttlichen Sohnes – uns allen die Gnade gewähre, ihr getreu auf dem anspruchsvollen Weg der Vollkommenheit entsprechend dem Evangelium zu folgen.

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ZUR HEILIGSPRECHUNG VON JOSEMARÍA ESCRIVÁ DE BALAGUER (1)

JOSEMARIA

Kurzbiographie des seligen Josefmaria Escrivá

Aus dem Apostolischen Schreiben zur Seligsprechung des ehrwürdigen Dieners Gottes Josefmaria Escrivá de Balaguer, Priester, Gründer des Opus Dei:

»Der Gründer des Opus Dei erinnerte daran, daß die universale Berufung zur Fülle der Gemeinschaft mit Christus zugleich dazu führt, in allem menschlichen Tun Gott begegnen zu können. (…) Als Meister des inneren Lebens erreichte er den Gipfel der Kontemplation durch beständiges Gebet und kontinuierliche Abtötung, durch beharrliche Arbeit und einzigartige Fügsamkeit gegenüber den Eingebungen des Heiligen Geistes und vermochte so der Kirche ›zu dienen, wie sie selbst möchte, daß man ihr dient‹.«

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Ein helles und frohes Zuhause

Josefmaria Escrivá de Balaguer kommt am 9. Januar 1902 im nordspanischen Barbastro zur Welt. Er ist das zweite von sechs Kindern der Eheleute José Escrivá und María Dolores Albás. Seine Eltern – fromme Katholiken – lassen ihn am 13. Januar taufen und sind darauf bedacht, ihn durch ihr eigenes Beispiel in ein Leben als Christ einzuführen: in die Wertschätzung der Beichte und der häufigen heiligen Kommunion, ein vertrauensvolles Beten, eine herzliche Verehrung zur Gottesmutter und den Geist tätiger Nächstenliebe gegenüber bedürftigen und notleidenden Menschen.

Josefmaria wächst als froher, aufgeweckter, ausgelassener und bescheidener Junge auf und erweist sich als guter Schüler, intelligent und mit einer wachen Beobachtungsgabe. Zu seiner Mutter hat er ein warmherziges Verhältnis, mit dem Vater verbindet ihn großes Vertrauen und aufrichtige Freundschaft. Früh bereits nimmt ihn der Herr in die Schule des Leidens, als zwischen 1910 und 1913 seine drei jüngeren Schwestern sterben und 1914 die Familie vor dem finanziellen Ruin steht. Ein Jahr später ziehen die Escrivás nach Logroño um, denn dort hat der Vater eine neue berufliche Arbeit gefunden, die seiner Familie ein bescheidenes Auskommen ermöglicht.

In die Wintermonate 1917/18 fällt ein Erlebnis, das sein künftiges Leben prägt: Logroño wird über Weihnachten von starken Schneefällen heimgesucht, da entdeckt Josefmaria eines Morgens überfrorene nackte Fußspuren im Schnee, die von einem unbeschuhten Karmelitermönch stammen. Das wirft in dem Jungen die Frage auf: »Wenn Menschen aus Liebe zu Gott und zum Nächsten zu solchen Opfern bereit sind, könnte ich da nicht auch dem Herrn etwas anbieten?« In seinem Herzen entsteht eine gottgewirkte Unruhe: »Ich begann zu ahnen, was LIEBE ist, und mir klar darüber zu werden, daß mein Herz nach etwas Großem verlangte, das Liebe wäre«, sagt er später. Ohne genau zu wissen, um was der Herr ihn bittet, entschließt er sich, Priester zu werden, denn, so denkt er sich, dann bin ich für das, was immer Gott auch mit mir vorhat, verfügbarer.

Die Priesterweihe

Nach dem Abitur nimmt er das Studium im Priesterseminar von Logroño auf, das er 1920 im Seminar von Saragossa fortsetzt und an der dortigen Päpstlichen Universität abschließt. Auf Anraten seines Vaters und mit Erlaubnis der zuständigen kirchlichen Behörde beginnt er ein Jurastudium in Saragossa. Seine hochherzige und frohe, schlichte und gelassene Art machen ihn unter seinen Mitstudenten sehr beliebt. Seine Frömmigkeit, sein Ordnungssinn und sein Studieneifer wirken ansteckend auf seine Kommilitonen, so daß ihn der Erzbischof von Saragossa 1922 mit zwanzig Jahren zum Superior des Priesterseminars ernennt.

Während dieser Zeit verbringt er viele Stunden im Gebet vor dem Allerheiligsten – seine Liebe zur Eucharistie schlägt tiefe Wurzeln –, und täglich sucht er das Gnadenbild der Muttergottes von Pilar auf mit der Bitte im Herzen, der Herr möge ihm seinen Willen eröffnen: »Seit jenen Vorahnungen von der Liebe Gottes«, sagte er später am 2. Oktober 1968, »suchte ich trotz meiner Winzigkeit das zu tun, was er von diesem armseligen Werkzeug erwartete. (…) Und in jener sehnsüchtigen Unruhe betete ich, betete und betete in beständigem Flehen. Ohne Unterlaß wiederholte ich die Worte: Domine, ut sit!, Domine, ut videam!, wie jenes arme Geschöpf im Evangelium, das zu Gott ruft, weil er alles vermag. Herr, daß ich sehe!, Herr, daß es geschehe! Und im festen Vertrauen auf meine himmlische Mutter wiederholte ich die Worte: Domina, ut sit!, Domina, ut videam! Maria hat mir stets geholfen, die Wünsche ihres Sohnes herauszufinden.«

Am 27. November 1924 stirbt unerwartet José Escrivá an plötzlichem Herzversagen. Am 28. März 1925 weiht Bischof Miguel de los Santos Díaz Gómara Josefmaria in der Seminarkirche San Carlos in Saragossa zum Priester; in der Gnadenkapelle der Basilika von Pilar feiert er zwei Tage darauf seine erste heilige Messe. Schon am nächsten Tag begibt er sich als Pfarrvikar nach Perdiguera, einer kleinen Landgemeinde.

Mit Einwilligung seines Erzbischofs zieht er im April 1927 nach Madrid, um dort in Jura zu promovieren, was damals nur an der Universidad Central in Madrid möglich war. Sein geistlicher Eifer bringt ihn sehr bald in Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen: Studenten, Künstlern, Arbeitern, Intellektuellen, Priestern … Seine besondere Sorge gilt den Kindern und Bedürftigen in den Madrider Slums, denen er täglich viele Stunden widmet.

Gleichzeitig hält er seine Mutter und Geschwister mit Unterricht in Jura finanziell über Wasser. Für die Familie Escrivá ist es eine entbehrungsreiche Zeit, die sie mit großer Würde und Zuversicht durchlebt. Josefmaria gegenüber spart der Herr angesichts der Großherzigkeit des jungen Priesters nicht mit außerordentlichen Gnadenerweisen, die seinem Dienst an der Kirche und den Seelen in reichem Maße zugute kommen.

Die Gründung des Opus Dei

Am 2. Oktober 1928 kommt das Opus Dei zur Welt. Josefmaria hat sich zu Tagen innerer Einkehr zurückgezogen. Während er Notizen von gottgegebenen inneren Anregungen aus den vergangenen Jahren im Gebet betrachtet, sieht er plötzlich – mit diesem Verb hat er stets den Impuls zur Gründung umschrieben – die Sendung, die Gott ihm anvertrauen will. Er soll innerhalb der Kirche einen neuen Weg der Berufung bahnen: das Bemühen um Heiligkeit und die apostolische Sorge um andere verbreiten durch die Heiligung der gewöhnlichen Arbeit inmitten der Welt, ohne den angestammten Platz zu verlassen. Wenig später, am 14. Februar 1930, eröffnet ihm der Herr, daß sich der Geist des Opus Dei gleicherweise auch an Frauen richtet.

Mit Leib und Seele widmet sich Josefmaria von nun an seinem Sendungsauftrag. Er verbreitet unter Männern und Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten das Ideal, sich ganz der Nachfolge Christi zu verschreiben, den Nächsten zu lieben und sich im täglichen Leben zu heiligen. Dabei sieht er sich nicht als ein Neuerer oder Reformer, denn er ist zutiefst davon überzeugt, daß Jesus Christus immer der ganz Neue ist und der Heilige Geist die Kirche fortwährend verjüngt, der zu dienen Gott das Opus Dei ins Leben gerufen hat. Im Wissen darum, daß es sich um ein durch und durch übernatürliches Unternehmen handelt, gründet der junge Priester seine Sendung auf Gebet und Buße, frohgemute Gotteskindschaft und unermüdliche apostolische Arbeit. Um ihn scharen sich Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft, besonders Studenten. Er entfacht in ihnen den ehrlichen Wunsch, sich um andere zu kümmern und sie aufzurütteln, »Christus in alle menschlichen Tätigkeiten hineinzutragen durch eine geheiligte Arbeit, die einen selbst wie auch die anderen heiligt«. Die apostolischen Initiativen der Mitglieder des Opus Dei sollen kraft göttlicher Gnade alles Geschaffene auf Gott ausrichten, so daß Christus alles in allem ist; »Jesus Christus kennenlernen, anderen helfen, ihn kennenzulernen, ihn überallhin tragen«. So versteht man seinen Ausruf: »Die Wege Gottes im Irdischen haben sich aufgetan!«

Die apostolische Ausbreitung

Wegen der Schlüsselrolle, die er Wissenschaft und Kultur für die Ausbreitung des Glaubens beimißt, ruft er im Jahre 1933 eine Akademie für Universitätsstudenten ins Leben. 1934 erscheint – zunächst unter dem Titel Geistliche Betrachtungen – die erste Ausgabe seines Buches Der Weg, das heute mit 4,5 Millionen Exemplaren in 44 Sprachen weltweit verbreitet ist.

Der Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs im Jahre 1936 verhindert die Ausbreitung des Opus Dei über Madrid hinaus. Trotz brutaler antikirchlicher Ausschreitungen verausgabt sich Josefmaria, gestützt auf Gebet und Buße, heroisch in der apostolischen Sorge um andere. Diese Leidensjahre der Kirche sind gleichwohl eine Zeit geistlichen und apostolischen Wachsens und einer vermehrten Hoffnung. Als der Bürgerkrieg 1939 endet, gibt der Gründer des Opus Dei der apostolischen Arbeit in ganz Spanien neue Impulse. Zahlreiche Universitätsstudenten kann er davon überzeugen, viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen für Christus zu gewinnen und die Größe ihrer christlichen Berufung zu entdecken.

Er gilt als heiligmäßiger Priester. Viele Bischöfe übertragen ihm Besinnungstage für ihren Klerus und für Laien katholischer Organisationen. Auch Ordensleute bitten ihn um Exerzitien, was er nie ausschlägt.

Während er 1941 in Lerida Besinnungstage für Priester hält, stirbt seine Mutter, die für die apostolische Arbeit des Werkes eine große Stütze war. Gegen den Gründer bricht in dieser Zeit eine Welle von Unverständnis und Widerspruch los. Der Bischof von Madrid, Leopoldo Eijo y Garay, gewährt ihm daraufhin seine aufrichtige Unterstützung und dem Werk die erste kirchenrechtliche Anerkennung. Gebet und gute Laune helfen Josefmaria über diese Widrigkeiten hinweg, wohl wissend, daß alle, »die in der Gemeinschaft mit Jesus Christus ein frommes Leben führen wollen, verfolgt werden« (2 Tim 3,12). Angesichts der Beleidigungen empfiehlt er seinen geistlichen Söhnen, zu verzeihen und zu vergessen: »schweigen, beten, arbeiten und lächeln« ist seine Devise.

1943 sieht Josefmaria während der Feier der heiligen Messe im Licht einer neuen Gründungsgnade die Priestergesellschaft vom Heiligen Kreuz innerhalb des Opus Dei, um diejenigen als Priester inkardinieren zu können, die aus den Reihen der Laien-Mitglieder die Weihe empfangen. Die volle Zugehörigkeit von Laien und Priestern zum Opus Dei und ihr Zusammenwirken in den apostolischen Tätigkeiten des Werkes sind ein Spezifikum des Gründungscharismas, das die Kirche, als sie dem Werk 1982 das juristische Kleid einer Personalprälatur zuerkennt, bestätigt. Am 25. Juni 1944 erhalten drei Ingenieure – unter ihnen auch Alvaro del Portillo, der spätere erste Nachfolger des Gründers – die Priesterweihe. In der Folge werden zu Lebzeiten des Gründers etwa tausend Mitglieder des Opus Dei zu Priestern geweiht.

Die Priestergesellschaft vom Heiligen Kreuz, die untrennbar zur Prälatur Opus Dei gehört, widmet sich – immer in Übereinstimmung mit dem Oberhirten der jeweiligen Diözese – außerdem der geistlichen Bildungsarbeit unter dem Diözesanklerus und den Priesteramtskandidaten. Ihr können sich auch Diözesanpriester anschließen, ungeachtet ihrer bleibenden Zugehörigkeit zum Klerus der jeweiligen Diözese.

Römisch und universal

Kaum daß der Bürgerkrieg beendet ist, geht Josefmaria daran, der apostolischen Arbeit in anderen Ländern den Weg zu bahnen, denn – so seine feste Überzeugung – »Jesus möchte, daß sein Werk von Beginn an zutiefst weltumspannend ist, katholisch«. 1946 verlegt er seinen Wohnsitz nach Rom, um die päpstliche Anerkennung des Werkes vorzubereiten. Am 24. Februar 1947 gewährt Papst Pius XII. das decretum laudis und am 16. Juni 1950 die endgültige Anerkennung. Ab jetzt können auch Nichtkatholiken und Nichtchristen Mitarbeiter im Werk werden, indem sie seine apostolischen Unternehmungen mit Arbeit, Spenden und Gebet unterstützen.

In Rom richtet das Opus Dei seinen Zentralsitz ein, damit deutlich wird, worum es dem Werk in seiner gesamten Tätigkeit geht, nämlich »der Kirche zu dienen, wie ihr gedient sein will«, eng vereint mit dem Stuhl Petri und dem Episkopat. Wiederholt drücken die Päpste Pius XII. und Johannes XXIII. dem Werk gegenüber ihre Liebe und Wertschätzung aus; Paul VI. bezeichnet 1964 das Opus Dei als »lebendiges Zeichen der immerwährenden Jugend der Kirche«.

Auch in diesem Lebensabschnitt des Gründers fehlt es nicht an harten Prüfungen: sein Gesundheitszustand ist stark beeinträchtigt, u.a. leidet er mehr als zehn Jahre lang an einem starken Diabetes, von dem er 1954 wie durch ein Wunder geheilt wird; hinzu kommen große finanzielle Engpässe sowie Schwierigkeiten, die die weltweite Ausbreitung des Werkes mit sich bringt. Er strahlt jedoch stets Freude aus, ist doch »die wahre Tugend nicht traurig oder unsympathisch, sondern liebenswürdig und froh«. Aus seiner beständig guten Laune spricht seine unbedingte Liebe zum göttlichen Willen.

»Die Welt ist klein, wenn die Liebe groß ist«: Um diese Welt mit dem Licht Christi zu erhellen, kommt er gern der Bitte zahlreicher Bischöfe nach, durch das Apostolat des Opus Dei der Welt das Licht des Evangeliums zu bringen. Es entstehen die unterschiedlichsten Initiativen wie berufsbildende Schulen, Landwirtschaftsschulen, Universitäten, Studentenheime, Krankenhäuser, medizinische Versorgungsstationen usw. Diese Tätigkeiten, die er gern »ein Meer ohne Ufer« nannte, verdanken sich dem Initiativgeist gewöhnlicher Christen, die für konkrete Nöte vor Ort mit laikaler Mentalität und beruflicher Kompetenz nach Lösungswegen suchen. Rasse, Religion oder soziale Herkunft spielen dabei keine Rolle. Die durch und durch christliche Prägung geht Hand in Hand mit einem tiefen Respekt gegenüber der Freiheit der Gewissen.

Als Papst Johannes XXIII. ein Ökumenisches Konzil ankündigt, betet der Gründer und bittet andere um ihr Gebet für »einen glücklichen Ausgang einer so bedeutenden Initiative wie das Zweite Vatikanum«, wie es in einem Brief 1962 heißt. In seinem Verlauf bestätigt das feierliche Lehramt der Kirche so grundlegende Züge im Geist des Werkes wie den universalen Ruf zur Heiligkeit, die berufliche Arbeit als Angelpunkt der Heiligkeit und des Apostolates, den Wert wie auch die legitimen Grenzen christlicher Freiheit in zeitbedingten Fragen, die Heilige Messe als »Mitte und Wurzel« des inneren Lebens … Der Gründer trifft sich mit zahlreichen Konzilsvätern und Beratern, die in ihm einen authentischen Vorläufer bedeutender Konzilsaussagen sehen. Zutiefst verbunden mit den Lehren des Konzils, sorgt er dafür, daß diese weltweit in den Bildungsinitiaven des Werkes umgesetzt werden.

Heilig inmitten der Welt

»Fern am Horizont verbinden sich Himmel und Erde; doch vergiß nicht, in deinem Herzen als Sohn Gottes ist es, wo sie sich in Wahrheit vereinen.« Unermüdlich weist Josefmaria Escrivá darauf hin, daß das innere Leben Vorrang haben muß vor jeglicher organisatorischen Tätigkeit. »Die Weltkrisen sind Heiligenkrisen«, schreibt er im Weg; Heiligkeit verlangt eine enge Verzahnung von Gebet, Arbeit und apostolischem Tun in einer »Einheit des Lebens«, für die sein eigener Lebenswandel der beste Beweis ist. Um sich in der täglichen Arbeit heiligen zu können, ist es unerläßlich, ein Mensch des Gebetes und eines tiefen inneren Lebens zu sein. Dann »wird aus allem Gebet, alles bringt uns Gott näher, nährt den beständigen Umgang mit Ihm vom Morgen bis zum Abend. Jegliche Arbeit kann zu Gebet werden, und jede Arbeit, die Gebet ist, ist auch Apostolat.«

Sein glühendes inneres Leben, das ihn kontemplativ sein läßt inmitten der Welt, ist der Grund für die ungewöhnliche Fruchtbarkeit seiner Sendung. Es speist sich aus Gebet und Sakramenten, aus einer leidenschaftlichen Liebe zur Eucharistie, aus der Begegnung mit dem Herrn in der heiligen Messe, die zum Herzstück seines Lebens wird, aus einer zärtlichen Liebe zur Gottesmutter, zum heiligen Josef und zu den Schutzengeln; aus seiner Treue zur Kirche und zum Papst.

Die endgültige Begegnung mit dem dreifaltigen Gott

Während seiner letzten Lebensjahre unternimmt der Gründer des Opus Dei wiederholt katechetische Reisen durch Europa und nach Südamerika. Bei zahlreichen Treffen in schlichter und familiärer Atmosphäre vor oft mehreren tausend Zuhörern spricht er über Gott, die Sakramente, christliche Frömmigkeit, Heiligung der Arbeit, die Liebe zur Kirche und zum Papst. Am 28. März 1975 feiert er sein goldenes Priesterjubiläum. »Nach 50 Jahren bin ich immer noch wie ein stammelndes Kind: ich beginne und beginne immer wieder aufs neue in meinem täglichen inneren Kampf. Und so bis ans Ende meiner Tage: stets aufs neue beginnend.«

Am 26. Juni 1975 um die Mittagszeit stirbt der Gründer in seinem Arbeitszimmer an Herzversagen. Sein letzter Blick gilt einem Bild der Gottesmutter. Zu diesem Zeitpunkt ist das Werk mit 60.000 Mitgliedern aus 80 Ländern weltweit tätig. Die geistlichen Schriften des Gründers (Der Weg, Der Rosenkranz, Gespräche mit Msgr. Escrivá de Balaguer, Christus begegnen, Freunde Gottes, Der Kreuzweg, Die Spur des Sämanns, Im Feuer der Schmiede) sind in Millionen Exemplaren verbreitet.

Nach seinem Tod bitten viele Menschen den Papst um die Eröffnung des Seligsprechungsprozesses. Am 17. Mai 1992 erhebt Papst Johannes Paul II. Josefmaria Escrivá vor Hunderttausenden auf dem Petersplatz zur Ehre der Altäre. Am 21. September 2001 anerkennt die zuständige ordentliche Kardinals- und Bischofsversammlung der Kongregation für die Heiligsprechungen einmütig den Wunder-Charakter einer Heilung auf die Fürsprache des Seligen. Das entsprechende Dekret wird in Gegenwart des Heiligen Vaters am 20. Dezember verlesen. Am 26. Februar 2002 wird in Anwesenheit des Papstes in einem ordentlichen öffentlichen Konsistorium nach Anhörung der anwesenden Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe der Tag der Heiligsprechung des Seligen auf den 6. Oktober 2002 festgesetzt.

Aussagen der Päpste über den seligen Josemaría und das Opus Dei

Saint Josémaría

JOSEMARÍA ESCRIVÁ DE BALAGUER

Johannes Paul II.

“Ein klarer Ausdruck der göttlichen Vorsehung ist die jahrhundertelange ununterbrochene von Männern und Frauen, die treu zu Christus mit ihrem Leben und ihrer Botschaft die verschiedenen Epochen der Geschichte erleuchten. Unter diesen grossen Persönlichkeiten nimmt der selige Josemaría Escrivá einen besonderen Platz ein, denn, wie ich schon am Tag seiner Seligsprechung betont habe, erinnerte er die heutige Welt an die universale Berufung zur Heiligkeit und an den christlichen Wert, den die berufliche Arbeit in den normalen Umständen jedes Einzelnen erlangen kann”. (Audienz mit den Teilnehmern des Kongresses über die Lehre des seligen Josemaría, 14.10.1993).

“Mit übernatürlichem Weitblick verkündete der selige Josemaría unermüdlich die universale Berufung zur Heiligkeit und zum Apostolat. Christus ruft alle auf, sich in der Wirklichkeit des täglichen Lebens zu heiligen; für ihn ist auch die Arbeit ein Mittel der Selbstheiligung und des Apostolates, wenn man in Vereinigung mit Christus lebt; denn als der Sohn Gottes Mensch wurde, hat er sich irgendwie mit der ganzen Wirklichkeit des Menschen und der ganzen Schöpfung vereint (vgl. Dominum et vivificantem, 50). In einer Gesellschaft, in der das unkontrollierte Streben nach materiellem Besitz vorherrscht, die Dinge in Idole und in eine Ursache der Gottesferne verwandelt, hat der neue Selige uns daran erinnert, dass genau diese Wirklichkeiten, Geschöpfe Gottes und des menschlichen Genies, zur Ehre Gottes gereichen und Anlass der Begegnung mit Christus sein können, wenn sie in rechter Weise zur Ehre des Schöpfers und zum Dienst an den Brüdern gebraucht werden”. (Seligsprechungszeremonie von Josemaría Escrivá, 17.5.1992).

Johannes Paul I.

“Escrivá de Balaguer sagte oft gemäss dem Evangelium: ‘Christus verlangt nicht nur etwas Güte, sondern viel Güte. Aber er will nicht, dass wir sie mittels ausserordentlichen Handlungen erreichen, sondern durch gewöhnliche Handlungen, wenn auch die Art und Weise wie diese Handlungen ausgeführt werden, aussergewöhnlich sein muss’. Dort, ‘nel bel mezzo della strada’ – im Büro, in der Fabrik – heiligen wir uns jedes Mal, wenn wir unsere Pflicht mit Kompetenz, aus Liebe zu Gott und mit frohem Herzen erfüllen. So verwandelt sich die tägliche Arbeit nicht in eine ‘tägliche Tragödie’ sondern in ein ‘tägliches Lächeln’”.(Artikel in Il Gazzettino, Venedig, 25.7.1978)

Paul VI.

“In seinen Worten haben wir die Begeisterung der brennenden und grosszügigen Spiritualität der gesamten Institution entdeckt, die in unserer Zeit als lebendiges Zeichen der ewigen Jugend der Kirche geboren wurde (…). Wir betrachten mit väterlicher Zufriedenheit wieviel das Opus Dei für das Reich Gottes geleistet hat und weiter leistet; der Wunsch, das Gute zu tun leitet es an; die entfachte Liebe zur Kirche und zu ihrem sichtbaren Haupt unterscheidet es; der brennende Eifer für die Seelen drängt es auf die mühsamen und schwierigen Wege des Apostolates der Präsenz und des Zeugnisses in allen Sektoren unserer Zeit”. (Handschriftlicher Brief an Msgr. Josemaría Escrivá de Balaguer, 1.10.1964).

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Quelle


Chronologie des Heiligsprechungsprozesses

1975-1980:
Seit dem Tod von Msgr. Escrivá de Balaguer am 26. Juni 1975 erhält die Postulatur der Heiligsprechung eine Vielzahl von Zeugnissen, in denen Menschen aus verschiedenen Ländern Erinnerungen aus ihrer Begegnung mit Josemaría Escrivá beschreiben. Es treffen auch nach und nach tausende von Schilderungen ein über Gunsterweisung auf seine Fürbitte hin. Dies veranschaulicht die weitverbreitete persönliche Andacht zu Josemaría Escrivá.

1980:
In Übereinstimmung mit dem von der Kongregation für die Heiligsprechung aufgestellten Zeitraum ersucht die Postulatur anlässlich des fünften Todestages Msgr. Escrivás um Aufnahme des Selig- und Heiligsprechungsprozesses. Der Antrag wird beim Vikariat von Rom gestellt, da Msgr. Escrivá in dieser Stadt gestorben ist.

1981:
Am 30. Januar gibt die Kongregation für die Heiligsprechung nach sorgfältigem Studium der vom röm. Vikariat präsentierten Unterlagen das Nihil obstat für die Promulgation des Dekretes zur Aufnahme der Heiligsprechung durch den Kardinalvikar. Am 5. Februar bestätigt der Papst den Beschluss der Kongregation, und am 19. Februar veröffentlicht Kardinal Poletti, Vikar von Rom, das entsprechende Dekret.

Am 14. März genehmigt die Kongregation die Errichtung eines weiteren Tribunals (neben dem bereits vorhandenen Tribunal des röm. Vikariates) durch den Erzbischof von Madrid, um die Zeugnisse von spanischen Bürgern oder andere in spanisch verfassten Aussagen anzunehmen.

Am 12. Mai findet in Rom die Eröffnung des Prozesses über Leben und Tugenden des Dieners Gottes statt.

Am 18. Mai wird in Madrid unter Vorsitz von Kardinal Enrique y Tarancón der Prozess eröffnet und von dem dort eingerichteten Tribunal weitergeführt.

1982:
Am 21. Januar präsidiert Kardinal Enrique y Tarancón die Konstitution eines weiteren Tribunales, das einen Prozess zur Untersuchung einer wundersamen Heilung, die der Fürsprache des Dieners Gottes zugeschrieben wird, aufnimmt. Der Vorfall ereignete sich 1976 an einer Ordensfrau, die an Krebs im Endstadium litt und plötzlich geheilt war. Am 3. April wird dieser Prozess unter Vorsitz des Madrider Erzbischofs abgeschlossen und die Originalabschrift der Akte an die Kongregation für die Heiligsprechung gesandt.

1984
Am 26. Juni präsidiert der neue Erzbischof von Madrid, Msgr. Angel Suquía, die letzte Sitzung des Madrider Prozesses über Leben und Tugenden des Dieners Gottes. Eine vollständige Originalabschrift der Akte wird der Kongregation für die Heiligsprechung übergeben.

Am 20. November erklärt die Kongregation für die Heiligsprechung in ihrem Ordentlichen Kongress die Gültigkeit des Wunderprozesses.

1986
Am 8. November schliesst unter Vorsitz des Kardinalvikars von Rom der römische Prozess über Leben und Tugenden des Dieners Gottes. Die Postulatur beginnt mit der Ausarbeitung der Positio, der gesamten Unterlagen, die der Kongregation für die Heiligsprechung zur Untersuchung vorgelegt werden müssen. In der Positio werden die in beiden Prozessen – von Rom und Madrid – erhaltenen Ergebnisse gesammelt, einer kritischen Untersuchung über den heroischen Tugendgrad des Dieners Gottes unterzogen, und weitere Dokumente zur Vervollständigung beigefügt. Die Postulatur übernimmt diese Arbeit unter der Leitung von P. Ambrogio Eszer, O.P., Relator der Kongregation für die Heiligsprechung.

1987
Am 3. April erklärt der Ordentliche Kongress der Kongregation für die Heiligsprechung in einem Dekret die Gültigkeit der beiden Prozesse (Rom und Madrid) über den heroischen Tugendgrad des Dieners Gottes; deren Rechtmässigkeit wird somit bestätigt.

1988
Im Juni wird die Ausarbeitung der Positio über Leben und Tugenden des Dieners Gottes abgeschlossen. Das Dokument, das 4 Bände mit insgesamt 6.000 Seiten umfasst, wird der Kongregation für die Heiligsprechung zur endgültigen Untersuchung übergeben.

1989
Am 19. September erhält die Positio das affirmative Votum des Kongresses der Kongregationsberater.

1990
Am 20. März erfolgt das ebenfalls affirmative Votum der Ordentlichen Kongregation der Kardinäle und Bischöfe über die Positio. Am 9. April veranlasst der Papst die Veröffentlichung des Dekretes über die heroischen Tugenden des Dieners Gottes. Nach der Promulgation dieses Dekretes kann die Postulatur nun der Kongregation die Positio des Madrider Prozesses über die angeblich wundersame Heilung vorlegen.

Am 30. Juni kommt der Medizinische Rat der Kongregation in seinem technischen Gutachten zu dem Ergebnis, dass diese Heilung nicht mit natürlichen Ursachen erklärbar ist. Am 14. Juli spricht sich der Kongress der Theologischen Berater nach Prüfung des Falles für den wunderhaften Charakter der Heilung und deren Erfolgen auf die Fürsprache des Dieners Gottes aus.

1991
Am 18. Juni überprüft die Ordentliche Kongregation der Kardinäle und Bischöfe die Unterlagen über das angebliche Wunder und gibt sein affirmatives Votum. Am 6. Juli verfügt der Papst die Erweiterung des Dekretes, in dem diese Heilung als Wunder erklärt wird. Nachdem auf diese Weise alle vom Gesetz über die Heiligsprechung geforderten Requisiten erfüllt sind, geht der Papst zur Seligsprechung über.

1992
Am 17. Mai wird Josemaría Escrivá de Balaguer von Johannes Paul II. in Rom selig gesprochen.

1993
Die Postulatur für die Heiligsprechung erfährt durch einen Brief vom 15. März 1993 von der Heilung des Arztes Dr. Manuel Nevado Rey. Mit Hilfe der Zusammenarbeit des Betreffenden werden Unterlagen gesammelt und eine umfassende Untersuchung über die Krankheit Dr. Nevados durchgeführt. Nachdem der aussergewöhnliche Charakter der Heilung feststeht, übergibt die Postulatur am 30. Dezember dem Bischof von Badajoz (Diözese in Südspanien) die gesammelten Unterlagen mit der Bitte um entsprechende Aufnahme des Prozesses über das Wunder.

1994
Die diözesane Untersuchung erfolgt in der bischöflichen Kurie von Badajoz von 12. Mai bis 4. Juli. Dann werden die Prozessakte nach Rom überstellt und von der Kongregation für die Heiligsprechung einem formalen Studium unterzogen.

1996
Die Kongregation erklärt am 26. April 1996, dass der Prozess unter voller Einhaltung der Normen und der bestehenden juridischen Praxis durchgeführt wurde (Dekret der Gültigkeit).

1997
Mit Datum vom 10. Juli 1997 bestätigt der Medizinische Rat der Kongregation für die Heiligsprechung einstimmig, dass die Heilung Dr. Nevados von einer “Krebserkrankung durch schwere chronische Radiodermitis in unheilbarem 3. Stadium” “sehr rasch, vollständig und dauerhaft; aus wissenschaftlicher Sicht unerklärlich” erfolgt ist.

1998
Am 9. Januar 1998 geben die Theologischen Berater der Kongregation zum übernatürlichen Charakter dieser Heilung und zur ursächlichen Beziehung zwischen der Anrufung des seligen Josemaría Escrivá de Balaguer und dem Verschwinden der Krankheit einstimmig ihre positive Stimme ab.

2001
Am 21. September bestätigt die Ordentliche Kongregation der Kardinäle zusammen mit Bischöfen der Heiligsprechungskongregation einstimmig den wundersamen Charakter der Heilung von Dr. Nevado auf die Fürsprache des seligen Josemaría Escrivá. Die Verlesung des Dekretes über das Wunder erfolgt in Anwesenheit des Papstes am 20. Dezember.

2002
Am 26. Februar präsidiert der Papst ein Öffentliches Ordentliches Kardinalskonsistorium zur Approbation von Heiligsprechungen verschiedener Seliger. Unter ihnen erscheint Josemaría Escrivá, dessen Heiligsprechung für 6. Oktober 2002 festgesetzt wird.

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Quelle

Bischof Javier Echevarria: Das 1. Werk der leiblichen Barmherzigkeit

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Das erste Werk der leiblichen Barmherzigkeit, zu dem uns die Kirche einlädt, ist der Besuch bei den Kranken und die Sorge um sie.

Während seines Erdenlebens hat sich Jesus Christus dieser Aufgabe beständig gewidmet, wie es uns viele Szenen des Evangeliums zeigen. So sehen wir ihn unter anderem, wie er die Schwiegermutter des Petrus gesund macht, der Tochter des Jairus die Gesundheit wiedergibt, den Gelähmten am Betesdateich heilt oder sich den Gelähmten zuwendet, die ihn vor den Toren Jerusalems erwarteten. Der Schmerz dieser Menschen zeigt uns, dass Gott auf sie zugeht und ihnen die Erlösung verkündet, die allen Menschen zu bringen er auf die Erde gekommen ist.

In den Kranken sah der Herr die Menschheit, insofern sie in besonderer Weise der Heilung und Erlösung bedarf. Wenn wir gesund sind, kann uns die Versuchung überkommen, Gott zu vergessen, aber wenn uns das Leben Schmerzen oder Leid beschert, dann kommt uns vielleicht der Schrei des Gelähmten vor Jericho in den Sinn: „Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Wenn wir schwach sind, merken wir, dass wir wirklich bedürftige Geschöpfe sind.

Halten also auch wir vor den Schwächen der anderen inne, wie wir es Christus tun sehen. Der Heilige Geist, die unendliche Liebe, wird andere Menschen trösten, indem wir ihnen Gesellschaft leisten, sie aufmuntern oder – je nachdem was der oder die Kranke braucht, indem wir im Schweigen unseren Respekt und unsere Hilfsbereitschaft zum Ausdruck bringen. Wir alle haben jeden Tag viel zu tun und die Menge der uns erwartenden Aufgaben nimmt beständig zu, aber wir dürfen nicht zulassen, dass ein voller Terminkalender uns dazu führt, die Kranken zu vergessen.

Es gibt viele Heilige, die uns ein Beispiel der Nachahmung Christi gegeben haben, auch im Hinblick auf dieses Werk der Barmherzigkeit. So erklärte der hl. Josefmaria häufig, dass das Opus Dei – als könnte es nicht anders gewesen sein – in den Krankenhäusern unter den Kranken geboren wurde. Seit er 1926 oder 1927 nach Madrid gezogen war, arbeitete er unentwegt in mehreren Sozialeinrichtungen mit – im Krankenstift, in der Bruderschaft des hl. Philipp Neri usw. –, von wo aus Krankenhauspatienten und Menschen in den Randgebieten der Hauptstadt betreut wurden. Madrid zählte damals mehr als eine Million Einwohner; die Vororte waren weit voneinander entfernt, es gab nur wenige öffentliche Verkehrsmittel, aber um die Kranken in ihren Häusern und Hütten zu besuchen ging er überall hin – immer zu Fuß –, wo er gebraucht wurde und brachte ihnen die Stärke Christi und die Vergebung Gottes des Vaters. Wie viele Menschen sind wohl dank dieser priesterlichen Arbeit des hl. Josefmaria in den Himmel gekommen!

In diese Krankenhäuser oder an andere Orte ging er, vor allem ab 1933, in Begleitung einiger Jugendlicher, denen er geistliche Hilfe zukommen ließ. Mit ihnen zusammen sprach er liebevoll mit den Kranken, oder sie leisteten ihnen notwendige Dienste wie etwa, sie zu waschen, ihnen die Nägel zu schneiden, sie zu kämmen oder ihnen ein gutes Buch zu besorgen. Viele dieser jungen Männer entdeckten im Kontakt mit dem Schmerz und der Armut anderer Menschen auf neue, intensive Weise Jesus im Kranken und im Bedürftigen.

Meine Töchter und Söhne, Freunde und Freundinnen, die ihr an den apostolischen Initiativen der Prälatur teilnehmt: Diese Sorge um die Armen und Kranken darf nicht ein Kennzeichen der Anfänge bleiben. Das Opus Dei wird jeden Tag in dir und in mir geboren und wächst, wenn wir Erbarmen mit den Verlassenen haben, wenn wir Christus in den Seelen der Menschen unserer Umgebung sehen, besonders jener, die von einem Leid heimgesucht werden.

Lassen wir sie nach dem Beispiel Christi durch unseren Einsatz, unsere Gegenwart, unsere Hilfe, ja sogar durch einen einfachen Telefonanruf, Gottes Barmherzigkeit spüren. Wir können sie von den Schmerzen oder der Einsamkeit ablenken, ihnen geduldig zuhören, wenn sie von den sie bedrückenden Sorgen und Nöten erzählen, ihnen Liebe und Stärke vermitteln, damit sie ihre schwere Lage mit Würde tragen; und sie daran erinnern, dass die Krankheit eine Gelegenheit ist, sich mit dem Kreuz Christi zu verbinden.

Im Weg, dem in aller Welt bekannten Büchlein, schrieb der hl. Josefmaria: „Kind. – Kranker. – Seid ihr nicht versucht, diese Worte ganz in großen Buchstaben zu schreiben? Für einen in Ihn verliebten Menschen sind die Kinder und die Kranken wirklich Er.“ Schon seit seiner Jugend – ich beziehe mich auf den hl. Josefmaria – sah er Christus in den Leidenden, denn Jesus heilte die Kranken nicht nur, sondern er teilte ihr Schicksal. Der Sohn Gottes litt schreckliche Schmerzen. Denken wir nur an seine körperliche und geistliche Erschöpfung im Ölgarten, an die unbeschreiblichen Qualen jedes Hiebes bei der Geißelung, an die unerträglichen Kopfschmerzen und die körperliche Schwäche, die ihn im Laufe der Stunden seiner Passion überkamen…

Auf denen, die krank sind und unter Schmerzen leiden, kann ihre Situation wie eine dunkle und sinnlose Last liegen. Das Leben kann düster und ohne erkennbaren Sinn werden. Wenn Gott also erlaubt, dass wir leiden, dann nehmen wir den Schmerz an. Und wenn wir zum Arzt gehen müssen, dann befolgen wir fügsam, was er uns rät. Seien wir gute Patienten. Bemühen wir uns, mit Gottes Hilfe unsere Lage anzunehmen und wünschen wir unsere Gesundung, um uns großzügig für Gott und unsere Mitmenschen einzusetzen. Aber wenn dies nicht sein Wille ist, dann sollten wir mit Maria sagen: Fiat! So soll es sein! Dein Wille geschehe…

Auf diese Weise werden wir uns im Gebet an Gott wenden und ihm sagen: Ich weiß nicht, was du willst, aber ich verlange auch nicht, dass du es mir erklärst. Wenn du die Krankheit zulässt, dann hilf mir, diese Zeitspanne zu ertragen. Sie soll mich mehr mit dir vereinen, sie soll mich mehr mit denen, die bei mir sind, verbinden, sie soll mich mehr mit allen Menschen eins werden lassen. Und mit Worten des hl. Josefmaria vertrauen wir uns dem Heiligen Geist an: „Geist des Verstandes und des Rates, Geist der Freude und des Friedens: Ich will, was du willst, ich will, weil du willst, ich will, wie du willst, ich will, wann du willst.“

Wie gut tut es der Seele eines jeden, Träger der Barmherzigkeit zu sein! Bitten wir Gott durch seine heilige Mutter, er möge uns stark machen, um die Liebe Gottes denen weiterzugeben, die nicht gesund sind, und nehmen wir in innerem Frieden seine Barmherzigkeit an, wenn sein Wille darin besteht, dass wir uns durch das Kreuz mit ihm vereinen.

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Quelle