Gebete und Lieder zur hl. Mutter Anna

Rom, Piazza del Gesù, Il Gesù, hl. Anna unterrichtet Maria

Auszug aus dem „Marienstatter Pilgerbuch“

60  Die hl. Anna in Marienstatt

Die Marienstatter Annenskulptur ist um 1480 entstanden und stand früher in der barocken Annakapelle. Sie zeigt die Mutter Anna, die ihre Tochter Maria das Lesen lehrt: Anna docens – Maria legen. Das aufgeschlagene Buch auf dem Schoß der Mutter Anna ist die Heilige Schrift und steht damit für Jesus Christus, das Mensch gewordene Wort Gottes, den Logos, auf den die Schrift hinweist. Deshalb gehört auch diese Skulptur in ganz eigener Weise zu den „Anna-Selbdritt“-Darstellungen, die Anna „zu dritt“ darstellen – eben mit Maria und Jesus.

Diese so gestaltete Figurengruppe passt nicht nur gut zu einem klösterlichen Ort wie Marienstatt, sondern in die verschiedenen Lebensumfelder jedes Menschen. Denn jeder muss das „Lesen“ immer wieder neu lernen: genau hinschauen und hinhören, hinter die Buchstaben schauen, die Zeichen der Zeit erkennen, tiefer sehen lernen und sich vertiefen.

Was in unserem Denken, Reden und Tun macht tatsächlich lebendig? Der Apostel Paulus schreibt: „Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.“ Wenn wir also immer neu lesen lernen müssen, was die Alltage für uns bereit halten, dann geht es um genau diesen Geist, der in und hinter den vordergründigen Buchstaben steckt. Paulus spricht vom Geist Gottes, den Jesus uns Menschen als die Kraft und Weisheit Gottes schenkt, die uns in Bewegung bringt. Und so wird die Marienstatter Anna-Selbdritt-Darstellung erst vollständig im

dritten, unscheinbarsten Element, das richtig gelesen werden will: Anna docens – Maria legen – Christus movens!Der hebräische Name Anna bedeutet „die Begnadete, die Beschenkte“. Wie Anna sind wir alle von Gott Beschenkte. Das größte Geschenk ist, dass wir in diesem Geist Christi, der lebendig macht und uns bewegen will, immer neu anfangen können. Im Prolog der Regel des hl. Benedikt, die auch für die Marienstatter Klostergemeinschaft der Leitfaden ist, schreibt der Mönchsvater: „Wenn du etwas Gutes anfängst, bestürme IHN – Gott – beharrlich im Gebet, ER möge es vollenden.“

So können wir zu Gott beten:

Du, Gott der Anfänge, auf die Fürsprache der heiligen Mutter Anna begleite immer neu all unser Bemühen und vollende, was darin Stückwerk bleibt.

Du, Gott der Anfänge, lass in unserem Leben gute Früchte wachsen, die Nahrung für uns und für andere sein können.

Du, Gott der Anfänge, lehre uns tiefer lesen, hinschauen, hinhören und sei uns Geistes-gegenwärtig.

Du, Gott der Anfänge, treibe uns an, immer neu das Gute zu suchen und uns dabei von deinem Sohn Jesus Christus bewegen zu lassen.

Du, Gott der Anfänge, erhalte uns besonders in dem, was schwierig ist, den Blick dafür, dass wir reich begabt und beschenkt sind und dass wir allen Grund haben, dir dankbar zu sein.

Du, Gott der Anfänge, segne und behüte uns. Lass dein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig. Lege dein Angesicht auf uns und schenke uns deinen Frieden. Amen.

 

Gebete am Wallfahrtstag der hl. Mutter Anna

61  Bittgebet der Frauen an die hl. Mutter Anna

Heilige Mutter Anna, seit vielen Jahrhunderten kommen Frauen an deinem Festtag nach Marienstatt, um dich zu verehren und dir ihre mütterlichen Sorgen anzuvertrauen.

Mit allen Schwestern im Glauben legen wir dir unsere Bitten ans Herz.

Segne unsere Ehen und Familien, unsere Partner und Kinder und alle Menschen, für die wir Verantwortung tragen. In den Gefährdungen, denen sie ausgesetzt sind, halte deine schützenden Hände über sie.

Steh uns bei in allen Lebenslagen, in denen wir verzweifelt sind und keinen Ausweg sehen.

Schenke uns deinen mütterlichen Rat, wenn wir voller Ungeduld sind und unfähig, das Gute und Wahre zu erkennen. Lehre uns, an Gottes Liebe zu glauben und alles von ihm zu erwarten.

In Krankheit und Alter, in Trauer und jeglicher Not schauen wir auf zu dir und bitten um deine Fürsprache bei Christus, dem guten Hirten und Arzt unserer Seelen.

Wir weihen dir unser Leben als Frau und Mutter, dass es mehr und mehr geformt wird nach deinem Bild. Dann werden wir Frauen des Friedens sein und dem Reich Gottes Bahn brechen.

Du große mütterliche Frau, bitte für uns, damit wir würdig werden der Verheißungen Christi. Amen.

62  Selig sind die Frauen

V: Gott unser Vater, du bist verherrlicht in deinen Heiligen. Die heilige Mutter Anna steht in der Reihe der großen Frauen, denen du an den Knotenpunkten der Heilsgeschichte eine besondere Rolle zugedacht hat.

Sie ist das Vorbild für alle Frauen, die die Seligpreisungen ernst nehmen und sie in die Tat umsetzen.

A: Selig sind alle Frauen, die wie Anna arm sind vor Gott. Sie tragen oft ein schweres Los, aber sie lassen sich nicht entmutigen. In allen Lebenslagen halten sie dir die Treue und werden so zum Lobpreis deines Namens. Ihnen gehört das Himmelreich.

V: Selig sind die Frauen, die wie Anna den Trauernden zur Seite stehen. Sie sehen die Not, eilen zu Hilfe, nehmen sich zurück und geben sich restlos hin.

A: Selig sind die Frauen, die wie Anna keine Gewalt anwenden. In allen Anforderungen des Lebens bleiben sie gelassen, sie wirken ausgleichend, zeigen Verständnis und lassen sich nicht zu Zorn oder Unrecht reizen. Sie werden einst im Land deines göttlichen Friedens wohnen.

V: Selig sind alle Frauen, die mit der heiligen Anna hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit. Sie streben beständig danach, das Gute zu tun und das Böse zu meiden, um so der Welt eine Ahnung von deiner Wahrheit und Gerechtigkeit zu schenken. Du allein kannst ihren Hunger stillen.

A: Selig sind die Frauen, die sich wie die heilige Anna in Barmherzigkeit üben. Das Leid der Welt geht ihnen durch Mark und Bein, sie öffnen den Menschen ihr Herz und zeigen Erbarmen allen, die ihrer Hilfe besonders bedürfen. Sie leben aus dem Glauben an einen barmherzigen und alles verzeihenden Gott.

V: Selig sind die Frauen, die wie die heilige Mutter Anna ein reines Herz haben. Sie sind ehrlich und gütig, sie bemühen sich um Wahrhaftigkeit und Lauterkeit. Sie suchen, dir in allem zu gefallen, um dich nach diesem Leben für immer schauen zu dürfen.

A: Selig sind alle Frauen, die sich mit der heiligen Anna um den Frieden bemühen. Sie reden den Mächtigen ins Gewissen, schlichten Streit, bewegen die Friedlosen; sie weinen mit allen, die in den Wirren der Kriege leben und leiden. Sie sind deine geliebten Töchter.

V: Selig sind alle Frauen, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden. Sie treten unbeugsam für die Wahrheit und das Gute ein; sie lassen sich nicht verführen von falschen Versprechungen, sondern bleiben dir und sich selber treu. Mit der treuen Mutter Anna werden sie das Himmelreich erben.

A: Selig sind alle Frauen, die wegen ihres Glaubens leiden und verfolgt werden. Mit der heiligen Anna, die viele Jahre eine Geächtete war, tragen sie ein schweres Los. Aber sie wissen: Aus dem Leid erwächst neue Freude, und das neue Leben wird kommen. Ihr Lohn im Himmel wird groß sein.

V: Guter Gott, du hast uns die heilige Mutter Anna vor Augen gestellt als eine Frau, deren Leben und Handeln vorbildhaft und nachahmenswert ist. Hilf uns, mit ihr und allen großen Frauen der Kirche treu zu bleiben, unerschütterlich am Glauben festzuhalten und die Seligpreisungen in die Tat umzusetzen, damit auch wir einst den Lohn des Himmels empfangen. Dir sei Lob und Preis in Ewigkeit. Amen.

63  Fürbittrufe zur heiligen Mutter Anna

V: Heilige Mutter Anna, du hast dein ganzes Leben lang darauf gewartet und gehofft, Mutter zu werden.

Bitte für alle kinderlosen Paare, die sich sehnlichst ein Kind wünschen: dass Gott ihre Gebete erhört.

V: Mutter Anna, wir rufen zu dir. (Melodie der Grüssauer Marienrufe)
A: Mutter Anna, wir rufen zu dir.

V: Im hohen Alter hast du Maria, die Mutter Jesu, geboren. Dadurch wurdest du zur Mitarbeiterin am Erlösungswerk des Gottessohnes.

Bitte für uns, dass wir alles von Gott erhoffen und bereit sind zu tun, was er von uns erwartet.

V: Mutter Anna, wir rufen zu dir.
A: Mutter Anna, wir rufen zu dir.

V: Mit Joachim hast du ein Leben des Gottvertrauens und der Zuversicht geführt. Ihr habt euch nicht beirren lassen durch Anfeindung und Spott wegen des ausbleibenden Kindersegens. Sei für alle Frauen da, die sich in schwierigen Lebensumständen für ein Kind entscheiden und oft einem großen Druck ihrer Umwelt ausgesetzt sind.

V: Mutter Anna, wir rufen zu dir.
A: Mutter Anna, wir rufen zu dir.

V: Du hast deine Tochter Maria eingeführt in den Glauben und in die Heilige Schrift.

Hilf den Eltern und Großeltern, ihren Glauben weiterzugeben an die jüngere Generation, und stärke ihr Vertrauen, wenn die Kinder und Enkelkinder sich abwenden von einem Leben mit Gott.

V: Mutter Anna, wir rufen zu dir.
A: Mutter Anna, wir rufen zu dir.

V: Du hast Maria Gott dargebracht und sie in jungen Jahren losgelassen für einen großen Dienst.

Segne die Männer und Frauen, denen Gott eine besondere Berufung zugedacht hat, dass sie den Mut finden zu einem freudigen Ja.

V: Mutter Anna, wir rufen zu dir.
A: Mutter Anna, wir rufen zu dir.

V: Wir beten für alle vernachlässigten, gequälten, miss­handelten und missbrauchten Kinder.

Nimm sie in deinen mütterlichen Schutz, dass ihr junges Leben nicht zerstört wird und sie von ihrem schweren Schicksal befreit werden.

V: Mutter Anna, wir rufen zu dir.
A: Mutter Anna, wir rufen zu dir.

V: Wir beten für die Kinder, die zugeworfen werden mit dem Müll einer Wohlstandgesellschaft, die aber keine echte Liebe erfahren.

Bitte für sie bei Gott, dass ihnen wahre Liebe und Zuneigung geschenkt wird.

V: Mutter Anna, wir rufen zu dir.
A: Mutter Anna, wir rufen zu dir.

V: Heilige Mutter Anna, wir bitten für alle kranken und an Leib und Seele verwundeten Kinder, für die Kinder auf den Kriegsschauplätzen und in den Katastrophengebieten der Erde, für die Kinder, die an todbringenden Seuchen leiden, für alle Kinder, die keine Zukunft haben und deren Leben bald zu Ende geht.

Tritt für sie ein beim barmherzigen Vater, dass er ihnen gebe, was sie auf Erden nicht empfangen konnten.

V: Mutter Anna, wir rufen zu dir.
A: Mutter Anna, wir rufen zu dir.

V: Unsere Kinder und Jugendlichen schauen in eine konfliktgeladene Zukunft. Bitte für sie bei Gott, dass sie zu verantwortungsbewussten und lebensbejahenden Menschen heranwachsen, und dass sie ihr Glück nicht verlieren in Fanatismus und Rausch, in Alkohol und Drogen.

V: Mutter Anna, wir rufen zu dir.
A: Mutter Anna, wir rufen zu dir.

64  Zur heiligen Mutter Anna, der Schutzpatronin in vielen Lebenslagen

V: Heilige Mutter Anna, du bist hochverehrt in der ganzen Kirche. Seit Jahrhunderten rufen die Christen dich an in vielen Nöten und Sorgen. Frauen sehen in dir ein Vorbild, du wirst angerufen als Helferin der Schwangeren und bei schwierigen Geburten, zahlreiche Berufsstände, Städte und Länder haben dich zu ihrer Schutzpatronin erkoren, viele Kirchen sind dir geweiht.

Wir beten mit dir für alle Frauen und Mütter:
A: Dass sie die Wege ihrer Kinder mit Liebe begleiten, auch wenn sie diese oft nicht verstehen.

V: Wir beten mit dir für alle Ehepaare:
A: Dass sie in guten und schweren Zeiten einander die Treue halten.

V: Wir beten mit dir für die schwangeren Frauen und alle jungen Eltern:
A: Um eine gute Geburt und um die Freude, an Gottes Schöpfung mitwirken zu dürfen durch die Weitergabe des Lebens.

V: Wir beten mit dir für alle Frauen der Erde, die durch harte Arbeit den Lebensunterhalt ihrer Familien verdienen:
A: Dass sie durch die Liebe und Dankbarkeit ihrer Angehörigen entlohnt werden.

V: Wir beten mit dir für die Witwen:
A: Das sie in ihrer Trauer Trost finden und mit der neuen Lebenssituation gut zurechtkommen.

V: Wir beten mit dir für die Städte und Länder, die deinem Schutz in besonderer Weis anvertraut wurden:
A: Dass der Glaube an den Dreieinigen Gott dort erhalten bleibt und die Menschen im Frieden miteinander leben.

V: Wir beten mit dir für alle Kirchengemeinden und Gotteshäuser, die deinen Namen tragen:
A: Dass die Christen an deinem Lebensbeispiel Maß nehmen, eine lebendige Gemeinde bilden und sich der Gemeinschaft nicht verweigern.

V: Wir beten mit dir für alle Berufsstände, deren Schutzpatronin du bist: Die Hausangestellten, Bergleute, Schneider, Weber, Dienstboten, Müller, Schiffer, Seiler, Tischler, Drechsler und Goldschmiede.
A: Dass sie ihren Beruf mit Freude ausüben, darin Erfüllung finden und ihr täglich Brot verdienen können.

V: Wir beten mit dir für alle Wallfahrtsorte, an denen du besonders verehrt wirst:
A: Dass die Pilger im Glauben gestärkt werden und das Licht der Liebe Christi in die Welt tragen.

V: Wir beten mit dir für alle Menschen, die dich in bestimmten Krankheiten anrufen:
A: Dass sie Erhörung finden und gesund werden an Leib und Seele. Amen.

65  Mit Anna und Maria die Psalmen beten

V: Die heilige Anna war eine Tochter des Hauses Israel. Mit dem ganzen jüdischen Volk stimmte sie täglich ein in den Lobpreis Jahwes, des einzigen Gottes. Das Gnadenbild der hl. Anna von Marienstatt zeigt die Mutter Mariens, wie sie ihre Tochter in die Heiligen Schriften des Alten Bundes einführt. Lasst uns mit diesen treuen Frauen, den Urbildern des Wartens und Vertrauens, den lebendigen Gott anbeten:
Herr, wer darf Gast sein in deinem Zelt, wer darf weilen auf deinem heiligen Berg?

A: Der makellos lebt und das Rechte tut; der von Herzen die Wahrheit sagt und mit seiner Zunge nicht verleumdet;

V: der seinem Freund nichts Böses antut und seinen Nächsten nicht schmäht;

A: der sein Versprechen nicht ändert, das er seinem Nächsten geschworen hat.

V: Behüte mich Gott, denn ich vertraue dir. / Ich sage zum Herrn: „Du bist mein Herr; mein ganzes Glück bist du allein.“ A: Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele; auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit.

66.  Litanei zur heiligen Anna

V: Herr, erbarme dich.
A: Herr, erbarme dich.
V: Christus erbarme dich.
A: Christus erbarme dich.
V: Herr, erbarme dich.
A: Herr, erbarme dich.
V: Heilige Mutter Anna  A: bitte für uns.
V: Du Tochter des Volkes Israel  A: bitte für uns.
V: Du Auserwählte Gottes  A: bitte für uns.
V: Du Dienerin des Alten Bundes  A: bitte für uns.
V: Du Vorbotin des Neuen Bundes  A: bitte für uns.
V: Du Lehrerin der Heiligen Schriften  A: bitte für uns.
V: Du treue Ehefrau des heiligen Joachim  A: bitte für uns.
V: Du Frau, geduldig im Warten auf Gottes Verheißungen  A: bitte für uns.
V: Du fürsorgliche Mutter Mariens  A: bitte für uns.
V: Du unermüdliche Beterin  A: bitte für uns.
V: Du Frau, tief verwurzelt im Glauben  A: bitte für uns.
V: Du Frau, unerschütterlich in der Hoffnung  A: bitte für uns.
V: Du Frau, rein in der Liebe  A: bitte für uns.
V: Du gütige Mutter aller, die dich verehren  A: bitte für uns.
V: Du Helferin der Christenheit  A: bitte für uns.
V: Du Trösterin der Kranken  A: bitte für uns.
V: Du Schutzpatronin vieler Stände, Kirchen und Orte  A: bitte für uns.
V: Du Vorbild aller Ehepaare, Frauen und Mütter  A: bitte für uns.
V: Du Jüngerin Jesu  A: bitte für uns.
V: Du kostbares Geschenk für alle Glaubenden  A: bitte für uns.
V: Du Gesegnete des Dreifaltiges Gottes  A: bitte für uns.

V: Gott unserer Väter und Mütter, schenke deinen Pilgern die Fülle des Heiligen Geistes.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Lass alle Menschen erfahren, wie köstlich es ist, vor dir zu stehen und dir zu dienen.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Segne deine heilige Kirche, unseren Papst, die Bischöfe und alle Hirten deines Volkes.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Gewähre unserem Volk und Land Einheit und Frieden, und lass den christlichen Glauben neu erblühen.
A: Wir bitten dich, erhöröe uns.
V: Jesus, du Sohn des lebendigen Gottes,
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Christus, höre uns.
A: Christus, erhöre uns.

 

67  Heil’ge Anna, du entsprossen

1.  Heil’ge Anna, du entsprossen / Davids edlem Königshaus, Freude hast du ausgegossen / in die Welt voll Nacht und Graus; Morgenröte bessrer Zeiten, / die der Menschen Glück bereiten: Hoffnungsstern im Tränental, / sein gegrüßt viel tausendmal.

2.  Liebreich trägst du auf den Händen / das gebenedeite Kind, lehrst es Herz und Augen wenden /zu dem Himmel fromm gesinnt; lehrst es früh die Händlein falten,/dankend preisen Gottes Walten, der voll Huld herniederschaut / auf die auserwählte Braut.

3.  Aller Mütter schönster Spiegel, / o gewähr uns deine Huld! / Drück uns auf der Tugend Siegel, / lehr uns Frömmigkeit, Geduld, Führ“ die vielbedrohte Jugend / zu Gehorsam, Weisheit, Tugend; halte fern des Bösen Lug, / fern der Erden schlechten Trug.

4.  Heil’ge Mutter Anna, rufe / deine liebe Tochter an, dass sie uns zur Himmelsstufe / führe auf der Pilgerbahn, dass sie uns bei ihrem Sohne / helfe zu der Himmelskrone. Mutter, ach, verlass uns nicht, / wenn das Auge sterbend bricht.

(Melodie: Was der Herr im Kreis der Jünger)

68  Mutter Anna, dir sei Preis (1. Melodie)

1. Mutter Anna dir sei Preis, Davids Sprosse edles Reis,
heilge Mutter Anna!
Du bist aller Frauen Zier, alle schauen auf zu dir,
heilge Mutter Anna!

2. Wer ist doch die Tochter dein? / O, es ist Maria rein, /
heilge Mutter Anna /
die uns schenkt den Gottessohn, / Jesum Christ vom Himmelsthron, /
heilge Mutter Anna!

3. O du Mutter, treu und gut, / halt uns all in deiner Hut, /
heilge Mutter Anna!
Deine Tochter hilf so gern / bitten ihren Sohn, den Herrn, /
heilge Mutter Anna!

4. Bitte, daß auf unser Haus / Gottes Gnad sich gieße aus, /
heilge Mutter Anna! /
Dass der Liebe treues Band / sei des Segens Unterpfand, /
heilge Mutter Anna!

5. Bitte, daß uns Gottes Gnad / leite auf der Tugend Pfad, /
heilge Mutter Anna! /
Bringe Trost in Traurigkeit, / hilf uns tragen Kreuz und Leid, /
heilge Mutter Anna!

6. Steh uns bei im letzten Streit / auf dem Weg zur Ewigkeit, /
heilge Mutter Anna! /
Bitte, daß Mariens Sohn / dann uns schenk die Siegeskron, /
heilge Mutter Anna!

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Quelle: Marienstatter Pilgerbuch – Lieder, Texte und Gebete am Gnadenort der Schmerzhaften Muttergottes von Marienstatt – Herausgegeben von den Mönchen der Zisterzienserabtei Marienstatt – 1. Auflage 2013

DIE HEILIGE MUTTER ANNA

Über die Lebensverhältnisse der heiligen Mutter Anna gibt die heilige Schrift keine Andeutung. Dasselbe Schweigen beobachten wir in dem Heilsplane Gottes öfter, wenn es sich um solche Persönlichkeiten handelt, welche bestimmt sind, eine hohe Stellung im Gnadenreiche einzunehmen. Reich aber ist das, was uns die Überlieferung mitteilt, und gar mannigfaltig sind die Blüten, welche ihre Verehrung im christlichen Volksleben getrieben hat.

Die heilige Anna gehörte dem Stamme Juda an, und vermählte sich mit dem heiligen Joachim, welcher aus gleichem Stamme war. Die Sehnsucht nach dem Messias war der Stern und Trost ihres frommen Lebens; in innigem Gebet bestürmten sie den Himmel, dass er den senden möchte, auf den die Völker harrten. Von jedermann geachtet wegen ihrer geläuterten Tugend und besonders von den Armen geliebt, wandelten sie vor Gott. Ihre Einkünfte pflegten sie in drei Teile zu zerlegen; den ersten und besten sandten sie nach dem Tempel in Jerusalem, den zweiten erhielten die Armen und mit dem dritten, dem schlechteren, begnügten sie sich. Zur Prüfung ihrer Unterwürfigkeit unter Gottes Pläne versagte der Himmel ihnen den Kindersegen. Israels Volk sah dies stets als ein Zeichen göttlichen Missfallens an. Tief kränkte es beide, als Joachim einst von einem Tempelpriester abgewiesen und ihm bedeutet wurde, er sei nicht würdig, ein Opfer zu bringen, da Gott in so auffälliger Weise ihm seinen Zorn bekunde. Allein ihre fromme Gesinnung wurde dadurch keineswegs getrübt; je mehr die Aussicht auf Erhörung ihres Flehens zu schwinden schien, um so fester wurde ihr Vertrauen und um so inniger ihr Versprechen, dass, wenn ihr Gebet Erhörung finden würde, sie das Kind dem Dienste des Allerhöchsten opfern wollten. Ihr Vertrauen ward belohnt; Gott legte ihr ein Kind in die Arme, auf welches Himmel und Erde mit innigster Liebe niederschauten. Doch dem Kinde war das Siegel des Opfers aufgedrückt, die Mutter hatte ja versprochen, es ganz dem Dienste des Allerhöchsten zu weihen. Als es daher drei Jahre zählte, führten sie ihr Kind zum Tempel, damit es dort unter den übrigen Tempeljungfrauen heranwachse zu einer Dienerin Gottes. Erfüllt mit großem Trost über die Nähe des Welterlösers, reich an Tugenden und Verdiensten, schlossen Anna und Joachim alsdann ihre Augen im Frieden des Herrn.

Aus Palästina kamen die Gebeine der heiligen Mutter Anna nach Konstantinopel, wo Kaiser Justinian I. und Justinian II. herrliche Kirchen ihr zu Ehren erbauten. Bald verbreitete sich ihre Verehrung im ganzen Morgen- und Abendland; durch den heiligen Apostel Jakobus soll sie zuerst nach Spanien gekommen sein. Die Kreuzfahrer brachten die Reliquien nach Frankreich, von wo sie den Kirchen der anstoßenden Länder zukamen. Eine mit auffallenden Inschriften und Darstellungen versehene Hand der Heiligen befindet sich im kaiserlichen Palaste zu Wien. Ihr Haupt wird in der St. Annakirche zu Düren von Pilgern aus nah und fern verehrt, welche zumal an ihrem Feste hinströmen. Dasselbe befand sich früher in der St. Stephanskirche zu Mainz; heimlich nahm ein Steinmetz es an sich, um es nach Kornelimünster zu bringen. Seine Mutter aber drang in ihn, es wieder an seinen Ort nach Mainz zu tragen. Da das Kloster Schwarzenbroich es nicht annahm, wandte er seine Schritte nach Düren zu den Franziskanern. Eine freudige Begeisterung bemächtigte sich der Stadt bei der Kunde, dass das Haupt der Mutter Anna sich in ihren Mauern befinde und unter großen Feierlichkeiten wurde es in die Hauptkirche übertragen. Seit dieser Zeit hat die Verehrung der heiligen Anna eine große Verbreitung im nördlichen Deutschland gefunden ; nicht weniger als 66 Gotteshäuser in Rheinland und Westfalen tragen ihren Namen. Christliche Eltern rufen sie an um ihren Beistand bei der Erziehung der Kinder. Auf Kirchhöfen findet man vielfach St. Anna-Kapellen. Sie ist die Patronin der Bergleute, wohl aus dem Grunde, dass ihre nächsten Angehörigen, der Heiland und Maria, in der heiligen Schrift oft mit Gold und Silber verglichen werden. In erzreichen Gegenden finden sich viele Gotteshäuser ihres Namens, ganze Ortschaften haben sich nach ihr benannt. Vielerorts knüpfen sich  schöne Volksfeste an ihre Verehrung. Die Kunst stellt sie dar als Matrone mit einem Buch, aus welchem ihr heiliges Kind liest; viel verbreitet waren früher Darstellungen, auf denen St. Anna die Mutter Gottes und diese wieder den Heiland auf dem Schoße trägt, man nannte diese Bilder mettertia, Selbdritt, daher wurde Anna auch oft die heilige Selbdritt genannt. Der  Maler gibt der Heiligen einen Mantel von grüner Farbe, weil sie uns die Hoffnung der Welt, Maria, geschenkt hat.

Lobsprüche auf St. Anna.

In den Schriften der heiligen Kirchenväter und anderer Heiligen finden wir folgende Lobsprüche auf die heilige Mutter Anna:

„Anna ist jener herrliche Baum, von dem ein abgelöster Zweige geblüht hat; sie ist das heilige Erdreich, welches den brennenden Dornbusch hervorgebracht, der nicht verbrannte; sie ist der erhabene Himmel, von dessen Höhe der Meeresstern sich seinem Aufgange genaht hat. Anna ist die gesegnete Unfruchtbare, die des Besuches der Engel sich erfreute; sie ist die Gesegnete unter den Frauen, glückliche Mutter unter den Müttern; aus ihrem reinen Schoße ging hervor der leuchtende Tempel des Herrn, das Heiligtum des Heiligen Geistes, die Mutter Gottes.“ „O keuscher Schoß Annas, o heiliger Leib, in welchem dieser lebendige Himmel, der über alle andern weit erhaben ist, empfangen wurde! Anna, Joachim, glückliches, fleckenloses Paar, von euch kann man mit dem Heilande sagen: Man kennt euch an der Frucht eurer Verbindung; ihr lebet heilig in einer schwachen, menschlichen Natur und habt uns dadurch eine Tochter gegeben, welche höher steht als die Engel, deren Königin sie ist.“

Gebet.

O Gott, der Du in Deiner Gütigkeit der seligen Anna die Gnade verliehen hast, die Mutter der allerseligsten Gottesgebärerin zu werden, gewähre uns gnädig, dass wir, die wir ihr Fest begehen, durch ihre Fürbitte unterstützt werden. Amen.

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Quelle: Leben der Heiligen nebst praktischen Lehren für das katholische Volk – mit besonderer Berücksichtigung der deutschen und neueren Heiligen – von Herm. Jos. Kamp, Dechant. – Dritte Auflage – Mit Erlaubnis der geistlichen Obrigkeit. – Verlag der A. Laumann’schen Buchhandlung, Dülmen i. W., Verleger des heiligen Apostolischen Stuhles. – Imprimatur, die 13. Februarii 1911.

Siehe auch: