Cordula Peregrina (Cordula Schmid/Wöhler): WAS DAS EWIGE LICHT ERZÄHLT

Burg Freundsberg, Tirol, im Sommer 

Vorwort zur fünften Auflage

So wandert denn zum fünften Male
Dies Buch hinaus in alle Welt,
Und bei des „Ew’gen Lichtes“ Strahle
Sich manches Aug‘ voll Lieb‘ erhellt.
Nicht ist’s der Werth der schlichten Lieder,
Was Allen warm zu Herzen spricht,
Nein, nur daß mild in ihnen wieder
Ein Strahl des ew’gen Licht’s sich bricht!

O dieses Licht! es ist uns Christen
Das Liebste ja auf weiter Welt,
Und lieber wohl wir Alles mißten,
Als jenen Ort, den es erhellt,
Als jenen Raum, wo in der Hülle
Des Brot’s der Herr verborgen weilt,
Und aller Gnaden Pfand und Fülle
Dem, der da bittet, wird ertheilt!

Von solchen sel’gen Himmelsstunden
Sang ich Euch vor in schlichtem Ton;
Ihr Alle aber habt empfunden
Das Gleiche, — ach! und tiefer schon!
So sind es seel’verwandte Klänge,
Die hier dies Büchlein in sich faßt,
Das d’rum des frommen Volkes Menge
So gern begrüßt als lieben Gast!

Ich aber leg’s voll Demuth nieder
Zu Füßen Ihm, bei Dem ich’s sang,
Trag’s zu dem trauten Kirchlein wieder,
An dessen Schrein es einst erklang.
Ich weih‘ es Dem, an dessen Throne
Ich jahrelang gekniet voll Lust,
Nur Ihm zu Lieb‘, zu Lob und Lohne
Drang dort das Lied aus sel’ger Brust!

Ich blick‘ zurück auf diese Jahre
Als meines Lebens schönste Zeit,
Denn dort empfand ich am Altare
Des Himmels ganze Seligkeit!
Ein Tabor war’s! und Hütten bauen
Wollt‘ dort ich mir bis in den Tod,
Um täglich neu mich satt zu schauen
An Deinem Licht, verborg’ner Gott!

„Herr, hier ist’s gut! hier bleib‘ ich immer!“
Sprach ich zu Dir mit Petri Wort,
„Nun mich gelabt Dein Liebesschimmer,
Treibt keine Macht von Dir mich fort!“
Das sagt‘ ich Dir an jedem Morgen,
Und Abends war’s der letzte Gruß, –
Ein Leben, ach! so süß geborgen,
Daß mich’s noch heut‘ beglücken muß!

Doch – wie’s dem Jünger einst geschehen,
So gieng’s auch mir, – Du nahmst mich fort; –
Zeitlebens auf dem Tabor stehen,
War nicht für mich der rechte Ort!
Ein Plätzchen tief in Thalesstille,
In treuem Thun und regem Fleiß –
Statt Taborhöh‘ – wies mir Dein Wille
Mit neuer Pflicht in neuem Kreis!

Ich gieng! – Du weißt, mit wie viel Thränen,
In welch‘ verzehrend heißem Schmerz!
Doch blieb  bei Dir in stetem Sehnen –
Schied auch der Leib – das ganze Herz!
Kaum schien mir schön die Stadt, die neue,
Wo Deinen Berg ich nicht mehr fand,
Fest hing mein Herz in heil’ger Treue
Am alten Ort, am alten Band!

Fünf lange Jahre so entschwanden
Voll steten Weh’s nach Deiner Näh‘,
Bis endlich wir uns wieder fanden,
Bis doch von fern ich jetzt ihn seh‘,
Den Tabor im Verklärungsschimmer,
Wo ich vor Dir so froh gekniet, –
Beim bloßen Blick auf ihn noch immer
Das reinste Glück mein Herz durchzieht!

Ich blick‘ hinauf an jedem Tage,
Schick‘ meines Herzens Grüße Dir,
Und wahr ist’s, was ich warm Dir sage:
„So lieb wie einst bist noch Du mir!
Schlägt nach den dreizehn Trennungsjahren
Mein Herz doch heut‘ so heiß für Dich
Wie dort, da wir beisammen waren,
Da, Herr, Dein Dach auch schirmte mich!

Nicht war ich werth so hoher Gnade,
D’rum durft‘ sie nicht von Dauer sein,
Doch bleiben meines Lebens Pfade
Stets hell von dem entschwund’nen Schein.
Das alte Glück regt stets sich wieder,
So oft ich knie an Deinem Thron,
Der Segen thaut auf’s Neu‘ mir nieder
Bei jeder heil’gen Kommunion!

Marienruh‘ mit Marthasorgen
Hab‘ zwar nach Außen ich vertauscht,
Und doch, mein Gott, in Dir geborgen
Ruht noch dies Herz, das still Dir lauscht;
Und einsam sein, die Welt vermeiden,
Das ist mein Wunsch, mein Glück allein,
Auch heut noch blüh’n die reinsten Freuden
Mir nur aus des Altares Schrein!

Blick‘ denn von Deinem Thron da droben
Auf Freundsberg’s Höh‘ – voll Huld herab,
Herr, auf das Herz, das manche Proben
Bestand, und kaum mehr fern dem Grab;
Die längste Zeit des Pilgerlebens
Ist jetzt vorbei, – bald heißt’s: „Vollbracht!“
Laß hoffen mich, – und nicht vergebens! –
Daß dann Dein Licht mir ewig lacht!

Das ew’ge Licht! – O mög’s beim Sterben
Mir leuchten schon mit hellem Schein!
Was ich besang, laß, Herr, mich erben,
Laß ewig einst mich bei Dir sein!
Wenn ich vollbracht die Marthasorgen,
Gib wieder mir Marienruh‘,
Sei dann am ew’gen Ostermorgen
Mein Lohn, mein Licht, mein Leben – Du!

So lang‘ ich aber noch muß wallen
Als Pilgerin auf dieser Welt,
Leucht‘ mir Dein Licht, – ja, mir und Allen,
Die Du, o Herr, mir nah‘ gestellt;
Blick‘ segnend Du vom Freundsberg nieder
Auf all‘ die Seelen nah‘ und fern,
Die fernen, ach! die bringe wieder
Zum ewig wahren Königsstern!

Ja, wie Du mich aus fernen Landen
So wunderbar beriefst zu Dir,
Bis frei ich von des Irrthums Banden
Dich fand im Sakramente hier, –
So ruf‘ auch sie, die theuren Meinen,
Die, ach! noch nie Dein Licht erkannt,
Laß sie der Kirche bald sich einen,
Laß finden sie, was ich, Herr, fand!

Und nicht nur sie, — auch all‘ die Andern,
Die noch nicht rief der Gnade Stern,
Laß, guter Hirt, nicht länger wandern
Verirrt und Deiner Hürde fern!
Trag‘ sie, – wie einst Du mich getragen! –
Auf grüne Au‘, zu frischer Fluth,
Bis Alle dann frohlockend sagen:
„Herr, unser Hirt, wie bist Du gut!“

Und in Tirol, dem glaubenstreuen,
Ganz Dir, o Herr, geweihten Land,
Woll’st Alles Du mit Macht zerstreuen,
Was nicht vor Deinem Blick‘ hält Stand.
Schaff‘ Alles fort, was Deiner Lehre
Und Deinem Licht entgegen ist
Zeig’s, daß Herr, Du, der mächtig Hehre,
Der Bundesherr des Landes bist!

Treu bis zum Tod wir Dich umfassen,
Und opfern lieber Gut und Blut,
Als daß vom Glauben je wir lassen,
Der unser’s Lebens größtes Gut!
Wir bleiben Deines Herzens Eigen,
Wie’s uns’re Väter schon gelobt,
Und wollen Deiner werth uns zeigen
Durch Lieb‘, die sich im Leid erprobt!

So lange uns’re Berge stehen,
Soll frisch auch unser Glaube blüh’n,
Soll tief im Thal, hoch auf den Höhen
Das Licht vor’m Sakramente glüh’n,
Das ew’ge Licht, das unser Leben
Wie unser Land zum Himmel macht,
Bis – dort von seinem Glanz umgeben –
Wir statt uns schau’n an Deiner Pracht!

 

Schwaz, am Fest der Apostelfürsten, 29. Juni 1889.

Cordula Peregrina. (C. Wöhler.)

Cordula Peregrina (Cordula Schmid/Wöhler): WAS DAS EWIGE LICHT ERZÄHLT

Vorrede zur vierten Auflage

Von meinen bisher erschienenen Büchlein ist vielleicht keinem eine so liebevoll freundliche Aufnahme in der katholischen Leserwelt, und daher auch öftere Auflage zu Theil geworden, wie g’rade diesem das sich jetzt zur vierten Auflage rüsten soll. Und ich begreife das ganz wohl! Nicht etwa die Schönheit der Sprache, noch weniger die Kunst der Form hat diesen schlichten, einfachen, aber aus warmem Herzen quellenden Liedern die allgemeine Theilnahme und Vorliebe gewonnen und gesichert, sondern vielmehr der Gegenstand, den sie besingen, der Mittelpunkt, um den sie sich drehen, das Licht, von dem sie ausstrahlen, – das Erste und Letzte, Liebste und Beste, Höchste und Heiligste jedes katholischen Christenherzens: das allerheiligste Sakrament des Altars, – hochgelobt in alle Wigkeit!

Wie verschieden auch sonst die Menschen sein mögen in Gemüth und Geschmack, Ansicht und Neigung, – in Einem sind wir Katholiken uns alle gleich , – Jesus im heiligsten Altarssakrament ist uns’re wärmste Liebe, unser wahrstes Leben, uns’re seligst Lust, uns’re süßeste Labe, unser tröstlichstes Licht, und Alles, was von Ihm uns sagt und singt, zu Ihm uns winkt und weis’t, das muthet uns an so lieb und hold und traut wie Heimathsklang und Himmelston, wie Grüße aus dem lieben Vaterhaus an’s in der Fremde weilende Kind!

So erging es schon vor 26 Jahren der Sängerin dieser schlichten Lieder! Damals noch Protestantin, in erster Jugend stehend, und in den lieblichsten irdischen Verhältnissen lebend, die ein Menschenkind sich nur immer wünschen und träumen mag, – war dennoch eine Lücke und Leere, ein Sehnen und Hungern zutiefst im jungen Herzen drinnen, das durch Nichts sich stillen oder bannen ließ, obschon es eigentlich selbst noch nicht verstand, wonach denn es gar so heiß sich sehne!

Aber als ich – mit noch nicht 16 Jahren – zum ersten Mal eine katholische Kirche betrat, zum ersten Mal dem Schimmer des ewigen Lichtes mich nahte und das geheimnißvolle Wehen vom Altare verspürte, da wurde es mir – ohne jedes Zuthun von menschlichter Seite durch Wort oder Schrift – plötzlich klar, nach was denn eigentlich die Seele mit so brennender Sehnsucht hungerte und dürstete, wie der Hirsch nach frischem Wasser (Psalm 41. V. 2.), was bisher ihr – trotz des reichsten irdischen Glückes – so schmerzlich gefehlt hatte: die persönliche Nähe, die leibhaft Gegenwart eines lebendigen Gottes, von der, ach! die armen Protestanten nichts wissen und nichts wissen wollen! –

Von jener einzigen Stunde in katholischer Kirche an blieb mein Herz wie an den Altar gekettet, und ohne weitere Gelegenheit, Eingehendes über das allerheiligste Altarssakrament zu hören oder zu lesen, war doch – durch Gottes wunderbare und geheimnißvolle Gnadenwirkung in der Seele – mein Glaube an dasselbe so klar und fest, meine Liebe zu demselben so heiß und groß, wie wenn ich schon damals ein Kind der Kirche, ja, eine geborne Katholikin gewesen wäre!

Wohl mußten von diesem meinem ersten Eintritt in eine katholische Kirche bis zu meinem endlichen Uebertritt noch volle 9 Jahre vergehen, denn nach den damaligen Landesgesetzen glaubte man, diesen Uebertritt bis zur erlangten Volljährigkeit (einem Alter von 25 Jahren!) auf jede Weise verhindern zu können und zu sollen!

Aber mein Herz schlug während dieser 9 Jahre in ausschließlich protestantischer Atmosphäre nicht anders als katholisch, und der Feder entflossen in dieser Zeit schon jene Lieder im „Ewigen Licht“, denen wohl kein Leser es angemerkt hat, daß eine protestantische Pastorentochter sie gedichtet: „Misericordia Domini“, „Das rechte Licht“, „Das ist es“, „Venite adoremus“, „Bis an den Berg Gottes“, „Sanctus“, „Ich weiß“, „Wo ist die Heimath“, „Meine Liebe“, „Christkindlein in der Hostie“, „Das Suchen der Braut“, „Deus meus et omnia“, – und noch einige andere. –

Ohne weder Gelegenheit noch auch Bedürfniß zu haben, jede einzelne Lehre der katholischen Kirche eingehend zu studieren, zu prüfen, mit dem Verstande zu erwägen und sie den Lehrsätzen des Lutherthums vergleichend gegenüber zu stellen, – ohne jegliches Grübeln und Zweifeln, Fragen und Forschen stand es in meinem Herzen als unumstößliche Gewißheit fest, daß die Kirche, welche vor allen anderen Kirchen den lebendigen Gottmenschen im Tabernakel, welche den Glauben an das hochheilige Sakrament des Altars habe, – auch in all‘ ihren noch übrigen Glaubenslehren Recht haben müße, und schon deshalb die allein wahre sei, weil sie allein dem Menschenherzen das wahre Glück für Zeit und Ewigkeit zu bieten habe in der persönlichen, wesentlichen Vereinigung mit dem Gotte der Eucharistie!

Auf diese Weise, – gezogen von den Liebesseilen des im Tabernakel verborgenen Gottes, – wurde aus der streng protestantisch erzogenen Mecklenburger Pastorentochter – im Sommer des Jahres 1870 ein glückliches Kind der katholischen Kirche, und im Winter 1871 eine noch glücklichere Theilhaberin eines und desselben Daches mit diesem Gott, indem mir – durch Seine unbegreiflich liebevolle Gnadenführung – das ebenso seltene (für in der Welt lebende Personen) wie selige Loos zu Theil wurde, nahezu 5 Jahre auf dem alten Freundsberg ein Kämmerlein zu bewohnen, dessen Chorfenster g’rade auf den Tabernakel des liebfreundlichen Wallfahrtskirchleins zu den 14 Nothhelfern hernieder ging, und somit mir eine Einsicht und Aussicht bot, gegen die selbst die wunderbare Schönheit des zu meinen Füßen ruhenden Innthales für ein so glühendes Naturkind – wie ich’s von klein auf war und heut noch bin – in Schatten sinken mußte vor dem geheimnißvoll flimmernden Licht am Throne des „Schönsten unter den Menschenkindern!“ (Ps. 44, V. 3.)

Da droben nun auf dem Freundsberg, – umweht von den Himmelslüften des Tabernakels, Tag und Nacht trinken dürfend aus dem unerschöpflichen Gottesborn der Eucharistie – sind – außer den schon genannten aus protestantischer Zeit her – die weiteren Lieder des „Ewigen Lichtes“ mehr gebetet als geschrieben, mehr aus dem Grund einer glücküberströmenden Seele herausgejubelt, als mühsam, kunstgerecht und formstreng zusammengedichtet worden.

An’s Tageslicht aber, an die Außenwelt, wäre kein einziges dieser Lieder wohl jemals getreten, noch weniger zu einem Ganzen gesammelt und geflochten worden, denn was in Liebesdrang ich fühlte, schrieb und sang, das hätte ich ausschließlich für Gott und mich allein behalten mögen nach meinem Lieblingswort: „Secretum meum mihi!“ – wenn nicht der Gehorsam es ganz anders bestimmt hätte.

Und das kam so: Nächst der Gnade des katholischen Glaubens, die Gott mir – mitten in einem erzprotestantischen Ländchen – in so unbegreiflicher Weise zu Theil werden ließ, muß ich zeitlebens als zweitgrößte Gottesgnade voll Dank und Demuth es preisen, daß ich kaum ein Jahr nach meinem Uebertritt in’s liebe Land Tirol zuerst nach Eben, dann nach Schwaz kam, und in letzterem Ort unter die Seelenleitung eines der seltesten, gediegensten Ordensmänner uns’rer Zeit, des damals in Schwaz lebenden Franziskaners Pater Arsenius Niedrist, dessen Name ebenso sehr durch seine enormen Geistesgaben und Talente, als auch durch seine gründliche Tüchtigkeit in jeder Hinsicht nicht nur in unserm lieben Land Tirol, sondern weit über seine Grenzen hinaus rühmlich bekannt war, und von Alt und Jung, Reich und Arm voll Ehrfurcht und Bewunderung genannt wurde, wie er heut mit namenlos tiefer Wehmuth, wenn auch stets gleich dankbarer, liebender Erinnerung genannt wird, denn ach! seit dem 29. Juni 1886 gehört dieser Allen so theure Name nicht mehr der Erde an, und auf dem Friedhof uns’rer Landeshauptstadt hat sich die stille Gruft der Franziskaner über den irdischen Ueberresten eines Mannes geschlossen, dessen Gedächtniß unter Allen, die ihn gekannt, fortlebt und fortleben wird in Segen und Verehrung!

Dieser nun wurde mein Beichtvater, fast am ersten Tage schon wo ich nach Schwaz kam, und was ich ihm von jenem Tage an zu danken hatte, das weiß Gott allein, – Worte reichen nicht hin, es zu sagen, auch wenn ich davon sagen wollte!

Ein kurzes Jahr lang nur war mir das Glück seiner persönlichen Seelenleitung beschieden, da wurde er zum Provinzial gewählt, und mußte als solcher das Franziskanerkloster in Schwaz mit dem in Innsbruck vertauschen.

Aber was ich in diesem einen Jahr aus seinen Worten – im Beichtstuhl wie von der Kanzel – erworben und gewonnen, das war reich und tief und groß genug, um lebenslang davon zu zehren!

Nie noch ist mir ein größerer Verehrer des allerheiligsten Sakramentes begegnet, als er es war; davon zeugten nicht nur seine gottbegeisterten Worte, davon sprach noch lauter und ergreifender sein ganzes Wesen, seine unvergleichliche, an die Legenden der Heiligen erinnernde Andacht, Sammlung und Würde bei Darbringung des heiligen Opfers, kurz, jede Gelegenheit, wo er es mit dem hochwürdigsten Gute zu thun hatte! Was Wunder, wenn er so auch bei all seinen Beichtkindern die Andacht zu diesem hochheiligen Sakrament mehr und mehr zu entflammen, zu befestigen und zu verklären verstand!

Ehe er im Sommer 1872 von Schwaz schied, war es sein letzter Gehorsamsbefehl an mich, Etwas über das allerheiligste Sakrament zu schreiben, ob in Prosa oder in Poesie, das bleibe mir überlassen, aber in jedem Falle erwarte er recht bald eine Arbeit über diesen Gegenstand aus meiner Feder!

Diese Arbeit konnte mir nicht schwer fallen; schon waren Sakramentslieder vorhanden, und neue flüsterte in stiller Morgen- oder später Abendstunde das liebe ewige Licht im Freundsberger Nothelferkirchlein mir zu; – ich durfte nur im lauschenden Herzen sie nachklingen und nachsingen lassen, und dann zu Papier sie bringen. So reihten sich denn, – auf des geschiedenen Beichtvaters Befehl – die Laute und Lieder zu einem Ganzen, und was anders konnte ihr Titel sein als:

„Was das ewige Licht erzählt!“

Zum Lichtmeßtage 1873 – meinem Lieblingsfest damals schon, wie heut‘ noch, – konnte ich dem hochwürdigen Provinzial das Büchlein nach Innsbruck schicken, und seine Freude über dasselbe erfüllte mich mit tiefem Dank gegen Gott, daß es mir vergönnt gewesen, ihm, dem meine Seele so viel verdankte, einen Wunsch erfüllt, eine Genugthuung bereitet zu haben!

Mehr denn ein Jahr verging darüber, und mir fiel es natürlich niemals ein, den hochwürdigen Pater auch nur einmal zu fragen, wozu er denn das Büchlein gewünscht, oder was er mit demselben gethan?

Da überraschte er mich im Jahre 1874 plötzlich mit einem gedruckten Exemplar desselben, und so war das „Ewige Licht“ zum ersten Mal in die Außenwelt getreten, sich gleich nach diesem ersten Erscheinen verschiedener sehr freundlicher und liebevoller Rezensionen erfreuend.

Doch lang‘ bevor es in Druck erschien, arbeitete ich – auf Befehl dessen, der zwar nicht mehr mein Beichtvater, wohl aber bis zu seinem Tode mein Seelen-Vater und Führer war und blieb – an einem neuen Sakramentsbuch, an „Krippe und Altar“, welches ich am 2. Dezember 1873 begann, und am 7. Februar 1874 den letzten Federstrich daran that, während ich zwei Jahre später, am 8. Februar 1876 den „Weg nach Golgatha“ begann, der schon im nächsten Monat am 13. März vollendet war.

Sowie ich ein Heft dieser Manuscripte fertig geschrieben hatte, wanderte es alsbald nach Innsbruck in die Hände des hochwürdigen Pater Arsenius zur Durchsicht und Rezension. Und dieser – ein geborenes Schriftstellertalent, voll des klarsten Scharfblick’s, des feinsten Geschmack’s und des richtigsten Urtheil’s, – machte schriftlich alsbald mich aufmerksam auf verschiedentliche Mängel, rieth Verbesserung an, rezensirte und kritisirte, lobte und ermuthigte wohl auch, und nahm den eingehendsten, väterlichsten Antheil an jeder neuen Arbeit, welche der Feder seiner geistlichen Tochter entsproß, die hinwieder nur er – Kraft des Gehorsams – in stetem Fluß erhielt, denn mir selbst war das Dichten und Schreiben für And’re, für die Außenwelt eher fast peinlich, als Bedürfniß und Herzensache, umsomehr, da es von jeher mein Grundsatz war, einem weiblichen Wesen zieme weit mehr stille Zurückgezogenheit und tieste Verborgenheit, als irgend welches Hervortreten an’s Tageslicht der Oeffentlichkeit!

Noch einige Wochen vor seinem Tode las der hochwürdige Pater Arsenius mit warmem Interesse meine neue, nun bereits im Druck erschienene Dorfgeschichte „Ein Stück Volksleben aus den Tirolerbergen“, und selbst da – so leidend er auch schon war, – gab er noch werthvollen Rath zu kleinen Veränderungen hie und da in Wort und Ausdruckweise.

An der dritten Auflage des Ewigen Licht’s hat Pater Arsenius noch herzlich sich gefreut, – die vierte sollte er nicht mehr erleben.

Mir aber, die vielleicht mehr Dank ihm schuldet, als jede and’re Seele, – mir war es Herzenssache, daß nun, wo er heimgegangen, alle lieben Leser des Ewigen Lichtes nah und fern es wissen möchten, wem eigentlich sie das Büchlein ihrer allgemeinen Vorliebe verdanken, wer es an’s Licht gerufen!

Dann darf ich hoffen, daß sie beim Lesen nicht nur der Seele der armseligen Schreiberin hie und da das Almosen ihrer frommen Fürbitte schenken mögen – um was ich Alle wohl recht von Herzen bitte! – sondern daß sie voll Liebe und Ehrfurcht jener Priesterseele gedenken, die hienieden als wahrhaft leuchtendes Licht Allen, die ihr nahe kamen, das schönste Beispiel der Gottes- und Nächstenliebe gegeben, als leuchtendes Licht im Heiligthum des Klosters gebrannt, und im Dienst des Altars sich verzehrt hat.

Und wenn sie so sich seiner beim Lesen dieser Lieder erinnern, dann mögen doch alle Freunde des Büchleins mit mir vereint dem nun Verklärten als stillen Gruß es in die Ewigkeit nachschicken, was jedesmal am Pfingstfest – gleich nach der Epistel – der Priester am Altare betet im „Veni sancte spiritus“: „Da virtutis meritum, da salutis exitum, da perenne gaudium!“

„Gib der Tugend – Verdienst! gib des Heiles Ausgang! gib unvergängliche Freude!“ Ja – Amen, Alleluja!

Schwaz, Kirchweih-Sonntag, 16. Oktober 1887.

Cordula Peregrina.
(C. Wöhler.)

_______

Meine [POS] eigene Abschrift der „Vorrede zur vierten Auflage“ des 300-seitigen Buches Was das Ewige Licht erzähltGedichte über das Allerheiligste Altarssakrament. (C. Wöhler) Achte verbesserte und vermehrte Auflage – Mit Fürstbischöflicher Approbation – Innsbruck. Druck und Verlag von Fel. Rauch. 1893

Siehe auch:

„Maria hilf!“ – das ist der Notschrei der gesamten, großen Welt

Maria Auxilium Christianorum

Maria hilf! – Das ist zum End‘ der Zeiten
der Notschrei der gesamten, großen Welt,
der Ruf, mit dem sich Aller Hände breiten
in heißem Fleh’n zum hohen Himmelszelt!
„Maria hilf!“ – so klingt des Kindes Lallen,
des Jünglings Gruß, des Mannes fromm‘ Gebet,
des Greises letzter Hauch, – uns Christen allen
kein ander‘ Wort wohl so von Herzen geht! 

„Maria hilf!“ – Was kann uns Die versagen,
die Gottes Rat zur Mittlerin bestellt,
die einst den Herrn im reinsten Schoß getragen,
und so gebracht das Heil der ganzen Welt!
Er, der gewiß ihr jeden Wunsch gewähret,
der gern uns gibt, was sie für uns erfleht,
ist Bürge uns, daß sie, die Ihn genähret,
als Mutter mild auch uns zur Seite steht! 

„Maria hilf!“ – Klingt Seinem Gottesherzen
doch dieser Ruf so traut, so wohlbekannt,
hat ja Er selbst – in Seiner Kindheit Schmerzen –
um Hilfe sich zur Mutter stets gewandt.
Was Er bedurft für dieses Leibes Leben,
ward ihm durch sie, – Trost, Pflege, Brot und Kleid, –
drum will durch sie auch Seiner Welt Er geben
des Segens Füll‘ für Zeit und Ewigkeit! 

„Maria hilf!“ – Ja, Keiner geht verloren,
der diesen Ruf zu ihrem Throne schickt,
der dies Gebet als liebstes sich erkoren,
der kindlich fromm zu ihr um Hilfe blickt!
Und fiele auch die ganze Welt in Trümmer,
und brächen selbst des Himmels Festen ein, –
„Maria hilf!“ – wir rufen’s heut‘ und immer,
und immer wird sie uns’re Hilfe sein!

Cordula Peregrina (C. Wöhler, Schwarz, Tirol, 1897)