Wir müssen die Dimension des Heiligen in der Liturgie zurückerobern

20060627_ratzinger_cech

Eine Rede von Joseph Kardinal Ratzinger

vom 13. Juli 1988 vor den Bischöfen Chiles

Als erstes möchte ich Ihnen von ganzem Herzen für Ihre liebenswürdige Einladung danken, Ihr Land zu besuchen, und auch für diese Gelegenheit zu brüderlicher Begegnung und Dialog. Ich mache mir keine Illusionen, ein Land während eines Aufenthalts von einigen wenigen Tagen kennenlernen zu können, aber dennoch ist es mir sehr wichtig, die Gelegenheit zu haben, die Orte zu sehen, wo Sie arbeiten, und in gewissem Maße selbst die Atmosphäre des kirchlichen Lebens hier zu erfahren.

Ich möchte Ihnen mit diesen Worten den Dialog sehr ans Herz legen, den wir miteinander führen wollen. Ich nutze im allgemeinen die Gelegenheit einer solchen Begegnung, um kurz einige der wichtigsten Fragen der Arbeit der Kongregation zu erläutern. Doch das durch die Bischofsweihen vom 30. Juni offensichtliche Schisma bewegt mich dazu, dieses Mal mit dieser Gewohnheit zu brechen. Heute möchte ich einfach einige Dinge kommentieren, die den Fall Mgr. Lefebvres betreffen. Statt mich bei den Ereignissen aufzuhalten, scheint es mir von größerer Tragweite und Wichtigkeit, die Lehren, die die Kirche aus den gesamten Geschehnissen für heute und für morgen ziehen kann, zu beurteilen. Zu diesem Zweck möchte ich zuerst einige Bemerkungen zu der Haltung des Heiligen Stuhls während der Gespräche mit Mgr. Lefebvre voranschicken, und danach möchte ich dann auf die allgemeinen Ursachen näher eingehen, die zu dieser Situation geführt haben und die, über den besonderen Fall hinaus, uns alle betreffen.

I. Die Haltung des Heiligen Stuhls in den Gesprächen mit Lefebvre

In dem aufrichtigen Bemühen darum, einen angemessenen Lebensraum für seine Bewegung innerhalb der Kirche zu schaffen, haben wir in den letzten Monaten viel Arbeit in das Problem von Lefebvre investiert. Der Heilige Stuhl ist aus diesem Grunde von vielen Seiten kritisiert worden. Man sagte, der Heilige Stuhl habe dem Druck des Schismas nachgegeben; der Heilige Stuhl habe das Zweite Vatikanische Konzil nicht mit der angemessenen Kraft verteidigt; während der Heilige Stuhl mit großer Härte gegen die progressistischen Bewegungen vorgehe, zeige er zu viel Verständnis für die konservative Rebellion. Die spätere Entwicklung der Ereignisse hat diese Behauptungen deutlich genug widerlegt. Der Mythos der Härte des Vatikans angesichts der progressistischen Vergehen ist letzten Endes ein leeres Hirngespinst. Bisher hat man vor allem Ermahnungen ausgesprochen und in keinem Falle kanonische Strafen im eigentlichen Sinne verhängt. Die Tatsache, daß Lefebvre zum Schluß den unterschriebenen Vertrag gekündigt hat, zeigt, daß der Heilige Stuhl trotz der wirklich weitgehenden Konzessionen ihm nicht die umfassende Freiheit gewahrt hat, die er wollte. Im grundlegenden Teil der Übereinkünfte hatte Lefebvre anerkannt, daß er das Zweite Vatikanum und die Aussagen des postkonziliaren Lehramtes akzeptieren muß, und zwar mit der Autorität, die dem jeweiligen Dokument zukommt. Es ist widersinnig, daß gerade diejenigen, die keine Gelegenheit ausgelassen haben, um vor aller Welt ihren Ungehorsam – gegenüber dem Papst und den Aussagen des Lehramtes in den letzten 20 Jahren – zu verkünden, gerade diejenigen sind, die diese Haltung als zu lau verurteilen und fordern, einen totalen Gehorsam gegenüber dem Zweiten Vatikanum zu verlangen. Man hat auch behauptet, daß der Vatikan Lefebvre ein Recht auf Uneinigkeit zugestanden habe, was man den Komponenten progressistischer Tendenz dauernd verweigere. In Wahrheit war das Einzige, was man in der Übereinkunft – entsprechend Lumen Gentium Nr. 25 – bestätigte, die einfache Tatsache, daß nicht alle Dokumente des Konzils den gleichen Rang haben. Im Vertrag wurde außerdem explizit vorgesehen, daß die öffentliche Polemik vermieden werden muß, und es wurde eine positive Haltung der Achtung gegenüber den Maßnahmen und öffentlichen Erklärungen gefordert. Man hat jedoch der Priesterbruderschaft ebenso das Recht eingeräumt, dem Heiligen Stuhl – wobei dessen Entscheidungsbefugnis unangetastet bleibt – Schwierigkeiten in Fragen der Interpretation und der Reformen im juristischen und liturgischen Bereich darzulegen. Dies alles zeigt sicher ausreichend, daß Rom in diesem schwierigen Dialog die Großzügigkeit in allem, worüber sich sprechen läßt, mit der Festigkeit im Wesentlichen vereint hat. Die Erklärung, die Mgr. Lefebvre selbst für die Zurücknahme seiner Zustimmung gab, ist sehr aufschlußreich. Er erklärte, er habe nun begriffen, daß der unterzeichnete Vertrag nur darauf abziele, sein Werk in die ‚Kirche des Konzils‘ zu integrieren. Die Katholische Kirche in der Einheit mit dem Papst ist für ihn die ‚Kirche des Konzils‘, die sich ihrer eigenen Vergangenheit entäußert hat. Es scheint, als könne er nicht mehr sehen, daß es sich einfach um die Katholische Kirche mit der Gesamtheit der Tradition, zu der auch das Zweite Vatikanische Konzil gehört, handelt.

II. Überlegungen über die tieferen Ursachen des Falls Lefebvre

Das Problem, das uns Lefebvre vorgelegt hat, endet aber nicht mit dem Bruch vom 30. Juni. Es wäre zu bequem, in eine Art Triumphalismus zu verfallen und zu denken, das Problem existiere nicht mehr von dem Augenblick an, da die Bewegung Lefebvres sich klar von der Kirche getrennt hat. Ein Christ kann und darf sich über eine (Kirchen-)Spaltung niemals freuen. Auch wenn die Schuld mit Sicherheit nicht dem Heiligen Stuhl zuzuweisen ist, haben wir dennoch die Pflicht, uns zu fragen, welche Fehler wir gemacht haben, welche Fehler wir (noch immer) machen. Die Normen, mit denen man seit der Erscheinung des Dekrets über den Ökumenismus im Zweiten Vatikanum die Vergangenheit bewertet, müssen logischerweise auch in der Gegenwart Gültigkeit haben. Eine der fundamentalen Entdeckungen der ökumenischen Theologie ist, daß Schismen nur dann entstehen können, wenn in der Kirche einige Wahrheiten und einige Werte des christlichen Glaubens nicht mehr gelebt und geliebt werden. Die an den Rand gedrängte Wahrheit verselbständigt sich, und von der Ganzheit der kirchlichen Struktur entwurzelt, bildet sich in ihrem Umfeld dann die neue Bewegung. Die Tatsache, daß nicht wenige Menschen außerhalb des engen Kreises der Mitglieder der Priesterbruderschaft Lefebvres in diesem Mann eine Art Leitbild oder zumindest nützlichen Lehrer sehen, muß uns zu denken geben. Es reicht nicht, sich auf politische Motive oder auf Nostalgie und andere sekundäre Gründe kultureller Art zu berufen. Diese Gründe würden nicht ausreichen, um auch und besonders junge Menschen anzuziehen, die aus sehr verschiedenen Ländern mit den unterschiedlichsten politischen oder kulturellen Voraussetzungen stammen. Sicher bemerkt man überall die engstirnige, einseitige Betrachtungsweise. Trotzdem wäre das Phänomen insgesamt nicht denkbar, wenn es nicht auch eine Reihe positiver Elemente gäbe, die in der heutigen Kirche im allgemeinen nicht den erforderlichen Lebensraum finden. Aus allen diesen Gründen sollten wir diese Situation vor allem als einen Anlaß zur Gewissensprüfung betrachten. Wir müssen uns ernsthaft zu den Mängeln in unserer Seelsorge befragen lassen, auf die alle diese Ereignisse hinweisen. So werden wir denen einen Platz bieten können, die innerhalb der Kirche fragen und suchen, und so wird es uns gelingen, das Schisma aus dem Innern der Kirche selbst heraus überflüssig zu machen. Ich möchte gerne drei Aspekte nennen, die meiner Meinung nach in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielen.

a) Das Heilige und das Profane

Es gibt viele Gründe, die dazu geführt haben können, daß viele Menschen Zuflucht in der alten Liturgie suchen. Ein erster und wichtiger Grund liegt in der Bewahrung der Würde und des Heiligen. Nach dem Konzil haben viele absichtlich die „Entsakralisierung“ zum Programm erhoben, indem sie erklärten, daß das Neue Testament den Tempelkult abgeschafft habe: Der Vorhang des Tempels, der im Augenblick des Kreuztodes Christi zerriß, bedeute – ihrer Meinung nach – das Ende des Heiligen. Der Tod Jesu außerhalb der Mauern, d.h. vor aller Augen, ist nun der wahre Kult. Der Kult, wenn er überhaupt existiert, besteht in der Nicht-Sakralität des täglichen Lebens, in der gelebten Liebe. Von diesen Überlegungen getrieben, hat man die priesterlichen Gewänder beiseite gelegt; man befreite die Kirchen weitestgehend vom Glanz, der an das Heilige erinnert; und wo dies möglich war, reduzierte man die Liturgie durch Grüße, gemeinsame Zeichen der Freundschaft und ähnliche Dinge auf die Sprache und Gesten des normalen Lebens.

Dennoch verkannte man mit diesen Theorien und dieser Praxis völlig den wahren Zusammenhang zwischen dem Alten und dem Neuen Testament; man hatte vergessen, daß diese Welt noch nicht das Königreich Gottes ist und daß „der Heilige Gottes“ (Joh. 6,69) weiterhin noch im Gegensatz zur Welt steht; daß wir der Läuterung bedürfen, um uns Ihm zu nähern; daß das Profane auch nach dem Tod und der Auferstehung Jesu nicht zum Heiligen geworden ist. Der Auferstandene ist nur denjenigen erschienen, deren Herz sich Ihm, dem Heiligen, öffnete: er hat sich nicht jedem gezeigt. Aus dieser Welt hat man den neuen Raum des Kultes geöffnet, auf den wir uns alle beziehen; auf diesen Kult, der darin besteht, sich der Gemeinschaft mit dem Auferstandenen zu nähern, zu dessen Füßen sich die Frauen niederwarfen und den sie anbeteten (Mt.28,9). Ich will jetzt nicht weiter auf diesen Punkt eingehen, sondern direkt die Schlußfolgerung ziehen: Wir müssen die Dimension des Heiligen in der Liturgie zurückerobern. Die Liturgie ist kein Festspiel, kein gemütliches Zusammensein. Es ist vollkommen unwichtig, ob es dem Priester gelingt, seine eindrucksvollen Ideen oder phantasievollen Nachtgedanken zu verwirklichen. Die Liturgie bedeutet, den dreimal heiligen Gott unter uns zu vergegenwärtigen, sie ist der brennende Dornbusch und die Verbindung Gottes mit dem Menschen in Jesus Christus, dem Toten und dem Auferstandenen. Die Größe der Liturgie besteht nicht darin, eine interessante Unterhaltung zu bieten, sondern darin, daß uns der Völlig-Andere berührt, den wir nicht herbeiholen könnten. Er kommt, weil Er will. Mit anderen Worten, das Wesentliche der Liturgie ist das Geheimnis, das im gemeinsamen Ritus der Kirche begangen wird; alles andere ist Nebensache. Die Menschen spüren dies im Innern und fühlen sich betrogen, wenn das Mysterium in Unterhaltung verwandelt wird, wenn der Hauptdarsteller in der Liturgie nicht mehr der lebendige Gott ist, sondern der Priester oder liturgische Animateur.

b) Der nicht der Willkür unterliegende Glaube und seine Fortdauer.

Das Zweite Vatikanische Konzil gegen Mgr. Lefebvre als Wertvolles und Verbindendes der Kirche zu verteidigen ist und bleibt eine Notwendigkeit. Aber es gibt eine einengende Haltung, die das Zweite Vatikanum isoliert und die Opposition hervorgerufen hat. Viele Ausführungen vermitteln den Eindruck, daß nach dem Vatikanum II jetzt alles anders ist und das Frühere alles keine Gültigkeit mehr haben kann, oder, in den meisten Fällen, diese nur noch im Lichte des Vatikanum II hat. Das Zweite Vatikanische Konzil behandelt man nicht als Teil der lebendigen Tradition der Kirche, sondern direkt als Ende der Tradition und so, als fange man ganz bei Null an. Die Wahrheit ist, daß das Konzil selbst kein Dogma definiert hat und sich bewußt in einem niedrigeren Rang als reines Pastoralkonzil ausdrücken wollte; trotzdem interpretieren es viele, als wäre es fast das Superdogma, das allen anderen die Bedeutung nimmt.

Dieser Eindruck wird besonders durch Ereignisse des täglichen Lebens verstärkt. Was früher als das Heiligste galt – die überlieferte Form der Liturgie – scheint plötzlich als das Verbotenste und das Einzige, was man mit Sicherheit ablehnen muß. Man duldet keine Kritik an den Maßnahmen der nachkonziliaren Zeit; wo aber die alten Normen oder die großen Glaubenswahrheiten – zum Beispiel die leibliche Jungfräulichkeit Marias, die körperliche Auferstehung Jesu, die Unsterblichkeit der Seele etc. – im Spiel sind, da reagiert man entweder überhaupt nicht, oder nur in extrem abgeschwächter Form. Ich selbst habe als Professor sehen können, wie selbst der Bischof, der vor dem Konzil einen einwandfreien Professor wegen seiner etwas ungehobelten Reden ablehnte, sich nach dem Konzil nicht in der Lage sah, einen anderen Professor abzulehnen, der offen einige fundamentale Glaubenswahrheiten leugnete. Das führt bei vielen Menschen dazu, daß sie sich fragen, ob die Kirche von heute wirklich noch die gleiche ist wie gestern, oder ob man sie nicht ohne Warnung gegen eine andere ausgetauscht hat. Der einzige Weg, das Vatikanum II glaubwürdig zu machen, besteht darin, es klar als das darzustellen, was es ist: ein Teil der ganzen und einzigen Tradition der Kirche und ihres Glaubens.

c) Die Einzigkeit der Wahrheit

Abgesehen von den liturgischen Fragen, die wir jetzt beiseite lassen, sind die zentralen Konfliktpunkte gegenwärtig der Angriff gegen das Dekret über die Religionsfreiheit und den sogenannten Geist von Assisi. Hier zieht Lefebvre die Grenzen zwischen seiner Position und derjenigen der Katholischen Kirche von heute. Es ist nicht nötig, ausdrücklich hinzuzufügen, daß seine Aussagen in diesem Bereich nicht akzeptiert werden können. Aber wir werden uns hier nicht mit seinen Irrtümern beschäftigen, sondern wir wollen uns fragen, wo es in uns selbst an Klarheit mangelt. Für Lefebvre handelt es sich um einen Kampf gegen den ideologischen Liberalismus, gegen die Relativierung der Wahrheit. Natürlich teilen wir nicht seine Meinung, daß der Text des Konzils über die Religionsfreiheit oder das Gebet von Assisi nach der gewollten Intention des Papstes Relativierungen sind. Aber die Wahrheit ist, daß in der spirituellen Bewegung der nachkonziliaren Zeit oft die Frage der Wahrheit vergessen, ja sogar unterdrückt wurde; vielleicht liegt hier das Kernproblem der heutigen Theologie und Seelsorge. Die „Wahrheit“ erschien plötzlich ein zu hoher Anspruch, ein „Triumphalismus“, den man sich jetzt nicht mehr erlauben konnte. Dieser Prozeß zeigt sich klar in der Krise, in die das Ideal und die Praxis der Mission geraten sind. Wenn wir nicht die Wahrheit aufzeigen, wenn wir unseren Glauben verkünden und wenn diese Wahrheit nicht mehr unbedingt zur Rettung des Menschen erforderlich ist, dann verlieren die Missionen ihren Sinn. Als Folge davon zog und zieht man die Schlußfolgerung, daß man sich in Zukunft nur noch darum bemühen muß, daß die Christen gute Christen sind, die Moslems gute Moslems, die Hindus gute Hindus etc. Aber wie kann man wissen, wann jemand ein „guter“ Christ oder „guter“ Moslem ist? Der Gedanke, daß alle religiösen Ausdrucksweisen eigentlich nur Symbole des letzten Endes Unverstehbaren sind, gewinnt auch in der Theologie rasch an Boden und dringt bereits tief in die liturgische Praxis ein. Dort, wo dieses Phänomen auftritt, wird der Glaube an sich verlassen, denn er besteht ja gerade darin, mich der Wahrheit, soweit ich sie erkannt habe, anzuvertrauen. So haben wir sicher alle Veranlassung, auch in diesem Bereich auf den richtigen Weg zurückzukehren. Wenn es uns gelingt, wieder die Gesamtheit des Katholischen in diesen Punkten zu zeigen und zu leben, dann können wir damit rechnen, daß das Schisma von Lefebvre nicht von langer Dauer sein wird.

Diese Rede hielt Kardinal Ratinger dreizehn Tage nach den unerlaubten Bischofsweihen von Erzbischof Marcel Lefebvre. Sie erschien in der chilenischen Zeitschrift der Bewegung „Comunione e Liberazione“.

Private Übertragung aus dem Spanischen von Elke Zdarsky.

_______

Quelle

PAPST PAUL VI.: ANSPRACHE IM GEHEIMEN KONSISTORIUM AM 24. MAI 1976

April 1976: Pope Paul VI, Giovanni Battista Montini, at his Easter Address on the balcony of St Peter's Basilica. (Photo by Keystone/Getty Images)

April 1976: Pope Paul VI, Giovanni Battista Montini, at his Easter Address on the balcony of St Peter’s Basilica. (Photo by Keystone/Getty Images)

DIE KARDINÄLE — VERTRETER AUS ALLEN ERDTEILEN

Verehrte Mitbrüder!

Seit dem Tage, als wir vor mehr als drei Jahren die Lücken in Ihrem Heiligen Kollegium entsprechend der Zahl der wahlberechtigten Kardinäle aufgefüllt hatten, hat dieses Kollegium durch den Tod einiger Mitbrüder schmerzliche Verluste erlitten; wir gedenken ihrer aller in inniger Trauer. Andererseits haben einige der Mitglieder dieses Kollegiums das Alter erreicht, in dem sie nicht mehr an der Papstwahl teilnehmen können. Deshalb haben wir Sie heute zur Kreierung neuer Kardinäle zusammen­gerufen und gleichzeitig zur Promulgierung neuer Bischofsernen­nungen; außerdem bitten wir Sie um Ihre Zustimmung zur Hei­ligsprechung dreier Seliger und schließlich um die Vorlage der Postulationen zur Verleihung der Pallien.

Das sind die traditionellen und bekannten Aspekte eines jeden Konsistoriums. Aber deswegen sind sie nicht weniger eindrucksvoll in ihrer kirchlichen Bedeutung und in ihrer geschichtlichen Trag­weite, und zwar so, daß die Feier dieses Ereignisses der römi­schen Kirche jedesmal von ganz besonderem Interesse ist. Das Konsistorium ist gewiß ein besonders wichtiger und feierlicher Augenblick. Durch Ihre Teilnahme und Ihre Gegenwart sehen wir, daß Sie dies verstanden haben. Und dafür danken wir Ihnen vor allem.

I. Um bei dem Anlaß zu bleiben, der heute die Aufmerksam­keit der katholischen Kirche, ja der ganzen Öffentlichkeit auf sich zieht — nämlich der Kreierung neuer Kardinäle —, betonen wir, daß wir damit nicht länger zögen wollten, Vorsorge zu treffen für die Vollzahl des Heiligen Kollegiums; dies um so mehr, als wir in der Apostolischen Konstitution Romani Pontifici eligendo die besonderen, hohen Aufgaben seiner Mitglieder hervorgeho­ben haben, die zur Wahl des Papstes berufen sind. Bei den Neuernenungen hielten wir uns an Kriterien, die uns sehr wesentlich sind: daß nämlich das Heilige Kollegium aus Mitgliedern aller Völker bestehe und so einen internationalen Charakter trage.

Es will und muß im Angesichte der Welt das getreue Bild der heiligen katholischen Kirche sein, die in der alleinigen Hürde Christi aus den vier Himmelsrichtungen versammelt ist (vgl. Joh 10, 10) und allen Völkern wie Kulturen offen steht, um deren echte Werte sich anzueignen und sie in den Dienst der guten Sache der Frohbotschaft zu stellen, die da ist die Ehre Gottes und die Erhebung des Menschen. Daher — außer der ge­schuldeten Anerkennung gegenüber den treuesten Dienern des Apostolischen Stuhles bei den Päpstlichen Vertretungen und in der Römischen Kurie — haben wir zuerst und vor allem an die residierenden Bischöfe gedacht, indem wir besonders den Blick auf die jungen Gemeinschaften einer hoffnungsvollen, leuchtenden Zukunft richteten und zugleich auf die Bischofssitze mit einer be­rühmten, jahrhundertealten, geschichtsträchtigen Vergangenheit, reich an Werken und Heiligkeit. Es ist wie ein Blick, der zugleich die ganze Welt umfaßt, wo die Kirche lebt, liebt, hofft, leidet und kämpft: keiner der Punkte, auch der entferntesten Erdteile, ist abwesend. Wenn der repräsentative Charakter der orientalischen Kirchen heute nicht so hervorzutreten scheint, so bedeutet dies nicht, daß unsere Wertschätzung und Achtung geringer ist ge­genüber diesen Ländern, die die Wiege der Kirche waren, heute noch mit eifersüchtiger Sorge deren kostbarste Schätze an Fröm­migkeit, Liturgie und Lehre hüten und in ihren Hirten, den von uns so geliebten Patriarchen, zusammen mit den Mitarbeitern der jeweiligen Heiligen Patriarchal-Synode, Ermutigung, Licht und Kraft der Zusammengehörigkeit finden. Ja, noch mehr, wir möch­ten diese Gelegenheit benützen, um ihnen unser herzliches Wohl­wollen zu bekunden mit der Versicherung unseres Gedenkens, un­serer Verehrung und unseres Gebetes.

II. Das Konsistorium, sagten wir, ist ein besonders bedeutsa­mer und feierlicher Augenblick für das Leben der Kirche in der Zeit. Wir können diese Gelegenheit, die uns mit Ihnen in Ver­bindung bringt, nicht vorübergehen lassen, ohne in Ihrer Gegen­wart Anliegen und Fragen zu behandeln, die uns sehr am Herzen liegen und die wir von großer Bedeutung erachten, ohne Sie teil­nehmen zu lassen an Empfindungen, die wir im Innern hegen.

Es sind einerseits Empfindungen der Dankbarkeit und Freude, an­dererseits aber auch der Besorgnis und des Schmerzes.

1) Die erste Empfindung geht aus dem natürlichen Optimis­mus hervor — der sich auf die unwandelbaren Verheißungen Christi gründet (vgl. Mt 28, 20; Joh 16, 33) und auf die Fest­stellung von immer neuen und tröstlichen Begebenheiten —, den wir ständig im Herzen hegen: es ist die Vitalität, die Jugend­kraft der Kirche, von der wir so viele Anzeichen haben. Wir hatten hierfür den Beweis im kürzlichen Heiligen Jahr, das immer noch seinen Einfluß auf unser Geistesleben ausstrahlt. Das Wesen des christlichen Leben, in diesem übernatürlichen Leben, das ein Geschenk Gottes ist. Wir haben den überaus großen Trost zu beobachten, wie es sich in so vielen Ländern entfaltet in der Zeugniskraft des Glaubens, in der Liturgie, in dem wiederent­deckten und tiefempfundenen Gebetsleben, in der Freude des klaren, geistigen Blickes und der Reinheit des Herzens.

Außerdem beobachten wir, daß sich immer mehr und mehr die Liebe unter den Menschen entfaltet, die untrennbar ist von der Liebe zu Gott, die den wachsenden Einsatz so vieler unserer Söhne anregt und ihre tiefe Solidarität mit den Armen, den Aus­gestoßenen, den Wehrlosen.

Wir beobachten, daß die Richtlinien, die das letzte Konzil vor­gezeichnet hat, das ständige Bemühen um die Gefolgschaft des Evangeliums Christi in einem echten, gelebten Christentum, in der Übung der theologischen Tugenden leiten und stützen.

In ergriffener Bewunderung beobachten wir, daß missionarische Initiativen aufblühen, und vor allem haben wir untrügliche An­zeichen dafür, daß es auch in einem mehr delikaten und wichtigen Bereich, wie es jener der Priester- und Ordensberufe ist, nach einem Stillstand ohne Zweifel in verschiedenen Ländern ein Wie­deraufleben gibt.

Wir beobachten, daß in allen Erdteilen viele junge Menschen hochherzig und konkret dem Anruf des Evangeliums entsprechen und die Kraft absoluter Folgerichtigkeit aufbringen gegenüber der Pflicht, dieses in die Praxis umzusetzen.

Gewiß, verehrte Mitbrüder, der Heilige Geist ist wahrhaft in allen Bereichen am Werk, auch in jenen, die nicht mehr vital zu sein schienen.

2) Aber es gibt auch Motive zur Bitterkeit, die wir sicher nicht verbergen oder verharmlosen wollen. Sie erwachsen durch die Betonung einer in ihren Auswüchsen oft unnachgiebigen Polarität, die in verschiedenen Bereichen eine oberflächliche Unreife auf­zeigt oder auch einen hartnäckigen Starrsinn, im Grunde eine be­klagenswerte Taubheit gegenüber dem Aufruf zu einer die Span­nungen überwindenden Ausgeglichenheit, der vor mehr als zehn Jahren von den großen Weisungen des Konzils ausgegangen ist.

a) Es gibt einerseits solche, die unter dem Vorwand einer grö­ßeren Treue zur Kirche und zum Lehramt systematisch die Lehren selbst des Konzils ablehnen, seine Durchführung und die Refor­men, die sich aus ihm ergeben, seine stufenweise Durchführung mit Hilfe des Apostolischen Stuhles und der Bischofskonferenzen unter unserer von Christus gewollten Autorität. Man bringt die Autorität der Kirche in Mißkredit im Namen einer Überlieferung, der man nur materiell und mit Worten Achtung entgegenbringt. Man entfernt die Gläubigen von den Bindungen des Gehorsams gegenüber dem Stuhle Petri wie auch gegenüber ihren rechtmä­ßigen Bischöfen. Man lehnt die Autorität von heute im Namen jener von gestern ab. Und diese Tatsache ist um so schwerwie­gender, als die Opposition, von der wir sprechen, nicht nur von einigen Priestern gestützt wird, sondern von einem Bischof geleitet ist, Msgr. Marcel Lefebvre, dem nach wie vor immer unsere Ver­ehrung gilt.

Es ist so sehr schmerzlich, dies zu bemerken. Wie muß man aber nicht in einer solchen Haltung — was auch immer die Ab­sicht dieser Personen sein möge — die Tatsache sehen, daß man sich außerhalb des Gehorsams und der Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri und folglich der Kirche stellt?

Da dies leider die logische Folge ist, wenn man nämlich sich darauf stützt, es sei vorzuziehen ungehorsam zu sein, unter dem Vorwand, den eigenen Glauben unversehrt zu bewahren, für die Bewahrung der katholischen Kirche auf eigene Weise zu arbeiten, ihr aber gleichzeitig den effektiven Gehorsam verweigert. Und man spricht dies offen aus! Man wagt zu behaupten, daß das Zweite Vatikanische Konzil nicht bindend sei; daß der Glaube ebenfalls in Gefahr sei durch die nachkonziliären Reformen und Richtlinien; daß man die Pflicht habe, ungehorsam zu sein, um gewisse Traditionen zu erhalten. Welche Traditionen? Steht es dieser Gruppe und nicht dem Papst, nicht dem Kollegium der Bischöfe, nicht dem Ökumenischen Konzil zu, festzusetzen, welche unter den unzähligen Traditionen als Glaubensnorm betrachtet werden müssen? Wie Sie sehen, verehrte Mitbrüder, eine solche Haltung wirft sich zum Richter über den Willen Gottes auf, der Petrus und seine rechtmäßigen Nachfolger zum Oberhaupt der Kirche bestellt hat, um die Brüder im Glauben zu weiden (vgl. Lk 22, 32, Joh 21, 15 ff), und ihn zum Garanten und Hüter des Glaubensgutes bestimmt hat.

Das ist vor allem dann um so schwerwiegender, wenn man die Spaltung gerade dort hineinträgt, wo die Liebe Christi uns zur Einheit versammelt, in der Liturgie und beim eucharistischen Opfer, indem man den im liturgischen Bereich festgesetzten Nor­men die gebührende Beobachtung verweigert. Im Namen der Tradition bitten wir alle unsere Söhne und Töchter und alle ka­tholischen Gemeinschaften, die erneuerte Liturgie mit Würde und Eifer zu feiern. Der Gebrauch des neuen Ordo Missae ist na­türlich nicht dem Gutdünken der Priester oder der Laien anheim­gestellt. Die Instruktion vom 14. Juni 1971 hat die Meßfeier in der alten Form mit Erlaubnis des Ordinarius nur für alte oder kranke Priester vorgesehen, die das Meßopfer ohne Volk darbrin­gen. Der neue Ordo ist nach reifer Überlegung und gemäß den Wünschen des Zweiten Vatikanischen Konzils erlassen worden, damit er den alten ersetze. Ähnlich hatte unser heiliger Vorgänger Pius V. das Missale, das infolge des Trienter Konzils unter sei­ner Autorität reformiert worden war, als verpflichtend vorge­schrieben.

Dieselbe Aufnahmebereitschaft verlangen wir mit derselben höch­sten Autorität, die wir von Jesus Christus erhalten haben, auch für alle übrigen liturgischen, disziplinären und pastoralen Re­formen, die in diesen Jahren in Verwirklichung der Konzilsde­krete herangereift sind. Jede Initiative, die sie zu verhindern trach­tet, kann sich nicht den Anspruch anmaßen, damit der Kirche einen Dienst zu erweisen. In Wirklichkeit fügt sie ihr einen gro­ßen Schaden zu.

Mehrere Male haben wir direkt durch unseren Mitarbeiter und andere bekannte Persönlichkeiten Msgr. Lefebvre auf den Ernst seiner Verhaltensweisen, auf die Regelwidrigkeit seiner wichtigsten derzeitigen initiativen, auf die Unhaltbarkeit und teilweise Falschheit der Lehren, auf denen er aufbaut, und auf den Schaden, der dadurch in der Kirche entsteht, aufmerksam gemacht.

Mit tiefer Bitterkeit, jedoch mit väterlicher Hoffnung wenden wir uns nun erneut an diesen unseren Mitbruder, an seine Mitarbeiter und an jene, die sich von ihnen haben mitreißen lassen. Gewiß, wir glauben, daß viele von diesen Gläubigen, wenigstens am Anfang, guten Glaubens gewesen sind. Wir verstehen auch ihre gefühlsmäßige Anhänglichkeit an gewohnte Formen des Kul­tes oder der Disziplin, die sie für lange Zeit in ihrem geistlichen Leben gestützt haben und in denen sie geistliche Nahrung gefunden haben. Wir haben jedoch die Zuversicht, daß sie mit Gleichmut und ohne vorgefaßte Parteinahme sich zu besinnen vermögen und zugestehen wollen, daß sie die Stütze und Nahrung, die sie suchen, heute in den erneuerten Formen finden, die das Zweite Vatika­nische Konzil und wir selbst als notwendig für das Wohl der Kirche, für ihre Entfaltung in der heutigen Welt und für die Einheit festgesetzt haben. Wir ermahnen deshalb abermals alle diese unsere Brüder, Söhne und Töchter, wir flehen sie an, sich der großen Wunden bewußt zu werden, die sie anderenfalls der Kirche erneut zufügen. Wir fordern sie auf, an die ernsten Mah­nungen Christi über die Einheit der Kirche (vgl. Joh 17, 21 f) und über den Gehorsam zu denken, der dem rechtmäßigen und von ihm der ganzen Herde vorangestellten Hirten geschuldet wird als Zeichen für den dem Vater und dem Sohn geschuldeten Ge­horsam (vgl. Lk 10, 16). Wir warten auf sie mit offenem Herzen und mit Armen, die bereit sind, sie brüderlich zu empfangen. Mögen sie in Demut und Erbauung zur Freude des Gottesvolkes den Weg der Einheit und der Liebe wiederfinden!

b) Auf der entgegengesetzten Seite, was ihre ideologische Po­sition betrifft, jedoch gleichermaßen Ursache tiefen Schmerzes ist, befinden sich jene, die im irrigen Glauben, die Linie des Kon­zils fortzusetzen, eine Haltung vorgefaßter und mitunter unbeug­samer Kritik an der Kirche und ihren Einrichtungen eingenommen haben.

Wir müssen deshalb mit der gleichen Bestimmtheit sagen, daß wir auch die Einstellung derer nicht annehmen können:

— die sich für autorisiert halten, sich ihre eigene Liturgie zu schaffen, wobei sie mitunter das Meßopfer oder die Sakra­mente auf die Feier ihres eigenen Lebens oder Kämpfens oder aber auf das Symbol der Brüderlichkeit einschränken oder sogar mißbräuchlich die Interkommunion praktizieren;

— die in der Katechese die Unterweisung in der Lehre herab­mindern oder sie nach ihrem Geschmack entstellen, entsprechend den Interessen, dem Druck oder den Forderungen der Menschen — Tendenzen, die die christliche Botschaft tiefgreifend verfäl­schen, wie wir schon in dem Apostolischen Mahnschreiben Quin­que iam anni vom 8. Dezember 1970, fünf Jahre nach Abschluß des Konzils, aufgezeigt haben (vgl. AAS 63/1971, S. 99);

— die so tun, als ob sie die lebendige Tradition der Kirche von den Vätern bis zu den Verlautbarungen des Lehramts nicht kenn­ten, und die Lehre der Kirche, ja selbsts das Evangelium, die geistlichen Realitäten, die Gottheit Christi, seine Auferstehung oder die Eucharistie neu interpretieren, sie so praktisch ihres Inhalts entleeren, eine neue Gnosis schaffen und in gewisser Weise in die Kirche die „freie Prüfung“ (liberum examen) einführen; dies ist um so gefährlicher, wenn es sich dabei um Personen han­delt, die die überaus hohe und schwierige Aufgabe haben, ka­tholische Theologie zu lehren;

— die die spezifische Funktion des Priesteramtes verkürzen;

— die die Gesetze der Kirche oder die von ihr aufgezeigten ethischen Forderungen schmerzlich übertreten;

— die das Leben aus dem Glauben so verstehen, als handle es sich darum, die irdische Gesellschaft zu ordnen, es auf poli­tische Aktionen reduzieren und zu diesem Zweck Wege ein­schlagen, die dem Evangelium widersprechen; man geht dabei so weit, daß man die jenseitige Botschaft Christi, seine Verkündigung des Reiches Gottes, sein Gesetz der Liebe unter den Men­schen, die in der unaussprechlichen Vaterschaft Gottes gründet, mit Ideologien vermischt, die eine solche Botschaft von ihrem Wesen her verneinen durch eine völlig entgegengesetzte Lehre; man propagiert einen widernatürlichen Bund zwischen zwei Wel­ten, die selbst nach Meinung der Theoretiker der anderen Seite miteinander unvereinbar sind.

Es ist wahr, daß solche Christen nicht sehr zahlreich sind, aber sie machen viel Lärm, wobei sie allzu leicht glauben, die Nöte des ganzen christlichen Volkes oder den irreversiblen Sinn der Geschichte zu interpretieren. Sie können sich in ihrem Tun weder auf das Zweite Vatikanische Konzil berufen, weil seine Interpretation und seine Verwirklichung für Mißbräuche solcher Art nichts hergeben, noch auf die Erfordernisse des Apostolates, um die Fernstehenden oder die Ungläubigen zu erreichen: das wahre Apostolat geht von der Kirche aus, um für die Lehre und das Leben der Kirche selbst Zeugnis abzulegen. Der Sauerteig muß den ganzen Teig durchdringen, er muß aber der Sauerteig des Evangeliums bleiben. Andernfalls verdirbt auch er mit der Welt.

Verehrte Mitbrüder! Es war uns ein Anliegen, Ihnen diese Überlegungen anzuvertrauen, eingedenk der jetzigen Stunde der Kirche. Sie ist und wird immer das unter den Nationen aufgerich­tete Banner sein (vgl. Jes 5, 26; 11, 12), weil sie die Sendung hat, der Welt, die auf sie blickt, mitunter sie auch herausfordert, die Wahrheit jenes Glaubens zu verkünden, der ihr Geschick er­hellt, die Hoffnung, die allein nicht enttäuscht (Röm 5, 5), die Liebe, die vom Egoismus befreit, der unter verschiedenen For­men in sie einzudringen und sie zu ersticken sucht. Es ist gewiß nicht der Augenblick der Abkehr, der Fahnenflucht, des Nachgebens; noch weniger der der Furcht. Die Christen sind einfach dazu aufgerufen, sie selbst zu sein: und sie werden es in dem Maße sein, wie sie der Kirche und dem Konzil treu sein werden.

Niemand, so denken wir, wird über die Gesamtheit der Hin­weise und Ermutigungen Zweifel hegen, die wir während dieser Jahre unseres Pontifikates den Hirten und dem Volke Gottes, ja der ganzen Welt gegeben haben. Wir sind denen dankbar, die aus diesen Lehren, die stets mit einer von lebendiger Hoffnung getragenen Absicht und mit einem zuversichtlichen Optimismus wie auch konkretem Realismus gegeben worden sind, ein Pro­gramm gemacht haben. Wenn wir heute mehr auf einige negative Aspekte hingewiesen haben, so geschah das deshalb, weil dieser einzigartige Anlaß und Ihr wohlwollendes Vertrauen es uns für angemessen erscheinen ließen. In der Tat besteht das Wesen des prophetischen Charismas, für das uns der Herr den Beistand seines Geistes verheißen hat, darin, zu wachen, auf die Gefahren hin­zuweisen und die Zeichen der Morgendämmerung am dunklen Ho­rizont der Nacht zu erforschen. Wächter, wie weit ist die Nacht? Wächter, wie weit ist die Nacht? legt uns der Prophet in den Mund (Jes 21, 11). Bis der heitere Morgen der Welt die Freude wiedergibt, wollen wir fortfahren, unsere Stimme für jene Sendung zu erheben, die uns anvertraut worden ist. Sie, unsere Freunde und engsten Mitarbeiter, können vor allem und besser als jeder andere sie an so viele unserer Brüder, Söhne und Töchter wei­tervermitteln. Und während wir uns nun anschicken, den Herrn zu feiern, wie er mit den Zeichen des Leidens und der glorreichen Auferstehung zur Rechten des Vaters aufsteigt, wir da wir die Himmel offen sehen (Apg 7, 56), voller Hoffnung, Freude und Mut ausharren. In nomine Domini! In diesem heiligen Namen segnen wir Sie alle.

Es ist uns eine Freude, nunmehr im folgenden die verehrten Bischöfe aufzuzählen, die wir aufgrund ihrer Verdienste für wür­dig erachtet haben, in diesem Konsistorium dem Kardinalskol­legium anzugehören.

Es sind dies:

Octavio Antonio Beras Rojas, Erzbischof von Santo Domingo;

Opilio Rossi, Titularerzbischof von Ancira und Apostolischer Nuntius in Österreich;

Giuseppe Maria Sensi, Titularerzbischof von Sardi und Apostolischer Nuntius in Portugal;

Juan Carlos Aramburu, Erzbischof von Buones Aires;

Corrado Bafile, Titularerzbischof von Antiochia di Pisidia und Pro-Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen;

Hyacinthe Thiandoum, Erzbischof von Dakar;

Emmanuel Nsubuga, Erzbischof von Kampala;

Joseph Schröffer, Titularerzbischof von Volturno und Sekretär der Kongregation für das katholische Bildungswesen;

Lawrence Trevor Picachy, Erzbischof von Kalkutta;

Jaime L. Sin, Erzbischof von Manila;

William ‚Wakefield Baum, Erzbischof von Washington;

Aloisio Lorscheider, Erzbischof von Fortaleza;

Reginald John Delargey, Erzbischof von Wellington;

Eduardo Pironio, Titularerzbischof von Tiges und Pro-Präfekt der Kongregation für die Ordensleute und Säkularinstitute;

Laszlo Lekai, Erzbischof von Esztergom;

Basil Hume, Erzbischof von Westminster;

Victor Razafimahatratra, Erzbischof von Tananarive;

Boleslaw Filipiak, Titularerzbischof von Plestia;

Dominic Ekandem, Bischof von Ikot Ekpene.

In Bezug auf die beiden Kardinäle, die wir uns „in pectore“ vorbehalten haben, geben wir nun öffentlich den Namen eines von ihnen bekannt: es handelt sich um Monsignor Joseph Maria Trin-nhu-Khué, Erzbischof von Hanoi, der erst gestern in Rom eingetroffen ist. Wir behalten uns den zweiten Namen noch vor und werden ihn zu gegebener Zeit bekanntgeben.

Durch die Kraft Gottes, des Allmächtigen, der heiligen Apostel Petrus und Paulus kreieren und ernennen wir feierlich zu Kar­dinälen der Heiligen Römischen Kirche die voraufgenannten Bi­schöfe.

Davon sind Kardinaldiakone: Opilio Rossi, Giuseppe Maria Sensi, Corrado Bafile, Joseph Schröffer, Eduardo Pironio, Bo­leslaw Filipiak.

Die anderen gehören zur Gruppe der Kardinalspriester.

Zugleich werden alle etwa entgegengesetzten Rechtsvorschriften aufgehoben. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hei­ligen Geistes. Amen.

_______

Quelle: PAPST PAUL VI. WORT UND WEISUNG IM JAHR 1976

PAPST PAUL VI.: BRIEF AN ERZBISCHOF MARCEL LEFEBVRE VOM 11.10.1976

Mgr. Marcel Lefebvre

Lettre de Paul VI à Mgr Lefebvre

À notre Frère dans l’Episcopat Marcel Lefebvre ancien archevêque-évêque de Tulle,

En vous recevant le 11 septembre [1976] dernier à Castel Gandolfo, Nous vous avons laissé exprimer librement votre pensée et vos désirs, même si les divers aspects de votre cas étaient déjà bien connus de Nous personnellement. Le souvenir que Nous gardons de votre zèle pour la foi et l’apostolat, et du bien accompli dans le passé au service de l’Église, Nous faisait et Nous fait toujours espérer que vous redeviendrez un sujet d’édification, dans la pleine communion ecclésiale. Nous vous avons demandé encore une fois de réfléchir, devant Dieu, à votre devoir, après les actes particulièrement graves que vous aviez posés.

 

Nous avons attendu durant un mois. L’attitude dont témoignent encore, en public, vos paroles et vos actes ne semblent pas modifiée. Il est vrai que Nous avons sous les yeux votre lettre du 16 septembre où vous Nous affirmez : « Un point commun nous unit : le désir ardent de voir cesser tous les abus qui défigurent l’Église. Combien je souhaite collaborer à cette œuvre salutaire avec Votre Sainteté et sous son autorité, afin que l’Église retrouve son vrai visage. » Comment faut-il interpréter ces quelques mots – en soi positifs – auxquels se limite toute votre réponse ? Vous parlez comme si vous oubliiez les propos et les gestes scandaleux contre la communion ecclésiale, que vous n’avez jamais désavoués ! Vous ne manifestez pas de repentir même pour ce qui a été la cause de votre suspens a divinis. Vous n’exprimez pas explicitement votre adhésion à l’autorité du concile Vatican II et du Saint-Siège – ce qui constitue le fond du problème et vous poursuivez vos propres œuvres que l’autorité légitime vous a demandé expressément de suspendre. L’ambiguïté demeure, du fait de ce double langage. Pour Nous, comme Nous vous avions promis de le faire, Nous vous adressons ici la conclusion de nos réflexions.

– I –

Vous vous présentez pratiquement comme le défenseur, le porte-parole des fidèles et des prêtres qui sont « déchirés par ce qui se passe dans l’Église », avec la pénible impression que la foi catholique et les valeurs essentielles de la Tradition ne sont pas suffisamment respectées et vécues dans une portion du peuple de Dieu, du moins en certains pays. Mais dans votre interprétation des faits, dans le rôle particulier que vous vous donnez, dans la façon dont vous le remplissez, il y a quelque chose qui égare le peuple de Dieu et trompe les âmes de bonne volonté, justement désireuses de fidélité et d’approfondissement spirituel et apostolique.

Le fait des déviations dans la foi ou la pratique sacramentelle est assurément très grave, partout où il se vérifie. Il retient depuis longtemps toute notre attention doctrinale et pastorale. Certes il ne doit pas faire oublier les signes positifs de reprise spirituelle ou de responsabilité accrue chez un bon nombre de catholiques, ni la complexité de la cause de la crise : l’immense mutation du monde d’aujourd’hui affecte les croyants au plus profond d’eux-mêmes, et rend plus nécessaire encore le souci apostolique de ceux « qui sont loin ». Mais il reste vrai que des prêtres et des fidèles couvrent du nom de “conciliaires” des interprétations personnelles et des pratiques erronées, dommageables, voire scandaleuses et parfois même sacrilèges. Car ces abus ne sauraient être attribués au Concile lui-même, ni aux réformes qui en sont légitimement issues, mais bien plutôt à un manque de fidélité authentique à leur endroit. Or, vous voulez convaincre les fidèles que la cause prochaine de la crise est plus qu’une mauvaise interprétation du Concile, et qu’elle découle du Concile lui-même.

Par ailleurs, vous agissez comme si vous aviez un rôle particulier en ce domaine. Or la mission de discerner et de redresser les abus est d’abord la Nôtre, elle est celle de tous les évêques qui œuvrent avec Nous. Et précisément Nous ne cessons d’élever la voix contre ces excès : notre discours au consistoire du 24 mai dernier le répétait en termes clairs. Plus que quiconque Nous entendons la souffrance des chrétiens désemparés, Nous répondons au cri des fidèles avides de foi et de vie spirituelle. Ce n’est pas le lieu de vous rappeler, Frère, tous les actes de notre pontificat qui témoignent de notre souci constant d’assurer à l’Église la fidélité à la Tradition véritable et de la mettre aussi en mesure d’affronter le présent et l’avenir, avec la grâce du Seigneur.

Enfin, votre comportement est contradictoire. Vous voulez, dites-vous, remédier aux abus qui défigurent l’Église ; vous regrettez que l’autorité dans l’Église ne soit pas assez respectée ; vous voulez sauvegarder la foi authentique, l’estime du sacerdoce ministériel et la ferveur pour l’Eucharistie conçue dans sa plénitude sacrificielle et sacramentelle : un tel zèle pourrait, en soi, mériter notre encouragement, car ce sont là des exigences qui, avec l’évangélisation et l’unité des chrétiens, demeurent au cœur de nos préoccupations et de notre mission.

Mais comment pouvez-vous en même temps, pour remplir ce rôle, vous prétendre obligé d’agir à contre-courant du récent Concile, en opposition avec vos frères dans l’épiscopat, de vous méfier du Saint-Siège lui-même que vous qualifiez de « Rome de tendance néo-moderniste et néo-protestante », de vous installer dans une désobéissance ouverte envers Nous ? Si vous voulez vraiment, comme vous l’affirmez dans votre dernière lettre privée, travailler « sous notre autorité », il faudrait d’abord mettre fin à ces ambiguïtés et contradictions.

– II –

Venons-en maintenant aux requêtes plus précises que vous avez formulées durant l’audience du 11 septembre. Vous voudriez que soit reconnu le droit de célébrer la messe selon le rite tridentin en divers lieux de culte. Vous tenez aussi à continuer de former les aspirants au sacerdoce selon vos critères, « comme avant le Concile », dans des séminaires à part, tel Écône. Mais derrière ces questions et d’autres semblables, que Nous examinerons plus loin en détail, il importe de bien voir le nœud du problème qui est théologique. Car elles sont devenues des façons concrètes d’exprimer une ecclésiologie qui est faussée sur des points essentiels.

Ce qui est en cause en effet, c’est la question, qu’on doit bien dire fondamentale, de votre refus clairement proclamé, de reconnaître, dans son ensemble, l’autorité du concile Vatican II et celle du Pape, refus qui s’accompagne d’une action ordonnée à propager et organiser ce qu’il faut bien appeler, hélas, une rébellion. C’est là le point essentiel, proprement insoutenable.

Faut-il donc vous le rappeler à vous, notre frère dans l’épiscopat et qui, plus est, avez été nommé assistant au trône pontifical, ce qui vous oblige à demeurer plus uni encore au siège de Pierre ? Le Christ a remis l’autorité suprême dans son Église à Pierre et au collège apostolique, c’est-à-dire au Pape et au collège des évêques una cum Capite. Pour le Pape tout catholique admet que les paroles de Jésus à Pierre déterminent aussi la charge de ses successeurs légitimes : « Tout ce que tu auras lié sur la terre sera lié dans le Ciel » ; « Pais mes brebis » ; « Affermis tes frères ». Et le premier concile du Vatican précisait en ces termes l’assentiment dû au souverain pontife : « Les pasteurs de tout rang et de tout rite et les fidèles, chacun séparément ou tous ensemble, sont tenus au devoir de subordination hiérarchique et de vraie obéissance, non seulement dans les questions qui concernent la foi et les mœurs, mais aussi dans celles qui touchent à la discipline et au gouvernement de l’Église répandue dans le monde entier. Ainsi, en gardant l’unité de communion et de profession de foi avec le pontife romain, l’Église est un seul troupeau sous un seul pasteur. Telle est la doctrine de la vérité catholique dont personne ne peut s’écarter sans danger pour sa foi et son salut ». Quant aux évêques unis au souverain pontife, leur pouvoir à l’égard de l’Église universelle s’exerce solennellement dans les conciles œcuméniques, selon les paroles de Jésus à l’ensemble des Apôtres : « tout ce que vous aurez lié sur la terre sera lié dans le Ciel ». Or voilà que, dans votre conduite, vous refusez de reconnaître, comme il se doit, ces deux façons dont s’exerce l’autorité suprême.

Chaque évêque est bien docteur authentique pour prêcher au peuple à lui confié, la foi qui doit régler sa pensée et sa conduite et écarter les erreurs qui menacent le troupeau. Mais « les charges d’enseigner et de gouverner… de par leur nature, ne peuvent s’exercer que dans la communion hiérarchique avec le chef du collège et ses membres ». À plus forte raison, un évêque seul et sans mission canonique n’a pas, in actu expedito ad agendum, la faculté d’établir en général quelle est la règle de la foi et de déterminer ce qu’est la Tradition. Or pratiquement vous prétendez être juge à vous seul de ce que recouvre la Tradition.

Vous vous dites soumis à l’Église, fidèle à la Tradition, par le seul fait que vous obéissez à certaines normes du passé, dictées par les prédécesseurs de celui auquel Dieu a conféré aujourd’hui les pouvoirs donnés à Pierre. C’est dire que, sur ce point aussi, le concept de “Tradition” que vous invoquez est faussé. La Tradition n’est pas une donnée figée ou morte, un fait en quelque sorte statique qui bloquerait, à un moment déterminé de l’histoire, la vie de cet organisme actif qu’est l’Église, c’est-à-dire le corps mystique du Christ. Il revient au Pape et aux conciles de porter un jugement pour discerner dans les traditions de l’Église, ce à quoi il n’est pas possible de renoncer sans infidélité au Seigneur et à l’Esprit Saint – le dépôt de la foi – et ce qui au contraire peut et doit être mis à jour, pour faciliter la prière et la mission de l’Église à travers la variété des temps et des lieux, pour mieux traduire le message divin dans le langage d’aujourd’hui et mieux le communiquer, sans compromission indue. La Tradition n’est donc pas séparable du Magistère vivant de l’Église, comme elle n’est pas séparable de l’Écriture sainte : « La sainte Tradition, la sainte Écriture et le magistère de l’Église… sont tellement reliés et solidaires entre eux qu’aucune de ces réalités ne subsiste sans les autres, et que toutes ensemble, chacune à sa façon, sous l’action du seul Esprit Saint, contribuent efficacement au salut des âmes ».

C’est ainsi qu’ont agi communément les Papes et les conciles œcuméniques, avec l’assistance spéciale de l’Esprit Saint. Et c’est précisément ce qu’a fait le concile Vatican II. Rien de ce qui a été décrété dans ce Concile, comme dans les réformes que Nous avons décidées pour le mettre en œuvre, n’est opposé à ce que la Tradition bimillénaire de l’Église comporte de fondamental et d’immuable. De cela, Nous sommes garant, en vertu, non pas de nos qualités personnelles, mais de la charge que le Seigneur Nous a conférée comme successeur légitime de Pierre et de l’assistance spéciale qu’il Nous a promise comme à Pierre : « J’ai prié pour toi afin que ta foi ne défaille pas ». Avec Nous en est garant l’épiscopat universel.

Vous ne pouvez pas non plus invoquer la distinction entre dogmatique et pastoral pour accepter certains textes de ce Concile et en refuser d’autres. Certes, tout ce qui est dit dans un concile ne demande pas un assentiment de même nature : seul ce qui est affirmé comme objet de foi ou vérité annexe à la foi, par des actes définitifs, requiert un assentiment de foi. Mais le reste fait aussi partie du magistère solennel de l’Église auquel tout fidèle doit un accueil confiant et une mise en application sincère.

Il reste qu’en conscience, dites-vous, vous ne voyez toujours pas comment accorder certains textes du Concile ou certaines dispositions que Nous avons prises pour les mettre en œuvre, avec la saine tradition de l’Église et en particulier avec le concile de Trente ou les affirmations de nos prédécesseurs, par exemple sur la responsabilité du collège des évêques unis au Souverain Pontife, le nouvel Ordo Missœ, l’œcuménisme, la liberté religieuse, l’attitude de dialogue, l’évangélisation dans le monde de ce temps… Ce n’est pas le lieu, dans cette lettre, de reprendre chacun de ces problèmes. La teneur précise des documents, avec l’ensemble des nuances qu’ils comportent et le contexte qui les encadre, les explications autorisées, les commentaires approfondis et objectifs qui en ont été donnés sont de nature à vous faire surmonter ces perplexités personnelles. Des conseillers absolument sûrs, théologiens et spirituels, pourraient vous y aider encore, dans la lumière de Dieu, et Nous sommes prêt à vous faciliter cette assistance fraternelle. Mais comment une difficulté personnelle intérieure – drame spirituel que Nous respectons – vous permettrait-elle de vous ériger publiquement en juge de ce qui a été adopté légitimement et pratiquement à l’unanimité, et d’entraîner sciemment une partie des fidèles dans votre refus ? Si les justifications sont utiles pour faciliter intellectuellement l’adhésion – et Nous souhaitons que les fidèles troublés ou réticents aient la sagesse, l’honnêteté et l’humilité d’accueillir celles qui sont mises largement à leur disposition –, elles ne sont point par elles-mêmes nécessaires à l’assentiment d’obéissance qui est dû au Concile œcuménique et aux décisions du Pape. C’est le sens ecclésial qui est en cause.

Au fond vous entendez, vous-même et ceux qui vous suivent, vous arrêter à un moment déterminé de la vie de l’Église ; vous refusez, par là même, d’adhérer à l’Église vivante qui est celle de toujours ; vous rompez avec ses pasteurs légitimes, vous méprisez l’exercice légitime de leurs charges. C’est ainsi que vous ne prétendez n’être même plus touché par les ordres du Pape, ni par la suspens a divinis, tout en déplorant la “subversion” dans l’Église. N’est-ce pas dans cet état d’esprit que vous avez ordonné des prêtres, sans lettres dimissoriales et contre notre mandat explicite, créant un groupe de prêtres en situation irrégulière dans l’Église et affectés de graves peines ecclésiastiques ? Plus encore, vous soutenez que la suspens encourue par vous s’applique seulement à la célébration des sacrements selon le rite rénové, comme s’ils étaient importés abusivement dans l’Église que vous allez jusqu’à qualifier de schismatique, et vous pensez échapper à cette sanction en administrant les sacrements dans les formules du passé et contre les règles établies (cf. 1Co 13, 10).

C’est à la même conception erronée que se rattache chez vous la célébration abusive de la messe dite de saint Pie V. Vous savez fort bien que ce rite avait été lui-même le résultat de changements successifs, et que le canon romain demeure la première des prières eucharistiques autorisées aujourd’hui. La réforme actuelle a puisé ses raisons d’être et ses lignes directrices dans le Concile et dans les sources historiques de la liturgie. Elle permet aux fidèles de se nourrir plus largement de la Parole de Dieu. Leur participation plus active laisse intact le rôle unique du prêtre, agissant in persona Christi. Nous avons sanctionné cette réforme de notre autorité, en demandant son adoption par tous les catholiques. Si, en général, Nous n’avons pas jugé bon de maintenir plus longtemps des retards ou des exceptions à cette adoption, c’est en vue du bien spirituel et de l’unité de l’entière communauté ecclésiale, car, pour les catholiques de rite romain, l’Ordo Missœ est un signe privilégié de leur unité. C’est aussi parce que, dans votre cas, l’ancien rite est en fait l’expression d’une ecclésiologie faussée, un terrain de lutte contre le Concile et ses réformes, sous le prétexte que là seulement on conserverait, sans que leurs significations soient obscurcies, le véritable sacrifice de la messe et le sacerdoce ministériel. Nous ne pouvons accepter ce jugement erroné, cette accusation injustifiée, ni tolérer que l’Eucharistie du Seigneur, sacrement d’unité, soit l’objet de pareilles divisions (cf. Co 11, 18), et qu’elle soit même utilisée comme instrument et signe de rébellion.

Certes, il y a place dans l’Église pour un certain pluralisme, mais dans les choses licites et dans l’obéissance. Ils ne le comprennent pas, ceux qui refusent l’ensemble de la réforme liturgique ; pas davantage d’ailleurs, ceux qui mettent en péril la sainteté de la présence réelle du Seigneur et de son sacrifice. De même, il ne peut être question d’une formation sacerdotale qui ignore le Concile.

Nous ne pouvons donc pas prendre vos requêtes en considération, parce qu’il s’agit d’actes qui sont déjà posés dans la rébellion contre l’unique et véritable Église de Dieu. Cette sévérité n’est pas dictée, croyez-le bien, par un refus de faire une concession sur tel ou tel point disciplinaire ou liturgique, mais, étant donné la signification et la portée de vos actes dans le contexte actuel, agir ainsi serait de notre part accepter d’introduire une conception de l’Église et de la Tradition gravement erronée.

C’est pourquoi, avec la pleine conscience de nos devoirs, Nous vous disons, frère, que vous êtes dans l’erreur. Et avec toute l’ardeur de notre amour fraternel, comme avec tout le poids de notre autorité de successeur de Pierre, Nous vous invitons à vous rétracter, à vous reprendre et à cesser d’infliger des blessures à l’Église du Christ.

– III –

Concrètement qu’est-ce que Nous vous demandons ?

A. – D’abord et surtout, une déclaration qui remet les choses au point, pour Nous-mêmes et aussi pour le peuple de Dieu qui a droit à la clarté et ne peut plus supporter sans dommage de telles équivoques.

Cette déclaration devra donc affirmer que vous adhérez franchement au concile œcuménique Vatican II et à tous ses textes – sensu obvia –, qui ont été adoptés par les pères du Concile, approuvés et promulgués par notre autorité. Car une telle adhésion a toujours été la règle, dans l’Église, depuis les origines, en ce qui concerne les conciles œcuméniques.

Il doit être clair que vous accueillez également les décisions que Nous avons prises, depuis le Concile, pour le mettre en œuvre, avec l’aide des organismes du Saint-Siège ; entre autres, vous devez reconnaître explicitement la légitimité de la liturgie rénovée, notamment de l’Ordo Missœ, et notre droit de requérir son adoption par l’ensemble du peuple chrétien.

Vous devez admettre aussi le caractère obligatoire des dispositions du droit canonique en vigueur qui, pour la plus grande part, correspondent encore au contenu du code de droit canonique de Benoît XV, sans en excepter la partie qui a trait aux peines canoniques.

En ce qui concerne notre personne, vous aurez à cœur de cesser et de rétracter les graves accusations ou insinuations que vous avez portées publiquement contre Nous, contre l’orthodoxie de notre foi et notre fidélité à la charge de successeur de Pierre, et contre notre entourage immédiat.

En ce qui concerne les évêques, vous devez reconnaître leur autorité dans leurs diocèses respectifs, en vous abstenant d’y prêcher et d’y administrer les sacrements : eucharistie, confirmation, ordres sacrés, etc., lorsque ces évêques s’y opposent expressément.

Enfin vous devez vous engager à vous abstenir de toutes les initiatives (conférences, publications…) contraires à cette déclaration, et à réprouver formellement toutes celles qui se réclameraient de vous à l’encontre de la même déclaration.

Il s’agit là du minimum que doit souscrire tout évêque catholique : cette adhésion ne peut souffrir de compromis. Dès que vous Nous aurez manifesté que vous en acceptez le principe, Nous vous proposerons les modalités pratiques de présenter cette déclaration. C’est la première condition pour que la suspens a divinis soit levée.

B. – Ensuite restera à résoudre le problème de votre activité, de vos œuvres et notamment de vos séminaires. Vous comprendrez, frère, que, vu les irrégularités et ambiguïtés passées et présentes affectant ces œuvres, Nous ne pouvons pas revenir sur la suppression juridique de la Fraternité Sacerdotale Saint-Pie-X. Elle a inculqué un esprit d’opposition au Concile et à sa mise en œuvre telle que le vicaire de Jésus-Christ s’appliquait à la promouvoir. Votre déclaration du 21 novembre 1974 est un témoignage de cet esprit ; et sur un tel fondement, comme l’a jugé à juste titre notre commission cardinalice, le 6 mai 1975, on ne peut bâtir d’institution ou de formation sacerdotale conforme aux exigences de l’Église du Christ. Cela n’infirme point ce qui existe de bon dans vos séminaires, mais il faut aussi considérer les lacunes ecclésiologiques dont Nous avons parlé et la capacité d’exercer un ministère pastoral dans l’Église aujourd’hui. Devant ces réalités malheureusement mêlées, Nous aurons le souci de ne pas détruire, mais de corriger et de sauver autant que possible.

C’est pourquoi, en tant que garant suprême de la foi et de la formation du clergé, Nous vous demandons d’abord de remettre entre nos mains la responsabilité de votre œuvre, et notamment de vos séminaires. C’est assurément pour vous un lourd sacrifice, mais c’est un test aussi de votre confiance, de votre obéissance, et c’est une condition nécessaire pour que ces séminaires, qui n’ont pas d’existence canonique dans l’Église, puisse éventuellement y prendre place.

Ce n’est qu’après que vous en aurez accepté le principe que Nous serons en mesure de pourvoir le mieux possible au bien de toutes les personnes intéressées, avec le souci de promouvoir les vocations sacerdotales authentiques et dans le respect des exigences doctrinales, disciplinaires et pastorales de l’Église. À ce stade, Nous pourrons entendre avec bienveillance vos demandes et vos souhaits, et prendre en conscience, avec nos dicastères, les mesures justes et opportunes.

En ce qui concerne les séminaristes ordonnés illicitement, les sanctions qu’ils ont encourues conformément aux canons 985, 7° et 2374 pourront être levées, s’ils donnent une preuve de résipiscence en acceptant notamment de souscrire à la déclaration que Nous vous avons demandée. Nous comptons sur votre sens de l’Église pour leur faciliter cette démarche.

Quant aux fondations, maisons de formation, “prieurés” et autres institutions diverses créées sur votre initiative ou avec votre encouragement, Nous vous demandons également de vous en remettre au Saint-Siège, qui étudiera leur cas, dans ses divers aspects, avec l’épiscopat local. Leur survie, leur organisation et leur apostolat seront subordonnés, comme il est normal dans toute l’Église catholique, à un accord qui devra être passé, dans chaque cas, avec l’évêque du lieu – nihil sine episcopo – et dans un esprit qui respecte la déclaration mentionnée plus haut.

*

*     *

Tous les points qui figurent dans cette lettre et que Nous avons mûrement pesés, avec la collaboration des chefs des dicastères intéressés, n’ont été adoptés par Nous qu’en vue du meilleur bien de l’Église. Vous Nous avez dit à un moment de l’entretien du 11 septembre : « Je suis prêt à tout, pour le bien de l’Église. » La réponse est maintenant entre vos mains.

Si vous refusiez – quod Deus avertat – de faire la déclaration qui vous est demandée, vous resteriez suspens a divinis. Par contre, notre pardon et la levée de la suspens vous seront assurés dans la mesure où vous accepterez sincèrement et sans ambiguïté de réaliser les conditions de cette lettre et de réparer le scandale causé. L’obéissance et la confiance dont vous ferez preuve Nous permettront aussi d’étudier, sereinement, avec vous, vos problèmes personnels.

Puisse l’Esprit Saint vous éclairer et vous acheminer vers la seule solution qui vous permettrait de retrouver d’une part la paix de votre conscience un moment égarée, mais d’assurer aussi le bien des âmes, de contribuer à l’unité de l’Église dont le Seigneur Nous a confié la charge, d’éviter le péril d’un schisme. Dans l’état psychologique où vous vous trouvez. Nous avons conscience qu’il vous est difficile d’y voir clair et très dur de changer humblement de ligne de conduite : n’est-il pas urgent alors, comme dans tous les cas semblables, de vous ménager un temps et un lieu de recueillement qui vous permettent le recul nécessaire ? Fraternellement, Nous vous mettons en garde contre les pressions dont vous pourriez être l’objet de la part de ceux qui veulent vous entretenir dans une position insoutenable, alors que Nous-même, tous vos frères dans l’épiscopat et l’immense majorité des fidèles attendent enfin de vous l’attitude ecclésiale qui vous honorerait.

Pour extirper les abus que nous déplorons tous et garantir un renouveau spirituel authentique, en même temps que l’évangélisation courageuse à laquelle Nous convie l’Esprit Saint, il faut plus que jamais l’aide et l’engagement de toute la communauté ecclésiale, autour du Pape et de l’épiscopat. Or la révolte des uns rejoint finalement et risque d’accentuer l’insubordination et ce que vous appelez la « subversion » des autres ; alors que, sans votre propre insubordination, vous auriez pu, frère, aider à opérer, dans la fidélité et sous notre autorité, l’avancée de l’Église.

Veuillez donc, cher frère, ne plus tarder davantage à considérer devant Dieu, avec une très vive et religieuse attention, cette adjuration solennelle de l’humble mais légitime successeur de Pierre. Veuillez mesurer la gravité de l’heure et prendre la seule décision qui convient à un fils de l’Église. Tel est notre espoir, telle est notre prière.

_______

Quelle: „La crise intégriste“

Siehe dazu:

Papst BENEDIKT XVI. zur Aufhebung der Exkommunikation 2009 der 4 Bischöfe der FSSPX

-

BRIEF SEINER HEILIGKEIT PAPST BENEDIKT XVI.
AN DIE BISCHÖFE DER KATHOLISCHEN KIRCHE
IN SACHEN AUFHEBUNG DER EXKOMMUNIKATION
DER VIER VON ERZBISCHOF LEFEBVRE GEWEIHTEN BISCHÖFE

Liebe Mitbrüder im bischöflichen Dienst!

Die Aufhebung der Exkommunikation für die vier von Erzbischof Lefebvre im Jahr 1988 ohne Mandat des Heiligen Stuhls geweihten Bischöfe hat innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche aus vielfältigen Gründen zu einer Auseinandersetzung von einer Heftigkeit geführt, wie wir sie seit langem nicht mehr erlebt haben. Viele Bischöfe fühlten sich ratlos vor einem Ereignis, das unerwartet gekommen und kaum positiv in die Fragen und Aufgaben der Kirche von heute einzuordnen war. Auch wenn viele Hirten und Gläubige den Versöhnungswillen des Papstes grundsätzlich positiv zu werten bereit waren, so stand dagegen doch die Frage nach der Angemessenheit einer solchen Gebärde angesichts der wirklichen Dringlichkeiten gläubigen Lebens in unserer Zeit. Verschiedene Gruppierungen hingegen beschuldigten den Papst ganz offen, hinter das Konzil zurückgehen zu wollen: eine Lawine von Protesten setzte sich in Bewegung, deren Bitterkeit Verletzungen sichtbar machte, die über den Augenblick hinausreichen. So fühle ich mich gedrängt, an Euch, liebe Mitbrüder, ein klärendes Wort zu richten, das helfen soll, die Absichten zu verstehen, die mich und die zuständigen Organe des Heiligen Stuhls bei diesem Schritt geleitet haben. Ich hoffe, auf diese Weise zum Frieden in der Kirche beizutragen.

Eine für mich nicht vorhersehbare Panne bestand darin, daß die Aufhebung der Exkommunikation überlagert wurde von dem Fall Williamson. Der leise Gestus der Barmherzigkeit gegenüber vier gültig, aber nicht rechtmäßig geweihten Bischöfen erschien plötzlich als etwas ganz anderes: als Absage an die christlich-jüdische Versöhnung, als Rücknahme dessen, was das Konzil in dieser Sache zum Weg der Kirche erklärt hat. Aus einer Einladung zur Versöhnung mit einer sich abspaltenden kirchlichen Gruppe war auf diese Weise das Umgekehrte geworden: ein scheinbarer Rückweg hinter alle Schritte der Versöhnung von Christen und Juden, die seit dem Konzil gegangen wurden und die mitzugehen und weiterzubringen von Anfang an ein Ziel meiner persönlichen theologischen Arbeit gewesen war. Daß diese Überlagerung zweier gegensätzlicher Vorgänge eingetreten ist und den Frieden zwischen Christen und Juden wie auch den Frieden in der Kirche für einen Augenblick gestört hat, kann ich nur zutiefst bedauern. Ich höre, daß aufmerksames Verfolgen der im Internet zugänglichen Nachrichten es ermöglicht hätte, rechtzeitig von dem Problem Kenntnis zu erhalten. Ich lerne daraus, daß wir beim Heiligen Stuhl auf diese Nachrichtenquelle in Zukunft aufmerksamer achten müssen. Betrübt hat mich, daß auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten. Um so mehr danke ich den jüdischen Freunden, die geholfen haben, das Mißverständnis schnell aus der Welt zu schaffen und die Atmosphäre der Freundschaft und des Vertrauens wiederherzustellen, die – wie zur Zeit von Papst Johannes Paul II. – auch während der ganzen Zeit meines Pontifikats bestanden hatte und gottlob weiter besteht.

Eine weitere Panne, die ich ehrlich bedaure, besteht darin, daß Grenze und Reichweite der Maßnahme vom 21.1.2009 bei der Veröffentlichung des Vorgangs nicht klar genug dargestellt worden sind. Die Exkommunikation trifft Personen, nicht Institutionen. Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag bedeutet die Gefahr eines Schismas, weil sie die Einheit des Bischofskollegiums mit dem Papst in Frage stellt. Die Kirche muß deshalb mit der härtesten Strafe, der Exkommunikation, reagieren, und zwar, um die so Bestraften zur Reue und in die Einheit zurückzurufen. 20 Jahre nach den Weihen ist dieses Ziel leider noch immer nicht erreicht worden. Die Rücknahme der Exkommunikation dient dem gleichen Ziel wie die Strafe selbst: noch einmal die vier Bischöfe zur Rückkehr einzuladen. Diese Geste war möglich, nachdem die Betroffenen ihre grundsätzliche Anerkennung des Papstes und seiner Hirtengewalt ausgesprochen hatten, wenn auch mit Vorbehalten, was den Gehorsam gegen seine Lehrautorität und gegen die des Konzils betrifft. Damit komme ich zur Unterscheidung von Person und Institution zurück. Die Lösung der Exkommunikation war eine Maßnahme im Bereich der kirchlichen Disziplin: Die Personen wurden von der Gewissenslast der schwersten Kirchenstrafe befreit. Von dieser disziplinären Ebene ist der doktrinelle Bereich zu unterscheiden. Daß die Bruderschaft Pius’ X. keine kanonische Stellung in der Kirche hat, beruht nicht eigentlich auf disziplinären, sondern auf doktrinellen Gründen. Solange die Bruderschaft keine kanonische Stellung in der Kirche hat, solange üben auch ihre Amtsträger keine rechtmäßigen Ämter in der Kirche aus. Es ist also zu unterscheiden zwischen der die Personen als Personen betreffenden disziplinären Ebene und der doktrinellen Ebene, bei der Amt und Institution in Frage stehen. Um es noch einmal zu sagen: Solange die doktrinellen Fragen nicht geklärt sind, hat die Bruderschaft keinen kanonischen Status in der Kirche und solange üben ihre Amtsträger, auch wenn sie von der Kirchenstrafe frei sind, keine Ämter rechtmäßig in der Kirche aus.

Angesichts dieser Situation beabsichtige ich, die Päpstliche Kommission „Ecclesia Dei“, die seit 1988 für diejenigen Gemeinschaften und Personen zuständig ist, die von der Bruderschaft Pius’ X. oder ähnlichen Gruppierungen kommend in die volle Gemeinschaft mit dem Papst zurückkehren wollen, in Zukunft mit der Glaubenskongregation zu verbinden. Damit soll deutlich werden, daß die jetzt zu behandelnden Probleme wesentlich doktrineller Natur sind, vor allem die Annahme des II. Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramts der Päpste betreffen. Die kollegialen Organe, mit denen die Kongregation die anfallenden Fragen bearbeitet (besonders die regelmäßige Kardinalsversammlung an den Mittwochen und die ein- bis zweijährige Vollversammlung), garantieren die Einbeziehung der Präfekten verschiedener römischer Kongregationen und des weltweiten Episkopats in die zu fällenden Entscheidungen. Man kann die Lehrautorität der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren – das muß der Bruderschaft ganz klar sein. Aber manchen von denen, die sich als große Verteidiger des Konzils hervortun, muß auch in Erinnerung gerufen werden, daß das II. Vaticanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich trägt. Wer ihm gehorsam sein will, muß den Glauben der Jahrhunderte annehmen und darf nicht die Wurzeln abschneiden, von denen der Baum lebt.

Ich hoffe, liebe Mitbrüder, daß damit die positive Bedeutung wie auch die Grenze der Maßnahme vom 21.1.2009 geklärt ist. Aber nun bleibt die Frage: War das notwendig? War das wirklich eine Priorität? Gibt es nicht sehr viel Wichtigeres? Natürlich gibt es Wichtigeres und Vordringlicheres. Ich denke, daß ich die Prioritäten des Pontifikats in meinen Reden zu dessen Anfang deutlich gemacht habe. Das damals Gesagte bleibt unverändert meine Leitlinie. Die erste Priorität für den Petrusnachfolger hat der Herr im Abendmahlssaal unmißverständlich fixiert: „Du aber stärke deine Brüder“ (Lk 22, 32). Petrus selber hat in seinem ersten Brief diese Priorität neu formuliert: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die in euch ist“ (1 Petr 3, 15). In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, ist die allererste Priorität, Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt und den Menschen den Zugang zu Gott zu öffnen. Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott, der am Sinai gesprochen hat; zu dem Gott, dessen Gesicht wir in der Liebe bis zum Ende (Joh 13, 1) – im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus erkennen. Das eigentliche Problem unserer Geschichtsstunde ist es, daß Gott aus dem Horizont der Menschen verschwindet und daß mit dem Erlöschen des von Gott kommenden Lichts Orientierungslosigkeit in die Menschheit hereinbricht, deren zerstörerische Wirkungen wir immer mehr zu sehen bekommen.

Die Menschen zu Gott, dem in der Bibel sprechenden Gott zu führen, ist die oberste und grundlegende Priorität der Kirche und des Petrusnachfolgers in dieser Zeit. Aus ihr ergibt sich dann von selbst, daß es uns um die Einheit der Glaubenden gehen muß. Denn ihr Streit, ihr innerer Widerspruch, stellt die Rede von Gott in Frage. Daher ist das Mühen um das gemeinsame Glaubenszeugnis der Christen – um die Ökumene – in der obersten Priorität mit eingeschlossen. Dazu kommt die Notwendigkeit, daß alle, die an Gott glauben, miteinander den Frieden suchen, versuchen einander näher zu werden, um so in der Unterschiedenheit ihres Gottesbildes doch gemeinsam auf die Quelle des Lichts zuzugehen – der interreligiöse Dialog. Wer Gott als Liebe bis ans Ende verkündigt, muß das Zeugnis der Liebe geben: den Leidenden in Liebe zugewandt sein, Haß und Feindschaft abwehren – die soziale Dimension des christlichen Glaubens, von der ich in der Enzyklika Deus caritas est gesprochen habe.

Wenn also das Ringen um den Glauben, um die Hoffnung und um die Liebe in der Welt die wahre Priorität für die Kirche in dieser Stunde (und in unterschiedlichen Formen immer) darstellt, so gehören doch auch die kleinen und mittleren Versöhnungen mit dazu. Daß die leise Gebärde einer hingehaltenen Hand zu einem großen Lärm und gerade so zum Gegenteil von Versöhnung geworden ist, müssen wir zur Kenntnis nehmen. Aber nun frage ich doch: War und ist es wirklich verkehrt, auch hier dem Bruder entgegenzugehen, „der etwas gegen dich hat“ und Versöhnung zu versuchen (vgl. Mt 5, 23f)? Muß nicht auch die zivile Gesellschaft versuchen, Radikalisierungen zuvorzukommen, ihre möglichen Träger – wenn irgend möglich – zurückzubinden in die großen gestaltenden Kräfte des gesellschaftlichen Lebens, um Abkapselung und all ihre Folgen zu vermeiden? Kann es ganz falsch sein, sich um die Lösung von Verkrampfungen und Verengungen zu bemühen und dem Raum zu geben, was sich an Positivem findet und sich ins Ganze einfügen läßt? Ich habe selbst in den Jahren nach 1988 erlebt, wie sich durch die Heimkehr von vorher von Rom sich abtrennenden Gemeinschaften dort das innere Klima verändert hat; wie die Heimkehr in die große, weite und gemeinsame Kirche Einseitigkeiten überwand und Verkrampfungen löste, so daß nun daraus positive Kräfte für das Ganze wurden. Kann uns eine Gemeinschaft ganz gleichgültig sein, in der es 491 Priester, 215 Seminaristen, 6 Seminare, 88 Schulen, 2 Universitäts-Institute, 117 Brüder und 164 Schwestern gibt? Sollen wir sie wirklich beruhigt von der Kirche wegtreiben lassen? Ich denke zum Beispiel an die 491 Priester. Das Geflecht ihrer Motivationen können wir nicht kennen. Aber ich denke, daß sie sich nicht für das Priestertum entschieden hätten, wenn nicht neben manchem Schiefen oder Kranken die Liebe zu Christus da gewesen wäre und der Wille, ihn und mit ihm den lebendigen Gott zu verkünden. Sollen wir sie einfach als Vertreter einer radikalen Randgruppe aus der Suche nach Versöhnung und Einheit ausschalten? Was wird dann werden?

Gewiß, wir haben seit langem und wieder beim gegebenen Anlaß viele Mißtöne von Vertretern dieser Gemeinschaft gehört – Hochmut und Besserwisserei, Fixierung in Einseitigkeiten hinein usw. Dabei muß ich der Wahrheit wegen anfügen, daß ich auch eine Reihe bewegender Zeugnisse der Dankbarkeit empfangen habe, in denen eine Öffnung der Herzen spürbar wurde. Aber sollte die Großkirche nicht auch großmütig sein können im Wissen um den langen Atem, den sie hat; im Wissen um die Verheißung, die ihr gegeben ist? Sollten wir nicht wie rechte Erzieher manches Ungute auch überhören können und ruhig aus der Enge herauszuführen uns mühen? Und müssen wir nicht zugeben, daß auch aus kirchlichen Kreisen Mißtönendes gekommen ist? Manchmal hat man den Eindruck, daß unsere Gesellschaft wenigstens eine Gruppe benötigt, der gegenüber es keine Toleranz zu geben braucht; auf die man ruhig mit Haß losgehen darf. Und wer sie anzurühren wagte – in diesem Fall der Papst -, ging auch selber des Rechts auf Toleranz verlustig und durfte ohne Scheu und Zurückhaltung ebenfalls mit Haß bedacht werden.

Liebe Mitbrüder, in den Tagen, in denen mir in den Sinn kam, diesen Brief zu schreiben, ergab es sich zufällig, daß ich im Priesterseminar zu Rom die Stelle aus Gal 5, 13 – 15 auslegen und kommentieren mußte. Ich war überrascht, wie direkt sie von der Gegenwart dieser Stunde redet: „Nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe! Das ganze Gesetz wird in dem einen Wort zusammengefaßt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Wenn ihr einander beißt und zerreißt, dann gebt acht, daß ihr euch nicht gegenseitig umbringt.“ Ich war immer geneigt, diesen Satz als eine der rhetorischen Übertreibungen anzusehen, die es gelegentlich beim heiligen Paulus gibt. In gewisser Hinsicht mag er dies auch sein. Aber leider gibt es das „Beißen und Zerreißen“ auch heute in der Kirche als Ausdruck einer schlecht verstandenen Freiheit. Ist es verwunderlich, daß wir auch nicht besser sind als die Galater? Daß uns mindestens die gleichen Versuchungen bedrohen? Daß wir den rechten Gebrauch der Freiheit immer neu lernen müssen? Und daß wir immer neu die oberste Priorität lernen müssen: die Liebe? An dem Tag, an dem ich darüber im Priesterseminar zu reden hatte, wurde in Rom das Fest der Madonna della Fiducia – unserer Lieben Frau vom Vertrauen – begangen. In der Tat – Maria lehrt uns das Vertrauen. Sie führt uns zum Sohn, dem wir alle vertrauen dürfen. Er wird uns leiten – auch in turbulenten Zeiten. So möchte ich am Schluß all den vielen Bischöfen von Herzen danken, die mir in dieser Zeit bewegende Zeichen des Vertrauens und der Zuneigung, vor allem aber ihr Gebet geschenkt haben. Dieser Dank gilt auch allen Gläubigen, die mir in dieser Zeit ihre unveränderte Treue zum Nachfolger des heiligen Petrus bezeugt haben. Der Herr behüte uns alle und führe uns auf den Weg des Friedens. Das ist ein Wunsch, der spontan aus meinem Herzen aufsteigt, gerade jetzt zu Beginn der Fastenzeit, einer liturgischen Zeit, die der inneren Läuterung besonders förderlich ist und die uns alle einlädt, mit neuer Hoffnung auf das leuchtende Ziel des Osterfestes zu schauen.

Mit einem besonderen Apostolischen Segen verbleibe ich

im Herrn Euer

BENEDICTUS PP. XVI

 

Aus dem Vatikan, am 10. März 2009

Bischof Richard Williamson: ERZBISCHÖFLICHE WEISHEIT – I.

Eleison Kommentar Nummer CCCLXXVII (377), 4. Oktober 2014

Die letzte Ausgabe der englischen Zeitschrift The Recusant (www.therecusant.com) brachte eine Übersetzung des letzten Gespräches der französischen Zeitschrift Fideliter (Nr. 79) mit Erzbischof Lefebvre kurz vor seinem Tode im März 1991. Es ist immer erfrischend, den Erzbischof zu lesen. Er ist klar, weil sein Denken von katholischen Grundlagen ausgeht. Er ist transparent, weil er nichts zu verbergen hat. Er ist unzweideutig, weil er nicht versucht, die Kirche unseres Herrn mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil des Teufels zu kompromittieren. Beachten wir allerdings die Fragestellungen des Fideliter, welche andeuten, daß die Leserschaft der Zeitschrift schon zu jener Richtung hinneigte, welche die Bruderschaft dann einige Jahre nach dem Tod des Erzbischofs tatsächlich einschlagen würde. Folgend eine Auswahl von verkürzten Fragen und Antworten:

Frage: Warum versuchen Sie nicht eine letzte Annäherung an Rom? Man hört, daß der Papst „bereit ist, Sie zu empfangen.“

Erzbischof Lefebvre (EBL): Dieser Schritt ist absolut unmöglich, weil die heute in der konziliaren Kirche maßgebenden Grundsätze immer mehr und immer offener der katholischen Lehre widersprechen.

Beispielsweise sagte Kardinal Ratzinger kürzlich, daß die berühmten anti-modernistischen Dokumente der Päpste vom 19. und 20. Jahrhundert zu ihrer Zeit einen großen Dienst geleistet hätten, jetzt aber überholt seien. Und Johannes Paul II. ist ökumenistischer als jemals zuvor (1990). „ Es ist absolut unvorstellbar und nicht akzeptabel, mit einer derartigen Hierarchie zusammenzuarbeiten.“

Frage: Ist die Situation in Rom noch schlechter geworden seit den Gesprächen im Jahre 1988?

EBL: Ja! „ Man muß abwarten, bevor man die Aussicht auf ein Übereinkommen in Betracht ziehen kann. Nach meiner Einschätzung kann nur der liebe Gott die Situation noch retten, weil menschlich gesprochen keine Möglichkeit für Rom besteht, diese verfahrene Lage wieder ins Lot zu bringen.

Frage: Aber es gibt Traditionalisten, welche mit Rom ein Abkommen schlossen, ohne etwas preiszugeben.

EBL: Das ist falsch. Sie haben die Möglichkeit preisgegeben, Rom entgegenzutreten. Sie müssen schweigen angesichts der Vergünstigungen, welche ihnen gewährt wurden. Allmählich schwenken sie dann langsam um und enden schließlich bei der Anerkennung der falschen Ideen des Konzils. „Das ist eine sehr gefährliche Situation.“ Solche römischen Zugeständnisse werden nur gewährt, um zu erreichen, daß die Traditionalisten mit der Bruderschaft brechen und Rom sich unterwerfen.

Frage: Sie sagen, daß solche Traditionalisten einen „Verrat“ begangen haben . Ist das nicht etwas streng?

EBL: Nein. Beispielsweise benutzte Dom Gérard mich, die Bruderschaft und ihre Kapellen und Wohltäter. Jetzt auf einen Schlag haben sie uns nicht mehr nötig und haben sich mit den Glaubenszerstörern vereinigt. Sie haben den wahren Kampf um den Glauben aufgegeben. Sie können Rom nicht mehr entgegentreten. Diese Menschen haben in der Frage der Lehre nichts verstanden. Es ist schrecklich, an die jungen Männer zu denken, welche bei ihnen eingetreten sind, um wahrhaft in der Tradition zu leben, nun aber ins konzilare Rom ihnen folgen.

Frage: Ist es gefährlich, gute Beziehungen mit den nach Rom übergelaufenen Traditionalisten aufrechtzuerhalten und ihre Messen zu besuchen?

EBL: Ja, weil bei dieser Messe es nicht nur die Messe gibt, sondern auch die Predigt, die Atmosphäre, das Drumherum, die Gespräche und Kontakte vorher und nachher. Alle diese Dinge führen dazu, daß man ganz langsam seine Gesinnung ändert. Es herrscht ein Klima der Zweideutigkeit und eine Atmosphäre, welche dem Vatikan und letztendlich dem Konzil unterworfen ist, und so wird man schließlich Ökumenist.

Frage: Papst Johannes Paul II. ist sehr populär. Er will alle Christen vereinen.

EBL: Eine Einheit womit? Das ist nicht länger eine Einheit jenes katholischen Glaubens, den wir annehmen müssen und der eine Konversion verlangt. Die Kirche wurde deformiert, von einer hierarchischen Gesellschaft zu einer „Gemeinschaft.“ Gemeinschaft worin? Jedenfalls nicht im Glauben. Kein Wunder also, daß die Katholiken ihn scharenweise aufgeben.

(Fortsetzung folgt)

Kyrie eleison.


Eleison Comment Number CCCLXXVII (377), October 4, 2014

ARCHBISHOP’S SENSE – I

In last month’s issue of The Recusant (www.The Recusant.com) is a translation into English of Archbishop Lefebvre’s last interview, published in French ( Fideliter #79) shortly before his death in March of 1991. He is always refreshing to read. He is clear, because he thinks from basic Catholic principles. He is transparent, because he has nothing to hide. He is unambiguous, because he is not trying to compromise Our Lord’s Church with Satan’s Vatican II. But notice how the interviewer’s questions indicate that the readership of Fideliter was naturally inclining to take the direction which the Society of St Pius X would begin to take a few years after the Archbishop’s death. Here is a selection of the questions and answers, somewhat abbreviated:—

Q: Why can you not make one last approach to Rome? We hear the Pope is “ready to receive you.” A: That is absolutely impossible, because the principles which now guide the Conciliar church are more and more openly contrary to Catholic doctrine. For instance Cardinal Ratzinger recently said that the Popes’ great anti-modernist documents of the 19 th and 20 th centuries rendered a great service in their day, but are now outdated. And John-Paul II is more ecumenical than ever (1990). “It is absolutely inconceivable that we can agree to work with such a hierarchy.”

Q; Has the situation in Rome deteriorated even since the negotiations of 1988?

A: Oh yes! “We will have to wait some time before considering the prospect of making an agreement. For my part I believe that God alone can save the situation, as humanly we see no possibility of Rome straightening things out.”

Q: But there are Traditionalists who have made an agreement with Rome while conceding nothing. A: That is false. They have given up their ability to oppose Rome. They must remain silent, given the favours they have been granted. Then they begin to slide ever so slowly, until they end up admitting the errors of Vatican II. “It’s a very dangerous situation.” Such concessions by Rome are meant only to get Traditionalists to break with the SSPX and submit to Rome.

Q: You say that such Traditionalists have “betrayed.” Isn’t that a bit harsh?

A: Not at all! For instance Dom Gérard made use of me, of the SSPX and its chapels and benefactors, and now they suddenly abandon us and join with the destroyers of the Faith. They have abandoned the fight for the Faith. They can no longer attack Rome. They have understood nothing of the doctrinal question. It is awful to think of the youngsters who joined them for the sake of Tradition and are now following them to Conciliar Rome.

Q: Is there a danger in remaining friends with Traditionalists who have gone over to Rome, and in attending their Masses?

A: Yes, because at Mass there is not only the Mass but there is also the sermon, the atmosphere, the surroundings, the conversations before and after Mass, and so on. All of these things make you little by little change your ideas. There is a climate of ambiguity. One is in an atmosphere submissive to the Vatican, subject ultimately to the Council, so one ends up by becoming ecumenical.

Q; John-Paul II is very popular. He wants to unite all Christians.

A: But in what unity? No longer in the Faith which a soul must accept, and which calls for conversion. The Church has been distorted, from being a hierarchical society into being a “communion.” Communion in what? Not in the Faith. No wonder one hears that Catholics are leaving the Faith in droves. (to be continued)

Kyrie eleison.

Das Verhör von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre vor der Heiligen Kongregation für die Glaubenslehre 1979

Bemerkung zur Vorgeschichte des Verhörs

Mit Schreiben der Heiligen Kongregation für die Glaubenslehre vom 28. Januar 1978 fordert deren Präfekt, Kardinal Seper, im Auftrag Pauls VI. Erzbischof Lefebvre auf, zu deren 15 Seiten umfassenden amt­lichen Anzeige Stellung zu nehmen, in der „Irrtümer und gefährliche Ansichten“ Erzbischof Lefebvres gerügt werden, die in seinen mündli­chen oder schriftlichen Erklärungen enthalten seien und auch „in sei­nen Unternehmungen und seinem Verhalten“ zum Ausdruck kämen.

Mit Schreiben vom 26. Februar 1978 übersendet Erzbischof Lefebvre Kardinal Seper seine 81 Seiten umfassende, sich auf höchster Stufe theologischer Wissenschaft bewegende „Antwort an die Heilige Kongre­gation für die Glaubenslehre“.

Mit Schreiben der Heiligen Kongregation für die Glaubenslehre vom 16. Juni 1978 teilt Kardinal Seper Erzbischof Lefebvre mit, daß seine Antworten aufmerksam studiert werden und kündigt die Einladung zu einem in solchen Fällen von den Verfahrensvorschriften vorgesehenen Colloquium am Sitz der Kongregation an.

Mit Schreiben der Heiligen Kongregation für die Glaubenslehre vom 30. November 1978 kommt Kardinal Seper auf seinen Brief vom 16. Juni 1978 zurück und ladet Erzbischof Lefebvre zu dem in Aussicht gestellten Colloquium an zwei zur Wahl gestellten Terminen ein.

Mit Schreiben vom 12. Dezember 1978 nimmt Erzbischof Lefebvre diese Einladung an und bittet um genaue Bekanntgabe der Gegen­stände der Unterredung, um schriftliche Behandlung dieser Gegen­stände statt einer mündlichen, falls es sich um Fragen der Lehre handle, um Bekanntgabe der Personen, die er antreffen werde, und die Erlaub­nis, einen Begleiter mitzunehmen.

Mit Schreiben der Heiligen Kongregation für die Glaubenslehre vom 19. Dezember 1978 verweigert Kardinal Seper Erzbischof Lefebvre den erbetenen Begleiter mit der Begründung, daß die Verfahrensvorschrift dies „nicht vorsieht“ (obwohl diese es nicht verbietet), und teilt statt der erbetenen Bekanntgabe der Teilnehmer nur mit, daß „höhere Amtsträger der Kongregation und ein oder zwei Experten“ daran teilnehmen werden.

Daraufhin wendete sich Erzbischof Lefebvre mit dem in seinem „Rundbrief an die Freunde und Wohltäter Nr. 16″ bereits veröffentlich­ten Brief vom 24. Dezember 1978 an den Papst. (Seite 291)

 

Einführung zum Buch von „Erzbischof Marcel Lefebvre
und das Heilige Offizium“1

Die Überlieferung
im Kampf mit dem liberalen Ökumenismus

Ecône vor den Nachfolgern des Heiligen Offiziums

Nach der Verurteilung des Werkes von Ecône und der Priesterbruder­schaft St. Pius X. am 6. Mai 1975 durch den Bischof von Freiburg (Schweiz), die auf Verlangen einer, man weiß nicht wie zustandegekom­menen, aus den drei Kardinälen Garrone, Wright und Tabera gebildeten Kommission erfolgte, schrieb ich an Papst Paul VI., daß diese Verurtei­lung, da sie vorgeblich Gegenstände der Glaubenslehre berührt, nur meine Person hätte betreffen dürfen und daß die Sache von der Glau­benskongregation zu behandeln gewesen wäre (Seite 103).

Diese Bitte im Interesse des Prozesses blieb ohne Antwort. Man er­hoffte das Verschwinden des Werkes, wenn auch mit Hilfe eines Schein­urteils und einer ungesetzlichen Verurteilung. Das Staatssekretariat mußte befürchten, daß das ehemalige Heilige Offizium noch zu ehrlich und zu überlieferungstreu gewesen wäre, als daß man sich auf diese Kongregation hätte verlassen können.

Indessen vergingen die Jahre. Der Mißbrauch der Amtsgewalt war so offenkundig, daß die öffentliche Meinung von Tag zu Tag mehr Sympa­thie für die Opfer bekundete. Daß Rom seine eigene Überlieferung ver­urteilte, noch dazu durch derartige Verfahrensweisen, und das im Mo­ment seiner jedem unparteiischen Auge sichtbaren Selbstzerstörung, das war zuviel.

Dreieinhalb Jahre mußten vergehen, bis eine eingehendere Untersu­chung der Lehre beschlossen wurde, zu der sich Erzbischof Lefebvre öf­fentlich bekennt und nach der in Ecône unterrichtet wird.

Am 28. Jänner 1978 sandte Kardinal Seper, Präfekt des ehemaligen Heiligen Offiziums, einen sehr ausführlichen Fragebogen nach Ecône, der in der vorliegenden Sammlung enthalten ist. Es war der Beginn der Untersuchung.

Die Leser können die Entwicklung der Untersuchung an Hand dieser Seiten verfolgen und sich selbst ein Urteil bilden. Wo es uns angezeigt erschien, haben wir einige Informationen und Erläuterungen angebracht.

Nachdem dieses Jahr 1978 zwei Konklaven gesehen hat, glauben wir, daß auch die Briefe, die wir an einige Kardinäle gesandt hatten, für die Information der Leser von Nutzen sein könnten (Seite 275 und 286).

___

1) Mediatrix-Verlag, Wien 1981 (bei der Priesterbruderschaft erhältlich).

___

Ich bin nie mit dem Anspruch aufgetreten, Vertreter aller Katholiken zu sein, die der Überlieferung der Kirche treu sind. Es liegt mir fern, diesen Debatten mehr Bedeutung zu geben, als ihnen zukommt. Den­noch kann ich nicht umhin, ehrlichen Herzens zu glauben, daß die vor­liegenden Unterredungen eine historische Bedeutung haben, weil sie das Echo eines tiefgreifenden, zumindest auf das Konzil von Trient zu­rückgehenden Gegensatzes zwischen der katholischen Lehre und dem protestantischen Liberalismus, zwischen dem katholischen Glauben und dem freimaurerischen rationalistischen Naturalismus sind, wovon die Geschichte der letzten vier Jahrhunderte ein tragisches Bild bietet.

Ich habe meinen Fragestellern von der Kongregation für die Glau­benslehre, die mich beschuldigten, die Kirche zu spalten, im wesentli­chen folgendes geantwortet: „Meine Herren, Sie verfügen hinsichtlich der Geschichte der Kirche der letzten Jahrhunderte über eine ebenso große, wenn nicht größere Kenntnis als ich. Diese Geschichte lehrt uns, daß die Spaltung in der Kirche zwischen den Katholiken und den Libe­ralen seit mindestens zwei Jahrhunderten besteht. Aber letztere sind immer von den Päpsten verurteilt worden, bis zum Zweiten Vatikani­schen Konzil, wodurch ein unergründliches Geheimnis der Vorsehung diese Liberalen ihre Ideen zum Sieg führen und die wichtigsten Stellen der Römischen Kurie besetzen konnten. Wenn ich daran denke, daß wir uns im Palast des Heiligen Offiziums befinden, diesem einzigartigen Zeugen für die Überlieferung und die Verteidigung des katholischen Glaubens, dann kann ich nicht anders, als mir denken, daß ich es bin, der hier zu Hause ist, und daß ich, den Sie den ‚Traditionalisten‘ nennen, derjenige bin, der Sie verurteilen müßte. Die Überlieferung repräsen­tiert eine Vergangenheit, unerschütterlich wie dieses Haus; der Libera­lismus hat kein Fundament und wird vergehen. Eines Tages wird die Wahrheit wieder zu ihren Rechten kommen.“

Die in dieser Sammlung enthaltenen Dokumente mögen schwierig er­scheinen, doch hielt ich es zur Verteidigung des katholischen Glaubens und der christlichen Kultur für notwendig, sie zu veröffentlichen.

Das Unternehmen der Wiederherstellung der Kirche durch ihre Über­lieferung ist ohne Zweifel unerläßlich für das Heil der Seelen. Es wird jedoch nur möglich sein mit einer außergewöhnlichen Hilfe des Heili­gen Geistes und durch die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau Maria. Wir werden diese so ersehnte Erneuerung deshalb nur durch das Gebet und besonders durch das heilige Meßopfer erreichen.

Ecône, am 23. Februar 1979

† Marcel Lefebvre

 

Das Verhör am 11. und 12. Januar 1979

Vorbemerkung von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre

Die Antworten auf den Fragebogen wurden nach der Unterredung zu­nächst vom Schriftführer niedergeschrieben. Es war mir gestattet, sie nach meinem Gutdünken abzuändern.

Die Gesamtheit der Fragen und der Antworten sollte hierauf von S. Em. Kardinal Seper und von mir unterfertigt werden.

Die hier veröffentlichten Antworten sind die berichtigten.

Im großen und ganzen waren diese Antworten gut redigiert; es gab nur wenige Korrekturen oder Abänderungen.

Eröffnung durch S. Em. Kardinal Franjo Seper

Die Einleitung zum „Colloquium“ wurde vom Präfekten S. Em. Kardi­nal Franjo Seper am 11. Januar 1979 um 10 Uhr zur Eröffnung des Collo­quiums, das am 12. Januar 1979 fortgesetzt werden sollte, in Anwesen­heit des Sekretärs der Heiligen Kongregation für die Glaubenslehre, S. E. Erzbischof Jérôme Hamer OP, des P. Benoit Duroux OP, zweier weiterer Experten und eines Schriftführers verlesen:

Exzellenz, ich danke Ihnen dafür, daß Sie bereit waren, zu diesem Treffen zu kommen, dessen Gegenstand und Geist genau zu umschrei­ben meines Erachtens unerläßlich ist.

Unsere Unterredung beruht auf dem unserer Kongregation durch Papst Paul VI. am 19. Oktober 1976 erteilten, von seinen beiden Nachfol­gern, dem Papst Johannes Paul I. und Seiner Heiligkeit Johannes Paul II., bestätigten Auftrag zu einer Prüfung Ihres Falles, nicht nur hinsichtlich der Lehre, sondern ebenso auch hinsichtlich seiner eventu­ellen disziplinären und pastoralen Seite.

Wir sind bei diesem Auftrag nach den Bestimmungen unserer „Agendi ratio in doctrinarum examine“ (Richtlinien für die Prüfung in Fragen der Glaubenslehre) vom 15. Januar 1971 vorgegangen. Im Rah­men dieser Bestimmungen habe ich die beiden „Streitverkündigungs­-Briefe“ vom 26. Januar und vom 22. März 1978 an Sie gerichtet, auf die Sie mir die schriftlichen Antworten vom 28. Februar und vom 13. März dieses Jahres übermittelten. In eben diesem Rahmen soll sich auch un­sere gegenwärtige Unterredung bewegen.

Es handelt sich hier um das in den Artikeln 13 und 15 dieser Ratio agendi vorgesehene Colloquium und ich halte es für nützlich, sie wört­lich zu zitieren.

(Es folgt die Verlesung dieser drei Artikel.)

Aus diesen Artikeln ergeben sich für unsere Zusammenkunft fol­gende Konsequenzen:

  1. Wir verbleiben selbstverständlich auf der Ebene des Forum exter­num, ohne auf die Fragen Ihrer subjektiven Absichten und Ihres Gewis­sens einzugehen.
  2. Wir sind nicht hier, um ein Verfahren mit dem Ziel eines Urteils­spruches durchzuführen, ja nicht einmal, um Entscheidungen zu treffen, sondern um die Informationen derer zu vervollständigen, denen dies ob­liegt, nämlich den Kardinälen, die Mitglied dieses Dikasteriums sind, und, in letzter Instanz, dem Papst.
  3. Unsere Fragen werden also begrenzt sein und den beiden schriftli­chen Antworten Rechnung tragen, die Sie bereits gegeben haben; sie wurden mit dem Ziel der Klarstellung formuliert und ohne jede polemi­sche Absicht.
  4. Ihre Antworten auf diese verschiedenen Fragen werden schriftlich niedergelegt; ihre Fassung wird Ihnen zur Billigung und eventuellem Ersuchen um Berichtigung vorgelegt werden. Nach Ihrer Unterzeich­nung durch Sie selbst und durch mich wird die Gesamtheit Ihrer Ant­worten das einzige Dokument sein, durch das die Unterredung beglau­bigt ist. Dieses Dokument wird den Kardinälen dieses Dikasteriums zur Prüfung vorgelegt und dem Heiligen Vater übermittelt werden. Erlauben Sie mir hinzuzufügen, wie sehr wir wünschen, daß über den Inhalt dieser Zusammenkunft vollkommenes Stillschweigen und volle Diskretion gewahrt werden. Alle, die im Namen der Kongregation daran teilnehmen, sind im übrigen verpflichtet, das päpstliche Amtsgeheimnis strengstens zu bewahren (s. Instruktion vom 4. Februar 1974 Art. I § 3).
    Ich möchte abschließend bemerken, daß wir nicht bei der unvermeid­lichen technischen Seite dieses Colloquiums stehenbleiben sollten. Es ist als eine Etappe auf dem Weg zu einer heißersehnten Wiederversöh­nung gedacht; aber ich glaube, es ist eine unerläßliche Etappe, denn diese Wiederversöhnung muß frei von Zweideutigkeiten sein und kann nur durch volle Klarheit erreicht werden. Auf der Grundlage dieser Überlegungen möchte ich hiermit das ei­gentliche Colloquium eröffnen.

 

Die Fragen und Antworten des Verhörs

1. Frage

Einleitung:

In einer einleitenden Bemerkung (vom 12. Juli 1976) zu einem an den Heiligen Vater gerichteten Brief haben Sie geschrieben:

„Man möge sich nicht täuschen, es handelt sich nicht um eine Diffe­renz zwischen Erzbischof Lefebvre und Papst Paul VI. Es handelt sich um die grundsätzliche Unvereinbarkeit zwischen der katholischen Kirche und der konziliaren Kirche, wobei die Messe Pauls VI. das Programm der konziliaren Kirche darstellt.“

Diese Idee findet sich weiter ausgeführt in der Predigt, die am 29. Juni letzten Jahres (richtig: „1976″ — Seite 150) bei der Priesterweihe in Ecône während der Messe gehalten wurde:

„Gerade dieses Drängen, mit dem die von Rom hierher Gesandten von uns verlangen, daß wir den Ritus wechseln, gibt uns zu denken. Und wir haben die Überzeugung, daß gerade dieser neue Ritus der Messe einen neuen Glauben ausdrückt, einen Glauben, der nicht der unsere ist, einen Glauben, der nicht der katholische Glaube ist. Diese neue Messe ist ein Glaubensbekenntnis, ein Ausdruck, ein Abbild eines neuen Glaubens, eines modernistischen Glaubens. … Nun ist es aber offenkundig, daß dieser neue Ritus vor etwas ganz anderes gespannt ist, wenn ich so sa­gen darf, daß er eine andere Auffassung des katholischen Glaubens, eine andere Religion voraussetzt. … Ganz langsam und vorsichtig wird die protestantische Auffassung der Messe in die hl. Kirche eingeführt.“

Frage:

Muß man aus diesen Behauptungen folgern, daß, nach Ihrer Ansicht, der Papst durch die Kundmachung und Vorschreibung des neuen Ordo Missae und daß die Gesamtheit der Bischöfe durch dessen Annahme eine neue, eine „konziliare“ Kirche, eine mit der katholischen Kirche grundsätzlich unvereinbare Kirche eingerichtet und sichtbar um sich geschart haben?

Antwort:

Ich bemerke zu allererst, daß der Ausdruck „konziliare Kirche“ nicht von mir ist, sondern von S. E. Erzbischof Benelli, der in einem offiziellen Brief verlangte, daß unsere Priester und unsere Seminaristen sich der „konziliaren Kirche“ unterwerfen.

Ich bin der Ansicht, daß sich in der neuen Messe und übrigens auch in der ganzen Liturgiereform ein Geist modernistischer und protestanti­scher Tendenz kundtut. Die Protestanten selbst bestätigen es und Erzbischof Bugnini anerkennt es implicite, wenn er erklärt, daß diese Li­turgiereform in einem ökumenischen Geist geschaffen wurde. (Ich kann eine Studie ausarbeiten, um zu zeigen, wie sich dieser protestantische Geist im Ordo Missae zeigt.)

2. Frage

Frage:

Behaupten Sie, ein gläubiger Katholik dürfe die Ansicht vertreten, daß ein vom Papst genehmigter und kundgemachter sakramentaler Ri­tus, insbesondere jener der Messe, dem katholischen Glauben nicht ent­sprechend oder „die Häresie begünstigend“ sein könne?

Antwort:

Dieser Ritus an sich bekennt den katholischen Glauben nicht in so klarer Weise wie der alte Ordo Missae und kann demzufolge die Häresie begünstigen. Aber ich weiß nicht, wem ich ihn zuschreiben soll, noch ob der Papst dafür verantwortlich ist.

Verblüffend ist jedenfalls, daß ein Ordo Missae mit protestantischem Geschmack und also „favens haeresim“ (die Häresie begünstigend) von der Römischen Kurie verbreitet werden konnte.

3. Frage

Frage:

Anerkennen Sie, daß die Lehre des Konzils von Trient über das eu­charistische Opfer in der Ziff. 2. des Proömiums der von Papst Paul VI. kundgemachten Institutio Generalis Missalis Romani ausdrücklich und absolut von neuem bekräftigt wird?

Antwort:

Ich anerkenne, daß im Proömium der Ausgabe von 1970 die Lehre des Konzils von Trient materiell ihren Ausdruck findet. Doch die Tatsache, daß eine Ergänzung notwendig war, zeigt klar den Charakter der Un­vollständigkeit der Ausgabe von 1969. Außerdem blieb die Gesamtheit der Riten der Messe so, wie sie in der Ausgabe von 1969 war.

4. Frage

Einleitung:

Sie haben in verschiedenen Diözesen gegen den Willen des örtlich zu­ständigen Diözesanbischofs das Sakrament der Firmung gespendet, manchmal sogar an Kinder, die es schon empfangen hatten. Sie haben diese Akte mit der Erklärung gerechtfertigt, daß die sakramentale Formel des neuen Ordo confirmationis oft schlecht übersetzt oder verkürzt, ja sogar weggelassen wird und daß in bestimmten Diözesen nicht mehr gefirmt wird.

Frage a:

Welche sakramentale Formel haben Sie selbst angewendet, wenn Sie die Firmung gespendet haben? (Wenn Erzbischof Lefebvre sagt, er habe sich der alten bedient, ist er zu fragen, ob er die neue als rechtswirksam anerkennt, und wenn ja, warum er sie nicht angewendet hat.)

Frage b:

Wenn sich die Tatsachen, die Sie angeführt haben, um die Ausübung dieses Amtes zu rechtfertigen, als wahr erweisen würden, würde Sie das schon dazu berechtigen, zu handeln, ohne der durch das Recht festge­legten Disziplin der Kirche Rechnung zu tragen?

Antwort auf die Frage a:

Ich habe die alte sakramentale Formel angewendet. Aber ich aner­kenne die Rechtswirksamkeit der neuen lateinischen Formel. Ich ver­wende die alte Formel, um dem Wunsch der Gläubigen nachzukommen.

Antwort auf Frage b:

Salus animarum suprema lex. (Das Heil der Seelen ist oberstes Ge­setz.) Ich kann das Sakrament nicht Gläubigen verweigern, die es von mir verlangen. Ich wende auf die Bitte der Gläubigen, die der Überliefe­rung anhangen, die alte sakramentale Formel an und tue dies auch si­cherheitshalber, um Formeln beizubehalten, mit denen die Gnade durch die Jahrhunderte verläßlich verliehen wurde.

5. Frage

Einleitung:

Nach der katholischen Lehre ist es untersagt, die Spendung eines Sa­kramentes, das einen unzerstörbaren Charakter verleiht, zu wiederho­len, wenn der Spender nicht die Gewißheit über die Rechtsunwirksam­keit des vorher angewendeten sakramentalen Ritus hat oder zumindest ein prudens dubium (einen berechtigten Zweifel) hinsichtlich dessen Rechtswirksamkeit.

Frage:

Wie haben Sie sich vergewissert, daß jedes der bereits gefirmten Kin­der rechtsunwirksam gefirmt worden war?

Antwort:

Ich habe alle Eltern und Kinder befragt, um zu erfahren, ob sie ge­firmt worden sind und auf welche Weise. Die Mehrzahl der Kinder war noch nicht gefirmt. Bei denen, die gefirmt worden waren, konnte ich be­rechtigte Zweifel an der Rechtswirksamkeit des Sakramentes hegen, das sie empfangen hatten. Ich bemerke dazu noch, daß ich nur mit Wi­derwillen Firmungen spende und sie soweit als möglich hinauszögere, weil ich wünsche, daß die Bischöfe sie spenden.

6. Frage

Einleitung:

Die Wiederholung eines Sakramentes, ohne daß zumindest ein be­rechtigter Zweifel über die Rechtswirksamkeit besteht, ist, objektiv ge­sehen, ein schwerer Mangel an Ehrfurcht vor dem sakramentalen Kult.

Frage:

Waren Sie sich darüber im klaren, daß Sie ein derartiges Risiko ein­gehen?

Antwort:

Nein, denn, wie ich gerade gesagt habe, habe ich vorher Eltern und Kinder befragt und konnte so ein prudens dubium hinsichtlich der Rechtswirksamkeit des vorher gespendeten Sakramentes haben.

7. Frage

Einleitung:

In Ihrer Antwort vom 13. April 1978 an die Heilige Kongregation und ausdrücklicher in Ihrer Schrift „Satans Meisterstück“, Seite 46 und 47, behaupten Sie, daß sich die von Ihnen geweihten Priester angesichts der gegenwärtigen Lage (daß nämlich der ganze Zusammenhang der Liturgiereform Zweifel an der Rechtswirksamkeit der Sakramente nach sich zieht) in einem Notstand befinden, wo ihnen das Recht selbst die Jurisdiktionsgewalt verleiht, die für die Rechtswirksamkeit der Sakra­mente erforderlich ist. Sie billigen ihnen unter Berufung auf can. 882, 1098 und 2261 § 2 das Recht zu, die Taufe, die Buße, die Krankenölung zu spenden und die Einwilligung der Ehegatten entgegenzunehmen. Diese priesterlichen Dienste werden in den Prioraten, die Sie aus eigener In­itiative in verschiedenen Diözesen errichtet haben, versehen.

Frage a:

Welches sind die auctores probati (kirchenamtlich anerkannten Auto­ren), die Ihre Auslegung der vorerwähnten Kanones teilen?

Frage b:

Ist das nicht ein Denken und Handeln, als ob die legitime Hierarchie nicht mehr existierte, und, ob Sie es wollen oder nicht, der Beginn der Bildung einer Gemeinschaft von Dissidenten?

Antwort auf die Frage a:

In meiner Interpretation berufe ich mich auf die beiden Kanones 882 und 2261 § 2 im Zusammenhalt. Weiter beziehe ich mich auf die Ab­handlungen im Lehrbuch von Jone.2 Es ist zwar eine sehr weit gefaßte Auslegung, die aber infolge einer ausnahmehaften Situation gerechtfer­tigt ist. Man erkennt in diesen Kanones den mütterlichen Geist der Kir­che, die die Seelen nicht in der Gefahr lassen will, dem ewigen Tod zu verfallen.

Antwort auf die Frage b:

Man kann ins Treffen führen, daß die Hierarchie in bestimmten Län­dern ganz allgemein nicht mehr ihre Aufgabe erfüllt. Es geht mir nicht darum, eine Gemeinschaft von Dissidenten zu bilden, sondern zu errei­chen, daß die Kirche fortbesteht, gegründet auf das Kirchenrecht und die entscheidenden theologischen Prinzipien.

8. Frage

Einleitung:

Sie haben Ordensgemeinschaften gegründet oder die Verantwortung für sie übernommen, die keiner regulären Autorität unterstehen. Sie haben (in Quiévrain) einen Karmel errichtet und schicken sich an, ein Kloster mit Zisterziensermönchen zu gründen. Sie nehmen Laienbrüder und Mitarbeiter auf. Sie tragen keine Bedenken, Gelübde von Religio­sen entgegenzunehmen.

Frage:

Wer hat sie dazu ermächtigt, das alles zu tun? Steht eine derartige Tä­tigkeit Ihrerseits im Einklang mit dem kanonischen Recht hinsichtlich des Ordenslebens?

Antwort:

Was die Priesterbruderschaft St. Pius X. betrifft, sehen ihre Statuten ausdrücklich vor, daß sie Laienbrüder und Schwestern haben kann.

___

2) Dr. Heribert Jone OFM. Cap. „Gesetzbuch des kanonischen Rechtes. Er­klärung der Kanones“, Verlag Ferdinand Schönigh, Paderborn, Wien, Zürich 1939, 3 Bände.

___

Was den Karmel von Quiévrain betrifft, so habe nicht ich ihn gegrün­det. Es war eine Initiative meiner leiblichen Schwester, die, autorisiert von ihrer Priorin, ihren Karmel in Australien verlassen hat, um ein an­deres Kloster zu gründen.

Und schließlich: ich habe keine Zisterziensergründung vorgenommen und habe auch nicht vor, es zu tun.

9. Frage

Einleitung:

Die pia unio (Fromme Vereinigung), die den Namen „Priesterbruder­schaft St. Pius X.“ führt, ist am 1. November 1970 von S. E. François Charriére, Bischof von Freiburg (Schweiz), errichtet worden.

Frage a:

Erlaubt Ihnen das rechtliche Statut der Bruderschaft, Weihen zu er­teilen?

Frage b:

Wenn ja, auf Grund welches Kanons oder welcher anderen Rechts­norm?

Antwort auf die Frage a:

Anfänglich glaubte ich, daß dies nicht der Fall sei. Vor 1976 waren übrigens die Mitglieder der Bruderschaft in verschiedenen Diözesen in­kardiniert. Dann aber zweifelte ich daran, zunächst als mir S. E. Bischof Adam sagte, daß die Bruderschaft mir erlauben würde zu inkardinieren (was ich zu dieser Zeit aber nicht getan habe), und weiter insbesondere, als Kardinal Antoniutti zwei Ordenspriestern einen Indult gewährte, von ihrem Orden direkt in die Bruderschaft überzutreten. Daraus ergibt sich, daß die Heilige Kongregation für die Religiosen der Ansicht war, daß die Bruderschaft berechtigt sei zu inkardinieren. Jedenfalls habe ich vor 1976 niemals ohne Dimissorien (Weiheerlaubnis des zuständigen Diözesanbischofs) Weihen erteilt.

Antwort auf die Frage b:

Gegenstandslos.

10. Frage

Frage a:

Haben Sie vor der Erteilung der verschiedenen Diakonats- und Prie­sterweihen, die Sie vorgenommen haben, speziell vor denen vom 29. Juni 1976, für alle Kandidaten die Dimissorien erhalten?

Frage b:

Wenn nein, wieso hat Sie das Wissen um die in diesem Fall sowohl dem die Weihe erteilenden Bischof als den geweihten Seminaristen dro­henden schweren Strafen nicht davon abgehalten, diese Weihen zu er­teilen?

Antwort auf die Frage a:

Ich habe soeben hinsichtlich der Weihen von vor 1976 bejahend ge­antwortet. Hinsichtlich der Weihen vom 29. Juni 1976 ist das ein Punkt, den ich prüfen müßte. Gegenwärtig betrachte ich die Seminaristen, die ich weihe, als der Bruderschaft inkardiniert.

Antwort auf die Frage b:

Ich halte dafür, daß alle Maßnahmen, die gegen mich ergriffen wor­den sind, rechtsungültig sind und daß daher weder ich noch die Semina­risten, die ich weihe, den kanonischen Strafen verfallen.

11. Frage

Einleitung:

Vor der Erteilung der Weihen vom 29. Juni 1976 wurden Sie zweimal über den ausdrücklichen Willen des Heiligen Vaters informiert, daß Sie auf diese Weihen verzichten.

Frage a:

Wenn es sich so verhält, auf welche Rechtsvorschriften berufen Sie sich, um die Weihen, die Sie an jenem Tag vorgenommen haben, zu legi­timieren?

Frage b:

Haben Sie sich darüber Rechenschaft gegeben, daß Sie durch die Vor­nahme dieser Weihen für sich und für die geweihten Seminaristen die Schwere der Verantwortung und den bereits erreichten Grad der Straf­barkeit erhöhten?

Antwort:

Einleitung:

Ich muß zunächst an die Gründe erinnern, die mich dazu veranlassen, die gegen mich ergriffenen Maßnahmen als rechtsunwirksam zu be­trachten:

  1. Für die Erlassung des Dekretes über die Aufhebung der Priester­bruderschaft St. Pius X. war nicht S. E. Bischof Mamie zuständig, son­dern der Heilige Stuhl.
  2. Man hat mir keinerlei Ergebnis noch irgendeinen Akt bezüglich der im Seminar in Ecône durchgeführten apostolischen Visitation zu­kommen lassen.
  3. Die Kardinalskommission, vor die ich geladen worden war, hatte weder ein bestimmtes Mandat noch einen genau abgegrenzten Ver­handlungsgegenstand. Ungeachtet der gemachten Versprechungen hat man mir das Verhandlungsprotokoll und die Bandaufnahme der Ge­spräche verweigert.
  4. Ich habe Berufung an den Obersten Gerichtshof der Apostolischen Signatur erhoben. Fünf Tage danach wurde diesem Gerichtshof durch einen Brief des Kardinal-Staatssekretärs untersagt, meine Berufung zu behandeln. Hier handelte es sich also um einen Druck der Regierungs­gewalt auf die richterliche Gewalt.

Aus allen diesen Gründen konnte ich die mich betreffenden Entschei­dungen nicht als rechtswirksam ansehen.

Antwort auf die Frage a:

Ich antworte somit, daß ich die gegen mich ergriffenen Maßnahmen nicht als gesetzmäßig anerkenne; andererseits konnte ich nicht dem Willen des Heiligen Stuhls gehorchen, weil ich nicht prüfen konnte, wel­ches genau der Wille des Heiligen Vaters war.

Antwort auf die Frage b:

Gegenstandslos.

12. Frage

Einleitung:

Am darauffolgenden 22. Juli haben Sie die offizielle Mitteilung der vom Heiligen Vater über Sie verhängten Suspension a divinis erhalten. Diese Disziplinarmaßnahme hat Ihnen das Zelebrieren der Messe, die Spendung der Sakramente und die Predigt untersagt. Sie haben sich nicht an diese neue Anordnung gehalten.

Frage a:

Wenn wir von Ihrer subjektiven Verantwortung und somit von dem Vorwurf, der Ihr Gewissen belasten oder nicht belasten könnte, abse­hen, anerkennen Sie, daß Sie, objektiv formalrechtlich gesehen, zu Recht der Strafe der Suspension verfallen sind und daher verpflichtet sind, sich in der Öffentlichkeit als solcher zu verhalten?

Frage b:

Wenn nein, warum nicht?

Frage c:

Wenn ja, wie rechtfertigen Sie Ihr Verhalten, das in der Kirche Ärger­nis verursacht und aufrechterhält?

Antwort auf die Frage a:

Nein, ich anerkenne nicht, daß ich der Strafe der Suspension verfallen bin, nicht einmal objektiv formalrechtlich.

Antwort auf die Frage b:

Der Grund hiefür ist, daß alle (seit November 1974) gegen mich ergrif­fenen Maßnahmen gesetzwidrig und rechtsunwirksam sind. Die erste Maßnahme ist es in der Tat ganz offenkundig, die übrigen sind nur die Konsequenzen der ersten.

Antwort auf die Frage c:

Das Ärgernis, das besteht, ist die Zerstörung der Kirche und nicht das, was ich mache. Ich glaube im Gegenteil, daß meine Aktivitäten der Kirche gedient haben, weil sie Reaktionen gegen diese Zerstörung aus­gelöst haben.

13. Frage

Einleitung:

Das Erste Vatikanische Konzil hat definiert, daß der römische Papst „eine unumschränkte und souveräne Jurisdiktionsgewalt über die ganze Kirche hat, nicht nur, was den Glauben und die Sitte betrifft, son­dern auch, was die Disziplin und die Regierung der Kirche betrifft“, und daß diese Gewalt eine ordentliche und unmittelbare ist, „über alle und jeden einzelnen Priester und Gläubigen“ (DS 3064).

Frage a:

Nehmen Sie diese Sätze als Glaubenssatz an?

Frage b:

Angenommen — nicht zugegeben — der Papst beginge Irrtümer, glauben Sie, daß er insoweit auch seine Jurisdiktionsgewalt verlieren würde?

Antwort auf die Frage a:

Ja.

Antwort auf die Frage b:

Nein, das glaube ich nicht, wenn es sich um Irrtümer hinsichtlich der Regierung und der Disziplin handelt. Es ist aber klar, daß man ihm in seinen Irrtümern nicht folgen kann, wenn sie Konsequenzen für den Glauben haben.

Andererseits muß man wissen, ob es der Papst ist, der etwas befiehlt. Meine Ungewißheit hinsichtlich des wahren Willens des Papstes be­ruhte auf der Tatsache, daß ich lange Zeit daran gehindert wurde, Papst Paul VI. zu sehen, und daß ich, als ich ihm begegnete, feststellen mußte, daß man mich bei ihm verleumdet hatte.

14. Frage

Frage a:

Nehmen Sie nicht eine Auswahl der Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils vor, indem Sie nicht nur für Sie hinderliche disziplinäre Maß­nahmen, sondern auch Lehrsätze verwerfen, die Sie als dem Glauben zuwiderlaufend erachten?

Frage b:

Gemäß welchem Prinzip grenzen Sie ab, was beibehalten oder was verworfen werden muß?

Frage c:

Wer bestimmt in der Kirche in letzter Instanz, was mit der Überliefe­rung übereinstimmt und was nicht?

Frage d:

Haben Sie durch Ihre öffentliche Kritik am Zweiten Vatikanischen Konzil und durch die zunehmende Erweiterung Ihrer Anklagen gegen dieses nicht die obersten Autoritäten des Lehramtes, den Papst und die im Konzil unter seiner Autorität vereinten Bischöfe, in Mißkredit ge­bracht? Und haben Sie nicht dazu beigetragen, die Katholiken zu spal­ten?

Antwort auf die Frage a:

Ich bin bereit, eine Erklärung zu unterfertigen, mit der ich das Zweite Vatikanische Konzil annehme, sofern es im Einklang mit der Überliefe­rung ausgelegt wird. Ich bin der Ansicht, daß bestimmte seiner Texte Dinge enthalten, die der Überlieferung und dem Lehramt der Kirche, so wie es bisher gelehrt hat, widersprechen, dies namentlich in der Erklä­rung über die Religionsfreiheit.

Antwort auf die Frage b:

Gemäß der Überlieferung.

Antwort auf die Frage c:

Das Lehramt der Kirche. Doch möchte ich dazu bemerken

  1. daß das Zweite Vatikanische Konzil als ein pastorales Lehramt verstanden werden muß,
  2. daß nach diesem Konzil weder von seiten des Papstes noch von sei­ten der Kommission für die Auslegung der Dekrete des Zweiten Vatika­nischen Konzils Akte gesetzt wurden, die eine authentische Auslegung der Konzilstexte festsetzen, besonders der Texte, die die Religionsfrei­heit betreffen.

Antwort auf die Frage d:

Das glaube ich nicht. Wenn meine Kritiken nach dem Konzil jedoch schärfer erscheinen, so wegen seiner Anwendung bei Reformen, die die Befürchtungen einer Auslegung der Konzilstexte in einem liberalen und progressistischen Sinn bestätigt haben.

Wenn in meinen Abhandlungen etwas schärfere Ausdrucksweisen verwendet worden sein sollten, muß man das der literarischen Gattung zubilligen. Man kann jemandem nicht verbieten, einen Text zu kritisie­ren, selbst wenn er damit eo ipso indirekt die Autoritäten angreift. Es sind ja vielmehr die Autoritäten, die die Konzilstexte im Sinne der Überlieferung auslegen müßten. Und schließlich: nicht ich spalte die Katholiken. Ich glaube, es ist das Konzil, das die Gelegenheit geboten hat, die Spaltungen, die schon vorher in der Kirche bestanden haben, entscheidend zu Tage treten zu lassen.

15. Frage

Einleitung:

Der Kanon 1325 § 2, der vom Schisma handelt, besagt folgendes: „Wer nach Empfang der Taufe … ablehnt, dem Papst unterworfen zu sein, oder die Gemeinschaft mit den ihm unterworfenen Gliedern der Kirche verweigert, der ist Schismatiker.“

Frage:

Worin unterscheidet sich Ihre konkrete Handlungsweise vom schis­matischen Verhalten, wie es durch diesen Kanon definiert ist?

Antwort:

Ich weigere mich nicht, dem Papst unterworfen zu sein. Der beste Be­weis dafür ist mein jüngster Besuch beim Heiligen Vater und meine An­wesenheit hier. Ich glaube, es ist erlaubt, gegenüber bestimmten Ent­scheidungen des Papstes und der Römischen Kurie Vorbehalte anzu­melden, wie dies im Laufe der Geschichte schon viele gemacht haben. Aber ich tue das aus Liebe zur Kirche und zum Nachfolger Petri und mit dem Wunsch, die Dinge mögen so rasch wie möglich wieder in Ord­nung kommen, und betrachte mich nicht etwa als Aufrührer. Solange nicht die päpstliche Unfehlbarkeit wirksam wird, stellt es kein Delikt des Aufruhrs dar, wenn ein Bischof seine Schwierigkeiten öffentlich darlegt, falls er sich dabei auf die Überlieferung stützt. Die Einwendun­gen, die ich der Gesamtheit der Liturgiereform entgegenhalte, beziehen sich auf die Tatsache, daß Papst Paul VI. die Liturgiereform als diszipli­näre Reform betrachtete.

16. Frage

Einleitung:

Ihr Brief vom 13. April 1978 an die Heilige Kongregation enthält „All­gemeine Betrachtungen über die Lage der Kirche seit dem Zweiten Va­tikanischen Konzil, die (schon für sich) allein eine entsprechende Ant­wort auf die Fragen hinsichtlich des Ordo Missae sowie bezüglich Ihres Beharrens auf der Weiterarbeit der Priesterbruderschaft St. Pius X., trotz der von den Bischöfen und von Rom verhängten Verbote, gestat­ten“.

Auf der Grundlage dieser Betrachtungen scheint uns Ihr Standpunkt in folgender These ausgedrückt werden zu können:

Ein Bischof, der im Gewissen zu dem Urteil kommt, daß der Papst und der Episkopat im allgemeinen nicht mehr ihre Autorität zur Siche­rung der getreuen und genauen Überlieferung des Glaubens ausüben, kann, um den katholischen Glauben zu erhalten, rechtmäßig Priester weihen, ohne Diözesanbischof zu sein, ohne Dimissorien und entgegen dem formellen und ausdrücklichen Verbot des Papstes, und diesen Prie­stern die Befugnis zur Ausübung des kirchlichen Dienstes in den ver­schiedenen Diözesen erteilen.

Frage a:

Drückt diese These Ihren Standpunkt richtig aus?

Frage b:

Steht diese These im Einklang mit der überlieferten Lehre der Kir­che, an die Sie sich zu halten glauben?

Antwort auf die Frage a:

Nein. Ich habe nicht von einem solchen Grundsatz ausgehend gehan­delt. Die Tatsachen und die Umstände, in denen ich mich befand, haben mich gezwungen, gewisse Standpunkte einzunehmen, im besonderen die Tatsache, daß ich in der Priesterbruderschaft St. Pius X. ein Werk hatte, das bereits rechtmäßig errichtet war und das ich fortsetzen mußte.

Antwort auf die Frage b:

Ich glaube, daß die Geschichte Beispiele für ähnliche Akte liefern kann, die unter bestimmten Umständen nicht contra, sondern praeter voluntatem Papae gesetzt wurden (nicht gegen den Willen des Papstes, sondern außerhalb seines Willens). Diese Frage ist jedoch zu ernst und zu wichtig, als daß ich sie sofort beantworten könnte. Ich ziehe es daher vor, meine Antwort aufzuschieben.

Schriftliche Antwort Erzbischof Lefebvres, tags darauf, am 13. Januar 1979:

Wenn die Römische Kurie Dokumente ausgibt oder Akte setzt, die von einem liberalen und modernistischen Geist inspiriert sind, ist es Pflicht der Bischöfe, öffentlich dagegen zu protestieren und sich dem zu widersetzen.

Desgleichen ist es, wenn die katholischen Universitäten und sogar die Seminare vom Liberalismus und vom Modernismus befallen sind, Pflicht der Bischöfe, Seminare zu gründen, in denen die katholische Lehre gelehrt wird.

Wenn ganze Gegenden in den Modernismus, den Liberalismus, den Marxismus verfallen, und die Gläubigen, die sich der Gefahr für ihren Glauben bewußt sind, für sich und für ihre Kinder nach dem Dienst gläubiger Priester verlangen, ist es für katholisch gebliebene Bischöfe Pflicht, ihrem Hilferuf zu entsprechen.

Der hl. Athanasius, der hl. Eusebius von Samosata, der hl. Epiphanius haben diesen selben Grundsätzen entsprechend gelehrt und gehandelt, Grundsätzen, die sich von selbst verstehen, wenn die Lage der Kirche katastrophal ist.

Es ist auch klar, daß diese Bischöfe sich bemühen müssen, dem Papst zu helfen, in dieser Lage Abhilfe zu schaffen.

17. Frage

Frage:

Wie stellen Sie sich eine Rückkehr zu einer normalen Situation für Sie und für die Priester, Seminaristen und Gläubigen, die sich auf Sie berufen, vor?

1. Was glauben Sie erbitten und erhoffen zu können

a) von seiten des Heiligen Stuhles, was Ihre Seminare, Ihre Priorate und die Zelebration der Messe des hl. Pius V. betrifft,

b) von seiten der Bischöfe und der von ihnen gebildeten Bischofskon­ferenzen?

2. Was sind Sie selbst bereit, zu diesem Zweck zu tun? Welche Ver­pflichtungen sind Sie bereit zu unterschreiben

a) hinsichtlich der von Ihnen errichteten Werke, namentlich der Se­minare und Priorate,

b) hinsichtlich Ihrer Lehre (über die Messe und das Konzil) und Ihres Verhaltens (Erteilung von Weihen, Spenden von Firmungen, Euchari­stiefeiern )?

 

Antwort auf die Frage 1a:

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. umfaßt sowohl die Seminare als die Priorate. Ihr Ziel ist die Gründung von Seminaren (nach dem Geist des Konzils, das heißt solcher mit internationalem Charakter, im Hin­blick auf eine bessere Verteilung des Klerus, und mit einem ganzen Jahr Spiritualität), die Ausbildung von Priestern, die geistliche Hilfe für Priester und die Eröffnung von Exerzitienhäusern. Ich wünsche mir zu erreichen, daß diese Bruderschaft als eine Gesellschaft gemeinsamen Lebens, ohne Gelübde, päpstlichen Rechts, der Heiligen Kongregation für die Religiosen unterstellt, anerkannt wird. Mitinbegriffen ist darin mein Verlangen, daß sowohl die Seminare als auch die Priorate fortbe­stehen können. Diejenigen, die, mit Absicht, auf dem Lande errichtet wurden, sind dazu bestimmt, den Bischöfen zur Verfügung zu stehen, vornehmlich für das Apostolat durch Exerzitien und die geistliche Un­terstützung der Priester. Ich werde Ihnen ein Exemplar der Statuten der Bruderschaft überreichen. Was endlich die Liturgie betrifft, ver­lange ich, daß die Mitglieder der Priesterbruderschaft St. Pius X.

für die Zelebration der Messe den Ordo des hl. Pius V. verwenden können, wobei sie natürlich nur nach diesem Ordo zelebrieren würden,

die alten liturgischen Riten verwenden können und, im besonderen, nach dem alten Rituale für die Erteilung der Priesterweihen geweiht werden, das die Tonsur und die niederen Weihen miteinschließt.

Antwort auf die Frage 1b:

Ich bin bereit, die Bischöfe der Diözesen zu besuchen, in denen die Bruderschaft eine Niederlassung besitzt. Ich erwarte von ihnen, daß sie die Priorate nach den Rechtsvorschriften anerkennen und den Dienst der dort befindlichen Mitglieder der Bruderschaft annehmen.

Antwort auf die Frage 2a:

Ich bin bereit, die durch das Recht auferlegten Verpflichtungen zu un­terschreiben, ohne gesonderte Privilegien zu fordern. Ich kann eine Übergangsperiode akzeptieren, für die beispielsweise ein päpstlicher Delegierter ernannt würde.

Antwort auf die Frage 2b:

Wie ich oben gesagt habe (zu Frage 4, Pkt. 1), bin ich bereit, eine Er­klärung zu unterfertigen, mit der ich das Zweite Vatikanische Konzil, ausgelegt nach der Überlieferung, annehme. Was meine Lehre über die Messe betrifft, kann sie keine andere sein als diejenige, die mit dem traditionellen Lehramt der Kirche im Einklang steht. Was mein Verhalten betrifft, werde ich mich, unter der Voraussetzung der Normalisierung, den Rechtsvorschriften entsprechend verhalten. Darüber hinaus kann ich mich auch bereit erklären, die Erteilung der Weihen und die Spen­dung der Firmungen für mehrere Monate aufzuschieben, wenn die Ge­wißheit besteht, daß ich auf die vorerwähnten Forderungen eine gün­stige Antwort erhalte. Das ist im übrigen ein Vorschlag, den ich bereits früher gemacht habe.

(Übersetzung von Dr. Ferdinand Steinhart)

 

 

Briefe nach dem Verhör vor der Glaubenskongregation

Brief Erzbischof Lefebvres an Kardinal Seper

Albano, am 12. Januar 1979

Eminenz!

Von unserer Unterredung heute morgen kommend lese ich im „Tempo“ die Presseverlautbarung des Sprechers der Vatikanischen Pressestelle.

Zu meiner großen Überraschung erfahre ich durch diese Verlautba­rung, daß die Unterredung, die wir führten, ein Zusammentreten von Kardinälen vorbereitet, deren Aufgabe es sei, eine Entscheidung zu treffen, die dem Heiligen Vater vorgelegt werden solle.

Nun ist das aber keineswegs das, was Sie mir zu Beginn der Unterre­dung angekündigt haben, und ich glaube, der Heilige Vater hat nicht in diesem Sinne gesprochen, als er mir mitteilte, er habe Sie als einen Freund, zu dem er vollstes Vertrauen habe, dazu ausersehen, Ihnen diese Angelegenheit anzuvertrauen.

Der Direktor des Pressebüros nennt weiters die Kardinäle, die Rich­ter sein werden, und da zeigt es sich, daß die dabei Anwesenden gerade die sind, die mich bereits verurteilt haben. Wozu aber soll man diesen einen neuen Akt vorlegen? Sie werden vorgehen, wie sie bereits bei je­ner Kardinalskommission vorgegangen sind, für die die damalige Un­terredung eine reine Formalität war, da die Verurteilung bereits be­schlossen war.

Nun muß ich aber gestehen, daß die Weigerung, mir gegenüber fünf Examinatoren einen Zeugen zuzubilligen, die Art, wie man mir Fallen gestellt hat, besonders heute morgen, wo man mich Sätze bestätigen lassen wollte, die ich nicht anzunehmen gewillt war, daß all dies mir keinerlei Vertrauen hinsichtlich des Ausganges dieses Prozesses ein­flößt und daß dies dem ausdrücklich erklärten Wunsch des Papstes, wie Sie selbst ihn mehrmals formuliert haben, widerspricht.

Ich appelliere daher an den Papst selbst, wie ich es bereits in meinem Brief vom vergangenen Heiligen Abend (den 24. Dezember 1978) (Seite 291) getan habe.

Was das Protokoll angeht, bin ich gern bereit, es zu unterfertigen, doch erst, sobald ich in der Lage war, es in Ruhe zu prüfen. Nun haben mich aber die beiden Sitzungen ermüdet und ich bin nicht mehr im­stande, mich neuerlich in das Heilige Offizium zu begeben, um die Kor­rekturen zu machen und zu unterschreiben. Die Angelegenheit ist zu ernst, zu wichtig, um so rasch beendigt zu werden.

Ich werde mir daher erlauben, den Priester zu schicken, der mich be­gleitet hat, damit ihm die Entwürfe ausgefolgt werden und ich so Zeit habe, nachzudenken und einige Abänderungen vorzuschlagen, bevor ich unterschreibe.

Ich glaube, das ist eine einfache Vorsichtsmaßnahme meinerseits, die keinerlei Schwierigkeiten bereiten wird. Ich werde das Dokument in etwa acht Tagen durch die Nuntiatur wieder zurücksenden.

Ich werde also den Heiligen Vater bitten, daß er es sein möge, der nach Kenntnisnahme dieses Dokumentes sein Urteil fällt, und nicht Personen, die mich bereits verurteilt haben.

Dieser Brief ist mit dem Wunsch geschrieben, zu einer Lösung zu kommen, und nicht zu einer Verurteilung, wie es ja dem Wunsch des Heiligen Vaters und auch dem Ihren entspricht.

Geruhen Sie, Eminenz, den Ausdruck meiner ehrfurchtsvollen und herzlich ergebenen Gefühle in Christo et Maria zu genehmigen.

† Marcel Lefebvre

(Übersetzung von Dr. Ferdinand Steinhart)

 

Zweiter Brief von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre
an Papst Johannes Paul II. vom 12. Januar 1979

Albano, am 12. Januar 1979

Heiliger Vater!

Dem Wunsch entsprechend, den Eure Heiligkeit bei der mir gewähr­ten Audienz zum Ausdruck gebracht hatte, habe ich mich auf dessen Einladung zu Kardinal Seper begeben, nachdem ich ihn um einige ge­nauere Angaben gebeten hatte, auf welche Weise sich die in Frage ste­henden Unterredungen abspielen würden.

Ich hoffte, daß es sich um private Unterredungen handeln würde und nicht um ein Verfahren gleich einem regelrechten Prozeß. Nun erlebte ich aber die Überraschung, daß mir jede Begleitung durch einen Zeugen verweigert wurde, obwohl ich sechs Personen gegenübergestellt wurde, von denen fünf Examinatoren waren. Man hat mir versichert, es handle sich um eine einfache Information.

Nun entnehme ich aber der Erklärung des Direktors der Vatikani­schen Pressestelle, daß diese Information Kardinälen als Richtern vor­gelegt werden soll, die eine Entscheidung treffen werden, die Ihnen zur Approbation unterbreitet werden wird.

Das alles scheint mir auf der gleichen Linie zu liegen wie das Verfah­ren, das mir gegenüber schon früher einmal angewendet wurde, um so mehr als die Kardinäle, die mich bereits verurteilt haben, neuerlich meine Richter sein werden.

Ich appelliere daher an Sie selbst, Heiliger Vater, dieses von Seiner Eminenz Kardinal Seper und von mir unterfertigte Protokoll zur Kenntnis zu nehmen und selbst darüber zu urteilen.

Ich kann nicht daran zweifeln, daß es, mit der Gnade Gottes, eine mögliche Lösung gibt. Hingegen befürchte ich, daß die Entscheidung der Kardinäle, die mich bereits verurteilt haben, jede Lösung unmöglich machen wird.

Da ich nicht weiß, ob der Brief, den ich am Heiligen Abend an Eure Heiligkeit gerichtet habe, zu Ihnen gelangt ist, erlaube ich mir, eine Ko­pie davon beizulegen, desgleichen eine solche des Briefes, den ich an Seine Eminenz Kardinal Seper gesandt habe.

Mögen Eure Heiligkeit geruhen, die Versicherung der Gefühle meiner kindlichen Ergebenheit in Christo et Maria zu genehmigen

† Marcel Lefebvre

Alterzbischof-Bischof von Tulle

(Übersetzung von Dr. Ferdinand Steinhart)

 

Brief Erzbischof Lefebvres an Kardinal Seper

Albano, am 14. Januar 1979

Eminenz!

Verzeihen Sie, daß ich Ihnen neuerlich schreibe, um Ihnen die Be­weggründe meiner Bedenken und meiner Überraschung zu präzisieren.

In dem Brief, den Sie gestern, am 13. Januar, an mich zu richten so freundlich waren, führen Sie aus: „Ich glaube, diese Dokumente präzi­sieren in aller Klarheit den Gegenstand unserer Unterredungen im Rahmen des Verfahrens in unserem Dikasterium, das heißt also der Prüfung der Ergebnisse des Colloquiums durch die ordentliche Ver­sammlung der Kardinäle vor ihrer Vorlage an den Heiligen Vater zur endgültigen Entscheidung.“

Nun ergibt sich aus der Verfahrensvorschrift, daß es sich nicht nur um eine Prüfung, sondern um eine Entscheidung, somit also um ein Ur­teil (Nr. 18) handelt, und eben das hat auch der Direktor der Vatikani­schen Pressestelle verlautbart.

Gerade das aber konnte ich der einleitenden Darlegung vor dem Col­loquium nicht entnehmen. Das verändert den Charakter der Unterre­dungen vollkommen.

Ich hatte zwei Gründe zu glauben, daß der Heilige Vater der alleinige Richter in der Sache sein werde: zunächst die besondere Betonung des informativen Charakters der Unterredungen und deren Prüfung in Ih­rem einleitenden Bericht und zweitens der ausdrückliche Auftrag des Heiligen Vaters, daß diese Sache Ihnen persönlich anvertraut sein solle als Freund und Vertrauensperson des Heiligen Vaters.

Es war jedoch absolut nicht die Rede davon, daß diese Sache anderen Richtern als dem Heiligen Vater zur Entscheidung vorgelegt werden solle, noch dazu Richtern, die in dieser Sache schon ein Urteil gespro­chen und eine Bestrafung verhängt haben.

Ich lehne daher schon im vorhinein die Entscheidung von Richtern, die an meiner Verurteilung mitgewirkt haben, wie die Kardinäle Villot, Garrone, Baggio und Wright, als unstatthaft ab.

Deshalb wende ich mich nun an Sie als den Freund des Heiligen Va­ters und bitte Sie, diese Informationsdokumente, nachdem wir sie un­terfertigt haben, unmittelbar dem Heiligen Vater selbst vorzulegen.

Ich rechne, in zehn Tagen mit den Dokumenten zurückzukommen und hoffe, Sie anzutreffen, um so die Lösung dieser Sache mit der Zu­stimmung des Heiligen Vaters und der Gnade Gottes zu beschleunigen.

Geruhen Sie, Eminenz, den Ausdruck meiner ehrfürchtigen und herz­lichen Ergebenheit in Christo et Maria zu genehmigen.

† Marcel Lefebvre

(Übersetzung von Dr. Ferdinand Steinhart)

Brief Erzbischof Lefebvres an Kardinal Seper

Albano, am 29. Januar 1979

Eminenz!

In dem Augenblick, da ich meine Unterschrift unter die Dokumente über die Unterredungen vom 11. und 12. Januar dieses Jahres setze, habe ich das Empfinden, daß ich bei einem Verfahren mitwirke, dem zu­zustimmen mir aus den in meinen Briefen vom 12. und 14. Januar dieses Jahres dargelegten Gründen unmöglich ist.

Ich hatte gehofft, daß der Wunsch des Heiligen Vaters, Ihnen dieses Problem persönlich anzuvertrauen, Sie dazu bewogen hätte, ein Verfah­ren zu vermeiden, das mich denen in die Hände spielt, die mich bereits einmal verurteilt haben.

Ich unterwerfe daher die ganze Sache dem Urteil des Heiligen Vaters. Genehmigen Sie, Eminenz, meine ehrfurchtsvollen und ergebenen Gefühle.

† Marcel Lefebvre

Alterzbischof-Bischof von Tulle

Erläuternde Bemerkung

Aus dem in meinem Brief vom 29. Januar 1979 angegebenen Grund habe ich es zuguterletzt vorgezogen, meine Antworten lieber unmittel­bar dem Heiligen Vater zukommen zu lassen, als sie der Heiligen Römi­schen Kongregation zu übergeben.

† Marcel Lefebvre

(Übersetzung von Dr. Ferdinand Steinhart)

 

_______

Quelle: „Damit die Kirche fortbestehe – S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre, der Verteidiger des Glaubens, der Kirche und des Papsttums“

14 FRAGEN VON „STEPHAN“ – 14 KURZE ANTWORTEN VON MIR [POS]

(Vergleiche den Kommentar von „Stephan“ vom 13.05.2014 um 21:31)

1. Können Sie uns erklären, wie  das dann aussehen müsse bzw. wie sich die FSSPX nun gegenüber Bergoglio und Co. verhalten müsste, um Lefebvre „treu zu bleiben“?

Die FSSPX muss sich ihm gegenüber gleich verhalten wie sich Mgr. Lefebvre gegenüber Paul VI. und Johannes-Paul II. verhalten hat. D.h. sie muss ihn als gültigen, gültig gewählten, amtierenden Papst anerkennen. Sie muss mit ihm, bzw. mit seinen engsten Mitarbeitern Gespräche führen, (gar) wenn sie dazu eingeladen wird. Dabei muss sie auf den Grundsätzen und Postulaten beharren, die sie sich unter Erzbischof Lefebvre gegeben hat(te).

Die Führung der FSSPX hat sich grundsätzlich richtig verhalten unter Johannes-Paul II. und insbesondere unter Benedikt XVI. Das Mitwirken bei der Suche nach einem Abkommen mit Rom war/ist nicht falsch und muss weitergehen. Verhängnisvoll falsch aber war das Verhalten Bischof Fellay’s / Menzingens den eigenen Priestern (– ja teilweise auch den anderen 3 FSSPX-Bischöfen –) gegenüber, die ihre Bedenken zu einem größtenteils verschwiegenen, geheimgehaltenen Abkommen äußerten. Bischof Fellay müsste, um Remedur zu schaffen, die Ausgeschlossenen wieder einladen, in die FSSPX zurückzukehren. Und dazu müsste er sich bei ihnen und auch bei den betroffenen Gläubigen für das geschehene Unrecht entschuldigen.

2. Wie kann man „traditionstreu“ sein, wenn man doch Irrlehren und Positionen (z.B. die der Gallikaner und Jansenisten) vertritt, die von der Kirche bereits verurteilt und verworfen wurden.

Die FSSPX vertritt keine Irrlehren und Positionen, auch jene der Gallikaner und Jansenisten nicht, die von der Kirche bereits verurteilt und verworfen wurden.  Das ist eine unbegründete Behauptung, ein Fehlurteil – eine Fehlkonklusion aus falschen, falsch gesetzten und falsch verstandenen Prämissen.

3. Wie kann man „traditionstreu“ sein, wenn man ein Kirchenbild bzw. eine Haltung gegenüber dem Lehramt vertritt, welche von der Kirche bereits klar und deutlich als häretisch verworfen wurde? Die FSSPX vertritt selber modernistische Positionen und bereits verurteilte Irrlehren bezüglich des Lehramtes und der Ekklesiologie.

Die FSSPX vertritt offiziell keine modernistischen Positionen und lehrt keine bereits verurteilten Irrlehren, auch nicht bezüglich des Lehramtes und der Ekklesiologie.

4. Wenn eine Autorität unkatholische „Lehren“ verkündet, dann handelt es sich hierbei offenkundig NICHT um eine Autorität der röm.-kath. Kirche, gemäß dem folgenden katholischen Grundsatz: „Eine Autorität, welche den IRRTUM lehrt, sei es in guter oder in böser Absicht, IST ÜBERHAUPT KEINE AUTORITÄT mehr.“ (Dom Guéranger, zitiert nach Bischof de Castro Mayer) Die Haltung der FSSPX ist somit offenkundig widersprüchlich und unkatholisch.

Die Haltung der FSSPX ist (grundsätzlich) nicht (offenkundig) widersprüchlich und unkatholisch. Sie befindet sich in gewisser Hinsicht in einer widersprüchlichen und „unkatholischen“ Situation, für die sie nicht verantwortlich ist und die sie selber, aus sich heraus, nicht beheben kann, solange in Rom, im Vatikan, beim Papst, keine Klarheit, Widersprüchlichkeit, eine in vielem „unkatholisch scheinende Situation“ herrscht.

5. Warum nennt sie z.B. einen Bergoglio „Heiligen Vater“ bzw. betrachtet diesen Nicht-Katholiken als Papst bzw. Oberhaupt der röm.-kath. Kirche? Und warum wollen sich die Oberen der FSSPX denn mit der „Konzilskirche“ einigen, wenn es sich bei der „Konzilskirche“ gemäß den Oberen der FSSPX nicht um die von Jesus Christus gegründete röm.-kath. Kirche handeln würde?

Sie nennt ihn ganz natürlicherweise „Heiligen Vater“, „Oberhaupt der röm.-kath. Kirche“, weil sie Bergoglio (vorerst einmal) für den gültig gewählten Papst hält, den sie (vorerst einmal) nicht als „Nicht-Katholiken“ betrachtet. Und die Oberen der FSSPX wollen sich gar nicht mit der „Konzilskirche“ einigen, sondern mit der wahren röm.-kath. Kirche (zu der sie nie nicht gehörten), also mit jenen „Elementen“ in der „Konzilskirche“, die mental tatsächlich (noch) zur von Jesus Christus gegründeten röm.-kath., apostolischen Kirche gehören.

6. Sie verhandelt offenkundig mit Häretikern um einen Beitrtitt zu der Gemeinschaft dieser Häretiker und möchte nur nicht „öffentlich“ über die Häretiker „richten“? Übrigens, es geht nicht ums Richten, sondern es geht um die Feststellung, dass es sich bei den angeblichen „Hirten“ um Wölfe handelt. Würde die FSSPX ihre Hirtenaufgabe ernstnehmen, dann würde sie ihre Schafe nicht den Wölfen zuführen wollen.

Sie verhandelt eben nicht mit „offenkundigen Häretikern“, und sie verhandelt auch nicht um einen Beitritt zu der „Gemeinschaft dieser Häretiker“, sondern sie verhandelt (intentionell) mit kirchlichen Amtspersonen, die nicht offenkundige Häretiker, nicht Wölfe sind, und sie verhandelt (intentionell) um eine Anerkennung ihrer Zugehörigkeit zur von Jesus Christus gegründeten röm.-kath., apostolischen Kirche.

7. Warum appelliert die FSSPX an einen offensichtlichen Häretiker und will uns weismachen, dieser Häretiker sei der Stellvertreter Christi? Wie gesagt, es geht überhaupt nicht um einen Richterspruch über die Seele eines Menschen, sondern es geht um die Feststellung der äußeren Tatsachen. Und wenn sich äußerlich zeigt, dass man es mit Häretikern zu tun hat, dann muss man sich entsprechend verhalten. Die Lehre der Kirche hierzu ist eindeutig.

Sie appelliert nicht an einen „offensichtlichen Häretiker“. Der amtierende Papst ist für sie kein offensichtlicher, erwiesener, überführter Häretiker, und deshalb ist er für sie (noch) der Stellvertreter Christi. Ihn als offensichtlicher Häretiker zu bezeichnen und zu behandeln, ist ein vermessenes Richten über ihn in und vor der Öffentlichkeit und für die kirchliche Öffentlichkeit.

8. Es geht bei der in „Auctorem Fidei“ als häretisch verworfenen Behauptung um das Lehramt. Diese häretische Behauptung unter I.) wurde einst gegen das kirchliche Lehramt vorgebracht. Doch wenn die FSSPX behauptet, dass die angeblichen Autoritäten der röm.-kath. Kirche unkatholische Dinge lehren würden oder dass sie nicht katholisch denken könnten, weil sie ja modernistisch seien und deshalb die katholische Wahrheit nicht verstehen würden, dann trifft sich das mit der als Häresie verworfenen Behauptung. Denn das kirchliche Lehramt bzw. die entsprechenden Träger des Lehramtes können über die wahre Lehre der Kirche nicht im „Dunkeln“ bzw. im Unklaren sein. Denn, entweder sind die Autoritäten der „Konzilskirche das tatsächliche Lehramt der röm.-kath. Kirche, dann wären deren „Lehren“ keineswegs unkatholisch, dann kann es sich bei den V2-Autoritäten eben offenkundig NICHT um das kirchliche Lehramt handeln (und somit sind sie auch keine rechtmäßigen Autoritäten der röm.-kath. Kirche) Beides gleichzeitig geht nicht, das wäre wie eckige Eier.

Die (häretische) Behauptung in „Auctorem Fidei“ lautet: I. „Die Vorlage, welche behauptet, in diesen letzten Zeiten [die Apostolische Konstitution datiert von 27. August 1794!] habe sich eine allgemeine Dunkelheit über die wichtigeren Wahrheiten verbreitet, die sich auf die Religion beziehen und die Grundlage der Glaubens- und Sittenlehre Jesu Christi sind,

Das, was – nach Ihnen – die FSSPX behauptet, trifft sich eben nicht mit der als Häresie verworfenen Behauptung. Wenn sie – einmal unüberprüft angenommen – sagt, „die Autoritäten der röm.-kath. Kirche lehren unkatholische Dinge und können nicht katholisch denken, weil sie modernistisch seien und deshalb die katholische Wahrheit nicht verstehen“, dann muss man das so verstehen, dass sie das nicht von den, also von allen Autoritäten der röm.-kath. Kirche, also auch vom Papst, meint, sondern nur von gewissen (untergeordneten) Autoritäten.

9. Wer sich von der „Konzilskirche“ nicht wirklich lösen will, der hält freilich grundsätzlich an ihr fest. Wer sich von einer Todsünde über Jahrzehnte nicht lösen will, der hält grundsätzlich an dieser Todsünde fest. Und wer modernistische Positionen vertritt, der hält eben daran grundsätzlich fest. Außer natürlich wir erklären nun den gesunden Menschenverstand für abgeschafft…

Wenn man unter „Konzilskirche“ das Zusammenwirken jener Kräfte in/aus der röm.-kath., apostolischen Kirche versteht, die Feinde der wahren katholischen Kirche sind, dann löst man sich von diesen eo ipso als traditionsverbundene bekennende katholische Christen, bzw. gehört man ihr zu keiner Zeit an. Die FSSPX ist das Musterbeispiel einer katholischen Gemeinschaft, die nicht modernistische Positionen vertritt.

10.  Wer Irrlehren vertritt, der orientiert sich ganz sicher NICHT am gesicherten Glaubensdepositum. Wer mit der „Konzilskirche“ um einen Beitritt verhandelt, der scheint kein wirkliches Problem mit dem Zeitgeist zu haben.

Es ist offensichtlich, dass die FSSPX nicht allen (bis V2) verkündeten Lehren der röm.-kath. Kirche beistimmt.

Somit ist deutlich, dass die Haltung der FSSPX gegenüber Bergoglio und Co. NICHT katholisch ist, wenn Bergoglio und Co. tatsächlich Päpste (gewesen) seien.

Die FSSPX (zum Beispiel) orientiert sich ganz sicher am gesicherten Glaubensdepositum.  Sie stimmt allen (bis V2) verkündeten Lehren der röm.-kath. Kirche bei. Sie verhandelt nicht mit der „Konzilskirche“ um einen Beitritt, sondern sie verhandelt, wie gesagt, mit den amtierenden Autoritäten um eine Anerkennung ihrer sicheren, vollkommenen Zugehörigkeit zur wahren röm.-kath., apostolischen Kirche.

12. Wer nicht der Lehre der röm.-kath. [Kirche] im vollen Umfang treu ist, kann nicht von sich sagen, dieser Kirche tatsächlich anzuhängen. Wer immer nach der „Konzilskirche“ schielt und um eine Einigung mit dieser offenkundig häretischen Organisation sucht, der hängt ganz offensichtlich an ihr.

Die FSSPX ist der Lehre der röm.-kath. Kirche in ihrem ganzen Wollen und Wirken von Anfang an im vollen Umfang prinzipiell treu. Und sie schielt nicht nach der „Konzilskirche“ um eine Einigung mit ihr, sondern sie sucht schlicht die offizielle Anerkennung, dass sie zur wahren, einzigen, einigen katholischen Kirche gehört.

13. Nennen Sie uns doch bitte die (angeblichen) jetzigen Oberhirten der röm.-kath. Kirche.

Die jetzigen Oberhirten der röm.-kath. Kirche sind offiziell Papst Franziskus mit allen Oberhirten (Bischöfen, Kardinälen), die offiziell zur röm.-kath. Kirche gehören.

14. Erklären Sie uns doch einmal, wie man ein wahrer katholischer Christ sein könne, wenn man gar nicht der Lehre der Kirche in vollem Umfang anhängt, sondern sogar modernistische Standpunkte vertritt?

Selbstverständlich kann man kein wahrer katholischer Christ sein, wenn man gar nicht der Lehre der Kirche in vollem Umfang anhängt und sogar echt modernistische Standpunkte vertritt. Aber der FSSPX z.B. kann man nicht vorwerfen, sie hange der Lehre der Kirche nicht in vollem Umfange an oder sie vertrete gar modernistische Standpunkte. Das kann man jedenfalls nicht Erzbischof Lefebvre vorwerfen und jenen, die sich treu an ihn halten.

Die konsequenten Sedisvakantisten konstruieren ihre Anklagen und Urteile über die traditionsverbundenen Nicht-Sedisvakantisten zur Hauptsache rein aus einer Feststellung einer Nicht-(vollständigen-)Übereinstimmung von dogmatischen Aussagen mit dem (ihnen meist angedichteten) Denken, Reden, Schreiben und Verhalten von Gläubigen (Kleriker und Laien). Darin ähneln sie den pharisäischen Gesetzeslehrern, deren Standard-Kurz-Schluss lautet(e): „Wir haben ein Gesetz, und nach diesem muss er  [Christus!] sterben (muss er getötet werden)“. Übertragen auf diese Sedisvakantisten: „Wir haben ein Dogma, und wer dieses nicht be(ob)achtet, der ist  nicht katholisch, der ist ein Häretiker, ein Schismatiker, ein Apostat; mit dem können, dürfen wir nicht (mehr) verkehren, der sei im Banne! Der wahre christliche, katholische Glaube geht aber weit über das reine Beobachten der Dogmen hinaus. Das Wesentlichste davon ist das Beobachten des zweifachen Gebotes der Liebe, wie JESUS es auslegt und das nur ein einziges Gebot ist und die Erfüllung des Gesetzes darstellt:

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten“ (Mt 22, 37–40).

Siehe Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) 435/2055!