„Die Grenze zwischen Gut und Böse verläuft im Herzen eines jeden Menschen“

Angelus, 29. Januar 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Angelus am Sonntag, dem 23. Juli 2017

„Das Gute und das Böse können nicht mit bestimmten Gebieten oder Gruppen von Menschen identifiziert werden.“ Dies betonte Papst Franziskus im Laufe seiner Katechese vor dem Angelus am heutigen Sonntag, dem 23. Juli 2017, in der er das Gleichnis vom guten Weizen und vom Unkraut ins Zentrum seiner Betrachtung stellte.

Es gebe nicht die Guten auf der einen Seite und die Bösen auf der anderen, erinnerte Franziskus, sondern man müsse verstehen, dass „die Grenzlinie zwischen dem Guten und dem Bösen im Herzen eines jeden Menschen verläuft“.

„In dieser Welt — so warnte Franziskus —  sind das Gute und das Böse so sehr miteinander verwoben, dass es unmöglich ist, sie zu trennen und das Böse ganz auszureißen.“ Das einzige, was man tun könne, sei „die schwierige Aufgabe der Unterscheidung zwischen dem Bösen und dem Guten“ zu erfüllen.

Jorge Bergoglio forderte die Getauften dazu auf,  „sich vom Bösen und seinen Verführungen zu distanzieren“, und dies im Bewusstsein zu tun, dass „wir alle Sünder“ seien und „immer der Vergebung unserer Sünden brauchen”.

„Immer und nur auf das Böse schauen, das außerhalb von uns liegt, bedeutet, die Sünde nicht anerkennen zu wollen, die auch in uns ist“, so versicherte der Papst.

“Vielmehr als eine Kirche der ,Reinen´, die vor der Zeit beurteilen will, wer im Reich Gottes ist und wer nicht“, bevorzugt Franziskus eine Kirche, “die Sauerteig im Teig” ist und keine Angst hat, „sich die Hände schmutzig zu machen, indem sie die Kleider ihrer Kinder wäscht“.

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„Die Doppelmoral ist nicht christlich“

Angelus, 29. Januar 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

„Triffst du dich mit Jesus? Betest du zu Jesus?“. Dies sei vielleicht die erste Frage, die man einem Christen stellen sollte, so erklärte Papst Franziskus am heutigen Sonntag, dem 2. Juli 2017, in seiner kurzen Meditation vor dem Angelusgebet.

Tatsächlich sollte im Zentrum des Lebens jeder christlichen Nachfolge, eines jeden Jüngers, ob „ein Laie oder eine Laiin, ein Priester, ein Bischof“,  immer die „vorrangige Beziehung“ mit dem Herrn, also mit Jesus, stehen.

Dieses Verhältnis sei so grundlegend, dass Franziskus das Buch der Schöpfung (2,24) paraphrasierte. „Darum wird der Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und sich an Christus binden, und die beiden werden eins sein“, so erklärte der Papst den Pilgern auf dem Petersplatz.

„Wer sich in dieses Band der Liebe und des Lebens mit dem Herrn Jesus einbinden lässt, wird zu seinem Vertreter, zu seinem ‚Botschafter’‪‪, insbesondere mit seiner Art zu sein, zu leben“, fuhr der Papst fort. Der Missionar verkünde tatsächlich nicht sich selbst, sondern Jesus.

Dabei spiele es keine Rolle, ob — wie jede menschliche Person — einer Grenzen oder auch Fehler habe, sofern er die Demut habe, dies zuzugeben. Und vor allem sollte er oder sie kein „doppeltes Herz“ haben, was „gefährlich“ sei.

“Nein, dies geht nicht”, warnte Franziskus. „Er soll kein doppeltes Herz haben, sondern ein einfaches Herz, ein vereintes; er soll den Fuß nicht in zweierlei Schuhen haben, sondern ehrlich mit sich selbst und mit den anderen sein.“

Während er darauf hinwies, dass „die Doppelmoral nicht christlich“ sei, formulierte Franziskus ein „aut-aut“. „Entweder bist du mit Jesus, mit dem Geist Jesu, oder du bist mit dem Geist der Welt“, so sagte der Papst, der am Schluss seiner Betrachtung die „Gegenseitigkeit“ der priesterlichen Sendung betonte.

„Je näher ein Priester dem Volk Gottes ist, desto näher wird er sich Jesus nahe fühlen; und je näher ein Priester Jesus ist, desto näher wird er sich dem Volk Gottes fühlen“, erklärte er.

Nach dem heutigen Angelus-Gebet richtete der Papst erneut die Aufmerksamkeit auf die Lage in Venezuela und machte einen Aufruf für eine „friedliche und demokratische Lösung“ in der „geliebten Nation“ Südamerikas, wo in den letzten drei Monaten bei Strassenprotesten gegen die Regierung des Präsidenten Nicolás Maduro schon mehr als 80 Menschen das Leben verloren haben.

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Papst Franziskus warnt vor falschen Lichtern

Angelus, 29. Januar 2017

Angelus vom Sonntag, dem 26. März 2017

Beim Angelus am Sonntag hat Papst Franziskus dazu aufgefordert, für die Fastenzeit das „Licht“ der Taufe wieder zu entdecken und einen radikalen Wandel der Mentalität anzunehmen. Vor 25.000 Menschen im Vatikan warnte vor der Versuchung, den „kleinen Lichtern“ zu vertrauen, vor allem dem „falschen Licht“, dem Vorurteil, dass „die Realität verzerrt“ und dem Eigennutz.

Von einem Fenster des Apostolischen Palastes auf den Petersplatz blickend, stellte der Papst die Betrachtung des heutigen Evangeliums (Joh 9: 1-411) über die Heilung des Blindgeborenen, in den Mittelpunkt. Der Blinde „steht für jeden von uns“, erklärte er, durch die Sünde geblendet.

Jedoch sollten sich die Getauften „wie Kinder des Lichts verhalten.“ Dies erfordere „eine radikale Veränderung der Mentalität, die Fähigkeit, Menschen und Dinge nach einer neuen Werteskala zu beurteilen, die von Gott kommt.“ Er ermutigte dazu, falsche Lichter aufzugeben, angefangen von Vorurteilen gegenüber anderen, weil sie die Realität verzerren und uns gegen diejenigen aufladen, die wir ohne Mitleid beurteilen und unwiderruflich verurteilen. Wer andere verleumde, wandle nicht im Licht, sondern im Schatten.

Franziskus sprach von „einem anderen falschen Licht“: Die Menschen und die Dinge auf der Grundlage des Kriteriums der Brauchbarkeit, unserer Freude, unseres Prestiges zu beurteilen.

Der Papst sprach auch über eine Gewissensprüfung: „Glaubt Ihr, dass Jesus der Sohn Gottes ist? Denkt Ihr, dass er das Herz ändern kann? Glaubt Ihr, er kann Euch die Wirklichkeit sehen lassen, wie er sie sieht, nicht wie wir sie sehen? Glaubt Ihr, Er ist das Licht, das uns das wahre Licht gibt?“ (mk)

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„Ein Wasser, das jeden Durst stillt“

Angelus vom Sonntag, dem 19. März 2017

Im Zentrum der Katechese von Papst Franziskus vor dem Angelusgebet am Sonntag, dem 19. März, stand die Perikope aus dem Evangelium des Johannes, mit dem Dialog Jesu mit einer Samariterin am Jakobsbrunnen (4,5-42).

Wie Franziskus erklärte, finde die Begegnung in Samarien, zwischen Judäa und Galiläa, statt, dessen Bevölkerung von den Juden verachtet würde, weil als schismatisch und häretisch angesehen. Genau diese Bevölkerung werde eine der ersten sein, so erinnerte der Papst, die der christlichen Verkündigung der Apostel beigetreten sei.

Während die Jünger in das Dorf gingen, um Essen zu holen, bleibe Jesus bei einem Wasserbrunnen und bitte eine Frau, ihm zu trinken zu geben. Darauf hin entwickle sich ein Dialog. „Wieso lässt ein Jude sich herab, eine Samariterin etwas zu fragen?“

Die Antwort Jesu: „Wenn du wüsstest, wer ich bin und welches Geschenk ich für dich habe, dann würdest du mich bitten und ich würde dir ‚lebendiges Wasser’ geben, ein Wasser, das jeden Durst stillt und eine unerschöpfliche Quelle im Herzen von jenem wird, der es trinkt.“

Zum Brunnen gehen und Wasser schöpfen sei anstrengend und langweilig; es wäre schön, eine sprudelnde Quelle zur Verfügung zu haben, so sagte Franziskus, der aber anmerkte, Jesus spreche von einem anderen Wasser.

Als die Frau merke, dass der Mann, mit dem sie spreche, ein Prophet sei, vertraue sie ihm ihr  eigenes Leben an und stelle ihm religiöse Fragen. „Ihr Durst nach Zuneigung und vollem Leben ist nicht von den fünf Ehemännern gestillt worden, die sie gehabt hatte, im Gegenteil, sie hatte nur Enttäuschungen und Täuschungen erlebt“, so Franziskus.

Als sie daraufhin ahne, dieser Mann könne der Messias sein, bestätige Jesus – „etwas sehr Seltenes“ – dies: „Ich bin es, ich, der mit dir spricht“. Jesus, so merkte der Papst an, erkläre, er sei der Messias, gegenüber einer Frau, „die ein so unordentliches Leben hatte“.

„Liebe Brüder“, erinnerte der Papst,  „das Wasser, das das ewige Leben schenkt, ist in unseren Herzen am Tag unserer Taufe ausgegossen worden; dann hat Gott uns verwandelt und mit seiner Gnade erfüllt.“

„Aber es kann sein, dass wir dieses große Geschenk vergessen oder zu einer rein meldeamtlichen Tatsache reduziert haben; und vielleicht sind wir auf der Suche nach ‚Quellen’‪‪, deren Gewässer uns nicht stillen“, so fuhr Franziskus fort. „Wenn wir das wahre Wasser vergessen, gehen wir auf die Suche nach Quellen, die kein sauberes Wasser haben“, warnte er.

„Dieses Evangelium ist also genau für uns! Nicht nur für die Samariterin, für uns. Jesus spricht zu uns wie zur Samariterin“ , betonte der Papst, der die Gläubigen dazu aufrief, in der Fastenzeit die Gnade der Taufe zu erneuern, sich am Brunnen des Wortes Gottes und seines Heiligen Geistes zu stillen.

„Möge die Jungfrau Maria uns helfen, ständig die Gnade zu schöpfen von diesem Wasser, das aus dem Felsen herausspringt, der Jesus der Erlöser ist, damit wir mit Überzeugung unseren Glauben bekennen können und mit Freude die Wunder der Liebe Gottes barmherzig und Quelle jeder Güte, verkünden“, so schloss Franziskus seine heutige Betrachtung.

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Angelus: „Wer mit Christus stirbt, wird mit ihm auferstehen“

Der Petersplatz beim Angelusgebet

Dass der Weg des Christen ein Weg der Hingabe und des Opfers ist – daran hat der Papst beim Angelusgebet auf dem Petersplatz erinnert. Am zweiten Fastensonntag rief der Papst die Gläubigen dazu auf, die Bereitschaft zum Kreuz im eigenen Alltag zu verankern.

Der Papst ging beim Angelus von der Transfiguration Jesu auf dem Berg Tabor aus, von der das Matthäusevangelium erzählt (Mt 17,1-9): dem Moment, als Jesus vor den drei Jüngern Petrus, Jakobus und Johannes in verklärter Form und mit den Propheten Mose und Elija erscheint. Das lichtvolle Ereignis nehme den Sieg Jesu vorweg und verweise zugleich auf den Weg, den die Jünger zu gehen hätten, so der Papst:

„Der verklärte Jesus auf dem Berg Tabor wollte den Jüngern seine Herrlichkeit nicht zeigen, um zu verhindern, dass sie den Weg des Kreuzes gehen, sondern um ihnen zu zeigen, wohin dieser führt. Wer mit Christus stirbt, wird mit Christus wiederauferstehen. Und das Kreuz ist die Tür der Auferstehung. Wer mit ihm zusammen kämpft, wird mit ihm siegen. Das ist die Botschaft der Hoffnung, die Jesu Kreuz beinhaltet, sie appelliert an die Stärke unserer Existenz. Das christliche Kreuz ist kein Hausrat oder ein Ornament, sondern ein Verweis auf die Liebe, mit der sich Jesus geopfert hat, um die Menschheit vom Bösen und von der Sünde zu retten.“

Nicht als mächtiger und ruhmsüchtiger Herr habe sich Jesus gezeigt, sondern als „demütiger und unbewaffneter Diener“, erinnerte der Papst. Mit seiner Offenbarung auf dem Berg der Verklärung habe Jesus seine Jünger auch auf den „Skandal der Kreuzigung“ vorbereiten wollen, die kurze Zeit später stattfinden sollte. Franziskus rief an dieser Stelle die Gläubigen dazu auf, sich in der Fastenzeit mit Buße auf das Osterfest vorzubereiten:

„Betrachten wir in dieser Fastenzeit mit Hingabe das Bild des Kreuzes, Jesus am Kreuz: es ist ein Symbol des christlichen Glaubens, das Sinnbild Jesu, der für uns starb und wiederauferstand. Bemühen wir uns darum, dass das Kreuz die Etappen unserer Fastenzeit prägt, damit wir immer mehr die Schwere der Sünde und den Wert des Opfers verstehen, mit dem der Erlöser uns gerettet hat, uns alle.“

(rv 12.03.2017 pr)

Angelus: „Die Bibel so oft benutzen wie das Handy“

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Papst Franziskus beim Angelus – REUTERS

Nicht nur das Mobiltelefon, sondern auch eine kleine Bibel immer bei uns tragen: Das hat Papst Franziskus den katholischen Gläubigen an diesem ersten Fastensonntag ans Herz gelegt. „Was würde geschehen, wenn wir die Bibel genauso behandeln wie unser Handy? Wenn wir umkehren, um sie zu holen, weil wir sie zu Hause haben liegen lassen, wenn wir sie mehrmals am Tag zur Hand nehmen, wenn wir die Botschaften Gottes in der Bibel lesen, wie wir die Botschaften auf dem Handy lesen?“ Das sei ein paradoxer Vergleich, bringe aber zum Nachdenken, sagte Franziskus beim Angelus.

Der Papst bezog sich auf das Sonntagsevangelium, in dem Satan Jesus in Versuchung führt, dieser ihn aber „mit dem Schild des Wortes Gottes“ pariert. Die 40 Tage Jesu in der Wüste sind das Vorbild der christlichen Fastenzeit, in der der Christen dazu aufgerufen sind, „den Spuren Jesu zu folgen und den geistlichen Kampf gegen das Böse mit dem Wort Gottes zu führen“, so Franziskus. Aus diesem Grund brauche es Vertrautheit mit der Bibel. „Wirklich: hätten wir das Wort Gottes immer im Herzen, dann könnte uns keine Versuchung von Gott entfernen; wir verstünden es, die täglichen Einflüsterungen des Bösen zu besiegen, das in uns und rund um uns ist.“

Nach dem Angelus bat Franziskus die Gläubigen auf dem Petersplatz um das Gebet für seine Fastenexerzitien, die er an diesem Sonntagabend gemeinsam mit den Spitzen der Kurie in Ariccia beginnt. Exerzitienmeister ist in diesem Jahr der italienische Franziskaner Giulio Michelini. Die Fastenzeit sei „der Weg des Gottesvolkes auf Ostern hin, ein Weg der Umkehr, des Kampfs gegen das Böse mit den Waffen des Gebets, des Fastens und der Werke der Nächstenliebe. „Ich wünsche allen, dass ihr Weg der Fastenzeit reiche Frucht trägt.“

 

(rv 05.03.2017 gs)

Klare Unterscheidung zwischen Gerechtigkeit und Rache

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Ansprache von Papst Franziskus beim Angelusgebet am 19. Februar

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

Im Evangelium des heutigen Sonntags (Mt 5,38-48) – eine jener Stellen, die am besten die christliche »Revolution« zum Ausdruck bringen – zeigt Jesus den Weg der wahren Gerechtigkeit durch das Gesetz der Liebe, welches das Gesetz des »Auge für Auge, Zahn für Zahn« überwindet. Diese antike Regel verlangte, den Gesetzesbrechern dem verursachten Schaden entsprechende Strafen aufzuerlegen: den Tod für den, der gemordet hatte, die Amputation für den, der jemanden verletzt hatte, und so weiter. Jesus fordert von seinen Jüngern nicht, das Übel hinzunehmen. Im Gegenteil: Er fordert auf zu reagieren, aber nicht mit einem weiteren Übel, sondern mit dem Guten. Nur auf diese Weise wird die Kette des Übels gebrochen: ein Übel führt zu einem weiteren Übel, ein weiteres führt zu anderen… Es wird diese Kette des Übels durchbrochen, und die Dinge werden wirklich anders. Das Übel nämlich ist eine »Leere«, eine Leere ohne Gutes, und ein Leerraum kann man nicht mit einer weiteren Leere füllen, sondern nur mit einer »Fülle«, das heißt mit dem Guten. Die Vergeltung führt nie zur Lösung der Konflikte. »Du hast mir das angetan, ich tue es dir auch an«: das löst nie einen Konflikt, und es ist auch nicht christlich.

Für Jesus kann die Ablehnung von Gewalt auch einen Verzicht auf ein legitimes Recht mit sich bringen; und er führt einige Beispiele dafür an: die andere Wange hinhalten, seine Kleidung oder sein Geld überlassen, weitere Opfer auf sich nehmen (vgl. V. 39-42). Dieser Verzicht jedoch will nicht besagen, dass die Erfordernisse der Gerechtigkeit ignoriert werden oder man ihnen widerspricht. Nein, im Gegenteil, die christliche Liebe, die sich in besonderer Weise in der Barmherzigkeit offenbart, stellt eine höhere Verwirklichung von Gerechtigkeit dar. Was Jesus uns lehren will, ist die klare Unterscheidung, die wir zwischen Gerechtigkeit und Rache machen müssen. Zwischen Gerechtigkeit und Rache unterscheiden. Rache ist nie gerecht. Es ist uns gestattet, Gerechtigkeit einzufordern; es ist unsere Pflicht, Gerechtigkeit zu üben. Es ist uns dagegen untersagt, uns zu rächen oder auf irgendeine Weise Rache zu schüren, insofern dies Ausdruck des Hasses und der Gewalt ist.

Jesus will keine neue bürgerliche Ordnung vorschlagen, sondern vielmehr das Gebot der Nächstenliebe, das auch die Feindesliebe umfasst: »Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen« (V. 44). Und das ist nicht leicht. Dieses Wort darf nicht als Billigung des vom Feind zugefügten Übels missverstanden werden, sondern ist als Aufforderung zu einer höheren Perspektive zu verstehen, zu einer großmütigen Perspektive, die jener des himmlischen Vaters ähnlich ist. Er, so sagt Jesus, »lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte« (V. 45). Denn auch der Feind ist eine menschliche Person, die als solche nach dem Bild Gottes geschaffen ist, auch wenn dieses Bild gegenwärtig durch ein unwürdiges Verhalten getrübt wird.

Wenn wir von »Feinden« sprechen, dürfen wir nicht an irgendwelche Personen denken, die anders und fern von uns sind; wir sprechen auch von uns selbst, die wir mit unserem Nächsten in Konflikt geraten können, bisweilen mit unseren Familienangehörigen. Wie viele Feindseligkeiten in den Familien, wie viele! Denken wir daran. Feinde sind auch jene, die schlecht über uns reden, die uns verleumden und uns Unrecht antun. Und es ist nicht leicht, das wegzustecken. Wir sind dazu aufgerufen, all diesen mit dem Guten zu antworten, das seine eigenen, von der Liebe inspirierten Strategien hat.

Die Jungfrau Maria stehe uns bei, Jesus auf diesem anspruchsvollen Weg zu folgen, der wirklich die menschliche Würde in den Vordergrund stellt und uns als Kinder unseres Vaters im Himmel leben lässt. Sie möge uns helfen, uns in der Geduld, im Dialog, in der Vergebung zu üben und Handwerker der Gemeinschaft, Handwerker der Brüderlichkeit in unserem alltäglichen Leben zu sein, vor allem in unserer Familie.

Nach dem Angelusgebet sagte der Papst:

Liebe Brüder und Schwestern, leider erreichen uns weiter Nachrichten von gewalttätigen und brutalen Zusammenstößen in der Region Zentral-Kasai, Demokratische Republik Kongo. Es schmerzt mich sehr für die Opfer, besonders für die vielen Kinder, die ihren Familien und der Schule entrissen werden, um als Soldaten benutzt zu werden. Der Einsatz von Kindersoldaten ist eine Tragödie. Ich sichere meine Nähe und mein Gebet zu, auch für die Hilfskräfte aus religiösen und humanitären Einrichtungen, die in diesen schwierigen Regionen tätig sind. Und ich erneuere meinen eindringlichen Aufruf an das Gewissen und die Verantwortung der nationalen Obrigkeiten sowie der internationalen Gemeinschaft, damit angemessene und unverzügliche Entscheidungen getroffen werden, um diesen unseren Brüdern und Schwestern zu helfen. Wir wollen für sie und für alle Bevölkerungen beten, die auch in anderen Teilen des afrikanischen Kontinents und der Welt aufgrund von Gewalt und Kriegen leiden. Ich denke im Besonderen an die geliebten Völker Pakistans und des Irak, die in den vergangenen Tagen von grausamen Terroranschlägen getroffen wurden. Wir wollen für die Opfer, die Verletzten und ihre Familienangehörigen beten. Beten wir innig dafür, dass sich jedes durch Hass verhärtete Herz dem Willen Gottes entsprechend zum Frieden bekehre. Beten wir einen Moment in Stille. [Der Papst betete mit den Gläubigen ein Gegrüßet seist du, Maria…]

Ich grüße euch alle, die Familien, Vereinigungen, Pfarrgruppen sowie die einzelnen Pilger aus Italien und verschiedenen Teilen der Welt.

Mein besonderer Gruß geht an die Schüler aus Armagh (Irland), die Gläubigen der Bistümer Asidonia-Jerez, Cádiz y Ceuta und Madrid in Spanien; die Jugendbewegung »Don Guanella«, die Firmlinge aus Castelnuovo di Prato und die Pilger aus Modena und Viterbo.

Allen wünsche ich einen schönen Sonntag – ein schöner Tag! [Der Papst zeigt auf den blauen Himmel]. Und bitte vergesst nicht, für mich zu beten. Gesegnete Mahlzeit und auf Wiedersehen!

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Quelle: Osservatore Romano 8/2017