Du bist Petrus, der Fels

Die Schlüssel Des Himmelreiches, Pietro Perugino (1448–1523) / Wikimedia Commons, Public Domain

Impuls zum 21. Sonntag im Jahreskreis A — 27. August 2017

Hier haben wir das berühmte Bekenntnis des Petrus, das er in Caesarea Philippi vor den versammelten Aposteln ausspricht.

Die Tatsache, dass Petrus offen heraus sagt, dass er Jesus für den Messias hält, erscheint uns auf den ersten Blick seltsam, denn wir wissen das natürlich, dass es so ist. Aber in diesem Augenblick sind sich selbst die Jünger, die schon lange mit ihm zusammen sind, nicht sicher, ob man das so sagen kann, denn Jesus selbst hat es nie gesagt.

Nur einmal, und das zu einer Nicht-Jüdin, hat der Herr es ganz deutlich gesagt: „Der vor dir steht, er ist es.“

Die Szene ist von einem besonderen Zauber. Zunächst einmal stellt der Herr selber die Frage nach seiner Identität: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“ An den Antworten sieht man, dass  es im Volk offensichtlich verschiedene Auffassungen gibt: Johannes der Täufer, Elija, Jeremia oder sonst einen Propheten. Natürlich, Jesus hat da ja auch nie deutlich geworden.

„Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“

Ein bisschen rätselhaft ist es schon, dass der Herr es um seinen Namen so „spannend“ macht.

Zum einen hat es sicher damit zu tun, dass der Name viel mehr ist als eine bloße Bezeichnung. Wir wissen, dass Adam im Paradies den Auftrag bekam, jedem Tier seinen – zu ihm passenden – Namen zu geben. Die Tiere sind vor dem Sündenfall mit den Menschen besonders vertraut, und der Name soll das Wesentliche dieses Lebewesens in ein Wort fassen.

Erst recht aber bei den Menschen.

Jesus gefällt es, wichtige Personen nicht nur mit ihrem Namen anzusprechen, sondern zum Teil ihnen sogar einen neuen Namen zu geben. So nennt er Simon, nach seinem „Bekenntnis“ zum Namen des Messias, in einer feierlichen Rede mit dem neuen Namen Petrus, der Fels. Und jetzt wird auch die Erklärung mitgeliefert, warum er diesen Namen bekommt. Er soll der Fels sein, auf den Jesus seine Kirche bauen wird.

Dazu bekommt er die Sicherheit, dass die Mächte der Unterwelt diese Kirche nicht überwältigen werden.

Wie tröstlich gerade in unserer Zeit des Umbruchs, wo man tatsächlich manchmal befürchten muss, dass die Mächte der Unterwelt allenthalben an der Kirche nicht nur rütteln, sondern sogar manchmal drauf und dran sind, sie zu überwältigen.

Im Zusammenhang mit Amoris laetitia wird es deutlich, dass der Stellvertreter Christi zwar manchmal genauso wie der, den er vertritt, nicht mit äußerster Deutlichkeit spricht. Dass aber bei näherem Hinsehen die Zusammenhänge klar werden, denn der Herr erwartet natürlich, dass wir Lehraussagen seines Stellvertreters in ihrer Gesamtheit, d.h. immer auch im Lichte der überlieferten Lehre sehen.

Dann stellt sich nämlich heraus, dass zwar auch Johannes, Elija und Jeremia genannt werden, dass es aber nur den einen Messias geben kann, der sich selbst nicht widersprechen kann. Dass also die wieder verheirateten Geschiedenen nur unter den bekannten Voraussetzungen zu den Sakramenten gehen können: entweder weil die vorige Ehe ungültig war oder aber weil sie wie Bruder und Schwester zusammen leben.

Auch das andere Wort Jesu von den „Schlüsseln des Himmelreichs“ bekommt eine unerwartete Aktualität im Zusammenhang mit Aussagen des Heiligen Vaters, die schließlich nur Empfehlungen sind.

Wenn er von den Flüchtlingen sagt, dass man sie großzügig aufnehmen und ihnen, wenn möglich, schnell die Staatsbürgerschaft des jeweiligen Gastlandes geben soll, dann beabsichtigt er natürlich nicht, so etwas ex cathedra zu sagen. Hier hat er ganz sicher nicht „auf Erden etwas gebunden, was auch im Himmel gebunden ist“. Vielmehr gibt er den Regierungen diesen Rat, der eher seine persönliche Meinung wiedergibt. Ohnehin ist das Problem viel zu komplex, als dass man es auf diese Weise lösen könnte.

Aber eines ist sicher der Wunsch des Messias an uns heute: dass wir seinen Stellvertreter lieben, für ihn beten und ihm helfen wo wir können.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.  Der Fe-Medienverlag hat einige ZENIT-Beiträge vom Autor als Buch mit dem Titel „Der Stein, den die Bauleute verwarfen“ herausgebracht.

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„Sind wir Wohnzimmerchristen?“

Messe Hochfest Peter & Paul, 29. Juni 2017

Predigt von Papst Franziskus
am Hochfest Peter und Paul — Volltext

Wir veröffentlichen im Folgenden in der offiziellen Übersetzung die Predigt, die Papst Franziskus am heutigen Donnerstag, dem 29. Juni 2017, Hochfest Peter und Paul, während der Eucharistiefeier auf dem Petersplatz gehalten hat.

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Die heutige Liturgie legt uns drei Worte vor, die wesentlich für das Leben des Apostels sind: Bekenntnis, Verfolgung, Gebet.

Das Bekenntnis ist das des Petrus im Evangelium, als die Frage des Herrn vom Allgemeinen ins Besondere geht. In der Tat fragt Jesus zunächst: »Für wen halten die Menschen den Menschensohn?« (Mt 16,13). Bei dieser „Umfrage“ ergibt sich von vielen Seiten, dass das Volk Jesus als Prophet ansieht. Und so stellt der Meister an die Jünger die wirklich entscheidende Frage: »Ihr aber, für wen haltet ihr mich?« (V. 15). Da antwortet nur Petrus: »Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!« (V. 16). Das ist das Bekenntnis: in Jesus den erwarteten Messias sehen, den lebendigen Gott und den Herrn des eigenen Lebens.

Diese grundlegende Frage richtet Jesus heute an uns, an uns alle, aber besonders an uns Hirten. Es ist die entscheidende Frage, vor der keine Höflichkeitsantworten bestehen können, weil das Leben auf dem Spiel steht: Eine lebenswichtige Frage erfordert eine Antwort fürs Leben. Denn es nützt wenig, die Glaubensartikel zu kennen, wenn man nicht Jesus, den Herrn, im eigenen Leben bekennt. Er schaut uns heute in die Augen und fragt: „Wer bin ich für dich?“ Als würde er sagen: “Bin ich noch der Herr deines Lebens, die Ausrichtung deines Herzens, der Grund deiner Hoffnung, dein unerschütterliches Vertrauen?“ Mit dem heiligen Petrus erneuern auch wir heute unsere Lebensentscheidungals Jünger und Apostel. Gehen wir erneut von der ersten zur zweiten Frage über, um „die Seinen“ nicht nur mit Worten zu sein, sondern mit Taten und im Leben.

Fragen wir uns, ob wir Wohnzimmerchristen sind, die darüber schwatzen, wie die Dinge in der Kirche und in der Welt laufen, oder Apostel auf dem Weg, die Jesus mit dem Leben bekennen, weil sie ihn im Herzen haben. Wer Jesus bekennt, weiß, dass er nicht bloß gehalten ist, Meinungen abzugeben, sondern das Leben hinzugeben. Er weiß, dass er nicht auf laue Weise glauben kann, sondern gerufen ist, aus Liebe zu „brennen“. Er weiß, dass er im Leben nicht auf dem Wohlbefinden „dahintreiben“ und es sich gut gehen lassen kann. Er muss vielmehr das Risiko eingehen, auf die hohe See hinauszufahren, indem er sich jeden Tag neu selbst hingibt. Wer Jesus bekennt, macht es wie Petrus und Paulus: Er folgt ihm bis zum Ende; nicht nur bis zu einem bestimmten Punkt, sondern bis zum Äußersten; er folgt ihm auf der Straße des Herrn, nicht auf unseren Straßen. Seine Straße ist der Weg des neuen Lebens, der Freude und der Auferstehung, der aber auch über das Kreuz und die Verfolgungen geht.

Damit sind wir beim zweiten Wort: den Verfolgungen. Nicht nur Petrus und Paulus haben ihr Blut für Christus vergossen, sondern die gesamte Urgemeinde wurde verfolgt, wie uns die Apostelgeschichte (vgl. 12,1) berichtet hat. Auch heute werden in verschiedenen Teilen der Welt, zuweilen in einem Klima des Schweigens – nicht selten eines mitschuldigen Schweigens –, viele Christen ausgegrenzt, verleumdet, diskriminiert, zum Ziel von mitunter tödlichen Gewaltakten. Nicht selten fehlen die nötigen Bemühungen derer, die dafür sorgen könnten, dass ihre legitimen Rechte geachtet werden.

Ich möchte jedoch vor allem hervorheben, was der Apostel Paulus zum Ausdruck gebracht hat, bevor er, wie er schreibt, »geopfert« wurde (2 Tim 4,6). Für ihn war Christus das Leben (vgl. Phil 1,21), und zwar als der Gekreuzigte (vgl. 1 Kor 2,2), der sich für ihn hingegeben hat (vgl. Gal 2,20). So ist Paulus als treuer Schüler dem Meister gefolgt, indem auch er sein Leben hingegeben hat. Christus gibt es nicht ohne das Kreuz, und ohne das Kreuz gibt es auch keinen Christen. Denn es ist der christlichen Tugend eigen, »nicht nur Gutes zu tun, sondern auch Böses zu ertragen« (Augustinus, Sermo 46,13), wie bei Jesus. Das Böse ertragen heißt nicht nur, Geduld zu haben und mit Ergebung weiterzumachen; ertragen bedeutet Jesus nachzuahmen, bedeutet die Last zu tragen, sie für ihn und für die anderen auf den Schultern zu tragen. Es heißt das Kreuz anzunehmen und vertrauensvoll weiterzugehen, weil wir nicht allein sind, der gekreuzigte und auferstandene Herr ist mit uns. So können wir mit Paulus sagen: »Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen« (2 Kor 4,8-9).

Ertragen heißt mit Jesus siegen zu können, nämlich in der Weise Jesu, nicht in der Weise der Welt. Deshalb sieht sich Paulus als Sieger – wir haben es gehört –, der einen Kranz erhält (vgl. 2 Tim 4,8). Er schreibt: »Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue bewahrt« (V. 7). Sein guter Kampf war allein auf ein Leben fürausgerichtet – nicht für sich selbst, sondern für Jesus und für die anderen leben. Er hat „im Lauf“ gelebt: er schonte sich nicht, ja vielmehr verzehrte er sich. Eines habe er bewahrt, so sagt er, nicht die Gesundheit, sondern den Glauben, also das Bekenntnis zu Christus. Aus Liebe zu ihm hat die Prüfungen durchlebt, die Demütigungen und die Leiden, die nie zu suchen, sondern anzunehmen sind. Und so, im Geheimnis der aus Liebe dargebrachten Schmerzen, in diesem Geheimnis, das so viele verfolgte, arme und kranke Brüder und Schwestern auch heute verkörpern, erstrahlt die heilbringende Kraft des Kreuzes Jesu.

Das dritte Wort ist das Gebet. Das Leben des Apostels, das aus dem Bekenntnis entspringt und in die Hingabe mündet, strömt jeden Tag weiter im Gebet. Das Gebet ist das unerlässliche Wasser, welches die Hoffnung nährt und das Vertrauen wachsen lässt. Das Gebet schenkt uns die Erfahrung, dass wir geliebt sind, und erlaubt uns zu lieben. Es lässt uns in den dunklen Augenblicken weitergehen, weil es ein Licht Gottes anzündet. In der Kirche ist es das Gebet, das uns alle trägt und die Prüfungen meistern lässt. Das sehen wir schon in der ersten Lesung: »Petrus wurde also im Gefängnis bewacht. Die Gemeinde aber betete inständig für ihn zu Gott« (Apg 12,5). Eine Kirche, die betet, wird vom Herrn behütet und schreitet in seiner Begleitung voran. Beten bedeutet ihm den Weg anzuvertrauen, auf dass er sich um ihn kümmert. Das Gebet ist die Kraft, die uns vereint und aufrichtet; das Heilmittel gegen die Isolierung und die Selbstgenügsamkeit, die zum geistlichen Tod führen. Denn wenn man nicht betet, weht der Geist des Lebens nicht, und ohne das Gebet öffnen sich nicht die inneren Verließe, in denen wir gefangen sind.

Die heiligen Apostel mögen uns helfen, ein Herz wie das ihre zu erhalten, das von der Mühe und dem Frieden des Gebets geprägt ist: von seiner Mühe, weil es bittet, anklopft, sich fürbittend einsetzt und die Last der Anliegen vieler Menschen und Situationen trägt; aber zugleich von seinem Frieden, weil der Heilige Geist Trost und Kraft gibt, wenn man betet. Wie braucht die Kirche so dringend Meister des Gebets, aber zuallererst betende Männer und Frauen, die wirklich im Gebet leben!

Der Herr greift ein, wenn wir beten; er erweist sich treu gegenüber der Liebe, die wir ihm bekannt haben, und er ist uns nahe in den Prüfungen. Er hat den Weg der Apostel begleitet und er wird auch euch, liebe Kardinäle, begleiten, die ihr hier in der Liebe der Apostel versammelt seid, die ihren Glauben mit dem Blut bekannt haben. Er wird auch euch nahe sein, liebe Erzbischöfe, die ihr durch die Auflegung des Palliums bestärkt werdet, für die Herde zu leben und dabei den Guten Hirten nachzuahmen, der euch erhält, da er euch auf den Schultern trägt. Dieser Herr, der sehnlich danach verlangt, seine Herde ganz vereint zu sehen, segne und beschütze auch die Delegation des Ökumenischen Patriarchats und den geliebten Bruder Bartholomaios, der sie hierher geschickt hat zum Zeichen der apostolischen Gemeinschaft.

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PAPST PAUL VI.: WER IST PETRUS – WAS TUT DER PAPST?

Petrus

Bei der Generalaudienz am 31. August 1977

Eure Anwesenheit erfreut, bewegt und ergreift uns. Sie bringt uns immer wieder unser päpstliches Amt voll zum Bewußt­sein. Obwohl wir euch zum erstenmal treffen, wollen wir euch so­gleich als Brüder, als Söhne und Töchter, als Freunde betrachten. Ehe wir jedoch an euch denken, fühlen wir uns verpflichtet, über uns selbst, über die uns aufgegebene Sendung, die universale Kir­che zu leiten, in Ehrfurcht, Scheu und Verwunderung nachzuden­ken, wobei uns die Worte auf die Lippen kommen, mit denen sich Jesus selbst an die Jünger des Johannes wandte, der sie im Kerker beauftragt hatte, Jesus zu fragen: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ (Mt 11, 3). Dieselbe Frage wissen wir auch an uns gerichtet. Obwohl ihr alle die Frage genau beantworten könnt, ist sie bedeutsam und gleichzeitig eng mit der geschuldeten Antwort auf die Probleme verbunden, die unter gewissen Gesichtspunkten jeden von euch, unter anderem aber die großen Probleme sozusagen des Geschickes der Welt be­rühren. Können wir uns in unserer menschlichen Schwachheit der drängenden Frage: Wer bist du? Wer ist der Papst? entziehen und auf eine solche oder ähnliche Frage nicht antworten, auch wenn sie uns noch so in Verlegenheit bringt und sich nicht zureichend be­antworten läßt?

Doch da vernehmen wir in uns die Antwort, ja geradezu die De­finition, die Jesus dem Simon, Sohn des Jonas, selbst überlassen wollte, die wir von Petrus übernommen haben und die wir in den Texten des Ersten Vatikanischen Konzils (vgl. Denz.-Schön. 3050-3060) und erneut in einem Dokument des Zweiten Vatikani­schen Konzils (Lumen gentium, Nr. 18 und 23) lesen: Jesus Chri­stus hat im hl. Petrus ein „immerwährendes Prinzip und Funda­ment der Glaubenseinheit und der Gemeinschaft eingesetzt. Hier findet sich ein gewaltiges Kapitel katholischer Glaubenslehre aus­gesprochen. Der Glaube, d. h. die Zustimmung zum göttlichen Wort, bekennt sich dazu, und die Theologie beschreibt und erläutert ihn. Hier erfahren wir, wer Petrus und sein rechtmäßiger Nachfolger ist, und es wird uns im Lichte dieses Geheimnisses dar­gelegt, was der Papst tut: dies einmal klargestellt, möchten wir hier einige grundlegende Worte über den zweiten Aspekt, die Sendung des Petrus, sagen, auch weil das Geheimnis Petri in der Tiefe des göttlichen Gedankens gründet, während sein Tun sich offen kund­tut, d. h. wenigstens äußerlich bekannt ist und dem allgemeinen Urteil unterliegt (vgl. Joh 10, 38; 14, 12; usw.).

Beschränken wir uns jetzt auf einen allgemeinen Überblick, wie er in einer solchen einfachen Ansprache möglich ist.

Was tut also die Kirche? Wenn sie ihrem Herrn, dem Geist, der sie leitet, und der Menschheit, in der sie und für die sie lebt, in Treue folgt, vermag sie viele und große Dinge zu tun, vorausge­setzt freilich, daß sie die Freiheit und in bestimmtem Umfang auch die nötigen Mittel dazu hat (vgl. Mt 14, 17; 17, 26; usw.).

Doch hören wir, wie der Herr selbst in seinen Weisungen an die Jünger bei seiner Abschiedsrede ihre Tätigkeit zusammenfaßt. Dabei soll uns für heute ein einziges Wort genügen, ein Wort, dem eine Dynamik entspringt, die das gesamte christliche Leben ent­scheidend bestimmt. Eines der letzten Worte des Mattäus-Evange­liums lautet nämlich: „Geht . .!“ Jesus will keine unbeweglichen Jünger (vgl. Mt 20, 6), er will sie auf dieser Erde in Bewegung se­hen. Deshalb hat er sie ja „Apostel“ genannt (Lk 6, 13), Ausge­sandte, Zeugen, Boten, Verkünder seines Wortes und seines Heilsplans. Mit einer immer wieder aktuellen Bezeichnung kön­nen wir sagen: Jesus wollte, daß seine Jünger Missionare seien. Kardinal Suenens zeigt in einem seiner Bücher, daß jeder Katholik, der dem Evangelium wirklich treu sein will, auf die eine oder an­dere Weise Missionar sein müsse. War etwa eine Heilige wie die in strenger Klausur lebende Theresia vom Kinde Jesu keine glühende Missionarin?

Weder menschlicher Respekt noch geistliche Indifferenz und schon gar nicht aufdringliche Proselytenmacherei dürfen die christliche Ehrfurcht vor dem eigenen Glauben bestimmen, wenn er wirklich christlich und katholisch heißen soll, sondern vielmehr ein ehrliches Gefühl der Verantwortung und der Liebe zur Ver­breitung des Evangeliums, ein Gefühl missionarischer Solidarität. Die Kirche ist der Sauerteig (Mt 13, 33). Prägen wir unseren Her­zen das leidenschaftliche Wort Jesu ein: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen; wie froh wäre ich, wenn es schon brennen würde“ (Lk 12, 49).

Das Evangelium ist ein Feuer, das brennen und leuchten muß. Wir alle sind aufgerufen, es zu entzünden und weiterzutragen. Möge sich jeder von uns daran erinnern!

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Quelle: WORT UND WEISUNG IM JAHR 1977, Libreria Editrice Vaticana – Butzon & Bercker

SS. PETRI ET PAULI, APPOSTOLORUM

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Da nobis, quaesumus, Dómine Deus noster, beatórum apostolórum Petri et Pauli intercessiónibus sublevári, ut, per quos Ecclésiae tuae supérni múneris rudiménta donásti, per eos subsídia perpétuae salútis impéndas.
Per Dóminum nostrum Jesum Christum, filium tuum, qui tecum vivit et regnat, Deus: per omnia saecula saeculorum. Amen.