Papst-Brief über Krippe als Vorbereitung auf Weihnachten

Der Papst in Greccio

Wie nach dem Angelusgebet an diesem 1. Adventssonntag angekündigt, begab sich Papst Franziskus am Sonntagnachmittag nach Greccio, um ein Apostolisches Schreiben über die Bedeutung und den Wert der Weihnachtskrippe zu unterzeichnen.

AKTUALISIERUNG vom 1. Dezember, 16.30 Uhr!

Bereits am Mittag erläuterte der Papst auf dem Petersplatz im Vatikan, dass er nach Greccio gehen wolle, „dem Ort, an dem der heilige Franziskus die erste Krippe gemacht hat“. Dort wolle er einen Brief über die Bedeutung und den Wert der Krippe unterschreiben. „Die Krippe ist ein einfaches und wunderbares Zeichen des christlichen Glaubens. Es ist ein kurzer Brief, der gut zur Vorbereitung auf Weihnachten geeignet ist. Begleite mich mit dem Gebet auf diesem Weg“, so der Papst nach dem Mittagsgebet.

In Greccio empfingen ihn die franziskanische Ordensgemeinschaft, Kinder und der zuständige Bischof von Rieti, Domenico Pompili. Den Ordensleuten bei der Grotte, wo die Weihnachtskrippe ausgestellt ist, sagte der Papst:

„Die größte Botschaft des heiligen Franziskus ist das Zeugnis und seine Bitte: ,Predigt das Evangelium, und wenn nötig auch mit Worten´, es geht nicht darum, Proselytismus zu betreiben. Es geht um die Bedürftigen, um die Sünder. Es geht um das Zeugnis. Gott hat uns aus der ,Erde´ erschaffen, wie es im Buch der Genesis heißt: Er hat uns Erde gemacht, wir sind Erde. Er verliebte sich in unserer Erde. Das ist das Zeugnis von Jesu Liebe. Denkt daran: Armut und Demut. Danke.“

Danach unterzeichnete der Papst das Schreiben „Admirabile signum“, in der es um die Bedeutung und den Wert der Weihnachtskrippe geht. „Wie viele Gedanken drängen sich in den Geist an diesem heiligen Ort! Und doch sind wir vor dem Felsen dieser Berge, die dem Heiligen Franziskus so teuer sind, aufgerufen, vor allem die Einfachheit wiederzuentdecken“, sagte der Papst in seiner Betrachtung bei der feierlichen Unterzeichnung seines Schreibens. Die Krippe, die der heilige Franziskus „auf engstem Raum“, in Anlehnung an die schmale Grotte von Bethlehem, zum ersten Mal herstellte, spreche für sich, führte Franziskus weiter aus. Mit der Weihnachtskrippe bestehe keine Notwendigkeit, Worte zu vervielfachen, „denn die Szene vor unseren Augen drückt die Weisheit aus, die wir brauchen, um das Wesentliche zu erfassen“, erinnerte der Papst weiter:

„Vor der Weihnachtskrippe entdecken wir, wie wichtig es für unser so oft hektisches Leben ist, Momente der Stille und des Gebets zu finden. Stille, um die Schönheit des Gesichts von Jesus, dem Kind, dem Sohn Gottes, zu betrachten, der in der Armut eines Stalls geboren wurde. Gebet, um das ,Dankeschön´ auszudrücken, das über dieses große Geschenk der Liebe, das uns gegeben wird, erstaunt ist.“

In diesem „einfachen und wunderbaren Zeichen“ der Weihnachtskrippe offenbare sich „das große Geheimnis unseres Glaubens“. Gott liebe jeden Menschen. Das sei die zentrale Botschaft der Krippe. Es handele sich um eine Tradition, die zur Volksfrömmigkeit gehöre und „von Generation zu Generation“ weitergegeben werde.

„Gott lässt uns nie allein; er begleitet uns mit seiner verborgenen Gegenwart, aber nicht unsichtbar. In jeder Situation, in Freude wie in Schmerz, ist er der Emmanuel, Gott mit uns. Wie die Hirten von Bethlehem nehmen wir die Einladung an, in die Grotte zu gehen, um das Zeichen zu sehen und zu erkennen, das Gott uns gegeben hat. Dann wird unser Herz voller Freude sein, und wir werden es dort hinbringen können, wo es Traurigkeit gibt; es wird voller Hoffnung sein, um mit denen geteilt zu werden, die es verloren haben.“

Zum Abschluss seiner kurzen Ansprache rief der Papst die Gläubigen auf, sich mit Maria zu identifizieren, die ihren Sohn in die Krippe gelegt habe, weil in einem Haus kein Platz war.

„Mit ihr und mit dem heiligen Josef, ihrem Mann, schauen wir auf das Jesuskind. Möge ihr Lächeln, das in der Nacht erblüht, Gleichgültigkeit zerstreuen und die Herzen für die Freude derer öffnen, die sich vom Vater im Himmel geliebt fühlen.“

(vatican news –mg)

LESEN SIE AUCH:

‚Weil Gott in tiefster Nacht erschien‘: Weihnachtspredigt von Kardinal Koch

Anbetung des Jesuskindes durch die Hirten von Matthias Stomer Foto: Wikimedia / Paris Orlando (CC BY-SA 4.0)

Zur Eucharistiefeier in der Heiligen Nacht in der Kirche des Campo Santo Teutonico am 24. Dezember 2018 hat Kardinal Kurt Koch diese Predigt gehalten:

Es ist ein alter und schöner Brauch, dass wir uns zum Weihnachtsgottesdienst in der Nacht oder an ihrem Beginn einfinden. An diesem Brauch lässt sich ablesen, dass wir Christen offensichtlich die Nacht gern haben. Die Nacht ist uns sogar heilig und geweiht. Sie ist Weih-Nacht. Mit diesem Ehrentitel bezeichnen wir jene Nacht, in der Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, auf unserer Erde erschienen, Mensch geworden und geboren ist. In dieser Nacht feiern wir den Eintritt Gottes in die Weltnacht von uns Menschen.

Gottes Licht in der Nacht der Menschen

Heilige Nacht – Weihnacht! Die Feier der Weih-Nacht mutet uns nichts weniger zu als dies, dass wir uns der Nacht stellen: der Nacht in unserem eigenen Leben, der Nacht in der gegenwärtigen Welt und der Nacht auch in der Kirche heute. Wir Christen sind zwar nicht – und hoffentlich – Menschen, die die Nacht herbeireden. Wir sind aber auch nicht – und hoffentlich – Menschen, die der Nacht ausweichen und sie verdrängen. Wir stellen uns vielmehr der Nacht und setzen uns ihr aus. Denn wir wissen genau, dass, wenn wir die Nacht aus unserem Leben verdrängen, die Weih-Nacht bloss noch eine Worthülse wäre. Die Nacht steckt nun einmal im Wort Weih-Nacht; und wie die Nacht im Wort steckt, so steckt sie auch in den Herzen von uns Menschen und nagt in ihrer ganzen Abgründigkeit und Gefährlichkeit  an unserem Leben. Die Nacht ist ein urmenschliches Zeichen für die Dunkelheit im menschlichen Leben und für die Finsternis in der Geschichte der Welt. Nacht heisst Angst und Not; Nacht heisst Armut und Sinnlosigkeit; und Nacht heisst schliesslich Leiden und Sterben.

Als Zeichen für die Nacht im Leben von uns Menschen und in den Geschicken der Welt treffen wir uns zur Feier der Heiligen Weihnacht am Beginn der Nacht. Weihnachten feiern braucht Mut, sich der Nacht zu stellen. Weihnachten ruft Erinnerungen an die Nachtseiten des menschlichen Lebens wach. Weihnachten erinnert an schlaflose Nächte, die vor lauter Sorge, Kummer oder Trauer nicht enden wollten. Und Weihnachten macht uns bewusst, dass auch unser Glaube manchmal Nachtwanderungen kennt.

Sich in dieser Weise der Nacht zu stellen, dies wäre freilich ein furchtbar trostloses und letztlich tristes Unterfangen, wenn mit der Nacht nicht auch eine frohe Verheissung verbunden wäre. Die Verheissung, die uns in der Weih-Nacht zuteil wird, besagt, dass in den Nächten unseres Lebens ein Licht aufgegangen ist, das die Finsternis erhellt. Dieses Licht ist bereits aufgeleuchtet im Volk Israel, wie es uns der alttestamentliche Prophet Jesaja verkündet: „Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht“ (9, 1), und zwar vor allem deshalb, weil ihm ein Kind geboren und ein Sohn geschenkt ist. Dieses Licht ist deshalb vollends aufgestrahlt in der Krippe in Bethlehem in jenem Kind, in dem Gott selbst Mensch geworden ist. In diesem Kind in der Krippe ist uns mitten in der Nacht unseres Lebens ein Licht, das Licht schlechthin aufgeleuchtet.

Erst diese Verheissung macht Weihnachten wirklich zur Weih-Nacht. Erst hier leuchtet auch der tiefste Grund auf, dass wir Christen die Nacht gern haben und geradezu in die Nacht verliebt sind. Denn uns ist der Glaube geschenkt, dass der Gottessohn in der Lebensnacht von uns Menschen zur Welt gekommen ist und sich uns als unser Lebenslicht schenkt. Der Sohn Gottes hat bei uns Menschen nicht bei Tageslicht bloss hinein geschaut, um sich alsbald von uns wieder zu verabschieden. Nein, er hat uns in der dunklen Nacht aufgesucht und heimgesucht, um die Nacht mit uns zu teilen und um in unsere Nacht hinein sein Licht zu bringen. Das ist das schöne Geheimnis der Heiligen Weih-Nacht: „Weil Gott in tiefster Nacht erschienen“, kann unsere menschliche Lebensnacht nicht traurig und nicht endlos sein. Mit seinem Licht hat Gott vielmehr der Nacht im Leben von uns Menschen und in der Welt ein heilsames Ende bereitet.

Licht, das den menschlichen Lebensraum erfüllt

Um uns in das Geheimnis der Heiligen Weih-Nacht zu vertiefen und in diesem Geheimnis heimisch werden zu können, eignet sich eine Geschichte, die die Menschen auf den Philippinen zu erzählen pflegen[1]: Ein König, der zwei Söhne hatte, beschloss im Laufe der Zeit, einen der beiden Söhne zu seinem Nachfolger zu bestellen. Um besser entscheiden zu können, welchen von beiden er mit der Nachfolge betrauen kann, gab er jedem fünf Silberstücke in die Hand und erteilte ihnen den Auftrag, sie sollten bis zum Abend mit diesem Geld die leere Schlosshalle füllen. Dabei vermerkte er eigens, dass es in ihrer Entscheidung liege, wie sie den Auftrag erfüllen wollen.

Der ältere Sohn machte sich sofort auf den Weg. Er kam an einem Feld vorbei, auf dem gerade Zuckerrohr geerntet und ausgepresst wurde. Als er das leere Zuckerrohr zuhauf am Feldrand liegen sah, dachte er sich, damit könne er die Schlosshalle leicht auffüllen. Schnell wurde er mit den Arbeitern handelseinig; und diese schafften für die fünf Silberstücke das ausgepresste Zuckerrohr in die Schlosshalle. Als sie voll war, ging der ältere Sohn in zuversichtlicher Freude zu seinem Vater und berichtete ihm, er habe die ihm gestellte Aufgabe erfüllt und der Vater solle ihn jetzt zu seinem Nachfolger ernennen. Der Vater jedoch antwortete: „Noch ist nicht Abend. Ich werde warten.“

Als die Dämmerung über das Land hereingebrochen war, kam auch der jüngere Sohn zurück. Er sah, dass die Schlosshalle mit Zuckerrohr aufgefüllt war, und gab die Anweisung, man solle das leere Stroh wegschaffen. Nachdem dies geschehen war, stellte er mitten in die Schlosshalle eine Kerze und zündete sie an. Das Licht der Kerze erfüllte den ganzen Raum und drang bis in den letzten Winkel vor. Als der Vater sah, dass das Licht der Kerze die ganze Schlosshalle erfüllt hatte, sagte er zu seinem jüngeren Sohn: „Du sollst mein Nachfolger sein. Dein Bruder hat alle fünf Silberstücke ausgegeben, um die Halle mit nutzlosem Zeug zu füllen. Du aber hast nicht einmal ein Silberstück gebraucht  und dabei die Halle mit Licht gefüllt. Du hast sie mit dem erfüllt, was die Menschen wirklich brauchen.“

Der Unterschied zwischen den beiden Söhnen könnte gar nicht grösser sein. Der Unterschied ist sogar so gross, dass er uns an den Unterschied zwischen dem Handeln Gottes und dem Handeln von uns Menschen erinnert. Handeln wir Menschen nicht oft genau so wie der ältere Sohn und geben uns alle erdenkliche Mühe, auch und gerade an Weihnachten, die Schlosshalle unseres Lebens mit allem Möglichen aufzufüllen? Ist unsere eigene Schlosshalle oft nicht voll von Terminen und Agenden, von Plänen und Programmen? Ist unser Herz nicht mit allen möglichen Dingen besetzt, und haben wir nicht oft genug auch unseren Kopf voll? Kommen wir uns nicht manchmal selbst gleichsam wie „besetztes Gebiet“ vor? Und wenn wir die besetzte Dunkelkammer unseres Herzens ans Tageslicht bringen, müssen wir dann ehrlicherweise nicht entdecken, dass darin auch viel Stroh ist, das uns zwar ausfüllt, aber gerade deshalb noch lange nicht erfüllt? Gleichen wir Menschen nicht oft dem älteren Sohn, der die Schlosshalle  mit ausgepresstem Zuckerrohr auffüllt? Auch unser Leben ist dann zwar aufgefüllt, aber nicht erfüllt.

Die Heilige Weihnacht lädt uns ein, auf Christus, den Sohn des himmlischen Vaters, zu schauen. In ihm dürfen wir den jüngeren Sohn in der philippinischen Geschichte wiedererkennen. Denn er füllt unser Herz mit nichts anderem als mit seinem Licht, das die Schlosshalle unseres Lebens bis in den letzten Winkel zu erfüllen vermag. Er erfüllt sie mit dem, was wir Menschen wirklich brauchen. Denn er ist gekommen, um uns zu besuchen als das „aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes“ (Lk 1, 78-79).

Jesus Christus als Gnaden-Licht in Person

Unser menschliches Leben gleicht oft einer leeren und dunklen Schlosshalle, die darauf wartet, gefüllt zu werden. Die Heilige Weihnacht erfüllt sie mit jenem Licht, das im Kind in der Krippe von Gott her in unsere Welt gekommen ist. Von diesem Licht gilt erst recht, was in der philippinischen Geschichte der Vater zu seinem jüngeren Sohn sagt: „Du hast nicht einmal ein Silberstück gebraucht und die Schlosshalle dabei mit Licht erfüllt. Du hast sie mit dem erfüllt, was die Menschen brauchen.“ In der Tat brauchen wir Menschen dringend das Licht, das von Gott kommt. Und das Licht, das Christus selbst ist, können wir nicht kaufen, und es kostet nichts; es ist vielmehr gratis, reine Gnade.

Die Heilige Weihnacht verkündet uns, dass in Jesus Christus die Gnade Gottes erschienen ist, „um alle Menschen zu retten“ (Titus 2, 11). Denn Jesus Christus ist in Person die gnädige Zuwendung Gottes zu uns Menschen, er selbst ist die Gnade Gottes. Wer an Weihnachten dem Kind in der Krippe in Bethlehem begegnet, begegnet Gott selbst. In diesem Kind ist Gott selbst gegenwärtig, und in ihm ist erfahrbar, dass letztlich alles Gnade ist.

An Weihnachten wird uns die Gegenwart Gottes als sein Licht geschenkt. Die Feier der Weihnacht setzt deshalb unsere Bereitschaft voraus, dass wir Menschen, die wir wie der ältere Sohn in der philippinischen Geschichte die Schlosshalle unseres Lebens immer wieder mit allem Möglichen aufzufüllen versuchen, es dem jüngeren Sohn, dem Sohn Gottes, erlauben, dieses alles Mögliche auch als „leeres Stroh“ auszuräumen und stattdessen seine Kerze in die Schlosshalle zu stellen. Christus will in dieser Heiligen Nacht auch unseren Lebensraum mit seinem Licht der Gnade erfüllen. Er kommt vom Licht der Gnade Gottes her und ist selbst das Licht der Welt. Er ist „Licht vom Licht“ und deshalb „wahrer Gott vom wahren Gott“, wie wir es im Grossen Glaubensbekenntnis ausdrücken. Dieses Licht dürfen wir empfangen vom Glanz des Herrn, der den Engel, der in der Weihnachtsgeschichte des Lukas die frohe Botschaft verkündet, umstrahlt (Lk 2, 9).

Öffnen wir in dieser Nacht die dunkle Schlosshalle unseres Lebens für Christus, damit er sie mit seinem Licht bis in die letzten Winkel hinein erfüllen kann. Dann geht uns vollends auf, dass wir Christen mit bestem Recht die Nacht gern haben dürfen. Sie ist uns Heilige Nacht, Geweihte Nacht, Weih-Nacht. Denn sie ist jene Nacht, in die hinein uns Jesus Christus geboren ist als das Licht, das in der Finsternis der Nacht leuchtet. Mitten in der Nacht der Menschen  – das ewige Licht Gottes: Dies ist die wahrhaft Frohe Botschaft von Weihnachten, deren Freude und Trost ich Ihnen von Herzen wünsche: Gesegnete und lichtvolle Weih-Nacht!

—-

[1]  Vgl. F. Kamphaus, Zwischen Nacht und Tag. Österliche Inspirationen (Freiburg i. Br. 1998) 50.

Der Schweizer Kardinal Kurt Koch ist Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Der ehemalige Bischof von Basel hat über 60 Bücher und Schriften verfasst, darunter Mut des Glaubens (1979) und Eucharistie (2005). (Foto: Paul Badde / EWTN).

_______

Quelle

Jesus war kein Flüchtlingskind

Politisch linksorientierte Menschen haben es üblicherweise nicht so mit der Kirche und dem Christentum. Wenn aber Kirchenfeste wie Weihnachten Anlass und Möglichkeiten bieten, sie für die eigenen, oft sinistren Zwecke zu instrumentalisieren oder gar den Christen aus demselben Grund die Evangelien erklären zu wollen, dann werden die üblichen Kirchenkritiker, die das restliche Jahr meist Häme gegenüber dem Christentum verbreiten, plötzlich zu Bibelspezialisten und beherrschen scheinbar die Exegese der Heiligen Schrift besser als die Theologen und Priester.

Die Familie war nicht auf der Flucht

Alle Jahre wieder wird in diversen Artikeln und Kommentaren der Mythos verbreitet, Jesus wäre ein Flüchtlingskind und seine Geburt in Bethlehem deswegen eine dramatische und gefährliche Angelegenheit gewesen. Das ist aber nach dem offiziellen und in jeder Weihnachtsmesse verlesenen Weihnachtsevangelium von Lukas  definitiv nicht wahr. Maria und Josef waren gemäß dem Evangelisten Lukas auf dem Weg zu einer von Kaiser Augustus angeordneten Volkszählung, die zur Erstellung der Steuerlisten angeordnet worden war. Die Einwohner Judäas mussten deswegen in ihre Geburtsstadt reisen, um sich dort zu melden. Maria und Josef brachen deswegen auf, fanden aber zur Zeit der Niederkunft kein freies Zimmer in den Herbergen und mussten sich mit einem Stall begnügen (was damals kein ungewöhnlicher Platz für Reisende war). Die Geburtsgeschichte aus dem Stall in Bethlehem wird trotzdem fälschlicherweise immer wieder als Flüchtlingsgeschichte dargestellt.

Eine andere Version

Freilich, der Evangelist Matthäus erzählt eine andere Version von Weihnachten bzw. der Zeit danach. Sie gilt allerdings nicht als das klassische Weihnachtsevangelium. Nach den Beschreibungen des Matthäus war der als brutale Schlächter verrufene und in ständiger Angst vor Attentaten lebende König Herodes höchst besorgt, dass laut den kursierenden Informationen ein neuer König der Juden (eben der Messias) geboren werden würde. Als er von Jesu Geburt hörte, schickte er Kundschafter aus, die bei Matthäus als „die Weisen“ bezeichnet werden. Nach der Verifizierung der Geburt ordnete Herodes die Tötung aller männlichen Kinder unter zwei Jahren an. Er wollte sichergehen, dass nirgendwo ein Erstgeborener als Messias gefeiert werden könne.

Laut Matthäus wurde Josef rechtzeitig von einem Engel gewarnt und er floh danach mit seiner Familie nach Ägypten, um sich dort vor den Häschern des Königs zu verstecken und das Leben des Kindes zu retten. Nach dem Tod des Herodes kehrten Maria und Josef wieder nach Judäa zurück. Das war also keine Flucht, die der heutigen Massenmigration in irgendeiner Weise gleichzustellen ist. Es ging damals um eine ganz konkrete persönliche Bedrohung und nicht um wirtschaftliche, kulturelle oder religiöse Motive. Die Reise von Jesus, Maria und Josef erfolgte auch bloß über die nächste Grenze. Die heutige Massenmigration erstreckt sich hingegen über Kontinente und es migrieren kaum Familien, sondern vor allem junge Männer – aus wie gesagt gänzlich anderen Motiven.

Ein Missbrauch des Evangelisten

Die Matthäus-Geschichte wird trotzdem gern von linken Zynikern als „Beweis“ dafür missbraucht, dass die Heilige Familie ein typisches Migrantenschicksal durchgemacht hätte und dass daher gerade die Christen das größte Verständnis für Flüchtlinge aller Art haben müssten. Das ist natürlich eine unlautere und anmaßende Argumentationstechnik. Christen sollten auf diese meist als Provokation gemeinten Anwürfe und Falschmeldungen nicht hereinfallen und sie gar nicht ernst nehmen. Apropos: Jeder ernstzunehmende Mensch wird anderen Menschen in echter Not und körperlicher Bedrängnis Hilfe vergönnen und selber etwas dazu beitragen, Notsituationen zu beheben oder zumindest zu lindern. Dazu braucht man keine linken Bibel-Exegeten, die das Evangelium offensichtlich noch weniger verstanden haben oder verstehen wollen als ihren Marx und ihren Engels.

Klare Worte sind notwendig

Christen müssen aber stets auch klarstellen: Die Bereitschaft zur Hilfe bedeutet nicht, dass man Migranten aller Art über tausende Kilometer nach Europa kommen lassen oder diese sogar per Jet einfliegen muss, wie dies kürzlich in Italien geschehen ist. Und Nächstenliebe heisst definitiv nicht, dass man kritiklos der Massenmigration das Wort reden und alle aufnehmen muss. Das Gegenteil ist wahr: Verantwortungsvolle Hilfe und ein vernünftiges Bewältigen der Migrationskrise kann nur in den Herkunftsregionen stattfinden. Und am allerwenigsten wird die Lösung der Krise in den von sauertöpfisch-atheistischen Besserwissern und linken Provokateuren besetzen Redaktionsstuben gelingen, aus denen zu Weihnachten regelmäßig süffisante Kommentare an die Öffentlichkeit dringen.

_______

Quelle

WARUM WIRD DIE GEBURT JESU CHRISTI am 25. Dezember gefeiert?

Die Geburt Jesu mitten in der Nacht

Die Geburt Jesu mitten in der Nacht

Unter den ersten Christen war es anscheinend nicht üblich, Weihnachten, d.h. den Geburtstag Jesu, zu begehen (vgl. z. B. Origenes, PG XII,495). Hingegen feierten sie seinen Todestag, und zwar als Tag seines Eingehens in den Himmel. Sie nannten ihn deshalb „Geburtstag“ (dies natalis: vgl. etwa den Bericht vom Martyrium des Polykarp, 18,3). Mit der Feier hatte man Anteil an der Erlösung durch Jesus, der durch sein Leiden den Tod besiegte.

Das genaue Kalenderdatum dieses zentralen Ereignisses blieb den Christen im Gedächtnis haften: Es war der 14./15. Tag des jüdischen Monats Nissan. Über das Datum von Jesu Geburt hingegen schweigen sich sowohl die Evangelien aus, und bis ins dritte Jahrhundert hinein ebenso auch die anderen frühchristlichen Schriften.

Danach tauchten die ersten Weihnachtsdaten auf. Sie waren zunächst unterschiedlich. Vom 25. Dezember ist zum ersten Mal indirekt bei Sextus Julius Africanus im Jahr 221 die Rede. Den ersten direkten Hinweis finden wir in derDepositio Martyrum filocaliana, einem Liturgiekalender aus dem Jahr 354 (MGH, IX,I, 13-196), wo es heißt: VIII kal. Ian. natus Christus in Betleem Iudeae ‒ „am 25. Dezember wurde Christus in Bethlehem in Judäa geboren“. Ab dem 4. Jahrhundert wird dieser Kalendertag in der westlichen Kirche allgemein üblich.

Weihnachten und das altrömische Sonnenwendefest

Weshalb der 25. Dezember? Laut einer gängigen Erklärung liegt der Grund darin, dass in Rom ab dem Jahr 274 der dies natalis Solis invicti begangen wurde: der „Tag der Geburt der unbesiegbaren Sonne“, wo das Licht über längste Nacht des Jahres die Oberhand behält. Zugunsten dieser These wird angeführt, dass die Weihnachtsliturgie und die damaligen Kirchenväter die Geburt Jesu in Verbindung bringen mit biblischen Ausdrücken wie „Sonne der Gerechtigkeit“ (Mal 3,20) und „Licht der Welt“ (Joh 1,4 ff.).

Es gibt jedoch keine Beweise für diese These. Zudem ist es mehr als fraglich, ob die damaligen Christen wirklich heidnische Feste in den liturgischen Kalender einbringen wollten, zumal unter dem Eindruck der erlittenen Verfolgungen. Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass das christliche Fest im Lauf der Zeit das heidnische überlagert und absorbiert hat.

Neun Monate nach Jesu Empfängnis

Einleuchtender ist eine andere Erklärung. Ihr zufolge hängt das Geburtsdatum Jesu vom Datum seiner Menschwerdung, also seines Empfangenwerdens im Schoße Marias ab.

Der antike und mittelalterliche Mensch bewunderte die Vollkommenheit des Universums, wo alles in Harmonie zueinander steht. Diese Sicht prägte auch die Christen und ihr Glaubensverständnis. Ein Ausdruck davon war, dass sie die großen Eingriffe Gottes in die Welt miteinander in eine zeitliche Beziehung setzten.

Schon die Juden verbanden sowohl Schöpfung aus auch Erlösung mit dem Monat Nissan. Die Christen ihrerseits feierten die Menschwerdung Jesu (seine Empfängnis im Schoß Marias) und sein erlösendes Leiden auf dem Kalvarienberg am selben Tag. Ein anonymer Traktat über Sonnenwenden und Tag-und-Nacht-Gleichen sagt konkret aus, dass Jesus „am 8. Tag der Kalenden des April“, also am 25. März, empfangen wurde, und dass dies derselbe Tag sei wie der seines Leidens: „Er wurde empfangen und er starb am gleichen Tag“. (Vgl. B. Botte, Les Origines de Noël et de l’Epiphanie, Louvain 1932, l. 230-33). Dies spiegelte sich später auch in den künstlerischen Darstellungen von Mariä Verkündigung: Das vom Himmel herabsteigende Jesuskind trägt dort ein Kreuz.

Weihnachten nun feierte man wohl deshalb am 25. Dezember, weil an diesem Tag dem 25. März genau neun Monate verflossen sind: die Dauer der Schwangerschaft Marias.

Auch die Ostkirchen kennen diesen Abstand. Wegen Abweichungen vom Westkalender feiern sie die Menschwerdung ‒ und gleichzeitig das Leiden ‒ Jesu am 6. April. Aber auch bei ihnen kommt Weihnachten neun Monate später, nämlich am 6. Januar.

Man kann also mit guten Gründen annehmen, dass die Christen Jesu Erlösungstod mit Jesu Empfängnis in Beziehung setzten und beide Ereignisse am selben Tag feierten, und dass dieser Tag dann das Datum von Weihnachten bestimmte. „Ausschlaggebend für den 25. Dezember war wohl der Zusammenhang von Schöpfung und Kreuz, von Schöpfung und Empfängnis Christi.“ (J. Ratzinger, „Der Geist der Liturgie“, S. 94.)

_______

Quelle: Opus Dei