„Ohne Weihnachten kein Vaterunser“

„Das Vaterunser als weihnachtliches Gebet“ stellt der Bischof von Regensburg in den Mittelpunkt seiner Predigten.

Was wir im zurückliegenden Advent erlebt haben, hatte man in unserer säkularisierten Gesellschaft kaum mehr für möglich gehalten. Bis in die Boulevardblätter hinein wird über das zentrale Gebet der Christenheit und den Sinn seiner Worte diskutiert. Allein das ist schon eine Gute Nachricht!

Das Vaterunser: ein weihnachtliches Gebet? Gewiss, die Engel singen das „Gloria in excelsis Deo“, die Hirten beten an, die Weisen aus dem Morgenland bringen Geschenke. Die Bitte der Jünger, sie beten zu lehren, wird Jesus erst als Erwachsener im Rahmen der Bergpredigt erfüllen: Wenn Ihr betet, so sprecht: „Vater unser im Himmel …“

….einer von uns

Dennoch: Ohne Weihnachten kein Vaterunser! Die Weihnachtsbotschaft lautet: Der ewige Sohn des Vaters wird Mensch, einer von uns. Er geht in die Geschichte ein und teilt unser aller Menschenlos. So nimmt er uns hinein in seine Beziehung zu Gott. Er erneuert unsere Gotteskindschaft. In ihm sind wir Söhne und Töchter Gottes und miteinander Schwestern und Brüder.

Die Geschwisterlichkeit der Menschheitsfamilie wird nicht erreicht durch die Abschaffung der Väter, sondern allererst ermöglicht durch den gemeinsamen Bezug auf den himmlischen Vater. In seiner Hand sind wir geborgen.

Beterinnen und Beter

Das Vaterunser braucht keine neue Übersetzung. Es braucht Beterinnen und Beter, Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer, die sich an der Krippe neu als Kinder Gottes erfahren und täglich neu aus dieser Beziehung leben. So schenken wir uns und den Menschen unserer Nähe auch ganz nebenbei ein im eigentlichen Sinne der Worte frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.

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Frühmesse: Der irdische Vater Christi

Papst bei der Frühmesse

Bei der Frühmesse mit Franziskus in der Casa Santa Marta haben sich die Überlegungen des Papstes um den irdischen Vater Christi gedreht, vom dem das Tagesevangelium nach Matthäus (Mt 1, 18-24) berichtet.
 

Christine Seuss – Vatikanstadt

Der heilige Josef war ein Vater, dem sozusagen ein Kuckucksei ins Nest gelegt wird, der an seiner Frau zweifelt, die schwanger ist, ohne von ihm berührt worden zu sein und der uns lehrt, wie wir angesichts von Problemen, Zweifeln und Dunkelheit „die Stimme Gottes hören“ und die „Situation in die Hand nehmen“, so Franziskus in seiner Predigt an diesem Montag.

„Er glaubte und gehorchte“

Der Evangelist lässt in seiner Beschreibung des irdischen Vaters Jesu auch dessen inneren Kampf angesichts der Schwangerschaft Marias nicht aus. Die „Zweifel“, der „Schmerz“ und das „Leiden“ Josefs, während rund umher die „Schwatzweiber des Dorfes“ anfingen, mit dem Finger auf ihn und seine Braut zu zeigen, deren Schwangerschaft allmählich „sichtbar“ wurde, umschrieb der Papst die Situation des irdischen Vaters Jesu. Er „verstand nicht“, so der Papst, doch er wusste, dass Maria „eine Frau Gottes“ war. Deshalb die Entscheidung, sie in aller Stille zu verlassen, bis „der Herr einschritt“, mit einem Engel, der Josef im Traum erschien und ihm erklärte, dass das Kind „vom Heiligen Geist“ käme. Und so „glaubte er und gehorchte,“ betonte Franziskus:

„Josef kämpfte einen innen Kampf; in diesem Kampf ertönt die Stimme Gottes: ,Steh auf!´ Dieses ,Steh auf´ kommt oft am Beginn einer Mission in der Bibel vor: ,Steh auf´, nimm Maria, bring sie in dein Haus. Übernimm die Verantwortung, nehme die Situation in die Hand und gehe vorwärts.“

Josef hat die Situation in die Hand genommen

Josef habe sich weder Rat bei Freunden geholt noch sei er „zum Psychiater“ gegangen, damit der seinen Traum interpretiere, erklärte Franziskus.

„Nein: er glaubte. Er ist vorwärts gegangen. Er hat die Situation in die Hand genommen. Aber was musste Josef eigentlich in die Hand nehmen? Was war die Situation? Was musste Josef auf sich nehmen? Zwei Dinge. Die Vaterschaft und das Geheimnis.“

Josef habe also die Vaterschaft auf sich genommen, die nicht von ihm, sondern „vom Vater“ kam – mit allem, was dazu gehöre, betonte Franziskus:

„Nicht nur Maria und das Kind zu unterhalten, sondern auch das Kind aufzuziehen, ihm das Handwerk lehren, ihn zur männlichen Reife zu führen. ,Nimm die Vaterschaft auf dich, die nicht deine ist, sondern von Gott kommt´. Und das, ohne ein Wort zu sagen. Im Evangelium ist kein einziges Wort, das von Josef kommt. Der Mann des Schweigens, des stillschweigenden Gehorsams.“

Schweigender Gehorsam, der nichts für sich selbst nimmt

Doch, so Franziskus weiter mit Blick auf die Lesung aus dem Buch Jeremia, Josef sei auch der Mann, der das „Geheimnis” auf sich nehme, das Volk zu Gott zurück zu führen.

„Jesus nimmt dieses Geheimnis in die Hand und hilft: mit seinem Schweigen, mit seiner Arbeit bis zu dem Moment, in dem Gott ihn zu sich ruft. Von diesem Mann, der die Vaterschaft und das Geheimnis auf sich genommen hat, sagt man, dass er der Schatten des Vater war: der Schatten von Gott Vater.“ Ein Schatten, so führte Franziskus seine Überlegungen fort, der auch für die Entwicklung der Beziehung zwischen Gott und seinem fleischgewordenen Sohn entscheidend war: „Und wenn der Mensch Jesus es gelernt hat, „Papa“, „Vater“, zu seinem Vater zu sagen, den er als Gott kannte, dann hat er das durch das Leben gelernt, durch das Zeugnis Josefs: der Mann, der bewahrt, der Mann, der wachsen lässt, der Mann, der jede Vaterschaft und jedes Geheimnis voranträgt, aber nichts für sich selbst nimmt.“

Dieser, so schloss Franziskus seine Ausführungen, sei der „große Josef“, den Gott brauchte, um das „Geheimnis der Rückführung des Volkes hin zur neuen Schöpfung“ voran zu bringen.

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Kardinal Kasper verteidigt Vaterunser-Anmerkung des Papstes

Gebet auf dem Petersplatz im Advent

Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper hat Papst Franziskus in der Vaterunser-Debatte gegen Kritik in Schutz genommen. Dass der Papst die berühmte Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung“ gerne anders übersetzen würde, sei „noch lange kein Attentat weder auf die Ökumene noch auf die wissenschaftliche Exegese“, betonte Kasper. Der emeritierte Kurienkardinal äußerte sich in einem Leserbrief an die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Kasper erinnerte daran, dass bereits im Katechismus der Katholischen Kirche von 1992 die alternative Übersetzung „lass uns nicht in Versuchung geraten“ ins Spiel gebracht wurde. Diesen Text  habe damals der „wissenschaftlich ja wohl nicht ganz unbedarfte Kardinal Joseph Ratzinger“ erarbeitet, und Papst Johannes Paul II. habe ihn veröffentlicht. Darauf beziehe sich auch Papst Franziskus mit seinem neuen Übersetzungsvorschlag.

Es stellt sich laut Kasper die Frage, wer „einfältig“ sei: „der Papst oder diejenigen, die den Papst für so einfältig halten.“ Mit seinem Leserbrief reagierte der Kardinal auf einen Kommentar des FAZ-Feuilleton-Herausgebers Jürgen Kaube mit dem Titel „Heilige Einfalt“. Darin hatte Kaube geschrieben, der neue Übersetzungsvorschlag des Papstes lasse Zweifel an dessen Weisheit aufkommen.

(kap 14.12.2017 gs)

Und führe uns nicht in Versuchung 

Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: die Betrachtung zum Vaterunser im Buch ‚Jesus von Nazareth’. Im Gefolge von Ijob, als Apologie des Menschen, die zugleich Verteidigung Gottes ist. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) „Führe uns nicht in Versuchung“ – „wir sagen damit zu Gott: ,Ich weiß, dass ich Prüfungen brauche, damit mein Wesen rein wird. Wenn du diese Prüfungen über mich verfügst, wenn du – wie bei Ijob – dem Bösen ein Stück freien Raum gibst, dann denke, bitte, an das begrenzte Maß meiner Kraft. Trau mir nicht zu viel zu. Zieh die Grenzen, in denen ich versucht werden darf, nicht zu weit und sei mit deiner schützenden Hand in der Nähe, wenn es zu viel für mich wird’“.

kath.net veröffentlicht die dem Buch „Jesus von Nazareth I, 5. Kapitel: Das Gebet des Herrn“ entnommene Betrachtung Benedikts XVI. zur Bitte: „Und führe uns nicht in Versuchung“: 

Und führe uns nicht in Versuchung 

Die Formulierung dieser Bitte ist für viele anstößig: Gott führt uns doch nicht in Versuchung. In der Tat sagt uns der heilige Jakobus: ,,Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht in Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung“ (1,13).

Einen Schritt vorwärts hilft es uns, wenn wir uns an das Wort des Evangeliums erinnern: ,,Damals wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, um vom Teufel versucht zu werden“ (Mt 4,1). Die Versuchung kommt vom Teufel, aber zu Jesu messianischer Aufgabe gehört es, die großen Versuchungen zu bestehen, die die Menschheit von Gott weggeführt haben und immer wieder wegführen. Er muss, wie wir gesehen haben, diese Versuchungen durchleiden bis zum Tod am Kreuz und so den Weg der Rettung für uns öffnen. Er muss so nicht erst nach dem Tod, sondern mit ihm und in seinem ganzen Leben gleichsam „hinabsteigen in die Hölle“, in den Raum unserer Versuchungen und Niederlagen, um uns an die Hand zu nehmen und aufwärts zu tragen. Der Hebräer-Brief hat auf diesen Aspekt ganz besonderen Wert gelegt, ihn als wesentlichen Teil des Weges Jesu herausgestellt: ,,Denn da er selbst in Versuchung geführt wurde und gelitten hat, kann er denen helfen, die in Versuchung geführt werden“ (2,18). ,,Wir haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat“ (4,15).

Der Blick auf das Buch Ijob, in dem sich in so vieler Hinsicht schon das Geheimnis Christi abzeichnet, kann uns zu weiteren Klärungen verhelfen. Satan verhöhnt den Menschen, um so Gott zu verhöhnen: Sein Geschöpf, das er nach seinem Bild geschaffen hat, ist eine erbärmliche Kreatur. Alles, was gut an ihm scheint, ist doch nur Fassade; in Wirklichkeit geht es dem Menschen – jedem – doch immer nur um das eigene Wohlbefinden. Das ist die Diagnose Satans, den die Apokalypse als den „Ankläger unserer Brüder“ bezeichnet, ,,der sie bei Tag und bei Nacht vor Gott verklagte“ (Offb 12,10). Die Verlästerung des Menschen und der Schöpfung ist im Letzten Verlästerung Gottes, Rechtfertigung für die Absage an ihn.

Satan will am gerechten Ijob seine These beweisen: Wenn ihm nur erst alles genommen werde, dann werde er schnell auch seine Frömmigkeit fallen lassen. So gibt Gott dem Satan die Freiheit zur Erprobung, freilich mit genau definierten Grenzen: Gott lässt den Menschen nicht fallen, aber prüfen. Hier scheint ganz leise, noch unausgesprochen, doch schon das Geheimnis der Stellvertretung auf, das in Jes 53 große Gestalt erhält: Die Leiden Ijobs dienen der Rechtfertigung des Menschen. Er stellt durch seinen im Leiden bewährten Glauben die Ehre des Menschen wieder her. So sind die Leiden Ijobs im Voraus Leiden in der Gemeinschaft mit Christus, der unser aller Ehre vor Gott wieder herstellt und uns den Weg zeigt, auch im tiefsten Dunkel den Glauben an Gott nicht zu verlieren.

Das Buch Ijob kann uns auch zu einer Unterscheidung verhelfen zwischen Prüfung und Versuchung. Um reif zu werden, um wirklich immer mehr von einer vordergründigen Frömmigkeit in ein tiefes Einssein mit Gottes Willen zu finden, braucht der Mensch die Prüfung. Wie der Saft der Traube vergären muss, um edler Wein zu werden, so braucht der Mensch Reinigungen, Verwandlungen, die ihm gefährlich sind, in denen er abstürzen kann, aber die doch die unerlässlichen Wege sind, um zu sich selbst und zu Gott zu kommen. Liebe ist immer ein Prozess der Reinigungen, der Verzichte, schmerzvoller Umwandlungen unserer selbst und so Weg der Reifung.

Wenn Franz Xaver betend zu Gott sagen konnte: ,,Ich liebe dich, nicht weil du Himmel oder Hölle zu vergeben hast, sondern einfach, weil du du bist – mein König und mein Gott“, so war gewiss ein langer Weg innerer Reinigungen bis zu dieser letzten Freiheit hin nötig gewesen; ein Weg der Reifungen, auf dem die Versuchung, die Gefahr des Absturzes lauerte – und doch ein nötiger Weg.

So können wir nun die sechste Vaterunser-Bitte schon etwas konkreter auslegen. Wir sagen damit zu Gott: ,,Ich weiß, dass ich Prüfungen brauche, damit mein Wesen rein wird. Wenn du diese Prüfungen über mich verfügst, wenn du – wie bei Ijob – dem Bösen ein Stück freien Raum gibst, dann denke, bitte, an das begrenzte Maß meiner Kraft. Trau mir nicht zu viel zu. Zieh die Grenzen, in denen ich versucht werden darf, nicht zu weit und sei mit deiner schützenden Hand in der Nähe, wenn es zu viel für mich wird.“

In diesem Sinn hat der heilige Cyprian die Bitte ausgelegt. Er sagt: Wenn wir bitten „und führe uns nicht in Versuchung“, dann drücken wir das Wissen aus, „dass der Feind nichts wider uns vermag, wenn es ihm nicht vorher gestattet wird, so dass unsere Furcht, unsere Hingabe und unsere Achtsamkeit sich auf Gott richten, weil ja dem Bösen nichts verstattet ist, wenn ihm nicht Vollmacht dazu gegeben wird“ (De dom or 25, a. a. 0., S. 285f).

Und er führt dann, die psychologische Gestalt der Versuchung abwägend, aus, dass es zwei unterschiedliche Gründe geben kann, warum Gott dem Bösen eine beschränkte Macht erteilt. Es kann geschehen uns zur Buße, um unseren Hochmut zu dämpfen, damit wir wieder die Armseligkeit unseres Glaubens, Hoffens und Liebens erfahren und uns nicht einbilden, aus Eigenem groß zu sein: Denken wir an den Pharisäer, der Gott von seinen eigenen Werken erzählt und keiner Gnade bedürftig zu sein meint. Cyprian führt dann leider nicht näher aus, was die andere Art der Prüfung bedeutet – die Versuchung, die uns Gott ad gloriam – auf seine Herrlichkeit hin – auferlegt. Aber sollten wir dabei nicht daran denken, dass Gott den ihm besonders nahen Menschen, den großen Heiligen, von Antonius in der Wüste bis zu Therese von Lisieux in der frommen Welt ihres Karmels, eine besonders schwere Last an Versuchung aufgebürdet hat?

Sie stehen sozusagen im Gefolge von Ijob, als Apologie des Menschen, die zugleich Verteidigung Gottes ist. Mehr noch: Sie stehen in ganz besonderer Weise in der Gemeinschaft mit Jesus Christus, der unsere Versuchungen durchlitten hat. Sie sind gerufen, die Versuchungen einer Periode sozusagen an ihrem eigenen Leib, in ihrer eigenen Seele zu bestehen, sie für uns, die gewöhnlichen Seelen, durchzutragen und uns hindurchzuhelfen zu dem hin, der unser aller Last auf sich genommen hat. In unserem Beten der sechsten Vaterunser-Bitte muss so einerseits die Bereitschaft enthalten sein, die Last an Prüfung auf uns zu nehmen, die uns zugemessen ist.

Andererseits ist es eben die Bitte darum, dass Gott uns nicht mehr zumisst, als wir zu tragen vermögen; dass er uns nicht aus den Händen lässt. Wir sprechen diese Bitte in der vertrauenden Gewissheit, für die uns der heilige Paulus die Worte geschenkt hat: ,,Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch in der Versuchung Ausweg schaffen, so dass ihr sie bestehen könnt“ (1 Kor 10,13).

(Aus: Joseph Ratzinger-Benedikt XVI, Jesus von Nazareth I, Freiburg-Basel-Wien 2007, S. 195-199)

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Bischof Kohlgraf zum Vaterunser: Gottesbild nicht weichspülen

Bischof Peter Kohlgraf

In die aktuelle Vaterunser-Debatte hat sich jetzt auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf eingeschaltet. Er sagt, warum Gott den Menschen durchaus in Versuchung führen könne – und widerspricht damit indirekt dem Papst.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat sich in die Vaterunser-Debatte eingeschaltet. „Es führt kein Weg an der Feststellung vorbei, dass die deutsche Übersetzung dem griechischen Urtext im Matthäus- und Lukasevangelium entspricht“, schrieb er am Sonntag auf seiner Facebook-Seite. Frühere Versuche, die griechische Version ins Aramäische, die Sprache Jesu, zurückzuübersetzen, seien nicht eindeutig gelungen. „Wir werden also den griechischen Text als das Gebet Jesu nehmen müssen“, so Kohlgraf. Wegen der derzeitigen Diskussion über eine mögliche Neuformulierung der Vaterunser-Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ hätten besorgte und interessierte Gläubige ihn um eine Stellungnahme gebeten, schreibt der Bischof.

Bei der Bitte, dass Gott die Menschen nicht in Versuchung führen möge, gehe es nicht um kleine Versuchungen, „sondern um die Situation einer Grundentscheidung für oder gegen Gott“, so Kohlgraf. Solche Versuchungen gebe es gleichermaßen im Alten wie im Neuen Testament. Jesus werde in der Wüste zwar vom Teufel in Versuchung geführt. Es sei aber der Geist Gottes selbst, der Jesus in die Situation führe, sich für oder gegen den Vater entscheiden zu müssen. Eine entsprechende Situation wiederhole sich vor seinem Leiden im Garten Getsemani. „Gott ist offenbar nicht nur ‚lieb‘, vieles bleibt in seinem Ratschluss uns Menschen verborgen“, schlussfolgert Kohlgraf.

Dunkle und unverständliche Seiten Gottes

Auch die Menschen heute könnten in solche existenziellen Prüfungssituationen kommen. Dabei kämen sie um die grundlegende Frage nicht herum, ob sie Gott vertrauen oder sich von ihm lossagen wollten, so der Bischof. „Die Bibel lässt zumindest die Möglichkeit zu, dass Gott Menschen eine solche Situation nicht erspart, ja sogar herbeiführt.“ Man tue ihnen keinen Gefallen, wenn man die dunklen und unverständlichen Seiten Gottes ausblende. Es sei demnach nicht sinnvoll, das Gottesbild weich zu spülen und alles wegzustreichen, was man nicht verstehe, schreibt Kohlgraf. „Allein, dass über ein Gebet so diskutiert wird wie derzeit, spricht dafür, die Übersetzung zu belassen.“

Papst Franziskus hatte in der vergangenen Woche die unter anderem auch in Deutschland verwendete Fassung der Vaterunser-Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ kritisiert. Dies sei „keine gute Übersetzung“, sagte er in einem Interview des italienischen Senders TV2000. Es sei nicht Gott, der den Menschen in Versuchung stürze, um zu sehen, wie er falle. „Wer dich in Versuchung führt, ist Satan“, so der Papst. Franziskus nahm damit Bezug auf einen Beschluss der französischen Bischöfe, die offizielle Übersetzung zu ändern. Die freie Übersetzung lautet dort nun: „Lass uns nicht in Versuchung geraten.“ Im Zusammenhang mit der französischen Initiative hatten auch Theologen im deutschen Sprachraum eine Anpassung verlangt. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer warnte hingegen vor einer „Verfälschung der Worte Jesu“. (tmg)

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D: „Führe uns nicht in Versuchung“ ist präzise Übersetzung

Professor Thomas Söding

Nach Papst Franziskus Einlassung zur Vaterunser-Übersetzung kocht die Diskussion um den Passus „Und führe uns nicht in Versuchung“ wieder hoch: Wird Gott hier missverstanden? In Frankreich haben die Bischöfe beschlossen, diese Stelle in „Und lass uns nicht in Versuchung geraten“ zu übersetzen. Der Bibelforscher und Professor an der Ruhr Universität Bochum, Thomas Söding, sagt im Gespräch mit dem Kölner Domradio, dass die Diskussion eines aufzeige: das Gebet dürfe nicht einfach „heruntergeleiert werden“. „Die Übersetzung ist älter als nur 50 Jahre und es ist die richtige Übersetzung des griechischen Wortlauts, der für uns die älteste Traditionsgestalt ist – das heißt, wenn man daran etwas ändern will, muss man im Grunde an der gesamten Jesus-Tradition des Neuen Testaments etwas ändern“, so Söding. Die Übersetzung aus dem Griechischen sei „sehr genau im Deutschen“. Man könne leichte Varianten überlegen, aber „Führe uns nicht in Versuchung“ sei präzise. „Es ist auch der lateinischen Bibelübersetzung entsprechend, die an dieser Stelle ebenfalls sehr genau ist. Das heißt, sie ist provokativ, sie ist herausfordernd und genau deswegen reden wir darüber“, fügt Söding an.

Nun hatte Franziskus selber auf einen Beschluss der französischen Bischöfe verwiesen, die offizielle Übersetzung zu ändern. In französischen Gottesdiensten heißt es seit dem ersten Adventssonntag eben: „Lass uns nicht in Versuchung geraten.“ Söding:

„Das ist meines Erachtens keine Übersetzung, sondern eine Paraphrase. Man muss dazu sagen, dass es in den französischen Kirchen früher hieß: ,Unterwerfe uns nicht der Versuchung´ – und das wäre in der Tat ein brutales Gottesbild. Das war nötig, es zu verändern. Aber meines Erachtens hat man da des Guten zu viel getan und das Gottesbild ein wenig weichgezeichnet. Die Sache ist ja sehr ernst. Wenn ich an Gott eine Bitte richte, so wie Jesus mich zu beten gelehrt hat, dann versuche ich Gott nicht zu etwas zu bewegen, was er nicht von sich aus auch täte. So wie Jesus das in Gethsemane gebetet hat: Nicht mein Wille geschehe, sondern deiner. Das ist die Grundhaltung des Gebets. Das heißt, wenn gebetet wird ,Führe uns nicht in Versuchung´, ist nicht Gott als Monster gezeichnet, sondern es wird zum Ausdruck gebracht: Würdest du mich in Versuchung führen, ich würde nicht bestehen. Aber danke, dass du es nicht tust, und das bringe ich dir gegenüber zum Ausdruck.“

(domradio 08.12.2017 mg)

Massen-Rosenkranz in den USA zum Schutz gegen Islam-Dschihad, christliche Glaubensverleugnung und Abtreibung

Am kommenden 12. Dezember 2017 wird überall in den Vereinigten Staaten Amerikas eine Massenveranstaltung mit dem Rosenkranz stattfinden. Die Gebetsmeinung dazu wird sein: Die Muttergottes zu bitten, die U.S.A. vom Islamischen Dschihad und von der Verleugnung des Christlichen Glaubens zu bewahren und der Abtreibung ein Ende zu setzen.