Der hl. Petrus Canisius: Die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel

Die leibliche Aufnahme Mariä
in den Himmel.*

1. Alle Menschen streben nach Glückseligkeit, den Christen aber ist es eigen, nicht bloß auf die Glückseligkeit der Seele zu hoffen, sondern auch auf die ihres Leibes, um auch auf diese Weise ihrem Haupte Christus gleichförmig zu werden. Der heilige Paulus verlangt aufgelöst zu werden und mit Christus zu sein, aber nicht bloß dies, sondern er erwartete den Erlöser, der seinen Leib gleichförmig machen werde dem Leibe seiner Herrlichkeit und er seufzte darnach, es möge das, was an ihm sterblich war, umgewandelt werden in Unsterblichkeit (Phil. 12. Kor. 5). So wird gewiß auch Maria immer darnach verlangt haben und sie um so mehr, weil sie aus dem vertrauten Umgang mit dem auferstandenen Sohn die Herrlichkeit eines verklärten Leibes kannte und weil sie gestützt auf ihre innige Verbindung mit ihrem Sohne großes Vertrauen auf Gott hatte, bat sie vor ihrem Tode Gott oft und inständig, daß sie bald mit Leib und Seele dorthin komme, wo ihr Sohn ist; der Heilige Geist wird ihr dieses Verlangen ins Herz gegeben haben, denn er ist es ja, der mit unaussprechlichen Seufzern in uns betet.

2. Die Kirche glaubt, daß Maria nebst vielen andern Privilegien auch dieses von Gott erhielt, daß ihr Leib nach ihrem Tode auferweckt und mit Unsterblichkeit bekleidet wurde. So erlangte also Maria auch die Seligkeit des Leibes und herrscht nun im himmlischen Reiche mit Leib und Seele. So lehren Antoninus von Florenz1, Thomas von Aquin2, der Fürst aller Kirchenlehrer, Albertus der Große3, der sagt, daß nicht bloß Maria sondern auch andere, die mit Christus von den Toten auferstanden, mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurden. Ebenso Bonaventura4 und Durandus. Letzterer sagt: „Zu Staub werden ist die allgemeine Strafe der Erbsünde und besteht darin, daß die menschliche Natur sich selbst überlassen wird, denn in diesem Falle muß der Leib von selbst zu Staub werden. Bei Maria aber wurde eine Ausnahme gemacht, weil Christi Leib auch nicht der Verwesung anheimfiel nach dem Worte des Propheten im Ps. 15: ‚Du wirst deinen Heiligen die Verwesung nicht schauen lassen‘, sein Leib ist aber aus dem Leibe der Jungfrau genommen, dieser durfte mithin auch nicht verwesen.“5 Auch Richard von St. Victor6 lehrt so. Bernhard7 aber beschreibt die Freude aller Himmelsbewohner, die sie hatten, als sie die Stimme Marias hörten, ihr Antlitz schauten, ihre Gegenwart genießen konnten, also glaubte er an ihre leibliche Auferstehung. Ebenso Augustin: „Christus, der sie auf Erden mehr als alle andern liebte durch Verleihung von Gnaden, ehrte sie auch nach dem Tode mehr als alle andern, indem er sie nicht den Würmern, dem Staub und der Fäulnis überließ, sie, die den geboren hat, der ihr und aller Menschen Erlöser ist.8 Amadeus: „Weil sie Christus mehr liebte als alle andern, deswegen sieht sie ihn auch besser, sieht ihn nicht bloß als Gott mit den Augen des Geistes, sondern auch als Menschen mit den Augen des Leibes.“9 Nicephorus: „Sie wurde zwar begraben, aber dann ins Paradies versetzt als Baum des Lebens. Wie, das weiß Gott, der dies getan.“10 Michael Glykas: „Sie war den allgemeinen Gesetzen der Natur unterworfen, starb und wurde begraben, ist aber dann lebendig vom Grabe auferstanden wie Christus; nur die Linnen, in denen sie begraben wurde, fanden sich vor.“11 Andreas von Jerusalem, Erzbischof von Kreta: „Weil sie den Urheber des Lebens geboren hat, wurde sie auch dorthin versetzt, wo die Quelle des ewigen Lebens war, wo nichts flüchtig und vorübergehend ist, wo es keine Beschwerden und Leiden dieses Lebens, keinen unangenehmen Wechsel der Dinge mehr gibt.“12 Der hl. Germanus, Patriarch von Konstantinopel: „Der Leib der Jungfrau wurde von den Toten auferweckt und wurde ganz geistig, unsterblich, unverweslich. Es ist ein menschlicher Leib, aber ein solcher, der zum unsterblichen Leben gelangte, absolut voll Leben, der nicht mehr sterben kann, denn er war das Gefäß, das Gott enthielt.“13Johannes Damascenus bezeugt, „sie sei am dritten Tage auferstanden und zu ihrem Sohne aufgenommen worden. Als Tochter der alten Eva ist sie zwar gestorben, wie auch Christus, obwohl das Leben selber, den Tod nicht von sich gewiesen hat, allein weil Mutter des lebendigen Gottes, wurde  sie zu ihm aufgenommen.“14 Seine Predigt über Marias Aufnahme in den Himmel nahm die Kirche in das Brevier des Festes auf. Juvenal, Erzbischof von Jersalem, ist ein gewichtigerer Zeuge als alle andern, weil er in allem, was die Kirche von Jerusalem betrifft, durchaus glaubwürdig ist. Vor dem Kaiser Marcian und der Kaiserin Pulcheria erklärte er auf dem Konzil von Chalcedon, er wisse es aus der langjährigen und wahrhaften Überlieferung der Vorfahren, daß die Apostel drei Tage beim Grabe der Mutter Gottes blieben und als sie es aufmachten, sei ihr Leib nicht mehr dort gewesen, sondern nur die Leintücher, ebenso wie es bei der Auferstehung Christi war.15 Kaiser Leo bezeugte auch dasselbe in einer Rede.16 Alle diese bezeugen die Auferstehung und die Aufnahme Mariä in den Himmel dem Leibe nach. Athanasius sagt, „Maria sitze zur Rechten ihres Sohnes, des ewigen Königs, im Himmel und zwar auch leiblich, nämlich mit unsterblichem und unverweslichem Leibe. Sie ist also bereits selig im Himmel nicht bloß der Seele nach, sondern auch im Leibe und herrscht dort mit Christus. Das sei gemeint unter dem Kleide der Königin, die zu seiner Rechten sitzt, nämlich ihr Leib angetan mit Unsterblichkeit, Unverweslichkeit Glanz und Herrlichkeit.“17

Die griechische Kirche singt schon seit Jahrhunderten am Feste der Himmelfahrt Mariä: „Die Heerscharen der Engel schützten den Leib der Jungfrau mit ihren Flügeln und trugen ihn in den Himmel als die lebendige Bundeslade des Herrn.“ Wie hätte aber die griechische Kirche dieses Fest unter so großem Zulauf des Volkes und mit solchen Gebeten und Gesängen feiern können, wenn ihr Glaube nicht in der Überlieferung der vorausgegangenen Jahrhunderte begründet gewesen wäre?

Die lateinische Kirche betet: Assumpta est Maria…: Aufgenommen ist Maria in den Himmel, es freuen sich die Engel und lobpreisen Gott“ und wieder: „Maria Virgo assumpta est…: Die Jungfrau Maria ist aufgenommen zum himmlischen Brautgemach, in welchem der König der Könige auf dem Throne sitzt, den die Sterne bilden“ und „Exaltata est…: Erhöht wurde die heilige Gottesgebärerin über alle Chöre der Engel in die himmlischen Gefilde.“ Schon in der Liturgie des heiligen Ambrosius finden wir dieses Fest. Von jeher wurde dieses Fest das Fest der assumptio genannt und wurde nur von ihr aber von keinem andern Heiligen gefeiert. Es bedeutet also die leibliche Aufnahme Mariä, denn die der Seele nach kommt allen Heiligen zu. Wir verehren aber nicht die ascensio, die Himmelfahrt, sondern nur die assumptio, die Aufnahme, weil nur Christus aus eigener Kraft aus dem Grabe stieg, Maria aber nur kraft der Gnade ihres Sohnes. Diese Anschauung, daß Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde, ist also schon Jahrhunderte alt und sitzt den Gläubigen so tief im Herzen, daß man jene, die dieses leugnen, gar nicht hören will und sie fürverwegene Streiter, ja eher für Ketzer als für Katholiken hält. Sogar einige von den Führern der Protestanten zur Zeit Luthers glaubten daran, hatten wenigstens nichts dagegen einzuwenden. Die Worte des königlichen Propheten: „Erhebe dich, o Herr, du und die Lade deiner Heiligkeit“ (Ps. 131) wenden die Väter auf die Auferstehung und Himmelfahrt Christi und seiner Mutter an; ebenso die Worte: „Es stand die Königin zu deiner Rechten“ usw. (Ps. 44) und verstehen unter diesem königlichen Kleid den verklärten Leib Marias. Was alle Gerechten erst bei der allgemeinen Auferstehung erhalten werden, das erhielt der König und die Königin des Himmels gleich nach ihrem Tode, damit die Himmlischen alle die leibliche Gegenwart beider genießen, bewundern und betrachten können.

3. Das göttliche Gesetz lehrt: „Ehre deinen Vater und deine Mutter.“ Wenn nun irgendein Sohn, dann hat Christus dieses Gebot gegen Maria aufs genaueste erfüllt, als sie noch auf Erden lebte; er ehrte sie noch besonders bei seinem Tode, also gewiß auch nach ihrem Tode, indem er ihren Leib vor der Verwesung bewahrte und ihm Unsterblichkeit verlieh.

In ihrem Leibe wurde er empfangen und bei seiner Geburt verletzte er ihre Jungfräulichkeit nicht, verdarb sie nicht, also ehrte er diesen Leib auch nach dem Tode durch eine ganz besondere Gnade, indem er ihren Leib nicht der Fäulnis überließ. Allerdings ist dies ein gewöhnliches, natürliches Ereignis, „aber das Fleisch Mariä ist ausgenommen, weil es das Fleisch Jesu ist“, sagt Augustin.18 Ihr Leib war zu gut für diese Erde, nur der Himmel war seiner würdig. Der Fluch, der über die erste Eva erging, lautete: ‚Ich will vermehren deine Leiden und deine Empfängnisse, in Schmerzen sollst du Kinder gebären und unter der Herrschaft des Mannes sein.‘ „Aber Christus nahm Maria aus von allen diesen Folgen der Erbsünde, von diesen allgemein geltenden Strafen, denn sie empfing von keinem Mann, sondern vom Heiligen Geist und blieb Jungfrau in der Geburt. Dies verdiente sie sich durch ihre ganz einzige Heiligkeit und durch ihre Gnadenfülle. So mußte es sein bei der Mutter eines Gottmenschen; sie gebar auch ohne alle Schmerzen. Also wird sie Christus auch vom andern Fluch bewahrt haben: ‚Staub bist du und zu Staub sollst du wieder werden.‘ Er ließ also ihren Leib nicht Staub werden, nicht der Verwesung anheimfallen. Dies geziemte sich für einen solchen Sohn, denn Jesus kann alles. Er sagte von sich: ‚Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden.‘ Wenn er sie also als Jungfrau unversehrt bewahren sollte, warum sollte er sie nicht auch vor Fäulnis und Verwesung bewahren?“19

Daß jener heiligste Leib, aus dem Christus sein Fleisch, die menschliche Natur annahm und mit seiner göttlichen Natur vereinigte, der Leib, in welchem also das Wort Fleisch, das heißtGott Mensch wurde, den Würmern zum Fraße hingegeben worden sei, das zu denken getraue ich mich nicht, das auszusprechen fürchte ich mich. Um dies zu behaupten, müßte jemand entweder Christi Macht oder Christi Liebe zu Maria leugnen wollen. Die Schrift sagt von Henoch, er sei der Erde entrückt worden und Elias im feurigen Wagen gegen Himmel geführt worden (Eccli. 44 u. 48); sie sind also nicht gestorben, sind von Gott nur aus der Welt hinweggenommen worden und führen irgendwo ein Leben ohne Leid, ohne Fehl, ohne Beschwerde; sie bewahren ihr Leben durch göttliche Kraft. Warum sollen wir also bei Maria zweifeln, daß, wenn sie auch gestorben ist, durch göttliche Kraft wieder zum Leben kam?

Maria muß man alles zuerkennen, was irgend einem Freund und Diener Gottes zuteil wurde. Nun berichtet aber Matthäus, es seien beim Tode Jesu die Leiber vieler Heiligen, die gestorben waren, aus dem Grabe auferstanden und die Auferstandenen seien in die Stadt Jerusalem gegangen und dort vielen Bewohnern lebendig erschienen (Mat. 27). Alle diese wurden gewiß mit Christus, als er zum Himmel auffuhr, in den Himmel aufgenommen, denn es wäre doch verwegen zu sagen, sie seien wieder zu Staub geworden; es lehren auch viele Theologen20, sie seien nicht mehr gestorben. Christus wollte nämlich, daß sie Zeugen seiner Auferstehung, aber auch Herolde und Genossen derselben seien. Sie wären aber keine wahren Zeugen, wenn sie nicht wirklich auferstanden wären. Gott tat dies zur größeren Ehre Christi, der sie auferweckte: damit sie nämlich noch bessere Zeugen Christi des Auferstandenen seien, machte er sie Christo dem Erstgeborenen unter den Toten gleichförmig. Zum Beispiel David wird auch unter diesen sein, weil Petrus (Apostelgesch. 2) von ihm nur bemerkt, sein Grab sei hier bei ihnen, er wagt nicht zu sagen, auch sein Leib. Sein Grab war leer, wie das der Mutter Gottes. Warum sollte nun dies nicht auch von Maria gelten, da Gott doch nichts unmöglich ist? Die drei Jünglinge im Feuerofen bewahrte Gott auch unversehrt, so daß nicht bloß ihr Körper vom Feuer nicht angegriffen wurde, sondern nicht einmal ihre Kleider, und der Prophet Jonas war im Bauche des Fisches und wurde dann unversehrt von ihm ans Land gespien und Daniel, der Prophet, wurde von den grimmigen Löwen nicht aufgefressen, alles durch Gottes Allmacht. Also konnte er auch den Leib Marias wunderbar erhalten. Und hat er schon bei jenen so große Wunder gewirkt, dann um so mehr bei Maria, seiner Mutter. Wie also Maria bei ihrer Entstehung und bei der Geburt Jesu vom allgemeinen Fluche der Menschheit durch ein ganz besonderes Privileg Gottes ausgenommen war, so auch bei ihrem glücklichen Hinscheiden. Gott gefiel es, bald nach der Trennung der Seele vom Leibe diesen zu einem herrlichen und unsterblichen Leben aufzuerwecken, mit der Seele wieder zu vereinigen und den mit der Seele wieder verbundenen Leib zu den himmlischen Wohnungen zu übertragen. Dies beweist Augustin mit vielen Gründen21, dies bekennt die ganze Kirche, dies legt der fromme Glaube von selbst nahe.

4. Wenn einige Väter22 sich scheinbar abweisend oder zweifelhaft über die leibliche Aufnahme Mariä in den Himmel ausdrücken, so wollen sie eigentlich nur verschiedeneunechte Bücher zurückweisen, die damals über das Hinscheiden Mariä geschrieben wurden und die manche Ungereimtheiten enthielten, wogegen sich die Väter scharf aussprechen. Sie sagen aber auch ausdrücklich, daß auch zu ihrer Zeit viele an die leibliche Aufnahme Mariä in den Himmel glauben und daß die, welche daran glauben, sagen, man finde den Leib des Apostels Johannes und Mariä nirgends. Sie bemerken auch, daß ja auch viele andere bei der Auferstehung Christi auferstanden seien und Gott nichts unmöglich sei, sie auch nichts dagegen hätten. Nur wollten sie die leibliche Aufnahme nicht ausdrücklich behaupten, weil zu ihrer Zeit dies noch nicht so klar erkannt wurde. Diese Väter heißen deswegen dieses Fest nicht assumpio Mariae: Aufnahme Mariä, sondern dormitio: Entschlafung oder dormitatio, weil sie nicht sicher waren, ob ihr Leib im Grabe blieb oder in den Himmel aufgenommen wurde. Solche Zweifel bestanden zur Zeit des heiligen Sophronius und Hieronymus. Wir aber erkennen jetzt dies klar und deutlich, unsere Glaubensvorfahren haben uns dies teils schriftlich, teils mündlich überliefert. Zweifelhafte Worte von Vätern müssen immer anders taxiert werden als Behauptungen, die sie aufstellen. Augustin, einer der größten Kirchenlehrer, erklärt es für ganz sicher, daß Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde. Er sagt: „Gott machte Maria sich freuen an Leib und Seele, und zwar unaussprechlich sich freuen an ihrem eigenen Sohn, mit ihrem eigenen Sohn und durch ihren eigenen Sohn. Sie blieb immer ungeschwächt und unversehrt, weil er sie mit Gnade ganz erfüllte; sie war vollkommen lebendig, weil sie das vollständige und vollkommene Leben aller gebar.“23 Die Kirche hat in der Vergangenheit über die leibliche Aufnahme Mariä in den Himmel nichts Bestimmtes zu glauben vorgeschrieben, weil die Apostel und Väter der nachfolgenden Jahrhunderte damit beschäftigt waren, die Grundlagen des wahren Glaubens in der Welt zu legen und deshalb lehrten und schärften sie die Himmelfahrt Christi, nicht Mariä, allen Gläubigen ein. Auch vieles andere, was in späteren Jahrhunderten nützlicherweise geglaubt wurde und geglaubt wird, haben sie noch nicht ausdrücklich berührtoder wenigstens nicht zu glauben vorgeschrieben. Die Kirche ging wie die Morgenröte auf und benimmt sich verschieden je nach Personen und Zeiten, wobei aber das Glaubensgut, das Christus und die Apostel ihr übergaben, natürlich immer vollständig und unversehrt bewahrt bleibt und das Fundament von allem ist, was man in der Kirche glaubt. Es gibt nämlich drei Gattungen von Wahrheiten in der Kirche: Solche, die ausdrücklich als Glaubenswahrheiten erklärt sind, von denen niemand ohne Gottlosigkeit abweichen darf. Andere, die gewiß sind kraft langjjährigen Glaubens der Gläubigen und Gebrauches der Kirche; ihnen zu widersprechen, wären Vermessenheit. Endlich gibt es Wahrheiten, die ebenfalls im öffentlichen Kult der Kirche enthaltensind, aber so, daß sie nur als frommer und wahrscheinlicher Glaube gelten. Diese werden immer um so wahrscheinlicher, je mehr Theologen sie verteidigen und je größer die Zustimmung der Gläubigen wird. Zu dieser dritten Klasse gehört die Wahrheit von der leiblichen Aufnahme Mariä in den Himmel. Denn viele ausgezeichnete Lehrer in der Kirche halten daran fest, der ganze christliche Erdkreis glaubt dies und zwar mit wunderbarer Übereinstimmung, der öffentliche Gottesdienst lehrt dasselbe und alle Rechtgläuigen sind davon überzeugt.

b) Aber es steht nichts davon in der Heiligen Schrift, könnte jemand sagen. Ich antworte: Nicht alles, was wahr ist, steht in der Heiligen Schrift, nicht alle Glaubens- und Sittenwahrheiten. Auch Augustin sagt, wo er von der Himmelfahrt Mariä spricht: „Auch vieles andere ist nicht ausdrücklich in der Heiligen Schrift enthalten. Vieles haben die heiligen Schriften uns selbst überlassen, zu finden, es aus den Aussprüchen der Heiligen Schrift zu schließen und wenn man es gefunden hat, sind dies keine unnützen, überflüssigen Dinge. Vieles ist in der Heiligen Schrift übergangen, was aber zu glauben seine guten Gründe hat.“24 Solche Einwürfe machen nur die Ketzer.25 Wie die Arianer sich immer auf die Heilige Schrift beriefen, so auch die Lutheraner. Und wie schon gesagt, wenn auch einige heilige Väter in den ersten Jahrhunderten daran zweifelten, so steht die Sache doch heute so, daß wir schon viel gewisser darüber sind, kühner sie verteidigen und offen gegen jene protestieren können, die sie leugnen wollen, mehr als dies in den ersten Jahrhunderten des Christentums möglich war. Die Kirche wächst mit den Jahrhunderten an Weisheit unter dem Einfluß des Heiligen Geistes, der ihr heiliger Führer ist, der sie lenkt und erzieht, denn aus den späteren Konzilien und der größeren Übereinstimmung der Theologen empfängt sie auch größeres Licht über die Wahrheiten und zeigt sie dann auch auf. Von andern Heiligen feiert man in der Kirche keine assumpio (Aufnahme), sondern nur ihren Todestag als Namenstag; nur bei Christus und Maria sagt man, sie hätten das Privileg ihrer leiblichen Aufnahme in den Himmel; von Christus sagt es das Evangelium, von Maria die Kirche. Die von Maria dieses leugnen, verstoßen zwar nicht gegen die Worte der Heiligen Schift, aber non sapiunt ad sobrietatem, sie sind nicht weise, sie widersprechen den gefeiertsten und besten Kichenvätern, entfernen sich nicht ohne Gefahr vom allgemeinen Glauben und vom Bekenntnis der Guten, das bereits die Kraft eines Gesetzes erlangt hat und vermindern die Ehre der würdigsten Junfrau.

 

Anmerkung: Der hl. Petrus Kanius verfaßte diesen Text um 1560, also lange vor der Dogmatisierung der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Seit dieser Dogmatisierung (1950) ist es keinem Glied der katholischen Kirche ohne schwere Verfehlung mehr erlaubt, an dieser Wahrheit zu zweifeln.

_______

Quelle

Siehe auch:

Papst Paul VI. Enzyklika CHRISTI MATRI ROSARII (Wortlaut)

SOSTA DI S.S. PAOLO VI A D ANAGNI «CITTÀ PAPALE» (Giovedì, 1° settembre 1966)

an die Ehrwürdigen Brüder. die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe
und die anderen Oberhirten, die in Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhle
über das Gebet zur Mutter Gottes im Oktobermonat für den Frieden 
15. September 1966
(Offizieller lateinischer Text: AAS LVIII [1966] 745-747)

(Quelle: Vatikanische Polyglott Druckerei. Die Abschnittsseinteilung mit Nummerierung folgt der englischen Fassung)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist

Ehrwürdige Brüder,Gruß und Apostolischen Segen

1 Der Mutter Christi im Rosenkranz während des Monats Oktober gleichsam einen mystischen Strauss zu winden, gehört zu den Feiern des christlichen Volkes. Dem Vorbild unserer Vorgänger entsprechend heißen Wir dieses Gebet gut, und Wir rufen dieses Jahr alle Söhne und Töchter der Kirche zu besonderen Bitten zur Mutter Gottes auf: denn es wächst die Gefahr eines noch größeren und weiter um sich greifenden Unheils, das die Menschheit bedroht: noch immer wütet im Fernen Osten ein schwerer Krieg und noch immer wird grausam gekämpft. Das gemahnt Uns, für die Aufrechterhaltung des Friedens, soweit es in Unserer Macht liegt, aufs neue und noch eindringlicher einzutreten. Auch die Geschehnisse in anderen Ländern sind nicht weniger wirrend: das steigende Bemühen Kernwaffen, ein oft maßloses Nationalbewusstsein, ein ungezügeltes Herausstellen der eigenen Abstammung, die Sucht nach Revolutionen, Rassendiskrimination, meuchlerische Umtriebe, Mord an Schuldlosen. Das alles kann Anlass zu schlimmstem Übel werden .

2 Wie Unseren Vorgängern hat auch Uns Gott einen besonderen Auftrag erteilt: Wir sollen Uns geduldig und unverzagt um die Erhaltung und Festigung des Friedens mühen. Das ist unsere Pflicht, weil Uns die Regierung der Kirche anvertraut ist. Sie, «das Zeichen unter den Völkern»[1] treibt keine Politik, sie muss vielmehr die Wahrheit und Gnade Jesu Christi, ihres göttlichen Stifters, den Menschen bringen.

3 Wir haben von Anfang Unseres Apostolischen Amtes an nichts unterlassen, um der Sache des Friedens in der Welt durch Beten und Bitten und Mahnen zu dienen. Wie ihr euch erinnert, haben Wir sogar eine Flugreise nach Nordamerika unternommen, um am Sitz der UNO vor der auserlesenen Versammlung von Vertretern aus fast allen Nationen über den Frieden als das heißersehnte Gut zu sprechen. Dabei wiesen Wir darauf hin, dass die einen die andern nicht im Zustand des Elends lassen sollten, dass man einander nicht bekämpfe, sondern dass sich alle für die Festigung des Friedens gemeinsam einsetzen sollten. Auch später, gedrängt aus apostolischer Sorge, haben Wir nicht aufgehört, diejenigen, auf denen die Last der Verantwortung liegt, zu ermahnen, die drohende unheimliche Katastrophe von den Menschen abzuhalten.

4 In dieser Stunde rufen Wir wiederum «unter Klagen und Tränen»[2] die Lenker der Staaten innig bittend, sich mit aller Kraft zu bemühen, den Brand zu löschen, damit er nicht weiter um sich greife. Wir sind fest davon überzeugt, dass alle Menschen, gleich welcher Nation, Rasse, Religion oder Standes, wenn sie nur recht und ehrenhaft denken, Unserer Ansicht sind.

5 Alle also, denen sichtlich daran liegt, sollen jene Voraussetzungen schaffen, die es ermöglichen, einen Waffenstillstand zu schließen, bevor durch den Druck der Ereignisse diese Möglichkeit vorüber ist. Alle, die für das Wohl der Menschheit verantwortlich sind, sollen wissen, welch schwere Gewissenspflicht auf ihnen liegt. Sie sollen bedenken, dass ihr Name gesegnet sein wird, wenn sie diesen Unseren Anruf in Weisheit befolgt haben.

6 Im Namen Gottes rufen Wir: Haltet ein! Wir müssen zusammenfinden und ohne Vorbehalte zu gegenseitigen Abmachungen kommen. Jetzt muss Friede werden, auch unter Nachteilen und Unannehmlichkeiten; denn später ist der Friede vielleicht nur mit ungeheuren Verlusten und mit einem grauenhaften Zusammenbruch zu erkaufen, wie man es sich heute nicht einmal vorstellen kann. Aber es muss ein Friede zustande kommen, der auf Gerechtigkeit und Freiheit beruht, der Rücksicht nimmt auf Menschen- und Völkerrecht, sonst wird er zerrinnen und zerbrechen.

7 Während Wir dies voll banger Sorge und Bewegung aussprechen, erflehen Wir, durch Unser Hirtenamt dazu berufen, Gottes Hilfe: denn der Friede, der «ein so großes Gut ist, dass sogar In irdischen und vergänglichen Dingen nichts Angenehmeres, nichts Ersehnenswerteres erstrebt, und schließlich nichts Besseres gefunden werden kann»[3] muss von dem erbeten werden, der «der Fürst des Friedens»[4] ist. Da die Kirche in schweren und drangvollen Zeiten ihre Zuflucht stets bei der immer für sie eintretenden Fürsprecherin, ihrer Mutter Maria, sucht, wenden Wir Uns zu Recht mit euch, Ehrwürdige Brüder, und mit dem ganzen christlichen Volke an sie. Denn sie ist nach dem heiligen Irenäus «dem ganzen Menschengeschlechte Ursache des Heils geworden ».[5]

8 Nichts scheint Uns zeitgemäßer, nichts besser, als dass sich die ganze Christenheit im Gebet an die Mutter Gottes wende, an die «Königin des Friedens», damit sie in dieser übergroßen Not und Bedrängnis ihre Gaben gnädig und reich uns schenke. Zu ihr, die Wir während des II. Vatikanischen Konzils mit Zustimmung der Bischöfe und Gläubigen der ganzen Welt und in Übereinstimmung mit der überlieferten Lehre zur Mutter der Kirche erklärt haben, zur geistlichen Mutter der Kirche, zu ihr sollen wir innig und inständig beten. Denn die Mutter des Erlösers ist nach der Lehre des heiligen Augustinus «ganz die Mutter seiner Glieder»[6] Mit ihm stimmt, ohne noch andere zu erwähnen, der heilige Anselm überein: «Was kann wertvoller erachtet werden, als dass du die Mutter derer bist, für die Christus sich herabgelassen hat, Vater und Bruder zu sein».[7] Leo XIII., Unser Vorgänger, hat sie sogar «Mutter der Kirche in wahrstem Sinne» genannt.[8] Wir setzen also nicht vergeblich unsere Hoffnung auf sie, in dieser schrecklichen Verwirrung.

9 Wenn das Übel wächst, muss auch des Volkes Gottes Frömmigkeit wachsen. Darum wünschen Wir sehr, dass unter Eurer Führung, Anleitung und Ermunterung, Ehrwürdige Brüder, die gütige Gottesmutter Maria – wie Wir schon angedeutet haben – im Oktober durch das Rosenkranzgebet noch inniger angerufen werde. Entspricht doch diese Art zu beten dem gläubigen Sinn des Volkes Gottes. Es ist der Mutter Gottes willkommen und es ist wirksam zur Erlangung göttlicher Gnade. Das II. Vatikanische Konzil hat den Rosenkranz zwar nicht ausdrücklich, aber doch ganz klar den Gläubigen der Kirche mit dem Hinweis empfohlen: «die Gebräuche und Übungen der Andacht zu ihr (Maria), die im Laufe der Jahrhunderte vom Lehramt empfohlen wurden, hochzuschätzen».[9]

10 Solch fruchtbringendes Beten vermag Böses abzuwenden und Unglück zu verhindern, wie die Kirchengeschichte zur Genüge zeigt. Darüber hinaus stärkt es das christliche Leben, «vor allem nährt es den katholischen Glauben, der durch die Betrachtung der heiligen Geheimnisse neu belebt wird und den Geist zu den göttlichen Wahrheiten erhebt »[10]

11 Deshalb sollen im Oktober, der der Allerseligsten Jungfrau Maria vom Rosenkranz geweiht ist, die Gebete vermehrt und die Bitten inständiger werden. Dann wird das Licht des wahren Friedens für die Menschheit aufleuchten, auch für die Religion, die leider heute nicht alle in Freiheit bekennen können. Ganz besonders wünschen Wir, dass der 4. Oktober, der Tag, an dem Wir vor einem Jahr, wie schon erwähnt, um des Friedens willen zum Sitz der Vereinten Nationen geflogen sind, in der gesamten Welt als Tag des Friedens gefeiert werde. Eure Sache ist es, Ehrwürdige Brüder, angeregt durch Eure Frömmigkeit und aus Einsicht in die Wichtigkeit der Sache, religiöse Feiern vorzuschreiben, damit die Mutter Gottes und der Kirche von – den Priestern, Ordensleuten, Gläubigen, vor allem von der Jugend, die noch schuldlos ist, von den Kranken und allen, die an irgendeiner Not leiden, zusammen ganz innig an diesem Tag angefleht werde.

12 Wir selbst werden am gleichen Tag im Petersdom am Grab des Apostelfürsten die jungfräuliche Gottesmutter, die Hüterin der Christenheit und die Mittlerin des Friedens, besonders anrufen. So wird in allen Teilen der Welt die eine Stimme der Kirche erklingen und den Himmel bestürmen; denn nach Augustinus ist «in der Verschiedenheit der menschlichen Sprache die Sprache des Herzens eins im Glauben».[11]

13 In deiner mütterlichen Güte, Seligste Jungfrau, schau herab auf all deine Kinder! Siehe die Sorge der Hirten, die fürchten, dass die Herde, die ihnen anvertraut ist, von schrecklichem Unheil heimgesucht werde. Siehe die Angst so vieler Menschen, der Väter und Mütter, die besorgt über ihr und der Ihren Los, von bitterem Kummer gequält werden. Stimme die Kriegführenden um und schenke ihnen «Gedanken des Friedens». Mache, dass Gott, der das Unrecht bestraft, seine Barmherzigkeit zeigt und den Völkern die ersehnte Ruhe wiederherstelle und sie für lange Zeit zu wahrem Wohlergehen führe.

14 Voller Hoffnung, dass die Hohe Frau, Maria, die Gottesmutter, unsere demütige Bitte gütig erhöre, erteilen Wir aus ganzem Herzen Euch, Ehrwürdige Brüder, dem ganzen Volk, dem Klerus und allen, die Euch anvertraut sind, den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom, bei St. Peter, am 15. September 1966
Paul VI. PP.

Anmerkungen

  1.  Vgl. Jes 11,12 EU
  2.  Hebr 5,7 EU
  3.  S. Aug., De Civ. Dei 19, 11; PL 41,6 37.
  4.  Jes 9,6 EU
  5.  Adv. Haer. 3. 22; PG 7. 959.
  6.  De sanct. virg. 6; PL 40, 399.
  7.  Or. 47; PL 158, 945.
  8.  Epist. Enc. Adiutricem populi christiani, 5 sept. 1895; Acta Leon. 15, 1896, p. 302.
  9.  Const. dogm. De Ecclesia, 67.
  10.  Pii XI, Litt. Enc. Ingravescentibus malis, 29 sept, 1937; AAS 29 (1937) 378.
  11.  Enarr. in Ps 54,11 EU; PL 36, 636.

_______

Quelle – Englisch / Italienisch

Predigt von Bischof Vitus Huonder am Pfingstsonntag, 20. Mai 2018, in der Kathedrale in Chur

Brüder und Schwestern im Herrn

Kampf, Wachsamkeit und Unterscheidung! Das tönt ganz kriegerisch. Ist es aber nicht. Denn die Worte stammen aus dem jüngsten Apostolischen Schreiben Gaudete et exultate von Papst Franziskus über den Ruf zur Heiligkeit in der Welt von heute. Papst Franziskus ist alles andere als ein Befürworter von Krieg und Gewalt. Deshalb müssen wir die Worte Kampf, Wach­samkeit und Unterscheidung richtig einordnen.

Was meint der Heilige Vater mit Kampf? Um das zu erfahren, müssen wir das fünfte Kapitel des Apostolischen Schreibens lesen. Gleich zu beginn lesen wir: „Das Leben des Christen ist ein ständiger Kampf. Es bedarf Kraft und Mut, um den Versuchungen des Teufels zu widerstehen und das Evangelium zu verkünden“ (158). Mit Kampf meint der Heilige Vater den Widerstand gegen den Teufel. Einige Zeilen später bekräftigt er nämlich: „Es ist auch ein beständiger Kampf gegen den Teufel, welcher der Fürst des Bösen ist“ (159). Nochmals einige Zeilen später lesen wir: „Als Jesus uns das Vaterunser lehrte, wollte er tatsächlich, dass wir am Ende den Vater bitten, er möge uns von dem Bösen erlösen. Der dort benutzte Ausdruck bezieht sich nicht auf etwas Böses im abstrakten Sinn, sondern lässt sich genauer mit ‘der Böse’ übersetzen. Er weist auf ein personales Wesen hin, das uns bedrängt. Jesus lehrt uns, täglich um diese Befreiung zu bitten, damit die Macht Satans uns nicht beherrsche“ (160). Und, darf ich nochmals den Papst zitieren. Deutlich sagt er: „Wir sollen also nicht denken, dass dies ein Mythos, ein Schauspiel, ein Symbol, ein Bild oder eine Idee ist“ (161). Mit anderen Worten sagt der Heilige Vater, dass Satan existiert und sein Unwesen in unserer Welt treibt. Der Kampf, von welchem der Papst spricht, ist daher ein Kampf gegen Satan und seine Anhänger.

Nun werdet Ihr fragen: Ist das ein Thema für Pfingsten? Sehr wohl ist dies ein Thema für Pfingsten. Denn im Kampf mit dem Satan brauchen wir das Gegengewicht. Da Satan nicht ein körperliches Wesen ist, sondern ein geistiges, brauchen wir im Kampf gegen Satan ein geistiges Gegengewicht. Nochmals zum Wort des Papstes zum Vaterunser: „Als Jesus uns das Vaterunser lehrte, wollte er tatsächlich, dass wir am Ende den Vater bitten, er möge uns von dem Bösen erlösen“. Der Papst macht uns eigens auf diese letzte Bitte des Gebetes unseres Herrn aufmerksam. Wir dürfen sagen, an Pfingsten hat sich diese Bitte erfüllt, genauer ausgedrückt, sie hat sich in einem besonderen Maß erfüllt: Das Kommen des Heiligen Geistes am Tag von Pfingsten bedeutet in besonderer Weise die Erlösung vom Bösen, die Erlösung von Satan. Denn die Kirche hat den Geist der Wahrheit empfangen, wie es Jesus im heutigen Evangelium verheißen hat: „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wann aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganze Wahrheit leiten“ (Joh 16,12-13).

Die Wahrheit ist das Gegenteil des Bösen, des Verderblichen, der Lüge. Deshalb macht sie uns frei (vgl. Joh  8,32). Sie befreit uns. Sie erlöst uns. Denn Wahrheit ist an und für sich ein anderer Begriff für die Wirklichkeit Gottes, für alles, was Gott ist und was Gott tut. In Gott und durch Gottes Wirken sind wir frei. Durch den Geist der Wahrheit sind wir frei, befreit, oder werden wir frei, sofern wir die Wahrheit zur Grund­lage unseres Lebens nehmen.

Ist Ostern der Anfang unserer Erlösung und unserer Freiheit, die sich vor allem im auferstandenen Herrn erweisen, so ist Pfingsten deren Vollendung in der von Gott neu geschaffenen Menschheit, im Volk Gottes, in der Kirche. Aber es ist noch eine Erlösung und eine Freiheit unter dem Banner des Kampfes, der Wachsamkeit und der Unterscheidung. Deshalb dürfen wir die Hände nicht in den Schoß legen und nachlässig werden (vgl. Gaudete et exultate 161). Das bedeutet: Wir müssen uns immer wieder in den Schutz des Heiligen Geistes begeben und unser Leben unter diesem Schutz gestalten, im Schut­z des Geistes der Wahr­heit, im Schutz seiner Liebe und seiner Lehre. Beten wir daher mit der Pfingstsequenz häufig: O lux beatissima, reple cordis intima tuorum fidelium. Sine tuo numine nihil est in homine, nihil est innoxium. – Komm, o du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht, dring bis auf der Seele GrundOhne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn , kann nichts heil sein noch gesund.  Amen.

_______

Quelle

Papst Franziskus: Die Kraft der Veränderung des Heiligen Geistes

Papst Franziskus – Heilige Messe am Pfingstfest 20.5.2018

Franziskus an Pfingsten: der Geist ist die Ruhe in der Unrast; der Trost in Leid und Tod. Er ist die Seele der Kirche, er beseelt sie immer neu mit Hoffnung, erfüllt sie mit Freude, befruchtet sie mit Neuem, schenkt ihr Knospen neuen Lebens

Rom (kath.net) Am Hochfest Pfingsten feierte Papst Franziskus die heilige Messe in der Petersbasilika.

„Der Geist befreit die von der Angst versiegelten Seelen. Er überwindet Widerstände. Diejenigen, die sich mit dem Mittelmäßigen begnügen, konfrontiert er mit einem Überschwang an Gaben. Er weitet die engen Herzen. Er drängt diejenigen zum Dienst, die es sich bequem gemacht haben. Er bringt die zum Gehen, die meinen, sie seien am Ziel angekommen. Er lässt diejenigen träumen, die von Lauheit befallen sind. Darin also besteht die Verwandlung der Herzen.

Viele versprechen Zeiten der Veränderung, Neuanfänge, grandiose Neuerungen, aber die Erfahrung zeigt, dass kein irdischer Versuch, die Dinge zu verändern, das menschliche Herz vollständig befriedigt. Die Verwandlung durch den Geist ist anders: Er revolutioniert nicht das Leben um uns herum, sondern verändert unser Herz; er befreit uns nicht mit einem Schlag von unseren Problemen, sondern er macht uns im Innern frei, damit wir sie in Angriff nehmen; er gibt uns nicht alles auf einmal, aber er lässt uns zuversichtlich weitergehen, ohne jemals des Lebens müde zu werden. Der Geist hält das Herz jung.“

„Außer den Herzen verändert der Geist das Zeitgeschehen. Wie der Wind überall weht, so bahnt auch er sich seinen Weg in die unwahrscheinlichsten Situationen hinein. In der Apostelgeschichte – einem Buch, das es wirklich zu entdecken gilt und in dem der Geist die Hauptrolle spielt – erleben wir eine kontinuierliche Dynamik voller Überraschungen.“

„Er wird seine Kraft der Veränderung mit sich bringen, eine einzigartige Kraft, die sozusagen gleichzeitig zentripetal als auch zentrifugal ist. Sie ist zentripetal, d.h. sie ist auf das Zentrum hin ausgerichtet, weil sie im Inneren des Herzens wirkt. Sie führt zu Einheit in der Zersplitterung, zu Frieden in der Not, zu Standhaftigkeit in der Versuchung. Paulus erinnert in der Zweiten Lesung daran, wenn er schreibt, dass die Frucht des Geistes Freude, Friede, Treue und Selbstbeherrschung ist (vgl. Gal 5,22). Der Geist schenkt Intimität mit Gott, die innere Kraft um weiterzukommen. Aber gleichzeitig ist er eine Zentrifugalkraft, die nach außen wirkt. Derjenige, der zum Zentrum führt, ist derselbe, der an die Peripherie sendet, an jede menschliche Peripherie. Er, der uns Gott offenbart, drängt uns zu unseren Brüdern und Schwestern. Er sendet uns, er macht uns zu Zeugen und dazu gießt er uns – wie Paulus schreibt – Liebe, Wohlwollen, Güte und Sanftmut ein.

Nur im Geist, der unser Beistand ist, sagen wir Worte des Lebens und ermutigen wir andere wirklich. Wer nach dem Geist lebt, steht in dieser geistlichen Spannung: er steht gleichzeitig in Beziehung zu Gott und zur Welt.“

„Heiliger Geist, Gottes heftiger Sturm, erfasse uns. Wehe in unseren Herzen und lass uns die Zärtlichkeit des Vaters atmen. Erfasse die Kirche und treibe sie bis zu den Enden der Erde, damit sie von dir getragen, nichts Anderes bringe als dich. Hauche der Welt die sanfte Frühlingswärme des Friedens und die frische Erquickung der Hoffnung ein. Komm, Heiliger Geist, verwandle unser Inneres und erneuere das Antlitz der Erde.“

kath.net veröffentlicht die Predigt von Papst Franziskus bei der heiligen Messe in der Petersbasilika am Hochfest Pfingsten 2018: 

In der ersten Lesung wird das Kommen des Heiligen Geistes an Pfingsten mit einem heftigen Sturm (vgl. Apg 2,2) verglichen. Was sagt uns dieses Bild? Der heftige Sturm lässt uns an eine große Kraft denken, die aber nicht um ihrer selbst willen da ist: Es ist eine Kraft, die die Wirklichkeit verändert. Der Wind bringt tatsächlich Veränderung: warme Strömungen bei Kälte, kühle Strömungen bei Hitze, Regen bei Trockenheit… Auch der Heilige Geist bewirkt solches, wenn auch auf einer anderen Ebene: Er ist die göttliche Kraft, die die Welt verwandelt. Die Sequenz hat uns daran erinnert. Der Geist ist die Ruhe in der Unrast; der Trost in Leid und Tod; und so bitten wir ihn: »Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein, heile du, wo Krankheit quält«. Er begibt sich in Situationen hinein und verwandelt sie; er verwandelt die Herzen und verändert das Zeitgeschehen.

Er verwandelt die Herzen. Jesus hatte zu seinen Aposteln gesagt: Ihr »werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen […] und ihr werdet meine Zeugen sein« (Apg 1,8). Und genau so ist es geschehen: Die Jünger, die anfangs ängstlich waren und sich auch nach der Auferstehung des Meisters hinter verschlossenen Türen versteckt hielten, werden vom Geist verwandelt und, wie Jesus im heutigen Evangelium verkündet, »legen für ihn Zeugnis ab« (vgl. Joh 15,27). Aus zaudernden werden mutige Jünger, und von Jerusalem aus machen sie sich auf bis zu den Enden der Erde. Als Jesus unter ihnen war, waren sie furchtsam, ohne ihn nun sind sie mutig, denn der Geist hat ihre Herzen verwandelt.

Der Geist befreit die von der Angst versiegelten Seelen. Er überwindet Widerstände. Diejenigen, die sich mit dem Mittelmäßigen begnügen, konfrontiert er mit einem Überschwang an Gaben. Er weitet die engen Herzen. Er drängt diejenigen zum Dienst, die es sich bequem gemacht haben. Er bringt die zum Gehen, die meinen, sie seien am Ziel angekommen. Er lässt diejenigen träumen, die von Lauheit befallen sind. Darin also besteht die Verwandlung der Herzen. Viele versprechen Zeiten der Veränderung, Neuanfänge, grandiose Neuerungen, aber die Erfahrung zeigt, dass kein irdischer Versuch, die Dinge zu verändern, das menschliche Herz vollständig befriedigt. Die Verwandlung durch den Geist ist anders: Er revolutioniert nicht das Leben um uns herum, sondern verändert unser Herz; er befreit uns nicht mit einem Schlag von unseren Problemen, sondern er macht uns im Innern frei, damit wir sie in Angriff nehmen; er gibt uns nicht alles auf einmal, aber er lässt uns zuversichtlich weitergehen, ohne jemals des Lebens müde zu werden. Der Geist hält das Herz jung.

Früher oder später vergeht die Jugendzeit trotz aller Versuche, sie zu verlängern; der Geist hingegen ist es, der das einzig ungesunde Altern, nämlich das innere, verhindert. Wie macht er das? Indem er das Herz erneuert und dem sündigen Herzen Vergebung zuteilwerden lässt.

Das ist die große Veränderung: Uns Schuldige macht er zu Gerechten, und so ändert sich alles, denn aus Sklaven der Sünde werden wir zu freien Menschen, aus Knechten zu Söhnen, aus Verworfenen zu geschätzten Freunden, aus Enttäuschten zu Hoffenden. Auf diese Weise lässt der Heilige Geist die Freude neu erstehen und im Herzen den Frieden erblühen.

Wir lernen also heute, was zu tun ist, wenn wir echter Veränderungen bedürfen. Wer von uns braucht sie nicht? Vor allem, wenn wir am Boden sind, wenn wir unter der Last des Lebens stöhnen, wenn unsere Schwächen uns bedrücken, wenn es schwierig ist vorwärts zu gehen und wenn es unmöglich erscheint zu lieben. Dann brauchen wir einen kräftiges „Stärkungsmittel“: Und das ist Er, das ist die Kraft Gottes. Der Geist ist es, der „Leben gibt“, wie wir im „Credo“ bekennen. Wie gut täte es uns, jeden Tag dieses Stärkungsmittel des Lebens zu uns zu nehmen und etwa beim Aufwachen zu sagen: „Komm, Heiliger Geist, komm in mein Herz, komm in meinen Tag“.

Außer den Herzen verändert der Geist das Zeitgeschehen. Wie der Wind überall weht, so bahnt auch er sich seinen Weg in die unwahrscheinlichsten Situationen hinein. In der Apostelgeschichte – einem Buch, das es wirklich zu entdecken gilt und in dem der Geist die Hauptrolle spielt – erleben wir eine kontinuierliche Dynamik voller Überraschungen.

Als die Jünger es nicht erwarten, sendet der Geist sie zu den Heiden. Er eröffnet neue Wege, wie in der Begebenheit mit dem Diakon Philippus. Der Geist führt ihn auf eine verlassene Straße zwischen Jerusalem und Gaza – Was für einen traurigen Klang dieser Name heute hat! Der Geist verändere die Herzen und die Verhältnisse und bringe Frieden ins Heilige Land –. Auf diesem Weg predigt Philippus dem äthiopischen Beamten und tauft ihn; dann führt ihn der Geist nach Aschdot und nach Cäsarea: immer in neue Situationen, damit er Gottes Botschaft verbreite. Dann ist da auch Paulus, der »gebunden durch den Geist« (Apg 20,22), bis an die Enden der Erde reist und Völkern das Evangelium bringt, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Wenn der Geist da ist, geschieht immer etwas; wenn er weht, gibt es keine Flaute.

Wenn das Leben unserer Gemeinschaften durch Zeiten der „Mattheit“ geht, in denen die häusliche Idylle der Neuheit Gottes vorgezogen wird, ist das ein schlechtes Zeichen. Es bedeutet nämlich, dass man Schutz vor dem Wind des Geistes sucht. Wenn man für die Selbsterhaltung lebt und darüber nicht hinauskommt, ist das kein schönes Zeichen. Der Geist weht, aber wir holen die Segel ein. Und doch haben wir viele Male gesehen, wie er Wunderbares bewirkt.

Oft, gerade in den dunkelsten Zeiten, hat der Geist die strahlendste Heiligkeit hervorgebracht! Er ist die Seele der Kirche, er beseelt sie immer neu mit Hoffnung, erfüllt sie mit Freude, befruchtet sie mit Neuem, schenkt ihr Knospen neuen Lebens. Es ist, wie wenn in einer Familie ein Kind geboren wird: Es bringt den Zeitplan durcheinander, lässt einen nicht schlafen, schenkt dafür aber eine Freude, die das Leben erneuert, die ihm Antrieb verleiht und es in der Liebe weit macht. Ja, der Geist bringt ein „Aroma“ von Kindheit in die Kirche. Er bewirkt ein beständiges Wiederaufleben. Er frischt die Liebe des Anfangs wieder auf.

Der Geist erinnert die Kirche daran, dass sie trotz ihrer jahrhundertealten Geschichte immer eine zwanzigjährige ist, die junge Braut, in die der Herr hoffnungslos verliebt ist. So lasst uns nicht müde werden, den Geist in unser Lebensumfeld einzuladen, und ihn vor jeder Tätigkeit unsererseits anzurufen: „Komm, Heiliger Geist!“.

Er wird seine Kraft der Veränderung mit sich bringen, eine einzigartige Kraft, die sozusagen gleichzeitig zentripetal als auch zentrifugal ist. Sie ist zentripetal, d.h. sie ist auf das Zentrum hin ausgerichtet, weil sie im Inneren des Herzens wirkt. Sie führt zu Einheit in der Zersplitterung, zu Frieden in der Not, zu Standhaftigkeit in der Versuchung. Paulus erinnert in der Zweiten Lesung daran, wenn er schreibt, dass die Frucht des Geistes Freude, Friede, Treue und Selbstbeherrschung ist (vgl. Gal 5,22). Der Geist schenkt Intimität mit Gott, die innere Kraft um weiterzukommen. Aber gleichzeitig ist er eine Zentrifugalkraft, die nach außen wirkt.

Derjenige, der zum Zentrum führt, ist derselbe, der an die Peripherie sendet, an jede menschliche Peripherie. Er, der uns Gott offenbart, drängt uns zu unseren Brüdern und Schwestern. Er sendet uns, er macht uns zu Zeugen und dazu gießt er uns – wie Paulus schreibt – Liebe, Wohlwollen, Güte und Sanftmut ein. Nur im Geist, der unser Beistand ist, sagen wir Worte des Lebens und ermutigen wir andere wirklich. Wer nach dem Geist lebt, steht in dieser geistlichen Spannung: er steht gleichzeitig in Beziehung zu Gott und zur Welt.

Bitten wir ihn darum, so sein zu dürfen. Heiliger Geist, Gottes heftiger Sturm, erfasse uns. Wehe in unseren Herzen und lass uns die Zärtlichkeit des Vaters atmen. Erfasse die Kirche und treibe sie bis zu den Enden der Erde, damit sie von dir getragen, nichts Anderes bringe als dich. Hauche der Welt die sanfte Frühlingswärme des Friedens und die frische Erquickung der Hoffnung ein. Komm, Heiliger Geist, verwandle unser Inneres und erneuere das Antlitz der Erde. Amen.

 

_______

Quelle

Der heilige Papst Johannes Paul II. über den heiligen Papst Pius V.

BOTSCHAFT VON JOHANNES PAUL II.
ANLÄßLICH DES 500. JAHRESTAGES DER GEBURT
DES HL. PAPSTES PIUS V.

An den verehrten Mitbruder
FERNANDO CHARRIER
Bischof von Alessandria

1. Gerne sende ich Ihnen einen herzlichen Gruß anläßlich der Jubiläumsfeiern, die zum 500. Jahrestag der Geburt meines Vorgängers, des hl. Pius V., stattfinden. In mein liebevolles Gedenken schließe ich die Gläubigen dieser geliebten Diözese ein, die zu Recht ihres edlen Sohnes voll Freude und Dankbarkeit gegenüber Gott gedenkt.

Die verschiedenen Veranstaltungen, an denen Ihr teilnehmen werdet, um dieses glücklichen Jahrestages zu gedenken, bieten die Gelegenheit, das Andenken dieses großen Papstes wieder lebendig zu machen und über das reiche von ihm hinterlassene Erbe an Vorbildern und Lehren nachzudenken, die auch für die Christen unserer Zeit mehr denn je gelten.

Der 500. Jahrestag seiner Geburt möge Grund des Segens für die ganze Kirche sein, in besonderer Weise für die geliebte Diözese Alessandria und für die kirchliche Gemeinschaft von Piemont. Die Fürsprache des hl. Pius V. und das Vorbild seiner Tugenden seien für jeden ein Impuls, den Glauben zu stärken, indem dieser unversehrt und in ständiger Verbindung mit den Quellen der Offenbarung bewahrt und in der Gesellschaft verbreitet wird, um eine Menschheit heranzubilden, die für Christus offen ist und die den Aufbau der Zivilisation der Liebe anstrebt.

2. Die Zeit, in der Pius V. lebte, war zwar sehr verschieden von der jetzigen, aber dennoch fehlt es nicht an gewissen Analogien. Beide Geschichtsepochen erlebten die Festigung von konvergierenden religiösen Kräften und hatten zugleich tiefe Krisen in der Gesellschaft zu verzeichnen mit Auseinandersetzungen zwischen Städten und Völkern, die manchmal in schmerzliche bewaffnete Konflikte ausarteten. In beiden Epochen war die Kirche bemüht, neue Wege zu finden, um den Glauben zu beleben und ihn in einer Weise vorzuschlagen, die den veränderten kulturellen und sozialen Bedingungen angemessen war; dies geschah damals durch die Einberufung des Konzils von Trient und im vergangenen Jahrhundert durch das II. Vatikanische Ökumenische Konzil. Auf die jeweiligen Konzilien folgten die oft nicht einfachen Anstrengungen, ihre Lehren getreu anzuwenden, wobei ein wahrer Reformprozeß der Kirche in Gang gesetzt wurde.

In diesen geschichtlichen und religiösen Kontext, der das 16. Jahrhundert gekennzeichnet hat, fügt sich das menschliche und geistliche Leben des hl. Pius V. ein, das am 1. Mai 1572 endete. Von Kindheit an bekam Michele Ghislieri die Härte der Armut zu spüren, denn er mußte durch seine Arbeit zum Unterhalt der Familie beitragen. Er schöpfte aus den bezeichnenden Werten seiner geliebten Heimat Alessandria und blieb ihr immer verbunden. Und dies so sehr, daß er, als er in das Kardinalskollegium berufen wurde, unter dem Namen Kardinal Alessandrino bekannt wurde.

Im Alter von 14 Jahren trat er in den Predigerorden ein und erhielt seine Ausbildung in den Klöstern von Vigevano, Bologna und Genua. Er war stets darauf bedacht, durch Gebet und Studium den Weg der evangeliumsgemäßen Vollkommenheit zu gehen, indem er reichlich aus den Quellen des Wortes Gottes entsprechend dem dominikanischen Charisma schöpfte.

Schon damals bewies er eine besondere Vorliebe für die Heilige Schrift und für die Lehre der Kirchenväter, während er sich auch für das Studium der Werke des hl. Thomas von Aquin begeisterte, den er später, als er Papst geworden war, in den Rang eines Kirchenlehrers erhob. Er wurde in Genua im Jahr 1528 zum Priester geweiht.

Von Papst Paul III. wurde er beauftragt, in den Gebieten von Padua, Pavia und Como über die Reinheit des Glaubens zu wachen. Er inspirierte sich am hl. Dominikus, dem heiligen Märtyrer Petrus von Verona, dem hl. Vincenzo Ferrer und dem hl. Antoninus von Florenz als seinen Vorbildern und Schutzherren. Dabei war seine einzige Sorge, immer die größere Ehre Gottes und das wahre Wohl der Brüder zu suchen, getreu dem Leitspruch »In der Wahrheit voranschreiten«, den er sich zu eigen machen wollte. Mit dem gleichen Eifer arbeitete er weiter, als er in Rom zum Kommissar für die Glaubenslehre ernannt wurde und nacheinander die weiteren Aufgaben übernahm, die ihm von den Päpsten Julius III., Paul IV. und Pius IV. anvertraut wurden. 1556 wurde er zum Bischof von Nepi und Sutri ernannt und im Jahr 1557 zum Kardinal kreiert; 1560 wurde er Bischof von Mondovì.

3. Mit 62 Jahren, im Januar 1556, wurde er zum Nachfolger Petri gewählt. Während seines Pontifikats bemühte er sich, die Glaubenspraxis in jedem einzelnen Glied des Volkes Gottes zu beleben, indem er der Kirche einen providentiellen Anstoß zur Evangelisierung gab. Er war unermüdlich in der Pastoralarbeit tätig und suchte mit allen direkten Kontakt zu knüpfen, ohne auf seinen schwachen Gesundheitszustand zu achten. Er sorgte sich darum, die Beschlüsse des Konzils von Trient getreu umzusetzen: im liturgischen Bereich durch die Veröffentlichung des erneuerten Römischen Meßbuches und des neuen Breviers; im katechetischen Bereich vor allem durch die Übergabe des »Katechismus des Konzils von Trient« an die Pfarrer; in der Theologie durch die Einführung der Summa des hl. Thomas in den Universitäten. Die Bischöfe erinnerte er an die Pflicht, in der Diözese zu residieren zum Zweck einer aufmerksamen Seelsorge an den Gläubigen; die Ordensleute regte er zu einer angemessenen Klausur an, und den Klerus wies er auf die Bedeutsamkeit des Zölibats und die Heiligkeit des Lebens hin.

Im Bewußtsein des von Christus, dem Guten Hirten, empfangenen Sendungsauftrages sorgte er sich hingebungsvoll darum, die ihm anvertraute Herde zu weiden, wobei er zum täglichen Gebet und vor allem zur Marienverehrung einlud. Es gelang ihm, diese beträchtlich zu intensivieren, indem er der Praxis des Rosenkranzgebets einen starken Impuls gab. Er selbst betete jeden Tag den gesamten Rosenkranz, auch wenn er überhäuft war mit schwierigen und vielfältigen Aufgaben.

4. Verehrter Mitbruder, der apostolische Eifer, das ständige Streben nach Heiligkeit, die Liebe zur Jungfrau Maria, die das Leben des hl. Pius V. kennzeichneten, seien für alle ein Ansporn, mit verstärktem Einsatz die eigene christliche Berufung zu leben. Ich möchte insbesondere dazu einladen, ihn in der kindlichen Marienverehrung nachzuahmen durch die Wiederaufnahme des einfachen und tiefen Rosenkranzgebetes, das – wie ich im Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariae in Erinnerung rufen wollte – uns hilft, das Geheimnis Christi zu betrachten: »In der Nüchternheit seiner Teile vereinigt er in sich die Tiefe der ganzen Frohen Botschaft, für die er gleichsam eine Kurzfassung ist … Mit dem Rosenkranz geht das christliche Volk in die Schule Mariens, um sich in die Betrachtung der Schönheit des Antlitzes Christi und in die Erfahrung der Tiefe seiner Liebe einführen zu lassen« (Nr. 1).

Durch das eifrige Beten des Rosenkranzes können auf die Fürsprache der himmlischen Mutter des Herrn außerordentliche Gnaden erlangt werden. Davon war der hl. Pius V. fest überzeugt, und er wollte nach dem Sieg von Lepanto ein eigenes Fest, den Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, einführen.

Ich habe Maria, der Königin des heiligen Rosenkranzes, zu Beginn des dritten Jahrtausends durch das Gebet des Rosenkranzes das wertvolle Gut des Friedens und die Förderung der Institution der Familie anvertraut. Ich erneuere diesen Akt des Vertrauens auf die Fürsprache des hl. Pius V., dieses großen Marienverehrers.

5. Ich versichere Ihnen, verehrter Mitbruder, daß ich Ihrer im Gebet gedenken werde, ebenso der Bischöfe, die der Schlußfeier des Jubiläums vorstehen werden, sowie des Nationalen Komitees und des Ehrenkomitees, der Obrigkeiten der Region, der Provinz und der benachbarten Gemeinden von Alessandria, des Klerus, der Ordensleute und der lieben Gläubigen sowie aller, die an der heiligen Messe am 5. Mai zum Abschluß der Jubiläumsfeiern in der Kirche des Klosters »Santa Croce in Boscomarengo« teilnehmen werden.

Allen erteile ich von Herzen meinen besonderen Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 1. Mai 2004

JOHANNES PAUL II.

Quelle

Johannes XXIII. – Enzyklika über das Rosenkranzgebet für die Missionen und den Frieden

Der Rosenkranz im bisherigen Leben des Papstes

1 Dankbares Gedenken steigt seit den frühen Jahren Unseres Lebens in Unserer Seele an jene Rundschreiben auf, die Unser Vorgänger Leo XIII. unvergesslichen Andenkens beim Herannahen des Monats Oktober oft an die katholische Welt richtete, um besonders für den Verlauf dieses Monats alle zum frommen Beten des Marianischen Rosenkranzes aufzurufen (1). Es waren Schreiben, geschmückt mit einer Vielfalt von Gedanken, durchdrungen von Weisheit, stets aufs neue begeisternd und überaus förderlich für das christliche Leben. Mit sanftem Nachdruck riefen sie das katholische Volk auf, mit großem Vertrauen zu Gott zu flehen, indem es unter dem überaus mächtigen Schutz der jungfräulichen Gottesmutter Maria den heiligen Rosenkranz betet. Dies ist ja, wie alle wissen, die geeignetste Form von Gebet und Betrachtung, mit der der mystische Kranz aus Engelsgruß, Herrengebet und Lobpreis der Heiligsten Dreifaltigkeit, dem „Ehre sei dem Vater…“, geflochten wird. Damit wird die Betrachtung der wichtigsten Geheimnisse unseres Glaubens verbunden, bei der uns die Menschwerdung Christi und die Erlösung des Menschengeschlechtes der Reihe nach vor Augen geführt werden. Diese liebliche Erinnerung der Jugendjahre ist im Laufe Unseres Lebens keineswegs erloschen, ja nicht einmal verblasst. Sie macht Uns vielmehr – Wir wollen es mit schlichter Aufrichtigkeit gestehen – den Marianischen Rosenkranz, den Wir an keinem Tage des Jahres unterlassen haben und den Wir mit besonderer Andacht während des nächsten Monats beten wollen, überaus teuer.

Während des ersten Jahres Unseres Pontifikats, das zu Ende geht, haben Wir den Klerus und das christliche Volk nicht nur einmal bei gegebenem Anlass zu öffentlichen und privaten Gebeten aufgerufen. Jetzt tun Wir dies aber mit noch größerer Eindringlichkeit und mit bewegtem Herzen aus mehrfachen Gründen, die Wir in diesem Rundschreiben kurz und in geraffter Form darlegen wollen.

Johannes XXIII. im Einklang mit seinem Vorgänger

2 I. Im kommenden Monat Oktober wird es ein Jahr, dass Unser Vorgänger Pius XII. fromm aus diesem irdischen Leben schied, das er mit vielen und hervorragenden Taten geschmückt hatte. Zwanzig Tage später sind Wir, ohne Unser Verdienst, durch Gottes geheimnisvollen Ratschluss auf die hohe Stufe des päpstlichen Amtes gestellt worden. Es schien, als ob ein Papst dem anderen die gesamte Christenheit gleichsam als ein heiliges Erbe von Hand zu Hand übergebe, damit er es weide. Ebenso deutlich zeigte sich die Hirtensorge bei der, durch die sich ihre väterliche Liebe zu allen Völkern kundtut. Machen nicht diese beiden Ereignisse, das eine voller Trauer, das andere voller Freude, vor aller Augen deutlich, dass, während alle menschlichen Dinge nacheinander dem Untergang geweiht sind, das römische Papsttum im Laufe der Jahrhunderte unversehrt überlebt, wenngleich auch jedes sichtbare Oberhaupt der katholischen Kirche nach dem durch die göttliche Vorsehung festgesetzten Zeitraum aus dieser irdischen Verbannung abberufen wird?

Alle Christgläubigen mögen, wenn sie des verstorbenen Pius XII. und insbesondere seines demütigen Nachfolgers in Liebe gedenken, in denen der heilige Petrus das unvergängliche Amt des Obersten Hirten weiterhin ausübt, folgende Bitte an Gott richten: „Dass Du den Apostolischen Hirten und alle Stände der Kirche in der heiligen Religion erhalten wollest, wir bitten Dich, erhöre uns!“ (2) Ebenso möchten Wir daran erinnern, dass auch Unser unmittelbarer Vorgänger in der Enzyklika, die mit den Worten „Ingruentium malorum“ (3) beginnt, in gleicher Weise wie Wir alle Christgläubigen aufgerufen hat, den Marianischen Rosenkranz vor allem im Monat Oktober andächtig zu beten. In jenem Rundschreiben steht die Mahnung, die Wir gern wiederholen: „Eilt mit noch größerem Vertrauen zur jungfräulichen Gottesmutter; zu ihr in schwieriger Lage seine Zuflucht zu nehmen, war dem christlichen Volk stets ein besonderer und geheiligter Brauch, da sie ja die ‚Ursache des Heiles für das ganze Menschengeschlecht geworden ist‘ (4)“.

Gebetsbitte des Papstes: Die Glaubensboten

3 II. Am 11. Oktober wollen Wir freudigen Herzens das Kreuz Jesu Christi mit eigener Hand mehreren Glaubensboten reichen, die ihre liebe Heimat verlassen, um ferne Völker mit dem Lichte Christi zu erleuchten, nachdem sie diese schwere Aufgabe auf sich genommen haben. Am Nachmittag des selben Tages wollen wir das Nordamerikanische Seminar auf dem Gianicolo besuchen, um die Hundertjahrfeier seiner Gründung mit den Vorstehern, Lehrern und Studenten der Theologie feierlich und freudigen Herzens zu begehen.

Diese zwei Feiern treffen wie zufällig auf denselben Tag, bedeuten fast dasselbe und bestätigen dasselbe: nämlich dass die katholische Kirche bei allem, was sie tut, stets von einer himmlischen Anregung bewegt und von den Grundsätzen und Lehren der ewigen Wahrheit geleitet wird, und dass all ihre Söhne durch ihre edle und tätige Gesinnung mit aller Kraft zu gegenseitiger Achtung und brüderlicher Verbundenheit der Völker und zu einem sicheren Frieden beitragen sollen. Das bewundernswerte Schauspiel, das diese jungen Menschen bieten, ist in der Tat so gewaltig, dass es größte Hoffnung auf glücklichere Zeiten wecken kann; sie geben sich ja nach Überwindung unzähliger Schwierigkeiten und Hindernisse Gott ganz hin, damit auch die anderen Menschen Christus gewinnen (5), sei es in fernen Ländern, denen das Licht der Wahrheit noch nicht aufleuchtete, oder sei es in jenen riesigen Städten voller Unruhe und Geschäftigkeit, in denen die tägliche Arbeitslast so verwirrend und unüberschaubar geworden ist, dass sie bisweilen das Herz der Menschen verdorren lässt und gleichsam in den Strudel der irdischen Güter hineinreißt. Von den Lippen der Älteren aber, die aus demselben Grunde so schwere Lasten schon getragen haben, dringt das inständige Gebet des Apostelfürsten: „Lass deine Diener mit allem Vertrauen Gottes Wort verkünden“ (6) !

Ihrer aller apostolische Mühen mögen, so wünschen wir immer wieder, der erhabenen Jungfrau Maria im kommenden Oktobermonat durch flehentliches Gebet empfohlen sein.

Gebetsbitte: Die verschiedenen geistigen Nöte

4 III. Noch ein anderer Grund veranlasst Uns dazu, noch inständigere Bitten an Jesus und an seine geliebte Mutter vom Heiligen Kollegium der Kardinäle, von euch, Ehrwürdige Brüder, von den Priestern, von den gottgeweihten Jungfrauen, von allen Kranken und Leidenden, von den unschuldigen Kindern und von der gesamten Christenheit aus tiefstem Herzen zu erflehen: nämlich dass jene, von denen größtenteils das Schicksal der Völker abhängt, deren legitime Rechte und deren reiches geistliches Erbe unversehrt zu erhalten ist, gleichgültig, ob sie klein oder groß sind, die kritische Lage unserer Tage aufmerksam im Auge behalten.

Wir flehen also zu Gott, dass diese die Ursachen der Zwietracht gewissenhaft untersuchen und mit gutem Willen kraftvoll überwinden. Besonders sollen sie bedenken, dass kriegerische Auseinandersetzungen – die Gott verhüten möge – nichts anderes hervorbringen, als ungeheueres Verderben für alle, und sie sollen darauf überhaupt keine Hoffnung setzen. Die Gesetze im bürgerlichen und sozialen Bereich, durch welche die Völker und die bürgerliche Ordnung untereinander zusammengehalten werden, sollen den Bedürfnissen der Menschen unserer Zeit angepasst werden. Sie mögen auch nicht die ewigen Gesetze vergessen, die von Gott stammen und die die Fundamente und gleichsam die Angelpunkte für die Leitung der Völker sind. Auch sollen sie die geistigen Ansprüche der Menschen vor Augen haben; denn wie sie vom allmächtigen Gott geschaffen sind, so sind sie auch dazu bestimmt, ihn zu erreichen und sich seiner zu erfreuen.

Des weiteren muss bemerkt werden, dass solche Formen des Denkens und Philosophierens bestehen und ebenso solche Lebensauffassungen heute verbreitet werden, die mit der christlichen Lehre in keiner Weise übereinstimmen können. Niemals werden wir aufhören, dies mit ruhiger, fester und sicherer Überzeugung zu erklären.

Doch Gott hat die Menschen heilbar gemacht (7)!
Demnach hoffen Wir für die Zukunft, dass die gehaltlosen Forderungen und Pläne hintangesetzt werden, die ihre Ursache in einer bestimmten Denk- und Handlungsweise haben und die fast wie Kristall hart geworden sind und, wie alle wissen von den Irrtümern des Laizismus und Materialismus durchdrungen sind. Mögen dann die rechten Heilmittel in jener gesunden Lehre gesucht und gefunden werden, die Tag für Tag mehr durch die praktische Erfahrung bestätigt wird. Diese Lehre aber bezeugt: Gott ist der Urheber des Lebens und seiner Gesetze; Er ist der Anwalt des Rechtes und der Würde der menschlichen Person. Gott ist also „unser Heil und unsere Erlösung“ (8).

Die Augen unseres Geistes blicken auf alle Länder, in denen alle Völker vom Streben nach besseren Zeiten bewegt zu sein scheinen und in denen sich beobachten lässt, dass eine gewisse geheime Kraft Leben gewinnt; diese berechtigt zu der Hoffnung, dass das rechte Gewissen des Menschen pflichtgemäß angetrieben wird, das wahre Wohl der ganzen Menschheit zu fördern. Damit dies in möglichst glücklicher Weise geschieht, das heißt mit dem Triumph des Reiches der Wahrheit, der Gerechtigkeit, des Friedens und der Liebe, ermahnen Wir alle Söhne in Christus, dass sie „ein Herz und eine Seele seien“ (9) und dass sie im kommenden Monat Oktober zur Königin des Himmels und unserer geliebten Mutter gemeinsam inständige Bitten richten und dabei folgende Worte des Völkerapostels Paulus bedenken: „In allem werden wir bedrängt, doch nicht erdrückt, hilflos sind wir, doch wir verzweifeln nicht. Verfolgt sind wir, doch nicht verlassen, niedergeworfen, doch nicht verloren. Allzeit tragen wir das Hinsterben Jesu an unserem Leibe, damit auch das Leben Jesu an Unserem Leibe sichtbar werde.“ (10)

Gebetsbitte: Die römische Synode und das Konzil

5 Bevor Wir aber diese Enzyklika abschließen, äußern Wir noch den Wunsch, Ehrwürdige Mitbrüder, dass ihr den Marianischen Rosenkranz im Monat Oktober mit besonderer Frömmigkeit betet, und zwar auch aus folgendem Grund, der Uns so sehr am Herzen liegt: Möget ihr die jungfräuliche Gottesmutter Maria mit flehentlichen Bitten bestürmen, damit die Römische Synode für diese Stadt fruchtbar und heilbringend werde und damit aus dem kommenden Ökumenischen Konzil, an dem ihr selbst mit eurem Rat teilnehmen werdet, die ganze Kirche ein so wunderbares Wachstum gewinnt, dass auch die von diesem Apostolischen Stuhl getrennten Brüder und Unsere Söhne von dieser aufblühenden Kraft, die Wir erhoffen, Ermunterung und heilsamen Ansporn zur Übung aller christlichen Tugenden gewinnen. Erfüllt von dieser Hoffnung erteilen Wir jedem einzelnen von euch allen, Ehrwürdige Mitbrüder, und auch der ganzen euch anvertrauten Herde, besonders aber jenen, die diesen Unseren Aufforderungen mit frommem und tätigem Sinn nachkommen, in grenzenloser Liebe den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom, bei St. Peter, am 26. September 1959,
im ersten Jahre Unseres Pontifikates

 

Johannes XXIII.

 

Anmerkungen

(1) Vgl. oben Nr. 31-136.

(2) Allerheiligenlitanei

(3) Vgl. oben Nr. 203-208.

(4) Irenäus, Adv. haer. III, 22; MG VII, 959; vgl. Nr. 205. 

(5) Vgl. Phil 3, 8.

(6) Apg 4, 29. 

(7) Vgl. Weish 1, 14.

(8) Aus der Liturgie.

(9) Apg 4, 32.

(10) 2 Kor 4, 8-10.

_______

Quelle: Graber/Ziegenaus, Die marianischen Weltrundschreiben der Päpste von Pius IX. bis Johannes Paul II., Herausgabe im Auftrag des Institutum Marianum e.V.; Schnell & Steiner Regensburg 1997; 3. erweiterte und überarbeitete Auflage, S. 261-265 (Nn. 260-264).

Entnommen bei: www.kathtube.com

Vatikanische Texte: [ EN – ES – IT – LA – PT ]

Papst kündigt Gebetstag für Frieden in Afrika an

Angelusgebet des Papstes (Vatican Media)

Franziskus hat einen besonderen Tag des Gebets und des Fastens für den Frieden auf der Welt ausgerufen.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Bei seinem Angelusgebet am Sonntag sagte er, der Gebets- und Fasttag solle am 23. Februar stattfinden, dem ersten Freitag in der Fastenzeit. Schon im September 2013 hatte Franziskus einen besonderen Tag des Gebets und Fastens für einen Frieden in Syrien durchgeführt. Ende November letzten Jahres leitete er außerdem ein Friedensgebet für Afrika im Petersdom.

„Angesichts der fortdauernden, tragischen Konfliktsituationen in verschiedenen Teilen der Welt lade ich alle Gläubigen zu einem besonderen Tag des Betens und Fastens für den Frieden ein“, so der Papst nach seinem Angelusgebet am Petersplatz wörtlich. „Wir widmen ihn besonders der Bevölkerung in der Demokratischen Republik Kongo und im Südsudan. Wie bei ähnlichen Gelegenheiten lade ich auch wieder die nicht-katholischen und nichtchristlichen Brüder und Schwestern ein, sich dieser Initiative auf die Weise, die sie für am besten geeignet halten, anzuschließen.“

“ Beten – aber nicht nur ”

Im Südsudan, einem der jüngsten und ärmsten Staaten der Erde, tobt seit einigen Jahren ein verheerender Bürgerkrieg; die Absicht des Papstes, eine Friedensmission in den Südsudan durchzuführen, ließ sich bisher aus Sicherheitsgründen nicht verwirklichen. Im Kongo kommt es in den letzten Monaten immer wieder zu politischer Gewalt und zu Massakern.

„Unser himmlischer Vater hört seine Kinder immer, wenn sie in Schmerz und Angst zu ihm schreien“, fuhr der Papst beim Angelus fort. „Er heilt, die gebrochenen Herzens sind, er verbindet ihre Wunden“ (Ps. 147,3). Ich rufe dringend dazu auf, dass auch wir diesen Schrei hören mögen! Jeder möge sich vor seinem eigenen Gewissen und vor Gott fragen: Was kann ich für den Frieden tun? Mit Sicherheit können wir beten – aber nicht nur. Jeder von uns kann konkret Nein zur Gewalt sagen, soweit das von ihm oder ihr abhängt! Denn die Siege, die man durch Gewalt erringt, sind falsche Siege, während das Arbeiten für den Frieden allen guttut!“

LESEN SIE AUCH:

Papstgebet für den Frieden im Südsudan und im Kongo

_______

Quelle