30-tägige Andacht zu Ehren des hl. Josef zur Erlangung seiner besonderen Fürsprache in einem großen Anliegen

 

Einleitung

Die Schutzmantelnovene ist eine außergewöhn­liche Andachtsübung zu Ehren des hl. Josef zur Erlangung seiner besonderen Fürsprache in einem großen Anliegen.

All diese Gebete verrichtet man täglich während 30 Tagen zur Erinnerung an die 30 Jahre, die der hl. Josef mit Jesus, dem Sohne Gottes, und mit der jungfräulichen Mutter Maria in Nazareth verlebte.

Außerordentlich große und zahlreiche Gnaden werden uns geschenkt, wenn wir vertrauensvoll zum hl. Josef gehen. Die hl. Theresia von Avila sag­te: „Wer es nicht ganz glauben will, der soll es ein­mal probieren, und er wird voll überzeugt sein.“

Der hl. Josef kann für uns mehr Gnaden erbit­ten, wenn wir zuerst unsere eigene Seele in einer guten Beichte gereinigt und durch den Kommu­nionempfang neu geschmückt haben. Auch können wir diese große Novene fruchtbarer machen, wenn wir gleichzeitig zu einer Liebesgabe an Arme bereit sind. Wir dürfen ruhig um eine große Gnade bitten. Es ist aber angeraten, diese Novene zum hl. Josef für die Sterbenden und die Verstorbenen aufzuop­fern.

Wenn wir versuchen, die Tränen der Armen und Notleidenden und die der Verstorbenen abzuwischen, so wird der hl. Josef auch uns jetzt und in der Todesstunde helfen und trösten. Er wird seinen Schutzmantel liebend über uns breiten. Der hl. Josef nährte und schützte nicht nur die Hl. Familie, son­dern er liebt und segnet uns alle und möchte uns einmal gut hinübergeleiten zum ewigen Heil.

Eine tägliche Gebetsempfehlung (auch nach der Novene):

„O hl. Josef, Nährvater Jesu Christi und Bräutigam der jungfräulichen Got­tesmutter Maria, bitte für uns und für die Sterbenden dieses Tages (oder: dieser Nacht)“.

 

30-tägige Andacht zu Ehren
des hl. Josef

+ Im Namen des Vaters + und des Sohnes + und des Heiligen Geistes. Amen.

Jesus, Maria und Josef, erleuchtet uns, helfet uns, rettet uns. Amen.

Ehre sei dem Vater…

(dreimal, zum Dank an die heiligste Dreifaltig­keit für die Erhebung des hl. Josef zu seiner außer­ordentlich hohen Stellung).

Aufopferung

Siehe, in demütiger Ergebung bin ich hier vor dir, o hl. Josef. In großer Verehrung für dich wei­he ich dir diese Schutzmantelandacht und bitte den ganzen himmlischen Hof, mich dabei zu begleiten. Gleichzeitig möchte ich mir vornehmen, in der Ver­ehrung zu dir zu wachsen und diese auch anderen gegenüber zu fördern.

Hilf mir, hl. Josef, daß ich mein Leben lang dir in frommer Gesinnung und in der Liebe treu bleibe. Hilf mir dann besonders in der Todesstunde, so wie dir Maria, und Jesus bei deinem Hinscheiden beistanden, damit ich dich einmal in der himmlischen Freude ewig ehren kann. Amen.

O glorwürdiger hl. Josef, in frommer Ergebung und mit freudigem Herzen lege ich diesen kostba­ren Gebetsschatz zu deinen Füßen und denke an die zahlreichen Tugenden, die deine heilige Person schmückten.

Auch bei dir ging der Traum des ägyptischen Jo­sef, deines Vorgängers, in Erfüllung. Du warst nicht nur mit den herrlichen Strahlen der göttlichen Son­ne umgeben, sondern auch vom sanften Licht des mystischen Mondes, Maria.

Jakob begab sich auf den Weg nach Ägypten, um seinem Sohn Josef, der auf dem königlichen Thron saß, zu gratulieren. Seinem Beispiel folgten alle seine Söhne. Unbeschreiblich schöner war aber das Beispiel von Jesus und Maria, die dich mit ihrer Hochschätzung und Treue umgaben. Dies spornt mich an, dir mutig auch diese Schutzmantelandacht darzubringen, um durch dich Gottes Wohlgefallen zu erfahren.

Wie der ägyptische Josef seine schuldigen Brü­der nicht fortstieß, sondern sie voller Liebe auf­nahm, beschützte und vor Hunger und Tod rette­te, so wirst auch du, o hl. Josef, mich mit meiner Bitte nicht abweisen. Erwirke mir ferner die Gnade, daß Gott mich auf deine Fürsprache hin nie verläßt in diesem Tale der Tränen und mich immer zu jenen zählt, die im Leben und im Sterben unter dem Schutz deines Mantels geborgen sind.

Gebete

Ich begrüße dich, o hl. Josef, als Verwalter der un­vergleichlichen Schätze des Himmels und der Erde und als Nährvater dessen, der alle Geschöpfe des Universums nährt. Nach Maria bist du der Heilige, der am würdigsten ist, von uns geliebt und geehrt zu werden. Unter allen Heiligen bist du es, der die große Ehre hatte, den Messias zu erziehen, zu füh­ren, zu ernähren und zu umarmen; ihn, den so viele Propheten und Könige zu sehen sich sehnten. Hei­liger Josef, rette meine Seele und erwirke mir vom barmherzigen Gott die Gnade, um die ich demütig bitte. (…)

Bewirke auch für die Armen Seelen Linderung in ihrem Leid. Amen. Ehre … (3x)

O hl. Josef, weltweit bist du als Patron und Schutzherr der hl. Kirche bestimmt. Im Kreise aller Heiligen rufe ich zu dir, dem stärksten Beschützer der Schwachen und Hilfsbedürftigen, und möchte tausendmal deine Herzensmilde rühmen, die stets und in jeder Not zur Hilfe bereit ist.

Zu dir, o hl. Josef, wenden sich Witwen und Wai­sen, Verlassene, Betrübte und Bedürftige aller Art. Es gibt keinen Schmerz, keinen Kummer und keine Not, an denen du vorbeigegangen wärest. Gewähre darum auch mir jene Hilfsmittel, die Gott selber in deine Hände gelegt hat, damit ich die erbetene Gnade erhalte.

Und ihr, alle Seelen im Fegfeuer, fleht zum hl. Jo­sef für mich. Amen. Ehre…(3x)

Unzählige Menschen haben schon vor mir ge­betet und von dir Hilfe erfahren. 0 liebreicher hl. Josef, du kennst meine Nöte und mein Verlangen, davon befreit zu werden. Kein Mensch, auch der beste, könnte mein Problem verstehen und mir wirklich helfen. Mit großem Vertrauen nehme ich Zuflucht zu dir. In den Schriften der großen hl. The­resia heißt es ja: „Jede Gnade, die man vom hl. Josef erbittet, wird sicher gewährt.“

O Josef, du Tröster der Betrübten, komm mir zu Hilfe in meiner Bedrängnis und leite mein Beten auch zu den Armen Seelen, damit sie bald zur Freu­de und Seligkeit gelangen. Amen. Ehre…(3x)

O du erhabener Heiliger, durch deinen vollkomme­nen Gehorsam gegen Gott habe Erbarmen mit mir.

Durch dein heiliges und verdienstvolles Leben höre auf mein Flehen.

Durch deinen geliebtesten Namen hilf mir. Durch die Milde und Macht deines Herzens schütze mich.

Durch deine hl. Tränen stärke mich.

Durch deine sieben Schmerzen erbarme dich meiner.

Durch deine sieben Freuden tröste mein Herz.

Von allem Bösen des Leibes und der Seele befreie mich.

Aus aller Not und jedem Elend reiße mich her­aus.

Erbitte mir gnädigst das eine Notwendige, die Gnade Gottes.

Erwirke für die Verstorbenen im Fegfeuer die schnelle Erlösung aus ihren Qualen. Amen. Ehre… (3x)

O glorreicher hl. Josef, die Gnadenerweise, die du für die armen Betrübten erbittest, sind unzähl­bar. Kranke jeder Art, Bedrückte, Verleumdete, Ver­ratene, Trostlose, Hungernde und Hilfsbedürftige kommen mit ihren Anliegen zu dir und finden Er­hörung ihrer Bitten.

Bitte laß nicht zu, o liebster hl. Josef, daß ich un­ter all diesen die einzige Person wäre, die mit ihrer Bitte nicht erhört würde. Erzeige du auch mir deine gnädige und mächtige Hilfe. Dafür werde ich mich dankbar erweisen und dich immer verehren, o glor­reicher hl. Josef, du mein Beschützer und du Befrei­er der Armen Seelen im Fegfeuer. Amen. Ehre…(3x)

O ewiger Gott und Vater im Himmel, durch die Verdienste Deines Sohnes Jesus und seiner heilig­sten Mutter Maria flehe ich um die Gewährung einer besonderen Gnade. Im Namen Jesu und Mariens werfe ich mich nieder vor Dir und bete Dich an in Deiner wunderbaren Gegenwart. Bitte, nimm doch meine Bereitschaft an und meinen festen Ent­schluß, beharrlich unter jenen zu bleiben, die unter dem Schutz des Pflegevaters der hl. Familie leben wollen und durch ihn zu Dir flehen. Segne diese hl. Andacht in Deiner Güte und erhöre meine Bitte. Amen. Ehre…(3x)

Heiliger Josef, verteidige die hl. Kirche vor aller Widerwärtigkeit und breite deinen Schutzmantel aus über uns alle.

Vertrauensvolle Flehrufe im Gedenken an
das verborgene Leben des hl. Josef
mit Jesus und Maria

Heiliger Josef, bitte du Jesus, er möge meine Seele heiligen.

Heiliger Josef, bitte du Jesus, er möge mein Herz mit Liebe entflammen.

Heiliger Josef, bitte du Jesus, er möge meinen Ver­stand erleuchten.

Heiliger Josef, bitte du Jesus, er möge meinen Wil­len stärken.

Heiliger Josef, bitte du Jesus, er möge meine Gedan­ken reinigen.

Heiliger Josef, bitte du Jesus, er möge meine Gefüh­le lenken.

Heiliger Josef, bitte du Jesus, er möge meine Wün­sche leiten.

Heiliger Josef, bitte du Jesus, er möge meine Werke segnen.

Hl. Josef, erflehe mir von Jesus die Gnade, deine Tu­genden nachzuahmen.

Hl. Josef, erflehe mir von Jesus die Gnade eines de­mütigen Herzens und Geistes.

Hl. Josef, erflehe mir von Jesus die Gnade der Milde und Herzensgüte.

Hl. Josef, erflehe mir von Jesus die Gnade des Frie­dens in meinem Herzen.

Hl. Josef, erflehe mir von Jesus die Gnade der Fröm­migkeit und Furcht Gottes.

Hl. Josef, erflehe mir von Jesus die Gnade des Stre­bens nach Vollkommenheit.

Hl. Josef, erflehe mir von Jesus die Gnade der Rein­heit des Herzens.

Hl. Josef, erflehe mir von Jesus die Gnade der Ge­duld in Prüfung und Leid.

Hl. Josef, erflehe mir von Jesus die Gnade der Sanft­mut im Charakter.

Hl. Josef, erflehe mir von Jesus die Gnade der Er­kenntnis der ewigen Wahrheiten.

Hl. Josef, erflehe mir von Jesus die Gnade der Un­terscheidung der Geister.

Hl. Josef, erflehe mir von Jesus die Gnade der Aus­dauer im Gutes-Tun.

Hl. Josef, erflehe mir von Jesus die Gnade der Tap­ferkeit im Kreuztragen.

Hl. Josef, erflehe mir von Jesus die Gnade der Loslö­sung von weltlichen Anhänglichkeiten.

Hl. Josef, erflehe mir von Jesus die Gnade der Sehn­sucht nach dem Himmel.

Hl. Josef, erflehe mir von Jesus die Gnade der Kraft, die Gelegenheit zur Sünde zu meiden.

Hl. Josef, erflehe mir von Jesus die Gnade des Willens zum treuen Durchhalten bis ans Ende.

Hl. Josef, erflehe mir von Jesus die Gnade einer guten Sterbestunde.

Hl. Josef, laß mich dir nie ferne stehen.

Hl. Josef, hilf mir, daß mein Herz nie müde wird, dich zu lieben und zu loben.

Hl. Josef, nimm mich an als dein Pflegekind.

Hl. Josef, hilf mir, Jesus so zu lieben, wie du ihn ge­liebt hast.

Hl. Josef, verlaß mich nie, besonders nicht in der Todesstunde.

Jesus, Maria und Josef, ich weihe Euch mein Herz und meine Seele.

Jesus, Maria und Josef, erleuchtet mich, helft mir, rettet mich. Amen. Ehre…(3x)

Anrufungen zum hl. Josef

Gedenke, o allerreinster Bräutigam der Gottes­mutter Maria und mein liebster Schutzherr, hl. Jo­sef: Noch nie hat man gehört, daß jemand, der zu dir um Schutz und Hilfe flehte, von dir nicht erhört und getröstet worden ist. Mit diesem Wissen und Vertrauen komme auch ich zu dir, hl. Josef, höre auf mein Flehen und erhöre meine Bitte. Amen.

Glorreicher hl. Josef, du Bräutigam Mariens und jungfräulicher Vater Jesu, gedenke meiner und wache über mich. Lehre mich, auf dem Weg zur Heiligkeit voranzuschreiten. Nimm alle meine dringenden Bitten in deine fromme Sorge und in deine väterliche Hut. Entferne alle Hindernisse und Schwierigkeiten, die meinem Beten entgegenstehen und laß die Erhörung meiner Bitte zur größeren Ehre Gottes und zum Heil meiner Seele werden.

Als Zeichen meiner großen Dankbarkeit soll dir mein Versprechen dienen, deine Verehrung überall nach Möglichkeit zu fördern. Mit Freude lobe ich Gott, der dir so viel Mittlermacht gegeben hat im Himmel und auf Erden. Amen.

Litanei zum hl. Josef

  • Herr, erbarme Dich unser
  • Christus, erbarme Dich unser
  • Herr, erbarme Dich unser
  • Christus höre uns, Christus erhöre uns
  • Gott Vater im Himmel,                  erbarme Dich unser
  • Gott Sohn, Erlöser der Welt
  • Gott, Heiliger Geist
  • Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott
  • Heilige Maria                             bitte für uns
  • Heiliger Josef
  • Du ruhmreicher Sproß Davids
  • Du Licht der Patriarchen
  • Du Bräutigam der Gottesmutter
  • Du reinster Beschützer der hl. Jungfrau
  • Du Nährvater des Sohnes Gottes
  • Du eifriger Verteidiger Christi
  • Du Haupt der Hl. Familie
  • Josef, ausgezeichnet durch Gerechtigkeit
  • Josef, leuchtend in heiliger Reinheit
  • Josef, du Muster der Klugheit
  • Josef, du Mann voll Starkmut
  • Josef, du Beispiel des Gehorsams
  • Josef, du Vorbild der Treue
  • Du Spiegel der Geduld
  • Du Liebhaber der hl. Armut
  • Du Vorbild der Arbeiter
  • Du Zierde des häuslichen Lebens
  • Du Beschützer der Jungfrauen
  • Du Stütze der Familien
  • Du Trost der Leidenden
  • Du Hoffnung der Kranken
  • Du Patron der Sterbenden
  • Du Schrecken der bösen Geister
  • Du Schutzherr der heiligen Kirche
  • Lamm Gottes, das Du hinwegnimmst die Sünde der Welt, verschone uns, o Herr!
  • Lamm Gottes, …  erhöre uns, o Herr!
  • Lamm Gottes, …  erbarme Dich unser!

V: Er machte ihn zum Herrn seines Hauses.

A: Und zum Verwalter seines ganzen Besitzes. Lasset uns beten:

O Gott, Du hast Dich gewürdigt, in unendlicher Fürsorge den hl. Josef zum Bräutigam Deiner hei­ligsten Mutter zu erwählen. Verleihe uns gnädig, daß wir ihn, den wir auf Erden als Beschützer ver­ehren, als Fürbitter im Himmel zu haben verdienen. Der Du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewig­keit. Amen.

Abschluß des hl. Mantels

O du glorreicher hl. Josef, Gott hat dich als Haupt und Beschützer der heiligsten aller Familien er­wählt; sei vom Himmel aus auch mein mächtiger Beschützer. Ich bitte dich inständig, behalte mich immer im Schutze deines hl. Mantels.

Ich erwähle dich heute als Vater, Fürbitter, Be­gleiter und Beschützer. Ich empfehle dir alles: mei­nen Leib und meine Seele; alles, was ich bin und habe, mein ganzes Leben und auch mein Sterben.

Bewahre mich als dein Kind und verteidige mich gegen sichtbare und unsichtbare Feinde. Stehe mir bei in jeder Not. Tröste mich in bitteren Stunden und besonders im Todeskampfe. Sprich nur ein Wort für mich zum liebenswürdigen Erlöser, den du als Kind auf deinen Armen tragen durftest, und zur allerse­ligsten Jungfrau Maria, deren geliebter Bräutigam du sein durftest. Erwirke mir jene Gnaden, die mich zum ewigen Heile führen. Ich will deinem Rat und Beispiel folgen und dir immerfort dankbar sein.

Heiliger Josef, keusch und rein, laß dein Pflegekind mich sein.

Halt mich rein an Seel‘ und Leib, daß in Gottes Gnad‘ ich bleib‘.

Heiliger Josef, Pflegevater, Bräutigam der Jungfrau rein, sei mir Führer und Berater, hilf mir, Gott getreu zu sein.

Amen.

Vater unser…
Gegrüßet seist Du Maria…
Ehre sei…

+ Im Namen des Vaters + und des Sohnes + und des Heiligen Geistes. Amen.

Gelobt sei Jesus Christus.
In Ewigkeit. Amen.


Zu dir, o heiliger Joseph, fliehen wir in unserer Not. Nachdem wir deine hei­ligste Braut um Hilfe angefleht haben, bitten wir auch voll Vertrauen um deinen Schutz. Um der Lie­be willen, welche dich mit der unbefleckten Jungfrau und Gottesgebärerin verband, und um der väterli­chen Liebe willen, mit der du das Jesuskind umarmt hast, bitten wir dich flehentlich, du wollest das Erbe, welches Jesus Christus mit seinem kostbaren Blu­te erkauft hat, gnädig ansehen und in unserer Not mit deiner Macht zu Hilfe kommen. O fürsorglicher Beschützer der Heiligen Familie, wache über die auserwählte Nachkommenschaft Jesu Christi, halte fern von uns, o geliebter Vater, jede Ansteckung des Irrtums und der Verderbnis. Stehe uns vom Him­mel aus gnädig bei, o unser starker Beschützer im Kampf mit den Mächten der Finsternis, und wie du ehedem das Jesukind aus der höchsten Lebensgefahr errettet hast, so verteidige jetzt die heilige Kirche Gottes gegen alle Nachstellungen der Feinde und nimm uns alle unter deinen beständigen Schutz, da­mit wir nach deinem Beispiele und mit deiner Hilfe heilig leben, selig sterben und im Himmel die ewige Seligkeit erlangen mögen. Amen.

Jesus, Maria und Josef,
erleuchtet uns, helfet uns,
rettet uns.
Amen.

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Quelle: Broschüre „30-tägige Andacht zu Ehren des hl. Josef“, LINS-Verlag, A-6800 Feldkirch

 

Papst beim Kreuzweg: „Niemals sich des Kreuzes Jesu schämen“

Kreuzweg mit Papst Franziskus

Es ist einer der stimmungsvollen Momente der Osterfeierlichkeiten in Rom: Der traditionelle Kreuzweg mit dem Papst. Im Schein tausender Kerzen und Fackeln betete Franziskus am Freitagabend am römischen Kolosseum die Kreuzwegandacht in 14 Stationen am antiken Amphitheater der Ewigen Stadt. Tausende von Pilgern aus aller Welt nahmen teil, Passanten und Touristen gesellten sich hinzu.

Schande und Hoffnung: Der Papst sprach wie gewohnt zum Abschluss ein längeres Gebet, das vor allem um diese beiden Worte kreiste.„Christus, einziger Erlöser, wir wenden uns in diesem Jahr dir zu mit niedergeschlagenen Augen, voller Scham aber mit dem Herzen voll Hoffnung“, betete der Papst. „Schande der vielen Bilder der Zerstörung wegen, die in unserem Leben so normal geworden sind. Schande wegen all des unschuldigen Blutes, das tagtäglich vergossen wird, das Blut von Frauen, Kindern, Migranten und von Menschen, die wegen ihrer Hautfarbe, wegen ihrer ethnischen oder sozialen Zugehörigkeit oder wegen ihres Glaubens an dich verfolgt werden.“ Der Papst zählte viele weitere Weisen auf, in denen „wir wie Judas und Petrus dich verraten und verkauft haben.“

Schweigen vor der Ungerechtigkeit, der Gleichgültigkeit, des fehlenden Einsatzes für andere, der Angst. Aber ausdrücklich beklagte der Papst auch die Schande, wenn Bischöfe, Priester und Ordensleute den Leib Christi verletzt haben, der die Kirche ist.Die Herzen seien neben all der Schande aber auch voller vertrauensvoller Hoffnung, griff der Papst in seinem Gebet den zweiten Begriff auf, Hoffnung, „dass du uns nicht behandelst, wie wir es verdienen, sondern nach der Fülle deiner Barmherzigkeit.“ Gottes mütterliches und väterliches Herz vergesse den Menschen nie, so der Papst. Auch an Hoffnungen zählte er viele in seinem Beten auf.

Zum Abschluss hielt der Papst kurz Fürbitte: Dass Jesus Christus die Opfer von Gewalt, Gleichgültigkeit und Krieg nicht vergesse, dass er die Fesseln des Egoismus zerschneide, dass er Sünde und Schuld vergebe. „Christus, wir bitten dich uns zu lehren, uns niemals deines Kreuzes zu schämen, es nicht zu instrumentalisieren, sondern es zu ehren und anzubeten, denn durch dieses Kreuz zeigst du uns die Größe unserer Sünden, die Weite deiner Liebe, die Ungerechtigkeit unserer Urteile und die Macht deiner Barmherzigkeit. Amen“

Während der Feier trugen Gläubige aus Ägypten, Portugal und Kolumbien ein schlichtes Holzkreuz aus dem Innern des Kolosseum hinauf auf den Palatin-Hügel.

Die Kreuzweg-Meditationen unter dem Titel „Die Liebe Gottes erreicht im Kreuz ihr volles Maß“ stammen in diesem Jahr aus weiblicher Feder. Sie wurden von der französischen Theologin und Ratzinger-Preisträgerin Anne-Marie Pelletier verfasst, die darin das Leid der heutigen Flüchtlinge und Kriegsopfer, aber auch der aufgrund von Religion oder ethnischer Zugehörigkeit Verfolgten hervorhob.

Weiträumig war das Gelände am Ort der „Via Crucis“ rund um das Kolosseum bereits am Morgen abgesperrt worden. Die Zugänge wurden nach Öffnung am späten Nachmittag streng bewacht.

(rv/kap 14.04.2017 ord/ap)

521 Kilometer mit Jesus: Ein Bericht vom längsten Kreuzweg der Welt

Zum zwanzigsten Mal fand vom 5. bis 10. April der längste Kreuzweg der Welt statt, bei dem rund 200 Gläubige mit dem Fahrrad und dem Auto die Diözese Formosa im Norden Argentiniens durchquerten.

Der Kreuzweg dieser Diözese stand in diesem Jahr unter dem Motto „Durch den Weg des Kreuzes sollen wir Friedensstifter sein“. Er führte von Ost nach West auf einem 512 Kilometer langen Weg entlang der Bundesstraße 81, die an der Grenze zu Paraguay verläuft.

Dieser Kreuzweg wurde 1997 vom ersten Bischof Formosas, Monsignore Marcelo Scozzina, ins Leben gerufen und besteht darin, das Gebiet der Diözese zu durchqueren und dabei an vierzehn Stationen Halt zu machen, die mit einem Kreuz gekennzeichnet sind. Jede Station soll an die Geschichte Formosas erinnern, eine „Geschichte von Schmerz und Blut“, wie Pater Marcelo Arauja, der zum Organisationsteam gehört, CNA erklärte.

„Aber wir sehen diese Geschichte mit neuen Augen, wir bleiben nicht an der schmerzhaften Vergangenheit hängen, sondern ändern unsere Mentalität und wollen Konstrukteure einer neuen Gesellschaft sein. Daher ist das Motto, das Monsignore Scozzina vorgeschlagen hatte ´Durch das Kreuz zum Licht´ – dieses Motto wird dann jedes Jahr mit einem weiteren Satz ergänzt“.

Die Intentionen, die die Gemeinschaft der Gläubigen mitnimmt, reichen von den sozialen Konflikten in anderen Ländern bis hin zu den Problemen vor Ort, die sich aus den jüngsten Überschwemmungen in Argentinien ergeben und hin zur Bitte, dass „die Einheimischen aus der Spirale der Gewalt herauskommen, um Friedensstifter zu sein.“

Am 5. April versammelte sich eine Karawane aus 100 Pilgern mit dem Fahrrad auf der Plaza San Martín in Formosa, während es zwei Tage später mit 15 Autos weiterging.

Von Formosa führte der Weg entlang klangvoller Namen als Stationen des Kreuzwegs: Zuerst nach San Hilario, dann nach Gran Guardia, Pirané, Palo Santo, Bartolomé de las Casas, Ibarreta, Pozo del Tigre, Las Lomitas, Juan G. Bazán, Laguna Yema, Los Chiriguanos, Ingeniero Juárez y Línea Barilari.

Unterwegs wurde über die Worte Jesu auf dem Kreuzweg meditiert und für die Geschichte Formosas gebetet, die Schmerz und Opfer kennt. So wurde der Arbeiter gedacht, die das Volk groß gemacht hatten, der Eingeborenen, der Soldaten, Missionare, Ordensleute und all derer, die zum Aufbau der Region beigetragen hatten.

Auf dem Rückweg machten die Pilger in der Ortschaft Pozo del Tigre in der Gegend von Campo Alegre Halt, wo die sterblichen Überreste von Monsignore Scozzina, dem ersten Bischof Formosas und Initiator des Kreuzweges, beigesetzt sind.

Pater Araujo, Pfarrer der Pfarrei Unsere Liebe Frau der Barmherzigkeit in Lomitas, betonte, dass Monsignore Scozzina sich bemüht hatte, „im Volk das geistliche Leben zu säen.“

„Sein großes geistliches Erbe sind der Kreuzweg und die Verehrung Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel, der Patronin Formosas, deren Bild an jedem der Eingänge zur Stadt steht. Das Kreuz und die Gottesmutter begleiten und beschützen das Leben und den Glauben auf unserem Weg hin zum ewigen Osterfest, der Begegnung mit dem Herrn“, sagte er zum Abschluss.

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Quelle

Aufbruch in Augsburg – Raus aus den alten Strukturen!

„Ich wurde selbst gestärkt und ermutigt durch die Tage in Augsburg.“

Gastkommentar über die #MEHR-Konferenz des Gebetshauses Augsburg

von Gabriele Kuby

Augsburg-München (kath.net) Seit zehn Jahren wird gebetet im Augsburger Gebetshaus an 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden täglich. Bei Gott fängt alles klein an – ein kleines Häuflein junger Leute, die alles auf Gott gesetzt und einfach nur gebetet haben, hauptberuflich! Wagnisse für Gott mit reinem Herzen und großer Vision segnet Gott. Zehn Jahre später füllen 10.000 junge Leute die Kongresshalle von Augsburg, loben und preisen Gott und hören von Donnerstagnachmittag bis Sonntagmittag zehn „Teachings“, wie man zu einem Jünger Jesu wird. Sieben davon hält Johannes Hartl, 38 Jahre alt, verheiratet, vier Kinder, promovierter Theologe. Schmal, wie er ist, mit kurz geschorenen Haaren, gestyltem Outfit, bunten Schnürsenkeln in den Turnschuhen und einer Sprache, die sich von hochdeutschen Gepflogenheiten nicht begrenzen lässt, gelingt es ihm, die zehntausend Menschen zu fesseln, sozusagen auf Duzfuß mit ihnen zu kommen. Johannes Hartl brennt für Gott und er entzündet für Gott.

Die Menschen sind durstig wie dürres lechzendes Land ohne Wasser, oft ohne zu wissen, wonach sie eigentlich dürsten. Dieser Durst wird kaum mehr gestillt in unseren Gemeinden, wo die ganze Botschaft unseres liebenden Gottes nur noch selten verkündet wird. Man müsse den Menschen entgegenkommen, ist die stereotype Rechtfertigung; aber dieses Entgegenkommen löscht das Feuer, das Jesus auf die Erde werfen will, durch Anpassung an den Zeitgeist. Etwa eine halbe Million Menschen pro Jahr finden das unerquicklich und verlassen die Kirchen. Kein Erschrecken, keine Umkehr, kein Aufbruch, statt dessen Verwalten der Existenzkrise.

Auch hier in Augsburg kommt man der jungen Generation entgegen mit poppiger, rockiger Lobpreismusik. Schon immer musste das Evangelium inkulturiert werden. Die Leute da abholen, wo sie sind. Wenn wir sie abholen, wo sie nicht sind, funktioniert es nicht. Seit Woodstock sind die Leute daran gewöhnt, ihren Körper rhythmisch unter Strom zu setzen und zwar laut, sehr laut. Dann fühlen sie sich lebendig. Gregorianische Musik würde einer Generation, die so geprägt ist, tot erscheinen. Also geht hier die Post ab mit Rock und Pop und Lightshow zum Lobpreis des Herrn.

Abholen heißt, ich gehe da hin, wo du bist, um dich auf einen Weg mitzunehmen. Abholen heißt nicht, ich komme zu dir ins Gefängnis und bleibe da. Wer abholt zu Gott, muss eine lebendige Beziehung zu Gott haben, er tritt in den Riss zwischen Gott und seinen geliebten Kindern, die kaum mehr etwas von ihm wissen. In den Teachings spricht Hartl biblischen Klartext. Er, dem das Bistum gerade bestätigt hat, dass er katholisch ist, hat Katholiken, Protestanten, Evangelikale vor sich. Ut unum sint ist ihm ein zentrales Anliegen, denn es war Jesu letzte Bitte an den Vater: „Sie sollen eins sein, wie wir eins sind, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinigen ebenso geliebt hast wie mich“ (Joh 17,22-23). Hartl will keine Universalkirche. Am Freitag gibt es eine katholische Messe mit dem päpstlichen Hofprediger Raniero Cantalamessa, der auch einen Vortrag über Heiligkeit durch die Gnade Jesu hält: Be holy to be happy, ist seine Botschaft. Am Samstag wird Abendmahl gefeiert, am Sonntag, dem Fest der Taufe Jesu, heilige Messe mit Weihbischof Wörner. Alle Sprecher wollen, dass wir unseren Glauben leben und offen sind für das Wirken des Heiligen Geistes, der allein die dogmatischen Gegensätze überwinden kann.

Allen Christen gemeinsam ist das Wort Gottes. „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Mt 24,35). Darauf baut Hartl, wenn er über Vaterschaft redet und uns auffordert, den Status des Waisenkindes endlich zu überwinden, das nie genug kriegt, weil nie genug da war, und deswegen Ersatzstrategien der Selbstversorgung entwickelt, deren Kern die innere Leere ist. Nein, wir sind reich, wir haben einen Vater, „dem alle Ölquellen der Welt gehören“, der den Überfluss liebt und Feste mit uns feiert. Sechshundert Liter Wein beschert Jesus einer Hochzeitsgesellschaft, der der Wein ausgegangen ist; dem verlorenen Sohn eilt der Vater entgegen, kleidet ihn neu ein, erneuert den Bund mit einem Ring, zieht ihm Schuhe an, damit er laufen kann, und schlachtet das Mastkalb für ein Fest mit Musik und Tanz.

Die Selbsterkenntnis und innere Arbeit, die nötig sind, um den Waisenkindstatus abzulegen, Sohn zu werden und als Sohn Verantwortung zu übernehmen und Vater zu werden oder Mutter, ist für jeden Christen dieselbe, in welcher der christlichen Kirchen er seinen Weg auch gefunden haben mag. Hartl stört sich nicht daran, dass in der Bibel oft nur von Söhnen und nicht von Töchtern die Rede ist. Er müsse schließlich auch damit zurechtkommen, dass er als Mann Braut Christi sei.

„Lieben heißt, den anderen stehen lassen.“ Wer das als Absage an die Mission hört, hat den Satz missverstanden. Wieviel von unserem Eifern für die eigene Dogmatik hat seine Wurzeln in einem Sicherheitsbedürfnis, das danach verlangt, von den Mitmenschen bestätigt zu werden? Möge die Wahrheit leuchten, weil sie getan wird (Joh 3,31), und selbst der Magnet sein, der andere anzieht.

Ein gewaltiger Magnet ist in Vorbereitung in Augsburg: Mission Campus – „ein Ort der Hoffnung“. Die Baupläne liegen fertig auf dem Tisch für ein Trainingszentrum für Tausende. Sie sollen zuerst und vor allem beten lernen, denn dann kann Gott wirken – das ist für die Gebetshaus-Crew die überwältigende Erfahrung. Sie glaubt, „dass es Zeit ist für einen geistlichen Klimawandel in Europa“. Für dieses Projekt wird zu Spenden aufgerufen, Spenden, die ein echtes Opfer sind, nämlich mindestens 1000 Euro. Hier sind Söhne am Werk, keine Waisenkinder.

Hartl spricht über den „Duft der Hoffnung“ – nicht zu glauben, wie viel in der Bibel über Duft zu finden ist. Maria gießt es in verschwenderischer Fülle über Jesus aus, Judas, „der ein Dieb war“, nimmt daran Anstoß. Wir sollen Jesus nicht kleinlich lieben, kleinlich mit unserer Gebetszeit, kleinlich mit unserem Ja zu Gott, das nur in großherziger Hingabe zu einem Baum werden kann, in dem die Vögel nisten. Europe shall be saved, skandiert der Saal. Europa soll gerettet werden und es wird gerettet werden.

Die Hoffnung setzt Kraft frei, Kraft ein Held zu sein. In seinem letzten Vortrag „Erwecke den Helden“ ruft Hartl zum Kampf auf – kein Kampf gegen Menschen, kein Kampf für die Ersatzbefriedigungen von Waisenkindern, sondern Kampf der Söhne und Töchter Gottes für den Herrn. Die Essenz des Helden besteht darin, dass er wagt, den status quo zu durchbrechen, dann kommen die anderen nach. Die Bibel ist voll von Heldengeschichten, z. B. der von Ester, die mit einer Heldentat ihr Volk rettet: „Wenn ich umkomme, dann komme ich eben um (Est 4,16).“

Ich selbst wurde gestärkt und ermutigt durch die Tage in Augsburg, ermutigt zu „siegreichem Glauben“, der immer auf der eigenen Umkehr beruht. Die Bereitschaft zur Umkehr ist das, was Einheit stiftet und uns öffnet für die fortschreitende Erkenntnis der ganzen Wahrheit. Überall auf der Welt beruft Jesus heute, in der Bedrängnis unserer Zeit, Menschen zu seinen Jüngern, er stellt keine dogmatischen Vorbedingungen. Sie erkennen sich am Duft der Nachfolge und sie wollen die rettende Botschaft Jesu in die Welt bringen.

Es war laut in Augsburg. Wunderbar wäre es, wenn auch akustisch und visuell ein Weg beschritten würde, der zehntausend Menschen immer einmal wieder in die Stille führt – in die stille Anbetung, über die Raniero Cantalamessa in seiner Predigt gesprochen hat. Mein stärkster Eindruck auf dem Weltjugendtag in Rom im Jahr 2000 war die Erfahrung der Gegenwart Gottes, als ein Mönch mit der Monstranz in der Hand das Stadion abschritt – in völliger Stille. Eine solche Erfahrung überschreitet dogmatische Differenzen und eint. Auch die Augen können Ruhe finden, wenn ihnen Gelegenheit gegeben wird, auf große christliche Kunst zu blicken, etwa den Altarraum einer romanischen Kathedrale. Vielleicht könnte dann sogar ein gregorianischer Choral heilige Resonanz in den Herzen erzeugen.

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Quelle

Die 20 Geheimnisse von Fatima

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Die Muttergottes mit dem Rosenkranz: Gemälde des spanischen Barockmalers Bartolomé Esteban Murillo (Ausschnitt). Foto: Gemeinfrei

Kann es Göttlicheres und Schöneres geben als mit den Engeln zu beten?

Vom ersten, zweiten und dritten Geheimnis von Fatima hat fast jeder Katholik schon gehört; auch viele Nichtkatholiken. Doch in Wahrheit ging es Maria 1917 nicht um drei Geheimnisse, die sie den Seherkindern enthüllte.

Vielmehr ging es Maria um die fünfzehn Geheimnisse des Rosenkranzes, denen der heilige Johannes Paul im Jahr 2002 noch fünf weitere hinzufügte. Dazu zeigte die selige Jungfrau im Ersten Weltkrieg im fernen Portugal den Hirtenkindern Lucia, Jacinta und Francisco die Hölle, kündigte den Zweiten Weltkrieg an und prophezeite das Martyrium des „weißen Papstes“.

Wirksame Waffe gegen all diese Schrecken sei aber der Rosenkranz, denen sie damals noch den Barmherzigkeitszusatz nach jedem Geheimnis höchstpersönlich und selbst hinzugefügt hat: „O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden! Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle! Führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen!“ Diese Worte sollten fortan jedem Geheimnis des Rosenkranzes am Schluss noch hinzugefügt werden; so geschieht es seitdem. Das müssen wir uns also vor Augen halten. Der Rosenkranz ist nicht nur das katholischste aller Gebete und das Lieblingsgebet der Gottesmutter. Es ist auch ein Gebet, das immer wieder um das gesamte Glaubensbekenntnis der Christenheit kreist, und ein Gebet, dass Maria selbst mit ausformuliert hat.

Andere Autoren dieses Wundergebets sind der Erzengel Gabriel in seinem Gruß an Maria, ihre schwangere „Base Elisabeth“ mit ihrem Gruß in Ein Karem, als der „Heilige Geist“ sie berührte, wie Lukas schreibt, oder die Versammlung aller Bischöfe des Konzils von Ephesus, wo die Kirche im Jahr 431 festhielt, dass Maria wahrhaftig die Mutter Gottes sei. Dass Marias Sohn also ganz und gar Mensch, aber auch ganz und gar Gott war. Ein letzter entscheidender Satz des Rosenkranzes stammt schließlich noch von  einem einzelnen heiligen Bischof, von Papst Pius V., der dem Ave Maria  im Jahr 1568 seinen genialen Schluss eingefügt hat: „Heilige Maria, bitte für uns Sünder, jetzt, und in der Stunde unseres Todes, Amen!“

„Der Ursprung des Rosenkranzes weist mehr auf den Himmel als auf die Erde hin“, schrieb deshalb vor rund hundert Jahren Leo XIII., der ihn ein Gebet der Engel nannte, weil Engel bei der Menschwerdung zugegen waren, bei der Geburt, im Ölgarten, bei der Auferstehung und der Himmelfahrt. „Kann es Göttlicheres und Schöneres geben als mit den Engeln zu beten?“, fragte der uralte Papst danach. Eigentlich nicht. Aber auch das ist noch nicht alles. Denn im Jahr 2002 hat der Rosenkranzpapst Johannes Paul II. das Gebet ja noch ein letztes Mal verändert, als er den bis dahin fünfzehn Geheimnissen in einem neuen „lichtreichen Rosenkranz“ fünf weitere Geheimnisse hinzufügte, um „mit den Augen der Mutter auf ihren Sohn zu schauen“, wie er es nannte.

Nach dem Totalausfall der christlichen Katechese an der Universität, der Schule und den Elternhäusern der letzten Generation macht der Rosenkranz heute nichts anderes, als das christliche Zentralgeheimnis der unglaublichen Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth und seine Heilstaten, seine Passion und Auferstehung von den Toten immer neu zu umkreisen und aus verschiedenen Winkeln neu zu betrachten – wo dieser Glaube innerhalb und außerhalb der Kirche von allen Seiten von der Vernichtung bedroht wird.

Seitdem ist der Rosenkranz Schule und Universität in einem. Papst Franziskus nannte ihn im November 2013 „Medizin für das Herz“ und ermahnte uns wie ein Arzt: „Vergesst nicht, sie zu nehmen. denn sie tut gut. Sie tut dem Herzen, der Seele und dem ganzen Leben gut!“ Im Jahr 1483 zeigte Michelangelo in seinem Jüngsten Gericht in der Cappella Sistina, dass die Perlenschnur imstande ist, sogar verdammte Seelen damit aus der Unterwelt zu befreien.

Am 13. Oktober 1917 aber stellte sich die selige Jungfrau in Fatima als Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz vor, gemeinsam mit ihrem Wunsch, dass wir täglich diese Mysterien des Leben und Leidens Christi und seine Auferstehung von den Toten neu betrachten. Jedem, der an fünf aufeinander folgenden ersten Samstagen im Monat beichtet, die heilige Kommunion im Geist der Sühne empfängt, den Rosenkranz betet und seine Geheimnisse betrachtet, um Maria zu trösten, verspricht sie eine selige Sterbestunde. Unsere Mutter schenkt uns für diese süße Andacht den Himmel! Es ist das tiefste Geheimnis von Fatima! Der Rosenkranz ist eine Himmelspforte und gibt uns 2017, in der großen Krise der Kirche,  wo viele nicht mehr recht wissen, was katholisch ist, darauf die allerverlässlichste Antwort.

(Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Paul Badde und Vatican Magazin.)

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Quelle

Relativismus – neues Gesicht der Intoleranz, so Kardinal Ratzinger

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Kardinal Joseph Ratzinger, Präfekt der Glaubenskongregation, begrüßt am 30.11.2002 einen Glaubenkongress im Los Jeronimos-Kloster in Murcia.

Interview mit dem neuen Dekan des Kardinalskollegiums
über aktuelle Kirchenthemen

MURCIA, 9. Dezember 2002 (ZENIT.org).- Der Relativismus ist zum neuen Ausdruck der Intoleranz geworden, so Joseph Kardinal Ratzinger, der Präfekt der Glaubenskongregation.

Er äußerte sich spontan zu einigen der aktuell brennendsten Themen der Kirche, als er sich am 30. November mit einer Gruppe Journalisten in der spanischen Stadt Murcia traf, unter denen auch der Korrespondent von Zenit war.

Der Kardinal führte den Vorsitz über den Kongress „Christus, Weg, Wahrheit und Leben“ vom 28. November bis zum 1. Dezember an der katholischen Universität San Antonio von Murcia.

Bei diesem Interview wurde auch zum erstenmal offiziell bekanntgegeben, dass Kardinal Ratzinger nun der Dekan des Kardinalskollegiums ist.

FRAGE: Einige interpretieren nicht selten die Verkündigung Christi als einen Bruch innerhalb des Dialogs mit den anderen Religionen. Wie kann man Christus verkünden und gleichzeitig Dialog führen?

KARDINAL RATZINGER: Ich würde sagen, dass heute der Relativismus ziemlich vorherrschend ist. Wer nicht Relativist ist, scheint intolerant zu sein. Wer glaubt, er habe die wesentliche Wahrheit verstanden, wird als intolerant betrachtet. Aber eigentlich ist dieser Ausschluss der Wahrheit wirklich schwerwiegend intolerant und reduziert die wesentlichen Dinge des Lebens auf den Subjektivismus. Auf diese Weise gibt es über die wesentlichen Dinge keine gemeinsame Anschauung mehr. Jeder könnte und sollte so entscheiden wie er es vermag und so verlieren wir die ethischen Grundlagen unseres gemeinsamen Lebens.

Christus ist der ganz andere im Vergleich mit allen anderen Religionsstiftern und kann nicht auf eine Stufe mit Buddha, Sokrates oder Konfuzius gestellt werden. Er ist wirklich die Brücke zwischen Himmel und Erde, das Licht der Wahrheit, das uns erschienen ist. Das Geschenk, Jesus zu kennen, heißt aber nicht, dass es nicht auch wichtige Fragmente der Wahrheit in anderen Religionen gibt. Im Lichte Christi können wir einen fruchtbaren Dialog von einem Standpunkt aus aufnehmen, von dem wir all diese Fragmente der Wahrheit zur Vertiefung unseres eigenen Glaubens und zu einer wahren geistigen Gemeinschaft der Menschen untereinander beitragen.

FRAGE: Was würden Sie heute einem jungen Theologen sagen?
– Welche Aspekte der Christologie würden sie ihm zum Studium empfehlen?

KARDINAL RATZINGER: Es ist vor allem wichtig, die Heilige Schrift zu kennen, das lebendige Zeugnis der Evangelien, sowohl der synoptischen als auch des Johannesevangeliums, um die wahre Stimme zu vernehmen. Sodann sind die großen Konzilien sehr wichtig, vor allem das Konzil von Chalkedon und die darauffolgenden Konzilien, welche die Bedeutung der großartigen christologischen Formel erklären – wahrer Mensch und wahrer Gott. Das ganz Neue, dass er wirklich der Sohn Gottes ist und trotzdem wahrer Mensch, ist nicht nur Schein, sondern verbindet vielmehr Gott mit den Menschen. Drittens würde ich ihnen empfehlen, das Ostermysterium zu vertiefen: es gilt, das Mysterium der Passion und der Auferstehung des Herrn zu verstehen, um so zu begreifen, was Erlösung bedeutet. Das Novum, dass Gott in der Person Jesu leidet, nimmt unsere Leiden mit hinein. Er nimmt an unserem Leben teil und schafft so den Schritt zum wahren Leben in der Auferstehung. Es geht um das Problem der Befreiung des menschlichen Lebens. Das ist auch heute im Ostermysterium inbegriffen und bezieht sich einerseits auf das konkrete Leben in der Zeit, andererseits ist es in der Liturgie zugegen. Es scheint mir besonders diese Verbindung zwischen Liturgie und Leben sehr zentral zu sein, da sie beide im Ostermysterium begründet sind.

FRAGE: Was hat Kardinal Ratzinger gelernt, was der Theologe Ratzinger nicht schon wusste?

KARDINAL RATZINGER: Das Wesen meines Christusglaubens ist immer dasselbe geblieben: diesen Menschen zu kennen, welcher Gott ist, der mich kennt und der, wie der heilige Paulus sagt, sich für mich hingegeben hat. Er ist hier, um mir zu helfen und mich zu leiten, und diese Glaubenssubstanz war immer dieselbe. Im Laufe meines Lebens habe ich die Kirchenväter gelesen und die großen Theologen sowie die Theologen der Gegenwart. Als ich jung war, war in Deutschland die Theologie Bultmanns maßgeblich, also die existentialistische Theologie, später war es dann die Theologie Moltmanns, sozusagen eine vom Marxismus beeinflusste Theologie. Ich würde sagen, derzeit ist der Dialog mit den anderen Religionen der wichtigste Punkt. Es gilt zu verstehen, wie Christus einerseits der Einzige ist und wie andererseits all den anderen entspricht, die vor ihm da waren und die mit Christus im Dialog sind.

FRAGE: Was muss eine katholische Universität als Trägerin der Wahrheit Christi tun, um dem christlichen Missionsauftrag der Evangelienverkündigung gerecht zu werden?

KARDINAL RATZINGER: Wichtig ist, dass man an einer katholischen Universität nicht nur die Vorbereitung zu einer gewissen Berufsausübung beigebracht bekommt. Eine Universität ist mehr als nur eine Berufsschule, wo man Physik, Soziologie und Chemie lernt … Eine gute Berufsausbildung ist zwar sehr wichtig, aber bliebe es nur hierbei, dann wäre die Universität nichts anderes als ein Gebäude mit verschiedenen Berufsschulen. Sie muss vielmehr als Grundlage die Konstruktion einer fundierten Interpretation der menschlichen Existenz liefern. Im Lichte dieser Grundlage können wir den Raum betrachten, welchen jede Wissenschaft einnimmt, wie auch unser christlicher Glaube, der auf einem sehr hohen intellektuellen Niveau angesiedelt werden muss.

Daher muss in der katholischen Schule eine Grundlagenbildung in Glaubensfragen gegeben werden und vor allem muss ein interdisziplinärer Dialog zwischen Professoren und Studenten stattfinden, damit sie gemeinsam die Mission eines katholischen Intellektuellen in unserer Welt begreifen können.

FRAGE: Bei der heutigen Suche nach Spiritualität suchen viele Menschen ihr Heil in transzendentaler Meditation. Welcher Unterschied besteht zwischen dieser und der christlichen Meditation?

KARDINAL RATZINGER: Mit einem Wort würde ich sagen, dass das Wesen der transzendentalen Meditation darin besteht, dass der Mensch sich seines eigenen Ichs entledigt und sich mit dem universalen Wesen der Welt vereint. Daher wird er entpersonalisiert. Hingegen verliere ich in der christlichen Meditation meine eigene Persönlichkeit nicht, sondern ich trete in eine personale Beziehung mit der Person Christi; ich trete in Beziehung mit dem „Du“ Christi, und auf diese Weise kann das „Ich“ nicht verloren gehen. Es behält seine Identität und Verantwortung. Gleichzeitig öffnet es sich und tritt in eine tiefere Einheit ein, die Einheit der Liebe, die nicht zerstörerisch ist. Ich würde daher in wenigen Worten etwas vereinfachend sagen, dass die transzendentale Meditation unpersönlich und in diesem Sinne „entpersonalisierend“ ist, während die christliche Meditation „personalisierend“ ist und zu einer tieferen Einheit hin öffnet, welche aus der Liebe geboren wird und nicht aus der Auflösung des „Ich“.

FRAGE: Sie sind Präfekt der Glaubenskongregation, ehemals die Heilige Inquisition. Nun kennen ja die meisten die vatikanischen Dikasterien gar nicht und glauben, deren Aufgabe sei es nur, zu verurteilen. Worin besteht ihre Arbeit?

KARDINAL RATZINGER: Das ist schwierig, in ein paar Worten zu antworten. Wir haben zwei Hauptbereiche, einen disziplinären und einen doktrinären.

Der disziplinäre Bereich deckt die Probleme im Zusammenhang mit Priesterdelikten ab, die es leider in der Kirche gibt. Nun haben wir ja das große Problem der Päderastie, wie sie wissen. In diesem Fall müssen wir vor allem den Bischöfen helfen, eine angemessene Vorgangsweise zu finden, und daher sind wir so eine Art Berufungsgericht. Wenn sich jemand ungerecht von einem Bischof behandelt fühlt, sind wir seine Anlaufstelle.

Der andere Bereich ist eher bekannt, wo es um die Glaubenslehre geht. In diesem Sinne hat Papst Paul VI. unsere Aufgabe als eine „Förderung“ und „Verteidigung“ des Glaubens definiert. Förderung heißt beim Dialog innerhalb der Familie der Theologen auf der ganzen Welt behilflich zu sein, diesen Dialog zu verfolgen und die positiven Strömungen zu unterstützen, aber auch den weniger positiven Tendenzen behilflich zu sein, mit den positiveren Tendenzen in Einklang zu gelangen. Die andere Dimension ist die Verteidigung: im Kontext der heutigen Welt mit ihrem Relativismus und einer tiefen Opposition gegen den Glauben der Kirche vielerorts mit ihrer agnostischen, atheistischen Ideologie etc. kommt es leicht zum Verlust der Glaubensidentität. Wir müssen helfen, die authentischen „Nova“ und wahren Fortschritte von anderen Schritten zu unterscheiden, die zum Verlust der Glaubensidentität führen könnten.

Uns stehen zwei wichtige Instrumente für diese Arbeit zur Verfügung, nämlich die Internationale Theologenkommission mit 30 Theologen, die von den Bischöfen vorgeschlagen und für fünf Jahre ernannt werden. Es sind dies Diskussionsforen für Theologen, um sozusagen zu einem internationalen Verständnis zu gelangen und zwar auch der verschiedenen Theologenschulen untereinander und im Dialog mit dem Kirchlichen Lehramt.

Für uns ist die Zusammenarbeit mit den Bischöfen wesentlich. Wenn möglich sollten die Bischöfe selbst solche Probleme lösen. Doch häufig geht es dabei um Theologen mit internationalem Ruf und daher übersteigen die Probleme die Möglichkeiten der Bischöfe, so dass sie der Kongregation vorgelegt werden. Hier fördern wir den Dialog mit diesen Theologen, um, wenn möglich, zu einer friedlichen Lösung zu gelangen. Nur in ganz wenigen Fällen kommt es zu einer negativen Lösung.

[Original: Italienisch; Übersetzung: Zenit]

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Meditation mit dem Rosenkranz im Fatima-Jahr: Die lichtreichen Geheimnisse

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„Man kann sagen, dass alle Heiligen das Werk der allerseligsten Jungfrau sind und deren besondere Verehrung für sie das Kennzeichen, das sie alle gemeinsam haben“ (hl. Maximilian Kolbe) Foto: StockSnap via Pixabay

Von Monsignore Florian Kolfhaus

2017 feiern Katholiken in aller Welt den 100. Jahrestag der Erscheinungen Unserer lieben Frau in Fatima. Es ist ein „marianisches Jahr“, das uns an die Bitten der Mutter Gottes erinnert, täglich den Rosenkranz zu beten, damit endlich Frieden werde. In besonderer Weise empfiehlt sie die Verehrung ihres Unbefleckten Herzens – Sinnbild der vollkommenen Liebe – und verheißt allen, die an fünf ersten Monatssamstagen beichten (auch einige Tage vorher oder nachher), würdig die heilige Kommunion empfangen, den Rosenkranz beten und 15 Minuten über eines seiner Geheimnisse nachdenken, um so Maria zu trösten und Sühne zu leisten, den Himmel. Ein größeres Versprechen – so zu sterben, dass man das Ziel seines Lebens, die ewige Seligkeit, nicht verliert – gibt es nicht.

CNA veröffentlicht aus diesem Anlaß im Fatimajahr mit freundlicher Genehmigung von Msgr. Dr. Florian Kolfhaus seine Betrachtung zu den Rosenkranzgeheimnissen aus: „Der Rosenkranz – Theologie auf Knien“ (Dominus-Verlag, Augsburg). 

Die lichtreichen Geheimnisse

„Jesus, der von Johannes getauft worden ist“

„Man kann sagen, dass alle Heiligen das Werk der allerseligsten Jungfrau sind und deren besondere Verehrung für sie das Kennzeichen, das sie alle gemeinsam haben“ (hl. Maximilian Kolbe)

In Scharen ziehen die Menschen zum Jordan, um von Johannes die Bußtaufe zu empfangen. Zöllner und Ehebrecher, Huren und Diebe, gewalttätige Soldaten und eitle Kaufleute sammeln sich um ihn, um endlich Verzeihung ihrer Sünden zu erlangen. Unter ihnen steht einer, der vollkommen unschuldig ist, sich aber nicht scheut, „Freund der Sünder“ (Mt 11, 19) genannt und „unter die Verbrecher gezählt“ (Mk 15, 28) zu werden. Er, der keine Vergebung für sich zu erbitten braucht, findet sich in ihren Reihen, um für sie das Heil zu erlangen. Er fürchtet nicht um seinen guten Ruf und sein untadeliges Ansehen. So wie er in den Wassern des Jordan eintaucht, geht er jetzt in der Masse der Verlorenen unter. Er, der keine Sünde kannte, ist für uns zur Sünde geworden (2 Kor 5, 21).

Der letzte Prophet des alten Bundes erkennt als Einziger in der Reihe der Sünder, das Lamm, das eines Tages die Gerechten anführen wird (Offb 14, 13). Johannes sieht den, der seine Sandalen löst, um in den Fluss zu steigen, obwohl doch er sich beugen müsste, um dem Meister, der über den See schreitet, die Schuhe auszuziehen (vgl. Mt 3, 11). Der Herr kniet vor seinem Knecht. Nur weil Christus diese Taufe empfängt, wird jene, die er selbst in der Kirche spenden wird, die Kraft haben, Sünden zu vergeben. Nur weil er hinabsteigt, wird er uns hinaufführen können. Sein Untergang in den Wassern des Jordans ist Vorausbild jener blutigen Taufe, die er am Kreuz empfangen wird (vgl. Mk 10, 38). Das Lamm, das der Täufer mit zitternder Hand in den Fluss taucht, wird mit brutaler Gewalt in seinem eigenen Blut ertränkt werden. Doch da erhebt sich der Herr aus den Fluten und der Himmel öffnet sich. Er wird auferstehen, um alles Leid abzuschütteln wie die Wassertropfen des Jordan. „Das ist mein geliebter Sohn!“ Diese Stimme aus der Höhe, die die Antwort des Vater auf die Demut des Menschensohnes ist, wird jeder hören, der durch die Taufe Kind Gottes wird. „Das ist mein geliebter Sohn“ (Mt 3, 17) wie oft hat dieses Wort auch Maria gesagt? Als sie davon erfährt, dass sich ihr Kind mit Räubern und Taugenichtsen von Johannes hat taufen lassen, weiß sie, dass er schon bald beginnen wird, wozu er in diese Welt gekommen ist. Sie versteht, dass er aus dem Jordan gestiegen ist, um eine einer anderen Taufe entgegenzugehen. Noch kann sie ihn nicht begleiten. Dann aber, wenn Johannes längst ermordet ist, wird sie an seiner Seite stehen. Wenn er am Kreuz stirbt und keine Stimme vom Himmel erschallt, wird die Mutter bezeugen, das das Wort des Hauptmanns wahr ist: „Wahrlich, dieser Mensch war Gottes Sohn“ (Mt 27, 54). Der Vater hat sein Wohlgefallen gefunden an der Bereitschaft Jesu, in das Leiden einzutauchen und sein Leben hinzugeben. Auch Maria wird diesem Opfer zustimmen, selbst wenn es ihr das Herz zerreißt. Während Christus sich unter der Hand des Täufers beugt, neigt auch sie ihr Haupt und sagt noch einmal „fiat“.

Jesus und Maria sind die beiden einzigen Menschen, die der Taufe nicht bedürfen. Das Lamm und die Taube kennen keine Sünde, von der sie gereinigt werden müssten, aber gerade deshalb sind sie es, die das Heil der Welt bringen und Sündern zu Heiligen machen. Beide sind in den brausenden Fluten Golgothas untergegangen, damit ich auferstehe und lebe. Den Kelch, den die Apostel nicht trinken konnten (vgl. Mk 10, 38), hat Maria aus der Hand ihres Sohnes entgegengenommen, und die Taufe, vor der die Jünger geflohen sind, hat sie unter dem Kreuz empfangen, als Blut und Wasser aus der Seite Jesu geflossen sind. Das alles für mich. Das alles, damit sie mich heilig macht.

„Jesus, der sich bei der Hochzeit in Kana offenbart hat“

„Man bittet Gott um viele Dinge und erhält sie nicht. Man bittet Maria um viel und man erhält es. Warum ist das so? Nicht weil Maria mächtiger ist als Gott aber Gott will dadurch seine Mutter ehren.“ (Hl. Alfons Maria von Liguori)

Jesus wirkt sein erstes Wunder. Er verwandelt Wasser in Wein. Drei Jahre später wird sein letztes Wunder auf Erden geschehen, wenn er Wein zu Blut wandelt. Beide Male geschieht es auf einer Hochzeit. In Kana ist er Gast, im Abendmahlssaal lädt er selbst an seinen Tisch. Jetzt feiert er den Ehebund eines Freundes, dann aber schließt er ihn mit seiner Kirche. Er ist das Lamm, das Hochzeit hält, und sich mit seiner Braut vereint, wenn sie aus dem Kelch trinkt, den der Herr ihr reicht. Es ist der Neue und Ewige Bund, den der göttliche Bräutigam schließen will, mit dem Trank seines eigenen Blutes. Das ist der wahrhaft köstliche Wein den der Herr bis zum Ende seines Lebens zurückhält (vgl. Joh 2, 10), bevor er ihn an seine Jünger austeilt.

Maria ist bei Jesus. Sie weist ihn auf die Not der Brautleute hin, die keinen Wein mehr haben. Sie muss nicht einmal eine Bitte aussprechen, um Hilfe zu bringen. In diesem Moment wird die Mutter zur Braut, Christi Gebärerin zu seiner Gefährtin. Jesus nennt Maria „Frau“. Damit gibt er ihr den alten Titel aus der Urzeit der Schöpfung, mit dem Gott die Feindin der Schlange vorhergesagt hat (vgl. Gen 3, 15). Noch ehe sich Christus als der Messias und Herr durch das Wunder von Kana zeigt, offenbart er, wer seine Mutter ist. Diese Frau ist die neue Eva, die den Erlöser begleitet. Jesus weiß, dass das verborgene und glückliche Leben in Nazareth endgültig vorbei ist, wenn er tut, worum Maria ihn stumm bittet. Er weiß, dass das erste Zeichen des Messias ihn einen Weg betreten lässt, der erst auf Golgotha enden wird. Dort wird er Maria wieder „Frau“ nennen. Fast will er diesen Moment hinauszögern, wenn er nicht mehr zur Mutter, sondern zu der Frau sagt: „Was habe ich mit dir zu schaffen?“ (Joh 2, 4). In diesem Augenblick sieht Jesus das Kreuz, vor dem er als Mensch zurückschreckt, als würde er ausrufen wollen: „Mutter, was habe ich mit diesem Leid zu schaffen?“. Er will noch nicht gehen: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ (Joh 2, 4) Und doch: Jesus verwandelt ihretwegen Wasser in Wein. Er erhört sie, weil er so seine Mutter ehren will. Christi erstes Wunder rettet die Hochzeit. Sein letztes wird die Seelen derer retten, die zum Hochzeitssmahl des Lammes geladen sind (vgl. Offb 19, 9). Mariens Bitten, die diese selige und doch so schreckliche Stunde eher anbrechen lassen, lösen nicht nur die materielle Not der Brautleute, sondern heilen das geistliche Leid der Sünder. Für sie drängt die Mutter ohne Worte den Sohn, sich endlich als Bräutigam zu zeigen. Sie, die Verlorenen die am Straßenrand und an den Hausecken stehen, sollen von ihm eingeladen werden zu jener Hochzeitsfeier, die kein Ende kennt. Sechs gewaltige Wasserkrüge verwandelt der Herr in brausenden Wein, damit die irdische Feier noch Tage dauern kann. Nach jüdischer Sitte müssten es jedoch sieben sein. Das letzte Gefäß wird sein Leib sein, aus dem sich der wahre Trank des Lebens ergießt, der niemals zur Neige geht und ein himmlisches  Fest schenkt, das nicht enden wird.

„Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2, 5). Das ist das letzte Wort, das uns die Heilige Schrift von Maria berichtet. Sie sagt es, um Jesu erstes Wunder vorzubereiten. Wenn sein letztes geschieht, wird er dieses Wort wiederholen, um seinen Aposteln aufzutragen, immer wieder Wein in sein Blut zu verwandeln: „Tut dies!“ (Lk 22, 19).  Mariens Auftrag reicht weit über die Hochzeit von Kana hinaus. Er, der Wasser in Wein und Brot in sein Fleisch wandelt, der kann auch mein Leben verwandeln und seinem ähnlich machen. Hilf mir, „bittende Allmacht“, dass ich tue, was er sagt, damit dies Wunder an mir geschehe.

„Jesus, der uns das Reich Gottes verkündigt hat“

„Ich weiss, wen ich nach Gott lieben muss: es ist meine Mutter, es ist Eure Mutter, es ist die Mutter aller Menschen. Wenn Ihr wüsstet, wie lieblich und schön die Madonna ist. Sie ist es, durch die wir Jesus haben. Sie ist es, durch die wir Gnaden empfangen. Was würde nur ohne diese gute Mutter aus uns Armen werden?“ (hl. Josef Benedikt Cottolengo)

Jesus ist König. Er ist in diese Welt gekommen, um seine Herrschaft zu errichten. Er hat die Kirche gegründet, damit sich sein unsichtbares Reich der Gnade, das in den Herzen der Menschen wächst, sichtbar darstelle und ausbreite. Wo immer die eine Kirche ist, die Christus auf Petrus gründen wollte, da findet sich die göttliche Wahrheit, die der Herr den Aposteln anvertraute, damit sie das Heil verkündigen; da sind all die Mittel, die Heiligkeit schenken und so das Reich Gottes in den Seelen erschaffen und festigen. Jesus ist der neue Moses, der das Gesetz der Gnade nicht mehr auf steinerne Tafeln schreibt, sondern in Herzen aus Fleisch und Blut. Er schafft ein neues Volk, das er durch die Wüste dieser Erde, in das Gelobte Land führt. Seine Jünger sollen den Himmel erobern und das Reich in Besitz nehmen, das jetzt schon angebrochen ist, aber noch auf seine Vollendung wartet.

Jesus ist der Herr. Seine Krone glänzt jedoch nicht in Gold und Edelsteinen, sondern ist aus Dornen geflochten. Er trägt nicht den Purpur der Cäsaren, sondern das Spottkleid heidnischer Soldaten. Sein Thron ist das Kreuz. Dort wird er seiner verstreute Gefolgschaft nur noch sieben Worte hinterlassen können, ehe sein Herz bricht. Vor seinem Tod auf Golgotha bezeugt er aber mit sieben Zeichen, dass er der Messias ist, mit dessen Kommen, das neue Reich Davids anbricht. Er ist Gottes Sohnes, der Wunder wirkt und Sünden vergibt. Er ist gekommen, den Verlorenen Verzeihung zu bringen. Was er auf machtvolle Weise an den leidenden Leibern einiger Kranken tut, das wirkt er als göttlicher Arzt in den Seelen aller, die ihn um Erbarmen bitten. Sünder, Besessene und Kranke bilden den Hofstaat dieses Königs, der ihnen Heilung schenkt, um mit ihnen seinen Reich zu bevölkern. Die Thronrede, die der ans Holz genagelte Herr auf jenem Felsen vor der Stadt nicht mehr halten kann, richtet er auf einem anderen Berg an sein erwähltes Volk, das das Erbe der Stämme Israels antreten soll. Umgeben von den Jüngern, aus denen er Zwölf erwählen wird, preist Jesus die selig, die ihr Kreuz auf sich nehmen und ihm nachfolgen (vgl. Mt 5, 1). Was seine Worte sagen, zeigen drei Jahre später die blutigen Spuren an seinem Leib (vgl. Mt 5, 3-10):

Selig, die Armen, sagt der nackte König am Kreuz!

Selig die Trauernden, spricht der vor Schmerzen weinende Herr!

Selig, die keine Gewalt anwenden, lehrt der Allmächtige, der ohnmächtig am Pfahl hängt.

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, stottert mit ausgebrannter Kehle der unschuldig Verurteilte.

Selig die Barmherzigen, bekennt der, der seinen Henkern vergibt, weil sie nicht wissen, was sie tun.

Selig, die ein reines Herz haben, verkündet der Erlöser, aus dessen Seite Blut und Wasser strömen, um damit jede Sünde abzuwaschen.

Selig, die Frieden stiften, bezeugt der Heiland der Welt, dessen Tod Himmel und Erde versöhnt hat (vgl. Kol 1, 20).

Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, belehrt der Meister seine Schüler, denen das gleiche Los beschieden ist, wie ihrem Herrn auf Golgotha.

Das ist die Verfassung des Reiches, das Christus mit seinem Kreuz gestiftet hat. Das ist das Gesetz des Neuen Bundes.

Maria ist Königin im Reiche Gottes; nicht nur, weil sie den geboren hat, „der herrschen muss“ (vgl. 1 Kor 15, 25), sondern weil sie die wahrhaft Selige ist, die wie kein anderer erfüllt hat, was der Herr von seinen Jüngern erwartet. Sie musste als Einzige nicht die Bergpredigt ihres Sohnes hören, doch auf der Schädelhöhe durfte sie nicht fehlen. Als der Dornenkönig im Purpur seines Blutes die alte Schlange niederringt und seine Herrschaft antritt, steht sie an seiner Seite. In dieser Stunde wird sie unser aller Mutter. So hat sie Anteil am Sieg des Königs. Wenn wir ihn bitten „Dein Reich komme“ (Mt 6,10), so wollen wir in gleicher Weise, das das ihre anbricht.

„Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist“

„Noch bevor er von ihr geboren wurde, hat er sie gekannt und vorherbestimmt, noch bevor er sie als Gott erschaffen hat, kannte er die Mutter, aus der er als Mensch Geschöpf wurde“ (Hl. Augustinus)

Petrus, Johannes und Jakobus, die drei Apostel, die am Ölberg die Angst Jesu sehen werden, sollen jetzt die Herrlichkeit des Sohnes schauen. Der „Fels“ (vgl. Mt 16, 18) darf mit einigen Augen erblicken, was er wenige Tage zuvor in der Kraft des Geistes bekannt hat: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16, 16) Und die „Donnersöhne“ (Mk 3, 17), die zur Rechten und zur Linken des Meister sitzen wollen (Mt 20, 21), stehen nun an seiner Seite, da er seine Herrlichkeit offenbart. Auf dem Tabor werden Glaube und Sehnsucht, Hoffnung und Erwartung der Jünger für einen Moment im Schauen erfüllt, um in der jungen Kirche zum felsenfesten Grund des Bekenntnisses und zum donnernden Zeugnis der Wahrheit zu werden. Auf jenem Berg, von dem aus man in der Ferne das Dorf Nazareth sieht, offenbart sich das Kind Mariens als Sohn des ewigen Vaters.

Moses und Elija erscheinen, um zu bezeugen, dass Jesus der verheissene Messias ist, von dem das Gesetz und die Propheten sprechen. Er ist das Manna in der Wüste, der Fels, aus dem Wasser sprudelt, das Feuer des Dornbusches, der nicht verbrennt. Alles, was die Schriften des Moses erzählen, spricht von ihm, um das erwählte Volk auf seine Ankunft vorzubereiten. Moses hat, gestützt von zwei Männern, den ganzen Tag die Arme zum Gebet erhoben (Ex 17, 8 – 16) ,um den Sieg zu erflehen. Christus wird, ans Kreuz genagelt, als Hoherpriester beten, um über den Feind zu triumphieren und wie Elija, brennendes Feuer vom Himmel schicken (1 Kön 17 – 47), um das Land von allen Götzen zu reinigen. Jesus ist der Herr, der die Macht hat zu vollenden, was seine Diener im Alten Bund begonnen haben. Auf dem Tabor fallen die Jünger des Neuen Bundes vor ihm nieder, wie sie es tun werden, wenn er als der siegreiche und auferstandene König sich den Seinen zeigt. Petrus – ohne recht zu wissen, was er in diesem glorreichen Moment sagen soll – will drei Hütten bauen. Doch der, der auf dem einen Berg bleiben will, wird vor dem anderen fliehen, auf dem eben dieser Sieg errungen werden muss. Er, der vor genau sechs Tagen, die Botschaft Jesu vom leidenden Gottesknecht ablehnte, will nun für immer die Herrlichkeit genießen. Aber dieser siebte Tag, an dem Gott ruhte und seinem Volk nach der Mühe des Kampfes Erholung schenkt, kann erst anbrechen, wenn jener Freitag vorbei ist, an dem der neue Moses die blutige Schlacht gegen die Feinde schlägt und der wahre Elija sich den Dienern der Dämonen stellt. Christus wird nicht, wie die Pharisäer meinen, den Propheten um Hilfe rufen (vgl. Mt 27, 47), sondern selbst das Werk erfüllen und die Macht des Bösen brechen. Es gibt kein Bleiben auf dem Tabor, wenn vorher nicht Golgotha bestiegen wurde. Es sollen keine Hütten errichtet werden, so lange der Eckstein, den die Bauleute verwarfen (Mt 21, 42), nicht zum Grundstein des Hauses Gottes geworden ist.

Wahrscheinlich hat Maria vom Fenster ihres Hauses in Nazareth das Leuchten auf dem Tabor nicht gesehen. Sie musste nicht dabeisein, als ihr Sohn den drei Aposteln offenbart, Gottes Sohn zu sein, der in diese Welt gekommen ist, um die Menschheit zu erlösen. Die Jungfrau kennt den Vater ihres Kindes. Sie weiß, dass der, der neun Monate in ihrem Schoß geborgen war, der Eingeborene des Allmächtigen ist, der in ewiger Liebe, die weder Anfang noch Ende kennt, bei ihm ruht. Der, den die Stimme aus der Wolke als den „geliebten Sohn“ (Mt 17, 5) bekennt, ist der ihre. Sie braucht dieses Wort nicht aus der Höhe zu hören, weil sie es unablässig in ihrem herzen vernimmt.

„Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat“

„Der anbetungswürdige Erlöser hat sich nur einmal dem Vater auf dem Altar des Kreuzes geopfert, aber seine heilige Mutter hat ihn zehntausendmal dargebracht auf dem Altar ihres Herzens. Dieses Herz war wie ein Priester, der ihn geopfert und sich selbst mit ihm dargebracht hat. Und so kann man sagen, dass dieses wunderbare Herz in diesem Opfer das Amt des Priesters ausgeübt hat und zugleich Opfergabe und Altar war. Oh! Wie viel Ehre schuldet man diesem heiligen Priester, wie viel Ehrfurcht diesem kostbaren Opfer, wie viel Verehrung diesem heiligen Altar“ (hl. Johannes Eudes).

Jesus schickt die Jünger voraus, um das letzte Mahl vorzubereiten. In geheimnisvoller Weise deutet er ihnen den Ort an, um ihn vor Judas, der ihn verraten sollte, zu verbergen. Niemand darf das, was da geschehen soll stören. Die Stunde des Gottessohnes, auf die sein ganzes Leben zulief, bricht endlich an. Die Apostel sollen einem Mann mit einem Wasserkrug nachgehen (vgl. Lk 22, 10), bevor sie dem zum Festsaal folgen, der ihnen dort den Trank des Lebens gibt.  Mit Bedacht wählt Jesus einen großen Raum aus, der mit Polstern ausgestattet ist (vgl. 22, 12). An diesem Abend, an dem er den kostbaren Kelch des Paschageschirrs benutzen wird, duldet der Reichtum, den Jesus austeilen wird, weder Bescheidenheit noch Sparsamkeit, weder herbe Kargheit noch nüchternes Gehabe. Für dieses letzte Fest, das doch ewig dauern wird, leert der Herr die Kasse der Jünger. Das Opfer von Kalvaria, das in der Herrlichkeit des Himmels gefeiert werden wird, darf in seiner geheimnisvollen Vorwegnahme am Gründonnerstag nicht die Gestalt eines Mahls armer Leute tragen.

Viele Male war Jesus zu Gast in den Häusern der Sünder, die ihn, der ihnen solche Liebe zeigte, überreich bewirteten, ihm die Füße wuschen und sein Haupt mit Öl salbten. Jetzt aber hält der Herr kein Mahl der Sünder, sondern gewährt als Gastgeber nur denen Einlaß, die ein festliches Gewand haben (vgl. Mt 22, 12). Bis auf einen sind sie alle, die vom Bade der Gnade kommen, schon rein und brauchen sich nur noch die Füße waschen zu lassen (vgl. Joh 13, 9), ehe sie zu dem Tisch hintreten, der der durch den Vorsitz Jesu zum Altar geworden ist. Hier werden die Freunde des Galliläers zu Priestern des Neuen Bundes geweiht. Hier werden die Männer, die ihm drei Jahre gefolgt sind, zu wahren Aposteln, die gesandt sind, ihn in die Welt zu tragen. Ab heute werden sie ihn in Händen halten, wann immer sie das wiederholen, was er ihnen an diesem Abend aufträgt. Das wahre Paschalamm, das am folgenden Tag blutig geschlachtet wird, gibt sich auf geheimnisvolle Weise den Seinen zur Speise. Die Rebe, aus der morgen der letzte Tropfen gepresst wird, vergießt heute schon ihr Blut. Der Hohepriester, der in wenigen Stunden seinen entstellten Leib als Opfergabe darbringen wird, feiert diese eine wahre Liturgie am Vorabend seines Leidens unter heilbringenden Zeichen und befähigt seine Jünger, dies bis zum Ende der Zeiten zu tun. Jesus schenkt sich selbst – zugleich dem Vater, der mit Wohlgefallen auf dieses neue, von den Propheten verheißene Speiseopfer (Mal 1, 11) schaut, und seinen Freunden, die ihn nicht nur mit dem Mund, sondern mit dem Herz empfangen. Dank der Eucharistie sind wir mit den Aposteln im Abendmahlssaal, stehen wir mit Maria unter dem Kreuz, feiern wir schon heute das Fest der Engel, die das geschlachtete Lamm anbeten. Im Opfer Christi verschwinden die Grenzen von Raum und Zeit, Himmel und Erde, um alle zu dem einem Leib zu vereinen, der ihnen als Speise gereicht wird. Die heilige Messe ist Jesus – das Kind im Schoß der Mutter, der Neugeborene in Bethlehem, der Hohepriester im Abendmahlssaal, der Erlöser am Kreuz, der auferstandene Sieger über den Tod, das Lamm, das Hochzeit hält.

Maria ist nicht im Abendmahlssaal. Sie empfängt nicht mit den Aposteln die Priesterweihe, denn kraft ihrer Gottesmutterschaft darf sie sagen, was der Priester nur in den heiligsten Momenten seines Dienstes aussprechen kann: „Das ist mein Leib“. Jesus ist ihr Fleisch und Blut. Und weil sie als Mutter und Mittlerin nicht aufhört, der Welt Christus zu schenken, ist sie immer dabei, wenn  jene Worte des Abendmahlssaals ihn wahrhaft gegenwärtig werden lassen. Durch sie kommt er auf unsere Erde, durch sie finden wir zu ihm. Das große Sakrament des Leibes und Blutes Christi schenkt uns daher auch die geistliche Nähe der Mutter, die immer bei ihrem Sohne ist.

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