Voderholzer: „Das Coronavirus hat sich der Mensch selbst geholt“

Das Coronavirus zeige die Grenzen menschlicher Autonomie auf, betont der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer in seiner Predigt am Ostersonntag. Die Pandemie und ihre Auswirkungen seien die Folge einer Kette von Schuld und menschlichem Versagen.

Gott habe das Corona-Virus nicht geschickt, betonte Voderholzer. „Das brauchte er nicht. Der Mensch hat es sich geholt und verbreitet in einer komplexen Verbindung vieler Elemente einer ,Kultur des Todes‘.“ Foto: Maria Irl (KNA)

 

Den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer erinnern die Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie an Diktatur-Zeiten. In Deutschland seien Grundrechte wie die Versammlungs- und Reisefreiheit sowie die Freiheit der Religionsausübung „auf vorerst unbestimmte Zeit in einer Weise beschnitten, wie es noch nicht einmal in Zeiten schlimmster Diktatur der Fall war“. So äußerte sich Voderholzer in seiner Predigt beim Pontifikalamt am Ostersonntag im Regensburger Dom.

Zwar trage er diese Entscheidungen mit, so der Regensburger Bischof, „weil wir uns gerade auch als Kirche nicht mitverantwortlich machen dürfen für eine Situation, in der unser Gesundheitswesen zusammenbrechen würde.“ Seine Frage aber lautet: „Lässt sich das Bundesverfassungsgericht nicht plötzlich doch auch noch von anderen Gesichtspunkten leiten als nur der Wahrung der grenzenlosen Autonomie des Einzelnen? Und bringt die gegenwärtige Krise die Rechts-Philosophie der grenzenlosen Autonomie nicht doch an ihre Grenzen?“

Corona ist keine Strafe Gottes

Voderholzer stellte im Licht der Osterbotschaft die zentrale Frage, die viele Menschen jetzt bewegt: Wie geht es weiter? Was bedeutet die Pandemie? Denjenigen, die in der lähmenden Pandemie eine Strafe Gottes erkennen wollen, pflichtete der Bischof nicht bei: „Gott ist Gott und kein Mensch, der von Stimmungen oder gar Kränkungen abhängig wäre. Und wir brauchen uns als Menschen nicht einbilden, wir könnten Gott beleidigen oder ihn zum strafenden Richter in einem menschlichen Sinne degradieren.“ Vielmehr seien es die Folgen unseres Tuns, die jetzt auf uns zurückfallen: „Ist es nicht vielmehr so, dass wir uns selbst bestrafen, wenn wir uns nicht an den Lebensweisungen Gottes orientieren?“

Gott habe das Corona-Virus nicht geschickt, betonte Voderholzer. „Das brauchte er nicht. Der Mensch hat es sich geholt und verbreitet in einer komplexen Verbindung vieler Elemente einer ,Kultur des Todes‘.“ Die Pandemie und ihre Auswirkungen seien die Folge einer Kette von Schuld und menschlichem Versagen, in der sich menschliche Hybris, Stolz, Leichtsinn und Profitgier zu einer unheilvollen Allianz verbinden würden.

Voderholzer fordert zeitgemäße Naturrechtslehre

Was es jetzt brauche sei „ein Ethos für den Menschen im Einklang mit dem Schöpfer und der Schöpfung.“ Dieses Ethos finde in der europäischen Tradition seinen Ausdruck unter anderem in der Naturrechtslehre. Voderholzer fragte wörtlich: „Brauchen wir nicht eine neue, zeitgemäße Formulierung einer Naturrechtslehre, die ausgeht von einer größeren Wahrnehmung und Wertschätzung des von der Schöpfung Vorgegebenen; Schöpfung neu zu denken, die eben nicht weitgehend ein Konstrukt des Menschen, sondern Gabe des Schöpfers ist.“

Darüber hinaus rief Bischof Voderholzer dazu auf, die Osterbotschaft gerade in der existentiellen Erfahrung der Krise im täglichen Leben zu bekennen: „Wenn wir die Krise, so schwer sie auch auf uns lastet, als Aufruf zur Gewissenserforschung nehmen, kann auch tatsächlich Segen und Heil aus ihr erwachsen. Und bitten wir um Gottes Geist, dass er uns helfe, die Bitte der Oration des heutigen Ostersonntags wahr werden zu lassen: „Schaffe uns neu, o Gott, damit auch wir auferstehen und im Licht des Lebens wandeln.“

DT/mlu

Bischof Voderholzer: Fehlende Weihe schmälert Bedeutung von Frauen nicht – „Dienst nicht beliebig ersetzbar“

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer sieht in der Ablehnung der Frauenweihe keine verminderte Bedeutung von Frauen in der Kirche. Indes habe Jesus ausschließlich Männer als Apostel berufen.

Die Bedeutung sei durch die „Zuordnung des geistlichen Dienstamtes mit seiner seinsmäßigen Aufgabe der Christusrepräsentation“ nicht geschmälert, sagte Voderholzer laut seiner Pressestelle am Sonntag in Regensburg.

Der Bischof wiederholte demnach bei der Eröffnung der diözesanen Wolfgangswoche, Jesus habe ausschließlich Männer als Apostel berufen. Dies hatte Voderholzer erst vor rund einer Woche beim Kongress „Freude am Glauben“ des konservativen Forums Deutscher Katholiken in Ingolstadt betont.

Weiheamt nicht nur eine Funktion

Die Apostel sollten Jesus „in besonderer Weise vergegenwärtigen: Wer euch hört, hört mich. Wer euch aufnimmt, mich auf und den, der mich gesandt hat“, ergänzte Voderholzer. Dies habe seinen Grund in der sakramentalen Struktur der Kirche. „Beim geistlichen Dienstamt geht es nicht zuerst um eine Funktion, die beliebig ersetzbar wäre, sondern um die Darstellung einer Seinswirklichkeit.“

Die Kirche sei keine Gewerkschaft, keine Partei und kein Staatswesen, das im Letzten nur eine irdische Wirklichkeit sei, eigene Zwecke und Ziele verfolge und von gewählten Repräsentantinnen und Repräsentanten vertreten werde.

Die Kirche sei vielmehr der „Leib Christi“ zur Vergegenwärtigung seines Wortes und seiner heilbringenden Erlösungstat am Kreuz, erklärte Voderholzer. „In dieser Kirche gibt es verschiedene Dienste und Ämter. Und von Anfang haben Frauen sich in der Kirche mit all ihren Gaben und Fähigkeiten eingebracht.“

Frauen konnten sich in Kirche entfalten

Soziologisch gesehen hätten Frauen in der Antike und im Mittelalter vor allem durch die Kirche Entfaltungsmöglichkeiten bekommen. „Der Stand der Witwen etwa bot Schutz vor der im Römischen Reich selbstverständlichen Wiederverheiratungspflicht“, so der Bischof. Zudem seien Frauenorden stets Orte der Bildung und der Innovation gewesen.

„Die Kirche kann sich nicht neu erfinden“: Voderholzer warnt vor „reißerischen“ Aussagen

REGENSBURG , 28 January, 2019 / 8:02 AM (CNA Deutsch).

Bischof Rudolf Voderholzer hat Forderungen zurückgewiesen, die Kirche solle sich angesichts der Missbrauchs- und Vertuschungskrise „neu erfinden“. Voderholzer warnt vor reisserischen Aussagen über „eine Zeitenwende“ der Kirche und einem Generalverdacht gegen Priester.

„Nein. Die Kirche muss sich nicht neu erfinden. Die Kirche kann sich nicht neu erfinden. Schon die alte Kirche hat sich nicht neu erfunden. Die Kirche ist keine Erfindung der Menschen“, so der Bischof von Regensburg am gestrigen Sonntagnachmittag.

Der bayerische Oberhirte predigte bei einer Pontifikalvesper anlässlich der Weihe zum Bischof vor sechs Jahren im Hohen Dom St. Peter zu Regensburg.

„Kirche ist keine Erfindung der Menschen“

Voderholzer war am 26. Januar 2013 im Regensburger Dom zum Bischof geweiht worden. Er erinnerte daran, dass Hauptkonsekrator Kardinal Reinhard Marx damals erst dann die Weihehandlung komplett vollzogen habe, nachdem Voderholzer versprochen hatte, als Bischof das Evangelium unverfälscht weiterzugeben.

In seiner Predigt am Sonntagnachmittag nun wies Bischof Voderholzer genau in diesem Sinne die öffentlich vorgetragene Aufforderung zurück, die Kirche solle sich angesichts der Erschütterungen in jüngster Zeit „neu erfinden“:

„Nein. Die Kirche muss sich nicht neu erfinden. Die Kirche kann sich nicht neu erfinden. Schon die alte Kirche hat sich nicht neu erfunden. Die Kirche ist keine Erfindung der Menschen“, stellte der Regensburger Bischof fest. Die Kirche sei ein Projekt Gottes wegen der Sündhaftigkeit und trotz der Sündhaftigkeit der Menschen. Gott selbst findet und beruft den Menschen, nicht der Mensch Gott.

„Es gibt nur eine Zeitenwende“

Statt Kirche neu erfinden zu wollen, gehe es jetzt vielmehr darum, neue Wege der Verkündigung, der Pastoral und der Nächstenliebe zu finden.

Die Vorstellung, die Kirche müsse sich neu erfinden, sei reißerisch. Die Rede, die Kirche befinde sich in einer Zeitenwende, sei gefährlich. Gemäß der christlichen Glaubenssauffassung gibt es nur eine Zeitenwende: die Zeitenwende, die Jesus Christus heraufgeführt hat. Bischof Voderholzer warnte davor, den apostolischen Ursprung der Kirche zu verdunkeln. Die Kirche auf den Aspekt ihrer Organisation zu verkürzen führe über kurz oder lang zur Spaltung. Ob man sich in einer Epochenwende befindet, könne immer erst in der Rückschau festgestellt werden. So sei der heilige Franziskus alleine angetreten, um treu dem Evangelium zu leben. Dem heiligen Ignatius sei es darum gegangen, alles zur größeren Ehre Gottes zu tun. Die Konsequenzen davon seien allerdings epochal gewesen.

Absage an Generalverdacht gegen Klerus

Mit Blick auf eine Veröffentlichung dieser Tage sagte der Bischof: „Es kann nicht angehen, dass der ganze Klerus unter Generalverdacht gestellt wird.“ Auch sprach sich Bischof Voderholzer vehement gegen die Aussage aus, dass das Problem „hausgemacht“ sei. Das sei eine doppelte Unterstellung. Außerdem stehe dies in einem offensichtlichen Widerspruch zu den gültigen Rechtsgrundsätzen. Denn es gilt die Unschuldsvermutung bis zum Beweis des Gegenteils. Die pauschale Verdächtigung sei Ausdruck dafür, dass der Missbrauch dazu instrumentalisiert werde, um eine andere Kirche zu konstruieren.

„Bin auf Mitarbeiter angewiesen“

Bischof Voderholzer erklärte sich als „absolut angewiesen auf das Mitdenken und Mitfühlen“ der Menschen in der Diözese. Allein in einer Woche oder auch nur an einem einzigen Tag erlebe der Bischof seine Ohnmacht und gleichzeitig das Angewiesensein auf seine „wunderbaren Mitarbeiter“. „Ich komme immer wieder gerne zurück nach Regensburg, wenn ich weit außerhalb unterwegs war“, versicherte der Regensburger Bischof mehrmals.

Festakt und Dank

Im Beisein der Weihbischöfe Reinhard Pappenberger und  Josef Graf, des Domkapitels sowie von Vertretern der Stiftskapitel, zahlreicher Priester und Diakone sowie vieler gläubiger Menschen gestalteten die Regensburger Domspatzen den andächtigen und feierlichen Vespergottesdienst.

Im Anschluss fand ein Festakt statt, bei dem Bischof Voderholzer fünf Laienchristen mit der Wolfgangsmedaille ehrte. Auch erhielten sieben verdiente Pfarrer den Ehrentitel „Bischöflicher Geistlicher Rat“ verliehen. Generalvikar Michael Fuchs gratulierte Bischof Voderholzer im Namen der Anwesenden zu seiner Weihe sechs Jahre zuvor. Er drückte große Dankbarkeit für zahlreiche Initiativen aus und betonte: „Wir sind dankbar, dass Sie um das Woher und das Wohin der Kirche wissen“, erklärte der Generalvikar. Teile der Kirche in Deutschland vergäßen, wofür die vielen entwickelten Methoden und Instrumente da seien. Bischof Voderholzer aber lebe die prägende Kraft des Evangeliums. Dies verdeutlichte Generalvikar Fuchs mit Hinweis auf die jüngsten Aussagen des Regensburger Bischofs zum Thema des christlichen Abendlandes.

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Vom „christlichen Abendland“ zu sprechen ist richtig!

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer beim Neujahrsempfang
von Altmühl-Jura in Mindelstetten

Regensburg (kath.net/pm/rn)
Vom „christlichen Abendland“ zu sprechen ist richtig! Auf das hat der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer beim Neujahrsempfang von Altmühl-Jura in Mindelstetten am Mittwoch hingewiesen.
„Die Seele Europas ist das Christentum, und deshalb ist es auch historisch exakt und verantwortbar, vom ‚christlichen Abendland‘ zu sprechen. Ich halte es nicht für vernünftig, diesen Begriff und die Deutungshoheit darüber anderen zu überlassen, die nationalistische Interessen damit verbinden, die zutiefst einer katholischen Universalität widersprechen.“

„Europa hat eine Seele.“

Mit Blick auf die Europawahl im Mai dieses Jahres ging Bischof Voderholzer der Frage nach, was die Seele Europas sei, worin sie bestehe. Europa sei Europa geworden durch den christlichen Glauben. Er trage das Erbe Israels in sich, er habe das Beste des griechischen und des römischen Geistes in sich aufgenommen und damit alle Wesensbereiche Europas geprägt.

Deshalb konnte Europa zum Ursprungsort der wissenschaftlichen Welterklärung mit den Mitteln der menschlichen Vernunft werden. Deshalb konnte Europa Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit entwickeln. Und deshalb konnte Europa eine Kultur der Mitmenschlichkeit und Menschenwürde entwickeln.

„Wer zum Himmel spuckt, trifft sich selbst.“

Der Bischof veranschaulichte die Prägekraft des Christentums mit einer Fülle an Beispielen, die auch immer wieder auf die Gefährdungen eben dieser grundlegenden Wesenskraft europäischer Identität aufzeigten.

Zum Beispiel die 10 Gebote, die zum jüdischen Erbe des Christentums gehören. Bischof Voderholzer: „Es gibt kein Europa ohne die Zehn Gebote: Schutz der Unversehrtheit des Lebens, Schutz der Ehe und Schutz des Familienzusammenhangs, Schutz des Eigentums, Schutz des guten Rufes eines Menschen. Wo die Zehn Gebote nicht geachtet werden, ist die Menschlichkeit in Gefahr. Wo die Zehn Gebote nicht geachtet werden, ist auch Europa in Gefahr.

Wer die Gebote Gottes nicht beachtet, beleidigt nicht den großen und heiligen Gott, sondern er schadet sich selbst. Um es in einem Bild zu sagen: Wer zum Himmel spuckt, trifft sich selbst.“

Zum Beispiel der Gottesbezug in den Verfassungen, die sich damit zu den christlichen Fundamenten bekennen, die unser Wertesystem begründen. Der säkulare Staat mache damit deutlich, dass er auf Fundamenten steht, die keine freiheitliche Rechtsgemeinschaft aus sich selbst erschaffen kann, ohne sich selbst zu vergötzen. Bischof Voderholzer: „Deswegen (…) habe ich auch für den Kreuz-Erlass des bayerischen Ministerpräsidenten vom April letzten Jahres meine Stimme erhoben zusammen mit dem evangelischen Regionalbischof Hans-Martin Weiss.“
„Sage mir, was Dir heilig ist, und ich sage Dir, wer Du bist.“

Zu Europa gehöre auch die Ehrfurcht vor dem Heiligen überhaupt, vor Gott. Diese Ehrfurcht sei sehr wohl auch demjenigen zuzumuten, der selbst nicht an Gott zu glauben bereit ist. Wo diese Ehrfurcht zerbrochen wird, nimmt die Identität einer Gesellschaft Schaden. Bischof Voderholzer: „Sage mir, was Dir heilig ist, und ich sage Dir, wer Du bist, möchte man zu bedenken geben.“

Zum Fundament Europas gehöre auch die Feiertagskultur. Der Sonntag sei der Urfeiertag Europas. Der Regensburger Bischof wies auf die unbestrittene „soziale“ Bedeutung des Sonntag hin: „Wenn jeder einzelne sich die Rahmenbedingungen seiner Freizeitgestaltung selber schafft, gibt es bald keine gemeinsamen Aktionsmöglichkeiten mehr. Gerade auch als überindividuelle Institution ermöglicht der Sonntag als gemeinsamer Feiertag auch eine Fülle von gemeinschaftsstiftender, identitätsstiftender Aktivitäten.

Deshalb ist er – noch weit über das kirchliche Anliegen hinaus – auch als Kulturgut höchsten Ranges, als soziale Einrichtung, über die Maßen schützenswert gegenüber allen ökonomischen Verrechnungs- und Vereinnahmungsversuchen.“
„Sorgen muss sich Europa nicht machen wegen der Stärke des Islam….“

Da aktuell der Begriff des „christlichen Abendlandes“ vielfach in politischen Debatten auftaucht, ging der Regensburger Bischof auch auf die Stimmen derjenigen ein, die die Gefährdung unseres Kulturraumes hervorheben. Er gehöre zu denen: „die diese Sorgen nicht einfach von der Hand weisen. Ich wiederhole aber auch hier, was Peter Scholl-Latour, einer der besten Kenner des Orients und des Islam schon vor etlichen Jahren gesagt hat: ‚Sorgen muss sich Europa nicht machen wegen der Stärke des Islam, sondern wegen seiner eigenen geistigen Schwäche.‘ Ganz ähnlich hat Papst Franziskus etwa anlässlich der Verleihung des Karls-Preises eine gewisse ‚Müdigkeit‘ und ‚Kraftlosigkeit‘ Europas beklagt.“

Glaubenszuversicht und Gottes reichen Segen

Seinen Vortrag beendete Bischof Rudolf Voderholzer mit Segenswünsche für das Jahr 2019, die er hier an die Menschen in den 12 Gemeinden der Altmühl-Jura Allianz richtete, die aber auch alle Menschen in der Diözese und darüber hinaus einbeziehen.
Im Wortlaut: „Meine sehr verehrten Damen und Herren! Europa hat eine Seele. Unsere Heimat hat eine Seele. Sie hat unsere Heimat so lebens- und so liebenswert gemacht. Es ist der christliche Glaube. Es kommt darauf an, diese Seele nicht verkümmern zu lassen, sondern frohgemut zu leben!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für das soeben angebrochene neue Jahr 2019 viel Glaubenszuversicht und Gottes reichen Segen.“

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‚Weihnachten beendet den Pluralismus und eröffnet die katholische Vielfalt‘: Voderholzer

„Viele singen weltweit seit 200 Jahren ‚Stille Nacht‘, aber wer lässt in seinem Alltag die Freude über die letzte Verszeile tatsächlich erkennen: ‚Christ der Retter ist da‘?“

Diese Frage hat Bischof Rudolf Voderholzer von Regensburg zu Weihnachten gestellt. Der Weihnachtsglaube ist ein realistischer, betonte der bayerische Oberhirte, und fuhr fort:

„Weihnachten ist das Fest der Entscheidung. Nur einer liegt in der Krippe. Das Ewige wird konkret, Gott nimmt Fleisch und Blut an und geht ein in die Geschichte. Damit hat Gott gezeigt, dass er sich sozusagen irreversibel für den Menschen entschieden hat.“

Nun liege es an jedem Einzelnen, und „das ist eine Aufgabe, die in keinem Menschenleben perfekt erfüllt werden kann, es liegt an jedem Einzelnen, sich dankbar und froh für Ihn zu entscheiden“, so Voderholzer.

„Wer diese Entscheidung trifft, setzt die Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott an die oberste Stelle seiner Prioritätenliste. Dort werden dann womöglich viele kleinere Prioritäten verdrängt, wie zum Beispiel Machtgewinn, Ansehen, Reichtum, Spaß, Entspannung, aber auch andere Glaubensüberzeugungen, die diesem Gottesbild widersprechen.“

Das wiederum hat Konsequenzen: „Das Christentum revolutioniert die Religionen. Der ewige Gott bekommt Hand und Fuß.“ Voderholzer wörtlich: „Weihnachten beendet den Pluralismus und eröffnet die katholische Vielfalt“.  Gott setze allen Spekulationen über sich ein Ende, indem er Mensch wird, betonte der bayerische Oberhirte.

„Es geht dabei nicht um irgendeine übernatürliche Macht, an die viele Menschen glauben, auch nicht um eine universale Friedensbotschaft, die selbstverständlich jeder mittragen kann“, sondern um die Menschwerdung Gottes und darin die höchste Form seiner Offenbarung, die gleichzeitig den Weg seiner größtmöglichen Erniedrigung einläutet, den Tod am Kreuz.“

Gott habe sich den Menschen gezeigt und ihnen seine Gemeinschaft angeboten, erinnerte Bischof Voderholzer. „Es liegt nun an ihnen dieses Angebot anzunehmen, Gott die Ehre zu erweisen und ihr Leben nach seinem Vorbild auszurichten.“

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Bischof Rudolf Voderholzer zum Tod von Robert Spaemann

Robert Spaemann mit Bischof Rudolf Voderholzer bei einer Begegnung in Regensburg.

Prof. Dr. Robert Spaemann, einer der führenden katholischen Philosophen im deutschsprachigen Raum, ist tot. Er starb am Montag mit 91 Jahren in seinem Haus in Stuttgart.

Dazu Bischof Dr. Rudolf Voderholzer: „Der bedeutendste katholische Philosoph unserer Zeit. Sein Wort hatte Gewicht und fand Gehör in der Welt. Seine glasklaren Analysen und sein unbestechliches Urteil waren ein Kompass in stürmischen und unübersichtlichen Debatten. Der Begründung der Würde des Menschen als Person und deren Schutz vor allen Funktionalismen und Totalitarismen von rechts wie links widmete er sich mit intellektueller Leidenschaft. Seine frühen Warnungen vor den unabsehbaren Folgen der Nutzung der Kernenergie und seine unwiderlegbare Argumentation für den Lebensschutz in der Abtreibungsfrage sind ebenso wertvoll wie seine Gedanken zur Gottesrede nach Nietzsche. Ein großer Zeuge für die Vereinbarkeit von Glaube und Vernunft! Gott der Herr, auf den er seine Hoffnung gesetzt hat, vergelte ihm seinen Dienst in der Wahrheitssuche und führe ihn nun vom Glauben zum Schauen.“

Lesen Sie hier einen Beitrag von Prof. Dr. Robert Spaemann über ein Sterben in Würde, den er 2015 der Presseabteilung im Bistum Regensburg zur Verfügung gestellt hatte.

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Bischof Voderholzer an den Katholikentag: Kirchenpolitische Katholikentagsforderungen wären ein falsches Signal

Bischof Voderholzer an den Katholikentag: Ich erwarte mir von diesem Forum klare Signale in den Bereichen, in denen Katholiken Einfluss nehmen können auf das gesellschaftliche Leben, etwa beim Lebensschutz, in der Familienpolitik.

Regensburg (kath.net)
Der Bischof von Regensburg, Rudolf Voderholzer, erwartet vom Katholikentag in Münster klare politische Signale „etwa beim Lebensschutz, in der Familienpolitik, beim Verständnis von Ehe als Verbindung von Mann und Frau, beim Einsatz für soziale Gerechtigkeit und vieles mehr.“ Das sagte er in seiner Predigt anlässlich der Regensburger Bittprozession am Vorabend von Christi Himmelfahrt im Regensburger Dom. Gleichzeitig weist er jeden Versuch zurück, den Katholikentag zu nutzen, um Druck aufzubauen in der aktuellen Debatte um den Kommunionempfang für evangelische Ehepartner in konfessionsverschiedenen Ehen. Laute Forderungen zu erheben in Fragen der Sakramentenlehre, zähle nicht zu den Aufgaben des Katholikentages.

Papst Franziskus hatte die deutschen Bischöfe am 3. Mai informiert, dass die umstrittene Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz zur Zulassung protestantischer Ehepartner zur Kommunion überarbeitet werden solle. Er beauftragte sie, „im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung zu finden.“

Bischof Voderholzer: „Diese Aufgabe wird nicht leicht zu erfüllen sein, weil die kirchliche Gemeinschaft die Grenzen der Kirche Deutschlands überschreitet. Es kann die möglichst einmütige Regelung nur geben in Gemeinschaft mit dem gesamten Weltepiskopat, mit der gesamten Weltkirche, mit der Bischofskonferenz von Canada genauso wie mit der von Indonesien.“

Bei dieser Aufgabe sei öffentlicher Druck, der den Tiefgang der Debatte gar nicht wahrnehme, wenig hilfreich. In der gleichen Predigt unterstützte Bischof Voderholzer den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und den Erlass der Bayerischen Staatsregierung, dass in staatlichen Behörden öffentlich ein Kreuz angebracht werden solle. Der Bischof: „„Der Ministerpräsident hat sich in einem guten Sinne weltchristlich verhalten (…). Da ist es nicht gut, wenn ihm ausgerechnet von kirchlicher Seite auch noch Kritik widerfährt. Dass ein Politiker immer auch auf die nächsten Wahlen schielen muss, darf man ihm nicht ankreiden. Aufgabe der Kirche muss in diesem Fall sein, eine Argumentation gegebenenfalls noch zu vertiefen. Das haben wir versucht.“

Bereits am 2. Mai hatte Bischof Voderholzer zusammen mit dem evangelisch-lutherischen Regensburger Regionalbischof, Dr. Hans-Martin Weiss, eine ökumenische Erklärung zur Kreuzdebatte in Bayern veröffentlicht. Der Regensburger Bischof wird am Freitag auf dem Katholikentag in Münster unter anderem an dem Forum teilnehmen, das dem im KZ Dachau geweihten Münsteraner Priester Karl Leisner gewidmet ist.

Predigt im WORTLAUT:

Liebe Mitbrüder im Bischofs-, Priester- und Diakonenamt,
liebe Schwestern und Brüder im Herrn! Zur Stunde wird in Münster der 101. Katholikentag eröffnet. Bis zum Sonntag werden 50.000 Dauergäste erwartet und darüber hinaus viele Interessierte aus ganz Deutschland und darüber hinaus.
Auch ich werde am Freitag nach Münster fahren und an einem Forum teilnehmen, wo es um den im KZ Dachau geweihten Priester Karl Leisner gehen wird. Karl Leisner ist ein Münsteraner Priester und strahlender Zeuge des Glaubens im Kontext der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Der Katholikentag, Sie erinnern sich an meine steten Aussagen von vier Jahren, ist das Treffen der katholischen Laien, der Verbände und Vereine, die sich bei diesem Treffen ihrer Grundlagen vergewissern und sich stärken für das gesellschaftspolitische Engagement in den verschiedenen Ebenen von Politik, Wissenschaft, Kunst und Kultur.

Sie wissen auch, dass ich in diesem Zusammenhang Vorbehalte habe gegenüber dem Begriff des „Laien“, der mir diskriminierend erscheint, weil er ein abgrenzender Begriff ist. Der Alternativbegriff „Weltchrist“ scheint mir immerhin positiv formuliert zu sein und die Aufgabe auf den Punkt zu bringen, nämlich durch Taufe und Firmung berufen und bestellt zu sein, in der Welt für das Reich Gottes zu wirken und das Evangelium im Alltagsgeschäft zu bezeugen.
Ein solches „weltchristliches“ Engagement hat vor ein paar Tagen der neue, übrigens evangelisch-lutherische, Bayerische Ministerpräsident an den Tag gelegt, wenn er mit der Bayerischen Staatsregierung den Erlass herausgegeben hat, dass in den staatlichen Behörden öffentlich ein Kreuz angebracht werden soll. Ich sehe darin den Auftrag an alle Christinnen und Christen verwirklicht, unsere Gesellschaft positiv aus dem Geist des Evangeliums mitzugestalten.

Es ist für mich eine große Freude, dass ich in ökumenischer Verbundenheit zusammen mit dem evangelisch-lutherischen Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss erklären konnte: „Wir begrüßen und unterstützen, wenn das Kreuz im öffentlichen Raum präsent ist – auch und erst recht dort, wo politische und/oder administrative Verantwortung für unser Gemeinwesen wahrgenommen wird.“

Und unsere Begründung lautete unter anderem:„Die Väter und Mütter der Bayerischen Verfassung haben nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und unter dem Eindruck der Selbstvergötzung des Staates mit den bekannten verheerenden Folgen für Europa und die ganze Welt dem Verfassungstext eine ‚Invocatio Dei‘ (Anrufung Gottes) vorangestellt und darüber hinaus die Ehrfurcht vor Gott als Bildungsziel formuliert. Dies geschah in der Überzeugung, dass eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft von Voraussetzungen lebt und auf Fundamenten aufbaut, die sie selbst nicht garantieren kann, um es mit Ernst-Wolfgang Böckenförde zu formulieren.

Historisch und sachlich betrachtet ist in unserer bayerischen Heimat die christliche Religion das Fundament der staatsbildenden Grundwerte. Das im christlichen Glauben gründende Wertesystem prägt und formt unsere Gesellschaft positiv, und zwar auch dort, wo ihr dies längst nicht mehr bewusst ist.
An die Botschaft des Kreuzes erinnert zu werden ist nicht nur zumutbar, sondern auch hilfreich, auch für jene, die diesen Glauben nicht teilen.

Das Kreuz steht stellvertretend und symbolisch für das vor-staatliche Fundament der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.
Das Kreuz bewahrt den Staat vor der Versuchung, sich totalitär des Menschen zu bemächtigen.“

Soweit die wichtigsten Passagen aus der gemeinsamen ökumenischen Stellungnahme. Der Ministerpräsident hat sich in einem guten Sinne weltchristlich verhalten und in eigener Verantwortung aus der in der Taufe gründenden Berufung gehandelt. Da ist es nicht gut, wenn ihm ausgerechnet von kirchlicher Seite auch noch Kritik widerfährt. Dass ein Politiker immer auch auf die nächsten Wahlen schielen muss, darf man ihm nicht ankreiden. Aufgabe der Kirche muss in diesem Fall sein, eine Argumentation gegebenenfalls noch zu vertiefen.

Das haben wir versucht.
Zurück zum Katholikentag. Ich erwarte mir von diesem Forum klare Signale in den Bereichen, in denen Katholiken Einfluss nehmen können auf das gesellschaftliche Leben, etwa beim Lebensschutz, in der Familienpolitik, beim Verständnis von Ehe als Verbindung von Mann und Frau, beim Einsatz für soziale Gerechtigkeit und vieles mehr.

Was nicht Aufgabe des Katholikentages ist, sind laute Forderungen in Glaubensfragen, insbesondere in Fragen der Sakramentenlehre und der sie begründenden Theologie.
Es wäre ein seltsames, ja ein falsches Signal, wenn vom Katholikentag aus nur oder vor allem die altbekannten kirchenpolitischen Forderungen in die Öffentlichkeit getragen würden.
Insbesondere warne ich davor, jetzt aus aktuellem Anlass Druck aufzubauen in der Debatte um den Kommunionempfang für evangelische Ehepartner in konfessionsverschiedenen Ehen.

Wie Sie wissen, gibt es in der Deutschen Bischofskonferenz einen Dissens. Ich gehöre zu den sieben Bischöfen, die unter Führung des Erzbischofs von Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki, einen Brief nach Rom geschrieben haben, worin wir um Klärung von ein paar Fragen gebeten haben.

Wir sind erstens davon überzeugt, dass es sich bei der zur Debatte stehenden Frage um ein Thema handelt, das die Glaubenslehre betrifft. Eine pastorale Frage wäre, wann das richtige Alter für die Erstkommunion ist, mit 7, mit 14 oder, wie es jetzt die Regel ist, mit 9 Jahren. Eine pastorale Frage ist, wie der Beichtspiegel und die Beichtvorbereitung aussehen sollten. Eine pastorale Frage im Zusammenhang mit der Eucharistie ist die äußere Form beim Kommunionempfang: Handkommunion und/oder Mundkommunion, kniend oder stehend. Wo es aber um die Glaubensüberzeugung und die Kirchenzugehörigkeit des Empfängers geht, steht mehr auf dem Spiel, nämlich das Verständnis von Kirche und Bekenntnis insgesamt. Eine so weit reichende Änderung der bisherigen Lehre kann, so unsere Anfrage, doch nicht auf der Ebene nur einer Bischofskonferenz vorgenommen werden. Was bei uns gilt, muss auch in Chicago, Shanghai und Johannesburg gelten.

Zur Klärung dieser strittigen Fragen war ich vorige Woche zusammen mit den Kardinälen Marx und Woelki und weiteren Bischöfen in Rom zum Gespräch eingeladen. Der Papst hat unsere Fragen dahingehend beantwortet, dass er uns den infrage stehenden Text zurückgegeben und uns mitteilen hat lassen, dass wir als deutsche Bischöfe, wörtlich, „im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung zu finden“ hätten. Diese Aufgabe wird nicht leicht zu erfüllen sein, weil die kirchliche Gemeinschaft die Grenzen der Kirche Deutschlands überschreitet. Es kann die möglichst einmütige Regelung nur geben in Gemeinschaft mit dem gesamten Weltepiskopat, mit der gesamten Weltkirche, mit der Bischofskonferenz von Canada genauso wie mit der von Indonesien. Es geht um ein wirkliches theologisches Ringen, um eine Frage, die uns im Gewissen bindet.
Dabei ist der Druck einer Öffentlichkeit, die den Tiefgang der Debatte um unser „Allerheiligstes“, und um das handelt es sich bei dieser Frage, gar nicht wahrnimmt und die die Thematik nur auf der Ebene bürgerlicher Anständigkeit, persönlicher Animositäten oder politischer Strategien ansiedelt, nicht hilfreich. Es handelt sich nicht um eine Frage der Höflichkeit oder Nettigkeit, sondern um die Bedingungen und Voraussetzungen der Begegnung mit dem Allerheiligsten.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn! Wir feiern Christi Himmelfahrt. Der Herr kehrt nach Vollendung seines Heilswerkes heim zu seinem und unserem Vater, nicht um uns zu verlassen, sondern um auf neue Weise bei uns zu sein bis ans Ende der Tage.

Er ist bei uns in seinem Wort; er ist bei uns in jedem Menschen, der uns und unsere Hilfe und Zuwendung braucht. Was ihr dem geringsten meiner Schwestern und Brüder getan habt, habt ihr mir getan. Er ist bei uns im Zeichen des Kreuzes, das uns so lieb geworden ist und in dem unser ganzer Glaube in so wunderbar einfacher Weise zusammengefasst ist.

In der dichtesten Form freilich ist und bleibt der Herr bei uns in der Feier der Eucharistie. In der Eucharistie baut er immer wieder aufs Neue die Kirche auf als seinen Leib in den vielen Gliedern.
Vom gekreuzigt-auferstandenen Herrn, gegenwärtig in der Eucharistie, geht Segen aus, und diesen Segen erbitten wir heute und am Fronleichnamsfest, wenn wir unseren Kirchenraum verlassen und singend und beten durch die Straßen unserer Stadt ziehen.

Ja, Herr segne unsere Stadt, segne alle ihre Bewohner, und schenke ihr und der Kirche Deinen Frieden, Amen.

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„Ohne Weihnachten kein Vaterunser“

„Das Vaterunser als weihnachtliches Gebet“ stellt der Bischof von Regensburg in den Mittelpunkt seiner Predigten.

Was wir im zurückliegenden Advent erlebt haben, hatte man in unserer säkularisierten Gesellschaft kaum mehr für möglich gehalten. Bis in die Boulevardblätter hinein wird über das zentrale Gebet der Christenheit und den Sinn seiner Worte diskutiert. Allein das ist schon eine Gute Nachricht!

Das Vaterunser: ein weihnachtliches Gebet? Gewiss, die Engel singen das „Gloria in excelsis Deo“, die Hirten beten an, die Weisen aus dem Morgenland bringen Geschenke. Die Bitte der Jünger, sie beten zu lehren, wird Jesus erst als Erwachsener im Rahmen der Bergpredigt erfüllen: Wenn Ihr betet, so sprecht: „Vater unser im Himmel …“

….einer von uns

Dennoch: Ohne Weihnachten kein Vaterunser! Die Weihnachtsbotschaft lautet: Der ewige Sohn des Vaters wird Mensch, einer von uns. Er geht in die Geschichte ein und teilt unser aller Menschenlos. So nimmt er uns hinein in seine Beziehung zu Gott. Er erneuert unsere Gotteskindschaft. In ihm sind wir Söhne und Töchter Gottes und miteinander Schwestern und Brüder.

Die Geschwisterlichkeit der Menschheitsfamilie wird nicht erreicht durch die Abschaffung der Väter, sondern allererst ermöglicht durch den gemeinsamen Bezug auf den himmlischen Vater. In seiner Hand sind wir geborgen.

Beterinnen und Beter

Das Vaterunser braucht keine neue Übersetzung. Es braucht Beterinnen und Beter, Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer, die sich an der Krippe neu als Kinder Gottes erfahren und täglich neu aus dieser Beziehung leben. So schenken wir uns und den Menschen unserer Nähe auch ganz nebenbei ein im eigentlichen Sinne der Worte frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.

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Bischof Voderholzer: „Bonifatius war ein echter Bote des Evangeliums“

Msgr. Rudolf Voderholzer / Quelle: Copyright: Pressestelle Bistum Regensburg

Predigt vom Regensburger Bischof
in der Schlussvesper am 28. September 2017
in Fulda — Volltext

Wir dokumentieren im Folgenden die Predigt von Bischof Rudolf Voderholzer in der Schlussvesper mit Bonifatiussegen am 28. September 2017 anlässlich der Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz in Fulda

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Liebe Mitbrüder im Bischofs-, Priester- und Diakonenamt,
ehrwürdige Schwestern,
liebe Vertreter der kirchlichen Vereine und Verbände,
liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Seit 150 Jahren kommen die deutschen Bischöfe zu ihrer Herbst-Vollversammlung in Fulda zusammen. Die Lage ziemlich in der Mitte Deutschlands ist verkehrstechnisch sehr praktisch. Aber der wahre Grund liegt tiefer. Wir treffen uns in Fulda, weil wir hier das Grab des hl. Bonifatius verehren, des „Apostels der Deutschen“. Die Verlautbarungen der Vollversammlung der Deutschen Bischöfe, früher bisweilen einfach „Fuldaer Bischofskonferenz“ genannt, wurden stets mit der Wendung eingeleitet bzw. lokalisiert: „Am Grab des hl. Bonifatius versammelt, … tun die deutschen Bischöfe kund …“

Zur Verehrung des hl. Bonifatius gehört nicht zuletzt die Bitte um Gottes Segen auf seine Fürsprache hin, die zeichenhaft durch die Auflegung der Bonifatius-Reliquie ihren Ausdruck findet. Auch wir werden uns nachher mit dem Reliquiar segnen lassen und somit gleichsam hautnah in Berührung bringen mit dem Mann, der für seinen Glauben sein Leben hingegeben hat. Der damit durch die Gnade Gottes sein außergewöhnliches Lebenswerk der vertieften Einpflanzung des Christentums in unserem Heimatland krönen konnte.

Als Bischof von Regensburg darf ich einem Bistum vorstehen, das im Jahr 739 vom hl. Bonifatius kanonisch errichtet wurde und so treiben auch mich besonders Fragen um wie diese: Was gibt uns das Vorbild des hl. Bonifatius heute mit? Was können wir von ihm lernen, wo fordert er uns heraus?

Wenn wir sein Leben und Wirken betrachten, dann begegnet uns ein Organisationsgenie und ein Kommunikationsgenie; jemand, der die Kirche in Deutschland geordnet und fest mit Rom verbunden hat und damit ein wesentliches Fundament des Abendlandes gelegt hat. Aber diese sozusagen politischen Fähigkeiten allein begründen noch nicht seine Bedeutung. Bonifatius war ein echter Bote des Evangeliums. Davon zeugen seine Briefe. In ihnen begegnet uns manch Zeitbedingtes, aber auch viel zeitlos Gültiges für uns.

Im ältesten uns erhaltenen Bonifatius-Brief an einen gewissen Sigeberht erläutert der Heilige die Bedeutung des sogenannten Kreuzgedichtes. Das ist ein kunstvolles Figurengedicht in Ellipsenform, dessen Mitte das zweimal mit der Inschrift „Jesus Christus“ versehene Kreuz bildet: „Du sollst wissen, dass Du die einzelnen Bestimmungen des Alten und Neuen Testamentes dann in der den Kirchensatzungen entsprechenden Weise verstanden hast, wenn Du in der Mitte mit geistigen Augen betrachtend den Christus am Kreuz erblicken kannst, der das Bauwerk der bösen Begierden zerstört und den Tempel der gütigen Liebe erbaut“ (Briefe des hl. Bonifatius, hg. von Reinhold Rau, Darmstadt 1969, 365; vgl. Lutz E. von Padberg, Bonifatius. Missionar und Reformer, München 2003, 24).

Bonifatius, der sich selbst auf seinen missionarischen Dienst mit einem intensiven Studium der Heiligen Schrift vorbereitet hat – vermutlich konnte er die Bibel über weite Strecken auswendig – verpflichtet uns auf die Urkunde unseres Glaubens. Bemerkenswert sein Hinweis auf die Einheit der Heiligen Schrift. Altes und Neues Testament als Offenbarungszeugnis sind eine Einheit, die christologisch, letztlich durch das Kreuzesgeschehen, vermittelt ist; Einsichten, die von höchster Aktualität sind und von der Bibelhermeneutik unserer Tage wieder eingeholt werden.

Angesichts einer immer mehr schwindenden Bibelkenntnis selbst in kirchlichen Kreisen und eines Relevanz-Verlustes der biblischen Botschaft erinnert uns Bonifatius durch sein Vorbild und seine Predigt an die Weisungen des Zweiten Vatikanischen Konzils: die Kenntnis der Heiligen Schrift zu fördern, die Liebe zur Heiligen Schrift zu entfachen und das Schriftstudium als „Seele der Theologie“ hochzuhalten (vgl. Vat. II, Dei verbum, 6. Kapitel, v. a. DV 24).

Mit der Heiligen Schrift im Herzen hat der hl. Bonifatius unsere Heimat evangelisiert. Ich bin froh, dass er die Donar-Eiche – Symbol und Kultstätte des germanischen Heidentums – gefällt, aus ihrem Holz eine Peterskirche gebaut und an ihre Stelle das Kreuz gesetzt hat. Die Propagandisten einer Re-Germanisierung haben ihm das immer übel genommen und die vermeintliche „Verweichlichung“ der hehren germanischen Natur durch die jüdisch-christliche Ethik der Schwachen und Zu-kurz-Gekommenen vorgeworfen. Erst aus der Perspektive der Umkehr und der Kreuzesnachfolge freilich ist der wahre und wahrhaftig humane Mehrwert der Botschaft des Evangeliums zu erfassen. Das Kreuz ist das Zeichen gewaltloser Toleranz, das uns zeigt, dass der Glaube in höchstem Maße eine Sache der Freiheit ist. Das Kreuz zeigt, dass Gott uns leiden mochte und leiden mag bis zur letzten Konsequenz und ist deshalb der Inbegriff der froh und selig machenden Botschaft. Woher, so frage ich, woher schließlich sollte Hoffnung kommen auf Frieden und Versöhnung unter den Völkern, wenn nicht vom Kreuz her, an dem der Herr gewalt- und wehrlos den Hass der Welt an sich hat austoben lassen und so dem unseligen Kreislauf von Tun und Vergeltung in die Speichen gefahren ist; vom Kreuz her, unter dem sich gerade auch noch einmal Opfer und Täter versöhnen können?

Dank des überlieferten Brief-Corpus haben wir auch ganz konkrete Aussagen und Ermahnungen des hl. Bonifatius an Bischöfe. Ich erinnere nur an eines der berühmtesten Worte, gerichtet an Bischof Cuthberht: „Wir wollen nicht stumme Hunde sein, nicht schweigende Späher, nicht Mietlinge, die vor dem Wolf fliehen, sondern besorgte Hirten, die über die Herde Christi wachen, die dem Großen und dem Kleinen, dem Reichen und dem Armen, jedem Stand und Alter, ob gelegen oder ungelegen, jeden Rat Gottes verkünden“ (Brief 78, ed. Rau, 251 und 253; zitiert nach Padberg, 31).

Es ist beachtlich, mit welchem Nachdruck Bonifatius die Verantwortlichkeit jedes Einzelnen betont (vgl. Hubertus Lutterbach, Mit Axt und Evangelium. Eine Biographie in Briefen, Freiburg 2. Auflage 2005, 273). Lutterbach spricht davon, Bonifatius habe das Christentum als „Gewissensreligion“ gelehrt und verkündet! Nur wer mit seiner ganzen Person für den Glauben einsteht, nur wer zu erkennen gibt, dass er sich als Bote dem sendenden Gott und nicht dem Zeitgeist, den Erwartungen der Medien oder sonstigen vorläufigen Instanzen verantwortlich weiß, wird bei anderen Glauben wecken. Kirchliches Leben braucht mehr als nur Sympathisanten. Leitbilder sind gefragt. Menschen die brennen und so das Feuer des Glaubens weitergeben können.

Deshalb scheint mir, dass uns Bonifatius, der Glaubenszeuge, ermutigt, im Voraus zu einer Theologie der Gemeinschaft und der Kollegialität – so wichtig und notwendig sie ist –, noch deutlicher eine Theologie der Personalität und der personalen Verantwortung in den Blick zu nehmen. Eine solche Theologie der Personalität entspricht ganz dem biblischen Gottes- und Menschenbild. „Zur Struktur der Bibel gehört nicht nur die Gemeinschaftlichkeit der von Gott geschaffenen Geschichte“, sagt Joseph Ratzinger, „sondern ebenso die persönliche Haftbarkeit, die Verantwortung der Person. Das Wir ist nicht Auflösung von Ich und Du, sondern deren Bestätigung und Stärkung ins Endgültige hinein.“ Ein sprechender Beleg dafür ist die Bedeutung, die schon im Alten und erst recht im Neuen Testament, der Name hat – der Name Gottes und der Name des Menschen. Der Name, der Gott und mich und dich ansprechbar, identifizierbar und unterscheidbar macht, bezeichnet in der Sprache der Bibel dasselbe, was dann die philosophische Reflexion mit dem Wort „Person“ bezeichnen wird. „Dem Gott, der einen Namen hat, d. h. ansprechen und angesprochen werden kann, korrespondiert der Mensch, der namentlich und in namentlicher Verantwortung in der Offenbarungsgeschichte steht.“ (Joseph Ratzinger, Der Primat des Papstes und die Einheit des Gottesvolkes, JRGS 8, 660–675, hier: 663) Deshalb ist es auch wichtig, dass im eucharistischen Hochgebet, wenn die Einheit des Gottesvolkes mit der Hierarchie der Kirche aufgerufen wird, der Papst und der Ortsbischof mit ihren Namen genannt werden. Das hat nichts mit Personenkult zu tun, sondern erinnert an die Tatsache, dass der formale Kern des Glaubens die „persönlich verantwortete Zeugenschaft“ ist. Es kann in der Kirche keine anonyme Leitung geben. Die personale Inpflichtnahme darf nicht durch Gremien oder Synoden aufgehoben werden, durch letztlich anonyme Größen, hinter der die persönliche Zeugenschaft und auch die persönliche Verantwortlichkeit zu verschwinden droht. Bonifatius erinnert uns durch sein Wirken und sein Beispiel an die „martyrologische“, das heißt auf das persönliche Bekenntnis und die Zeugnis verpflichtende Sendung des apostolischen Dienstes. Die Kollegialität der Bischöfe hebt die Personalität und persönliche Verantwortung des einzelnen nicht auf, sondern setzt sie voraus.

Noch einmal mit Joseph Ratzinger gesprochen:

Dem Zeugen Jesus Christus entsprechen die Zeugen, die, eben weil sie Zeugen sind, mit Namen für ihn einstehen. Das Martyrium als Antwort auf das Kreuz Jesu Christi ist nichts anderes als die letzte Bekräftigung dieses Prinzips der unabtretbaren Namentlichkeit, der namentlich haftenden Person.“

Hl. Bonifatius, Apostel der Deutschen und Blut-Zeuge für das Evangelium, bitte für uns! Amen.

(Quelle: DBK)

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Bischof Voderholzer: Statio zur Messfeier in Mindelstetten zum Anna-Schäffer-Gebetstag am 26. Juli 2017

Mindelstetten, Pfarrkirche St. Nikolaus / Wikimedia Commons – Rensi, Public Domain

 

Liebe Mitbrüder im Priester- und Diakonenamt, liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

die Sie sich auch vom regnerischen Wetter nicht haben abhalten lassen, heute am Festtag der heiligen Joachim und Anna wieder in so großer Zahl zum Anna-Schäffer-Gebetstag nach Mindelstetten zu kommen.

Beim Wettersegen beten wir um „gedeihliches Wetter“, und der Regen war ja so notwendig, so wollen und dürfen wir uns nicht beklagen, auch wenn wir deshalb heute unter Regenschirmen die Heilige Messe feiern. Es soll unserer Andacht und der Inständigkeit unserer Gebete keinen Abbruch tun. Danken wir vielmehr auch für den Regen, der der Natur, vor allem den Wäldern, so gut tut.

Ich danke Ihnen allen für Ihr Glaubenszeugnis, danke auch allen, die den Anna-Schäffer-Gebetstag organisatorisch gestalten und tragen, danke den Geistlichen, den Beichtvätern usw.

Wir ehren am heutigen Tag die Eltern der Gottesmutter Maria und somit die Großeltern Jesu, Joachim und Anna, und wir danken Gott für die Gnade, die er der heiligen Anna Schäffer geschenkt hat, dass er sie durch das Leiden zur Heiligkeit geführt und so uns allen eine Fürsprecherin im Himmel, aber auch ein Vorbild der Glaubensstärke und Treue geschenkt hat.

Wir wollen den Herrn bitten, dass er auch uns erneuere im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. Deshalb bitten wir zu Beginn dieser Feier um Vergebung und Erbarmen:

Erbarme Dich, Herr unser Gott, erbarme Dich, …

Predigt

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Am vergangenen Freitag, den 21. Juli, wurden die statistischen Zahlen für die katholische Kirche und die evangelische Kirche in Deutschland für das Jahr 2016 veröffentlicht. Sie haben wahrscheinlich das eine oder andere davon in Rundfunk und Fernsehen oder über die Zeitungen mitbekommen.

Das Ergebnis war wenig überraschend. Die Kirchenaustrittszahlen liegen nach wie vor besorgniserregend hoch, auch wenn sie in der katholischen Kirche gegenüber dem Vorjahr 2015 um etwa 11 Prozent zurückgegangen sind. Die Zahl der Taufen ist sogar leicht gestiegen, die der Trauungen ein wenig gesunken. In Hamburg und Berlin steigen die Katholikenzahlen, bedingt durch den Zuzug von katholischen Ausländern; insgesamt ist die Zahl der Katholiken in Deutschland aber rückläufig.

Liebe Schwestern und Brüder, ich will sie heute am Anna-Schäffer- Gedenktag nicht mit Zahlen und Statistiken langweilen. Aber die Reaktionen in der Öffentlichkeit auf diese Zahlen sind doch bemerkenswert und führen uns dann doch in die Tiefe.

Da wird uns als Heilmittel zur Umkehr dieses Trends und zur Wahrung unserer gesellschaftlichen Relevanz immer wieder geraten, dass wir uns – wörtlich – „weiter öffnen und von starren konservativen Dogmen verabschieden“.

Näherin heißt das dann:

  • Abschaffung der Ehelosigkeit der Priester;
  • Verzicht auf unterschiedliche Aufgaben und Berufungen von Frauen und Männern in der Kirche und Zulassung von Frauen zum apostolischen Dienstamt;
  • Zustimmung zur Forderung nach völliger rechtlicher Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit der Ehe;
  • Öffnung der Kommunionzulassung für alle usw.

Sie kennen diesen Katalog der Forderungen so gut wie ich.

Liebe Schwestern und Brüder! Wie problematisch diese Ratschläge sind, lehrt aber doch bereits ein kurzer Blick auf die Statistik der evangelischen Kirche. Wenn die Umsetzung der genannten Ratschläge wirklich ein Weg zu einer Verbesserung der kirchlichen Lage wäre, dann müsste in der evangelischen Kirche doch das blühende Leben zu beobachten sein.

Was aber sagt die Statistik? Aus der evangelischen Kirche, in der alle diese Forderungen doch im Grunde erfüllt sind und wo es alle diese vermeintlichen Erschwernisse des Kircheseins nicht oder nicht mehr gibt, aus der evangelischen Kirche treten – und zwar mit Ausnahme von 2014 schon seit Jahren – mehr Menschen aus als aus der katholischen Kirche. Darüber aber wird in der Öffentlichkeit weitgehend sehr vornehm geschwiegen, obwohl die Zahlen am selben Tag der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Wird darüber vielleicht auch deshalb vornehm geschwiegen, weil andernfalls die eklatante Schwäche, ja die Widersprüchlichkeit und Widersinnigkeit der „guten“ Ratschläge an die katholische Kirche offenkundig würde?! Kann man uns denn allen Ernstes den Weg der evangelischen Kirche als Heilmittel empfehlen, der so offenkundig zu einer noch größeren Entfremdung von Glaube und Kirche geführt hat? Ich sage das ohne Häme! Ich kenne evangelische Mitchristen, die mir in dieser Einschätzung der Lage vollkommen zustimmen und die uns Katholiken warnen, dieselben Fehler zu machen.

Wir müssen in der ganzen Debatte viel tiefer ansetzen. In der Kirchenstatistik wird eine seit Jahren fortschreitende Säkularisierung, eine Verweltlichung sichtbar, ein Schwund an Kirchenbindung und letztlich ein Rückgang an Glaubenssubstanz, eine Verflüchtigung des Gottesbewusstseins. Deshalb haben wir auch nicht eigentlich einen Priestermangel, sondern einen viel fundamentaleren Glaubensmangel. Der Priestermangel ist ein Symptom, wie das Fieber. Das Fieber ist ja nicht selbst die Krankheit, sondern das Fieber weist auf einen Entzündungsherd hin. Ich bin mir sicher: Das Fieber des Priestermangels weist auf die Krankheit des Glaubensmangels hin. Übrigens kennt auch die evangelische Kirche längst das Phänomen des „Pfarrermangels“, weil es zu wenig junge Leute gibt, die Theologie studieren und sich auch beruflich ganz in den Dienst des Evangeliums stellen wollen; das alles ohne Zölibat und trotz der Möglichkeit auch für Frauen, das Pfarramt zu übernehmen! Das sollte uns doch zu denken geben hinsichtlich der wahren Gründe für den Schwund an Kirchlichkeit.

Liebe Schwestern und Brüder, versammelt am Grab der heiligen Anna Schäffer! Uns allen liegen das Erscheinungsbild und das Geschick der Kirche am Herzen. Aber nicht deshalb, weil wir zu ihr wie zu einem Verein gehören, dessen öffentliches Ansehen und dessen Stärke oberstes Ziel wären; sondern um der Botschaft willen und um der Menschen willen, um derentwillen Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist. In der Kirche nimmt er uns in Dienst für sein Evangelium. Dabei hat uns der Herr nicht verheißen, dass wir immer die Mehrheit sein würden; er hat uns vielmehr Gegenwind und Widerstand vorausgesagt.

Deshalb sollten wir uns auch gar nicht so viel mit Zahlen und Statistiken beschäftigen. Uns muss es darum gehen, dass durch unser Leben aus dem Glauben das Evangelium in unserer Umgebung leuchten kann.

Überall, wo wir das Evangelium durch Unaufmerksamkeit, Lieblosigkeit und Hartherzigkeit verdunkeln, sind wir aufgerufen, umzukehren und dem Herrn wieder Raum zu geben.

Statt ständig an den Strukturen, auch und gerade den sakramentalen Strukturen der Kirche herumzumäkeln, statt die Botschaft des Evangeliums zu verdünnen und statt eine Light-Version von Jesus zu verkünden, ist Evangelisierung angesagt, eine Durchdringung der Gesellschaft mit dem Geist Jesu. Und der erste und alles entscheidende Schritt auf diesem Weg ist das tägliche Bemühen um Heiligkeit, das tägliche Hören auf Gottes Wort und die Bereitschaft, mit der Reform der Kirche bei mir selbst anzufangen. Denn das heißt Reformation: Erneuerung aus dem Glauben, Wiederherstellung des Bildes Christi, das uns in Taufe und Firmung eingeprägt ist. Wo uns das in der Gnade Gottes geschenkt wird, wo uns das gelingt, da werden wir die Menschen auch unserer Tage wieder neugierig machen auf den Glauben, der uns trägt. Und dann werden wir auch Rechenschaft geben können, über die Hoffnung die uns erfüllt.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn! Die heilige Anna Schäffer ist uns bei dem für unsere Zeit angesagten Bemühen um Evangelisierung in jeder Hinsicht ein Vorbild und auch eine Fürsprecherin.

Sie wollte ihr Leben drangeben für die Mission in der Ferne. Der Herr aber hatte sie bestimmt für die Mission in der Heimat. Bevor sie freilich für viele zur Trösterin und Quelle von Glaubensfreude werden konnte, musste sie sich selbst noch einmal neu und radikal evangelisieren lassen. Die Annahme ihres Leidens als Teilhabe am Kreuz Christi war alles andere als leicht. Ans Bett gefesselt und den Blick aufs Kreuz gerichtet, hat sie sich diesem Prozess der inneren Heilung und Verwandlung gestellt. So wurde sie zu einem leuchtenden Zeichen des Wirkens Gottes, zur Glaubensbotin für ungezählte Menschen und schließlich zur Heiligen der katholischen Kirche.

Und so bitten wir sie heute um ihre Fürsprache, dass der Herr jedem und jeder von uns die Gnade schenke, mit der Reform der Kirche bei sich selbst anzufangen; dass wir den Mut aufbringen, uns täglich neu selbst evangelisieren zu lassen und auf diese Weise bereitet werden, der Sendung der Kirche zu dienen – zum Heil für die Menschen, und zur Verherrlichung des dreifaltigen Gottes, dem die Ehre sei, heute, alle Tage, und in Ewigkeit, Amen.

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