Die Medaille und die Verehrung des heiligen Antlitzes Jesu Christi

Giuseppina De Micheli erhielt am 16. Mai 1914 mit dem geistlichen Kleid der »Töchter der Unbefleckt Empfangenen« den Namen: Schwester Maria Pierina.

In Liebe zu Jesus und den Seelen schenkte sie sich ihm bedingungslos, und er erwählte sie zum Gegenstand seines Wohlgefallens. Von Kindheit an im Geiste der Sühne — wuchs sie in den Jahren zum Ganzopfer.

Mit zwölf Jahren, am Karfreitag, hörte sie in der Pfarrkirche »San Pietro in Sala« zu Mailand mit deutlicher Stimme sagen: »Nie­mand gibt mir einen Liebeskuß ins Antlitz, um den Judaskuß zu sühnen!«

(Wie in unseren Landen, wird auch dort am Karfreitag ein am Boden liegendes Kruzifix geküßt, d. h. die Wundmale des Heilands.) Erst glaubte Giuseppina, daß diese Stimme von allen Anwesenden gehört wurde; doch war sie betrübt, als sie sah, daß man weiter die Wunden und nicht das Antlitz Jesu küßte. Als sie an die Reihe kam, folgte sie dem An­ruf des Herm.

Diese Begebenheit in ihrer Jugend war der Beginn noch größerer Gnadenerweise in ihrem Ordensleben. lm Noviziat wurde ihr die nächtliche Anbetung gestattet. In einer Nacht vom Gründonnerstag auf Karfreitag, als sie vor dem Gekreuzigten betete, erhielt sie wiederum eine Aufforderung und ihr Herz fühlte das Leid des Heilands. Darauf faßte sie den Vorsatz, die Verunehrung seines heiligen Antlitzes und die des heiligsten Altarssakramentes wieder gutzumachen. lm Jahre 1919 wurde Schwester M. Pierina nach Buenos Aires in Südamerika geschickt. Als sie am 12. April 1920 eines ihrer Leiden Je­sus klagte, zeigte er sich ihr mit einem schmerzerfüllten, blutenden und zugleich lie­benden Ausdruck, indem er sprach: »Und ich, – was habe ich getan?« Schwester M. Pierina wußte um die Bedeutung dieser Ant­wort, und das heilige Antlitz wurde darauf ihre ständige Betrachtung.

1921 nach Mailand zurückgekehrt, würdigte sie der Herr besonderer Gnaden. Später wurde sie Oberin des Mailänder Klosters und dann der ganzen italienischen Provinz. Sie war ihren Töchtern nicht nur eine wahre Mutter, sondern auch ein Apostel des heili­gen Antlitzes für sie und alle, mit denen sie in Berührung kam. Frau Oberin M. Pierina verbarg ihre Auserwählung, doch die Schwe­stergemeinschaft wurde Zeuge mancher er­greifender Geschehnisse. Sie hatte Jesus ge­beten, verborgen bleiben zu dürfen; er er­füllte ihren Wunsch.

lm Verlauf der Jahre zeigte sich ihr Jesus, manchmal traurig, manchmal blutend — um Genugtuung flehend —, und dadurch wuchs in ihr immer mehr das Verlangen, zu leiden und sich hinzuopfern für ihn, für die Rettung der Seelen.

In der nächtlichen Anbetung am ersten Frei­tag der Fastenzeit 1936 ließ sie der Herr teil­nehmen an seinem seelischen Schmerz und der Todesangst in Gethsemani und sagte ihr mit blutendem Angesicht und tiefer Traurig­keit: »Ich möchte, daß Mein Antlitz, das die innersten Leiden meiner Seele, den Schmerz und die Liebe meines Herzens offenbart, mehr verehrt werde. Wer mich betrachtet, tröstet mich!«

Am folgenden Dienstag, nachdem er sie die Andacht zu seinem heiligen Antlitz gelehrt hatte, sprach er: »Es könnte sein, daß man­che Seelen fürchten, die Verehrung meines heiligen Antlitzes verringere die meines Herzens. Sage ihnen, daß sie im Gegenteil größer und vollkommener wird. Wenn die Seelen mein Antlitz schauen, nehmen sie Anteil an meinem Leiden und fühlen das Be­dürfnis zu lieben und wieder gutzumachen. Ist das nicht vielleicht die echte Verehrung meines Herzens?«

Diese Offenbarungen wurden immer ein­dringlicher. So erschien ihr auch die seligste Jungfrau im Mai 1938 auf einer Altarstufe in einem Lichtkreis, während Mutter M. Pierina sich im Gebet befand. Die Gottesmutter zeigte ihr ein Skapulier. Auf einer Seite war das Bild des heiligen Antlitzes Jesu mit der Inschrift: »Lasse, o Herr, dein Antlitz über uns leuchten!« Auf der anderen Seite sah sie eine Hostie im Strahlenkranz mit der Um­schrift: »Bleibe bei uns, o Herr!« Langsam näherte sich die Gottesmutter der Seherin und sprach: »Höre gut zu und teile es dem Beichtvater mit: Dieses Skapulier ist eine Schutzwaffe, ein Schild, ein Pfand der Erbar­mung, das Jesus der Welt in diesen sinnli­chen und haßerfüllten Zeiten gegen Gott und die Kirche geben will. Der echten Apostel sind es wenige. Alle diejenigen, welche sich mit einem Skapulier gleich diesem bekleiden und, wenn es ihnen möglich ist, am Dienstag dem hochheiligsten Sakrament einen Besuch machen — als Genugtuung für die Schmähungen, die das heilige Antlitz mei­nes Sohnes während seiner Passion erlitt und die es jeden Tag im Eucharistischen Sakrament erleidet —, werden, im Glauben ge­stärkt, bereit sein, ihn auch zu verteidigen und alle inneren und äußeren Schwierigkei­ten überwinden. Zudem werden sie einen ruhigen Tod unter dem liebevollen Blick meines göttlichen Sohnes haben.«

Den Wunsch der Gottesmutter bekräftigend, erschien ihr Jesus noch im selben Jahre und sagte: »Siehst du, wie ich leide? – Doch nur von wenigen werde ich verstanden. Wieviel Undankbarkeit erfahre ich von denjenigen, die vorgeben, mich zu lieben. Ich habe Mein Herz als ausdrucksvollsten Gegenstand meiner großen Liebe den Menschen gegeben und gebe nun Mein Antlitz als ausdrucksvollen Gegenstand meines Schmerzes über die Sün­den der Menschen. Ich will, daß es mit einem besonderen Fest, am Dienstag nach Quinqua­gesima (Fastnachtsdienstag) gefeiert werde und zwar mit vorausgehender Novene, in welcher die Gläubigen mir Genugtuung lei­sten, indem sie gemeinsam an meinen Schmerzen teilnehmen sollen!« lm Jahre 1939 sagte Jesus neuerdings eindringlich zu ihr: »Ich möchte, daß Mein heiliges Antlitz auf besondere Weise am Dienstag gefeiert werde!«

Nachdem Mutter M. Pierina vom Seelenfüh­rer und am 9. August 1940 auch von der Hochw. Kurie in Mailand die Erlaubnis zur öffentlichen Bekanntgabe erhielt, ging sie freudig ohne Mittel ans Werk.

Ihr Vertrauen wurde belohnt. Eines Morgens lagen auf ihrem Tischchen 11 200 Lire in einem Briefumschlag, genau der Betrag der Kosten. Die Mutter Gottes hatte vorgesorgt. Beunruhigt, daß sie anstatt des Skapuliers eine Medaille prägen ließ, wandte sie sich an die Gottesmutter. Am 7. April 1943 sagte dieselbe zu ihr: »Meine Tochter, sei beru­higt. Die Medaille ist ein gültiger Ersatz mit denselben Vergünstigungen und Gnaden, sie muß nur noch mehr verbreitet werden. Jetzt liegt mir das Fest des heiligen Antlitzes meines Sohnes am Herzen. Sage es dem Papst, daß mir viel daran liegt.« Sie segnete sie und verschwand.

M. Pierina ging am 26. Juli 1945, in Cento­nara d’Artò, Novara, in die ewige Heimat.

Auszug aus dem Buch: Sendbotin des heiligen Antlitzes – Schwester Maria Pierina de Micheli.

Heute findet die Medaille große Verbreitung. Au­ßergewöhnliche Gnadenerweise, wie Bekehrungen, Genesung von Kranken und andere Wohltaten wurden durch dieselbe erwirkt.

Mit dem Psalmisten beten wir: Herr, laß leuchten dein Antlitz über uns, rette uns durch dein Erbarmen. (Ps. 30, 17)

Imprimatur: Friburgi Helv., 8. V. 1968. Th. Perroud. vic. gen.


Gebet der hl. Theresia vom Kinde Jesu

zu Ehren des HI. Antlitzes.

O Jesus ! Du bist in Deinem grausamen Leiden der Leute Spott und der Mann der Schmerzen geworden. Siehe, ich verehre Dein göttliches Antlitz, auf dem einst die Schönheit und Milde der Gottheit erglänzten und das jetzt für mich das Angesicht eines Aussätzigen geworden ist. Unter diesen entstellten Zügen jedoch erkenne ich Deine unendliche Liebe und ich brenne vor Verlangen, Dich zu lieben und dazu beizutragen, daß Du von allen Mensehen geliebt werdest. Die Tränen, die Deinen Augen so überreichlich entströmen, erscheinen mir wie kostbare Perlen, die ich sammeln will, um mit ihrem unendlichen Werte die Seelen der armen Sünder zu erkaufen.

O Jesus! Dein Antlitz ist die einzige Schönheit, die mein Herz entzückt. Ich flehe zu Dir: Drücke Dein göttliches Bild in mein Herz ein und entflamme mich mit Deiner Liebe, damit sie mich schnell verzehre und ich bald dazu gelangen möge, Dein glorreiches Antlitz im Himmel zu schauen! Amen.