Einleitung in die Arbeiten des ersten Tages des Jubiläums der Katecheten

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EINLEITUNG
von Seiner Exzellenz Mons. Csaba Ternyák
Titular-Erzbischof von Eminenziana
Sekretär der Kongregation für den Klerus

Mit der freudigen und originellen Pädagogik des Glaubens

Einleitung in die Arbeiten des ersten Tages des Jubiläums der Katecheten
Samstag, 9. Dezember 2000 16.30 Uhr

 

Liebe Katecheten Religionslehrer, verehrte Brüder im Bischofs- und im Priesteramt, Geistliche, liebe Professoren, Lehrer und Ausbilder, und alle Gläubigen, die aus verschiedenen Gründen in der Diakonie der Wahrheit tätig sind

Willkommen ad Petri sedem, und willkommen in dieser Studiensession, in der wir brennend wünschen, mit Glauben und Treue, die rettende Universalität des Mysteriums Jesu Christi und seiner Kirche zu bestätigen und zu bezeugen (vgl. Kongregation für die Doktrin des Glaubens, Erklärung Dominus Iesus, Nr. 2, vom 6.8.2000). Dieses Geheimnis hat einen Namen: die Wahrheit, die Christus selbst ist, leuchtende und freudige Wahrheit, die uns zur Rettung aller Menschen offenbart wurde als wahrer und ewiger Orientierungsstern (vgl. Johannes Paul II, Fides et ratio, Nr. 15)

1. Erlaubt mir in diesem Zusammenhang, den Heiligen Geist mit den Anfangsworten des Gesangs Veni Creator anzurufen, denn er ist der wichtigste Hauptdarsteller der evangelisierenden Mission der Kirche (Johannes Paul II., Redeptoris Missio, 30), der Hauptagierende der neuen Evangelisierung (Ibid., Lett. ap. Tertio Millennio Adveniente, 45), derjenige, der uns drängt das Evangelium zu verkünden und uns tief im Inneren das Wort der Rettung begreifen lässt (Paul VI., Evangelii Nuntiandi, 75).

„Komme, oh Schöpfergeist,
besuche unseren Geist,
erfülle mit deiner Gnade
die Herzen, die Du geschaffen hast „

(Aus dem Lied Veni creator)

Wir wissen sehr gut, dass „auch die raffinierteste Vorbereitung des Evangelisierenden nicht ohne Ihn tätig sein kann. Ohne Ihn ist die überzeugendste Dialektik wirkungslos auf den Geist der Menschen. Ohne Ihn sind die ausgearbeitetsten Schemata auf der Grundlage der Soziologie und Psychologie leer und ohne Wert“ (Ibid. Evangelii Nuntiandi, 75).

Es würde außerdem nicht den Absichten des Jubiläums entsprechen, wenn dieser Tag, kurz vor dem Beginn des Dritten Jahrtausends und des zentralen Geheimnisses des christlichen Glaubens, uns nicht helfen würde zu entdecken, dass neben uns „Maria steht, die Mutter Jesu“ (Joh 2,1), Braut und Heiligtum des Heiligen Geistes (II. Vat. Konzil II, Lumen gentium, 53). Gemeinsam mit Joseph und Elisabeth, die vom Geist bereits die göttliche Mutterschaft der Jungfrau kennen, erfreuen wir uns in dieser Adventszeit am unvergleichlichen Meisterwerk, das Gott in Maria ausgeführt hat und erfreuen uns der göttlichen Überraschungen, der großen Dinge in Ihr bewirkt vom Allmächtigen (vgl. Lk 1,49), wir jubeln aufgrund der göttlichen Paradoxe – das Göttliche im Menschen, das unermessliche im Endlichen, der Erzeuger in seiner Schöpfung -, den nur die Kleinen und Demütigen in der Lage sind, zu betrachten und zu verstehen, wie die Hirten von Bethlehem und die Heiligen Drei Könige aus dem fernen Orient.

Wir entdecken in der Vertiefung einiger Aspekte der katechetischen Mission der Kirche, dass Maria die erste war, die von Gott unterrichtet wurde, die erste vor allem, weil kein Wesen jemals mit ähnlicher Fülle und Tiefe ausgebildet worden war: „Mutter und Jüngerin zugleich“ (Sankt Augustin Predigt 25,7: PL 46, 937-938).

Es ist nicht ohne Grund, dass in der Synodenaula, vor der IV. Generalversammlung der Bischofssynode, die im Oktober 1977 in Rom zusammengetreten ist, das Thema der Katechese betrachtet wurde, es wurde gesagt, dass Maria, die „ein lebender Katechismus ist“, „Mutter und Vorbild der Katecheten“ (Johannes Paul II., Catechesi Tradendae, 73).

2. In diesem Zusammenhang erhält unser heutiges Treffen seine Bedeutung: möge die Präsenz des Heiligen Geistes, dank der Gebete Marias, uns allen und der gesamten Kirche zu verstehen geben, mit der Intelligenz des Herzens, dass das Evangelium als Botschaft verkündet wird, als frohe Botschaft, die sich auf die Person Jesu, den Sohn Gottes und Erlöser des Menschen, konzentriert.

In diesem Sinn, werden uns die bevorstehenden, erleuchtenden Überlegungen Seiner Eminenz, Kardinal Präfekt der Heiligen Kongregation für den Klerus, sowie Präsidenten der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, sowie die nachfolgenden Mitteilungen einiger Laien zu wichtigen Aspekten der Katechese den Weg aufweisen: „die Katechese muss dem Menschen helfen Christus zu treffen, einen Dialog mit ihm zu führen, in Ihn einzutauchen“(Johannes Paul II., Ansprache des ad limina-Besuchs der Bischöfe Litauens, 17. September 1999, in L’O.R. Nr. 215/1999, p.7).

Wenn dieses vibrierende Treffen mit Christus fehlt, wird das Christentum zu trockenem Boden, wo die Winde der Verweltlichung und des doktrinalen und existentiellen Relativismus herrschen und wo die Götzenversuchungen von Sekten voller falschem Spiritualismus ungestört die Oberhand ergreifen. Wir wissen sehr gut, dass mit der Fleischwerdung des Wortes, unsere menschliche Geschichte aufgehört hat, trockener Boden zu sein wie es vor der Fleischwerdung schien, um die Bedeutung und den Wert der universellen Hoffnung aufzunehmen. Tatsächlich hat sich „Gott mit der Fleischwerdung des Sohnes Gottes in gewisser Weise jedem Menschen genähert “ (Gaudium et spes, Nr. 22).

Um einen Ausdruck des Heiligen Irenäus zu verwenden, den der Heilige Vater so sehr schätzt, „dürfen wir uns mit der Katechese nicht erlauben, der Welt ein Bild des trockenen Bodens zu geben, nachdem wir das Wort Gottes erhalten haben, das wie Regen vom Himmel heruntergefallen ist; noch können wir je fordern ein Brot zu werden, wenn wir vermeiden, dass das Mehl mit dem Wasser vermengt wird, das in uns ausgeschüttet worden ist “ (Johannes Paul II., Incarnationis mysterium, 4; vgl. Sankt Irenäus, Gegen die Häresien, III,17: PG 7,930)

Die Menschheit braucht das Wort, „das Wort Gottes, das in Euch, die ihr glaubt, wirkt“ (1 Thess 2,13), und das Sakrament, das in der Geschichte die rettende Aktion Jesus präsent macht und verlängert.

Die Katechese wird also wirksam sein, wenn sie es verstehen wird, im Dritten Jahrtausend Leitfaden und Weg des Menschen auf seine sakramentale Kommunion mit Christus zu sein und jene Wärme auslösen wird, wie der erste Brief des Apostels Johanne, der begann: „Das was vom Anbeginn war, was wir gehört habe, was wir mit unseren Augen gesehen haben (…) verkünden wir auch euch, damit ihr in Kommunion mit uns sein könnt. Unsere Kommunion ist mit dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus“ (1 Joh 1,3).

Das also ist die freudige und originelle Pädagogik des Glaubens: es geht nicht darum, nur ein menschliches Wissen zu vermitteln, wenn auch das höchste; sondern darum, in seiner Integrität und Lebendigkeit in der Person des Fleisch gewordenen, gekreuzigten und auferstandenen Wortes, die Kraft und das Wissen Gottes zu verkünden. Es ist ein Wissen, das auch und hauptsächlich mit der Kraft eines Zeugnisses eines heiligen Lebens von Seiten des Katecheten bezeugt wird.

3. Dies alles wird, wenn auch kurz, so doch bewundernswert in den Arbeiten entwickelt werden, die morgen früh weitergehen werden. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Wirksamkeit der Evangelisierung zum großen Teil von der Heiligkeit der Priester und Diakone abhängt, „kluge Mitarbeiter der bischöflichen Ordnung“ (Lumen gentium, 28), die über ihre kapillare Aktion unter der Herde, die ihnen anvertraut wurde, versichern können, dass jede christliche Gemeinde mit dem Wort Gottes genährt und von der Gnade der Sakramente unterstützt wird. Aber abgesehen von den spezifischen pastoralen Aufgaben, muss man ein neues, tiefgreifendes Bewusstsein nähren, dass nämlich die Herausforderung der neuen Evangelisierung nicht angemessen angegangen werden kann, wenn man sich nicht auf die prophetische Aufgabe aller Getauften stützt, wie es unter anderem im Generaldirektorium für die Katechese hervorgehoben wird.

Mit den Worten von Johannes Paul II. müssen wir ausrufen, dass „es an der Zeit ist, dass die christlichen Gemeinschaften zu Gemeinschaften der Verkündigung werden!“ (Ansprache anlässlich des ad limina-Besuchs der Bischöfe Litauens, ibidem.)

Man muss dringend mit der Katechese selbst eine Laienspiritualität stützen, die den christlichen Laien hilft, ihre Berufung zur Heiligkeit tiefgreifend zu leben „indem sie die weltlichen Dinge Gott entsprechend behandeln und ordnen“ (Lumen gentium, 31).

Aus diesem Grund hat man in diesem Jubiläum der Katecheten, die Künste und Berufe der Laien hervorgehoben, die Instrumente der Katechese sein können und müssen, wahre Hefe Gottes, für ein weitreichendes und wirksames Zeugnis des Katecheten in der Gesellschaft, für den Schutz jener menschlichen und christlichen Werte, die die Zukunft der Menschheit ausmachen werden. Wir beziehen uns besonders auf den Respekt des menschlichen Lebens, auf die Einheit der Familie, die Verteidigung der Würde der Arbeit, im weitreichenden Bereich der bürgerlichen und politischen Strukturen, der sozialen Kommunikation und des künstlerischen Ausdrucks.

Zum Abschluss dieser einleitenden Überlegungen sagen wir, dass niemand in der Kirche sich als passives Subjekt betrachten kann. Wir alle können die Worte des Paulus ausrufen: „Wenn ich nämlich das Evangelium verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir. Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde “ (1 Kor 9,16). „Necessitas mihi incumbit“: denn ein Zwang liegt auf mir!

Das Treffen heute morgen mit dem Nachfolger Petri soll uns Ermunterung und Antrieb sein, um mit noch stärkerem Glauben und Unternehmungsgeist das missionarische Mandat anzugehen, das wir alle als Getaufte von Jesus erhalten haben.

Der Allerheiligsten Maria, Stern der neuen Evangelisierung, „die ganz auf Christus orientiert und auf die Enthüllung seiner rettenden Kraft entgegengeneigt ist“ (Johannes Paul II., Redemptoris Mater, Nr. 22), vertrauen wir uns und all diejenigen an, die sich an der Schwelle zum Dritten Jahrtausend in der Diakonie der Wahrheit einsetzen.

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Quelle

PAPST FRANZISKUS: JAHR DES GLAUBENS: DIE AUFERSTEHUNG JESU

Papa Francesco durante l'udienza generale del mercoledi' in Piazza San Pietro, Citta' del Vaticano, 3 aprile 2013. Pope Francis speaks during his weekly general audience in St. Peter's square at the Vatican, 3 April 2013. UPDATE IMAGES PRESS/Riccardo De Luca STRICTLY ONLY FOR EDITORIAL USE

Papst Franziskus während der Generalaudienz am Mittwoch, 3. April 2013

GENERALAUDIENZ

Petersplatz
Mittwoch, 3. April 2013

 

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute nehmen wir die Katechesen zum Jahr des Glaubens wieder auf. Im Glaubensbekenntnis sagen wir immer wieder dieses Wort: Er »ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift«. Eben dieses Ereignis feiern wir: die Auferstehung Jesu, das Zentrum der christlichen Botschaft, die von Anfang an zu hören war und weitergegeben wurde, um bis zu uns zu gelangen. Der hl. Paulus schreibt an die Christen von Korinth: »Vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf« (1 Kor 15,3–5).

Dieses kurze Glaubensbekenntnis verkündigt das Ostergeheimnis, mit den ersten Erscheinungen des Auferstandenen vor Petrus und dann vor den Zwölf: Der Tod und die Auferstehung Jesu sind der Kern unserer Hoffnung. Ohne diesen Glauben an den Tod und die Auferstehung Jesu wäre unsere Hoffnung schwach, wäre sie nicht einmal Hoffnung, und gerade der Tod und die Auferstehung Jesu sind der Kern unserer Hoffnung. Der Apostel sagt: »Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos und ihr seid immer noch in euren Sünden« (V. 17).

Leider hat man oft versucht, den Glauben an die Auferstehung Jesu zu verdunkeln, und auch bei den Gläubigen selbst haben sich Zweifel eingeschlichen. Ein bisschen »Rosenwasser«-Glaube, wie wir sagen, ein verwässerter Glaube: Das ist kein starker Glaube. Und das aus Oberflächlichkeit, manchmal aus Gleichgültigkeit, beschäftigt mit tausend Dingen, die man für wichtiger hält als den Glauben, oder aus einer nur horizontalen Sichtweise des Lebens heraus.

Aber gerade die Auferstehung öffnet uns auf die größere Hoffnung hin, weil sie unser Leben und das Leben der Welt auf die ewige Zukunft Gottes hin öffnet, auf die vollkommene Glückseligkeit, auf die Gewissheit, dass das Böse, die Sünde, der Tod überwunden werden können. Und das führt dazu, die täglichen Wirklichkeiten mit mehr Vertrauen zu leben, ihnen mit Mut und Einsatz zu begegnen. Die Auferstehung Christi erleuchtet diese täglichen Wirklichkeiten mit einem neuen Licht. Die Auferstehung Christi ist unsere Kraft!

Aber wie ist uns die Glaubenswahrheit der Auferstehung Christi weitergegeben worden? Im Neuen Testament gibt es zwei Arten von Zeugnissen: einige in der Form eines Glaubensbekenntnisses, also kurze Formeln, die auf den Kern des Glaubens verweisen; andere wiederum haben die Form eines Berichts über das Ereignis der Auferstehung und der damit verbundenen Tatsachen. Die erste, die Form des Glaubensbekenntnisses, ist zum Beispiel die, die wir gerade vernommen haben, oder die im Brief an die Römer, wo der hl. Paulus schreibt: »Wenn du mit deinem Mund bekennst: ›Jesus ist der Herr‹ und in deinem Herzen glaubst: ›Gott hat ihn von den Toten auferweckt‹, so wirst du gerettet werden« (10,9).

Von den ersten Schritten der Kirche an ist der Glaube an das Geheimnis von Tod und Auferstehung Jesu felsenfest und ganz deutlich. Heute möchte ich jedoch bei der zweiten Form verweilen, die wir in den Evangelien finden, beim Zeugnis in Form eines Berichts. Vor allem sehen wir, dass die ersten Zeuginnen dieses Ereignisses die Frauen waren. Als eben die Sonne aufgeht, kommen sie zum Grab, um den Leib Jesu zu salben, und finden das erste Zeichen: das leere Grab (vgl. Mk 16,1). Dann folgt die Begegnung mit einem Boten Gottes, der verkündigt: Jesus von Nazaret, der Gekreuzigte, ist nicht hier; er ist auferstanden (vgl. V. 5–6). Die Frauen sind von der Liebe getrieben und können diese Verkündigung mit Freude annehmen: Sie glauben und geben es sofort weiter. Sie behalten es nicht für sich, sie geben es weiter. Die Freude zu wissen, dass Jesus lebt, die Hoffnung, die das Herz erfüllt, lässt sich nicht im Zaum halten. Das sollte auch in unserem Leben geschehen. Wir müssen die Freude spüren, Christen zu sein! Wir glauben an einen Auferstandenen, der das Böse und den Tod überwunden hat! Wir müssen den Mut haben »hinauszugehen«, um diese Freude und dieses Licht an alle Orte unseres Lebens zu bringen! Die Auferstehung Christi ist unsere größte Gewissheit; sie ist der kostbarste Schatz! Wie sollten wir diesen Schatz, diese Gewissheit nicht mit den anderen teilen? Sie ist nicht nur für uns da, sie ist da, um weitergegeben zu werden, um sie den anderen zu schenken, um sie mit den anderen zu teilen. Gerade das ist unser Zeugnis.

Ein weiteres Element: In den Glaubensbekenntnissen des Neuen Testaments werden als Zeugen der Auferstehung nur Männer erwähnt, die Apostel, aber nicht die Frauen. Das liegt daran, dass nach dem jüdischen Gesetz jener Zeit Frauen und Kinder kein verlässliches, glaubwürdiges Zeugnis geben konnten. In den Evangelien dagegen haben die Frauen eine erstrangige, grundlegende Rolle. Hier können wir ein Element erblicken, das für die Geschichtlichkeit der Auferstehung spricht: Wenn sie eine erfundene Tatsache wäre, dann wäre sie im Kontext jener Zeit nicht mit dem Zeugnis von Frauen verbunden worden. Die Evangelisten berichten jedoch einfach das, was geschehen ist: Die Frauen sind die ersten Zeuginnen. Das heißt, dass Gott nicht nach menschlichen Maßstäben auserwählt: Die ersten Zeugen der Geburt Jesu sind die Hirten, einfache und bescheidene Menschen; die ersten Zeuginnen der Auferstehung sind die Frauen.

Und das ist schön. Und das ist ein bisschen die Sendung der Frauen: der Mütter, der Frauen! Den Kindern, den Enkeln Zeugnis geben, dass Jesus lebt, dass er der Lebendige ist, dass er auferstanden ist! Mütter und Frauen, gebt weiter dieses Zeugnis! Für Gott zählt das Herz, es zählt, wie offen wir für ihn sind, ob wir wie Kinder sind, die Vertrauen haben. Das bringt uns jedoch auch zum Nachdenken darüber, dass die Frauen in der Kirche und auf dem Glaubensweg eine besondere Rolle gehabt haben und auch heute haben, um dem Herrn die Türen zu öffnen, ihm nachzufolgen und sein Antlitz zu vermitteln, denn der Blick des Glaubens bedarf immer des schlichten und tiefen Blicks der Liebe. Die Apostel und die Jünger tun sich schwerer zu glauben. Die Frauen nicht. Petrus läuft zum Grab, bleibt aber beim leeren Grab stehen; Thomas muss mit seinen Händen die Wunden des Leibes Jesu berühren. Auch auf unserem Glaubensweg ist es wichtig zu wissen und zu spüren, dass Gott uns liebt, und keine Angst zu haben, ihn zu lieben: Den Glauben bekennt man mit Mund und Herz, mit Worten und mit Liebe.

Nach den Erscheinungen vor den Frauen folgen weitere. Jesus wird auf neue Weise gegenwärtig: Er ist der Gekreuzigte, aber sein Leib ist verherrlicht; er ist nicht zum irdischen Leben zurückgekehrt, sondern in einem neuen Zustand. Anfangs erkennen sie ihn nicht wieder, und nur durch seine Worte und seine Gesten werden die Augen geöffnet: Die Begegnung mit dem Auferstandenen verwandelt, gibt dem Glauben eine neue Kraft, eine unerschütterliche Grundlage. Auch für uns gibt es viele Zeichen, in denen der Auferstandene sich zu erkennen gibt: die Heilige Schrift, die Eucharistie, die anderen Sakramente, die Nächstenliebe, jene Gesten der Liebe, die einen Strahl des Auferstandenen bringen. Lassen wir uns erleuchten von der Auferstehung Christi, lassen wir uns von seiner Kraft verwandeln, damit auch durch uns in der Welt die Zeichen des Todes den Zeichen des Lebens weichen.

Ich habe gesehen, dass auf dem Platz viele junge Menschen sind. Da sind sie! Zu euch sage ich: Tragt diese Gewissheit voran: Der Herr lebt und geht an eurer Seite im Leben. Das ist eure Sendung! Tragt diese Hoffnung voran. Bleibt in dieser Hoffnung verankert: mit diesem Anker, der im Himmel ist. Haltet das Seil fest, bleibt in dieser Hoffnung verankert und tragt sie weiter. Ihr, die Zeugen Jesu, tragt das Zeugnis voran, dass Jesus lebt, und das wird uns Hoffnung schenken, es wird dieser Welt Hoffnung schenken, die ein bisschen gealtert ist durch die Kriege, durch das Böse, durch die Sünde. Voran, ihr jungen Menschen!

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Quelle

„Nicht wir Menschen sind es, die etwas tun” – Katechese von Papst Benedikt XVI.

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„Sakrament bedeutet, daß zuallererst nicht wir Menschen etwas tun, sondern daß Gott uns im voraus mit seinem Handeln entgegengeht, uns ansieht und zu sich hinführt. […] Gott rührt uns an durch materielle Wirklichkeiten, … die er in seinen Dienst nimmt, zu Instrumenten der Begegnung zwischen uns und sich selber macht.“

Liebe Brüder und Schwestern!

Am vergangenen Sonntag [2.5.2010] hatte ich bei meinem Pastoralbesuch in Turin die Freude, im Gebet vor dem heiligen Grabtuch zu verweilen. Ich habe mich so den über zwei Millionen Pilgern angeschlossen, die es während der feierlichen Ausstellung in diesen Tagen betrachten konnten. Dieses heilige Tuch kann den Glauben stärken und nähren und der christlichen Frömmigkeit neue Kraft geben, weil es dazu anspornt, sich dem Antlitz Christi zuzuwenden, dem Leib des gekreuzigten und auferstandenen Christus, das Ostergeheimnis zu betrachten, den Mittelpunkt der christlichen Botschaft.

Wir, liebe Brüder und Schwestern, sind lebendige Glieder des Leibes Christi, der auferstanden ist, lebt und in der Geschichte wirkt (vgl. Röm 12, 5) – jeder wie es der eigenen Funktion entspricht, das heißt der Aufgabe, die der Herr uns anvertraut hat. In dieser heutigen Katechese möchte ich auf die besonderen Aufgaben der Priester zurückkommen. Der Überlieferung gemäß sind es im wesentlichen drei: lehren, heiligen und leiten. In einer der vorangegangenen Katechesen habe ich über die erste dieser drei Sendungen gesprochen: die Lehre, die Verkündigung der Wahrheit, die Verkündigung Gottes, der sich in Christus offenbart hat, oder – mit anderen Worten – die prophetische Aufgabe, den Menschen mit der Wahrheit in Berührung zu bringen, ihm zu helfen, das Wesentliche seines Lebens und der Wirklichkeit an sich zu erkennen.

Heute möchte ich mit euch kurz bei der zweiten Aufgabe verweilen, die der Priester hat: die Aufgabe, die Menschen zu heiligen, vor allem durch die Sakramente und den Gottesdienst der Kirche. Hier müssen wir uns zunächst fragen: Was bedeutet das Wort „heilig“? Die Antwort lautet: „Heilig“ ist die besondere Eigenschaft des Seins Gottes, also absolute Wahrheit, Güte, Liebe, Schönheit – reines Licht. Eine Person zu heiligen bedeutet also, sie in Berührung zu bringen mit Gott, mit seinem Sein, das Licht, Wahrheit, reine Liebe ist. Natürlich verwandelt diese Berührung die Person. Im Altertum war man der festen Überzeugung: Niemand kann Gott sehen, ohne sofort zu sterben. Zu groß ist die Kraft der Wahrheit und des Lichts! Wenn der Mensch diesen absoluten Strom berührt, überlebt er nicht. Andererseits war man auch davon überzeugt, daß der Mensch ohne eine wenigstens geringe Berührung mit Gott nicht leben kann. Wahrheit, Güte, Liebe sind Grundbedingungen seines Seins. Die Frage ist: Wie kann der Mensch jene grundlegende Berührung mit Gott finden, ohne zu sterben, überwältigt von der Größe des göttlichen Seins? Der Glaube der Kirche sagt uns, daß Gott selbst diese Berührung herstellt, die uns nach und nach in wahre Abbilder Gottes verwandelt.

So sind wir wieder angekommen bei der Aufgabe des Priesters zu „heiligen“. Kein Mensch kann von sich aus, aus eigener Kraft heraus den anderen mit Gott in Berührung bringen. Ein wesentlicher Teil der Gnade des Priestertum ist die Gabe, die Aufgabe, diese Berührung herzustellen. Dies geschieht in der Verkündigung des Wortes Gottes, in dem uns sein Licht entgegenkommt. Auf besonders verdichtete Weise geschieht es in den Sakramenten. Das Eintauchen in das Ostergeheimnis des Todes und der Auferstehung Christi findet in der Taufe statt; es wird gestärkt in der Firmung und in der Versöhnung und genährt durch die Eucharistie, das Sakrament, das die Kirche aufbaut als Volk Gottes, Leib Christi, Tempel des Heiligen Geistes (vgl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Pastores gregis, 32). Christus selbst ist es also, der heilig macht, uns in die Sphäre Gottes hineinzieht. Aber als Akt seiner unendlichen Barmherzigkeit beruft er einige, „bei ihm zu sein“ (vgl. Mk 3, 14) und trotz der menschlichen Armut durch das Weihesakrament an seinem eigenen Priestertum teilzuhaben, als Diener dieser Heiligung, Verwalter seiner Geheimnisse, „Brücken“ der Begegnung mit ihm, seiner Mittlerschaft zwischen Gott und den Menschen und zwischen den Menschen und Gott (vgl. Presbyterorum ordinis, 5).

In den letzten Jahrzehnten gab es Tendenzen, die darauf ausgerichtet waren, in bezug auf die Identität und die Sendung des Priesters der Dimension der Verkündigung den Vorrang zu geben und sie von der Dimension der Heiligung loszulösen; oft hieß es, daß es notwendig sei, eine rein sakramentale Pastoral zu überwinden. Kann man jedoch den priesterlichen Dienst authentisch ausüben, wenn man die Sakramentenpastoral „überwindet“? Was bedeutet es für die Priester eigentlich zu evangelisieren, worin besteht der sogenannte Primat der Verkündigung? Den Evangelien zufolge sagt Jesus, daß die Verkündigung des Reiches Gottes das Ziel seiner Sendung ist; diese Verkündigung ist jedoch nicht nur „Reden“, sondern sie schließt gleichzeitig auch sein Handeln mit ein; die Zeichen, die Wunder, die Jesus vollbringt, weisen darauf hin, daß das Reich Gottes als gegenwärtige Wirklichkeit kommt und daß es am Ende übereinstimmt mit seiner Person, mit der Selbsthingabe, wie wir in der heutigen Lesung aus dem Evangelium gehört haben. Und dasselbe gilt für den geweihten Amtsträger: Er, der Priester, vertritt Christus, den Gesandten des Vaters, er setzt seine Sendung fort, durch das „Wort“ und das „Sakrament“, in der Ganzheit von Seele und Leib, Zeichen und Wort. In einem Brief an Bischof Honoratus von Thiabe sagt der hl. Augustinus über die Priester: „Die Diener Christi, die Diener seines Wortes und Sakraments sollen also das tun, was er geboten oder gestattet hat“ (Brief 228, 2). Es ist notwendig, darüber nachzudenken, ob die Unterbewertung der treuen Ausübung des „munus sanctificandi“ nicht vielleicht eine Schwächung des Glaubens an die Heilswirksamkeit der Sakramente und letztlich an das gegenwärtige Wirken Christi und seines Geistes durch die Kirche in der Welt dargestellt hat.

Wer rettet also die Welt und den Menschen? Wir können nur eine einzige Antwort darauf geben: Jesus von Nazaret, der Herr und Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene. Und wo wird das heilbringende Geheimnis des Todes und der Auferstehung Christi verwirklicht? Im Wirken Christi durch die Kirche, insbesondere im Sakrament der Eucharistie, das die erlösende Opfergabe des Sohnes Gottes gegenwärtig macht, im Sakrament der Versöhnung, in dem man aus dem durch die Sünde verursachten Tod zu neuem Leben zurückkehrt, und in jedem anderen sakramentalen Akt der Heiligung (vgl. Presbyterorum ordinis, 5). Es ist daher wichtig, eine angemessene Katechese zu fördern, um den Gläubigen zu helfen, den Wert der Sakramente zu verstehen. Ebenso notwendig ist es jedoch, nach dem Vorbild des heiligen Pfarrers von Ars den Brüdern bereitwillig, großherzig und aufmerksam die Gnadenschätze zu geben, die Gott in unsere Hände gelegt hat: Wir sind nicht ihre „Herren“, sondern ihre Hüter und Verwalter. Besonders in unserer Zeit, in der einerseits der Glaube schwächer zu werden scheint und andererseits ein tiefes Bedürfnis und eine diffuse Suche nach Spiritualität zutage treten, muß jeder Priester sich daran erinnern, daß in seiner Sendung die missionarische Verkündigung und der Gottesdienst und die Sakramente niemals voneinander getrennt sind. Auch muß er eine gesunde Sakramentenpastoral fördern, um das Volk Gottes zu unterweisen und ihm zu helfen, die Liturgie, den Gottesdienst der Kirche, die Sakramente in Fülle zu leben, als unentgeltliche Gaben Gottes, als freie und wirkkräftige Akte seines Heilswirkens.

In der diesjährigen Chrisam-Messe habe ich in Erinnerung gerufen: „Das Zentrum des Gottesdienstes der Kirche ist das Sakrament. Sakrament bedeutet, daß zuallererst nicht wir Menschen etwas tun, sondern daß Gott uns im voraus mit seinem Handeln entgegengeht, uns ansieht und zu sich hinführt. […] Gott rührt uns an durch materielle Wirklichkeiten, … die er in seinen Dienst nimmt, zu Instrumenten der Begegnung zwischen uns und sich selber macht“ (Predigt in der Chrisam-Messe, 1. April 2010; in O.R. dt., Nr. 15 vom 16.4.2010, S. 9). Die Wahrheit, der zufolge im Sakrament „nicht wir Menschen etwas tun“, berührt auch das priesterliche Bewußtsein und muß es berühren: Jeder Priester weiß, daß er ein für das Heilswirken Gottes notwendiges Werkzeug, aber dennoch stets ein Werkzeug ist. Dieses Bewußtsein muß ihn in der Spendung der Sakramente demütig und großherzig machen, unter Wahrung der kanonischen Normen, aber auch in der tiefen Überzeugung, daß die eigene Sendung darin besteht, dafür zu sorgen, daß alle Menschen, mit Christus vereint, sich Gott als lebendiges und heiliges Opfer darbringen können, als Opfer, das Gott gefällt (vgl. Röm 12, 1). Auch im Zusammenhang mit dem Primat des „munus sanctificandi“ und der richtigen Auslegung der Sakramentenpastoral ist der hl. Johannes Maria Vianney ein Vorbild. Der Pfarrer antwortete einmal einem Mann, der sagte, daß er keinen Glauben habe, und mit ihm diskutieren wollte: „O! mein Freund, da sind Sie ganz an unrechtem Orte; ich weiß nicht vernünftig zu sprechen … bedürfen Sie aber eines Trostes, so lassen Sie sich hier nieder (indem er wieder auf den unerbittlichen Schemel [des Beichtstuhls] zeigte), und glauben Sie nur, es haben sich schon viele andere vor Ihnen hier niedergelassen und es nicht bereut“ (A. Monnin, Geist des Pfarrers von Ars: J. M. Vianney in seiner Katechese, in seinen Predigten, und in seinem Wandel, Regensburg 1865, S. 263–264).

Liebe Priester, lebt die Liturgie und den Gottesdienst mit Freude und mit Liebe! Es ist ein Handeln, das der Auferstandene in der Kraft des Heiligen Geistes in uns, mit uns und für uns ausführt. Ich möchte noch einmal die kürzlich ausgesprochene Einladung erneuern, „in den Beichtstuhl zurückzukehren als den Ort, an dem man das Sakrament der Versöhnung feiert, aber auch als den Ort, an dem man öfter ‚wohnt‘, damit der Gläubige Barmherzigkeit, Rat und Trost finden, sich von Gott geliebt und verstanden fühlen und die Gegenwart der göttlichen Barmherzigkeit erfahren kann, neben der Realpräsenz in der Eucharistie“ (Ansprache an die Teilnehmer eines von der Apostolischen Pönitentiarie veranstalteten Kurses über das „Forum Internum“, 11. März 2010; in O.R. dt., Nr. 12, 26.3.2010, S. 9). Und ich möchte auch jeden Priester einladen, die Eucharistie intensiv zu feiern und zu leben. Sie steht im Mittelpunkt der Aufgabe des Heiligens; sie ist Jesus, der bei uns sein, in uns leben, sich uns hinschenken, uns die unendliche Barmherzigkeit und Liebe Gottes zeigen will; sie ist das einzigartige Liebesopfer Christi, der gegenwärtig wird, sich unter uns verwirklicht und bis zum Thron der Gnade gelangt, zur Gegenwart Gottes, die Menschheit umfaßt und uns mit ihm vereint (vgl. „Lectio divina“ bei der Begegnung mit dem Klerus der Diözese Rom, 18. Februar 2010; in O.R. deutsch., Nr. 9 vom 5.3.2010, S. 7). Und der Priester ist berufen, Diener dieses großen Geheimnisses zu sein, im Sakrament und im Leben.„Die lange kirchliche Tradition hat die Wirkkraft des Sakraments zu Recht von der konkreten Lebenssituation des einzelnen Priesters losgelöst; dadurch werden die rechtmäßigen Erwartungen der Gläubigen adäquat geschützt“. Das mindert jedoch nicht „das notwendige, ja unverzichtbare Streben nach moralischer Vollkommenheit, das in jedem wirklich priesterlichen Herzen wohnen muß“: Das Volk Gottes erwartet von seinen Hirten zu Recht auch ein Vorbild des Glaubens und ein Zeugnis der Heiligkeit (vgl. Ansprache an die Teilnehmer der Vollversammlung der Kongregation für den Klerus, 16. März 2009; in O.R. dt., Nr. 15/16, 10.4.2009, S. 15 ). Und in der Feier der heiligen Geheimnisse findet der Priester die Wurzel seiner Heiligung (vgl. Presbyterorum ordinis, 12–13).

Liebe Freunde, seid euch bewußt, welch großes Geschenk die Priester für die Kirche und für die Welt sind; durch ihren Dienst rettet der Herr auch weiterhin die Menschen, wird er gegenwärtig, heiligt er. Dankt Gott und seid vor allem euren Priestern nahe durch das Gebet und durch die Unterstützung, besonders in Schwierigkeiten, damit sie immer mehr Hirten nach dem Herzen Gottes seien.
Danke.

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Quelle: 30Giorni

Siehe auch:

BENEDIKT XVI.: ADAM UND CHRISTUS: VON DER ERBSÜNDE ZUR FREIHEIT

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BENEDIKT XVI.

GENERALAUDIENZ

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Der Hl. Paulus (15):

Adam und Christus: von der Erbsünde zur Freiheit.

Liebe Brüder und Schwestern!

In der heutigen Katechese wollen wir bei der Beziehung zwischen Adam und Christus verweilen, wie sie vom hl. Paulus in dem bekannten Abschnitt des Briefes an die Römer (5,12–21) umrissen wird, wo er der Kirche die wesentlichen Züge der Lehre über die Erbsünde übergibt. In Wirklichkeit hatte Paulus schon im Ersten Brief an die Korinther bei der Behandlung des Glaubens an die Auferstehung die Gegenüberstellung zwischen dem Urvater und Christus eingeführt: »Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden… Adam, der erste Mensch, wurde ein irdisches Lebewesen. Der Letzte Adam wurde lebendigmachender Geist« (1 Kor 15,22.45). In Röm 5,12–21 wird die Gegenüberstellung zwischen Christus und Adam deutlicher und erhellender: Paulus läßt die Heilsgeschichte von Adam bis zum Gesetz und von diesem bis zu Christus vorüberziehen. Im Mittelpunkt des Geschehens steht nicht so sehr Adam mit den Folgen der Sünde für die Menschheit als vielmehr Jesus Christus und die Gnade, die durch ihn in Fülle über der Menschheit ausgegossen worden ist. Das mehrmals wiederholte »erst recht« in bezug auf Christus unterstreicht, daß die in ihm empfangene Gabe bei weitem die Sünde Adams und ihre Folgen für die Menschheit übertrifft, so daß Paulus zu der Schlußfolgerung kommen kann: »Wo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden« (Röm 5,20). Deshalb rückt die Gegenüberstellung, die Paulus zwischen Adam und Christus entwirft, die Unterlegenheit des ersten Menschen gegenüber der Überlegenheit des zweiten ins Licht. Zwei Aspekte der Lehre von der Erbsünde

Andererseits weist Paulus eben deshalb auf die Sünde Adams hin, um das unermeßliche Geschenk der Gnade in Christus hervorzuheben. Man könnte sagen: Wäre es ihm nicht darum gegangen, die zentrale Bedeutung der Gnade aufzuzeigen, hätte er sich wohl nicht damit aufgehalten, die Sünde zu behandeln, die »durch einen einzigen Menschen in die Welt kam und durch die Sünde der Tod« (Röm 5,12). Wenn also im Glauben der Kirche das Bewußtsein für das Dogma der Erbsünde gereift ist, dann deshalb, weil es untrennbar mit jenem anderen Dogma verbunden ist, jenem des Heils und der Freiheit in Christus. Die Folge davon ist, daß wir von der Sünde Adams und der Menschheit niemals getrennt vom Heilszusammenhang sprechen sollten, das heißt ohne sie im Horizont der Rechtfertigung in Christus zu verstehen.

Aber als Menschen von heute müssen wir uns fragen: Was ist diese Erbsünde? Was lehrt der hl. Paulus, was lehrt die Kirche? Ist diese Lehre heute noch vertretbar? Viele denken, im Lichte der Geschichte der Evolution gäbe es keinen Platz mehr für die Lehre von einer ersten Sünde, die sich dann in der ganzen Geschichte der Menschheit ausbreiten würde. Und infolgedessen würde auch die Frage der Erlösung und des Erlösers ihr Fundament verlieren. Also gibt es die Erbsünde oder nicht? Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir zwei Aspekte der Lehre von der Erbsünde unterscheiden. Es gibt einen empirischen Aspekt, das heißt eine konkrete, sichtbare, ich würde sagen, eine für alle berührbare Wirklichkeit. Und einen dem Geheimnis verpflichteten Aspekt, der das ontologische Fundament dieser Tatsache betrifft. Die empirische Gegebenheit ist, daß es in unserem Sein einen Widerspruch gibt. Einerseits weiß jeder Mensch, daß er das Gute tun soll, und in seinem Innersten will er es ja auch tun. Aber zugleich spürt er auch den anderen Drang, das Gegenteil zu tun, den Weg des Egoismus, der Gewalt einzuschlagen, nur das zu tun, was ihm gefällt, wohl wissend, daß er so gegen das Gute, gegen Gott und gegen den Nächsten handelt. Der hl. Paulus hat in seinem Brief an die Römerdiesen Widerspruch in unserem Sein so ausgedrückt: »Ich weiß, daß in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; das Wollen ist bei mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen. Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will« (7,18–19). Dieser innere Widerspruch unseres Seins ist keine Theorie. Jeder von uns erfährt ihn jeden Tag. Und vor allem sehen wir um uns herum das Überwiegen dieses zweiten Willens. Man braucht nur an die täglichen Nachrichten über Ungerechtigkeiten, Gewalt, Lüge, Unzucht zu denken. Wir sehen es jeden Tag: Es ist eine Tatsache.

Als Folge dieser Macht des Bösen in unseren Seelen hat sich in der Geschichte ein schmutziger Fluß entwickelt, der die Gestaltung der menschlichen Geschichte vergiftet. Der große französische Denker Blaise Pascal hat von einer »zweiten Natur« gesprochen, die unsere ursprüngliche, gute Natur überlagert. Diese »zweite Natur« läßt das Böse als für den Menschen normal erscheinen. So hat auch die übliche Formulierung: »das ist menschlich« eine doppelte Bedeutung. »Das ist menschlich« kann heißen: Dieser Mensch ist gut, er handelt wirklich so, wie ein Mensch handeln sollte. Aber »das ist menschlich« kann auch das Falsche bedeuten: Das Böse ist normal, es ist menschlich. Das Böse scheint zu einer zweiten Natur geworden zu sein. Dieser Widerspruch im menschlichen Sein, in unserer Geschichte muß die Sehnsucht nach Erlösung hervorrufen und tut dies auch heute. Und tatsächlich ist die Sehnsucht nach einer Veränderung der Welt und die Verheißung, daß eine Welt der Gerechtigkeit, des Friedens und des Guten entstehen werde, überall vorhanden: So sprechen zum Beispiel in der Politik alle von der Notwendigkeit, die Welt zu verändern, eine gerechtere Welt zu schaffen. Und genau das ist Ausdruck der Sehnsucht nach Befreiung von dem Widerspruch, den wir in uns selbst erleben.

Die Tatsache der Macht des Bösen im Herzen des Menschen und in der menschlichen Geschichte ist also unbestreitbar. Die Frage ist: Wie ist dieses Böse zu erklären? In der Geschichte des Denkens gibt es – wenn man vom christlichen Glauben absieht – hauptsächlich ein Erklärungsmodell mit verschiedenen Variationen. Dieses Modell besagt: Der Mensch selbst ist widersprüchlich, er trägt sowohl das Gute als auch das Böse in sich. In der Antike beinhaltete diese Idee die Meinung, es bestünden zwei gleichursprüngliche Prinzipien: ein gutes Prinzip und ein böses Prinzip. Dieser Dualismus wäre unüberwindbar; die beiden Prinzipien stünden auf derselben Ebene, weshalb es immer, seit dem Ursprung des Seins, diesen Widerspruch geben werde. Der Widerspruch unseres Seins würde also sozusagen nur die Gegensätzlichkeit der beiden göttlichen Prinzipien widerspiegeln. In dem atheistischen Evolutionsmodell der Welt kehrt dieselbe Sicht in neuer Form wieder. Auch wenn in dieser Auffassung die Sicht des Seins monistisch ist, nimmt man an, daß das Sein als solches von Anfang an das Böse und das Gute in sich trage. Der Mensch selbst sei nicht einfach gut, sondern offen für das Gute und das Böse. Das Böse sei ebenso ursprünglich wie das Gute. Und die menschliche Geschichte entfalte lediglich das in der ganzen vorhergehenden Evolution bereits vorhandene Modell. Was die Christen Erbsünde nennen, sei in Wirklichkeit nur das gemischte Wesen des Seins, eine Mischung von Gut und Böse, die nach dieser Theorie zum selben Stoff wie das Sein gehöre. Das ist eine von Grund auf verzweifelte Sicht: Wenn es sich so verhält, ist das Böse unbesiegbar. Am Ende zählt nur das Eigeninteresse. Und jeder Fortschritt wäre notwendigerweise mit einer Flut von Bösem zu bezahlen, und wer dem Fortschritt dienen möchte, müßte die Zahlung dieses Preises akzeptieren. Die Politik beruht im Grunde genau auf diesen Prämissen: Und die Auswirkungen davon sehen wir. Dieses moderne Denken kann am Ende nur Traurigkeit und Zynismus erzeugen.

Und so fragen wir uns erneut: Was sagt der vom hl. Paulus bezeugte Glaube? Als ersten Punkt bestätigt er die Tatsache des Widerstreits zwischen den zwei Naturen, die Tatsache dieses Bösen, dessen Schatten auf der ganzen Schöpfung lastet. Wir haben das 7. Kapitel des Briefes an die Römer gehört, wir könnten noch das 8. Kapitel hinzufügen. Das Böse existiert schlicht und einfach. Als Erklärung und im Gegensatz zu den Dualismen und Monismen, die wir uns kurz angesehen und trostlos gefunden haben, sagt uns der christliche Glaube: Es gibt zwei Geheimnisse des Lichts und ein Geheimnis der Nacht, das jedoch von den Geheimnissen des Lichts umhüllt ist. Das erste Geheimnis des Lichts ist dieses: Der Glaube sagt uns, daß es nicht zwei Prinzipien, ein gutes und ein böses, gibt, sondern nur ein einziges Prinzip, den Schöpfergott, und dieses Prinzip ist gut, nur gut, ohne jeglichen Schatten des Bösen. Und deshalb ist auch das Sein keine Mischung aus Gutem und Bösem. Das Sein als solches ist gut, und deshalb ist es gut zu sein, ist es gut zu leben. Das ist die Frohbotschaft des Glaubens: Es gibt nur einen guten Quell, den Schöpfer. Und deshalb ist es gut zu leben, deshalb ist es etwas Gutes, ein Mann, eine Frau zu sein, deshalb ist das Leben gut. Das Böse – ein Geheimnis der Dunkelheit Dann folgt ein Geheimnis der Finsternis, der Nacht. Das Böse stammt nicht aus der Quelle des Seins selbst, es ist nicht gleichursprünglich. Das Böse stammt aus einer geschaffenen Freiheit, aus einer mißbrauchten Freiheit.

Wie war das möglich, wie ist das geschehen? Das bleibt im Dunkeln. Das Böse ist nicht logisch. Allein Gott und das Gute sind logisch, sind Licht. Das Böse bleibt geheimnisvoll. Es wird in großen Bildern dargestellt, wie es das 3. Kapitel des Buches Genesis mit jener Vision von den zwei Bäumen, von der Schlange, vom Menschen, der zum Sünder wird, tut. Ein großartiges Bild, das uns rätseln läßt, aber das, was in sich unlogisch ist, nicht zu erklären vermag. Wir können es rätselnd ahnen, aber nicht erklären; und wir können es auch nicht wie eine Tatsache unter anderen erzählen, weil es sich um eine tiefere Wirklichkeit handelt. Es bleibt ein Geheimnis der Dunkelheit, der Nacht. Aber da kommt sogleich ein Geheimnis des Lichts hinzu. Das Böse kommt aus einer untergeordneten Quelle. Gott ist stärker mit seinem Licht. Und deshalb kann das Böse überwunden werden. Deshalb ist das Geschöpf, der Mensch heilbar. Die dualistischen Sichtweisen, auch der Monismus des Evolutionismus, können nicht sagen, daß der Mensch heilbar sei; wenn aber das Böse nur aus einer untergeordneten Quelle stammt, bleibt es wahr, daß der Mensch heilbar ist. Und das Buch der Weisheit sagt: »Heilbar sind die Generationen des Weltkreises« (Weish 1,14; Vulgata). Und schließlich als letzter Punkt: Der Mensch ist nicht nur heilbar, er ist tatsächlich geheilt. Gott hat die Heilung eingeleitet. Er ist selbst in die Geschichte eingetreten. Der ständigen Quelle des Bösen hat er eine Quelle des reinen Guten entgegengesetzt. Der gekreuzigte und auferstandene Christus, der neue Adam, setzt der schmutzigen Flut des Bösen eine Flut des Lichts entgegen. Und diese Flut ist in der Geschichte gegenwärtig: Wir sehen die Heiligen, die großen Heiligen, aber auch die demütigen Heiligen, die einfachen Gläubigen. Wir sehen, daß die Flut des Lichts, das von Christus kommt, gegenwärtig und stark ist.

Brüder und Schwestern, es ist Adventszeit. In der Sprache der Kirche hat das Wort Advent zwei Bedeutungen: Gegenwart und Erwartung. Gegenwart: Das Licht ist gegenwärtig, Christus ist der neue Adam, er ist bei uns und mitten unter uns. Schon erstrahlt das Licht, und wir müssen die Augen des Herzens öffnen, um das Licht zu sehen und uns in den Fluß des Lichts hineinzubegeben. Wir müssen vor allem dafür dankbar sein, daß Gott selbst als neue Quelle des Guten in die Geschichte eingetreten ist. Aber Advent heißt auch Erwartung. Die dunkle Nacht des Bösen ist noch stark. Und deshalb beten wir im Advent mit dem Volk des Alten Bundes: »Rorate caeli desuper – Tauet, ihr Himmel, von oben.« Und wir beten inständig: Komm, Jesus, komm! Gib dem Licht und dem Guten Kraft! Komm dorthin, wo Lüge, Unkenntnis von Gott, Gewalt und Ungerechtigkeit herrschen! Komm, Herr Jesus, verleihe dem Guten in der Welt Kraft und hilf uns, Träger deines Lichts, Friedensstifter und Zeugen der Wahrheit zu sein! Komm, Herr Jesus!

Das Thema der heutigen Katechese ist die Lehre des Apostels Paulus über das Spannungsverhältnis zwischen der Erbsünde und der Freiheit, die uns durch die Gnade geschenkt ist. Diese beiden Pole veranschaulicht Paulus schon im ersten Korinther-Brief und dann besonders im Römer-Brief durch die Gegenüberstellung von Adam und Christus. So wie die Sünde des ersten Menschen Konsequenzen für die gesamte Menschheit hat, so – und noch viel mehr – wird den vielen durch die Gnadentat des einen Menschen Jesus Christus die Gabe der Gerechtigkeit zuteil. Die Sünde hat für Paulus – wie auch für die jüdischen Schriften seiner Zeit – zwei Dimensionen. Einerseits ist die Erbsünde eine Gegebenheit, der wir ausgeliefert sind: „Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt“ (Röm 5,12); andererseits trägt jeder Verantwortung für seine eigenen Sünden: „Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren“ (Röm 3,23). Die Befreiung von der Sünde Adams und von unseren eigenen Sünden durch Christus schenkt uns die Freiheit, ein neues Leben im Dienst des Herrn zu führen und uns auch unserer Mitmenschen und der ganzen Schöpfung anzunehmen, die bis zum heutigen Tag unter der Last der Sünde seufzen und darauf warten, in die Herrlichkeit der Kinder Gottes einzutreten (vgl. Röm 8,20-22).

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Einen frohen Gruß richte ich an die deutschsprachigen Pilger und Besucher. Besonders heiße ich heute die Pilgergruppe von Schönstatt willkommen. Das Paulusjahr und der eben begonnene Advent laden uns ein, daß wir Christus unsere Herzen öffnen. Er ist der einzige Weg der Befreiung, der uns vor der sonst unentrinnbaren Gefahr der Übermacht der Sünde und des Bösen bewahrt. Der Herr schenke uns allen den Geist der Hoffnung und der Liebe und begleite euch mit seinem Segen!