Drei Fundamente: Gedächtnis, Glaube und barmherzige Liebe

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Messe In Gjumri, 25. Juni 2016 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Papst Franziskus erreichte gegen 10.30 Uhr den Flughafen von Gjumri, wo sich bereits der Bürgermeister, der Erzbischof der armenischen Katholiken Osteuropas und der armenisch-apostolische Bischof der Stadt zum Empfang des Papstes versammelt hatten. Bei seiner Ankunft wurde Papst Franziskus auch von einer Gruppe Waisenkinder und einem Chor begrüßt.

Vom Flughafen wurde der Papst dann zum Vartanantsplatz gefahren, wo er um 11.00 Uhr die Messe feierte. An der Meßfeier nahmen auch der Katholikos Karekin II. und Msgr. Raphael François Minassian, Titolarerzbischof von Cäsarea in Kappadokien, teil.

In seiner Homilie erinnerte Papst Franziskus an das schreckliche Erdbeben im Jahr 1988 und warf anschließend die Fragen auf: „Wozu fordert der Herr uns auf; was sollen wir heute in unserem Leben aufbauen? Und vor allem: Worauf sollen wir unser Leben aufbauen?“ „Drei tragfeste Fundamente“ schlug er als mögliche Lösung vor: das Gedächtnis, den Glauben und die barmherzige Liebe.

Das Gedächtnis bezeichnete der Papst als die Gnade zur Fähigkeit, „das Gedächtnis aufzufrischen, die Erinnerung an das, was der Herr in und für uns vollbracht hat“. Daneben gebe es noch das „Gedächtnis des Volkes“, das im Falle der Armenier weit zurückreiche und kostbar sei, „in euren Worten liegt der Widerhall derer, die euer Alphabet geschaffen haben, um das Wort Gottes zu verkünden; in euren Liedern verschmelzen die Seufzer und die Freuden eurer Geschichte miteinander. Wenn ihr an all das denkt, könnt ihr sicher die Gegenwart Gottes erkennen: Er hat euch nicht alleingelassen“. Papst Franziskus bekräftigte: „Es ist schön für euch, dass ihr euch dankbar daran erinnern könnt, dass der christliche Glaube zum Atem eures Volkes und zum eigentlichen Kern seines Gedächtnisses geworden ist.“

Zum zweiten Fundament erklärte der Papst: „Der Glaube ist auch die Hoffnung für eure Zukunft, das Licht auf dem Lebensweg.“ Glaube dürfe nicht in die Archive der Geschichte verschlossen werden, sondern erblühe „immer neu aus der lebendigen Begegnung mit Jesus, aus der Erfahrung seiner Barmherzigkeit, die Licht in alle Lebenssituationen trägt“. An die jungen Menschen gewandt, ermutigte Papst Franziskus: „Wenn er – speziell euch junge Freunde – dazu einlädt, dann habt keine Angst, sagt ihm: ‚Ja‘! Er kennt uns, er liebt uns wirklich und möchte das Herz von den Lasten der Furcht und des Stolzes befreien. … Auf diese Weise könnt ihr an eure große Geschichte der Evangelisierung anknüpfen – die Kirche und die Welt brauchen sie in diesen geplagten Zeiten, die aber auch Zeiten der Barmherzigkeit sind.“

Das dritte Fundament, die barmherzige Liebe, verglich der Papst mit einem Felsen. „Die konkrete Liebe ist die Visitenkarte des Christen“; „stets unermüdlich Wege der Gemeinschaft zu schaffen und wieder gangbar zu machen, Verbindungsbrücken zu bauen und trennende Barrieren zu überwinden“, zeichneten einen wahren Christen aus, und der Papst mahnte: „Es braucht Christen, die sich durch die Mühen nicht deprimieren lassen und wegen der Widrigkeiten nicht den Mut verlieren, sondern offen, verfügbar und dienstbereit sind; es braucht Menschen guten Willens, die den Brüdern und Schwestern, die sich in Schwierigkeiten befinden, in der Tat und nicht bloß mit Worten helfen; es braucht gerechtere Gesellschaften, in denen jeder ein würdiges Leben führen und in erster Linie eine gerecht bezahlte Arbeit haben kann“.

Am Beispiel des heiligen Gregor von Narek, „Wort und Stimme Armeniens“, zeigte Papst Franziskus auf, dass es möglich sei, die „menschlichen Erbärmlichkeiten immer in Dialog mit der göttlichen Barmherzigkeit“ zu bringen. „Gregor von Narek ist ein Lehrmeister des Lebens, weil er uns lehrt, dass es vor allem wichtig ist zu erkennen, dass wir der Barmherzigkeit bedürfen und dass wir uns dann angesichts der Erbärmlichkeiten und Verwundungen, die wir bemerken, nicht in uns selbst verschließen, sondern uns aufrichtig und vertrauensvoll dem Herrn öffnen … .“

Papst Franziskus dankte allen Anwesenden für ihre Teilnahme und sprach seinen Dank vor allem dem Krankenhaus von Ashotsk, das vor 25 Jahren gegründet wurde und „Krankenhaus des Papstes“ genannt wird, den Armenischen Schwestern der Unbefleckten Empfängnis und den Missionarinnen der Liebe der seligen Mutter Theresa von Kalkutta aus. „Die Jungfrau Maria, unsere Mutter, begleite euch immer und leite die Schritte aller auf dem Weg der Brüderlichkeit und des Friedens.“

Der Volltext der Predigt ist hier abrufbar.

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Quelle

Chor Virap: letzte Etappe der Armenienreise von Papst Franziskus

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Die Klosteranlage direkt vor dem Berg Ararat liegt unmittelbar an der Grenze zur Türkei

Vor seiner Heimreise nach Rom hat Papst Franziskus am Sonntagnachmittag eine der symboltrachtigsten Klöster Armeniens besucht: Chor Virap, die Gedenkstätte des Nationalheiligen Gregor des Erleuchters in der Ararat-Ebene.

Wörtlich übersetzt bedeutet der Name Chor Virap „tiefes Verlies“. Laut der Tradition ließ König Trdat III. (oder Tiridates) Gregor den Illuminator 13 Jahre lang in eine tiefe Grube einsperren, um ihn von dem christlichen Glauben abzubringen. Gregor blieb aber dem Glauben treu und heilte am Ende sogar den König von einer Hautkrankheit. 301 ließ Tiridates III. sich taufen und erhob das Christentum zur Staatsreligion, also noch bevor es im römischen Kaiserreich anerkannt wurde.

An der Stelle des Verliesses wurde im Laufe des VII. Jahrhunderts eine erste St. Georgs-Kapelle gebaut. Die heutige Klosteranlage entstand im XVII. Jahrhundert.

Das Kloster von Chor Virap, das unmittelbar an der Grenze zur Türkei liegt, bietet einen wunderschönen Ausblick auf den berühmten Berg Ararat, das Nationalsymbol der Armenier.

Der 5.137 Meter hohe, sagenumwobene Ararat, eigentlich ein ruhender Vulkan, liegt heute nicht nur in der Türkei, sondern ist zugleich auch der höchste Berg auf türkischem Staatsgebiet.

Die Silhouette des Berges Ararat ist im goldenen Mittelschild des Staatswappens der Republik Armenien dargestellt, mit den Konturen der Arche Noah auf der Spitze. Gemäss dem Alten Testament sollte ja die Arche nach der Sintflut auf dem Ararat gestrandet sein. „Im Gebirge Ararat“, so heißt es wörtlich im Buch Genesis (8,4).

Und genau wie Noah (oder der Held Uta-napishti in den sumerisch-altbabylonischen Gilgamesch-Sagen) am Ende der Sintflut eine Taube freiließ, die mit einem frischen Olivenzweig im Schnabel zurückkehrte, so ließen am Sonntag Papst Franziskus und der armenische Katholikos Karekin II. in Chor Virap vor dem Panorama des Berges Ararat stehend zwei Tauben frei. Eine symbolreiche Geste, in der Hoffnung, dass diese auf der anderen Seite der Grenze richtig verstanden wird. (pdm)

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Quelle

Text der ökumenischen Erklärung: Weg der Brüderlichkeit

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Papst Franziskus und Karekin II.

Gemeinsame Erklärung
von Papst Franziskus und Katholikos Karekin II.
anlässlich der Armenienreise des Papstes

Wir, Papst Franziskus und der Katholikos aller Armenier Karekin II., erheben heute im heiligen Etschmiadsin unseren Geist und unser Herz zum Allmächtigen und sagen Dank für die beständige und wachsende Nähe in Glaube und Liebe zwischen der Armenisch-Apostolischen Kirche und der Katholischen Kirche in Bezug auf ihr gemeinsames Zeugnis für die Heilsbotschaft des Evangeliums in einer von Unfrieden erschütterten Welt, die sich nach Trost und Hoffnung sehnt. Wir preisen die Allerheiligste Dreifaltigkeit – den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist –, dass sie uns ermöglicht hat, in dem biblischen Land des Ararat zusammenzukommen, der daran erinnert, dass Gott immer unser Schutz und unser Heil sein wird. In geistlicher Freude denken wir daran, dass im Jahr 2001 anlässlich der 1700-Jahr-Feier der Erklärung des Christentums zur Religion Armeniens der heilige Johannes Paul II. Armenien besuchte und Zeuge einer neuen Etappe herzlicher und brüderlicher Beziehungen zwischen der Armenisch-Apostolischen Kirche und der Katholischen Kirche wurde. Wir sind dankbar, dass wir die Gnade hatten, am 12. April 2015 bei der feierlichen Liturgie in der Petersbasilika in Rom zusammen zu sein. Dort besiegelten wir unseren Willen, uns jeder Form von Diskriminierung und Gewalt entgegenzustellen, und gedachten der Opfer dessen, was die Gemeinsame Erklärung Seiner Heiligkeit Johannes Paul II. und Seiner Heiligkeit Karekin II. so zur Sprache bringt: » Die Ermordung von anderthalb Millionen armenischen Christen ist das, was generell als der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts bezeichnet wird « (27. September 2001).

Wir preisen den Herrn, dass der christliche Glaube heute wieder eine  pulsierende Realität in Armenien ist und dass die armenische Kirche ihre Sendung in einem Geist brüderlicher Zusammenarbeit zwischen den Kirchen weiterführt und die Gläubigen beim Aufbau einer Welt der Solidarität, der Gerechtigkeit und des Friedens unterstützt.

Leider sind wir aber Zeugen einer ungeheuren Tragödie, die sich vor unseren Augen abspielt, einer Tragödie zahlloser unschuldiger Menschen, die getötet, vertrieben oder durch andauernde ethnische, wirtschaftliche, politische oder religiöse Konflikte im Nahen Osten und in anderen Teilen der Welt in ein schmerzliches und ungewisses Exil gezwungen werden. Folglich sind religiöse und ethnische Minderheiten zum Zielobjekt von Verfolgung und grausamer Behandlung geworden, so dass das Leiden für den eigenen Glauben zur täglichen Realität geworden ist. Die Märtyrer gehören allen Kirchen an und ihr Leiden ist eine „Ökumene des Blutes“, die die historischen Trennungen zwischen Christen überschreitet und uns alle dazu aufruft, die sichtbare Einheit der Jünger Christi zu fördern. Gemeinsam beten wir – auf die Fürsprache der heiligen Apostel Petrus und Paulus, Thaddäus und Bartholomäus hin – für eine Umkehr des Herzens all derer, die solche Verbrechen begehen, und derer, die in der Lage sind, die Gewalt zu stoppen. Wir bitten die Verantwortungsträger der Nationen inständig, auf das Flehen von Millionen von Menschen zu hören, die sich nach Frieden und Gerechtigkeit in der Welt sehnen, die die Achtung ihrer gottgegebenen Rechte verlangen, die dringend Brot brauchen, nicht Waffen. Leider beobachten wir eine Darstellung von Religion und religiösen Werten in fundamentalistischer Weise, die gebraucht wird, um die Verbreitung von Hass, Diskriminierung und Gewalt zu rechtfertigen. Die Rechtfertigung solcher Verbrechen aufgrund religiöser Vorstellungen ist unannehmbar, denn » Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern ein Gott des Friedens « (1 Kor 14,33). Außerdem ist die Achtung gegenüber religiösen Unterschiedlichkeiten die notwendige Bedingung für das friedliche Zusammenleben verschiedener ethnischer und religiöser Gemeinschaften. Gerade weil wir Christen sind, sind wir aufgerufen, Schritte zu Versöhnung und Frieden zu suchen und auszuführen. In diesem Zusammenhang bringen wir auch unsere Hoffnung auf eine friedliche Lösung  der Probleme um Nagorny-Karabach zum Ausdruck.

Unter Beachtung dessen, was Jesus seine Jünger lehrte, als er sagte: » Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen« (Mt 25,35-36), bitten wir die Gläubigen unserer Kirchen, ihre Herzen und ihre Hände den Opfern von Krieg und Terrorismus, den Flüchtlingen und ihren Familien zu öffnen. Es geht um den eigentlichen Sinn unserer Menschlichkeit, unserer Solidarität, unseres Mitgefühls und unserer Großherzigkeit, der nur angemessen zum Ausdruck gebracht werden kann in einem unverzüglichen praktischen Einsatz der Hilfsmittel. Wir anerkennen alles, was bereits getan wurde, doch wir beharren darauf, dass seitens der politischen Führer und der internationalen Gemeinschaft viel mehr notwendig ist, um das Recht aller, in Frieden und Sicherheit zu leben, sicherzustellen, um die Herrschaft des Rechtes aufrechtzuerhalten, um religiöse und ethnische Minderheiten zu schützen und um Menschenhandel und -schmuggel zu bekämpfen.

Die Säkularisierung weiter Kreise der Gesellschaft, ihre Distanzierung vom Spirituellen und Göttlichen führt unvermeidlich zu einer entsakralisierten und materialistischen Sicht des Menschen und der Menschheitsfamilie. Diesbezüglich sind wir besorgt über die Krise der Familie in vielen Ländern. Die Armenisch-Apostolische Kirche und die Katholische Kirche teilen dieselbe Auffassung von der Familie, die auf die Ehe, einen Akt freiwillig geschenkter, treuer Liebe zwischen einem Mann und einer Frau, gegründet ist.

Freudig bekräftigen wir, dass wir trotz der fortdauernden Spaltung zwischen Christen deutlicher erkannt haben, dass das, was uns eint, mehr ist als das, was uns trennt. Das ist die tragfähige Basis, auf der die Einheit der Kirche Christi verdeutlicht werden wird, entsprechend dem Wort des Herrn: » Alle sollen eins sein « (Joh 17,21). Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte ist die Beziehung zwischen der Armenisch-Apostolischen Kirche und der Katholischen Kirche glücklich in eine neue Phase eingetreten, gestärkt durch unser beiderseitiges Gebet und die gemeinsamen Bemühungen bei der Überwindung aktueller Herausforderungen. Heute sind wir überzeugt, dass es von ausschlaggebender Bedeutung ist, diese Beziehung zu fördern und uns in einer tieferen und maßgeblicheren Zusammenarbeit zu engagieren, nicht nur auf theologischem Gebiet, sondern auch im Gebet und in aktiver Zusammenarbeit auf der Ebene der örtlichen Gemeinden, mit dem Ziel, die volle Gemeinschaft und konkrete Ausdrucksformen der Einheit miteinander zu teilen. Wir bitten unsere Gläubigen dringend, einträchtig für die Förderung der christlichen Werte in der Gesellschaft zu arbeiten; diese tragen wirksam zum Aufbau einer Kultur der Gerechtigkeit, des Friedens und der menschlichen Solidarität bei. Der Weg der Versöhnung und der Brüderlichkeit liegt offen vor uns. Möge der Heilige Geist, der uns in die ganze Wahrheit führt (vgl. Joh 16,13), jedes echte Bemühen, Brücken der Liebe und der Gemeinschaft zwischen uns zu bauen, unterstützen.

Vom heiligen Etschmiadsin aus rufen wir alle unsere Gläubigen auf, sich unserem Gebet mit den Worten des heiligen Nerses, des Gütigen, anzuschließen: » Verherrlichter Herr, nimm die Gebete deiner Diener an und erfülle gnädig unsere Bitten, auf die Fürsprache der heiligen Gottesmutter, des heiligen Johannes des Täufers, des ersten Märtyrers Stephanus, des heiligen Gregors unseres Erleuchters, der heiligen Apostel, der Propheten, der als „göttlich“ betitelten Heiligen, der Märtyrer, der Patriarchen, der Einsiedler, der Jungfrauen und aller deiner Heiligen im Himmel und auf Erden. Und dir, o unteilbare Heilige Dreifaltigkeit, sei Herrlichkeit und Ehre immer und ewig. Amen. «

Im heiligen Etschmiadsin, am 26. Juni 2016

Unzerzeichnet von

Seine Heiligkeit Franziskus
Seine Heiligkeit Karekin II.

 

(rv 26.06.2016 ord)

Ansprache des Heiligen Vaters bei der Ökumenischen Begegnung in Jerewan

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Papst Franziskus bei dem ökumenischen Gebet in Jerewan

Die Ansprache des Heiligen Vaters bei der Ökumenischen Begegnung und dem Gebet für den Frieden in Jerewan, Platz der Republik, am 25. Juni 2016 im Wortlaut. 

Verehrter, lieber Bruder, Oberster Patriarch und Katholikos aller Armenier,
Herr Präsident,
liebe Brüder und Schwestern,
der Segen und der Friede Gottes seien mit euch!

Ich habe mir so sehr gewünscht, dieses geschätzte Land zu besuchen, euer Land, das als erstes den christlichen Glauben annahm. Es ist eine Gnade für mich, hier auf diesen Höhenzügen zu sein, wo unter dem Blick des Berges Ararat auch das Schweigen zu uns zu sprechen scheint; wo die Chatschkar – die steinernen Kreuze – eine einzigartige Geschichte erzählen, durchdrungen von felsenfestem Glauben und ungeheurem Leiden, eine Geschichte, reich an großartigen Zeugen des Evangeliums, deren Erben ihr seid. Ich bin als Pilger von Rom gekommen, um euch zu begegnen und um euch eine Empfindung kundzutun, die aus der Tiefe meines Herzens aufsteigt: Es ist die Liebe eures Bruders, es ist die brüderliche Umarmung der ganzen katholischen Kirche, die euch liebt und euch nahe ist.

In den vergangenen Jahren haben sich die immer sehr herzlichen und oft denkwürdigen Besuche und Begegnungen zwischen unseren Kirchen, Gott sei Dank, intensiviert; die Vorsehung will, dass wir gerade an dem Tag, an dem hier der heiligen Apostel Christi gedacht wird, erneut beisammen sind, um die apostolische Gemeinschaft unter uns zu stärken. Ich bin Gott sehr dankbar für die » wahre und enge Einheit « zwischen unseren Kirchen (vgl. Johannes Paul II., Ökumenisches Gebetstreffen [Jerewan, 26. September 2001], 3: L’Osservatore Romano [dt.] Jg. 31, Nr. 41 [12. Oktober 2001], S. 7) und ich danke euch für eure oft heldenhafte Treue zum Evangelium; sie ist ein unschätzbares Geschenk für alle Christen. Unser Zusammenkommen ist kein Gedankenaustausch, sondern ein Austausch von Gaben (vgl. Ders., Enzyklika Ut unum sint, 28): Wir ernten, was der Geist in uns gesät hat, als ein Geschenk für jeden (vgl. Apost. Schreiben Evangelii gaudium, 246). Mit großer Freude teilen wir miteinander die vielen Schritte eines schon weit vorangekommenen gemeinsamen Weges und schauen wirklich zuversichtlich auf den Tag, an dem wir mit Gottes Hilfe am Altar des Opfers Christi vereint sein werden, in der Fülle der eucharistischen Gemeinschaft. Zu diesem so ersehnten Ziel sind wir als Pilger unterwegs, und wir pilgern gemeinsam, indem wir » das Herz ohne Ängstlichkeit dem Weggefährten anvertrauen, ohne Misstrauen « (ebd., 244).

Auf diesem Weg gehen uns viele Zeugen voran und begleiten uns, besonders die vielen Märtyrer, die den gemeinsamen Glauben an Christus mit ihrem Blut besiegelt haben: Sie sind unsere Sterne am Himmel, die über uns leuchten und uns den Weg zur vollen Gemeinschaft weisen, der auf Erden noch zurückzulegen ist. Unter den großen Vätern möchte ich mich auf den heiligen Katholikos Nerses Schnorhali beziehen. Er hatte eine außerordentliche Liebe zu seinem Volk und seinen Traditionen und streckte sich zugleich in unermüdlicher Suche nach der Einheit den anderen Kirchen entgegen, in dem Wunsch, Christi Willen zu erfüllen, dass die Gläubigen » alle eins sein « sollten (Joh 17,21). Die Einheit ist ja nicht ein strategischer Vorteil, der aus gegenseitigem Interesse anzustreben ist, sondern sie ist das, was Jesus von uns verlangt und was wir mit gutem Willen und mit aller Kraft erfüllen sollen, um unsere Mission zu verwirklichen: der Welt durch unsere Kohärenz das Evangelium nahezubringen.

Um die notwendige Einheit zu verwirklichen, genügt nach dem heiligen Nerses nicht der gute Wille von irgendjemandem in der Kirche: Unerlässlich ist das Gebet aller. Es ist schön, hier versammelt zu sein, um füreinander und miteinander zu beten. Und es ist vor allem das Geschenk des Gebetes, das ich heute Abend von euch erbitten möchte; dazu bin ich gekommen. Meinerseits versichere ich euch, dass ich bei der Darbringung von Brot und Wein am Altar nicht versäume, dem Herrn die Kirche Armeniens und euer geliebtes Volk vor Augen zu stellen.

Der heilige Nerses spürte auch die Notwendigkeit, die gegenseitige Liebe zu mehren, denn nur die Nächstenliebe ist imstande, das Gedächtnis zu heilen und die Wunden der Vergangenheit ausheilen zu lassen: Nur die Liebe tilgt die Vorurteile und ermöglicht zu erkennen, dass die Öffnung für den Mitmenschen die eigenen Überzeugungen läutert und bessert. Für jenen heiligen Katholikos ist es auf dem Weg zur Einheit wesentlich, den Stil der Liebe Jesu nachzuahmen: Er, » der reich war « (2 Kor 8,9), » erniedrigte sich « (Phil2,8). Nach seinem Beispiel sind wir aufgerufen, den Mut zu haben, die starren Überzeugungen und die Eigeninteressen loszulassen, im Namen der Liebe, die sich erniedrigt und sich verschenkt, im Namen der demütigen Liebe: Sie ist das heilige Öl des christlichen Lebens, das kostbare geistliche Salböl, das heilt, stärkt und heiligt. » Die Mängel ersetzen wir mit einmütiger Liebe «, schrieb der heilige Nerses (Lettere del signore Nerses Shnorhali, Catholicos degli Armeni, Venedig 1873, 316) und das sogar – wie er zu verstehen gab – mit einer besonderen Zärtlichkeit der Liebe, welche die Herzenshärte der Christen aufweichen soll; denn auch sie sind nicht selten auf sich selbst und ihren Vorteil fixiert. Nicht die Kalküle und die Vorteile,  sondern die demütige und großherzige Liebe ist das, was die Barmherzigkeit des Vaters, den Segen Christi und den Überfluss des Heiligen Geistes anzieht. Indem wir beten und » einander von Herzen lieben « (1 Petr 1,22), bereiten wir uns demütig und innerlich offen darauf vor, das göttliche Geschenk der Einheit zu empfangen. Setzen wir unseren Weg mit Entschlossenheit fort, ja, eilen wir der vollen Gemeinschaft unter uns entgegen!

» Meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch « (Joh 14,27). Wir haben diese Worte des Evangeliums gehört, die uns darauf einstimmen, von Gott jenen Frieden zu erflehen, den zu finden die Welt solche Mühe hat. Wie groß sind heute die Hindernisse auf dem Weg des Friedens und wie tragisch die Folgen der Kriege! Ich denke an die Bevölkerungen, die gezwungen sind, alles zu verlassen, besonders im Nahen Osten, wo so viele unserer Brüder und Schwestern unter Gewalt und Verfolgung leiden. Und der Grund dafür sind der Hass und die Konflikte, die ständig geschürt werden durch die Plage der Verbreitung und des Handels von Waffen, durch die Versuchung, Gewalt anzuwenden, und durch den Mangel an Achtung gegenüber der Person, speziell gegenüber den Schwachen, den Armen und denen, die nur ein würdiges Leben verlangen.

Es ist mir unmöglich, nicht an die schrecklichen Prüfungen zu denken, die euer Volk erlebt hat: gerade ein Jahrhundert ist vergangen seit dem „Großen Übel“, das über euch hereingebrochen ist. Diese » ungeheure und wahnsinnige Vernichtung « (Grußwort zu Beginn der Eucharistiefeier für die Gläubigen des armenischen Ritus [12. April 2015]: L‘Osservatore Romano [dt.] Jg. 45, Nr. 16 [17. April 2015], S. 3), dieses tragische Geheimnis der Bosheit, das euer Volk am eigenen Leib erfahren hat, bleibt ins Gedächtnis eingeprägt und brennt im Herzen. Ich möchte bekräftigen, dass eure Leiden die unseren sind: » Sie sind Leiden der Glieder des mystischen Leibes Christi « (Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben zur 1700-Jahr-Feier der Taufe des armenischen Volkes [2. Februar 2001], 4: L’Osservatore Romano [dt.] Jg. 31, Nr. 10 [9. März 2001], S. 10). An sie zu erinnern, ist nicht nur angebracht, sondern es ist eine Pflicht: Sie sollen zu allen Zeiten eine Mahnung sein, damit die Welt nie mehr in die Spirale solcher Gräuel gerät!

Zugleich möchte ich mit Bewunderung daran erinnern, wie der christliche Glaube » auch in den dramatischsten Augenblicken der armenischen Geschichte die Triebkraft [war], die den Anfang zur Wiedergeburt des leidgeprüften Volkes setzte « (ebd.). Er ist eure wirkliche Stärke, die ermöglicht, sich dem geheimnisvollen und rettenden Weg des Pascha-Mysteriums zu öffnen: Die offen gebliebenen, vom grausamen und unsinnigen Hass verursachten Wunden können in gewisser Weise denen des auferstandenen Christus ähnlich werden, jenen Wunden, die ihm zugefügt wurden und die er immer noch in sein Fleisch eingeprägt trägt. In verherrlichter Form zeigte er sie am Abend des Ostertages seinen Jüngern (vgl. Joh 20,20): Diese schrecklichen Wundmale des am Kreuz erlittenen Schmerzes sind, verklärt durch die Liebe, zu Quellen von Vergebung und Frieden geworden. So kann auch der größte Schmerz, verwandelt von der rettenden Macht des Kreuzes – deren Boten und Zeugen die Armenier sind –, ein Same des Friedens für die Zukunft werden.

Wenn nämlich das Gedächtnis von der Liebe durchzogen ist, wird es fähig, neue und überraschende Wege einzuschlagen, auf denen die Machenschaften des Hasses sich in Pläne der Versöhnung verwandeln, wo man auf eine bessere Zukunft für alle hoffen kann, wo » selig [sind], die Frieden stiften « (Mt 5,9). Es wird für alle gut sein, sich zu engagieren, um die Fundamente für eine Zukunft zu legen, die sich nicht von der trügerischen Kraft der Rache vereinnahmen lässt; eine Zukunft, in der man nie müde wird, die Bedingungen für den Frieden zu schaffen: eine würdige Arbeit für alle, die Sorge für die Ärmsten und den ununterbrochenen Kampf gegen die Korruption, die ausgerottet werden muss.

Liebe junge Freunde, diese Zukunft gehört euch. Macht euch die große Weisheit eurer alten Menschen zunutze und strebt danach, Friedenstifter zu werden: nicht Notare des Status quo, sondern aktive Förderer einer Kultur der Begegnung und der Versöhnung. Gott segne eure Zukunft und » gewähre, dass der Weg der Versöhnung zwischen dem armenischen und dem türkischen Volk wiederaufgenommen werde und der Frieden auch im Bergkarabach entstehen möge « (Botschaft an die Armenier [12. April 2015]: L‘Osservatore Romano [dt.] Jg. 45, Nr. 17 [24. April 2015], S. 8).

 

Unter diesem Gesichtspunkt möchte ich am Schluss an einen anderen großen Zeugen und Stifter des Friedens Christi erinnern, den heiligen Gregor von Narek, den ich zum „Kirchenlehrer“ erhoben habe. Er könnte auch als „Friedenslehrer“ bezeichnet werden. So hat er in jenem außergewöhnlichen Buch, das ich mir gerne als die „geistliche Konstitution des armenischen Volkes“ vorstelle, geschrieben: » Gedenke derer, [Herr, …] die im Menschengeschlecht unsere Feinde sind, doch zu ihrem Wohl: Vollbringe du in ihnen Vergebung und Barmherzigkeit. […] Vernichte nicht, die mich angreifen, sondern verwandle sie! Vernichte das lasterhafte irdische Verhalten und verwurzele in mir und in ihnen das gute Betragen! « (Buch der Klagen, 83,1-2). Narek, der sich » seines Anteils an jeder Notlage zutiefst bewusst war « (ebd., 3,4), hat sich sogar mit den Schwachen und den Sündern aller Zeiten und Orte identifiziert, um für alle betend einzutreten (vgl. ebd., 31,3; 32,1; 47,2): Er machte sich zum » Fürbitter für die ganze Welt « (ebd., 28,2). Diese seine universale Solidarität mit der Menschheit ist eine bedeutende christliche Friedensbotschaft, ein herzzerreißender Ruf, der Erbarmen für alle erfleht. Mögen die Armenier, die in vielen Ländern präsent sind und die ich von hier aus brüderlich umarmen möchte, Boten dieser Sehnsucht nach Gemeinschaft sein: wahre » Friedensboten « (Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben zur 1700-Jahr-Feier der Taufe Armeniens [2. Februar 2001], 7: L’Osservatore Romano [dt.] Jg. 31, Nr. 10 [9. März 2001], S. 10). Die ganze Welt braucht diese eure Verkündigung, sie braucht eure Gegenwart, sie braucht euer lauterstes Zeugnis. Kha’ra’rutiun amenetzun! (Friede sei mit euch!)

(rv 25.06.2016 cz)

Papst Franziskus: Junge Armenier sollten Friedensboten sein

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Papst Franziskus auf dem roten Teppich zum ökumenischen Gebet

Papst Franziskus hat bei der ökumenischen Begegnung in Jerewan die armenische Jugend aufgerufen, nicht im Hier und Jetzt zu erstarren, sondern Friedensboten für die Zukunft zu sein. Tausende vor allem junge Menschen, zivilgesellschaftliche und religiöse Vertreter hatten sich auf dem ehemaligen Lenin-Platz, dem heutigen Platz der Republik in der armenischen Hauptstadt versammelt, um gemeinsam mit dem Katholikos aller Armenier und dem Heiligen Vater zu beten. Franziskus sagte zu der jungen Generation: „Liebe junge Freunde, diese Zukunft gehört euch. Macht euch die große Weisheit eurer alten Menschen zunutze und strebt danach, Friedenstifter zu werden: nicht Verwalter des Status quo, sondern aktive Förderer einer Kultur der Begegnung und der Versöhnung.“

Hierbei sollten sie sich an die „großen Zeugen“ erinnern, etwa den heiligen Gregor von Narek, den Franziskus zum Kirchenlehrer erhoben hat. „Er könnte auch als Friedenslehrer bezeichnet werden“, sagte Franziskus. Er zitierte die Worte des Heiligen im „Buch der Klagen“: „Gedenke derer, [Herr, …] die im Menschengeschlecht unsere Feinde sind, doch zu ihrem Wohl: Vollbringe du in ihnen Vergebung und Barmherzigkeit. […] Vernichte nicht, die mich angreifen, sondern verwandle sie! Vernichte das lasterhafte irdische Verhalten und verwurzele in mir und in ihnen das gute Betragen!“ (Buch der Klagen, 83,1-2). Diese Solidarität mit der Menschheit müssten auch die Armenier, die über die ganze Welt verstreut lebten, beherzigen und „Boten dieser Sehnsucht nach Gemeinschaft sein“.

Die Einheit der Christen sei nicht einfach ein „strategischer Vorteil“, sondern sei notwendig, um die Mission Christi zu erfüllen: Der Welt das Evangelium bringen. „Auf diesem Weg gehen uns viele Zeugen voran und begleiten uns, besonders die vielen Märtyrer, die den gemeinsamen Glauben an Christus mit ihrem Blut besiegelt haben: Sie sind unsere Sterne am Himmel, die über uns leuchten und uns den Weg zur vollen Gemeinschaft weisen, der auf Erden noch zurückzulegen ist.“ Aus seinem Schreiben Evangelii Gaudium zitierend betonte Franziskus, dass die Christen auf ihrem Weg zur Einheit „das Herz ohne Ängstlichkeit dem Weggefährten anvertrauen“ sollten, „ohne Misstrauen“.

Auch in den dramatischsten Augenblicken habe das armenische Volk am Glauben festgehalten. Franziskus verglich dessen Wunden, die durch das „große Übel“, also Vertreibung und Vernichtung insbesondere während des Ersten Weltkrieges, verursacht worden seien, mit den Wunden Christi am Kreuz. „Diese schrecklichen Wundmale des am Kreuz erlittenen Schmerzes sind, verklärt durch die Liebe, zu Quellen von Vergebung und Frieden geworden. So kann auch der größte Schmerz, verwandelt von der rettenden Macht des Kreuzes – deren Boten und Zeugen die Armenier sind –, ein Same des Friedens für die Zukunft werden.“

Franziskus erinnerte auch an den heiligen Katholikos Nerses Schnorhali, der den Wunsch hatte, dass alle Christen „eins seien“. Dafür sei das Gebet aller notwendig. „Es ist schön, hier versammelt zu sein, um füreinander und miteinander zu beten. Und es ist vor allem das Geschenk des Gebetes, das ich heute Abend von euch erbitten möchte; dazu bin ich gekommen,“ so Franziskus.

Vor der Ansprache des Papstes wandte sich der Katholikos der armenisch-apostolischen Kirche Karekin II. an die Versammelten auf dem Platz der Republik. Er würdigte die Rolle des Papstes als Friedensstifter zwischen Nationen und verwies auf die Messe mit den Armeniern im Vatikan im vergangenen Jahr, als er das erste Mal, den heiligen Johannes Paul II. zitierend, die Massaker und Verfolgungen am armenischen Volk als ‚Völkermord‘ bezeichnete. „Unser Volk ist Euer Heiligkeit und allen, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen, dankbar und erwartet von der Türkei, in Anlehnung an Ihre Botschaft und das Plädoyer vieler Länder und internationaler Institutionen, dass sie genug Tapferkeit zeigen möge, sich ihrer Geschichte zu stellen und die illegale Blockade Armeniens zu beenden sowie damit aufzuhören, Aserbaidschans militärische Provokationen gegen das Recht der Menschen am Berg-Karabach, in Freiheit und Frieden zu leben, zu unterstützen.“ Papst Franziskus wird im September seine zweite Kaukasusreise antreten und bei dieser auch Aserbeidschan besuchen, das Land, mit dem Armenien in diesen Tagen im teils auch bewaffneten Konflikt steht.

Karekin II. ging aber auch auf die Verfolgung der Christen im Nahen Osten ein und klagt an, wie viele religiöse Stätten und Kulturschätze zerstört wurden. Er verglich ihre Situation mit der Situation der Armenier während des Osmanischen Reichs. Daher könnten die Armenier mitfühlen, so Karekin II.. Hier stehe besonders die Kirche in der Pflicht. „In solchen Situationen kann die Mission der christlichen Kirchen und der religiösen Führer sich nicht darin erschöpfen, den Opfern zu helfen, sie zu trösten und pastorale Arbeit zu leisten. Es müssen praktischere Schritte unternommen werden, auf dem Weg, Lösungen für den Frieden zu finden. Wir müssen das Böse vermeiden, indem wir den Geist der Liebe, Solidarität und Zusammenarbeit in den Gesellschaften fördern – durch ökumenischen und interreligiösen Dialog, nach Gottes Wort: ‚Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.‘“

(rv 25.06.2016 cz/pdy)

Papst Franziskus: „Ich verneige mich vor dem armenischen Volk“

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Zu Besuch beim Präsidenten: Papst Franziskus in Armenien

Ansprache von Papst Franziskus
bei der Begegnung mit Vertretern des öffentlichen Lebens
und der Regierung und mit dem Diplomatischen Korps
im Präsidentenpalast von Jerewan

 

Herr Präsident,
sehr geehrte Vertreter des öffentlichen Lebens,
verehrte Mitglieder des Diplomatischen Korps,
meine Damen und Herren,

es ist mir ein Anlass zu großer Freude, hier sein zu können, den Boden dieses so geschätzten armenischen Landes zu betreten und ein Volk antiker und reicher Traditionen zu besuchen, das mutig seinen Glauben bezeugt hat, das viel gelitten hat, das aber immer wieder neu geboren wurde.

» Unser türkisblauer Himmel, die kristallklaren Wasser, der lichtdurchflutete See, die Sommersonne und im Winter der wilde Nordwind, […] der Stein der Jahrtausende, […] die Bücher, mit dem Griffel eingeritzt und zu Gebet geworden « (Elise Ciarenz, Ode an Armenien) – das sind einige wirkungsvolle Bilder, die ein berühmter Dichter Ihrer Nation uns bietet, um uns die Tiefe der Geschichte Armeniens und die Schönheit seiner Natur zu verdeutlichen. Sie bergen in wenigen Worten den Nachklang und die Fülle der ruhmreichen und dramatischen Erfahrung eines Volkes und dessen verzehrende Liebe zu seinem Vaterland.

Ich bin Ihnen, Herr Präsident, von Herzen dankbar für die liebenswürdigen Worte, mit denen Sie mich im Namen der Regierung und der Einwohner Armeniens willkommen geheißen haben, und dafür, dass Sie mir mit Ihrer freundlichen Einladung die Gelegenheit gegeben haben, Ihren Besuch vom vergangenen Jahr im Vatikan zu erwidern. Damals wohnten Sie der festlichen Messfeier im Petersdom bei, gemeinsam mit Seiner Heiligkeit Karekin II., dem Obersten Patriarchen und Katholikos aller Armenier, und Seiner Heiligkeit Aram I., dem Katholikos des Großen Hauses von Kilikien, sowie Seiner Seligkeit Nerses Bedros XIX., dem Patriarchen von Kilikien der Armenier, der kürzlich verstorben ist. Bei jenem Anlass wurde des hundertsten Jahrestags des Metz Yeghérn, des „Großen Übels“ gedacht, das Ihr Volk heimsuchte und den Tod einer Unzahl von Menschen verursachte. Diese Tragödie, dieser Völkermord eröffnete leider die traurige Liste der entsetzlichen Katastrophen des vergangenen Jahrhunderts, die von anormalen rassistischen, ideologischen oder religiösen Motivationen ermöglicht wurden, welche den Geist der Menschenschinder so weit verdunkelten, dass sie sich das Ziel setzten, ganze Völker auszurotten.

Ich verneige mich vor dem armenischen Volk, das vom Licht des Evangeliums erleuchtet auch in den tragischsten Momenten seiner Geschichte immer im Kreuz und in der Auferstehung Christi die Kraft gefunden hat, sich wieder aufzurichten und würdevoll den Weg wieder aufzunehmen. Das macht deutlich, wie tief die Wurzeln des christlichen Glaubens hinabreichen und welch unendlichen Schatz an Trost und Hoffnung er in sich birgt. Da wir die unheilvollen Ergebnisse vor Augen haben, zu denen im vergangenen Jahrhundert Hass, Vorurteil und zügellose Herrschsucht führten, wünsche ich mir von Herzen, dass die Menschheit aus diesen tragischen Erfahrungen die Lehre ziehen kann, verantwortungsvoll und klug zu handeln, um den Gefahren vorzubeugen, in solche Gräuel zurückzufallen. Mögen sich daher die Bemühungen aller vervielfachen, damit in den internationalen Streitfragen immer der Dialog, die echte Suche nach dem Frieden, die Zusammenarbeit unter den Staaten und der beharrliche Einsatz der internationalen Organismen vorherrschen, um ein Klima des Vertrauens aufzubauen, das das Zustandekommen dauerhafter Vereinbarungen begünstigt.

Die Katholische Kirche möchte aktiv mit allen zusammenarbeiten, denen das Geschick der Zivilisation und die Achtung der Menschenrechte am Herzen liegt, um in der Welt den spirituellen Werten zum Sieg zu verhelfen und alle zu entlarven, die deren Bedeutung und Schönheit entstellen. In diesem Zusammenhang ist es von grundlegender Bedeutung, dass alle, die ihren Glauben an Gott bekennen, ihre Kräfte vereinen, um jeden zu isolieren, der sich der Religion bedient, um Pläne voranzubringen, die auf Krieg, Übergriff und gewaltsame Verfolgung ausgerichtet sind, und so den heiligen Namen Gottes instrumentalisiert und manipuliert.

Heute werden besonders die Christen mancherorts diskriminiert und verfolgt wie zur Zeit der ersten Märtyrer und vielleicht sogar noch mehr, nur weil sie ihren Glauben bekennen. Zugleich finden zu viele Konflikte in verschiedenen Zonen der Welt noch keine positiven Lösungen und verursachen Trauer, Zerstörung und Zwangsmigration ganzer Bevölkerungen. Es ist daher unerlässlich, dass die für das Geschick der Nationen Verantwortlichen mutig und unverzüglich Initiativen ergreifen, um diesem Leiden ein Ende zu bereiten; ihre vorrangigen Ziele müssen die Suche nach Frieden, die Verteidigung und Aufnahme derer, die Aggressionen und Verfolgungen ausgesetzt sind, die Förderung der Gerechtigkeit und eine nachhaltige Entwicklung sein. Das armenische Volk hat diese Situationen hautnah erlebt; es kennt das Leiden und den Schmerz, es kennt die Verfolgung. Es bewahrt in seiner Erinnerung nicht nur die Verwundungen der Vergangenheit, sondern auch den Geist, der ihm erlaubt hat, jedes Mal wieder neu zu beginnen. In diesem Sinn ermutige ich es, seinen wertvollen Beitrag der internationalen Gemeinschaft nicht vorzuenthalten.

In dieses Jahr fällt der 25. Jahrestag der Unabhängigkeit Armeniens. Es ist ein glücklicher Umstand, über den man sich freuen kann, und die Gelegenheit, der erreichten Ziele zu gedenken sowie neue ins Auge zu fassen, die anzustreben sind. Die Feiern aus diesem frohen Anlass werden umso bedeutsamer sein, wenn sie für alle Armenier – in der Heimat und in der Diaspora – ein besonderer Moment sind, Energien zu sammeln und zu koordinieren, um eine gerechte und inklusive zivile und soziale Entwicklung des Landes zu fördern. Es geht darum, ständig darüber zu wachen, dass die moralischen Gebote des gleichen Rechts für alle und der Solidarität mit den Schwachen und Unterprivilegierten niemals vernachlässigt werden (vgl. Johannes Paul II., Ansprache vor der Abreise aus Armenien [27. September 2001]: Insegnamenti XXIV, 2 [2001], 489). Die Geschichte Ihres Landes geht Hand in Hand mit Ihrer christlichen Identität, die im Laufe der Jahrhunderte gehütet wurde. Diese Identität ist weit davon entfernt, die gesunde Laizität des Staates zu behindern; vielmehr verlangt und nährt sie diese, indem sie die partizipative Bürgerschaft (participatory citizenship) für alle Mitglieder der Gesellschaft, die Religionsfreiheit und die Achtung gegenüber den Minderheiten fördert. Der Zusammenhalt aller Armenier und der verstärkte Einsatz, um Wege zu finden, die helfen, die Spannungen mit einigen Nachbarländern zu überwinden, werden die Verwirklichung dieser wichtigen  Ziele erleichtern und so für Armenien eine Zeit wahrer Wiedergeburt einleiten.

Die Katholische Kirche ihrerseits ist froh, dass sie trotz der begrenzten menschlichen Möglichkeiten, mit denen sie im Lande zugegen ist, ihren Beitrag zum Wachstum der Gesellschaft liefern kann, besonders mit ihrem Einsatz für die Schwächsten und die Ärmsten, auf den Gebieten des Gesundheits- und Erziehungswesens und in dem speziellen Bereich der Caritas. Dies wird bezeugt durch das Wirken des schon seit fünfundzwanzig Jahren betriebenen Krankenhauses Redemptoris Mater in Ashotzk, durch die Arbeit des Bildungsinstituts in Jerewan, durch die Initiativen der Caritas Armenia und durch die von den Ordensgemeinschaften geführten Werke.

Gott segne und beschütze Armenien, das Land, das erleuchtet ist vom Glauben, vom Mut der Märtyrer und von der Hoffnung, die stärker ist als aller Schmerz.

 

(rv 24.06.2016 ord)

Papst in Armenien: Aus den Gräueln der Vergangenheit lernen

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Papst Franziskus zu Besuch in Armenien

Aus den Gräueln der Vergangenheit lernen, wie Frieden zu gestalten wäre: Diesen Wunsch äußerte Papst Franziskus auf armenischem Boden in seiner Ansprache an den Staatspräsidenten, Diplomaten, Politiker und Vertreter des öffentlichen Lebens. Der Papst ging auf das nationale Trauma der Armenier ein, das von den Osmanen durchgeführte Massaker in den Jahren 1915/1916. Der „Metz Yeghern” –  das „große Übel”, wie die Armenier selbst die Vertreibung und die Massaker nennen – „diese Tragödie, dieser Völkermord“ habe „leider die traurige Liste der entsetzlichen Katastrophen des vergangenen Jahrhunderts” wiederholt, die „von anormalen rassistischen, ideologischen oder religiösen Motivationen ermöglicht wurden, welche den Geist der Menschenschinder so weit verdunkelten, dass sie sich das Ziel setzten, ganze Völker auszurotten.”

Er wünsche sich von Herzen, fuhr der Papst fort, dass „die Menschheit aus diesen tragischen Erfahrungen die Lehre ziehen kann, verantwortungsvoll und klug zu handeln, um den Gefahren vorzubeugen, in solche Gräuel zurückzufallen.” In den internationalen Streitfragen – Franziskus nannte keine konkret, doch alle Anwesenden dachten an die Scharmützel Armeniens mit den Nachbarländern Georgien, Aserbeidschan, Türkei und Iran – solle daher stets Dialog vorherrschen, die „echte Suche nach dem Frieden” und „der beharrliche Einsatz der internationalen Organismen”. Franziskus bot in einem solchen Prozess auch die Unterstützung der katholischen Kirche an. Und er mahnte alle religiösen Menschen dazu, gemeinsam gegen Religionsmissbrauch vorzugehen. Wer sich der Religion bediene, um Krieg und gewaltsame Verfolgung zu rechtfertigen, müsse isoliert werden. Auf diese Weise nämlich werde der „heilige Name Gottes instrumentalisiert und manipuliert”.

Besondere Verfolgung erfahren im Moment Christen, stellte der Papst in Armenien klar. Sie werden „verfolgt wie zur Zeit der ersten Märtyrer und vielleicht sogar noch mehr”. Darüber hinaus gebe es derzeit zu viele ungelöste Konflikte in verschiedenen Weltgegenden, die Zerstörung und Zwangsmigration verursachen. Hier müssten die Verantwortlichen in den Regierungen mutig und rasch handeln und klare Ziele vor Augen haben: Frieden, Aufnahme von Flüchtenden, Förderung von Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung. Armenien habe in dieser Hinsicht viel zu geben, sagte der Papst, nicht nur weil es die Verfolgung am eigenen Leb erlebte, sondern auch, weil es jedesmal wieder neu anfing. „In diesem Sinn ermutige ich [Armenien], seinen wertvollen Beitrag der internationalen Gemeinschaft nicht vorzuenthalten.”

Seit 25 Jahren ist Armenien unabhängig. Franziskus lobte ausdrücklich die christliche Identität, die der Kaukasus-Nation niemals abhanden gekommen ist und weit davon entfernt sei, “die gesunde Laizität des Staates” zu behindern, im Gegenteil: die christliche Identität Armeniens stärke die Religionsfreiheit und die Archtung gegenüber den Minderheiten.

(rv 24.06.2016 gs)


Gemeinsames Zeugnis gegen Spaltungen

Papst Franziskus hat bei seiner ersten Ansprache seiner Armenienreise in der Apostolischen Kathedrale des heiligen Gregors des Erleuchters in Etschmiadsin die Bedeutung der Ökumene im Umgang mit Krisen und Konflikten in der Welt betont. Im Beisein des Apostolischen Katholikos Karekin II. sagte er, die Welt sei leider gezeichnet von Spaltungen und Konflikten, materieller und geistlicher Armut und Christen müssten ein Zeugnis der gegenseitigen Achtung und brüderlichen Zusammenarbeit geben. Hierfür sei wichtig, dass sie diesen Weg gemeinsam gingen: „Der ökumenische Geist gewinnt auch außerhalb der sichtbaren Grenzen der kirchlichen Gemeinschaft einen Vorbildcharakter und ist für alle ein starker Aufruf, die Divergenzen durch den Dialog und die Würdigung dessen, was eint, beizulegen.“ Darüber hinaus verhindere der ökumenische Geist die Instrumentalisierung und Manipulierung des Glaubens. Denn er verpflichte dazu, die echten Wurzeln des Glaubens wiederzuentdecken.

Franziskus hob die besondere christliche Identität Armeniens hervor, das bereits 301 das Christentum als Religion annahm – „in einer Zeit, als im Römischen Reich noch die Verfolgungen wüteten“, betonte er. „Der Glaube an Christus war für Armenien nicht wie ein Gewand, das man je nach Umständen oder Vorteil an- oder ablegen kann, sondern er war eine konstitutive Wirklichkeit seiner eigentlichen Identität, ein Geschenk von unermesslicher Tragweite, das es freudig anzunehmen und engagiert und kraftvoll zu hüten galt, auch um den Preis des eigenen Lebens.“

Er danke dem Herrn für dieses leuchtende Glaubenszeugnis der Armenier, das die machtvolle Wirkung der Taufe beweise. „Ihr habt sie vor über tausendsiebenhundert Jahren mit dem beredten Zeichen des heiligen Martyriums empfangen, das ein ständiges Element der Geschichte eures Volkes geblieben ist.“Franziskus erinnerte an die bisherigen Bemühungen im Dialog durch Katholikos Vasken I., Karekin I. sowie seiner beiden Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI.

„Wenn unser Handeln von der Kraft der Liebe Christi inspiriert und bewegt ist, nehmen die gegenseitige Kenntnis und Achtung zu, werden bessere Bedingungen für einen fruchtbaren ökumenischen Weg geschaffen und wird zugleich allen Menschen guten Willens und der gesamten Gesellschaft ein konkreter gangbarer Weg aufgezeigt, um die Konflikte zu schlichten, die das bürgerliche Leben zerreißen und Spaltungen verursachen, die schwer zu heilen sind.“

(rv 24.06.2016 cz)


Ankunft des Papstes im „ersten christlichen Land“

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Es ist die erste Etappe einer Doppelreise: Papst Franziskus ist an diesem Freitag in Armenien angekommen, pünktlich um 15 Uhr Ortszeit, also 13 Uhr mitteleuropäischer Zeit, landete der Papstflieger in der Hauptstadt Jerewan, wo er von Staatspräsident Sersch Sargsjan sowie Vertretern der Kirchen und der Gesellschaft begrüßt wurde.

In diesem Jahr wird der Papst zwei Mal in den Kausasus reisen, nach der dreitägigen Armenienreise wird es im September noch eine zweite Reise nach Aserbaidschan und Georgien geben, weswegen der Vatikan von einer „Reise in zwei Etappen“ sprach.

Die Reise habe vor allem spirituellen Charakter. Das hatte der Papst in einer Videobotschaft betont, die er am Donnerstag an Armenien gerichtet hatte. Auf dem Programm der Reise stehen neben den Treffen mit Vertretern von Staat und Gesellschaft der Besuch bei den Katholiken im Land, die ökumenischen Begegnungen mit den Vertretern der armenisch-orthodoxen Kirche und der Besuch im Denkmalkomplex Zizernakaberd, der an den Völkermord vor gut 100 Jahren durch das Osmanische Reich erinnert.

Interview mit dem Präsidenten Armeniens

In einem Interview mit Radio Vatikan spricht Präsident Sersch Sargsjan vor der Anreise des Papstes davon, dass er sich wünsche, dass das gesamte armenische Volk die Wärme und die Energie dieses Papstes spüre. Gerade angesichts der Verfolgungen von Christen – auch armenischen – im Nahen Osten sei der Papstbesuch in seinem Land bedeutend, Papst Franziskus stehe für Dialog, Respekt und friedliches Zusammenleben.

Frieden – das sei auch in den Beziehungen zu Aserbeidschan nötig, so der Präsident weiter. Gerade erst sei er von einem Treffen mit den Präsidenten des Nachbarlandes und Russlands gekommen, man sei sich einig, dass es nur eine friedliche Lösung für die seit Jahrzehnten anhaltenden Konflikte und kriegerischen Auseinandersetzungen um die Region Bergkarabach geben könne.

Wie üblich hatte der Vatikan im Namen des Papstes Telegramme an die Staatschefs der überflogenen Länder gesandt, darunter an Recep Tayyip Erdoğan, den Präsidenten der Türkei. Mit dem Land gibt es Spannungen, seitdem am 12. April 2015 Papst Franziskus die Massaker an den Armeniern als Genozid bezeichnet und in eine Reihe mit dem Holocaust gestellt hatte.

Zu seiner eigenen geistlichen Vorbereitung war Papst Franziskus am Vorabend der Reise zu einem privaten Besuch in der Basilika Santa Maria Maggiore, wo er vor der dortigen Marienikone betete. Dort legte er auch einen Strauß Blumen nieder, die wie üblich in die Farben des zu besuchenden Landes gewickelt waren.

(rv 24.06.2016 ord)


Papstbesuch in Armenien:
Stimmen aus dem Osservatore Romano

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Die Pastoralreise von Papst Franziskus nach Armenien ist eine günstige Gelegenheit, die Beziehungen zwischen der armenisch-apostolischen und der katholischen Kirche noch weiter zu stärken. Das hofft der vatikanische Ökumenekardinal Kurt Koch in einem Beitrag für den L´Osservatore Romano, der im Vorfeld der Reise veröffentlicht wurde. Kardinal Koch betont in seinem Artikel die ökumenische Bedeutung der Papstvisite, die durch seinen Aufenthalt in der Residenz des Katholikos der armenisch-apostolischen Kirche, genau 15 Jahre nach dem Heiligen Johannes Paul II., noch vertieft werde. Es seien die Gemeinsamkeiten und jüngsten Fortschritte in den ökumenischen Beziehungen, die durch den Papstbesuch unterstrichen werden sollten, betont Kurt Koch. Deswegen sei eines der zentralen Anliegen der Reise das gemeinsame Gebet, in einer Art Vorwegnahme einer Einheit, die erst noch erreicht werden müsse.

Ein wichtiges Zeichen sei erst jüngst mit der Erhebung des Heiligen Gregor von Narek in den Rang eines Kirchenlehrers gesetzt worden. Diese bedeute nicht nur „Einladung, sich mit dem spirituellen Schatz des armenischen Volkes“ vertieft auseinanderzusetzen, sondern sei auch insgesamt ein Zeichen für den „neuen Geist“, der die Beziehungen der Kirchen durchwehe.

Armenien, so erinnert der Kardinal, war die erste Nation überhaupt, die sich als ganze zum Christentum bekannte. Bereits im Jahr 301 wurde der damalige König Trdat III. vom heiligen Gregor von Narek oder „dem Erleuchter“ getauft; demselben Heiligen, den er zuvor 13 Jahre lang in einer Grotte unter dem Berg Khor Virap gefangen gehalten hatte. Dies sei der Beginn der Konversion eines ganzen Volkes gewesen, die neben dem Glauben an Christus Erlöser jedoch auch zu einer Reihe von Verfolgungen und Leiden für das armenische Volk führte. Sichtbares Zeichen des Martyriums des armenischen Volkes: die charakteristischen Steinkreuze, die allerorten zu finden seien. Es sei letztlich auch der gemeinsame Blutzoll, der die Ökumene ausmache, erinnert Kardinal Koch mit Verweis auf die drei letzten Päpste, Johannes Paul II., Benedikt XVI. und schließlich Franziskus selbst, der von einer „Ökumene des Blutes“ gesprochen habe. Am 12. April 2015 wurde im Beisein der beiden Katholikoi der armenisch-apostolischen Kirche und des Patriarchen der armenisch-katholischen Kirche während eines Gottesdienstes im Petersdom die Erhebung des armenischen Heiligen Gregor zum Kirchenlehrer gefeiert. Im Verlauf der denkwürdigen Zeremonie habe der Papst auf die Leiden des armenischen Volkes hingewiesen und deutlich vom „ersten Genozid des XX. Jahrhunderts gesprochen“, indem er sich auf die Vertreibungen und Verfolgung der armenischen Christen durch Truppen des Osmanischen Reiches im Jahr 1915 bezog, betonte Koch.

Die Bedeutung dieser Worte Franziskus´ für das armenische Volk unterstrich auch ein anderer hochrangiger Kirchenvertreter im Osservatore Romano. Der armenisch-katholische Erzbischof Raphael Minassian betonte in seinem Gastbeitrag, wie der Papst bereits seit seinem Amtsantritt die Sympathien der Armenier gewonnen habe. Doch es sei jener 12. April 2015 gewesen, der die Sympathien in tiefe Verehrung und Dankbarkeit des gesamten Volkes gewandelt habe. Dies werde sich auch in den Reaktionen auf seine Visite zeigen, die als diejenige eines spirituellen Vaters bei seinen in der Welt verstreuten Kindern wahrgenommen werde. Vor allem die armenischen Katholiken im Land, etwa 160.000 an der Zahl, warteten mit Ungeduld auf ihren Hirten, um mit ihm gemeinsam aufs Neue in ihrem Glauben und in ihren Bestrebungen für Einheit und Versöhnung bestärkt zu werden.

Für Kardinal Leonardo Sandri, den Präfekten der Ostkirchenkongregation, bedeutet die Reise des Papstes an die Peripherien Europas eine Erinnerung an unsere eigenen christlichen Ursprünge. Ebenfalls im Osservatore schrieb er, die Reise stelle einen Tribut an das Martyrium dar, mit dem der Glaubensweg der zutiefst christlichen Armenier seit jeher verbunden gewesen sei. Er erinnerte in seinem Beitrag daran, dass es die Christianisierung des Landes gewesen sei, die ihm das Alphabet geschenkt habe. Gleichzeitig betont der Kardinal, dass Franziskus kein politisches oder soziales Ziel verfolge. Es sei vielmehr stets das Evangelium des Herrn, von dem aus er seinen Ausgang nähme und zu dem er zurück führen wolle. Diese Interessenlosigkeit sei es, die ihm den direkten Zugang zu den Herzen der Menschen garantiere und zu einer Versöhnung auch der gegensätzlichsten Positionen beitragen könne.

(or 24.06.2016 cs)