Weihbischof Andreas Laun (Salzburg): Hinter der Gender-Ideologie steht die Lüge des Teufels!

Weihbischof Andreas Laun (Salzburg) auf der DEMO FÜR ALLE am 28.2.16 in Stuttgart

Ein Hirtenbrief an meine Diözese Libertina: Im Namen Gottes, um der bedrohten Menschen willen warne ich mit größter Eindringlichkeit vor der Gender-Ideologie! Ein kath.net-Klartext von Bischof Andreas Laun, Salzburg.

Aus dem Internet erfährt man: Die „Titularbistümer“ in der katholischen Kirche und Bischöfe, die ihnen zugeordnet werden, sollen „die Erinnerung an historische, aber verlorene Bistümer wachhalten“. Nun, mir wurde eine solche Diözese namens „Libertina“, im nördlichen Tunesien (oder in Libyen) gelegen, zugeteilt. Sie gehörte zur Kirchenprovinz von Karthago und ging wohl im 7. Jahrhundert, im muslimischen Eroberungssturm, zugrunde. Diese Art von Diözesen, die erloschen sind, gibt es, weil die katholische Kirche ihre „Verstorbenen“ nicht vergisst, auch nicht eine verstorbene Diözese. Zur Erinnerung an Libertina hat mir die Kirche den Titel eines „Titularbischofs von Libertina“ verliehen. Libertina liegt in Tunesien oder Libyen, ganz sicher scheint das nicht zu sein.

Liebe Christen, ich weiß, in „meiner Diözese“ gibt es vermutlich mehr Skorpione und Kamele als Christen und natürlich viele Muslime, die Jesus Christus leider noch nicht kennen. Wie komme ich dazu, einen „Hirtenbrief“ für Euch zu schreiben? Ich kann nichts für die dortigen Menschen tun, außer für sie zu beten! Aber heute schreibe ich diesen „Hirtenbrief“ in der Hoffnung, dass ihn auch „Nicht-Libertiner“ lesen werden. Damit möchte ich die warnende Stimme des Papstes, vieler Kardinäle (etwa Kardinal Sarah) und Bischöfe in der Weltkirche verstärken. Sollte diese „Stimme“ auch „echte Libertiner“ erreichen, umso besser.

Natürlich möchte ich beginnen mit der für jeden Menschen bestimmten Botschaft, dass Gott sich angesichts unserer Ausweglosigkeit „selbst überboten“ hat, indem Er selbst sich unter uns gemischt hat, um uns zu helfen. Er ist, wie die heilige Katarina von Siena zu sagen wagte, geradezu „verrückt“ geworden aus Sehnsucht nach und Liebe zu uns. Was da geschehen ist, konnte sich niemand vorstellen, hat sich keine Religion zu denken gewagt, aber es ist einfach wirklich geschehen! Das zu sagen, war der Grund auch für mich, Bischof zu werden. Ein Indianer, der einem Stamm im Brasilianischen Urwald angehörte und dem erst in unserer Zeit ein Missionar diese Geschichte erzählte, soll geantwortet haben: „Das war vor 2000 Jahren und ihr kommt erst jetzt, uns das zu erzählen?“

Na ja, dazu gäbe es viel zu sagen, aber heute möchte ich etwas ganz Wichtiges hinzufügen: Gott, könnte man sagen, ist nicht allein da, unter uns wirkt, im Grunde zwar unterlegen, aber viel Böses bewirkend, auch sein Gegenspieler, der Teufel, der zäh und grausam nicht aufhört, Menschen auf seine Seite zu ziehen, hinein in den Abgrund des Leidens und sogar ewigen Unglücks.

Gott hat uns zwar versichert, dass letztlich ER, Gott, den Kampf gewinnen wird, und das weiß auch der Teufel. Aber bis dahin geht der Kampf weiter, und wir Menschen müssen, ob wir Lust dazu haben oder auch nicht, uns entscheiden, mitkämpfen, mit den Waffen, die Gott uns gibt. Mit diesen sind wir unbesiegbar, aber nicht unverwundbar.

Auch darüber müsste ich länger sprechen, doch für heute nur dies: In unserer Zeit gab es bereits zwei besonders teuflische Auseinandersetzungen zwischen Gott und Seinem und unserem Feind gegeben, den Nationalsozialismus und den Kommunismus, die unendlich viel Leid über die Menschen brachten. Beide gründeten in gewaltigen Lügen über Gott und die Menschen.

Man hätte es bis vor einigen Jahren nicht geglaubt, aber heute ist wieder eine grauenhafte Lüge groß und mächtig geworden. Sie nennt sich Gender, sie greift die Menschen in ihrer Intimsphäre an. Papst Franziskus nannte diese Theorie „dämonisch“ und das ist sie auch! Sie greift vor allem auch nach den Kindern und zerstört die Liebe zwischen Mann und Frau, die Familie, die Gott sich als besonderes Geschenk für uns Menschen ausgedacht und erschaffen hat, vor allem auch, damit wir Menschen uns Seine Liebe zu uns besser vorstellen können!

Der Teufel ist ein Meister des Lügens und er hat durch seine Erfahrung mit uns längst begriffen, wie leicht und erfolgreich er uns Menschen belügen kann. Es gibt fast keine seiner Lügen, auf die die Menschen nicht schon hereingefallen wären. Im Reich Hitlers hat er behauptet, es gäbe Menschen-Rassen, die besser sind als andere Rassen. Vor allem die Juden hat er gehasst und sie als minderwertig hinstellen wollen und zwar nur, weil Gott die Juden besonders geliebt hat. Bei den Kommunisten hat er mit einer anderen Lüge gearbeitet, nämlich dass der Staat alle Menschen enteignen sollte, dass dadurch alle gleich werden und Gerechtigkeit entstehen werde. Aber die Folgen waren in beiden Systemen Diktatur und Ströme von Blut.

Jetzt, mit Gender, lautet die Lüge: Es gibt nicht wirklich Mann und Frau, sondern: Dass die Menschen Frauen oder Männer sind, ist nur Einbildung, in Wirklichkeit sei dieser Unterschied eine Erfindung der Menschen selbst. Daher könne jeder Mensch selbst entscheiden, was er sein will, Mann oder Frau, und nur deswegen gibt es Männer und Frauen. Zu sagen, es gäbe sie wirklich, nennen die Ideologen abschätzig „Zwangsheterosexualität“. Besonders gefällt dem Teufel bei dieser Lüge, dass es irgendwie gestörte Männer und Frauen gibt, die anatomisch eine kleine Missbildung haben oder eine sexuelle Anziehung zum eigenen Geschlecht verspüren und damit seine Lüge zu bestätigen scheinen.

Nimmt man seine Lüge ernst, gäbe es eine menschliche Gesellschaft ohne den Unterschied von Mann und Frau, weil dieser ja nur gemacht (konstruiert) worden wäre, und daher sozusagen auch wieder „abgerissen“ (dekonstruiert) werden könnte wie ein illegal gebautes Haus. Darüber, dass nur Frauen Kinder gebären können, schweigen sie, aber sie behaupten immerhin, dass Männer genauso gut wie Frauen für Kinder sorgen können und dass daher auch Homosexuellen erlaubt sein müsse, Kinder zu adoptieren. In dieser Lüge steckt auch eine uralte Verachtung des Leibes, der angeblich keine wirkliche, keine bestimmende Bedeutung habe, nur Material wäre, mit dem Menschen machen können, was immer sie wollen und können.

Die Menschen sind zu dieser „Religion des Teufels“ bereits scharenweise verführt worden. Das gelang unter anderem deswegen, weil die Lüge mit einem harmlosen, sogar guten Werbeslogan auftrat: Es gehe nur um Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die Gleichberechtigung ist längst ein anerkanntes Prinzip, gerade auch für Christen. Aber bei Gender geht es eben um viel, viel mehr. Der „harte Kern“ der Ideologie wird oft nicht erkannt, wird nicht ernst genommen. Viele sind nur beunruhigt, denken aber: Nicht so schlimm, man werde schon durchtauchen. Natürlich hat auch diese Lüge ihr Ablaufdatum, die Frage aber bleibt: Wann – und was wird sie bis zu diesem Datum angerichtet haben?

Die Menschen durchschauen die Lüge auch deswegen nicht so leicht, weil der Kerngedanke so verrückt ist, dass die Menschen es eigentlich nicht für möglich halten, dass „das“ gemeint sein könnte, nämlich die Selbstbestimmung des Menschen, ob er Mann oder Frau sein wolle. Die Gender- Ideologie führt dann zu skurrilen Dummheiten wie die Ersetzung von Begriffen wie Vater und Mutter durch „Elter 1“ oder „Elter 2“. Oder, um noch ein Beispiel zu nennen, die Umrüstung von Verkehrszeichen auf männliche und weibliche Figürchen!

Etliche Regierungen haben beschlossen, diese Ideologie als „Gendermainstreaming“ zu unterstützen: Man hat Lehrstühle dafür errichtet, man zwingt Studenten und Schüler, Kurse zu machen und nur „gegenderte“ Prüfungsarbeiten abzugeben, man passt Formulare an, man passt die Sprache an, soweit dies geht. Auch die Anerkennung einer homosexuellen Beziehung als Ehe oder wenigstens als anerkannte Partnerschaft gehört dazu. Auch die massive Förderung der Kinderkrippen (Kitas) liegt auf dieser Linie, weil diese Einrichtung – für Notfälle wichtig –, zum Instrument einer Art Verstaatlichung der Kinder gemacht wird. Diese Maßnahmen setzen sich fort in einer „Sexualpädagogik der Vielfalt“, die den Kindern in der Schule aufgezwungen wird gegen den Willen der Eltern! Kinder sollen lernen, alle sexuelle Beziehungen und verschiedene Formen des Zusammenlebens als gleichwertig anzuerkennen! Das heißt dann logisch noch mehr: Während man Pädophilie angeblich ablehnt und bestraft, halten besonders radikale Ideologen wie J. Butler sogar inzestuöse Verbindungen für möglich und auch sonst jede Abweichung von bisher gültigen Normen. In Personalausweisen soll das Geschlecht nicht mehr genannt werden, Transvestismus und Geschlechtsumwandlungen gelten als denkbar und sogar wünschenswert.

Leider ist die Genderideologie auch in christliche Kreise eingedrungen; vor allem in die protestantischen Gemeinschaften (z. B. mit Studienzentren für feministische, geschlechterbewusste Theologie). Das ist wahr auch in bestimmten, angeblich katholischen Organisationen, die sich eine „geschlechtergerechte Kirche“ im Sinne von Gender fordern!

Aber katholische Kirche wehrt sich wie niemand sonst:

Papst Franziskus hat Gender verurteilt, ebenso Papst Benedikt XVI., der hl. Papst Johannes Paul II. kannte diese Irrlehre noch nicht, aber in seinem Lehren steckt schon alle Begründung für das Nein zu Gender! Inzwischen haben schon mehrere Bischofskonferenzen Stellung bezogen, auch afrikanische! Besonders klar gegen Gender ist auch die Stimme Kardinal Sarahs in seinem Buch „Gott oder nichts!“

Liebe Gläubige, hinter der Gender-Ideologie steht die Lüge des Teufels, und auch diese Lüge bringt Unglück über die Menschen, wie alle seine Lügen im Lauf der Geschichte.

Zu Eurer Hilfe setze ich noch einen Text über die Familie hinzu:

Familie

Was ist Ehe, was ist eine Familie? Bis vor kurzem hätte jeder Mensch diese Frage nicht für eine Frage gehalten, weil er sich der Antwort sicher gewesen wäre. Für Christen ist die Antwort zudem biblisch abgesichert und sie können mit Leichtigkeit antworten: „Gott schuf den Menschen als Mann und Frau, ihre Verbindung nennt man Ehe und daraus wird in den meisten Fällen durch die Kinder eine ‚Familie‘!“ Heute scheint das vielen Menschen das alles nicht mehr so klar zu sein, vor allem diejenigen, die in der Tradition des Marxismus stehen, bekämpfen die Familie sogar und wollen sie durch andere „Formen des Zusammenlebens“ ersetzt wissen. Spöttisch und abwertend sprechen sie von der „traditionellen“ Familie und wollen diese nur noch als eine eigentlich überholte Lebensform gelten lassen. Entsprechend schauen die neuen „Angebote“ aus, die an die Menschen herangetragen werden. Ganz allgemein wird die dauerhafte und treue eheliche Bindung von Mann und Frau hinausgeschoben, gelockert, angezweifelt, für unmöglich und unnötig gehalten.

Papst Johannes Paul II. (FC Nr. 4) hat diese Entwicklungen vorausgeahnt. Sie werden, sagte er schon 1981, „von mächtigen und weitverzweigten Organisation der Medien gestützt, welche die Freiheit und die Fähigkeit zur objektiven Beurteilung unterschwellig gefährden.“ Papst Johannes Paul II. (FC 6) sieht „Anzeichen einer „besorgniserregenden Verkümmerung fundamentaler Werte“ und die Gefahr „irriger theoretischer und praktische Auffassungen“ über Ehe und Familie. Darum müssen sich die Gläubigen, also die ganze Kirche, als kritisches Gewissen einer „Familienkultur“ (FC 7) erweisen und an dieser arbeiten.

Was die Kirche über Ehe und Familie sagt, hat Papst Johannes Paul II. so ausgedrückt:

„Gott ist Liebe… Indem er den Menschen nach seinem Bild erschafft, prägt Gott der Menschennatur des Mannes und der Frau die Berufung und daher auch die Fähigkeit und die Verantwortung zu Liebe und Gemeinschaft ein. Die Liebe ist demnach die grundlegende und naturgemäße Berufung jedes Menschen. Als Geist im Fleisch, das heißt als Seele, die sich im Leib ausdrückt, und als Leib, der von einem unsterblichen Geist durchlebt wird, ist der Mensch … zur Liebe berufen. Die Liebe schließt auch den menschlichen Leib ein, und der Leib nimmt an der geistigen Liebe teil.“

Daraus ergeben sich folgerichtig die Wesenselemente von Ehe und Familie: Die Treue, die Unauflöslichkeit, die Offenheit für Kinder, die Verbindung dieses Bundes mit Gott selbst!

Die genannte Bedrohung von Ehe und Familie sahen auch die nachfolgenden Päpste und in unseren Tagen motivierte sie Papst Franziskus, eine Synode dem Thema Familie zu widmen.

Worin besteht die Bedrohung konkret? Heute vor allem in der Gender-Bewegung, die Papst Franziskus in Gegenwart der Österreichischen Bischöfe „dämonisch“ genannt hat.

Bis vor nicht langer Zeit kannte die Öffentlichkeit diese Theorie noch nicht. Das englische Wort Gender heißt eigentlich nur „Geschlecht“. Die Gender-Theorie schaffte ihren Durchbruch auf der Weltfrauenkonferenz in Peking 1995. Viele Menschen glauben, es ginge dabei nur um „Gleichberechtigung von Mann und Frau“. Dagegen wäre nichts einzuwenden. Aber der Bewegung geht es um Anderes.

Jetzt wiederhole ich das schon Gesagte. Die „Genderbewegung“ behauptet: Es gibt nicht Männer und Frauen, wie man bisher glaubte! Nach einem Wort von Simone de Beauvoir kommt niemand als Mann oder Frau zur Welt, sondern wird erst im Lauf seines Lebens dazu „gemacht“ durch seine Eltern, durch die Umwelt, in der er aufwächst, durch die Gesellschaft und ihre Normen. Heute geht man noch einen großen Schritt weiter: Jeder Mensch, sagt man, könnte sein Geschlecht selbst bestimmen und habe darum auch das Recht dazu. Also gibt es kein von dem Leib vorgegebenes Geschlecht, sondern das Geschlecht bestimmt der Einzelne sich selbst mit seinem freien Willen. Darin enthalten ist logisch zwingend die Behauptung: Der Leib ist unwichtig, störend, ein Gefängnis, dessen Riegel unsere souveräne, gottgleiche Freiheit über alles und jedes aufbrechen muss!

Die Theologie des Leibes und der Liebe, wie sie vor allem der hl. Papst Johannes Paul II. entfaltet hat, will man nicht dulden, man stellt ihr die Theorie absoluter Freiheit entgegen. Es handelt sich bei diesem Menschenbild der Gendertheorie um die radikalste Leibfeindlichkeit, die es in der Geschichte gab: Der Leib ist nichts, die Selbstbestimmung alles!

Dieses „neue“ Menschenbild – Papst Benedikt sprach von einer „anthropologischen Revolution“ – will man nicht nur vertreten oder diskutieren, sondern allen Anders-Denkenden aufdrängen.

Um das durchzusetzen, entwickeln die Vertreter dieser „Meinung“ Pläne, um die Kinder möglichst früh in ihrem Sinn zu erziehen. Schon ab dem Kindergarten, spätestens aber in der Schule sollen sie lernen: Alle möglichen Praktiken der Sexualität sind gleichwertig und für normal zu halten. In diesem Sinn gilt die „sexuelle Vielfalt“ als Voraussetzung und Lernziel in der Schule und das gilt für alle Fächer. Zu all dem brauche es auf der einen Seite einen Sexualkunde-Unterricht für Kinder und Jugendliche, der sie auch zu sexuellem Experimentieren ermutigt, und auf der anderen Seite die weitgehende Abschaffung der Eltern-Rechte über ihre Kinder.

Dazu passt: Vom Religions-Unterricht können Eltern ihre Kinder abmelden, nicht aber von der Indoktrination durch Gender-Ideologen!

Der Staat zeigt totalitäre Züge, indem er bis ins Privatleben und ins Denken der Menschen hinein alles zu bestimmen und durch seine Gesetze durchzusetzen versucht. Auch die Religions-Gemeinschaften sollen oder müssen, wenn es nach dem Willen der Gender-Ideologen geht, dazu gebracht werden, diese Theorie anzuerkennen. Dazu setzt man nicht nur Dialoge ein, sondern erste Formen des Zwangs: Diejenigen, die sich widersetzen, sollen keine Unterstützungen mehr bekommen. Zugleich sollen sie der Lächerlichkeit preisgegeben werden, so eine Forderung auf der Weltfrauenkonferenz in Peking. Auch die „Antidiskriminierungsgesetze“ erweisen sich als hilfreich in diesem Kampf gegen die Denkfreiheit, indem man behauptet: Anders zu denken sei eine Diskriminierung derer, die die staatlich vorgeschriebene Gender-Theorie vertreten.

Wenn es in vielen Länder auch noch nicht so weit ist: Aber es gibt bereits Länder, in denen der Lehrer seine Stellung verliert, wenn er sich z. B. wehrt zu „lehren“, dass eine homosexuelle Partnerschaft „genauso gut und richtig“ sei wie eine Ehe von Mann und Frau. Und es gibt auch Länder, in denen man „Mutter“ und „Vater“ ersetzt durch „Elter 1“ und „Elter 2“. Es ist leicht zu verstehen: Wenn es nicht Männer und Frauen im üblichen Sinn gibt, dann gibt es auch keine Familie in dem Sinn, wie sie bis heute verstanden und auch in den Gesetzen vorausgesetzt wird.

Es gehört folgerichtig zur Ideologie der sexuellen Vielfalt, dass es, abgesehen von Pädophilie und sexueller Gewalt, im Bereich der Sexualität keine moralischen Grenzen geben kann. Aber wie sollte die Kirche dann noch von ihrer biblisch begründeten Auslegung der göttlichen Gebote bezüglich der ehelichen Liebe sprechen können?

Antwort der Kirche:

Im „Kompendium der Soziallehre der Kirche“ wird sie sachlich und knapp so beschrieben und zugleich der katholischen Lehre gegenübergestellt:

„Gegenüber denjenigen Theorien, die die Geschlechteridentität lediglich als ein kulturelles und soziales Produkt der Interaktion zwischen Gemeinschaft und Individuum betrachten, ohne die personale sexuelle Identität zu berücksichtigen oder die wahre Bedeutung der Sexualität in irgendeiner Weise in Betracht zu ziehen, wird die Kirche es nicht müde, ihre eigene Lehre immer wieder deutlich zu formulieren: Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, muss seine Geschlechtlichkeit anerkennen und annehmen. Die leibliche, moralische und geistige Verschiedenheit und gegenseitige Ergänzung sind auf die Güter der Ehe und auf die Entfaltung des Familienlebens hingeordnet. Die Harmonie des Paares und der Gesellschaft hängt zum Teil davon ab, wie Gegenseitigkeit, Bedürftigkeit und wechselseitige Hilfe von Mann und Frau gelebt werden. Aus dieser Sicht ergibt sich die Verpflichtung, das positive Recht dem Naturgesetz anzugleichen, dem zufolge die sexuelle Identität als objektive Voraussetzung dafür, in der Ehe ein Paar zu bilden, nicht beliebig ist.“

Bei all dem ist zu beachten: Die Kirche erfindet nicht irgendeine eigene Gebote, sondern sie weiß sich dem Wort Gottes verpflichtet und der Vernunft! Die so abgesicherte Wahrheit kann und darf die Kirche nicht ändern wie dies eine Partei mit ihrem Programm tun kann. Sie hat das Wort Gottes zu bewahren und zu bezeugen vor der ganzen Welt, gelegen oder ungelegen! Eigentlich würde sogar der Hausverstand genügen, aber wenn er es nicht täte: In der Bibel steht, was der Mensch ist: Gott schuf den Menschen nicht als Einzelwesen, das aus sich selbst machen kann, was es sein will, sondern als Mann und Frau, berufen dazu, in ehelicher Liebe eins zu werden, Kindern das Leben zu schenken oder nach dem Plan Gottes die Liebe in anderer Form zu leben! Wenn nur die Verbindung von Mann und Frau Ehe ist und Ehe mit Kindern zur Familie wird, ist klar, dass eine wie immer genannte Gemeinschaft von zwei Männern oder zwei Frauen keine Ehe ist und dass dies auch die absolute Mehrheit einer Regierung nicht zu ändern vermag. Wenn man den Mond auch „Sonne“ nennen wollte, würde er doch bleiben, was er ist: Mond mit dem Licht des Mondes!

Im Lauf ihrer Geschichte hatte die Kirche schon oft mit Irrlehren zu kämpfen, aber noch nie mit einem solch absurden Angriff auf ihr jüdisch-christliches Menschenbild, wie er heute im Namen der Gender-Theorie vorgetragen wird.

Dabei geht es nicht nur um einen akademischen Streit um eine Theorie, es geht um das Wohl der Menschen, der Kinder vor allem, und um das Wohl aller Völker! Darum darf die Kirche nicht schweigen – wenn sie schweigt, sündigt sie! Gott wird Rechenschaft von jedem Menschen fordern für all sein Tun oder sein Nicht-Tun, vor allem für ein sündhaftes Schweigen derer, die berufen sind, Wächter zu sein. Nicht nur, aber vor allem den Bischöfen ist ein solches Wächteramt anvertraut.

Für alle Bischöfe, daher auch für mich heißt all das: Im Namen Gottes, um der bedrohten Menschen willen warne ich mit größter Eindringlichkeit vor der Gender-Ideologie!

Ich rufe alle Christen und alle vernünftigen Menschen auf, vor allem jene in politischer Verantwortung, sich zu wehren: im Privatleben, in öffentlichen Kundgebungen, in Leserbriefen und Internet Botschaften und vor allem als Eltern in den Schulen ihrer Kinder. Jeder Mann und jede Frau sollen nach ihren Möglichkeiten, je nach Umständen, mit Liebe und mit der Kraft ihres Verstandes mithelfen! Dazu müssen wir die Grundstruktur der irrigen Ideologie kennen. Und wir brauchen den Mut, um nicht zu schweigen, sondern um uns zu wehren!

Folgende Geschichte berichtet der Slowake Vladimir Palko: Präsident Obama sagte zu Kardinal Timothy Dolan, dem Vorsitzenden der US-amerikanischen katholischen Bischofskonferenz, auch die katholische Kirche müsse sich anpassen und in ihren Krankenhäusern Abtreibung ermöglichen. Dazu habe sie nur noch wenig Zeit. Der Kardinal antwortete: „Herr Präsident, wir brauchen keine Zeit, weil wir uns nicht anpassen werden!“

Diese Geschichte gilt auch für den Kampf gegen Gender. Der Kampf wird noch heftiger werden. Ich bitte euch alle mitzuhelfen. Wir müssen uns das mutige Wort der Apostel vor Augen halten: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“ (Apg 5,29). Wir erinnern an die Worte von Papst Benedikt XVI., der schon 2012 sagte: „Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt. Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst. Und es wird sichtbar, dass dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst. Wer Gott verteidigt, verteidigt den Menschen“. Ebenso Papst Franziskus: Im Anschluss an die Naturrechts-Tradition der Katholischen Kirche und an einen markanten Begriff von Papst Benedikt XVI. schreibt Papst Franziskus (in seinem Lehrschreiben „Laudato si“ Nr. 155): „Humanökologie beinhaltet auch einen sehr tiefgründigen Aspekt: die notwendige Beziehung des Lebens des Menschen zu dem moralischen Gesetz, das in seine eigene Natur eingeschrieben ist… Papst Benedikt XVI. sagte, dass es eine „Ökologie des Menschen“ gibt, denn „auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muss und die er nicht beliebig manipulieren kann.“ … Das Akzeptieren des eigenen Körpers als Gabe Gottes ist notwendig, um die ganze Welt als Geschenk des himmlischen Vaters und als gemeinsames Haus zu empfangen und zu akzeptieren… Ebenso ist die Wertschätzung des eigenen Körpers in seiner Weiblichkeit oder Männlichkeit notwendig, um in der Begegnung mit dem anderen Geschlecht sich selbst zu erkennen.“

Wir Christen müssen mit allen Menschen guten Willens und klaren Verstandes zusammenarbeiten, damit Ehe und Familie, wie Gott sie geschaffen hat, wieder erkannt und anerkannt werden!

Ein homosexuell orientierter Mensch schrieb mir neulich voll Wut: „Die Bibel wurde auch nur von Menschen geschrieben. Wir werden eine neue Weltordnung schaffen, die komplette Gleichstellung ist nahe!“ Man mag lächeln, aber in einem Punkt ist der Satz zutreffend: Das ist die Absicht, und „man“ will sie mit allen Mitteln durchsetzen. Der „Marsch durch die Institutionen hat schon begonnen! Wir müssen ihn stoppen. Es geht diesen Leuten um die Schaffung eines neuen Menschen, wir Christen bleiben vereint mit der großen Mehrheit der Menschheit bei dem Menschen, als den uns Gott erschaffen hat.

Und noch ein Zeugnis: „Die letzte Schlacht zwischen dem Herrn und der Herrschaft Satans wird um die Ehe und die Familie geschlagen.“ Dieser Satz steht in einem Brief, den Sr. Lucia dos Santos, eine der Seherinnen von Fatima, an Kardinal Carlo Caffarra, den emeritierten Erzbischof von Bologna, geschrieben hat. Ja, es gibt einen Kampf, aber wir katholische Christen wissen auch: Sie, Maria, wird auch in dieser Schlacht, der Schlange den Kopf zertreten!

Liebe Gläubige von Libertina und alle Andere, auch Muslime, die die Warnung hören, hier gilt ein oft wiederholtes biblisches Wort: fürchtet euch nicht!

Weiterführende Links:
– Papst Franziskus bezeichnet die Gendertheorie in „Amoris laetitia“ explizit als „Ideologie“

– Papst Franziskus: „Der große Feind der Ehe ist die Gendertheorie. Es gibt heute einen Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören. Er wird nicht mit Waffen geführt, sondern durch ideologische Kolonisierung. Darum ist es wichtig, die Ehe vor diesen Kolonisierungen zu verteidigen!“

– Papst Franziskus: Gender-Ideologie für Kinder „ist schrecklich“

– Papst Franziskus sagt der polnischen Bischofskonferenz: Gender ist eine Form der „ideologischen Kolonialisierung“

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Quelle

Eucharistisches Wunder von Buenos Aires – Erzbischof Bergoglio und die wissenschaftlichen Analysen

(Buenos Aires) Papst Franziskus ließ als Erzbischof von Buenos Aires eine wissenschaftliche Untersuchung über ein mutmaßliches eucharistisches Wunder durchführen, das als Eucharistisches Wunder von Buenos Aires bekannt wurde und sich zwischen 1992 und 1996 zugetragen haben soll. Er selbst suchte jedes Jahr mehrfach die Marienkirche auf, in der die sichtbaren Zeichen des Wunders aufbewahrt werden, um dort eucharistische Anbetung zu halten.

Das Ereignis ist nur wenig bekannt, weil der Pfarrer und seine Gläubigen, wohl nicht ohne Rücksprache mit dem zuständigen Erzbischof, kein mediales Aufsehen wollten. Seit der Wahl Kardinal Bergoglios zum Nachfolger des Apostels Petrus spricht sich die Nachricht dennoch langsam herum. Im deutschen Sprachraum gehört das katholische Internetforum Viaveritas zu den Ersten, die bereits 2009 darüber berichteten.

Die Fakten

Das Ereignis begann 1992 im selben Jahr und Monat, in dem Jorge Mario Bergoglio von Papst Johannes Paul II. aus der argentinischen Provinz zurückgerufen und zum Weihbischof von Buenos Aires ernannt wird. Alles geschah in der Pfarrkirche Santa Maria im Viertel Almagro y Caballito in der Altstadt von Buenos Aires. Am 1. Mai 1992, einem Freitag, wurden zwei konsekrierte Hostien auf dem Korporale des Tabernakels gefunden. Auf Anweisung des Pfarrers, Pater Alejandro Pezet, wurden sie in einen Wasserbehälter gelegt und im Tabernakel verschlossen, wie es in solchen Fällen üblich ist. Nach mehreren Tagen hatten sich die Hostien aber nicht aufgelöst. Eine Woche später, am Freitag den 8. Mai 1992 waren die beiden Hostien wie mit Blut durchtränkt. Am Sonntag, den 10. Mai 1992 wurden während der Abendmesse auch auf der Patene Bluttropfen entdeckt, auf der die konsekrierte Hostie während der Eucharistiefeier gelegt wird. Das Blut wurde von einem Arzt und mehreren Hämatologen untersucht. Alle stellten zweifelsfrei fest, daß es sich um menschliches Blut handelte.

Am 15. August 1996, dem Hochfest Maria Himmelfahrt, als während der Heiligen Messe die Kommunionspendung beendet war, näherte sich eine Frau Pfarrer Pezet und sagte ihm, sie hätte auf der Rückseite der Kirche eine offensichtlich profanierte Hostie gefunden. Der Priester eilte hinaus, um sie aufzulesen und legte auch diese in ein Wasserglas, damit sie sich auflöst. Statt sich aufzulösen, verwandelte sich die Hostie jedoch in ein blutiges Fleischstück. Von dieser Metamorphose wurde umgehend der damalige Erzbischof von Buenos Aires, Antonio Kardinal Quarracino (1990-1998) und dessen Weihbischof Jorge Mario Bergoglio informiert. Dieser beauftragte den Pfarrer, von einem Fotografen alles ablichten zu lassen. Die Aufnahmen wurden am 6. September 1996 gemacht und nach Rom geschickt.

Wissenschaftliche Untersuchungen

Als auch nach mehreren Jahren keine Zeichen eines Zerfallsprozesses erkennbar waren, erlaubte der inzwischen zum Erzbischof von Buenos Aires gewordene heutige Papst eine gründliche Untersuchung. Eine Gewebeprobe des Fleischstückes, in das sich 1996 die aufgefundene Hostie im Tabernakel verwandelt hatte, wurde gerichtsmedizinisch untersucht. Dabei wurde festgestellt, daß es sich mit Sicherheit um den Teil eines Menschenherzens handelt. Wie das pathologische Institut weiter feststellte, mußte es sich um das Herz eines noch lebenden Mannes handeln. Es handelt sich um lebende Zellen. Der beauftragten Gerichtsmedizin war die Herkunft der Gewebeprobe nicht mitgeteilt worden, um das Ergebnis in keine Richtung zu beeinflussen.

Im selben Jahr wurde der bekannte, unter anderem in Deutschland ausgebildete Neuropsychophysiologe Ricardo Castaà±on Gomez aus Bolivien mit der Durchführung einiger weiterer Untersuchungen beauftragt. Diesmal an beiden mutmaßlichen eucharistischen Wundern, jenem von 1992 und jenem von 1996. Am 6. Oktober 1999 entnahm Castaà±on in Anwesenheit von Vertretern des Erzbischofs und eines Notars je eine Blutprobe und schickte sie an das gerichtsmedizinische Institut Forence Analitycal von San Francisco in den USA. Die Entnahme war vom Erzbischof mit Rom abgesprochen worden. Direkter Ansprechpartner war der Kirchenrechtler und heutige Kurienbischof Gianfranco Girotti, der Privatsekretär von Joseph Kardinal Ratzinger, dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation. Am 28. Januar 2000 wurde das Ergebnis bekanntgegeben. Das Institut stellte fest, daß es sich um menschliches Blut handelte und bestätigte damit die bisherigen Untersuchungen. Der DNA-Code sei eindeutig menschlich. Die Proben wurden ebenso an Professor John Walker von der University of Sydney in Australien geschickt. Der unabhängig von den anderen Untersuchungen feststellte, daß die Muskelzellen und Weißen Blutkörperchen von einem Menschen stammen und vollkommen intakt sind. Aus den Untersuchungen ging zudem hervor, daß das Gewebe entzündet war, was bedeutet, daß die Person, zu dem es gehört, ein Trauma erlitten hatte. 2003 teilte Walker Castaà±on mit, daß die Proben mit einem entzündeten männlichen, nach allen Merkmalen noch lebenden Herzen übereinstimmen.

Um die Sache weiter zu vertiefen, wurden daraufhin die Proben dem bekannten Spezialisten für Herzerkrankungen Frederic Zugibe von der Columbia University von New York, einem der renommiertesten Gerichtsmediziner der USA übermittelt. Am 26. März 2005 legte er das Ergebnis seiner Untersuchungen vor. Das analysierte Material stellte er als Fragment des Herzmuskels fest, das aus der linken Herzkammer nahe der Aortenklappe stamme. Die linke Herzkammer pumpt das Blut in alle Körperteile. Der untersuchte Herzmuskel, so Zugibe, befindet sich in einem entzündeten Zustand und enthält eine große Zahl weißer Blutkörperchen. Das weise daraufhin, daß das Herz lebte, als ihm die Probe entnommen wurde, da weiße Blutkörperchen außerhalb eines lebenden Organismus absterben. Mehr noch: die weißen Blutkörperchen sind in das Gewebe eingedrungen, was anzeigt, daß das Herz eine große Streßsituation erlitten hat. Auch Zugibe und sein Wissenschaftsteam waren nicht über die Hintergründe und die Herkunft der Proben aus konsekrierten Hostien informiert.

Zeugen der Untersuchungen waren der Rechtsanwalt Ron Tesoriero und mit Mike Willesee einer der bekanntesten Journalisten Australiens, der sich dann zum katholischen Glauben bekehrte. Als Zugibe später erfuhr, daß die eine Probe einen Monat, die andere sogar drei Jahre in destilliertem Wasser aufbewahrt wurden, war er völlig verblüfft. Noch mehr verblüfft war er, als er von der Herkunft der Proben aus Hostien erfuhr. Das von ihm als Teil eines „lebenden“ männlichen Herzens festgestellte Fragment, stammte aus einem konsekrierten Brotstück. Zugibe war fassungslos: Wie konnte das Fragment eines Stückes Brot ein Teil eines menschlichen Herzens werden? Wie war es möglich, daß diese von ihm untersuchte Probe, die 1996 für alle, die nicht an Wunder glauben, von einem toten Mann entnommen worden sein mußte,  Jahre nach der Entnahme noch immer „lebte“, das heißt, daß die Gewebezellen aktiv waren und sich bewegten? Innerhalb von 15 Minuten zerfallen die weißen Blutkörperchen in einem toten Organismus. Wie war es dann möglich, sie 2005 noch immer zu beobachten? Die Antwort von Zugibe: „Wie und warum die geweihte Hostie mutieren und zu Fleisch und Blut eines lebenden menschlichen Wesens werden kann, bleibt für die Wissenschaft ein unerklärliches Geheimnis, ein Geheimnis, das außerhalb ihrer Kompetenz liegt.“

Vergleich mit Lanciano und dem Grabtuch von Turin

Die Ergebnisse der Analyse des New Yorker Instituts wurden schließlich mit jenen eines anderen eucharistischen Wunders, jenem von Lanciano verglichen, dem ältesten bekannten seiner Art. In Lanciano werden sowohl die Reste einer Bluthostie als auch eines menschlichen Herzens aufbewahrt, in das sich eine konsekrierte Hostie verwandelte. Das Hostienwunder von Lanciano liegt bereits 1300 Jahre zurück und dennoch sind noch immer Hostie und Teil des Herzmuskels zu sehen und in der dortigen Minoritenkirche ausgestellt. Das Wunder ereignete sich in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts, als die Gegend von Lanciano in Süditalien langobardisch war. Aus Byzanz waren wegen des Bildersturms unter Kaiser Leo III. (717-741) zahlreiche Mönche in den Westen geflohen. Einer von ihnen, ein griechischer Basilianermönch zweifelte während er das heilige Meßopfer zelebrierte, an der Realpräsenz Christi. Er bezweifelte, daß Brot und Wein in der Wandlung tatsächlich zum Fleisch und Blut von Jesus Christus werden und bleiben. Während der Wandlung verwandelten sich in seinen Händen und unter seinen Augen Brot und Wein tatsächlich in Fleisch und Blut. Wie auch neueste wissenschaftliche Untersuchungen bestätigten, handelt es sich bei den seit bald 1300 Jahren verehrten Reliquien um menschliches Blut und menschliches Herzgewebe. Es konnten keine Konservierungsmittel festgestellt werden, die den so langen Erhalt erklären könnten.

Auch beim Vergleich der Untersuchungen von Lanciano und Buenos Aires wurde den Wissenschaftlern weder etwas über die Herkunft der beiden Proben aus Italien und Argentinien mitgeteilt. Der Vergleich ergab, daß die untersuchten Proben in beiden Fällen von derselben Person stammen. Die Blutgruppe ist jeweils AB+, die weltweit bei rund fünf Prozent aller Menschen vorkommt. Die DNA stimmt in beiden Fällen überein. Zudem gebe es Merkmale, daß der Mann aus dem Nahen Osten stamme. Weitere Vergleiche zeigten dieselbe Übereinstimmung mit dem Turiner Grabtuch und dem Schweißtuch von Oviedo.

Vom Vatikan wurde das Eucharistische Wunder von Buenos Aires (noch) nicht anerkannt. Die Kirche läßt sich damit in der Regel ausreichend Zeit und überstürzt nichts. Dennoch scheint sich Argentinien in eine lange Reihe eucharistischer Wunder einzureihen, die im Laufe der Zeit die Kirchengeschichte auf eine ganz eigene Art und Weise durchziehen, indem sie gegen die Zweifel von Priestern, Ordensleuten und Laien die Transsubstantiation ganz real und plastisch in Erinnerung rufen.

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Quelle

Siehe dazu auch:

Weihnachtsbotschaft von Bischof Gregor Maria Hanke, Bistum Eichstätt

Die Weihnachtsbotschaft von Bischof Gregor Maria Hanke im Video. Dazu ist die Jugendkantorei am Eichstätter Dom unter Leitung von Domkapellmeister Christian Heiß zu sehen und zu hören.

Die Sängerinnen und Sänger präsentieren „Vom Himmel hoch, o Engel kommt“. Text und Melodie: Geistliches Wiegenlied 1625; Satz: Christian Heiß

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Quelle

Bericht: Religionsfreiheit weltweit, ein rares Gut

Erzbischof Ludwig Schick von Bamberg

Sie wird in vielen Ländern der Welt mit Füßen getreten: die Religionsfreiheit. Der Nahe Osten und Asien sind derzeit die Schauplätze, wo dieses Grundrecht am stärksten verletzt wird, hält der Ökumenische Bericht 2017der beiden großen deutschen Kirchen zum Thema fest. Doch auch in einigen Ländern Afrikas und Europas wird den Kirchen zufolge die Religionsfreiheit eingeschränkt. In Europa nennt der Bericht die Gesetze gegen das Tragen religiöser Symbole in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und der Schweiz sowie Einschränkungen gegen Minderheitenreligionen in Russland.

Erzbischof Ludwig Schick, Zuständiger der Deutschen Bischofskonferenz für den Bereich Weltkirche, stellte das Dokument an diesem Freitagmittag zusammen mit seiner Kollegin auf evangelischer Seite, der Auslands-Bischöfin Petra Bosse-Huber, vor. Anne Preckel hat mit Schick über die Ergebnisse gesprochen und wollte von dem Erzbischof zunächst wissen, was den deutschen Ökumenischen Bericht zur Religionsfreiheit besonders macht.

Erzbischof Schick: Wir kümmern uns nicht so sehr um Zahlen und Statistiken, sondern wir versuchen, die Ursachen von Bedrängnis und Verfolgung von Christen in den verschiedensten Staaten und Religionen aller Kontinente zu erforschen. Das Ziel unseres ökumenischen Berichtes ist es, im Hinblick auf die Wurzeln der Verfolgung und Bedrängnisse Hilfen zu finden, um diese zu überwinden.

RV: Werden wir konkret: Nordkorea steht heute international wieder einmal aufgrund seiner nuklearen Drohgebärden im Fokus. Es ist aber auch eines der Länder mit autoritärer Regierung, wo die Religionsfreiheit massiv eingeschränkt wird. Was lässt sich zur aktuellen Lage der Gläubigen vor Ort festhalten?

Erzbischof Schick: Nordkorea ist schwierig, weil die Kontakte nach Nordkorea hinein wie auch die Kontakte von Nordkorea nach außen von der Regierung unterbunden werden. Wir wissen, dass dort Christen leben. Die staatlichen Angaben sprechen von 4000, aber wir wissen, dass es viel mehr sind. Wir nehmen an, dass sogar in Nordkorea bis zu 400000 Christen leben. Die können sich nach außen hin überhaupt nicht äußern und müssen im Untergrund leben, weil sie verfolgt werden. Der Grund der Verfolgung in Nordkorea ist, dass das Regime eine Ideologie hat, die auch die Religion vorschreiben will. Das ist eine synkretistische Ideologie aus Neokonfuzianismus, nationalistischen Maoismus und Stalinismus. Das Regime hat die Tendenz, ja den festen Willen, nichts zuzulassen, was dieser religiösen Vorgabe widerspricht, um die Menschen ganz unter ihrer Ideologie einzuschließen und keine fremden Einflüsse aufkommen zu lassen.

RV: Diese Ideologie ist totalitär und greift auf Methoden der Gehirnwäsche zurück. Gibt es Formen des Widerstandes in Nordkorea, in spiritueller Hinsicht? Wissen Sie von Christen vor Ort, die einen Raum finden, ihren Glauben zu leben?

Erzbischof Schick: Wir wissen, dass es um die 400 kleinere Hauskirchen gibt. Dort stärken sich die Christen gegenseitig, um ihren Glauben zu bewahren. Ein offener Widerstand ist nicht möglich, weil dann die Menschen sofort verhaftet werden und in diese Zentren für Gehirnwäsche gebracht werden, wo sie auf die Staatsräson festgelegt werden sollen.

RV: Schreckgespenst der Religionsfreiheit schlechthin scheint derzeit vor allem der sog. Islamische Staat zu sein. Wie verheerend, wie zerstörerisch – auch hinsichtlich des Religionsdialoges weltweit – ist dieser islamistische Terror aktuell – er wurde im Irak etwa ja teils zurückgedrängt…

Erzbischof Schick: Der islamistische Terror hat etliche Konsequenzen gehabt; die nachhaltigste ist die, dass die Christen ins Ausland geflohen sind, nach Australien, nach Europa, nach den USA. Selbst der chaldäische katholische Bischof ist jetzt in Australien. Es werden weniger Christen zurückkehren nach Mossul und die Ninive-Ebene als es dort vor dem islamistischen Terror gegeben hat. Eine andere Konsequenz ist, dass Kirchen zerstört sind, dass die ganze Infrastruktur bewusst von Terrorgruppen zerstört worden ist. Gott sei Dank ist in der Ninive-Ebene eine Kirche neu eingeweiht worden. Das sind Hoffnungszeichen. Die Konsequenzen sind, dass Christen misstrauischer geworden sind gegenüber den einmal friedlichen Nachbarn, die sie zumindest im Stich gelassen haben, als der islamistische Terror kam. Das Ganze wird eine lange Zeit der Versöhnung, des Friedens, des Wiederaufbaus erfordern, damit die Christen dort wieder leben können. Aber wir möchten, dass Christen in diesem urchristlichen Gebiet auch weiterhin existieren. Die Christen – das ist unser Wunsch – sollen wieder in Frieden mit den Muslimen zusammen leben. Aber das wird Zeit, Kosten und auch viel Geduld erfordern.

RV: Der Papst war vor wenigen Tagen in Myanmar unterwegs, wo radikale Buddhisten und Nationalisten für die Vertreibung der Rohingya wesentlich verantwortlich waren. Wie stark wird die Religionsfreiheit heute durch extremen Nationalismus eingeschränkt? Und in welchen Regionen der Erde lässt sich das beobachten?

Erzbischof Schick: Das lässt sich natürlich in erster Linie in Asien beobachten, also in Ländern wie Myanmar aber auch in Indonesien, Pakistan und Indien. Einige von diesen Staaten betrachten die Religion – also den Buddhismus, den Hinduismus bzw. den Islam – als die Religion, die mit dem Staat verbunden ist. Andere Religionen haben da keine Berechtigung. Die Angehörigen dieser Religionen, was oft die Christen sind, werden vertrieben, ausgesondert oder an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Das sind richtiggehende Christenverfolgungen, die wir wahrnehmen und gegen die wir etwas tun müssen.

RV: Der ökumenische Bericht zur Religionsfreiheit beleuchtet als Schwerpunktthema den Glaubenswechsel (griechisch: Apostasie) – die „Nagelprobe der Religionsfreiheit“, wie der Menschenrechtsexperte Heiner Bielefeldt das nennt. In welchen Ländern ist das besonders ein Problem?

Erzbischof Schick: Das ist ein großes Problem, weil in vielen Ländern – auch in den Golf-Staaten zum Beispiel – die Religionsfreiheit zwar in den Verfassungen garantiert ist, diese aber nicht zulassen, dass ein Religionswechsel stattfindet, was dann mit der Anerkennung der Scharia zu tun hat. Die Scharia lässt keinen Glaubenswechsel oder Glaubensabfall vom Islam zu und bestraft ihn sogar. Aber für uns gehört in der Definition von Religionsfreiheit der Religionswechsel oder auch das Ablehnen des Glaubens – die sogenannte Apostasie – zur Religionsfreiheit dazu. Das wird in etlichen Ländern nicht geduldet. Damit wird das, was in den Verfassungen steht – nämlich Religionsfreiheit wird garantiert – bei einem Glaubenswechsel oder bei einer Abwendung vom Glauben ad absurdum geführt, weil das nicht sein darf und bestraft wird.

RV: Welche Bedrängungs- und Verfolgungssituationen werden in dem Bericht genannt, die aktuell weniger öffentlich wahrgenommen werden?

Erzbischof Schick: Wir sind bei diesem Bericht auf die Christen konzentriert. Es ist ein Bericht, den wir als unsere Aufgabe verstehen, nämlich den bedrängten und verfolgten Christen zu helfen. Natürlich ist die Religionsfreiheit der Christen immer verbunden mit der Religionsfreiheit aller anderen Religion. Wir setzen uns exemplarisch für die Christen ein, aber nicht exklusiv. Es ist eine Erfahrung und eine Tatsache, dass dort, wo Christen verfolgt werden, meistens auch andere Religionen verfolgt werden. Wenn wir uns für die Religionsfreiheit der Christen einsetzen, setzen wir uns inklusiv für Religionsfreiheit aller anderen ein. Christen werden heute besonders verfolgt und unterdrückt in Korea und China. Es gibt extremistische Islamgruppen, z. B. Boko Haram in Nigeria oder Al-Shabaab im Jemen; dort haben es die Christen ganz besonders schwer. Das hängt mit den politischen Systemen zusammen. Deshalb haben wir auch immer Gespräche mit Politikern und ermahnen sie, dass sie bei allen Außenbeziehungen nicht nur die Handelsbeziehungen im Blick haben, sondern auch die Menschenrechte. Wir als Christen sind in besonderer Weise verpflichtet, unseren Glaubensgeschwistern beizustehen, ihre Freiheit zu fördern und dafür zu sorgen, dass sie ihren Glauben frei und ungehindert leben können.

RV: Religionsfreiheit umfasst auch das Recht auf agnostische und atheistische Überzeugungen und Praktiken, hält der Bericht fest. Warum ist das heute wichtig zu erwähnen?

Erzbischof Schick: Der Menschenrechtskatalog von 1946 und alle folgenden Gesetze und Übereinkünfte sagen: Zur Religionsfreiheit gehört auch, dass man keine Religion hat und Religion ablehnt. Es ist logisch, dass ich, wenn ich die Freiheit der Religion fordere, auch zulassen muss, dass jemand keine Religion hat. Wir als Christen bedauern natürlich, wenn jemand keine Religion hat und wir sind ja auch immer missionarisch tätig und wünschen, dass die Menschen die christliche Religion annehmen, sie leben und bezeugen, weil das für den Einzelnen das beste ist, für sein Leben, aber auch für die Gemeinschaft. Aber wir müssen um der Freiheit der Religion willen auch denen die Freiheit lassen, die keine Religion zu wählen.

RV: Vielen Dank für dieses Gespräch.

(rv 15.12.2017 pr)

Bischof Kohlgraf zum Vaterunser: Gottesbild nicht weichspülen

Bischof Peter Kohlgraf

In die aktuelle Vaterunser-Debatte hat sich jetzt auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf eingeschaltet. Er sagt, warum Gott den Menschen durchaus in Versuchung führen könne – und widerspricht damit indirekt dem Papst.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat sich in die Vaterunser-Debatte eingeschaltet. „Es führt kein Weg an der Feststellung vorbei, dass die deutsche Übersetzung dem griechischen Urtext im Matthäus- und Lukasevangelium entspricht“, schrieb er am Sonntag auf seiner Facebook-Seite. Frühere Versuche, die griechische Version ins Aramäische, die Sprache Jesu, zurückzuübersetzen, seien nicht eindeutig gelungen. „Wir werden also den griechischen Text als das Gebet Jesu nehmen müssen“, so Kohlgraf. Wegen der derzeitigen Diskussion über eine mögliche Neuformulierung der Vaterunser-Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ hätten besorgte und interessierte Gläubige ihn um eine Stellungnahme gebeten, schreibt der Bischof.

Bei der Bitte, dass Gott die Menschen nicht in Versuchung führen möge, gehe es nicht um kleine Versuchungen, „sondern um die Situation einer Grundentscheidung für oder gegen Gott“, so Kohlgraf. Solche Versuchungen gebe es gleichermaßen im Alten wie im Neuen Testament. Jesus werde in der Wüste zwar vom Teufel in Versuchung geführt. Es sei aber der Geist Gottes selbst, der Jesus in die Situation führe, sich für oder gegen den Vater entscheiden zu müssen. Eine entsprechende Situation wiederhole sich vor seinem Leiden im Garten Getsemani. „Gott ist offenbar nicht nur ‚lieb‘, vieles bleibt in seinem Ratschluss uns Menschen verborgen“, schlussfolgert Kohlgraf.

Dunkle und unverständliche Seiten Gottes

Auch die Menschen heute könnten in solche existenziellen Prüfungssituationen kommen. Dabei kämen sie um die grundlegende Frage nicht herum, ob sie Gott vertrauen oder sich von ihm lossagen wollten, so der Bischof. „Die Bibel lässt zumindest die Möglichkeit zu, dass Gott Menschen eine solche Situation nicht erspart, ja sogar herbeiführt.“ Man tue ihnen keinen Gefallen, wenn man die dunklen und unverständlichen Seiten Gottes ausblende. Es sei demnach nicht sinnvoll, das Gottesbild weich zu spülen und alles wegzustreichen, was man nicht verstehe, schreibt Kohlgraf. „Allein, dass über ein Gebet so diskutiert wird wie derzeit, spricht dafür, die Übersetzung zu belassen.“

Papst Franziskus hatte in der vergangenen Woche die unter anderem auch in Deutschland verwendete Fassung der Vaterunser-Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ kritisiert. Dies sei „keine gute Übersetzung“, sagte er in einem Interview des italienischen Senders TV2000. Es sei nicht Gott, der den Menschen in Versuchung stürze, um zu sehen, wie er falle. „Wer dich in Versuchung führt, ist Satan“, so der Papst. Franziskus nahm damit Bezug auf einen Beschluss der französischen Bischöfe, die offizielle Übersetzung zu ändern. Die freie Übersetzung lautet dort nun: „Lass uns nicht in Versuchung geraten.“ Im Zusammenhang mit der französischen Initiative hatten auch Theologen im deutschen Sprachraum eine Anpassung verlangt. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer warnte hingegen vor einer „Verfälschung der Worte Jesu“. (tmg)

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Weihbischof Andreas Laun: Luther-Jubiläum — Seit wann feiert man eine Scheidung?

„Mir fällt ein Widerspruch auf: In einem Konsenspapier zu diesem Gedenken heißt es, man sehne sich nach der Einheit – aber zugleich feiert man mit großem Aufwand die Trennung?“  – kath.net-Klartext von Bischof Andreas Laun

Salzburg (kath.net) Liebe evangelische Freunde, verzeiht mir, dass ich angesichts Eurer Feierlichkeiten und Jubelstimmung nur traurig war. Das möchte ich euch erklären und hoffe, dass Ihr meine Trauer sogar teilen lernt:

Der Titel der Salzburger Kronenzeitung lautete groß und fett gedruckt: „Salzburg feiert ein großes Fest“, darüber hieß es erklärend 500 Jahre „nach Luthers Reformation“. Ich feierte nicht und verstehe auch nicht meine katholischen Mitbrüder, Bischöfe und Priester, die bei entsprechenden Gottesdiensten sogar Festpredigten hielten.

Ich frage mich bei solchen Meldungen: Seit wann feiert man eine Scheidung? Noch dazu eine, die viel mehr Elend in die Welt brachte als eine zwischen Mann und Frau, die Kinder mitgerechnet. Die Scheidung, die durch Luther entstand, auch wenn er das nicht wollte, führte zu grauenhaften Religionskriegen.

Auch verstehe ich nicht, warum in Salzburg von beiden Seiten ständig und schon wieder vor allem von der Vertreibung der Protestanten geredet wurde, obwohl dies doch längst besprochen worden ist und damals in ganz Europa der dumme und schlimme Satz galt: Der Landesfürst bestimmt die Religion der Untertanen. Damit will ich sagen: Der damalige Erzbischof hat gemacht, was man überall und auch von beiden Seiten her mehr oder weniger rigoros tat. Das macht es nicht besser, aber den geklärten Punkt könnte man endlich ruhen lassen und sich dem Heute zuwenden.

Und da fällt mir ein Widerspruch auf: In einem Konsenspapier zu diesem Gedenken heißt es, man sehne sich nach der Einheit – aber zugleich feiert man mit großem Aufwand die Trennung?

Und wenn man Einheit will – müsste man dann nicht Gräben zuschütten und nicht neue aufmachen durch Annahme von Positionen, die der katholischen Lehre radikal widersprechen? Positionen, die der öffentlichen Meinung schmeicheln, aber der doch gerühmten Bibel als absolutem Maßstab widersprechen?

Und, ich muss es sagen, ich habe von der angeblich so brennenden Sehnsucht nach Einheit noch wenig gespürt. Eine Merkwürdigkeit ist auch die behauptete Sehnsucht nach gemeinsamer Eucharistie: Wenn man bedenkt wie negativ und verächtlich Luther über die katholische Messe sprach, verstehe ich nicht, wie man sich zugleich nach ihr sehnen kann, ohne klar zu sagen, dass man sich von Luther trennt.

Und überhaupt, in der Berichterstattung habe ich eigentlich so gut wie nichts gehört von der unmenschlichen Stellungnahme Luthers gegen die nicht ohne Grund aufständischen Bauern und auch nichts von seinen bösartigen und ordinären Ausführungen gegen die Juden, die auch die Nazis noch für ihre anti-jüdische Propaganda nützen konnten. Wäre der Jahrestag nicht auch Gelegenheit gewesen, zu diesen „anderen“ Seiten Luthers klare Worte zu sagen?

Auch die Behauptung, dass Protestanten fester im Glauben seien, habe ich gelesen, aber wer solches sagt, weiß nichts von der heutigen Situation der evangelischen Christen, in der sogar manche evangelische Bischöfe und Pastoren elementare Inhalte der Bibel nicht mehr glauben und zum Beispiel behaupten, dass Jesus der Sohn von Josef gewesen und im Grab verwest sei, wie eben alle Toten verwesen.

Auch wäre es vernünftig gewesen, den historisch als Mythos erwiesenen Thesenanschlag Luthers dem Publikum nicht ständig als Tatsache zu präsentieren.

Unklar bleibt auch, wie ein prominenter Redner behaupten konnte, den „Rechtsstaat“ und die individuelle Menschenwürde hätten wir Luther zu verdanken. Natürlich ist so eine Zeit des Gedenkens nicht ein wissenschaftliches Symposion, und es ist richtig, Punkte zu nennen und zu würdigen, bezüglich derer Luther recht hatte und wo er Gutes tat. Aber dennoch sollte man Luther nicht gegen alle historische Wahrheit als einen Heiligen, Wohltäter der Welt und als Zeugen des Glaubens präsentieren, den er zugleich zerstörte.

Nach 500 Jahren Protest wäre es an der Zeit, den Protest endlich ruhen zu lassen, die Vergangenheit mit nüchterner Redlichkeit anzuschauen und wirklich aufeinander zuzugehen ohne der anderen Seite ständig alte Rechnungen hinzuhalten und zu streiten, wer damals mehr Unrecht tat. Das wäre passend, weil heute – schon wieder – vieles in der katholischen Kirche in Krise ist und es auch in der lutherischen Gemeinschaft wahrhaftig nicht besser ausschaut – wie damals, könnte man sagen, wo es unter den Christen viele Missstände gab, die man nicht der einen oder an anderen Seite zuordnen konnte, weil es diese Unterscheidung noch nicht gab.

Heute sollten wir alle getrieben von einer leidenschaftlichen, paulinischen Sehnsucht nach Einheit leben und denken, weil Jesus nicht Kirchen in der Mehrzahl gegründet hat und Ihm „versöhnte Verschiedenheit“ nicht genügt, sondern ER Seine Eine, Einzige Kirche auf dem Felsen Petri gebaut hat.

Angesichts der Menschlichkeit dieses Mannes und auch seiner Nachfolger, den Jesus trotzdem Petrus nannte, könnte man sagen: Nur Jesus konnte es gelingen, auf einem so brüchigem „Felsen“ eine unzerstörbare Kirche zu bauen. An uns liegt es, in dieser Kirche eins zu sein bzw. wieder zu werden und als Geeinte der Welt Zeugnis zu geben.

Wie sehr die Spaltung diesem Zeugnis geschadet hat und schadet, ist bis heute ein Grund zum Weinen, nicht zum Feiern!

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Bischof Dr. Rudolf Graber von Regensburg (†) über die Unterwanderung und Umfunktionierung der katholischen Kirche zur Gegenkirche durch die Freimaurerei

Bischof Dr. Rudolf Graber bei der Kirchweihe der Stadtpfarrkirche St. Wolfgang in Landshut am 29. Juli 1962. Foto: http://www.swolfgang.de/archiv/kirchweih/index.shtml

 

Geheimgesellschaften

IN DER AUFKLÄRUNGSZEIT entstand eine Reihe von antikirchlichen Vereinigungen, von denen nur zwei genannt werden sollen, die Freimaurerei, 1717 in London gegründet, und der Illuminatenorden, gegründet am 1. Mai 1776 von dem Kirchenrechtsprofessor Adam Weishaupt in Ingolstadt (36). Damit berühren wir das Problem der geheimen Gesellschaften und ihren Einfluß auf Gesellschaft und Kirche. Immer wieder kann man lesen, daß die Französische Revolution auf das Konto der Freimaurerei zu setzen ist. Ein neues Werk jedoch stellt die Formel auf: “Die Freimaurerei macht nicht die Revolutionen; sie bereitet sie vor und setzt sie fort” (37). Wie dem auch sei, im Schoß dieser und ähnlicher Geheimgesellschaften wurden die Keime für das gelegt, was man später Synarchie nannte, d. h. einen einheitlichen Weltstaat mit einer einheitlichen Regierung, die als Gegenkirche geplant ist. Doch davon später. Jedenfalls stellt die Französische Revolution ein wichtiges Glied dar im luziferischen Plan. Es ist nicht zuviel behauptet, wenn man sagt, daß manche katholische Bereiche heute erst sich ihre Hauptideen zu eigen machen, die Freiheit in der Auflehnung gegen die Herrschaftsstrukturen in der Kirche, die Gleichheit in der Demokratisierung mit dem Rätesystem und die Brüderlichkeit in der horizontalen Mitmenschlichkeit, wo die Vertikale, Gott und überhaupt die Transzendenz, ausgeklammert ist. Wie sehr das 2. Vatikanische Konzil mit der Französischen Revolution in Verbindung gebracht wird, beweisen Äußerungen auf dem 11. Kongreß der Kommunistischen Partei Italiens 1964, auf die wir noch zu sprechen kommen.

John Joseph Kardinal O’Connor (New York) mit zwei beschürzten Freimaurern

Damit aber stehen wir schon dicht vor den unmittelbaren Ursachen der innerkirchlichen Krisis in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hier ist zu beachten, daß “die großen Revolutionen – und wir stehen in einer solchen – nicht spontan erfolgen, sie haben ihre Vorläufer, oft nur im Geheimen, ihre Propheten säen um sich den Samen der Revolte, schließlich die Führer und die Ausführenden. Eine unterirdische Phase geht ihnen voraus, eine andere, die der Inkubation folgt darauf” (38), bis es dann zur Eruption kommt. Damit haben wir schon einen Einwand erledigt, der uns gemacht werden könnte, wenn wir nun auf gewisse Geheimgesellschaften und ihre Wortführer im 19. Jahrhundert zu sprechen kommen. Es ist richtig, daß viele dieser Namen nicht einmal in den Lexika zu finden sind (39), aber das ändert nichts an der Tatsache, daß der vergiftete Samen weiterwirkte und im Modernismus am Anfang des 20. Jahrhunderts zum erstenmal an die Oberfläche drang, allerdings vom heiligen Papst Pius X. sofort mit tatkräftiger Hand niedergehalten wurde.

Pierre Virion vor allem gebührt das Verdienst, auf diese Geheimgesellschaften in seinen Schriften aufmerksam gemacht zu haben. Wenn man nur einen Bruchteil dessen liest, was Virion aus all den heute so ziemlich verschwundenen Schriften der geheimen Wortführer zusammengetragen hat, so ist man überrascht, erstaunt und entsetzt, daß hier gegen Ende des vorigen [19.] Jahrhunderts bereits alle Ideen auftauchen, die heute in der nachkonziliaren Zeit die Kirche auf eine Zerreißprobe stellen. Dabei ist jedoch zu beachten, daß alle diese destruktiven Gedanken insgeheim auf ein einheitliches Ziel ausgerichtet sind, nämlich die Gegenkirche oder die “neue” Kirche zu schaffen, indem man die alte Kirche unterminiert und umfunktioniert und zwar weniger durch einen von außen kommenden Angriff, sondern, wie man heute im politischen Raume sagt, durch den “Marsch durch die Institutionen”. Wir haben den französischen Ausdruck für alle diese Bestrebungen schon einmal genannt, nämlich Synarchie. Es handelt sich hier um die Summe von geheimen Mächten aller “Orden” und Schulen, die sich zusammengetan haben, um eine unsichtbare Weltregierung zu bilden. Politisch gesehen erstrebt die Synarchie die Integration aller sozialen und finanziellen Mächte, die diese Weltregierung unter sozialistischer Führung natürlich zu tragen und zu fördern hat. Der Katholizismus würde folglich wie alle Religionen von einem universellen Synkretismus absorbiert werden. Er würde beileibe nicht unterdrückt, sondern integriert werden, wobei das Prinzip der Kollegialität dies bereits deutlich anvisiert. Man sieht gerade hier, welch unterirdische Konsequenzen die Prägung solcher neuer Worte hat. Im Letzten würde die Synarchie, voll verwirklicht, die Gegenkirche bedeuten (40). Wieder müssen wir dem Einwand begegnen, daß doch solche Beziehungen rein äußerlich auf einer Wortgleichheit beruhen und sachlich weit hergeholt sind. Aber hören wir, was Alphons Rosenberg dazu sagt: “… Alle diese (und andere) Gruppen üben, wenn auch zumeist auf unsichtbare Weise, Einfluß auf den Gang der kirchlichen Reform aus. Meist wird ihr Gedankengut, ohne daß es eigens genannt wird, auf dem Wege der Evolution und in vorsichtiger Siebung von den Theologen und Hirten (!) in den geistigen Blutkreislauf der Kirche aufgenommen …” (41). Diese Worte müßten als einer der stärksten und eindeutigsten Nachweise für die von der Feindseite her gezielten Infiltrationsmethoden gewertet und die notwendigen Konsequenzen daraus gezogen werden. Werden sie gezogen?

Stanislas de Guaita, abgefallener Priester und Schwarzmagier

Der Plan der Synarchie wurde in den Jahren 1880 – 1890 ausgearbeitet. Ohne auf die verschiedenen Gruppierungen, wie z. B. auf den kabbalistischen Orden der Rosenkreuzer, der Martinisten und der Symbolisten (42) näherhin einzugehen, sei nur erwähnt, daß der Jesuit Riquet und d’Alec Mellor (43), die für eine Annäherung der Kirche an die Freimaurer eintreten, enge Beziehungen mit diesen Gruppen unterhalten (44). Vom Gründer der ersten Gruppe, dem Expriester Stanislas de Guaita (1861 – 1897), stammt übrigens eine Satanshymne (45).

Eine besondere Erwähnung verdient indessen der Exkanonikus Roca (1830 – 1893), dessen Name weder im Lexikon für Theologie und Kirche, noch im Freimaurerlexikon zu finden ist. Er war zu Perpignan in Frankreich geboren, wo er die Schule der Karmeliter besuchte, 1858 zum Priester geweiht und 1869 zum Ehrenkanonikus ernannt wurde. Er machte Reisen nach Spanien, in die Vereinigten Staaten von Amerika, in die Schweiz und nach Italien. Sehr bewandert in den okkulten Wissenschaften entfaltete er eine ausgedehnte Propaganda vor allem unter der Jugend. Dadurch geriet er in Konflikt mit Rom. Trotz seiner Exkommunikation fuhr er in seiner Tätigkeit fort, predigte die Revolution, verkündete das Kommen der “göttlichen Synarchie” unter einem zum wissenschaftlichen Christentum bekehrten Papst. Er spricht von einer neuen erleuchteten Kirche, die vom Sozialismus Jesu und der Apostel beeinflußt ist. Roca ist nach dem Urteil von Virion “ein Apostat der stärksten Art”, und man möchte das, was er fordert und voraussagt fast für prophetisch halten (46).

Um seine Sprache einigermaßen zu verstehen, muß man wissen, daß er die gebräuchlichsten katholischen Begriffe beibehält, ihnen aber einen anderen Sinn unterlegt (übrigens wie heute). Unumwunden erklärt er: “Mein Christus ist nicht der des Vatikans.” Oder wenn er von Gott spricht, so meint er damit den Menschen, der eben an die Stelle Gottes tritt. Das Wort Reform bedeutet für ihn Revolution: “Keine Reform, sondern … ich wage es nicht recht zu sagen, weil das Wort so anrüchig ist …, eine Revolution.” “Die neue Sozialordnung wird (deshalb) außerhalb Roms, trotz und gegen Rom grundgelegt werden.” Aber nun folgt eine Feststellung, die uns, wie jemand gesagt hat, bis ins Innerste erschüttern und erstarren läßt: “Die neue Kirche, die vielleicht nichts mehr von der scholastischen Lehre und von der Urform der früheren Kirche bewahren wird können, wird nichtsdestoweniger von Rom die Weihe und die kanonische Jurisdiktion empfangen.” Noch vor wenigen Jahren konnten wir uns dies nicht vorstellen, aber heute …?

Wir zitieren im Folgenden verschiedene Sätze aus den Werken Rocas, die unsere gegenwärtige Krisis beleuchten. Bezüglich der zukünftigen Liturgie glaubt er, “daß der göttliche Kult, so wie ihn die Liturgie, das Zeremoniell, das Ritual und die Vorschriften der römischen Kirche regeln, demnächst auf einem ökumenischen Konzil (!) eine Umwandlung erfahren wird, die ihm die verehrungswürdige Einfachheit des goldenen apostolischen Zeitalters zurückgeben wird in Übereinstimmung mit dem Gewissen und der modernen Zivilisation” (47). Und Roca fährt fort: “Eine Opferung bahnt sich an, die eine feierliche Sühne darstellt … Das Papsttum wird fallen; es wird sterben unter dem geheiligten Messer, das die Väter des letzten Konzils schmieden werden. Der päpstliche Cäsar ist eine für das Opfer gekrönte Hostie” (48).

Rudolf Steiner, Okkultist und Begründer der Anthroposophie

Es fällt uns auf, daß damals schon von einem Konzil die Rede ist. Der Rosenkreuzer Dr. Rudolf Steiner, der Begründer der anthroposophischen Gesellschaft, erklärte im Jahr 1910: “Wir brauchen ein Konzil und einen Papst, der es ausruft.” Ob die Begeisterung, mit der die Welt das Konzil begrüßte, nicht auch von daher ihre Nahrung erhielt? – Der beherrschende Begriff ist das Wort “neu”. Roca verkündet eine “neue Religion”, ein “neues Dogma”, ein “neues Ritual”, “ein neues Priestertum”. Die neuen Priester bezeichnet er als “Progressisten”, er spricht von der “Unterdrückung” (suppression) der Soutane und von der Heirat der Priester (49) und versteigt sich zum Geständnis: “Der religiöse, politische und soziale Erlöser wird durch unpersönliche Institutionen (“institutions impersonelles”) über die Menschheit herrschen.” Im Anschluß an dieses Wort hat man mit Recht darauf hingewiesen, wie sich das heute allenthalben zeigt in der Kollegialität, in der Unsumme von “Konferenzen, Kommissionen, Komitees und Sitzungen” (50). Fast ist man versucht zu sagen, die Person ist zurückgedrängt, es herrscht das Anonyme. Hier tritt der luziferische Plan deutlich zu tage. Nichts mehr von der Person, die ihre höchste Weihe durch die Trinität und den Gottmenschen erhält, und die nun ausgelöscht ist durch das Kollektiv, ganz gleich in welcher Form.

Hier ist eine Zwischenbemerkung notwendig. Es wäre verfehlt zu meinen, es handle sich hier nur um die Gedanken eines Einzelgängers, wie Roca; nein, das alles wird von einer ganzen Reihe von geistesverwandten Personen ausgesprochen in einer Unmenge von Schriften, die wenigstens damals der ganzen Weltöffentlichkeit zugänglich waren. Und deshalb die Frage: Warum hat die Kirche von diesen Dingen keine Kenntnis genommen? Sicherlich hat es Pius X. getan. Aber das war auch alles. In dem Buch des Abbé Melinge (mehr bekannt unter seinem Pseudonym Dr. Alta) “L’évangile de l’Esprit-Saint, Jean traduit et commenté” (1907) ist das ganze Programm entwickelt, nach dem heute “gearbeitet” wird:

“Der Appell an den Esoterismus;
die Revolte gegen die Strukturen der Kirche;
die Ersetzung (substitution) des römischen Papsttums durch ein “pluri-konfessionelles” Pontifikat, das fähig ist, sich einem allseitigen (polyvalenten) Ökumenismus anzugleichen, den wir heute in der Interzelebration von Priestern und protestantischen Pastoren etabliert sehen.
die Verherrlichung Christi durch eine neue Menschheit;
die Umkehr (inversion) aller von Christus gelehrten Wahrheiten” (51).
Deutlicher kann man wohl nicht mehr sprechen. Dabei blieb Dr. Alta als Priester in der Kirche und es wurde von ihm gesagt: “Anstatt aus der Kirche zu fliehen wie Luther, blieb er, um im Schoß der Kirche (temple) zu reformieren” (52). Alles schon dagewesen.

Doch zurück zu Roca. Aus all den Zitaten, die sich zu Büchern erweitern ließen, ersieht man jetzt schon unschwer die Taktik: Die Kirche ihres übernatürlichen Charakters zu entkleiden, sie mit der Welt zu amalgieren, das konfessionelle Nebeneinander zu einem ökumenischen Ineinander zu machen und so die Welt-Einheits-Religion im einheitlichen Weltstaat vorzubereiten. Das Prädikat der Kirche “alleinseligmachend” ist aus dem Sprachschatz des Dialogs verschwunden, so wie ein gnostischer Vortragender es ausdrückte: “Wir bieten der Kirche noch einmal eine Chance, sie reihe sich ein unter die anderen Religionen.” Dazu gehört natürlich die “Déprêtrise” (53) der Kirche, die Entpriesterlichung zugunsten einer Laienkirche, und als Übergangsform – wiederum nach Roca – das Nebeneinander von zölibatären und verheirateten Priestern. Nun, die Entpriesterlichung der Kirche hat in erschreckendem Ausmaß bereits begonnen. Es erübrigt sich, all die Priester aufzuzählen, die in den Bahnen Rocas (und Loisy’s) wandelten. Virion stellt die Frage: ” Wieviele Priester mögen es gewesen sein, die ostentativ in der Kirche verblieben, aber nur deshalb, weil sie dort im Geheimen den Virus des Umsturzes säen konnten”? Roca, der zur Übertreibung neigt, antwortet “tausend”. Aber Saint-Yves sagte maßvoller: “Ich kenne viele, und sogar heilige Priester, die (aus Ignoranz) auf dem Weg zum synkretistischen Christentum wandelten” (54).

Eine andere moderne Idee, die damals allenthalben in diesen okkultistischen Kreisen vertreten wurde, war eine Art Mystik der Demokratie. Damals schon wurde ein Sozial-Christus gepredigt, und Roca schreibt: “Ich glaube, daß diese soziale Erlösung des Volkes in der neuen Gesellschaft durch die Thronbesteigung der Demokratie erfüllt wurde.” Und noch schärfer am 26. Juli 1891: “Das reine Christentum ist der Sozialismus (Le christianisme pur, c’est le socialisme)”. Deswegen erwartet er vom “Bekehrten des Vatikans” die kanonische Urbi- et Orbi-Erklärung, daß die gegenwärtige Zivilisation die legitime Tochter des heiligen Evangeliums der sozialen Erlösung ist” (55).

Papst Johannes XXIII.

Baron Yves Marsaudon, Malteserritter, Freimaurer des Schottischen Ritus vom 33. Grad
Das Ganze rundet sich ab durch das bedeutsame Werk des Freimaurers Yves Marsaudon “L’oecuménisme vu par un Franc-Maçon de Tradition” (56), das er mit einer überschwenglichen Widmung an Papst Johannes XXIII. versehen hat und das dem schon erwähnten Brückenschlag zwischen Kirche und Freimaurerei dienen soll. Bemerkenswert ist hier vor allem die Schwenkung in der Strategie, die man ungefähr in das Jahr 1908 setzen kann (57): “Nicht mehr die Vernichtung der Kirche ist das Ziel, sondern man sucht sie zu benützen, indem man in sie eindringt.” Mit Papst Johannes XXIII. glaubt man den Anfang gemacht zu haben: “Von ganzem Herzen wünschen wir den glücklichen Ausgang der Revolution Johannes’ XXIII.” (58). “Eines Tages muß die dogmatische Kirche verschwinden oder sich angleichen und, um sich anzugleichen, zu den Quellen zurückkehren” (59). Dies zeigt sich heute schon bei den Priestern: “Der Priester ist heute nicht mehr dieses besondere Wesen … im Gegenteil, er strebt (progressivement) danach, sich mit der modernen Gesellschaft zu vermischen” (60). In diesem Amalgamierungsprozess spielt die Freimaurerei die größte Rolle: “Wir Freimaurer der Tradition gestatten uns das Wort eines berühmten Staatsmannes zu verdeutlichen und zu akzentuieren (transposer), indem wir es den Umständen angleichen: Katholiken, Orthodoxe, Protestanten, Muselmanen, Hinduisten, Buddhisten, Freidenker und gläubige Denker sind bei uns nur Vornamen. Unser Familienname ist Freimaurerei” (61).

An diesem Punkt zeigt sich deutlich, wie nahe hier Echtes und Falsches beieinander liegen. Was gibt es für uns Erstrebenswerteres als den Ökumenismus in der Befolgung des Wortes Christi “auf daß alle eins seien” (Joh 17, 21). Aber nur hauchdünn ist die Grenze zum synkretistischen Ökumenismus hin, der die Wahrheit relativiert und im Letzten auf die Super-”Kirche” hinsteuert, das große Ziel der Geheimgesellschaften.

Wir sind indessen weit vorausgeeilt. Noch ein Phänomen unserer Tage müssen wir unter die Lupe nehmen, die sexuelle Ausschweifung und Zerrüttung. In einer Geheiminstruktion schon aus dem Jahr 1819, die wahrhaft luziferischen Geist atmet, steht die Anweisung: “Schmeichelt allen Leidenschaften, den schlechtesten ebenso wie den hochherzigsten…” (62). In einem Brief vom 9. August 1839 lesen wir die Worte: “Wir dürfen das Laster nicht individualisieren; damit es ansteigt zu den Proportionen des Patriotismus und des Hasses gegen die Kirche, müssen wir es verallgemeinern. Der Katholizismus hat nicht mehr Furcht vor einem spitzen Dolch als die Monarchie, aber diese beiden Grundfesten der sozialen Ordnung können unter der Korruption zusammenbrechen; wir jedenfalls lassen uns niemals verderben (corrompre). Machen wir also keine Martyrer, aber popularisieren wir das Laster in den Massen. Was nur immer sie mit den fünf Sinnen erstreben, das soll seine Befriedigung finden … Schafft Herzen voll Laster und ihr werdet keine Katholiken mehr haben. Das ist die Korruption, im Großen, die wir unternommen haben, die Korruption des Volkes durch den Klerus, die des Klerus durch uns, die Korruption, die uns dazu führt, der Kirche das Grab zu schaufeln” (63).

Msgr. Claude Dagens, in der französischen Bischofskonferenz zuständig für den Dialog mit den Freimaurern
In diesem Zeitraum wurde ein Gedanke ausgesprochen, der heute erst seine volle Verwirklichung erlebt. Um all diese Ziele zu erreichen, von denen die Rede war, muß eine “neue Generation geschaffen werden, würdig des Reiches, das wir erträumen. Laßt das Greisenalter und das reifere Alter beiseite; geht zur Jugend und wenn es möglich ist zu den Kindern. Hat sich einmal euer Ruf (réputation) festgesetzt in den Kollegien, Gymnasien, in den Universitäten und Gymnasien, habt ihr einmal das Vertrauen der Professoren und Studierenden gewonnen, dann sorgt dafür, daß diejenigen, die sich in erster Linie im klerikalen Dienst engagieren, gerne zu euren Zusammenkünften kommen. Dieser gute Ruf wird euch den Zugang verschaffen zu den Lehrmeinungen im Schoß des jungen Klerus genau so wie im Innern der Klöster. In einigen Jahren wird dieser junge Klerus dank der Kraft der Dinge alle Funktionen übernehmen … So verkündet ihr eine Revolution an der Tiara und beim Chorrock … eine Revolution, die nur ein ganz klein wenig angestachelt werden muß, um das Feuer an vier Winkeln der Welt anzuzünden ” (64).

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(36) Max Spindler, Handbuch der Bayerischen Geschichte Band II, 1028-1032 (München 1966) S. 1028: “Die Geschichte des Illuminatenordens ist ein Phänomen von europäischer Bedeutung und Wirkung”; vgl. Serge Hutin, Gouvernants invisibles et sociétés secrètes (Editions J’ai lu 1971) kommt immer wieder auf das Illumintatentum zu sprechen.
(37) Bernhard Fay, La Franc-Maçonnerie et la Révolution intellectuelle du XVIIIe siècle (Paris 1961) S. 203.
(38) Pierre Virion, Le Complot (Paris o. J.) S. 46.
Serge Hutin, aaO, S. 4 zitiert Pierre Mariel, L’Europe païenne du XXe siècle, p. 170: “En réalité, de tous temps – et maintenant plus que jamais -, les sociétés secrètes mènent le monde”.
(39) Eugen Lennhoff/Oscar Posner, Internationales Freimaurerlexikon (unveränderter Nachdruck der Ausgabe 1932), Amalthea-Verlag München-Zürich-Wien; – Horst E. Miers, Lexikon des Geheimwissens (Freiburg i. Breisgau 1970); – Kurt Seligmann, Das Weltreich der Magie (Stuttgart 1958).
(40) Pierre Virion, Mystère d’iniquité (Editions St. Michel, St.-Céneré [53] o. J.) S. 2 ff; vgl. auch Virion, Bientôt un gouvernement mondial?, im gleichen Verlag 1968; vgl. auch Léon de Poncins, Christianisme et F… M… (L’Ordre Français, Décembre 1969); La F… M… d’après ses documents secrets Diffusion de la Pensée Française 1972).

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Aus: Bischof Dr. Rudolf Graber, Athanasius und die Kirche unserer Zeit … – kopiert aus dem Blog von  GMM (Dr. Gunther Maria Michel)