Dokumentiert: Der Wortlaut des Schreibens von Nuntius Eterovic an die deutschen Bischöfe

Erzbischof Nikola Eterovic Foto: Roberta F / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

BERLIN , 23 September, 2019 / 9:43 PM (CNA Deutsch).-

CNA Deutsch dokumentiert den vollen Wortlaut des Grußworts des Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, an die deutschen Bischöfe.

Grußwort

von Erzbischof Dr. Nikola Eterović, Apostolischer Nuntius in Deutschland, zur Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 23. September 2019 in Fulda

„Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern;
tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen
Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“
(Mt 28,18–20).

Eminenzen, Exzellenzen, liebe Mitbrüder im bischöflichen Dienst!

Mit diesen Worten endet das Matthäusevangelium. Der auferstandene Herr gibt seinen Jüngern vor der Auffahrt in den Himmel und zur Rechten des Vaters den Auftrag, das Evangelium allen Geschöpfen zu verkünden. Es handelt sich hierbei um eine wichtige Entscheidung und ist gleichsam das Testament Jesu Christi, das auch die anderen Evangelisten mit ähnlichen Worten überliefern (vgl. Mk 16,15–17; Lk 24,46–47; Joh 20,19–23). Die christliche Urgemeinde hat die Worte Jesu so verstanden. Die Sendung des auferstandenen Herrn war der Anstoß zur Evangelisierung, die von Jerusalem aus die ganze Erde erfasst hat. Evangelisierung ist daher die für die Kirche durch alle Jahrhunderte hin charakteristische Tätigkeit, die bis zur Parusie dauern wird.

Diese Wahrheit wird in unseren Tagen durch den Heiligen Vater Franziskus von Beginn seines Pontifikates an bekräftigt. Im Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium, das am 24. November 2013 veröffentlicht wurde, schreibt er:

„Die Evangelisierung folgt dem Missionsauftrag Jesu: ‚Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe‘ (Mt 28,19–20). In diesen Versen ist der Moment dargestellt, in dem der Auferstandene die Seinen aussendet, das Evangelium zu jeder Zeit und an allen Orten zu verkünden, so dass der Glaube an ihn sich bis an alle Enden der Erde ausbreite“ (EG 19).

Diese Aufgabe der Universalkirche gilt auch für die Teilkirchen: „Jede Teilkirche ist als Teil der katholischen Kirche unter der Leitung ihres Bischofs ebenfalls zur missionarischen Neuausrichtung aufgerufen. Sie ist der wichtigste Träger der Evangelisierung, insofern sie der konkrete Ausdruck der einen Kirche an einem Ort der Welt ist und in ihr die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche Christi wahrhaft wirkt und gegenwärtig ist“ (EG 30).

Schreiben des Heiligen Vaters

Am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus, dem 29. Juni 2019, hat Papst Franziskus an diese Wahrheit erinnert und ein Schreiben an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland gerichtet. In diesem Brief zitiert der oberste Pontifex gut 15 Mal das Apostolische Schreiben Evangelii gaudium. Dies ist der Schlüssel für das Verständnis des Dokumentes.

Das Schreiben des Heiligen Vaters verdient besondere Aufmerksamkeit. Es ist tatsächlich das erste Mal nach der Enzyklika Pius‘ XI. Mit brennender Sorge, dass der Papst den Gliedern der katholischen Kirche in Deutschland ein eigenes Schreiben widmet. Der Unterschied zwischen den beiden Dokumenten ist groß, denn die Enzyklika vom 14. März 1937 prangert die unzulässigen Eingriffe des nationalsozialistischen Regimes in die Angelegenheiten der Katholischen Kirche an, während das aktuelle Schreiben innerkirchliche Themen aufgreift. Wir danken Gott dafür, dass die Beziehungen zwischen der Kirche und der Bundesrepublik Deutschland sehr gut sind und daher kein Eingreifen seitens des Heiligen Stuhls nötig ist.

Der Synodale Weg

Als Vertreter des Heiligen Vaters in Deutschland freue ich mich darüber, dass der Inhalt des Päpstlichen Schreibens Gegenstand des Studientags während dieser Vollversammlung sein wird. Ich zweifle nicht, dass der Brief des Papstes den sogenannten Synodalen Weg positiv beeinflussen wird, der einer der Gründe für den Brief des Bischofs von Rom war. So bezieht sich der Papst zu Beginn des Schreibens auf den Synodalen Weg, der nach einer Entscheidung der Deutschen Bischofskonferenz gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) unternommen werden soll. Auch wenn man anerkennen muss, dass noch über die konkrete Bedeutung des Synodalen Weges diskutiert wird und darüber, wie er sich entwickeln wird, so stellt der Papst fest:

„Es handelt sich im Kern um einen synodos, einen gemeinsamen Weg unter der Führung des Heiligen Geistes. Das aber bedeutet, sich gemeinsam auf den Weg zu begeben mit der ganzen Kirche unter dem Licht des Heiligen Geistes, unter seiner Führung und seinem Aufrütteln, um das Hinhören zu lernen und den immer neuen Horizont zu erkennen, den er uns schenken möchte. Denn die Synodalität setzt die Einwirkung des Heiligen Geistes voraus und bedarf ihrer“ (Brief von Papst Franziskus an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland Nr. 3).

Beim Empfang der Bischöfe der Synode der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche am 2. September 2019 hat der Heilige Vater Franziskus aus dem Stegreif eine Ansprache gehalten und den wichtigen Zusammenhang zwischen Synode, Synodalität und Heiligem Geist unterstrichen. Mit diesen Worten wird noch klarer sein Denken über die Bedeutung der Synodalität zum Ausdruck gebracht, vor allem, wenn er ausführt:

„Es gibt aber eine Gefahr: zu glauben, heute, einen synodalen Weg zu machen oder eine Haltung von Synodalität zu haben, würde bedeuten, eine Meinungsumfrage zu machen, was denkst du darüber, darüber, darüber, … um dann zusammen zu kommen und einen Beschluss zu fassen. … Nein, die Synode ist kein Parlament! Man muss die Dinge beim Namen nennen und sie diskutieren, wie man es gewöhnlich tut, aber sie ist kein Parlament. Bei einer Synode einigt man sich nicht wie in der Politik: ich gebe dir das, du gibst mir jenes. Nein. Synode ist keine soziologische Erhebung, wie mancher glaubt: Wir schauen mal und lassen eine Gruppe von Laien eine Umfrage machen, ob wir das, das, das ändern müssen… Ihr müsst natürlich wissen, was eure Laien denken, aber das ist keine Befragung, es ist etwas Anderes. Wenn es den Heiligen Geist nicht gibt, gibt es keine Synode. Wenn der Heilige Geist nicht gegenwärtig ist, gibt es keine Synodalität. Mehr noch, es gibt keine Kirche, keine Identität von Kirche. Und was ist die Identität der Kirche? Der Heilige Paul VI. hat klar gesagt: Die Berufung der Kirche ist zu evangelisieren, mehr noch, ihre Identität ist es zu evangelisieren. Geht mit diesem Geist in eure Synode, mit dem Heiligen Geist. Bittet um den Geist. Streitet unter Euch über alles, was ihr wollt. … Denkt an Ephesus und wie sie gestritten haben. Aber sie waren aufrecht. … Und am Ende war es der Heilige Geist, der sie verkünden ließ: ‚Maria, Mutter Gottes‘. Das ist der wahre Weg. Es ist der Heilige Geist. Wir wollen keine kongregationalistische Kirche werden, sondern eine synodale Kirche.“

Mit diesen Worten stellt der Bischof von Rom die Gottesfrage in den Mittelpunkt der synodalen Reflektionen. Es geht um den dreieinen Gott, der uns in seinem eingeborenen Sohn die Wahrheit über Gott und den Menschen geoffenbart hat und alle, Männer und Frauen gleichermaßen, hinführen will zur allgemeinen Berufung zur Heiligkeit in der Kirche, wie das V. Kapitel der Dogmatischen Konstitution Lumen gentium des Zweiten Vatikanischen Konzils lehrt.

Der Primat der Evangelisierung

Aus den Worten des obersten Pontifex folgt klar und deutlich, dass die Finalität des Synodalen Weges die Evangelisierung sein muss. Diese Vision wird besonders in den Nummern 6 und 7 des Päpstlichen Schreibens erarbeitet. Mit den Worten des Heiligen Vaters bedeutet das:

„Pastorale Bekehrung ruft uns in Erinnerung, dass die Evangelisierung unser Leitkriterium schlechthin sein muss, unter dem wir alle Schritte erkennen können, die wir als kirchliche Gemeinschaft in Gang zu setzen gerufen sind; Evangelisieren bildet die eigentliche und wesentliche Sendung der Kirche“ (Brief von Papst Franziskus an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland Nr. 6).

Für die Wirksamkeit der Evangelisierung ist die Einheit zwischen Universalkirche und Teilkirchen wesentlich. Es ist besonders in diesen Zeiten „starker Fragmentierung und Polarisierung sicherzustellen, dass der Sensus Ecclesiae auch tatsächlich in jeder Entscheidung lebt, die wir treffen, und der alle Ebenen nährt und durchdringt. Es geht um das Leben und das Empfinden mit der Kirche und in der Kirche, das uns in nicht wenigen Situationen auch Leiden in der Kirche und an der Kirche verursachen wird. Die Weltkirche lebt in und aus den Teilkirchen, so wie die Teilkirchen in und aus der Weltkirche leben und erblühen; falls sie von der Weltkirche getrennt wären, würden sie sich schwächen, verderben und sterben. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Gemeinschaft mit dem ganzen Leib der Kirche immer lebendig und wirksam zu erhalten. Das hilft uns, die Angst zu überwinden, die uns in uns selbst und in unseren Besonderheiten isoliert, damit wir demjenigen in die Augen schauen und zuhören oder damit wir auf Bedürfnisse verzichten können und so denjenigen zu begleiten vermögen, der am Straßenrand liegen geblieben ist“ (Brief von Papst Franziskus an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland Nr. 9).

Mit dem Päpstlichen Schreiben will der Heilige Vater vor den immer gegenwärtigen Versuchungen einer erstickenden Weltlichkeit (vgl. Nr. 5 Anmerkung 13), eines neuen Pelagianismus (vgl. Nr. 5) und eines neuen Gnostizismus (vgl. Nr. 9) warnen. In den Worten des Heiligen Vaters kann man das Nachdenken über die Ermahnungen des hl. Paulus an die Römer heraushören:

„Ich ermahne euch also, Brüder und Schwestern, kraft der Barmherzigkeit Gottes, eure Leiber als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen – als euren geistigen Gottesdienst. Und gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene“ (Röm 12,1–2).

Die Kirche ist auch in unseren Tagen gerufen, die Radikalität des Evangeliums, der guten Nachricht, dem Menschen von heute zu verkünden und in der Kraft des Heiligen Geistes die Weisung des Herrn Jesus vorzutragen: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mk 8,34). Der Heilige Vater erinnert uns daran, dass wir uns in Zeiten des Wandels befinden:

„Wir sind uns alle bewusst, dass wir nicht nur in einer Zeit der Veränderungen leben, sondern vielmehr in einer Zeitenwende, die neue und alte Fragen aufwirft, angesichts derer eine Auseinandersetzung berechtigt und notwendig ist“ (Einleitung).

Allerdings kann die in dieser Zeit geforderte Evangelisierung nicht auf das reduziert werden, was Dietrich Bonhoeffer (1906–1945) „billige Gnade“ nennt, sondern braucht, um in seinen Worten zu bleiben, die er durch sein heroisches Zeugnis beglaubigt hat, die Suche nach der „teuren Gnade“. Im Jahr 1937 zum Beispiel schrieb Bonhoeffer: „Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Unser Kampf geht heute um die teure Gnade“ (Dietrich Bonhoeffer, Nachfolge, Kapitel 1). Mit Blick auf die Notwendigkeit der christlichen Botschaft stellt Papst Franziskus fest: „Voll Bewunderung steht man vor den Möglichkeiten, die der Herr eingesetzt hat, um mit seinem Volk ins Gespräch zu kommen, um sein Geheimnis allen zu offenbaren, um die Leute mit so erhabenen und so anspruchsvollen Lehren zu faszinieren“ (EG 141).

Die christliche Hoffnung

Wir kehren abschließend noch einmal zum Schreiben des Heiligen Vaters zurück und halten fest, dass der Papst dazu ermuntert, Mut zur christlichen Hoffnung zu haben, weil es notwendig ist, „den Primat der Evangelisierung zurückzugewinnen, um die Zukunft mit Vertrauen und Hoffnung in den Blick zu nehmen, denn die Kirche, Trägerin der Evangelisierung, beginnt damit, sich selbst nach dem Evangelium auszurichten. Als Gemeinschaft von Gläubigen, als Gemeinschaft gelebter und gepredigter Hoffnung, als Gemeinschaft brüderlicher Liebe muss die Kirche unablässig selbst vernehmen, was sie glauben muss, welches die Gründe ihrer Hoffnung sind und was das neue Gebot der Liebe ist“ (Brief von Papst Franziskus an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland Nr. 7).

Der auferstandene Herr erfüllt die Herzen seiner Gläubigen auch inmitten von Schwierigkeiten und Verfolgungen mit Vertrauen. Er steht uns zur Seite und ist bereit, uns zu helfen, wenn wir ihn rufen: „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt“ (Joh 16,33). Das sind Worte dessen, der uns zusichert: „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20).

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„Feigheit ist keine Tugend“

13 September 2019, 10:02

„Mit zahlreichen Ausreden haben manche, die als Bischöfe das Violett oder gar Rot des Bekenners tragen, immer wieder versucht, sich selbst vom Bekenntnis zum Leben beim Marsch für das Leben zu exkulpieren.“ Gastkommentar von Martin Lohmann

Bonn (kath.net) Man reibt sich die Augen, hofft inständig, dass es eine Fake-News ist. Doch dann muss man erkennen: Es stimmt tatsächlich. Zumindest in einem deutschen Bistum wird „offiziell“ dazu aufgerufen, an der Demonstration Fridays for Future teilzunehmen. Es geht um ein Bekenntnis zum Klimaschutz. Gleichzeitig vermisst man seit Jahren, dass ebenso „bekenntnisreich“ von deutschen Bistümern dazu aufgerufen wird, am Berliner „Marsch für das Leben“ teilzunehmen. Das (!) scheint nicht opportun zu sein. Schließlich geht es hier um ein Bekenntnis nicht nur zum Klima, sondern zum Leben und seinem garantierten Recht. Und im Unterschied zum Klimahype gibt es hier sogar belastbare Fakten, die einen Christen – und nicht nur den – geradezu zwingen, Stimme und Gesicht zu zeigen FÜR das Leben. Doch hunderttausende von jährlich brutal getöteten, zerschnibbelten und verätzten ungeborenen Menschen scheinen denen, die jetzt einer ferngesteuerten Galionsfigur hinterherlaufen wollen, offenbar keine Einladung wert zu sein, sich für das Grundlegendste des menschlichen Lebens und seiner Kultur öffentlich und vernehmbar einzusetzen. Das ist mehr als schade. Es ist, angesichts jetzt bekannt gewordener Bereitschaft, einer ökoreligiösen Diktatur huldigen zu wollen, auch eine Schande.

Es gibt charakterstarke Bischöfe, die seit Jahren in Berlin dabei sind. Ihnen gebührt Dank für ein starkes Zeugnis, das sie zusammen mit anderen gegen alle Widerstände immer wieder geben. Auch gegen lautes Geschrei derer, die ansonsten gerne für Toleranz und Vielfalt plädieren, dann aber das Ja zum Leben schlichtweg nicht ertragen können oder wollen. Es ist gut, dass es auch dieses bischöfliche Bekenntnis zum Lebensrecht beim Marsch für das Leben gibt.

Doch es ist leider auch wahr: Mit zahlreichen Ausreden haben manche, die als Bischöfe das Violett oder gar Rot des Bekenners tragen, immer wieder versucht, sich selbst vom Bekenntnis zum Leben bei Marsch für das Leben zu exkulpieren. Verleumdungen, die man ihnen gereicht hatte, wurden zur „Begründung“. Aber ganz nüchtern wurde auch bekundet, dass man sich als Geistlicher nicht in eine politische Frage wie der der Abtreibung einklinken solle. Als ginge es hier nur um eine politische Frage! Da geht es um Grundsätzliches, um Wesentliches, um den Kern dessen, was man human nennt. Greta aber und die Grünen sind wohl glaubwürdiger und wichtiger als Lebensrechtler, die gar bereit sind, vielfach Ungemach in Kauf zu nehmen für das, wozu (nicht nur) Christen verpflichtet sind: zum Kampf für das Leben, zum Bekenntnis der Unantastbarkeit des Lebensrechtes und zur Würde jedes Menschen von Anfang bis zum natürlichen Ende.

Noch hätten die Verantwortlichen die Chance, ihrer Einladung zum Marsch für das Klima für den Tag danach eine Einladung für das Leben auszusprechen. Ja, sie könnten darauf hinweisen, dass jeder, der Zukunft und Leben will, sich logischer- und konsequenterweise erst recht für den unbedingten Schutz jedes Menschen einsetzen müsste und sollte. Alles andere ist unglaubwürdig. Das Auseinanderreißen dieser Wirklichkeit(en) wird zur Absurdität.

Mag sein, dass es bei bestimmten politischen und medialen Gurus besser ankommt, zur Klimademo einzuladen als zum Marsch für das Leben. Das können sich nur diejenigen leisten, die weder abhängig von der Politik sind noch mental gefangen in den Gattern des Opportunismus. Nur die Wahrheit macht frei. Und nur freie Menschen haben keine Angst vor der Wahrheit. Feigheit, die sich heute noch so geschickt zu tarnen versteht als Besorgnis und wohlfeiles Engagement, ist übrigens keine Tugend. Schon gar keine christliche. Sie ist das Gegenteil dessen, wozu Christen von Gott selbst aufgerufen, befähigt und verpflichtet sind: Zeugnis zu geben vom und für das Leben. Generalvikare und Bischöfe sind dazu besonders verpflichtet. Alles andere wäre Verrat und zumindest grobe Pflichtverletzung.

Nicht irgendeine Greta – und das sie steuernde Geschäftsmodell dahinter – ist der Maßstab, sondern Jesus Christus. Und der steht nicht für Unterdrückung, Manipulation und Angst, sondern für Freiheit. Die mit der Verantwortung verbundene Freiheit hat einen Namen: Jesus Christus. Zu dieser Freiheit gehört natürlich auch die Pflicht, die Umwelt zu schützen. Aber noch mehr der mutige Einsatz für die Ökologie des Menschen. Klimaschutz ohne Lebensschutz ist nicht nur ein Torso des Seins, sondern auch ein Fake. Gerade diejenigen, denen die Erlösungsbotschaft der Wahrheit anvertraut ist, sollten das noch wissen – und zum Schutz der eigenen Glaubwürdigkeit jetzt rasch eine Einladung zum Marsch für das Leben in Berlin medienwirksam und öffentlich wahrnehmbar nachreichen.

Martin Lohmann, Publizist und Geschäftsführer der von ihm gegründeten Akademie für das Leben, Bonn (www.akademiefuerdasleben.de) war acht Jahre lang ehrenamtlicher Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL) und führte den Marsch für das Leben in Berlin an. Aus dem Trauermarsch wurde in dieser Zeit eine farbenfrohe und einladende Demonstration für das Leben. Die Teilnehmerzahl wuchs von knapp 1000 auf mehr als 7500, darunter etliche Bischöfe.

Dieser Kommentar von Martin Lohmann ist auch erschienen im Online-Debattenmagazin TheEuropean.

Pressefoto Martin Lohmann

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Tschechien: Prager Kardinal verurteilt LGBT-Ideologie

Kardinal Dominik Duka (ANSA)

Der tschechische Kardinal Dominik Duka hat die Äußerungen des polnischen Erzbischofs Stanislaw Gadecki zu Homosexualität gegen Kritik verteidigt. In einer an diesem Montag veröffentlichten Erklärung wandte er sich gegen eine LGBT-Ideologie, die seiner Ansicht nach eine „atheistische und satanistische Agenda“ verfolge. Das berichtete Radio Prag.

Seine Amtsbrüder in der Slowakei und in Ungarn rief der Prager Kardinal demnach auf, sich hinter Gadecki zu stellen. Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz hatte sich am vergangenen Freitag gegen eine Legalisierung der Homo-Ehe ausgesprochen und zugleich eine LGBT-Ideologie um Homo-, Bi- und Transsexuelle verurteilt. Homosexuelle Menschen seien „unsere Brüder und Schwestern“, betonte Gadecki in einer von der Bischofskonferenz veröffentlichten Erklärung.

Die Achtung bestimmter Menschen könne jedoch nicht „zur Akzeptanz einer Ideologie“ führen, die darauf abziele, die sozialen Gewohnheiten und zwischenmenschlichen Beziehungen zu revolutionieren. Gadecki appellierte an polnische Abgeordnete, sich Plänen zur Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe zu widersetzen. Die örtlichen Behörden dürften auch keine Entscheidungen treffen, „die unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Diskriminierung die natürliche Geschlechterdifferenz zwischen Männern und Frauen leugnet“.

Predigt führte zu Protesten

Anlass für die Erklärung Gadeckis waren Äußerungen des Krakauer Erzbischofs Marek Jedraszewski, der vergangene Woche in einer Predigt von einer „Regenbogen-Krankheit“ gesprochen hatte, was zu Protesten führte. Manche der Reaktionen zeugten von einem gewissen „ideologischen Totalitarismus“ gegenüber Andersdenkenden, verteidigte der Erzbischof von Posen seinen Krakauer Amtskollegen.

(kna – vm)

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Krakauer Erzbischof warnt vor „Regenbogen-Pest“

Jedraszewski am Donnerstag bei der Predigt in der Marienkirche in Krakau

Nach der „roten Plage“ des Kommunismus werde Polen von einer neuen Bedrohung heimgesucht, so Marek Jedraszewski in einer Predigt zum Jahrestag des Warschauer Aufstands.

  • 2. August 2019, 19:29h, 52 Kommentare

Nicht einmal zwei Wochen nach der brutalen Gewalt gegen den ersten CSD in der polnischen Stadt Bialystok hat die katholische Kirche des Landes erneut ihre Kampfrhetorik gegen LGBTI-Rechte verstärkt: In einer Predigt zum 75. Jahrestages des Beginns des Warschauer Aufstandes forderte der Krakauer Erzbischof Marek Jedraszewski am Donnerstag Widerstand der Gläubigen gegen eine vermeintliche LGBT-Ideologie ein.

„Die rote Plage hat unser Land nicht mehr im Griff, was nicht bedeutet, dass es keine neue gibt, die unsere Seelen, Herzen und unseren Verstand kontrollieren will“, meinte Jedraszewski in Anspielung auf den Kommunismus. Die neue Bedrohung sei „nicht marxistisch, bolschewistisch, sondern aus dem gleichen Geist geboren: neomarxistisch.“ Sie sei „nicht rot, sondern Regenbogen“, so der Bischof, der in früheren Reden „absolutistische“ und „neomarxistische Bestrebungen“ der „LGBT-Ideologie“ kritisiert hatte.

„Maximale Toleranz“ führe zu Intoleranz, so Jedraszewski weiter: „Gewalt, Erniedrigung und ein Lächerlichmachen der heiligsten Zeichen unserer Madonna von Tschenstochau zeigen sich auf den Lippen derer, die Toleranz einfordern.“ Die Gräber der polnischen Freiheitskämpfer spornten „uns an, uns zu verteidigen und echte Freiheit zu verteidigen“.

 Twitter / queerpl | Am Freitagnachmittag demonstrieten viele LGBTI vor dem Sitz des Bischofs in Krakau. „Ich bin keine Pest“, hieß es auf einigen Plakaten

Mit dem letzten Absatz spielte der Bischof gegen das in Polen populäre Marien-Bildnis „Schwarze Madonna von Tschenstochau“ an. Nach homofeindlichen Äußerungen der Kirche hatten Aktivisten Ende April in Plock Flyer verteilt, auf denen die Jungfau Maria und das Jesuskind auf dem ikonischen Bild mit einem Regenbogen-Heiligenschein statt einem goldenen dargestellt wurden (queer.de berichtete). Der harmlose Protest hatte zu strafrechtlichen Ermittlungen und einen Aufschrei von Kirche und der Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) geführt.

Kirche und Politik im Kultur- und Wahlkampf gegen LGBTI-Rechte

Jedraszewski hatte erst am Mittwoch in Tschenstochau vor Gläubigen gefordert, „die Wahrheit zu verteidigen über die Schöpfung von Mann und Frau, um zusammen zu leben und Kinder zu haben“. In einer Predigt im April bezeichnete er die „LGBT-Ideologie“ als „trügerische Ideologie“, die im Widerspruch zur christlichen Moral, dem „Naturgesetz“ und der Vernunft stehe. Die Einführung einer „Gender-Ideologie“ und Standards der Weltgesundheitsorgansation zur Sexualaufklärung an polnischen Schulen würde Kinder ihrer Unschuld berauben. Die „Bewerbung der LGBT-Ideologie“ leugne die Menschenwürde.

Ähnliches hatte er bereits zum Karfreitag in einer Predigt betont und beklagt, dass man „in einer Welle des linken Hasses“ als Fanatiker, Faschist oder Homophober bezeichnet werde, wenn man sich den Versuchungen des Teufels widersetze.

Jedraszewski bezog sich in seinen Äußerungen auf einen vor allem von Kirche und Regierung selbst begonnenen „Kulturkampf“: Nachdem sich der Warschauer Stadtpräsident Rafal Trzaskowski im Frühjahr in einer „Regenbogen-Erklärung“ unter anderem für eine umfassende und LGBTI-inklusive Sexualaufklärung an Schulen verpflichtete, machte die PiS-Partei daraus ein Thema zum damaligen Europa- und nun bevorstehenden Parlamentswahlkampf: „Die LGBT- und Gender-Bewegung bedroht unsere Identität und unsere Nation. Sie bedroht unseren polnischen Staat“, meinte etwa der Parteivorsitzende Jaroslaw Kaczynski im April (queer.de berichtete). Während die katholische Kirche gegen LGBTI-Rechte wetterte, beschlossen mehrere PiS-geführte Gemeinden und Regionen in den letzten Monaten Resolutionen, in denen sie sich als „frei von der LGBT-Ideologie“ bezeichneten.

Zuletzt hatte sich der Kampf noch verstärkt: Das parteinahe Politik-Magazin „Gazeta Polska“ legte in der letzten Woche einen Aufkleber mit durchstrichenem Regenbogen und dem Aufdruck „LGBT-freie Zone“ bei (queer.de berichtete) – bis ein Gericht die Verteilung stoppte (queer.de berichtete). Regierung und Kirche verurteilten die Gewalt gegen den CSD in Bialystok – während PiS-Politiker allerdings zugleich CSD-Verbote ins Gespräch brachten, betonte die Bischofskonferenz, man werde nicht aufhören, „Todsünde als solche zu benennen“ (queer.de berichtete). (nb)

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Schweiz: Bischof warnt vor Zerstörung des Priestertums

Bischof Marian Eleganti: Der Priester übt keinen Beruf wie jeden anderen aus

Die Priesterweihe befähigt den Priester zu einem dreifachen Amt: zu leiten, zu heiligen und zu verkünden. Das betont der Weihbischof von Chur, Marian Eleganti. Eine Aufsplittung dieser Aufgaben käme einer Zerstörung des Priestertums gleich.

In einem Video-Blog von kath.net erklärt der Weihbischof im Bistum Chur, worin das Wesen des Priestertums besteht. Ein Priester übe keinen Beruf wie jeden anderen aus. Durch das Sakrament der Priesterweihe habe er „etwas Sakrales“ bekommen, so Eleganti. Etwas, „das ihn von nun an von allen übrigen Getauften unterscheidet“. Ein Priester erhalte die Weihe, „weil er etwas hat, das absolut von oben kommt und nicht von unten, von Gott selbst, der ihn beruft“.

Für ein dreifaches Amt befähigt

Durch die Weihe werde der Priester „für ein dreifaches Amt befähigt“, nämlich zu leiten, zu verkünden und zu heiligen. Diese drei Ämter könne man nicht aufsplitten und auf andere übertragen, „sodass der Priester nur noch am Altar steht, die Wandlungsworte spricht und ein anderer predigt, lehrt, verkündet oder leitet“.

Kein gradueller Unterschied zu den übrigen Getauften

Wie Eleganti betont, geht es hier nicht um einen graduellen Unterschied zu allen übrigen Getauften, sondern um „einen Unterschied im Wesen des Priesters und seines Wirkens“, wie das Lehramt der katholischen Kirche und die Konzilien festhielten. Deswegen sei der Priester eine „sakrale Figur“. Daran änderten auch die Missbrauchsfälle nichts. Und genau diese Sakralität müsse dem Priester zurückgegeben werden.

Für Eleganti hat dies nichts mit Klerikalismus zu tun. Er begründet dies damit, dass der Priester diese Gabe Gottes in Demut empfangen müsse. Der Priester dürfe sie nicht „für sich selber ausschlachten.“ Er dürfe sich aber auch nicht verleugnen.

Aufgepasst vor „Priestertum light“

„Hüten wir uns, dieses Priestertum in seiner Integrität aufzusplitten und zu zerstören“, so Eleganti weiter. Eine solche Demontage müsse aufhören. Er warnt auch vor einem „Priestertum light“, „das der Elektriker von nebenan ausüben könnte“, der geweiht werde, um die Eucharistie beispielsweise für eine abgelegene Region zu feiern. In der Aufsplittung der Aufgaben des Leitens, Verkündens und Heiligens sieht Eleganti „die Zerstörung des Priestertums und des sakralen Charakters der Kirche.“

(cath.ch – skr)

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