VOM LEBENSDIENST DER FRAU — 1. CHRISTUS, DAS LEBEN

Der Herr nennt sich „das Leben“ (Joh. 11, 25; 14, 6). Die frohe Botschaft, dass Jesus Christus das Leben ist, kündet uns vor allem der heilige Evangelist Johannes. „In ihm war das Leben“ (Joh. 1, 4). Der Sohn hat nicht nur das Leben, er ist es. Er hat das Leben nicht etwa von einem anderen „empfangen“ er selbst ist der Urheber des Lebens (Apg. 3,15). „Denn gleich wie der Vater das Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohne verliehen, das Leben in sich selbst zu haben“ (Joh. 5, 26). In Christus begegnen wir der ungebrochenen Fülle, der Quelle des Lebens. Er allein ist der „Lebendige“ schlechthin. In Jesus Christus ist „das Leben sichtbar erschienen. Wir haben es gesehen. Wir bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns sichtbar erschienen ist“ (Joh. 1, 2). Der Herr bezeichnet es als eine spezifische Sendung, den Menschen das Leben zu bringen. „Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh. 10,10). In dem Maße, wie ein Mensch teilhat an Jesus Christus, ist er lebendig. Ohne Teilnahme an Jesus Christus gibt es kein Leben. „Wer den Sohn hat, hat das Leben, wer den Sohn aber nicht hat, hat auch das Leben nicht“ (1. Joh. 5,12). Es genügt dem Herrn in keiner Weise, dass die Menschen „etwas vom Leben haben“, dass sie ein „bisschen“ Leben besitzen, dass ihr Leben sich am Rande des Nichts bewegt und immer vom Tod bedroht ist, er will vielmehr den Menschen ein ganz neues Lebensgefühl vermitteln, ihrem Hunger nach Leben in einer Weise entgegenkommen, die uns Menschen völlig den Atem verschlägt. Weil er allein das Leben ist, will er selbst sich uns vermitteln. Wer sein Fleisch isst und sein Blut trinkt, isst ihn selbst und lebt durch ihn (vgl. Joh. 6, 57). Darum kann der Herr sagen „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm“ (Joh. 6, 56).

Weil Christus das Leben ist, kann ihm der Tod nichts anhaben. Christus ist der einzige vom Wesen her Lebendige, vor dem der Tod kapitulieren musste, und der den Tod siegreich überwunden hat. Weil Christus das Leben ist, ist er auch die Auferstehung (Joh. 11, 25).

In seinem Leiden und Sterben hat Christus den Tod mehr als besiegt, er hat den Tod in Leben gewandelt. Alles was mit Christus in Berührung kommt, wird neu lebendig. Die Kranken, die Aussätzigen, die Besessenen, die Sünder, sie alle schöpfen von ihm das Leben und spüren die lebendigmachende Kraft, die selbst vom Saum seines Kleides ausgeht. Christus verlebendigt sogar den Tod. Das ist fürwahr der göttliche Triumph des Lebens über den Tod. Im Durchgang durch den Tod wird Christus das Leben der Welt. „Dux vitae mortuus regnat vivus“ singt die Kirche in ihrer österlichen Freude und dem stolzen Bewusstsein ihres österlichen Sieges. „Der Fürst des Lebens, tot, herrscht lebend.“ Nur angesichts des Todes kann sich Christus als das Leben offenbaren. Der Tod ist der dunkle Hintergrund, der Christus als das Leben in seiner ganzen Herrlichkeit ausstrahlen lässt. Wenn schon die machtvolle Begegnung Christi mit den Kranken mannigfachster Art, mit Kranken, die an einer unheilbaren Krankheit litten, alle medizinischen Kapazitäten damaliger Zeit konsultierten und ihr ganzes Vermögen ihrer Gesundheit opferten (vgl. Mark. 5, 24), ihn als das Leben erscheinen liessen, dann musste die Begegnung mit dem Tod ihn vollends als den Fürsten und Urheber des Lebens herausstellen. Mit Christus und in Christus stirbt der Tod, um mit ihm als Leben aufzuerstehen. Im Tode Christi wird der Tod zum Prinzip und zur Quelle des Lebens. Am Kreuz Christi entspringt der siebenfache Strom der Sakramente.

Im Tod besiegt Christus nicht nur seinen persönlichen Tod, wie er etwa bei der Auferweckung des Lazarus nur den persönlichen Tod seines Freundes überwand, sondern er besiegt den Tod aller, weil er den Tod aller stirbt; er besiegt den Tod als solchen. Darum hat Christus ein- für allemal dem Tod den Stachel genommen. Er hat grundsätzlich für immer und für alle den Tod um den Sieg gebracht. Der Tod ist nicht mehr in der Welt, seitdem das Leben den Tod im Tod begraben hat. Wer an Christus glaubt, „hat das ewige Leben“ (Joh. 6, 47). Wer von seinem Brot ist, „wird leben in Ewigkeit“ (Joh. 6, 51). Wer an Jesus Christus glaubt, „wird leben, auch wenn er gestorben ist, und jeder, der im Glauben an ihn lebt, wird nicht sterben in Ewigkeit“ (vgl. Joh. 11, 26f.).

Es ist ungemein wichtig, unseren Mädchen den Blick für Christus als das wahre Leben zu öffnen. Sie haben oft eine zu einseitige Auffassung vom Leben. Es wird verstanden als die kurze Spanne Zeit zwischen Geburt und Tod, zwischen Wiege und Bahre. Es wird rein diesseitig-irdisch gesehen. Das Leben des Menschen wird auf eine Stufe gestellt mit dem Leben der Pflanzen und Tiere. – Aus dieser Sicht entstehen viele Kurzschlüsse. Wer seinen Blick nur auf dieses sein irdisch-sichtbares Leben gerichtet hat, stellt sich die begreifliche Frage: ist das denn das Leben? Ist das alles? Wie viele Arbeiterinnen, die unter sehr ungünstigen Verhältnissen eine völlig unfrauliche Arbeit verrichten müssen, sagen: Das ist doch kein Leben mehr. Das ist ein Hundeleben! Ich möchte aber auch einmal leben! Das Leben beginnt nach Feierabend! Die sehr berechtigte Parole: „Freut euch des Lebens“, die wir Christen, richtig interpretiert, nicht dick genug unterstreichen können, wird vielfach rein materialistisch missverstanden. Wer als Mädchen „das Leben genießen möchte“, meint damit: ein Liebesabenteuer, einen schönen Film, einen rauschenden Ballabend, festliche Kleider, gehobenes Essen, und dergl. mehr. Vitalität und Gesundheit, Tod und Leben sind rein diesseitige Begriffe, die Zustände des leiblichen Lebens charakterisieren. Das „Leben“ ist säkularisiert und wird nicht mehr im biblischen Sinne genommen. Wenn Christus das Leben ist, darf es nicht von ihm losgelöst werden. Wer es tut, gleicht einem Manne, der den Fluss von seiner Quelle und den Ast vom Baum trennt. Der Fluss trocknet aus und der Ast modert. Das ist die notwendige Folge. Der Begriff des Lebens hat in der Hl. Schrift eine eminent christologische Valenz.  Wer dem Leben Christus nimmt, entwertet es völlig und macht es sinnlos. Es ist sehr bedauerlich und schließlich ein Zeugnis unseres Unglaubens, dass im Wort Leben das Wort Christus nicht mehr mitschwingt.

Ein Weg, den Glauben an Christus als das Leben der Welt neu zu wecken, wäre die rechte Zuordnung von Taufe und Eucharistie. Man darf wohl sagen, dass kein Glaube so tief und fest im Bewusstsein unseres Volkes verwurzelt ist, wie der Glaube an die Gegenwart Christi unter den Gestalten von Brot und Wein. Dieser eucharistische Glaube manifestiert sich in den mannigfachen Formen: in der Kniebeuge, im Segen mit dem Allerheiligsten, im Anschauen der Gestalten bei der heiligen Wandlung, in öffentlichen und privaten Anbetungsstunden, im Benehmen im Gotteshaus, in theophorischen Prozessionen, im Schmuck der Altäre, in kunstvollen heiligen Gefäßen, im ewigen Licht, im Opfer für das Gotteshaus. All das ist letztlich Zeugnis des eucharistischen Glaubens.

Jedes Brot aber ist auf ein Leben hin geordnet und setzt es voraus. Nur der Lebendige kann essen. Der Appetit ist ist ja geradezu ein Gradmesser der Gesundheit. Darum spricht man von einem „gesunden“ Appetit. Umgekehrt ist Appetitlosigkeit oft ein Krankheitssymptom. Wenn es dem kleinen Kind nicht mehr schmeckt und es die Nahrungsaufnahme verweigert, geht die besorgte Mutter zum Arzt. Sie weiß: meinem Kind fehlt etwas. Leben und Brot sind korrelativ. Alles Brot steht im Dienst des Lebens. Brot gibt Blut und Blut gibt Leben, sagt der Volksmund. Oder das andere von der Mutter oft zitierte Wort: Milch und Brot macht die Wangen rot.

Nun wird aber die Qualität des Brotes ganz bestimmt von der Qualität des Lebens. Jedes Leben fordert ein ihm homogenes Brot. Dem vergänglichen leiblichen Leben genügt ein vergängliches leibliches Brot. Im Leben von unten entspricht ein Brot von unten. Auf das „irdische“ Leben antwortet das irdische Brot. Der menschliche Leib ist von der Erde genommen und wird auch wieder zur Erde zurückkehren. Demselben Gesetz unterliegt alle leibliche Nahrung. Wie dieses Leben sich nicht „hält“, und der Leib verfault, so kann sich auch keine irdische Speise „halten“, so ist auch sie dem Prozess der Fäulnis ausgesetzt. Weil das leibliche Leben des Menschen ein Leben auf den Tod hin ist, ist das tägliche Brot ein „totes“ Brot, dem Christus sich selbst als das „lebendige“ Brot gegenüberstellt.

Analog lassen sich die Parallelen ziehen zwischen dem Leben und dem Brot der Seele. Beide kommen von „oben“, vom „Himmel“ und sind geistiger Natur. Jedes Brot erhält und erhellt das Leben. Im Licht des Brotes enthüllt sich das Leben. Wie kostbar muss ein Leben sein, das mit dem Christus-Brot genährt wird! Wie heilig muss ein Leben sein, dem Christus selbst sich zur Speise gibt! Welche Fülle des Lebens muss in uns verborgen sein, wenn Christus selbst und mit ihm der dreifaltige Gott zu uns kommen, um Wohnung bei uns zu nehmen! Das Brot der heiligen Eucharistie ist nicht nur christliche Existenzerhaltung, sondern auch – und das nicht zuletzt – christliche Existenzerhellung. Die Herrlichkeit des Christusbrotes lässt uns die Herrlichkeit des Christuslebens ahnen. Die Glaubenswirklichkeit der Taufe wird bestätigt und neu erschlossen in der Glaubenswirklichkeit der hl. Eucharistie.

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Quelle: Josef Dreissen: „Christus Leitbild jeder Frau“, 312 Seiten, 1962

(Artikelbild dazu von mir [POS] ausgewählt)

Papstmesse: Wer Gott treu ist, hat keine Angst vor dem Tod

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Papstpredigt in Santa Marta

Die Treue des Herrn enttäuscht uns nie, selbst im Moment des Todes. Wer Gott treu ist, habe sowieso keine Angst vor dem Tod. Das betonte der Papst in seiner Predigt in der Frühmesse an diesem Dienstag. In der Casa Santa Marta im Vatikan ging er auf das Thema des Todes ein.

Jeder werde einmal sterben, so der Papst. Dies sei gerade eines der wichtigsten Themen, die am Ende des Kirchenjahres in der Liturgie angesprochen werde, fügte Franziskus an.„Wir denken nicht gerne daran, aber das ist die Wahrheit“, so der Papst. Wenn einer stirbt, vergingen die Jahre und „fast niemand mehr, wird sich an diese Person mehr erinnern“, sagte der Papst. Deshalb führe er eine ,Agenda´, in der er jeweils die Namen der Verstorbenen aufschreibe und so wisse, wann ein Jahrestag eines Verstorbenen sei sowie die Zeit, die seit seinem Tod vergangenen sei.

„Und das tut uns allen gut, daran zu denken: ,Wie wird jener Tag sein, an dem ich vor Jesus stehen werde? Wie wird es sein, wenn er mich über meine Talente befragt und wie ich damit umgegangen bin? Wie wird es sein, wenn er über mein Herz sprechen wird? Wie wird es sein, wenn er mich über den Samen des Glaubens befragt und wissen will, ob dieser Samen Früchte in mir getragen hat oder doch alles versteckt blieb?“

Man solle sich, so der Papst, der aus dem Tagesevangelium nach Lukas zitierte, „nicht täuschen lassen“ und zwar von den weltlichen Versuchungen. Es sei eine Täuschung, „so zu leben, als ob man nie sterben würde“.

„Ich erinnere mich daran, dass ich als Kind beim Katechismusunterricht vier Dinge gelernt habe: der Tod, das Jüngste Gericht, die Hölle und den Himmel. Nach dem Gericht, gibt es die beiden letztgenannten Optionen. Da sagt dann einer: ‹Aber Padre, das macht uns Angst.› Nein, das ist die Wahrheit, denn wenn du dein Herz nicht pflegst, damit der Herr bei dir sein kann, dann gibt es vielleicht die Gefahr, dass wir uns von der Ewigkeit des Herrn entfernen. Und das ist sehr schrecklich!“

Eine Möglichkeit, keine Angst vor dem eigenen Moment des Todes zu haben, könne man auch aus der Tageslesung aus dem Buch der Offenbarung nach Johannes entnehmen, so der Papst, in der es heißt: „Sei Gott treu bis zum Ende“.

„Die Treue des Herrn ist ja auch etwas, was uns nie enttäuscht. Wenn jeder von uns dem Herrn treu ist, dann können wir genauso wie der Heilige Franziskus von Assisi sagen: ‹Komm, Bruder Tod, komm›. Dann werden wir keine Angst davor haben. Und am Tag des Gerichts, werden wir den Herrn anschauen und sagen können: ‹Herr, ich habe viel gesündigt, aber ich habe versucht, dir immer treu zu sein.› Und der Herrn ist gütig. Das ist ein Ratschlag, den ich euch weitergeben will: Seid dem Herrn bis zum Tod treu, so wie es der Herr selber gesagt hat. Und er wird uns mit der Krone des Lebens belohnen. Mit dieser Treue werden wir auch keine Angst vor dem Jüngsten Gericht haben.“

(rv 22.11.2016 mg)

Text der Instruktion „Ad resurgendum cum Christo“

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Instruktion „Ad resurgendum cum Christo“

über die Beerdigung der Verstorbenen und
die Aufbewahrung der Asche im Fall der Feuerbestattung

1. Um mit Christus aufzuerstehen, muss man mit Christus sterben; dazu ist es notwendig, „aus dem Leib auszuwandern und daheim beim Herrn zu sein“ (2 Kor 5,8). Mit der Instruktion Piam et constantem vom 5. Juli 1963 bestimmte das ehemalige Heilige Offizium, dafür Sorge zu tragen, dass „die Gewohnheit, den Leichnam der verstorbenen Gläubigen zu beerdigen, heilig gehalten werde“. Es fügte aber hinzu, dass die Feuerbestattung der christlichen Religion nicht „an sich“ widerspricht und jenen, die sich dafür entschieden haben, die Sakramente und das Begräbnis nicht mehr verweigert werden dürfen. Voraussetzung dafür ist, dass sie die Einäscherung nicht „aus Ablehnung der christlichen Dogmen, aus sektiererischer Gesinnung oder aus Hass gegen die katholische Religion und Kirche“ gewählt haben.  Diese Änderung der kirchlichen Ordnung wurde später in den Kodex des kanonischen Rechtes (1983) und in den Kodex der Kanones der katholischen Ostkirchen (1990) aufgenommen.

Mittlerweile hat sich die Feuerbestattung in nicht wenigen Ländern stark ausgebreitet. Aber zugleich haben sich auch neue Ideen verbreitet, die dem Glauben der Kirche widersprechen. Nach Anhören der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte und zahlreicher Bischofskonferenzen und Bischofssynoden der katholischen Ostkirchen hat die Kongregation für die Glaubenslehre es für angebracht gehalten, eine neue Instruktion zu veröffentlichen, um die lehrmäßigen und pastoralen Gründe für die Bevorzugung der Beerdigung der Verstorbenen darzulegen und Normen für die Aufbewahrung der Asche im Fall der Feuerbestattung zu erlassen.

2. Die Auferstehung Jesu, in der die christliche Glaubenswahrheit ihren Höhepunkt findet, wurde von den Anfängen des Christentums an als wesentlicher Teil des Pascha-Mysteriums verkündet: „Vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf“ (1 Kor 15,3-5).

Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat uns Christus von der Sünde befreit und den Zugang zu einem neuen Leben eröffnet: “Wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben” (Röm 6,4). Darüber hinaus ist der auferstandene Christus Ursache und Urgrund unserer künftigen Auferstehung: „Christus ist von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen… Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden“ (1 Kor 15,20-22).

Christus wird uns am Letzten Tag auferwecken; andererseits sind wir aber schon in gewisser Weise mit Christus auferstanden. Denn durch die Taufe sind wir in den Tod und die Auferstehung Christi eingetaucht und sakramental ihm gleichgestaltet worden: „Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat“ (Kol 2,12). Durch die Taufe sind wir mit Christus vereint und haben deshalb schon jetzt wirklich Anteil am Leben Christi (vgl. Eph 2,6).

Durch Christus hat der christliche Tod einen positiven Sinn. Die Liturgie der Kirche betet: „Deinen Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen. Und wenn die Herberge der irdischen Pilgerschaft zerfällt, ist uns im Himmel eine ewige Wohnung bereitet“.  Durch den Tod wird die Seele vom Leib getrennt; in der Auferstehung aber wird Gott unserem verwandelten Leib das unvergängliche Leben geben, indem er ihn wieder mit unserer Seele vereint. Auch in unseren Tagen ist die Kirche gerufen, den Glauben an die Auferstehung zu verkünden: „Die Auferstehung der Toten ist die Zuversicht der Christen; im Glauben an sie existieren wir“.

3. Gemäß ältester christlicher Tradition empfiehlt die Kirche nachdrücklich, den Leichnam der Verstorbenen auf dem Friedhof oder an einem anderen heiligen Ort zu beerdigen.

Im Gedenken an den Tod, das Begräbnis und die Auferstehung des Herrn – ein Geheimnis des Lichtes, in dem der christliche Sinn des Sterbens offenbar wird  – ist die Beerdigung die angemessenste Form, um den Glauben und die Hoffnung auf die leibliche Auferstehung zum Ausdruck zu bringen.

Die Kirche, die den Christen während seiner Pilgerschaft auf Erden als Mutter begleitet hat, bietet in Christus dem Vater das Kind seiner Gnade an und senkt voll Hoffnung auf die Auferstehung in Herrlichkeit dessen sterbliche Überreste in die Erde.

Indem die Kirche den Leichnam der Verstorbenen beerdigt, bekräftigt sie den Glauben an die Auferstehung des Fleisches.  Zugleich möchte sie so die hohe Würde des menschlichen Leibes als wesentlicher Teil der Person, dessen Geschichte der Leib teilt, ins Licht stellen.  Sie kann deshalb nicht Haltungen oder Riten erlauben, die falsche Auffassungen über den Tod beinhalten, etwa wenn er als endgültige Vernichtung der Person, als Moment ihrer Verschmelzung mit der Mutter Natur oder dem Universum, als Etappe im Prozess der Reinkarnation oder als endgültige Befreiung aus dem „Gefängnis“ des Leibes verstanden wird.

Zudem entspricht die Beerdigung auf dem Friedhof oder an einem anderen heiligen Ort in angemessener Weise der Ehrfurcht und Achtung, die den Leibern der Verstorbenen gebührt, welche durch die Taufe Tempel des Heiligen Geistes geworden sind und derer sich „der Geist wie eines Werkzeuges oder einer Vase bedient hat, um viele gute Werke zu vollbringen“.

Der gerechte Tobit wird wegen seiner Verdienste gelobt, die er sich vor Gott aufgrund der Beerdigung der Toten erworben hat.  Die Kirche sieht in der Bestattung der Verstorbenen ein Werk der leiblichen Barmherzigkeit.

Schließlich fördert die Beerdigung der heimgerufenen Gläubigen auf dem Friedhof oder an einem anderen heiligen Ort das Andenken und das Gebet für die Verstorbenen durch die Angehörigen und die ganze christliche Gemeinschaft, wie auch die Verehrung der Märtyrer und der Heiligen.

Durch die Beerdigung des Leichnams auf Friedhöfen, in Kirchen oder in der Nähe der Kirchen hat die christliche Tradition die Gemeinschaft zwischen den Lebenden und den Toten bewahrt und sich der Tendenz entgegengestellt, das Sterben und dessen Bedeutung für die Christen zu verschleiern oder zu privatisieren.

4. Wo Gründe hygienischer, ökonomischer oder sozialer Natur dazu führen, sich für die Feuerbestattung zu entscheiden – eine Wahl, die nicht dem ausdrücklichen oder vernünftigerweise angenommenen Willen des verstorbenen Gläubigen entgegenstehen darf –, sieht die Kirche keine lehrmäßigen Gründe, um diese Praxis zu verbieten. Denn die Einäscherung des Leichnams berührt nicht die Seele und hindert die Allmacht Gottes nicht daran, den Leib aufzuerwecken. Sie beinhaltet deshalb an sich nicht die Leugnung der christlichen Lehre über die Unsterblichkeit der Seele und die Auferstehung des Leibes.

Die Kirche bevorzugt weiterhin die Beerdigung des Leichnams, die eine größere Wertschätzung für die Verstorbenen zeigt. Aber die Feuerbestattung ist nicht verboten, „es sei denn, sie ist aus Gründen gewählt worden, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen“.

Wenn keine Gründe vorliegen, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen, begleitet die Kirche – nach der Begräbnisfeier – die Wahl der Feuerbestattung durch entsprechende liturgische und pastorale Hinweise und sorgt sich besonders auch darum, jede Form des Ärgernisses oder der religiösen Gleichgültigkeit zu vermeiden.

5. Wenn aus legitimen Gründen die Wahl der Feuerbestattung getroffen wird, ist die Asche des Verstorbenen in der Regel an einem heiligen Ort aufzubewahren, also auf einem Friedhof oder, wenn es angebracht ist, in einer Kirche oder an einem für diesen Zweck von der zuständigen kirchlichen Autorität bestimmten Ort.

Von Anfang an haben die Christen danach verlangt, dass die christliche Gemeinschaft für ihre Verstorbenen betet und ihrer gedenkt. Ihre Gräber wurden Orte des Gebetes, des Andenkens und der Besinnung. Die verstorbenen Gläubigen gehören zur Kirche; denn sie glaubt an die Gemeinschaft „derer, die hier auf Erden pilgern; derer, die nach Abschluss des Erdenlebens geläutert werden; und derer, die die himmlische Seligkeit genießen; sie alle bilden zusammen die eine Kirche“.

Die Aufbewahrung der Asche an einem heiligen Ort kann dazu beitragen, dass die Gefahr verringert wird, die Verstorbenen dem Gebet und dem Gedenken der Verwandten und der christlichen Gemeinschaft zu entziehen. Auf diese Weise wird auch vermieden, dass man sie möglicherweise vergisst oder es an Ehrfurcht fehlen lässt, vor allem, wenn die erste Generation nicht mehr lebt, oder dass es zu unangemessenen oder abergläubischen Praktiken kommt.

6. Aus den oben angeführten Gründen ist die Aufbewahrung der Asche im Wohnraum nicht gestattet. Nur im Fall von schwerwiegenden und außergewöhnlichen Umständen, die von kulturellen Bedingungen lokaler Natur abhängen, kann der Ordinarius im Einvernehmen mit der Bischofskonferenz oder der Bischofssynode der katholischen Ostkirchen die Erlaubnis für die Aufbewahrung der Asche im Wohnraum gewähren. Die Asche darf aber nicht unter verschiedenen Familien aufgeteilt werden, und in jedem Fall müssen Ehrfurcht und angemessene Bedingungen der Aufbewahrung gewährleistet sein.

7. Um jegliche Zweideutigkeit pantheistischer, naturalistischer oder nihilistischer Färbung zu vermeiden, ist es nicht gestattet, die Asche in der Luft, auf dem Land oder im Wasser oder auf andere Weise auszustreuen oder sie in Erinnerungsgegenständen, Schmuckstücken oder anderen Objekten aufzubewahren. Denn für diese Vorgangsweisen können nicht die hygienischen, sozialen oder ökonomischen Gründe angeführt werden, die der Wahl der Feuerbestattung zugrunde liegen können.

8. Falls sich der Verstorbene offenkundig aus Gründen, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen, für die Feuerbestattung und das Ausstreuen der Asche in der Natur entschieden hat, ist das kirchliche Begräbnis nach Maßgabe des Rechts zu verweigern.

Papst Franziskus hat in der dem unterzeichneten Kardinalpräfekt am 18. März 2016 gewährten Audienz die vorliegende Instruktion, die in der Ordentlichen Versammlung dieser Kongregation am 2. März 2016 beschlossen worden war, approbiert und ihre Veröffentlichung angeordnet.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, am 15. August 2016, Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel.

 

Gerhard Kardinal Müller, Präfekt

Erzbischof Luis F. Ladaria, S.J, Sekretär

 

(rv 25.10.2016 mg)

Kardinal Joseph Ratzinger: WAS IST ES MIT DEM TOD?

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PREDIGT VON KARD. JOSEPH RATZINGER
IN MONTECASSINO FÜR DIE
PÄPSTLICHE AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN

Im November, während wir das große Sterben in der Natur erleben, spricht die Liturgie von unserem eigenen Sterben. Zur Frage nach dem rechten Leben gehört auch die Frage nach dem rechten Sterben. Wenn wir den Tod verdrängen müssen, dann werden wir auch mit dem Leben nicht recht umzugehen lernen. Leben und Sterben gehören zusammen, das Leben kann nur gelingen, wenn wir auf rechte Weise dem Tod entgegenzugehen vermögen.

Was ist es mit dem Tod? Was bedeutet er über seine biologische Gesetzlichkeit hinaus für die Ganzheit unseres menschlichen Lebens? Im Alten Testament hat sich eine Antwort darauf erst langsam entwickelt – Gott führt den Menschen sozusagen behutsam, Schritt für Schritt in die Geheimnisse des Lebens ein, zu denen das Geheimnis des Todes gehört. Die Vorstellung in den frühen Büchern des Alten Testaments ist derjenigen sehr ähnlich, die wir beispielsweise bei Homer für die griechische Welt vorfinden können. Im Tod steigt danach der Mensch ins Reich der Schatten hinab – irgendwie gibt es noch etwas von ihm, aber diese Existenz ist eine Un-Existenz, mehr Nichtsein als Sein. Die eigentliche Antwort, die Gott den Menschen geben wollte, ist nur langsam in Sicht gekommen: Sie ist im Ringen mit dem Leid im Beten Israels langsam gereift. Sie hat zunächst noch gar keine feste Gestalt, keine Form einer philosophischen Anthropologie, sondern ist nur als unfaßbare und gerade so erschütternde und heilende Gewißheit im Stehen vor Gott, im Sprechen mit ihm inmitten einer unverständlichen Welt aufgeblitzt. Ich bringe dafür zwei Beispiele.

Das eine ist der Psalm 73, ein Lieblingspsalm des hl. Augustinus, der darin sein ganzes eigenes Fragen, Leiden und Hoffen wiedererkannte. Die frühe Weisheit Israels war davon ausgegangen, daß es dem guten Menschen – wenn auch durch Phasen der Prüfung hindurch – gut geht, und daß die Schlechtigkeit den Menschen ruiniert, ihre Strafe sozusagen in sich selber trägt. In den Schrecknissen der Geschichte Israels als Volk wie im Leiden der einzelnen gläubigen Menschen war dieser Optimismus allmählich unwiderruflich zerbrochen. Nein, die Hochmütigen, die Habsüchtigen, die Verächter Gottes sind die Erfolgsmenschen, sie sind reich und fett und können über den Gläubigen herfallen und ihn verhöhnen. Und die Gläubigen, die Gottes Willen folgen, nicht von der Wahrheit und nicht von der Gerechtigkeit abweichen: Sie sind die Marginalisierten in der Geschichte, deren Leben Jesus im Bild des armen Lazarus zusammengefaßt hat, der vor der Tür des Reichen sitzt und schon dankbar wäre für die Brosamen, die vom Tisch des Reichen abfallen. Diese Erfahrung beschreibt der Beter des Psalms 73 – sie ist seine Lebenserfahrung. Am Ende fragt er: »Habe ich also umsonst mein Herz lauter bewahrt?« (Vers 13). Er geht in den Tempel, um zu beten, und nun wird ihm Einsicht: »Als ich mein Herz verbitterte… da war ich töricht und ohne Einsicht, wie ein Riesenvieh vor dir. Nun aber bin ich immer bei dir… Wen habe ich im Himmel neben dir? Neben dir begehre ich nichts auf Erden. Mein Herz und mein Fleisch schwinden dahin, aber mein Anteil bleibt Gott auf ewig« (Vers 21–26). Der Beter macht sozusagen die Erfahrung der Absolutheit der Liebe: Das Gute über allen Gütern ist das Geliebtsein von Gott, das nicht vergeht. Es ist das eigentliche Gut. Die anderen Güter kommen und vergehen, sie erscheinen nun in ihrer ganzen Relativität. Das wirkliche Gut ist es, mit ihm zu sein, von seiner Hand gehalten. Und diese Hand läßt mich nicht los. Da ist kein Neid mehr nötig auf das Glück der Reichen. »Die Nähe zum Herrn ist mein köstliches Gut« (Vers 28) – kein Lohngedanke ist da, der das Gute nur tun will, weil es sich lohnt, sondern einfach das Frohwerden im Angesicht dessen, der als das wirkliche Gut erfahren wird, das zugleich als unzerstörbar erkannt wird: Die Hand Gottes hält mich auf immer, im Tod und im Leben.

Die zweite Stelle, die ich erwähnen möchte, ist das Hoffnungsbekenntnis des Ijob in einem Abgrund von Leiden. »Erbarmt, erbarmt euch, ihr meine Freunde, denn Gottes Hand ist’s, die mich traf. Warum verfolgt ihr mich wie Gott, seid unersättlich ihr nach meinem Fleisch?« (19,21f.). In dieser Situation, in der Ijob von allen verlassen und verachtet sein Leben verwünscht, bricht sein Glaube an den wirklichen, den verborgenen Gott durch: Er appelliert an den wirklichen Gott gegen den verfolgenden Gott, und da wird ihm eine wundervolle Gewißheit geschenkt: »Ich weiß, daß mein Erlöser lebt … Ohne meine Haut, die so zerfetzte, und ohne mein Fleisch werde ich Gott schauen… Meine Augen werden ihn sehen…« (19,25ff.). In der Hölle seines Leidens wird es dem betenden und glaubenden Ijob gegen allen Anschein, gegen den Gottesschrecken, der ihn befallen hat, klar: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und ich werde ihn schauen. Ich weiß, daß der Gott, der mich scheinbar quält, in Wahrheit der erlösende Gott ist, auf den ich setzen darf und dessen Liebe mich durch die Nacht des Leidens und des Todes hindurchträgt.

Ich glaube, es ist wichtig zu sehen, daß im Alten Testament nicht zunächst aus einer durchgeführten Anthropologie heraus ein Unsterblichkeitsglaube entsteht, sondern daß die Begegnung mit Gott, dem unbegreiflichen und doch zutiefst verläßlich guten Gott, dem Menschen den Halt gibt, der ihn auch über den Tod hinüberträgt und der ihm daher auch im Leben den rechten Weg zeigt.

Erst in den späten Schichten des Alten Testaments, bei Daniel und in der Jesaja-Apokalypse erscheint dann ganz klar die Hoffnung auf die Auferstehung, die freilich im einzelnen weder ihrer Ausdehnung noch ihrer Art nach beschrieben wird. Die Kraft dieses Auferstehungsglaubens sehen wir in der Lesung aus dem späten zweiten Makkabäer-Buch, die wir eben gehört haben: Die Gewißheit der Auferstehung wird die Kraft zum Widerstand gegen den Tyrannen, sie wird die Kraft zum guten Leben und die Kraft, auch um den Preis des eigenen Lebens zum Wort Gottes zu stehen, weil dieses Wort eben die eigentliche Macht ist, die Leben schenkt, das wirkliche Leben über den Tod hinaus und jenseits des Todes.

Das Ringen um die Frage nach Tod und Leben ging in Israel freilich weiter – es ist ja im Letzten auch unser nie ganz abgeschlossenes Ringen. Auch wir müssen immer neu und in immer neuen Lebenszusammenhängen die Antwort erlernen, so daß sie unser Leben formen kann. Das Evangelium dieses Tages läßt uns einen wichtigen Ausschnitt dieses Ringens sehen und schenkt uns die Antwort Jesu, deren Tiefe wir freilich auch erst immer neu ertasten müssen.

Das Evangelium zeigt uns die zwei Hauptpositionen des Judentums der Zeit Jesu. Da ist zum einen die Priesteraristokratie der Sadduzäer, die zugleich traditionalistisch und rationalistisch denkt. Sie sieht nur die Thora, die fünf Bücher Mose, als kanonisch an und lehnt daher die späteren Entwicklungen der Glaubensgeschichte Israels ab, zu denen auch der Auferstehungsglaube gehört. Dieser war hingegen bei den Pharisäern und auch in breiten Volksschichten bestimmend und hat vor allem im Volksglauben ganz ähnlich wie später im islamischen Volksglauben phantastische und grob sinnliche Züge angenommen. Ein gefeierter Schriftgelehrter meinte beispielsweise: Dereinst – nach der Auferstehung – wird die Frau jeden Tag gebären. Die Auferstehungswelt erscheint so als eine geradezu ins Sinnlose übersteigerte Verdoppelung dieser Welt. Dagegen konnten die Sadduzäer leicht polemisieren.

Das Evangelium zeigt uns ein Beispiel, wie sie einen so entstellten Auferstehungsglauben ins Lächerliche zogen. Weil sie nur die fünf Bücher Mose als kanonisch anerkannten, mußte Jesus aus diesen Büchern argumentieren, um den Auferstehungsglauben zu rechtfertigen – was vom Textbefund her ganz aussichtslos erscheinen muß. Aber zunächst rückt Jesus die Vorstellungen von der Auferstehung zurecht. Die Auferstehungswelt ist nicht ein Doppel der Unseren: Fortpflanzung und Tod gehören zusammen; wo es keinen Tod gibt, gibt es auch keine Fortpflanzung mehr. Die Auferstandenen sind neue Menschen, »Gottessöhne« geworden. Sie leben in der Weise Gottes, im Sein vor Gott, mit Gott und zu Gott hin. Das »Sein wie Gott«, das der Mensch im Paradies suchte und das er immerfort sucht – der Schrei nach völliger Freiheit in unserer Zeit ist ein Schrei nach Göttlichkeit –, das ist ihnen gegeben. Ein solches Leben entzieht sich unserer Vorstellung, aber das Eine wissen wir, daß Gottes Sein wesentlich Wahrheit und Liebe ist. Dann ahnen wir auch, daß das künftige Leben einfach Angehaltensein an Wahrheit und Liebe und so Angehaltensein an Gott ist.

Gerade dies aber verdeutlicht der Herr in seinem Schriftbeweis für die Auferstehung. Mose nennt »den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Israels und den Gott Jakobs … Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden, denn für ihn sind alle lebendig« (Lk 20,38). Diese Begründung der Auferstehung, des ewigen Lebens, ist überraschend. Der Herr begründet es von der Gottesgemeinschaft des Menschen und führt damit genau die Linie fort, die wir besonders im Psalm 73 gefunden hatten.

Abraham, Isaak und Jakob haben als Freunde Gottes gelebt, im ständigen Gespräch mit ihm, im Mitgehen mit ihm, und so sind sie geradezu zu Namen Gottes geworden: Der Verweis auf sie klärt, um welchen Gott es sich handelt, wer Gott ist und wie Gott ist. Sie gehören zu ihm, und wenn sie Gott zugehören, wenn ihre Verbindung mit ihm das Wesentliche ihres Lebens ist, dann gehören sie dem Leben selbst zu. Weil sie an Gott angehalten sind, können sie nicht ins Nichts fallen. Sie leben ein Leben, das stärker ist als der Tod. Jesus gibt uns eine dialogische, eine relationale Begründung der Unsterblichkeit. Das Leben des Menschen reicht nicht deswegen über den Tod hinaus, weil etwa die Seele in sich unteilbar und darum unzerstörbar wäre, wie die griechische Philosophie die Unsterblichkeit begründete. Das In-Beziehung-Stehen macht den Menschen unsterblich.

Menschliche Liebe ist auf Unendlichkeit angelegt, kann sie aber nicht geben. Die Liebesgemeinschaft mit Gott gibt, was der Liebe wesentlich ist: Dieser Dialog bricht nicht ab. Durch das Mitsein mit ihm sind wir im Eigentlichen, im unzerstörbaren Leben. Indem Jesus auf Abraham, Isaak und Jakob als Menschen verweist, die Gottes sind und daher lebendig sind, sagt er uns: Halte dich im Leben an das, was nicht vergeht und verfällt. Halte dich an die Wahrheit, an das Gute, halte dich an die Liebe, halte dich an Gott. Und von Christus selber her könnten wir nun sagen: Halte dich an den auferstandenen Christus an, dann hängst du am Leben, und dann lebst du wirklich – dann lebst du jetzt schon das wahre Leben, das ewige Leben.

Jesus lehrt uns also nicht irgendwelche mysteriöse Dinge über das Jenseits. Er weist uns ins rechte Leben ein. Seine dialogische Begründung der Unsterblichkeit sagt uns, wie wir jetzt leben müssen, wie wir das wahre Leben finden, das ewig ist. Was er uns von der Auferstehung sagt, ist durchaus praktisch; indem er den Tod deutet, zeigt er, wie das Leben geht. Von da aus können wir auch das Buch der Makkabäer neu lesen. Wer die rechten Güter, das wahre Gut – Gott – kennengelernt hat, der kann die relativen Güter fallen lassen. Der weiß, daß er auch das biologische Leben riskieren kann und darf, daß er nicht ins Nichts fällt, weil er so gerade das rechte Leben ergreift. Er weiß, daß das wahrhaft Gute der wahrhaft Gute ist und daß Er unsere Hand nicht losläßt. Bitten wir den Herrn, daß wir recht zu leben lernen. Amen.

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