Ägpyten: Etwa sechzig Kirchen geschlossen

Straßenszene in Mina Habib (Minya)

Die deutsche „Gesellschaft für bedrohte Völker“ wirft den ägyptischen Behörden vor, die Religionsfreiheit koptischer Christen willkürlich einzuschränken. Mindestens 58 christliche Kirchen seien in den letzten Monaten auf staatliche Anordnung hin geschlossen worden, angeblich aus Sicherheitsgründen, so der von Göttingen aus operierende Verband. Er spricht von einem „massiven Eingriff in die Glaubensfreiheit“ koptischer Christen im mehrheitlich islamischen Ägypten.

Viele der geschlossenen Kirchen liegen nach Angaben des Verbands in von Kopten bewohnten Dörfern in Oberägypten. Muslime aus der Nachbarschaft hätten gegen die Kirchen protestiert, und die Kirchen seien von Sicherheitskräften angeblich nicht wirksam vor Terrorangriffen zu schützen. Landesweit haben die Behörden nach Angaben des Verbands seit 2012 insgesamt 67 Kirchen geschlossen, davon allein 15 im Bezirk Minya. Nur neun Gotteshäuser seien seither wiedereröffnet worden.

(pm 12.09.2017 sk)

Zentralafrikanische Republik: 40 Tote bei Anschlag auf Missionsstation „Wir gehen durch die Wüste. Aber verlieren nicht die Hoffnung“

Bischof Juan José Aguirre / © ACN

Mitte August verübten Angehörige der „Seleka“, einem Sammelbecken islamistischer Kampfeinheiten, einen Anschlag auf eine Missionsstation in Gambo im Westen der Zentralafrikanischen Republik: Mindestens 40 Menschen kamen dabei ums Leben. Der zuständige Bischof Juan José Aguirre aus Bangassou sieht das ganze Land von Terror und Bürgerkrieg zerrissen. Viele Menschen seien auf der Flucht. Im Interview mit Josué Villalón vom weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ schildert er, dass die Christen auch für Muslime Partei ergriffen hätten, da diese den Kämpfen schutzlos ausgeliefert gewesen seien. Von der Weltgemeinschaft erhofft er eine Unterstützung der zentralafrikanischen Armee – und tatkräftige Hilfe beim Wiederaufbau, damit die Geflüchteten zurückkehren können.

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Josué Villalón: Herr Bischof, vor rund zwei Wochen wurde die Missionsstation in Gambo angegriffen. Es gab zahlreiche Tote. Können Sie uns genaueres dazu sagen?

Bischof Juan José Aguirre: Die Lage ist schrecklich. Es sind wohl um die 40 Tote. Ihnen wurde die Kehle durchgeschnitten. Und jetzt verwesen sie unter freiem Himmel, denn sie konnten aufgrund der Sicherheitslage noch nicht bestattet werden. Das halbe Dorf Gambo ist niedergebrannt, die Kirche und das Pfarrhaus geplündert und in Brand gesteckt. Wir haben Lebensmittel und Nothilfen hingeschickt. Der Wiederaufbau wird schwer. 2000 Menschen sind geflohen und sind jetzt hier in Bangassou untergekommen.

Die Zentralfrikanische Republik kommt nicht zur Ruhe. Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage?

Bischof Juan José Aguirre: Was zurzeit geschieht, kann nur verstanden werden, wenn man sich die Anschläge der islamistischen „Seleka“-Truppen von 2013 vor Augen führt. Damals besetzten sie die Hälfte der Zentralafrikanischen Republik – unterstützt von der Regierung des Nachbarlands Tschad und finanziert von den reichen Erdöl-Staaten. Seitdem steht unser Land Kopf. Auch jetzt, vier Jahre später, konnten weder unsere Regierung noch die stationierten UN-Truppen die Seleka endgültig aus dem Land drängen. Im Gegenteil: Sie haben bisweilen sogar gemeinsame Sache mit ihnen gemacht. Nun haben viele junge Menschen unseres Landes die Sache selber in die Hand genommen und zu den Waffen gegriffen, um die Seleka zu bekämpfen. Sie nennen sich „Anti-Balaka“. Der Konflikt weitet sich aus: Muslime, Nicht-Muslime, Anhänger von traditionellen Religionen und nichtchristlichen Sekten bekämpfen sich gegenseitig. In meiner Bischofsstadt mussten wir sogar Muslime beschützen, die angegriffen wurden und sich in einer Moschee verschanzt hatten, darunter viele Frauen und Kinder.

Was konnten Sie tun, um ihnen zu helfen?

Bischof Juan José Aguirre: Wir haben sie ins Priesterseminar unserer Diözese gebracht, wo sie jetzt immer noch wohnen. Insgesamt unterstützen wir mithilfe von verschiedenen Organisationen mehrere tausend Flüchtlinge, Christen wie Nichtchristen. Allerdings haben einige humanitäre Organisationen das Land nach der Zunahme der Kämpfe in den letzten Monaten verlassen – und sind nicht mehr zurückgekommen. Gott allein weiß, wie wir aus dieser Sackgasse wieder herauskommen.

Sie konnten vor kurzem Flüchtlinge besuchen, die im Kongo Zuflucht gefunden haben. Erzählen Sie uns davon!

Bischof Juan José Aguirre: Im Grenzgebiet halten sich rund 17 000 Geflüchtete auf. 1000 von ihnen konnte ich bei einem Gottesdienst treffen, mit ihnen reden, ihnen Hoffnung machen. Aber die Menschen sind schon sehr verzweifelt. Oft konnte ich gar nichts sagen, nur schweigen und zuhören. Die Menschen warten, bis sich die Lage in Bangassou gebessert hat. Sie wollen zurückkommen. Aber sie müssen bei Null anfangen, denn die Felder sind zerstört, die Häuser niedergebrannt. Wir haben nur noch den Trost Gottes, oder, wenn er nicht zu uns spricht, sein Schweigen.

Was ist aus Ihrer Sicht jetzt am dringendsten erforderlich?

Bischof Juan José Aguirre: Wir brauchen einen zentralafrikanischen Gouverneur in Bangassou und eine durchsetzungsfähige Nationalarmee, um die Disziplin durchzusetzen. Es gibt zwar Soldaten, aber sie klagen darüber, dass sie keine ausreichendenden Waffen haben. Die Rebellengruppen aber haben Waffen, die über die Nachbarländer eingeschmuggelt werden – zum Teil mithilfe multinationaler Konzerne. Viele bereichern sich an den Waffengeschäften! Die Folgen erleben wir hier: Ein brutaler Konflikt, ohne dass der Staat etwas entgegensetzen kann. Wir gehen durch die Wüste. Aber verlieren nicht die Hoffnung.

Um die pastorale Arbeit sowie die Flüchtlingshilfe der Kirche in der Zentralafrikanischen Republik weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Zentralafrikanische Republik

(Quelle: KiN)

Kardinal Marx: Töten im Namen von Religion ist unerträglich

Einmal mehr ist Europa erschüttert: Blumen an der Spanischen Botschaft in Berlin

Fassungslos: So reagiert der Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft ComECE, Kardinal Reinhard Marx, auf die Anschläge von Spanien in Barcelona und Cambrils. In einem Kondolenz-Schreiben an den Erzbischof von Barcelona, Kardinal Juan José Omella Omella übermittelt Marx den Verletzten und Angehörigen der im Namen der Bischöfe Europas sein „tief empfundenes Mitgefühl“. „Menschen, die Familie hatten und Freunde, die gelacht oder miteinander Pläne geschmiedet haben, Menschen mit Träumen und Visionen. Sie alle wurden ohne Vorwarnung und ohne Anlass aus dem Leben gerissen.“

Die Brutalität der Anschläge entsetze ihn, „dass die Terroristen im Namen der Religion „Ungläubige“ töten, ist unerträglich.“ Kardinal Marx betont die Wichtigkeit des Zusammenhalts der Gesellschaft angesichts der Gewalt durch den Terror. „Wir Christen sind herausgefordert, aufeinander Acht zu geben, destruktiven Ideologien entgegenzutreten und für Menschenwürde und Solidarität einzustehen.“

(pm 10.08.2017 ord)

Kampf um die Deutungshoheit

Muslime beim Freitagsgebet in der Zentralmoschee in Köln. Foto: dpa

Wie Vertreter des Islam und ihre Sympathisanten versuchen, Begriffe zu besetzen und damit die Stimmung zu erzeugen, allein Muslime seien Opfer von Diskriminierung. Von Klemens Ludwig

Es vergeht kaum eine Islamdebatte, die nicht von einem Wort dominiert wird, „Islamophobie!“. Vertreter von Muslim-Verbänden benutzen es geradezu inflationär, aber auch unter Nicht-Muslimen ist es ein gängiger Begriff geworden, sogar unter Opfern radikal-islamischer Gewalt. Stéphane Charbonnier, Chefredakteur der Zeitschrift Charlie Hebdo, hatte kurz vor seiner Ermordung am 7. Januar 2015 die „Islamophobie“ angeprangert.

Eine Phobie ist bekanntlich eine irrationale Angststörung ohne eine „adäquate äußere Bedrohung“. Damit ist der Islam-Lobby ein bedeutender semantischer Erfolg gelungen: Kritik am Islam ist eine Art Psychose ohne Grundlage. Das ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Jede Kritik am Islam soll pathologisiert werden. Dabei kann sich fundierte Islamkritik jedem Faktencheck stellen, um einen anderen populären Begriff ins Spiel zu bringen: Dass zum Beispiel in nur einem der 57 mehrheitlich islamischen Staaten die Weltreligionen rechtlich gleichgestellt sind; dass vor allem in der arabisch-islamischen Welt ein ausgeprägter Antisemitismus herrscht, der durch die Migration auch in Europa einen erheblichen Aufschwung genommen hat; dass Glaubenswechsel hart bestraft und gleichzeitig aktive Missionierung betrieben wird; dass es in keiner Kultur eine so stark ausgeprägte Homophobie gibt, die Homosexuelle brutal kriminalisiert bis hin zur Todesstrafe; dass Mann und Frau schon an der Basis des Glaubens, dem Koran, nicht gleichgestellt sind, was sich in der Gesetzgebung vieler mehrheitlich islamischer Staaten niederschlägt… Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen, aber hier geht es in erster Linie um die semantische Propaganda, ihre Erfolge und Motive.

Und noch etwas ist bemerkenswert: Andere Religionen haben offenbar keine pathologischen Kritiker. Das Wort „Christophobie“ gibt es nicht, ebenso wenig wie „Buddhophobie“. Dabei hätten die orientalischen Christen bei den Lebensbedingungen der Muslime in Europa das Gefühl, das Himmelreich auf Erden sei angebrochen; und das nicht erst seit dem Wüten des IS. Auch offizielle Vertreter der Staaten mit islamischer Mehrheit schüren die Christophobie, ohne dass die organisierten Christen in Europa daran Anstoß nehmen. Zur Frage, ob christliche Missionare auf den Trümmern der zerstörten Kirchen und ermordeten Christen in der Türkei neue Gemeinden aufbauen dürfen, schrieb das Amt für religiöse Angelegenheiten der Erdogan-Regierung. „Die Missionare wollen unseren jungen Leuten den Glauben stehlen.“ Christophob? Der Vorwurf wurde noch nie gegenüber Erdogan und seiner AKP-Partei erhoben. Und was in diesem Fall beinah schon wie Real-Satire klingt: Das gleiche Amt schickt Jahr für Jahr 700 Imame nach Deutschland, die in den Moscheen der Ditib dafür sorgen, dass Erdogans Linie auch für die deutschen Muslime türkischer Herkunft der Maßstab ist. Der Erfolg hat sich beim türkischen Verfassungsreferendum gezeigt.

Auch wenn in Pakistan, Ägypten, Algerien oder dem Irak Christen aus dem einzigen Grund ermordet, entführt oder vertrieben werden, weil sie Christen sind, sieht niemand Christophobie am Werk.

Ähnliches gilt für das buddhistisch-islamische Verhältnis. Im Süden Thailands werden buddhistische Mönche immer wieder Opfer fanatisch-islamischer Patani, die sich von der Zentralregierung loslösen wollen. Auch als die Taliban die 1 500 Jahre alten Buddha-Statuen von Bamiyan gesprengt haben, weil sie darin nur „ein paar Gesteinsbrocken“ sahen und ein Appell der UNESCO an die islamische Welt, die Barbarei zu verhindern, ungehört verhallte, empörte sich niemand über buddhophobe Tendenzen im Islam.

Ein anderer Begriff, mit dem jede Islamkritik im Keim erstickt werden soll, lautet „antiislamischer Rassismus“, der es inzwischen sogar auf einen Buchdeckel geschafft hat. Gäbe es so etwas, müsste der Islam den Anspruch haben, eine bestimmte ethnische Gruppe („Rasse“) zu repräsentieren, die sich von anderen abgrenzt. Genau das aber widerspricht seinem Wesen fundamental, will er doch alle Menschen erreichen. Und selbst wenn man es nicht nur biologisch sieht, so ist Rassismus ein Phänomen, Menschen „tendenziell in unüberschreitbare Klassen einzuteilen und sie dann zu hierarchisieren“ (Prof. Pierre-André Taguieff). Überzeugender kann „antiislamischer Rassismus“ nicht widerlegt werden, denn die religiöse Zugehörigkeit ist nicht „unüberschreitbar“.

Aber es geht nicht um einen offenen Diskurs, sondern um Stimmungsmache. Wenn Islamkritiker unter den Generalverdacht des Rassismus gestellt werden, sind sie moralisch erledigt.

Lässt sich die eine oder andere Schattenseite im Islam dennoch nicht völlig wegdiskutieren, hat sich eine Unterscheidung eingebürgert, die einzuhalten zwingend geboten ist, um nicht gleich als „antiislamischer Rassist“ entlarvt zu werden: Der Unterschied zwischen „islamisch“ und islamistisch“.

Allgemein gilt, „islamisch“ ist die korrekte Auslegung des Korans; „islamistisch“ die Variante von Fanatikern, die den Koran „pervertieren“, wie das Zentralkomitee der deutschen Katholiken meint.

Nun mag es durchaus sinnvoll sein, einen Sufi-Mystiker von einem IS-Kämpfer abzugrenzen, doch einen solchen Unterschied gibt es wiederum nur für den Islam. In Indien werden die Fanatiker um die RSS (Nationale Freiwilligenorganisation), die alle Nicht-Hindus am liebsten aus dem Subkontinent vertreiben möchten und auch den Mörder Gandhis beeinflusst haben, ebenso „hinduistisch“ genannt, wie ein Guru in einem Ashram von Rishikesh, der täglich mehrere Stunden für den Weltfrieden meditiert, streng vegan lebt und einen Mundschutz trägt, um nur nicht versehentlich ein Insekt zu verschlucken. Warum werden die Militanten nicht zu Hindudisten? Oder die Minderheit der Buddhisten in Myanmar, die gegen die Muslime im Lande hetzt, nicht zu Buddhidisten?

Noch etwas fällt an dieser Debatte auf: Wenn es um den Islam geht, wird eine Differenzierung verlangt, die am Ende kaum noch Raum für Kritik lässt. Dabei stehen viele Christen in der ersten Reihe. Dieser Tage schrieb der junge Theologe Lukas Wiesenhütter aus Paderborn in einem Gastbeitrag der Süddeutschen Zeitung: „Der Islamwissenschaftler Omid Safi hat einen genialen Satz geschrieben: ,Der Islam steht morgens nicht auf, der Islam putzt sich nicht die Zähne.‘“ Welch ein Unsinn! Auch der Katholizismus und die Gewerkschaftsbewegung stehen morgens nicht auf. Und weder der Kolonialismus noch der Kommunismus haben sich morgens die Zähne geputzt. Dennoch dürfen sie kritisiert werden.

Noch weiter ging der Präsident der Jesuiten-Hochschule für Philosophie in München, Prof. Michael Bordt SJ, in einem Radio-Interview: „Es ist unverantwortlich, arabische Terroristen als Islamisten zu bezeichnen, weil damit der Islam, eine im Kern friedliche Religion, unter Generalverdacht gestellt wird.“ Wer so etwas behauptet, kann sich niemals vorurteilsfrei mit der Geschichte des Islam auseinandergesetzt haben. Neben all den Kriegszügen sei nur auf Mohammed selbst verwiesen, der aktiv an den Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft in Medina teilgenommen hat, bis hin zum Massaker an dem jüdischen Clan der Banu Quraiza, der sich seinem Anspruch widersetzt hat.

Pikanterweise pauschalieren häufig die gleichen Meinungsmacher, die jede Kritik am Islam als „Pauschalierung“ abtun, hemmungslos, wenn es um „unsere“ Verantwortung geht. Ein Sprachrohr für diese Haltung ist der ehemalige Politiker und Medienmanager Jürgen Todenhöfer: „Wie soll die muslimische Welt an unsere Werte Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaat glauben, wenn sie von uns nur Unterdrückung, Erniedrigung und Ausbeutung erlebt?“ Er schreibt wirklich „nur“. Dem wird die islamische Welt ebenso pauschal als Hort des Guten gegenübergestellt: „Anders als bei uns gibt es in der muslimischen Welt das Phänomen Fremdenfeindlichkeit überhaupt nicht. […] In Sachen Nächstenliebe, Familiensinn und Gastfreundschaft können wir viel von den Muslimen lernen.“ Ähnlich äußerte sich kürzlich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Ein prominenter Besucher aus Europa mag in der islamischen Welt solche Erfahrungen machen; zahllose Arbeitsmigranten aus Nepal, Sri Lanka, Indonesien oder den Philippinen machen in den arabischen Staaten ganz andere Erfahrungen. Fälle von täglicher Diskriminierung bis hin zu schwersten Misshandlungen sind gut dokumentiert. Die Behandlung der afrikanischen Glaubenbrüder und -schwestern, die auf dem Weg nach Europa in Libyen stranden, wird inzwischen offen als „Sklaverei“ angeprangert. Keine Fremdenfeindlichkeit? Nächstenliebe und Gastfreundschaft?

Auf andere Begriffe der semantischen Ideologisierung sei noch am Rande hingewiesen, so „Feindbild Islam“, eine weitere seit langem benutzte Vokabel, um jedwede Kritik im Keim abzuwürgen. Oder – besonders delikat – „selbsternannte Islamkritiker“. Wer, bitte, soll denn Kritiker ernennen? Etwa die Kritisierten selbst? Dies böte völlig neue Perspektiven im Kulturbetrieb, wenn Buchrezensionen und Theaterkritiken nicht mehr von den „selbsternannten Kritikern“ des Feuilletons verfasst werden, sondern nur noch von Personen, die Verlage und Schauspielhäuser dazu autorisieren. Auch Politiker würden sich viel Ärger ersparen, wenn sie sich nur noch der Kritik von Personen stellen müssten, die sie selbst dazu ernannt haben.

Es geht bei dieser Auseinandersetzung indes nicht um sprachliche Sensibilisierung. Es geht um Deutungshoheit. Den Vertretern des Islam und ihren Sympathisanten ist es gelungen, Begriffe zu besetzen und damit die Stimmung zu erzeugen, allein Muslime seien Opfer von Diskriminierung. Da jedoch die Situation aller nicht-islamischen Gemeinschaften in der islamischen Welt – diese Pauschalierung hält jedem Faktencheck stand – weitaus beklagenswerter ist als die der Muslime außerhalb ihres Herrschaftsbereichs, ist es eine sehr bequeme Opferrolle, mit der sich trefflich Politik machen lässt. Das demonstrieren die Islamverbände immer wieder aufs Neue. Die Alternative ist entschiedenes Eintreten für die Universalität von Religionsfreiheit, Toleranz und differenzierter Kritik, ohne die Angst, dafür moralisch verurteilt zu werden. Dann hätte vielleicht auch die zweitausendjährige Tradition der Christen im Orient eine Zukunft.

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Irak: Patriarch fordert Kampf gegen IS-Ideologie

Der chaldäische Patriarch Louis Raphael Sako I.

Der chaldäische Patriarch Louis Raphael Sako hat die Zerstörung der jahrhundertalten Al-Nuri-Moschee in der umkämpften irakischen Stadt Mossul durch die IS-Terrormiliz verurteilt. Damit werde nicht nur die Geschichte einer ganzen Stadt und eines Landes vernichtet, sondern auch „die Erinnerungen und die Kultur der Menschen“, sagte er der Nachrichtenagentur asianews. Die Terroristen des selbsternannten „Islamischen Staats“ hatten am Mittwoch die Moschee aus dem 12. Jahrhundert mit ihrem schiefen Minarett gesprengt.

Die Zerstörungen der Terrormiliz sei für ihn eine „Kultur des Todes“, erklärte das Oberhaupt der katholisch-chaldäischen Christen. Die „ganze Welt“ rief er auf, diese Ideologie zu bekämpfen und gegen sie zu handeln. Nachdem der IS zurückgedrängt worden sei, müsse jetzt den Irakern geholfen werden, die radikale Gesinnung und Lehre der Terroristen hinter sich zu lassen: „Nichts von dieser Ideologie darf erhalten bleiben. Das ist eine große Aufgabe und alle müssen mitarbeiten, um ein neues Kapitel anzufangen“, forderte Patriarch Sako und warnt zu gleich: Das Gedankengut der Extremisten sei noch immer präsent.

Nach der Rückeroberung größerer Gebiete im Norden des Iraks, in der Ninive-Ebene und dem Großteil Mossuls durch Regierungstruppen sowie deren Verbündeten sei sein Wunsch, dass die vertriebenen Menschen wieder zurückkehrten, sagte Sako gegenüber asianews. Seiner Beobachtung nach entwickele sich „eine neue Kultur“, die von der „Koexistenz und Vertrauen von Christen und Muslimen“ geprägt sei. „Jeder, auch die Muslime, sagen, dass die Christen zurückkehren sollen. Ohne sie wäre die Stadt nämlich nicht mehr die gleiche wie vorher“.

Im Jahr 2014 hatten die Dschihadisten die Millionenstadt Mossul unter ihre Kontrolle gebracht; es war der Beginn ihres Vormarsches auf weite Teile im Norden des Iraks und in Syrien. In der jetzt von ihnen gesprengten Al-Nuri-Moschee hatte ihr Anführer Bakr al Bagdadi das selbsternannte Kalifat „Islamischer Staat“ ausgerufen.

Inzwischen hat die irakische Armee Mossul fast vollständig wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Derzeit läuft eine Offensive auf die Altstadt, die noch immer von IS-Terroristen gehalten wird. Die Regierung in Bagdad beurteilte die Sprengung der Moschee als „Eingeständnis“ der Niederlage.

(asianews/rv 23.06.2017 fr)

Der Ausverkauf von Pfingsten an den Islam

BREDA, NETHERLANDS – MARCH 08: PVV Candidate, Geert Wilders is guarded by police as he speaks to the crowd, hands out pamphlets or flyers and poses for selfies on his election campaign near Van Coothplein on March 8, 2017 in Breda, Netherlands. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Am nächsten Sonntag feiern die Christen das Pfingstfest. Eine evangelische Kirche in den Niederlanden nutzt die Gelegenheit, die Abschaffung des öffentlichen Feiertags für den zweiten Pfingsttag vorzuschlagen. Die Niederländer haben diesen Feiertag seit 1815 offiziell genossen, doch die Kirche will ihn durch einen offiziellen Feiertag an Eid-al-Fitr ersetzen, der Tag, der das Ende des islamischen heiligen Monats Ramadan markiert.

Mit ihrem Vorschlag, sagt die christliche Gruppe, will sie „der Vielfalt der Religionen gerecht werden“. Das ist politisch korrektes Gewäsch. Beim Durchblättern der heutigen Zeitungen kann ich aber verstehen, warum viele Niederländer in festlicher Stimmung sind, sobald der Ramadan vorbei ist! In diesen Tagen sind die Schlagzeilen voller Vorfälle, die De Telegraaf, die führende Zeitung in den Niederlanden, als Ramadan rellen (Ramadan Ausschreitungen) beschreibt.

Angenommen, die Christen würden auf jährlicher Basis nach dem Verlassen der Kirche an Pfingsten zu randalieren beginnen, Eigentum zerstören, Brandstiftungen begehen, die Polizei angreifen und die Fenster der Nachbarn mit Steinen einschmeissen. Angenommen, die Polizei würde sich verpflichtet fühlen, die christliche Fastenzeit im Kalender als Tage erhöhter Spannungen zu markieren. Würden wir uns nicht zu fragen beginnen, was da am Christentum falsch ist?

Oder angenommen, jüdische Banden würden an Yom-Kippur ganze Stadtteile terrorisieren. Würden wir uns nicht fragen, was ihnen wohl in ihren Synagogen gelehrt wird? Oder würden wir es einfach akzeptieren, es sogar feiern als Indikatoren der kulturellen „Vielfalt“ unserer Gesellschaft?

Ich schreibe diese Zeilen in meinem Büro im niederländischen Parlament in Den Haag, kaum ein paar Minuten von dem Haus entfernt, wo der große holländische und jüdische Philosoph Baruch Spinoza aus dem 17. Jahrhundert lebte und starb. Spinoza gab der Welt eine Philosophie der Toleranz und Freiheit.

Was wir jedoch niemals tun sollten, ist, tolerant zu sein gegenüber Intoleranz. Denn wenn Toleranz zur Schlange wird, die ihren eigenen Schwanz verschlingt, wird es bald keine Freiheit mehr geben und die Intoleranz wird die Welt regieren. In der Tat sind wir fast da. Dreieinhalb Jahrhunderte nach Spinoza, in der Stadt, wo er lebte, schreibe ich diese Zeilen in einem schwer geschützten Bereich des Parlamentsgebäudes. Die Fenster sind milchig, die Türen sind gepanzert, und draußen stehen Polizisten. Sie sind da, um mich gegen die Intoleranz zu schützen, die in den letzten Jahrzehnten in unser Land eingetreten ist – eine Intoleranz, die weder christlich noch jüdisch oder weltlich ist, sondern islamisch. Ich bin kein Extremist, wenn ich das sage. Ich sage die Wahrheit. Und das ist meine Pflicht.

Denn hier ist die Krux der Sache: Wenn wir die freie und tolerante Gesellschaft bleiben wollen, die wir früher waren, müssen wir erkennen, dass der Westen eine konkrete Identität hat. Unsere Identität ist nicht islamisch, sondern basiert auf Judentum, Christentum und Humanismus. Unsere Freiheiten ergeben sich aus dieser Identität. Indem wir den Islam der Mittel berauben, unsere Identität zu zerstören, verletzen wir nicht die Freiheit; Wir bewahren unsere Identität und garantieren Freiheit.

Die schreckliche Situation, in der wir uns heute befinden, wird durch unsere Toleranz des Bösen verursacht. Wir sind zu tolerant gegenüber Intoleranz, wir sind zu tolerant gegenüber dem Islam. Wir denken, indem wir den Feinden der Feiheit Freiheit gewähren, dass wir der Welt beweisen, dass wir für die Freiheit einstehen. Aber in Wirklichkeit, indem wir uns weigern, unserer Toleranz Grenzen zu setzen, geben wir unsere Freiheit aus den Händen.

Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen die Idee von Rechten mögen, solange sie keinen Preis dafür zahlen müssen. Die politischen und medialen Eliten sind alle für das Aussprechen der Wahrheit, solange die „Wahrheit“ ein Klischee ist. Doch wenn Pflicht und Ehre ihnen gebieten, sich vor die Geschichte zu stellen und „Stop“ zu schreien, dann fliehen sie. Und jene, die ihre Pflicht tun, werden als Extremisten beschimpft, vor Gericht gezerrt, zum Schweigen gebracht.

Etwas früher heute habe ich gelernt, dass der niederländische Staatsanwalt in Den Haag eine Rede untersucht, die ich vor zwei Jahren in Wien gehalten habe. Er tut dies auf Antrag seines Kollegen, des Staatsanwaltes in Wien, der mich der Verhetzung beschuldigt. Letzteres ist in Österreich eine Straftat und ist vergleichbar mit Aufwiegelung.

Ich finde das wirklich unfassbar. Lassen Sie sie Banditen und Terroristen jagen, statt einen Politiker zu verfolgen, der über den Islam spricht. Es ist eine Schande, dass dies in der Stadt Spinozas geschieht, der nicht nur ein großer Verteidiger der Toleranz, sondern auch der Freiheit des Denkens und der Rede war. Spinozas Gesicht pflegte eine unserer Banknoten zu schmücken, als wir noch unsere eigene Währung hatten. Schade, dass dies heute nicht mehr der Fall ist.

Unglaublich auch, weil es das dritte Mal innerhalb weniger Jahre wäre, dass ich vor Gericht gebracht werden würde, weil ich Dinge gesagt habe, die die Eliten nicht hören wollen. Es ist ein juristischer Dschihad. Während die Eliten für die existenzielle Krise verantwortlich sind, in der wir uns derzeit befinden. Mit ihrer Politik der offenen Grenzen und einer beispiellosen Liebe zum Islam und ihrem kulturellen Relativismus sorgen sie für unseren völligen Ausverkauf und setzen unsere Freiheit und Sicherheit aufs Spiel. Sie haben das Erbe von Spinoza aufgegeben und den Totalitarismus des Mohammedanismus in unsere Nationen eingeführt. Ich sage: nicht länger. Es ist Zeit, unsere Pflicht zu tun und unsere Freiheit und die Freiheit unserer Kinder zu verteidigen.

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