24.10.1998 – Ansprache von Kardinal Ratzinger zum 10-jährigen Bestehen des Motu proprio Ecclesia Dei

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Zehn Jahre Motu proprio Ecclesia Dei – welche Bilanz können wir in diesem Augenblick ziehen?   Ich denke, zunächst und vor allem gibt es da Grund zur Dankbarkeit.   Die verschiedenen Gemeinschaften, die auf dem Boden des Motu proprio entstanden sind, haben der Kirche eine große Zahl von Priester- und Ordensberufen geschenkt, die mit Eifer und Freude und in tiefer innerer Einheit mit dem Papst den Dienst für das Evangelium in dieser Zeit tun.   Sie haben viele Gläubige in der Freude an der Liturgie und in der Liebe zur Kirche bestärkt oder sie neu geschenkt.   In nicht wenigen Bistümern der Welt vollzieht sich ihr Dienst in einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit den Bischöfen und in einem guten, brüderlichen Verhältnis mit den Gläubigen, die sich in der erneuerten Form der Liturgie zu Hause fühlen.   All dies muß in dieser Stunde Grund zur Dankbarkeit sein.

Aber es wäre unrealistisch zu verschweigen, daß es an vielen Orten nach wie vor Schwierigkeiten gibt, weil Bischöfe, Priester und Gläubige die Anhänglichkeit an die alte Liturgie – die liturgischen Bücher von 1962 – als ein Element der Spaltung ansehen, das den Frieden der Gemeinden stört und Vorbehalte in der Annahme des Konzils wie überhaupt im Gehorsam gegen die rechtmäßigen Hirten der Kirche vermuten läßt.   Unsere Frage muß sein: Wie können diese Schwierigkeiten überwunden werden wie kann Vertrauen geschaffen werden, so daß sich die Gruppen und Gemeinschaften, die die alte Liturgie lieben, friedvoll und fruchtbar ins gemeinsame Leben der Kirche einfügen können?   Diesen Fragen liegt eine andere voraus: Was ist der eigentliche Grund für das Mißtrauen oder gar für die Ablehnung eines Fortbestehens der alten Formen liturgischen Feierns?   Zweifellos kann es da zunächst vortheologische Gründe geben, die am Temperament der einzelnen Menschen, am Gegensatz der Charaktere oder an anderen äußeren Umständen hängen.   Aber sicher gibt es auch tiefer liegende und weniger zufällige Ursachen für die Probleme.

Die beiden Begründungen, die am meisten genannt werden, sind mangelnder Gehorsam dem Konzil gegenüber, das nun einmal die liturgischen Bücher erneuert habe sowie die Spaltung der Einheit, die sich aus den unterschiedlichen Formen der Liturgie ergebe.   Beide Gründe lassen sich zunächst verhältnismäßig leicht auflösen.   Das Konzil hat zwar nicht selbst die liturgischen Bücher erneuert, wohl aber hat es den Auftrag zu deren Revision erteilt und dafür einige Grundsätze festgelegt.   Vor allem aber hat es eine Wesensbestimmung von Liturgie gegeben, die das innere Maß der einzelnen Reformen vorgibt und zugleich den beständigen Maßstab rechten liturgischen Feierns ausdrückt.   Der Gehorsam gegenüber dem Konzil wäre dann verletzt, wenn diese wesentlichen inneren Maßstäbe mißachtet und die normae generales beiseite geschoben würden, die in den Abschnitten 34 – 36 der Liturgiekonstitution formuliert sind.   Nach diesen Maßstäben ist sowohl die Feier der Liturgie nach den alten wie nach den neuen Büchern zu beurteilen, denn das Konzil hat – wie schon gesagt – nicht Bücher vorgeschrieben oder abgeschafft, sondern Grundnormen gegeben, die in allen Büchern respektiert werden müssen.   In diesem Zusammenhang ist an die Feststellung von Kardinal Newman zu erinnern, daß die Kirche nie in ihrer Geschichte rechtgläubige Formen von Liturgie einfach abgeschafft oder verboten hat – das wäre dem Geist der Kirche durchaus fremd.   Eine rechtgläubige Liturgie ist ja nie eine bloß pragmatisch geschaffene Zusammenstellung von Zeremonien, die man dann positivistisch heute so und morgen anders verfügen könnte.   Rechtgläubige Formen eines Ritus sind lebendige Wirklichkeiten, die aus dem liebenden Dialog der Kirche mit ihrem Herrn gewachsen sind, Lebensgestalten der Kirche, in denen sich der Glaube, das Beten und das Leben von Generationen verdichtet und in denen das Miteinander von Gottes Handeln und Antwort des Menschen Form gefunden hat. Solche Riten können absterben, wenn das sie tragende Subjekt in der Geschichte verschwindet oder sich mit seinem Erbe einem anderen Lebensraum einfügt.   Die Autorität der Kirche kann in wechselnden geschichtlichen Situationen den Gebrauch solcher Riten umschreiben und einschränken, aber sie verbietet sie nie einfach.   So hat das Konzil den Auftrag zu einer Erneuerung der liturgischen Bücher und damit auch ritueller Gestaltungen gegeben, aber nicht ein Verbot von Büchern formuliert.   Der Maßstab des Konzils ist zugleich weiträumiger und anspruchsvoller er fordert alle zur Selbstprüfung heraus.

Wir werden auf diesen Punkt zurückkommen müssen.   Zunächst ist aber noch das Argument der Störung der Einheit zu bedenken.   Da muß man wohl zwischen der theologischen und der praktischen Seite der Frage unterscheiden.   Was das Theoretische, das Grundsätzliche angeht, so hat es immer mehrere Formen von lateinischen Riten gegeben, die mit der Vereinheitlichung der Lebensräume in Europa allmählich zurückgetreten sind, aber bis zum Konzil gab es neben dem römischen den ambrosianischen Ritus, den Ritus von Toledo, den Ritus der Dominikaner, vielleicht auch noch andere, mir nicht bekannte.   Niemand hat daran Anstoß genommen, daß die Dominikaner, die ja durchaus in unseren Pfarreien gegenwärtig waren, die Messe etwas anders feierten als der Pfarrer.   Wir wußten, daß die eine Weise so katholisch war wie die andere und freuten uns des Reichtums der Überlieferungen.   Des weiteren ist zu sagen, daß die Freiräume der Kreativität, die der neue Meßordo läßt, nicht selten überdehnt werden und daß der Unterschied zwischen den einzelnen örtlichen Anwendungen der neuen Bücher oft größer ist als der Unterschied zwischen alten und neuen Büchern, wenn sie in ihrem eigenen Bestand an Texten und Riten streng beobachtet werden.   Ein lateinisches Hochamt nach dem alten und nach dem neuen Missale ist für den liturgisch weniger gebildeten Christen kaum zu unterscheiden, während der Unterschied zwischen der getreulich nach dem neuen Meßbuch gefeierten Liturgie und den „kreativ“ ausgeweiteten Formen muttersprachlicher Zelebration gewaltig sein kann.

Damit haben wir aber die Ebene des Theoretischen schon überschritten und sind im Bereich des Praktischen angelangt, wo natürlich die Dinge komplizierter sind, weil es sich ja um das Miteinander von lebendigen Menschen handelt.   Die Aversionen sind – wie mir scheint – deshalb so groß, weil man die beiden Weisen liturgischen Feierns mit zwei unterschiedlichen spirituellen Haltungen verbindet, zwei verschiedenen Weisen, die Kirche und das Christsein überhaupt zu verstehen.   Das hat mancherlei Gründe.   Es liegt zuallererst aber daran, daß man die beiden liturgischen Gestalten an äußeren Elementen ihrer Form mißt und von daher dann auch zu gegensätzlichen Grundhaltungen kommt.   Als wesentlich für die erneuerte Liturgie sieht der Durchschnittschrist an, daß sie muttersprachlich ist, daß sie in Zuwendung zum Volk gefeiert wird, daß Gestaltungsfreiheiten sind und daß Laien aktive Funktionen in der Liturgie ausüben.   Als wesentlich für die Feier nach den alten Büchern sieht man an, daß sie in lateinischer Sprache erfolgt, daß der Priester zum Altar gewendet steht, daß der Ritus streng vorgegeben ist und daß die Gläubigen in stillem Beten der Messe folgen, ohne selbst aktive Funktionen auszufüllen.   Die Phänomenologie der Liturgie ist entscheidend für ihre Aufnahme, nicht das, was sie selbst als das Wesentliche versteht.   Damit freilich mußte man rechnen, daß der Gläubige die Liturgie von den konkreten Formen ihrer Erscheinung her deutet, von ihr her spirituell bestimmt wird und nicht ohne weiteres ihre tieferen Schichten wahrnimmt.   Zu den eben aufgezählten Gegensätzen ist nämlich zu sagen, daß sie aus Geist und Buchstaben des Konzils keineswegs abzuleiten sind.   Die Konzilskonstitution selbst spricht überhaupt nicht von der Zuwendung zum Altar oder zum Volk.   Sie sagt über die Sprache, daß das Latein bewahrt werden müsse, aber der Muttersprache mehr Raum zu geben sei, besonders „in den Lesungen und Hinweisen (admonitionibus) und in einigen Orationen und Gesängen“ (36 § 2).   Was die Beteiligung der Laien angeht, so betont das Konzil zunächst ganz allgemein, daß die Liturgie ihrem Wesen nach vom ganzen Leib Christi, Haupt und Glieder, getragen wird (7), daß daher ihre Feier „den ganzen mystischen Leib der Kirche angeht“ (26) und daß sie demgemäß auf „gemeinschaftliches Feiern mit Beteiligung und tätiger Teilnahme der Gläubigen angelegt“ ist (27).   Das wird dann so konkretisiert: „Bei den liturgischen Feiern soll jeder, sei er Liturge oder Gläubiger, in der Ausübung seiner Aufgaben nur das und all das tun, was ihm aus der Natur der Sache und gemäß den liturgischen Regeln zukommt“ (28).   „Um die tätige Teilnahme zu fördern, soll man den Akklamationen des Volkes, dem Psalmengesang, den Antiphonen, den Liedern sowie den Handlungen und den Körperhaltungen Sorge zuwenden.   Auch das heilige Schweigen soll zu seiner Zeit eingehalten werden“ (30).

Diese Maßgaben des Konzils müssen allen zu denken geben.   Es gibt gerade in Kreisen mancher moderner Liturgiker Tendenzen, zwar den konziliaren Ansatz aufzugreifen, ihn aber in einer Weise einseitig weiter zu entwickeln, daß die Intentionen des Konzils auf den Kopf gestellt scheinen.   Die Stellung des Priesters wird von manchen aufs rein Funktionale reduziert.   Die Tatsache, daß der ganze Leib Christi Subjekt der Liturgie ist, wird dahin umgebogen, daß die jeweilige Gemeinde das eigentliche Subjekt der Liturgie sei und darin die Rollen verteile.   Es gibt eine bedenkliche Tendenz, den Opfercharakter zu minimalisieren, das Moment des Mysteriums und überhaupt das Sakrale über dem Anliegen schneller Verständlichkeit fast ganz verschwinden zu lassen.   Schließlich ist die Tendenz zu beobachten, durch eine einseitige Betonung des gemeindlichen Charakters des Gottesdienstes eine Fragmentierung der Liturgie herbeizuführen, die jeweils Sache der Gemeinde sei, die selbst ihre Feier entscheide.   Es gibt aber gottlob inzwischen auch einen großen Überdruß an den banalen Rationalismen und Pragmatismen solcher Theoretiker und Praktiker der Liturgie und eine entschiedene neue Zuwendung zum Mysterium, zur Anbetung, zum sakralen, zum kosmischen und eschatologischen Charakter der Liturgie, wofür die Oxford-Declaration on Liturgy von 1996 ein eindrucksvolles Beispiel ist.   Andererseits muß man zugeben, daß die Feier der alten Liturgie oft zu sehr ins Individualistische und Private abgesunken war, daß die Gemeinschaft von Priester und Volk ungenügend gewesen ist.   Ich habe großen Respekt vor unseren Vorfahren, die während der stillen Liturgie aus ihren Meßbüchem ihre Meßandachten beteten, aber als ideale Form liturgischer Feier kann man dies gewiß nicht ansehen.   Vielleicht sind solche reduktionistische Weisen liturgischer Feier sogar der eigentliche Grund dafür, weshalb in vielen Ländern das Verschwinden der alten liturgischen Bücher überhaupt nicht als ein einschneidender Vorgang empfunden wurde. Man war gar nicht mit der Liturgie selbst in Berührung gekommen.   Der Schmerz über eine hastig und oft äußerlich durchgeführte Reform ist da entstanden, wo die Liturgische Bewegung Liebe zur Liturgie geschaffen und wesentliche Postulate des Konzils, nämlich die betende Einbeziehung aller in das gottesdienstliche Geschehen vorweggenommen hatte.   Wo es gar keine Liturgische Bewegung gab, ist die Liturgiereform zunächst schmerzlos vor sich gegangen.   Unbehagen ist erst da und dort aufgestiegen, wo willkürliche Kreativität das Mysterium verschwinden ließ.   Deswegen ist es wichtig, daß bei der Feier der Liturgie nach den alten Büchern die wesentlichen Maßstäbe der Liturgiekonstitution eingehalten werden, die ich eben zitiert habe.   Wenn diese Liturgie wirklich die Gläubigen mit ihrer Schönheit und Tiefe erreicht, dann wird sie geliebt, dann steht sie aber auch in keinem unversöhnlichen Gegensatz zu den neuen Büchern, wo diese wiederum in wahrhaft konzilsgemäßer Form angewandt werden.

Natürlich bleiben unterschiedliche spirituelle und theologische Akzentuierungen bestehen, aber die sind dann nicht mehr gegensätzliche Weisen des Christseins, sondern Reichtum des einen Glaubens.   Als vor etlichen Jahren das Stichwort einer neuen Liturgischen Bewegung in die Debatte geworfen wurde, wodurch das Auseinanderdriften beider liturgischen Formen gebremst und ihre innere Konvergenz neu sichtbar werden solle, haben einige Freunde der alten Liturgie gefürchtet, dies sei ein Trick, um doch endlich die alten Bücher ganz verabschieden zu können.   Solche Ängstlichkeiten sollten aufhören.   Wenn in beiden Weisen des Feierns deutlich die Einheit des Glaubens und die Einzigkeit des Mysteriums erscheint, kann das für alle nur Grund der Freude und der Dankbarkeit sein.   Je mehr wir alle aus solcher Gesinnung heraus glauben, leben und handeln, desto mehr werden wir auch die Bischöfe überzeugen können, daß die Präsenz der alten Liturgie nicht ein Störungselement und eine Bedrohung der Einheit ist, sondern eine Gabe, die dem Aufbau des Leibes Christi dient, dem wir alle verpflichtet sind.   So möchte ich Sie, liebe Freunde, ermutigen, die Geduld nicht zu verlieren, das Vertrauen zu bewahren und aus der Gabe der Liturgie die Kraft zum Zeugnis zu nehmen, das Christus hineinträgt in diese unsere Zeit.

Josef Kardinal RATZINGER
Präfekt der Glaubenskongregation

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Die Kraft der Stille: Das ganze Interview mit Kardinal Sarah in deutscher Sprache

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Großes Aufsehen hat Kardinal Robert Sarah mit seinem neuen Interview erregt, in dem der bekannte Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung warnt: „Wir laufen Gefahr, die heiligen Geheimnisse auf gute Gefühle zu reduzieren“. CNA veröffentlicht nun eine deutsche Übersetzung des vollständigen Interviews mit freundlicher Genehmigung von Kardinal Sarah und „La Nef“.

Das französische Original dieses Gesprächs erschien in La Nef N°285, Oktober 2016.

Nach dem Erfolg von „Gott oder Nichts“ [deutsche Version: fe-Medienverlag, 2015] veröffentlicht Kardinal Sarah Anfang Oktober ein neues Buch mit Nicolas Diat. Ein wunderbares Buch von erstaunlicher spiritueller Tiefe, das uns eintreten läßt in das Herz des Geheimnisses Gottes: die Stille, die notwendig ist für jede Begegnung mit dem Herrn sowohl im inneren Leben als auch in der Liturgie. Das Buch ist eine Begegnung mit einem Menschen, in dem die Gegenwart Gottes spürbar ist.

Das Buch, das Sie den Lesern vorlegen, ist eine echte geistliche Betrachtung über die Stille.  Warum haben Sie sich auf eine so tiefe Reflexion eingelassen, die man normalerweise von einem Präfekten der Gottesdienstkongregation nicht erwarten würde, der für sehr konkrete Angelegenheiten in der Kirche zuständig ist, nicht erwarten würde?

„Die erste Sprache Gottes ist die Stille“. Indem er diese reiche und tiefe Intuition des hl. Johannes vom Kreuz kommentiert, schreibt Thomas Keating in seinem Werk „Invitation to love“: „Alles andere ist eine armselige Übersetzung, wir müssen lernen still zu sein und uns bei Gott auszuruhen“.

Es ist Zeit, die wahre Ordnung der Prioritäten wiederzufinden. Es ist Zeit, Gott wieder in die Mitte unserer Sorgen und Beschäftigungen, in die Mitte unseres Handelns und unseres Lebens zu stellen, an die einzige Stelle, die Ihm gebührt. So wird unser christlicher Lebensweg seinen Schwerpunkt in diesem Felsen finden, im Licht des Glaubens seine Struktur finden und sich im Gebet ernähren, das ein Moment der stillen und intimen Begegnung ist, wo der Mensch sich im Angesicht Gottes aufhält, um Ihn anzubeten und Ihm seine kindliche Liebe auszudrücken.

Täuschen wir uns nicht. Die wahre Dringlichkeit besteht darin, den Sinn für Gott wiederzufinden. Dem Vater können wir aber nur in der Stille nahekommen. Das, was die Kirche heute braucht, ist nicht eine Verwaltungsreform, ein weiteres Pastoralprogramm, eine strukturelle Veränderung. Das Programm existiert schon: es ist das Programm aller Zeiten, entnommen aus dem Evangelium und der lebendigen Tradition. Es hat seine Mitte in Jesus Christus selbst, den wir kennen, lieben, nachahmen müssen, um in Ihm und durch Ihn zu leben, um unsere Welt zu verwandeln, diese Welt, die lebt, als ob Gott nicht existierte. Als Priester, als Hirte, als Präfekt, als Kardinal ist es meine größtes Anliegen zu sagen, daß Gott allein das Herz des Menschen erfüllen kann.

Ich glaube, daß wir Opfer der durch die Mediengesellschaft verbreiteten Oberflächlichkeit, des Egoismus und des verweltlichten Geistes sind. Wir verlieren uns in Kämpfen um Einfluß, in Konflikten zwischen Personen, in einem narzißtischen und hohlen Aktivismus. Wir blasen uns auf vor Stolz und Ehrgeiz und sind gefangen im Willen zur Macht. Für Titel, berufliche oder kirchliche Ernennungen nehmen wir feige Kompromisse in Kauf. Aber all das verschwindet wie Rauch. Mit meinem neuen Buch möchte ich die Christen und die Menschen guten Willens einladen, in die Stille einzutreten. Ohne sie befinden wir uns in der Scheinwirklichkeit. Die einzige Wirklichkeit, die unsere Aufmerksamkeit verdient, ist Gott selbst, und Gott ist still. Er wartet auf unsere Stille, um sich zu offenbaren.

Die Stille wiederzufinden, ist also eine Priorität, eine Notwendigkeit, eine Dringlichkeit.

Die Stille ist wichtiger als jedes menschliche Werk. Denn sie läßt Gott zum Ausdruck kommen. Die wahre Revolution kommt aus der Stille, sie führt uns zu Gott und zu den Mitmenschen hin, um uns demütig in ihren Dienst zu stellen.

Warum ist der Begriff der Stille für Sie so wesentlich? Ist die Stille notwendig, um Gott zu finden, und worin ist sie „die größte Freiheit des Menschen“ (n°25)? Ist die Stille als „Freiheit“ Form der Askese?

Die Stille ist kein Begriff, sie ist der Weg, der den Menschen erlaubt, zu Gott zu gehen.

Gott ist Stille, und die göttliche Stille nimmt im Menschen Wohnung. Indem wir mit dem stillen Gott und in Ihm leben, müssen wir selber still werden. Nichts wird uns besser Gott entdecken lassen als diese Stille, die ins Herz unseres Seins eingeschrieben ist.

Ich scheue mich nicht, zu behaupten, daß Kinder Gottes zu sein heißt, Kinder der Stille zu sein.

Das Erlangen der Stille bedeutet einen Kampf und eine Askese. Ja, man braucht Mut, um sich von all dem zu befreien, was unser Leben beschwert, welches nichts so sehr liebt wie den Schein, die mühelose Erreichbarkeit und die äußere Hülle der Dinge. Der Schwätzer, der sich von dem Bedürfnis, alles zu sagen, nach außen mitreißen läßt, kann nur fern von Gott sein und unfähig jeder tiefen spirituellen Tätigkeit. Im Gegensatz dazu ist der stille Mensch ein freier Mensch. Die Ketten der Welt haben keine Macht über ihn.

Ich denke an meinen Vorgänger als Bischof von Conakry in Guinea, Msgr. Raymond-Marie Tchidimbo. Er war als Verfolgter der kommunistischen Diktatur fast neun Jahre lang im Gefängnis. Niemandem durfte er begegnen und mit niemandem sprechen. Das Schweigen, das ihm von seinen Peinigern auferlegt war, ist ihm zum Ort der Gottesbegegnung geworden. Auf geheimnisvolle Weise ist ihm sein Kerker zu einem wahren „Noviziat“ geworden, und diese Verurteilung zu Elend und Stummheit hat ihm erlaubt, ein wenig die große Stille des Himmels zu verstehen.

Ist es in einer Welt, in der die Geräusche und der Krach in allen ihren Formen niemals aufhören, noch möglich, die Bedeutung der Stille zu erkennen? Ist das eine neue Situation der „Modernität“ mit ihren Medien, dem Fernsehen, dem Internet oder war der Krach immer ein Charakteristikum der „Welt“?

Gott ist still, der Teufel ist laut. Seit jeher versucht Satan, seine Lügen unter der Maske einer trügerischen und lauten Geschäftigkeit zu verbergen. Dem Christen ist es aufgetragen, nicht von der Welt zu sein. Es gehört zu seinem Leben, sich von den Geräuschen der Welt abzuwenden, vom Lärm, der zügellos dahineilt, um uns vom Wesentlichen abzulenken: von Gott.

Unsere ultratechnisierte und übergeschäftige Welt hat uns nur noch kränker gemacht. Der Lärm ist wie eine Droge, von der unsere Zeitgenossen abhängig sind. Mit seinem Anschein von Feierstimmung ist der Lärm ein Wirbel, der es vermeidet, sich ins Gesicht zu schauen, sich mit der inneren Leere zu konfrontieren. Er ist eine diabolische Lüge. Das Erwachen daraus kann nur eine brutale Erfahrung sein.

Ich fürchte mich nicht, alle Menschen guten Willens aufzurufen, in eine Art Widerstand einzutreten. Was würde aus unserer Welt, wenn sie keine Oasen der Stille finden könnte?

Im Schwall geschäftiger und hohler Worte scheint die Stille ein Zeichen von Schwäche zu sein. In der modernen Welt wird der stille Mensch als einer angesehen, der sich nicht zu verteidigen weiß. Er ist ein „Untermensch“ gegenüber dem sogenannten Starken, der den anderen mit seinem Wortschwall erdrückt und ertränkt.  Der stille Mensch wird als überflüssig empfunden. Das ist der tiefe Grund für die schrecklichen Verbrechen oder für die Verachtung und den Haß der Moderne gegen die stillen Wesen, die die ungeborenen Kinder sind, die Kranken oder die Sterbenden. Diese Menschen sind wunderbare Propheten der Stille. Zusammen mit ihnen scheue ich mich nicht, zu bekräftigen, daß die Priester der Moderne, die der Stille eine Art Krieg erklärt haben, die Schlacht verloren haben. Denn wir können stillbleiben inmitten des größten Durcheinanders, der schändlichsten Unruhe, inmitten des Krachs und des Schreiens  dieser höllischen Maschinen, die zum Aktivismus einladen und uns jeder transzendenten Dimension und jeder Innerlichkeit entreißen.

Bleibt Gott auch dann noch still, wenn der innerliche Mensch die Stille sucht, um Ihn zu finden? Und wie können wir verstehen, was einige das „Schweigen Gottes“ nennen angesichts von Dramen extremer Bosheit, wie der Shoa, der Gulags…? Oder, allgemeiner gesagt, läßt die Existenz des Bösen die „Allmacht Gottes“ in Zweifel ziehen?

Ihre Frage läßt uns eintreten in ein sehr tiefes Geheimnis. In der Großen Kartause haben wir dieses Geheimnis sehr lange meditiert mit dem Generalprior, Dom Dysmas de Lassus.

Gott will das Böse nicht. Dennoch bleibt Er erstaunlich still gegenüber unseren Prüfungen.  Trotz allem läßt das Leiden die Allmacht Gottes nicht in Zweifel ziehen, sondern es offenbart sie uns. Ich höre noch die Stimme des Kindes, das weinend fragte: „Warum hat Gott nicht verhindert, das Papa getötet wurde?“ In seinem geheimnisvollen Schweigen offenbart sich Gott in der Träne, die von diesem Kind vergossen wird, und nicht in der Weltordnung, die diese Träne rechtfertigen würde.  Gott hat seine geheimnisvolle Weise, uns in unseren Prüfungen nahe zu sein. Er ist intensiv gegenwärtig in unseren Erprobungen und Leiden. Seine Kraft macht sich still, denn sie offenbart seine unendliche Feinfühligkeit, seine liebevolle Zärtlichkeit für die, die leiden. Die äußerlichen Bezeugungen sind nicht unbedingt die besten Beweise der Nähe. Die Stille offenbart das Mitleiden, die Anteilnahme Gottes an unseren Leiden. Gott will das Böse nicht. Und je grausamer das Leiden ist, desto mehr zeigt sich, daß Gott in uns das erste Opfer ist.

Der Sieg Christi über den Tod und die Sünde vollzieht sich im großen Schweigen des Kreuzes. Gott offenbart seine ganze Macht im Schweigen, das keine barbarische Untat jemals besudeln kann.

Als ich mich in den Ländern aufhielt, die gewaltige und tiefe Krisen, Leiden und tragisches Elend durchlebten wie Syrien, Libyen, Haiti oder die Philippinen nach den Verwüstungen durch den Taifun, habe ich festgestellt, wie sehr das stille Gebet der letzte Schatz derer ist, die alles verloren haben. Das Schweigen ist der letzte Graben, wohin niemand vordringen kann, die letzte Kammer, wo man in Frieden bleiben kann, der Ort, wo das Leiden für einen Augenblick die Waffen streckt. Verstecken wir uns also im Leiden hinter der Festung des Gebetes! Dann hat die Macht der Henker keine Bedeutung mehr; die Verbrecher können rasend alles zerstören, es ist unmöglich, in das Schweigen einzubrechen, in das Herz, in das Gewissen eines Menschen, der betet und sich in Gott verbirgt. Das Schlagen eines stillen Herzens, die Hoffnung, der Glaube und das Gottvertrauen können darin nicht untergehen. Im Äußeren kann die Welt ein Trümmerfeld werden, aber im Inneren unserer Seele, in der größten Stille wacht Gott. Der Krieg und das Gefolge des Schreckens überwinden niemals den in uns gegenwärtigen Gott. Angesichts des Bösen und des Schweigens Gottes muß man immer im Gebet bleiben und still schreiend mit Glaube und Liebe sprechen:

„Ich habe dich gesucht, Jesus!

Ich habe dich vor Freude weinen hören

bei der Geburt eines Kindes.

Ich habe dich die Freiheit suchen gesehen

durch die Gitter eines Gefängnisses.

Ich bin an dir vorübergegangen,

als du um ein Stück Brot betteltest.

Ich habe dich vor Schmerz schreien gehört,

als deine Kinder von Bomben zerschmettert wurden.

Ich habe dich in den Krankenhauszimmern entdeckt,

wo du Therapien ohne Liebe unterworfen wurdest.

Jetzt habe ich dich gefunden;

ich will dich nicht mehr verlieren.

Ich bitte dich, lehre mich dich lieben.“

Mit Jesus ertragen wir unsere Leiden und Prüfungen besser.

Welche Rolle schreiben Sie der Stille in unserer lateinischen Liturgie zu, wo sehen Sie sie und wie vereinbaren Sie Stille und Teilnahme?

Vor der Majestät Gottes verlieren wir unsere Worte. Wer wagte es, vor dem Allmächtigen das Wort zu ergreifen? Der hl. Johannes Paul II. sah in der Stille das Wesen jeglicher Gebetshaltung, denn die mit der angebeteten Gegenwart gefüllte Stille offenbart „die demütige Annahme der Grenzen des Geschöpfes vor der unendlichen Transzendenz eines Gottes, der nicht aufhört, sich als Gott der Liebe zu offenbaren“. Die mit vertrauensvoller Ehrfurcht und Anbetung angefüllte Stille abzulehnen bedeutet, die Freiheit Gottes abzulehnen, uns durch seine Liebe und seine Gegenwart zu ergreifen.  Das heilige Schweigen ist also der Ort, wo wir Gott begegnen können, denn wir kommen zu Ihm mit der rechten Haltung des Menschen, der sich zitternd zurückhält und doch vertrauensvoll hofft. Wir Priester müssen diese kindliche Ehrfurcht vor Gott und die Heiligkeit unserer Beziehung zu ihm neu erlernen. Wir müssen neu lernen, vor Staunen angesichts der Heiligkeit Gottes und der unerhörten Gnade unseres Priestertums zu zittern.

Das Schweigen lehrt uns eine bedeutsame Regel des geistlichen Lebens: die Vertraulichkeit fördert nicht die Intimität, im Gegenteil: die rechte Distanz ist eine Bedingung der Kommunion. Durch die Anbetung geht die Menschheit auf die Liebe zu. Die heilige Stille öffnet auf die mystische Stille hin, die voll liebender Intimität ist. Unter dem Joch der weltlichen Vernunft haben wir vergessen, daß das Heilige und der Kult die einzigen Eingangstüren zum geistlichen Leben sind. Ich zögere also nicht zu beteuern, daß die heilige Stille ein Grundgesetz jeder liturgischen Zelebration ist.

Sie erlaubt es uns nämlich, in die Teilnahme am gefeierten Mysterium einzutreten. Das Zweite Vatikanische Konzil hat betont, daß die Stille ein bevorzugtes Mittel ist, die Teilnahme des Volkes Gottes an der Liturgie zu fördern.

Die Konzilsväter wollten zeigen, was eine wahre liturgische Teilnahme ist: das Eintreten in das göttliche Mysterium. Unter dem Vorwand, den Zugang zu Gott zu erleichtern, haben einige gewollt, daß alles in der Liturgie unmittelbar einsichtig, rational, horizontal und menschlich sei. Aber auf diese Weise riskieren wir, das heilige Mysterium auf gute Gefühle zu reduzieren. Unter dem Vorwand der Pädagogik erlauben sich einige Priester nicht enden wollende oberflächliche und horizontale Kommentare. Haben diese Hirten Angst, daß die Stille vor dem allerhöchsten die Gläubigen verwirren könnte? Glauben sie, daß der Heilige Geist unfähig ist, die Herzen für die göttlichen Mysterien zu öffnen und ihnen sein Licht und seine geistliche Gnade auszuspenden?

Der hl. Johannes Paul II. warnt uns: Der Mensch tritt in die Teilhabe an der göttlichen Gegenwart vor allem ein, „indem er sich zu einer anbetenden Stille erziehen läßt, denn auf dem Gipfel der Erkenntnis und Erfahrung Gottes steht seine absolute Transzendenz“.

Die heilige Stille ist ein Gut der Gläubigen, und die Kleriker dürfen sie dessen nicht berauben!

Die Stille ist der Stoff, aus dem unsere Liturgien gemacht sein müssen. Und nichts in ihnen darf die Atmosphäre der Stille stören, die ihr natürliches Klima ist.

Besteht nicht ein gewisses Paradox darin, einerseits die Notwendigkeit der Stille in der Liturgie zu behaupten und andererseits die östlichen Liturgien anzuerkennen, die ja keine Momente des Schweigens haben (n° 259) und doch besonders schön, sakral und dem Gebet hingegeben sind?

Ihre Anmerkung ist vernünftig und zeigt, daß es nicht ausreicht, „Momente der Stille“ vorzuschreiben, damit die Liturgie vom heiligen Schweigen durchtränkt sei.

Das Schweigen ist eine Haltung der Seele. Es ist keine Pause zwischen zwei Riten, es ist selbst ganz und gar Ritus.

Sicher, die östlichen Riten sehen keine Zeiten der Stille während der Göttlichen Liturgie vor. Nichtsdestoweniger haben sie eine intensive Erfahrung der apophatischen Dimension des Gebets angesichts des „unaussprechlichen, unfaßlichen, unbegreiflichen“ Gottes. Die Göttliche Liturgie ist wie ins Mysterium eingetaucht. Bei uns, den Lateinern, ist das Schweigen eine klingende Ikonostase. Die Stille ist Mystagogie, sie läßt uns ins Mysterium eintreten, ohne es zu entweihen. Die Sprache der Mysterien in der Liturgie ist eine stille Sprache. Die Stille verbirgt nicht, sie offenbart in der Tiefe.

Der hl. Johannes Paul II. lehrt uns, daß „das Mysterium sich ständig verhüllt, sich mit Schweigen bedeckt, um zu vermeiden, daß man an Gottes Stelle ein Idol aufstellt“. Ich möchte feststellen, daß die Gefahr für die Christen heute groß ist, Götzenanbeter zu werden. Als Gefangene des Geräusches nicht endender menschlicher Gespräche sind wir nicht weit davon, einen Kult auf unserem Niveau zu entwickeln, einen Gott nach unserem Bild zu bauen. Wie es Kardinal Godfried Danneels anmerkte, hat die „westliche Liturgie, so wie sie praktiziert wird, den Hauptfehler, zu geschwätzig zu sein“. In Afrika sagt der ruandische Priester Faustin Nyobayré, daß die „Oberflächlichkeit nicht die Liturgie oder die scheinbar religiösen Versammlungen verschont, aus denen man eher atemlos und schwitzend wieder hinausgeht als erholt und erfüllt von dem, was man gefeiert hat, um es besser leben und bezeugen zu können“. Die Zelebrationen werden manchmal laut und anstrengend. Die Liturgie ist krank. Das auffallendste Symptom dieser Krankheit ist die Allgegenwart des Mikrophons. Es ist so unverzichtbar geworden, daß man sich fragt, wie man vor seiner Erfindung überhaupt Liturgie feiern konnte!

Der äußere Lärm und der Lärm im eigenen Innern entfremden uns unserer selbst. Im Lärm kann der Mensch nur der Banalität verfallen: wir sind oberflächlich in dem, was wir sagen, wir geben hohle Reden von uns, wo endlos gesprochen wird, solange man nur irgendwas zu sagen findet, eine Art unverantwortliches Gewirr aus Scherzen und Worten, die töten. Wir sind oberflächlich auch in dem, was wir tun: wir leben in der Banalität, erheben dabei den Anspruch, vernünftig und moralisch zu sein, und finden nichts Außergewöhnliches darin.

Oft verlassen wir die Kirchen nach laut und oberflächlich zelebrierten Liturgien, ohne Gott begegnet zu sein und den inneren Frieden gefunden zu haben, den Er uns schenken will.

Nach ihrem Vortrag in London im vergangenen Juli sind sie auf die Ausrichtung der Liturgie nach Osten zurückgekommen und wollen sie in unseren Kirchen praktiziert sehen: Warum ist sie so wichtig? Und wie möchten Sie, daß diese Änderung sich vollzieht?

Die Stille stellt uns vor eine Wesensfrage der Liturgie. Die Liturgie ist mystisch. Im Maße, in dem wir uns ihr mit einem lauten Herzen nähern, bekommt sie oberflächlichen und menschlichen Charakter. Die liturgische Stille ist eine radikale und wesentliche Disposition; sie bedeutet eine Umkehr des Herzens. Nun heißt Umkehr etymologisch sich umwenden, sich zu Gott hin wenden. Es ist gibt keine echte Stille in der Liturgie, wenn wir nicht mit unserem ganzen Herzen zum Herrn hin ausgerichtet sind. Wir müssen umkehren, uns zum Herrn hin kehren, um Ihn anzuschauen, sein Antlitz zu betrachten und vor seinen Füßen anbetend niederzufallen. Wir haben ein Beispiel: Maria Magdalena hat Jesus am Ostermorgen erkennen können, weil sie sich zu Ihm umgewandt hatte: „Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat.“ „Haec cum dixisset, conversa est retrorsum et videt Jesus stantem – Nachdem sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen.“ (Joh 20, 13-14)

Wie können wir in diese Haltung eintreten, wenn wir uns nicht physisch, alle gemeinsam, Priester und Gläubige, zum kommenden Herrn hinwenden, zum  durch die Apsis symbolisierten Osten hin, wo das Kreuz thront?

Diese äußere Orientierung führt uns zur inneren hin, welche durch sie symbolisiert wird. Seit den apostolischen Zeiten kennen die Christen diese Art zu beten. Es geht nicht darum, dem Volk den Rücken zuzuwenden, sondern darum, nach Osten zu schauen, zum Herrn hin.

Diese Weise des Gebets fördert die Stille. Der Zelebrant ist weniger versucht, das Wort zu monopolisieren. Vor dem Herrn spürt er weniger die Versuchung,  ein Professor zu werden, der die ganze Messe lang eine Vorlesung gibt und den Altar zu einer Bühne macht, deren Mittelpunkt nicht mehr das Kreuz ist, sondern das Mikrophon! Der Priester muß sich darauf besinnen, daß er nichts weiter ist als ein Werkzeug in den Händen Christi, der er schweigen muß, um dem WORT Platz zu machen, daß die menschlichen Worte lächerlich wirken vor dem einen Ewigen Wort.

Ich bin davon überzeugt, daß die Priester mit einer anderen Stimme sprechen werden, wenn sie nach Osten hin zelebrieren. Wir sind in großem Maße weniger versucht, uns, wie Papst Franziskus sagt, selbst als Hauptakteure zu bergreifen.

Wichtig ist zu verstehen, daß diese legitime und wünschenswerte Zelebrationsweise nicht als eine Revolution auferlegt werden darf. Ich weiß, daß vielerorts eine vorbereitende Katechese den Gläubigen erlaubt hat, sich die Ausrichtung nach Osten hin anzueignen und sie schätzen zu lernen. Ich wünsche mir sehr, daß diese Frage nicht zu einem ideologischen Kampf zwischen Parteien wird. Es geht um unsere Beziehung zu Gott.

Wie ich vor kurzem in einer persönlichen Begegnung mit dem Heiligen Vater Gelegenheit hatte zu sagen, gebe ich hier nichts anderes als Anregungen, die aus meinem von der Sorge um das Wohl der Gläubigen erfüllten Herzen stammen. Es geht mir nicht darum, eine Praxis der anderen entgegenzustellen. Wenn es von den materiellen Gegebenheiten her unmöglich ist, nach Osten hin zu zelebrieren, muß notwendigerweise ein gut sichtbares Kreuz auf den Altar gestellt werden als Referenzpunkt für alle. Christus am Kreuz ist der christliche Osten.

Sie verteidigen glühend die Konzilskonstitution über die Liturgie und bedauern dabei, daß sie schlecht umgesetzt wurde. Wie erklären Sie das aus dem Abstand von 50 Jahren? Sind nicht die kirchlichen Autoritäten die ersten Verantwortlichen dafür?

Ich glaube, daß wir die Konzilsdokumente zu wenig im Geist des Glaubens lesen. In Bann geschlagen von dem, was Benedikt XVI. das Konzil der Medien nennt, unterwerfen wir sie einer zu menschlichen Lektüre, indem wir Brüche und Gegensätze suchen, wo das katholische Herz sich bemühen müßte, die Erneuerung in der Kontinuität zu finden. Mehr als je muß uns die in Sacrosanctum Concilium enthaltene Lehre des Konzils leiten. Es wäre an der Zeit, uns vom Konzil belehren zu lassen, anstatt es zu benutzen, um unsere Bemühungen um Kreativität zu rechtfertigen oder unsere Ideologien zu verteidigen, indem wir die heilige Liturgie als Waffe benutzen.

Ein einziges Beispiel: Das Zweite Vatikanum hat auf wunderbare Weise das Taufpriestertum der Laien als unsere Fähigkeit definiert, uns mit Christus dem Vater als Opfer darzubringen, um in Jesus „heilige, reine und unbefleckte Opfer“ zu werden. Wir haben hier das theologische Fundament der wahren Teilnahme an der Liturgie.

Diese spirituelle Wirklichkeit müßte besonders beim Offertorium gelebt werden, in diesem Moment, wo das christliche Volk sich zum Opfer bringt, nicht neben Christus, sondern in Ihm, durch sein Opfer, das bei der Wandlung verwirklicht wird. Die erneute Lektüre des Konzils könnte uns erlauben zu vermeiden, daß unsere Offertorien durch Darbietungen entstellt werden, die mehr von Folklore als von Liturgie an sich haben. Eine gesunde Hermeneutik der Kontinuität könnte uns dahin führen, die alten, im Licht des Zweiten Vatikanums neu gelesenen Offertoriumsgebete wieder in ihre Ehre einzusetzen.

Sie weisen hin auf die von Ihnen gewünschte „Reform der Reform“ (n°257): Worin sollte sie vor allem bestehen? Betrifft sie beide Formen des Römischen Ritus oder nur die ordentliche Form?

Die Liturgie bedarf um der größeren Treue zu ihrer mystischen Natur willen immer einer Reform.  Das, was „Reform der Reform“ genannt wird und was wir als „gegenseitige Bereicherung der Riten“ bezeichnen könnten, um einen Ausdruck aus dem Lehre Benedikts XVI. zu verwenden, ist eine geistliche Notwendigkeit. Sie betrifft beide Formen des Römischen Ritus.

Ich lehne es ab, unsere Zeit dazu zu verwenden, die eine Liturgie gegen die andere zu stellen oder den Ritus des heiligen Paul V. gegen den des seligen Paul VI. Es geht darum, in die große Stille der Liturgie einzutreten; man muß sich von allen liturgischen Formen bereichern lassen, lateinischen oder östlichen. Warum sollte sich die außerordentliche Form nicht dem öffnen, was die aus dem Zweiten Vatikanum hervorgegangene liturgische Reform an Besserem hervorgebracht hat? Warum sollte die ordentliche Form nicht die alten Offertoriumsgebete wiederfinden, das Stufengebet oder ein wenig Stille während mancher Teile des Kanons?

Ohne einen kontemplativen Geist bleibt die Liturgie eine Gelegenheit zu haßerfüllten Entzweiungen und ideologischen Kämpfen, öffentlichen Demütigungen der Schwachen durch jene, die beanspruchen, die Autorität zu besitzen, während die Liturgie doch der Ort unserer Einheit und unserer Gemeinschaft im Herrn sein müßte. Warum gegeneinander kämpfen und sich verachten? Im Gegenteil, die Liturgie sollte uns alle zusammenkommen lassen in der Einheit des Glaubens und der wahren Kenntnis des Sohnes Gottes, zum vollkommenen Menschen, zur Fülle der Gestalt Christi… So in der Wahrheit der Liebe lebend werden wir in allem in Christus heranwachsen zu Ihm hin, der das Haupt ist (vgl. Eph 4, 13-15).

 

Wie können wir im aktuellen liturgischen Kontext der lateinischen Welt das Mißtrauen überwinden, das einige Anhänger der beiden liturgischen Formen desselben Römischen Ritus hegen, die es ablehnen, die andere Form zu zelebrieren und sie manchmal mit einer gewissen Verachtung betrachten?

Die Liturgie verderben heißt unsere Beziehung zu Gott und den Ausdruck unseres christlichen Glaubens zu verderben. Kardinal Charles Journet versicherte: „Die Liturgie und die Katechese sind die beiden Greifer der Zange, durch welche der Dämon dem christlichen Volk den Glauben entreißen und sich der Kirche bemächtigen will, um sie zu zermalmen, zu vernichten und endgültig zu zerstören. Heute noch liegt der große Drache vor der Frau, der Kirche, auf der Lauer, bereit, ihr Kind zu verschlingen.“ Ja, der Teufel will uns gegeneinander stellen im Herzen des Sakraments der Einheit selbst und der brüderlichen Gemeinschaft. Es ist Zeit, daß die Verachtung, das Mißtrauen und die Verdächtigungen ein Ende nehmen. Es ist Zeit, ein katholisches Herz wiederzufinden. Es ist Zeit, gemeinsam die Schönheit der Liturgie wiederzufinden, wie es uns der Hl. Vater Franziskus empfiehlt, denn, „die Schönheit der Liturgie spiegelt“ – wie er sagt – „die Herrlichkeit unseres Gottes wieder, die in seinem lebendigen und getrösteten Volk aufscheint“ (Predigt zur Chrisammesse am 28. März 2013).

Wie haben Sie ihren Aufenthalt in der Großen Kartause erlebt?

Ich danke Gott, daß er mir diese außerordentliche Gnade erwiesen hat. Und wie könnte ich die Dankbarkeit meines Herzens gegenüber Dom Dysmas de Lassus verschweigen für seine so warme Gastfreundschaft. Ich möchte ihn auch demütig um Verzeihung bitten für alle Störung, die ich durch meinen Aufenthalt bei ihm verursacht haben mag. Die Große Kartause ist das Haus Gottes. Sie zieht uns zu Gott empor und bringt uns vor sein Angesicht. Alles ist aufgeopfert, um Gott zu begegnen: die Schönheit der Natur, die strenge Einfachheit des Ortes, das Schweigen, die Einsamkeit und die Liturgie. Obwohl ich die Gewohnheit habe, nachts zu beten, hat mich das nächtliche Offizium in der Großen Kartause tief beeindruckt: die Dunkelheit war rein, die Stille war Trägerin einer Gegenwart, der Gegenwart Gottes. Die Nacht verbarg uns alles, sie isolierte den einen gegenüber den anderen, aber sie vereinte unsere Stimmen und unseren Lobpreis, sie richtete unsere Herzen aus, unsere Blicke und unsere Gedanken, um nichts anderes zu sehen als Gott. Die Nacht ist mütterlich, köstlich und reinigend. Die Dunkelheit ist wie eine Quelle, aus der wir gewaschen aufsteigen, befriedet und tiefer mit Christus und den anderen vereint. Einen guten Teil der Nacht im Gebet zu verbringen, regeneriert uns. Es läßt uns neu geboren werden. Hier wird Gott wirklich unser Leben, unsere Kraft, unser Glück, unser Alles. Ich spüre eine große Bewunderung für den heiligen Bruno, der wie Elija so viele Seelen auf diesen Berg Gottes geführt hat, um sie hören und sehen zu lassen „die Stimme eines leisen Säuselns“ und sich von dieser Stimme ansprechen zu lassen, die uns sagt: „Was tust Du da, Elija?“ (1 Kön 19, 11-13)

Die Fragen stellte Christophe Geffroy.

Deutsche Übersetzung veröffentlicht bei CNA mit freundlicher Genehmigung von Kardinal Sarah und La Nef.

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Quelle

Kardinal Sarah kritisiert die „kranke Liturgie“

Kardinal Robert Sarah

Die gegenwärtige Liturgie der Kirche ist krank, sagt Kardinal Robert Sarah. Der Präfekt der vatikanischen Gottesdienstkongregation kritisierte moderne Priester, die der Stille den Kampf angesagt hätten. Um Gott wahrhaft zu begegnen, sieht er dagegen einen anderen Weg.

Kardinal Robert Sarah, Präfekt der vatikanischen Gottesdienstkongregation, hat die gegenwärtig praktizierte Liturgie als krank bezeichnet. Das auffälligste Merkmal dieser Krankheit sei die Allgegenwart des Mikrophons, sagte er in einem Interview mit der französischen katholischen Monatszeitschrift La Nef.

Das Zweite Vatikanische Konzil betont, dass Stille das beste Mittel ist, um die Teilhabe des Volkes Gottes an der Liturgie zu fördern“, erklärte der als konservativ geltende Kardinal. 2014 hatte Papst Franziskus ihn in die Kongregation berufen. Zuvor war er Päpstlicher Sonderbotschafter im Nahen Osten und Präsident des Päpstlichen Rates „Cor unum“ gewesen, der unter anderem Hilfsaktionen des Heiligen Stuhls in Katastrophengebieten organisiert. Papst Benedikt XVI. hatte Sarah 2010 als Kardinaldiakon ins Kardinalskollegium aufgenommen.

„Eingang in das göttliche Mysterium“

Laut dem Kardinal hätten die Konzilsväter zeigen wollen, was wahre liturgische Teilhabe ist: Eingang in das göttliche Mysterium. Doch unter der Ausrede, den Zugang zu Gott zu erleichtern, wollten heute einige, dass alles in der Liturgie unmittelbar verständlich, rational, horizontal und menschlich sei. „Aber wenn wir so handeln, riskieren wir, das göttliche Mysterium auf gute Gefühle zu reduzieren“, warnte er.

Bei der Messfeier „ad orientem“, bei der Gemeinde und Priester gemeinsam Richtung Osten gewandt sind, bestehe laut Sarah dagegen „eine geringere Versuchung für den Zelebranten, selbst die Messe zu dominieren“. Wir seien weniger versucht, uns selbst als Schauspieler zu sehen, zitierte er Papst Franziskus. „Es geht nicht darum, mit dem Rücken zu den Menschen zu feiern oder sie anzusehen, sondern darum, zum Osten gewandt zu sein, ad Dominum, zum Herrn“, so der Kardinal. Sarah tritt regelmäßig für die Messfeier „ad orientem“ ein, zuletzt hatte er sich im Mai ähnlich gegenüber dem französischen Wochenmagazin „Famille chrétienne“ geäußert.

Der Kardinal sieht zudem die Gefahr, dass Christen leicht zu Götzendienern würden. „Als Gefangene des Kraches von endlosem Gerede sind wir nicht weit davon entfernt, einen Kult nach unseren eigenen Maßstäben, einen Gott nach unserem Bild zu schaffen“, so Sarah. Oft würden Christen aus der lauten, oberflächlichen Liturgie herauskommen, ohne Gott und den inneren Frieden gefunden zu haben, den dieser gebe. „Ich denke, wir sind Opfer des oberflächlichen, egoistischen und weltlichen Geistes, der in unserer medienorientierten Gesellschaft verbreitet ist“, bemängelte der Kardinal. Er wolle deshalb mit seinem neuen Buch „La force du silence“ (deutsch: „Die Kraft der Stille“) „Christen und Menschen guten Willens einladen, in die Stille zu gehen; ohne sie sind wir in einer Illusion“. Gott warte auf unsere Stille, um sich selbst zu offenbaren.

„Gott ist Stille und der Teufel ist Lärm“

„Gott ist Stille und der Teufel ist Lärm„, führte Sarah aus. Denn trotz seiner fröhlichen Erscheinung sei „Lärm ein Wirbelsturm, der einen davon abhält, sich selbst ins Gesicht zu sehen und die eigene Leere zu erkennen. Er ist eine teuflische Lüge.“ Der Teufel setze bei Liturgie und Katechese an, um „den Glauben der Christen zu nehmen und die Kirche so zu packen, dass sie zerbricht, ausgelöscht und endgültig  zerstört wird“. Stille dagegen sei der Pfad, der es dem Menschen ermögliche, zu Gott zu finden, führte der Kardinal aus. Priester der Moderne hätten der Stille zwar den Krieg erklärt, doch sie hätten diesen Kampf schon verloren. Denn es sei möglich, inmitten des Lärms die Stille zu wahren.

Linktipp: Die reale Gegenwart Christi

Es geschieht in jeder heiligen Messe. Aber was hat es mit der wahrhaften Gegenwart des Gottessohns in der heiligen Eucharistie auf sich?

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Sarah bemängelte, dass in der heutigen Gesellschaft ein stiller Mensch „einer zu viel“ sei. „Dies ist der tiefe Grund, weshalb der moderne Mensch stille Geschöpfe verachtet und hasst und weshalb er abscheuliche Verbrechen gegen ungeborene Kinder, Kranke oder Menschen am Ende ihres Lebens begeht“, kritisierte der Kardinal. Diese stillen Geschöpfe seien aber die wahren Propheten der Stille.

„Stille offenbart das Mitleiden Gottes und die Tatsache, dass er an unserem Leid Anteil nimmt“, so Sarah weiter. Christi Sieg über den Tod und die Sünde werde in der großen Stille am Kreuz vollzogen. „Gott zeigt seine Allmacht in dieser Stille, die keine Barbarei jemals antasten kann.“ Bei seinen Reisen in Krisenregionen habe der Kardinal beobachtet, dass stilles Gebet der letzte Schatz derer sei, denen sonst nichts geblieben ist. „Lasst uns im Leiden in der Festung des Gebets verharren“, forderte er deshalb auf.

Sarah: Stille ist Ort der Begegnung mit Gott

Als Beispiel führte Sarah Erzbischof Raymond-Marie Tchidimbo, seinen Vorgänger auf dem Bischofssitz von Conakry in Guinea, an. Von den Marxisten verfolgt habe dieser neun Jahre isoliert im Gefängnis gesessen. „Die von den Beamten auferlegte Stille wurde zum Ort der Begegnung mit Gott„, so der Kardinal. Gottes erste Sprache sei Stille. Alles andere sei dagegen nur eine armselige Übersetzung. „Um diese Sprache zu verstehen, müssen wir lernen, still zu sein und in Gott zu ruhen.“ (jml)

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Quelle

Erzbischof Annibale Bugnini C.M. – Pionier der Liturgiereform [1]

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Einleitung

In seinem Rückblick auf die erste Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils aus dem Jahre 1963 schreibt Professor Joseph Ratzinger, dass zwei Faktoren gleichsam den Durchbruch beim Konzil ermöglicht hätten: zunächst einmal die Tatsache, dass sich die Konzilsväter als eine “eigene Größe mit eigener Verantwortung entdeckt“ hätten und dann, dass „mit dem Liturgieschema anstelle des alten Anti, der Negation, eine neue positive Möglichkeit vor ihnen aufgetaucht“ war, „die Möglichkeit, aus der Defensive heraus zu kommen und christlich offensiv zu werden, positiv zu denken und zu handeln“2. Das Liturgieschema war bekanntlich das einzige vorbereitete Arbeitsdokument, das von den Konzilsteilnehmern angenommen wurde. Die Vorarbeiten dieses Schemas gehen auf die Liturgiereformkommission Pius XII. zurück, der mit seiner Enzyklika Mediator Dei im Jahre 1947 der Liturgischen Bewegung des 20. Jahrhunderts mit ihrer pastoralen Ausrichtung ihre höchstamtliche Anerkennung gegeben hatte.3 Am 28. Mai 1948 wurde die oben genannte Kommission ernannt, die dann bis zum 8. Juli 1960 82 Sitzungen abhalten wird. Mitglied und Sekretär dieser Kommission war der Lazarist (Vinzentiner) Annibale Bugnini.4 Er wird in der Folge bis 1962 auch Sekretär der Liturgischen Vorbereitungskommision des 2.Vatikanischen Konzils und dann ab 1964 Sekretär des von Papst Paul VI. eingesetzten Consiliums zur Durchführung der Liturgiekonstitution, deren Aufgabe v. a. in der Erarbeitung erneuerter liturgischer Bücher bestand. Weltweit tragen alle liturgischen Bücher, die in der Folge bis 1975 erschienen sind, auf der Seite der römischen Approbation Bugninis Namen. In jenem Jahr musste er dann auf eine für ihn sehr schmerzliche Weise seine liturgische Aktivität beenden und er wurde zum Nuntius ernannt, wohl gemäß dem alten römischen Ausspruch „Promoveatur ut amoveatur“5.

Nach seinem Tod am 3. Juli 1982 in einer römischen Klinik ist Bugnini allgemein in Vergessenheit geraten, bzw. in erster Linie von den Gegnern der Liturgiereform weiterhin mit nie bewiesenen Vorwürfen bedacht worden.

Die Liturgiereform des 20. Jahrhunderts, die insgesamt in der Weltkirche positiv aufgenommen worden ist, die aber auch eine Reihe bisher noch nicht gelöster Konflikte

1 Vortrag von Alexander Jernej CM bei der Megvis-Tagung 2013 in Untermarchtal.
2 Vgl. Joseph Ratzinger, Die erste Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils [Broschiert], Verlag: Bachem (1963), 41 f. Zitiert nach Herder Korrespondenz Spezial, Oktober 2012, 42.1 Vortrag von Alexander Jernej CM bei der Megvis-Tagung 2013 in Untermarchtal.
3 Vgl. Karl Rahner, Herbert Vorgrimmler, Kleines Konzilskompendium, 35. Aufl., Herder 2008, 37.
4 Vgl. Annibale Bugnini, La riforma liturgica (1948-1975), Nuova Edizione, Edizioni Liturgiche, Roma 1997, 24, 25.
5 Er möge befördert werden, um ihn loszuwerden.

gebracht hat,6 ist zutiefst mit dem Vinzentiner Annibale Bugnini verbunden, der „alles, was er in der Kirche und für die Kirche getan hat, als Priester der Mission getan hat“7.

Wer war Annibale Bugnini?  Zunächst ein paar

 

Biographische Daten [8]

Annibale Bugnini wurde am 14. Juni 1912 in Civitella de’ Pazzi (heute Civitella del Lago) in Umbrien geboren. Nach der Grundschule wurde er in das Kleine Seminar der Vinzentiner in Rom aufgenommen. Er besuchte die Schule des Päpstlichen Kleinen Seminars im Vatikan und wurde am 5. Oktober 1928 in das Innerere Seminar (Noviziat) der Vinzentinerprovinz von Rom im Collegio Leoniano aufgenommen. Zwei Jahre später legte er dort in der Gemeinschaft die Ewigen Gelübde ab. Es folgten drei Jahre Philisopiestudium im Collegio Alberoni in Piacenza, anschließend Studium der Theologie am Angelikum der Dominikaner in Rom, das er mit dem Doktorat zum Thema „Die Liturgie zur Zeit des Tridentinischen Konzils“9 abschloss.

Am 26. Juli 1936 wurde er von seinem Mitbruder Bischof Alcide Marina C.M. zum Priester geweiht. Dieser war in Piacenza bereits sein Hausoberer und später in Rom sein Provinzial gewesen. Jetzt war er vor kurzem zum Nuntius im Iran ernannt worden.

Während seines Doktoratsstudiums arbeitete Bugnini einige Jahre als Seelsorger am Stadtrand von Rom. Der Kontakt mit den Menschen, besonders den Kindern weckte in ihm das Verlangen eine fruchtbarere Mitfeier der Hl. Messe durch die Gläubigen zu fördern.

1939 wurde auf Wunsch der zuständigen vatikanischen Stellen im Collegio Leoniano ein Konvikt für Priester eröffnet, die in Rom ihren Studien nachgingen. Bugnini wurde dessen erster Direktor. Viele seiner Convittori wurden später Bischöfe und hohe Mitarbeiter der vatikanischen Kurie.10 Während des Krieges studierte der junge Direktor des Konviktes selbst nebenher christliche Archeologie, im besonderen interessierte er sich für das Studium der Quellen der Liturgie, ein Gebiet auf dem er es schließlich zur Meisterschaft bringen sollte.

Seit 1946 war Bugnini auch Schriftleiter der international anerkannten liturgischen Zeitschrift Ephemerides liturgicae, die er allerdings nach dem Krieg erst wieder neu in Schwung bringen musste. Er unternimmt Reisen zu liturgischen Zentren in Belgien, Frankreich und Spanien, er startet nach Rücksprache mit dem Sekretär der Ritenkongregation eine detailierte Umfrage unter etwa hundert internationalen

6 Vgl. Benedikt Kranemann, In die Zeit gesetzt, Diskussionen um die Liturgiereform, in: Herder Korrespondenz Spezial, Oktober 2012, 31.
7 Nicola Albanesi, C.M., Prefazione, in: Annibale Bugnini, C.M., Memorie autobiografiche, Edizioni Liturgiche, Roma 2012, 6.6 Vgl. Benedikt Kranemann, In die Zeit gesetzt, Diskussionen um die Liturgiereform, in: Herder Korrespondenz Spezial, Oktober 2012, 31.
8 Vgl. die Kurzbiographie über Mons. Annibale Bugnini von Erzbischof von G.F. Rossi C.M. auf der Homepage der römischen Provinz der Vinzentiner: http://www.cmroma.it/index.php?option=com_content&view=article&id=78:mons-bugnini-annibale-1912-1983&catid=28&Itemid=189
9 De liturgia eiusque momento in Concilio Tridentino.
10 Vgl. Bugnini, Memorie, 42f.

Liturgieexperten über deren Vorstellungen einer Gesamtreform der Liturgie.11 Die eingetroffenen 40 Antworten wird er zu Artikeln verarbeiten und veröffentlichen. Bugnini war auch daran gelegen, die liturgiewissenschaftlichen Ergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Er begründete daher wissenschaftliche Reihen und betätigte sich als deren Verleger. Ebenso machte er es mit liturgischen Handreichungen für die Gläubigen. Er selbst schrieb ein kleines Büchlein „Unsere Messe“12, das mehrfach übersetzt und verlegt wurde und eine Gesamtauflage von einer Million Exemplaren erreichte.

1948 wurde Bugnini, wie bereits oben erwähnt, zum Sekretär der von Pius XII. einberufenen Kommission für die Liturgiereform ernannt.13  „Die Erneuerung der Osternachtfeier (1951) und der übrigen Feiern der Heiligen Woche (1955), der Rubrikenkodex (1960) und die letzten „Editiones Typicae“ der vorkonziliaren liturgischen Bücher (1962) Missale, Brevier, Pontificale – waren dieser Kommission anvertraut.“14 Bereits in dieser Funktion wurde Bugnini von einem Kardinal einmal öffentlich ein „Bilderstürmer“, ein Progressist genannt.15 Derselbe Kardinal sollte dann für sein sog. „Erstes Exil“ während des II. Vatikanischen Konzils verantwortlich sein.16

Ab 1948 lehrte Bugnini auch als Professor für Liturgik an verschiedenen päpstlichen Hochschulen. Am längsten, bis 1967 verblieb er an der Urbaniana.

Am 11. Juli 1960 wurde Bugnini zum Sekretär der international besetzten Liturgischen Vorbereitungskommission für das 2. Vatikanische Konzil bestellt. Diese ersetzte auch die viel kleinere von Pius XII eingesetzte Liturgiekommission. Dieser Vorbereitungskommission gelang es das bereits erwähnte Arbeitsdokument, Schema genannt, zu verfassen, das für das gesamte Konzil richtungweisend werden sollte. Am 16. Oktober 1962 wurde es von den Konzilsvätern angenommen und auf den ersten Tagesordnungspunkt gesetzt. Präsident der Liturgischen Kommission des Konzils wurde dann der konservativ eingestellte Kardinal Larraona, Präfekt der Ritenkongregation, der es durchsetzte, dass Bugnini als einziger Sekretär einer Vorbereitungskommission nicht Sekretär der entsprechen Konzilskommission wurde.17 Für ihn war Bugnini nicht nur ein Progressist, sondern auch übereifrig und übereilig18. Zur gleichen Zeit versuchte man auch die Tätigkeit Bugninis als Professor an den römischen Hochschulen zu beenden, was aber nur im Falle der Lateranuniversität gelang.19 Cardinal Bea schrieb ihm zum Trost am 2. November dieses Jahres: „Ich hoffe, Sie können diese Ihre fruchtbare Arbeit auch in Zukunft fortsetzen, trotz der schmerzlichen Ereignisse

11 Vgl. ebd. 49
12 La nostra messa. Dieses Büchlein ist leider vergriffen. Vgl. ebd. 50.11 Vgl. ebd. 49.
13 Ihr gehörte von Anfang an der österreichische Redemptorist P. Joseph Löw an, der als Mitarbeiter der Ritenkongregation bereits an den Vorarbeiten für diese Kommission beteiligt war. Vgl. Annibale Bugnini, La riforma liturgica (1948-1975), Nuova Edizione, Edizioni Liturgiche, Roma 1997, 23.
14 Reiner Kaczynski, Zum Gedächtnis an Erzbischof Bugnini CM, in: „Gottesdienst“ 1982 Nr. 14.
15 Vgl. A. Bugnini, Memorie, 73.
16 Vgl. Bugnini, La riforma liturgica, 44.
17 Ebd.
18 Troppo spinto. Vgl. Bugnini, Memorie, 73.
19 Vgl. Bugnini, Memorie, 58f., Bugnini, La riforma liturgica, 44 (Fußnote 5).

der letzten Wochen.“20 Bugnini arbeitete als einer von 26 Periti (Konzilstheologen) in der Liturgischen Kommission des Konzils. Am 21. Juni 1963 wurde während des Konzils ein neuer Papst gewählt: Paul VI. Am 4. Dezember dieses Jahres erfolgte dann die feierliche Schlussabstimmung der Konstitution „Sacrosanctum Concilium“, die zu einem großen Teil das vorbereitete Schema wiedergibt und die mit 2147 Ja- gegen 4 Nein-Stimmen angenommen worden ist. Kardinal Döpfner hat später einmal in einem Gespräch gemeint: „Ich bin überzeugt, dass wir die Liturgiekonstitution nicht bekommen hätten, wenn es P. Bugnini nicht gegeben hätte.“21  Prof. Reiner Kaczynski (Liturgiker in München) kommentiert diesen Ausspruch so: „Das sollte nicht heißen, dass alle guten Gedanken der Konstitution von ihm gekommen wären. Aber jedermann wusste: Um gute Ideen durchzusetzen, war jemand nötig, der nicht nur den Kontakt mit Wissenschaft und Seelsorge hatte, sondern auch in der Vatikanischen Verwaltung zu Hause war, der bereit war, auf seine Freunde und Kollegen aus Liturgiewissenschaft und Praxis zu hören und von ihnen zu lernen, der den nüchternen Blick für die Realität hatte und ein Gespür dafür, was durchsetzbar war und was nicht, der die Wege kannte, auf denen etwas zu erreichen war, und sich den Gegebenheiten anpassen konnte, ohne das Gesicht zu verlieren, der sich nicht entmutigen ließ, wenn von irgendwoher eine negative Antwort kam, sondern vielmehr sofort überlegte, wie man bei einem erneuten Anlauf zu einem positiven Ergebnis kommen konnte.“22 Diese außergewöhnliche Effizienz an zentraler Stelle im Bereich der Liturgiereform wird Bugnini schließlich im Zusammenhang mit seinem Zweiten Exil zur Zielscheibe größter Anfeindungen und Verleumdungen machen. (Vinzenz: effektive Liebe; Bugnini: effektive Liebe im Bereich der Liturgie! – seine Gegener hatten sicher affektive Liebe für Liturgie, aber nicht für Bugnini)

Noch im Dezember 1963 beauftragte Paul VI die Schaffung eines Gremiums zur Durchführung der Liturgiekonstitution. Das Sekretariat der Liturgischen Kommission des Konzils auf der einen und Kardinal Lercaro, ein Liturgist, auf der anderen Seite sollten jeweils einen Vorschlag bezüglich der Zusammensetzung und Wirkweise dieses Gremiums erarbeiten. Kardinal Lercaro lässt im Geheimen Bugnini einen solchen ausarbeiten. Dieser wird vom Papst angenommen und Bugnini selbst wird als Sekretär eingesetzt und beauftragt, das Consilium zur Durchführung der Liturgiekonstitution unter der Leitung von Kardinal Giacomo Lercaro zu organisieren. Bugnini machte sich nun erneut an die Arbeit und sah sich in seinen Rechten vollkommen rehabilitiert.23 Es galt die alten internationalen Kontakte in der liturgischen Fachwelt wieder herzustellen, die Kompetenzen des Consiliums innerhalb der römischen Kurie zu klären, die Arbeitsschritte zu entwerfen, die Arbeiten zu verteilen und zu koordinieren, etc. Aus dem Consilium wurde von 1969 bis 1975 die Kongregation für den Gottesdienst. Bugnini verblieb auch hier als Sekretär, während die Kardinäle als

20 Ebd. 74.
21 Vgl. Kaczynski, Gedächtnis.20 Ebd. 74.
22 Ebd.
23 Vgl. Bugnini, Memorie, 78; Bugnini, La riforma, 74f.

Präsidenten, bzw. Präfekten sich ablösten, bzw. zwischenzeitlich fehlten, sodass er vieles persönlich mit Papst Paul VI besprach, den er regelmäßig traf und zu dem er freien Zutritt hatte. Am 6. Januar 1972 wurde Bugnini zum Titularerzbischof ernannt und am 13. Februar 1972 von Papst Paul VI persönlich geweiht.

Die wahrnehmbaren Veränderungen im Bereich der Liturgie waren in dieser Zeit enorm. Der Vollzug der Liturgie in den Landessprachen, die Ausrichtung des Altares zur Gemeinde hin, sodass diese mit dem Priester um den Altar versammelt ist, die Neuordnung des Ritus und die Herausgabe neuer liturgischer Bücher, ein erneuerter liturgischer Kalender, etc. Aus der römischen Einheitsliturgie wurde eine römisch katholische mit neuen Kompetenzen für die Ortskirchen. Das neue Kirchenverständnis des II. Vatikanischen Konzils erlebte seine erste Belastungsprobe.

Am 14. Juli 1975 wurde Erbischof Bugnini ins Staatsekretariat gerufen und ihm mitgeteilt, dass er zum Nuntius in Uruguay ernannt worden ist und dass die Kongregation für den Gottesdienst mit der Kongregation für die Sakramente zusammengelegt wird. Bugnini ist schockiert, er überlegt und lehnt die neue Aufgabe wegen mangelnder Spanischkenntnisse ab. Ein halbes Jahr lebt er zurückgezogen, schreibt an den Papst, sucht eine Erklärung und findet keine andere als Intrigen in der Kurie, die offene Feindschaft des Präfekten der Glaubenskongregation (siehe unten) und die Verleumdungen von Gegnern der Liturgiereform, er wäre – neben vielen anderen in der Kurie – ein Freimaurer. Bei einer kurzen persönlichen Begegnung mit dem Papst, wagt er ihm keine großen Fragen zu stellen.

Er erkennt, dass Paul VI noch stärker bedrückt und am Boden war als er selbst.24 Bugnini macht sich nun an die Arbeit für sein Standartwerk La riforma liturgica, das er fast vollendet. Es wird erst 1981 veröffentlicht werden.25 Anfang Dezember 1975 wird ihm mitgeteilt, dass ein Posten frei wäre, der das Französische als Arbeitssprache erfordert. Der Papst bitte ihn diesen anzunehmen. Am 5. Janaur 1976 wird die Ernennung Erzbischof Bugninis zum Nuntius im Iran öffentlich bekannt gegeben. Am 3. Februar reist er ab. Er wird dort ab 1978 die islamische Revolution unter Chomeini miterleben. Das Wirken Bugninis als Nuntius im Iran, eine Tätigkeit, zu der er sich nicht berufen fühlte, die er aber zur größten Zufriedenheit aller, besonders Roms, mit großem persönlichen Einsatz ausführte,

wäre ein Thema für einen eigenen Vortrag. Jetzt geht es um den Pionier der Liturgiereform, der niemals wirklich erfahren hat, warum er sein Werk in diesem Bereich so jäh abbrechen musste. Sei Gewissen war rein. Vor seiner Abreise in den Iran verabschiedete er sich von seinen Freunden mit einem Rundbrief. Er schrieb darin: „Als Arbeiter des neuen Heiligtums, als treue Besteller des Ackers Gottes, zuweilen als unbekannte Soldaten des guten Kampfes (wenn auch nicht immer siegreich) haben wir mit großmütiger Hingabe, Freiheit des Geistes,

24 Vgl. Bugnini, Memorie, 81.
25 Es wurde u. a. auch ins Deutsche übersetzt:

redlichem Mut und promptem Gehorsam für die liturgische Erneuerung und die Verteidigung der erreichten Ziele gearbeitet.“26

 

Bugninis Vermächtnis

Prof. Balthasar Fischer aus Trier hielt im Oktober 1982 bei einer Gedenkfeier für den Verstorbenen im Collegio Leoniano der Vinzentiner in Rom eine Ansprache zum Thema Annibale Bugnini und die Zukunft der Kirche.27 Er sagte u. a.: „Wir alle, die wir ihn gekannt, geachtet und geliebt haben, sind Zeugen dafür, dass dieses siebzigjährige Leben von einer Leidenschaft erfüllt war, die ihn die übermenschliche Mühsal einer ungewöhnlichen täglichen Arbeitslast gelassen tragen ließ und die sich durch bösen Gegenwind, durch Verständnislosigkeit, ja durch Gehässigkeit nicht irremachen ließ: von der Leidenschaft für die Kirche.“28 … wir als liturgiewissenschaftliche Experten aus den Kirchen der Peripherie haben in all den Jahren der Zusammenarbeit …[von den 50-er Jahren an] „mit wachsender Genugtuung gespürt, wie hier ein italienischer Kollege, der unter weniger günstigen Vorausetzungen angetreten war als wir, bereit war, unsere Zukunftsvorstellungen von der Liturgie ernstzunehmen: er hatte in erstaunlichem Maß die in unserem Beruf seltene Tugend, dass er zuhören konnte und immer wieder zu lernen und umzulernen bereit war. … Niemand fand ein offeneres Ohr bei ihm als die Bischöfe von der Peripherie, die ihn bei ihrem Besuch ad limina in Rom aufsuchten und von den Erfolgen aber auch den Misserfolgen der Liturgiereform an der Basis berichteten.“29 Bugninis Haltung gegenüber den Lokalkirchen, die Peripherie, von der er so oft sprach – finden wir in zwei seiner Aussprüche bestens zusammengefasst: „Häufig muss die Autorität reagieren, indem sie Missbräuchen vorbeugt und sie nicht erst nachträglich unterdrückt. Was objektiv nicht zu beanstanden ist, das wird eine gute Regierung nicht von vornherein verbieten oder behindern, sondern sie wird den Bischöfen die Möglichkeit geben, es nach sachlichen und menschlichen Gegebenheiten zu

ordnen.“ Und weiters: „Gilt etwa das Urteil, das aus der Ferne, am grünen Tisch entstanden ist, mehr als das einer verantwortungsbewussten Bischofskonferenz, die um das ihr anvertraute Volk besorgt ist? Ich meine, es wird unsere Aufgabe sein, umsichtig, Fall für Fall, zu prüfen und dann mit brüderlichem Verständnis und Liebe mehr nach dem Geist als

26 Bugnini, Memorie, 83.
27 Ansprache bei der Gedenkfeier für den am 3. 7. 1982 verstorbenen Erzbischof Annibale Bugnini, die am 20. 10. 1982 im Collegio Leoniano der Vinzentiner in Rom in italienischer Sprache gehalten wurde. Der deutsche Text ist veröffentlicht unter: Fischer B., Annibale Bugnini (1912-1982) und die Zukunft der Kirche, in: Liturgisches Jahrbuch Münster, 1983, vol. 33, no2, S 69-75.
28 Ebd. 69.
29 Ebd. 70.

nach dem Buchstaben des Gesetzes den Willen, den die Lokalkirchen durch ihre Hirten zum Ausdruck bringen, zu unterstützen.“30

Prof. Fischer verwies in seiner Ansprache auf zwei Projekte, an denen er persönlich beteiligt war, auf die Erarbeitung der neuen Richtlinien für das Erwachsenenkatechumenat und des Direktoriums für Kindermessen und der neuen Kinderhochgebete. Er sagte: „Man muss es schon bewundernswert nennen, wie dieser Mann, der nie in seinem Leben mit Katechumenen und wohl auch kaum mit Kindern seelsorglich zu tun hatte, sich die an ihn herangetragenen Wünsche nach einer Reform der Eingliederung in die Kirche und nach einer kindgemäßen Messfeier zu eigen gemacht und sie gegen alle Widerstände durchgehalten hat, bis jene Ordnungen da waren, die die Genehmigung aller zuständigen Dikasterien und zuletzt des Papstes erhalten hatten.“31

Für so manche, auch Kardinäle, war das nicht mehr Liturgiereform, sondern Liturgiezerstörung. Dazu kamen Klagen über liturgische Missbräuche, die in dieser Zeit nicht selten waren.

In den Auseinandersetzungen zwischen der holländischen Bischofskonferenz und Rom Anfang der 70-er Jahre auch in liturgischen Fragen hat sich Bugnini aber immer für eine moderate Linie ausgesprochen, er hat sie als päpstlicher Gesandter für liturgische Fragen auch praktiziert und geriet damit in krassem Gegensatz zur Ritenkongregation und besonders zur Glaubenskongregation.32

Immer wieder wurden und werden Bugnini Eigenmächtigkeiten in seinem Handeln im Bereich der Liturgiereform vorgeworfen. Kardinal Ratzinger hat in einem Brief an P. Pasqualetti IMC, noch am 3. Januar 2003 geschrieben: „Ich kann den Namen eines Liturgieprofessors nennen, der sich damit rühmt wie sie [wohl gemeint: Bugnini und seine Mitarbeiter] es verstanden haben, den Papst bei der Ausführung der Reform zu hintergehen.“ Unterstellt wird u.a., dass im Messbuch von 1970 Eigenmächtigkeiten Bugninis vorhanden wären, die im Detail nicht dem Willen Pauls VI entsprechen würden. Es ist hier allerdings immer bei allgemeinen Anschuldigungen geblieben, es wurden nie konkrete Beweise erbracht. Bugnini selbst war immer bereit, ja bestrebt alle Fragen zu beantworten. Er hatte dazu nie Gelegenheit, was ihn sehr bedrückte. Dennoch hat er seinen inneren Frieden mit der ganzen Angelegenheit geschlossen. Er war überzeugt, dass seine Gegner in gutem Glauben

gehandelt haben, und hoffte, dass sie sich gemeinsam im Paradies darüber unterhalten werden.33

Prof . Fischer hat seine Ansprache bei der Gedenkfeier für den verstorbenen Pionier der Liturgiereform, Erzbischof Bugnini, mit den Worten beendet: „Einer seiner engsten langjährigen Mitarbeiter hat in der Festschrift, die zu unser aller Schmerz nach Gottes Willen

30 Ebd. 71 (Fn 1 und 2).
31 Ebd. 72.
32 Vgl. Bugnini, Memorie, 86-87, Fn 12.
33 Vgl. ebd. 8.

eine Gedenkschrift geworden ist, Leben und Werk des Mannes, den er aus nächster Nähe und täglicher Zusammenarbeit kannte, in das wunderbare Sätzchen zusammengefaßt:

Amo e servi la Chiesa. Ich möchte am Ende meiner Ausführungen und als ihr Ergebnis ein kleines Wörtchen hinzufügen: Amo e servi la Chiesa e il suo futuro.

Dafür gebührt ihm die Dankbarkeit dieser seiner Kirche über das Grab hinaus.“34

34 Fischer, 75. Deutsche Übersetzung der zwei kurzen Sätze: Er liebte und diente der Kirche bzw. Er liebte und diente der Kirche und ihrer Zukunft.

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Quelle

Kardinal Sarah: „Auf dem Weg hin zu einer authentischen Umsetzung von Sacrosanctum Concilium“

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Gott im Blick: Kardinal Sarah feiert die heilige Messe, nach Osten gerichtet, in der „normalen“ Form am zweiten Tag der Londoner Konferenz. Foto: Lawrence OP via Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Dokumentiert:
Die komplette Rede von Kardinal Sarah
bei der Konferenz „Sacra Liturgia“

(Original: Englische Version dieser kompletten Rede)

Verehrte Exzellenzen, liebe Geistliche, Diakone und liebe geweihte Männer und Frauen, liebe Brüder und Schwestern in Christus:

Zuerst möchte ich Seiner Eminenz Kardinal Vincent Nichols danken, für seine Begrüßung in der Erzdiözese von Westminster, und für seine freundlichen Worte der Begrüßung. Danken möchte ich auch Seiner Exzellenz, Bischof Dominik Rey, dem Bischof von Fréjus-Toulon, für seine Einladung zu dieser internationalen „Sacra Liturgia“-Konferenz, und die Eröffnungsansprache heute Abend zu halten. Exzellenz, ich gratuliere Ihnen zu dieser internationalen Initiative zur Förderung der Erforschung der Wichtigkeit liturgischer Bildung und Zelebration im Leben und der Mission der Kirche.

Ich bin sehr glücklich, mit Euch allen heute hier zu sein. Ich danke einem jeden von Euch für seine Anwesenheit, mit der er seiner Wertschätzung für jene wichtige Frage Ausdruck verleiht, die Kardinal Ratzinger einst „die Frage der Liturgie“ nannte, heute, am Eingang des 21. Jahrhunderts. Dies ist ein großartiges Hoffnungszeichen für die Kirche.

EINLEITUNG

In seiner Botschaft vom 18. Februar 2014 zum Symposium anlässlich des 50. Jubiläums der Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die heilige Liturgie, Sacrosanctum Concilium, bemerkte der Heilige Vater, Papst Franziskus, dass der Zeitpunkt des 50. Jahrestags seit der Ausfertigung der Konstitution uns dazu bewegen sollte, „die Verpflichtung zu erneuern, [die] Lehre [von Sacrosanctium Concilium] in einer noch vollständigeren Weise umzusetzen.“ Der Heilige Vater fuhr fort:

Es ist notwendig, vereint mit erneuerter Bereitschaft den Weg weiter zu gehen, den die Konzilsväter angezeigt haben, da noch viel zu tun ist, was die richtige und vollständige Assimilation der Konstitution der heiligen Liturgie seitens der getauften und kirchlichen Gemeinschaften betrifft. Ich beziehe mich, insbesondere, auf die Verpflichtung zu einer soliden und natürlichen liturgischen Einführung und Bildung, sowohl der gläubigen Laien als auch des Klerus und geweihter Menschen.

Der Heilige Vater hat recht. Wir müssen noch viel erledigen, wenn wir die Vision der Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils für das liturgische Leben der Kirche realisieren wollen. Wir haben sehr viel zu tun, wenn wir heute, gute 50 Jahre nach Abschluss des Konzils „eine rechte und vollständige Assimilierung der Konstitution der heiligen Liturgie“ erreichen wollen.

In diesem Vortrag möchte ich Ihnen einige Erwägungen vorstellen, wie die Kirche des Westens sich einer treueren Umsetzung von Sacrosanctum Concilium annähern kann. Dabei möchte ich die Frage stellen: „Was beabsichtigten die Konzilsväter mit der Liturgiereform?“ Dann möchte ich darauf eingehen, wie ihre Absichten nach dem Konzil umgesetzt wurden. Abschliessend möchte ich Euch einige Vorschläge unterbreiten für das liturgische Leben der Kirche heute, damit unsere liturgische Praxis besser den Absichten der Konzilsväter entspricht.

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A. WAS IST DIE HEILIGE LITURGIE?

Zuerst aber müssen wir eine Vorfrage betrachten. Es ist die Frage: „Was ist die heilige Liturgie?“ Denn wenn wir nicht das Wesen der katholischen Liturgie verstehen, im Gegensatz zu den Riten anderer christlicher Gemeinschaften und anderer Religionen, können wir auch nicht erwarten, die Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die heilige Liturgie zu verstehen, oder uns einer gewissenhaften Umsetzung annähern.

In seinem Motu Proprio Tra le sollecitudini vom 22. November 1903 lehrte der heilige Papst Pius X., dass „die hochheiligen Mysterien“ und „das öffentliche, feierliche Gebet der Kirche“, das heißt, die heilige Liturgie, die „erste und unentbehrliche Quelle“ sei für den „wahrhaft christlichen Geist“. Der heilige Pius X. rief somit zu einer echten und fruchtbringenden Teilnahme aller an den liturgischen Riten der Kirche auf. Wie wir wissen, sollte diese Lehre und Exhortation in Artikel 14 von Sacrosanctum Concilium wiederholt werden.

Papst Pius XI. erhob etwa 25 Jahre später aus dem gleichen Grund seine Stimme in seiner Apostolischen Konstitution Divini Cultus (20. Dezember 1928), und lehrte,

„[f]ürwahr, etwas Heiliges ist die Liturgie, denn durch sie werden wir zu Gott erhoben und mit ihm vereinigt, in ihr legen wir Zeugnis ab für unseren Glauben; zu ihr sind wir auch strengsten verpflichtet wegen der Wohltaten und der Hilfe, die wir empfangen haben und deren wir stets bedürfen.“

Papst Pius XII. widmete ein Rundschreiben, Mediator Dei, (20. November 1947) der heiligen Liturgie, in dem er lehrte:

Die heilige Liturgie bildet folglich den öffentlichen Kult, den unser Erlöser, das Haupt der Kirche, dem himmlischen Vater erweist und den die Gemeinschaft der Christgläubigen ihrem Gründer und durch ihn dem Ewigen Vater darbringt; um es zusammenfassend kurz auszudrücken: sie stellt den gesamten öffentlichen Gottesdienst des mystischen Leibes Jesu Christi dar, seines Hauptes nämlich und seiner Glieder. (Nr. 20)

Der Papst lehrte, dass die „Wesen und Sinn der heiligen Liturgie“ sei, dass „die Verbindung unserer Seelen mit Christus [bezweckt], ihre durch den göttlichen Erlöser zu erwirkende Heiligung, auf daß Christus geehrt werde und durch ihn und mit ihm die heiligste Dreifaltigkeit“. (Nr. 171)

Das Zweite Vatikanische Konzil lehrte, dass sich durch die Liturgie „das Werk unserer Erlösung“ vollziehe (Sacrosanctum Concilium, 2) und dass die Liturgie mit Recht:

…als Vollzug des Priesteramtes Jesu Christi [gelte]; durch sinnenfällige Zeichen wird in ihr die Heiligung des Menschen bezeichnet und in je eigener Weise bewirkt und vom mystischen Leib Jesu Christi, d.h. dem Haupt und den Gliedern, der gesamte öffentliche Kult vollzogen.

Infolgedessen ist jede liturgische Feier als Werk Christi, des Priesters, und seines Leibes, der die Kirche ist, in vorzüglichem Sinn heilige Handlung, deren Wirksamkeit kein anderes Tun der Kirche an Rang und Maß erreicht. (Nr. 7)

Vor diesem Hintergrund lehrte Sacrosanctum Concilium, dass die Liturgie:

…der Höhepunkt [ist], dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt. Denn die apostolische Arbeit ist darauf hingeordnet, daß alle, durch Glauben und Taufe Kinder Gottes geworden, sich versammeln, inmitten der Kirche Gott loben, am Opfer teilnehmen und das Herrenmahl genießen. (Nr. 10)

Nun könnte man diese Exposition der Lehre des Magisteriums über die Natur der heiligen Liturgie mit den Lehren der nachkonziliaren Päpste weiterführen, und mit dem Katechismus der Katholischen Kirche. Aber lasst uns fürs erste beim Konzil anhalten. Denn es ist klar, denke ich, dass die Kirche lehrt, dass die katholische Liturgie der einzigartig privilegierte Ort der erlösenden Handlung Christi in unserer Welt von heute ist, durch welche wir, bei echter Teilnahme, Seine Gnade und Kraft empfangen, die so notwendig ist für unser Ausharren und Wachsen im Leben als Christen. Es ist der göttlich begründete Ort, an den wir kommen um unsere Pflicht der Opfergabe für Gott zu leisten, das Eine Wahre Opfer darbringen. Die katholische Liturgie ist etwas Heiliges, etwas, das seinem Wesen nach heilig ist. Katholische Liturgie ist keine gewöhnliche Zusammenkunft von Menschen.

Ich möchte an dieser Stelle eine sehr wichtige Tatsache betonen: Gott, nicht der Mensch, steht im Mittelpunkt der Liturgie. Wir kommen, um Ihn anzubeten. In der Liturgie geht es nicht um Dich oder mich; wir feiern dort nicht unsere eigene Identität oder Leistungen oder verherrlichen oder unterstützen dort unsere eigene Kultur und örtlichen religiösen Bräuche. In der Liturgie geht es zuerst und vor allem um Gott und was Er für uns getan hat. In Seiner Göttlichen Vorsehung hat der Allmächtige Gott die Kirche geschaffen und die Heilige Liturgie begründet, durch die es uns möglich ist, Ihm wahrhaftige Anbetung zu erweisen im Einklang mit dem durch Christus geschaffenen Neuen Bund. Auf diese Weise, indem wir in die Anforderungen der heiligen Riten eintreten, wie sie in der Tradition der Kirche entwickelt wurden, erhalten wir unsere wahre Identität und Bedeutung als Söhne und Töchter des Vaters.

Es ist unerlässlich, dass wir diese Spezifizität katholischer Anbetung verstehen, denn in den vergangenen Jahrzehnten haben wir viele liturgische Feiern erlebt in denen Leute, Persönlichkeiten und menschliche Errungenschaften zu sehr im Vordergrund standen, fast bis zur Exklusion Gottes. Wie Kardinal Ratzinger einst schrieb: Wenn die Liturgie zuallererst wie eine Werkstatt unserer Aktivitäten ist, dann wird vergessen, was wesentlich ist: Gott. Denn die Liturgie dreht sich nicht um uns, sondern um Gott. Gottvergessenheit ist das größte Problem unserer Zeit (vgl. Joseph Ratzinger — Gesammelte Schriften: Theologie der Liturgie: Die sakramentale Begründung christlicher Existenz).

Wir müssen uns über das Wesen katholischer Anbetung völlig klar sein, wenn wir die Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Liturgie richtig lesen wollen und treu umsetzen wollen. Denn die Konzilsväter waren in den lehramtlichen Schreiben der Päpste des 20. Jahrhunderts gebildet, die ich zitiert habe. Der heilige Papst Johannes XIII berief kein Ökumenisches Konzil ein, um diese Lehren zu unterwandern, die er selber unterstützte. Die Konzilsväter kamen nicht nicht im Oktober 1962 nach Rom in der Absicht, eine anthropozentrische Liturgie zu schaffen. Vielmehr suchten der Papst und die Konzilsväter nach Wegen, wie die Christgläubigen immer tiefer aus der „ersten und unentbehrlichen Quelle“ trinken können, um so „den wahrhaft christlichen Geist“ für ihre Erlösung und für alle Männer und Frauen ihrer Zeit.

B. WAS BEABSICHTIGTEN DIE VÄTER
DES ZWEITEN VATIKANISCHEN KONZILS?

Wir müssen die Absichten der Konzilsväter genauer betrachten, besonders wenn wir heute ihren Intentionen gerecht werden wollen. Was wollten sie mit der Konstitution über die heilige Liturgie erreichen?

Beginnen wir mit dem allerersten Artikel von Sacrosanctum Concilium:

Das Heilige Konzil hat sich zum Ziel gesetzt, das christliche Leben unter den Gläubigen mehr und mehr zu vertiefen, die dem Wechsel unterworfenen Einrichtungen den Notwendigkeiten unseres Zeitalters besser anzupassen, zu fördern, was immer zur Einheit aller, die an Christus glauben, beitragen kann, und zu stärken, was immer helfen kann, alle in den Schoß der Kirche zu rufen. (Nr. 1)

Erinnern wir uns daran, dass liturgische Reformen bereits seit einem Jahrzehnt im Gange waren zum Zeitpunkt der Konzilseröffnung, und die Konzilsväter mit diesen Reformen sehr vertraut waren. Sie dachten über diese Fragen nicht theoretisch nach, ohne jedweden Kontext. Sie erwarteten, die bereits begonnene Arbeit fortzusetzen und die „altiora principia“ zu erwägen, die höheren oder fundamentalen Prinizipien liturgischer Reform, von denen der heilige Papst Johannes XXIII. in seinem Motu Proprio Rubricarum Instructum vom 25. Juli 1960 sprach.

Somit beschreibt der erste Artikel der Konstitution vier Gründe für eine liturgische Reform. Der erste, „das christliche Leben unter den Gläubigen mehr und mehr zu vertiefen“, ist das stete Anliegen der Seelsorger der Kirche in jedem Zeitalter.

Der zweite, „die dem Wechsel unterworfenen Einrichtungen den Notwendigkeiten unseres Zeitalters besser anzupassen“, mag uns Anlass geben, innezuhalten und nachzudenken, besonders angesichts des Zeitgeists der 1960er Jahre. Doch in Wahrheit, wenn betrachtet aus der Warte der Hermeneutik der Kontinuität, wie es die Konzilsväter mit größter Wahrscheinlichkeit intendierten, bedeutet dies, dass das Konzil sich liturgische Entwicklungen wünschte, die dem Leben der Christen eine größere Lebendigkeit verleihen sollten. Die Konzilsväter wollten nicht die Dinge einfach um der Änderung willen ändern!

Und so mag auch der dritte Grund, „zu fördern, was immer zur Einheit aller, die an Christus glauben, beitragen kann“, zum Nachdenken bringen, dass wir nicht glauben, dass die Konzilsväter die heilige Liturgie instrumentalisieren wollten als ein ökumenisches Werkzeug, daraus ein Mittel zum Zweck machen. Aber kann dies der Fall sein? Gewiß, nach dem Konzil mögen manche dies versucht haben. Doch die Väter selber wußten, dass dies nicht möglich war. Einheit im Kultus vor dem Opfer-Altar ist das angestrebte Ziel ökumenischer Bemühungen. Die Liturgie ist kein Mittel, mit dem man gute Absichten oder Zusammenarbeit in Werken des Apostolats. Nein, die Konzilsväter sagen hier, dass sie glauben, dass die Liturgiereform Teil einer Dynamik sein kann, die Menschen dabei hilft, die katholische Einheit zu erzielen ohne die eine volle Kommunion im Kultus nicht möglich ist.

Die gleiche Motivation findet sich im vierten angegebenen Grund für die Liturgiereform: „zu stärken, was immer helfen kann, alle in den Schoß der Kirche zu rufen.“ Hier gehen wir aber weiter als unsere getrennten christlichen Brüder und Schwestern und betrachten „die gesamte Menschheit“. Die Mission der Kirche ist an jeden Mann und jede Frau gerichtet! Die Konzilsväter glaubten dies und hofften, dass eine fruchtbarere Teilnahme an der Liturgie eine Erneuerung der missionarischen Tätigkeit der Kirche erleichtern würde.

Lassen Sie mich ein weiteres Beispiel geben. Viele Jahre lang wurde vor dem Konzil eine große Debatte über die Möglichkeit geführt — sowohl in Ländern, in denen missioniert wurde als auch in weiter entwickelten —, in der Liturgie mehr Landessprachen zu verwenden, vor allem in den Lesungen aus der Heiligen Schrift, wie auch für einige andere Teile des ersten Teils der Messe (was wir heute den „Wortgottesdienst“ nennen) sowie für liturgische Gesänge. Der Heilige Stuhl hatte bereits viele Genehmigungen für die Verwendung der Landessprache bei der Spendung von Sakramenten erteilt. Vor diesem Hintergrund sprachen die Konzilsväter über mögliche positive ökumenische oder missionarische Effekte der Liturgiereform. Es ist richtig, dass die Landessprachen einen positiven Platz in der Liturgie haben. Die Väter strebten dies an, ohne die Protestantisierung der heiligen Liturgie zu erlauben oder einer falschen Inkulturation der Liturgie zuzustimmen.

Ich bin Afrikaner. Lassen sie es mich klar sagen: Die Liturgie ist nicht der Ort, an dem ich meine Kultur pflege. Vielmehr ist sie der Ort, an dem meine Kultur getauft wird, an dem meine Kultur ins Göttliche aufgenommen wird. Durch die Liturgie der Kirche (welche Missionare der ganzen Welt gebracht haben) spricht Gott zu uns, Er ändert uns und läßt uns an Seinem göttlichen Leben teilhaben. Wenn jemand zum Christen wird, wenn jemand in die volle Kommunion mit der katholischen Kirche eintritt, dann erhält diese Person etwas, das über sie hinausgeht, etwas das sie verändert. Gewiß, Kulturen und anderen Christen bringen Geschenke in die Kirche ein – die Liturgie des Ordinariates der Anglikaner, die nun in voller Kommunion mit der katholischen Kirche sind: Das ist ein schönes Beispiel dafür. Aber sie bringen diese Geschenke mit Demut, und die Kirche nutzt diese in ihrer mütterlichen Weisheit, wie sie es für angemessen beurteilt.

Nichtsdestotrotz scheint sehr klar sein zu müssen, was wir unter Inkulturation verstehen. Wenn wir diesen Begriff wirklich als eine Einsicht in das Mysterium Jesu Christi verstehen, dann haben wir den Schlüssel zur Inkulturation, die kein Streben nach – oder Anspruch auf – Zulässigkeit einer Afrikanisierung oder Latein-Amerikanisierung oder Asiatisierung als Ersatz für eine Verwestlichung der Kirche ist. Inkulturation ist weder eine Kanonisierung örtlicher Kultur noch ein Niederlassen in dieser Kultur auf die Gefahr hin, diese zu Verabsolutisieren. Inkulturation ist ein Hereinbrechen und eine Manifestation des Herrn in den Tiefen unseres Seins. Und das Hereinbrechen des Herrn in unser Leben bedeutet einen Bruch, ein Ablösen, dass den Zugang zu einem Weg neuer Orientierungen eröffnet welche Teile einer neuen Kultur sind, ein Gefährt der Frohen Botschaft für den Menschen und seiner Würde als Sohn Gottes. Wenn das Evangelium in unser Leben eintritt, dann unterbricht es unser Leben, verändert es. Es gibt ihm eine neue Richtung, eine neue Moral und ethische Orientierungen. Es verwandelt das Herz des Menschen auf Gott und auf seinen Nachbarn hin, sie zu lieben und ihnen zu dienen, absolut und ohne Hintergedanken. Wenn Jesus in ein Leben eintritt, dann verklärt er es, vergöttlicht es durch das strahlende Licht Seines Antlitzes, so wie es dem heiligen Paulus ging auf der Straße nach Damaskus (vgl. Apg 9,5-6).

So wie durch seine Inkarnation das Wort Gottes  in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat (Heb 4,15), so nimmt das Evangelium all menschlichen und kulturellen Werte an, aber weigert sich, Gestalt in den Strukturen der Sünde anzunehmen. Das bedeutet, dass je mehr individuelle wie kollektive Sünden in einer menschlichen oder kirchlichen Gemeinschaft sind, desto weniger Raum gibt es für Inkulturation. Im Gegenteil, je mehr eine christliche Gemeinschaft vor Heiligkeit leuchtet und die Werte des Evangeliums ausstrahlt, umso wahrscheinlicher inkulturiert sie die christliche Botschaft. Die Inkulturation des Glaubens ist die Herausforderung der Heiligkeit. Sie prüft den Grad der Heiligkeit, und den Stand der Durchdringung mit der Frohen Botschaft, und des Glaubens an Jesus Christus als christliche Gemeinschaft. Inkulturation ist daher keine religiöse Folklore.

Sie ist nicht wesentlich im Gebrauch örtlicher Sprachen, Instrumente und latein-amerikanischer Musik, afrikanischer Tänze oder asiatischer Rituale und Symbolen in der Liturgie und den Sakramenten realisiert. Inkulturation ist Gott, der in unser Leben herabkommt, in das moralische Verhalten, in die Kulturen und die Bräuche der Menschen um diese von der Sünde zu befreien und sie in das Leben der Dreifaltigkeit zu bringen. Gewiß bedarf der Glaube einer Kultur um kommuniziert zu werden. Deshalb hat der heilige Papst Johannes Paul II. bekräftigt, dass ein Glaube, der nicht Kultur wird, ein Glaube ist, der stirbt: „Die Inkulturation in ihrem recht verstandenen Prozeß muß sich von zwei Prinzipien der ‚Vereinbarkeit mit dem Evangelium und der Gemeinschaft mit der Gesamtkirche‘ leiten lassen.“ (Enzyklika Redemptoris Missio, 7. Dezember 1990, Nr. 54)

Ich habe einige Zeit der Betrachtung des ersten Abschnitts der Konstitution gewidmet, weil es sehr wichtig ist, dass wir wirklich Sacrosanctum Concilium in diesem Zusammenhang lesen, als ein Dokument, dass beabsichtigte, die rechte Entwicklung (wie etwa die häufigere Verwendung von Landessprachen) zu unterstützen, in Kontinuität mit der Natur, Lehre und Mission der Kirche in der modernen Welt. Wir dürfen aus ihr nicht Dinge herauslesen, die sie gar nicht sagt. Die Konzilsväter beabsichtigten keine Revolution, sondern eine Evolution, eine maßvolle Reform.

Die Absichten der Konzilsväter sind aus anderen Schlüsselpassagen klar herauslesbar. Absatz 14 ist einer der wichtigsten der ganzen Konstitution:

Die Mutter Kirche wünscht sehr, alle Gläubigen möchten zu der vollen, bewußten und tätigen Teilnahme an den liturgischen Feiern geführt werden, wie sie das Wesen der Liturgie selbst verlangt und zu der das christliche Volk, „das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, der heilige Stamm, das Eigentumsvolk“ (1 Petr 2,9; vgl. 2,4-5) kraft der Taufe berechtigt und verpflichtet ist.

Diese volle und tätige Teilnahme des ganzen Volkes ist bei der Erneuerung und Förderung der heiligen Liturgie aufs stärkste zu beachten, ist sie doch die erste und unentbehrliche Quelle, aus der die Christen wahrhaft christlichen Geist schöpfen sollen. Darum ist sie in der ganzen seelsorglichen Arbeit durch gebührende Unterweisung von den Seelsorgern gewissenhaft anzustreben.

Es besteht aber keine Hoffnung auf Verwirklichung dieser Forderung, wenn nicht zuerst die Seelsorger vom Geist und von der Kraft der Liturgie tief durchdrungen sind und in ihr Lehrmeister werden. Darum ist es dringend notwendig, daß für die liturgische Bildung des Klerus gründlich gesorgt wird.

Hier hören wir die Stimme der vorkonziliaren Päpste, die eine echte und fruchtbringende Teilnahme an der Liturgie anstreben, und dass – um dies in die Tat umzusetzen – das Bestehen auf gründliche Ausbildung oder Bildung in der Liturgie dringend notwendig ist. Die Väter beweisen hier einen Realitätssinn, der später vielleicht vergessen wurde. Hören wir noch einmal die Worte des Konzils und betrachten wir ihre Wichtigkeit: „Es besteht aber keine Hoffnung auf Verwirklichung dieser Forderung, wenn nicht zuerst die Seelsorger vom Geist und von der Kraft der Liturgie tief durchdrungen sind und in ihr Lehrmeister werden.

Auch am Anfang von Artikel 21 hören wir sehr klar die Absichten der Väter: „Damit das christliche Volk in der heiligen Liturgie die Fülle der Gnaden mit größerer Sicherheit erlange, ist es der Wunsch der heiligen Mutter Kirche, eine allgemeine Erneuerung der Liturgie sorgfältig in die Wege zu leiten.“ „Ut populus christianus in sacra Liturgia abundantiam gratiarum securius assequatur…“ Wenn wir Latein studieren, lernen wir, dass das Wort „ut“ einen klaren Zweck bezeichnet, der im gleichen Satz folgt. Was bezweckten die Konzilsväter? – dass das christliche Volk mit größerer Sicherheit in der heiligen Liturgie die Fülle der Gnaden erlange. Wie sollte dies erreicht werden? – indem mit großer Sorgfalt eine allgemeine Erneuerung der Liturgie in die Wege geleitet werden dass die Väter über eine „Erneuerung“ sprechen, nicht über eine Revolution!

Eine der klarsten und schönsten Ausdrücke der Absichten der Konzilsväter findet sich am Anfang des zweiten Kapitels der Konstitution, die das Mysterium der Allerheiligsten Eucharistie betrachtet. Wir lesen in Artikel 48:

So richtet die Kirche ihre ganze Sorge darauf, daß die Christen diesem Geheimnis des Glaubens nicht wie Außenstehende und stumme Zuschauer beiwohnen; sie sollen vielmehr durch die Riten und Gebete dieses Mysterium wohl verstehen lernen und so die heilige Handlung bewußt, fromm und tätig mitfeiern, sich durch das Wort Gottes formen lassen, am Tisch des Herrenleibes Stärkung finden. Sie sollen Gott danksagen und die unbefleckte Opfergabe darbringen nicht nur durch die Hände des Priesters, sondern auch gemeinsam mit ihm und dadurch sich selber darbringen lernen. So sollen sie durch Christus, den Mittler, von Tag zu Tag zu immer vollerer Einheit mit Gott und untereinander gelangen, damit schließlich Gott alles in allem sei.

Meine Brüder und Schwestern, das ist es, was die Konzilsväter beabsichtigten. Ja, gewiß, sie diskutierten und stimmten über spezifische Wege ab, wie sie ihre Absichten erreichen wollten. Aber lasst uns klar feststellen: Die in der Konstitution vorgeschlagenen Ritualreformen, wie die Wiedereinführung des Gebets der Gläubigen bei der Messe (Nr. 53), die Ausdehnung der Konzelebration (Nr. 57) oder einige andere Punkte – wie die in Artikel 34 und 50 angestrebte Einfachheit – unterliegen alle den grundlegenden Absichten der Konzilsväter, die ich soeben skizziert habe. Sie sind Mittel zum Zweck, und es ist dieser Zweck, den wir erfüllen müssen.

Wenn wir uns einer authentischeren Umsetzung von Sacrosanctum Concilium annähern wollen, dann sind es diese Ziele, diese Zwecke, die wir vor allem und zuerst vor Augen haben müssen. Es mag sein, dass wir, wenn wir sie mit einem frischen Blick betrachten und dem Vorteil der Erfahrung der vergangenen fünf Jahrzehnte, manche bestimmte Ritualreformen und gewisse liturgische Regeln in einem neuen Licht sehen. Wenn heute, um „das christliche Leben unter den Gläubigen mehr und mehr zu vertiefen“ und „alle in den Schoß der Kirche zu rufen“, einige dieser Regeln und Reformen neu geprüft werden müssen, lasst uns den Herrn bitten, uns die Liebe und Demut und Weisheit zu geben, dies so zu tun.

C. WAS GESCHAH NACH DER PROMULGATION VON
SACROSANCTUM CONCILIUM?

Ich werfe die Frage einer neuen Prüfung der Konstitution und der Reform, die ihrer Promulgierung folgte, auf weil ich nicht glaube, dass wir auch nur den ersten Artikel von Sacrosanctum Concilium heute ehrlich lesen können und meinen, seine Ziele seien erreicht worden. Meine Brüder und Schwestern, wo sind die Gläubigen, von denen die Konzilsväter sprachen? Viele der Gläubigen sind nun ungläubig: Sie kommen gar nicht zur Liturgie. Um es mit den Worten des heiligen Johannes Paul II. zu sagen: „Das Vergessen Gottes hat zum Niedergang des Menschen geführt. Es wundert daher nicht, daß in diesem Kontext ein großer Freiraum für die Entwicklung des Nihilismus im philosophischen Bereich, des Relativismus im erkenntnistheoretischen und moralischen Bereich, des Pragmatismus und sogar des zynischen Hedonismus in der Gestaltung des Alltagslebens entstanden ist. Die europäische Kultur erweckt den Eindruck einer ’schweigenden Apostasie‘ seitens des satten Menschen, der lebt, als ob es Gott nicht gäbe“. (Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Europa, 28. Juni 2003, Nr. 9). Wo ist die Einheit, die das Konzil zu leisten hoffte? Wir haben sie noch nicht erreicht. Haben wir echte Fortschritte beim Bemühen erzielt, alle in den Schoß der Kirche zu rufen? Ich denke nicht. Und doch haben wir mit der Liturgie sehr viel gemacht!

In meinen 47 Jahren als Priester und nach mehr als 36 Jahren bischöflicher Seelsorge kann ich bezeugen, dass viele katholische Gemeinschaften und Individuen mit Eifer und Freude so leben und die Liturgie beten, wie sie nach dem Konzil reformiert wurde, und daraus viele, wenn nicht sogar alle, Dinge beziehen, welche die Konzilsväter beabsichtigten. Dies ist eine große Frucht des Konzils. Aber aus meiner Erfahrung heraus weiß ich auch – nun auch durch meinen Dienst als Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung – dass es viele Verzerrungen der Liturgie in der Kirche heute gibt, und dass es viele Situationen gibt, die verbessert werden könnten damit die Ziele des Konzils auch erreicht werden. Bevor ich einige dieser möglichen Verbesserungen in Betracht ziehe, lasst uns darüber nachdenken, was nach der Promulgation der Konstitution über die heilige Liturgie geschah.

Im sechzehnten Jahrhundert vertraute der Papst die vom Konzil von Trient gewünschte Liturgiereform einer besonderen Kommission an, die sich daran machte, überarbeitete Ausgaben der liturgischen Bücher vorzubereiten, die schließlich vom Papst promulgiert wurden. Dies ist eine völlig normale Vorgehensweise und wurde 1964 vom seligen Paul VI. angewendet, als er das Consilium ad exsequendam constitutionem de sacra liturgia schuf. Wir wissen viel über diese Kommission dank der veröffentlichten Memoiren ihres Sekretärs, Erzbischof Annibale Bugnini („Die Liturgiereform. 1948-1975. Zeugnis und Testament“, Herder Verlag, 1988).

Die Arbeit der Kommission war bei der Umsetzung der Konstitution gewiß Einflüssen, Ideologien und neuen Vorschlägen ausgesetzt, die nicht in Sacrosanctum Concilium anzutreffen sind. So ist es zum Beispiel Tatsache, dass das Konzil nicht vorgeschlagen hat, neue Eucharistische Gebete einzuführen, diese Idee jedoch aufkam und akzeptiert wurde, und dass der Papst diese als Autorität in Kraft setzte. Es ist auch wahr, wie Erzbischof Bugnini selber klarmacht, dass manche Gebete und Riten unter dem Einfluss des damaligen Zeitgeistes konstruiert oder überarbeitet wurden, besonders entsprechend ökumenischer Sensibilitäten. Ob zu viel getan wurde oder nicht, oder ob das, was getan wurde, wirklich dabei half, die Ziele der Konstitution zu erreichen, oder in der Tat diese behinderten, sind Fragen, die wir prüfen müssen. Ich bin sehr froh darüber, dass heute die Gelehrten diese grundlegend prüfen. Nichtsdestotrotz ist es eine wichtige Tatsache, dass der selige Paul VI. die von der Kommission vorgeschlagenen Reformen als angemessen betrachtete und in Kraft setzte. Mit seiner apostolischen Autorität setzte er sie als normgebend ein und stellte ihre Rechtmäßigkeit und Gültigkeit fest.

Doch während die offizielle Reform-Arbeit stattfand, kam es in aller Welt zu einigen sehr schwerwiegende Fehlinterpretationen der Liturgie, die sich etablierten. Diese Missbräuche der heiligen Liturgie wuchsen heran durch ein falsches Verständnis des Konzils, was zu liturgischen Feiern führte, die subjektiv waren und mehr auf die Wünsche individueller Gemeinde fokussiert als auf die sakramentale Anbetung des Allmächtigen Gottes. Mein Vorgänger als Präfekt der Kongregation, Kardinal Franziskus Arinze, nannte das einmal die „Do-It-Yourself Messe“. Sogar der heilige Papst Johannes Paul II. sah sich gezwungen, in seiner Enzyklika Ecclesia de Eucharistica vom 17. April 2003 zu schreiben:

Dieser Verkündigung durch das Lehramt entspricht das innere Wachstum der christlichen Gemeinschaft. Ohne Zweifel war die Liturgiereform des Konzils von großem Gewinn für eine bewußtere, tätigere und fruchtbarere Teilnahme der Gläubigen am heiligen Opfer des Altares. An vielen Orten findet die Anbetung des heiligsten Sakramentes täglich einen weiten Raum und wird so zu einer unerschöpflichen Quelle der Heiligkeit. Die andächtige Teilnahme der Gläubigen an der eucharistischen Prozession am Hochfest des Leibes und Blutes Christi ist eine Gnade des Herrn, welche die teilnehmenden Gläubigen jedes Jahr mit Freude erfüllt.

Man könnte noch andere positive Zeichen des Glaubens und der Liebe zur Eucharistie erwähnen.

Leider fehlt es neben diesen Lichtstrahlen nicht an Schatten. Es gibt Orte, an denen der Kult der eucharistischen Anbetung fast völlig aufgegeben wurde. In dem einen oder anderen Bereich der Kirche kommen Mißbräuche hinzu, die zur Schmälerung des rechten Glaubens und der katholischen Lehre über dieses wunderbare Sakrament beitragen. Bisweilen wird ein stark verkürzendes Verständnis des eucharistischen Mysteriums sichtbar. Es wird seines Opfercharakters beraubt und in einer Weise vollzogen, als ob es den Sinn und den Wert einer brüderlichen Mahlgemeinschaft nicht übersteigen würde. Darüber hinaus wird manchmal die Notwendigkeit des Amtspriestertums, das in der apostolischen Sukzession gründet, verdunkelt, und die Sakramentalität der Eucharistie allein auf die Wirksamkeit in der Verkündigung reduziert. Von da aus gibt es hier und da ökumenische Initiativen, die zwar gut gemeint sind, aber zu eucharistischen Praktiken verleiten, die der Disziplin widersprechen, mit der die Kirche ihren Glauben zum Ausdruck bringt. Wie sollte man nicht über all dies tiefen Schmerz empfinden? Die Eucharistie ist ein zu großes Gut, um Zweideutigkeiten und Verkürzungen zu dulden.

Ich vertraue darauf, daß diese Enzyklika wirksam dazu beitragen kann, die Schatten nicht annehmbarer Lehren und Praktiken zu vertreiben, damit das Mysterium der Eucharistie weiterhin in seinem vollen Glanz erstrahle. (Nr. 10)

Neben den liturgischen Missbräuchen gab es auch Widerstand gegen die offiziell in Kraft gesetzten Reformen. Manche Personen befanden, dass diese zu schnell zu weit gegangen waren, oder verdächtigten die offiziellen Reformen sogar, doktrinär fragwürdig zu sein. Man erinnere sich an die Kontroverse im Jahr 1969, als die Kardinäle Ottaviani und Bacci in einem Brief an Paul VI. sehr schwerwiegende Befürchtungen zum Ausdruck brachten, was zur Folge hatte, dass der Papst es für angemessen sah, bestimmte doktrinelle Klarstellungen zu machen. Auch diese Fragen müssen sorgfältig untersucht werden.

Aber es gab auch eine pastorale Wirklichkeit hier: Ob nun aus guten oder weniger guten Gründen konnten oder wollten manche Gläubige nicht an den reformierten Riten teilnehmen. Sie blieben diesen fern, oder nahmen nur an Liturgien teil, die nicht reformiert blieben, selbst wenn deren Feier nicht autorisiert war. So wurde die Liturgie ein Ausdruck der Unstimmigkeiten innerhalb der Kirche, statt katholischer Einheit. Das Konzil beabsichtigte nicht, dass uns die Liturgie von einander trennt! Der heilige Papst Johannes Paul II. arbeitete daran, diese Trennung zu heilen, unterstützt durch Kardinal Ratzinger, der, als Papst Benedikt XVI., diese innere Versöhnung erleichtern wollte, indem er durch sein Motu Proprio Summorum Pontificum (7. Juli 2007) festsetzte, dass die alte Form des Römischen Ritus ohne Beschränkungen allen Individuen und Gruppen verfügbar sein muss, die sich seiner Reichtümer bedienen wollen. Unter Gottes Vorsehung ist es nun möglich, unsere katholische Einheit zu feiern und gleichzeitig eine legitime Vielfalt ritueller Praxis zu respektieren und sogar ihrer zu erfreuen.

Zuletzt möchte ich anmerken, dass während der Arbeit an Reformen und Übersetzungen, die nach dem Konzil stattfand (und wir wissen, dass manche Arbeit zu schnell gemacht wurde, was bedeutet, dass wir die Übersetzungen überarbeiten müssen, damit sie dem lateinischen Original besser entsprechen), vielleicht aus dem Blick geriet, was den Konzilsvätern zufolge unverzichtbar war, wenn die von ihnen gewünschte fruchtbringende Teilnahme an der Liturgie erreicht werden sollte: Dass Geistlich „vom Geist und von der Kraft der Liturgie tief durchdrungen sind und in ihr Lehrmeister werden“. Wir wissen, dass ein Gebäude mit schwachem Fundament Gefahr läuft, Schaden zu nehmen oder gar einzustürzen.

Wir haben vielleicht eine sehr neue, moderne Liturgie in der jeweiligen Landessprache geschaffen, aber wenn wir nicht die richtigen Fundamente gelegt haben – wenn unsere Seminaristen und Geistlichen nicht „vom Geist und von der Kraft der Liturgie tief durchdrungen sind“ wie es das Konzil vorschrieb – dann können sie selbst nicht die Menschen bilden, die in ihrer Obhut sind. Wir müssen die Worte des Konzils sehr ernst nehmen: Es besteht „keine Hoffnung auf Verwirklichung“ einer liturgischen Erneuerung ohne gründliche liturgische Bildung. Ohne diese unverzichtbare Bildung könnte der Klerus sogar den Glauben der Menschen an das Eucharistische Geheimnis beschädigen.

Ich will nicht als übertrieben pessimistisch wahrgenommen werden, und ich sage noch einmal: es gibt viele, viele gläubige Laien – Männer und Frauen –, viele Geistliche und Ordensleute, für welche die nach dem Konzil reformierte Liturgie eine Quelle viel spiritueller wie apostolischer Frucht ist, und dafür bin ich dem Allmächtigen Gott dankbar. Aber, selbst von meiner eben vollzogenen, kurzen Analyse ausgehend, denke ich, werdet Ihr mir zustimmen, dass wir Besseres leisten können, wenn wir erreichen wollen, dass die heilige Liturgie wirklich Quelle und Gipfel des Lebens und der Mission der Kirche wird, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, wie es die Konzilsväter so aufrichtig ersehnten.

Wie auch immer – Papst Franziskus fordert uns auf: „Es ist notwendig, vereint mit erneuerter Bereitschaft den Weg weiter zu gehen, den die Konzilsväter angezeigt haben, da noch viel zu tun ist, was die richtige und vollständige Assimilation der Konstitution der heiligen Liturgie seitens der getauften und kirchlichen Gemeinschaften betrifft. Ich beziehe mich, insbesondere, auf die Verpflichtung zu einer soliden und natürlichen liturgischen Einführung und Bildung, sowohl der gläubigen Laien als auch des Klerus und geweihter Menschen“.

D. WIE SOLLTEN WIR HEUTE AUF
EINE AUTHENTISCHERE UMSETZUNG VON
SACROSANCTUM CONCILIUM HINARBEITEN?

Angesichts der grundsätzlichen Wünsche der Konzilsväter und der unterschiedlichen Situationen, die nach dem Konzil entstanden sind, würde ich gerne ein paar praktische Erwägungen vorschlagen, wie wir heute Sacrosanctum Concilium treuer umsetzen können.

Auch wenn ich als Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung diene, schlage ich diese in aller Demut als Priester und Bischof vor, in der Hoffnung, dass sie ein gereiftes Nachdenken und Forschung und gute liturgische Praxis in der gesamten Kirche befördern.

Es wird niemanden überraschen wenn ich sage, dass wir zu allererst die Qualität und Tiefe unserer liturgischen Ausbildung untersuchen müssen; wie wir unseren Klerus, unsere Ordensleute und unsere Laiengläubigen durchtränken mit dem Geist und der Macht der Liturgie. Allzu oft gehen wir davon aus, dass unsere Weihekandidaten für das Priesteramt oder das ständige Diakonat genug über die Liturgie „wissen“. Aber das Konzil bestand hier nicht auf Wissen, obwohl natürlich, die Konstitution die Wichtigkeit liturgischer Bildung betont (siehe Artikel Nr. 15-17). Nein, die liturgische Ausbildung, die vorrangig und unverzichtbar ist, besteht vielmehr im Eintauchen in der Liturgie, im tiefen Mysterium Gottes, unseres liebenden Vaters. Es geht darum, die Liturgie zu leben, in ihrem ganzen Reichtum, damit wir, nachdem wir in tiefen Zügen aus ihrer Quelle getrunken haben, immer einen Durst nach ihren Freuden haben, nach ihrer Ordnung und Schönheit, ihrer Stille und Kontemplation, ihrem Jubel und ihrer Anbetung, ihrer Fähigkeit, uns aufs Engste mit Ihm vertraut zu machen, der in uns wirkt und durch die heiligen Riten der Kirche.

Das ist der Grund dafür, dass jene „in Ausbildung“ für pastoraler Arbeit die Liturgie so vollkommen wie möglich in ihren Seminaren und Bildungshäusern leben sollten. Auch Kandidaten für das Ständige Diakonat sollten über einen längeren Zeitraum hinweg tief in ein intensives liturgisches Leben eintauchen. Und, würde ich hinzufügen, dass die vollständige und reichhaltige Feier des Römischen Ritus, des usus antiquior, eine wichtige Rolle spielen sollte in der liturgischen Bildung des Klerus, denn wie können wir sonst auch nur annähernd die reformierten Riten aus einer Hermeneutik der Kontinuität heraus verstehen oder zelebrieren, wenn wir nie die Schönheit der liturgischen Tradition erlebt haben, welche die Konzilsväter selber kannten und welche so viele Heilige im Lauf der Jahrhunderte hervor brachte? Eine weise Offenheit gegenüber dem Mysterium der Kirche und ihrer reichhaltigen, jahrhunderte alten Tradition sowie eine demütige Fügsamkeit dem gegenüber, was der Heilige Geist den Kirchen heute sagt, sind echte Zeichen, dass wir zu Jesus Christus gehören: „Da sagte er zu ihnen: Jeder Schriftgelehrte also, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt.“ (Mt 13,52).

Wenn wir uns dessen annehmen, wenn unsere neuen Priester und Diakone wirklich nach der Liturgie dürsten, dann werden sie selber dazu in der Lage sein, die Menschen zu bilden, die in ihrer Obhut sind – selbst wenn die liturgischen Umstände und Möglichkeiten ihrer kirchlichen Mission bescheidener sind als die des Priesterseminars oder einer Kathedrale. Ich kenne viele Priester, die unter solchen Umständen ihre Menschen im Geist und der Macht der Liturgie bilden, und deren Pfarreien Beispiele großer liturgischer Schönheit sind. Wir sollten  nicht vergessen, dass würdevolle Schlichtheit nicht das gleiche ist wie reduktionistischer Minimalismus oder ein nachlässiger und vulgärer Stil. Wie unser Heiliger Vater, Papst Franziskus, in seiner Apostolischen Exhortation Evangelii Gaudium lehrt: „Die Kirche evangelisiert und evangelisiert sich selber mit der Schönheit der Liturgie, die auch Feier der missionarischen Tätigkeit und Quelle eines erneuerten Impulses zur Selbsthingabe ist.“ (Nr. 24)

Zweitens denke ich, dass es sehr wichtig ist, uns über das Wesen liturgischer Teilnahme völlig im Klaren zu sein, über das, was das Konzil die participatio actuosa nannte. Darüber hat es in den vergangenen Jahrzehnten viel Verwirrung gegeben. Artikel 48 der Konstitution besagt: „So richtet die Kirche ihre ganze Sorge darauf, daß die Christen diesem Geheimnis des Glaubens nicht wie Außenstehende und stumme Zuschauer beiwohnen; sie sollen vielmehr durch die Riten und Gebete dieses Mysterium wohl verstehen lernen und so die heilige Handlung bewußt, fromm und tätig mitfeiern“. Das Konzil versteht die Teilnahme als eine vorrangig innerliche, ein „verstehen lernen“ der „Riten und Gebete“. Die Innerlichkeit, das Leben in enger Vertrautheit und Erfüllung durch Gott, ist die unverzichtbare Voraussetzung einer erfolgreichen und fruchtbaren Teilnahme an den Heiligen Mysterien, die wir in der Liturgie feiern. Die Eucharistische Feier muß wesentlich innerlich gelebt werden. Gott will uns in unserem Inneren begegnen. Die Väter riefen die Gläubigen auf, zu singen, dem Priester zu antworten, liturgische Dienste zu übernehmen, die ihnen rechtmäßig zustehen, gewiß, aber die Konstitution besteht darauf, dass alle dies „bewußt, fromm und tätig“ tun.

Wenn wir verstehen, dass die Innerlichkeit unserer liturgischen Teilnahme Priorität hat, dann werden wir auch den lärmenden und gefährlichen liturgischen Aktivismus vermeiden, der in den vergangenen Jahrzehnten allzu sichtbar war. Wir gehen nicht zur Liturgie um etwas zu veranstalten, um Dinge zu tun, die andere dann sehen: Wir gehen, um uns mit Christi Handlung durch eine Verinnerlichung der äußerlichen liturgischen Riten, Gebete, Zeichen und Symbole zu verbinden. Vielleicht müssen wir Priester, deren Berufung es ist, liturgisch zu dienen, dies mehr als andere erinnern! Aber wir müssen auch die anderen ausbilden, besonders unseren Kindern und jungen Menschen müssen wir beibringen, was die wahre Bedeutung liturgischer Teilnahme ist, wie die Liturgie wahrhaftig gebetet wird.

Drittens habe ich über die Tatsache gesprochen, dass einige der Reformen nach dem Konzil entsprechend dem Zeitgeist zusammengestellt wurden, und dass es eine wachsende Zahl kritischer Studien durch treue Söhne und Töchter der Kirche gibt, welche fragen, ob das, was gemacht wurde wirklich die Ziele der Konstitution umsetzte, oder in Wahrheit vielmehr darüber hinaus ging. Dieses Diskussion findet unter der Überschrift einer „Reform der Reform“ statt, und ich bin mir bewußt dass Pfarrer Tomhas Kocik eine gelehrte Untersuchung der Frage auf der Sacra Liturgia-Konferenz in New York vergangenes Jahr vorgestellt hat.

Ich glaube nicht, dass wir die Möglichkeit oder Erwünschtheit einer offiziellen Reform der liturgischen Reform einfach abweisen können, denn ihre Befürworter machen einige wichtige Ansprüche geltend mit Blick darauf, der Forderung von Artikel 23 der Konstitution treu zu bleiben: „Damit die gesunde Überlieferung gewahrt bleibe und dennoch einem berechtigten Fortschritt die Tür aufgetan werde, sollen jeweils gründliche theologische, historische und pastorale Untersuchungen“ unternommen werden, und, „sollen keine Neuerungen eingeführt werden, es sei denn, ein wirklicher und sicher zu erhoffender Nutzen der Kirche verlange es. Dabei ist Sorge zu tragen, daß die neuen Formen aus den schon bestehenden gewissermaßen organisch hervorwachsen. Auch soll nach Möglichkeit verhütet werden, daß sich zwischen den Riten benachbarter Gebiete auffallend starke Unterschiede ergeben“.

In der Tat kann ich sagen, dass mich Papst Franziskus bat, als mich der Heilige Vater im vergangenen April zu einer Audienz empfing, die Frage einer Reform der Reform zu untersuchen, und wie die beiden Formen des Römischen Ritus einander bereichern könnten. Dies wird eine langwierige und delikate Aufgabe, und ich bitte Euch um Eure Geduld und Euer Gebet. Aber wenn wir Sacrosanctum Concilium treuer umsetzen wollen, wenn wir erreichen wollen, was die Absicht des Konzils war, dann muss diese wichtige Frage sorgfältig untersucht werden, und mit der notwendigen Klarheit und Klugheit im Gebet und völliger Unterwerfung vor Gott umgesetzt.

Wir Priester, wir Bischöfe haben eine große Verantwortung. Wie unser gutes Beispiel gute liturgische Praxis aufbaut; wie unsere Nachlässigkeit, unsere Gewohnheiten oder Fehlverhalten doch der Kirche und ihrer heiligen Liturgie schaden!

Wir Priester müssen vor allem und zu allererst Gläubige sein. Unser Volk kann den Unterschied zwischen einem Priester, der gläubig zelebriert und einem, der in Eile feiert sehen, der häufig auf die Uhr schaut, fast als würde er damit sagen wollen, dass er so schnell wie möglich zurück an seine pastorale Arbeit oder anderen Verpflichtungen will, oder um Fernsehen zu schauen! Ihr Priester, wir können nichts wichtigeres tun als die heiligen Mysterien zu feiern: Hüten wir uns vor der Versuchung liturgischer Faulheit oder Lauwärme, denn das ist eine Versuchung des Teufels.

Wir müssen uns daran erinnern, dass wir nicht die Autoren der Liturgie sind, wir sind ihre bescheidenen Diener, nach Maßgabe der Disziplin und der Gesetze. Wir sind auch dafür verantwortlich, jene auszubilden, die uns im liturgischen Dienst unterstützen, sowohl im Geist wie der Macht der Liturgie und auch ihrer Regeln. Manchmal habe ich Priester gesehen, die zurücktreten, damit Kommunionhelfer die heilige Kommunion austeilten kann: Das ist falsch, es ist ein Leugnen des priesterlichen Dienstes und eine Klerikalisierung der Laien. Wenn sowas passiert, ist es ein Zeichen dafür, dass die Ausbildung sehr falsch gelaufen ist, und der Korrektur bedarf. (Siehe Mt 14,18-21). „Darauf nahm er die fünf Brote… gab sie den Jüngern, damit sie sie an die Leute austeilten…Es waren fünftausend Männer, die von den Broten gegessen hatten. (Mk 6,30-44, Mt 14,18-21).

Ich habe auch Priester gesehen, und Bischöfe, gekleidet zur Zelebration der heiligen Messe, die Mobiltelefone und Kameras herausnahmen und während der heiligen Liturgie verwendeten. Das ist ein schreckliches Zeugnis dessen, was sie glauben, dass ihre Mission ist, wenn sie liturgische Gewänder anziehen, die uns kleiden und verwandeln als einen alter Christus – und viel mehr noch, als ipse Christus, als Christus selbst. Das zu tun ist ein Sakrileg. Kein Bischof, Priester oder Diakon, der für liturgische Dienste gekleidet ist oder in der Sakristei anwesend ist, sollte Photographien machen, selbst bei einer großen Messe mit vielen Konzelebranten. Dass dies Preister leider bei solchen Messen tun, oder miteinander zusammensitzen und reden, ist ein Zeichen dafür, glaube ich, dass wir dringend die Angemessenheit dieser immensen Konzelebrationen überdenken müssen. Besonders wenn sie Priester zu einem solchen skandalösen Verhalten verleiten, das dem Mysterium, das gefeiert wird, unwürdig ist, oder wenn die schiere Menge der Konzelebrationen das Risiko birgt, dass die Eucharistie profaniert wird.

Es ist ebenso skandalös und profanierend, wenn gläubige Laien während der heiligen Messe photographieren. Sie sollten durch Gebete teilnehmen, und nicht ihre Zeit damit verbringen, Bilder zu machen!

Ich möchte einen Appell an alle Priester richten. Ihr habt vielleicht meinen Artikel in L’Osservatore Romano vor einem Jahr gelesen (Ausgabe vom 12. Juni 2015), oder mein Interview mit dem Magazin Famille Chrétienne im Mai dieses Jahres. Bei beiden Gelegenheiten habe ich gesagt, dass ich glaube, dass es sehr wichtig ist, dass wir so bald wie möglich zu einer gemeinsamen Orientierung zurückkehren, dass Priester und Gläubige gemeinsam in die gleiche Richtung blicken – nach Osten oder zumindest Richtung Apsis gewendet – wenn wir uns an Gott wenden. Diese Praxis ist durch die derzeitige liturgische Gesetzgebung erlaubt. Es ist im modernen Ritus völlig legitim, dies zu tun. In der Tat denke ich, dass es ein sehr wichtiger Schritt ist, um sicherzustellen, dass in unseren Feiern der Herr wirklich im Mittelpunkt steht.

Und so, liebe Geistliche, bitte ich Euch demütig und brüderlich, diese Praxis in die Tat umzusetzen, wo immer dies möglich ist, gewiß mit Klugheit und der notwendigen Katechese, aber auch mit der Zuversicht eines Pastors, dass dies etwas Gutes für die Kirche ist, etwas Gutes für unser Volk. Euer eigenes pastorales Urteilsvermögen wird bestimmen, wie und wann das möglich ist, aber vielleicht zum ersten Adventssonntag in diesem Jahr, denn wenn wir beten „der Herr wird kommen und nicht zögern“ (siehe: Eröffnungsvers, Mittwoch der zweiten Adventwoche), könnte dies ein guter Zeitpunkt sein. Liebe Geistliche, wir sollten wieder der Klage des Propheten Jeremia erinnern: „Sie kehren mir den Rücken zu und nicht das Gesicht; sind sie aber in Not, dann rufen sie: Erheb dich und hilf uns!“ (Jer 2,27) Lasst uns wieder uns Gott zuwenden! Seit dem Tag seiner Taufe kennt der Christ nur eine Richtung: den Osten. „Gen Osten (ad Orientem) wendetest du dich; denn wer dem Teufel widersagt, wendet sich Christus zu, ihm schaut er geraden Blickes ins Auge“ (aus „Über die Mysterien“ des heiligen Ambrosius von Mailand).

Gerne würde ich auch, demütig und brüderlich, einen Appell an meine Brüder Bischöfe richten: Bitte führt Eure Priester und Euer Volk in diese Richtung, besonders bei großen Zelebrationen in Euren Diözesen und Euer Kathedrale. Bitte bildet Eure Seminaristen so aus, dass sie die Wirklichkeit lernen, dass wir nicht zum Priestertum berufen sind um selber im Mittelpunkt der liturgischen Verehrung zu stehen, sondern um Gottes Gläubige zu ihm zu führen, als Mit-Anbetende, vereint im gleichen Akt der Anbetung. Bitte ermöglicht diese einfache aber tiefgehende Reform in Euren Diözesen, Euren Kathedralen, Euren Pfarreien und Euren Seminaren.

Wir Bischöfe haben eine große Verantwortung, und eines Tages werden wir dem Herrn gegenüber Rechenschaft ablegen müssen für unser Verwalteramt. Wir besitzen nichts! Nichts gehört uns! Wie der heilige Paulus lehrt, sind wir nur „Diener Christi“ und „Verwalter von Geheimnissen Gottes. Von Verwaltern aber verlangt man, dass sie sich treu erweisen.“ (1 Kor 4,1-2). Es obliegt unserer Verantwortung sicherzustellen, dass sie heiligen Wirklichkeiten der Liturgie in unseren Diözesen geachtet werden und unsere Priester und Diakone nicht nur die liturgischen Gesetze beachten, sondern auch den Geist und die Macht der Liturgie kennen, aus denen sie hervorgehen. Ich war sehr ermutigt von der Lektüre des Vortrags „Der Bischof: Statthalter, Förderer und Beschützer des Liturgischen Lebens der Diözese“, den Erzbischof Alexander Sample von Portland (Oregon, USA) im Jahr 2013 bei der Sacra Liturgia-Konferenz in Rom gehalten hat, und brüderlich ermutige ich meine Brüder Bischöfe, dessen Überlegungen sorgfältig zu studieren.

Alle liturgischen Diener sollten in regelmäßigen Abständen ihr Gewissen prüfen. Dafür empfehle ich Teil II der Apostolischen Exhortation Sacramentum Caritatis von Benedikt XVI. (22. Februar 2007), „Eucharistie, ein Geheimnis, das man feiert.“ Vor bald zehn Jahren wurde dieses Schreiben als die kollegiale Frucht der Bischofssynode von 2005 veröffentlicht. Wie viel Fortschritt haben wir seitdem gemacht? Was müssen wir noch mehr tun? Wir müssen uns diese Fragen vor dem Herrn stellen, jeder nach seiner Verantwortung, und dann alles tun, was wir können und müssen, um diese Vision zu verwirklichen, die Papst Benedikt umrissen hat.

An dieser Stelle wiederhole ich, was ich anderswo schon gesagt habe, dass Papst Franziskus mich gebeten hat, die außergewöhnliche liturgische Arbeit fortzusetzen, die Papst Benedikt begann (siehe: Botschaft zur Sacra Liturgia-Konferenz in New York, 2015). Nur weil wir einen neuen Papst haben, heißt das nicht, dass die Vision seines Vorgängers nun ungültig wäre. Im Gegenteil, wie wir wissen, hat unser Heiliger Vater Franziskus den größten Respekt für die liturgische Vision und Maßnahmen, die Papst emeritus Benedikt XVI. implementierte, in äußerster Treue zu den Absichten und Zielen der Väter des Konzils.

Bevor ich schließe, erlaubt mir ein paar kleine Dinge zu erwähnen, die auch dazu beitragen können, dass Sacrosanctum Concilium treuer umgesetzt wird. Eines wäre, dass wir die Liturgie singen müssen, dabei die liturgischen Traditionen der Kirche achtend und uns erfreuend am Schatz sakraler Musik, der uns gehört, besonders die Musik, die dem Römischen Ritus zu eigen ist, Gregorianischer Gesang. Wir müssen heilige liturgische Musik singen, nicht nur religiöse Musik, oder schlimmer noch, profane Lieder.

Wir müssen eine gute Balance zwischen Landessprachen und Latein hinbekommen. Das Konzil wollte nie andeuten, dass der Römische Ritus ausschließlich in der Landessprache gefeiert werden sollte. Aber es beabsichtigte dessen stärkere Nutzung, vor allem für die Lesungen. Heute sollte es möglich sein, besonders dank der modernen Drucktechniken, das Verständnis aller zu erleichtern, wenn Latein verwendet wird, vielleicht für die Liturgie der Eucharistie, und natürlich ist dies besonders angemessen für internationale Zusammenkünfte, wo die Landessprache von vielen nicht verstanden wird. Und dort, wo die Landessprache verwendet wird, muss sie natürlich eine dem lateinischen Original getreue Übersetzung sein, wie Papst Franziskus mir gegenüber erst kürzlich bekräftigte.

Wir müssen sicherstellen, dass die Anbetung das Herzstück unserer liturgischen Feiern ist. Das Herz unserer Liturgie ist die Anbetung Gottes. Viel zu oft bewegen wir uns nicht von Feier hin zu Anbetung [von Zelebration zu Adoration]. Wenn wir aber dies nicht tun, so meine Sorge, haben wir vielleicht nicht immer an der Liturgie vollumfänglich teilgenommen, innerlich. Zwei körperliche Vorkehrungen sind hier hilfreich, um nicht zu sagen unentbehrlich. Die erste ist Stille. Wenn ich nie still bin, wenn die Liturgie mir keinen Platz läßt für stilles Gebet und Kontemplation, wie kann ich dann Christus anbeten, wie kann ich mich mit ihm im Herzen und der Seele verbinden? Stille ist sehr wichtig, und nicht nur vor und nach der Liturgie. Sie ist das Fundament eines tief spirituellen Lebens.

Ebenfalls unerlässlich ist das Niederknien bei der Wandlung (es sei denn, dass ich krank bin). Im Westen ist dies ein Akt körperlicher Anbetung, der uns vor unserem Herrn und Gott demütigt. Es ist an und für sich eine Gebetshandlung. Dort, wo Knien und Verbeugung aus der Liturgie verschwunden sind, müssen sie wieder hergestellt werden, besonders beim Empfang unseres Gesegneten Herrn in der Heiligen Kommunion. Liebe Geistliche wo auch immer möglich, und mit der gleichen pastoralen Klugheit, von der ich vorher gesprochen habe, bildet Euer Volk in diesem schönen Akt der Verehrung und Liebe aus. Lasst uns in Anbetung und Liebe wieder vor dem Eucharistischen Herrn knien! „Der Mensch ist nicht vollkommen Mensch, es sei denn er geht vor Gott in die Knie um Ihn anzubeten, um seine überwältigende Heiligkeit zu betrachten und sich nach seinem Bild und Gleichnis neu schaffen zu lassen“ (R. Sarah, On the Road to Ninive, Paulines Publications Africa 2012, S. 199).

Mit Blick auf den Empfang der Heiligen Kommunion auf den Knien möchte ich an das Schreiben aus dem Jahr 2002 der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung erinnern, dass klarstellt, das „jede Weigerung, die Heilige Kommunion einem Gläubigen zu spenden weil er oder sie kniet ist ein schwerer Verstoß gegen eines der wichtigsten Grundrechte eines Christgläubigen“ (Brief, 1. Juli 2002, Notitiae, n. 436, Nov-Dez 2002, S. 583).

Die richtige Kleidung aller liturgischen Diener im Altarraum, Lektoren inbegriffen, ist ebenfalls sehr wichtig um sicherzustellen, dass solche Dienste als authentisch gesehen werden und mit der Würde begangen werden, die der heiligen Liturgie zusteht – auch damit die Helfer selber die rechte Ehrfurcht vor Gott und die Mysterien, denen sie dienen, erweisen.

Dies sind ein paar Vorschläge: Ich bin mir sicher, dass viele andere gemacht werden könnten. Ich lege sie Euch dar als mögliche Schritte einer „Bewegung zur Liturgie hin und in ihren rechten äußeren und inneren Vollzug hinein“, was natürlich das Anliegen von Kardinal Ratzinger am Anfang seines großen Werkes, Der Geist der Liturgie, war (Benedikt XVI. / Joseph Ratzinger, Der Geist der Liturgie, in Ders., Theologie der Liturgie. Die sakramentale Begründung christlicher Existenz (Gesammelte Schriften, Bd. 11), Freiburg, 2008, S. 31)

Ich ermutige Euch alle, alles zu tun, was Ihr könnt um dieses Ziel zu realisieren, das völlig übereinstimmt mit der Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die heilige Liturgie.

ABSCHLUSS

Ich begann diesen Vortrg mit einer Betrachtung der Unterweisungen der Päpste des 20. Jahrhunderts in der heiligen Liturgie. Der erste, der heilige Pius X., hatte das persönliche Motto: instaurare omnia in Christo — Alles in Christus erneuern. Ich schlage vor, dass wir uns dieser Worte annehmen und sie uns zum eigenen Maßstab machen in unserem Trachten, auf eine treuere Umsetzung von Sacrosanctum Concilium hinzuarbeiten. Denn wenn wir zur heiligen Liturgie kommen, dann betreten wir die Mentalität Christi, wenn wir Christus anlegen wie wir unser Taufgewand oder die Paramenten anlegen, die unserem liturgischen Dienst zu eigen sind, dann können wir nicht weit danebenliegen.

Es ist leider wahr, dass in den den Jahrzehnten seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil es „neben diesen Lichtstrahlen nicht an Schatten“ fehlt im liturgischen Leben der Kirche, wie es der heilige Papst Johannes Paul II. in Ecclesia de Eucharistia (Nr.10) formulierte. Und es ist unsere Pflicht, die Ursachen dessen anzusprechen. Aber es ist eine Quelle großer Hoffnung und Freude dass heute, im fortschreitenden 21. Jahrhundert, viele gläubige Katholiken von der Wichtigkeit der Liturgie im Leben der Kirche überzeugt sind und sich dem liturgischen Apostolat, breiter gefaßt einer neuen liturgischen Bewegung, widmen.

Meine Brüder und Schwestern, ich danke Euch für Euer Engagement für die heilige Liturgie. Ich ermutige Euch und segne all Eure Bemühungen, große wie kleine, um „den richtigen Weg, die Liturgie zu feiern, innerlich wie äußerlich“. Haltet in diesem Apostolat durch: die Kirche und die Welt braucht Euch!

Ich bitte Euch um Euer Gebet für meinen geistlichen Dienst. Vielen Dank. Gott segne Euch.

Robert Kardinal Sarah, Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung

(Aus dem Englischen übersetzt von Anian Christoph Wimmer. Publiziert mit freundlicher Genehmigung von Kardinal Sarah.)

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Quelle

Kardinal Sarah: „Towards an authentic implementation of ‹Sacrosanctum Concilium›“

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ADDRESS OF HIS EMINENCE,

ROBERT CARDINAL SARAH

PREFECT OF THE CONGREGATION FOR DIVINE WORSHIP
AND DISCIPLINE OF THE SACRAMENTS
TO THE CONFERENCE “SACRA LITURGIA UK 2016”
LONDON, ENGLAND, 5 JULY 2016

“TOWARDS AN AUTHENTIC IMPLEMENTATION OF
SACROSANCTUM CONCILIUM

(Deutsche vollständige Version dieser Ansprache)

 

GREETINGS

Your Excellencies, dear Fathers, deacons and dear religious men and women, dear brothers and sisters in Christ:

In the first place I wish to express my thanks to His Eminence, Vincent Cardinal Nichols, for his welcome to the Archdiocese of Westminster and for his kind words of greeting. So too I wish to thank His Excellency, Bishop Dominique Rey, Bishop of Fréjus-Toulon, for his invitation to be present with you at this, the third international “Sacra Liturgia” conference, and to present the opening address this evening. Your Excellency, I congratulate you on this international initiative to promote the study of the importance of liturgical formation and celebration in the life and mission of the Church.

I am very happy to be here with you all today. I thank each of you for your presence which reflects your appreciation of the importance of what the then Cardinal Ratzinger once called “the question of the liturgy” today, at the beginning of the twenty-first century. This is a great sign of hope for the Church.

 

INTRODUCTION

In his message dated 18th February 2014 to the symposium celebrating the 50th anniversary of the Second Vatican Council’s Constitution on the Sacred Liturgy, Sacrosanctum Concilium, the Holy Father, Pope Francis, observed that the marking of fifty years since the promulgation of the Constitution should push us “to revive the commitment to accept and implement [the] teaching [of Sacrosanctum Concilium] in an ever fuller way.” The Holy Father continued:

It is necessary to unite a renewed willingness to go forward along the path indicated by the Council Fathers, as there remains much to be done for a correct and complete assimilation of the Constitution on the Sacred Liturgy on the part of the baptized and ecclesial communities. I refer, in particular, to the commitment to a solid and organic liturgical initiation and formation, both of lay faithful as well as clergy and consecrated persons.

The Holy Father is correct. We have much to do if we are to realise the vision of the Fathers of the Second Vatican Council for the liturgical life of the Church. We have very much to do if today, some fifty years after the Council concluded, we are to achieve “a correct and complete assimilation of the Constitution on the Sacred Liturgy.”

In this address I wish to place before you some considerations on how the Western Church might move towards a more faithful implementation of Sacrosanctum Concilium. In doing so I propose to ask “What did the Fathers of the Second Vatican Council intend in the liturgical reform?” Then I would like to consider how their intentions were implemented following the Council. Finally, I would like to put before you some suggestions for the liturgical life of the Church today, so that our liturgical practice might more faithfully reflect the intentions of the Council Fathers.

 

A. WHAT IS THE SACRED LITURGY?

But first we must consider a preliminary question. That is the question: “What is the Sacred Liturgy?” Because if we do not understand the nature of Catholic liturgy,  as distinct from the rites of other Christian communities and of other religions, we cannot hope to understand the Second Vatican Council’s Constitution on the Sacred Liturgy, or to move towards a more faithful implementation of it.

In his Motu Proprio Tra le sollecitudini (22 November 1903) Pope Saint Pius X, taught that “the holy mysteries” and “the public and solemn prayer of the Church,” that is, the Sacred Liturgy, are the “foremost and indispensible fount” for acquiring “the true  Christian spirit.” St Pius X therefore called for a real and fruitful participation in the Church’s liturgical rites by all. As we know, this teaching and this exhortation would be repeated by article 14 of Sacrosanctum Concilium.

Pope Pius XI raised his voice to the same end some twenty-five years later in his Apostolic Constitution Divini Cultus (20 December 1928), teaching that “the liturgy is indeed a sacred thing, since by it we are raised to God and united to Him, thereby professing our faith and our deep obligation to Him for the benefits we have received and the help of which we stand in constant need.”

Pope Pius XII devoted an Encyclical letter, Mediator Dei (20 November 1947) to the Sacred Liturgy, in which he taught that:

The Sacred Liturgy is…the public worship which our Redeemer as Head of the Church renders to the Father, as well as the worship which the community of the faithful renders to its Founder, and through Him to the heavenly Father. It is, in short, the worship rendered by the Mystical Body of Christ in the entirety of its Head and members. (n. 20)

The Pope taught that the “nature and the object of the sacred liturgy” is that “it aims at  uniting our souls with Christ and sanctifying them through the divine Redeemer in order that Christ be honoured and, through Him and in Him, the most Holy Trinity.” (n. 171)

The Second Vatican Council taught that through the liturgy “the work of our redemption is accomplished” (Sacrosanctum Concilium, 2), and that the liturgy:

…is considered as an exercise of the priestly office of Jesus Christ. In the liturgy the sanctification of the man is signified by signs perceptible to the senses, and is effected in a way which corresponds with each of these signs; in the liturgy the whole public worship is performed by the Mystical Body of Jesus Christ, that is, by the Head and His members.

From this it follows that every liturgical celebration, because it is an action of Christ the priest and of His Body which is the Church, is a sacred action surpassing all others; no other action of the Church can equal its efficacy by the same title and to the same degree. (n. 7)

Following on from this, Sacrosanctum Concilium taught that the liturgy:

…is the summit toward which the activity of the Church is directed; at the same time it is the font from which all her power flows. For the aim and object of apostolic works is that all who are made sons of God by faith and baptism should come together to praise God in the midst of His Church, to take part in the sacrifice, and to eat the Lord’s supper. (n. 10)

It would be possible to continue this exposition of the magisterium’s teaching on the nature  of the Sacred Liturgy with the teaching of the post-conciliar popes and of the Catechism of  the Catholic Church. But for the moment let us stop at the Council. Because it is very clear, I think, that the Church teaches that Catholic liturgy is the singularly privileged locus of Christ’s saving action in our world today, by means of real participation in which we receive His grace and strength which is so necessary for our perseverance and growth in the Christian life. It is the divinely instituted place where we come to fulfil our duty of offering sacrifice to God, of offering the One True Sacrifice. It is where we realise our profound need to worship Almighty God. Catholic liturgy is something sacred, something which is holy by its very nature. Catholic liturgy is no ordinary human gathering.

I wish to underline a very important fact here: God, not man is at the centre of Catholic liturgy. We come to worship Him. The liturgy is not about you and I; it is not where we celebrate our own identity or achievements or exalt or promote our own culture and local religious customs. The liturgy is first and foremost about God and what He has done for us.  In His Divine Providence Almighty God founded the Church and instituted the  Sacred Liturgy by means of which we are able to offer Him true worship in accordance with the New Covenant established by Christ. In doing this, in entering into the demands of the sacred rites developed in the tradition of the Church, we are given our true identity and meaning as sons and daughters of the Father.

It is essential that we understand this specificity of Catholic worship, for in recent decades we have seen many liturgical celebrations where people, personalities and human achievements have been too prominent, almost to the exclusion of God. As Cardinal Ratzinger once wrote: “If the liturgy appears first of all as the workshop for our activity, then what is essential is being forgotten: God. For the liturgy is not about us, but about God. Forgetting about God is the most imminent danger of our age.” (Joseph Ratzinger, Theology of the Liturgy, Collected Works vol. 11, Ignatius Press, San Francisco 2014, p. 593).

We must be utterly clear about the nature of Catholic worship if we are to read the Second Vatican Council’s Constitution on the Sacred Liturgy correctly and if we are to implement it faithfully. For the Fathers of the Council were formed in the magisterial teachings of the twentieth century popes that I have cited. St John XXIII did not call an Ecumenical Council  to undermine these teachings, which he himself promoted. The Council Fathers did not arrive in Rome in October 1962 with the intention of producing an anthropocentric liturgy. Rather, the Pope and the Council Fathers sought to find ways in which Christ’s faithful could draw ever more deeply from the “foremost and indispensible fount” so as to acquire “the true Christian spirit” for their own salvation and for that of all men and women of their day.

 

B. WHAT DID THE FATHERS OF THE
SECOND VATICAN COUNCIL INTEND?

We must explore the intentions of the Fathers of the Council in more detail, particularly if we seek to be more faithful to their intentions today. What did they intend to bring about through the Constitution on the Sacred Liturgy?

Let us begin with the very first article of Sacrosanctum Concilium, which states:

This sacred Council has several aims in view: it desires to impart an ever increasing vigour to the Christian life of the faithful; to adapt more suitably to the needs of our own times those institutions which are subject to change; to foster whatever can promote union among all who believe in Christ; to strengthen whatever can help to call the whole of mankind into the household of the Church. (n. 1)

Let us remember that when the Council opened liturgical reform had been a feature of the  past decade and that the Fathers were very familiar with these reforms. They were not considering these questions theoretically, without any context. They expected to continue the work already begun and to consider the “altioria principia,” the higher or fundamental principles of liturgical reform, spoken of by St John XXIII in his Motu Proprio Rubricarum Instructum of 25th July 1960.

Hence, article one of the Constitution gives four reasons for undertaking a liturgical reform. The first, “to impart an ever increasing vigour to the Christian life of the faithful,” is the constant concern of the Church’s pastors in every age.

The second, “to adapt more suitably to the needs of our own times those institutions which  are subject to change,” may cause us to pause and reflect, particularly given the Zeitgeist of the 1960s. But in truth, if it is read with that hermeneutic of continuity with which most certainly the Council Fathers intended it, this means that the Council desired liturgical development where possible so as to facilitate an increased vigour to Christian life. The Council Fathers did not want to change things simply for the sake of change!

So too, the third reason, “to foster whatever can promote union among all who believe in Christ,” might cause us to pause lest we think that the Fathers wished to instrumentalise the

Sacred Liturgy and make of it an ecumenical tool, to render it simply a means to an end. But can this be the case? Certainly, after the Council, some may have tried to do this. But the Fathers themselves knew that this was not possible. Unity in worship before the altar of sacrifice is the desired end of ecumenical endeavour. The liturgy is not a means to promote good will or cooperation in apostolic works. No, here the Council Fathers are saying that they believe that liturgical reform can be part of a momentum which can help people to achieve that Catholic unity without which full communion in worship is not possible.

The same motivation is found in the fourth reason given for liturgical reform: “to strengthen whatever can help to call the whole of mankind into the household of the Church.” Here, though, we move beyond our separated Christian brothers and sisters and consider “the whole of mankind.” The Church’s mission is to every man and woman! The Fathers of the Council believed this and hoped that more fruitful participation in the liturgy would facilitate a renewal in the Church’s missionary activity.

Let me give one example. For many years before the Council, in missionary countries and also in the more developed ones, there had been much discussion about the possibility of increasing the use of the vernacular languages in the liturgy, principally for the readings from Sacred Scripture, also for some of the other parts of the first part of the Mass (which we now call the “Liturgy of the Word”) and for liturgical singing. The Holy See had already given many permissions for the use of the vernacular in the administration of the sacraments. This is the context in which the Fathers of the Council spoke of the possible positive ecumenical  or missionary effects of liturgical reform. It is true that the vernacular has a positive place in the liturgy. The Fathers were seeking this, not authorising the protestantization of the Sacred Liturgy or agreeing to it being subjected to a false inculturation.

I am an African. Let me say clearly: the liturgy is not the place to promote my culture.  Rather, it is the place where my culture is baptised, where my culture is taken up into the divine. Through the Church’s liturgy (which missionaries have carried throughout the world) God speaks to us, He changes us and enables us to partake in His divine life. When someone becomes a Christian, when someone enters into full communion with the Catholic Church, they receive something more, something which changes them. Certainly, cultures and other Christians bring gifts with them into the Church—the liturgy of the Ordinariates of Anglicans now in full communion with the Catholic Church is a beautiful example of this. But they bring these gifts with humility, and the Church in her maternal wisdom makes use of them as she judges appropriate.

Nevertheless, it seems incumbent to be very clear on what we mean by inculturation. If we truly understand the meaning of the term as an insight into the mystery of Jesus Christ, then we have the key to inculturation, which is not a quest nor a claim for the legitimacy of Africanization nor Latin Americanization nor Asianization in substitution of a Westernization of Christianity. Inculturation is neither a canonization of a local culture nor a settling into this culture at the risk of making it absolute. Inculturation is an irruption and an epiphany of the Lord in the depths of our being. And the irruption of the Lord in our life causes a disruption,  a detachment opening the way to a path according to new orientations that are creating elements of a new culture, vehicle of the Good News for man and his dignity as a Son of  God. When the Gospel enters into our life, it disrupts it, it transforms it. It gives it a new direction, new moral and ethical orientations. It turns the heart of man towards God and neighbour to love and serve them absolutely and without design. When Jesus enters into a life, he transfigures it, he deifies it by the radiant light of His Face, just as St Paul was on the road to Damascus (see: Acts 9:5-6).

Just as by his Incarnation the Word of God became like men in all things, except sin (Heb 4:15), so the gospel assumes all human and cultural values, but refuses to take shape in the structures of sin. This means that the more individual and collective sins abound in a human or ecclesial community, the less room there exists for inculturation. On the contrary, the more a Christian community and shines with holiness and radiates evangelical values, the more it is likely to inculturate the Christian message. The inculturation of the faith is the challenge of sanctity. It verifies the degree of holiness, and the level of the Gospel’s penetration, and of  the faith in Jesus Christ in a Christian community. Inculturation, therefore, is not religious folklore.

It is not essentially realized in the use of local languages, instruments and Latin American music, African dances or African or Asian rituals and symbols in the liturgy and the sacraments. Inculturation is God who descends into the life, into the moral behaviour, into the cultures and into the customs of men in order to free them from sin and in order to introduce them into the life of the Trinity. Certainly the Faith has in need of a culture so as to be communicated. This is why Saint John Paul II affirmed that a faith that does not become culture is a faith that is dying: „Properly applied, inculturation must be guided by two principles: „compatibility with the gospel and communion with the universal Church.“ (Encyclical Letter, Redemptoris Missio, 7 December 1990, n. 54).

I have spent some time considering the first article of the Constitution because it is very important that we do read Sacrosanctum Concilium in its context, as a document which intended to promote legitimate development (such as the increased use of the vernacular) in continuity with the nature, teaching and mission of the Church in the modern world. We must not read into it things which it does not say. The Fathers did not intend a revolution, but an evolution, a moderate reform.

The intentions of the Council Fathers are very clear from other key passages. Article 14 is  one of the most important of the whole Constitution:

Mother Church earnestly desires that all the faithful should be led to that fully  conscious and active participation in liturgical celebrations which is demanded by the very nature of the liturgy. Such participation by the Christian people as “a chosen race, a royal priesthood, a holy nation, a redeemed people” (1 Pet. 2:9; cf. 2:4-5), is their right and duty by reason of their baptism.

In the restoration and promotion of the Sacred Liturgy, this full and active participation by all the people is the aim to be considered before all else; for it is the primary and indispensable source from which the faithful are to derive the true Christian spirit; and therefore pastors of souls must zealously strive to achieve it, by means of the necessary instruction, in all their pastoral work.

Yet it would be futile to entertain any hopes of realizing this unless the pastors themselves, in the first place, become thoroughly imbued with the spirit and power of the liturgy, and undertake to give instruction about it. A prime need, therefore, is that attention be directed, first of all, to the liturgical instruction of the clergy.

We hear the voice of the pre-conciliar popes here, seeking a real and fruitful participation in the liturgy, and in order to bring that about, the insistence that a thorough instruction or formation in the liturgy is urgently necessary. The Fathers show a realism here that was perhaps forgotten afterwards. Let us listen again to those words of the Council and ponder their importance: “it would be futile to entertain any hopes of realizing this (active participation) unless the pastors themselves, in the first place, become thoroughly imbued with the spirit and power of the liturgy, and undertake to give instruction about it.”

At the beginning of article 21 we also hear the Fathers’ intentions very clearly: “In order that the Christian people may more certainly derive an abundance of graces from the Sacred Liturgy, holy Mother Church desires to undertake with great care a general restoration of the liturgy itself.” “Ut populus christianus in sacra Liturgia abundantiam gratiarum securius assequatur…” When we study Latin we learn that the word “ut” signifies a clear purpose that follows in the same clause. What did the Council Fathers intend? —that the Christian people may more certainly derive an abundance of graces from the Sacred Liturgy. How did they propose to do this? —by undertaking with great care a general restoration of the liturgy itself (“ipsius Liturgiae generalem instaurationem sedulo curare cupit”). Please note that the  Fathers speak of a “restoration,” not a revolution!

One of the clearest and most beautiful expressions of the intentions of the Fathers of the Council is found at the beginning of the second chapter of the Constitution, which considers the mystery of the Most Holy Eucharist. In article 48 we read:

The Church…earnestly desires that Christ’s faithful, when present at this mystery of faith, should not be there as strangers or silent spectators; on the contrary, through a good understanding of the rites and prayers they should take part in the sacred action conscious of what they are doing, with devotion and full collaboration. They should be instructed by God’s word and be nourished at the table of the Lord’s body; they should give thanks to God; by offering the Immaculate Victim, not only through the hands of the priest, but also with him, they should learn also to offer themselves; through Christ the Mediator they should be drawn day by day into ever more perfect union with God and with each other, so that finally God may be all in all.

My brothers and sisters, this is what the Council Fathers intended. Yes, certainly, they discussed and voted on specific ways of achieving their intentions. But let us be very clear: the ritual reforms  proposed in  the Constitution such as the restoration of the prayer of the faithful at Mass (n. 53), the extension of concelebration (n. 57) or some of its policies such as the simplification desired by articles 34 and 50, are all subordinate to the fundamental intentions of the Council Fathers I have just outlined. They are means to an end, and it is the end which we must achieve.

If we are to move towards a more authentic implementation of Sacrosanctum Concilium, it is these goals, these ends, which we must keep before us first and foremost. It may be that, if we study them with fresh eyes and with the benefit of the experience of the past five decades, we shall see some specific ritual reforms and certain liturgical policies in a different light. If, today, so as to “impart an ever increasing vigour to the Christian life of the faithful” and “help to call the whole of mankind into the household of the Church,” some of these need to be reconsidered, let us ask the Lord to give us the love and the humility and wisdom so to do.

 

C. WHAT HAS HAPPENED FOLLOWING THE PROMULGATION
OF SACROSANCTUM CONCILIUM?

I raise this possibility of looking again at the Constitution and at the reform which followed its promulgation because I do not think that we can honestly read even the first article of Sacrosanctum Concilium today and be content that we have achieved its aims. My brothers and sisters, where are the faithful of whom the Council Fathers spoke? Many of the faithful are now unfaithful: they do not come to the liturgy at all. To use the words of St John Paul II: “Forgetfulness of God led to the abandonment of man. It is therefore no wonder that in this context a vast field has opened for the unrestrained development of nihilism in philosophy, of relativism in values and morality, and of pragmatism – and even a cynical hedonism – in  daily life. European culture gives the impression of ‘silent apostasy’ on the part of people who have all that they need and who live as if God does not exist” (Apostolic Exhortation, Ecclesia in Europa, 28 June 2003, 9). Where is the unity the Council hoped to achieve? We have not yet reached it. Have we made real progress in calling the whole of mankind into the household of the Church? I do not think so. And yet we have done very much to the liturgy!

In my 47 years of life as a priest and after more than 36 years of episcopal ministry I can  attest that many Catholic communities and individuals live and pray the liturgy as reformed following the Council with fervour and joy, deriving from it many, if not all, of the goods that the Council Fathers desired. This is a great fruit of the Council. But from my experience I  also know—now also through my service as Prefect of the Congregation for Divine Worship and the Discipline of the Sacraments—that there are many distortions of the liturgy throughout the Church today, and there are many situations that could be improved so that the aims of the Council can be achieved. Before I reflect on some possible improvements, let us consider what happened following the promulgation of the Constitution on the Sacred Liturgy.

In the sixteenth century the Pope entrusted the liturgical reform desired by the Council of Trent to a special commission which worked to prepare revised editions of the liturgical books which were eventually promulgated by the Pope. This is a perfectly normal procedure and it was the one adopted by Blessed Paul VI in 1964 when he established the Consilium ad exsequendam constitutionem de sacra liturgia. We know much about this commission because of the published memoirs of its secretary, Archbishop Annibale Bugnini (The Reform of the Liturgy: 1948-1975, Liturgical Press, Collegeville 1990).

The work of this commission to implement the Constitution was certainly subject to influences, ideologies and new proposals that were not present in Sacrosanctum Concilium. For example, it is true that the Council did not propose the introduction of new Eucharistic prayers, but that this idea came up and was accepted, and that new prayers were authoritatively promulgated by the Pope. It is true, also, as Archbishop Bugnini  himself makes clear, that some prayers and rites were constructed or revised according to the spirit of the times, particularly according to ecumenical sensitivities. Whether or not too much was done, or whether what was done truly helped to achieve the aims of the Constitution, or whether they in fact hindered them, are questions we need to study. I am very happy that today scholars are considering these matters in depth. Nevertheless it is an important fact that Blessed Paul VI judged the reforms proposed by the commission to be suitable and that he promulgated them. With his Apostolic authority he established them as normative and  ensured their liceity and validity.

But while the official work of reform was taking place some very serious misinterpretations  of the liturgy emerged and took root in different places throughout the world. These abuses of the Sacred Liturgy grew up because of an erroneous understanding of the Council, resulting  in liturgical celebrations that were subjective and which were more focused on the individual community’s desires than on the sacrificial worship of Almighty God. My predecessor as Prefect of the Congregation, Francis Cardinal Arinze, once called this sort of thing “the do-it- yourself Mass.” St John Paul even found it necessary to write the following in his Encyclical letter Ecclesia de Eucharistia (17 April 2003):

The Magisterium’s commitment to proclaiming the Eucharistic mystery has been matched by interior growth within the Christian community. Certainly the liturgical reform inaugurated by the Council has greatly contributed to a more conscious, active and fruitful participation in the Holy Sacrifice of the Altar on the part of the faithful. In many places, adoration of the Blessed Sacrament is also an important daily practice and becomes an inexhaustible source of holiness. The devout participation of the faithful in the Eucharistic procession on the Solemnity of the Body and Blood of Christ is a grace from the Lord which yearly brings joy to those who take part in it.

Other positive signs of Eucharistic faith and love might also be mentioned.

Unfortunately, alongside these lights, there are also shadows. In some places the practice of Eucharistic adoration has been almost completely abandoned. In various parts of the Church abuses have occurred, leading to confusion with regard to sound faith and Catholic doctrine concerning this wonderful sacrament. At times one encounters an extremely reductive understanding of the Eucharistic mystery. Stripped  of its sacrificial meaning, it is celebrated as if it were simply a fraternal banquet. Furthermore, the necessity of the ministerial priesthood, grounded in apostolic succession, is at times obscured and the sacramental nature of the Eucharist is reduced to its mere effectiveness as a form of proclamation. This has led here and there to ecumenical initiatives which, albeit well-intentioned, indulge in Eucharistic practices contrary to the discipline by which the Church expresses her faith. How can we not express profound grief at all this? The Eucharist is too great a gift to tolerate ambiguity and depreciation.

It is my hope that the present Encyclical Letter will effectively help to banish the dark clouds of unacceptable doctrine and practice, so that the Eucharist will continue to shine forth in all its radiant mystery (n. 10).

As well as abusive practices, there was adverse reaction to the officially promulgated reforms. Some people found that they had gone too far too quickly, or even suspected the official reforms of being doctrinally suspect. One remembers the controversy that emerged in 1969 with the letter sent to Paul VI by Cardinals Ottaviani and Bacci expressing very serious concerns, after which the Pope judged it appropriate to make certain doctrinal precisions. These questions, too, need to be studied carefully.

But there was also a pastoral reality here: whether for good reasons or not, some people could or would not participate in the reformed rites. They stayed away, or only participated in the unreformed liturgy where they could find it, even when its celebration was not authorised. In this way the liturgy became an expression of divisions within the Church, rather than one of Catholic unity. The Council did not intend that the liturgy divide us one from another! St John Paul II worked to heal this division, aided by Cardinal Ratzinger who, as Pope Benedict XVI, sought to facilitate the necessary internal reconciliation in the Church by establishing in his Motu Proprio Summorum Pontificum (7 July 2007) that the more ancient form of the Roman rite is to be available without restriction to those individuals and groups who wish to draw from its riches. In God’s Providence it is now possible to celebrate our Catholic unity whilst respecting, and even rejoicing in, a legitimate diversity of ritual practice.

Finally, I would like to note that amidst the work of reform and translation that took place after the Council (and we know that some of this work was done too quickly, meaning that today we have to revise the translations to render them more faithful to the original Latin), there was perhaps not enough attention paid to what the Council Fathers said was essential if the fruitful participation in the liturgy that they desired would be achieved: that the clergy “become thoroughly imbued with the spirit and power of the liturgy, and undertake to give instruction about it.” We know that a building with weak foundations is at risk of damage or even of collapse.

We may have built a very new, modern liturgy in the vernacular, but if we have not laid the correct foundations—if our seminarians and clergy are not “thoroughly imbued with the spirit and power of the liturgy” as the Council required—then they themselves cannot form the people entrusted to their care. We need to take the words of the Council itself very seriously: it would be “futile” to hope for a liturgical renewal without a thorough liturgical formation. Without this essential formation clergy could even damage peoples’ faith in the Eucharistic mystery.

I do not wish to be thought of as being unduly pessimistic, and I say again: there are many, many faithful lay men and women, many clergy and religious for whom the liturgy as reformed after the Council is a source of much spiritual and apostolic fruit, and for that I thank Almighty God. But, even from my brief analysis just now, I think you will agree that we can do better so that the Sacred Liturgy truly becomes the source and summit of the life and mission of the Church now, at the beginning of the twenty-first century, as the Fathers of the Council so earnestly desired.

Anyway, this is what Pope Francis asks us to do: “It is necessary, he said, to unite a renewed willingness to go forward along the path indicated by the Council Fathers, as there remains much to be done for a correct and complete assimilation of the Constitution on the Sacred Liturgy on the part of the baptised and ecclesial communities. I refer, in particular, to the commitments to a solid and organic liturgical initiation and formation, both of lay faithful as well as clergy and consecrated persons”.

 

D. HOW SHOULD WE MOVE TOWARDS A MORE AUTHENTIC
IMPLEMENTATION OF SACROSANCTUM CONCILIUM TODAY?

In the light of the fundamental desires of the Council Fathers and of the different situations that we have seen arise following the Council, I would like to present some practical considerations on how we can implement Sacrosanctum Concilium more faithfully today. Even though I serve as the Prefect of the Congregation for Divine Worship, I do so in all humility as a priest and a bishop in the hope that they will promote mature reflection and scholarship and good liturgical practice throughout the Church.

It will come as no surprise if I say that first of all we must examine the quality and depth of our liturgical formation, of how we imbue our clergy, religious and lay faithful with the spirit and power of the liturgy. Too often we assume that our candidates for ordination to the priesthood or the permanent diaconate “know” enough about the liturgy. But the Council was not insisting on knowledge here, though, of course, the Constitution stressed the importance of liturgical studies (see: nn. 15-17). No, the liturgical formation that is primary and essential is more one of immersion in the liturgy, in the deep mystery of God our loving Father. It is a question of living the liturgy in all its richness, so that having drunk deeply from its fount we always have a thirst for its delights, its order and beauty, its silence and contemplation, its exultation and adoration, its ability to connect us intimately with He who is at work in and through the Church’s sacred rites.

That is why those “in formation” for pastoral ministry should live the liturgy as fully as is possible in their seminaries or houses of formation. Candidates for the permanent diaconate should have an immersion in an intense liturgical life over a prolonged period also. And, I would add, that the full and rich celebration of the more ancient use of the Roman rite, the usus antiquior, should be an important part of liturgical formation for clergy, for how can we begin to comprehend or celebrate the reformed rites with a hermeneutic of continuity if we have never experienced the beauty of the liturgical tradition which the Fathers of the Council themselves knew and which has produced so many saints over the centuries? A wise  openness to the mystery of the Church and her rich, centuries-old tradition, and a humble docility to what the Holy Spirit says to the Churches today are real signs that we belong to Jesus Christ: And he said to them, “Therefore every scribe who has been trained for the kingdom of heaven is like a householder who brings out of his treasure what is new and what is old.” (Mt 13:52).

If we attend to this, if our new priests and deacons truly thirst for the liturgy, they will themselves be able to form those entrusted to their care—even if the liturgical circumstances and possibilities of their ecclesial mission are more modest than those of the seminary or of a cathedral. I am aware of many priests in such circumstances who form their people in the spirit and power of the liturgy, and whose parishes are examples of great liturgical beauty. We should remember that dignified simplicity is not the same as reductive minimalism or a negligent and vulgar style. As our Holy Father, Pope Francis, teaches in his Apostolic Exhortation Evangelii Gaudium: “The Church evangelizes and is herself evangelized through the beauty of the liturgy, which is both a celebration of the task of evangelization and the source of her renewed self-giving.” (n. 24)

Secondly, I think that it is very important that we are clear about the nature of liturgical participation, of the participatio actuosa for which the Council called. There has been a lot of confusion here over recent decades. Article 48 of the Constitution states: “The Church…earnestly desires that Christ’s faithful, when present at this mystery of faith, should not be there as strangers or silent spectators; on the contrary, through a good understanding of the rites and prayers they should take part in the sacred action conscious of what they are doing, with devotion and full collaboration.” The Council sees participation as primarily internal, coming about “through a good understanding of the rites and prayers.”  The inner life, the life immersed in God and intimately inhabited by God is the indispensable condition for a successful and fruitful participation in the Holy Mysteries that we celebrate in the liturgy. The Eucharistic celebration must be essentially lived internally. It is within us that God wants to meet us. The Fathers called for the faithful to sing, to respond to the priest, to assume liturgical ministries that are rightfully theirs, certainly, but it insists that all should be “conscious of what they are doing, with devotion and full collaboration.”

If we understand the priority of internalising our liturgical participation we will avoid the noisy and dangerous liturgical activism that has been too prominent in recent decades. We do not go to the liturgy so as to perform, to do things for others to see: we go to be connected with Christ’s action through an internalisation of the external liturgical rites, prayers, signs and symbols. It may be that we priests whose vocation is to minister liturgically need to remember this more than others! But we also need to form others, particularly our children and young people, in the true meaning of liturgical participation, in the true way to pray the liturgy.

Thirdly, I have spoken of the fact that some of the reforms introduced following the Council may have been put together according to the spirit of the times and that there has been an increasing amount of critical study by faithful sons and daughters of the Church asking whether what was in fact produced truly implemented the aims of the Constitution,  or whether in reality they went beyond them. This discussion sometimes takes place under the title of a “reform of the reform,” and I am aware that Father Thomas Kocik presented a learned study on this question at the Sacra Liturgia conference in New York one year ago.

I do not think that we can dismiss the possibility or the desirability of an official reform of the liturgical reform, because its proponents make some important claims in their attempt to be faithful to the Council’s insistence in article 23 of the Constitution “that sound tradition…be retained, and yet the way remain open to legitimate progress.” It must begin with a careful theological, historical, pastoral study and “there must be no innovations unless the good of  the Church genuinely and certainly requires them; and care must be taken that any new forms adopted should in some way grow organically from forms already existing.”

Indeed, I can say that when I was received in audience by the Holy Father last April, Pope Francis asked me to study the question of a reform of a reform and the way in which the two forms of the Roman rite could enrich each other. This will be a long and delicate work and I ask for your patience and prayers. But if we are to implement Sacrosanctum Concilium more faithfully, if we are to achieve what the Council desired, this is a serious question which must be carefully studied and acted on with the necessary clarity and prudence in prayer and total submission to God.

We priests, we bishops bear a great responsibility. How our good example builds up good liturgical practice; how our carelessness, our routine or wrongdoing harms the Church and  her Sacred Liturgy!

We priests must be worshippers first and foremost. Our people can see the  difference  between a priest who celebrates with faith and one who celebrates in a hurry, frequently looking at his watch, almost so as to say that he wants to get back to his pastoral work or to other engagements or to go to view his television as quickly as possible! Fathers, we can do no more important thing than celebrate the sacred mysteries: let us beware of the temptation of liturgical sloth or lukewarmness, because it is a temptation of the devil.

We must remember that we are not the authors of the liturgy, we are its humble ministers, subject to its discipline and laws. We are also responsible to form those who assist us in liturgical ministries in both the spirit and power of the liturgy and indeed its regulations. Sometimes I have seen priests step aside to allow extraordinary ministers distribute Holy Communion: this is wrong, it is a denial of the priestly ministry as well as a clericalisation of the laity. When this happens it is a sign that formation has gone very wrong, and that it needs to be corrected. (see: Mt 14:18-21). “Then, taking the five loaves… gave them to his disciples to set before the people… Those who ate of the loaves were five thousand men (Mk 6:30-44; Mt 14:18-21).

I have also seen priests, and bishops, vested to celebrate Holy Mass, take out telephones and cameras and use them in the Sacred Liturgy. This is a terrible indictment of what they believe to be the mission they assume when they put on the liturgical vestments, which clothe and transform us as an alter Christus—and much more, as ipse Christus, as Christ himself. To do this is a sacrilege. No bishop, priest or deacon vested for liturgical ministry or present in the sanctuary should be taking photographs, even at large-scale concelebrated Masses. That priests sadly often do this at such Masses, or talk with each other and sit casually, is a sign, I think, that we need urgently to rethink the appropriateness of these immense concelebrations, especially if they lead priests into this sort of scandalous behaviour that is so unworthy of the mystery being celebrated, or if the sheer size of these concelebrations leads to a risk of the profanation of the Blessed Eucharist.

It is equally a scandal and profanation for the lay faithful to take photographs during the celebration of the Holy Eucharist. They should participate through prayer and not by spending their time taking photos!

I want to make an appeal to all priests. You may have read my article in L’Osservatore Romano one year ago (12 June 2015) or my interview with the journal Famille Chrétienne in May of this year. On both occasions I said that I believe that it is very important that we return as soon as possible to a common orientation, of priests and the faithful turned together in the same direction—Eastwards or at least towards the apse—to the Lord who comes, in those parts of the liturgical rites when we are addressing God. This practice is permitted by current liturgical legislation. It is perfectly legitimate in the modern rite. Indeed, I think it is a very important step in ensuring that in our celebrations the Lord is truly at the centre.

And so, dear Fathers, I humbly and fraternally ask you to implement this practice wherever possible, with prudence and with the necessary catechesis, certainly, but also with a pastor’s confidence that this is something good for the Church, something good for our people. Your own pastoral judgement will determine how and when this is possible, but perhaps beginning this on the first Sunday of Advent this year, when we attend ‘the Lord who will come’ and ‘who will not delay’ (see: Introit, Mass of Wednesday of the first week of Advent) may be a very good time to do this. Dear Fathers, we should listen again to the lament of God proclaimed by the prophet Jeremiah: “they have turned their backs to me and not their faces” (2:27). Let us turn again towards the Lord! Since the day of his Baptism, the Christian knows only one direction: the Orient. “You entered to confront your enemy, for you intended to renounce him to his face. You turned toward the East (ad Orientem), for one who renounces the devil turns towards Christ and fixes his gaze directly on Him” (From the beginning of the Treatise on the Mysteries by Saint Ambrose, Bishop of Milan).

I very humbly and fraternally would like to appeal also to my brother bishops: please lead your priests and people towards the Lord in this way, particularly at large celebrations in your dioceses and in your cathedral. Please form your seminarians in the reality that we are not called to the priesthood to be at the centre of liturgical worship ourselves, but to lead Christ’s faithful to him as fellow worshippers united in the one same act of adoration. Please facilitate this simple but profound reform in your dioceses, your cathedrals, your parishes and your seminaries.

We bishops have a great responsibility, and one day we shall have to answer to the Lord for our stewardship. We are the owners of nothing! Nothing belongs to us! As St Paul teaches, we are merely “the servants of Christ and the stewards of the mysteries of God. Now it is of course required of stewards that they be found trustworthy” (1 Cor. 4:1-2). We are  responsible to ensure that the sacred realities of the liturgy are respected in our dioceses and that our priests and deacons not only observe the liturgical laws, but know the spirit and power of the liturgy from which they emerge. I was very encouraged to read the presentation on “The Bishop: Governor, Promoter and Guardian of the Liturgical Life of the Diocese” made to the 2013 Sacra Liturgia conference in Rome by Archbishop Alexander Sample of Portland in Oregon in the USA, and I fraternally encourage my brother bishops to study his considerations carefully.

All liturgical ministers should make a examination of conscience periodically. For this I recommend part II of the Apostolic Exhortation Sacramentum Caritatis of Benedict XVI (22 February 2007), “The Eucharist, a Mystery to be Celebrated.” It is almost ten years since this Exhortation was published as the collegial fruit of the 2005 Synod of Bishops. How much progress have we made in that time? What more do we need to do? We must ask ourselves these questions before the Lord, each of us according to our responsibility, and then do what we can and what we must to achieve the vision outlined by Pope Benedict.

At this point I repeat what I have said elsewhere, that Pope Francis has asked me to continue the extraordinary liturgical work Pope Benedict began (see: Message to Sacra Liturgia USA 2015, New York City). Just because we have a new pope does not mean that his  predecessor’s vision is now invalid. On the contrary, as we know, our Holy Father Pope Francis has the greatest respect for the liturgical vision and measures Pope Emeritus Benedict XVI implemented in utter fidelity to the intentions and aims of the Council Fathers.

Before I conclude, please permit me to mention some other small ways which can also contribute to a more faithful implementation of Sacrosanctum Concilium. One is that we  must sing the liturgy, we must sing the liturgical texts, respecting the liturgical traditions of the Church and rejoicing in the treasury of sacred music that is ours, most especially that music proper to the Roman rite, Gregorian chant. We must sing sacred liturgical music not merely religious music, or worse, profane songs.

We must get the right balance between the vernacular languages and the use of Latin in the liturgy. The Council never intended to insinuate that the Roman rite be exclusively celebrated in the vernacular. But it did intend to allow its increased use, particularly for the readings.

Today it should be possible, especially with modern means of printing, to facilitate comprehension by all when Latin is used, perhaps for the liturgy of the Eucharist, and of course this is particularly appropriate at international gatherings where the local vernacular is not understood by many. And naturally, when the vernacular is used, it must be a faithful translation of the original Latin, as Pope Francis recently affirmed to me.

We must ensure that adoration is at the heart of our liturgical celebrations. The heart of our liturgy is the adoration of God. Too often we do not move from celebration to adoration, but  if we do not do that I worry that we may not have always participated in the liturgy fully, internally. Two bodily dispositions are helpful, indeed indispensible here. The first is silence. If I am never silent, if the liturgy gives me no space for silent prayer and contemplation, how can I adore Christ, how can I connect with him in my heart and soul? Silence is very important, and not only before and after the liturgy. It is the foundation of any deep spiritual life.

So too kneeling at the consecration (unless I am sick) is essential. In the West this is an act of bodily adoration that humbles us before our Lord and God. It is itself an act of prayer. Where kneeling and genuflection have disappeared from the liturgy, they need to be restored, in particular for our reception of our Blessed Lord in Holy Communion. Dear Fathers, where possible and with the pastoral prudence of which I spoke earlier, form your people in this beautiful act of worship and love. Let us kneel in adoration and love before the Eucharistic Lord once again! “Man is not fully man unless he falls on his knees before God to adore Him, to contemplate his dazzling sanctity and let himself be remodelled in his image and likeness” (R. Sarah, On the Road to Ninive, Paulines Publications Africa 2012, p.199).

In speaking of the reception of Holy Communion kneeling I would like to recall the 2002 letter of the Congregation of Divine Worship and Discipline of the Sacraments which  clarifies that “any refusal of Holy Communion to a member of the faithful on the basis of his or her kneeling posture [is] a grave violation of one of the most basic rights of the Christian faithful” (Letter, 1 July 2002, Notitiae, n. 436, Nov-Dec 2002, p. 583).

Correctly vesting all the liturgical ministers in the sanctuary, including lectors, is also very important if such ministries are to be considered authentic and if they are to be exercised with the decorum due to the Sacred Liturgy—also if the ministers themselves are to show the correct reverence for God and for the mysteries they minister.

These are some suggestions: I am sure that many others could be made. I put them before you as possible ways of moving towards “the right way of celebrating the liturgy inwardly and outwardly,” which was of course the desire expressed by Cardinal Ratzinger at the beginning of his great work, The Spirit of the Liturgy. (Joseph Ratzinger, Theology of the Liturgy, Collected Works vol. 11, Ignatius Press, San Francisco 2014, p. 4). I encourage you to do all that you can to realise this goal, which is utterly consistent with that of the Second Vatican Council’s Constitution on the Sacred Liturgy.

 

CONCLUSION

I began this address with a consideration of the teachings of the twentieth century popes on the Sacred Liturgy. The first of them, St Pius X, had the personal motto: instaurare omia in Christo—to restore all things in Christ. I suggest that we take these words and make them our own standard as we seek to work towards a more faithful implementation of Sacrosanctum Concilium, for if when we come to the Sacred Liturgy we enter into the mentality of Christ, if we put on Christ as we put on our baptismal robe or the vestments proper to our liturgical ministry, we cannot go far astray.

It is sadly true that in   the decades since the  Second Vatican Council, “alongside [the]   lights, there are also shadows” in the Church’s liturgical life, as Saint John Paul II said in Ecclesia de Eucharistia (n.10). And it is our duty to address the causes of this. But it is a source of great hope and joy that today, as the twenty-first century proceeds, many faithful Catholics are convinced of the importance of the liturgy in the life of the Church and dedicate themselves to the liturgical apostolate, to what may be broadly called a new liturgical movement.

My brothers and sisters, I thank you for your commitment to the Sacred Liturgy. I encourage you and bless you in all your endeavours, great or small, to bring about “the right way of celebrating the liturgy inwardly and outwardly.” Persevere in this apostolate: the Church and the world needs you!

I ask you for your prayers for my particular ministry. Thank you. May God bless you.

 

© Robert Cardinal Sarah Prefect, Congregation for Divine Worship and the Discipline of the Sacraments

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See also:

Aus der Dogmatik von Bischof Gerhard Ludwig Müller – 2004

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Die Lehre von der Messe als Opfer

Cap. 1 (can. 1 u. 2): Wenngleich sich Christus selbst „ein für allemal auf dem Altar des Kreuzes (semel se ipsum in ara crucis) dem Vater als Opfer dargebracht hat, so vollzieht er doch sein ewiges Priestertum ebenso im sichtbaren Opfer der Eucharistie, das er im Abendmahlssaal seiner Kirche hinterlassen hat: Jenes blutige Opfer, das einmal am Kreuze dargebracht werden sollte. [sollte] vergegenwärtigt werden (repraesentaretur), sein Gedächtnis bis zum Ende der Zeiten fortdauern und dessen heilbringende Kraft für die Vergebung der Sünden, die von uns täglich begangen werden, zugewandt werden.“ (DH 1740) Die Messe ist darum ein „wahres und eigentliches Opfer (verum et proprium sacrificium). Die Opferhandlung besteht nicht nur darin, daß uns Christus zur Speise gereicht wird (DH 1751).

Cap. 2 (u. can. 3): Weil in diesem göttlichen Opfer, das in der Messe vollzogen wird, jener selbe Christus enthalten ist und unblutig geopfert wird, der auf dem Altar des Kreuzes ein für allemal sich selber blutig geopfert hat, darum muß das eucharistische Opfer auch als Sühneopfer verstanden werden (DH 1743). „Wer sagt, das Meßopfer sei lediglich ein Lob- und Dankopfer oder ein bloßes Gedächtnis des am Kreuze vollzogenen Opfers, nicht aber ein Sühneopfer; oder es nütze allein dem, der es empfängt; und man dürfe es nicht auch für Lebende und Verstorbene, für Sünden, Strafen, zur Genugtuung und für andere Nöte darbringen, der sei ausgeschlossen.“ (DH 1753)

Opferhandlung und Opfergabe sind der eine und derselbe Christus, der in der Eucharistie durch den Dienst der Kirche wirkt. Kreuzesopfer und Meßopfer sind nur in der Darbringungsweise verschieden (sola offerend ratione diversa): am Kreuz als blutiges Opfer, hier als nicht blutig vollzogenes sakramentales Gedächtnisopfer (DH 1743).

Die Eucharistiefeier ist also nichts anderes als das Kreuzesopfer selbst, in dem Christus das Subjekt ist und sein priesterliches Heilswirken sakramental vergegenwärtigt in der Weise der repraesentatio, der commemoratio und der applicatio. In diesem Sinn ist die Messe ein wahres und eigentliches Opfer (DH 1740).

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DH = Denzinger Hünermann – Enchiridion symbolorum, 1991