Papst bei Heiligsprechung: Danken ist eine Frage des Glaubens

Christen sollen ein „liebes Licht“ inmitten der Finsternisse der Welt sein. Das hob Papst Franziskus an diesem Sonntag beim Gottesdienst zur Heiligsprechung von John Henry Newman, Marguerite Bays und drei Ordensfrauen auf dem Petersplatz hervor. Der Papst ging auf drei Glaubensschritten ein – rufen, gehen und danken – die zum Weg der Christen gehören.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Die Feier auf dem Petersplatz – unter strahlender Sonne und mit tausenden Gläubigen – war den fünf neuen Heiligen gewidmet. Unter den Gästen waren Delegationen aus der Schweiz, Großbritannien mit dem Prinzen von Wales, Charles, sowie der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella anwesend. Aus Brasilien war Vizepräsident Hamilton Mourao dabei. Das südamerikanische Land hat ihre erste Heilige, die Ordensschwester Irma Dulce.

Zum Nachhören

Die fünf neuen Heiligen sind: Kardinal John Henry Newman (1801–1890), die Schweizer Schneiderin Marguerite Bays (1815–1879), die brasilianische Ordensschwester Dulce Lopes Pontes (1914-1992), die Ordensgründerinnen Maria Teresa Chiramel Mankidiyan (1876-1926) aus Indien und die Italienerin Giuseppina Vannini (1859-1911).

„Heute danken wir dem Herrn für die neuen Heiligen, die den Weg des Glaubens gegangen sind und die wir nun als Fürsprecher anrufen“, so der Papst. Er betonte, dass drei von ihnen Ordensschwestern gewesen seien. Sie zeigten den heutigen Gläubigen, „dass das Ordensleben ein Weg der Liebe an den existentiellen Rändern der Welt ist“. Über die Schweizerin Marguerite Bays erinnerte der Papst, dass sie eine Schneiderin gewesen war. „Sie legt uns offen, wie mächtig das schlichte Gebet, das geduldige Ertragen, die stille Hingabe sind: Hierdurch hat der Herr in ihrem Leben den Glanz von Ostern neu aufstrahlen lassen“, so der Papst.

Heiligkeit des Alltags

Der wohl bekannteste unter den neuen Heiligen ist Kardinal John Henry Newman, der von Benedikt XVI. in Großbritannien seliggesprochen wurde und nun in das Buch der Heiligen eingetragen wurde. „Es ist die Heiligkeit des Alltags, von der der heilige Kardinal Newman spricht“, sagte Franziskus über den von der anglikanischen Kirche zum Katholizismus konvertierten „großen Theologen des 19. Jahrhunderts“. Franziskus zitierte aus den Schriften Newmans: „Der Christ besitzt einen tiefen, stillen, verborgenen Frieden, den die Welt nicht sieht […] Der Christ ist heiter, zugänglich, freundlich, sanft, zuvorkommend, lauter, anspruchslos; er kennt keine Verstellung, […] er ist […] dabei aber so wenig ungewöhnlich oder auffallend in seinem Benehmen, dass er auf den ersten Blick leicht als ein gewöhnlicher Mensch angesehen werden mag“ (Parochial and Plain Sermons, V,5). Bitten wir darum, so zu sein, „liebes Licht“ inmitten der Finsternisse der Welt. Jesus, „bleibe bei mir! Dann werde ich selber auch leuchten, wie du geleuchtet hast, werde andern ein Licht sein“ (Meditations on Christian Doctrine, VII,3).“

Über die drei Stichwörter, die der rote Faden seiner Predigt darstellten, sagte der Papst:

„Zuallererst rufen. Die Aussätzigen befinden sich in einer schrecklichen Lage, nicht nur aufgrund der Krankheit, die auch heute noch verbreitet ist und mit allen Kräften bekämpft werden muss, sondern auch aufgrund des sozialen Ausschlusses. …Wie diese Aussätzigen bedürfen auch wir der Heilung, wir alle. Es ist notwendig, dass wir vom Misstrauen gegenüber uns selbst, gegenüber dem Leben, der Zukunft geheilt werden; von vielen Ängsten; von den Lastern, die uns versklaven; von vielen Abschottungen, von Abhängigkeit und Anhänglichkeit: an das Spielen, das Geld, das Fernsehen, das Handy, das Urteil der anderen.“

Papst Franziskus bei der Heiligsprechungsfeier auf dem Petersplatz
Papst Franziskus bei der Heiligsprechungsfeier auf dem Petersplatz

Beim Gehen geheilt worden

Der Herr befreie und heile das Herz, „wenn wir zu ihm rufen“, so der Papst weiter.

„Gehen ist die zweite Etappe. Im kurzen Evangelium von heute kommen ungefähr zehn Verben der Bewegung vor. Was aber vor allem beeindruckt, ist die Tatsache, dass die Aussätzigen nicht geheilt werden, als sie still vor Jesus stehen, sondern nachher beim Gehen“, unterstrich der Papst.

Der Glaube schreite voran, wenn man „mit Gottvertrauen ausgerüstet“ weitergehe. Der Glaube bedeute aber auch, gemeinsam gehen, niemals allein, fügte Franziskus an. Und dann noch das dritte Stichwort: danken.

„Es stimmt, es ist unsere Aufgabe – die wir hier sind, um „Eucharistie zu feiern“, also zu danken –, uns um den zu kümmern, der aufgehört hat zu gehen, der vom Weg abgekommen ist: Wir sind Hüter der Brüder und Schwestern, die fernstehen. Wir sind für sie Fürsprecher, wir sind für sie verantwortlich, das heißt gerufen, uns für sie zu verantworten, sie uns zu Herzen zu nehmen. Willst du im Glauben wachsen? Nimm dich eines fernstehenden Bruders, einer fernstehenden Schwester an.“

Zur Quelle gehen statt Glas Wasser trinken

Das Heil bedeute nicht, ein Glas Wasser zu trinken, um in Form zu bleiben, es bedeute, zur Quelle zu gehen, die Jesus sei. Danken sei im Übrigen auch nicht eine Frage der Höflichkeit, der Etikette, es sei eine Frage des Glaubens.

„Ein Herz, das dankt, bleibt jung. Beim Erwachen, während des Tages, vor dem Schlafengehen zu sagen: „Danke, Herr!“ ist das Gegenmittel gegen das Altern des Herzens. Das gilt auch in der Familie, unter Eheleuten: sich daran erinnern, danke zu sagen. Danke ist das einfachste und wohltuendste Wort.“

(vatican news)

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