Papst Franziskus vor dem Klerus und den Ordensleuten

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Papst Franziskus in Nairobi vor Klerikern, Ordensleuten und Seminaristen

Papst Franziskus Ansprache bei der Begegnung mit dem Klerus, den Ordensleuten und den Seminaristen in der St. Mary´s School in Nairobi am 26. November 2015. Franziskus hat diese Rede nicht gehalten, sondern frei gesprochen. Dennoch dokumentieren wir die vorbereitete Rede hier im Wortlaut.

V. Tumisufu Yesu Kristu!      (Gelobt sei Jesus Christus!)

R. Milele na Milele. Amina   (Von nun an bis in Ewigkeit. Amen)

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst,

Brüder und Schwestern gottgeweihten Lebens,

liebe Seminaristen,

ich freue mich sehr, bei euch zu sein, die Freude in euern Gesichtern zu sehen und eure Worte und eure glücklichen und hoffnungsvollen Gesänge zu hören. Ich danke Bischof Mukobo, Pater Phiri und Schwester Michael Marie für ihre Worte, mit denen sie mich in eurem Namen willkommen geheißen haben. Ich danke auch den Schwestern des heiligen Felix von Cantalice für ihre Gastfreundschaft.

Zu allererst danke ich euch für den aktiven Beitrag, den viele Gottgeweihte und Priester für die Kirche und für die kenianische Gesellschaft leisten. Ich bitte euch, eure Brüder und Schwestern, die heute nicht hier bei uns sein können, herzlich von mir zu grüßen, besonders die Alten und die Kranken eurer Gemeinschaften.

„[Gott], der bei euch das gute Werk begonnen hat, möge es auch vollenden bis zum Tag Christi Jesu“ (vgl. Phil 1,6). Heute Nachmittag möchte ich mir dieses innige Gebet, das von einem Wort des Apostels Paulus abgeleitet ist, zu Eigen machen, in Dankbarkeit für euren treuen Dienst für den Herrn inmitten seines Volkes.

Jeden Tag, wenn ihr euch in den Krankenhäusern und den Wohnungen unter die Kranken, die Leidenden, die Armen und die Ausgegrenzten begebt, verkündet ihr das liebevolle Erbarmen und Mitgefühl Gottes. In den Pfarreien, Schulen und Bildungsinstituten arbeitet ihr, um die jungen Menschen zu Christen und rechtschaffenen Bürgern zu erziehen. Diese Anstrengungen sind gut eingesetzt. Ihr helft, das geistige und moralische Leben der Gesellschaft auf soliden Fundamenten von Redlichkeit, Gerechtigkeit und Solidarität und auf dem verantwortlichen Gebrauch der Freiheit aufzubauen. Im Besonderen leistet ihr euren Dienst als lebendiges Zeichen der Gemeinschaft der Kirche, die alle Völker und Sprachen umgreift, niemanden ausschließt und das Heil aller sucht.

Ich bitte euch alle, eure Berufung als ein Geschenk Gottes zu bewahren und das Feuer eures Eifers stets neu zu entfachen. Diese Ermutigung gilt speziell den hier anwesenden Ordensleuten und den Personen gottgeweihten Lebens. Eure jungen Herzen sind von der Schönheit eines Lebens auf den Spuren Christi entflammt worden, das Gott und dem Nächsten geweiht ist. Wenn ihr täglich euer „Ja“ zum Ruf des Herrn, ihm gemäß dem Evangelium in Keuschheit, Armut und Gehorsam nachzufolgen, erneuert, gebt ihr ihm alles, was ihr habt und seid. Obwohl wir in der Welt leben und unser Apostolat ausüben, muss unser Herz immer zum Himmel gerichtet sein. Das persönliche, liturgische und gemeinschaftliche Gebet soll das Herzstück eures Tages sein. Und hier möchte ich den in Klausur lebenden gottgeweihten Personen danken für ihr verborgenes Apostolat, das so sehr zur Fruchtbarkeit der Mission der Kirche in diesem Land beiträgt.

Liebe Brüder im priesterlichen Dienst, eure Berufung selbst fordert euch auf, in der Nachfolge Christi, des guten Hirten, die Armen und die Kranken aufzusuchen sowie alle, die der Barmherzigkeit Gottes bedürfen. Das ist die Quelle unserer Freude, Boten und Diener seines Mitgefühls und seiner Liebe zu sein, die er unterschiedslos für alle hegt. Unter den vielen Verpflichtungen und Tätigkeiten des pastoralen Dienstes müssen das Gebet, die priesterliche Brüderlichkeit, die geistige und herzliche Verbundenheit mit euren Bischöfen und die häufige Inanspruchnahme der Gnade des Bußsakramentes eure Kraftquelle und ein Bollwerk gegen die unterschwelligen Versuchungen der spirituellen Weltlichkeit sein. Der Herr beruft uns, Diener seiner Gnade zu sein trotz unserer Grenzen und Schwachheiten. Als unser ewiger Hoherpriester, der durch Leiden vollendet wurde (Hebr 2,10), wird er euer Zeugnis in der verwandelnden Kraft seines Kreuzes und in der Freude über seinen ewigen Sieg stärken.

Liebe junge Seminaristen, auch ihr seid meinem Herzen ganz nahe! Diese Jahre der Vorbereitung und der Unterscheidung sind eine Zeit voller Gnade, in der ihr euch über den Willen Gottes für euer Leben klar werdet. Von euch verlangt das Ehrlichkeit, Selbsterkenntnis und Lauterkeit der Absichten; außerdem muss es vom persönlichen Gebet getragen werden und von der inneren Freiheit gegenüber der Selbstsucht oder gegenüber negativen Anhänglichkeiten. Vor allem soll es eine Zeit geistlicher Freude sein – einer Freude, deren Quelle in einem für die Stimme Gottes offenen Herzen liegt, das demütig darauf vorbereitet ist, alles für den Dienst an seinem heiligen Volk zu opfern.

Liebe Freunde, das Evangelium, das wir verkünden und zu leben versuchen, ist kein einfacher Weg; es ist ein schmaler Pfad, erfüllt aber das Herz mit unsagbarer Freude. Noch einmal nehme ich die Worte des Apostels auf und versichere euch, dass ich immer mit Freude für euch bete (vgl. Phil 1,4). Ich bitte euch, für mich zu beten, und vertraue euch alle der grenzenlosen Liebe an, die wir in Christus Jesus erfahren haben. Allen erteile ich von ganzem Herzen meinen Segen.

Mungu awabariki!   (Gott segne euch!)

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Quelle