Papst Franziskus fordert Abschaffung der Nuklearwaffen

Demonstration, Fliegerhorst Büchel, 30. August 2008 / Wikimedia Commons – Buroll, Public Domain

Botschaft von Papst Franziskus an die Konferenz der UN
vom 27. bis 31. März 2017 New York

Eine Welt ohne Nuklearwaffen forderte Papst Franziskus in seiner Botschaft an die Konferenz der UN, die vom 27. bis 31. März 2017 in New York tagt. Die UN verhandelt in diesen Tagen über ein bindendes Rechtsmittel für ein Verbot von Nuklearwaffen. Die Botschaft des Papstes, in der er eindringlich zum Frieden mahnte, wurde vom Leiter der Delegation des Heiligen Stuhls, Msgr. Antoine Camilleri, Untersekretär für die Beziehungen mit den Staaten, verlesen.

Eine den Frieden und die ganze Menschheit zerstörende Haltung widerspreche dem Geist der UN, mahnte Papst Franziskus und zeigte die Gefahr humanitärer Katastrophen und von Umweltkatastrophen durch Nuklearwaffen auf.

Ressourcen würden für Nuklearwaffen verschwendet, die statt dessen für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, den Kampf gegen die Armut und die in der Agenda 2030 formulierten Ziele verwendet werden könnten.

Papst Franziskus warf die Frage auf, wie stabil ein auf Angst gebautes Gleichgewicht sein könne. Friede müsse auf Gerechtigkeit, der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen, dem Respekt vor den Menschenrechten, dem Schutz der Schöpfung, der Teilnahme aller am öffentlichen Leben, dem Vertrauen unter den Völkern, der Förderung friedlicher Institutionen, dem Zugang zu Bildung und Gesundheitswesen, auf dem Dialog und der Solidarität gegründet sein.

Die UN sei aufgerufen, friedensstiftende Strategien zu fördern. Die Abschaffung der Nuklearwaffen bezeichnete Papst Franziskus als moralischen und humanitären Imperativ.

Papst Franziskus legte dar, dass die Welt globalisiert sei, und daher Dialog und friedenstiftende Maßnahmen gemeinsam erfolgen müssten. Die Menschheit sei in der Lage, zusammen zu arbeiten und ein gemeinsames Haus zu errichten. Das Handeln müsse auf ein menschlicheres und sozialeres Leben zielen.

Papst Franziskus verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Konferenz einen entscheidenden Schritt zu einer Welt ohne Nuklearwaffen leiste und erteilte den apostolischen Segen.

Der Volltext der Botschaft ist hier abrufbar (auf Englisch)

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Quelle

Hunger geht auch die Satten an: Eine Konferenz in Rom

Sorgte für Diskussionen: Schriftsteller Martìn Caparròs – RV

Wir müssen den Hunger „entbürokratisieren“, das Elend „entnaturalisieren“: Dazu forderte Papst Franziskus bei seinem Besuch beim Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) in Rom am 13. Juni letzten Jahres auf. Den Hungernden und Leidenden der Welt ein Gesicht zu geben, diese hehre Absicht treibt auch den Autor und Historiker Martín Caparrós um. Der Argentinier hat nach ausgiebigen Recherchereisen ein Buch vorgelegt, in dem er Einzelschicksale von Hungernden aus aller Welt erzählt und analytisch unterlegt. Das Buch heißt „Der Hunger“, ist mittlerweile in 16 Sprachen übersetzt und packt durch seine unmittelbare Schilderung der Einzelschicksale den Leser direkt ans Herz – und an den in der Regel gut gefüllten Bauch. Auf Deutsch hat es der Inselverlag herausgebracht, es kostet etwa 30 Euro.

Botschafter Hinrich Thölken vertritt Deutschland bei den in Rom ansässigen internationalen Organisationen, die sich dem Kampf gegen den Welthunger verschrieben haben; auch ihn hat das Buch keineswegs kalt gelassen. Es hat in ihm den Wunsch geweckt, es als Aufhänger für eine interdisziplinäre Podiumsdiskussion in den Räumen der Welternährungsorganisation in Rom zu nehmen. Mitveranstalterin der hochkarätig besetzten Konferenz „Agenda 2030 – Fighting Hunger, Overcoming Poverty, Protecting our Climate – open up on new prospects“ an diesem Mittwoch war die Deutsche Botschaft am Heiligen Stuhl, vertreten durch Botschafterin Annette Schavan.

„Wie zum Teufel können wir weiterleben, obwohl wir wissen, dass diese Dinge geschehen?“

„Da gab es immer eine Konstante im Hintergrund, die sich wie ein roter Faden durch ganz verschiedene Situationen durchgezogen hat. Migrationen, Konflikte, Kriege, was auch immer. Und diese Konstante war, dass die meisten Menschen, zu denen ich gesprochen habe, nicht genug gegessen haben. An einem gewissen Punkt habe ich dann gedacht, dass ich diesen Hintergrund gerne in den Vordergrund rücken würde, um dieses Problem anzusprechen, das als Hauptproblem immer ein wenig untergegangen ist.“So beschreibt der Autor des Buches, Martín Caparrós, bei der Konferenz die Erkenntnis, die jahrelange Recherchereisen in den Randgebieten der Welt, aber auch in Ländern wie den USA, in ihm haben reifen lassen. Doch diese Erkenntnis bedurfte noch eines Schlüsselerlebnisses, um sich dem Thema Hunger auch auf literarische Weise zuzuwenden.„In einem kleinen Dorf in Niger habe ich eine Frau, Aysha, gefragt, was sie sich wünschen würde, wenn ein Zauberer ihr diesen Wunsch erfüllen könnte. Sie überlegte kurz und meinte dann: Eine Kuh. Und sie erklärte mir: Mit einer Kuh kann ich meinen Kindern Milch geben und vielleicht bleibt auch noch etwas übrig, so dass ich etwas auf dem Markt verkaufen kann. Und ich sagte ihr: Aber das ist ein mächtiger Zauberer, er kann dir jeden Wunsch erfüllen! Sie meinte: Wirklich jeden? Dann hätte ich gerne zwei Kühe.“

Dies, so Caparròs, sei der zündende Moment gewesen, in dem ihm klar wurde, wie sehr das Fehlen von Nahrungssicherheit auch die ureigene menschliche Fähigkeit der Vorstellung, des Wünschens unterminiert. Letztlich geht es dem Hungernden nur darum, eine tägliche Ration an lebenserhaltender Nahrung zu erhalten – von der „Varietät“ und „Ausgewogenheit“ der Ernährung, wie sie für die propagiert wird, die sich eine solche leisten können, ganz zu schweigen. Doch halt: Überhaupt „Hunger“ zu sagen, ist eigentlich schon der falsche Ansatz, meint Caparrós.

„Es gibt keine Sache wie Hunger, sondern Menschen, die nicht genug essen. Nur über Hunger zu sprechen, macht es so abstrakt, dass es uns erlaubt, eine gewisse Distanz zu wahren. Aber wo Hunger herrscht, gibt es viele, viele Menschen, die nicht genug essen! Also, was ich wollte, war, deren Geschichten zu erzählen und ihnen ein Gesicht zu geben.“

Hunger personalisieren

Dies umso mehr, als die mittlerweile weltweit produzierte Nahrung für alle Menschen auf dem Erdball reichen würde: Das beweisen unter anderem Erhebungen der Welternährungsorganisation. Eines der Probleme dabei: Oftmals wird Nahrung aus Ländern, in denen Menschen an Hunger leiden, exportiert, um teurer als auf dem örtlichen Markt verkauft werden zu können. Ein Beispiel hierfür: Die Heimat des Autors, Argentinien. Doch auch das Phänomen des „Landgrabbing“, das Riesenflächen an fruchtbarer Erde dem lokalen Produktionszyklus entzieht und internationalen Konsortien zur Verfügung stellt, trägt zu einer Verschärfung des Problems bei. Immer im Hintergrund: Die Korruption lokaler Regierungen und Beamten, die das Wohl der Allgemeinheit dem eigenen Vorteil opfern.

Diese und andere systemischen Ursachen für Hunger beleuchtet der Autor in seinem Buch, das der persönlichen Ebene auch eine analytische Betrachtung entgegenstellt. Denn: „Die Gefahr besteht, dass man ein paar traurige Geschichten liest und sich danach besser fühlt, weil man noch in der Lage ist, ein wenig Mitleid zu empfinden. Um das zu vermeiden, habe ich mich dazu entschlossen, diese Geschichten mit Daten und Analysen zu unterlegen. Damit versuche ich, zu verstehen, warum diese Dinge geschehen. Außerdem will ich die Mechanismen dahinter aufzeigen und analysieren.“

„Keinen Atheisten unter den Hungernden gefunden“

Er sei überrascht und sogar schockiert gewesen, als er feststellte, dass Hungernde immer in irgendeiner Weise Gott ins Feld führten. Entweder sei es der strafende Gott, der ein Fehlverhalten in einem anderen Leben ahnde, oder der barmherzige Gott, der einem schon einen Weg aus der Hungerkrise weisen werde:

„Ich weiß nicht, ob ich an der richtigen Stelle bin, um das zu sagen, aber ich habe mit Hunderten und Tausenden von hungernden Menschen gesprochen, aber unter ihnen habe ich niemals einen Atheisten gefunden. In jeder Unterhaltung mit diesen Menschen taucht an irgendeiner Stelle Gott auf. Das muss sicherlich diskutiert werden, aber immer tauchte er als Erklärungsmodell auf. Manchmal sagen sie, ‚Wenn ich dieses schreckliche Leben lebe, dann deshalb, weil Gott mich dazu verdammt hat, auch wenn ich nicht weiß, warum‘. Oder wenn ich gefragt habe: ‚Wie willst du denn aus dieser Situation herauskommen?‘ Dann war die Antwort: ‚Ach ja, Gott wird mir irgendwie helfen…‘ Irgendwie war Gott immer präsent.”

Religion als Beruhigungsmittel für die Hungernden?

Religion verhindert also die Rebellion der Hungernden, treibt sie in die Resignation? Die Religion als Opium des Volkes, wie schon Karl Marx formulierte? Das will die Mitorganisatorin der Konferenz Annette Schavan nicht unwidersprochen lassen. Natürlich wisse man um die Versuchung der Vertröstung, die Menschen in ihrer Hoffnung auf Gott dazu bringe, nicht mehr selbst tätig zu werden: „Das ist eine alte Geschichte. Andererseits, wenn wir dann weiter diskutieren, dann ist auch klar, ohne den großen spirituellen Impuls der Religionen, vor allem des Christentums, und der damit verbundenen Organisationen wäre die Welt woanders, als sie heute ist. In viel größeren Nöten, und mit viel weniger Impulsen, gerade auch der Zivilgesellschaft, die die Staaten oft zum Handeln gebracht haben“, so bricht Schavan die Lanze für die Religion.

Gerade Papst Franziskus sei es gelungen, für die Problematik der Ausgrenzung weltweit zu sensibilisieren und durchaus nicht nur Katholiken darin zu bestärken, sich für das Gemeinwohl und den Kampf gegen Hunger auf der Welt einzusetzen.

„Dieser gleiche Papst scheut sich ja auch nicht, die Fehler der Kirche und der Christen, wozu eben auch die Vertröstung zählen kann, anzusprechen. Ich bin davon überzeugt, dass seine Beliebtheit und die Tatsache, dass er eine so hohe moralische Ausstrahlung weit über die katholische Welt hinaus hat, damit zu tun hat, dass die Menschen sagen, der sagt die Wahrheit, der redet nicht darum herum, er blendet unangenehme Themen nicht aus und idealisiert seine eigene Kirche nicht, sondern er nimmt sie in einer sehr konsequenten Weise in die Verantwortung.“

Kirche nur eine der Institutionen in der Pflicht

Doch die Kirche ist nur eine der Institutionen, die gegen den Hunger auf der Welt angehen können und müssen. Unerlässlich ist ein Zusammenwirken von staatlichen wie privaten Akteuren aus Wirtschaft und Gesellschaft, getragen von einer breiten Welle von Zustimmung und tätiger Mitwirkung durch den einzelnen Bürger und Konsumenten.  Immer wieder genannt, doch auch immer wieder wahr: Kleidungsdiscounter, die mit billig gefertigten Waren unseren Modegeschmack treffen und unseren Geldbeutel schonen. Kaum einer macht sich im Moment des Kaufs jedoch klar, dass der billige Preis auf dem Rücken der unterbezahlten Näherinnen in armen Ländern erzielt worden ist. Dies ist nur eine der zahlreichen systemischen Erkenntnisse, die der Autor Caparrós mit den Lesern teilt, ohne mit erhobenem Zeigefinger Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Diese, und das ist auch eine wichtige Erkenntnis des Symposiums von diesem Mittwoch, müssen gemeinsam von den verschiedenen Akteuren gefunden werden.

Es müssen gemeinsam Lösungsansätze gefunden werden

Es war ein interdisziplinäres Gremium, das in den Räumen der FAO zusammen gekommen war. Neben der Vatikanvertreterin Flaminia Giovanelli vom neuen Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen waren auch die Botschafterin Sudans bei den internationalen Programmen in Rom und Vorsitzende des weltweiten Komitees für Ernährungssicherheit, Amira Gornass, sowie Hartmut van Lengerich, Leiter der Bayer CropScience-Sparte Cereals and Fungicides, auf dem Podium. Man sei in den Diskussionen durchaus einen Schritt weiter gekommen, zeigt sich Botschafter Thölken im Anschluss an die Veranstaltung überzeugt. „Wir haben herausgearbeitet, dass es wichtig ist, sowohl neue Erkenntnisse als auch Forschung tatsächlich auszurollen und zum Kleinstfarmer in scheinbar entlegenen Regionen zu bringen, aber genauso auch Politikempfehlungen, die hier in Rom erarbeitet werden, weiter bekannt zu machen, sie den gleichen Leuten nahe zu bringen und sie auch umzusetzen. Das ist ein wichtiger Punkt.“

Ein weiterer Punkt: Es gab auch einen konkreten Vorschlag aus den Reihen der Industrie. Hartmut van Lengerich brachte die Idee ein, von dem Umsatz, der durch den Verkauf von gewinnträchtigen Saatgutarten erzielt werden könne, einen kleinen Teil in eine gemeinsame Stiftung von privaten Unternehmen und der internationalen Gemeinschaft einzubringen. Mit diesen Geldern könnte dann die Forschung an seltenen und profitärmeren Saatgutarten gefördert werden. Was besticht, ist die Konkretheit der Idee. Vielleicht nur ein kleiner Schritt, aber sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.

(rv 10.03.2017 cs)

Nigeria: UNO schlägt Alarm wegen Hunger

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Vor allem viele Kinder sind in Nigeria von der Hungerkrise bedroht

Vor einer Hungerkatastrophe in dem afrikanischen Land warnen die Vereinten Nationen. Rund eine halbe Million Kinder sind UNO-Angaben zufolge in Nigeria und den angrenzenden Gebieten vom Hungertod bedroht – die internationale Gemeinschaft müsse eingreifen. Im Nordosten des Landes seien rund 2,5 Millionen Menschen auf der Flucht, mehr als sieben Millionen bräuchten Nahrungsmittelhilfe, die Gesundheitsversorgung sei zusammengebrochen. Die Region wurde bis vor Kurzem von der Terrororganisation Boko Haram kontrolliert. Ohne eine entschlossene Bekämpfung der Hungerkrise könnte Europa nach Ansicht der Vereinten Nationen eine neue Flüchtlingswelle drohen.

(reuters 31.01.2017 jg)

„Kein Profit um den Preis der Würde des Menschen“ – Debatte an der UN

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Erzbischof Ivan Jurkovič in der Rolle des Moderatoren. Foto: (C) Pax Press Agency, SARL, Geneva

Am 26. Oktober diskutierte bei den Vereinten Nationen in Genf eine zeitlich unbegrenzte internationale Arbeitsgruppe die Ausarbeitung eines international rechtsverbindlichen Dokuments über Menschenrechtsfragen, und wie diese internationale Konzerne betreffen.

Beraten wurde über die Einführung von Gesetzen, die es ermöglichen würden, länderübergreifende Unternehmen für Menschenrechtsverletzungen in Bereichen wie Gesundheitswesen, Umwelt, Nachhaltigkeit und Arbeitsrechte verantwortlich zu machen.

Der erste dokumentierte Arbeiterstreik der Welt fand im Jahr 12 v. Chr. in Ägypten statt. In westlichen Ländern wurde das Streikrecht im frühen 20. Jahrhundert eingeführt.

„Heute können sich die Arbeiter auch an die nationale Gerichtsbarkeit in den Ländern wenden. Eine weitere Möglichkeit für einen Arbeiter wäre der Weg über eine nationale oder eine internationale Gewerkschaft. Ein Fall kann auch vor unserer Organisation gebracht werden“, sagte Githa Roelands, Leiterin der Abteilung für multinationale Unternehmen und Unternehmensverpflichtung der Internationalen Arbeitsorganisation ILO (International Labour Organization).

Gegenwärtig gibt es auf internationaler Ebene keine Möglichkeit, Unternehmen gerichtlich zur Rechenschaft zu ziehen. In der internationalen Rechtsordnung gibt es Lücken und Unebenheiten in Bezug auf die Handhabe der Menschenrechte seitens der Unternehmen.

Im Rahmen der internationalen Menschenrechte können Unternehmen nur für solche Menschenrechtsverletzungen direkt belangt werden, die internationale Straftaten gemäß des Römischen Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs darstellen.

Experten fordern auch internationale Gesetze, um betriebliche Führungskräfte verantwortlich machen zu können.

Alfred-Maurice de Zayas, unabhängiger Experte zur Förderung einer demokratischen und gerechten Weltordnung erinnerte daran, dass es nicht nur Unternehmen und Regierungen seien die Menschenrechte verletzen: „Auch Geschäftsleute begehen sie. Wir wissen das von den Nürnberger Prozessen, wo sich Führungskräfte von Krupp und Flick und Tesch verantworten mussten und für schuldig befunden wurden, Straftaten begangen zu haben. Bisher haben wir kein Strafsystem für geschäftliche Führungskräfte. Ich finde, dass sich das ändern muss. Es sollte eine zivilrechtliche Haftung der Unternehmen geben, zivilrechtliche Haftung der Investoren, zivilrechtliche Haftung der Spekulanten, weil sich deren Handlungen durchaus auf Menschenrechte auswirken, und zwar oftmals sehr negativ.“

Die Organisatoren der Arbeitsgruppe hatten den Apostolischen Nuntius, ständiger Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf, Erzbischof Ivan Jurkovič gebeten, die Rolle des Moderators zu übernehmen.  Für ihn geht es nicht nur darum, neue Gesetze einzuführen, sondern ein Umdenken zu fördern ‚…sehr ähnlich der Position des Heiligen Stuhls, der das Allgemeinwohl als höchstes und einziges Gut betrachtet. Das bedeutet, dass das, was dem Wohl jedes Einzelnen dient, auch zum Wohl derer gereicht, die verkaufen, produzieren und Geld machen.'“

Papst Franziskus glaubt, dass das allgemeine Wohlergehen, wenn es nur im Dienst von Profit und Kapital steht, einzig und allein Exklusion hervorbringt.

Nuntius Jurkovič nannte es das Gleichgewicht von Geschäftstätigkeit und Verantwortlichkeit. „Manchmal kann man multinationale Organisationen beschuldigen, manchmal ist es ein viel komplexeres Problem. Letzten Endes finde ich es jedoch höchst interessant, dass es eine Art Prozess des kulturellen Wandels gibt.“

Unabhängig von zukünftigen Gesetzen kann man seine Kaufkraft benutzen, um Fairen Handel zu unterstützen, Unternehmen dazu zu bringen, das Richtige zu tun, und jene zu boykottieren, die Menschenrechte verletzen und die Umwelt schädigen. Der Druck der dadurch auf die Unternehmen ausgeübt wird kann dazu führen, dass sie Menschen und Umwelt über den Profit stellen.

Professor Michael Hopkins vom Finanzinstitut, London, Teilnehmer der Arbeitsgruppe:

„Ich denke, dem Erzbischof wird diese Aussage gefallen, weil sie zufällig aus der Bibel stammt, der Henry James Übersetzung. ‚Behandle andere grundsätzlich so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest.'“

Zum ersten Mal kommt man bei den Vereinten Nationen mit einem rechtsverbindlichen Dokument voran, das hilft, Unternehmen für ihre Menschenrechtsverletzungen belangen zu können. Internationale Unternehmen – viele mit größerem Finanzhaushalt, als die Länder, in denen sie arbeiten – konnten sich bisher der Immunität erfreuen, wenn es darum ging, für verursachte Umweltschäden oder geforderte Menschenleben Verantwortung zu übernehmen.

Bei den Vereinten Nationen ist Ecuador an der Spitze des ‚Kampfes‘, um einen internationalen Vertrag und Standards zu schaffen, die diesen Zustand ändern.

In einem Interview mit dem lateinamerikanischen Fernsehsender TeleSur bestätigte letzten Juli die ständige Vertreterin bei den Vereinten Nationen und Leiterin der Arbeitsgruppe für die Erstellung des rechtsverbindlichen Papiers, Maria Fernanda Espinosa, Leiterin der UN Arbeitsgruppe, ständige Vertreterin Ecuadors bei den Vereinten Nationen in Genf, einen ’neuen Ton‘ bei den Vereinten Nationen.

„Man kann einen Willen erkennen, es gibt den Vorsatz, ‚ja‘ zu sagen, ‚wir brauchen Profit, wir müssen Geschäfte machen, aber nicht um den hohen Preis der Würde des Menschen und der Zerstörung der Natur. Wir können so nicht weitermachen.‘ Ich meine, wir brauchen andere Vorgaben, andere Werte, müssen mit einer anderen Betriebsethik vorgehen“ – so Espinosa aus dem TeleSur-Fernsehinterview.

„Ich denke, wir müssen mutig sein, in diesem Prozess dabei sein, sagte Ivan Jurkovic, Apostolischer Nuntius „der so sehr auf einer Linie ist mit der Ausrichtung und den persönlichen Empfindungen von Papst Franziskus. Ich freue mich sehr, dass man mich eingeladen hat und ich diese Arbeitssitzung moderieren durfte.“

Dieser Bericht wurde vom U.N.-Korrespondenten Christian Peschken, Pax Press Agency in Genf, verfasst. Der Bericht wird auch bei EWTN – Katholisches Fernsehen zu sehen sein im Rahmen des Magazins ‚Vatikano‘. Weitere Informationen zu Pax Press Agency unter www.paxpressagency.com

Ban Ki-moon: Nachhaltige Entwicklung mit Hilfe des Papstes

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Ban Ki-Moon im Interview mit Radio Vatikan

Christen und Mitglieder anderer Religionen haben viel gemeinsam mit den Zielen der Charta der Vereinten Nationen: Frieden, Respekt und Menschenrechte. Der scheidende UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon war in diesen Tagen in Rom, um dieser Überzeugung Ausdruck zu verleihen. Am Mittwoch nahm er an einer Veranstaltung über Sport und Religion im Vatikan teil, dazu hatte er auch ein Treffen unter vier Augen mit Papst Franziskus.

Im Interview mit Radio Vatikan betonte Ban anschließend, wie wichtig die Zusammenarbeit etwa bei nachhaltiger Entwicklung sei. „Ich bin seiner Heiligkeit Papst Franziskus, dem Vatikan und auch dem Internationalen Olympischen Komitee dankbar, dass sie dieses Treffen organisiert haben, bei dem Frieden und Entwicklung gefördert werden sollen“, so Ban. „Sport ist eine universelle Sprache, die alle nationalen Barrieren, alle Ethnien und Nationalitäten und alle anderen Unterschiede, die es geben mag, überschreitet. Sport schafft Zusammenarbeit und Zusammengehörigkeit.“ Deswegen feiere die UNO auch jedes Jahr den 6. April als Tag des Sports für Entwicklung und Frieden, fügt der Generalsekretär an. Da sei es konsequent aus Sicht der UNO, die Kirche einzubeziehen.

„Papst Franziskus ist ein Mann des Friedens und ein Mann der Visionen. Er ist ein Mann mit einer moralischen Stimme. Es ist mir eine große Ehre und ein Privileg, mit ihm zusammen arbeiten zu können.“ Ban betont, dass der Papst sich zum Beispiel im Vorfeld der Pariser Weltklimakonferenz vom letzten Jahr an alle Beteiligten gewandt habe: „Er hatte alle Verantwortlichen aufgefordert, sich stärker und visionärer für die Welt einzusetzen – für die Menschen und für den Planeten –, so dass alle in Frieden und Wohlstand durch Partnerschaft leben können.“ Dasselbe Ziel habe der Papst in seiner Enzyklika Laudato Si’ auch schriftlich der ganzen Welt vorgelegt, fügt Ban an.

„Wir sind sieben Milliarden Menschen, und alle Geschöpfe sollten zusammen leben können. Der Papst hat dazu viel Inspiration gegeben.“ Seine Stimme sei für das Abkommen von Paris zum Klimaschutz wichtig gewesen, während seines Treffens habe er dem Papst deswegen auch ausdrücklich gedankt.

Ban Ki-moons Amtszeit als Generalsekretär der Vereinten Nationen dauert noch bis zum Ende des Jahres; in diesen Tagen entscheiden die Vereinten Nationen, wer ihm nachfolgen wird.

(rv 06.10.2016 ord)

Syrien: Zuspitzung in Aleppo, Aufschrei von NGOs und Kirchen

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Aleppo

In höchstem Maße alarmiert zeigen sich Hilfsorganisationen und Kirchenvertreter über die Zuspitzung des Kriegs um Aleppo: Das UN-Kinderhilfswerk Unicef bezeichnete die jüngsten Luftangriffe auf die Stadt als absoluten Tiefpunkt. Der Sprecher von Unicef-Deutschland, Rudolf Tarneden, sagte am Montag auf „NDR Info“: „Die Intensität und Rücksichtslosigkeit sind vergleichbar mit den Gräueltaten, die im Zweiten Weltkrieg verübt wurden.“ Schätzungsweise 100.000 Kinder im Ostteil von Aleppo seien in akuter Gefahr.

Tarneden forderte, die Gewalt zu stoppen, um die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. In Syrien gehe es um die Rettung eines Minimums an Menschlichkeit. „Die Helfer, die in Syrien und in Aleppo tätig sind, tun ihr Möglichstes, sie unterstützen die Bevölkerung, aber sie werden nicht mehr sehr lange durchhalten können“, so der Unicef-Sprecher.

Auch der griechisch-katholische melkitische Erzbischof der nordsyrischen Metropole, Jean-Clement Jeanbart, äußerte sich gegenüber der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR zur derzeitigen Lage in Aleppo, man habe „Frieden, zumindest Waffenstillstand versprochen, aber nichts hat sich bewahrheitet, alles Lügen, Lügen, Lügen“.  In West-Aleppo würden die Lebensbedingungen immer schwieriger, so Jeanbart. Es gebe wenig Wasser, vor allem fehle es an Strom.

„Die Syrer wollen nur Dialog und Frieden. Aber das wollen die großen Staaten nicht, die hinter unserem Rücken unser Land und unsere Gesellschaft zerstören. Die sind nur interessiert an Erdöl, Erdgas, Wasser, Territorium, um ihre Macht und ihren Einfluss zu vermehren, vor allem die Amerikaner und die Russen. Wir zahlen für den Egoismus der großen Staaten, die noch dazu behaupten, christlich zu sein“, so der aufgebrachte Jeanbart abschließend.

Die Luftangriffe gingen in der Nacht zum Montag weiter. Es habe Dutzende Angriffe auf den von den Rebellen gehaltenen Ostteil der einstigen Millionen-Metropole gegeben, teilte die oppositionsnahe „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ mit. Eine noch unbekannte Zahl von Menschen sei getötet oder verletzt worden. Bebars Mishal von „Zivilschutz“ sagte laut den Presseagenturen APA und Reuters, die Luftangriffe hätten bis 6.00 Uhr angedauert: „Besonders nachts werden die Bombenangriffe intensiver, sie werden brutaler. Es werden alle Arten Waffen eingesetzt, Phosphor-, Napalm- und Streu-Bomben.“

Nach Angaben der Beobachtungsstelle ist seit dem Ende der Feuerpause vor einer Woche der Tod von 237 Menschen belegt, darunter 38 Kinder. 162 der dokumentierten Toten seien im Osten der Stadt – also den Rebellengebieten – gestorben.

(kap 26.09.2016 ah)

UNHCR: Papstbotschaft der Solidarität ist fundamental

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Der UNO-Verantwortliche für Fragen von Flucht und Migration war am Donnerstag bei Papst Franziskus

Wenige Tage vor dem zentralen UNO-Flüchtlingsgipfel in New York hat sich Papst Franziskus aus erster Hand über den Stand der Verhandlungen informieren lassen. Er empfing an diesem Donnerstag den UNO-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi in Audienz. Radio Vatikan bat ihn danach zum Interview.

„Natürlich war es für mich eine außergewöhnliche Gelegenheit, dem Papst zu sagen, wie unersetzlich seine Stimme im Kampf für unsere Sache ist, für die Sache von Millionen von Flüchtlingen, Vertriebenen, Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen. Heutzutage ist seine Botschaft der Solidarität fundamental. Man denke nur an seine Geste, nach Lesbos zu gehen und von dort Flüchtlinge mit nach Italien zu nehmen. Ich habe mich also bei ihm bedankt für diese Bestätigung und seinen Einsatz für die Flüchtlinge, auch seine Sorge um die Grenzschließungen und Ablehnungen, die fehlende Solidarität vieler Regierungen.“

Die UN-Vollversammlung will am kommenden Montag eine „New Yorker Erklärung“ mit einer Serie von Selbstverpflichtungen zum Schutz von Flüchtlingen und Migranten weltweit verabschieden. Der Italiener Grandi, der seit Januar im Amt ist, spielt dabei eine zentrale Rolle. Mit Blick auf den Gipfel, bei dem Regierungschefs die Fluchtbewegungen erstmals aus globaler Perspektive in den Blick nehmen wollten, seien er und der Papst sich einig gewesen:

„Wir waren uns einig, dass diese Diskussion sich nicht nur um Abschiebungen und Grenzkontrollen drehen darf, sondern das Problem an seiner Wurzel gelöst werden muss. Die fundamentalen Fragen sind hierbei – das sage ich und auch der Papst– die Armut und die Arbeit, der Papst hat oft gesagt, dass die Arbeit wichtig ist und den Menschen Würde und Selbstbestimmtheit verleiht, aber auch die Bildung ist wichtig und vor allem die Schaffung von Frieden an vielen Orten in Afrika und Nahost.“

Grandi lobte auch das im Vatikan neu gegründete „Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen“, dessen Abteilung für Flüchtlinge und Migranten der Papst persönlich übernahm. Das sei eine willkommene Ergänzung zur Arbeit des UNHCR, meint er.

„Das ist ein starkes und wichtiges Signal, über das wir uns sehr freuen. Ich vertrete eine Institution der Vereinten Nationen, wir haben auch juristische, institutionelle, politische und operative Aufgaben, der Papst wiederum betrachtet dieses Problem aus moralischer Sicht, was sehr wichtig ist.“

In einem neuen Bericht nimmt der UNHCR vor allem mangelnde Bildungsmöglichkeiten für Flüchtlingskinder in den Blick. Von 6 Millionen vom UNHCR registrierten Flüchtlingskindern im Schulalter haben demnach 3,7 Millionen keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen.

„Von allen Flüchtlingskindern besuchen gerade einmal 50 Prozent eine Grundschule, 22 Prozent eine weiterführende Schule und gerade einmal ein Prozent schafft es auf die Universität. Das ist schlimm. Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung und braucht Erziehung, mehr denn je müssen die Kinder, die schon im Exil leben und bereits entwurzelt wurden, die Festigung durch Bildung erfahren, um sich eine Persönlichkeit aufzubauen und sich auf eine Zukunft vorzubereiten, in der ihr Flüchtlingsdasein auch einmal endet, sei es, weil sie zurück nach Hause können, sei es weil sie woanders aufgenommen wurden. Kinder im Exil sind aus sozialer und wirtschaftlicher Sicht am gefährdetsten. Deshalb sind zwar Gesundheit, Ernährung und ein sicheres Zuhause wichtig, ich sage nicht, dass diese Dinge ihnen nicht zur Verfügung gestellt werden sollten, aber sie dürfen nicht auf Kosten der Bildung gehen, die eine Notwendigkeit von vorrangiger, dringender Bedeutung ist.“

Die Wurzel des Problems sei in erster Linie Krieg: Von mindestens zwölf Konflikten, zwölf Kriegen in der Region in Afrika, Nahost bis nach Afghanistan spricht der UNHCR-Chef. Manche seien alt, so wie der Konflikt in Afghanistan, andere jünger wie in der Zentralafrikanischen Republik oder dem Südsudan. Gerade ist Grandi aus dieser Region zurückgekehrt:

„Das sind vergessene Krisen, wir haben leider sehr wenige Ressourcen dafür, und das Hauptgewicht tragen die Nachbarländer. Wir sprechen viel von der Krise in Europa, aber vergessen wir nicht, dass 90 Prozent der Flüchtlinge von außerhalb Europas kommen, aus Ländern mit weniger finanziellen Ressourcen.“

 

(rv 16.09.2016 cz)