Papst Franziskus zum 70. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

ZDF – Archiv: Declaration of Human Rights, aufgenommen am 10.12.1948 in Paris (Frankreich

BOTSCHAFT DES HEILIGEN VATERS FRANZISKUS
AN DIE TEILNEHMER DER INTERNATIONALEN KONFERENZ
„MENSCHENRECHTE IN DER ZEITGENÖSSISCHEN WELT:
ERRUNGENSCHAFTEN, VERSÄUMNISSE, ABLEHNUNGEN“
ROM, 10.-11. DEZEMBER 2018

Herr Kardinal,
ehrwürdige Brüder im Episkopat und im Priestertum,
liebe Brüder und Schwestern,

Ich freue mich, Ihnen allen meinen herzlichen Gruß zukommen zu lassen: den Vertretern der Staaten des Heiligen Stuhls, der Institutionen der Vereinten Nationen, des Europarates, der Bischofskommissionen für Gerechtigkeit und Frieden und derjenigen, die sich für die soziale Seelsorge einsetzen, der akademischen Welt und Organisationen der Zivilgesellschaft, die in Rom zur internationalen Konferenz zum Thema „Menschenrechte in der heutigen Welt: Errungenschaften, Versäumnisse, Ablehnungen“ einberufen wurden, die anlässlich der Konferenz des Dikasteriums für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen und der Päpstlichen Universität Gregoriana gefördert wurde zum 70. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und 25 Jahre Wiener Erklärung und Aktionsprogramm.

Mit diesen beiden Dokumenten wollte die Völkerfamilie die gleiche Würde eines jeden Menschen anerkennen [1], woraus sich Grundrechte und Freiheiten ableiten, die, wie sie in der Natur des Menschen verankert sind – eine untrennbare Einheit von Körper und Seele – universell, unteilbar, voneinander abhängig und miteinander verbunden sind. [2] Gleichzeitig wird in der Erklärung von 1948 anerkannt, dass „jeder Einzelne gegenüber der Gemeinschaft Pflichten hat, in denen allein die freie und volle Entfaltung seiner Persönlichkeit möglich ist“. [3]

In dem Jahr, in dem bedeutende Jubiläen dieser internationalen Rechtsinstrumente gefeiert werden, erscheint eine eingehende Reflexion über die Gründung und Achtung der Menschenrechte in der heutigen Welt angebracht, eine Hoffnung, die hoffentlich ein Vorbote eines erneuten Engagements für die Verteidigung der Menschenwürde sein wird mit besonderem Augenmerk auf die schwächsten Mitglieder der Gemeinschaft.

Wenn wir unsere heutigen Gesellschaften sorgfältig beobachten, finden wir zahlreiche Widersprüche, die uns fragen lassen, ob die gleiche Würde aller Menschen, die vor 70 Jahren feierlich verkündet wurde, unter allen Umständen wirklich anerkannt, respektiert, geschützt und gefördert wird. In der heutigen Welt gibt es zahlreiche Formen der Ungerechtigkeit, die durch reduktive anthropologische Visionen und durch ein auf Profit basierendes Wirtschaftsmodell gepflegt werden, das nicht zögert, den Menschen auszubeuten, zu verwerfen und sogar zu töten. [4] Während ein Teil der Menschheit in Opulenz lebt, sieht ein anderer Teil seine eigene Würde missachtet, verachtet oder mit Füßen getreten und seine Grundrechte ignoriert oder verletzt.

Ich denke unter anderem an die ungeborenen Kinder, denen das Recht verwehrt wird, in die Welt zu kommen; an diejenigen, die keinen Zugang zu den wesentlichen Mitteln für ein würdiges Leben haben; [5] an diejenigen, die von angemessener Bildung ausgeschlossen sind; an diejenigen, die zu Unrecht keine Arbeit haben oder gezwungen werden, als Sklaven zu arbeiten; an jene, die unter unmenschlichen Bedingungen inhaftiert sind, Folterungen ausgesetzt sind oder diejenigen, welchen die Möglichkeit versagt wird, sich selbst zu befreien; [6] an die Opfer von Verschwindenlassen und ihrer Familienangehörigen.

Meine Gedanken richten sich auch an alle, die in einem von Misstrauen und Verachtung geprägten Klima leben, das aufgrund seiner Rasse, ethnischen, nationalen oder religiösen Zugehörigkeit zu Intoleranz, Diskriminierung und Gewalt führt. [7]

Ich kann mich schließlich nicht daran erinnern, wie viele Menschen im tragischen Kontext bewaffneter Konflikte mehrfach gegen ihre Grundrechte verstoßen, während skrupellose Todeshändler [8] um den Preis ihrer Brüder und Schwestern bereichert werden.

Angesichts dieser ernsten Phänomene werden wir alle in Frage gestellt. Wenn nämlich Grundrechte verletzt werden oder wenn sie von einigen zum Nachteil anderer begünstigt werden oder wenn sie nur bestimmten Gruppen garantiert werden, kommt es zu schweren Ungerechtigkeiten, die wiederum Konflikte mit schwerwiegenden Folgen sowohl innerhalb als auch nach sich ziehen der einzelnen Nationen sowohl in den Beziehungen zwischen ihnen.

Jeder ist daher aufgerufen, mit Mut und Entschlossenheit, in der Besonderheit seiner Rolle, dazu beizutragen, die Grundrechte jedes Menschen zu respektieren, insbesondere derer, die „unsichtbar“ sind: von vielen, die hungrig und durstig sind, nackt, krank, fremd oder in Haft sind (vgl. Mt 25,35-36), die am Rande der Gesellschaft leben oder weggeworfen werden.

Dieses Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Solidarität hat für uns Christen eine besondere Bedeutung, denn das Evangelium selbst lädt uns ein, den Blick auf die kleinsten unserer Brüder und Schwestern zu richten, Mitleid zu empfinden (vgl. Mt 14, 14) und uns konkret zu verpflichten um ihr Leiden zu lindern.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit einen herzlichen Appell an die Personen mit institutioneller Verantwortung richten und sie auffordern, die Menschenrechte in den Mittelpunkt aller politischen Maßnahmen zu stellen, einschließlich derjenigen der Entwicklungszusammenarbeit, auch wenn dies bedeutet, gegen die aktuelle Situation zu verstoßen.

Mit der Hoffnung, dass diese Tage des Nachdenkens das Gewissen erwecken und Initiativen zum Schutz und zur Förderung der Menschenwürde anregen, vertraue ich jeden von Ihnen, Ihren Familien und Ihren Völkern der Fürsprache der heiligsten Maria, der Königin des Friedens, an und rufe mich an all die Fülle göttlicher Segnungen.

Aus dem Vatikan, 10. Dezember 2018

Franziskus


[1] Vgl. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948, Präambel und Artikel 1.

[2] Siehe die Wiener Erklärung vom 25. Juni 1993, Nr. 5.

[3] Allgemeine Erklärung der Menschenrechte , art. 29.1.

[4] Siehe Esort. ap. Evangelii gaudium , 53 .

[5] Siehe Johannes XXIII. Lett. Enc. Pacem in terris , 11. April 1963, 6.

[6] Vgl. Katechismus der katholischen Kirche . 2267.

[7] Siehe die Ansprache an die Teilnehmer der Weltkonferenz zum Thema „Fremdenhass, Rassismus und populistischer Nationalismus im Kontext der Weltmigration“ vom 20. September 2018.

[8] Vgl. Publikum , Piazza San Pietro, 11. Juni 2014.

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Quelle

Prov. Übersetzung aus dem Italienischen von mir [POS]

DER UNO-MIGRATIONSPAKT IST EINE MOGELPACKUNG

Kommentar von Weihbischof Andreas Laun

Die meisten Menschen haben schon etwas davon gehört, was dieser Pakt genau beinhaltet, weiß allerdings fast niemand. Ein emotional „begründetes Urteil“ kommt bei den Meisten etwa so zustande: Man ist sich einig, dass die massenhafte Immigration ein Problem ist. Man wünscht sich eine Lösung, weiß aber nicht, worin sie bestehen könnte und sollte. Vor allem Christen sagen, man müsse doch helfen.Ja, aber die Frage ist, ob die Kirche nicht auch für ganz andere Pläne missbraucht wird, wie Bischof Athanasius meint! „Hinter der Migration steht ein Plan, die europäischen Völker auszutauschen“ Das sollte man ernst nehmen und nicht leichthin als lächerliche „Verschwörungstheorie“ abtun. Als ob es nicht schon oft grauenhafte und erfolgreiche Pläne in der Politik gegeben hätte wie beispielsweise die Zerstörung vor allem Österreich-Ungarns, weil katholisches Land!

Aber viele denken harmlos: Wenn die UN jetzt überlegt und plant, wird es wohl gut sein, und dann wird man ja schon sehen. Eigentlich kann es nur besser werden. Es solle doch damit eine geordnete Migration geschaffen werden.

Wirklich? Man hört, dass die Grenzen „porös“ sein müssten, und dass der Vertrag ein Recht auf Migration schaffen und die Migration damit zugleich fördern würde. Also ein Recht auf Einwanderung.

Inzwischen hört man, dass viele Länder den Vertrag nicht unterschreiben werden. Die Visegrád-Gruppe, Polen, Ungarn, Tschechien, Slowenien, Kroatien und auch Österreich, ebenso Dänemark, die USA und Australien das Abkommen ablehnen. Vor allem jene Länder, die in Geschichte und Gegenwart intensive Erfahrungen mit der islamischen Einwanderung machen mussten, stellen sich aus gutem Grund gegen solche Einwanderung. Zu diesen Ländern gehören besonders die Länder der Visegrád-Gruppe und natürlich auch Österreich, das zwei Türkenbelagerungen erfolgreich abwehren konnte. Die Front der Ablehnung sollte zu denken geben. Dagegen zählt nur wenig, dass der Österreichische Bundespräsident die Regierung wegen ihrer Ablehnung des Paktes kritisiert hat und ähnlich auch Kardinal Schönborn.

Alles in allem, irgendwie erwartet man sich die Lösung für die wichtigsten gesellschaftlichen Probleme der Gegenwart und der Zukunft, so oder so, auch, obwohl viele andere den Vertrag für eine Katastrophe halten.

Eine treibende Kraft für den Vertrag war und ist Angela Merkel, die mit ihrem berüchtigten Satz: „Wir schaffen das!“ die große Migration tausender Menschen nach Europa ohne Grenzkontrollen ausgelöst hatte. Dem Pakt-Vertrag voraus ging eine Initiative des seinerzeitigen US-Präsidenten Barack Obama. Von ihm betrieben wurden ab 2016 von den Vereinten Nationen Vorarbeiten für einen “Globalen Migrationspakt“ der UNO in Angriff genommen. Diese schlossen an eine Studie des Jahres 2000 mit dem Thema: Ersetzen der Bevölkerung durch Einwanderung. Diese sollte eine Lösung für den Bevölkerungsschwund und für die Überalterung der Menschen in vielen Ländern Europas werden.

Der nunmehrige Text wurde auf Beamtenebene verhandelt und erhielt Mitte Juni 2018 von den UN-Diplomaten der Mitgliedsstaaten per Akklamation die Zustimmung. Eigenartig ist: Der Text und dessen darin enthaltenen Ziele wurden zu keinem Zeitpunkt in den Parlamenten der Mitgliedsstaaten diskutiert oder in den Medien kritisch analysiert. Er besitzt also keine demokratische Legitimation. Dazu passt: Er ist sogar im Internet schwer zu finden.

Und: Wichtiger ist zu sehen, dass der Pakt jede Migration für gut hält. Die entwickelte Welt sollte alle Grenzen öffnen, ebenso die Arbeitsmärkte und den Ankömmlingen alle Sozialleistungen anbieten und die nötigen Dokumente ausstellen. Die Regierungen könnten nicht mehr bestimmen, wer in das Land kommen kann und wer nicht. Man spricht zwar von einer „sicheren, geordneten und regulierten Migration“ unter Oberhoheit der Vereinten Nationen, aber Kritiker sagen, damit werde „das Selbstbestimmungsrecht und die Souveränität der einzelnen Staaten ausgehebelt.“ Begriffe bedeuten nicht viel: Auch eine Diktatur kann man „sicher“ und „geordnet“ sein. Besorgniserregend ist auch, dass man jede Kritik am Vertrag unterbinden will, durch Kappung von Geldmitteln und sogar Bestrafen der Kritiker.

Vor der Unterschrift sollte von allen noch genau überprüft werden, wer die Betreiber und Ideengeber des Paktes waren und sind. Man hört immer wieder, neben Merkel wäre auch G. Soros gestanden und auch dieser Name sollte misstrauisch machen. Kritische Stimmen sollten ernst genommen werden. Thema der Kritik sollten auch die Themen sein, die fehlen: in dem UN-Papier werden vor allem die Rechte von Migranten angesprochen, kaum deren Pflichten. Übrigens sind auch der Islam und seine Scharia kein Thema, und zwar trotz all der bekannten Vorkommnisse mit Muslimen in Europa. Ein kritischer deutscher Beobachter meinte, die Abgeordneten seien so blauäugig wie die Selfis von Frau Merkel mit jungen muslimischen Männern im Jahr 2015.

Und Klaus Hildebrandt schrieb: „Wer sich beim alles überschattenden Migrationsthema politisch derart verkalkuliert hat wie unsere Kanzlerin, … sollte vor allem darauf achten, dass nicht noch mehr Muslime ins Land gelassen werden. Ich habe den Eindruck, dass sich unsere Politiker einfach zu wenig Zeit nehmen, sich mit den Komplex „Islam“ zu befassen.“ Es ist damit zu rechnen, dass der Migrationspakt ein „Freibrief für weitere Invasionen aus islamischen Ländern wird.“ Ja er meint: „Sollten Vertreter dieser Regierung am 10./11. Dezember tatsächlich den „Global Compact for Migration“ unterzeichnen, dann wäre dies wohl das Ende unseres Deutschlands, wofür wir alle arbeiteten und worauf wir bisher so stolz sein konnten. Ich werde das Gefühl nicht los, dass diese irrationale, ja dumme Politik viel mit dem Gendertum und der insbesondere durch die linken Parteien einschließlich der Merkel-CDU forcierten und m.E. schon krankhaften Verweiblichung, – auch der Bundeswehr -, zu tun hat. Wenn in einer Demokratie „Minderheiten“ das Sagen haben, wird es gefährlich und wir geben uns als Volk auf.“

Und: „die Bundesregierung schreckt nicht davor zurück, die Bevölkerung bezüglich der Inhalte und Verbindlichkeit des Paktes zu belügen und zu täuschen. Dass die ganz wesentlich von Merkel voran getriebene Spaltung Europas durch den Migrationspakt erneut enorm befeuert wird, scheint das System Merkel nicht im Geringsten zu stören.“

Ch. Zeitz vom Wiener Akademikerbund schreibt genau wie die anderen Kritiker: „Der Pakt stellt kontinentalübergreifende Massenmigration als Lösung für die wichtigsten gesellschaftlichen Probleme der Zukunft dar. Per definitionem gibt es künftig keine illegale Migration mehr. Die Länder der entwickelten Welt hätten alle Tore aufzumachen, die Arbeitsmärkte zu öffnen und den Neuankömmlingen Sozialleistungen zu offerieren sowie alle „Diskriminierungen“ sowie „Fremdenfeindlichkeit“ zu beseitigen. Der Bevölkerungsaustausch soll auf globaler Ebene umgesetzt werden. Das Grenzmanagement hätte sich diesem Vorgang unterzuordnen. Kein Zweifel: Dies wäre gleichbedeutend mit völligem Kontrollverlust über das eigene Staatsterritorium.“ Und es klingt bedrohlich, wenn es im Pakt heißt:
Die Staaten sollen „objektive und hochwertige Berichterstattung“ darüber fördern.“

Martin Lohmann nennt den Pakt unverblümt eine Mogelpackung, die das Selbstbestimmungsrecht und die Souveränität der einzelnen Staaten aushebele. Ziel sei nur, eine gesteuerte, legale Migration weltweit als ein „für alle Beteiligten angeblich vorteilhaftes Geschehen“ in „sichere, geordnete und reguläre“ Bahnen zu lenken und Einflussfaktoren zu reduzieren, die Menschen daran hindern, in andere Gegenden und Staaten auszuwandern, die ihnen ein erstrebenswertes Leben bieten. Es soll eine Absichtserklärung sein, mehr nicht.“

Mehr nicht? Wirklich nicht? Kritiker warnen, dass der angeblich unverbindliche UN-Migrationspakt vermutlich sehr wohl mehr als nur unverbindliche Folgen haben werde. Noch im Februar 2017 hatte der UN-Sonderbeauftragte für Migrationsfragen darauf hingewiesen, dass Europas Bevölkerung bis zum Jahr 2050 um rund 30 Millionen Menschen kleiner werden wird, während in dieser Zeit die Bevölkerung Afrikas um 1,2 Milliarden Menschen wachsen werde. Es wird also zu einem mehr oder weniger dauerhaften Einwanderungsdruck allein aus Afrika auf Europa kommen. Eine Flut von Menschen anderer Völker und Kulturen würden Europa in Besitz nehmen und die Einheimischen geradezu erdrücken. Und wenn das abzusehen ist, muss man die Frage stellen dürfen: Wollen wir Europäer das wirklich?

Aber es gibt auch Gutes zu vermerken, was allerdings nicht für den Pakt spricht: Die Politiker, die sich diese Förderung der möglichst ungehemmten, möglichst leicht gemachten, ungehemmten Immigration ausgedacht haben, scheinen zwei gewaltige Probleme des alten Europas endlich erkannt zu haben: den demographischen Winter und die Überalterung der Gesellschaft. Ihre Antwort, die die Lösung sein sollte, lautet: totale Freizügigkeit der Immigration. Aber, und das ist die Tragik, man erkennt die Gefahren und Übel, aber man gibt nicht zu, dass man diese Übel seit Jahren als Fortschritte gefördert und beworben hat und anderen Völkern aufdrängen wollte. Denn während man Kinderlosigkeit beklagt, hat man intensiv die Verhütung schon den Kindern in der Schule empfohlen und gelehrt. Und man sagte ihnen, eine Verhütungspanne könne man mit Abtreibung gleichsam rückgängig machen. Von den Leiden der Frauen darf nicht geredet werden.

Zugleich lernen schon die Jugendlichen, wie normal und schön es sei, homosexuell zu leben und seit kurzem hat man sogar die Homoehe (?) in vielen Ländern eingeführt oder versucht, sie ihnen aufzudrängen, und den Partnern Adoptivkinder anvertraut, wobei man die gesicherten Erkenntnisse der Psychologie missachtete. Die normale Familie von Mann und Frau wird dadurch mehr als relativiert, eheliche Treue verhöhnt, Untreue und Zweitehen oder anderes neues, zeitbegrenztes Zusammenleben werden in Talkshows und Filmen als das Normalste des Lebens vorgeführt. Woher sollen die „neuen“, eben die jungen Menschen in einer solchen Gesellschaft kommen? Papst Johannes Paul II. hat für sie den Begriff „Kultur des Todes“ geprägt. Und er hat Recht: Völker, die sich selbst und ihr eigenes Leben nicht ihrer Art und Kultur entsprechen „halten“, nicht „artgerecht“, nicht gerecht der Kultur welchen Volkes auch immer, werden nicht überleben und die Leere, die sie hinterlassen, werden andere Menschen füllen und deren Länder in Besitz nehmen – geplant und gefördert von den Behörden und Gesetzen der UNO.

Woher könnten und sollten die Jungen, die den Platz der Älteren übernehmen, denn sonst noch kommen? Antwort Einwanderung? Nein, die Therapie müsste auf die genannten, selbst gemachten Krankheiten antworten mit einem kraftvollen Nein zur Abtreibung, Nein zur Pille, deren schädliche Wirkungen längst bekannt sind und bis hin zur „Vergiftung“ des Wassers durch Pillenrückstände reichen, das Männer zeugungsunfähig macht. Auch ein Nein zur Stimmungsmache für Homosexualität wäre nötig, Nein zur künstlichen Befruchtung und stattdessen ein Nachdenken, wie man Ehe und Familie wieder attraktiv und ohne Armut lebbar mach kann.

Immigration als Lösung der Probleme der Kultur des Todes erinnert an das Märchen von den Schildbürgern: Sie bauten ein neues Rathaus ohne Fenster. Dann versuchten sie das Licht in Kübeln hineinzutragen, aber das ging nicht. Dann deckte sie das Dach ab, Aber der Regen machte das Rathaus auf seine Weise unbrauchbar.

Europa ist dunkel geworden, aber statt Fenster einzubauen, deckt man das Dach ab. Fremde Völker bringen nicht Europa zurück, sondern machen aus Europa ein anderes Land, in dem dann höchstens noch schöne Gebäude und funktionierende Autobahnen an das alte Europa erinnern, und vielleicht Enklaven, in denen noch Ureinwohner überleben, die alte Sprachen noch sprechen aber die neue Landessprache nicht verstehen.

Europa muss den Mut finden, die Realität wirklich anzuschauen und sich zur Umkehr entschließen: Beginnend mit der Analyse der Übel, die man geduldet, gefördert, eingeführt hat, Programme entwickeln, um sie zu bekämpfen und auf diese Weise neu anzufangen. Zur Erneuerung müsste auch gehören, den Glauben der Christen nicht mehr zu verspotten oder totzuschweigen, wie das gerade viele „Promis“ zu tun pflegen, weil es ihnen politisch korrekt erscheint. Ja, man sollte sich wieder dem lebendigen Gott der Bibel zuwenden, sein Gesetz als Programm einer lebensfreundlichen Humanökologie verstehen, wie sie Papst Benedikt skizziert hat. Dann hätten wir auch wirklich das Recht, von Europäischen Werten und unserer Rechtsstaatlichkeit zu sprechen statt die perverse Idee eines Menschenrechtes auf Abtreibung auch nur im Vollrausch zu erwähnen. Unsere Wetterprognosen können wir zuverlässig erstellen, aber dieses Programm der Umkehr und Reform verstehen wir angeblich nicht?

Wir müssen die zugemauerten Fenster unseres europäischen Hauses endlich wieder aufmachen und aufhören die Dunkelheit als wunderbares Licht schönzureden, vergleichbar den Vasallen des nackten Königs die seine schöne Kleidung rühmen. Oder auch: Die Schildbürger lassen grüßen. Die unbegrenzte Immigration öffnet keine Fenster und bringt das Licht nicht zurück nach Europa, das Licht der Kinder, das Licht der Jugend, das Licht der Vernunft und noch wichtiger das Licht des Glaubens.

Bis jetzt haben vor allem die Christen die Zuwanderer aufgenommen, und ihnen Hilfe aller Art zuteilwerden lassen, Wohnungsraum, Sprachhilfen und Arbeitsangeboten. Viele haben und wollen sich integrieren, das darf nicht geleugnet werden. Aber es gibt auch ein Aber: Auch wenn es nur Gutwillige Einwanderer gäbe, sie wären nur ein Tropfen auf den heißen Stein und zudem zeigt die Statistik, dass viele auch mit ganz anderen Motiven kommen: Sie wollen Europa islamisieren und sich kulturell aneignen und dies nicht nur mit friedlichen Mitteln der Überzeugung.

Weihbischof Athanasius Schneider aus Kasachstan brachte im Gespräch mit der italienischen Zeitschrift Il Giornale die Sache auf den Punkt:
Das Phänomen der sogenannten „Einwanderung“ ist ein gelenkter und von den internationalen Mächten seit langem vorbereiteter Plan, um die christliche und nationale Identität der europäischen Völker zu verändern. Diese Mächte benutzen das enorme, moralische Potential der Kirche und ihre Strukturen, um ihr anti-christliches und anti-europäisches Ziel noch effizienter zu erreichen. Zu diesem Zweck werden das wahre Verständnis von Humanität und sogar das christliche Gebot der Nächstenliebe missbraucht.

An zentralen Plätzen Wiens dagegen darf und soll sich Europa wehren. Ein erster Schritt wäre ein Ende der Selbstzensur in der Berichterstattung und der bereits nötige Schutz für diejenigen, die offen reden. Aufgabe der Christen wäre bei all dem, den Dialog in Gerechtigkeit und Liebe nicht abzubrechen. Marko d`Aviano oder auch J. Capistrano, mit ihrer Botschaft für Kirche und Welt. müssten wir neu entdecken und „niemals vergessen“. Ihre Denkmäler stehen Gott sei Dank immer noch an zentralen Plätzen Wiens.
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Ansprache von Papst Paul VI. an die Vereinten Nationen zu New York zur Feier des 20. Jahrestages der Gründung

Gruß und Dank

Im Augenblick des Wortergreifens vor diesem, in der Welt einzigartigen Auditorium, möchten Wir zuerst unsere tiefe Dankbarkeit gegenüber Monsieur U Thant ausdrücken, Ihrem Generalsekretär, der Uns gern einladen wollte, den Vereinten Nationen einen Besuch abzustatten, aus Anlass des 20. Geburtstags jener weltweiten Einrichtung für den Frieden und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern der ganzen Welt. Dank auch dem Herrn Präsidenten der Versammlung, Monsieur Amintore Fanfani, der, seit dem Tag seines Amtsantritts, für uns so liebenswürdige Worte hatte. Dank Ihnen allen, hier gegenwärtig, für Ihren herzlichen Empfang. Jedem einzelnen von Ihnen entbieten Wir Unseren herzlichen und ehrerbietigen Gruß. Ihre Freundschaft hat Uns eingeladen und uns diese Zusammenkunft gestattet; wir zeigen Uns Ihnen als Freund. Über Unsere Ehrbezeigung hinaus, übermitteln wir Ihnen dieselbe des Zweiten Ökumenischen Vatikanischen Konzils, das derzeit in Rom vereint ist und dessen hervorragende Vertreter die Kardinäle sind, die Uns begleiten. In Ihrem und Unserem Namen, Ihnen allen Ehre und Gruß!

Einleitung

Diese Zusammenkunft, Sie alle sind sich dessen gut bewusst, nimmt einen doppelten Charakter an: Sie ist gleichermaßen von Einfachheit und Größe geprägt. Von Einfachheit, weil der, der zu Ihnen spricht, ein Mensch ist wie Sie; er ist Ihr Bruder, zugleich einer der allerkleinsten unter Ihnen, die Sie souveräne Staaten vertreten. Denn er ist mit nichts ausgestattet, wenn Sie bitte diesen Gesichtspunkt Uns zu erwägen erlauben, als mit einer Winzigkeit von gleichsam nur symbolischer zeitlicher Souveränität: Das notwendige Minimum, um frei zu sein, seine geistliche Sendung auszuüben und denen, die mit ihm zu handeln haben, zuzusichern, dass er unabhängig von jeder Souveränität dieser Welt ist. Er hat keinerlei zeitliche Macht, keinerlei Absicht mit Ihnen in Wettbewerb zu treten. Tatsächlich, Wir haben nichts zu fordern, keine Frage aufzuwerfen, ganz darüberhinaus nur einen Wunsch zu formulieren, eine Erlaubnis zu erbitten: Jene Vollmacht, Ihnen in dem zu dienen, was Unsere Zuständigkeit ist, ohne Eigennutz, mit Demut und Liebe.

Vorstellung

Das ist die erste Erklärung, die Wir zu machen haben. Wie Sie sehen: Sie ist so schlicht, dass sie unbedeutend erscheinen könnte für diese Versammlung, gewöhnt, sehr wichtige und schwierige Angelegenheiten zu behandeln. Aber dennoch, Wir sagen es Ihnen und Sie alle spüren es, dieser Augenblick ist von einer einzigartigen Größe geprägt. Er ist groß für Uns und er ist groß für Euch. Für Uns vor allem, aber ja, Sie wissen gut, wer Wir sind. Was auch immer Ihre Meinung über den Römischen Pontifex sein mag, Sie kennen Unsere Mission: Wir sind der Träger einer Botschaft für die ganze Menschheit. Und das sind Wir nicht allein in Unserem persönlichen Namen und im Namen der großen katholischen Familie, sondern auch im Namen all der christlichen Brüder, die Unsere Gefühle teilen, die wir hier ausdrücken, und speziell jener, die Uns gern explizit beauftragt haben, ihr Interpret zu sein. Und so überbringt der Botschafter, am Ende einer langen Reise, den ihm anvertrauten Brief. So haben Wir also das Bewusstsein, den bevorzugten Augenblick zu erleben, so kurz er sein mag, wo sich ein Wunsch erfüllt, den Wir seit fast zwanzig Jahrhunderten im Herzen tragen. Ja, Sie erinnern Sich: Es ist eine lange Zeit, seit Wir auf dem Weg sind und mit Uns tragen Wir eine lange Geschichte. Wir feiern hier den Epilog einer mühseligen Pilgerschaft, auf der Suche nach einem Kolloquium mit der ganzen Welt, seit jenem Tag, da Uns geboten wurde: Gehet, tragt die gute Nachricht zu allen Völkern. Nun aber sind Sie es, die „alle Völker“ repräsentieren. Lassen Sie Uns sagen, dass Wir für Sie alle eine Botschaft haben, ja, eine glückliche Botschaft, die jedem von Ihnen zu überreichen ist.

Feierliche Zustimmung

1. Unsere Botschaft will zuallerst eine moralische und feierliche Zustimmung zu dieser hohen Institution sein. Als expert en humanité * überbringen Wir Ihnen den Beifall Unserer jüngsten Vorgänger, den des ganzen katholischen Episkopats und Unseren, überzeugt, wie Wir es sind, dass diese Organisation verpflichtend den Weg zur modernen Zivilisation und zum Weltfrieden darstellt. Das aussprechend, haben Wir das Bewusstsein, Uns auch die Stimme der Lebenden und der Toten zu eigen zu machen: Der Toten, die in den vergangenen furchtbaren Kriegen gefallen sind, sich sehnend nach der Eintracht und dem Frieden der Welt; der Lebenden, die das überlebt haben und die vor allem in ihren Herzen die verdammen, die versuchen, das wiederzubeleben; aber auch anderer Lebender: der jungen Generationen von heute, die vertrauensvoll voranschreiten, mit gutem Recht eine bessere Menschheit erwartend. Wir machen Uns auch die Stimme der Armen zu eigen, der Enterbten, der Unglücklichen, derer, die auf Gerechtigkeit hoffen, auf die Würde zu leben, auf die Freiheit, auf Wohlstand und Fortschritt. Die Völker wenden sich den Vereinten Nationen zu, wie einer letzten Hoffnung auf Eintracht und Frieden. Wir wagen es, Ihnen, mit dem Unserem, auch ihren Teil der Ehre und Hoffnung zu überbringen. Und man sieht, warum dieser Augenblick auch für Sie groß ist.

Offene Völkergemeinschaft

2. Wir wissen es, Sie sind sich dessen völlig bewusst. Hören Sie jetzt den Fortgang Unserer Botschaft. Sie ist ganz und gar der Zukunft zugewandt. Das Bauwerk, das Sie errichtet haben, darf niemals in Ruinen fallen. Es muss vervollkommnet werden und ausgerichtet auf die Erfordernisse, die uns die Weltgeschichte zeigen wird. Sie markieren einen Abschnitt der menschlichen Entwicklung; nun aber, unmöglich zurückzufallen, muss man voranschreiten. Der Vielfalt der Staaten, die einander nicht mehr ignorieren können, schlagen Sie eine Form der Koexistenz vor, die äußerst schlicht und fruchtbar ist. Man sieht: Vor allem erkennen Sie einander an und Sie unterscheiden sich. Sie verleihen sicherlich nicht die Existenz der Staaten, aber sie schätzen jedes Volk jeder Nation als würdig ein, an dieser geordneten Versammlung teilzunehmen. Sie geben jeder souveränen, nationalen Gemeinschaft eine Anerkennung hohen moralischen und juristischen Wertes und Sie garantieren ihr ein ehrbares internationales Bürgerschaftsrecht. Das ist schon ein großer, der Menschheit geschuldeter Dienst: die nationalen Subjekte der Weltgemeinschaft gut zu umgrenzen und sie zu ehren, sie unter rechtlicher Bestimmung zu etablieren, was für sie Anerkennung und Respekt aller bedeutet und wovon sich ein geordnetes und stabiles System internationalen Lebens herleiten kann. Sie billigen das große Prinzip, dass die Beziehungen unter den Völkern von der Vernunft bestimmt werden müssen, von der Gerechtigkeit, vom Recht, von Verhandlungen, nicht durch die Macht, nicht durch die Gewalt, nicht durch den Krieg, auch nicht durch die Angst und durch den Betrug. So muss das auch sein. Und erlauben Sie, dass Wir Sie beglückwünschen, die Weisheit gehabt zu haben, den Zugang zu dieser Versammlung den jungen Völkern eröffnet zu haben, den Staaten, die seit kurzem zur Unabhängigkeit und nationalen Freiheit aufstiegen. Deren Gegenwart hier ist der Beweis der Universalität und Großherzigkeit, die schon die Anfänge dieser Einrichtung beseelten. So muss das auch sein. Das ist Unser Lob und Unser Wunsch; und wie Sie sehen, fügen wir dies nicht von außen hinzu: Wir beziehen es von innen, aus dem Geist Ihrer Institution selbst.

Zu deren Verfassung

3. Ihre Verfassung geht noch darüber hinaus und unsere Botschaft geht damit mit. Sie existieren und arbeiten, um die Nationen zu einen, um die Staaten zu verbinden. Wir nehmen diese Formel: um die einen mit den andern zusammenzufügen. Sie sind eine Vereinigung. Sie sind eine Brücke unter den Völkern. Sie sind ein Netz für Beziehungen unter den Staaten. Wir versuchen ernstlich zu sagen, dass Ihre Charakteristik, in gewisser Weise, in der zeitlichen Ordnung, das widerzuspiegeln vermag, was Unsere Katholische Kirche in der geistlichen Ordnung sein will: einzig und allgemein. Man kann nichts Erhabeneres entwerfen, auf der Ebene des Natürlichen, zur weltanschaulichen Auferbauung der Menschheit. Ihre Berufung ist die, zu verbrüdern, nicht irgendwelche aus den Völkern, sondern alle Völker. Ein schwieriges Unterfangen? Zweifelsohne. Aber das ist die Aufgabe, das ist Ihre sehr ehrwürdige Aufgabe. Wer sieht es nicht, die Notwendigkeit, so fortschreitend, zu erreichen, dass eine weltweite Autorität errichtet werde, mit der Maßgabe, dass effizient gehandelt werde, auf rechtlicher und politischer Ebene? Hier also wiederholen wir unseren Wunsch: Allez de l’avant! * Wir sagen überdies: Bringt es dahin, die unter euch zurückzubringen, die von Euch entfernt sind; studiert die Mittel, diejenigen zu Eurem Pakt der Brüderlichkeit zu rufen, mit Ehre und Anstand, die noch nicht daran teilhaben. Bringt es dahin, dass die, die noch draußen sind, das gemeinsame Vertrauen wünschen und verdienen, und seid also großzügig, es zu gewähren. Und Sie alle, die Sie das Glück und die Ehre haben, in dieser Versammlung der friedfertigen Gemeinschaft zu weilen, erhört Uns: Dieses gegenseitige Vertrauen, das Euch eint, Euch erlaubt, gute und große Dinge zu bewirken, bringt es dahin, dass dem nie Abbruch getan wird, dass es nie verraten werde.

Ihre Organisation

4. Die Logik dieses Wunsches, der, kann man sagen, aus der Struktur Ihrer Organisation selbst entstammt, bringt uns dazu, sie durch andere Formeln zu ergänzen. Man sehe: Dass niemand, so wahr er Mitglied Ihrer Vereinigung ist, anderen übergeordnet sein möge. Nicht der eine über dem andern. Das ist die Formel der Gleichheit. Wir wissen sicherlich, dass andere Faktoren zu berücksichtigen sind als nur die schlichte Beteiligung an Ihrem Organismus. Aber die Gleichheit ist auch Teil Eurer Verfassung: nicht etwa, weil Ihr Gleiche seid, aber weil Ihr Euch hier gleichstellt. Und es mag sein, dass es für mehrere unter Euch ein großer Akt der Tugend ist: Erlaubt Uns, dass Wir es Ihnen sagen, Wir, der Repräsentant einer Religion, die das Heil bewirkt durch die Demut ihres göttlichen Gründers. Es ist unmöglich Bruder zu sein, wenn man nicht demütig ist. Denn es ist der Hochmut, so unvermeidbar er erscheinen mag, der Spannungen und Kämpfe um das Prestige provoziert, um die Oberhoheit, den Kolonialismus, den Egoismus: Er ist es, der die Brüderlichkeit zerbricht.

Friedensbotschaft

5. Hier erreicht Unsere Botschaft ihren Höhepunkt. Zunächst negativ: Das ist das Wort, dass Sie von Uns erwarten und das wir nicht aussprechen können, ohne seine Schwere und seine Feierlichkeit zu kennen: Niemals mehr die einen gegen die andern, niemals, niemals mehr. Ist das nicht über allem das Ziel, für das die Organisation der Vereinten Nationen geboren wurde? Gegen den Krieg und für den Frieden? Hört auf die erleuchteten Worte eines großen Verstorbenen: John Kennedy, der ausrief, vier Jahre ist es her: Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, sonst setzt der Krieg der Menschheit ein Ende. Dazu braucht es keine langen Reden, um die oberste Zielsetzung Eurer Institution zu proklamieren. Es genügt daran zu erinnern, wieviel Blut von Millionen Menschen, wieviele unerhörte und unzählbare Leiden, wieviele nutzlose Schlächtereien und entsetzlichen Trümmer den Pakt stützen, der Euch eint, in einem Schwur, der die zukünftige Geschichte der Menschheit verändern muss: Jamais plus la guerre *, niemals wieder Krieg! Der Friede ist es, der Friede, der die Bestimmung der Völker anleiten muss und so die der ganzen Menschheit!

Dank Ihnen, Ehre Ihnen, die Sie seit zwanzig Jahren für den Frieden arbeiten und dieser heiligen Sache hohe Opfer brachten. Dank Ihnen und Ehre Ihnen für die Konflikte, die sie vermieden und die sie geregelt haben. Die Ergebnisse Ihrer Anstrengungen in der Friedensförderung, bis hinein in die allerletzten Tage, verdienen es, auch wenn sie immer noch nicht bestimmend sind, dass Wir es wagen, Uns zum Interpreten der ganzen Welt zu machen und dass wir Ihnen in ihrem Namen Glückwunsch und Dankbarkeit ausdrücken. Sie haben, meine Herren, ein großes Werk vollendet und vollenden es weiter: Sie lehren die Menschen den Frieden. Die UNO ist die hohe Schule, wo man diese Erziehung empfängt und hier sind wir in der Aula magna dieser Schule. Wer auch immer hier Platz nimmt, wird Schüler und wird Lehrer in der Kunst, den Frieden zu erbauen. Und wenn Sie diesen Saal verlassen, schaut die Welt auf Sie wie auf die Baumeister, die Erbauer des Friedens. Der Friede, Sie wissen es, erbaut sich nicht allein mit dem Mittel der Politik und mit dem Ausgleich der Kräfte und Interessen. Er baut auf dem Geist auf, auf Ideen, auf Werken des Friedens. Sie arbeiten an diesem großen Werk. Aber Sie sind immer noch am Anfang Ihrer Anstrengungen. Wird die Welt jemals dazu gelangen, die partikularistische und kriegerische Mentalität zu ändern, die bis hierher einen so großen Teil ihrer Geschichte gewebt hat? Es ist schwierig, das vorherzusehen. Aber es ist leicht zu bekräftigen, dass es nötig ist, sich entschlossen auf den Weg zu machen, zur neuen Geschichte, der friedfertigen Geschichte, die wahrhaft und vollends menschlich sein wird, dieselbe, die Gott den Menschen guten Willens ankündigt.

Abrüstung

(5.) Die Wege dahin sind Ihnen vorgezeichnet: Der erste ist der Weg der Abrüstung. Wenn Ihr Brüder sein wollt, dann lasst die Waffen aus Euren Händen fallen. Man kann nicht lieben mit Angriffswaffen in den Händen. Die Bewaffnung, vor allem die schrecklichen Waffen, die moderne Wissenschaften Euch gaben, sogar noch bevor sie Opfer und Ruinen verursachen, erzeugen sie böse Träume, ernähren böse Gefühle, erzeugen Angstträume, Misstrauen, dunkle Entschlüsse; sie erfordern maßlose Kosten; sie vereiteln Projekte der Solidarität und der nützlichen Arbeit; sie verstören das Seelenleben der Völker. Solange nur der Mensch das schwache Wesen bleiben wird, wechselhaft und auch boshaft, wie er sich so oft zeigt, sind Verteidigungskräfte, leider, noch nötig. Aber Sie, Ihr Mut und Ihre Würde drängen Sie, die Mittel zu studieren, um die Sicherheit des internationalen Lebens zu gewährleisten, ohne auf Waffen zurückzugreifen. Das ist ein würdiges Ziel Ihrer Anstrengungen, das ist es, was die Völker von Ihnen erwarten. Das ist es, was erreicht werden muss! Und deshalb ist es notwendig, dass das einmütige Vertrauen in diese Institution wachsen möge, dass seine Autorität wachsen möge; und das Ziel also, man kann es hoffen, wird erreicht werden. Hier gewinnen Sie die Anerkennung der Völker, erleichtert von den schweren Kosten der Rüstung und befreit von dem Angsttraum des immer drohenden Krieges. Wir wissen und warum sollen wir Uns dessen nicht erfreuen, wieviele unter Ihnen Unsere Einladung günstig erwogen haben, die wir in Bombay, letzten Dezember, in der Sache des Friedens an alle Staaten gerichtet haben: Zumindest ein Teil der Ersparnisse, die dank der Abrüstung verwirklicht werden können, mögen der Wohlfahrt der Entwicklungsländer gewidmet werden. Wir erneuern diese Einladung, im Vertrauen, dass Wir Ihre Empfindungen der Menschlichkeit und Großzügigkeit anregen.

Solidarität

6. Von Menschlichkeit und Großzügigkeit zu sprechen, das heißt, auf ein anderes konstitutives Prinzip der Vereinten Nationen zu antworten, ihren positiven Gipfelpunkt: Man arbeitet hier nicht nur, um Konflikte zwischen den Staaten zu bereinigen; es geht darum, die Staaten zu befähigen, füreinander zu arbeiten. Sie beschränken sich nicht darauf, die Koexistenz zwischen den Nationen zu erleichtern: Sie machen einen guten Schritt vorwärts, würdig von uns gelobt und unterstützt zu werden. Sie organisieren die brüderliche Zusammenarbeit der Völker. Hier entsteht ein System der Solidarität, das bewirkt, dass hohe Zielsetzungen, in der Ordnung der Zivilisation, die einmütige und geordnete Unterstützung der gesamten Völkerfamilie empfangen; zum Wohl aller und jedes einzelnen davon. Das ist es, was an der Organisation der Vereinten Nationen besonders schön ist, ihr sehr echt menschliches Gesicht: Das ist das Ideal, von dem die Menschheit träumt, auf ihrer Pilgerfahrt durch die Zeiten. Das ist die größte Hoffnung der Welt. Wir wagen zu sagen: Darin spiegelt sich der Plan Gottes, ein transzendenter Plan voller Liebe, für den Fortschritt der menschlichen Gesellschaft auf Erden; Widerschein, worin Wir die evangelische Botschaft sehen, vom Himmlischen, das sich irdisch macht. Hier schließlich vermeinen Wir das Echo der Stimme Unserer Vorgänger zu hören, besonders die des Papstes Johannes XXIII., dessen Botschaft Pacem in terris unter Euch eine so bezeichnende und ehrenvolle Resonanz fand.

Das was Sie hier verkündigen, das sind die grundlegenden Rechte und Pflichten des Menschen, seine Würde, seine Freiheit, vor allem seine religiöse Freiheit. Wir empfinden es so, dass Sie die Übersetzer dessen sind, das in der menschlichen Weisheit am höchsten steht, wir möchten beinahe sagen, seines heiligen Charakters. Denn das ist es, vor allem, um was es im Leben des Menschen geht; und das Leben des Menschen ist geheiligt: Niemand soll wagen es anzugreifen. Es ist hier in Ihrer Versammlung, wo der Respekt für das Leben, auch wenn es das große Problem der Geburten betrifft, sein höchstes Bekenntnis und seine klügste Verteidigung finden muss. Ihre Aufgabe ist, es dahin zu bringen, dass das Brot reichlich genügen möge am Tisch der Menschheit, nicht aber, eine künstliche ‚Geburtenkontrolle‘ zu favorisieren, die unvernünftig wäre, in der Absicht, die Zahl der Mitlebenden beim Fest des Lebens zu verringern.

Bildung, Fortschritt

(6.) Es genügt aber nicht, nur die Hungernden zu nähren. Überdies ist es notwendig, jedem Menschen ein Leben entsprechend seiner Würde zuzusprechen. Und das ist es, was Sie vorantreiben müssen. Wäre das nicht eine Erfüllung, in Unseren Augen, und Ihnen zu danken, für die prophetische Ankündigung, die sich so gut zu Ihrer Institution fügt: Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen(Jes. 2,4) ? Wären von Euch nicht doch die wunderbaren Kräfte der Erde und die staunenswerten Erfindungen der Wissenschaft zu nutzen, nicht mehr als Werkzeuge des Todes, sondern als Werkzeuge des Lebens für eine neue Ära der Menschheit? Wir wissen, mit welcher ansteigenden Intensität und Effizienz die Organisation der Vereinten Nationen und ihre nachgeordneten weltweiten Organismen arbeiten, um den Regierungen zu helfen, die ihren wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt voranbringen müssen. Wir wissen mit welchem Eifer Sie sich einsetzen, um den Analphabetismus zu besiegen und die Kultur auf der Welt auszubreiten, um den Menschen eine moderne und passende Gesundheitsfürsorge zu geben; um zum Dienst an den Menschen die bewunderungswürdigen Quellen der Wissenschaft, der Technik, der Organisation zu nutzen. Das alles ist großartig und verdient das Lob und die Unterstützung aller, einschließlich der Unseren.

Wir möchten Ihnen auch ein Beispiel geben, selbst wenn unsere geringen Mittel es verhindern, dem große und praktische Bedeutung beizumessen: Wir wollen unseren karitativen Einrichtungen eine neue Entwicklung geben, gegen den Hunger in der Welt und zugunsten ihrer wichtigsten Bedürfnisse. So nämlich und nicht anders baut man den Frieden auf.

Schluss

7. Ein Wort noch, meine Herren, ein letztes Wort. Das Bauwerk, dass Sie errichten, ruht nicht nur auf rein materiellen und irdischen Grundlagen. Denn das wäre ein Gebäude, das man auf Sand errichtet. Es beruht vor allem auf unseren Gewissen. Ja, der Augenblick der Bekehrung ist gekommen, der persönlichen Verwandlung, der inneren Erneuerung. Wir müssen uns einrichten in einer neuen Art vom Menschen zu denken; eine neue Art, auch an das gemeinsame Leben der Menschen zu denken, eine neue Art schließlich die Wege der Geschichte und der Bestimmungen der Welt zu bedenken, gemäß dem Wort des heiligen Paulus: Revêtir l’homme nouveau créé selon Dieu dans la justice et la saintété de la verité ** (Eph. 4, 24). Siehda, die Stunde ist gekommen, wo sich ein Einhalten aufdrängt, ein Augenblick der Besinnung, des Erwägens, gleichsam des Gebetes: Um zurückzudenken an unseren gemeinsamen Ursprung, an unsere Geschichte, an unser gemeinsames Ziel. Niemals so sehr wie heute, in einer Epoche, die so sehr vom menschlichen Fortschritt geprägt ist, nie war auch der Appell an das moralische Bewusstsein des Menschen so notwendig. Denn die Gefahr kommt weder vom Fortschritt noch von der Wissenschaft, denn beide, gut genutzt, können im Gegenteil eine große Zahl schwerer Probleme lösen, die die Menschheit plagen. Die wahre Gefahr bezieht sich auf den Menschen, der immer machtvollere Mittel besitzt, geeignet ebenso zur Zerstörung wie zu höchsten Eroberungen.

Mit einem Wort: Das Gebäude der modernen Zivilisation muss auf geistlichen Prinzipien auferbaut werde, die nicht nur fähig sind zu unterstützen, sondern auch zu erhellen und zu beseelen. Und diese unverzichtbaren Prinzipien der höchsten Weisheit können nicht anders als auf Gott beruhen, das ist unsere Überzeugung, Ihr wisst es, auf Gott im Glauben. Der unbekannte Gott, wovon der heilige Paulus den Athenern auf dem Aréopag sprach? Unbekannt denen, die aber doch, daran gibt es keinen Zweifel, Ihn suchten und Ihn nah bei sich hatten, wie kann Er zu so vielen Menschen unseres Jahrhunderts kommen? Für Uns jedenfalls, und für alle, die die unermessliche Offenbarung annehmen, die uns Christus von Ihm brachte, ist das der lebendige Gott, der Vater aller Menschen.

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Quelle

Siehe auch:

Präsident Trump an die Generalversammlung der Vereinten Nationen

Präsident Donald Trump spricht auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 25. September 2018. Er verteidigte Amerikas Souveränität durch und durch.


Frau Präsidentin, Herr Generalsekretär, führende Persönlichkeiten der Welt, Botschafter und angesehene Delegierte:

Vor einem Jahr stand ich zum ersten Mal in dieser großen Halle vor Ihnen. Ich sprach die Bedrohungen an, mit denen unsere Welt konfrontiert ist, und ich stellte eine Vision vor, um eine bessere Zukunft für die gesamte Menschheit zu erreichen.

Heute stehe ich vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen, um den außergewöhnlichen Fortschritt zu teilen, den wir gemacht haben.

In weniger als zwei Jahren hat meine Regierung mehr als fast jede Verwaltung in der Geschichte unseres Landes erreicht.

Amerikas – so wahr. (Gelächter.) Habe diese Reaktion nicht erwartet, aber das ist okay. (Lachen und Applaus.)

Amerikas Wirtschaft boomt wie nie zuvor. Seit meiner Wahl haben wir 10 Billionen Dollar an Vermögen hinzugefügt. Der Aktienmarkt hat ein historisches Rekordhoch erreicht und die Arbeitslosenansprüche liegen auf dem 50-Jahres-Tief. Die Arbeitslosigkeit bei Afroamerikanern, Hispanoamerikanern und Asiaten hat ihren bisher niedrigsten Stand erreicht. Wir haben mehr als 4 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen, darunter eine halbe Million Arbeitsplätze in der Produktion.

Wir haben die größten Steuersenkungen und Reformen in der amerikanischen Geschichte bestanden. Wir haben mit dem Bau einer größeren Grenzmauer begonnen, und wir haben die Grenzsicherheit erheblich verbessert.

Wir haben uns für dieses Jahr eine Rekordfinanzierung für unser Militär gesichert – 700 Milliarden US-Dollar und im nächsten Jahr 716 Milliarden US-Dollar. Unser Militär wird bald mächtiger sein als je zuvor.

Mit anderen Worten, die Vereinigten Staaten sind stärker, sicherer und ein reicheres Land als zu der Zeit, als ich vor weniger als zwei Jahren das Amt antrat.

Wir stehen für Amerika und für das amerikanische Volk ein. Und wir treten auch für die Welt ein.

Das sind großartige Neuigkeiten für unsere Bürger und für friedliebende Menschen überall. Wir glauben, dass, wenn Nationen die Rechte ihrer Nachbarn respektieren und die Interessen ihres Volkes verteidigen, sie besser zusammenarbeiten können, um die Segnungen von Sicherheit, Wohlstand und Frieden zu sichern.

Jeder von uns hier ist heute der Botschafter einer ausgeprägten Kultur, einer reichen Geschichte und eines Volkes, das durch Erinnerungen, Traditionen und Werte verbunden ist, die unsere Heimat so einzigartig machen wie nirgendwo sonst auf der Erde.

Deshalb wird Amerika immer die Unabhängigkeit und Kooperation gegenüber Global Governance, Kontrolle und Dominanz wählen.

Ich ehre das Recht jeder Nation in diesem Raum, ihre eigenen Bräuche, Überzeugungen und Traditionen zu verfolgen. Die Vereinigten Staaten werden Ihnen nicht sagen, wie man lebt oder arbeitet oder Gott anbetet.

Wir bitten nur, dass Sie unsere Souveränität ehren.

Von Warschau nach Brüssel, von Tokio nach Singapur war es meine höchste Ehre, die Vereinigten Staaten im Ausland zu vertreten. Ich habe enge Beziehungen und Freundschaften und starke Partnerschaften mit den Führern vieler Nationen in diesem Raum geknüpft, und unser Ansatz hat bereits unglaubliche Veränderungen gebracht.

Mit Unterstützung aus vielen Ländern haben wir uns mit Nordkorea zusammen getan, um das Schreckgespenst des Konflikts durch einen mutigen und neuen Friedensschub zu ersetzen.

Im Juni reiste ich nach Singapur, um den Vorsitzenden von Nordkorea, Kim Jong Un, persönlich zu treffen.

Wir hatten äußerst produktive Gespräche und Treffen, und wir waren uns einig, dass es im Interesse beider Länder lag, die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel voranzutreiben. Seit diesem Treffen haben wir bereits eine Reihe von ermutigenden Maßnahmen gesehen, die sich nur wenige vor kurzem hätten vorstellen können.

Die Raketen fliegen nicht mehr in alle Richtungen. Die Atomtests haben aufgehört. Einige militärische Einrichtungen werden bereits abgebaut. Unsere Geiseln sind freigelassen worden. Und wie versprochen, werden die Überreste unserer gefallenen Helden nach Hause gebracht, um auf amerikanischem Boden zu ruhen.

Ich möchte dem Vorsitzenden Kim für seinen Mut und seine Schritte danken, auch wenn noch viel zu tun bleibt. Die Sanktionen bleiben bis zur Entnuklearisierung bestehen.

Ich möchte auch den vielen Mitgliedstaaten danken, die uns geholfen haben, diesen Moment zu erreichen – ein Moment, der tatsächlich viel größer ist, als die Menschen verstehen würden; viel größer – aber auch für ihre Unterstützung und die kritische Unterstützung, die wir alle brauchen werden.

Ein besonderer Dank geht an Präsident Moon aus Südkorea, Premierminister Abe aus Japan und Präsident Xi aus China.

Im Nahen Osten zeigt unser neuer Ansatz ebenfalls große Fortschritte und historische Veränderungen.

Nach meiner Reise nach Saudi-Arabien im vergangenen Jahr eröffneten die Golfstaaten ein neues Zentrum für die Terrorismusfinanzierung. Sie setzen neue Sanktionen durch, arbeiten mit uns daran, terroristische Netzwerke zu identifizieren und zu verfolgen, und übernehmen mehr Verantwortung für die Bekämpfung von Terrorismus und Extremismus in ihrer eigenen Region.

Die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Katar haben Milliarden von Dollar zugesagt, um den Menschen in Syrien und im Jemen zu helfen. Und sie verfolgen mehrere Wege, um Jemens schrecklichen, entsetzlichen Bürgerkrieg zu beenden.

Letztendlich ist es Sache der Nationen der Region zu entscheiden, welche Zukunft sie für sich und ihre Kinder haben wollen.

Aus diesem Grund arbeiten die Vereinigten Staaten mit dem Golf-Kooperationsrat, Jordanien und Ägypten zusammen, um eine regionale strategische Allianz zu schaffen, damit die Länder des Nahen Ostens Wohlstand, Stabilität und Sicherheit in ihrer Heimatregion fördern können.

Dank des Militärs der Vereinigten Staaten und unserer Partnerschaft mit vielen eurer Nationen freue ich mich berichten zu können, dass die blutrünstigen Killer, die als ISIS bekannt sind, aus dem Gebiet vertrieben wurden, das sie einst im Irak und in Syrien hatten. Wir werden weiterhin mit Freunden und Verbündeten zusammenarbeiten, um radikal-islamischen Terroristen jede Finanzierung, jedes Territorium oder jede Unterstützung oder jegliche Art der Infiltration unserer Grenzen zu verweigern.

Die andauernde Tragödie in Syrien ist herzzerreißend. Unsere gemeinsamen Ziele müssen die Deeskalation eines militärischen Konflikts sein, zusammen mit einer politischen Lösung, die den Willen des syrischen Volkes würdigt. In diesem Sinne drängen wir darauf, dass der von den Vereinten Nationen geleitete Friedensprozess wiederbelebt wird. Aber seien Sie versichert, die Vereinigten Staaten werden reagieren, wenn das Assad-Regime chemische Waffen einsetzt.

Ich empfehle den Menschen in Jordanien und anderen Nachbarländern, Flüchtlinge aus diesem sehr brutalen Bürgerkrieg aufzunehmen.

Wie wir in Jordanien sehen, besteht die mitfühlendste Politik darin, Flüchtlinge so nah wie möglich an ihre Häuser zu bringen, um ihre spätere Rückkehr zu erleichtern und Teil des Wiederaufbauprozesses zu werden. Dieser Ansatz dehnt auch begrenzte Ressourcen aus, um weit mehr Menschen zu helfen und die Auswirkungen jedes ausgegebenen Dollars zu erhöhen.

Jede Lösung der humanitären Krise in Syrien muss auch eine Strategie beinhalten, um das brutale Regime anzugehen, das es angeheizt und finanziert hat: die korrupte Diktatur im Iran.

Irans Führer säen Chaos, Tod und Zerstörung. Sie respektieren nicht ihre Nachbarn oder Grenzen oder die souveränen Rechte der Nationen. Stattdessen plündern die iranischen Führer die Ressourcen des Landes, um sich selbst zu bereichern und das Chaos im Nahen Osten und weit darüber hinaus zu verbreiten.

Das iranische Volk ist zu Recht empört, dass seine Führer Milliarden von Dollars aus der iranischen Staatskasse veruntreut, wertvolle Teile der Wirtschaft beschlagnahmt und die religiösen Stiftungen des Volkes ausgeraubt haben, um ihre eigenen Taschen zu füllen und ihre Stellvertreter zum Krieg zu schicken. Nicht gut.

Die iranischen Nachbarn haben einen hohen Tribut für die Aggression und Expansion der Region [des Regimes] gezahlt. Aus diesem Grund haben so viele Länder im Nahen Osten meine Entscheidung, die Vereinigten Staaten von dem schrecklichen nuklearen Deal von 2015 zurückzuziehen und nukleare Sanktionen zu verhängen, nachdrücklich unterstützt.

Der Iran-Deal war ein Glücksfall für die iranischen Führer. In den Jahren seit dem Abschluss des Abkommens wuchs das Militärbudget des Iran um fast 40 Prozent. Die Diktatur nutzte die Mittel, um nuklearfähige Raketen zu bauen, die interne Repression zu verstärken, den Terrorismus zu finanzieren und in Syrien und im Jemen Chaos und Schlachten zu finanzieren.

Die Vereinigten Staaten haben eine Kampagne des wirtschaftlichen Drucks gestartet, um dem Regime die Mittel zu verweigern, die es benötigt, um seine blutige Agenda voranzutreiben. Letzten Monat haben wir begonnen, die harten nuklearen Sanktionen, die im Rahmen des Iran-Abkommens aufgehoben worden waren, wieder in Kraft zu setzen. Zusätzliche Sanktionen werden am 5. November fortgesetzt und weitere werden folgen. Und wir arbeiten mit Ländern zusammen, die iranisches Rohöl importieren, um ihre Einkäufe wesentlich zu reduzieren.

Wir können nicht zulassen, dass der weltweit führende Sponsor des Terrorismus die gefährlichsten Waffen des Planeten besitzt. Wir können nicht zulassen, dass ein Regime, das „Tod dem Amerika“ singt und Israel mit Vernichtung bedroht, die Mittel besitzt, um eine Atomsprengkopf in jede Stadt auf der Erde zu bringen. Kann es einfach nicht tun.

Wir bitten alle Nationen, das iranische Regime zu isolieren, solange seine Aggression anhält. Und wir bitten alle Nationen, das iranische Volk dabei zu unterstützen, sein religiöses und rechtschaffenes Schicksal zurückzuerobern.

In diesem Jahr haben wir im Nahen Osten einen weiteren wichtigen Schritt nach vorne gemacht. In Anerkennung der Tatsache, dass jeder souveräne Staat seine eigene Hauptstadt festlegt, verlegte ich die US-Botschaft in Israel nach Jerusalem.

Die Vereinigten Staaten verpflichten sich zu einer Zukunft des Friedens und der Stabilität in der Region, einschließlich des Friedens zwischen den Israelis und den Palästinensern. Dieses Ziel wird durch die Anerkennung der offensichtlichen Tatsachen vorgebracht und nicht geschädigt.

Amerikas Politik des prinzipientreuen Realismus bedeutet, dass wir nicht als Geisel alter Dogmen, diskreditierter Ideologien und sogenannter Experten gehalten werden, die sich im Laufe der Jahre immer wieder als falsch erwiesen haben. Dies gilt nicht nur für den Frieden, sondern auch für den Wohlstand.

Wir glauben, dass der Handel fair und wechselseitig sein muss. Die Vereinigten Staaten werden nicht länger ausgenutzt werden.

Jahrzehntelang haben die USA ihre Wirtschaft – mit Abstand die größte auf der Erde – mit wenigen Bedingungen geöffnet. Wir erlaubten ausländischen Waren aus der ganzen Welt, frei über unsere Grenzen zu fließen.

Andere Länder haben uns im Gegenzug keinen fairen und gegenseitigen Zugang zu ihren Märkten gewährt. Schlimmer noch, einige Länder haben ihre Offenheit missbraucht, um ihre Produkte zu verkaufen, ihre Waren zu subventionieren, auf unsere Industrie zu zielen und ihre Währungen zu manipulieren, um einen unfairen Vorteil gegenüber unserem Land zu erlangen. Infolgedessen stieg unser Handelsdefizit auf fast 800 Milliarden Dollar pro Jahr.

Aus diesem Grund verhandeln wir systematisch gebrochene und schlechte Handelsgeschäfte neu.

Letzten Monat haben wir ein bahnbrechendes Handelsabkommen zwischen den USA und Mexiko bekannt gegeben. Und erst gestern habe ich mit Präsident Moon den erfolgreichen Abschluss des brandneuen Handelsabkommens zwischen den USA und Korea angekündigt. Und das ist nur der Anfang.

Viele Nationen in diesem Saal werden zustimmen, dass das Welthandelssystem dringend geändert werden muss. Zum Beispiel wurden Länder in die Welthandelsorganisation aufgenommen, die gegen jedes einzelne Prinzip verstoßen, auf dem die Organisation basiert. Während die Vereinigten Staaten und viele andere Nationen sich an die Regeln halten, verwenden diese Länder von der Regierung betriebene Industrieplanung und staatliche Unternehmen, um das System zu ihren Gunsten zu manipulieren. Sie betreiben unerbittliches Produktdumping, forcierten Technologietransfer und den Diebstahl von geistigem Eigentum.

Die Vereinigten Staaten verloren über 3 Millionen Arbeitsplätze in der Produktion, fast ein Viertel aller Arbeitsplätze in der Stahlindustrie und 60.000 Fabriken, nachdem China der WTO beigetreten ist. Und wir haben in den letzten zwei Jahrzehnten Handelsbilanzdefizite von 13 Billionen Dollar erzielt.

Aber diese Zeiten sind vorbei. Wir werden einen solchen Missbrauch nicht länger tolerieren. Wir werden nicht zulassen, dass unsere Arbeiter Opfer werden, unsere Unternehmen betrogen werden und unser Reichtum geplündert und übertragen wird. Amerika wird sich niemals dafür entschuldigen, dass es seine Bürger schützt.

Die Vereinigten Staaten haben gerade Zölle auf weitere 200 Milliarden Dollar in chinesischen Waren für insgesamt 250 Milliarden Dollar bekannt gegeben. Ich habe großen Respekt und Zuneigung für meinen Freund, Präsident Xi, aber ich habe deutlich gemacht, dass unser Handelsungleichgewicht einfach nicht akzeptabel ist. Chinas Marktverzerrungen und ihre Art zu handeln können nicht toleriert werden.

Wie meine Regierung gezeigt hat, wird Amerika immer in unserem nationalen Interesse handeln.

Ich habe letztes Jahr vor diesem Gremium gesprochen und davor gewarnt, dass der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen eine ernsthafte Verlegenheit für diese Institution geworden ist, indem er ungeheuerliche Menschenrechtsverletzer abgeschirmt hat, während er Amerika und seine vielen Freunde verprügelt hat.

Unsere Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, legte eine klare Reformagenda fest, doch trotz gemeldeter und wiederholter Warnungen wurde nichts unternommen.

Deshalb haben die Vereinigten Staaten den einzig verantwortlichen Kurs gewählt: Wir haben uns aus dem Menschenrechtsrat zurückgezogen, und wir werden nicht zurückkehren, bis eine wirkliche Reform in Kraft tritt.

Aus ähnlichen Gründen werden die Vereinigten Staaten dem Internationalen Strafgerichtshof keine Unterstützung gewähren. Soweit es Amerika betrifft, hat der ICC keine Zuständigkeit, keine Legitimität und keine Autorität. Der IStGH beansprucht nahezu universelle Zuständigkeit für die Bürger aller Länder und verletzt alle Prinzipien von Gerechtigkeit, Fairness und ordnungsgemäßem Prozess. Wir werden die Souveränität Amerikas niemals einer nicht gewählten, nicht verantwortlichen globalen Bürokratie überlassen.

Amerika wird von Amerikanern regiert. Wir lehnen die Ideologie des Globalismus ab, und wir akzeptieren die Doktrin des Patriotismus.

Auf der ganzen Welt müssen sich verantwortliche Nationen gegen die Bedrohung der Souveränität verteidigen, nicht nur durch die globale Regierungsführung, sondern auch durch andere, neue Formen von Zwang und Herrschaft.

In Amerika glauben wir stark an die Energiesicherheit für uns selbst und für unsere Verbündeten. Wir sind der größte Energieproduzent auf der ganzen Welt.

Die Vereinigten Staaten sind bereit, unser reichlich vorhandenes, erschwingliches Angebot an Öl, sauberer Kohle und Erdgas zu exportieren.

OPEC- und OPEC-Nationen zocken wie immer den Rest der Welt ab, und ich mag es nicht. Niemand sollte es mögen. Wir verteidigen viele dieser Nationen umsonst, und dann nutzen sie uns aus, indem sie uns hohe Ölpreise geben. Nicht gut.

Wir wollen, dass sie aufhören, die Preise zu erhöhen, wir wollen, dass sie anfangen, die Preise zu senken, und sie müssen von nun an wesentlich zum militärischen Schutz beitragen. Wir werden es nicht ertragen – diese schrecklichen Preise – viel länger.

Die Abhängigkeit von einem einzigen ausländischen Lieferanten kann eine Nation für Erpressung und Einschüchterung anfällig machen. Aus diesem Grund gratulieren wir europäischen Staaten wie Polen, die den Bau einer Ostsee-Pipeline geleitet haben, damit die Staaten nicht von Russland abhängig sind, um ihren Energiebedarf zu decken. Deutschland wird völlig von russischer Energie abhängig sein, wenn es nicht sofort den Kurs ändert.

Hier in der westlichen Hemisphäre sind wir verpflichtet, unsere Unabhängigkeit vom Vordringen expansiver ausländischer Mächte zu bewahren.

Seit Präsident Monroe ist es die formelle Politik unseres Landes, dass wir die Einmischung fremder Nationen in diese Hemisphäre und in unsere eigenen Angelegenheiten ablehnen. Die Vereinigten Staaten haben kürzlich unsere Gesetze verschärft, um ausländische Investitionen in unserem Land für Bedrohungen der nationalen Sicherheit besser zu prüfen, und wir begrüßen die Zusammenarbeit mit Ländern in dieser Region und auf der ganzen Welt, die dasselbe tun wollen. Sie müssen es zu Ihrem eigenen Schutz tun.

Die Vereinigten Staaten arbeiten auch mit Partnern in Lateinamerika zusammen, um Bedrohungen der Souveränität durch unkontrollierte Migration entgegenzutreten. Toleranz für menschliche Kämpfe und Menschenschmuggel und -handel ist nicht menschlich. Es ist eine schreckliche Sache, die passiert, auf einer Ebene, die noch nie zuvor jemand gesehen hat. Es ist sehr, sehr grausam.

Illegale Einwanderung finanziert kriminelle Netzwerke, rücksichtslose Banden und den Strom tödlicher Drogen. Illegale Einwanderung nutzt gefährdete Bevölkerungsgruppen aus, verletzt hart arbeitende Bürger und hat einen Teufelskreis aus Kriminalität, Gewalt und Armut hervorgebracht. Nur wenn wir nationale Grenzen aufrechterhalten, kriminelle Banden zerstören, können wir diesen Kreislauf durchbrechen und eine echte Grundlage für Wohlstand schaffen.

Wir erkennen das Recht jeder Nation in diesem Raum an, ihre eigene Einwanderungspolitik im Einklang mit ihren nationalen Interessen zu gestalten, genauso wie wir andere Länder bitten, unser eigenes Recht zu respektieren, dasselbe zu tun – was wir tun. Das ist einer der Gründe, warum die Vereinigten Staaten nicht am neuen Global Compact zur Migration teilnehmen werden. Die Migration sollte nicht von einem internationalen Gremium geregelt werden, das für unsere eigenen Bürger nicht verantwortlich ist.

Letztendlich ist die einzige langfristige Lösung für die Migrationskrise, Menschen dabei zu helfen, in ihren Heimatländern eine hoffnungsvollere Zukunft aufzubauen. Macht ihre Länder wieder großartig.

Gegenwärtig erleben wir in Venezuela eine menschliche Tragödie. Mehr als 2 Millionen Menschen sind vor den Qualen des sozialistischen Maduro-Regimes und seiner kubanischen Sponsoren geflohen.

Vor nicht allzu langer Zeit war Venezuela eines der reichsten Länder der Erde. Heute hat der Sozialismus die ölreiche Nation bankrott gemacht und ihre Menschen in bittere Armut getrieben.

Praktisch überall wurde der Sozialismus oder Kommunismus versucht, er hat Leiden, Korruption und Verfall hervorgebracht. Der Machthunger des Sozialismus führt zu Expansion, Einbruch und Unterdrückung. Alle Nationen der Welt sollten dem Sozialismus und dem Elend, das er allen bringt, widerstehen.

In diesem Sinne bitten wir die hier versammelten Nationen, sich uns anzuschließen und die Wiederherstellung der Demokratie in Venezuela zu fordern. Heute kündigen wir zusätzliche Sanktionen gegen das repressive Regime an, die auf Maduros engen Kreis und enge Berater abzielen.

Wir sind dankbar für die Arbeit der Vereinten Nationen auf der ganzen Welt, um Menschen dabei zu helfen, ein besseres Leben für sich und ihre Familien zu schaffen.

Die Vereinigten Staaten sind bei weitem die weltweit größten Geber von ausländischer Hilfe. Aber wenige geben uns etwas. Deshalb sehen wir uns die US-Auslandshilfe genau an. Das wird von Außenminister Mike Pompeo geleitet. Wir werden untersuchen, was funktioniert, was nicht funktioniert und ob die Länder, die unsere Dollars und unseren Schutz erhalten, auch unsere Interessen im Blick haben.

In Zukunft werden wir nur denjenigen, die uns respektieren, ausländische Hilfe zukommen lassen und, ehrlich gesagt, unsere Freunde sind. Und wir erwarten, dass andere Länder ihren gerechten Anteil für die Kosten ihrer Verteidigung übernehmen.

Die Vereinigten Staaten haben sich verpflichtet, die Vereinten Nationen effektiver und rechenschaftspflichtiger zu machen. Ich habe oft gesagt, dass die Vereinten Nationen unbegrenztes Potenzial haben. Als Teil unserer Reformbemühungen habe ich unseren Unterhändlern gesagt, dass die Vereinigten Staaten nicht mehr als 25 Prozent des UN-Friedenssicherungshaushalts bezahlen werden. Dies wird andere Länder ermutigen, sich zu engagieren, und auch an dieser sehr großen Last teilzuhaben.

Und wir arbeiten daran, einen größeren Teil unserer Mittel von bewerteten Beiträgen auf freiwillige Beiträge zu verlagern, damit wir amerikanische Ressourcen auf die Programme mit den besten Erfolgen ausrichten können.

Nur wenn jeder von uns seinen Teil dazu beiträgt und seinen Beitrag leistet, können wir die höchsten Bestrebungen der Vereinten Nationen verwirklichen. Wir müssen Frieden ohne Angst, Hoffnung ohne Verzweiflung und Sicherheit ohne Entschuldigung anstreben.

In dieser Halle, in der so viel Geschichte passiert ist, denken wir an die vielen vor uns, die hierher gekommen sind, um sich den Herausforderungen ihrer Nationen und ihrer Zeit zu stellen. Und unsere Gedanken wenden sich der gleichen Frage zu, die sich in all ihren Reden und Resolutionen, durch jedes Wort und jede Hoffnung zieht. Es ist die Frage, welche Art von Welt wir unseren Kindern hinterlassen werden und welche Art von Nationen sie erben werden.

Die Träume, die diesen Saal heute füllen, sind so vielfältig wie die Menschen, die auf diesem Podium gestanden haben und so unterschiedlich wie die hier in diesem Körper vertretenen Länder sind. Es ist wirklich etwas. Es ist wirklich großartig, großartige Geschichte.

Da gibt es Indien, eine freie Gesellschaft von über einer Milliarde Menschen, die erfolgreich zahllose Millionen aus der Armut in die Mittelschicht befördert hat.

Es gibt Saudi-Arabien, wo König Salman und der Kronprinz mutige neue Reformen verfolgen.

Es gibt Israel, das stolz seinen 70. Jahrestag als blühende Demokratie im Heiligen Land feiert.

In Polen setzt sich ein großes Volk für seine Unabhängigkeit, seine Sicherheit und seine Souveränität ein.

Viele Länder verfolgen ihre eigenen einzigartigen Visionen, bauen ihre eigene hoffnungsvolle Zukunft auf und folgen ihren eigenen wunderbaren Träumen vom Schicksal, vom Vermächtnis und von einem Zuhause.

Die ganze Welt ist reicher, die Menschheit ist besser, wegen dieser schönen Konstellation von Nationen, jede sehr speziell, jede sehr einzigartig, und jede scheint hell in ihrem Teil der Welt.

In jedem von ihnen sehen wir ein großartiges Versprechen eines Volkes, das durch eine gemeinsame Vergangenheit verbunden ist und auf eine gemeinsame Zukunft hinarbeitet.

Was die Amerikaner angeht, wissen wir, welche Zukunft wir uns wünschen. Wir wissen, was für eine Nation Amerika immer sein muss.

In Amerika glauben wir an die Majestät der Freiheit und die Würde des Einzelnen. Wir glauben an die Selbstverwaltung und die Rechtsstaatlichkeit. Und wir schätzen die Kultur, die unsere Freiheit bewahrt – eine Kultur, die auf starken Familien, tiefem Glauben und starker Unabhängigkeit beruht. Wir feiern unsere Helden, wir schätzen unsere Traditionen und vor allem lieben wir unser Land.

In diesem großen Saal heute und jedem, der überall auf der Welt zuhört, ist das Herz eines Patrioten, der die gleiche mächtige Liebe für Ihre Nation empfindet, dieselbe intensive Loyalität gegenüber Ihrer Heimat.

Die Leidenschaft, die in den Herzen der Patrioten und der Seelen der Nationen brennt, hat Reform und Revolution, Opferbereitschaft und Selbstlosigkeit, wissenschaftliche Durchbrüche und großartige Kunstwerke inspiriert.

Unsere Aufgabe ist es nicht zu löschen, sondern zu umarmen. Um damit zu bauen. Auf seine uralte Weisheit zurückgreifen. Und darin den Willen zu finden, unsere Nationen größer, unsere Regionen sicherer und die Welt besser zu machen.

Um dieses unglaubliche Potenzial in unserem Volk freizusetzen, müssen wir die Grundlagen verteidigen, die das alles möglich machen. Souveräne und unabhängige Nationen sind das einzige Vehikel, in dem die Freiheit jemals überlebt hat, die Demokratie jemals gedauert hat oder der Frieden jemals gediehen ist. Und so müssen wir vor allem unsere Souveränität und unsere geschätzte Unabhängigkeit schützen.

Wenn wir das tun, werden wir neue Wege für die Zusammenarbeit vor uns finden. Wir werden eine neue Leidenschaft für die Friedensstiftung in uns finden. Wir werden einen neuen Zweck, eine neue Entschlossenheit und einen neuen Geist finden, die überall um uns herum gedeihen und dies zu einer schöneren Welt machen, in der wir leben können.

Lasst uns zusammen eine Zukunft von Patriotismus, Wohlstand und Stolz wählen. Lasst uns Frieden und Freiheit über Herrschaft und Niederlage wählen. Und lasst uns hierher zu diesem Ort kommen, um für unser Volk und seine Nationen zu stehen, für immer stark, für immer souverän, für immer und ewig und dankbar für die Gnade und die Güte und die Herrlichkeit Gottes.

Vielen Dank. Gott segne Sie. Und Gott segne die Nationen der Welt.

Vielen Dank. Vielen Dank. (Beifall.)

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PAPST JOHANNES PAUL II. ANSPRACHE AN DIE UNESCO 2. JUNI 1980

ANSPRACHE VON PAPST JOHANNES PAUL II.
AN DIE ORGANISATION DER VEREINTEN NATIONEN
FÜR  ERZIEHUNG, WISSENSCHAFT UND KULTUR
(UNESCO)

Paris
Montag, 2. Juni 1980

Herr Präsident der Generalversammlung,
Herr Präsident des Exekutivrates,
Herr Generaldirektor,
meine Damen und Herren!

1. Ich möchte zunächst meinen herzlichsten Dank für die Einladung zum Ausdruck bringen, die Herr Amadou Mahtar-M’Bow, Generaldirektor der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, wiederholt an mich gerichtet hat, und zwar schon beim ersten Besuch, den abzustatten er mir die Ehre gemacht hat. Aus zahlreichen Gründen freue ich mich, heute die von mir hochgeschätzte Einladung annehmen zu können.

Für die an mich gerichteten, liebenswürdigen Willkommensworte danke ich dem Vorsitzenden der Generalversammlung, Herrn Napoleon Leblanc, dem Präsidenten des Exekutivrates, Herrn Chams Eldine El-Wakil, und dem Generaldirektor der Organisation, Herrn Amadou Mahtar-M’Bow. Ich möchte auch alle Damen und Herren grüßen, die sich zur 109. Sitzung des Exekutivrates der |UNESCO hier versammelt haben. Ich kann meine Freude darüber nicht verbergen, so viele |   Delegierte von Nationen der ganzen Welt, so viele hervorragende Persönlichkeiten, so viele Sachverständige und so viele bekannte Vertreter der Kultur und der Wissenschaft bei dieser Gelegenheit hier versammelt zu sehen.

Mit meiner Intervention möchte ich versuchen,  meinen bescheidenen Baustein zu dem Gebäude  beizutragen, das Sie, meine Damen und Herren,  mit Beharrlichkeit und Ausdauer durch Ihre Überlegungen und Entschließungen auf allen in die Zuständigkeit der UNESCO gegebenen Gebieten errichten.

2. Es sei mir erlaubt, zu Beginn an die Anfänge Ihrer Organisation zu erinnern. Die Ereignisse, die die Gründung der UNESCO bezeichnen, sind für mich Anlaß zu Freude und Dankbarkeit  gegenüber der göttlichen Vorsehung: die Unterzeichnung ihrer Satzung am 16. November 1945; das Inkrafttreten dieser Satzung und die Errichtung der Organisation am 4. November 1946; und die im selben Jahr von der UN-Vollversammlung angenommene Vereinbarung zwischen der UNESCO und der Organisation der Vereinten Nationen. Ihre Organisation ist wahrhaftig das Werk von Nationen, die nach dem Ende des furchtbaren Zweiten Weltkriegs von einem  wie man sagen könnte  spontanen Wunsch nach Frieden, Einheit und Versöhnung getrieben wurden. Diese Nationen suchten damals nach den Mitteln und Formen einer Zusammenarbeit, die in der Lage sein sollte, die neugefundene Verständigung zu festigen, zu vertiefen und auf Dauer zu sichern. Die UNESCO wurde also als Organisation der Vereinten Nationen geboren, weil die Völker erkannt hatten, daß als Grundlage der großen Unternehmungen im Dienst des Friedens und des Fortschritts der Menschheit auf dem ganzen Erdball die Einheit der Völker, die gegenseitige Achtung und die internationale Zusammenarbeit notwendig waren.

3. In Weiterführung des Wirkens, des Denkens und der Botschaft meines großen Vorgängers Papst Paul VI. hatte ich im vergangenen Oktober auf Einladung von UN-Generalsekretär Kurt Waldheim die Ehre, vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen das Wort zu ergreifen. Kurz darauf wurde ich vom Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in Rom, Herrn Edouard Saouma, eingeladen. Bei diesen Gelegenheiten konnte ich Fragen behandeln, die zutiefst mit der Gesamtheit der Probleme um eine friedliche Zukunft des Menschen auf der Erde verbunden sind. Tatsächlich sind alle diese Probleme innerlich miteinander verknüpft. Wir haben sozusagen ein ausgedehntes System kommunizierender Röhren vor uns: Die Probleme der Kultur, der Wissenschaft und der Erziehung erweisen sich im Leben der Völker und in den internationalen Beziehungen als nicht mehr unabhängig von den anderen Problemen der Existenz des Menschen, wie etwa dem Problem des Friedens und des Hungers. Die Probleme der Kultur werden beeinflußt von den anderen Dimensionen menschlicher Existenz, genau wie diese ihrerseits von jenen Problemen beeinflußt werden.

4. Trotzdem gibt es  und ich habe das in meiner Rede vor der UNO unterstrichen, als ich auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte hinwies  eine fundamentale Dimension; sie kann die Systeme, die die ganze Menschheit strukturieren, bis in ihre Grundlage verändern und den Menschen in seiner persönlichen und gesellschaftlichen Existenz von den Drohungen befreien, die auf ihm lasten. Diese fundamentale Dimension ist der Mensch selbst  der integrale Mensch, der Mensch, der gleichzeitig in der Sphäre der materiellen und der spirituellen Werte lebt. Die Achtung der unveräußerlichen Rechte der menschlichen Person ist die Grundlage von allem (vgl. Ansprache an die UNO, Nr. 7 und 13) Jede Bedrohung der Rechte des Menschen  sei es im Bereich seiner geistigen, sei es im Bereich seiner materiellen Werte  tut dieser fundamentalen Dimension Gewalt an. Deswegen habe ich in meiner Ansprache an die FAO unterstrichen, daß kein Mensch, kein Land und kein System dieser Erde gegenüber der „Geographie des Hungers“ und den gigantischen Bedrohungen gleichgültig bleiben kann, die sich daraus ergeben werden, wenn sich die ganze Ausrichtung der Wirtschaftspolitik und speziell die Prioritäten der Investitionen nicht grundlegend und radikal ändern. Deswegen habe ich, als ich die Anfänge Ihrer Organisation erwähnte, unterstrichen, daß alle Kräfte mobilisiert werden müssen, die der geistigen Dimension der menschlichen Existenz die Richtung weisen und den Vorrang des Geistes im Menschen  die Würde seiner Vernunft, seines Willens und seines Herzens  bezeugen, damit wir nicht noch einmal der ungeheuerlichen Entfremdung durch das kollektiv Böse unterliegen, das stets darauf lauert, die materiellen Kräfte im Ausrottungskampf des Menschen gegen den Menschen und der Völker gegen die Völker für sich auszunutzen.

5. Am Ursprung der UNESCO wie auch an der Basis der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte stehen also diese ersten, edlen Impulse des menschlichen Gewissens, der Vernunft und des Willens. Ich appelliere an diesen Ursprung, diesen Beginn, diese Voraussetzungen und diese ersten Prinzipien. In ihrem Namen komme ich heute nach Paris an den Sitz Ihrer Organisation mit einer Bitte: daß Sie sich nach über 30jähriger Arbeit noch enger auf diese Ideale und Prinzipien des Anfangs einigen möchten. Auch in ihrem Namen möchte ich mir jetzt erlauben, Ihnen einige wirklich fundamentale Erwägungen vorzulegen, denn nur in ihrem Licht erscheint die volle Bedeutung dieser Institution, deren Name UNESCO ist  Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur.

6. Genus humanum arte et ratione vivit  das Menschengeschlecht lebt durch seiner Hände Kunst und seine Vernunft (vgl. Thomas v. Aquin zu Aristoteles, Post analyt., Nr. 1). Diese Worte eines der größten Genies des Christentums, gleichzeitig ein fruchtbarer Portsetzer des antiken Denkens, weisen über den Bereich der abendländischen Kultur  der mediterranen wie der atlantischen hinaus. Ihre Bedeutung trifft auf die gesamte Menschheit zu, in der sich verschiedene Traditionen als geistiges Erbe und verschiedene Kulturstufen begegnen. Die wesentliche Bedeutung der Kultur nach diesen Worten des hl. Thomas von Aquin besteht in der Tatsache, daß sie ein Wesensmerkmal des menschlichen Lebens an sich ist. Der Mensch lebt nur dank der Kultur ein wahrhaft menschliches Leben. Das menschliche Leben ist auch in dem Sinne Kultur, daß sich der Mensch durch sie von allem unterscheidet, was in der übrigen sichtbaren Welt existiert: Der Mensch kann auf Kultur nicht verzichten.

Die Kultur ist eine besondere Form des „Daseins“ und des „Seins“ des Menschen. Der Mensch lebt immer in den Formen einer Kultur, die zu ihm gehört und die ihrerseits ein Band unter den Menschen schafft, das ebenfalls zu ihnen gehört, weil es den zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Charakter der menschlichen Existenz prägt. In der Einheit der Kultur als der eigentümlich menschlichen Daseinsweise hat auch der Pluralismus der Kulturen ihre Wurzel, in denen der Mensch lebt. In dieser Vielfalt entfaltet sich der Mensch, ohne deswegen die wesentliche Verbindung mit der Einheit der Kultur als der fundamentalen und wesentlichen Dimension seiner Existenz und seines Seins zu verlieren.

7. Der Mensch, der in der sichtbaren Welt der einzige Wesensträger der Kultur ist, ist auch ihr einziges Objekt und Ziel. Kultur ist das, wodurch der Mensch als solcher mehr Mensch wird, mehr Mensch „ist“, besser zum „Sein“ gelangt. Das ist auch die Grundlage für die grundlegende Unterscheidung zwischen dem, was der Mensch „ist“, und dem, was er „hat“, zwischen Sein und Haben! Die Kultur steht immer in wesentlicher und notwendiger Beziehung zu dem, was der Mensch ist, während ihre Beziehung zu dem, was er hat, zu seinem „Haben“, nicht nur zweitrangig, sondern völlig relativ ist. Das ganze „Haben“ des Menschen ist nur so weit bedeutsam für die Kultur, ist nur in dem Maß ein Kultur schaffender Faktor, wie es dem Menschen als Hilfsmittel zu einem volleren „Sein“ als Mensch dient, wie es ihm verhilft, in vollerem Sinne Mensch in allen Dimensionen seines Daseins und in allem, was seine Menschlichkeit auszeichnet, zu sein. Die Erfahrung der verschiedenen Epochen  einschließlich unserer gegenwärtigen  zeigt, daß man über die Kultur in erster Linie in ihrer Beziehung zur Natur des Menschen denkt und spricht und erst danach in zweitrangiger und indirekter Form in ihrer Beziehung zur Gesamtheit seiner Werke. Dies beeinträchtigt nicht die Tatsache, daß wir das Phänomen Kultur nach dem beurteilen, was der Mensch hervorbringt, oder daß wir daraus gleichzeitig Rückschlüsse über den Menschen ziehen. Ein solcher Zugang  typisch für den Erkenntnisprozeß „a posteriori“  enthält in sich die Möglichkeit, im umgekehrten Sinne zu den Seins-kausalen Zusammenhängen vorzudringen. Der Mensch, und er allein, ist „Täter“ oder „Baumeister“ der Kultur; der Mensch, und er allein, drückt sich in ihr aus und findet in ihr sein Gleichgewicht.

8. Wir alle, die wir hier anwesend sind, begegnen einander auf dem Boden der Kultur als einer grundlegenden Realität, die uns eint und die Grundlage für die Errichtung und die Zielsetzungen der UNESCO darstellt. Wir begegnen einander in der Sorge um den Menschen, ja in gewissem Sinne in ihm, im Menschen selbst. Dieser Mensch, der sich in der Kultur und durch die Kultur ausdrückt und objektiviert, ist ein einzigartiges, vollständiges und unteilbares Ganzes. Er ist Subjekt und Baumeister der Kultur in einem. Man kann ihn schon von da her nicht allein als das Produkt all seiner konkreten Daseinsbedingungen betrachten, beispielsweise  um nur eines zu nennen  als das Resultat der Produktionsverhältnisse, die in einer bestimmten Epoche vorherrschend waren. Stellt dieses Kriterium der Produktionsverhältnisse deswegen in keinem Fall einen Schlüssel zum Verständnis der Geschichtlichkeit des Menschen, zum Verständnis seiner Kultur und der vielfältigen Formen seiner Entwicklung dar? Nein, dieses Kriterium ist sehr wohl ein Schlüssel, sogar ein sehr wertvoller, aber es ist nicht der wesentliche Schlüssel. Ohne Zweifel spiegeln die menschlichen Kulturen die verschiedenen Systeme der Produktionsverhältnisse wider; dennoch hat nicht dieses oder jenes System die Kultur hervorgebracht, sondern der Mensch  der Mensch, der in diesem System lebt, der es bejaht oder zu verändern sucht. Man kann sich keine Kultur ohne den Menschen als Subjekt und ohne den Menschen als Ursache vorstellen. Im Bereich der Kultur ist der Mensch immer die Hauptfigur: Der Mensch ist das wesentliche und fundamentale Faktum der Kultur.

Und der Mensch ist dies immer in seiner Totalität: in der integralen Ganzheit seiner geistigen  und materiellen Subjektivität. Wenn auch die Unterscheidung zwischen geistiger und materieller Kultur im Hinblick auf den Charakter und den Gehalt der Werke, in denen sich die Kultur manifestiert, richtig ist, so müssen doch gleichzeitig zwei Feststellungen getroffen werden: Auf der einen Seite lassen die Werke der materiellen Kultur immer eine „Vergeistigung“ der Materie, eine Unterwerfung des materiellen Elements unter die geistigen Kräfte des Menschen  seine Vernunft und seinen Willen  erkennen; anderseits stellen die Werke der geistigen Kultur auf eine ihnen eigene Weise eine „Materialisation“ des Geistes, eine Inkarnation des Geistigen dar. Im ganzen Kulturschaffen scheint dieses doppelte Wesensmerkmal ebenso ursprünglich wie dauerhaft zu sein.

Hier haben wir anstelle einer theoretischen Schlußfolgerung eine hinreichende Basis, um die Kultur auf dem Weg über den Menschen in seiner Ganzheit, auf dem Weg über die Realität sein Subjektivität zu verstehen. Wir haben hier auch  im Bereich des Handelns  eine hinreichende Basis, um in der Kultur immer den ganzen Menschen, den Menschen in der ganzen Wirklichkeit seiner geistigen und körperlichen Subjektivität zu suchen; die Basis, die ausreicht, um der Kultur  diesem echt menschlichen System, dieser glänzenden Synthese von Geist und Körper  nicht länger die vorgefaßten Spaltungen und Gegensätze überzuordnen. In der Tat bringt weder die Verabsolutierung der Materie in den Strukturen des Subjekts Mensch noch ihre Umkehrung, nämlich die Verabsolutierung des Geistes, die Wahrheit über den Menschen zum Ausdruck, und weder das eine noch das andere dient seiner Kultur.

9. Ich möchte an dieser Stelle bei einer anderen, wesentlichen Überlegung, einer Realität von ganz anderer Art verweilen. Wir können uns ihr nähern, wenn wir von der Tatsache ausgehen, daß der Hl. Stuhl bei der UNESCO durch einen Ständigen Beobachter vertreten ist. Seine Anwesenheit erklärt sich aus dem Wesen des Apostolischen Stuhls und seiner Zielsetzung. Sie ist letztlich ein Ausdruck der Natur und des Auftrags der katholischen Kirche, ja indirekt des gesamten Christentums. Ich ergreife die mir heute gebotene Gelegenheit, um eine tiefe  persönliche Überzeugung auszudrücken: Die Präsenz des Apostolischen Stuhls bei Ihrer Organisation, die allein schon durch die besondere Souveränität des Heiligen Stuhls begründet ist, findet darüber hinaus ihre Berechtigung in der organischen Seinsverbindung von Religion im allgemeinen, Christentum im besonderen und Kultur. Diese Beziehung hat sich auf die vielfältigen Realitäten ausgewirkt, die in den verschiedensten Geschichtsepochen und an verschiedensten Punkten des Erdballs Ausdruck der Kultur wurden. Es dürfte gewiß nicht übertrieben sein, zu behaupten, daß insbesondere Europa als ganzes  vom Atlantik bis zum Ural  durch eine Vielfalt von Fakten in der Geschichte jeder einzelnen Nation wie in der Geschichte der Gesamtheit der Nationen die Bindung zwischen Kultur und Christentum bezeugt.

Wenn ich daran erinnere, möchte ich damit in keiner Weise das Erbe anderer Kontinente oder die Besonderheit und den Wert des Erbes, das aus anderen Quellen religiöser, humanistischer und ethischer Inspiration stammt, schmälern. Vielmehr möchte ich allen Kulturen der Menschheitsfamilie  von den ältesten bis zu denen unserer Tage  tiefste und aufrichtigste Ehrerbietung erweisen. Im Gedanken an alle Kulturen möchte ich heute hier, in Paris, am Sitz der UNESCO, mit lauter Stimme ausrufen: „Seht da: der Mensch!“ Ich möchte meine Bewunderung für den schöpferischen Reichtum des menschlichen Geistes und für seine unermüdlichen Bemühungen um eine immer bessere Erkenntnis und Bestätigung der Identität des Menschen verkünden: dieses Menschen, der immer und in allen Sonderformen der Kultur präsent ist.

10. Wenn ich umgekehrt über den Platz der Kirche und des Apostolischen Stuhles bei Ihrer Organisation spreche, denke ich nicht nur an all jene kulturellen Werke, in denen sich im Verlauf der letzten zwei Jahrtausende der Mensch ausdrückt, der Christus und das Evangelium angenommen hat. Ich denke auch nicht nur an die verschiedenen Institutionen, die aus gleicher Inspiration heraus in den Bereichen der Erziehung, des Unterrichts, der Wohlfahrt, der Caritas und in so vielen anderen entstanden sind. Ich denke vor allem, meine Damen und Herren, an die fundamentale Verbindung des Evangeliums, das heißt der Botschaft Christi und der Kirche mit dem Menschen und seiner Menschlichkeit selbst. Diese Verbindung ist in der Tat in ihrem Fundament selbst kulturschaffend. Um Kultur zu schaffen, muß man den Menschen bis in seine letzten Konsequenzen und ganzheitlich als einen besonderen und autonomen Wert betrachten, als das Subjekt, das Träger der Transzendenz der Person ist. Man muß den Menschen seinetwegen und nicht aus irgendeinem anderen Motiv oder Grund bejahen, einzig und allein seinetwegen. Mehr noch: Man muß den Menschen lieben, weil er Mensch ist. Man muß Liebe zum Menschen fordern wegen der besonderen Würde, die er besitzt. Die volle Bejahung des Menschen gehört zum Wesen der christlichen Botschaft und der Sendung der Kirche selbst ‒ trotz allem, was kritische Geister in dieser Sache erklärt haben, und allem, was die verschiedenen, der Religion im allgemeinen und dem Christentum im besonderen feindlichen Strömungen unternehmen konnten.

Im Lauf der Geschichte waren wir mehr als einmal und sind immer noch Zeugen eines sehr bezeichnenden Phänomens. Da, wo die religiösen Institutionen unterdrückt wurden, da, wo die Ideen und Werke religiöser Inspiration, insbesondere christlicher Inspiration, ihrer Rechte im Staat beraubt wurden, finden die Menschen wieder die gleichen Gegebenheiten außerhalb der institutionellen Wege. Dies geschieht durch eine Konfrontation, die sich in der Wahrheit und der inneren Bemühung innerhalb dessen vollzieht, was zu ihrer Menschennatur gehört und den Inhalt der christlichen Botschaft bildet.

Meine Damen und Herren! Sie werden mir diese Behauptung verzeihen. Wenn ich sie vortrage, will ich niemandem zu nahetreten. Ich bitte Sie, zu verstehen, daß ich im Namen dessen, was ich bin, nicht darauf verzichten kann, dieses Zeugnis zu geben. Es enthält in sich auch die Wahrheit ‒ ich kann dies nicht verschweigen ‒ über die Kultur, wenn man in ihr das Menschliche sucht, das, worin der Mensch sich ausdrückt oder wodurch der Mensch Träger seines Daseins sein will. Wenn ich das sage, möchte ich gleichzeitig meinen Dank äußern für die Bande, die die UNESCO mit dem Apostolischen Stuhl verbindet. Eine Verbindung, für die meine heutige Präsenz ein besonderer Ausdruck sein will.

11. Aus all dem ergeben sich einige wesentliche Schlußfolgerungen. In der Tat beweisen die von mir vorgebrachten Überlegungen bis zur Evidenz, daß die erste und wesentlichste Aufgabe der Kultur im allgemeinen und jeder Kultur die Erziehung ist. Die Erziehung besteht doch darin, daß der Mensch immer mehr Mensch wird; daß er mehr „sein“ kann und nicht nur mehr „haben“ kann; daß er versteht, mehr und mehr voll Mensch „zu sein“. Deshalb ist es notwendig, daß der Mensch versteht, „mehr zu sein“, nicht nur „mit“ den anderen, sondern auch „für“ die anderen. Die Erziehung ist von fundamentaler Bedeutung für die Bildung der zwischenmenschlichen und sozialen Beziehungen. Auch hier befinde ich mich auf dem Boden einer Fülle von Axiomen, auf dem die aus dem Evangelium hergeleiteten Traditionen des Christentums sich mit der erzieherischen Erfahrung so vieler recht geleiteter und sehr kluger Menschen treffen, die in allen Jahrhunderten der Geschichte so zahlreich waren. Sie fehlen auch in unserer Zeit nicht: Menschen, die einfach groß sind durch ihre Menschlichkeit, mit der sie an anderen, vor allem an der Jugend Anteil zu nehmen verstehen. Gleichzeitig beweisen Krisensymptome aller Art, denen das Milieu und die Gesellschaft, vor allem die bessergestellten Gesellschaften, unterliegen ‒ Krisen, die besonders die jüngere Generation betreffen ‒ zur Genüge, daß sich die Erziehung des Menschen nicht nur mit Hilfe von Institutionen, organisierten und materiellen Mitteln vollzieht, mögen diese auch ausgezeichnet sein. Sie beweisen auch, daß das Wichtigste immer der Mensch ist, der Mensch und seine moralische Autorität, die sich aus der Wahrheit seiner Prinzipien und der Übereinstimmung seiner Handlungen mit diesen Prinzipien ergibt.

12. Insofern die Weltorganisation die größte Kompetenz in allen Fragen der Kultur hat, kann die UNESCO die andere wichtige Frage nicht vernachlässigen: Was läßt sich für die Erziehung des Menschen vor allem in der Familie tun? Welcher Status der öffentlichen Moral sichert der Familie und vor allem  den Eltern die nötige moralische Autorität in dieser Zielsetzung? Welche Form der Bildung, welche Formen der Gesetzgebung unterstützen diese Autorität, bzw. schwächen oder zerstören sie? Die Ursachen des Erfolgs und Mißerfolgs bei der Erziehung des Menschen durch seine Familie liegen immer gleichzeitig im fundamental-schöpferischen Milieu der Kultur, das die Familie ist, und auch auf höherer Ebene, nämlich der Zuständigkeit des Staates und seiner Organe, von denen die Familie abhängig ist. Diese Probleme müssen in einem Forum, in dem sich qualifizierte Vertreter der Staaten begegnen, zum Nachdenken und zur Besorgnis führen. Es besteht kein Zweifel, daß das erste und grundlegende kulturelle Faktum der geistig reife Mensch ist, d.h. der vollerzogene Mensch, der Mensch, der fähig ist, sich selbst und andere zu erziehen. Es besteht kein Zweifel, daß die erste und grundlegende Dimension der Kultur ihre gesunde Moral ist: also die moralische Kultur.

13. Gewiß, man findet in diesem Bereich zahlreiche Sonderprobleme, aber die Erfahrung zeigt, daß alles darauf hinausläuft und daß diese Fragen sich in einem klaren System wechselseitiger Abhängigkeit stellen. Ist z.B. in dem Gesamtzusammenhang des Erziehungsprozesses, der Schulerziehung im besonderen, nicht eine einseitige Abwertung der Erziehung im strengen Sinn des Wortes geschehen? Wenn man die Stellungnahmen zu diesem Phänomen wie auch das systematische Anwachsen der Erziehung betrachtet, die sich einseitig auf das bezieht, was der Mensch „hat“, ist es dann nicht so, daß der Mensch selbst sich mehr und mehr verloren geht? Dieser Trend ist eine wirkliche Selbstentfremdung der Erziehung: Statt für das zu arbeiten, was der Mensch „sein“ muß, arbeitet die Erziehung einseitig für das, was der Mensch sich im Bereich des „Habens“, des „Besitzes“ zunutze machen kann. Die nächste Stufe dieser Selbstentfremdung ist es, den Menschen, indem man ihn seiner eigenen Subjektivität beraubt, daran zu gewöhnen, Objekt vielfältiger Manipulationen zu sein ‒ ideologischer oder politischer Manipulationen, die durch die öffentliche Meinung gemacht werden; Manipulationen, die sich in Monopol oder Kontrolle, in wirtschaftlichen oder politischen Mächten und in Medien auswirken; Manipulationen schließlich, deren Lehre zufolge das Leben nichts anderes ist als typische Selbstmanipulation.

Es scheint, daß solche Gefahren in Sachen Erziehung vor allem die technisch hochentwickelten Gesellschaften bedrohen. Diese Gesellschaften stehen vor einer spezifischen Krise des Menschen. Sie besteht in einem mangelnden Vertrauen in seine eigene Humanität, in die Bedeutung des Menschseins und die Bejahung und Freude, die sich daraus ergeben und Quelle der Kreativität sind. Die zeitgenössische Zivilisation versucht, dem Menschen eine Reihe scheinbarer Imperative aufzulegen, die ihre Befürworter durch den Rückgriff auf das Prinzip der Entwicklung und des Fortschritts rechtfertigen. So z.B. wird anstelle der Achtung vor dem Leben der Imperativ gesetzt, sich das Leben vom Hals zu schaffen und es zu zerstören; an die Stelle der Liebe, die verantwortliche Gemeinschaft von Personen ist, wird der Imperativ größtmöglichen sexuellen Vergnügens außerhalb jeden Sinnes für Verantwortung gesetzt; anstelle des Primats der Wahrheit in den Handlungen wird der Primat des modischen, des subjektiven und des unmittelbaren Erfolgs gesetzt.

In alledem drückt sich indirekt ein großer systematischer Verzicht auf einen gesunden Ehrgeiz aus: den Ehrgeiz, Mensch zu sein. Machen wir uns keine Illusionen: ein auf der Grundlage dieser falschen Imperative, dieser fundamentalen Verzichte gebildetes System kann die Zukunft des Menschen und die Zukunft der Kultur entscheiden.

14. Ja, man muß im Namen der künftigen Kultur verkünden, daß der Mensch das Recht hat, mehr zu „sein“. Aus dem gleichen Grund muß man einen gesunden Primat der Familie in der gesamten Erziehungsarbeit des Menschen zu einer wirklichen Humanität fordern. Man muß das Recht der Nation in die gleiche Linie stellen; man muß den Menschen auch zur Grundlage der Kultur und Erziehung machen.

Die Nation ist in der Tat die große Gemeinschaft der Menschen, die geeint sind durch verschiedene Bande, aber vor allem gerade durch die Kultur. Die Nation besteht „durch“ die Kultur und „für“ die Kultur. Sie ist deshalb die große Erzieherin der Menschen zu dem, was sie „mehr sein“ könnten in der Gemeinschaft. Sie ist die Gemeinschaft, die eine Geschichte besitzt und gleichzeitig über die Geschichte des Individuums und der Familie hinausgeht. Es ist jene Gemeinschaft, die die Familie ihr Erziehungswerk beginnen läßt, und zwar angefangen beim einfachsten, nämlich der Sprache. Die Sprache gibt dem Menschen, sobald er sprechen kann, die Möglichkeit, Mitglied der Gemeinschaft der Familie und der Nation zu werden. Bei allem, was ich jetzt sage und was ich noch weiterentwickeln werde, übersetzen meine Worte eine eigene Erfahrung und geben ein besonderes Zeugnis wieder: Ich bin Sohn einer Nation, die im Lauf ihrer Geschichte die meisten Erfahrungen damit machte, daß ihre Nachbarn sie zum Tod verurteilt haben, zu wiederholten Malen, die aber überlebt hat, sie selbst geblieben ist. Sie hat ihre Identität bewahrt und sie hat trotz der Teilungen und fremden Besatzungen nationale Souveränität bewahrt, indem sie sich nicht auf die Mittel physischer Gewalt gestützt hat, sondern einzig und allein auf ihre Kultur. Diese Kultur hat sich als eine Macht herausgestellt, die größer ist als alle anderen Mächte. Das, was ich hier sage, das Recht der Nation auf die Grundlage ihrer Kultur und ihre Zukunft betreffend, ist nicht das Echo irgendeines Nationalismus, sondern es geht hier um ein festes Element menschlicher Erfahrung und menschlicher Vorstellung von der Entwicklung des Menschen. Es gibt eine fundamentale Souveränität der Gesellschaft, die sich in der Kultur der Nation manifestiert. Es geht um die Souveränität, durch die gleichzeitig der Mensch höchster Souverän ist. Wenn ich mich so ausdrücke, denke ich in gleicher Weise mit tiefer innerer Bewegung an die Kulturen so vieler alter Völker. Diese ließen sich nicht verdrängen, als sie sich mit den Zivilisationen der Eindringlinge konfrontiert sahen. Sie blieben weiter für den Menschen die Quelle seines Mensch-„Seins“ in der inneren Wahrheit seiner Menschlichkeit. Ich denke auch voll Bewunderung an die Kulturen neuer Gesellschaften, die zum Leben der Gemeinschaft der eigenen Nation erwacht sind ‒ ganz wie meine Nation zu dem Leben erwacht ist, das sie seit tausend Jahren hat ‒ und die kämpfen, um ihre eigene Identität und ihre eigenen Werte zu behalten, gegen die Einflüsse und den Druck der ihnen von außen vorgeschlagenen Modelle.

15. Wenn ich mich an Sie wende, meine Damen und Herren, die Sie hierhergekommen sind, an diesen Ort, der seit 30 Jahren im Namen des Primats der kulturellen Wirklichkeit des Menschen, der menschlichen Gemeinschaft, der Völker und Nationen besteht, sage ich: Wachen Sie mit allen Mitteln, die zu Ihrer Verfügung stehen, über die grundlegende Souveränität, die jede Nation kraft ihrer eigenen Kultur besitzt. Schützen Sie sie wie Ihren Augapfel für die Menschheitsfamilie. Schützen Sie sie! Lassen Sie nicht zu, daß diese grundlegende Souveränität die Beute politischer oder wirtschaftlicher Interessen wird. Erlauben Sie nicht, daß sie Opfer von Totalitarismen, Imperialismen oder Hegemonien wird, für die der Mensch nichts mehr ist als Gegenstand der Beherrschung und nicht Träger seiner menschlichen Existenz. Für alle diese zählt die Nation ‒ die eigene und die anderen ‒ nur noch als Objekt der Beherrschung und als Köder verschiedener Interessen und nicht als Subjekt: nämlich Subjekt der Souveränität, die sich aus der Kultur ergibt und ihr zu eigen ist. Gibt es nicht auf der Karte von Europa und der Welt Nationen, die eine großartige historische Souveränität besitzen, die sich aus ihrer Kultur ergibt, und die gleichzeitig ihrer vollen Souveränität beraubt sind? Ist sie nicht ein wichtiger Punkt für die Zukunft der menschlichen Kultur ‒ wichtig vor allem für unsere Epoche, in der die Beseitigung der Reste des Kolonialismus dringend erforderlich ist.

16. Diese Souveränität, die ihren Ursprung in der eigenen Kultur der Nation und der Gesellschaft, dem Primat der Familie bei der Erziehung und schließlich der persönlichen Würde jedes Menschen hat, muß das grundlegende Kriterium für die Behandlung des für die heutige Menschheit wichtigen Problems der Mittel der sozialen Kommunikation bleiben. (Der Information, die mit ihnen verbunden ist, und auch dessen, was man Massenkultur nennt.)

Angesichts der Tatsache, daß diese Medien „gesellschaftliche“ Kommunikationsmittel sind, dürfen sie nicht Mittel zur Herrschaft der anderen sein seitens der Beauftragten der politischen Macht oder seitens der finanziellen Mächte, die ihr Programm und Modell bestimmen. Sie müssen Mittel ‒ und was für ein mächtiges Mittel ‒ des Ausdrucks der Gesellschaft sein, die sich ihrer bedient und die ihre Existenz sichert. Sie müssen den wahren Bedürfnissen der Gesellschaft Rechnung tragen. Sie müssen der Kultur der Nation und ihrer Geschichte Rechnung tragen. Sie müssen die Verantwortung der Familie im Bereich der Erziehung achten. Sie müssen das Gemeinwohl des Menschen, seine Würde berücksichtigen. Sie dürfen nicht dem Interesse, der Sensation und dem unmittelbaren Erfolg unterworfen sein, sondern wenn sie die Forderung der Ethik berücksichtigen, müssen sie dem Bau eines „menschlicheren“ Weges dienen.

17. Genus humanum arte et ratione vivit ‒ das Menschengeschlecht lebt durch seiner Hände Kunst und seine Vernunft. Es wird allgemein bejaht, daß der Mensch durch die Wahrheit er selbst ist und er durch die immer vollkommenere Kenntnis der Wahrheit noch mehr er selbst wird. Ich möchte hier, meine Damen und Herren, alle Verdienste Ihrer Organisation anerkennen und gleichzeitig für das Engagement und alle Bemühungen der Staaten und den durch sie repräsentierten Nationen meine Anerkennung aussprechen für die Bemühungen um die Verbreitung der Bildung auf allen Stufen und Ebenen, um die Beseitigung des Analphabetismus, der den Mangel an jeder, auch der elementarsten Bildung bedeutet und der nicht nur vom Gesichtspunkt der elementaren Kultur, der Individuen und ihrer Umwelt bedauerlich ist, sondern auch vom Gesichtspunkt des sozial-wirtschaftlichen Fortschritts. Es gibt beunruhigende Anzeichen der Verzögerung in diesem Bereich. Sie hängen zusammen mit der häufig von Grund auf ungleichen und ungerechten Verteilung der Güter. Denken wir auch an jene Situationen, in denen es neben einer Oligarchie von wenigen Superreichen eine Menge Bürger gibt, die im Elend hungern. Diese Verzögerung kann nicht auf dem Weg des blutigen Kampfes um die Macht beseitigt werden, sondern vor allem auf dem Weg der systematischen Alphabetisierung durch die Verbreitung der Bildung im ganzen Volk. Eine so orientierte Bemühung ist notwendig, wenn man jene Veränderungen bewirken will, die im sozialwirtschaftlichen Bereich notwendig sind. Der Mensch, der mehr „ist“, weil er mehr „hat“ und deshalb mehr „besitzt“, muß verstehen zu besitzen, d.h. lernen, die Mittel, die er besitzt, zu verteilen und zu verwalten für sein eigenes Wohl wie für das Gemeinwohl. Zu diesem Ziel ist die Bildung unerläßlich.

18. Das Bildungsproblem war immer eng mit der Sendung der Kirche verknüpft. Im Verlauf der Jahrhunderte hat sie Schulen aller Art gegründet; sie hat die Universitäten des Mittelalters entstehen lassen, in Europa die in Paris und in Bologna, in Salamanca und Heidelberg, in Krakau und Löwen. Auch in unserer Zeit leistet sie den gleichen Beitrag überall dort, wo ihr Eingreifen auf diesem Gebiet gewünscht und geachtet wird. Es sei mir gestattet, an dieser Stelle für die katholischen Familien das Recht zu beanspruchen, das allen Familien zusteht, nämlich ihre Kinder in Schulen erziehen zu lassen, die ihrer Weltanschauung entsprechen, und zumal das strenge Recht, als gläubige Eltern ihre Kinder nicht in den Schulen Lehrprogrammen ausgesetzt zu sehen, die vom Atheismus geprägt sind. Es handelt sich hier tatsächlich um eins der Grundrechte des Menschen und der Familie.

19. Das Erziehungssystem ist organisch verbunden mit dem System der unterschiedlichen Orientierung, die man der Praxis und Förderung der Verbreitung des Wissens gibt; dazu dienen die Höheren Lehranstalten, die Universitäten sowie auch angesichts des heutigen Entwicklungsstandes der Spezialisierung und der wissenschaftlichen Methoden die Fachinstitute. Es geht hier um Einrichtungen, von denen man kaum ohne tiefe Ergriffenheit sprechen kann. Sind sie doch jene Stätten, an denen die Berufung des Menschen zur Erkenntnis und das naturgegebene Band, das die Menschheit mit der Wahrheit als Ziel der Erkenntnis verbindet, tägliche Wirklichkeit werden und sozusagen das tägliche Brot so vieler Lehrer und verehrter Größen der Wissenschaft sind. An ihrer Seite finden sich junge Forscher, die sich der Wissenschaft und ihrer Anwendung verschrieben haben, ferner die große Schar der Studenten, die diese Zentren der Wissenschaft und Erkenntnis besuchen.

Wir stehen hier gleichsam auf den höchsten Stufen der Leiter, die der Mensch von Beginn an emporsteigt, um die Wirklichkeit der ihn umgebenden Welt zu erkennen und die Geheimnisse seines Menschseins zu ergründen. Dieser geschichtliche Vorgang hat in unserer Zeit bisher ungekannte Möglichkeiten erreicht. Er hat dem menschlichen Geist bis dahin ungeahnte Horizonte eröffnet. Nur schwer könnte man sich hier auf Einzelheiten einlassen, denn auf dem Weg der Erkenntnis sind die besonderen Aspekte der Spezialisten ebenso zahlreich wie die Entwicklung der Wissenschaft umfassend ist.

20. Ihre Organisation ist ein Ort der Begegnung, einer Begegnung, die im weitesten Sinn den gesamten so wesentlichen Bereich der menschlichen Kultur umfaßt. Dieses Gremium ist daher auch der angemessene Ort, um alle Wissenschaftler zu grüßen und zumal denen Ehre zu erweisen, die hier anwesend sind und die für ihre Arbeiten höchste Anerkennung und die größten Auszeichnungen auf Weltebene erlangt haben. Es sei mir aber gestattet, an dieser Stelle auch einige Wünsche vorzutragen, die zweifellos Geist und Herz der Mitglieder dieser hohen Versammlung beschäftigen.

Was immer uns bei der wissenschaftlichen Arbeit erbauen mag ‒ es erbaut uns wirklich und schenkt uns tiefe Freude: ich denke an den Weg der zweckfreien Erkenntnis der Wahrheit, der sich der Gelehrte mit größter Hingabe verschrieben hat, zuweilen trotz der Gefahr für seine Gesundheit und sogar für sein Leben , so muß uns doch anderseits all das beunruhigen, was dem Grundsatz der Zweckfreiheit und Objektivität widerspricht, all das, was aus der Wissenschaft ein Werkzeug zur Erreichung von Zielen macht, die nichts mit ihr zu tun haben. Gewiß müssen wir uns um alles Sorge machen, was nichtwissenschaftlichen Zielsetzungen dient oder solche voraussetzt, was von den Wissenschaftlern Dienstbarkeit verlangt, ohne ihnen über die Zielsetzungen ein Urteil oder eine Entscheidung in voller Unabhängigkeit des Geistes, in menschlicher und sittlicher Aufrichtigkeit zu gestatten, was sie bedroht, sie hätten im Fall einer Verweigerung der Mitarbeit mit Konsequenzen zu rechnen.

Muß man diese unwissenschaftlichen Zielsetzungen, von denen ich rede, und dieses Problem, auf das ich hier hinweise, noch beweisen oder näher erläutern? Sie wissen, worauf ich mich beziehe. Es mag genügen, die Tatsache zu erwähnen, daß unter denen, die nach dem Ende des letzten Weltkriegs vor internationale Gerichte gestellt wurden, auch Wissenschaftler waren. Meine Damen und Herren, ich bitte Sie, verzeihen Sie mir diese Worte, aber ich wäre den Verpflichtungen meines Amtes untreu, wenn ich sie nicht aussprechen würde. Es geht mir nicht um die Vergangenheit; es geht mir um die Verteidigung der Zukunft der Wissenschaft und der menschlichen Kultur, ja noch mehr: um die Verteidigung der Zukunft des Menschen und der Welt! Ich denke an Sokrates, der in seiner ungewöhnlichen Gradheit die Meinung vertreten konnte, die Wissenschaft sei auch eine sittliche Tugend. Wenn er sich die Erfahrungen unserer Zeit vor Augen führen könnte, so müßte er seine Gewißheit erneut bekräftigen.

21. Wir sind uns bewußt, meine Damen und Herren, daß die Zukunft des Menschen und der Welt bedroht, radikal bedroht ist, trotz der gewiß edlen Absichten der Menschen des Wissens und der Wissenschaft. Sie ist bedroht, weil die glänzenden Ergebnisse ihrer Forschungen und Entdeckungen, vor allem auf dem Gebiet der Naturwissenschaften, auf Kosten des ethischen Imperativs für Zielsetzungen ausgenutzt wurden und werden, die nichts zu tun haben mit den Erfordernissen der Wissenschaft selbst. Bis hin zu bewußter Zerstörung und Tötung, und das in einem bisher völlig ungeahnten Ausmaß mit wahrhaft unvorstellbaren Zerstörungen. Während die Wissenschaft aufgerufen ist, sich in den Dienst des menschlichen Lebens zu stellen, stellt man allzuoft fest, daß sie Zielsetzungen dienstbar gemacht wird, die die wahre Würde des Menschen, die das menschliche Leben zerstören. Das ist der Fall, wenn die wissenschaftliche Forschung selber sich solche Ziele setzt oder wenn ihre Ergebnisse in den Dienst von Zielen gestellt werden, die dem Wohl der Menschheit zuwiderlaufen. Das ist der Fall bei genetischen Manipulationen, bei biologischen Experimenten und beim Vervollkommnen chemischer, bakteriologischer und nuklearer Waffen.

Zwei Überlegungen veranlassen mich, Ihrem Nachdenken vor allem die nukleare Bedrohung zu empfehlen, die auf der Welt heute lastet und die, wenn nicht abgewendet, zur Zerstörung der Errungenschaften der Kultur, der Ergebnisse der Zivilisation, führen kann, die in Jahrhunderten von vielen Generationen aufgebaut wurden die an den Primat des Geistes geglaubt und weder Kraft noch Mühe gescheut haben. Die erste Überlegung ist folgende: geopolitische Gründe, wirtschaftliche Probleme von weltweitem Ausmaß, schreckliche Mißverständnisse, verletzter Nationalstolz, der Materialismus unserer Zeit und das Schwinden der moralischen Wertungen haben unsere Welt in eine Situation der Unbeständigkeit und in ein labiles Gleichgewicht gebracht, das jeden Augenblick infolge von Fehlurteilen, Fehlinformationen oder Fehldeutungen auseinanderbrechen kann.

Zu dieser beunruhigenden Aussicht kommt noch ein anderer Gedanke. Kann man in unseren Tagen noch sicher sein, daß die Zerstörung des Gleichgewichts nicht zum Kriege führt, und zwar zu einem Krieg, bei dem der Rückgriff auf nukleare Waffen nicht ausgeschlossen ist? Bis vor kurzem hat man noch behauptet, die Nuklearwaffen seien ein Mittel der Abschreckung, das den Ausbruch eines größeren Krieges verhindert, und das stimmt vermutlich. Man kann sich aber fragen, ob das immer so bleiben wird. Die Nuklearwaffen, welcher Art und Größe sie auch sein mögen, werden Jahr für Jahr vollkommener; sie werden auch in immer mehr Ländern ein Bestandteil der Rüstung. Wie darf man dann noch sicher sein, daß der Einsatz von Nuklearwaffen, auch als Mittel nationaler Verteidigung öder bei begrenzten Konflikten, nicht zu einer unvermeidlichen Eskalation führt und damit zu einem Ausmaß an Zerstörung, das die Menschheit sich nicht vorstellen! aber auch nicht bejahen kann? Muß ich nicht gerade Ihnen als Wissenschaftlern und Kulturschaffenden nahelegen, Ihre Augen nicht vor dem zu verschließen, was ein Atomkrieg für die ganze Menschheit bedeuten kann? (vgl. Predigt am Weltfriedenstag, 1. Januar 1980).

22. Meine Damen und Herren, die Welt kann nicht mehr lange auf diesem Weg weitergehen. Jedem Menschen, der sich der wirklichen Lage und der Gefahr bewußt geworden ist, der  wenn auch nur elementar  die jedem obliegende Verantwortung kennt, drängt sich die Überzeugung auf, die zugleich ein moralischer Imperativ ist: Wir müssen das Gewissen wachrütteln! Wir müssen die Macht des Gewissens in dem Maß steigern, in dem die Spannung zwischen Gut und Böse gewachsen und dem Menschen gegen Ende des zweiten Jahrtausends als Aufgabe gestellt ist: Wir müssen überzeugt sein vom Vorrang der Ethik gegenüber der Technik, vom Primat der Person gegenüber den Sachen, von der Überlegenheit des Geistes gegenüber der Materie (vgl. Redemptor hominis,Nr. 16). Die Sache des Menschen kommt voran, wenn sich die Wissenschaft mit dem Gewissen zusammenschließt. Der Wissenschaftler wird der Menschheit einen echten Dienst leisten, wenn er „den Sinn für die Transzendenz des Menschen gegenüber der Welt und Gottes gegenüber dem Menschen“ bewahrt (Ansprache vor der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, 10: November 1979, Nr. 4)..

So wende ich mich heute, bei Gelegenheit meiner Anwesenheit am Sitz der UNESCO, als Sohn der Menschheit und Bischof von Rom direkt an Sie Wissenschaftler, an Sie hier Versammelte, an Sie höchste Autoritäten auf allen Gebieten des modernen Wissens. Ich wende mich durch Sie zugleich an Ihre Kollegen und Freunde in allen Ländern und Kontinenten.

Ich wende mich an Sie im Namen dieser schrecklichen Bedrohung, die auf der Menschheit lastet, und zugleich im Namen der Zukunft und des Wohls der Menschheit auf der ganzen Welt. Ich bitte Sie dringend: Vereinen wir unsere Kräfte, um auf allen Gebieten der Wissenschaft den Primat des Sittlichen wieder aufzurichten und zu achten, Vereinen wir vor allem unsere Kräfte, um die Menschheitsfamilie vor der fürchterlichen Aussicht auf einen Atomkrieg zu bewahren.

Ich bin auf dieses Thema vor der Vollversammlung der Organisation der Vereinten Nationen in New York am 2. Oktober letzten Jahres eingegangen. Ich lege es auch Ihnen heute vor. Ich appelliere an Ihre Vernunft und an Ihr Herz, jenseits aller Leidenschaften, Ideologien und Grenzen. Ich wende mich an all jene, die ob ihrer politischen oder wirtschaftlichen Macht in der Lage sein können und es oft sind, den Wissenschaftlern die Arbeitsbedingungen und Zielsetzungen vorzuschreiben. Ich wende mich vor allem an jeden einzelnen Wissenschaftler persönlich und an die gesamte Gemeinschaft der internationalen Wissenschaft. Sie alle zusammen sind eine gewaltige Macht: eine Macht der Vernunft und des Gewissens! Erweisen Sie sich mächtiger als die Mächtigsten unserer zeitgenössischen Welt! Entschließen Sie sich, den Beweis Ihrer edelsten Solidarität mit der Menschheit zu erbringen, einer Solidarität, die auf der Würde der menschlichen Person gründet. Erbauen Sie den Frieden auf seinen Fundamenten: auf der Achtung aller Rechte des Menschen, derer, die mit seiner materiellen und wirtschaftlichen Situation, aber auch derer, die mit der geistigen und inneren Dimension seines Daseins in dieser Welt verbunden sind. Möge die Weisheit Ihnen Leitstern sein! Möge die Liebe Sie führen, jene Liebe, die die wachsende Drohung des Hasses und der Zerstörung besiegt! Männer und Frauen der Wissenschaft, bieten Sie alle Ihre moralische Autorität auf, um die Menschheit vor der nuklearen Zerstörung zu retten!

23. Es war mir heute vergönnt, einen der lebhaftesten Wünsche meines Herzens zu verwirklichen. Es war mir vergönnt, hier ins Innere des Areopas zu gelangen, des Areopags der ganzen Welt. Es war mir vergönnt, Ihnen allen etwas zu sagen, Ihnen, den Mitgliedern der Organisation der vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur. Ihnen, die Sie arbeiten für das Wohl und für die Versöhnung der Menschen und Völker auf allen Gebieten der Kultur, Erziehung, Wissenschaft und Information. Ihnen zu sagen aus der Tiefe des Herzens zuzurufen: Ja, die Zukunft des Menschen hängt von der Kultur ab! Ja, der Friede der Welt hängt vom Primat des Geistes ab! Ja, die friedliche Zukunft der Menschheit hängt von der Liebe ab!

Ihr persönlicher Beitrag, meine Damen und Herren, ist wichtig, ja er ist lebenswichtig. Er besteht im richtigen Angehen der Probleme, deren Lösung Sie Ihren Dienst widmen.

So heißt mein letztes Wort: Lassen Sie nicht nach, machen Sie weiter, immer weiter!

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Papst Franziskus fordert Abschaffung der Nuklearwaffen

Demonstration, Fliegerhorst Büchel, 30. August 2008 / Wikimedia Commons – Buroll, Public Domain

Botschaft von Papst Franziskus an die Konferenz der UN
vom 27. bis 31. März 2017 New York

Eine Welt ohne Nuklearwaffen forderte Papst Franziskus in seiner Botschaft an die Konferenz der UN, die vom 27. bis 31. März 2017 in New York tagt. Die UN verhandelt in diesen Tagen über ein bindendes Rechtsmittel für ein Verbot von Nuklearwaffen. Die Botschaft des Papstes, in der er eindringlich zum Frieden mahnte, wurde vom Leiter der Delegation des Heiligen Stuhls, Msgr. Antoine Camilleri, Untersekretär für die Beziehungen mit den Staaten, verlesen.

Eine den Frieden und die ganze Menschheit zerstörende Haltung widerspreche dem Geist der UN, mahnte Papst Franziskus und zeigte die Gefahr humanitärer Katastrophen und von Umweltkatastrophen durch Nuklearwaffen auf.

Ressourcen würden für Nuklearwaffen verschwendet, die statt dessen für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, den Kampf gegen die Armut und die in der Agenda 2030 formulierten Ziele verwendet werden könnten.

Papst Franziskus warf die Frage auf, wie stabil ein auf Angst gebautes Gleichgewicht sein könne. Friede müsse auf Gerechtigkeit, der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen, dem Respekt vor den Menschenrechten, dem Schutz der Schöpfung, der Teilnahme aller am öffentlichen Leben, dem Vertrauen unter den Völkern, der Förderung friedlicher Institutionen, dem Zugang zu Bildung und Gesundheitswesen, auf dem Dialog und der Solidarität gegründet sein.

Die UN sei aufgerufen, friedensstiftende Strategien zu fördern. Die Abschaffung der Nuklearwaffen bezeichnete Papst Franziskus als moralischen und humanitären Imperativ.

Papst Franziskus legte dar, dass die Welt globalisiert sei, und daher Dialog und friedenstiftende Maßnahmen gemeinsam erfolgen müssten. Die Menschheit sei in der Lage, zusammen zu arbeiten und ein gemeinsames Haus zu errichten. Das Handeln müsse auf ein menschlicheres und sozialeres Leben zielen.

Papst Franziskus verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Konferenz einen entscheidenden Schritt zu einer Welt ohne Nuklearwaffen leiste und erteilte den apostolischen Segen.

Der Volltext der Botschaft ist hier abrufbar (auf Englisch)

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Hunger geht auch die Satten an: Eine Konferenz in Rom

Sorgte für Diskussionen: Schriftsteller Martìn Caparròs – RV

Wir müssen den Hunger „entbürokratisieren“, das Elend „entnaturalisieren“: Dazu forderte Papst Franziskus bei seinem Besuch beim Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) in Rom am 13. Juni letzten Jahres auf. Den Hungernden und Leidenden der Welt ein Gesicht zu geben, diese hehre Absicht treibt auch den Autor und Historiker Martín Caparrós um. Der Argentinier hat nach ausgiebigen Recherchereisen ein Buch vorgelegt, in dem er Einzelschicksale von Hungernden aus aller Welt erzählt und analytisch unterlegt. Das Buch heißt „Der Hunger“, ist mittlerweile in 16 Sprachen übersetzt und packt durch seine unmittelbare Schilderung der Einzelschicksale den Leser direkt ans Herz – und an den in der Regel gut gefüllten Bauch. Auf Deutsch hat es der Inselverlag herausgebracht, es kostet etwa 30 Euro.

Botschafter Hinrich Thölken vertritt Deutschland bei den in Rom ansässigen internationalen Organisationen, die sich dem Kampf gegen den Welthunger verschrieben haben; auch ihn hat das Buch keineswegs kalt gelassen. Es hat in ihm den Wunsch geweckt, es als Aufhänger für eine interdisziplinäre Podiumsdiskussion in den Räumen der Welternährungsorganisation in Rom zu nehmen. Mitveranstalterin der hochkarätig besetzten Konferenz „Agenda 2030 – Fighting Hunger, Overcoming Poverty, Protecting our Climate – open up on new prospects“ an diesem Mittwoch war die Deutsche Botschaft am Heiligen Stuhl, vertreten durch Botschafterin Annette Schavan.

„Wie zum Teufel können wir weiterleben, obwohl wir wissen, dass diese Dinge geschehen?“

„Da gab es immer eine Konstante im Hintergrund, die sich wie ein roter Faden durch ganz verschiedene Situationen durchgezogen hat. Migrationen, Konflikte, Kriege, was auch immer. Und diese Konstante war, dass die meisten Menschen, zu denen ich gesprochen habe, nicht genug gegessen haben. An einem gewissen Punkt habe ich dann gedacht, dass ich diesen Hintergrund gerne in den Vordergrund rücken würde, um dieses Problem anzusprechen, das als Hauptproblem immer ein wenig untergegangen ist.“So beschreibt der Autor des Buches, Martín Caparrós, bei der Konferenz die Erkenntnis, die jahrelange Recherchereisen in den Randgebieten der Welt, aber auch in Ländern wie den USA, in ihm haben reifen lassen. Doch diese Erkenntnis bedurfte noch eines Schlüsselerlebnisses, um sich dem Thema Hunger auch auf literarische Weise zuzuwenden.„In einem kleinen Dorf in Niger habe ich eine Frau, Aysha, gefragt, was sie sich wünschen würde, wenn ein Zauberer ihr diesen Wunsch erfüllen könnte. Sie überlegte kurz und meinte dann: Eine Kuh. Und sie erklärte mir: Mit einer Kuh kann ich meinen Kindern Milch geben und vielleicht bleibt auch noch etwas übrig, so dass ich etwas auf dem Markt verkaufen kann. Und ich sagte ihr: Aber das ist ein mächtiger Zauberer, er kann dir jeden Wunsch erfüllen! Sie meinte: Wirklich jeden? Dann hätte ich gerne zwei Kühe.“

Dies, so Caparròs, sei der zündende Moment gewesen, in dem ihm klar wurde, wie sehr das Fehlen von Nahrungssicherheit auch die ureigene menschliche Fähigkeit der Vorstellung, des Wünschens unterminiert. Letztlich geht es dem Hungernden nur darum, eine tägliche Ration an lebenserhaltender Nahrung zu erhalten – von der „Varietät“ und „Ausgewogenheit“ der Ernährung, wie sie für die propagiert wird, die sich eine solche leisten können, ganz zu schweigen. Doch halt: Überhaupt „Hunger“ zu sagen, ist eigentlich schon der falsche Ansatz, meint Caparrós.

„Es gibt keine Sache wie Hunger, sondern Menschen, die nicht genug essen. Nur über Hunger zu sprechen, macht es so abstrakt, dass es uns erlaubt, eine gewisse Distanz zu wahren. Aber wo Hunger herrscht, gibt es viele, viele Menschen, die nicht genug essen! Also, was ich wollte, war, deren Geschichten zu erzählen und ihnen ein Gesicht zu geben.“

Hunger personalisieren

Dies umso mehr, als die mittlerweile weltweit produzierte Nahrung für alle Menschen auf dem Erdball reichen würde: Das beweisen unter anderem Erhebungen der Welternährungsorganisation. Eines der Probleme dabei: Oftmals wird Nahrung aus Ländern, in denen Menschen an Hunger leiden, exportiert, um teurer als auf dem örtlichen Markt verkauft werden zu können. Ein Beispiel hierfür: Die Heimat des Autors, Argentinien. Doch auch das Phänomen des „Landgrabbing“, das Riesenflächen an fruchtbarer Erde dem lokalen Produktionszyklus entzieht und internationalen Konsortien zur Verfügung stellt, trägt zu einer Verschärfung des Problems bei. Immer im Hintergrund: Die Korruption lokaler Regierungen und Beamten, die das Wohl der Allgemeinheit dem eigenen Vorteil opfern.

Diese und andere systemischen Ursachen für Hunger beleuchtet der Autor in seinem Buch, das der persönlichen Ebene auch eine analytische Betrachtung entgegenstellt. Denn: „Die Gefahr besteht, dass man ein paar traurige Geschichten liest und sich danach besser fühlt, weil man noch in der Lage ist, ein wenig Mitleid zu empfinden. Um das zu vermeiden, habe ich mich dazu entschlossen, diese Geschichten mit Daten und Analysen zu unterlegen. Damit versuche ich, zu verstehen, warum diese Dinge geschehen. Außerdem will ich die Mechanismen dahinter aufzeigen und analysieren.“

„Keinen Atheisten unter den Hungernden gefunden“

Er sei überrascht und sogar schockiert gewesen, als er feststellte, dass Hungernde immer in irgendeiner Weise Gott ins Feld führten. Entweder sei es der strafende Gott, der ein Fehlverhalten in einem anderen Leben ahnde, oder der barmherzige Gott, der einem schon einen Weg aus der Hungerkrise weisen werde:

„Ich weiß nicht, ob ich an der richtigen Stelle bin, um das zu sagen, aber ich habe mit Hunderten und Tausenden von hungernden Menschen gesprochen, aber unter ihnen habe ich niemals einen Atheisten gefunden. In jeder Unterhaltung mit diesen Menschen taucht an irgendeiner Stelle Gott auf. Das muss sicherlich diskutiert werden, aber immer tauchte er als Erklärungsmodell auf. Manchmal sagen sie, ‚Wenn ich dieses schreckliche Leben lebe, dann deshalb, weil Gott mich dazu verdammt hat, auch wenn ich nicht weiß, warum‘. Oder wenn ich gefragt habe: ‚Wie willst du denn aus dieser Situation herauskommen?‘ Dann war die Antwort: ‚Ach ja, Gott wird mir irgendwie helfen…‘ Irgendwie war Gott immer präsent.”

Religion als Beruhigungsmittel für die Hungernden?

Religion verhindert also die Rebellion der Hungernden, treibt sie in die Resignation? Die Religion als Opium des Volkes, wie schon Karl Marx formulierte? Das will die Mitorganisatorin der Konferenz Annette Schavan nicht unwidersprochen lassen. Natürlich wisse man um die Versuchung der Vertröstung, die Menschen in ihrer Hoffnung auf Gott dazu bringe, nicht mehr selbst tätig zu werden: „Das ist eine alte Geschichte. Andererseits, wenn wir dann weiter diskutieren, dann ist auch klar, ohne den großen spirituellen Impuls der Religionen, vor allem des Christentums, und der damit verbundenen Organisationen wäre die Welt woanders, als sie heute ist. In viel größeren Nöten, und mit viel weniger Impulsen, gerade auch der Zivilgesellschaft, die die Staaten oft zum Handeln gebracht haben“, so bricht Schavan die Lanze für die Religion.

Gerade Papst Franziskus sei es gelungen, für die Problematik der Ausgrenzung weltweit zu sensibilisieren und durchaus nicht nur Katholiken darin zu bestärken, sich für das Gemeinwohl und den Kampf gegen Hunger auf der Welt einzusetzen.

„Dieser gleiche Papst scheut sich ja auch nicht, die Fehler der Kirche und der Christen, wozu eben auch die Vertröstung zählen kann, anzusprechen. Ich bin davon überzeugt, dass seine Beliebtheit und die Tatsache, dass er eine so hohe moralische Ausstrahlung weit über die katholische Welt hinaus hat, damit zu tun hat, dass die Menschen sagen, der sagt die Wahrheit, der redet nicht darum herum, er blendet unangenehme Themen nicht aus und idealisiert seine eigene Kirche nicht, sondern er nimmt sie in einer sehr konsequenten Weise in die Verantwortung.“

Kirche nur eine der Institutionen in der Pflicht

Doch die Kirche ist nur eine der Institutionen, die gegen den Hunger auf der Welt angehen können und müssen. Unerlässlich ist ein Zusammenwirken von staatlichen wie privaten Akteuren aus Wirtschaft und Gesellschaft, getragen von einer breiten Welle von Zustimmung und tätiger Mitwirkung durch den einzelnen Bürger und Konsumenten.  Immer wieder genannt, doch auch immer wieder wahr: Kleidungsdiscounter, die mit billig gefertigten Waren unseren Modegeschmack treffen und unseren Geldbeutel schonen. Kaum einer macht sich im Moment des Kaufs jedoch klar, dass der billige Preis auf dem Rücken der unterbezahlten Näherinnen in armen Ländern erzielt worden ist. Dies ist nur eine der zahlreichen systemischen Erkenntnisse, die der Autor Caparrós mit den Lesern teilt, ohne mit erhobenem Zeigefinger Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Diese, und das ist auch eine wichtige Erkenntnis des Symposiums von diesem Mittwoch, müssen gemeinsam von den verschiedenen Akteuren gefunden werden.

Es müssen gemeinsam Lösungsansätze gefunden werden

Es war ein interdisziplinäres Gremium, das in den Räumen der FAO zusammen gekommen war. Neben der Vatikanvertreterin Flaminia Giovanelli vom neuen Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen waren auch die Botschafterin Sudans bei den internationalen Programmen in Rom und Vorsitzende des weltweiten Komitees für Ernährungssicherheit, Amira Gornass, sowie Hartmut van Lengerich, Leiter der Bayer CropScience-Sparte Cereals and Fungicides, auf dem Podium. Man sei in den Diskussionen durchaus einen Schritt weiter gekommen, zeigt sich Botschafter Thölken im Anschluss an die Veranstaltung überzeugt. „Wir haben herausgearbeitet, dass es wichtig ist, sowohl neue Erkenntnisse als auch Forschung tatsächlich auszurollen und zum Kleinstfarmer in scheinbar entlegenen Regionen zu bringen, aber genauso auch Politikempfehlungen, die hier in Rom erarbeitet werden, weiter bekannt zu machen, sie den gleichen Leuten nahe zu bringen und sie auch umzusetzen. Das ist ein wichtiger Punkt.“

Ein weiterer Punkt: Es gab auch einen konkreten Vorschlag aus den Reihen der Industrie. Hartmut van Lengerich brachte die Idee ein, von dem Umsatz, der durch den Verkauf von gewinnträchtigen Saatgutarten erzielt werden könne, einen kleinen Teil in eine gemeinsame Stiftung von privaten Unternehmen und der internationalen Gemeinschaft einzubringen. Mit diesen Geldern könnte dann die Forschung an seltenen und profitärmeren Saatgutarten gefördert werden. Was besticht, ist die Konkretheit der Idee. Vielleicht nur ein kleiner Schritt, aber sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.

(rv 10.03.2017 cs)