521 Kilometer mit Jesus: Ein Bericht vom längsten Kreuzweg der Welt

Zum zwanzigsten Mal fand vom 5. bis 10. April der längste Kreuzweg der Welt statt, bei dem rund 200 Gläubige mit dem Fahrrad und dem Auto die Diözese Formosa im Norden Argentiniens durchquerten.

Der Kreuzweg dieser Diözese stand in diesem Jahr unter dem Motto „Durch den Weg des Kreuzes sollen wir Friedensstifter sein“. Er führte von Ost nach West auf einem 512 Kilometer langen Weg entlang der Bundesstraße 81, die an der Grenze zu Paraguay verläuft.

Dieser Kreuzweg wurde 1997 vom ersten Bischof Formosas, Monsignore Marcelo Scozzina, ins Leben gerufen und besteht darin, das Gebiet der Diözese zu durchqueren und dabei an vierzehn Stationen Halt zu machen, die mit einem Kreuz gekennzeichnet sind. Jede Station soll an die Geschichte Formosas erinnern, eine „Geschichte von Schmerz und Blut“, wie Pater Marcelo Arauja, der zum Organisationsteam gehört, CNA erklärte.

„Aber wir sehen diese Geschichte mit neuen Augen, wir bleiben nicht an der schmerzhaften Vergangenheit hängen, sondern ändern unsere Mentalität und wollen Konstrukteure einer neuen Gesellschaft sein. Daher ist das Motto, das Monsignore Scozzina vorgeschlagen hatte ´Durch das Kreuz zum Licht´ – dieses Motto wird dann jedes Jahr mit einem weiteren Satz ergänzt“.

Die Intentionen, die die Gemeinschaft der Gläubigen mitnimmt, reichen von den sozialen Konflikten in anderen Ländern bis hin zu den Problemen vor Ort, die sich aus den jüngsten Überschwemmungen in Argentinien ergeben und hin zur Bitte, dass „die Einheimischen aus der Spirale der Gewalt herauskommen, um Friedensstifter zu sein.“

Am 5. April versammelte sich eine Karawane aus 100 Pilgern mit dem Fahrrad auf der Plaza San Martín in Formosa, während es zwei Tage später mit 15 Autos weiterging.

Von Formosa führte der Weg entlang klangvoller Namen als Stationen des Kreuzwegs: Zuerst nach San Hilario, dann nach Gran Guardia, Pirané, Palo Santo, Bartolomé de las Casas, Ibarreta, Pozo del Tigre, Las Lomitas, Juan G. Bazán, Laguna Yema, Los Chiriguanos, Ingeniero Juárez y Línea Barilari.

Unterwegs wurde über die Worte Jesu auf dem Kreuzweg meditiert und für die Geschichte Formosas gebetet, die Schmerz und Opfer kennt. So wurde der Arbeiter gedacht, die das Volk groß gemacht hatten, der Eingeborenen, der Soldaten, Missionare, Ordensleute und all derer, die zum Aufbau der Region beigetragen hatten.

Auf dem Rückweg machten die Pilger in der Ortschaft Pozo del Tigre in der Gegend von Campo Alegre Halt, wo die sterblichen Überreste von Monsignore Scozzina, dem ersten Bischof Formosas und Initiator des Kreuzweges, beigesetzt sind.

Pater Araujo, Pfarrer der Pfarrei Unsere Liebe Frau der Barmherzigkeit in Lomitas, betonte, dass Monsignore Scozzina sich bemüht hatte, „im Volk das geistliche Leben zu säen.“

„Sein großes geistliches Erbe sind der Kreuzweg und die Verehrung Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel, der Patronin Formosas, deren Bild an jedem der Eingänge zur Stadt steht. Das Kreuz und die Gottesmutter begleiten und beschützen das Leben und den Glauben auf unserem Weg hin zum ewigen Osterfest, der Begegnung mit dem Herrn“, sagte er zum Abschluss.

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Quelle

Wie der argentinische Bischof nach Nütterden kam

Eine Kirche mit vielen Verbindungen: Gebet in Buenos Aires

Geschichten wie diese gibt es viele – aber darüber wird nur selten berichtet. Vielleicht, weil sie nicht spektakulär wirken. Jedenfalls, seit mehr als vierzig Jahren kümmern sich deutsche Katholiken aus dem Niederrheinischen um ein armes Bistum im Norden Argentiniens: Añatuya. Das Bistum ist 1961 gegründet worden, und sein erster Bischof Jorge Gottau reiste 1963 nach Rom zum Konzil. Werner Stalder, ein Katholik, der damals in Kleve-Kellen wohnte, erzählt, was dann passierte. „Und zwar waren dort die großen Volksmissionen der Redemptoristen, und dieser Gründerbischof war ein Wolga-Deutscher, er war Redemptorist. Und dann haben die Patres den Pfarrer gefragt: Wir haben einen ganz armen Bischof, darf der mal kommen zum Predigen und Geld-Sammeln? Seit dieser Zeit kam der Bischof nach Klewe-Kellen. Seinerzeit gab es noch fünf oder sechs Gottesdienste, und ich habe dann mit meinem kleinen VW-Käfer den Bischof von einer Kirche zur anderen gefahren, und dadurch ist der Kontakt entstanden.“

Mit dem VW-Käfer sammeln fahren

Etwa zehn Jahre später zog das Ehepaar Stalder um, wieder in ein Dorf: Kranenburg-Nütterden. „Dann hab ich unseren Pfarrer gefragt: Ich habe einen ganz armen Bischof, darf ich den wohl nach Kranenburg importieren? Und weil er den kannte über seinen Bruder, kam der Bischof dann regelmäßig zwischen Weihnachten und Neujahr in unsere Gemeinde und hat auch immer in meinem Haus gewohnt, und ich habe ihm dann diese Pfarreien am Niederrhein besorgt, in denen er predigen konnte.“

Das war der Beginn einer bis heute reichenden Partnerschaft zwischen dem Niederrhein und der Pampa. „Inzwischen ist es der vierte Bischof, und alle Bischöfe haben bisher unser kleines Dorf besucht… Wir arbeiten und helfen dort in Projekten, vornehmlich für den Häuserbau, im Kampf gegen die Chagas-Krankheit in Bezug auf Zisternen (denn das Grundwasser ist aus vulkanischen Einflüssen salpeterhaltig und arsenverseucht), und dann haben wir zwei kleine Landschulen, wo unsere Grundschule die Patenschaft übernommen hat. Dazu kommt das alljährliche Sternensingen mit dem Erlös für die Medikamente, für die ganze Diözese.“

Konkrete Hilfen, über Jahre

„Sehr schöne Kontakte“ seien da entstanden über die Jahrzehnte, erzählt Stalder. Die Grundschule in Kranenburg-Nütterden hat eine enge Partnerschaft mit den zwei Landschulen im Bistum Añatuya, auch die örtlichen Fussballvereine kooperierten. „Am Niederrhein, speziell in unserer Region, ist die Aktion Añatuya ein Begriff. Die Leute wissen genau, wie die Situation dort drüben ist, es wird sehr viel in der Presse berichtet, es ist also eine richtige Brücke der Nächstenliebe entstanden.“ Stalder selbst war fünfmal am anderen Ende der Welt. „Ich habe dort dankbare, freundliche, liebenswürdige Leute gefunden, die in der größten Armut waren und die uns so mit vollem Herzen aufgenommen haben und das war also eine Freude. Vor allen Dingen ist mir aufgefallen, dass sie das auch wirklich schätzen.“

Trinkwasser und Schulen

Ein Beispiel: Bisher hätten die Menschen oft zwanzig km laufen müssen, um an Trinkwasser zu kommen. „Und jetzt auf einmal bekommen die durch unsere Hilfe eine Zisterne, das heißt das Regenwasser wird auf den Elendshütten aufgefangen durch ein Wellblechdach und läuft dann durch eine Regenrinne in diese Zisterne, und das sind 10.000 l wunderbares Trinkwasser für eine kinderreiche Familie, und das ist für die unschätzbar!“

Ein zweites Beispiel: der schon erwähnte Kampf gegen die Chagas-Krankheit, die unter den Armen weit verbreitet ist. Da fielen nachts Wanzen von der Decke auf die Schlafenden, erzählt Werner Stalder, „und es geht ein Sekret durch die Blutbahn und frisst die inneren Organe auf, das heißt viele Menschen sterben. Jetzt geben wir denen einen tüchtigen Baumeister, 1.000 Hohlblocksteine, und die Familie muss vom kleinsten Jungen bis zum Großvater ihr Haus selber bauen mit einem festen Dach, wo jetzt diese Wanzen sich nicht mehr einnisten können. Wenn man dann dort hinkommt und erlebt so eine Familie – das ist unbeschreiblich, wunderschön, wenn man das dann sieht!“

Fast 90 Zisternen seien schon entstanden und einige hundert Häuser. „Und dazu viele Kinderspeisungen. Die Kinder kommen nur zur Schule, wenn sie eine warme Mahlzeit bekommen, die einzig warme Mahlzeit am Tag – und wir geben die Mittel, dass viele Schulen den Kindern dann das Mittagessen geben können.“

Den Papst informiert

Nach Jahrzehnten des Engagements haben Stalder und seine Frau die „Aktion Añatuya“ jetzt in jüngere Hände gelegt: Hans-Jürgen Jakobs ist der neue Mann. Zusammen mit Stalder war er an diesem Mittwoch in Rom, und beide konnten auch kurz mit dem Papst sprechen und ihm ein Fotobuch überreichen. „Und als der Papst schon den Titel sah, da sagte er: Oh, Añatuya Añatuya. Und Bischof Gottau – er, der Papst, hatte als Kardinal von Buenos Aires den Seligsprechungsprozess für diesen Bischof eingeleitet. Ich bin auch schon vernommen worden als Zeuge in diesem Prozess…“ Sie hätten dem Papst „viel Mut“ gewünscht, sagt Stalder noch. „Und da sagte er: Nicht nur Mut, sondern auch Demut.“

Wie gesagt: eine unspektakuläre Geschichte. Aber eigentlich ist sie doch außergewöhnlich, diese Partnerschaft zwischen einem 68.000 Quadratkilometer großen Bistum in Argentinien und einem niederrheinischen Dorf.

(rv 01.04.2017 sk)

Papst empfing den Exekutivausschuss der argentinischen Bischofskonferenz

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Papst & Bischöfe Argentiniens, 17. Oktober 2016 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Anlaß war die Heiligsprechung am Sonntag von „El Cura Gaucho“, José Gabriel Brochero

Papst Franziskus hat am Montagmorgen um 10 Uhr den Exekutivausschuss der argentinischen Bischofskonferenz in Audienz im Vatikan empfangen.

Wie ein Kommuniqué der ‪„Conferencia Episcopal Argentina“ (CEA) meldet, nahmen am Treffen der Vorsitzende des Gremiums teil, Msgr. José María Arancedo, Erzbischof von Santa Fe, sowie die beiden Vizepräsidenten, Kardinal Mario Poli, Erzbischof von Buenos Aires, und Msgr. Mario Cargnello, Erzbischof von Salta. Anwesend war auch der Generalsekretär der CEA, Msgr. Carlos H. Malfa, Bischof von Chascomús.

Im Laufe der Begegnung, die mehr als 40 Minuten dauerte, besprachen die Kirchenmänner verschiedene pastorale Themen und zogen ein Fazit des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit in Argentinien.

Die Bischöfe, die für die Heiligsprechung am Sonntag des argentinischen Diözesanpriesters José Gabriel Brochero („El Cura Gaucho“ oder ‪„El Cura Brochero“, 1840-1914) nach Rom gereist waren, bezeichneten das Treffen mit dem ehemaligen Erzbischof von Buenos Aires als ‪„brüderlich“, ‪„lebhaft“ und auch ‪„heiter“.

Während sie dem Papst eine kleine Skulptur des neuen Heiligen schenkten, luden sie ihn erneut ein Argentinien zu besuchen.

Anschließend feierten sie um 11 Uhr im Petersdom eine Dankesmesse für die Heiligsprechung. (pdm)

Kino für alle – neuer Papstfilm im Vatikan gezeigt

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Kino in der Audienzhalle. Die Schweizer Garde spielte anlässlich der Premiere des neuen Papstfilms „Nennt mich Franziskus“ vor Tausenden Zuschauern.

Mehrere Tausend Obdachlose und Bedürftige haben am Dienstagabend im Vatikan die Premiere des Films „Chiamatemi Francesco“ („Nennt mich Franziskus“) über das Leben des Papstes gesehen. Radio Vatikan sprach mit ihnen über ihren ersten Eindruck sowie mit dem Regisseur des Films, Daniele Lucchetti.

Der Spielfilm des italienischen Regisseurs Daniele Luchetti erzählt die Geschichte von Jorge Bergoglio.  Von seiner frühen Jugend in Buenos Aires über seine Erlebnisse während der argentinischen Militärdiktatur bis zu seiner Papstwahl am 13. März 2013. Die Rolle des jungen Jorge spielt der Argentinier Rodrigo De La Serna, den Part des späteren Erzbischofs von Buenos Aires und von Papstes Franziskus der Chilene Sergio Hernandez. Der Film kommt am Donnerstag in die italienischen Kinos. Vorab sprach Radio Vatikan mit Lucchetti über die Dreharbeiten:

„Es war eine große Herausforderung. Am Anfang war ich ziemlich misstrauisch der Idee gegenüber, einen Film über Franziskus zu machen. Das hat mir sehr gestresst, weil ich als Regisseur nicht wusste, ob es genügend Elemente für eine starke, interessante Erzählung gibt. Weil uns letztendlich nicht nur Ideen oder Personen, sondern vor allem Geschichten interessieren. Als ich für meine Recherche nach Buenos Aires ging, fand ich Geschichten und Erzählungen über die Person Bergoglio, denen ich mich ab einem gewissen Punkt nicht mehr entziehen konnte. Es war klar: Dieser Film muss gemacht werden.“

Herausgekommen ist ein Film, der einen zähen Jorge Mario Bergoglio zeigt. Einen Jesuiten, der während der Militärjunta nicht immer unbedingt auf Konfrontationskurs ging, sondern lieber mit Bedacht handelte, um das Wohl seiner Mitbrüder und Freunde nicht zu gefährden – besonders in seiner Zeit als Rektor der Theologischen Fakultät von San Miguel bei Buenos Aires. Entsprechend lang und detailreich wird die Zeit der Diktatur im Film behandelt. Nichts für Zartbesaitete, fand diese Zuschauerin:

„Der Film war wundervoll, aber zugleich sehr schmerzhaft, weil man sieht, wie sehr die Argentinier gelitten haben. Und wie sehr Bergoglio für sein Volk gelitten hat.“

Im Publikum waren am Dienstag auch ehemalige Flüchtlinge aus Afrika. Sie sahen die Bilder aus den argentinischen Gefängnissen noch mal mit anderen Augen:

„Einige Bilder von der Zeit der Militärdiktatur in Argentinien haben mich an meine eigene Vergangenheit in Eritrea erinnert. Es war gut zu sehen, dass so etwas auch Menschen wie Bergoglio erlebt haben. In den letzten Jahren war er den Menschen, die eben gerade vor Krieg, Folter und Elend geflohen sind, besonders nahe. Etwa den Flüchtlingen aus Syrien, Eritrea oder Somalia. Dieses Jahr allein sind über 3.500 Menschen im Mittelmeer gestorben. Erst letztes Jahr hat Franziskus einige Überlebende des Schiffsunglücks vom 3. Oktober 2013 vor Lampedusa in Privataudienz empfangen, bei dem über 360 Flüchtlinge ums Leben kamen. Ich weiß nicht wie ich es sagen soll: Franziskus ist ein Teil von uns.“

Über römische Pfarrgemeinden hatte der Vatikan insgesamt 7.000 Tickets gratis an Arme und freiwillige Helfer verteilen lassen. Außerdem wurden aus Spenden an die 2.000 Lebensmittelpakete zusammengestellt, die nach der Uraufführung in der Audienzhalle übergeben wurden. Ganz im Sinne Bergoglios, dessen Engagement für die Menschen an den Rändern auch im Film zum Ausdruck kommt, wie eine Schwester betonte:

„Ich hätte nicht erwartet, dass der Film so tiefgründig ist. Der Film zeigt, dass Christus für Bergoglio im Zentrum steht. Dass er Christus in allem findet, auch im leidenden Bruder. Das ist das Anziehende an Franziskus: Die Liebe für Christus und für den Nächsten. Er bringt Christus in die Welt.“

Auch beim Regisseur hatte die Geschichte Bergoglios letztlich Spuren hinterlassen. Schließlich hatte er vorher mit der katholischen Kirche nicht viel zu tun, wie er Radio Vatikan erzählte:

„In diesen zwei Jahren hat sich meine Sicht auf die Kirche komplett geändert. Ich trat an das Thema heran als Laie, Nicht-Glaubender mit einer sehr banalen Vorstellung von der Kirche. Schließlich haben die Medien oft nur die Skandale und Probleme der Kirche im Auge. In Lateinamerika sah ich dann, was die Kirche an Arbeit auf der Straße, in den Favelas und Armenvierteln leistet. Da verstand ich, was es heißt, Priester der Straße zu sein. In die ärmsten Gegenden das Wort Gottes und des Trostes zu tragen. Das hat meine Sicht auf die Kirche, der Gläubigen komplett geändert. Ich vertraue nun mehr auf diese Gläubigen und einen Teil der katholischen Kirche.“

Nur ein Wunsch blieb den Zuschauern der Premiere an diesem Dienstag verwehrt: Den Papst persönlich zu treffen. Schließlich war er am Montag gerade erst von seiner Afrikareise zurückgekehrt:

„Wir dachten alle, Franziskus kommt persönlich zum Film. Aber wir haben ihn trotzdem gern.“

(rv/kna 2.12.2015 cz)