Kardinal Sarah fordert ein Ende der „sterilen Kontroverse“ um das Zölibatbuch

DRINGEND: Lesen Sie diese Übersetzung aus dem National Catholic Register:

Kardinal Sarah fordert ein Ende der „sterilen Kontroverse“ um das Zölibatbuch
Der Kardinal des Vatikans fordert die Gläubigen nachdrücklich auf, die Diskussion über „lächerliche Nebenfragen“ im Buch einzustellen und stattdessen die darin behandelte „wesentliche Frage“ zu lesen.

Kardinal Robert Sarah hat sein und Benedikts XVI. Buch über das Zölibat der Priester entschieden verteidigt. Es sei wichtig, dass die Menschen das Buch lesen, anstatt darüber zu sprechen, da „tiefe historische Ignoranz“ das Thema umgibt.

In einem Interview mit der italienischen Tageszeitung Il Foglio vom 25. Januar – sein erstes seit dem Aufruhr über die Veröffentlichung des Buches in französischer Sprache Anfang dieses Monats – wies Kardinal Sarah auch darauf hin, dass das Buch von „völlig lächerlichen Nebenthemen“ umgeben war „Absurde Kontroverse, vulgäre Lügen und schreckliche Demütigungen.“

„Was mein Herz bricht und mich zutiefst verletzt, ist die Brutalität, Respektlosigkeit, Rücksichtslosigkeit und Unanständigkeit, mit der Benedikt XVI. behandelt wurde“, fügte er hinzu.

Am 12. Januar brachte die französische Zeitung Le Figaro die Nachricht des Buches mit dem Titel Aus den Tiefen unseres Herzens: Priestertum, Zölibat und die Krise der katholischen Kirche , in dem Kardinal Sarah eine sakramentale Verbindung zwischen Priestertum und Zölibat hervorhob und Benedikt erklärte, wie die Wurzeln des priesterlichen Zölibats im Alten Testament liegen.

Es folgte ein Sturm der Kritik gegen den Kardinal und den emeritierten Papst, der beide als Widerspruch zu Papst Franziskus darstellte, der derzeit überlegt, ob verheiratete Priester im Amazonasgebiet helfen sollen, den Priestermangel in der Region auszugleichen.

Der Kardinal wurde auch beschuldigt, Benedikt manipuliert zu haben, als Mitautor des Buches aufgeführt zu werden, und dessen Einführung und Schlussfolgerung mitgeschrieben zu haben. Dies bestritt er, indem er Korrespondenz zwischen ihm und Benedikt veröffentlichte.

Der italienische Herausgeber des Buches, Cantagalli, reagierte auf diese Kontroverse am 22. Januar, indem er die Autoren als „Robert Sarah mit Joseph Ratzinger / Benedikt XVI.“ auflistete und feststellte, dass Benedikt XVI. die Einführung und die Schlussfolgerung von Kardinal Sarah „gelesen und zugestimmt“ hatte .

„Ohne Feindseligkeit, ohne irgendjemanden anzugreifen, haben wir unsere Überlegungen mit Klarheit, Genauigkeit und Treue zur Wahrheit über eine wesentliche Frage gemacht“, sagte der Leiter der vatikanischen Liturgie zu Il Foglio . „Warum sollte ich dann sagen, dass ich mich Papst Franziskus widersetzt hätte? Warum? Gibt es vielleicht eine einzige Phrase, ein einziges Wort, eine einzige Haltung im Text, die einen solchen Widerspruch zum Ausdruck bringt? Warum werde ich ständig mit Verleumdung und Demütigung überschüttet? “

‚Lies das Buch‘

Er fügte hinzu: „Benedikt XVI. hat mir persönlich bestätigt, dass er dieses Buch begrüßt und mit seiner Veröffentlichung zufrieden ist. Der gesamte Text bleibt daher bis auf die vom Verlag Cantagalli erläuterte Einleitung und Schlussfolgerung unverändert. Jetzt bitte ich darum, dass diese sterile Kontroverse endet. “

Er bemerkte, dass der französische Herausgeber des Buches, Fayard, „eine angemessene Antwort auf diese Diffamierung geben wird“ und sagte weiter, es sei „wesentlich“, dass die Leute auf das achten, was Benedikt geschrieben hat. „Weiter über den Rest zu reden, ist eine Ablenkung“, sagte er. „Meine Einladung ist, das Buch zu lesen, anstatt darüber zu sprechen.“

Als Kardinal Sarah gebeten wurde, das Wesentliche des Buches zu erläutern, sagte er, es könne in einem Satz ausgedrückt werden: „Das Zölibat der Priester ist keine einfache kanonische Disziplin.“ Wenn das Gesetz des Zölibats geschwächt wird, „öffnet es sich sogar für eine einzelne Region eine Verletzung, eine Wunde im Geheimnis der Kirche “, sagte er. Zwischen Priestertum und Zölibat besteht eine „ontologisch-sakramentale Verbindung“, die uns daran erinnert, dass die Kirche ein Geheimnis ist, ein Geschenk Gottes, das uns nicht gehört.

Der Kardinal sagte, es sei nicht möglich, „ein Priestertum für verheiratete Männer zu schaffen, ohne das Priestertum Jesu Christi und seiner Braut, der Kirche, zu beschädigen.“

Priester, fuhr er fort, „sind wirklich eine Erweiterung von Jesus Christus. Er kann kein geteilter Mann sein. Wenn er nach Hause kommt, ist er nicht im Urlaub. Er bleibt ein geweihter Mensch. Sein ganzes Leben gehört der Kirche, weil sein ganzes Wesen Christus gewidmet ist. “

Die Gläubigen wissen dies „durch Intuition“, sagte der guineische Kardinal und fragte sich, ob sie mit einem verheirateten Priester zur Beichte gehen würden. „Wenn sich ein Priester ganz der Kirche hingibt, welcher Platz wird für seine Frau und seine Kinder bleiben? Was werden wir tun, wenn wir uns mit der Scheidung eines Priesters befassen müssen? Warum sollten wir mit solchen Fällen rechnen? “

Als der Interviewer Matteo Matzuzzi ihn darauf hinwies, dass Zölibat eine neue Disziplin sei, antwortete Kardinal Sarah: „Überhaupt nicht!“ Er betonte, dass die Kirche seit dem Rat von Elvira im Jahr 305 entschieden habe, dass Priester sexuelle Handlungen unterlassen sollten Beziehungen zu ihren Frauen, und wenn sie keine Kinder hätten oder hätten, würden sie „aus den kirchlichen Reihen ausgeschlossen“.

Er wies darauf hin, dass eine solche Disziplin „friedlich angenommen“ werde und dass sich die Christen bereits damals bewusst seien, dass ein Priester sich „mit Leib und Seele“ anbieten müsse, da er „nicht mehr zu sich selbst gehöre“. Erst später als es zu einer „Korruption der Texte“ kam, wurde die Disziplin im Osten, den verheirateten Priestern erlaubt, „weiterentwickelt“, aber „ohne jemals die Verbindung zwischen Priestertum und Abstinenz aufzugeben“.

„Wir sind Opfer tiefgreifender historischer Ignoranz in diesem Bereich“, sagte der Kardinal und fügte hinzu, dass es beim priesterlichen Zölibat nicht darum gehe, „die Sexualität abzulehnen, sondern zu behaupten, der Priester sei der ausschließliche Ehegatte der Kirche.“

In seinem Beitrag im Buch „zeigt Benedikt XVI. deutlich, dass im Alten Testament die Verbindung zwischen sexueller Abstinenz und priesterlichem Leben hergestellt ist“, sagte Kardinal Sarah. Er rät allen Priestern, Benedikts „bewegenden“ Beitrag zu lesen, in dem der emeritierte Papst über einen „methodologischen Fehler in der Rezeption der Schrift als Wort Gottes“ schreibt. Es ist eine „meisterhafte Lektion in biblischer Theologie“, sagte Kardinal Sarah, die eine „tiefgreifende spirituelle Meditation über die wahre Bedeutung des Priestertums“ anbietet.

Auf die Frage, was er und Benedikt unter „Krise im Priestertum“ verstehen, betonte Kardinal Sarah, dass Priester keine „öffentlichen Angestellten“, sondern „Gott geweiht“ seien, und befürchtet heute die Versuchung, „eine menschliche Kirche entsprechend der Zeit und der Zeit zu bauen“ nach unseren Vorstellungen. “

„Die Kirche gehört nicht uns“

„Aber die Kirche ist nicht unsere“, fuhr er fort. „Das Priestertum gehört uns nicht. Wir können damit nicht machen, was wir wollen. “

Anschließend geht er auf das Thema Frauenarbeit ein und fragt sich, ob die Berufung zur Frauenordination von der „Treue zu Gott oder von der Befolgung der Mode“ herrührt. Er erinnerte sich an das Beispiel der heiligen Katharina von Siena, die „keinen Dienst hatte und“ wollte es nicht, aber sie hatte keine Angst zu sprechen! „

Zurück zum Thema des priesterlichen Zölibats, lehnte er die Idee ab, verheiratete Priester zuzulassen, um die Berufungskrise zu lösen, und verwies auf die protestantischen Gemeinschaften als Beispiel. „Die Krise der Berufungen ist eine Krise des Glaubens!“

„Warum sollten Christen im Amazonasgebiet den Kontakt zu Priestern verweigern, die ihr Priestertum und ihre totale Gabe an Gott und an ihn allein leben? Liegt es daran, dass sie arm sind? “, Fragte er und fragte sich, aus dem Buch zitierend, wer in der Lage sein würde zu erklären, warum das gleiche pastorale Bedürfnis nicht in anderen Gebieten der Welt wie den Pazifikinseln oder einem abgelegenen Tal in Italien angewendet werden kann.

Er bekräftigte, dass die Menschen, um effektiv zu evangelisieren, Priester treffen müssen, „die ihr ganzes Leben Christus geschenkt haben“ und sich fragten, ob er heute Priester sein würde, wenn ein verheirateter Mann aus seinem Dorf in Guinea ordiniert worden wäre. „Ich glaube nicht“, sagte er. „Wir brauchen Laien, die, wie Papst Franziskus sagt,‚ Missionare ’sind. Wir brauchen Christen, die die Taufe ernst nehmen. Die Kirche braucht die Radikalität des Evangeliums, um sich nicht an der Lauheit der Welt auszurichten. “

Er schloss das Interview mit der Betonung, wie er und Benedikt auf die „klarste Theologie des Vatikans II., Des Heiligen Paul VI., Des Heiligen Johannes Paul II. Und des Benedikt XVI.“ Zurückgreifen, um zu zeigen, was wahres Priestertum bedeutet, und um zu zeigen, dass „eine Wunde entsteht“ Das Gesetz des Zölibats unter dem Vorwand eines Priestermangels würde „Verwirrung über die Rolle der Getauften und Priester stiften.“

„Ich bin überzeugt, dass wir mehr als je zuvor heilige Priester brauchen“, sagte er und fügte hinzu, dass er Papst Franziskus, Bischöfen, Priestern und Gläubigen dieses Buch „nur in Filialform angeboten“ hat, um sie zu unterstützen und zu ermutigen, anstatt von ihnen „konditioniert“ zu werden die Medienkampagne der Amazonas-Synode, die zu „hastigen, ideologischen und rein menschlichen Lösungen“ führte.

Er erinnerte an die Ermahnung der hl. Katharina von Siena, nicht zu schweigen, und sagte: „Kein Gerede mehr. Lasst uns dieses Buch lesen. Lassen Sie uns in Frieden und Nächstenliebe darüber diskutieren. Lasst uns die Kirche zum Gebet erwecken und sie als Priesterin und treue Christin inmitten einer zunehmend atheistischen Welt mit Heiligkeit erstrahlen lassen, ohne Rücksicht auf die Realität Gottes. “

Afrikanischer Kardinal legt sich mit Papst an: »Massenmigration eliminiert Europa«

»Blanker Wahnsinn«: Der aus Guinea stammende Kurienkardinal Robert Sarah warnt die Europäer eindringlich vor muslimischer Einwanderung

Der aus Guinea stammende Kurienkardinal Robert Sarah, einer der bedeutendsten Geistlichen der katholischen Kirche, warnt vor dem Untergang Europas. Damit widerspricht er ganz offen Papst Franziskus, der insbesondere Europa auffordert, die massenhafte Aufnahme von Migranten als biblischen Auftrag zu verstehen.

Robert Sarah, den Vatikan-Insider schon seit einiger Zeit als aussichtsreichen Kandidaten bei der nächsten Papstwahl sehen, hatte sich bereits mehrfach mit mahnenden Worten an die Europäer gewandt. Der afrikanische Geistliche, der seit 2010 Kardinal im Vatikan und dort seit 2014 für liturgische Fragen zuständig ist, gilt als prominente Stimme der römischen Kurie.
Sarahs neues Buch »Bleib bei uns, Herr: der Abend naht und schon fällt der Tag« führte bereits zu Kontroversen in Europa, da der hohe Geistliche darin explizit die muslimische Migration als Vorbote des Zusammenbruchs Europas benennt. »Wenn der Westen diesen unheilvollen Weg fortsetzt, besteht ein hohes Risiko, dass er – wegen Geburtenmangel – verschwinden werde. Von Fremden überrannt, werde er dasselbe Schicksal erleiden wie das von den Barbaren überrannte Rom. »Mein Land ist vorwiegend muslimisch, ich glaube, ich weiß, wovon ich rede«, so Sarah, der im westafrikanischen Guinea, wo 85 Prozent der Bevölkerung Muslime sind, tätig ist.

»Migration ist nicht von Gott gewollt – Verlust von Heimat bedeutet Leid« Als »blanken Wahnsinn« bezeichnete der 73-jährige Kurienkardinal die Bestrebungen der EU, die Welt globalisieren und die Nationen mit ihren vielfältigen Charakteren loswerden zu wollen. Die EU-Kommission sei nur daran interessiert, einen freien Markt zu schaffen und sich somit in den Dienst der Finanzmächte zu stellen. Brüssel würde lieber die Banken als die EUBürger schützen.

Die Massenmigration nannte Sarah eine neue Form der Sklaverei. Eine kritiklose Politik der offenen Grenzen würde das Leid negieren, das ein Verlassen der Heimat für die betroffenen Menschen mit sich bringe. Migranten, die in Europa ankommen, würden zudem irgendwo »zwischengelagert« ohne Arbeit und ohne Würde. »Kann die Kirche so etwas wollen?«, fragt der Kardinal weiter. Gott wolle diese gebrochenen Herzen nicht, die mit einem Schicksal des Heimatverlustes einhergingen. Insbesondere treffe dies vor dem Hintergrund des geistigen und kulturellen Zustandes zu, in dem sich die europäischen Zielländer mit ihren niedrigen Geburtenraten befänden. Für Europa wäre die muslimische Massenmigration das Ende, zumal mit ihm auch das stürbe, was es einst groß gemacht hätte. An seine Stelle würde früher oder später der Islam treten: »Wenn Europa und mit ihm die unbezahlbaren Werte des alten Kontinents verschwinden, wird der Islam in diese Welt vordringen und wir werden vollständig unsere Kultur, unser Menschenbild und unsere moralische Vision verändern«, prognostiziert der Geistliche.

Katholischen Priestern, Bischöfen und Kardinälen warf Sarah vor, die Lehren Christi verraten zu haben, indem sie »politischen Aktivismus« betreiben. Aus Furcht, als Reaktionäre gesehen zu werden, drücken sich diese Funktionäre nur vage und unklar aus. In klarer Opposition zu Papst Franziskus Sahras Aussagen überraschen, da er diese just zu einem Zeitpunkt traf, als Papst Franziskus in Marrakesch die reichen Staaten und insbesondere Europa zu stärkerem Einsatz für Migranten aufforderte und erklärte, Politiker, die Mauern bauten, um diese abzuwehren, würden »selbst zu Gefangenen in ihren Mauern« werden.

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Wir können nicht länger schweigen!

Beeindruckende Predigt von Robert Kardinal Sarah in der Kathedrale in Chartres. Das Pontifikalamt mit Kardinal Sarah bildete den Abschluss der großen Pfingstwallfahrt von Paris nach Chartres, an der in diesem Jahr 2018 rund 13000 Pilger teilnahmen. An der Schlussmesse in Chartres waren rund 15000 Menschen anwesend. Die Übersetzung der französischen Predigt wurde von der FSSP angefertigt.

Zu Beginn sei es mir gestattet, mich ganz herzlich bei Seiner Exzellenz Msgr. Philippe Christory, dem Bischof von Chartres, zu bedanken für seine brüderliche Gastfreundschaft hier in seiner herrlichen Kathedrale.

Liebe Chartres-Pilger,
„Das Licht ist in die Welt gekommen“, sagt uns Jesus im heutigen Evangelium, „doch die Menschen hatten die Finsternis lieber als das Licht“.
Und Ihr, liebe Pilger, habt Ihr das einzig wahre Licht angenommen, das nicht täuschen kann, das Licht Gottes? Ihr seid drei Tage lang marschiert, Ihr habt gebetet, gesungen, gelitten unter der Sonne und dem Regen. Habt Ihr das Licht in Eure Herzen aufgenommen? Habt Ihr wirklich der Finsternis abgeschworen? Habt Ihr Euch entschieden, auf dem Weg zu bleiben, indem Ihr Jesus folgt, der das Licht der Welt ist?

Liebe Freunde, bitte erlaubt mir, Euch diese radikalen Fragen zu stellen, denn wenn Gott nicht Euer Licht ist, ist alles andere nutzlos. Ohne Gott ist alles Finsternis!
Gott ist zu uns gekommen, Er ist Mensch geworden. Er hat uns die einzige Wahrheit offenbart, die uns rettet, Er ist gestorben, um uns von der Sünde zu befreien und an Pfingsten hat Er uns den Heiligen Geist gesandt und uns beschenkt mit dem Licht des Glaubens … aber wir hatten die Finsternis lieber als das Licht!
Schauen wir uns doch um! Die westliche Gesellschaft zieht es vor, sich ohne Gott zu organisieren. Da sehen wir jetzt, wie sie ausgeliefert ist an die blendenden und trügerischen Lichter einer Gesellschaft des Konsums, des unbedingten Profits, des brutalen Individualismus.
Eine Welt ohne Gott ist eine Welt der Finsternis, der Lüge und des Egoismus!
Ohne das Licht Gottes ist die westliche Gesellschaft wie ein schwankendes Boot in der Nacht geworden! Sie hat nicht mehr genug Liebe, um ihre Kinder anzunehmen, sie schon im Mutterleib zu schützen, sie vor der Bedrohung der Pornographie zu bewahren.
Getrennt von Gottes Licht, weiß die westliche Gesellschaft nicht mehr, was es heißt, die betagten Menschen zu respektieren, ihre Kranken zu begleiten auf dem Weg des Sterbens, einen Platz zu bereiten für die Ärmsten und Schwächsten.
Sie ist der Dunkelheit der Angst, der Traurigkeit, der Isolation ausgeliefert. Sie hat nichts mehr zu bieten als die Leere und das Nichts. Sie lässt die verrücktesten Ideologien wuchern.
Eine westliche Gesellschaft ohne Gott kann zur Wiege eines ethischen und moralischen Terrorismus werden, der brutaler und zerstörerischer ist als der Terrorismus der Islamisten. Erinnert Euch an das, was Jesus uns gesagt hat: „Fürchtet euch nicht vor denen, die zwar den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet vielmehr den, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle zu stürzen vermag.“ (Mt 10,28)

Liebe Freunde, bitte verzeiht mir diese Schilderung, aber man muss klar und realistisch sein.
Wenn ich in dieser Weise zu Euch spreche, dann deshalb, weil ich in meinem Priester- und Hirtenherzen ein tiefes Mitleid fühle mit all den verirrten, verlorenen, traurigen, verängstigten und einsamen Seelen! Wer wird sie wieder zum Licht führen? Wer wird ihnen den Weg der Wahrheit zeigen, den einzig wahren Weg der Freiheit, den Weg des Kreuzes?
Werden sie dem Irrtum, dem hoffnungslosen Nihilismus oder dem aggressiven Islamismus ausgeliefert, ohne dass man etwas dagegen unternimmt?
Wir müssen in die Welt hinein rufen, dass unsere Hoffnung einen Namen hat: Jesus Christus, er ist der einzige Retter der Welt und der Menschheit! Wir können nicht länger schweigen!

Liebe Pilger aus Frankreich, betrachtet diese Kathedrale! Eure Vorfahren haben sie gebaut, um ihren Glauben zu verkünden! Alles hier, die Architektur, die Skulpturen, die Fenster, verkündet die Freude, von Gott gerettet und geliebt zu sein. Auch Eure Vorfahren waren nicht vollkommen, sie waren auch nicht ohne Sünden. Aber sie wollten, dass das Licht des Glaubens ihre Finsternis erleuchtet!
Heute wach auch Du auf, Volk von Frankreich! Wähle das Licht! Schwöre ab der Finsternis! Aber wie?
Das Evangelium gibt uns die Antwort: „Wer die Wahrheit tut, kommt zum Lichte“. Lassen wir unser Leben vom Licht des Heiligen Geistes erleuchten, konkret, einfach und bis hinein in die tiefsten Tiefen unseres Seins. Die Wahrheit tun, das bedeutet, Gott in die Mitte unseres Lebens zu stellen, so wie das Kreuz die Mitte dieser Kathedrale ist.
Meine Brüder und Schwestern, entscheiden wir uns, uns IHM zuzuwenden, jeden Tag!
Jetzt, in diesem Moment, wollen wir uns entschließen, uns jeden Tag einige Minuten der Stille zu nehmen, um uns auf Gott auszurichten, um Ihm zu sagen: „Herr, herrsche Du in mir! Dir gebe ich mein ganzes Leben!“
Liebe Pilger, ohne Stille gibt es kein Licht. Die Finsternis nährt sich von dem unablässigen Lärm dieser Welt, die uns daran hindern will, uns auf Gott auszurichten.
Nehmen wir die heutige Messliturgie zum Vorbild; sie führt uns zur Anbetung, zu einer kindlichen und liebevollen Ehrfurcht vor der Größe Gottes. Sie gipfelt in der Wandlung, wo wir alle gemeinsam auf den Altar ausgerichtet sind, unsere Blicke zur Heiligen Hostie erhoben, zum Kreuz, hier sind wir alle in Stille vereint in Kontemplation und Anbetung.
Liebe Brüder und Schwestern, wir wollen gerade diese Liturgie lieben, die uns die stille Gegenwart und Transzendenz Gottes verkosten lässt und uns auf den Herrn ausrichtet.

Meine lieben Mitbrüder im Priesteramt, ich möchte mich nun besonders an Euch wenden. Das Heilige Opfer der Messe ist der Ort, wo Ihr das Licht für Euren Dienst findet. Die Welt, in der wir leben, fordert uns ständig. Wir sind dauernd in Bewegung und wenn wir nicht gelegentlich anhalten und uns die Zeit nehmen, um uns in die Wüste zurückzuziehen und ein wenig in der Einsamkeit und Stille auszuruhen, zusammen mit dem Herrn, dann besteht die große Gefahr, dass wir zu Sozialarbeitern degenerieren. Dann werden wir nicht mehr das Licht Gottes in die Welt tragen, sondern nur noch unser eigenes Licht, das aber erwarten die Menschen nicht von uns. Was die Welt vom Priester erwartet, ist, dass er Gott und das Licht seines Wortes verkündet, eindeutig und ohne Verfälschungen.
Wir wollen uns Gott bei der Feier der Liturgie gesammelt zuwenden, voll Ehrfurcht, in Stille, die Heiligkeit zum Ausdruck bringen. Erfinden wir nichts Neues in der Liturgie, wir empfangen alles von Gott und seiner Kirche. Wir wollen keine Show abziehen oder unseren Erfolg suchen. Die Liturgie lehrt uns: Priester zu sein bedeutet nicht, viel zu machen, es heißt vielmehr mit dem Herrn am Kreuz zu sein!
Die Liturgie ist der Ort, wo der Mensch Gott von Angesicht zu Angesicht begegnet. Die Liturgie ist der erhabenste Moment, in dem Gott uns lehrt „teilzuhaben an der Bildgestalt seines Sohnes Jesus Christus, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.“ (Röm 8, 29) Die Liturgie ist keine Gelegenheit und darf auch nie dazu werden, um zu zerreißen, zu kämpfen oder zu streiten.
In der ordentlichen wie in der außerordentlichen Form des römischen Ritus ist das Wesentliche die Hinwendung zum Kreuz, zu Christus, unserem Orient, unserem Alles, unserem einzigen Horizont. Ob nun in der ordentlichen oder in der außerordentlichen Form, lasst uns immer so zelebrieren, wie wir es auch heute tun, wie es das zweite Vatikanische Konzil lehrt: mit edler Schlichtheit, ohne unnötige Überladungen, falschen Ästhetizismus oder Theatralik, aber mit jenem Sinn für das Heilige, der Gott zuerst die Ehre gibt und mit der wahren Gesinnung eines Sohnes der Kirche, heute und für immer!
Liebe Mitbrüder im Priesteramt, bewahrt Euch immer diese Gewissheit: mit Christus am Kreuz zu sein, das ist es, was der priesterliche Zölibat der Welt verkündet! Der Plan , den gewisse Leute aufs Neue gefasst haben, den priesterlichen Zölibat abzuschaffen, indem sie die Heiligen Weihen verheirateten Männern erteilen wollen (den „viri probati“) aus so genannten „pastoralen Gründen“, würde gravierende Konsequenzen nach sich ziehen, es wäre wirklich ein definitiver Bruch mit der apostolischen Überlieferung. Wir sind dabei, ein Priestertum zu erschaffen nach menschlichem Maß, aber so verwirklichen und repräsentieren wir nicht mehr das Priestertum Christi, das gehorsam, arm und keusch ist. Schließlich ist der Priester nicht nur ein „alter Christus“ (ein anderer Christus), er ist wirklich „ipse Christus“ (Christus selbst). Das ist der Grund, warum in der Nachfolge Christi und der Kirche, der Priester immer ein Zeichen des Widerspruchs sein wird!

An Euch, liebe Christen und in der Welt engagierte Laien, möchte ich mit Nachdruck sagen: „Fürchtet Euch nicht! Habt keine Angst, das Licht Christi in diese Welt zu tragen!“
Euer erstes Zeugnis muss Euer persönliches Beispiel sein: handelt nach der Wahrheit! In Euren Familien, am Arbeitsplatz, in Euren gesellschaftlichen Beziehungen, der Wirtschaft, der Politik möge Christus Euer Licht sein! Habt keine Angst, zu bezeugen, dass all Eure Freude von Christus kommt! Ich bitte Euch, versteckt nicht die Quelle Eurer Hoffnung! Im Gegenteil, verkündet! Bezeugt! Evangelisiert! Die Kirche braucht Euch! Erinnert alle daran, dass nur „der gekreuzigte Christus den Sinn der authentischen Freiheit offenbart!“ (Hl. Johannes Paul II., Veritatis Splendor, 85.) Mit Christus befreiet die Freiheit, die heute gefesselt ist durch falsche Menschenrechte, welche ganz auf die Selbstzerstörung des Menschen ausgerichtet sind.
An Euch, liebe Eltern, möchte ich eine ganz besondere Botschaft richten. Familienvater und -mutter zu sein in der heutigen Welt, ist oftmals ein leid- und sorgenvolles Abenteuer. Die Kirche sagt Euch: „Danke!“ Ja, Danke, dass Ihr Euch selbst so großzügig verschenkt!
Habt den Mut, Eure Kinder im Licht Christi zu erziehen. Manchmal muss man gegen starken Gegenwind kämpfen und Spott und Verachtung der Welt ertragen. Doch wir sind nicht hier, um der Welt zu gefallen! „Wir verkünden Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis, den Heiden eine Torheit“ (1Kor 1,23f)
Habt keine Angst! Gebt nicht auf! Die Kirche hat Euch durch die Stimme der Päpste- besonders seit der Enzyklika Humanae Vitae- eine prophetische Mission anvertraut: Vor allen das Zeugnis unseres frohen Vertrauens auf Gott abzulegen, der uns zu verständigen Wächtern der Naturordnung bestellt hat. Ihr verkündet das, was Jesus uns durch sein Leben selbst geoffenbart hat: „dass sich die Freiheit in der Liebe, d.h. in der Selbsthingabe, verwirklicht.“ (Veritatis Splendor, 87.)

Liebe Familienväter und -mütter, die Kirche liebt Euch! Liebet die Kirche! Sie ist Eure Mutter. Schließt Euch nicht denen an, die sie verspotten, denn sie sehen nur die Falten ihres gealterten Gesichtes, das gezeichnet ist durch die Jahrhunderte des Leidens und der Prüfungen. Dennoch ist sie auch heute noch schön und strahlt Heiligkeit aus.

Endlich will ich mich auch an Euch wenden, Ihr Jugendlichen, die Ihr hier so zahlreich hier anwesend seid!
Zunächst möchte ich Euch bitten, auf einen „Alten“ zu hören, der eine viel größere Autorität hat als ich. Es handelt sich um den heiligen Evangelisten Johannes. Über das Beispiel seines Lebens hinaus hat er auch eine Botschaft für die Jugend hinterlassen. In seinem ersten Brief lesen wir die bewegenden Worte eines „Alten“ an die Jungen der Kirchen, die er gegründet hat. Höret seine Stimme voll Kraft, Weisheit und Wärme: „Ich schreibe euch, ihr jungen Männer, denn ihr seid stark, und das Wort Gottes bleibt in euch, und ihr habt den Bösen besiegt. Liebet nicht die Welt und das, was in der Welt ist.“ (1Joh 2,14f)
Die Welt, die wir nicht lieben sollen, so kommentiert P. Raniero Cantalamessa in seiner diesjährigen Karfreitagspredigt in Rom, und die Welt, der wir uns nicht angleichen sollen, ist nicht die Welt, die Gott geschaffen hat und die er liebt, das wissen wir wohl, es sind nicht die Menschen in der Welt gemeint, die Armen und die Ärmsten, im Gegenteil, zu ihnen sollen wir immer gehen, um sie zu lieben und ihnen in Demut zu dienen … Nein! Die Welt, die wir nicht lieben sollen, ist eine andere Welt; es ist die Welt, die gekommen ist durch die Herrschaft Satans und der Sünde. Die Welt der Ideologien, die die Natur des Menschen verneint und die Familien zerstört … Die UN-Strukturen, die der Welt eine neue Ethik auferlegen, spielen eine entscheidende Rolle und sind heute zu einer überwältigenden Macht geworden, die sich wie Wellen ausbreitet durch die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten der Technologie. In vielen westlichen Ländern ist es schon fast ein Verbrechen, sich diesen schrecklichen Ideologien zu entziehen. Das ist es, was man Adaption des Zeitgeistes nennt, der Konformismus. Ein großer gläubiger britischer Poet des vergangenen Jahrhunderts, Thomas Stearns Eliot, schrieb drei Verse, die mehr sagen als ganze Bücher: „In einer Welt der Flüchtlinge wird derjenige, der die entgegengesetzte Richtung einschlägt, als Deserteur angesehen.“ Liebe junge Christen, wenn es einem „Alten“, wie es der hl. Johannes war, erlaubt war, sich direkt an Euch zu wenden, so rufe auch ich Euch zu und sage Euch: Ihr habt das Böse besiegt! Bekämpfet jedes widernatürliche Gesetz, das man Euch auferlegen will, stellt Euch gegen jedes lebens- und familienfeindliche Gesetz. Seid diejenigen, die die entgegengesetzte Richtung einschlagen! Wagt es, gegen den Strom zu schwimmen! Für uns Christen ist dieser entgegengesetzte Weg nicht örtlich zu verstehen, er ist eine Person, Jesus Christus, unser Freund und Retter. Euch ist eine ganz besondere Aufgabe anvertraut, nämlich die Liebe zu retten vor dem tragischen Absturz, in den sie geraten ist, … eine Liebe, die nicht mehr sich selbst als Geschenk an den anderen sieht, sondern nur mehr den anderen als Besitz – was oftmals eine gewaltsame, tyrannische Inbesitznahme bedeutet –. Am Kreuz hat Gott sich offenbart als „Agape“, das bedeutet als Liebe, die sich hingibt bis zum Tod. (Predigt von P. R. Cantalamessa, Karfreitag 2018 im Petersdom, Rom) Wahrhaft lieben heißt sterben für den anderen, so wie der junge Polizist Colonel Arnaud Beltrame!
Liebe Jugendliche, sicher erlebt Ihr oft in Eurer Seele den Kampf zwischen Licht und Dunkel. So manches Mal werdet Ihr einfach in Versuchung geführt durch die Vergnügungen der Welt.
Aus der Tiefe meines Priesterherzens sage ich Euch: Zögert nicht! Jesus gibt Euch alles! Ihr werdet nichts verlieren, wenn Ihr IHM nachfolgt, um Heilige zu werden! Ihr werdet vielmehr die einzige Freude gewinnen, die niemals vergeht! Liebe Jugendliche, wenn Christus Euch heute ruft, IHM zu folgen als Priester, als Ordensfrau oder Ordensmann, dann zögert nicht! Sagt IHM „Fiat“, ein begeistertes und bedingungsloses JA!
Es ist der Wille Gottes, dass Er Euch braucht, welche Gnade! Welche Freude!
Der Westen wurde missioniert durch Heilige und Märtyrer. Ihr Jugendlichen von heute, Ihr müsst Heilige und Märtyrer sein, damit die Völker aufmerksam werden für eine neue Evangelisation. Eure Heimat dürstet nach Christus. Enttäuscht sie nicht! Die Kirche vertraut auf Euch!
Ich bete darum, dass viele von Euch heute, während dieser Messe, auf den Ruf Gottes in seine Nachfolge antworten und alles verlassen für sein Licht.
Liebe Jugendliche, fürchtet Euch nicht, Gott ist der einzige Freund, der Euch niemals enttäuschen wird!
Wenn Gott ruft, dann ist Er radikal. Das zeigt, dass Er bis auf den Grund, bis an die Wurzel geht. Liebe Freunde, wir sind nicht berufen, mittelmäßige Christen zu sein! Nein, Gott ruft uns zur Ganzhingabe, bis zum Martyrium des Leibes oder des Herzens!
Liebes Volk von Frankreich, es sind die Klöster, die Deinem Land die Zivilisation gebracht haben! Es sind die Männer und Frauen, die Jesus radikal, bis zum Ende nachgefolgt sind, die das christliche Europa aufgebaut haben. Weil sie Gott allein gesucht haben, konnten sie eine schöne und wohltuende Gesellschaft aufbauen, so wie diese Kathedrale.
Volk von Frankreich, Völker des Westens, Ihr findet Frieden und Freude nur, wenn Ihr Gott allein sucht! Kehrt zurück zu den Quellen, kehrt zurück zu den Klöstern! Ja, Ihr alle, wagt es, einige Tage in einem Kloster zu verbringen! In dieser lauten, hässlichen und traurigen Welt sind die Klöster Oasen der Schönheit und der Freude. Hier könnt Ihr die Erfahrung machen, dass es möglich ist, Gott ins Zentrum seines ganzen Lebens zu stellen. Hier könnt Ihr die Erfahrung der einzigen Freude machen, die nicht vergeht!

Liebe Pilger, widersagen wir der Finsternis. Wählen wir das Licht! Lasst uns die Heilige Jungfrau Maria bitten, dass wir, wie sie, ein vollkommenes „Fiat“, das heißt JA, sagen können und wie sie das Licht des Heiligen Geistes in uns aufnehmen können. An diesem Tag dürfen wir, dank der Fürsorge des Heiligen Vaters Papst Franziskus, Maria als Mutter der Kirche feiern, lasst uns diese allerseligste Mutter bitten um ein Herz wie das ihre, ein Herz, das Gott nichts verweigert, ein Herz, das in Liebe brennt für die Ehre Gottes, ein Herz, das glüht in der Verkündigung der Frohen Botschaft, ein großzügiges Herz, ein großes Herz wie das Herz Mariens, nach dem Maß der Kirche, nach dem Maß des Herzens Jesu!
Amen!

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Vorwort von Kardinal Sarah zum neuen Buch über die Kommunionspendung

Der Engel des Friedens in Fatima

Die Vorsehung, die weise und sanft alle Dinge ordnet, bietet uns das Buch Die Spendung der Kommunion auf die Hand von Pfarrer Federico Bortoli gerade jetzt an, nachdem wir den hundertsten Jahrestag der Erscheinungen von Fatima gefeiert haben. Vor den Erscheinungen der Jungfrau Maria, im Frühling 1916, erschien der Engel des Friedens Luzia, Jacinta und Francisco und sagte ihnen: „Habt keine Angst, ich bin der Engel des Friedens. Betet mit mir.“ Der Engel kniete sich auf die Erde und berührte mit der Stirn den Boden. Dann, erfasst von einer übernatürlichen Kraft, ahmten die Kinder ihn nach und wiederholten nach dem Engel dieses Gebet: „Mein Gott, ich glaube, ich bete an, ich hoffe und ich liebe Dich. Ich bitte dich um Verzeihung für all jene, die nicht glauben, nicht anbeten, nicht hoffen und Dich nicht lieben.“ Dann entschwand der Engel. Bei der dritten Erscheinung des Engels im Frühling 1916 wurde den Kinder bewusst, dass der Engel – immer derselbe – in seiner linken Hand einen Kelch hielt, über dem eine Hostie schwebte. Einige Bluttropfen fielen von jener Hostie in den Kelch.

Indem er den Kelch und die Hostie in der Luft schweben ließ, kam der Engel zu den Kindern, warf sich auf die Erde nieder und wiederholte drei Mal dieses Gebet: „Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist: In tiefster Ehrfurcht bete ich Dich an und opfere Dir auf den kostbarsten Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit Jesu Christi, gegenwärtig in allen Tabernakeln der Erde, zur Sühne für alle Schmähungen, Sakriliegien und Gleichgültigkeiten, durch die Er selbst beleidigt wird. Durch die unendlichen Verdienste Seines Heiligsten Herzens und auf die Fürbitte des Unbefleckten Herzens Mariens bitte ich Dich um die Bekehrung der armen Sünder.“ Danach erhob sich der Engel, nahm erneut den Kelch und die Hostie in seine Hände, gab die heilige Hostie Luzia, und das Blut des Kelches gab er Jacinta und Francisco, die auf den Knien blieben, während er sprach: „Nehmt und trinkt den Leib und das Blut Jesu Christi, der von den undankbaren Menschen furchtbar geschmäht wird. Macht gut ihre Verbrechen und tröstet euren Gott.“ Der Engel warf sich erneut auf die Erde und wiederholte mit Luzia, Jacinta und Francisco neuerlich drei Mal dasselbe Gebet.

Die Schmähungen Jesu in der Hostie

Der Engel des Friedens zeigt uns also, wie wir den Leib und das Blut Jesus Christi empfangen müssen.

Das Sühnegebet, das der Engel gesprochen hatte, ist leider alles andere als überholt. Welches aber sind die Schmähungen, welche Jesus in der heiligen Hostie zugefügt werden und die wir wiedergutmachen müssen? Zunächst sind es die Schmähungen gegen das Sakrament selber: die schrecklichen Profanierungen, von denen einige bekehrte Ex-Satanisten Nachricht und schaudererregende Beschreibung gegeben haben; Schmähungen sind auch die sakrilegischen Kommunionen, bei denen diese nicht in der Gnade Gottes empfangen wurden oder bei denen der katholische Glaube nicht bekannt wurde (ich beziehe mich auf bestimmte Formen der sogenannten ‚Interkommunion‘).

Weiters ist all das eine Schmähung Unseres Herrn, was die Fruchtbarkeit des Sakramentes verhindern könnte, besonders die Irrtümer, die in den Geist der Gläubigen gesät wurden, weshalb sie nicht mehr an die Eucharistie glauben.

Die schrecklichen Profanierungen, die sich in den sogenannten ’schwarzen Messen‘ abspielen, verletzen nicht direkt Jenen, der in der Hostie geschändet wird, weil diese nur auf die Akzidentien des Brotes und Weines abzielen.

Sicherlich leidet Jesus für die Seelen der Profanierer, für die er jenes Blut vergossen hat, das diese so erbärmlich und grausam verachten. Aber Jesus leidet mehr, wenn die außerordentliche Gabe seiner gottmenschlichen eucharistischen Gegenwart nicht die potenziellen Wirkungen in den Seelen der Gläubigen hervorbringen kann. Und deshalb versteht man, wie die heimtückischste diabolische Attacke darin besteht, den Glauben an die Eucharistie auszulöschen zu versuchen, indem Irrtümer ausgesät werden und eine ungeeignete Art des Empfangs gefördert wird; in der Tat, der Krieg zwischen Michael und seinen Engeln auf der einen Seite und Luzifer auf der anderen, setzt sich im Herzen der Gläubigen fort: Die Zielscheibe Satans ist das Opfer der Messe und die Realpräsenz Jesu in der konsekrierten Hostie. Dieser Versuch des Raubes folgt seinerseits zwei Schienen:

Transsubstantiation und Realpräsenz

Die erste ist die Schwächung des Konzeptes der ‚Realpräsenz‘. Viele Theologen hören nicht auf, den Terminus ‚Transsubstantiation‘ zu verhöhnen oder verächtlich zu behandeln – trotz anhaltender Zurechtweisungen seitens des Lehramtes. Deshalb ist es lobenswert, dass Pfarrer Bortoli eine umfassende geschichtliche Einführung zum eigentümlichen Glauben der Kirche an die Worte „das ist mein Leib… das ist mein Blut…“ zusammenstellte: ein einfaches ‚ist‘, das jedoch die ganze Liebe Christi enthüllt, seine brennende Sehnsucht, uns körperlich so nahe sein zu wollen, wie er Maria, dem hl. Josef, den Jüngern, der Menge, um sie zu sättigen, den Jüngern von Emmaus… nahe war. Die guten Lehrer und das Lehramt der Kirche haben im Wort ‚Transsubstantiation‘ ein unbezwingbares Bollwerk gegen die Häresien gefunden und gleichzeitig den geeignetsten Terminus, um die wirklichste Liebe – eben genau ’substanziell‘ –, die in den heiligen Spezies, unabhängig von der Disposition des Menschen und von seinem Denken, gegenwärtig ist.

Das Prinzip der Immanenz – d.h. der philosophische Irrtum, für den sich nicht mehr das Denken dem Wirklichen anpassen muss, sondern das Wirkliche vom Denken eingerahmt und bestimmt wird – hat auch die eucharistische Lehre zu verseuchen versucht: die wirkliche objektive Gegenwart (= die Liebe ohne Bedingungen) wird relativiert, indem sie davon abhängig gemacht wird, ob jemand das Zeichen versteht (Transfinalisation) oder ob jemand damit genährt wird (Transsignifikation).

Der selige Paul VI musste mit der Enzyklika Mysterium fidei eingreifen, gerade um zu erklären, wie unangemessen diese Begriffe sind, um das Geheimnis der Eucharistie ausdrücken. Nein! Im heiligsten Sakrament gibt es die Liebe, auch wenn niemand auf diese Liebe antwortet, auch wenn niemand an sie denkt. Er ist dort, wie ein Fels, der in der Wüste hervorsprudelt: er betet an, er dankt, bittet für den Menschen um Verzeihung und fleht um alle Gnaden, die er braucht, absolut unabhängig von der Weise seines Denkens –; und all das deshalb, damit der Mensch selber schließlich glaubt und vor dieser Liebe kapituliert: „Credidimus caritati!“ (1 Joh 4,16).

Achtsamkeit auf die Fragmente

Wir sehen jetzt, wie der Glaube und die Realpräsenz die Weise des Kommunionempfangs beeinflussen kann und umgekehrt. Die Kommunion auf die Hand empfangen zieht unzweifelhaft eine große Ausstreuung von Fragmenten nach sich; umgekehrt werden die Aufmerksamkeit den kleinsten Bröseln gegenüber, die Sorge um das Reinigen der heiligen Gefäße, das Nichtberühren der Hostie mit verschwitzten Händen ein Bekenntnis des Glaubens an die Realpräsenz Jesu auch in den kleinsten Teilen der konsekrierten Spezies: wenn Jesus die Substanz des Eucharistischen Brotes ist und wenn die Dimensionen der Fragmente bloß Akzidenzien des Brotes sind, spielt es keine Rolle wie groß oder klein ein Stückchen der Hostie ist! Die Substanz ist dieselbe! Er ist es! Umgekehrt: die Unachtsamkeit den Fragmenten gegenüber lässt das Dogma aus den Augen geraten: Langsam könnte dann der Gedanke überwiegen: „Wenn auch der Pfarrer den Fragmenten keine Aufmerksamkeit schenkt, wenn er die Kommunion auf die Weise spendet, dass die Fragmente verstreut werden können, dann heißt dies, dass in ihnen Jesus nicht ist, oder dass er es nur ‚bis zu einem bestimmten Punkt‘ ist“.

Der Sinn für das Heilige

Die zweite Schiene, an die sich der Angriff auf die Eucharistie knüpft, ist der Versuch, aus den Herzen der Gläubigen den Sinn für das Heilige zu nehmen. Die Heilige Kongregation für die Sakramente und den Göttlichen Kult beklagte schon 1980 mit der Instruktion Inaestimabile donum einen wachsenden Verlust des Sinnes für das Heilige in der Liturgie, der in den letzten Jahrzehnten leider nicht halt gemacht hat. Sicherlich liebt uns der Herr auf viele Weisen durch seine Vorsehung: das natürliche Leben, die Luft, die wir einatmen, unseren Nächsten, usw. Gott gibt uns viele Dinge, aber es gibt eine Liebe, für die Gott uns sich selbst schenkt, indem er uns an seiner göttlichen Natur teilnehmen lässt: diese Liebe heißt ‚Gnade‘ und sie ist eine Liebe, die jede andere Liebe übersteigt. Wenn wir den Ausdruck ‚alles ist Gnade‘ missverstehen, wenn wir nicht die angemessenen Unterscheidungen machen, riskieren wir, in den Panteismus und Naturalismus zu fallen: denn, wenn alles Gnade ist, ist nichts Gnade: wenn es kein erstes Stockwerk gibt (die natürliche Ordnung und die providenzielle Liebe – die Liebe, die vorsorgt), gibt es auch kein zweites Stockwerk (die übernatürliche Ordnung und die Gnade). Es tut Not, dass dies ganz klar ist: über die Vorsehung hinaus gibt es eine Liebe Gottes, die nicht allgemein, sondern besonders ist, dilectio specialis. Und diese dilectio specialis ist in der Eucharistie enthalten.

Deshalb beginnt der hl. Thomas von Aquin seine Abhandlung über die Eucharistie damit, dass er zeigt, was diesem Sakrament eigentümlich ist: wenn die anderen Sakramente „Zeichen von etwas Heiligem sind, insofern sie den Menschen heiligen“ (Summa Theologiae, III, q. 60, a. 2, c), ist hier das Heilige nicht nur bezeichnet, sondern substanziell gegenwärtig: „Das ist der Unterschied zwischen der Eucharistie und den anderen Sakramenten, die eine wahrnehmbare Materie haben: die Eucharistie enthält in absolutem Sinn etwas Heiliges und das ist Christus selbst“ (Summa Theologiae, III, q. 73, a. 1, ad 3). Die Eucharistie ist heilig, denn sie enthält das Heilige schlechthin, den dreimal Heiligen, jenen Gott, der Liebe ist, das heiligste und heilige der Liebe; nicht umsonst ist die Eucharistie das Sacramentum caritatis. Den Sinn für das Heilige zu haben heißt, diese besondere Gegenwart wahrzunehmen.

Während der Ausdruck ‚Transsubstantioation‘ die Wirklichkeit der Gegenwart anzeigt, lässt uns der Sinn für das Heilige die absolute Eigenart und Heiligkeit erahnen. Welche Schande wäre es, den Sinn für das Heilige gerade in dem zu verlieren, was das Heiligste ist! Und wie ist das möglich? Dadurch, dass man die besondere Speise auf dieselbe Weise empfängt wie eine gewöhnliche Speise. Es wäre Gnostizismus zu denken, den Glauben des Menschen von den äußeren wahrnehmbaren Zeichen trennen zu können, die indes folgerichtig mit dem sein müssen, was sie bezeichnen, weil der Mensch zur Wahrnehmung der unsichtbaren Wirklichkeiten gewöhnlich nur durch konkrete Zeichen kommt, indem er vom Bekannten zum Unbekannten voranschreitet, wie der doctor angelicus hervorhebt (cfr. Summa Theologiae, III, q. 60, a. 2, c). Das zweite Vatikanische Konzil erinnert in Sacrosanctum Concilium daran, wie wichtig die Gesten, die Körperhaltungen, die äußeren Zeichen und ihr großer pädagogischer Wert sind (cfr. SC, 30, 33). Folglich gebührt der realen Gegenwart einer besonderen Liebe (dilectio specialis) ein besonderer Kult, ein besonderes Lob, thema laudis specialis (sequenza Lauda Sion) und eine besondere Weise, sie zu empfangen: nicht wie ein gewöhnliches Brot.

Kein gewöhnliches Brot

Damit Kinder zur ersten Kommunion zugelassen werden können, verlangte der hl. Pius X nicht, dass diese (die Ausdrücke) ‚Substanz‘ und ‚Akzidenzien‘ erklären können, sondern dass sie das eucharistische Brot von gewöhnlichem Brot unterscheiden können (cfr. Decreto Quam singulari, 7 agosto 1910); das ist die erste Kenntnis, die Bedingung sine qua non, der erste Same, der sich dann zu einem tieferen Verständnis entwickeln kann (das Geplapper der Theologie in der Erwartung, Jesus nicht mehr verhüllt zu betrachten); Welchen Sinn für das Heilige kann ein Kind haben, wenn es das Eucharistische Brot auf dieselbe Weise empfängt, wie es von der Mama eine Süßigkeit bekommt? Der Herr selbst bittet uns, den Sinn für das Heilige zu kultivieren: der Prophet Maleachi sagt: „Wenn ich der Vater bin – wo bleibt dann die Ehrerbietung? Wenn ich der Herr bin – wo bleibt dann die Furcht vor mir?, spricht der HERR der Heerscharen zu euch, ihr Priester, die ihr meinen Namen verachtet“ (Mal 1,6). Diese göttliche Bitte steht jedoch nur und ausschließlich im Dienst des Menschen: „Du bedarfst nicht unseres Lobes, es ist ein Geschenk deiner Gnade, dass wir dir danken. Unser Lobpreis kann deine Größe nicht mehren, doch uns bringt er Segen und Heil durch unseren Herrn Jesus Christus“ (Wochentagspräfation IV) und sie helfen uns, die Geheimnisse des Glaubens glaubwürdig zu erhalten.

Die Liturgie besteht aus vielen kleinen Riten und Gesten – jede von ihnen ist in der Lage, diese Haltungen reich an Liebe, kindlichem Respekt und Anbetung Gottes auszudrücken. Gerade deshalb ist es angebracht, die Schönheit, Zweckmäßigkeit und den pastoralen Wert einer während des langen Lebens und der Tradition der Kirche entwickelten Praxis zu fördern und das ist die Gebärde, die hl. Kommunion auf die Zunge und auf den Knien zu empfangen.

Die Größe und der Adel des Menschen, so wie der höchste Ausdruck seiner Liebe zu seinem Schöpfer, besteht darin, sich vor Gott niederzuknien. Jesus selbst hat in der Gegenwart des Vaters auf den Knien gebetet: „Dann entfernte er sich von ihnen ungefähr einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete: Pater, si vis, transfer calicem istum a me; verumtamen non mea voluntas sed tua fiat: „Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen““ (Lk 22,42; Mk 14,35-36; Mt 26,38-39). Die Liturgie des Himmels besteht darauf und empfiehlt, dass man sich vor dem geopferten Lamm niederwirft: „Und ich sah: Zwischen dem Thron und den vier Lebewesen und mitten unter den Ältesten stand ein Lamm; es sah aus wie geschlachtet und hatte sieben Hörner und sieben Augen; die Augen sind die sieben Geister Gottes, die über die ganze Erde ausgesandt sind. Das Lamm trat heran und empfing das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß. Als es das Buch empfangen hatte, fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen“ (Offb 5,6-8).

Das Beispiel des hl. Johannes Paul

In diesem Zusammenhang möchte ich auf das Beispiel zweier großer Heiliger unserer Zeit hinweisen: auf den hl. Johannes Paul II und die hl. Teresa von Kalkutta. Das ganze Leben von Karol Wojtyła war gezeichnet von einem tiefen Respekt vor der heiligen Eucharistie.

Darüber müsste man viel sagen und vieles ist darüber geschrieben worden. Es genügt einfach an die letzten Jahre seines Petrusdienstes zu erinnern: ein Mensch, in seinem Körper von der Krankheit gezeichnet, die fortschreitend und irreversibel zu einer fast totalen physischen Beeinträchtigung führte. Aber ungeachtet dessen, dass er erschöpft und ohne Kräfte war, buchstäblich von der Krankheit zerschlagen, quasi mit Christus angenagelt, erlaubte es sich Johannes Paul II nie, in Gegenwart des ausgesetzten Heiligsten Sakramentes zu sitzen. Wer erinnert sich nicht mit Emotionen und Zuneigung an jene Bilder von Papst Johannes Paul II, zusammengedrückt von der Krankkeit, zermürbt, aber während der Fahrt der Fronleichnamsprozesion von San Giovanni in Laterano zur Basilika Santa Maria Maggiore vor dem Allerheiligsten immer auf den Knien? Der Papst, höchst erkrankt, hat es sich selbst auferlegt, vor dem Allerheiligsten zu knien. Er war unfähig, sich allein niederzuknien und aufzustehen. Er brauchte andere, um die Knie zu beugen und dann aufzustehen. Bis zu seinen letzten Tagen wollte er uns ein großes Zeugnis der Ehrerbietung dem Heiligsten Sakrament gegenüber geben. Warum sind wir so stolz und gefühllos den Zeichen gegenüber, die Gott selber uns für unser geistliches Wachstum und für unsere intime Beziehung mit Ihm anbietet? Warum knien wir nicht nieder, um die hl. Kommunion nach dem Beispiel der Heiligen zu empfangen? Ist es wirklich zu demütigend, niederzufallen und vor dem Herrn Jesus Christus auf den Knien zu sein? Jedoch „er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und erniedrigte sich und […] war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,6-8).

Das Beispiel der hl. Teresa von Kalkutta

Die hl. Mutter Teresa von Kalkutta, eine außergewöhnliche Ordensfrau, die niemand als Traditionalistin, Fundamentalistin oder Extremistin zu behandeln wagte, deren Glaube, Heiligkeit und totale Hingabe an Gott und die Armen allen bekannt war, hatte einen absoluten Respekt und Verehrung zum göttlichen Leib Jesu Christi.

Sicher berührte sie täglich in den ausgemergelten und leidenden Körpern der Ärmsten der Armen „das Fleisch“ Christi. Jedoch, erfüllt mit Staunen und ehrfurchtsvoller Verehrung, enthielt sie sich, den verwandelten Leib Christi zu berühren; lieber betete sie ihn an und betrachtete ihn still, blieb lange auf den Knien und vor dem eucharistischen Jesus niedergeworfen. Außerdem empfing sie die hl. Kommunion in ihren Mund wie ein kleines Kind, das sich demütig von seinem Gott ernähren ließ. Die Heilige wurde traurig und war in Schmerzen, wenn sie Christen die hl. Kommunon mit der Hand empfangen sah. Darüber hinaus versicherte sie, dass alle ihre Schwestern ihrem Wissen nach die Kommunion nur auf die Zunge empfingen.

Ist dies nicht die Ermahnung, die Gott selber uns gibt: „Ich bin der HERR, dein Gott, der dich heraufgeführt hat aus Ägypten. Weit öffne deinen Mund! Ich will ihn füllen“ (Ps 81,11).

Die Zeichen Gottes annehmen – kniende Mundkommunion

Warum beharren wir darauf, stehend und auf die Hand zu kommunizieren? Warum dieses Verhalten des Mangels an Unterwerfung unter die Zeichen Gottes? Möge kein Priester es wagen, seine eigene Autorität in dieser Frage aufzuerlegen, indem er es jenen, die die Kommunion auf den Knien und auf die Zunge empfangen wollen, verweigert oder diese schlecht behandelt: kommen wir wie Kinder und empfangen wir demütig auf den Knien und auf die Zunge den Leib Christi. Die Heiligen geben uns das Beispiel. Sie sind die Modelle, die Gott uns zur Nachahmung anbietet!

Aber wie konnte die Praxis, die Eucharistie in die Hand zu empfangen, so allgemein werden? Pfarrer Bortoli gibt uns die Antwort, gestützt auf eine bis dato unveröffentlichte Dokumentation, außerordentlich in Qualität und Umfang. Es handelte sich um einen Prozess, alles andere als klar, ein Übergang von dem, was die Instruktion Memoriale Domini einräumte bis hin zur Weise, die heute so verbreitet ist: es war – nur den Bischofskonferenzen der Länder, wo die Praxis schon missbräuchlich eingeführt war – zugestanden worden, ein Indult zu erbitten, um die Kommunion in die Hand austeilen zu können; und das nur dort, wo es unmöglich war und von Schaden für das Prinzip der Autorität, zur korrekten Weise des Kommunionempfangs zurückzukehren. Wie für die lateinische Sprache, als auch für eine liturgische Reform, die mit den früheren Riten in Einklang hätte sein sollen, ist ein besonderes Zugeständnis leider das Schlupfloch geworden, um den Safe der liturgischen Kirchenschätze zu erzwingen und zu leeren. Der Herr führt den Gerechten auf ‚geraden Wegen‘ (vgl. Weish 10,10), nicht auf Schleichwegen; über die oben gezeigten theologischen Motivationen hinaus, zeigt sich folglich, dass sich auch die Weise, wie sich die Praxis der Handkommunion verbreitet hat, nicht den Wegen Gottes gemäß durchgesetzt hat.

Möge dieses Buch jene Priester und jene Gläubigen ermutigen, die auch vom Beispiel Benedikt XVI bewegt – der in den letzten Jahren seines Pontifikats die Eucharistie in den Mund und auf den Knien austeilen wollte – die Eucharistie in letzterer Weise verwalten und empfangen wünschen, was dem Sakrament selbst viel mehr entspricht. Ich hoffe, dass es zu einer Wiederentdeckung und Förderung der Schönheit und des pastoralen Wertes dieses Modus kommt. Meiner Meinung und meinem Urteil nach ist dies ein wichtiges Anliegen, über das die Kirche von heute nachdenken muss. Das ist ein weiterer Akt der Anbetung und der Liebe, den jeder von uns Jesus Christus anbieten kann.

Es freut mich sehr, viele Jugendliche zu sehen, die sich entscheiden, unseren Herrn so, ehrfürchtig auf den Knien und auf die Zunge zu empfangen. Möge die Arbeit von Pfarrer Bortoli ein allgemeines Überdenken der Weise der Spendung der heiligen Kommunion begünstigen; wie ich am Anfang dieses Vorwortes sagte, haben wir gerade 100 Jahre Fatima gefeiert und sind ermutigt in der Erwartung des sicheren Triumphes des Unbefleckten Herzens Mariens: demnach wird auch die Wahrheit in der Liturgie triumphieren.

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Im Februar 2018 publizierte Pfarrer Federico Bortoli das Buch „La distribuzione della comunione sulla mano“ (Die Spendung der Kommunion auf die Hand). Das Vorwort zu diesem Buch schrieb der Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Kardinal Robert Sarah, das oberhalb abgedruckt ist
(Übersetzung aus dem Italienischen von Pfarrer Johannes Lehrner).

Kardinal Sarah kommt der Bitte des Papstes nicht nach — Kein Dementi in Sicht

Das gab es so noch nicht. Franziskus hatte den Präfekten der Liturgie-Kongregation öffentlich korrigiert. In einem Schreiben an ihn widerspricht ihm der Papst und fordert eine Entgegnung. Doch dieser schweigt.

In einer von ihm angestoßenen theologischen Debatte ist Kurienkardinal Robert Sarah einer Aufforderung von Papst Franziskus zu einem Dementi bislang nicht nachgekommen.  Dabei geht es um die Frage, wer das letzte Wort bei liturgischen Übersetzungen in die jeweilige Landessprache hat. Nach Recherchen der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) ging Sarah bis Dienstag offenbar nicht auf eine Bitte des Papstes ein, seine Entgegnung auf Ausführungen des Kardinals im Internet öffentlich zu machen. Der aus Guinea stammende Kardinal leitet die Gottesdienstkongregation im Vatikan.

Kanon 838 des Kirchenrechts präzisiert

Franziskus hatte in seinem Erlass „Magnum Principium“ den Kanon 838 des Kirchenrechts präzisiert. Für die Übersetzung liturgischer Texte sind demnach vor allem die nationalen Bischofskonferenzen zuständig. Sie sollen diese nur noch durch Rom bestätigen lassen. Dort, so ein Anliegen der Änderung, sollen keine Alternativübersetzungen mehr verfasst werden.

Sarah dagegen sieht die letzte Entscheidung nach wie vor bei der Gottesdienstkongregation. Das zumindest geht aus einem Beitrag hervor, den Sarah im französischen Internetportal L’Homme Nouveau veröffentlichen ließ. Mehrere andere Portale übernahmen diesen Text oder zitierten auszugsweise daraus.

Schreiben an den Kardinal

Franziskus wandte sich daraufhin in einem Schreiben an den Kardinal, in dem er die Autorschaft Sarahs zwar anzweifelte, zugleich aber diesen aufforderte, die Verbreitung „dieser, meiner Antwort“ auf den entsprechenden Internetseiten zu veranlassen „sowie diese ebenso sämtlichen Bischofskonferenzen und Mitgliedern und Beratern Ihres Dikasteriums zukommen zu lassen“.

Wie L’Homme Nouveau-Chefredakteur Philippe Maxence auf Anfrage bestätigte, stammt der Text von Sarah selbst. Bislang habe der Kardinal auch kein Dementi abgegeben. Auch sei bei der Redaktion keine Bitte eingegangen, eine Entgegnung des Papstes zu veröffentlichen. „Wenn ich etwas derartiges erhalten hätten, dann hätte ich es auch publiziert“, so Maxence. Die Gottesdienstkongregation äußerte sich bislang nicht.

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Kardinal Sarah: Tablets nicht in Liturgie benutzen

Mexikanische Bischöfe schauen auf ein Smartphone. — KNA

Geistliche beten das Stundengebet auf dem Smartphone, Priester lesen Predigten von Tablets vor – digitale Geräte sind zunehmend auch in Gottesdiensten zu finden. Kardinal Robert Sarah würde das gern unterbinden.

Smartphones und Tablet-Computer seien zwar sehr praktisch, aber für liturgische Zwecke ungeeignet: Das sagte der Präfekt der vatikanischen Gottesdienstkongregation, Kardinal Robert Sarah, am Donnerstagabend bei einem theologischen Kongress in Rom.

Sarah: Besonders schlimm, wenn Priester es tun“

„Diese Geräte sind keine geweihten und für Gott reservierten Instrumente; wir benutzen sie für Gott und für andere, profane Dinge“, so Sarah bei der Veranstaltung zum zehnten Jahrestag des Papstdekrets „Summorum Pontificum„. Mit diesem Dokument hatte Benedikt XVI. 2007 die Feier der älteren Form der Liturgie weitgehend freigegeben.

Zum Breviergebet oder einem Gottesdienst sollten solche elektronischen Geräte abgeschaltet oder am besten ganz zu Hause gelassen werden, empfiehlt der Kurienkardinal. Nur dann könne sich der Gläubige ganz auf Gott konzentrieren und auf ihn hören. Aus dem selben Grund äußerte sich Sarah kritisch über Fotografieren im Gottesdienst. Besonders schlimm sei, wenn Priester dies tun. (KNA)

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Die Kraft der Stille: Das ganze Interview mit Kardinal Sarah in deutscher Sprache

Kardinal Sarah — Foto: Paval Hadzinski (Ausschnitt) via Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Großes Aufsehen hat Kardinal Robert Sarah mit seinem neuen Interview erregt, in dem der bekannte Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung warnt: „Wir laufen Gefahr, die heiligen Geheimnisse auf gute Gefühle zu reduzieren“. CNA veröffentlicht nun eine deutsche Übersetzung des vollständigen Interviews mit freundlicher Genehmigung von Kardinal Sarah und „La Nef“.

Das französische Original dieses Gesprächs erschien in La  Nef  N°285Oktober 2016.

Nach dem Erfolg von „Gott oder Nichts“ [deutsche Version: fe-Medienverlag, 2015] veröffentlicht Kardinal Sarah Anfang Oktober ein neues Buch mit Nicolas Diat. Ein wunderbares Buch von erstaunlicher spiritueller Tiefe, das uns eintreten läßt in das Herz des Geheimnisses Gottes: die Stille, die notwendig ist für jede Begegnung mit dem Herrn sowohl im inneren Leben als auch in der Liturgie. Das Buch ist eine Begegnung mit einem Menschen, in dem die Gegenwart Gottes spürbar ist.

Das Buch, das Sie den Lesern vorlegen, ist eine echte geistliche Betrachtung über die Stille. Warum haben Sie sich auf eine so tiefe Reflexion eingelassen, die man normalerweise von einem Präfekten der Gottesdienstkongregation nicht erwarten würde, der für sehr konkrete Angelegenheiten in der Kirche zuständig ist, nicht erwarten würde?

 

„Die erste Sprache Gottes ist die Stille“. Indem er diese reiche und tiefe Intuition des hl. Johannes vom Kreuz kommentiert, schreibt Thomas Keating in seinem Werk „Invitation to love“: „Alles andere ist eine armselige Übersetzung, wir müssen lernen still zu sein und uns bei Gott auszuruhen“.

Es ist Zeit, die wahre Ordnung der Prioritäten wiederzufinden. Es ist Zeit, Gott wieder in die Mitte unserer Sorgen und Beschäftigungen, in die Mitte unseres Handelns und unseres Lebens zu stellen, an die einzige Stelle, die Ihm gebührt. So wird unser christlicher Lebensweg seinen Schwerpunkt in diesem Felsen finden, im Licht des Glaubens seine Struktur finden und sich im Gebet ernähren, das ein Moment der stillen und intimen Begegnung ist, wo der Mensch sich im Angesicht Gottes aufhält, um Ihn anzubeten und Ihm seine kindliche Liebe auszudrücken.

Täuschen wir uns nicht. Die wahre Dringlichkeit besteht darin, den Sinn für Gott wiederzufinden. Dem Vater können wir aber nur in der Stille nahekommen. Das, was die Kirche heute braucht, ist nicht eine Verwaltungsreform, ein weiteres Pastoralprogramm, eine strukturelle Veränderung. Das Programm existiert schon: es ist das Programm aller Zeiten, entnommen aus dem Evangelium und der lebendigen Tradition. Es hat seine Mitte in Jesus Christus selbst, den wir kennen, lieben, nachahmen müssen, um in Ihm und durch Ihn zu leben, um unsere Welt zu verwandeln, diese Welt, die lebt, als ob Gott nicht existierte. Als Priester, als Hirte, als Präfekt, als Kardinal ist es meine größtes Anliegen zu sagen, daß Gott allein das Herz des Menschen erfüllen kann.

Ich glaube, daß wir Opfer der durch die Mediengesellschaft verbreiteten Oberflächlichkeit, des Egoismus und des verweltlichten Geistes sind. Wir verlieren uns in Kämpfen um Einfluß, in Konflikten zwischen Personen, in einem narzißtischen und hohlen Aktivismus. Wir blasen uns auf vor Stolz und Ehrgeiz und sind gefangen im Willen zur Macht. Für Titel, berufliche oder kirchliche Ernennungen nehmen wir feige Kompromisse in Kauf. Aber all das verschwindet wie Rauch. Mit meinem neuen Buch möchte ich die Christen und die Menschen guten Willens einladen, in die Stille einzutreten. Ohne sie befinden wir uns in der Scheinwirklichkeit. Die einzige Wirklichkeit, die unsere Aufmerksamkeit verdient, ist Gott selbst, und Gott ist still. Er wartet auf unsere Stille, um sich zu offenbaren.

Die Stille wiederzufinden, ist also eine Priorität, eine Notwendigkeit, eine Dringlichkeit.

Die Stille ist wichtiger als jedes menschliche Werk. Denn sie läßt Gott zum Ausdruck kommen. Die wahre Revolution kommt aus der Stille, sie führt uns zu Gott und zu den Mitmenschen hin, um uns demütig in ihren Dienst zu stellen.

Warum ist der Begriff der Stille für Sie so wesentlich? Ist die Stille notwendig, um Gott zu finden, und worin ist sie „die größte Freiheit des Menschen“ (n°25)? Ist die Stille als „Freiheit“ Form der Askese?

Die Stille ist kein Begriff, sie ist der Weg, der den Menschen erlaubt, zu Gott zu gehen.

Gott ist Stille, und die göttliche Stille nimmt im Menschen Wohnung. Indem wir mit dem stillen Gott und in Ihm leben, müssen wir selber still werden. Nichts wird uns besser Gott entdecken lassen als diese Stille, die ins Herz unseres Seins eingeschrieben ist.

Ich scheue mich nicht, zu behaupten, daß Kinder Gottes zu sein heißt, Kinder der Stille zu sein.

Das Erlangen der Stille bedeutet einen Kampf und eine Askese. Ja, man braucht  Mut, um sich von all dem zu befreien, was unser Leben beschwert, welches nichts so sehr liebt wie den Schein, die mühelose Erreichbarkeit und die äußere Hülle der Dinge. Der Schwätzer, der sich von dem Bedürfnis, alles zu sagen, nach außen mitreißen läßt, kann nur fern von Gott sein und unfähig jeder tiefen spirituellen Tätigkeit. Im Gegensatz dazu ist der stille Mensch ein freier Mensch. Die Ketten der Welt haben keine Macht über ihn.

Ich denke an meinen Vorgänger als Bischof von Conakry in Guinea, Msgr. Raymond-Marie Tchidimbo. Er war als Verfolgter der kommunistischen Diktatur fast neun Jahre lang im Gefängnis. Niemandem durfte er begegnen und mit niemandem sprechen. Das Schweigen, das ihm von seinen Peinigern auferlegt war, ist ihm zum Ort der Gottesbegegnung geworden. Auf geheimnisvolle Weise ist ihm sein Kerker zu einem wahren „Noviziat“ geworden, und diese Verurteilung zu Elend und Stummheit hat ihm erlaubt, ein wenig die große Stille des Himmels zu verstehen.

Ist es in einer Welt, in der die Geräusche und der Krach in allen ihren Formen niemals aufhören, noch möglich, die Bedeutung der Stille zu erkennen? Ist das eine neue Situation der „Modernität“ mit ihren Medien, dem Fernsehen, dem Internet oder war der Krach immer ein Charakteristikum der „Welt“?

Gott ist still, der Teufel ist laut. Seit jeher versucht Satan, seine Lügen unter der Maske einer trügerischen und lauten Geschäftigkeit zu verbergen. Dem Christen ist es aufgetragen, nicht von der Welt zu sein. Es gehört zu seinem Leben, sich von den Geräuschen der Welt abzuwenden, vom Lärm, der zügellos dahineilt, um uns vom Wesentlichen abzulenken: von Gott.

Unsere ultratechnisierte und übergeschäftige Welt hat uns nur noch kränker gemacht. Der Lärm ist wie eine Droge, von der unsere Zeitgenossen abhängig sind. Mit seinem Anschein von Feierstimmung ist der Lärm ein Wirbel, der es vermeidet, sich ins Gesicht zu schauen, sich mit der inneren Leere zu konfrontieren. Er ist eine diabolische Lüge. Das Erwachen daraus kann nur eine brutale Erfahrung sein.

Ich fürchte mich nicht, alle Menschen guten Willens aufzurufen, in eine Art Widerstand einzutreten. Was würde aus unserer Welt, wenn sie keine Oasen der Stille finden könnte?

Im Schwall geschäftiger und hohler Worte scheint die Stille ein Zeichen von Schwäche zu sein. In der modernen Welt wird der stille Mensch als einer angesehen, der sich nicht zu verteidigen weiß. Er ist ein „Untermensch“ gegenüber dem sogenannten Starken, der den anderen mit seinem Wortschwall erdrückt und  ertränkt. Der stille Mensch wird als überflüssig empfunden. Das ist der tiefe Grund  für die schrecklichen Verbrechen oder für die Verachtung und den Haß der Moderne gegen die stillen Wesen, die die ungeborenen Kinder sind, die Kranken oder die Sterbenden. Diese Menschen sind wunderbare Propheten der Stille. Zusammen mit ihnen scheue ich mich nicht, zu bekräftigen, daß die Priester der Moderne, die der Stille eine Art Krieg erklärt haben, die Schlacht verloren haben. Denn wir können stillbleiben inmitten des größten Durcheinanders, der schändlichsten Unruhe, inmitten des Krachs und des Schreiens dieser höllischen Maschinen, die zum Aktivismus einladen und uns jeder transzendenten Dimension und jeder Innerlichkeit entreißen.

Bleibt Gott auch dann noch still, wenn der innerliche Mensch die Stille sucht, um Ihn zu finden? Und wie können wir verstehen, was einige das „Schweigen Gottes“ nennen angesichts von Dramen extremer Bosheit, wie der Shoa, der Gulags…? Oder, allgemeiner gesagt, läßt die Existenz des Bösen die „Allmacht Gottes“ in Zweifel ziehen?

Ihre Frage läßt uns eintreten in ein sehr tiefes Geheimnis. In der Großen Kartause haben wir dieses Geheimnis sehr lange meditiert mit dem Generalprior, Dom Dysmas de Lassus.

Gott will das Böse nicht. Dennoch bleibt Er erstaunlich still gegenüber unseren Prüfungen. Trotz allem läßt das Leiden die Allmacht Gottes nicht in Zweifel ziehen, sondern es offenbart sie uns. Ich höre noch die Stimme des Kindes, das weinend fragte: „Warum hat Gott nicht verhindert, das Papa getötet wurde?“ In seinem geheimnisvollen Schweigen offenbart sich Gott in der Träne, die von diesem Kind vergossen wird, und nicht in der Weltordnung, die diese Träne rechtfertigen würde. Gott hat seine geheimnisvolle Weise, uns in unseren Prüfungen nahe zu sein. Er ist intensiv gegenwärtig in unseren Erprobungen und Leiden. Seine Kraft macht sich still, denn sie offenbart seine unendliche Feinfühligkeit, seine liebevolle Zärtlichkeit für die, die leiden. Die äußerlichen Bezeugungen sind nicht unbedingt die besten Beweise der Nähe. Die Stille offenbart das Mitleiden, die Anteilnahme Gottes an unseren Leiden. Gott will das Böse nicht. Und je grausamer das Leiden ist, desto mehr zeigt sich, daß Gott in uns das erste Opfer ist.

Der Sieg Christi über den Tod und die Sünde vollzieht sich im großen Schweigen des Kreuzes. Gott offenbart seine ganze Macht im Schweigen, das keine barbarische Untat jemals besudeln kann.

Als ich mich in den Ländern aufhielt, die gewaltige und tiefe Krisen, Leiden und tragisches Elend durchlebten wie Syrien, Libyen, Haiti oder die Philippinen nach den Verwüstungen durch den Taifun, habe ich festgestellt, wie sehr das stille Gebet der letzte Schatz derer ist, die alles verloren haben. Das Schweigen ist der letzte Graben, wohin niemand vordringen kann, die letzte Kammer, wo man in Frieden bleiben kann, der Ort, wo das Leiden für einen Augenblick die Waffen streckt. Verstecken wir uns also im Leiden hinter der Festung des Gebetes! Dann hat die Macht der Henker keine Bedeutung mehr; die Verbrecher können rasend alles zerstören, es ist unmöglich, in das Schweigen einzubrechen, in das Herz, in das Gewissen eines Menschen, der betet und sich in Gott verbirgt. Das Schlagen eines stillen Herzens, die Hoffnung, der Glaube und das Gottvertrauen können darin nicht untergehen. Im Äußeren kann die Welt ein Trümmerfeld werden, aber im Inneren unserer Seele, in der größten Stille wacht Gott. Der Krieg und das Gefolge des Schreckens überwinden niemals den in uns gegenwärtigen Gott. Angesichts des Bösen und des Schweigens Gottes muß man immer im Gebet bleiben und still schreiend mit Glaube und Liebe sprechen:

„Ich habe dich gesucht, Jesus!

Ich habe dich vor Freude weinen hören bei der Geburt eines Kindes.

Ich habe dich die Freiheit suchen gesehen durch die Gitter eines Gefängnisses.

Ich bin an dir vorübergegangen, als du um ein Stück Brot betteltest.

Ich habe dich vor Schmerz schreien gehört, als deine Kinder von Bomben zerschmettert wurden. Ich habe dich in den Krankenhauszimmern entdeckt, wo du Therapien ohne Liebe unterworfen wurdest.

Jetzt habe ich dich gefunden; ich will dich nicht mehr verlieren.

Ich bitte dich, lehre mich dich lieben.“

Mit Jesus ertragen wir unsere Leiden und Prüfungen besser.

Welche Rolle schreiben Sie der Stille in unserer lateinischen Liturgie zu, wo sehen Sie sie und wie vereinbaren Sie Stille und Teilnahme?

Vor der Majestät Gottes verlieren wir unsere Worte. Wer wagte es, vor dem Allmächtigen das Wort zu ergreifen? Der hl. Johannes Paul II. sah in der Stille das Wesen jeglicher Gebetshaltung, denn die mit der angebeteten Gegenwart gefüllte Stille offenbart „die demütige Annahme der Grenzen des Geschöpfes vor der unendlichen Transzendenz eines Gottes, der nicht aufhört, sich als Gott der Liebe zu offenbaren“. Die mit vertrauensvoller Ehrfurcht und Anbetung angefüllte Stille abzulehnen bedeutet, die Freiheit Gottes abzulehnen, uns durch seine Liebe und seine Gegenwart zu ergreifen. Das heilige Schweigen ist also der Ort, wo wir Gott begegnen können, denn wir kommen zu Ihm mit der rechten Haltung des Menschen, der sich zitternd zurückhält und doch vertrauensvoll hofft. Wir Priester müssen diese kindliche Ehrfurcht vor Gott und die Heiligkeit unserer Beziehung zu ihm neu erlernen. Wir müssen neu lernen, vor Staunen angesichts der Heiligkeit Gottes und der unerhörten Gnade unseres Priestertums zu zittern.

Das Schweigen lehrt uns eine bedeutsame Regel des geistlichen Lebens: die Vertraulichkeit fördert nicht die Intimität, im Gegenteil: die rechte Distanz ist eine Bedingung der Kommunion. Durch die Anbetung geht die Menschheit auf die Liebe zu. Die heilige Stille öffnet auf die mystische Stille hin, die voll liebender Intimität ist. Unter dem Joch der weltlichen Vernunft haben wir vergessen, daß das Heilige und der Kult die einzigen Eingangstüren zum geistlichen Leben sind. Ich zögere also nicht zu beteuern, daß die heilige Stille ein Grundgesetz jeder liturgischen Zelebration ist.

Sie erlaubt es uns nämlich, in die Teilnahme am gefeierten Mysterium einzutreten. Das Zweite Vatikanische Konzil hat betont, daß die Stille ein bevorzugtes Mittel ist, die Teilnahme des Volkes Gottes an der Liturgie zu fördern.

Die Konzilsväter wollten zeigen, was eine wahre liturgische Teilnahme ist: das Eintreten in das göttliche Mysterium. Unter dem Vorwand, den Zugang zu Gott zu erleichtern, haben einige gewollt, daß alles in der Liturgie unmittelbar einsichtig, rational, horizontal und menschlich sei. Aber auf diese Weise riskieren wir, das  heilige Mysterium auf gute Gefühle zu reduzieren. Unter dem Vorwand der Pädagogik erlauben sich einige Priester nicht enden wollende oberflächliche und horizontale Kommentare. Haben diese Hirten Angst, daß die Stille vor dem Allerhöchsten die Gläubigen verwirren könnte? Glauben sie, daß der Heilige Geist unfähig ist, die Herzen für die göttlichen Mysterien zu öffnen und ihnen sein Licht und seine geistliche Gnade auszuspenden?

Der hl. Johannes Paul II. warnt uns: Der Mensch tritt in die Teilhabe an der göttlichen Gegenwart vor allem ein, „indem er sich zu einer anbetenden Stille erziehen läßt, denn auf dem Gipfel der Erkenntnis und Erfahrung Gottes steht seine absolute Transzendenz“.

Die heilige Stille ist ein Gut der Gläubigen, und die Kleriker dürfen sie dessen nicht berauben!

Die Stille ist der Stoff, aus dem unsere Liturgien gemacht sein müssen. Und nichts in ihnen darf die Atmosphäre der Stille stören, die ihr natürliches Klima ist.

Besteht nicht ein gewisses Paradox darin, einerseits die Notwendigkeit der Stille in der Liturgie zu behaupten und andererseits die östlichen Liturgien anzuerkennen, die ja keine Momente des Schweigens haben (n° 259) und doch besonders schön, sakral und dem Gebet hingegeben sind?

Ihre Anmerkung ist vernünftig und zeigt, daß es nicht ausreicht, „Momente der Stille“ vorzuschreiben, damit die Liturgie vom heiligen Schweigen durchtränkt sei.

Das Schweigen ist eine Haltung der Seele. Es ist keine Pause zwischen zwei Riten, es ist selbst ganz und gar Ritus.

Sicher, die östlichen Riten sehen keine Zeiten der Stille während der Göttlichen Liturgie vor. Nichtsdestoweniger haben sie eine intensive Erfahrung der apophatischen Dimension des Gebets angesichts des „unaussprechlichen, unfaßlichen, unbegreiflichen“ Gottes. Die Göttliche Liturgie ist wie ins Mysterium eingetaucht. Bei uns, den Lateinern, ist das Schweigen eine klingende Ikonostase. Die Stille ist Mystagogie, sie läßt uns ins Mysterium eintreten, ohne es zu entweihen. Die Sprache der Mysterien in der Liturgie ist eine stille Sprache. Die Stille verbirgt nicht, sie offenbart in der Tiefe.

Der hl. Johannes Paul II. lehrt uns, daß „das Mysterium sich ständig verhüllt, sich mit Schweigen bedeckt, um zu vermeiden, daß man an Gottes Stelle ein Idol aufstellt“. Ich möchte feststellen, daß die Gefahr für die Christen heute groß ist, Götzenanbeter zu werden. Als Gefangene des Geräusches nicht endender menschlicher Gespräche sind wir nicht weit davon, einen Kult auf unserem Niveau zu entwickeln, einen Gott nach unserem Bild zu bauen. Wie es Kardinal Godfried Danneels anmerkte, hat die „westliche Liturgie, so wie sie praktiziert wird, den Hauptfehler, zu geschwätzig zu sein“. In Afrika sagt der ruandische Priester Faustin Nyobayré, daß die „Oberflächlichkeit nicht die Liturgie oder die scheinbar religiösen Versammlungen verschont, aus denen man eher atemlos und schwitzend wieder hinausgeht als erholt und erfüllt von dem, was man gefeiert hat, um es besser leben und bezeugen zu können“. Die Zelebrationen werden manchmal laut und anstrengend. Die Liturgie ist krank. Das auffallendste Symptom dieser Krankheit ist die Allgegenwart des Mikrophons. Es ist so unverzichtbar geworden, daß man sich fragt, wie man vor seiner Erfindung überhaupt Liturgie feiern konnte!

Der äußere Lärm und der Lärm im eigenen Innern entfremden uns unserer selbst. Im Lärm kann der Mensch nur der Banalität verfallen: wir sind oberflächlich in dem, was wir sagen, wir geben hohle Reden von uns, wo endlos gesprochen wird, solange  man nur irgendwas zu sagen findet, eine Art unverantwortliches Gewirr aus Scherzen und Worten, die töten. Wir sind oberflächlich auch in dem, was wir tun: wir leben in der Banalität, erheben dabei den Anspruch, vernünftig und moralisch zu sein, und finden nichts Außergewöhnliches darin.

Oft verlassen wir die Kirchen nach laut und oberflächlich zelebrierten Liturgien, ohne Gott begegnet zu sein und den inneren Frieden gefunden zu haben, den Er uns schenken will.

Nach ihrem Vortrag in London im vergangenen Juli sind sie auf die  Ausrichtung der Liturgie nach Osten zurückgekommen und wollen sie in unseren Kirchen praktiziert sehen: Warum ist sie so wichtig? Und wie möchten Sie, daß diese Änderung sich vollzieht?

Die Stille stellt uns vor eine Wesensfrage der Liturgie. Die Liturgie ist mystisch. Im Maße, in dem wir uns ihr mit einem lauten Herzen nähern, bekommt sie oberflächlichen und menschlichen Charakter. Die liturgische Stille ist eine radikale und wesentliche Disposition; sie bedeutet eine Umkehr des Herzens. Nun heißt Umkehr etymologisch sich umwenden, sich zu Gott hin wenden. Es ist gibt keine echte Stille in der Liturgie, wenn wir nicht mit unserem ganzen Herzen zum Herrn hin ausgerichtet sind. Wir müssen umkehren, uns zum Herrn hin kehren, um Ihn anzuschauen, sein Antlitz zu betrachten und vor seinen Füßen anbetend niederzufallen. Wir haben ein Beispiel: Maria Magdalena hat Jesus am Ostermorgen erkennen können, weil sie sich zu Ihm umgewandt hatte: „Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat.“ „Haec cum dixisset, conversa est retrorsum et videt Jesus stantem – Nachdem sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen.“ (Joh 20, 13-14)

Wie können wir in diese Haltung eintreten, wenn wir uns nicht physisch, alle gemeinsam, Priester und Gläubige, zum kommenden Herrn hinwenden, zum durch die Apsis symbolisierten Osten hin, wo das Kreuz thront?

Diese äußere Orientierung führt uns zur inneren hin, welche durch sie symbolisiert wird. Seit den apostolischen Zeiten kennen die Christen diese Art zu beten. Es geht nicht darum, dem Volk den Rücken zuzuwenden, sondern darum, nach Osten zu schauen, zum Herrn hin.

Diese Weise des Gebets fördert die Stille. Der Zelebrant ist weniger versucht, das Wort zu monopolisieren. Vor dem Herrn spürt er weniger die Versuchung, ein Professor zu werden, der die ganze Messe lang eine Vorlesung gibt und den Altar zu einer Bühne macht, deren Mittelpunkt nicht mehr das Kreuz ist, sondern das Mikrophon! Der Priester muß sich darauf besinnen, daß er nichts weiter ist als ein Werkzeug in den Händen Christi, der er schweigen muß, um dem WORT Platz zu machen, daß die menschlichen Worte lächerlich wirken vor dem einen Ewigen Wort.

Ich bin davon überzeugt, daß die Priester mit einer anderen Stimme sprechen werden, wenn sie nach Osten hin zelebrieren. Wir sind in großem Maße weniger versucht, uns, wie Papst Franziskus sagt, selbst als Hauptakteure zu bergreifen.

Wichtig ist zu verstehen, daß diese legitime und wünschenswerte Zelebrationsweise nicht als eine Revolution auferlegt werden darf. Ich weiß, daß vielerorts eine vorbereitende Katechese den Gläubigen erlaubt hat, sich die Ausrichtung  nach  Osten hin anzueignen und sie schätzen zu lernen. Ich wünsche mir sehr, daß diese Frage nicht zu einem ideologischen Kampf zwischen Parteien wird. Es geht um unsere Beziehung zu Gott.

Wie ich vor kurzem in einer persönlichen Begegnung mit dem Heiligen Vater Gelegenheit hatte zu sagen, gebe ich hier nichts anderes als Anregungen, die aus meinem von der Sorge um das Wohl der Gläubigen erfüllten Herzen stammen. Es geht mir nicht darum, eine Praxis der anderen entgegenzustellen. Wenn es von den materiellen Gegebenheiten her unmöglich ist, nach Osten hin zu zelebrieren, muß notwendigerweise ein gut sichtbares Kreuz auf den Altar gestellt werden als Referenzpunkt für alle. Christus am Kreuz ist der christliche Osten.

Sie verteidigen glühend die Konzilskonstitution über die Liturgie und bedauern dabei, daß sie schlecht umgesetzt wurde. Wie erklären Sie das aus dem Abstand von 50 Jahren? Sind nicht die kirchlichen Autoritäten die ersten Verantwortlichen dafür?

Ich glaube, daß wir die Konzilsdokumente zu wenig im Geist des Glaubens lesen. In Bann geschlagen von dem, was Benedikt XVI. das Konzil der Medien nennt, unterwerfen wir sie einer zu menschlichen Lektüre, indem wir Brüche und Gegensätze suchen, wo das katholische Herz sich bemühen müßte, die Erneuerung in der Kontinuität zu finden. Mehr als je muß uns die in Sacrosanctum Concilium enthaltene Lehre des Konzils leiten. Es wäre an der Zeit, uns vom Konzil belehren zu lassen, anstatt es zu benutzen, um unsere Bemühungen um Kreativität zu rechtfertigen oder unsere Ideologien zu verteidigen, indem wir die heilige Liturgie als Waffe benutzen.

Ein einziges Beispiel: Das Zweite Vatikanum hat auf wunderbare Weise das Taufpriestertum der Laien als unsere Fähigkeit definiert, uns mit Christus dem Vater als Opfer darzubringen, um in Jesus „heilige, reine und unbefleckte Opfer“ zu werden. Wir haben hier das theologische Fundament der wahren Teilnahme an der Liturgie.

Diese spirituelle Wirklichkeit müßte besonders beim Offertorium gelebt werden, in diesem Moment, wo das christliche Volk sich zum Opfer bringt, nicht neben Christus, sondern in Ihm, durch sein Opfer, das bei der Wandlung verwirklicht wird.  Die erneute Lektüre des Konzils könnte uns erlauben zu vermeiden, daß unsere Offertorien durch Darbietungen entstellt werden, die mehr von Folklore als von Liturgie an sich haben. Eine gesunde Hermeneutik der Kontinuität könnte uns dahin führen, die alten, im Licht des Zweiten Vatikanums neu gelesenen Offertoriumsgebete wieder in ihre Ehre einzusetzen.

Sie weisen hin auf die von Ihnen gewünschte „Reform der Reform“ (n°257): Worin sollte sie vor allem bestehen? Betrifft sie beide Formen des Römischen Ritus oder nur die ordentliche Form?

Die Liturgie bedarf um der größeren Treue zu ihrer mystischen Natur willen immer einer Reform. Das, was „Reform der Reform“ genannt wird und was wir als „gegenseitige Bereicherung der Riten“ bezeichnen könnten, um einen Ausdruck aus dem Lehre Benedikts XVI. zu verwenden, ist eine geistliche Notwendigkeit. Sie betrifft beide Formen des Römischen Ritus.

Ich lehne es ab, unsere Zeit dazu zu verwenden, die eine Liturgie gegen die andere zu stellen oder den Ritus des heiligen Paul V. gegen den des seligen Paul VI. Es  geht darum, in die große Stille der Liturgie einzutreten; man muß sich von allen liturgischen Formen bereichern lassen, lateinischen oder östlichen. Warum sollte sich die außerordentliche Form nicht dem öffnen, was die aus dem Zweiten Vatikanum hervorgegangene liturgische Reform an Besserem hervorgebracht hat? Warum sollte die ordentliche Form nicht die alten Offertoriumsgebete wiederfinden, das Stufengebet oder ein wenig Stille während mancher Teile des Kanons?

Ohne einen kontemplativen Geist bleibt die Liturgie eine Gelegenheit zu haßerfüllten Entzweiungen und ideologischen Kämpfen, öffentlichen Demütigungen der Schwachen durch jene, die beanspruchen, die Autorität zu besitzen, während die Liturgie doch der Ort unserer Einheit und unserer Gemeinschaft im Herrn sein müßte. Warum gegeneinander kämpfen und sich verachten? Im Gegenteil, die Liturgie sollte uns alle zusammenkommen lassen in der Einheit des Glaubens und der wahren Kenntnis des Sohnes Gottes, zum vollkommenen Menschen, zur Fülle der Gestalt Christi… So in der Wahrheit der Liebe lebend werden wir in allem in Christus heranwachsen zu Ihm hin, der das Haupt ist (vgl. Eph 4, 13-15).

Wie können wir im aktuellen liturgischen Kontext der lateinischen Welt das Mißtrauen überwinden, das einige Anhänger der beiden liturgischen Formen desselben Römischen Ritus hegen, die es ablehnen, die andere Form zu zelebrieren und sie manchmal mit einer gewissen Verachtung betrachten?

Die Liturgie verderben heißt unsere Beziehung zu Gott und den Ausdruck unseres christlichen Glaubens zu verderben. Kardinal Charles Journet versicherte: „Die Liturgie und die Katechese sind die beiden Greifer der Zange, durch welche der Dämon dem christlichen Volk den Glauben entreißen und sich der Kirche bemächtigen will, um sie zu zermalmen, zu vernichten und endgültig zu zerstören. Heute noch liegt der große Drache vor der Frau, der Kirche, auf der Lauer, bereit, ihr Kind zu verschlingen.“ Ja, der Teufel will uns gegeneinander stellen im Herzen des Sakraments der Einheit selbst und der brüderlichen Gemeinschaft. Es ist Zeit, daß die Verachtung, das Mißtrauen und die Verdächtigungen ein Ende nehmen. Es ist Zeit, ein katholisches Herz wiederzufinden. Es ist Zeit, gemeinsam die Schönheit der Liturgie wiederzufinden, wie es uns der Hl. Vater Franziskus empfiehlt, denn, „die Schönheit der Liturgie spiegelt“ – wie er sagt – „die Herrlichkeit unseres Gottes wieder, die in seinem lebendigen und getrösteten Volk aufscheint“ (Predigt zur Chrisammesse am 28. März 2013).

Wie haben Sie ihren Aufenthalt in der Großen Kartause erlebt?

Ich danke Gott, daß er mir diese außerordentliche Gnade erwiesen hat. Und wie könnte ich die Dankbarkeit meines Herzens gegenüber Dom Dysmas de Lassus verschweigen für seine so warme Gastfreundschaft. Ich möchte ihn auch demütig um Verzeihung bitten für alle Störung, die ich durch meinen Aufenthalt bei ihm  verursacht haben mag. Die Große Kartause ist das Haus Gottes. Sie zieht uns zu Gott empor und bringt uns vor sein Angesicht. Alles ist aufgeopfert, um Gott zu begegnen: die Schönheit der Natur, die strenge Einfachheit des Ortes, das Schweigen, die Einsamkeit und die Liturgie. Obwohl ich die Gewohnheit habe, nachts zu beten, hat mich das nächtliche Offizium in der Großen Kartause tief beeindruckt: die Dunkelheit war rein, die Stille war Trägerin einer Gegenwart, der Gegenwart Gottes. Die Nacht verbarg uns alles, sie isolierte den einen gegenüber den anderen, aber sie vereinte unsere Stimmen und unseren Lobpreis, sie richtete unsere Herzen aus, unsere Blicke und unsere Gedanken, um nichts anderes zu sehen als Gott. Die Nacht ist mütterlich, köstlich und reinigend. Die Dunkelheit ist wie eine Quelle, aus der wir gewaschen aufsteigen, befriedet und tiefer mit Christus und den anderen vereint. Einen guten Teil der Nacht im Gebet zu verbringen, regeneriert uns. Es läßt uns neu geboren werden. Hier wird Gott wirklich unser Leben, unsere Kraft, unser Glück, unser Alles. Ich spüre eine große Bewunderung für den heiligen Bruno, der wie Elija so viele Seelen auf diesen Berg Gottes geführt hat, um sie hören und sehen zu lassen „die Stimme eines leisen Säuselns“ und sich von dieser Stimme ansprechen zu lassen, die uns sagt: „Was tust Du da, Elija?“ (1 Kön 19, 11-13)

 

Die Fragen stellte Christophe Geffroy.

Mit freundlicher Genehmigung von Kardinal Sarah und La Nef. Deutsche Übersetzung veröffentlicht bei CNA

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