Die ‚evanglische Botschaft‘ von LOURDES – A. RAVIER, s.j.

Das Cachot, rue des Petits Fossés …

… Hier, in diesem „Loch“ hat es begonnen. Es war ein Raum im Ausmaß von 4.40 m x 4 m, schmutzig, ungesund, düster, eine wahre „Höhle“, wie der kaiserliche Staatsanwalt Dutour es sagte.

Diesen Raum bezeichnete man mit dem gruseligen Namen „Cachot“ (Arrestlokal), denn das Haus von A. Sajous hatte einige Zeit lang als Gefängnis gedient. Die Behörden mochten aber dann wohl der Meinung gewesen sein, es sei zu grausam, Menschen in einem solchen Lokal einzusperren, besonders in diesem grässlichen Erdgeschoß; und die Häftlinge waren in weniger gesundheitsschädliche Räume überstellt worden.

 

Eine der ersten Aufnahmen von Bernadette,
und wohl die „echteste“.

Wenn man aber abgewirtschaftet hat, arbeitslos, krank ist, und eine Frau mit vier Kindern zu versorgen hat, begnügt man sich mit dem, was einem angeboten wird. Und da Vetter Sajous darin einwilligte (angeboten hätte er es nicht), die ganze Familie in diesem Elendsquartier unentgeltlich unterzubringen, war dieser Zufluchtsort ein unverhoffter Glücksfall. So zogen François Soubirous, der ehemalige Müller von Boly, seine Frau Louise Castérot, ihre beiden Töchter, Bernadette und Toinette, und die beiden Jungen, Jean-Marie und Justin, mit ihrer armseligen Habe ins „Cachot“ ein, an einem Maitag des Jahres 1856.

Schmal und kärglich ging es im Cachot her, aber man schlug sich durch; schlecht und recht, aber oft mehr schlecht als recht. Vater François fand Gelegenheitsverdienste, Mutter Louise ging in fremde Häuser arbeiten, man sammelte Reisig zum Heizen, alte Knochen, die für einige Sous verkauft wurden; man sparte an allen Ecken und Enden, und wenn nichts da war, aß man eben nichts … Zumal im Jahre 1856 in Lourdes und in der ganzen Umgebung Hungersnot herrschte.

Zwei schwache Flämmchen, ganz im Grunde des Herzens, verklärten jedoch diese ärmliche Behausung: es war das Licht der Liebe, der Liebe zueinander und zum lieben Gott. Im September 1857 schlug Marie Lagues, Bernadette´s Nährmutter, vor, die Kleine nach Bartres mitzunehmen; sie sollte dort die Schafe hüten und die Kinder beaufsichtigen. Hier verdiente sie einige Sous und konnte sich wenigstens satt essen … soweit ihr Magen die oft schwere Kost behalten mochte … Die ehemalige Pflegemutter war trotz ihres etwas barschen Wesens Bernadette sehr zugetan … Und manchmal kam François die drei Kilometer herauf, nach Bartres, um seine Tochter zu besuchen; es war ein kurzes Wiedersehen zwischen Vater und Tochter. Doch nichts kann das Heimweh von Bernadette stillen. Gegen Ende Januar kehrt sie ins Cachot zu den Ihrigen zurück … Schliesslich hat sie doch schon längst das Alter erreicht, sich ernstlich auf die hl. Kommunion vorzubereiten …

Relief von Lourdes im Jahre 1858 (Museum)

VOM „CACHOT“ ZUR GROTTE:
WEG, DEN BERNADETTE AM 11.2.1858 EINSCHLUSS.

1: Die Burg – 2. das Tor du Baous (später abgetragen) – 3. der Weg du Baous (heute Rue de la Grotte) – 4. die Alte Brücke. – 5. Der Waldweg (heute Rue Bernadette Soubirous) – 6. Die Savy-Mühle (später niedergerissen) – 7. Ehemaliger Pfad vom Waldweg zur Chalet-Insel – 8. Die Chalet-Insel (heute etwa Domaine de la Grotte) – 9. Mit Schotter bedeckte Landzunge, wo Bernadette Schuhe und Strümpfe auszog, als Aqueró ihr erschien – 10. Die Grotte der Erscheinungen – 11. Der Espélugues-Berg – 12. Der „Ferme des Espélugues“ genannte Hof – 13. Der Gave de Pau (heute etwas nach Norden abgedrängt) – 14. Der Mühlbach (um in die Grotte zu gelangen, musste Bernadette diesen barfuß überschreiten).

 

Einige Tage vergehen …

Donnerstag, den 11. Februar 1858 (1), gegen 11 Uhr vormittags, will Louise Soubirous das magere Mittagessen für die Familie kochen. Aber leider ist kein Holz mehr im Hause; man muss etwas Reisig holen. Ich ging, so erzählt Bernadette, zum Gave hinunter, um dort mit zwei anderen Mädchen dürre Äste zu sammeln. Die beiden anderen sind ihre Schwester Toinette und Jeanne Abadie, Baloume genannt. Sie nehmen einen alten Korb mit; man kann nicht wissen? Vielleicht finden sie zugleich mit dem Holz einige alte Knochen, die sie verkaufen könnten, um dafür Brot zu bekommen. Die drei Mädchen verlassen das Cachot, gehen zuerst nach links, wenden sich dann aber bald nach rechts, schlagen die Route du Baous ein, gehen durch das Tor du Baous (heute abgetragen) hindurch und weiter den Weg du Baous hinunter (heute Rue de la Grotte) bis zur Alten Brücke: dies ist eine gute Stelle, wo sie manche „Schätze“ für ihre Zwecke zu finden hoffen.

(1) bei der Schilderung der Erscheinungen folgen wir genau den acht handschriftlichen Berichten, die uns Bernadette hinterlassen hat. Die wörtlichen Zitate sind im Text kursiv gedruckt.

Da gibt ihnen die alte Pigou den Rat, über die Brücke hinaus bis auf die große Wiese des Herrn de La Fitte zu gehen, der dort Bäume gefällt habe, und noch weiter bis zum geheimnisvollen Massabielle (= der alte Felsen), vor dem der Mühlbach in den Gave fließt … Die drei Holzsammlerinnen halten dies für eine gute Idee. Sie nehmen zuerst den Waldweg (heute Rue Bernadette-Soubirous) und biegen dann auf einem schmalen Pfad zur Savy-Mühle ab. Als wir bei der Mühle waren, habe ich die beiden anderen gefragt, ob sie nicht weitergehen wollten, um zu sehen, wo der Bach in den Gave mündet. Sie waren einverstanden, und wir gingen den Mühlbach entlang. Von der Savy-Mühle bis zur schotterbedeckten Landzunge, der Chalet-Insel, die wie eine Lanzenspitze ins Wasser ragt, ist es nicht weit. Die drei Kinder sind bald beim Zusammenfluss angelangt. Aber weiter können Sie nicht gehen.

Da erblicken sie in einer Art Grotte, die vom Wasser des Gave in den Massabielle gegraben war, auf der anderen Seite des Mühlbaches, einen Haufen Holz und Knochen … Um dorthin zu gelangen, muss aber der eiskalte Bach durchquert werden. Bernadette, die an Atembeschwerden leidet, zögert; doch Toinette und Baloume sind rasch entschlossen. Meine beiden Gefährtinnen wateten durch den Mühlbach, der an der Grotte vorbeifloss. Sie fingen zu weinen an. Ich fragte sie, warum sie weinten, und sie antworteten mir, dass das Wasser sehr kalt sei. Ich blieb allein am anderen Ufer zurück. Ich rief ihnen zu, mir zu helfen, Steine ins Wasser zu werfen, damit ich nicht barfuß durch das Wasser zu gehen brauchte. Sie sagten mir aber, so zu tun wie sie. Da ging ich etwas flussabwärts, um eine Stelle zu suchen, wo ich, ohne die Schuhe auszuziehen, durchs Wasser kommen könnte. Aber vergeblich. Ich ging wieder in der Richtung der Grotte zurück und begann, meine Schuhe auszuziehen. Kaum hatte ich den ersten Strumpf ausgezogen, als ich ein starkes Brausen wie von einem Sturmwind hörte. Ich blickte in der Richtung der Wiese und sah, dass die Bäume dort ganz still waren. Ich fuhr also fort, meine Strümpfe auszuziehen. Da hörte ich wieder dasselbe Geräusch. Ich hob den Kopf und schaute nach der Grotte. Da erblickte ich eine weiß gekleidete Dame. Sie trug ein weißes Kleid, einen blauen Gürtel und auf jedem Fuß eine gelbe Rose von derselben Farbe wie die Kette ihres Rosenkranzes. Ich glaubte, mich zu täuschen, und rieb mir die Augen. Aber vergeblich, ich sah immer die gleiche Dame. Ich holte meinen Rosenkranz aus der Tasche hervor; dann versuchte ich, das Kreuzzeichen zu machen. Aber ich konnte meine Hand nicht bis zur Stirn führen; sie fiel herab. Eine immer stärkere Ergriffenheit bemächtigte sich meiner. Die Dame nahm den Rosenkranz, den sie in ihren Händen hielt und machte das Kreuzzeichen. Da versuchte ich, es ein zweites Mal zu machen, und es gelang mir. Sobald ich das Kreuzzeichen gemacht hatte, verschwand die große Ergriffenheit, die ich empfand. Ich kniete nieder und betete den Rosenkranz im Angesicht der Dame. Sie ließ die Perlen ihres Rosenkranzes durch die Finger gleiten, doch ihre Lippen bewegten sich nicht. Als sie mit dem Rosenkranz fertig war, winkte mich die Dame zu sich heran, aber ich wagte nicht, mich zu rühren, und bin immer an derselben Stelle geblieben. Da verschwand sie.

Ich begann, den anderen Strumpf auszuziehen, um das seichte Wasser zu durchqueren, das vor der Grotte war, und meine Gefährtinnen wieder zu erreichen. Aber Toinette und Baloume haben während dieser Viertelstunde ihre Zeit nicht vergeudet. Ein Reisigbündel liegt da, zusammengebunden, und der alte Korb ist voll mit Knochen. Sie wollen jetzt heimkehren, auf dem Pfad, der über den Espélugues-Berg führt. Der Weg ist hier steiler, doch wenn man 12 oder 14 Jahre alt ist … Bernadette ist übrigens mit einem Eifer bei der Sache, der ihre Kameradinnen in Erstaunen versetzt.

Auf dem Weg fragte ich meine Gefährtinnen, ob sie nichts gesehen hätten. „Nein“, antworteten sie. „Und du, hast du etwas gesehen? – O nein, wenn ihr nichts erblickt habt, so habe ich auch nichts gesehen“. Ich glaubte, mich getäuscht zu haben. Ich wollte Ihnen nichts sagen, aber sie haben mich so sehr gebeten, dass ich mich entschlossen habe, ihnen alles zu erzählen, unter der Bedingung aber dass sie mit niemandem darüber sprechen dürften. Sie versprachen mir, das Geheimnis zu bewahren. Da sagte ich ihnen, dass ich eine weiß gekleidete Dame gesehen habe, dass ich aber nicht wusste, was es sei. Dann sagten sie mir, ich sollte nicht mehr nach Massabielle zurückkehren, sie wollten es auch nicht mehr tun, denn sie meinten, es sei jemand, der uns etwas Böses antun könnte. Ich glaubte das nicht. Wir waren aber kaum zu Hause angekommen, als sie schon erzählten, dass ich eine weiß gekleidete Dame gesehen hätte.

Das Ende dieses Abenteuers war, dass, wenigstens was Bernadette und Toinette betraf, ihnen Louise mit dem Stock, der zum Deckenausklopfen diente, recht tüchtige Prügel versetzte … Baloume erhielt ihrerseits eine ordentliche Tracht … Doch wurden die alten Knochen für ein nettes Scherflein der Lumpenfrau verkauft, was alle wieder versöhnte … Und so endete die ganze Sache nicht allzu schlecht!

Beim Abendgebet, das François und Louise stets gemeinsam mit den Kindern sprechen, bricht Bernadette plötzlich in Schluchzen aus. Doch ihre Tränen sind Freudentränen! Vielleicht haben sie das Vaterunser und das Gegrüßet seist Du Maria – das ist ungefähr alles, was sie an Gebeten weiß – allzu deutlich an den wunderbaren Rosenkranz erinnert, den sie vor der Dame in der Grotte gebetet hatte?

Am Freitag ist Bernadette wieder in der Schule, bei den Schwestern, wo sie versucht, lesen und schreiben zu lernen. Samstag abends aber, nach der Schule, geht sie zu Abbé Pomian beichten und erzählt ihm im Vertrauen, was sich in Massabielle am Donnerstag zugetragen hat … Auf dessen Wunsch gestattet sie ihm auch, diesen Vorfall dem Herrn Pfarrer zu berichten, dem so schrecklichen und dabei so gutherzigen Abbé Peyramale.

Das zweite Mal geschah es am nächsten Sonntag, d. h. am 14. Februar. Eine innere Stimme drängte mich. (Ich wollte auch sehen), ob ich mich nicht getäuscht hatte. Meine Mutter hatte mir verboten, dorthin zu gehen. Nach dem Hochamt versuchten die beiden anderen Mädchen (Toinette und wahrscheinlich Baloume) und ich nochmals, sie um Erlaubnis zu bitten. Aber sie wollte nicht. Sie sagte mir, sie habe Angst, dass ich ins Wasser fallen könne und dass ich zur Vesper nicht zurück sein werde. Ich versprach ihr, rechtzeitig da zu sein. Da gab sie mir die Erlaubnis, mit mehreren Mädchen hinzugehen. Ich holte in einem Fläschchen Weihwasser aus der Kirche, um es auf die Erscheinung zu sprengen, wenn ich sie wieder in der Grotte sehen sollte … Wir liefen zur Grotte. Als wir dort ankamen, nahm jede ihren Rosenkranz; wir knieten nieder und begannen zu beten. Kaum hatte ich das erste Gesetzlein hergesagt, als ich dieselbe Dame erblickte. Sofort sprengte ich Weihwasser ihr entgegen und sagte ihr, wenn sie von Gott komme, zu bleiben, wenn nicht, so solle sie weggehen. Aber die Dame fing zu lächeln an und nickte nur. Da wurde ich von Angst erfasst und sprengte ihr noch mehr Weihwasser entgegen, bis ich schließlich den ganzen Inhalt meines Fläschchens vergossen hatte. Dann betete ich meinen Rosenkranz weiter. Als wir zu Ende waren, verschwand die Dame und wir kehrten zurück, um zur Vesper zu gehen … Doch scheint das Ende der Ekstase bewegter gewesen zu sein, als es aus diesem Bericht hervorgeht. Denn von der Blässe und Bewegungslosigkeit Bernadettes erschreckt, riefen ihre Begleiterinnen die Mutter des Müllers von Savy zur Hilfe; diese wieder holte ihren Sohn, Antoine Nicolau, der die immer noch in Ekstase befindliche Bernadette in die Mühle brachte. Erst als sie an der Schwelle des Gebäudes angelangt waren, kam Bernadette wieder zu sich.

(Fortsetzung folgt!)

Quelle: „LOURDES“, A. Ravier, s.j.

Predigt zum 11. Februar, der 1. Erscheinung der Unbefleckten Empfängnis

Alfred Bischof, Priester

von Grub (SG), gew. Kaplan von Jonschwil (SG), Pfarrer von Henau (SG), Spiritual der Schwestern vom Kostbaren Blut im Kloster Leiden Christi, Jakobsbad (AI), der Bonitas-Dei Schwestern in Eppishausen/TG, Resignat in Weesen/Amden (SG), 1904-1992, Grabstätte bei der Katholischen Kirche in Grub (SG)

Der protestantische Arzt Dr. Siegfried Ernst aus Ulm, der als Vorkämpfer alle Gutgesinnten zum Gegenangriff gegen die babylonische Verwirrung in Sachen öffentlicher Sittlichkeit und Abtreibung aufruft, erzählt in einem Vortrag auf Schloß Arnstorf Folgendes: „Eines Tages kam ich an eine katholische Kirche. Sie war geöffnet, und ich trat ein. Da fand ich ein Bild Mariens mit dem göttlichen Kind. Ich kniete hin und betete: „Mutter Unseres Herrn, wenn Du wirklich diejenige bist, wie Dein Name sagt, dann hilf Du mir! Du bist die Einzige, die noch Rettung bringen kann! Du ganz Reine! Du gehörst in den Mittelpunkt der heutigen Geisterschlacht. Du bist allein das Idealbild, das unsere Jugend noch begeistern kann, das unser Volk noch herausziehen kann aus dem Wust und Greuel der Verführung.“ — So und ähnlich betete ich. — Ich stand auf mit dem beruhigenden Bewußtsein, daß ich nicht vergeblich gefleht habe… Und merkwürdig! Von jener Stunde an ging es Schritt für Schritt vorwärts. — Das ist das Gebet und Geständnis eines tiefgläubigen, protestantischen Arztes.

„Wenn du wirklich diejenige bist, was Dein Name sagt, dann hilf auch mir!“

Wir Kinder der Katholischen Kirche, wir Kinder Mariens, Sodalen und Sodalinnen, die wir uns Ihr schon in Jugendtagen geweiht haben, wir müssen nicht fragen: „… Wenn Du wirklich diejenige bist, was Dein Name sagt“. — Wir wissen es, wir sind überzeugt, wir haben es schon zu oft an uns selber erfahren dürfen. „Du bist die ganz Reine, Du bist die ganz Makellose, Du bist die ganz Unberührte von der Erbsünde, und jeder persönlichen Sünde!“

So lehrt es und die hl. Mutter Kirche durch ihr unfehlbares Oberhaupt, Papst Pius IX. am 8. Dezember 1854: „… Zu Ehren der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit, zum Ruhme und zur Zier der jungfräulichen Gottesmutter, zur Erhöhung des katholischen Glaubens und zur Förderung der christlichen Religion erklären, verkünden und entscheiden Wir kraft der von Unserm Herrn Jesus Christus und den heiligen Aposteln Petrus und Paulus erhaltenen und Unserer eigenen Vollmacht, daß die Lehre, die festhält, daß die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis, auf Grund einer einzigartigen, ihr von Gott dem Allmächtigen gewährten Huld und Auszeichnung im Hinblick auf die Verdienste des Erlösers des menschlichen Geschlechtes, Jesus Christus, von jeder Makel der Erbschuld bewahrt blieb, eine von Gott geoffenbarte Wahrheit und Lehre ist, und deshalb von allen Gläubigen fest und beständig zu glauben ist.“ Diese Tatsache steht fest, felsenfest, hart wie Granit vom Gotthard, und noch fester, und noch sicherer. An dieser klar geoffenbarten Wahrheit gibt es nichts umzudeuten, nichts dazu zu tun, auch nichts wegzunehmen, nichts zu deuteln, und nichts zu rütteln, nichts zu deuteln und zu bezweifeln, weder von Andersgläubigen, noch von modernen katholischen Exegeten, Theologen.

Denn: Wenn Gott schon einmal daran geht, ein Meisterwerk Seines Geistes zu schaffen, dann darf kein Gottgläubiger sich wundern, wenn dabei etwas übermenschlich Großes herauskommt. (Faulhaber)

Der begnadeten Maria Valtorta von Viareggio, 68jährig gestorben, nach 28jährigem Krankenlager, im Jahre 1961, hat Jesus selber sein Leben in 10 Bänden diktiert und er sagt zu ihr: „Gott hat, um sich den Menschen in neuer Form zu offenbaren als Eingang zur Erlösung, zu Seinem Thron nicht einen Stern des Himmels, nicht den Palast eines Herrschers auserwählt. Er wollte auch nicht die Flügel der Engel als Basis für Seine Füße. Er wollte einen mütterlichen Schoß ohne Makel.“

Jesus befiehlt ihr: „Nimm ein ganz neues Heft! Schreibe auf der ersten Seite das Diktat des 16. August: … Heute schreibe nur dies! Die Reinheit hat einen so großen Wert, daß ein Schoß einer Kreatur den Unfassbaren fassen konnte, weil Sie die größte Reinheit besaß, die eine Kreatur von Gott überhaupt erhalten konnte…“ … „Die heiligste Dreifaltigkeit stieg mit ihren Vollkommenheiten hernieder, wohnte mit ihren Drei Personen, verschloss den Unendlichen in diesem kleinen Raum, und wurde doch nicht kleiner dadurch, weil die Liebe der Jungfrau und das Wollen Gottes diesen kleinen Raum des Mutterschoßes erweiterten, daß er zu einem Himmel wurde…“ Soweit Maria Valtorta.

Doch, wir brauchen uns nicht einzig auf solche Offenbarungen zu stützen. Allererste Quelle ist die Hl. Schrift selber.

„Wie können Sie beweisen“, sagte ein Andersgläubiger, „wie können Sie beweisen, daß Maria keine Erbsünde hatte; überhaupt findet sich nichts in der Bibel, kein einziger Text, der für die Marienverehrung spricht.“ – So! So schlag die Bibel auf! Auf den ersten Seiten liesest du: „Feindschaft will ich setzen zwischen Dir und dem Weibe, zwischen Deiner Nachkommenschaft und ihrer Nachkommenschaft.“ Da ist das Geheimnis des heutigen Tages offen. Wer spricht denn da? Gott! Zu wem? Zu Satan, dem Verführer des ersten Menschenpaares. Absolute Feindschaft zwischen Satan und dem Weibe, d.h. der allerseligsten Jungfrau. Auch nicht einen Augenblick in der Gewalt Satans, durch die Sünde.

Maria, Mutter des Sohnes Gottes! Welche überragende Würde! Maria, damit Du dies auch sein kannst, mußt Du auch ganz rein, ganz heilig, ganz unbefleckt sein! Schon der bloße Gedanke an diese Deine Reinheit erweckt in uns ein Stück Heimweh nach dem verlorenen Paradies.

„Wenn ich glauben könnte“, so sprach ein Ungläubiger zu einem Priester, „wenn ich glauben könnte“, so würde ich katholisch werden.“ „Wissen Sie warum? Wegen der Immakulata! Wegen der Unbefleckt Empfangenen! Ich habe ein großes Stück Welt gesehen, Ich habe die Schmutzflut der Sünde kennen gelernt in den Menschen. Was wir brauchen, das ist gerade diese Seele, diese eine Seele wenigstens, die auch nicht vom leisesten Tropfen der Sünde bespritzt, die Seele der ganz Makellosen, der Unbefleckten, der himmlisch Reinen, dieser Jungfrau und Mutter!“

So muß es sein. Eine unbefleckte Mutter! Ganz rein muß Deine Seele sein, o Maria! Es beweist nur, was ungeheuer Schreckliches die Sünde im allheiligen Auge Gottes sein muß. – Denn der Herr wollte eine arme Mutter, wohl! — aber eine befleckte, beschmutzte, sündhafte Mutter, auch nur einen Augenblick in der Gewalt Satans? Nein! Nie und nimmer! Ihm, dem Allerheiligsten, dem wir singen: Du, Du allein bist der Heilige, Du allein der Herr, Du allein der Höchste… Ihm, der der Welt das Wort hinwerfen konnte: Wer von euch kann Mich einer Sünde zeihen? Ihm liegt alles daran, Ihm mußte alles daran liegen, von Seiner Mutter die Sünde fern zu halten, koste es, was es wolle, koste es auch ein Wunder der Gnade, ja ein unerhörtes Wunder der Gnade! Und Gott hat es gewirkt, dieses Wunder, so daß Er in göttlichem Entzücken sich vor Seine Mutter hinstellen und Ihr zujauchzen konnte: „Wie schön bist Du, meine Freundin, wie schön! Ganz schön bist Du, und keine Makel ist an Dir, Du lieblichste der Frauen!“ Hohelied.

So ist sie also die Eine und Einzige, die trockenen Fußes durch die Sündflut der Erde hindurchschreitet, durch die Schuld Adams. Die Wogen der Sünde türmen sich, stehen aufrecht wie Mauern, und wie die Fluten des Roten Meeres und staunen, wie dieses Mädglein ins Dasein tritt ohne jegliche Schuld.

Die Kirchenväter vergleichen darum Maria mit Eva, nur mit umgekehrten Vorzeichen: Maria, die zweite, bessere Eva. Sie brauchen Worte: Die seligste Jungfrau ist die Reinste, durch alles und von der Wurzel aus unbefleckt. Sie sei allzeit rein gewesen. Die Sünde habe sie nie gekannt, heiliger als alle Heiligen, reiner als die himmlischen Geister… die einzig Unschuldige, die einzig Unbefleckte. So reden die hl. Kirchenväter.

Es war an einem stürmischen Spätherbsttag 1849. Pius IX. vertrieben aus Rom, stand sinnend auf einer Felsenterrasse am Hafen von Gaeta und schaut auf die Meeresbrandung hinaus. In seinem Auge glänzen Tränen. Sein Herz sieht im Aufruhr der Elemente ein Abbild der Stürme, die das Schifflein Petri von allen Seiten umtosen. Da spricht der alte Kardinal Lambruschini zu ihm: „Heiliger Vater, Sie werden die Wunden der Zeit nur heilen können, wenn Sie die Unbefleckte Empfängnis verkünden. Diese Lehrentscheidung wird den Völkern die übernatürlichen Wahrheiten zum Bewußtsein bringen und die Geister von den Irrwegen auf den Weg Christi zurückführen.“ — Pius IX. hat diesen Rat befolgt, wie wir gehört haben.

Gleichsam als Beleg zu der feierlichen Glaubenserklärung kommt Maria selber, 4 Jahre später, in Lourdes am 25. März 1858. Bernadette kniet wieder zum 16. Mal an der Grotte. Die Menge steht da, fragend, zweifelnd, glaubend die einen, spöttelnd die andern. Die Seherin erhebt sich, Enttäuschung, Trauer im Antlitz. Einer fragt: „Hat die Dame den Namen genannt?“ „Ja, aber einen ganz sonderbaren, den ich noch nie gehört habe. Ich habe doch immer gehofft, es könnte die heiligste Jungfrau sein.“ — Was hat sie denn gesagt? — So etwa: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis!“ — Das Volk hört dies Wort, einer raunt’s dem andern zu, es geht von Mund zu Mund, und die jubelnde Menge ruft begeistert: „O Maria, ohne Sünde empfangen, bitt für uns, die wir zu Dir unsere Zuflucht nehmen.“ Kerzen flammen auf, Marienlieder erklingen. Bernadette geht ängstlich zum Pfarrer Peyramale: „Bitte, sagen Sie mir, was das ist eine Unbefleckte Empfängnis; denn so hat die Erscheinung an der Grotte heute zu mir gesprochen.“ Der Pfarrer erklärt es ihr, tief ergriffen: „Begnadetes Kind, dir hat sich die Hochgebenedeite gezeigt.“ Der Pfarrer, bisher so großer Zweifler, kniet nieder und betet das erste Ave Maria zur erschienenen Immaculata von Lourdes. Und seither beten es Tausende und Millionen und reihen sich ein in den Chor jener, die mithelfen, Mariens Prophezeiung zu erfüllen: „Siehe von nun an werden Mich selig preisen alle Geschlechter.“

Maria gehört mit Jesus in den Mittelpunkt der heutigen Geister-Schlacht. Sie ist und bleibt heute noch das Idealbild, das unsere Jugend anstelle der Sportkanonen und Skiasse begeistern und in die reinen Höhen Gottes ziehen könnte. Aber was erleben wir? Heute müssen wir in den Kampf ziehen, um die Ehre und diesen Gnadenvorzug Mariens ohnegleichen zu verteidigen, in Schutz zu nehmen gegen frivole Angriffe, heute mehr von den innern als den äußern Feinden der Kirche.

Wer heute nach Lourdes kommt, entdeckt an der Grotte von Massabielle sofort, daß etwas fehlt. Was denn? Man hat über dem Haupt der Mutter-Gottes-Statue, der Immaculata, die Inschrift entfernt: „JE SUIS L’IMMACULÉE CONCEPTION“. Ist es nicht geradezu symbolisch für unsere Zeit? Ist dies nicht die Situation von heute in Kirche und Welt? Von der Schlangenzertreterin, wie es im 1. Buch Moses heißt, weiß die Geheime Offenbarung des Johannes 12,13 zu berichten: „… da ward der Drache zornig über das Weib, und ging hin, Krieg zu führen mit den übrigen ihrer Kinder, die Gottes Gebote erfüllen und fest halten am Zeugnis Christi.“ Das gilt in erster Linie von der Kirche, dann aber von der Mutter der Kirche, das ist Maria, feierlich erklärt im letzten Konzil.

Gilt dies nicht von heute? Wo Papst Paul VI. am 29. Juni 1972 erklärte in einer improvisierten Ansprache: „Wir erwarteten nach dem Konzil einen Sonnentag. Statt dessen erleben wir neue Stürme — durch einen Spalt — sage man doch lieber durch die weit geöffneten Tore und Fenster — ist Satan in den Tempel Gottes eingedrungen…“ Das sind deutliche Worte des Obersten Hirten, und nichts zeigt die Blindheit der Menschen mehr als die Tatsache, daß man dem Teufel den Abschied gegeben und dies in unserer Zeit ausgerechnet, wo er mehr denn je wütet, wo man sein Wüten mit Händen greifen kann. Die ganze Situation wird auch beleuchtet durch die Tatsache, daß man an der Biennale in Venedig durch ein Dutzend moderner Künstler bei der Verleihung der Preise für die besten Filme, den Vorschlag gemacht hat, diesmal dem Zerstörer der Pietà von Michelangelo im Petersdom den Preis zu verleihen.

Franco, der Befreier Spaniens vom Kommunismus im Bürgerkieg, der Spanien Tausende von Märtyrern kostete, hat am 9. April 1937 für sämtliche Schulen des befreiten Spanien die Verordnung erlassen:

  1. In allen Schulen muß ein Marienbild vorhanden sein, mit Vorzug ein Bild der Unbefleckten Empfängnis. Die Lehrpersonen haben dafür besorgt zu sein. Das Bild muß an einem besondern Platz angebracht sein.

  2. Während des Maimonats hat die Lehrerschaft nach uralter spanischer Sitte mit ihren Schülern vor diesem Bild die Maiandacht zu halten.

  3. Alle Tage des Jahres sollen alle Kinder, wie unsere Vorfahren taten, beim Betreten und Verlassen des Schulzimmers mit den Worten grüßen: „Maria, die Allerreinste sei gegrüßt! worauf die Lehrperson die Antwort zu geben hat: „Sie ist ohne Sünde empfangen!“

So verordnet und verankert ein christlicher Staatsmann den Glauben und die Verehrung der Unbefleckt empfangenen Mutter Maria. — Die Parallele oder den Vergleich zu ziehen zu unserer heutigen Schule mit ihrem Sexunterricht und der förmlichen Verführung unserer zarten Jugend, das überlasse ich euch selbst.

In der Hochblüte der spanischen Poesie hat der große Dichter Spaniens, Calderon de la Barca, seine unsterblichen Dramen zu Verherrlichung der Jungfrau Maria geschrieben. Nicht das letzte darunter ist das Stück: A Maria el corazon! Das Herz gehört Maria! Das soll nun der freudige Appell an euch, liebe Sodalinnen, sein. Im Schwung der Begeisterung läßt Calderon den Pilger das Herz nach Loreto tragen und es Maria darbringen mit den Worten:

„Reinste Jungfrau, laß Dich grüßen!
Sieh Dein Kind zu Deinen Füßen!
Nimm mein Herz, es ist ja Dein;
Dein soll es auf ewig sein!
Ja, nimm mein Herz, es ist ja Dein
Dein soll es auf ewig sein!“ 
Amen.

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Quelle