Kolumbien will Frieden: „Zeitpunkt für Papstbesuch ist ideal“

Im Einsatz für den Frieden: Hochkommissiar Sergio Jaramillo (2. vl)

Wenn Papst Franziskus im September in das um Frieden ringende Kolumbien kommt, dann könnte der Zeitpunkt dafür nicht besser gewählt sein. Das sagt der Mann, der in Kolumbien auf Regierungsseite das Friedensabkommen mit den FARC-Rebellen ausverhandelt hat. Hochkommissar Sergio Jaramillo äußerte sich vor Journalisten deutschsprachiger Medien, die auf Einladung des bischöflichen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat vor der Papstreise Kolumbien besuchten. „Ich habe das Gefühl, dass es die Absicht des Vatikans und besonders des Papstes ist, in diesem einmaligen historischen Moment eine Friedensbotschaft abzusetzen, die über das Abkommen mit den FARC und die aktuelle politische Debatte hinausgeht“, sagte Jaramillo. „Mein Eindruck ist, der Papst will in diesem kritischen Moment des Lebens in Kolumbien zu einem tiefen Nachdenken über das einladen, was der Friede für alle ist.“

Abkommen nach fünf Jahrzehnten Gewalt

Das Abkommen zwischen der kolumbianischen Regierung und den FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia), der ältesten und größten Rebellenorganisation Lateinamerikas, war vergangenen August nach vierjährigen Verhandlungen in Havanna zustande gekommen. Es zog einen Schlussstrich unter mehr als 50 Jahre bewaffneten Konflikt mit den FARC und wird nun nach und nach umgesetzt, auch wenn die Bevölkerung bei einem Referendum im September das Friedensabkommen mit hauchdünner Mehrheit abgelehnt hatte. Die katholische Kirche in Kolumbien, die großen Rückhalt in allen Teilen der Gesellschaft genießt, setzte sich auf beiden Seiten stark für die Friedensverhandlungen ein. Als es allerdings zum Referendum über das Abkommen kam, riet die Kirche ihren Gläubigen nicht zum „Ja“, sondern zu einer „Gewissensentscheidung“. Heute wäre es hilfreich, wenn die Kirche wieder mit einem eindeutigen „Ja“ für den Friedenskurs einstünde, sagt der Regierungsmann Jaramillo.

„Einerseits scheint mir, die Kirche hat eine extrem wichtige Rolle bei der Herstellung des Friedens in den Weiten des Landes gespielt. Jetzt mit dem Friedensprozess bewährt sich diese langjährige Arbeit. Beim Verhandlungsprozess selbst war die Kirche immer sehr gut informiert und zeigte viel Interesse. Dann aber wurde sie wegen der politischen Verwirrung nach der Volksabstimmung zögerlicher, so scheint mir. Und ich glaube, dass jetzt mit dem Papstbesuch ein guter Moment ist, dass die Kirche in Kolumbien sich wieder zu Gehör bringt und uns alle zum Frieden ermutigt.“

Papstbesuch soll auch Kirche zum Weitermachen ermutigen

Was die Umsetzung des Friedensabkommens betrifft, hat die Regierung – Jaramillo zufolge – die größere Verantwortung und auch größere Verpflichtungen als die Rebellen, „weil sie es ist, die es letztlich umsetzen muss“. Die Rebellen haben Ende Juni infolge des Abkommens alle Waffen abgegeben. Ihre Anliegen, darunter ganz zentral der Zugang zu Boden und lebenswürdige Bedingungen für Kleinbauern, wollen sie nun mit politischen Mitteln durchsetzen: Aus der FARC soll eine (Links-)Partei werden, so sieht es das Abkommen vor.

Viele Ex-Rebellen sind allerdings enttäuscht vom bisherigen Gang der Umsetzung und beschuldigen die Regierung, ihren Verpflichtungen nicht nachzukommen. Jaramillo weist das zurück, zugleich räumt er ein, die Umsetzung gehe langsam vonstatten und sei von einer Reihe anderer Probleme überlagert. „Die Herausforderungen sind sehr groß, wir brauchen nicht naiv zu sein. Was in Kolumbien vorging, war ja nicht nur ein Konflikt zwischen der Regierung und den FARC. Es gibt auch die Koka-Plantagen, den illegalen Raubbau von Mineralien, eine Reihe von Interessen, die der Umsetzung des Abkommens entgegenstehen.“ Es werde lange dauern, sagt der Hochkommissar, der übrigens in Heidelberg studierte, und verweist auf das Beispiel der deutschen Wiedervereinigung.

Ungewöhnliche Gesten für den Frieden aus dem Vatikan

Papst Franziskus hatte die Friedensverhandlungen für Kolumbien aufmerksam verfolgt, freilich ohne sich von Rom aus groß einzumischen. Dennoch markierte er sein Interesse an einem Abkommen mit ungewöhnlichen Gesten. Zum einen versprach er einen Besuch im Fall des Abschlusses eines Friedensvertrags, zum anderen empfing er im Dezember 2016 in Rom den amtierenden Premier Manuel Santos zusammen mit dessen Vorgänger Álvaro Uribe. Die beiden Politiker verfolgen sehr unterschiedliche Strategien im Umgang mit den FARC-Rebellen, der Konservative Uribe zeigte eine Politik der harten Hand. Sein ursprünglicher politischer Ziehsohn Santos schwenkte nach seiner Wahl zum Präsidenten radikal um und leitete die letztlich erfolgreichen Verhandlungen mit den Rebellen ein. Jaramillo sagt, er denke nicht, dass die Doppelaudienz beim Papst irgendwelche Auswirkungen auf Kolumbien hatte. „Uribe hat seine Position nicht geändert. Nicht einmal der Papst konnte da etwas erreichen. Warten wir ab, wie sich das jetzt auf den kommenden Wahlprozess auswirkt.“

Die nächste Wahl in Kolumbien findet im Frühjahr 2018 statt, ihr Ausgang ist ebenso offen wie das Schicksal des Friedensprozesses: Rund die Hälfte der Kolumbianer sehen das Abkommen mit den FARC-Rebellen kritisch, einige verdienen gut am Bürgerkrieg, andere können ihnen angetanes Unrecht einfach nicht verzeihen. Der Friedens-Hochkommissar der Regierung Santos ist dennoch zuversichtlich. „Der Prozess ist weit fortgeschritten“, sagt Sergio Jaramillo. „Ich glaube nicht, dass eine Rückkehr zum Status quo möglich wäre.“

Papst Franziskus besucht Kolumbien von 6. bis 11. September. Das Motto der Pasptreise lautet „Demos el primer paso“ – zu Deutsch: „Tun wir den ersten Schritt.“

(rv 08.08.2017 gs)

Kolumbien: „Nuestra Señora de Chiquinquirá“ für Papstbesuch in Bogotà

Chiquinquirá, Basilika / Wikimedia Commons – Docfon, CC BY-SA 3.0

Reise von Papst Franziskus vom 6. bis 11. September 2017

Papst Franziskus wird vom 6. bis 11. September 2017 Kolumbien bereisen und die Städte Bogotá, Villavicencio, Medellín und Cartagena besuchen.

Boyacá wird der Papst nicht aufsuchen. Dort befindet sich aber das Heiligtum mit dem Bild „Nuestra Señora de Chiquinquirá“. Die 1,25 Meter auf 1,39 Meter große und eine Tonne schwere Ikone wird daher nach Bogotá gebracht.

Der Dominikanerorden, der die 430 Jahre alte Ikone betreut, wird sie am 1. September mit einer Prozession zum Helikopter begleiten, der sie mit einem 40-minütigen Flug zum Flughafen „El Dorado“ bringen wird. Von dort wird die Ikone zur Gemeinde „Santa Viviana“ transportiert. Mit einer Prozession gelangt sie am folgenden Tag zur Kathedrale der Hauptstadt. Papst Franziskus wird Bogotà am 7. September besuchen.

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REISEPROGRAMM

Mittwoch, 6. September

– 11.00 Uhr: Abreise vom Flughafen Rom/Fiumicino

– 16.30 Uhr (Ortszeit): Ankunft in Bogotá; Begrüßungszeremonie.

Donnerstag, 7. September

– 09.00 Uhr: Begegnung mit den Behörden auf dem „Plaza de Armas“ vom „Casa de Nariño“ in Bogotá | Erste Ansprache

– 09.30 Uhr: Höflichkeitsbesuch beim Staatspräsidenten im „Casa de Nariño“

– 10.20 Uhr: Besuch der Kathedrale

– 10.50 Uhr: Segnung der Gläubigen vom Balkon des Kardinalspalastes

– 11.00 Uhr: Treffen mit den Bischöfen im Kardinalspalast | Zweite Sprache

– 15:00 Uhr: Begegnung mit dem Vorstand des Lateinamerikanischen Bischofsrates (CELAM) in der Apostolischen Nuntiatur | Dritte Ansprache

– 16.30 Uhr: Messe im „Parque Simon Bolivar“ | Erste Predigt

Freitag 8. September

– 07.50 Uhr: Abflug nach Villavicencio

– 08.30 Uhr: Landung in Villavicencio

– 09.30 Uhr: Messe in Villavicencio | Zweite Predigt

– 15.40 Uhr: Gebetstreffen für die nationale Aussöhnung im „Parque Las Malocas“ | Vierte Ansprache

– 17.20 Uhr: Besuch am Kreuz der Versöhnung im „Parque de los Fundadores“

– 18:00 Uhr: Rückflug nach Bogotá

– 18.45 Uhr: Ankunft in Bogotá

Samstag, 9. September

– 08.20 Uhr: Abflug nach Rionegro; Helikoptertransfer nach Medellín

– 10.15 Uhr: Messe auf dem Flughafengelände von Medellín | Dritte Predigt

– 15:00 Uhr: Treffen im „Hogar San José“

– 16:00 Uhr: Treffen mit Priestern, Ordensleuten, Gottgeweihten und Seminaristen in der Sportarena „La Macarena“ | Fünfte und letzte Ansprache

Helikoptertransfer nach Rionegro

– 17.30 Uhr: Rückflug nach Bogotá

– 18.25 Uhr: Ankunft in Bogotá

Sonntag 10. September

– 08.30 Uhr: Abflug nach Cartagena de Indias

– 10.00 Uhr: Ankunft in Cartagena

– 10.30 Uhr: Segnung der Grundsteine von Häusern für die Obdachlose

– 12.00 Uhr: Angelus vor der Kirche des heiligen Pedro Claver, mit Besuch des Heiligtums

– 15.45 Uhr: Helikoptertransfer zum Hafengelände von Contecar

– 16.30 Uhr: Messe auf dem Hafengelände von Contecar | Vierte Predigt

– 18:30 Uhr: Helikoptertransfer zum Flughafen von Cartagena

– 18.45 Uhr: Abschiedszeremonie

– 19:00 Uhr: Rückflug nach Rom-Ciampino

Montag, 11. September

– 12.40 Uhr: Ankunft in Rom-Ciampino.

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Quelle