Angelus: Ohne Kreuz geht es nicht

Der Papst beim Angelus

Christusnachfolge ohne Kreuz? Das geht nicht. Das hat Papst Franziskus schon 2013 in seiner ersten Predigt als Papst überhaupt gesagt, und an diesem Sonntag schlug er beim Angelus dieselbe Saite von neuem an. Es gebe keine „wahre Liebe“, wenn man sich um die „Selbsthingabe“ herumdrücke.

Franziskus ging vom Tagesevangelium aus (Mt 16, 21-27). Es schildert, wie Jesus einmal Petrus gegenüber unwirsch wird. „Die Szene spielt sich ab, als Jesus den Jüngern ankündigt, dass er in Jerusalem leiden müsse, getötet werde, aber dann wieder auferstehen werde. Da nimmt Petrus den Herrn beiseite und macht ihm Vorwürfe, weil das doch Ihm, dem Christus, nicht zustoßen dürfe. Doch Jesus macht wiederum dem Petrus mit harten Worten Vorwürfe: „Weg mit dir, Satan! … Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ Noch einen Moment zuvor war der Apostel ein starker „Fels“ gewesen, auf den Jesus seine Kirche bauen wollte – und sofort danach wird er zu einem Hindernis, einem Stolperstein auf der Straße des Messias!“

Was Jesus nach dieser Szene zu seinen Jüngern sage, das gelte auch uns Heutigen, so Papst Franziskus: Wer Jesus nachfolgen wolle, der müsse sich selbst verleugnen, sein Kreuz auf sich nehmen und ihm folgen. „Immer – auch heute – gibt es die Versuchung, Christus ohne Kreuz zu folgen, ja sogar Gott den richtigen Weg zeigen zu wollen. Wie Petrus sagt: Nein nein, Herr, das darf nicht passieren! Aber Jesus erinnert uns daran, dass sein Weg der Weg der Liebe ist, und es gibt keine wahre Liebe ohne die Selbsthingabe! Wir sind dazu aufgerufen, uns nicht von der Vision dieser Welt absorbieren zu lassen, sondern uns immer bewusster zu werden, dass wir Christen einen mühsamen Weg zu gehen haben – gegen den Strom, und bergauf.“

Wer nur sich selbst verwirklicht, der verliert sich

Das Evangelium dieses Sonntags bietet nach der Einschätzung des Papstes Worte von „großer Weisheit“ – etwa dieses: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren.“ „Dieses Paradox enthält die goldene Regel, die Gott in die menschliche Natur eingeschrieben hat: die Regel, dass nur die Liebe dem Leben Sinn und Glück zu geben vermag. Wer seine Talente und Energien nur dazu gebraucht, um sich selbst zu verwirklichen, der verliert sichin Wirklichkeit – eine traurige, sterile Existenz. Wenn wir hingegen für den Herrn leben und wie Jesus unser Leben auf die Liebe ausrichten, dann werden wir die wahre Freude erleben, und unser Leben wird nicht steril, sondern es wird fruchtbar sein!“

In der Messfeier werde jedes Mal von neuem „das Geheimnis des Kreuzes gegenwärtig“, fuhr der Papst fort. Das sei nicht nur „Erinnerung“, sondern erneute Vergegenwärtigung des „rettenden Opfers, bei dem der Sohn Gottes sich selbst vollkommen verliert, um sich vom Vater von neuem zu empfangen und so uns, die wir verloren waren, wiederzufinden, zusammen mit allen Geschöpfen. Jedes Mal, wenn wir an der Heiligen Messe teilnehmen, teilt sich uns die Liebe des gekreuzigten und auferstandenen Christus als Nahrung mit, damit wir Ihm auf dem Weg des Alltags, im konkreten Dienst an den Geschwistern, folgen können.“

Man dürfe „keine Angst haben vor dem Kreuz“, schloss der Papst: Es gebe „kein Kreuz ohne Jesus“.

(rv 03.09.2017 sk)

Bischof Oster: „Jesus war ein Erdbeben, nicht nur ein lieber Mann“

Mgr. Stefan Oster / Pressestelle Bistum Passau – Pbp

Augsburg: Priester- und Diakonetag zu „Berufung“

Der Passauer Bischof Dr. Stefan Oster SDB hat heute in der Basilika St. Ulrich und Afra an den Inhalt und die Mitte unseres Glaubens erinnert: „Nicht etwas, sondern jemand, nämlich unser Herr Jesus Christus“, betonte Bischof Oster. Ihn in unserem Leben wirklich werden zu lassen, sich an Jesus festzumachen, ein Diener Christi zu sein, gebe uns erst die Freiheit Gott und den Nächsten zu lieben. „Nur wenn uns das nahe geht, spüren wir, er ist die Mitte von allem.“ Mit dem feierlichen Pontifikalamt begann der „Tag der Priester und Diakone“ im Rahmen der Ulrichswoche, der sich heuer mit dem Thema „Berufung“ beschäftigte.

Ausgehend von der Frage, wo das Problem liege, dass es gegenwärtig eher weniger als mehr junge Menschen gibt, die eine geistige Berufung in sich spüren, näherte sich Bischof Oster in seinem Vortrag zum Thema „Jugend, Glaube und Berufungen“ vom christlichen Menschenbild her. Vor rund 100 Priestern und Diakonen beschrieb er die Erfahrung des Seins, die Sinnerfahrung und die Erfahrung einer Christusbeziehung als drei Wege der Berufungsfindung. Diese müssten nicht nacheinander abgelaufen werden, sondern seien meist ineinander verwoben. „Berufung ereignet sich in der konkreten Wirklichkeit.“ Letztlich sei es aber erst durch die Begegnung mit dieser Wirklichkeit möglich, dass die Fähigkeit zur Entscheidung für einen bestimmten Berufungsweg wachse.

Was verwandelt also den Menschen, darf Christus in mein Leben hineinkommen, fragte Bischof Oster. Seine Antwort: Die Erfahrung von Sinn, Beziehung und Leid. „Menschen entwickeln Leidenschaft für andere Menschen, Geschöpfe, Dinge, Tätigkeiten und Ziele. Sie entdecken, was für sie Sinn und Freude macht und was Erfüllung schenkt.“ Für junge Menschen sei es daher wichtig, das zu entdecken und darin sich selbst, Prioritäten zu setzen und diese zu verändern. Letztlich gewinne aber alles in unserem Leben seinen Sinn durch Christus. Erst die Begegnung und Beziehung mit ihm mache uns liebes- und leidensfähig. „Bei Jesus daheim sein, verwandelt alles andere.“

Warum es dennoch immer weniger gelingt, junge Menschen für Gott und die Nachfolge Christi zu gewinnen, machte der Bischof an mehreren Punkten fest und stellt diese als drängende Herausforderungen für die Zukunft der Kirche heraus. Bischof Oster ermutigte dazu, wieder den ganzen Jesus zu verkündigen und dadurch eine neue Leidenschaft für Christus zu entfachen: „Jesus war ein Erdbeben, nicht nur ein lieber Mann!“ Dass es um unser Heil gehe und nicht um einen „Humanismus der Nettigkeit“, gelte es aber auch mit Überzeugung zu vertreten, so der Bischof. „Wenn wir einen Jesus verkünden, der Wellness lehrt, dann werden wir irrelevant“. In der Nachfolge Christi zu leben, bedeute nämlich, sich die Jüngerschaft zum Lebensthema zu machen. Nur wenn wir im, mit und vom Herrn lernen, könnten wir ihn auch lieben. „Das ist unsere Herausforderung“, wandte er sich an die Priester und Diakone, die er gleichermaßen zu echtem, intensivem treuem geistlichem Leben bestärkte: „Wir sind berufen, Gott zu lieben, weil er so großartig ist, und müssen die Sehnsucht nach ihm wecken.“

Bestätigung erhielten seine Aussagen im anschließenden Podiumsgespräch, das Schwester Dr. Theresia Mende OP vom Institut für Neuevangelisierung moderierte.  Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass es das gute Beispiel und Vorbild von authentischen Priesterpersönlichkeiten war, das in jungen Menschen heute noch die Sehnsucht nach einem Leben in der Nachfolge Christi wecken kann.

Vor der Pontifikalvesper mit Bischof Dr. Konrad Zdarsa in der Ulrichsbasilika hatten die Priester und Diakone in sechs Gesprächsrunden die Möglichkeit, sich über Themen der Berufungspastoral auszutauschen. Dabei stand die Frage „Kann man Berufungen machen?“ ebenso im Raum wie die kirchliche Jugendarbeit als Quelle für Berufungen, die Berufungspastoral aus der Sicht von Papst Franziskus, die geistliche Begleitung von jungen Priestern und die Erfahrungen von Anbetungsinitiativen.

(Quelle: Webseite des Bistums Augsburg, 10.07.2017)

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Quelle

Papst Franziskus: Jesus aus größerer Nähe nachfolgen

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Blick auf das »Fenster des Papstes« von den Kolonnaden aus.

Worte von Papst Franziskus beim Angelusgebet am 13. September

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

Das heutige Evangelium zeigt uns Jesus, wie er auf dem Weg nach Cäsarea Philippi die Jünger fragt: »Für wen halten mich die Menschen?« (Mk 8,27). Sie wiederholen, was die Leute sagten:

Einige halten ihn für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen der großen Propheten. Die Menschen schätzten Jesus, sie hielten ihn für einen »Gesandten Gottes«, doch es gelang ihnen noch nicht, ihn als den Messias zu erkennen, als jenen Messias, der angekündigt worden war und von allen erwartet wurde. Jesus blickt die Apostel an und fragt weiter: »Ihr aber, für wen haltet ihr mich?« (V. 29). Ja, das ist die wichtigste Frage, mit der sich Jesus direkt an alle wendet, die ihm nachgefolgt sind, um ihren Glauben zu prüfen. Im Namen aller ruft Petrus aufrichtig aus: »Du bist der Messias« (V. 29). Jesus ist beeindruckt vom Glauben des Petrus, er erkennt, dass er Frucht einer Gnade ist, einer besonderen Gnade Gottes, des Vaters. Und so offenbart er den Jüngern ganz offen, was ihn in Jerusalem erwartet, das heißt: »Der Menschensohn muss vieles erleiden…; er wird getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen« (vgl. V. 31).

Als sie dies hören, ist selbst Petrus verärgert, der soeben seinen Glauben an Jesus als den Messias bekannt hat. Er nimmt den Meister beiseite und macht ihm Vorwürde. Und wie reagiert Jesus? Er weist seinerseits Petrus mit äußerst harten Worten zurecht: »Weg mit dir, Satan« – er sagt »Satan« zu ihm! »Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen« (V. 33). Jesus bemerkt, dass sich in Petrus wie in den anderen Jüngern – auch in uns – der Gnade des Vaters die Versuchung des Teufels widersetzt, der uns vom Willen Gottes abbringen will. Indem Jesus ankündigt, dass er leiden und getötet werden müsse, um dann aufzuerstehen, will er die, die ihm nachfolgen, begreifen lassen, dass er ein demütiger und dienender Messias ist. Er ist der dem Wort und dem Willen des Vaters gehorsame Diener, bis zum vollkommenen Opfer seines Lebens. Indem er sich an die ganze dort anwesende Volksmenge wendet, erklärt er daher, dass wer sein Jünger sein wolle, es annehmen müsse, Diener zu sein, wie er selbst zum Diener geworden ist. Und er warnt: »Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach« (V. 34).

Sich in die Nachfolge Jesu zu begeben bedeutet, sein Kreuz auf sich zu nehmen – wir alle haben unser Kreuz… –, um ihn auf seinem Weg zu begleiten, einem unbequemen Weg, der nicht der Weg des Erfolgs, des flüchtigen Ruhmes ist, sondern jener, der zur wahren Freiheit führt, zu der Freiheit, die uns vom Egoismus und der Sünde befreit. Es geht darum, jener weltlichen Denkart eine eindeutige Absage zu erteilen, die das »Ich« und die eigenen Interessen in den Mittelpunkt des Daseins stellt: das ist nicht das, was Jesus von uns will! Jesus dagegen lädt uns ein, das eigene Leben für ihn, für das Evangelium zu verlieren, um es erneuert, verwirklicht und wahrhaft zu empfangen. Wir sind uns dank Jesu gewiss, dass dieser Weg am Ende zur Auferstehung führt, zum erfüllten und endgültigen Leben mit Gott. Die Entscheidung, ihm, unserem Meister und Herrn, nachzufolgen, der zum Diener aller geworden ist, erfordert es, hinter ihm herzugehen und auf ihn aufmerksam zu hören in seinem Wort – denkt daran: jeden Tag einen Abschnitt aus dem Evangelium lesen – und in den Sakramenten.

Hier sind junge Leute auf dem Platz: Jungen und Mädchen. Ich frage euch: Habt ihr das Verlangen verspürt, Jesus aus größerer Nähe nachzufolgen? Denkt nach! Betet! Und lasst es zu, dass der Herr zu euch spricht.

Die Jungfrau Maria, die Jesus bis nach Golgota nachgefolgt ist, stehe uns bei, unseren Glauben stets von falschen Gottesbildern zu reinigen, um in Fülle Christus und sein Evangelium anzunehmen.

Nach dem Angelusgebet sagte Papst Franziskus:

Liebe Brüder und Schwestern, heute wird in Südafrika Samuel Benedict Daswa seliggesprochen, ein Familienvater, der 1990 – vor gerade einmal 25 Jahren – wegen seiner Treue zum Evangelium getötet wurde.

In seinem Leben zeigte er stets große Glaubenskonsequenz, vertrat mutig christliche Positionen und lehnte die weltlichen und heidnischen Gewohnheiten ab. Sein Zeugnis helfe besonders den Familien, die Wahrheit und die Liebe Christi zu verbreiten. Und sein Zeugnis schließt sich dem Zeugnis vieler unserer Brüder und Schwestern an, junger Menschen, alter Menschen, Jugendlicher, Kinder, die verfolgt, vertrieben und ermordet werden, da sie sich zu Jesus Christus bekennen. All diesen Märtyrern, Samuel Benedict Daswa sowie ihnen allen, danken wir für ihr Zeugnis, und wir bitten sie, für uns Fürsprache zu halten.

Voll Zuneigung grüße ich euch, die Römer und die Pilger aus verschiedenen Ländern: Familien, Pfarrgruppen, Vereinigungen. Ich grüße die Gläubigen aus dem Bistum Freiburg, die Vereinigung »L’Albero di Zaccheo« [»Der Baum des Zachäus«], die Gläubigen aus Corte Franca und Orzinuovi, die Jugend der Katholischen Aktion von Alpago sowie die Gruppe von Motorradfahrern aus Ravenna.

Ich grüße die Lehrer in einem befristeten Arbeitsverhältnis, die aus Sardinien gekommen sind, und ich spreche die Hoffnung aus, dass den Problemen der Arbeitswelt begegnet wird, indem konkret der Familie und ihren Bedürfnissen Rechung getragen wird.

Allen wünsche ich einen schönen Sonntag. Und bitte: Vergesst nicht, für mich zu beten! Gesegnete Mahlzeit und auf Wiedersehen!

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Osservatore Romano deutsch 38/2015