Die Frau als „Weg“ — I. Christus, der Weg zum Vater

(Fortsetzung)

Als Gottmensch steht Jesus Christus ganz auf Seiten Gottes und ganz auf Seiten des Menschen. Er ist Gott und Mensch zugleich ohne jeden Abstrich. „Denn wir haben keinen Hohenpriester, der mit unserer Schwachheit nicht mitempfinden könnte, sondern einen, der in allem ebenso versucht worden ist, die Sünde ausgenommen“ (Hebr. 4, 15). Als Gott-Mensch ist Jesus Christus die lebendige Brücke zwischen Gott und Mensch, zwischen Himmel und Erde, zwischen Schöpfer und Geschöpf. Er ist der Pontifex schlechthin. In seiner Gottmenschlichkeit gründet der Titel als Mittler. Er ist der einzige Mittler zwischen Gott und Mensch. „Es gibt nur einen Gott und einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Menschen Jesus Christus“ (1. Tim. 2, 5).

Will der Herr seine mittlerische Tätigkeit durch die Sprache der Bilder und Gleichnisse wiedergeben, bezeichnet er sich als den Weg. Er ist der einzige Weg zum Vater, weil er der einzige Mittler ist. Die Exklusivität des Mittlertums Christi betont die Schrift mit aller Deutlichkeit und ist kirchliche Lehre. „Niemand kommt zum Vater als durch mich“, sagt der Herr selbst (Joh. 14, 6). Niemand. Da bleibt kein Zweifel mehr, da gibt es keine Ausnahme. Wie alles vom Vater durch den Sohn ausgeht, so muss auch alles durch den Sohn zum Vater heimfinden. Der Weg der Hinkunft zu Gott ist der gleiche, wie der seiner Herkunft von Gott.

Das christologische Prinzip „niemand kommt zum Vater außer durch mich“ lautet, übertragen auf die Kirche als den in der Geschichte weiterlebenden und weiterwirkenden Christus, „außer der Kirche kein Heil“. Diese Formel „darf … nicht als Antwort auf die Frage <Wer wird gerettet?> betrachtet werden, sondern man muss in ihr die Antwort auf die Frage sehen: <Wer ist beauftragt, den Heilsdienst auszuüben>“.

Maria als Weg zu Christus

Der Offenbarungsweg, den der Vater gegangen ist, heißt: Gott, Christus, Kirche. Gott offenbart sich durch Christus in seiner Kirche. Dieser Weg kennzeichnet das „descendere“, den „Abstieg“ Gottes zu uns. Will der Mensch zu Gott „aufsteigen“, muss er genau den umgekehrten Weg gehen: Kirche, Christus, Gott. Wir gelangen zum Vater durch Christus in seiner Kirche. Wie Christus vor dem Vater steht, steht die Kirche vor Christus. „Ich bin die Straße aller Straßen: auf mir ziehen die Jahrtausende zu Gott“, lässt Le Fort die Kirche sprechen. Nun ist aber Maria Typus der Kirche.

Mariologie und Ekklesiologie interpretieren sich gegenseitig. Das Bild der Kirche erhält das Bild Mariens, aber umgekehrt wird auch die Wirklichkeit der Kirche am konkretesten dargestellt und am schönsten il-lustriert im Bilde Mariens. „Die Kirche ist ja nicht eine Substanz; sie geschieht und ereignet sich immer aufs neue im konkreten Menschen. Man muss also auf diese schauen, will man wissen, was Kirche ist. Nun gibt es aber niemand, der als erlöster Mensch, als Frucht der Erlösung (und in dieser Dimension bewegt sich die Kirche) deutlicher das christliche Dasein repräsentieren könnte, als die heiligste Jungfrau und Mutter Gottes“.

Das Verhältnis Christus–Maria impliziert auch das Verhältnis Kirche–Maria. Kirche und Maria sind die Möglichkeiten der Christusbegegnung. Maria ist die Frau, die uns das Heil gebracht, den Erlöser geboren, alle seine Worte in ihrem Herzen bewahrt hat und deswegen uns die Gestalt Christi am deutlichsten „zeigen“ kann. Die Bitte des „Salve Regina“, „Zeige uns nach diesem Elende Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes“, hat nicht nur einen eschatologischen Sinn.

Weil wir nur durch die Kirche zu Christus gelangen, gilt auch das Wort „per Mariam ad Christum“, durch Maria zu Christus. Maria steht, wie die Kirche, „vor“ Christus. In der praktischen Frömmigkeit finden wir diese marianische „Vorgegebenheit“ immer bestätigt. Die Verehrung Mariens ist für viele die letzte Verbindung mit Christus und seiner Kirche.

Maria und die Kirche stehen „vor“ Christus, insofern sie uns Christus vermitteln. Die Mittlerschaft Mariens ist also in der Mittlerschaft der Kirche begründet. Das gilt auch umgekehrt. Die Mittlerrolle Mariens hat mehrere Aspekte. „Maria vermittelt zunächst dadurch, dass sie unter dem Kreuze im Namen aller das Ja der Zustimmung gesprochen hat und in den Tod Christi als Repräsentantin der Menschheit selbst eingetreten ist. Infolgedessen ist der Glaube, in dem sich ein Mensch dem Herrn zuwendet, Mitvollzug des von Maria vorausgenommenen Ja zum Tode Jesu Christi. Sie ist jedoch noch in einer zweiten, dem einzelnen noch näherkommenden Weise Mittlerin zu Christus.  Denn sie wünscht … jedem einzelnen die Auswirkung des Werkes Christi. Ihre Sehnsucht geht dahin, dass der Herr, ihr Sohn, der am Kreuz starb, in jedem einzelnen Menschen mächtig wird, so dass der Mensch <in Christus Jesus> lebt und darin des Heils teilhaftig wird. Die Zuwendung Christi zu dem einzelnen Menschen und des Menschen zu Christus ist daher getragen und umfangen von der Liebe Marias. Es gibt tatsächlich keine Begegnung mit Jesus Christus, welche nicht von ihrer Liebe zum Herrn begleitet wäre“.

Jede Mutter zeigt gern ihr Kind. Wir bekunden unseren Glauben an die Mittlerschaft Mariens auf mannigfache Art. Wir bitten sie im Lied „Meestern ich dich grüße“: „Gib ein reines Leben, mach den Weg uns eben, dass in Himmelshöhen froh wir Jesum sehen“. Wir bekennen: „Durch das Kind auf deinen Armen wirkst du Wunder ohne Zahl.“ Wir rufen Sie an als die „Mittlerin“, als die „Fürsprecherin“. Es gibt im Himmel und auf Erden keinen Menschen, der bei Jesus Christus ein geneigteres und bereitwilligeres Ohr für alle Anliegen fände als seine Mutter Maria. Es gibt aber auch keinen Menschen im Himmel und auf Erden, der als Mutter Christi so um das Christusleben der einzelnen Seele besorgt wäre wie Maria. Weil sie Mutter Christi und unsere Mutter ist, ist sie gleichzeitig unsere Mittlerin. Es sind mütterliche Funktionen und Aufgaben, die Maria mit Christus und uns verbinden. Gerade wegen dieser doppelten Mutterschaft ist Maria der „kürzeste und sicherste Weg zu Christus“.

(Fortsetzung folgt!)

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Quelle: Josef Dreissen: „Christus Leitbild jeder Frau“, 312 Seiten, 1962

(Artikelbild dazu von mir [POS] ausgewählt)

Der frauliche Vorrang der Liebe — 1. Die Liebe Christi

 

In der Enzyklika „Casti Connubii“ sagt der Heilige Vater Pius XI: „Wenn der Mann das Haupt ist, dann ist die Frau das Herz, und wie er das Vorrecht der Leitung, so kann und soll sie den Vorrang der Liebe als ihr Eigen- und Sondergut in Anspruch nehmen“.

Diese Wahrheit kommt schon im Wort „Weib“ zum Ausdruck. „Die Etymologie des Wortes „Weib“ deutet auf die Wurzel „vip“ zurück und heißt, auf den Priester bezogen, begeistert, innerlich erregt sein. Damit ist das Vorrecht der Frau zu lieben ausgesprochen“.

Weil die grundsätzlich dem Menschen zugeordnete Frau zur Befähigung ihrer Aufgabe in einer besonderen Weise mit der Liebe be-gabt sein muss, gewinnt für sie die quantitative und qualitative Normierung ihrer Liebe an der Liebe Christi eine erhöhte Bedeutung.

Was Liebe ist, weiß der Mensch nicht von sich aus. Eine Methode, die auf induktiven Weg, also von der konkreten menschlichen Erfahrung aus, das Wesen der Liebe bestimmen will, kann leicht das Ziel verfehlen. Einem solchen Versuch begegnen wir heute. Sein und Sinn der Liebe sind weithin von Gott losgelöst und darum willkürlich bestimmt. Menschliche Beziehungen werden als Liebe ausgegeben, die mit wirklicher Liebe nichts mehr zu tun haben. Wo eine „freie Liebe“ gepredigt und die „Liebe ohne Ring“ praktiziert wird, wird ja von vornherein die der echten Liebe wesentliche Kommunikation abgelehnt. Liebe meint hier nicht eine Beziehung des Ich zum Du, sondern eine intensive Ich-Beziehung bei der das „Du“ nicht als Ziel, sondern als Mittel zum Zweck missbraucht wird; noch schärfer formuliert, es handelt sich hier gar nicht mehr um ein Ich-Du, sondern um ein Ich-Es-, bzw. Es-Es-Verhältnis. Der Sexus versachlicht den Menschen, die Frau wird zum „Weibchen“ und der Mann zum „Männchen“.

Missverstanden wird Liebe auch da, wo sie gleichgesetzt wird mit sachlicher Hilfe, wo sie verwechselt wird mit Nachgiebigkeit und Schwäche, wo sie als elterliche, freundliche oder pädagogische Liebe glaubt, dem anderen „Partner“ alles gewähren zu müssen. Aus diesem Missverständnis der Liebe ist das Wort zu erklären „wie kann Liebe Sünde sein“. Aus diesem Missverständnis der Liebe des Erziehers zum Zögling, die eben um das Ziel der Erziehung nicht mehr weiß, ist nicht zuletzt das Phänomen der Halbstarken zu verstehen. Der halbstarke Zögling in das pädagogische Produkt eines halbschwachen Erziehers. Dem halbschwachen Erzieher fehlt der Mut zum kraftvollen Nein. Die Schrankenlosigkeit der Genußsucht resultiert nicht zuletzt aus der Maßlosigkeit der Liebe.

Diesen Missverständnissen können wir nur begegnen, wenn wir auf deduktivem Weg nach dem Wesen der göttlichen Liebe fragen und menschliche Liebe wieder an der göttlichen messen. Nicht die menschliche Erfahrung, die vom konkreten Erlebnis ausgeht und auf analytischem Weg zu allgemein gültigen Erkenntnissen, Regeln und Gesetzen gelangen will, kann ein Ausgangspunkt für die Wesensbestimmung der Liebe sein, sondern die Wirklichkeit Gottes und seine Offenbarung. Die Wirklichkeit Gottes ist immer das erste. Das Wesen väterlicher Liebe wird verbindlich nur erhellt im Licht der Liebe des himmlischen Vaters zu seinem einzigen vielgeliebten Sohn und zu denen, die in seinem Sohn sich Gotteskinder nennen dürfen. Was kindliche Liebe ist, hat uns Jesus Christus gezeigt in seinem Verhältnis zum Vater. Freundliche und eheliche Liebe bekommen ihr Maß vom Liebesbündnis Christi mit seiner Kirche. Alle Formen menschlicher Liebe sind nur schwache Abbilder des göttlichen Urbilder der Liebe. Weil aber die Liebe Gottes in Jesus Christus sichtbar erschienen ist, kulminieren in ihm alle diese Formen. „Christus nennt sich unser Meister und unser Freund, uns nennt er seine Brüder, Schwestern, Mütter – also ist er auch das „Kind“ unserer Seele, er wird in unserer Seele vom Vater geboren – doch nicht ohne unser Zutun – ist aber selbst wieder unsere Mutter (im Bild von der Henne und den Kücklein). In entsprechender Weise sind die Beziehungen zwischen Paulus und seiner Gemeinde so reich, dass Paulus sich als ihren Vater, ihre Amme, ihren Lehrer und ihren Freund und Bruder bezeichnen kann“.

Leider gehen wir oft mit menschlichen Vorstellungen von Liebe an die Liebe Gottes heran. Wir versuchen, von der menschlich erfahrbaren Liebe aus einen Zugang zur Liebe Gottes zu finden. Dieser Weg kann zu einem Gottesbild führen, das wir mit dem Ausdruck „der liebe Gott“ zu bezeichnen pflegen. Josef Andreas Jungmann hat darauf hingewiesen, dass diese Bezeichnung aus der Aufklärung stammt. Sie ist unbiblisch. Dahinter steckt der Gottesbegriff des Deismus, für den Gott nur die Verbrämung eines selbstherrlichen menschlichen Daseins ist. Gegen dieses Gottesbild hat schon Augustin Gruber Stellung genommen. Er macht darauf aufmerksam, wie sehr es der göttlichen Offenbarung widerspricht, „wenn man – was man seit einigen Dezennien häufig im Religionsunterricht tut und getan wissen will – Gott nur als einen weichen Vater darstellt, der alles Böse ohne Sinnesänderung hingehen lasse und auch dem im bösen Sinne Fortbleibenden verzeihe; wenn man besorgt, man möchte die Menschen durch die Darstellung der göttlichen Strafgerechtigkeit zu viel ängstigen, Ihnen das Herz schwer machen“. Noch stärker spricht sich Beta Weber gegen ein Gottesbild aus, „der ‚liebe Gott‘ den sie – damit sind die protestantischen Konfirmanten gemeint – bisweilen genannt und wiederholt bekommen, ist ein freundlicher morgenländlicher Emir, aus dessen Bart beständig die Tränen der Rührung träufeln, mit einem Schäferstock aus grünem Schilfrohr, damit er ja niemandem wehtun kann“.

Der Gottesbegriff des Deismus schillert von der absoluten Transzendenz bis zur absoluten Immanenz. Im Ausdruck „der liebe Gott“ schwingt stark die Transzendenz mit. Man lässt Gott „einen guten, alten Mann sein“, wie eine typische Redewendung besagt. Gott hat mehr Großväterliches als Väterliches an sich.

Es ist von entscheidender Bedeutung, den Gläubigen in Predigt und Katechese ein Gottesbild zu vermitteln, das größer ist als das Leben. Denn dieses kann einen engen Gottesbegriff sprengen. Den Gläubigen sollte das unendlich weite Bild des lebendigen und stets wirkenden Gottes der Offenbarung geboten werden, in dem alles Geschehen noch Platz hat, das eine Antwort gibt auf die Qualen der Hölle und den Tod Christi am Kreuz. Der Vater im Himmel hat niemals etwas Furchtbareres zugelassen als den Tod seines einzigen vielgeliebten Sohnes.

Der missverständliche und belastete Ausdruck „der liebe Gott“ müsste in der Sprache der Verkündigung verschwinden. Er könnte ersetzt werden mit „Vater-Gott“, oder „Herr-Gott“, oder „der liebe Herrgott“. Die Liebe Gottes ist etwas anderes als der liebe Gott. Wer die Liebe Gottes „verstehen“ will, darf das Ziel dieser Liebe nicht aus dem Auge verlieren. Das Ziel aber ist die Heiligkeit, die Vollendung des Menschen.

Gott lässt Schweres über den Menschen kommen – aus Liebe –, damit er daran innerlich wachse und reife. Es ist ein allgemeines Gesetz, dass der Mensch nur am Schweren wächst. Dieses Gesetz beobachten wir allenthalben. In der Schule werden dem Kind zunächst leichte und kleine Aufgaben gestellt. Soll es wachsen in der Erkenntnis und im Wissen, müssen die Aufgaben von Jahr zu Jahr schwieriger und grösser werden. Auf die Dezimalrechnung folgt die Bruchrechnung, auf die Bruchrechnung die Prozentrechnung, usw. Wer Klavier lernen will, beginnt mit ganz leichten Etüden, die sich aber im Schwierigkeitsgrad immer mehr steigern, bis man schließlich die Etüden von Chopain und Liszt bewältigen kann und so in der Lage ist, auch die schwierigsten Klavier Sonaten von Beethoven zu spielen. Ein guter Lehrer, der seinen Schüler weiterführen will, macht ihm Schwierigkeiten, mutet ihm mit zunehmendem Fortschritt mehr und mehr zu. Er versucht gerade durch die schwere der gestellten Aufgaben die letzten schlummernden Möglichkeiten im Kind wachzurufen, er will mit seinen Schülern bis an die äusserste Grenze des möglichen gehen. Ebenso macht es der Sportler, der jeweils die Latte höher legt, wenn er im Hochsprung eine gewisse Höhe erreicht hat. Nur wer etwas von Menschen fordert, fördert ihn.

Der Mensch liebt es, die letzte Grenze der Leistung zu suchen. Wer Auto fährt, möchte den Wagen einmal „ausfahren“, er will wissen, was der Wagen „hergibt“, was in ihm steckt.

Ähnlich verhält es sich mit der Heilspädagogik Gottes. Gott weiß, dass der Mensch zur Trägheit neigt und am liebsten den bequemen Weg geht. Die wenigsten Menschen würden sich Schwierigkeiten machen. Jeder Mensch geht gerne Schwierigkeiten aus dem Weg. Der beliebteste Weg ist immer der Weg des geringsten Widerstandes. Nun macht Gott dem Menschen Schwierigkeiten, er lässt Leid und Not und Versuchung über ihn kommen, weil er ihm damit eine Chance geben möchte, den Höhenweg einzuschlagen. Der Mensch soll die Potenzen seiner inneren Kräfte aktivieren. Gott ruft den Menschen in die äußersten Möglichkeiten des Glaubens, um ihn zu wahrer Größe zu führen. Das Schulbeispiel dafür ist die Glaubensprobe Abrahams. Gott prüft und läutert ihn, wie man Gold und Silber im Feuer läutert. Nur im Feuer schmilzt die Schlacke weg. Nur in „Feuer“ der Leiden wird der Mensch „lauter“ und rein vor Gott.

Wir beobachten jährlich in der Natur den Reifungsprozess. Es gibt kein Reifen ohne die Glut der Sonne. Je heißer die Sonne brennt, desto süßer werden die Trauben, desto schmackhafter der Wein, desto besser der „Jahrgang“. Auch der Mensch braucht zum inneren Wachsen und Reifen die „Sonne“. Diese Sonne ist das Leid. So verschieden auch das Leben der Heiligen sein mag, in einem stimmen sie alle überein: Niemand ist heilig geworden ohne das Leid.

Gott lässt sich im Verhältnis zu uns Menschen von der wahren Liebe leiten, die niemals unser Ziel, die Heiligung, aus dem Auge verliert. Die Liebe Gottes lässt sich auch durch unsere Bitten von diesem Ziel nicht abbringen. Wir wollen oft, was uns passt; Gott will, was uns frommt. – Wir wollen unser Liebstes; Gott unser Bestes. Gott muss uns aus Liebe unser Liebstes nehmen, damit wir das Beste finden, wenn unser Liebstes unser Bestes, unser Heil, gefährdet.

Die tiefste Offenbarung über Gottes Wesen ist die, dass er die Liebe ist. Das versichert uns mehrmals eindringlich der Evangelist Johannes (1. Joh. 4.7ff.). Wenn die Liebe das Wesen Gottes ausmacht, muss diese Liebe auch am deutlichsten geoffenbart sein. Krippe, Kreuz, Altar reißen die Abgründe göttlicher Liebe auf. Sie sind drei Höhepunkte in der Liebesoffenbarung Gottes. Wenn die Offenbarung eine Tatsache immer wieder erhärtet, dann ist es die, dass Gott die Liebe ist. Gerade die größten Heilstaten Gottes, die Menschwerdung seines Sohnes im Stall von Bethlehem, der Tod des Herrn am Kreuz, die Einsetzung der heiligen Eucharistie, sind unüberhörbare und unübersehbare Manifestationen seiner Liebe.

Gott ist ewig und unveränderlich. Er ist der unbedingt getreue Gott. Er kann sich auch nicht ändern in der Liebe zum Menschen. Seine Liebe zu uns hat die Beständigkeit seines eigenen Wesens. Das Symbol der ewigen Liebe Gottes ist das von der Lanze durchbohrte geöffnete Herz des Gott-menschen. In der Präfation vom Herz-Jesu-Fest heißt es: „Dies Herz, in dem die Glut der Liebe zu uns nie erlischt, sollte den Frommen eine Stätte der Ruhe werden, den Büßenden aber als rettende Zuflucht offenstehen.“

Für den gläubigen Christen gibt es keine größere und unumstößliche Gewissheit als die, dass er von Gott geliebt wird. Dieser Glaube dürfte den Christen zu keiner Stunde seines Lebens verlassen. Dieses Licht sollte ihm gerade in den dunkelsten schwersten Stunden leuchten. Nur im Dunkeln leuchten die Sterne. Nur im Dunkel der Nacht des Leidens und der Prüfung kann das Licht des Glaubens erstrahlen.

(Fortsetzung folgt!)

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Quelle: Josef Dreissen: „Christus Leitbild jeder Frau“, 312 Seiten, 1962

(Artikelbild dazu von mir [POS] ausgewählt)

 

Angelus: Ohne Kreuz geht es nicht

Der Papst beim Angelus

Christusnachfolge ohne Kreuz? Das geht nicht. Das hat Papst Franziskus schon 2013 in seiner ersten Predigt als Papst überhaupt gesagt, und an diesem Sonntag schlug er beim Angelus dieselbe Saite von neuem an. Es gebe keine „wahre Liebe“, wenn man sich um die „Selbsthingabe“ herumdrücke.

Franziskus ging vom Tagesevangelium aus (Mt 16, 21-27). Es schildert, wie Jesus einmal Petrus gegenüber unwirsch wird. „Die Szene spielt sich ab, als Jesus den Jüngern ankündigt, dass er in Jerusalem leiden müsse, getötet werde, aber dann wieder auferstehen werde. Da nimmt Petrus den Herrn beiseite und macht ihm Vorwürfe, weil das doch Ihm, dem Christus, nicht zustoßen dürfe. Doch Jesus macht wiederum dem Petrus mit harten Worten Vorwürfe: „Weg mit dir, Satan! … Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ Noch einen Moment zuvor war der Apostel ein starker „Fels“ gewesen, auf den Jesus seine Kirche bauen wollte – und sofort danach wird er zu einem Hindernis, einem Stolperstein auf der Straße des Messias!“

Was Jesus nach dieser Szene zu seinen Jüngern sage, das gelte auch uns Heutigen, so Papst Franziskus: Wer Jesus nachfolgen wolle, der müsse sich selbst verleugnen, sein Kreuz auf sich nehmen und ihm folgen. „Immer – auch heute – gibt es die Versuchung, Christus ohne Kreuz zu folgen, ja sogar Gott den richtigen Weg zeigen zu wollen. Wie Petrus sagt: Nein nein, Herr, das darf nicht passieren! Aber Jesus erinnert uns daran, dass sein Weg der Weg der Liebe ist, und es gibt keine wahre Liebe ohne die Selbsthingabe! Wir sind dazu aufgerufen, uns nicht von der Vision dieser Welt absorbieren zu lassen, sondern uns immer bewusster zu werden, dass wir Christen einen mühsamen Weg zu gehen haben – gegen den Strom, und bergauf.“

Wer nur sich selbst verwirklicht, der verliert sich

Das Evangelium dieses Sonntags bietet nach der Einschätzung des Papstes Worte von „großer Weisheit“ – etwa dieses: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren.“ „Dieses Paradox enthält die goldene Regel, die Gott in die menschliche Natur eingeschrieben hat: die Regel, dass nur die Liebe dem Leben Sinn und Glück zu geben vermag. Wer seine Talente und Energien nur dazu gebraucht, um sich selbst zu verwirklichen, der verliert sichin Wirklichkeit – eine traurige, sterile Existenz. Wenn wir hingegen für den Herrn leben und wie Jesus unser Leben auf die Liebe ausrichten, dann werden wir die wahre Freude erleben, und unser Leben wird nicht steril, sondern es wird fruchtbar sein!“

In der Messfeier werde jedes Mal von neuem „das Geheimnis des Kreuzes gegenwärtig“, fuhr der Papst fort. Das sei nicht nur „Erinnerung“, sondern erneute Vergegenwärtigung des „rettenden Opfers, bei dem der Sohn Gottes sich selbst vollkommen verliert, um sich vom Vater von neuem zu empfangen und so uns, die wir verloren waren, wiederzufinden, zusammen mit allen Geschöpfen. Jedes Mal, wenn wir an der Heiligen Messe teilnehmen, teilt sich uns die Liebe des gekreuzigten und auferstandenen Christus als Nahrung mit, damit wir Ihm auf dem Weg des Alltags, im konkreten Dienst an den Geschwistern, folgen können.“

Man dürfe „keine Angst haben vor dem Kreuz“, schloss der Papst: Es gebe „kein Kreuz ohne Jesus“.

(rv 03.09.2017 sk)

Bischof Oster: „Jesus war ein Erdbeben, nicht nur ein lieber Mann“

Mgr. Stefan Oster / Pressestelle Bistum Passau – Pbp

Augsburg: Priester- und Diakonetag zu „Berufung“

Der Passauer Bischof Dr. Stefan Oster SDB hat heute in der Basilika St. Ulrich und Afra an den Inhalt und die Mitte unseres Glaubens erinnert: „Nicht etwas, sondern jemand, nämlich unser Herr Jesus Christus“, betonte Bischof Oster. Ihn in unserem Leben wirklich werden zu lassen, sich an Jesus festzumachen, ein Diener Christi zu sein, gebe uns erst die Freiheit Gott und den Nächsten zu lieben. „Nur wenn uns das nahe geht, spüren wir, er ist die Mitte von allem.“ Mit dem feierlichen Pontifikalamt begann der „Tag der Priester und Diakone“ im Rahmen der Ulrichswoche, der sich heuer mit dem Thema „Berufung“ beschäftigte.

Ausgehend von der Frage, wo das Problem liege, dass es gegenwärtig eher weniger als mehr junge Menschen gibt, die eine geistige Berufung in sich spüren, näherte sich Bischof Oster in seinem Vortrag zum Thema „Jugend, Glaube und Berufungen“ vom christlichen Menschenbild her. Vor rund 100 Priestern und Diakonen beschrieb er die Erfahrung des Seins, die Sinnerfahrung und die Erfahrung einer Christusbeziehung als drei Wege der Berufungsfindung. Diese müssten nicht nacheinander abgelaufen werden, sondern seien meist ineinander verwoben. „Berufung ereignet sich in der konkreten Wirklichkeit.“ Letztlich sei es aber erst durch die Begegnung mit dieser Wirklichkeit möglich, dass die Fähigkeit zur Entscheidung für einen bestimmten Berufungsweg wachse.

Was verwandelt also den Menschen, darf Christus in mein Leben hineinkommen, fragte Bischof Oster. Seine Antwort: Die Erfahrung von Sinn, Beziehung und Leid. „Menschen entwickeln Leidenschaft für andere Menschen, Geschöpfe, Dinge, Tätigkeiten und Ziele. Sie entdecken, was für sie Sinn und Freude macht und was Erfüllung schenkt.“ Für junge Menschen sei es daher wichtig, das zu entdecken und darin sich selbst, Prioritäten zu setzen und diese zu verändern. Letztlich gewinne aber alles in unserem Leben seinen Sinn durch Christus. Erst die Begegnung und Beziehung mit ihm mache uns liebes- und leidensfähig. „Bei Jesus daheim sein, verwandelt alles andere.“

Warum es dennoch immer weniger gelingt, junge Menschen für Gott und die Nachfolge Christi zu gewinnen, machte der Bischof an mehreren Punkten fest und stellt diese als drängende Herausforderungen für die Zukunft der Kirche heraus. Bischof Oster ermutigte dazu, wieder den ganzen Jesus zu verkündigen und dadurch eine neue Leidenschaft für Christus zu entfachen: „Jesus war ein Erdbeben, nicht nur ein lieber Mann!“ Dass es um unser Heil gehe und nicht um einen „Humanismus der Nettigkeit“, gelte es aber auch mit Überzeugung zu vertreten, so der Bischof. „Wenn wir einen Jesus verkünden, der Wellness lehrt, dann werden wir irrelevant“. In der Nachfolge Christi zu leben, bedeute nämlich, sich die Jüngerschaft zum Lebensthema zu machen. Nur wenn wir im, mit und vom Herrn lernen, könnten wir ihn auch lieben. „Das ist unsere Herausforderung“, wandte er sich an die Priester und Diakone, die er gleichermaßen zu echtem, intensivem treuem geistlichem Leben bestärkte: „Wir sind berufen, Gott zu lieben, weil er so großartig ist, und müssen die Sehnsucht nach ihm wecken.“

Bestätigung erhielten seine Aussagen im anschließenden Podiumsgespräch, das Schwester Dr. Theresia Mende OP vom Institut für Neuevangelisierung moderierte.  Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass es das gute Beispiel und Vorbild von authentischen Priesterpersönlichkeiten war, das in jungen Menschen heute noch die Sehnsucht nach einem Leben in der Nachfolge Christi wecken kann.

Vor der Pontifikalvesper mit Bischof Dr. Konrad Zdarsa in der Ulrichsbasilika hatten die Priester und Diakone in sechs Gesprächsrunden die Möglichkeit, sich über Themen der Berufungspastoral auszutauschen. Dabei stand die Frage „Kann man Berufungen machen?“ ebenso im Raum wie die kirchliche Jugendarbeit als Quelle für Berufungen, die Berufungspastoral aus der Sicht von Papst Franziskus, die geistliche Begleitung von jungen Priestern und die Erfahrungen von Anbetungsinitiativen.

(Quelle: Webseite des Bistums Augsburg, 10.07.2017)

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Quelle

Papst Franziskus: Jesus aus größerer Nähe nachfolgen

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Blick auf das »Fenster des Papstes« von den Kolonnaden aus.

Worte von Papst Franziskus beim Angelusgebet am 13. September

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

Das heutige Evangelium zeigt uns Jesus, wie er auf dem Weg nach Cäsarea Philippi die Jünger fragt: »Für wen halten mich die Menschen?« (Mk 8,27). Sie wiederholen, was die Leute sagten:

Einige halten ihn für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen der großen Propheten. Die Menschen schätzten Jesus, sie hielten ihn für einen »Gesandten Gottes«, doch es gelang ihnen noch nicht, ihn als den Messias zu erkennen, als jenen Messias, der angekündigt worden war und von allen erwartet wurde. Jesus blickt die Apostel an und fragt weiter: »Ihr aber, für wen haltet ihr mich?« (V. 29). Ja, das ist die wichtigste Frage, mit der sich Jesus direkt an alle wendet, die ihm nachgefolgt sind, um ihren Glauben zu prüfen. Im Namen aller ruft Petrus aufrichtig aus: »Du bist der Messias« (V. 29). Jesus ist beeindruckt vom Glauben des Petrus, er erkennt, dass er Frucht einer Gnade ist, einer besonderen Gnade Gottes, des Vaters. Und so offenbart er den Jüngern ganz offen, was ihn in Jerusalem erwartet, das heißt: »Der Menschensohn muss vieles erleiden…; er wird getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen« (vgl. V. 31).

Als sie dies hören, ist selbst Petrus verärgert, der soeben seinen Glauben an Jesus als den Messias bekannt hat. Er nimmt den Meister beiseite und macht ihm Vorwürde. Und wie reagiert Jesus? Er weist seinerseits Petrus mit äußerst harten Worten zurecht: »Weg mit dir, Satan« – er sagt »Satan« zu ihm! »Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen« (V. 33). Jesus bemerkt, dass sich in Petrus wie in den anderen Jüngern – auch in uns – der Gnade des Vaters die Versuchung des Teufels widersetzt, der uns vom Willen Gottes abbringen will. Indem Jesus ankündigt, dass er leiden und getötet werden müsse, um dann aufzuerstehen, will er die, die ihm nachfolgen, begreifen lassen, dass er ein demütiger und dienender Messias ist. Er ist der dem Wort und dem Willen des Vaters gehorsame Diener, bis zum vollkommenen Opfer seines Lebens. Indem er sich an die ganze dort anwesende Volksmenge wendet, erklärt er daher, dass wer sein Jünger sein wolle, es annehmen müsse, Diener zu sein, wie er selbst zum Diener geworden ist. Und er warnt: »Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach« (V. 34).

Sich in die Nachfolge Jesu zu begeben bedeutet, sein Kreuz auf sich zu nehmen – wir alle haben unser Kreuz… –, um ihn auf seinem Weg zu begleiten, einem unbequemen Weg, der nicht der Weg des Erfolgs, des flüchtigen Ruhmes ist, sondern jener, der zur wahren Freiheit führt, zu der Freiheit, die uns vom Egoismus und der Sünde befreit. Es geht darum, jener weltlichen Denkart eine eindeutige Absage zu erteilen, die das »Ich« und die eigenen Interessen in den Mittelpunkt des Daseins stellt: das ist nicht das, was Jesus von uns will! Jesus dagegen lädt uns ein, das eigene Leben für ihn, für das Evangelium zu verlieren, um es erneuert, verwirklicht und wahrhaft zu empfangen. Wir sind uns dank Jesu gewiss, dass dieser Weg am Ende zur Auferstehung führt, zum erfüllten und endgültigen Leben mit Gott. Die Entscheidung, ihm, unserem Meister und Herrn, nachzufolgen, der zum Diener aller geworden ist, erfordert es, hinter ihm herzugehen und auf ihn aufmerksam zu hören in seinem Wort – denkt daran: jeden Tag einen Abschnitt aus dem Evangelium lesen – und in den Sakramenten.

Hier sind junge Leute auf dem Platz: Jungen und Mädchen. Ich frage euch: Habt ihr das Verlangen verspürt, Jesus aus größerer Nähe nachzufolgen? Denkt nach! Betet! Und lasst es zu, dass der Herr zu euch spricht.

Die Jungfrau Maria, die Jesus bis nach Golgota nachgefolgt ist, stehe uns bei, unseren Glauben stets von falschen Gottesbildern zu reinigen, um in Fülle Christus und sein Evangelium anzunehmen.

Nach dem Angelusgebet sagte Papst Franziskus:

Liebe Brüder und Schwestern, heute wird in Südafrika Samuel Benedict Daswa seliggesprochen, ein Familienvater, der 1990 – vor gerade einmal 25 Jahren – wegen seiner Treue zum Evangelium getötet wurde.

In seinem Leben zeigte er stets große Glaubenskonsequenz, vertrat mutig christliche Positionen und lehnte die weltlichen und heidnischen Gewohnheiten ab. Sein Zeugnis helfe besonders den Familien, die Wahrheit und die Liebe Christi zu verbreiten. Und sein Zeugnis schließt sich dem Zeugnis vieler unserer Brüder und Schwestern an, junger Menschen, alter Menschen, Jugendlicher, Kinder, die verfolgt, vertrieben und ermordet werden, da sie sich zu Jesus Christus bekennen. All diesen Märtyrern, Samuel Benedict Daswa sowie ihnen allen, danken wir für ihr Zeugnis, und wir bitten sie, für uns Fürsprache zu halten.

Voll Zuneigung grüße ich euch, die Römer und die Pilger aus verschiedenen Ländern: Familien, Pfarrgruppen, Vereinigungen. Ich grüße die Gläubigen aus dem Bistum Freiburg, die Vereinigung »L’Albero di Zaccheo« [»Der Baum des Zachäus«], die Gläubigen aus Corte Franca und Orzinuovi, die Jugend der Katholischen Aktion von Alpago sowie die Gruppe von Motorradfahrern aus Ravenna.

Ich grüße die Lehrer in einem befristeten Arbeitsverhältnis, die aus Sardinien gekommen sind, und ich spreche die Hoffnung aus, dass den Problemen der Arbeitswelt begegnet wird, indem konkret der Familie und ihren Bedürfnissen Rechung getragen wird.

Allen wünsche ich einen schönen Sonntag. Und bitte: Vergesst nicht, für mich zu beten! Gesegnete Mahlzeit und auf Wiedersehen!

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Osservatore Romano deutsch 38/2015