Generalaudienz: Papst gegen verkaufsoffene Sonntage

Ein Papst zum Anfassen: Papst Franziskus bei der Generalaudienz

Papst Franziskus lädt die Gläubigen ein, den Besuch der Sonntagsmesse wieder ernster zu nehmen. Bei seiner Generalaudienz im Vatikan sprach er sich am Mittwoch außerdem gegen verkaufsoffene Sonntage aus.

„Warum gehen wir am Sonntag in die Messe?“ Das war der Ausgangspunkt der Katechese des Papstes. Seine Antwort: Die sonntägliche Eucharistiefeier stehe, darauf weise auch der Weltkatechismus hin, im Zentrum des Lebens der Kirche. „Wir Christen gehen am Sonntag in die Messe, um dem auferstandenen Herrn zu begegnen, um sein Wort zu hören, uns an seinem Tisch zu nähren und um dadurch Kirche zu werden, also sein mystischer Leib, der in der Welt lebt.“

Die Jünger Jesu hätten das von Anfang an so gesehen: Ihre „eucharistische Begegnung mit dem Herrn“ hätten sie bewusst auf den – aus jüdischer Sicht – ersten Tag der Woche gelegt, den Tag also, an dem der auferstandene Jesus den Seinen erschienen war.

Die Messe macht den Sonntag zum Sonntag

„Auch die große Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten geschah sonntags – am fünfzigsten Tag nach der Auferstehung Jesu. Darum ist der Sonntag für uns ein heiliger Tag: geheiligt durch die Eucharistiefeier, lebendige Gegenwart des Herrn unter uns und für uns. Es ist also die Messe, die den christlichen Sonntag ausmacht – der Sonntag der Christen kreist um die Messe. Was für ein Sonntag ist das denn für einen Christen, wenn die Begegnung mit dem Herrn fehlt?“

Dazu würden Katholiken in der Diaspora jetzt sagen: Woher nehmen und nicht stehlen? Nicht nur im Amazonasgebiet in Lateinamerika, sondern auch mitten in Deutschland ist es oft schwer, eine katholische Sonntagsmesse in der Nähe zu haben, erst recht in Zeiten des Pfarreien-Zusammenlegens zu Großverbänden.

Franziskus kennt diese Einwände: Ja, es gebe leider „christliche Gemeinschaften, die nicht jeden Sonntag in den Genuss einer Messe“ kämen. „Auch sie sind aber an diesem heiligen Tag dazu aufgerufen, sich im Namen des Herrn im Gebet zu versammeln, das Wort Gottes zu hören und die Sehnsucht nach der Eucharistie lebendig zu erhalten.“ Sogenannte priesterlose Gottesdienste sind damit gemeint.

Den Sinn für das Feiern wieder entdecken

„Einige säkularisierte Gesellschaften haben den christlichen Sinn des Sonntags, der von der Eucharistie sein Licht erhält, verloren – das ist schade! In einem solchen Umfeld ist es nötig, dieses Bewusstsein wiederzubeleben und den Sinn des Festes wieder zu verstehen. Nicht den Sinn des Festes verlieren… Den Sinn der Freude, der Pfarrei-Gemeinschaft, der Solidarität, der Ruhe, die Geist und Seele erfrischt. Die Eucharistie ist, Sonntag für Sonntag, eine Lehrerin dieser Werte.“

Der disruptive, erholende Charakter des Sonntags ist am meisten bedroht, wenn die Läden auch am Tag des Herrn offenbleiben und immer mehr Menschen arbeiten müssen. „In den ersten Jahrhunderten gab es keine Sonntagsruhe – das ist ein spezifisch christlicher Beitrag. Der biblischen Tradition entsprechend ruhten die Juden am Samstag, während in der römischen Gesellschaft kein Tag vorgesehen war, um Sklavenarbeiten einmal auszusetzen. Es war der christliche Sinn für ein Leben als Söhne und nicht als Sklaven, genährt von der Eucharistie, der aus dem Sonntag fast weltweit den Ruhetag machte!“

Und diesen christlichen Sinn für den Sonntag als Ruhetag gilt es, so fordert Papst Franziskus, wiederzugewinnen. „Ohne Christus sind wir dazu verurteilt, von der Müdigkeit des Alltags, seinen Sorgen und der Angst vor dem Morgen dominiert zu werden. Das sonntägliche Treffen mit dem Herrn gibt uns die Kraft, das Heute mit Zuversicht und Mut zu leben und voller Hoffnung voranzugehen.“

Wir gehen nicht in die Messe, um Gott etwas zu geben

Aber Papst Franziskus ist ein realistischer Mensch: Er weiß auch, dass es viele Christen gibt, die sagen, so wichtig sei die Sonntagsmesse ja auch wieder nicht – eigentlich komme es doch auf die Nächstenliebe und auf das richtige Handeln an. Was könne man denn darauf antworten?, fragte der Papst. Und versuchte sich gleich an so einer Antwort.

„Es stimmt ja, dass die Qualität des christlichen Lebens sich an der Fähigkeit zu lieben misst. Jesus hat das selbst klar gesagt: Daran würden alle erkennen, dass sie seine Jünger seien – dass sie einander liebten (vgl. Joh 13,35). Aber wie können wir denn das Evangelium praktizieren, ohne dass wir uns aus der Quelle der Eucharistie, Sonntag für Sonntag, die nötige Energie dazu holen? Wir gehen nicht in die Messe, um Gott etwas zu geben, sondern um von ihm das zu bekommen, was wir wirklich brauchen!“

Es reiche nicht, in die Sonntagsmesse zu gehen, einfach weil das eine kirchliche Vorschrift sei, bündelte Franziskus das bisher Gesagte. „Das hilft zwar, den Wert dieser Vorschrift zu bewahren, aber es reicht nicht aus. Wir Christen brauchen die Sonntagsmesse, weil wir nur mit der Gnade Jesu, mit seiner lebendigen Gegenwart in uns und durch uns, sein Gebot (der Nächstenliebe) in die Tat umsetzen können. Und nur so können wir glaubwürdige Zeugen sein für ihn.“

(rv 13.12.2017 sk)

Polens Bischöfe verlangen Verbot der Sonntagsöffnung — Ruhe am Tag des Herrn

Stanislaw Gadecki, Erzbischof von Posen und Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz.

Polens katholische Bischöfe fordern ein Verbot der bislang üblichen Öffnung von Geschäften an Sonntagen. „Der freie Sonntag ist ein Grundrecht, auf das alle Menschen und jeder Mitarbeiter Anspruch haben“, so die Bischofskonferenz.

Der polnische Bischofskonferenz-Vorsitzende, Erzbischof Stanislaw Gadecki, rief nach einer Versammlung der Diözesanbischöfe in Tschenstochau (Czestochowa) die Gewerkschaft Solidarnosc (Solidarität) und katholische Organisationen auf, sich für die „Sonntagsruhe“ stark zu machen.

Regierung berät über Einschränkung des verkaufsoffenen Sonntags

Die nationalkonservative Regierung berät bereits über eine Einschränkung des verkaufsoffenen Sonntags. Familien- und Arbeitsministerin Elzbieta Rafalska schlug vor einigen Tagen als Kompromiss vor, die Öffnung von Läden am ersten und vierten Sonntag jedes Monats zu untersagen und nur am zweiten und dritten Sonntag zu erlauben.

Gadecki kritisierte, es fehle bislang am „politischen Willen zur Lösung des Problems“. Es sei notwendig, dass die Politiker die Stimme der Gesellschaft für den freien Sonntag hörten. Als „heiliger Tag“ solle der Sonntag arbeitsfrei sein. Die endgültige Gestaltung des Gesetzes sei jedoch nicht Sache der Kirche, sondern vielmehr des Parlaments.

Freie Wahl der Öffnungszeiten

Bislang gibt es in Polen mit Ausnahme der gesetzlichen Feiertage keine Einschränkung der Ladenöffnungszeiten. Die Gewerkschaft Solidarnosc hatte voriges Jahr mit Unterstützung der katholischen Kirche rund 500.000 Unterschriften für eine Volksinitiative für ein Gesetz gesammelt, das dem Sonntagseinkauf enge Grenzen setzt. In diesem Herbst wird ein Votum des Parlaments darüber erwartet.

Der Entwurf der Gewerkschaft lässt die Öffnung von Supermärkten und Einkaufszentren nur an sieben Sonntagen im Jahr – darunter zwei Adventssonntagen – zu. Das Einkaufen an Heiligabend und Karsamstag soll ab nachmittags ausgeschlossen werden. Die Regierung erklärte bereits, sie lehne Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren bei Verstößen gegen das Ladenschlussgesetz ab, wie sie der Entwurf der Volksinitiative vorsieht.

Der Verband der Einkaufszentren lehnt die Volksinitiative ab. Ein Verbot der Ladenöffnung an Sonntagen würde zu einem Umsatzrückgang von fast vier Prozent oder mehr als einer Milliarde Euro führen, argumentiert er. Dadurch würden allein in Handelszentren rund 20.000 Arbeitsplätze wegfallen.

(KNA) – Quelle