ZU EINIGEN FRAGEN ÜBER DIE MITARBEIT DER LAIEN AM DIENST DER PRIESTER

Päpstlicher-Rat-für-die-Laien

INSTRUKTION
ZU EINIGEN FRAGEN
ÜBER DIE MITARBEIT DER LAIEN
AM DIENST DER PRIESTER

LIBRERIA EDITRICE VATICANA
VATIKANSTADT 1997


VORWORT

Dem Geheimnis der Kirche entspringt der an alle Glieder des mystischen Leibes gerichtete Ruf, gemäß den verschiedenen Ämtern und Charismen an der Sendung und am Aufbau des Volkes Gottes in einer organischen Gemeinschaft aktiv mitzuwirken. Ein Echo dieses Rufes ist besonders seit dem II. Vatikanischen Konzil(1) wiederholt in den Dokumenten des Lehramtes zu vernehmen. Vor allem in den drei letzten ordentlichen Vollversammlungen der Bischofssynode wurde die Identität, die den Laien, den Priestern und den Gottgeweihten eigen ist, in ihrer gemeinsamen Würde und in der Verschiedenheit ihrer Aufgaben neu bekräftigt. Alle Gläubigen wurden ermutigt, am Aufbau der Kirche für das Heil der Welt gemeinschaftlich mitzuarbeiten.

Es ist zu betonen, daß die apostolische Tätigkeit der Laien bei der Evangelisierung in Gegenwart und Zukunft wichtig und dringlich ist. Die Kirche kann von diesem Wirken nicht absehen, weil es zu ihrer Natur als Gottesvolk gehört und weil sie es braucht, um ihren eigenen Evangelisierungsauftrag zu erfüllen.

Der Ruf zur aktiven Mitarbeit aller Gläubigen an der Sendung der Kirche ist nicht ungehört geblieben. Die Bischofssynode 1987 hat festgestellt, »daß der Geist die Kirche weiterhin erneuert, indem er in zahlreichen Laien neue Impulse der Heiligkeit und der Teilnahme weckt. Zeugnis davon gibt unter anderem der neue Stil der Zusammenarbeit zwischen Priestern, Ordensleuten und Laien; die Mitwirkung in der Liturgie, in der Verkündigung des Wortes Gottes und in der Katechese; die vielen Dienste, die Laien anvertraut und von diesen übernommen werden; das vielfältige Entstehen von Gruppen, Vereinigungen und geistlichen Gemeinschaften sowie von gemeinsamen Initiativen der Laien; die umfassendere und bedeutsamere Teilnahme der Frauen am Leben der Kirche und an den Entwicklungen in der Gesellschaft«.(2) Ebenso ist man bei der Vorbereitung der Bischofssynode 1994 über das geweihte Leben »überall der ehrlichen Sehnsucht« begegnet, »zwischen Bischöfen, Instituten des geweihten Lebens, Weltklerus und Laien authentische Beziehungen der Gemeinschaft und der Zusammenarbeit aufzubauen«.(3) In dem nachsynodalen Apostolischen Schreiben bestätigt der Papst dann den spezifischen Beitrag des geweihten Lebens an der Sendung und Auferbauung der Kirche.(4)

Es gibt ein Zusammenwirken aller Gläubigen in beiden Ordnungen der Sendung der Kirche, in der geistlichen, um die Botschaft Christi und seine Gnade zu den Menschen zu bringen, wie auch in der weltlichen Ordnung, um die säkulare Wirklichkeit mit dem Geist des Evangeliums zu durchdringen und zu vervollkommnen.(5) Besonders in der ersteren — bei der Evangelisierung und beim Heiligungsdienst — »ergänzen einander das Apostolat der Laien und der Dienst der Hirten«.(6) Dabei haben Laien beiderlei Geschlechts unzählige Gelegenheiten, aktiv zu werden, und zwar durch das kohärente Zeugnis im persönlichen Leben, in Familie und Gesellschaft, durch die Verkündigung und Weitergabe des Evangeliums Christi in jedem Umfeld und durch das Bemühen, die christlichen Prinzipien bei den aktuellen Problemen herauszuarbeiten, zu verteidigen und richtig anzuwenden.(7) Besonders die Hirten sind aufgerufen, »die Dienste („ministeria“), Ämter („officia“) und Funktionen („functiones“) der Laien anzuerkennen und zu fördern. Diese haben ihre sakramentale Grundlage in Taufe und Firmung und vielfach auch in der Ehe«.(8)

In der Tat sind im Leben der Kirche auf diesem Gebiet erstaunliche pastorale Initiativen aufgeblüht, vor allem nach dem wichtigen Impuls, der vom II. Vatikanischen Konzil und vom päpstlichen Lehramt ausgegangen ist.

Heute erfordert besonders die vorrangige Aufgabe der Neuevangelisierung, die das gesamte Volk Gottes gemeinsam mit den Priestern als »Protagonisten« angeht, die neuerliche und volle Bewußtwerdung des Weltcharakters der Sendung der Laien.(9)

Dieses Vorhaben öffnet den Laien immense, manche noch zu erforschende Horizonte des Engagements in der Welt, im Bereich der Kultur, der Kunst und des Theaters, in der wissenschaftlichen Forschung, in der Arbeitswelt, in den Massenmedien, in der Politik, in der Wirtschaft usw. Ihr ganzer Unternehmungsgeist ist gefordert, um immer wirksamere Formen zu schaffen, damit diese Tätigkeitsfelder in Jesus Christus die Fülle ihrer Bedeutung finden.(10)

Innerhalb dieses weiten Feldes der gemeinsamen Tätigkeit, sei es in der spezifisch geistlichen bzw. religiösen Ordnung, sei es in der »consecratio mundi«, gibt es ein besonderes Gebiet, das den geistlichen Dienst (»sacrum ministerium«) des Klerus betrifft. Bei der Ausübung dieses Dienstes können Laien, Männer und Frauen, natürlich auch Mitglieder der Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften des apostolischen Lebens, die nicht das Weihesakrament empfangen haben, zur Mitarbeit beauftragt werden. Auf dieses besondere Gebiet bezieht sich das II. Vatikanische Konzil, wo es lehrt: »Schließlich vertraut die Hierarchie den Laien auch gewisse Aufgaben an, die enger mit den Ämtern der Hirten verbunden sind, etwa bei der Unterweisung in der christlichen Lehre, bei gewissen liturgischen Handlungen und in der Seelsorge«.(11)

Da es sich eben um Aufgaben handelt, die enger mit den Verpflichtungen der Hirten — die, um Hirten zu sein, das Weihesakrament empfangen haben müssen — verbunden sind, ist es erforderlich, daß alle, die in irgendeiner Weise davon betroffen sind, eine besondere Sorgfalt walten lassen, damit sowohl das Wesen und die Sendung des geistlichen Dienstes als auch die Berufung und der Weltcharakter der Laien gewahrt bleiben. Mitarbeiten bedeutet nämlich nicht ersetzen.

Mit großer Zufriedenheit können wir feststellen, daß sich die Mitarbeit der Laien am pastoralen Dienst des Klerus in vielen Teilkirchen auf sehr positive Weise darstellt und unter Beachtung der vom Wesen der Sakramente gesetzten Grenzen sowie der Verschiedenheit der Charismen und kirchlichen Funktionen reiche Früchte an Gutem hervorbringt; mit großherzigen und sinnvollen Lösungen wird Situationen begegnet, wo keine oder zu wenige geistliche Amtsträger (»sacri ministri«) vorhanden sind.(12) Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, daß im Sinn der Gemeinschaft einige Glieder der Kirche, soweit es ihnen, ohne mit dem Weihesakrament ausgestattet zu sein, möglich ist, an der Abhilfe von Notsituationen und chronischen Erfordernissen mancher Gemeinden eifrig mitarbeiten.(13) Diese Gläubigen sind gerufen und beauftragt, bestimmte sehr wichtige und delikate Aufgaben zu übernehmen. Sie werden von der Gnade des Herrn gestärkt, von den geistlichen Amtsträgern begleitet und von den Gemeinden, zu deren Wohl sie ihren Dienst anbieten, gut aufgenommen. Die geistlichen Hirten anerkennen voll den Großmut, mit dem sich viele Gottgeweihte und Laien für diesen spezifischen Dienst zur Verfügung stellen, den sie mit treuem »sensus Ecclesiae« und aufrichtiger Hingabe leisten. Besondere Dankbarkeit und Ermutigung gebührt jenen, die diese Aufgaben in Situationen der Verfolgung der christlichen Gemeinschaft ausüben, in den territorialen oder kulturellen Missionsgebieten, dort, wo die Kirche noch wenig verwurzelt ist, oder wo die Präsenz des Priesters nur selten gegeben ist.(14)

Hier ist nicht der Ort, den ganzen theologischen und pastoralen Reichtum der Rolle der Laien in der Kirche zu vertiefen. Er wurde bereits durch das Apostolische Schreiben Christifideles laici ausführlich dargestellt.

Das Ziel dieses Dokuments besteht einfach darin, eine klare und verbindliche Antwort zu geben auf drängende und zahlreich bei unseren Dikasterien eingelangte Anfragen von Bischöfen, Priestern und Laien, die gebeten haben, hinsichtlich neuer Formen »pastoraler« Tätigkeiten von Laien im Bereich der Pfarreien und Diözesen aufgeklärt zu werden.

Oft handelt es sich nämlich um Praktiken, die in Notsituationen entstanden sind und sich häufig in der Absicht, eine großzügige Hilfe in der Pastoral zu leisten, entfaltet haben, aber schwerwiegende negative Folgen für das rechte Verständnis wahrer kirchlicher Gemeinschaft haben können. Solche Praktiken gibt es vor allem in einigen Gebieten; manchmal sind sie auch innerhalb desselben Gebietes sehr unterschiedlich.

Jedenfalls erinnern sie an die schwerwiegende pastorale Verantwortung derer, vor allem der Bischöfe,(15) die gerufen sind, die allgemeine Ordnung der Kirche auf der Basis einiger lehrmäßiger Prinzipien, die schon vom II. Vatikanischen Konzil(16) und vom nachfolgenden päpstlichen Lehramt(17) deutlich dargelegt worden sind, zu fördern und zu bewahren.

Innerhalb unserer Dikasterien wurden Überlegungen angestellt, und es wurde ein Symposion veranstaltet, an dem Vertreter der mit dem Problem hauptsächlich befaßten Episkopate teilgenommen haben. Schließlich wurde eine umfangreiche Befragung vieler Vorsitzender von Bischofskonferenzen und anderer Bischöfe und Experten verschiedener kirchlicher Fachbereiche und geographischer Herkunft durchgeführt. Das Ergebnis zeigte eine klare Übereinstimmung im Sinn der vorliegenden Instruktion. Diese beansprucht allerdings nicht, die Thematik erschöpfend zu behandeln, weil man sich auf die derzeit bekanntesten Probleme beschränken möchte und weil die besonderen Umstände, bei denen sich solche Probleme zeigen, extrem verschieden sind.

Der Text, der auf der sicheren Basis des außerordentlichen und des ordentlichen Lehramtes der Kirche verfaßt ist, wird zur treuen Anwendung den betroffenen Bischöfen anvertraut; aber er wird auch den Bischöfen jener Gebiete zur Kenntnis gebracht, in denen es zwar zur Zeit keine mißbräuchlichen Praktiken gibt, die aber wegen der raschen Ausbreitung der Phänomene bald ebenfalls betroffen sein könnten.

Bevor auf die konkreten an uns herangetragenen Probleme eingegangen wird, scheint es notwendig, einige kurze und grundlegende theologische Elemente hinsichtlich der Bedeutung des Weihesakramentes in der Verfassung der Kirche vorauszuschicken. Dabei geht es um ein fundiertes Verständnis der kirchlichen Ordnung, die mit Respekt für die Wahrheit und für die kirchliche Gemeinschaft die Rechte und Pflichten aller fördern will, weil »das Heil der Seelen in der Kirche das oberste Gesetz sein muß«.(18)

THEOLOGISCHE PRINZIPIEN

1. Gemeinsames Priestertum und Priestertum des Dienstes

Der ewige Hohepriester Jesus Christus wollte, daß seine Kirche an seinem einzigen und unteilbaren Priestertum teilhabe. Sie ist das Volk des Neuen Bundes, in dem »die Getauften durch die Wiedergeburt und die Salbung mit dem Heiligen Geist … zu einem geistigen Bau und einem heiligen Priestertum geweiht werden, damit sie in allen Werken eines christlichen Menschen geistige Opfer darbringen und die Machttaten dessen verkünden, der sie aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat (vgl. 1 Petr 2,4-10)«.(19) »Eines ist also das auserwählte Volk Gottes: „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“ (Eph 4,5); gemeinsam die Würde der Glieder aus ihrer Wiedergeburt in Christus, gemeinsam die Gnade der Kindschaft, gemeinsam die Berufung zur Vollkommenheit«.(20) Während unter allen »eine wahre Gleichheit in der allen Gläubigen gemeinsamen Würde und Tätigkeit zum Aufbau des Leibes Christi« waltet, sind einige nach Christi Willen als »Lehrer, Ausspender der Geheimnisse und Hirten für die anderen«(21) bestellt. Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen wie auch das Priestertum des Dienstes, das heißt das hierarchische Priestertum, »unterscheiden sich zwar dem Wesen und nicht bloß dem Grade nach. Dennoch sind sie einander zugeordnet: das eine wie das andere nämlich nimmt je auf besondere Weise am Priestertum Christi teil«.(22) Zwischen beiden gibt es eine echte Einheit, weil der Heilige Geist die Kirche in der Gemeinschaft und in der Dienstleistung eint und ihr verschiedene hierarchische und charismatische Gaben schenkt.(23)

Der wesensmäßige Unterschied zwischen dem gemeinsamen Priestertum und dem Priestertum des Dienstes findet sich also nicht im Priestertum Christi, das immer einzig und unteilbar bleibt, und auch nicht in der Heiligkeit, zu der alle Gläubigen berufen sind: »Das Amtspriestertum bedeutet nämlich nicht an sich einen höheren Grad an Heiligkeit im Vergleich zum gemeinsamen Priestertum der Gläubigen; aber durch das Weihepriestertum wird den Priestern von Christus im Geist eine besondere Gabe verliehen, damit sie dem Volk Gottes helfen können, das ihm verliehene gemeinsame Priestertum getreu und vollständig auszuüben«.(24) Im Aufbau der Kirche, des Leibes Christi, gibt es eine Verschiedenheit der Glieder und Funktionen, aber einer ist der Geist, der zum Nutzen der Kirche seine vielfältigen Gaben entsprechend seinem Reichtum und gemäß den Erfordernissen der Dienste austeilt (vgl.1 Kor 12,1-12).(25)

Die Verschiedenheit betrifft die »Art« der Teilhabe am Priestertum Christi und berührt das Wesen in diesem Sinn: »Während das gemeinsame Priestertum der Gläubigen sich in der Entfaltung der Taufgnade, im Leben des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, im Leben gemäß dem Heiligen Geist vollzieht, steht das Amtspriestertum im Dienst dieses gemeinsamen Priestertums. Es bezieht sich auf die Entfaltung der Taufgnade aller Christen«.(26) Demzufolge ist das Amtspriestertum »vom gemeinsamen Priestertum dem Wesen nach verschieden, denn es verleiht eine heilige Vollmacht zum Dienst an den Gläubigen«.(27) Deswegen ist der Priester gerufen zu »wachsen im Bewußtsein der tiefen Gemeinschaft, die ihn an das Gottesvolk bindet«, um »die Mitverantwortung für die eine gemeinsame Heilssendung anzuregen und zu entfalten, mit lebhafter und herzlicher Anerkennung aller Charismen und Aufgaben, die der Geist den Gläubigen für die Auferbauung der Kirche schenkt«.(28)

Die Merkmale, die das Priestertum des Dienstes der Bischöfe und Priester vom gemeinsamen Priestertum der Gläubigen unterscheiden und in der Folge auch die Grenzen der Mitwirkung der Laien am geistlichen Dienst angeben, können folgendermaßen zusammengefaßt werden:

a) Das Priestertum des Dienstes hat seine Wurzel in der apostolischen Sukzession und ist mit einer heiligen Vollmacht(29) ausgestattet, die in der Befähigung und in der Verantwortung besteht, in der Person Christi, des Hauptes und Hirten, zu handeln.(30)

b) Das Priestertum des Dienstes macht die geistlichen Amtsträger zu Dienern Christi und der Kirche, und zwar durch die bevollmächtigte Verkündigung des Wortes Gottes, die Feier der Sakramente und die pastorale Leitung der Gläubigen.(31)

Ein Wesenszug der katholischen Lehre über die Kirche besteht darin, die Grundlagen des Weiheamtes in der apostolischen Sukzession zu verankern, insofern dieses Amt die Sendung weiterführt, welche die Apostel von Christus erhalten haben.(32)

Daher ist das Weiheamt auf dem Fundament der Apostel zur Auferbauung der Kirche konstituiert:(33) »Der Dienst des Priesters ist ganz für die Kirche da«.(34) »Mit der sakramentalen Natur des kirchlichen Amtes hängt innerlich sein Dienstcharakter zusammen. Weil die Amtsträger ganz von Christus abhängig sind, der Sendung und Vollmacht gibt, sind sie wahrhaft „Knecht Christi“ (Röm 1,1) nach dem Vorbild Christi, der für uns freiwillig „Knechtsgestalt“ angenommen hat (Phil 2,7). Weil das Wort und die Gnade, deren Diener sie sind, nicht von ihnen, sondern von Christus stammen, der sie ihnen für die anderen anvertraut hat, sollen sie sich freiwillig zu Sklaven aller machen«.(35)

2. Einheit und Verschiedenheit der amtlichen Aufgaben

Die Funktionen des Weiheamtes bilden in ihrer Gesamtheit aufgrund ihres einzigen Fundamentes(36) eine untrennbare Einheit. Wie in Christus(37) gibt es nämlich nur eine einzige Wurzel des Heilshandelns, vom Amtsträger bezeichnet und verwirklicht in der Ausübung der Funktionen des Lehrens, des Heiligens und des Leitens der anderen Gläubigen. Diese Einheit bestimmt wesentlich die Ausübung der Funktionen des geistlichen Dienstes, welche immer in verschiedener Hinsicht Ausübung der Rolle Christi, des Hauptes der Kirche, sind.

Wenn daher die Ausübung des «munus docendi, sanctificandi et regendi» durch den geweihten Amtsträger das Wesen des pastoralen Dienstes ausmacht, können die verschiedenen Funktionen der geistlichen Amtsträger, die eine untrennbare Einheit bilden, nicht getrennt voneinander verstanden werden, vielmehr müssen sie in ihrer gegenseitigen Verbundenheit und Komplementarität betrachtet werden. Nur bei einigen dieser Funktionen können bis zu einem gewissen Grad auch nicht mit dem Weihesakrament ausgestattete Gläubige mit den Hirten zusammenwirken, wenn sie zur Ausübung dieser Mitarbeit von der rechtmäßigen Autorität und in der vorgesehenen Weise berufen sind. Jesus Christus »verfügt in seinem Leib, der Kirche, die Dienstgaben immerfort, vermöge deren wir durch seine Kraft uns gegenseitig Dienste leisten zum Heil«.(38) »Die Erfüllung einer solchen Aufgabe macht den Laien aber nicht zum Hirten: Nicht eine Aufgabe konstituiert das Amt, sondern das Sakrament der Weihe. Nur das Weihesakrament gewährt dem geweihten Amtsträger eine besondere Teilhabe am Amt Christi, des Hauptes und Hirten, und an seinem ewigen Priestertum. Die in Vertretung erfüllte Aufgabe leitet ihre Legitimation formell und unmittelbar von der offiziellen Beauftragung durch die Hirten ab. Ihre konkrete Erfüllung untersteht der Leitung der kirchlichen Autorität«.(39)

Man muß diese Lehre bekräftigen, weil einige Praktiken, die dem Mangel an geweihten Amtsträgern in der Gemeinde abhelfen möchten, in manchen Fällen ein Verständnis vom gemeinsamen Priestertum der Gläubigen aufkommen ließen, das seinen eigentlichen Sinn und seine spezifische Bedeutung verwischt. Dies führt unter anderem zu einem Rückgang der Kandidaten für das Priestertum und verdunkelt die besondere Stellung des Seminars als typischen Ort für die Ausbildung des geistlichen Amtsträgers. Es handelt sich um eng verflochtene Phänomene, über deren gegenseitige Zusammenhänge noch nachzudenken sein wird, um überlegte Schlußfolgerungen für die Praxis zu ziehen.

3. Unersetzbarkeit des Weiheamtes

Eine Gemeinschaft von Gläubigen kann ihre Leitung nicht von organisatorischen Kriterien aus dem Vereinswesen oder aus der Politik ableiten, wenn sie Kirche genannt werden und wahrhaft sein will. Jede Teilkirche verdankt ihre Leitung Christus, weil er selber der Kirche das apostolische Amt gewährt hat. Deshalb hat keine Gemeinde die Vollmacht, es sich selbst zu verleihen(40) oder es im eigenen Auftrag einzusetzen. Die Ausübung des Lehr- und Leitungsdienstes bedarf der kanonischen und rechtlichen Bestimmung durch die hierarchische Autorität.(41)

Das Priestertum des Dienstes ist also notwendig für die Existenz der Gemeinde als Kirche: »Man darf das Weihepriestertum nicht später als die kirchliche Gemeinschaft ansetzen, so als könnte deren Gründung ohne das Priestertum verstanden werden«.(42)Wenn nämlich in der Gemeinde kein Priester vorhanden ist, dann fehlt der Dienst und die sakramentale Funktion Christi, des Hauptes und Hirten, was für das Leben der kirchlichen Gemeinschaft unabdingbar ist.

Das Priestertum des Dienstes ist deshalb absolut unersetzbar. Von daher ergibt sich unmittelbar die Notwendigkeit einer Berufungspastoral, die eifrig, gut geordnet und andauernd darum bemüht ist, der Kirche die nötigen Amtsträger zu geben, sowie auch die Notwendigkeit einer sorgfältigen Ausbildung derer, die sich in den Seminaren auf das Priestertum vorbereiten. Jede andere Lösung für die Probleme, die sich aus dem Mangel an geistlichen Amtsträgern ergeben, kann nur bedenklich sein.

»Berufe zu fördern ist Aufgabe der gesamten christlichen Gemeinde. Sie erfüllt sie vor allem durch ein wirklich christliches Leben«.(43) Alle Gläubigen tragen Verantwortung, daß durch eine immer treuere Nachfolge Jesu Christi der Ruf zum Priestertum positiv angenommen und die Gleichgültigkeit der Umgebung, vor allem in den stark materialistisch geprägten Gesellschaften, überwunden wird.

4. Mitarbeit der Laien am pastoralen Dienst

In den Konzilsdokumenten wird unter den verschiedenen Aspekten der Mitwirkung der nicht mit dem Weihecharakter ausgestatteten Gläubigen an der Sendung der Kirche auch die direkte Mitarbeit an den spezifischen Aufgaben der Hirten behandelt.(44) »Wenn es zum Wohl der Kirche nützlich oder notwendig ist, können die Hirten entsprechend den Normen des Universalrechts den Laien bestimmte Aufgaben anvertrauen, die zwar mit ihrem eigenen Hirtenamt verbunden sind, aber den Charakter der Weihe nicht voraussetzen«.(45) Diese Zusammenarbeit ist von der nachkonziliaren Gesetzgebung und besonders vom neuen Codex des kanonischen Rechtes geregelt worden.

Der Codex behandelt nach den Aussagen über die Pflichten und Rechte aller Gläubigen(46) im darauf folgenden Abschnitt nicht nur die Pflichten und Rechte, die den Laien wegen ihres Weltcharakters eigen sind,(47) sondern auch weitere Aufgaben und Funktionen, die nicht ausschließlich ihnen zukommen. Einige davon betreffen alle Gläubigen, seien sie mit dem Weihesakrament ausgestattet oder nicht,(48) andere sind näher mit dem geistlichen Dienst der geweihten Amtsträger verbunden.(49) Im Hinblick auf diese letzteren Aufgaben und Funktionen haben die Laien kein Recht sie auszuüben. Aber sie »können von den geistlichen Hirten für jene kirchlichen Ämter und Aufgaben herangezogen werden, die sie gemäß den Rechtsvorschriften wahrzunehmen vermögen«.(50) Wenn nämlich »für diese Dienste Beauftragte nicht zur Verfügung stehen…, können auch Laien … nach Maßgabe der Rechtsvorschriften bestimmte Aufgaben derselben erfüllen«.(51)

Damit sich diese Zusammenarbeit harmonisch in den pastoralen Dienst einfügt, ist es zur Vermeidung pastoraler Abweichungen und disziplinärer Mißbräuche notwendig, daß die lehrmäßigen Prinzipien klar sind und die geltenden Vorschriften mit Entschiedenheit in der ganzen Kirche sorgfältig und loyal angewandt werden, ohne den Begriff der Ausnahme mißbräuchlich auf solche Fälle auszudehnen, die nicht als »Ausnahme« betrachtet werden können.

Falls irgendwo Mißbräuche und die Grenzen mißachtende Praktiken vorkommen, sollen die Hirten die notwendigen und angebrachten Mittel einsetzen, um deren Ausbreitung rechtzeitig zu verhindern und um zu vermeiden, daß das richtige Verständnis des Wesens der Kirche Schaden leidet. Insbesondere sollen sie die schon festgelegten disziplinären Vorschriften anwenden. Diese helfen, um den Unterschied und die Komplementarität der Funktionen, die für die kirchliche Gemeinschaft lebenswichtig sind, zu kennen und auch wirklich zu respektieren. Wo aber solche die Grenzen mißachtende Praktiken sich schon ausgebreitet haben, darf ein verantwortungsbewußtes Einschreiten der zuständigen Autorität absolut nicht aufgeschoben werden. So wird wahre Gemeinschaft gestiftet, denn diese kann nur auf der Wahrheit aufgebaut sein. Gemeinschaft, Wahrheit, Gerechtigkeit, Frieden und Liebe sind voneinander abhängige Begriffe.(52)

Im Licht der soeben erwähnten Prinzipien werden nun die entsprechenden Mittel genannt, die den unseren Dikasterien gemeldeten Mißbräuchen abhelfen sollen. Die folgenden Verfügungen sind den Rechtsvorschriften der Kirche entnommen.

PRAKTISCHE VERFÜGUNGEN

Artikel 1.

Notwendigkeit einer angemessenen Terminologie

Der Papst hat in seiner Ansprache an die Teilnehmer des Symposions über die »Mitarbeit der Laien am pastoralen Dienst der Priester« die Notwendigkeit unterstrichen, die verschiedenen Bedeutungen zu klären und zu unterscheiden, die der Begriff »Dienst« in der theologischen und kanonistischen Sprache angenommen hat.(53)

§ 1. »Seit einiger Zeit ist es üblich geworden, „Dienste“ nicht nur jene „officia“ (Ämter) und „munera“ (Aufgaben) zu nennen, die von den Hirten kraft des Weihesakraments ausgeübt werden, sondern auch solche, die von Laien kraft des in der Taufe gründenden Priestertums ausgeübt werden. Die terminologische Frage wird noch komplexer und heikler, wenn man die Möglichkeit anerkennt, daß alle Gläubigen — ersatzweise und von den Hirten amtlich beauftragt — manche Aufgaben ausüben können, die passender Klerikern zustehen, die aber nicht den Weihecharakter erfordern. Es ist festzustellen, daß der Sprachgebrauch jedesmal unsicher, konfus und daher zum Ausdruck der Glaubenslehre nicht nützlich erscheint, wenn man den Unterschied „dem Wesen und nicht bloß dem Grade nach“, den es zwischen dem gemeinsamen Priestertum der Getauften und dem Weihepriestertum gibt, irgendwie verwischt«.(54)

§ 2. »Was erlaubt, in einigen Fällen den Begriff „Dienst“ auf die „munera“ auszudehnen, die den Laien eigen sind, ist das Faktum, daß auch diese in einem gewissen Maß Teilhabe am einzigen Priestertum Christi sind. Die ihnen zeitweilig anvertrauten „officia“ sind hingegen ausschließlich Frucht der Beauftragung durch die Kirche. Nur die beständige Bezugnahme auf den einen grundlegenden „Dienst Christi“ … erlaubt es in einem begrenzten Umfang, den Ausdruck „Dienst“ unmißverständlich auch auf Laien anzuwenden, d.h., ohne daß dies verstanden und erfahren wird als ein ungehöriges Streben nach dem „geistlichen Dienst“ oder als fortschreitende Aushöhlung seiner Besonderheit.

In diesem ursprünglichen Sinn drückt der Begriff „Dienst“ (servitium) nur ein Wirken aus, wodurch Glieder der Kirche in ihrem Innern und für die Welt die Sendung und den Dienst Christi fortsetzen. Wenn hingegen der Ausdruck differenziert wird hinsichtlich der Bezogenheit und Gegenüberstellung der verschiedenen „munera“ und „officia“ untereinander, dann muß man deutlich darauf verweisen, daß er nur kraft der Weihe jene Fülle und Eindeutigkeit in der Bedeutung erhält, die ihm die Tradition immer zugedacht hat«.(55)

§ 3. Der nicht mit dem Weihesakrament ausgestattete Gläubige erhält die allgemeine Bezeichnung »außerordentlicher Beauftragter« nur dann, wenn er von der zuständigen Autorität dazu beauftragt wurde, vertretungsweise die in can. 230, § 3 (56) bzw. in den cann. 943 und 1112 angeführten Aufgaben zu übernehmen. Natürlich kann die konkrete Bezeichnung verwendet werden, mit der die anvertraute Aufgabe kirchenamtlich bestimmt wird, wie zum Beispiel Katechet, Akolyth, Lektor usw.

Die zeitlich begrenzte Beauftragung bei liturgischen Handlungen gemäß can. 230, § 3 verleiht den Laien keinerlei besondere Titel.(57)

Daher ist es nicht zulässig, daß Laien mit Bezeichnungen versehen werden wie etwa »Pastor«, »Kaplan«, »Koordinator«, »Moderator« oder anderen Titeln, die zu Verwechslungen ihrer Rolle mit der des Hirten führen könnten, die einzig dem Bischof und dem Priester zukommt.(58)

Artikel 2.

Der Dienst am Wort(59)

§ 1. Der Inhalt dieses Dienstes besteht »in der seelsorglichen Verkündigung, in der Katechese und in der gesamten christlichen Unterweisung, in der die liturgische Homilie einen hervorragenden Platz haben muß«.(60)

Die eigentliche Ausübung dieser Aufgaben steht dem Diözesanbischof als Leiter des gesamten Verkündigungsdienstes in seiner Kirche zu,(61) und sie steht auch den Priestern als seinen Mitarbeitern zu.(62) Diesen Dienst versehen auch die Diakone in Gemeinschaft mit dem Bischof und seinem Presbyterium.(63)

§ 2. Laien haben gemäß ihrer Eigenart an dem prophetischen Dienst Christi teil. Sie sind zu seinen Zeugen bestellt und ausgestattet mit dem Glaubenssinn und der Gnade des Wortes. Alle sind berufen, immer mehr »wirksame Boten des Glaubens an die zu erhoffenden Dinge« (vgl.Hebr 11,1) (64) zu werden. Heute hängt besonders das katechetische Wirken sehr von ihrem Einsatz und von ihrer Großherzigkeit im Dienst der Kirche ab.

Daher können die Gläubigen und besonders die Mitglieder von Instituten des geweihten Lebens und Gesellschaften des apostolischen Lebens berufen werden, in angemessener Weise bei der Ausübung des Dienstes am Wort mitzuwirken.(65)

§ 3. Damit die Zusammenarbeit gemäß § 2 wirksam sei, ist es notwendig, an einige Bedingungen bezüglich der Formen solchen Zusammenwirkens zu erinnern.

Can. 766 C.I.C. legt die Bedingungen fest, nach denen die zuständige Autorität Laien zur Predigt »in ecclesia vel oratorio« zulassen kann. Schon die Ausdrucksweise »admitti possunt« weist darauf hin, daß es sich keinesfalls um ein eigenes Recht wie jenes spezifische der Bischöfe(66) handelt, oder um eine Befugnis wie jener der Priester und Diakone.(67)

Die Nennung solcher Bedingungen — »wenn dies unter bestimmten Umständen notwendig oder in Einzelfällen als nützlich angeraten ist« — weist auf den Ausnahmefall hin, bei dem überdies gemäß can. 766 immer »iuxta Episcoporum conferentiae praescripta« zu handeln ist. In dieser letztgenannten Klausel bestimmt der zitierte Kanon die primäre Quelle, um in konkreten Fällen bezüglich »Notwendigkeit« und »Nutzen« entsprechend zu entscheiden. Denn in den Vorschriften der Bischofskonferenz, die der »recognitio« des Apostolischen Stuhls bedürfen, müssen die Kriterien genannt werden, die dem Diözesanbischof helfen, geeignete pastorale Entscheidungen zu treffen, die zu seinem bischöflichen Amt gehören.

§ 4. In bestimmten Gebieten können, bedingt durch den Mangel an geistlichen Amtsträgern, andauernde objektive Situationen der Notwendigkeit und des Nutzens gegeben sein, die die Zulassung von Laien zum Predigtdienst nahelegen.

Die Predigt in Kirchen und Oratorien kann Laien als »Ersatz« für geistliche Amtsträger oder wegen besonderer nützlicher Gründe, die vom allgemeinen kirchlichen Recht oder der Bischofskonferenz in besonderen Fällen vorgesehen sind, gestattet werden. Sie kann daher kein einfach übliches Faktum und auch nicht als authentische Förderung der Laien verstanden werden.

§ 5. Insbesondere bei der Vorbereitung auf den Empfang der Sakramente, sollen die Katecheten auf die Rolle und Gestalt des Priesters als alleinigen Ausspender der göttlichen Geheimnisse, auf die man sich vorbereitet, aufmerksam machen.

Artikel 3.

Die Homilie

§ 1. Die Homilie ist als herausragende Form der Predigt, »qua per anni liturgici cursum ex textu sacro fidei mysteria et normae vitae christianae exponuntur«,(68) Teil der Liturgie selbst.

Daher muß die Homilie während der Eucharistiefeier dem geistlichen Amtsträger, Priester oder Diakon,(69) vorbehalten sein. Ausgeschlossen sind Laien, auch wenn sie in irgendwelchen Gemeinschaften oder Vereinigungen Aufgaben als »Pastoralassistenten« oder Katecheten erfüllen. Es geht nämlich nicht um eine eventuell bessere Gabe der Darstellung oder ein größeres theologisches Wissen, sondern vielmehr um eine demjenigen vorbehaltene Aufgabe, der mit dem Weihesakrament ausgestattet wurde. Deshalb ist nicht einmal der Diözesanbischof bevollmächtigt, von der Norm des Kanons(70) zu dispensieren. Es handelt sich nämlich nicht um eine bloß disziplinäre Verfügung, sondern um ein Gesetz, das die Aufgaben des Lehrens und Heiligens betrifft, die untereinander eng verbunden sind.

Man kann daher die gelegentlich geübte Praxis nicht gestatten, wonach die Homilie Seminaristen anvertraut wird, die als Theologiestudenten noch nicht das Weihesakrament empfangen haben.(71) Die Homilie kann nicht als Übung für den künftigen Dienst betrachtet werden.

Jegliche frühere Norm, die Laien die Homilie innerhalb der Messfeier gestattet hatte, ist durch can. 767, § 1 als aufgehoben anzusehen.(72)

§ 2. Erlaubt sind eine kurze Einführung, um ein besseres Verständnis der Liturgie zu fördern, und ausnahmsweise auch ein etwaiges Zeugnis, das, immer in Einklang mit den liturgischen Vorschriften, an besonderen Tagen (Tag des Seminars, Tag der Kranken usw.) in Eucharistiefeiern vorgetragen wird, wenn dies zur Veranschaulichung der vom zelebrierenden Priester regulär gehaltenen Homilie objektiv angebracht erscheint. Diese Einführungen und Zeugnisse dürfen keine Merkmale aufweisen, die zu Verwechslungen mit der Homilie führen könnten.

§ 3. Die Möglichkeit eines »Dialogs« in der Homilie(73) kann manchmal vom zelebrierenden Amtsträger in kluger Weise zur Erläuterung eingesetzt werden, ohne dadurch die Predigtpflicht an andere zu delegieren.

§ 4. Die Homilie außerhalb der Meßfeier kann von Laien in Einklang mit dem Recht und unter Beachtung der liturgischen Normen vorgetragen werden.

§ 5. Die Homilie kann keinesfalls Priestern oder Diakonen anvertraut werden, die den geistlichen Stand verloren oder die Ausübung des »geistlichen Dienstes« aufgegeben haben.(74)

Artikel 4.

Der Pfarrer und die Pfarrei

Laien können, wie es lobenswerterweise in zahlreichen Fällen geschieht, in den Pfarreien, im Bereich der Kranken-, Pflege-, Erziehungs- und Strafanstalten oder der Militärordinariate usw. Aufgaben übernehmen und somit in fruchtbarer Weise am pastoralen Dienst der Kleriker mitarbeiten. Eine außerordentliche Form der Mitarbeit ist unter den vorgesehenen Bedingungen jene gemäß can. 517, § 2.

§ 1. Das richtige Verständnis und die Anwendung dieses Kanons, »si ob sacerdotum penuriam Episcopus dioecesanus aestimaverit participationem in exercitio curae pastoralis paroeciae concredendam esse diacono aliive personae sacerdotali charactere non insignitae aut personarum communitati, sacerdotem constituat aliquem qui, potestatibus et facultatibus parochi instructus, curam pastoralem moderetur«, verlangt, daß diese außergewöhnliche Maßnahme unter genauer Beachtung der darin enthaltenen Bedingungen durchgeführt wird:

a) »ob sacerdotum penuriam« und nicht aus Gründen der Bequemlichkeit oder einer mißverständlichen »Förderung der Laien« usw.;

b) vorausgesetzt, es handelt sich um »participatio in exercitio curae pastoralis« und nicht darum, die Pfarrei zu leiten, zu koordinieren, zu moderieren oder zu verwalten; dies steht gemäß dem Text des Kanons nur einem Priester zu.

Eben weil es sich um Ausnahmefälle handelt, muß man vor allem die Möglichkeit in Betracht ziehen, zum Beispiel sich eines älteren noch rüstigen Priesters zu bedienen oder mehrere Pfarreien nur einem Priester oder einem »coetus sacerdotum«(75) anzuvertrauen.

Jedenfalls soll auch die Präferenz nicht übersehen werden, die derselbe Kanon für den Diakon festlegt.

Schließlich ist in denselben kanonischen Bestimmungen festgehalten, daß diese Formen der Teilhabe an der Wahrnehmung der Seelsorgsaufgaben in den Pfarreien in keiner Weise das Amt des Pfarrers ersetzen können. Die Vorschrift bekräftigt nämlich, daß in jenen Ausnahmefällen »Episcopus dioecesanus … sacerdotem constituat aliquem qui, potestatibus et facultatibus parochi instructus, curam pastoralis moderetur«. Das Amt des Pfarrers kann nur einem Priester gültig anvertraut werden (vgl. can. 521, § 1), auch in Fällen objektiven Priestermangels.(76)

§ 2. Diesbezüglich muß man auch bedenken, daß der Pfarrer der eigene Hirte(77) der ihm übertragenen Pfarrei ist und solange bleibt, bis er aus dem Amt scheidet.(78)

Die Erklärung des Amtsverzichts bei Vollendung des 75. Lebensjahres läßt den Pfarrer nicht »ipso iure« aus dem Amt scheiden. Dies geschieht erst, wenn der Diözesanbischof — nach reiflicher Überlegung sämtlicher Umstände — gemäß can. 538, § 3 definitiv seinen Amtsverzicht angenommen und es ihm schriftlich mitgeteilt hat.(79) Jedenfalls bedarf es im Licht des Priestermangels, der mancherorts existiert, besonderer Klugheit in dieser Hinsicht.

In Anbetracht des Rechts eines jeden Priesters, die mit dem Empfang der Weihe verbundenen Funktionen auch auszuüben, außer es gibt schwerwiegende gesundheitliche oder disziplinäre Gründe, wird daran erinnert, daß die Vollendung des 75. Lebensjahres keinen verpflichtenden Grund für die Annahme des Amtsverzichts durch den Diözesanbischof darstellt. Dies gilt auch, um eine funktionalistische Sicht des geistlichen Dienstes zu vermeiden.(80)

Artikel 5.

Organe der Mitarbeit in der Teilkirche

Diese Organe, die im Zuge der Erneuerung der Kirche gemäß dem II. Vatikanischen Konzil und entsprechend der kanonischen Gesetzgebung gefordert und positiv erprobt wurden, stellen eine Form der aktiven Teilnahme am Leben und an der Sendung der Kirche als Gemeinschaft dar.

§ 1. Die Bestimmungen des Codex über den «Priesterrat» legen fest, welche Priester Mitglieder sein können.(81) Er ist Priestern vorbehalten, weil er seine Grundlage in der gemeinsamen Teilhabe des Bischofs und der Priester an demselben Priestertum und Amt findet.(82)

Weder Diakone noch Laien können sich daher des aktiven und passiven Wahlrechts erfreuen, auch wenn sie Mitarbeiter der geistlichen Amtsträger sind, ebensowenig wie Priester, die aus dem Klerikerstand entlassen wurden oder die Ausübung des geistlichen Dienstes aufgegeben haben.

§ 2. Der diözesane und der pfarrliche »Pastoralrat«(83) sowie der pfarrliche »Vermögensverwaltungsrat«,(84) denen auch Laien angehören, haben nur beratendes Stimmrecht; sie können in keiner Weise zu Entscheidungsorganen werden. Für solche Aufgaben können nur jene Gläubigen gewählt werden, die den von den kanonischen Normen bestimmten Erfordernissen entsprechen.(85)

§ 3. Der Vorsitz der pfarrlichen Räte steht dem Pfarrer zu. Daher sind Entscheidungen, die von einem nicht unter dem Vorsitz des Pfarrers oder gegen ihn versammelten Rat gefällt wurden, ungültig und deshalb als nichtig zu betrachten.(86)

§ 4. Alle diözesanen Räte können die eigene Zustimmung zu einer Handlung des Bischofs gültig nur ausdrücken, wenn diese Zustimmung vom Recht ausdrücklich gefordert ist.

§ 5. Den örtlichen Verhältnissen entsprechend können die Ordinarien sich eigener Studien- oder Expertengruppen für besondere Fragen bedienen. Diese stellen jedoch keine Parallelorgane dar, die den diözesanen Priester- und Pastoralräten oder auch den Räten auf pfarrlicher Ebene die ihnen eigene Verantwortung entziehen, die vom allgemeinen kirchlichen Recht in den cann. 536, § 1 und 537 geregelt sind.(87) Wenn solche Organe in der Vergangenheit auf der Basis örtlicher Gewohnheiten oder besonderer Umstände entstanden sind, sind die nötigen Mittel anzuwenden, um sie mit dem geltenden Recht der Kirche in Einklang zu bringen.

§ 6. Der »Dechant«, der auch Dekan oder Erzpriester oder anders genannt wird und sein Vertreter, »Pro-Vikar«, »Pro-Dekan« usw. müssen immer Priester sein.(88) Daher können Nicht-Priester für diese Aufgaben gültig nicht ernannt werden.

Artikel 6.

Die liturgischen Feiern

§ 1. Liturgische Handlungen müssen klar die geordnete Einheit des Gottesvolkes als organische Gemeinschaft darstellen(89) und dementsprechend die innige Verflochtenheit, die zwischen der liturgischen Handlung und dem organisch strukturierten Wesen der Kirche vorhanden ist.

Dies geschieht, wenn alle Beteiligten treu und mit Hingabe die Rolle ausführen, die ihnen jeweils zukommt.

§ 2. Um auch auf diesem Gebiet die kirchliche Identität jedes einzelnen zu wahren, sind Mißbräuche verschiedener Art abzuschaffen, die der Bestimmung des can. 907 entgegenstehen, demgemäß es den Diakonen und Laien in der Eucharistiefeier nicht erlaubt ist, Gebete oder Gebetsteile — insbesondere das eucharistische Hochgebet und die Doxologie — vorzutragen oder Handlungen und Gesten zu verrichten, die dem zelebrierenden Priester vorbehalten sind. Ein schwerer Mißbrauch ist es überdies, wenn Laien gleichsam den »Vorsitz« bei der Eucharistiefeier übernehmen und dem Priester nur das Minimum belassen, um deren Gültigkeit zu garantieren.

Auf derselben Linie liegt der offensichtliche Verstoß, falls jemand, der das Weihesakrament nicht empfangen hat, bei liturgischen Feiern Paramente verwendet, die Priestern und Diakonen vorbehalten sind (Stola, Meßgewand oder Kasel, Dalmatik).

Schon der bloße Anschein von Verwirrung, die durch abweichendes liturgisches Verhalten entstehen kann, ist zu vermeiden. Wie die geistlichen Amtsträger an ihre Pflicht zu erinnern sind, alle vorgeschriebenen sakralen Paramente anzuziehen, so können Laien nicht tragen, was ihnen nicht zusteht.

Um Verwirrung zu vermeiden zwischen sakramentalen Feiern unter dem Vositz eines Priesters oder Diakons und anderen von Laien geleiteten liturgischen Handlungen, ist es notwendig, daß dafür klar unterschiedene Formulierungen verwendet werden.

Artikel 7.

Sonntagsgottesdienste bei Abwesenheit des Priesters

§ 1. Weil Priester oder Diakone fehlen, finden mancherorts Sonntagsgottesdienste(90) unter der Leitung von Laien statt. Dieser wertvolle und delikate Dienst wird gemäß dem Geist und den besonderen Vorschriften erfüllt, die dazu von der zuständigen kirchlichen Autorität erlassen wurden.(91) Um die genannten Gottesdienste zu leiten, müssen Laien eine spezielle Beauftragung des Bischofs haben, der dafür sorgen wird, die entsprechenden Anweisungen bezüglich Dauer, Ort, Bedingungen und verantwortlichem Priester zu geben.

§ 2. Solche Gottesdienste, deren Texte von der zuständigen kirchlichen Autorität approbiert sein müssen, stellen immer nur vorläufige Lösungen dar.(92) Es ist verboten, in ihrer Struktur Elemente aus der Opferliturgie, vor allem das »eucharistische Hochgebet«, einzufügen, auch nicht in narrativer Form, um bei den Gläubigen keine Irrtümer aufkommen zu lassen.(93) Zu diesem Zweck muß den Teilnehmern an solchen Gottesdiensten immer erklärt werden, daß sie das eucharistische Opfer nicht ersetzen und daß man das Sonntagsgebot nur durch die Mitfeier der heiligen Messe erfüllt.(94) In jenen Fällen, wo es die Entfernungen und physischen Umstände gestatten, müssen die Gläubigen angeregt und unterstützt werden, das Gebot möglichst zu erfüllen.

Artikel 8.

Außerordentliche Kommunionspender

Schon seit geraumer Zeit arbeiten Laien auf verschiedenen Gebieten der Pastoral mit den geistlichen Amtsträgern zusammen, damit »das unschätzbare Geschenk der Eucharistie immer tiefer erkannt werde und damit man an seiner heilbringenden Wirkung mit immer größerer Intensität teilnimmt«.(95)

Es handelt sich um einen liturgischen Dienst, der objektiven Erfordernissen der Gläubigen entspricht und der vor allem für die Kranken bestimmt ist und für liturgische Versammlungen, wo Gläubige besonders zahlreich sind, die die heilige Kommunion empfangen möchten.

§ 1. Die kanonische Ordnung hinsichtlich des »außerordentlichen Kommunionspenders« muß richtig angewandt werden, um keinerlei Verwirrung zu stiften. Sie legt fest, daß ordentlicher Kommunionspender der Bischof, der Priester und der Diakon ist,(96) während außerordentlicher Kommunionspender sowohl der Akolyth ist als auch ein anderer dazu gemäß can. 230, § 3 beauftragter Gläubiger.(97)

Wenn Gründe echter Notwendigkeit es nahelegen, können Laien vom Bischof beauftragt werden, als außerordentliche Kommunionspender auch außerhalb der Eucharistiefeier die heilige Kommunion auszuteilen, »ad actum vel ad tempus« oder auf Dauer; dazu ist der dafür vorgesehene liturgische Ritus anzuwenden. In Ausnahme- und unvorhergesehenen Fällen kann die Bevollmächtigung »ad actum« vom Priester gewährt werden, der der Eucharistiefeier vorsteht.(98)

§ 2. Damit der außerordentliche Kommunionspender während der Eucharistiefeier die heilige Kommunion austeilen kann, ist es notwendig, daß entweder keine ordentlichen Kommunionspender anwesend sind oder daß diese, obzwar anwesend, wirklich verhindert sind.(99) Er kann dieselbe Aufgabe auch ausüben, wenn wegen der besonders zahlreichen Teilnahme von Gläubigen, die die heilige Kommunion empfangen möchten, die Eucharistiefeier sich allzusehr in die Länge ziehen würde, weil zu wenige ordentliche Kommunionspender verfügbar sind. (100)

Diese Aufgabe ist ersatzweise und außerordentlich (101) und sie muß gemäß den Rechtsvorschriften ausgeübt werden. Dazu ist es angebracht, daß der Diözesanbischof in Übereinstimmung mit dem allgemeinen kirchlichen Recht Partikularnormen erläßt, die die Ausübung dieser Beauftragung regeln. Man muß unter anderem vorsehen, daß ein zu diesem Dienst beauftragter Gläubiger gebührend unterrichtet wird über die eucharistische Lehre, über den Charakter seines Dienstes, über die zu beachtenden Rubriken hinsichtlich der dem so hohen Sakrament geschuldeten Verehrung und über die Ordnung bezüglich der Zulassung zur Kommunion.

Um keine Verwirrung zu stiften, sind einige Praktiken zu vermeiden und abzuschaffen, die seit einiger Zeit in manchen Teilkirchen aufgekommen sind, wie etwa:

— der Kommunionempfang der Kommunionspender, als ob sie Konzelebranten wären;

— bei der Erneuerung der Bereitschaftserklärung zum priesterlichen Dienst in der Chrisam-Messe am Gründonnerstag auch solche Gläubige einbeziehen, die ihre Ordensgelübde erneuern oder die Beauftragung als außerordentliche Kommunionspender erhalten;

— der gewohnheitsmäßige Einsatz von außerordentlichen Kommunionspendern in der heiligen Messe unter willkürlicher Ausweitung des Begriffs der »zahlreichen Teilnahme«.

Artikel 9.

Das Apostolat für die Kranken

§ 1. Auf diesem Gebiet können Laien eine wertvolle Mitarbeit leisten. (102) Unzählig sind die Zeugnisse von karitativen Werken und Gesten, die von Laien, sei es einzeln oder in Formen gemeinschaftlichen Apostolats an den Kranken vollbracht werden. Dies bildet eine vorrangige christliche Präsenz in der Welt des Leidens und der Krankheit. Wo Laien die Kranken in den schwersten Momenten begleiten, ist es ihre hauptsächliche Aufgabe, das Verlangen nach den Sakramenten der Buße und der Krankensalbung zu wecken und die Bereitschaft dazu zu fördern sowie bei der Vorbereitung auf eine gute sakramentale Einzelbeichte und auch auf den Empfang der Krankensalbung zu helfen. Hinsichtlich der vielfältigen Formen der Sakramentalien haben die Laien darauf zu achten, daß deren Feier nicht zur Meinung verführt, es würde sich um jene Sakramente handeln, deren Spendung ausschließlich dem Bischof und Priester zusteht. Keinesfalls können Nicht-Priester Salbungen vornehmen, weder mit dem für die Krankensalbung geweihten noch mit dem nicht geweihten Öl.

§ 2. Bezüglich der Spendung dieses Sakraments greift die kanonische Rechtsordnung auf die theologisch sichere Lehre und auf die jahrhundertealte Praxis der Kirche zurück, (103) wonach die Krankensalbung gültig nur der Priester spendet. (104) Diese Bestimmung steht in völliger Übereinstimmung mit dem Glaubensgeheimnis, das durch die Ausübung des priesterlichen Dienstes bezeichnet und verwirklicht wird.

Es ist zu betonen, daß der ausschließlich dem Priester vorbehaltene Dienst der Krankensalbung in enger Verbindung dieses Sakramentes mit der Sündenvergebung und mit dem würdigen Empfang der Eucharistie zu sehen ist. Niemand sonst kann als ordentlicher oder außerordentlicher Spender des Sakraments fungieren; jedwede derartige Handlung stellt eine Simulation des Sakraments dar. (105)

Artikel 10.

Assistenz bei der Trauung

§ 1. Die Möglichkeit, Laien zur Eheschließungsassistenz zu delegieren, kann sich unter ganz besonderen Umständen bei schwerwiegendem Mangel an geweihten Amtsträgern als notwendig erweisen.

Sie ist jedoch von drei Voraussetzungen abhängig. Der Diözesanbischof kann eine solche Delegation einzig in den Fällen erteilen, in denen Priester oder Diakone fehlen, und nur, nachdem er für die eigene Diözese eine empfehlende Stellungnahme der Bischofskonferenz und die erforderliche Erlaubnis des Heiligen Stuhls erhalten hat. (106)

§ 2. Auch in diesen Fällen ist die kanonische Bestimmung über die Gültigkeit der Delegation (107) sowie über die Eignung, Fähigkeit und Haltung der Laien zu beachten. (108)

§ 3. Abgesehen von dem außerordentlichen Fall, der in can. 1112 C.I.C. bei Fehlen von Priestern oder Diakonen, die der Trauung assistieren könnten, vorgesehen ist, kann kein geistlicher Amtsträger einen Laien zu dieser Assistenz und zur Entgegennahme des Ehekonsenses gemäß can. 1108, § 2 bevollmächtigen.

Artikel 11.

Der Spender der Taufe

Angesichts der Abwesenheit von geistlichen Amtsträgern ist die Glaubenstreue besonders lobenswert, mit der nicht wenige Christen in schmerzlichen Situationen der Verfolgung, aber auch in Missionsgebieten und in anderen Fällen besonderer Not, das Sakrament der Taufe den neuen Generationen bewahrt haben und immer noch bewahren. Außer im Notfall kann gemäß der kanonischen Bestimmung, falls der ordentliche Spender fehlen oder verhindert sein sollte, (109) ein Laie zum außerordentlichen Spender der Taufe bestimmt werden. (110) Auf eine allzu großzügige Auslegung ist zu achten und eine gewohnheitsmäßige Erteilung dieser Befugnis zu vermeiden.

So können zum Beispiel für die Abwesenheit oder die Verhinderung, die die Beauftragung von Laien mit der Taufspendung gestatten würden, nicht die Überlastung des geistlichen Amtsträgers oder seine außerhalb des Pfarrgebiets liegende Wohnung angeführt werden, wie auch nicht seine fehlende Verfügbarkeit für den von der Familie vorgesehenen Tag der Taufe. Solche Begründungen sind nicht hinreichend.

Artikel 12.

Die Leitung kirchlicher Begräbnisfeiern

Unter den gegenwärtigen Bedingungen wachsender Entchristlichung und religiöser Entfremdung kann der Moment des Todes und des Begräbnisses manchmal eine sehr günstige pastorale Gelegenheit für eine direkte Begegnung der geistlichen Amtsträger mit jenen Gläubigen bieten, die die religiöse Praxis aufgegeben haben.

Daher ist es wünschenswert, daß die Priester und Diakone auch unter Opfern persönlich den Begräbnisfeiern gemäß den örtlichen Bräuchen vorstehen, um für die Verstorbenen zu beten und sich auch den Familien zu nähern und die sich bietende Gelegenheit für eine angemessene Evangelisierung zu nutzen.

Laien können kirchliche Begräbnisse nur im Fall tatsächlichen Fehlens von geweihten Amtsträgern und unter Beachtung der diesbezüglichen liturgischen Normen leiten. (111) Für diese Aufgabe müssen sie lehrmäßig und liturgisch gut vorbereitet werden.

Artikel 13.

Notwendige Auswahl und angemessene Ausbildung

Es ist Pflicht der zuständigen Autorität, falls die in den vorhergehenden Artikeln angeführten Fälle objektiver Notwendigkeit eines »Supplierens« eintreten sollte, Gläubige auszuwählen, die sich durch gesunde Lehre und vorbildlichen Lebenswandel auszeichnen. Daher können zur Ausübung dieser Aufgaben Katholiken nicht zugelassen werden, die keinen würdigen Lebenswandel führen, sich keines guten Rufes erfreuen oder sich in einer nicht mit der kirchlichen Morallehre übereinstimmenden familiären Situation befinden. Außerdem müssen sie eine für die angemessene Erfüllung der ihnen anvertrauten Aufgaben erforderliche Ausbildung haben.

Gemäß dem Partikularrecht sollen sie ihre Kenntnisse vervollkommnen und möglichst die Ausbildungskurse besuchen, die die zuständige Autorität im Bereich der Teilkirche abhalten wird (112) — allerdings nicht in den Seminaren, die ausschließlich den Kandidaten für das Priesteramt vorbehalten sein müssen. (113) Es ist dafür Sorge zu tragen, daß die dargebotene Lehre vollständig mit dem kirchlichen Lehramt übereinstimmt und sich in einem wirklich geistlichen Klima abwickelt.

SCHLUSSWORT

Der Heilige Stuhl empfiehlt das vorliegende Dokument dem pastoralen Eifer der Diözesanbischöfe der verschiedenen Teilkirchen und der anderen Ordinarien im Vertrauen darauf, daß seine Umsetzung reiche Frucht trage für das Wachstum der Gemeinschaft zwischen den geistlichen Amtsträgern und den Laien.

Wie der Heilige Vater angemerkt hat, »muß die besondere Gabe eines jeden Glieds der Kirche mit Klugheit und Bestimmtheit anerkannt, verteidigt, gefördert, hervorgehoben und koordiniert werden ohne Vertauschung der Rollen, der Aufgaben oder der theologischen und kanonischen Bedingungen«.(114)

Wenn einerseits der Priestermangel in manchen Zonen besonders zu spüren ist, so zeigt sich in anderen ein vielversprechendes Aufblühen von Berufungen, das positive Aussichten für die Zukunft erkennen läßt. Daher können die vorgelegten Lösungen für den Mangel an geistlichen Amtsträgern nur vorübergehend sein. Zugleich ist der Förderung der Priesterberufungen in der Pastoral Vorrang einzuräumen. (115)

Diesbezüglich erinnert der Heilige Vater daran, daß »in einigen örtlichen Situationen großzügige und sinnvolle Lösungen geschaffen wurden. Die Bestimmungen des Codex des kanonischen Rechtes haben neue Möglichkeiten eröffnet, die jedoch richtig anzuwenden sind, um nicht dem Mißverständnis zu unterliegen, normative Lösungen, die wegen Fehlens oder mangels geistlicher Amtsträger für außerordentliche Situationen vorgesehen wurden, als gewöhnlich und normal zu betrachten«. (116)

Dieses Dokument beabsichtigt, genaue Richtlinien zu erteilen, um eine wirksame Mitarbeit der Laien in solchen Umständen und unter Beachtung der Integrität des pastoralen Dienstes der Priester zu sichern. »Man muß verständlich machen, daß diese Präzisierungen und Klärungen nicht aus dem Bemühen erwachsen, klerikale Privilegien zu verteidigen, sondern aus der Notwendigkeit, dem Willen Christi gehorsam zu sein und die von ihm seiner Kirche unauslöschlich eingeprägte Grundgestalt zu respektieren«. (117)

Deren rechte Anwendung wird im Rahmen der lebendigen hierarchischen »communio« den Laien von Nutzen sein. Sie sind ja gerufen, all die reichen Möglichkeiten ihrer eigenen Begabungen zu entfalten und sie mit »immer größerer Verfügbarkeit in der Erfüllung der eigenen Sendung zu leben«. (118)

Die leidenschaftliche Empfehlung des Völkerapostels an Timotheus: »Ich beschwöre dich bei Gott und bei Christus Jesus …: Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne …, sei in allem nüchtern … erfülle treu deinen Dienst« (2 Tim 4,1-5) möge besonders die geistlichen Hirten angehen, die gerufen sind, die ihnen eigene Aufgabe zu erfüllen, »die allgemeine Ordnung der ganzen Kirche zu fördern … und auf die Einhaltung aller kirchlichen Gesetze zu drängen«. (119)

Diese schwerwiegende Pflicht bildet das nötige Instrument, damit die reichen Energien, die jedem Stand des kirchlichen Lebens eignen, gemäß den wunderbaren Fügungen des Geistes richtig gelenkt werden und die »communio« auf dem täglichen Weg der ganzen Gemeinschaft zur wirksamen Realität werde.

Die Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, deren Fürbitte wir dieses Dokument anvertrauen, möge allen helfen, dessen Absichten zu verstehen und für die treue Anwendung, die auf eine größere apostolische Fruchtbarkeit hinzielt, alle Kräfte aufzubringen.

Partikulargesetze und geltendes Gewohnheitsrecht, die diesen Normen entgegenstehen, sowie etwaige Befugnisse, die der Heilige Stuhl oder irgendeine andere ihm untergebene Autorität »ad experimentum« gewährt hat, sind widerrufen.

Der Papst hat die vorliegende Instruktion am 13. August 1997 «in forma specifica» approbiert und deren Promulgation angeordnet.

Aus dem Vatikan, am 15. August 1997, am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel.

Kongregation für den Klerus

Darío Castrillón Hoyos
Pro-Präfekt

Crescenzio Sepe
Sekretär

Päpstlicher Rat für die Laien

James Francis Stafford
Präsident

Stanislaw Rylko
Sekretär

Kongregation für die Glaubenslehre

Joseph Card. Ratzinger
Präfekt

Tarcisio Bertone SDB
Sekretär

Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung

Jorge Arturo Medina Estévez
Pro-Präfekt

Geraldo Majella Agnelo
Sekretär

Kongregation für die Bischöfe

Bernardin Card. Gantin
Präfekt

Jorge María Mejía
Sekretär

Kongregation für die Evangelisierung der Völker

Jozef Card. Tomko
Präfekt

Giuseppe Uhac
Sekretär

Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und für die Gesellschaften des apostolischen Lebens

Eduardo Card. Martínez Somalo
Präfekt

Piergiorgio Silvano Nesti CP
Sekretär

Päpstlicher Rat für die Interpretation von Gesetzestexten

Julián Herranz
Präsident

Bruno Bertagna
Sekretär

 


(1) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 33; Dekr. Apostolicam actuositatem, 24.

(2) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles laici, 30. Dezember 1988, 2: AAS 81 (1989) 396.

(3) Bischofsynode, IX. Ordentliche Vollversammlung über das geweihte Leben, Instrumentum laboris, 73.

(4) Vgl. Johannes Paul II., Apost. Schreiben Vita consecrata, 25. März 1996, 47: AAS 88 (1996) 420.

(5) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekr. Apostolicam actuositatem, 5.

(6) Ebd., 6.

(7) Vgl. ebd.

(8) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles laici, 23: AAS 81 (1989) 429.

(9) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 31; Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles laici, 15: AAS 81 (1989) 413-416.

(10) Vgl. II. Vat. Konzil, Pastoralkonst. Gaudium et spes, 43.

(11) II. Vat. Konzil, Dekr. Apostolicam actuositatem, 24.

(12) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache beim Symposion über »Die Mitarbeit der Laien am pastoralen Dienst der Priester«, 22. April 1994, 2, in: L’Osservatore Romano, 23. April 1994.

(13) Vgl. C.I.C., cann. 230, § 3; 517, § 2; 861, § 2; 910, § 2; 943; 1112; Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles laici, 23 und Anm. 72: AAS 81 (1989) 430.

(14) Vgl. Johannes Paul II., Enzykl. Redemptoris missio, 7. Dezember 1990, 37: AAS 83 (1991) 282-286.

(15) Vgl. C.I.C., can. 392.

(16) Vgl. besonders II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, Konst. Sacrosanctum Concilium, Dekr. Presbyterorum Ordinis und Dekr. Apostolicam actuositatem.

(17) Vgl. besonders die Apost. Schreiben Christifideles laici und Pastores dabo vobis.

(18) C.I.C., can. 1752.

(19) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 10.

(20) Ebd., 32.

(21) Ebd.

(22) Ebd., 10.

(23) Vgl. ebd., 4.

(24) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Pastores dabo vobis, 25. März 1992, 17: AAS 84 (1992) 684.

(25) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 7.

(26) Katechismus der Katholischen Kirche (= KKK), 1547.

(27) Ebd., 1592.

(28) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Pastores dabo vobis, 74: AAS 84 (1992) 788.

(29) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 10, 18, 27, 28; Dekr. Presbyterorum Ordinis, 2, 6; KKK 1538, 1576.

(30) Vgl. Johannes Paul II., Apost. Schreiben Pastores dabo vobis, 15: AAS 84 (1992) 680; KKK 875.

(31) Vgl. Johannes Paul II., Apost. Schreiben Pastores dabo vobis, 16: AAS 84 (1992) 681-684; KKK 1592.

(32) Vgl. Johannes Paul II., Apost. Schreiben Pastores dabo vobis, 14-16: AAS 84 (1992) 678-684; Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben Sacerdotium ministeriale, 6. August 1983, III, 23: AAS 75 (1983) 1004-1005.

(33) Vgl. Eph 2,20; Apg 21,14.

(34) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Pastores dabo vobis, 16: AAS 84 (1992) 681.

(35) KKK, 876.

(36) Vgl. ebd., 1581.

(37) Vgl. Johannes Paul II., Schreiben Novo incipiente, 8. April 1979, 3: AAS 17 (1979) 397.

(38) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 7.

(39) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles laici, 23: AAS 81 (1989) 430.

(40) Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben Sacerdotium ministeriale, III, 2: AAS 75 (1983) 1004.

(41) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, Nota explicativa praevia, 2.

(42) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Pastores dabo vobis, 16: AAS 84 (1992) 682.

(43) II. Vat. Konzil, Dekr. Optatam totius, 2.

(44) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekr. Apostolicam actuositatem, 24.

(45) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles laici, 23: AAS 81 (1989) 429.

(46) Vgl. C.I.C., cann. 208-223.

(47) Vgl., ebd., cann. 225, § 2; 226; 227; 231, § 2.

(48) Vgl. ebd., cann. 225, § 1; 228, § 2; 229; 231, § 1.

(49) Vgl. ebd., can. 230, §§ 2-3, was den liturgischen Bereich betrifft; can. 228, § 1, was andere Bereiche des geistlichen Dienstes anbelangt; letzterer Paragraph bezieht sich auch auf Bereiche außerhalb des Amtes der Kleriker.

(50) Ebd., can. 228, § 1.

(51) Ebd., can. 230, § 3; vgl. cann. 517, § 2; 776; 861, § 2; 910, § 2; 943; 1112.

(52) Vgl. Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Instr. Inaestimabile donum, 3. April 1980, proemio: AAS 72 (1980) 331-333.

(53) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache beim Symposion über die »Mitarbeit der Laien am pastoralen Dienst der Priester«, 3.

(54) Ebd.

(55) Ebd.

(56) Vgl. Päpstliche Kommission für die Authentische Interpretation des Codex des Kanonischen Rechtes, Responsio ad propositum dubium, 1. Juni 1988: AAS 80 (1988) 1373.

(57) Vgl. Päpstlicher rat für die Interpretation von Gesetzestexten, Responsio ad propositum dubium, 11. Juli 1992: AAS 86 (1994) 541-542. Wenn Pastoralassistenten im Rahmen einer Feier zur Mitarbeit am pastoralen Dienst der Priester beauftragt werden, soll diese Feier zeitlich nicht mit der Spendung des Weihesakramentes zusammenfallen. Auch ein Ritus, der jenem für die Beauftragung zum Akolythat und Lektorat ähnlich ist, muß vermieden werden.

(58) In diese Aufzählung von Beispielen muß man alle sprachlichen Ausdrücke einbeziehen, die entsprechend dem Sprachgebrauch der verschiedenen Ländern analog oder äquivalent sind und eine Leitungs- oder Stellvertretungsrolle bezeichnen.

(59) Bezüglich der verschiedenen Predigtformen vgl. C.I.C., can. 761; Missale Romanum, Ordo lectionum Missae, Praenotanda. Editio typica altera, Vatikan 1981.

(60) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Dei Verbum, 24.

(61) Vgl. C.I.C., can. 756, § 2.

(62) Vgl. ebd., can. 757.

(63) Ebd.

(64) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 35.

(65) Vgl. C.I.C., cann. 758-759; 785, § 1.

(66) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 25; C.I.C., can. 763.

(67) Vgl. C.I.C., can. 764.

(68) II. Vat. Konzil, Konst. Sacrosanctum Concilium, 52; C.I.C., can. 767, § 1.

(69) Vgl. Johannes Paul II., Apost. Schreiben Catechesi tradendae, 16. Oktober 1979, 48: AAS 71 (1979) 1277-1340; Päpstliche Kommission für die Interpretation der Dekrete des II. Vat. Konzil, Responsum, 11. Januar 1971; Kongregation für den Gottesdienst, Instr. Actio pastoralis, 15. Mai 1969, 6d: AAS 61 (1969) 809; Kongregation für den Gottesdienst, Institutio Generalis Missalis Romani, 26. März 1970, 41, 42, 165; Kongregation für den Gottesdienst, Instr. Liturgicae instaurationes, 15. September 1970, 2a: AAS 62 (1970) 696; Kongregation für die Sakramente und den Gottesdienst, Instr. Inaestimabile donum: AAS 72 (1980) 331.

(70) Vgl. Päpstliche Kommission für die Authentische Interpretation des Codex des Kanonischen Rechtes, Responsio ad propositum dubium, 20. Juni 1987: AAS 79 (1987) 1249.

(71) Vgl. C.I.C., can. 266, § 1.

(72) Vgl. ebd., can. 6, § 1, 2o.

(73) Vgl. Kongregation für den Gottesdienst, Directorium de Missis cum pueris Pueros baptizatos, 1. November 1973, 48: AAS 66 (1974) 44.

(74) Was die Priester angeht, die eine Dispens vom Zölibat erhalten haben, vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Normae de dispensatione a sacerdotali coelibatu ad instantiam partis, 14. Oktober 1980, »Normae substantiales«, art. 5.

(75) Vgl. C.I.C., can. 517, § 1.

(76) Man vermeide daher den Titel »Gemeindeleiter« oder andere Ausdrücke mit derselben Bedeutung als Bezeichnung für Laien, wenn sie an der Wahrnehmung der Seelsorgstätigkeit beteiligt sind.

(77) Vgl. C.I.C., can. 519.

(78) Vgl. ebd., can. 538, §§ 1-2.

(79) Vgl. ebd., can. 186.

(80) Vgl. Kongregation für den Klerus, Direktorium für Dienst und Leben der Priester Tota Ecclesia, 31. Januar 1994, 44.

(81) Vgl. C.I.C., cann. 497-498.

(82) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekr. Presbyterorum Ordinis, 7.

(83) Vgl. C.I.C., cann. 514 und 536.

(84) Vgl. ebd., can. 537.

(85) Vgl. ebd., can. 512, §§ 1 und 3; KKK 1650.

(86) Vgl. C.I.C., can. 536.

(87) Vgl. ebd., can. 135, § 2.

(88) C.I.C., can. 553, § 1.

(89) Vgl. II. Vat. Konzil, Konst. Sacrosanctum Concilium, 26-28; C.I.C., can. 837.

(90) Vgl. C.I.C., can. 1248, § 2.

(91) Vgl. C.I.C., can. 1248, § 2; Ritenkongregation, Instr. Inter oecumenici, 26. September 1964, 37: AAS 66 (1964) 885; Kongregation für den Gottesdienst, Direktorium für die Feier von Sonntagsgottesdiensten ohne Priester Christi Ecclesia, 10. Juni 1988: Notitiae 263 (1988).

(92) Vgl. Johannes Paul II., Ansprache beim Ad-Limina-Besuch der nordamerikanischen Bischöfe, 5. Juni 1993: AAS 86 (1994) 340.

(93) Kongregation für den Gottesdienst, Direktorium für die Feier von Sonntagsgottesdiensten ohne Priester Christi Ecclesia, 35; vgl. auch C.I.C., can. 1378, § 2, 1o und § 3; can. 1384.

(94) Vgl. C.I.C., can. 1248.

(95) HL. Kongregation für die Sakramentenordnung, Instr. Immensae caritatis, 29. Januar 1973, proemio: AAS 65 (1973) 264.

(96) Vgl. C.I.C., can. 910, § 1; vgl. auch Johannes Paul II., Schreiben Dominicae coenae, 24. Februar 1980, 11: AAS 72 (1980) 142.

(97) Vgl. C.I.C., can. 910, § 2.

(98) 5 Vgl. Kongregation für die Sakramentenordnung, Instr. Immensae caritatis, 1: AAS 65 (1973) 264; Missale Romanum, Appendix: Ritus ad deputandum ministrum S. Communionis ad actum distribuendae; Pontificale Romanum: De institutione lectorum et acolytorum.

(99) Vgl. Päpstliche Kommission für die Authentische Interpretation des Codex des Kanonischen Rechtes, Responsio, 1. Juni 1988: AAS 80 (1988) 1373.

(100) Vgl. Kongregation für die Sakramentenordnung, Instr. Immensae caritatis, 1: AAS 65 (1973) 264; Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Inaestimabile donum, 3. April 1980, 10: AAS 72 (1980) 336.

(101) C.I.C., can. 230, §§ 2 und 3 legen fest, daß die dort beschriebenen liturgischen Dienste von Laien nur «ex temporanea deputatione» oder aushilfsweise geleistet werden können.

(102) Vgl. Rituale Romanum – Ordo Unctionis Infirmorum, Praenotanda, 17. Editio typica, Vatikan 1972.

(103) Vgl. Jak 5,14-15; Thomas von Aquin, In IV Sent. d. 4 q. un.; Konzil von Florenz, Bulle Exultate Deo (DS 1325); Konzil von Trient, Doctrina de sacramento extremae unctionis, cap. 3 (DS 1697; 1700) und can. 4 de extrema unctione (DS 1719); KKK 1516.

(104) Vgl. C.I.C., can. 1003, § 1.

(105) Vgl. ebd., cann. 1379 und 392, § 2.

(106) Vgl. ebd., can. 1112.

(107) Vgl. ebd., can. 1111, § 2.

(108) Vgl. ebd., can. 1112, § 2.

(109) Vgl. C.I.C., can. 861, § 2; Ordo baptismi parvulorum, Praenotanda generalia, 16-17.

(110) Vgl. C.I.C., can. 230.

(111) Vgl. Ordo Exsequiarum, Praenotanda, 19.

(112) Vgl. C.I.C., can. 231, § 1.

(113) »Integrierte« Seminare sind nicht zulässig.

(114) Johannes Paul II., Ansprache beim Symposion über die »Mitarbeit der Laien am pastoralen Dienst der Priester«, 3.

(115) Vgl. ebd., 6.

(116) Ebd., 2.

(117) Ebd., 5.

(118) Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles laici, 58: AAS 81 (1989) 507.

(119) C.I.C., can. 392.

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Quelle

DAS HEILIGSTE HERZ JESU UND DIE HEILIGUNG DER PRIESTER

[Rückblick und Ausblick]

(Heiligstes Herz Jesu, 7. Juni 2013, Weltgebetstag zur Heiligung der Priester)

 

Liebe Mitbrüder im Priesteramt, liebe Freunde!

Aus Anlass des kommenden Hochfestes des heiligsten Herzens Jesu am 7. Juni 2013, an dem wir den Weltgebetstag zur Heiligung der Priester begehen, grüße ich jeden einzelnen von Euch sehr herzlich und danke dem Herrn für das unsagbare Geschenk des Priestertums und für die Treue zur Liebe Christi.

Wenn auch die Einladung des Herrn, »in seiner Liebe zu bleiben« (cfr. Joh 15,9) allen Getauften gilt, so erklingt sie doch am Fest des heiligsten Herzens Jesu mit neuer Kraft in uns Priestern. So hat uns der Heilige Vater bei der Eröffnung des Priesterjahres mit den Worten des heiligen Pfarrers von Ars daran erinnert, dass »das Priestertum … die Liebe des Herzens Jesu« ist (cfr. Predigt in der Zweiten Vesper am Hochfest des heiligsten Herzens Jesu, 19. Juni 2009). Aus diesem Herzen – und das dürfen wir niemals vergessen – ist das Geschenk des priesterlichen Amtes entsprungen.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Tatsache, in »seiner Liebe zu bleiben«, uns kraftvoll zur Heiligkeit antreibt. Zu einer Heiligkeit – das wissen wir sehr gut –, die nicht in außerordentlichen Taten besteht, sondern darin, Christus zu erlauben, in uns zu handeln und seine Haltungen, Gedanken, Verhaltensweisen zu den unseren zu machen. Die Karatmessung der Heiligkeit ist gegeben von der Gestalt, die Christus in uns annimmt, davon wie sehr wir in der Kraft des Heiligen Geistes unser ganzes Leben nach ihm gestalten.

Wir Priester sind geweiht und ausgesandt worden, um die Heilssendung des menschgewordenen Gottessohnes zu vergegenwärtigen. Unsere Funktion ist für die Kirche und die Welt unerlässlich und erfordert von uns vollkommene Treue zu Christus und unaufhörliche Vereinigung mit ihm. So sind wir in demütigem Dienst Führer, die die unserem Dienst anvertrauten Gläubigen zur Heiligkeit führen. So wird in unserem Leben der Wunsch Jesus abgebildet, den er selbst im Hohepriesterlichen Gebet nach der Einsetzung der Eucharistie zum Ausdruck gebracht hat: »Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. (…) Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. (…) Heilige sie in der Wahrheit; (…) ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind« (Joh 17,9.15.17.19).

 

Im Jahr des Glaubens

Diese Gedanken nehmen im Zusammenhang mit dem von Papst Benedikt XVI. durch das Motu proprio Porta Fidei (11. Oktober 2011) ausgerufenen Jahr des Glaubens eine besondere Bedeutung an. Es hat am 11. Oktober 2012 begonnen, dem 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, und wird am Hochfest Christkönig am kommenden 24. November enden. Die Kirche muss mit ihren Hirten auf dem Weg sein, um die Menschen aus der „Wüste“ hinauszuführen, hin zur Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes, der das Leben für die Welt ist (cfr. Joh 6,33).

Unter diesem Blickwinkel richtet die Kongregation für den Klerus diesen Brief an alle Priester der Welt, um jedem zu helfen, den Einsatz zu verstärken, dieses Ereignis der Gnade zu leben. Dabei sind wir in besonderer Weise gerufen, Protagonisten zu sein und uns mit Eifer für eine Wiederentdeckung des Glaubens in seiner Ganzheit und Faszination einzusetzen, angeregt von der Überlegung, dass die Neuevangelisierung gerade auf die genuine Weitergabe des christlichen Glaubens ausgerichtet ist.

Im Apostolischen Schreiben Porta Fidei bringt der Papst die Empfindungen der Priester nicht weniger Länder zum Ausdruck: »Während es in der Vergangenheit möglich war, ein einheitliches kulturelles Gewebe zu erkennen, das in seinem Verweis auf die Glaubensinhalte und die von ihnen inspirierten Werte weithin angenommen wurde, scheint es heute in großen Teilen der Gesellschaft aufgrund einer tiefen Glaubenskrise, die viele Menschen befallen hat, nicht mehr so zu sein« (Nr. 2).

Die Feier des Jahres des Glaubens stellt sich als eine Gelegenheit für die Neuevangelisierung dar, als Anlass, die Versuchung zur Entmutigung zu überwinden, um unsere Kräfte unter der Leitung des heutigen Nachfolgers Petri immer mehr einzusetzen. Glauben zu haben bedeutet vor allem, sicher zu sein, dass Christus, der in seinem Fleisch den Tod besiegt hat, für die, die an Ihn glauben, die Möglichkeit eröffnet hat, diese seine Bestimmung zur Herrlichkeit zu teilen und die Sehnsucht nach einem vollkommenen Leben und vollkommener, ewiger Freude zu stillen, die im Herzen jedes Menschen wohnt. Deshalb gilt: »Die Auferstehung Christi ist unsere größte Gewissheit; sie ist der kostbarste Schatz! Wie sollten wir diese Gewissheit, diesen Schatz nicht mit den anderen teilen? Sie ist nicht nur für uns da, sie ist da, um weitergegeben zu werden, um sie den anderen zu schenken, um sie mit den anderen zu teilen. Gerade das ist unser Zeugnis« (Papst Franziskus, Generalaudienz, 3. April 2013).

Wir müssen uns als Priester darauf vorbereiten, die Gläubigen zu einem reiferen Glauben zu führen. Wir spüren, dass wir selbst die Ersten sind, die ihr Herz mehr öffnen müssen. Erinnern wir uns an die Worte des Meisters am letzten Tag des Laubhüttenfestes in Jerusalem : »Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen. Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben; denn der Geist war noch nicht gegeben, weil Jesus noch nicht verherrlicht war« (Joh 7,37-39). Auch aus dem Priester, alter Christus, können Ströme von lebendigem Wasser fließen, in dem Maße, wie er die Worte Christi gläubig trinkt und sich dem Wirken des Heiligen Geistes öffnet. Von seiner „Öffnung“, Zeichen und Mittel der göttlichen Gnade zu sein, hängt letztlich nicht nur die Heiligung des ihm anvertrauten Volkes ab, sondern sie ist auch der Stolz seiner Identität: »Der Priester, der wenig aus sich herausgeht, der wenig salbt – ich sage nicht „gar nicht“, denn, Gott sei Dank, entreißen die Leute uns die Salbung – kommt um das Beste unseres Volkes, um das, was das Innerste seines Priesterherzens zu aktivieren vermag. Wer nicht aus sich herausgeht, wird, statt Mittler zu sein, allmählich ein Zwischenhändler, ein Verwalter. Wir kennen alle den Unterschied: Der Zwischenhändler und der Verwalter „haben bereits ihren Lohn“, und das sie ihre eigene Haut und ihr Herz nicht aufs Spiel setzen, empfangen sie keinen liebevollen Dank, der von Herzen kommt. Genau daher kommt die Unzufriedenheit einiger, die schließlich traurig, traurige Priester, und zu einer Art Antiquitäten- oder Neuheitensammler werden, anstatt Hirten mit dem „Geruch der Schafe“ zu sein – das erbitte ich von euch: Seid Hirten mit dem „Geruch der Schafe“, dass man ihn riecht –, Hirten inmitten ihrer Herde und Menschenfischer« (Idem, Predigt in der Chrisam-Messe, 28. März 2013).

 

Den Glauben weitergeben

Christus hat den Aposteln und der Kirche die Sendung anvertraut, die Frohe Botschaft allen Menschen zu verkünden. Der heilige Paulus empfindet das Evangelium als »Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt« (Röm 1,16). Jesus Christus selbst ist das Evangelium, die „Frohe Botschaft“ (cfr. 1Kor 1,24). Unsere Aufgabe ist es, Träger der Macht der grenzenlosen Liebe Gottes zu sein, die sich in Christus offenbart hat. Die Antwort auf die großherzige göttliche Offenbarung ist der Glaube, Frucht der Gnade in unseren Seelen, der die Öffnung des Menschenherzens verlangt. »Nur glaubend also wächst der Glaube und wird stärker; es gibt keine andere Möglichkeit, Gewißheit über das eigene Leben zu haben, als sich in ständig zunehmendem Maße den Händen einer Liebe zu überlassen, die als immer größer erfahren wird, weil sie ihren Ursprung in Gott hat« (Porta Fidei, Nr. 7). Möge der Priester nach Jahren des priesterlichen Dienstes mit seine Früchten und Schwierigkeiten wie der heilige Paulus sagen können: »Überallhin habe ich das Evangelium Christi gebracht« (cfr. Röm 15,19; 1Kor 15, 1-11; etc.).

Bei der Glaubensweitergabe mit Christus zusammenzuwirken ist die Aufgabe jedes Christen, in der charakteristischen organischen Zusammenarbeit zwischen Geweihten und Laien in der heiligen Kirche. Diese freudige Pflicht umfasst zwei tief miteinander verbundene Aspekte. Der erste, die Treue zu Christus, was bedeutet, Ihm persönlich zu begegnen, Ihm zu folgen, Freundschaft mit Ihm zu pflegen, an Ihn zu glauben. Im heutigen kulturellen Kontext erweist sich das Zeugnis des Lebens als besonders wichtig – Voraussetzung für Authentizität und Glaubwürdigkeit –, das entdecken lässt, wie die Macht der Liebe Gottes sein Wort wirksam macht. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Gläubigen im Priester den Mann Gottes suchen, das Wort Gottes, die Barmherzigkeit Gottes und das Brot des Lebens.

Ein zweiter Punkt des missionarischen Charakters der Glaubensweitergabe bezieht sich auf die freudige Annahme der Worte Christi, der Wahrheiten, die es uns lehrt, der Inhalte der Offenbarung. Diesbezüglich wird gerade die geordnete und systematische Darlegung der katholischen Lehre, verankert im Wort Gottes und in der immerwährenden und lebendigen Tradition der Kirche, ein grundlegendes Mittel sein.

Wir müssen uns vor allem dafür einsetzen, das Jahr des Glaubens als gottgegebene Gelegenheit zu erleben – und auch andere dazu führen –, um zu verstehen, dass die uns von den Konzilsvätern als Erbe hinterlassenen Texte nach den Worten des seligen Johannes Paul II. »weder ihren Wert noch ihren Glanz verlieren. Sie müssen auf sachgemäße Weise gelesen werden, damit sie aufgenommen und verarbeitet werden können als qualifizierte und normgebende Texte des Lehramtes innerhalb der Tradition der Kirche. Zum Abschluss des Jubiläums fühle ich mich mehr denn je dazu verpflichtet, auf das Konzil als die große Gnade hinzuweisen, in deren Genuss die Kirche im 20. Jahrhundert gekommen ist. In ihm ist uns ein sicherer Kompass geboten worden, um uns auf dem Weg des jetzt beginnenden Jahrhunderts zu orientieren« (Johannes Paul II., Apostol. Schreiben Novo millennio ineunte, 6. Januar 2001, 57: AAS 93 [2001], 308, n. 57).

 

Die Inhalte des Glaubens

Der Katechismus der Katholischen Kirche – gewünscht von der außerordentlichen Bischofssynode 1985 als Mittel im Dienst der Katechese und verwirklicht in der Zuammenarbeit des gesamten Epoiskopats – erläutert den Gläubigen die Kraft und die Schönheit des Glaubens.

Der Katechismus ist eine authentische Frucht des Zweiten Ökumenischen Vatikanischen Konzils, das den pastoralen Dienst vereinfacht: ansprechende, eindrückliche, tiefe Predigten; Katechese und Kurse theologischer Bildung für Erwachsene; die Vorbereitung der Katecheten, die Ausbildung der verschiedenen Berufungen in der Kirche, insbesondere in den Priesterseminaren.

Die Note mit pastoralen Hinweisen zum Jahr des Glaubens (6. Januar 2012) bietet weitgefächerte Initiativen, um diese besondere Zeit der Gnade vereint mit dem Heiligen Vater und dem Bischofskollegium zu leben: die Pilgerfahrten der Gläubigen zum Stuhl Petri, ins Heilige Land, zu den Marienwallfahrtsorten, der nächste Weltjugendtag in Rio de Janeiro im kommenden Juli, die Symposien, Tagungen und Versammlungen, auch auf internationaler Ebene, insbesondere jene, die der Wiederentdeckung der Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils gewidmet sind; die Organisation von Gruppen von Gläubigen zur Lektüre und gemeinsamen Vertiefung des Katechismus mit einem erneuerten Einsatz für seine Verbreitung.

Im gegenwärtigen vom Relativismus geprägten Klima ist es angebracht, zu unterstreichen, wie wichtig die Kenntnis der authentischen katholischen Lehre ist, untrennbar verbunden mit der Begegnung von anziehenden Glaubenszeugnissen. Von den ersten Jüngern Jesu in Jerusalem wird in der Apostelgeschichte berichtet: »Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten« (Apg 2,42).

In diesem Sinne ist das Jahr des Glaubens eine besondere Gelegenheit, um die Predigten, Katechesen, Ansprachen und anderen Beiträge des Heiligen Vaters aufmerksamer anzunehmen. Für viele Gläubige wird die Möglichkeit, den Text der Predigten und Ansprachen bei den Audienzen zur Verfügung zu haben, eine große Hilfe sein, um den Glauben an andere Menschen weiterzugeben.

Es geht um Wahrheiten, aus denen man lebt, wie der heilige Augustinus sagt, als er in einer Predigt über die redditio symboli die Übergabe des Credo beschreibt: »Ihr habt es also empfangen und wiedergegeben, aber im Geist müsst ihr es immer gegenwärtig halten, ihr müsst es im Bett wiederholen, auf den Plätzen darüber nachdenken und es während der Mahlzeiten nicht vergessen; und selbst wenn euer Leib schläft, muss euer Herz in ihm wachen« (Augustinus, Sermo 215, über die Redditio Symboli).

In Porta Fidei wird ein Weg skizziert, der die Glaubensinhalte tiefer zu verstehen hilft und ebenso den Akt, mit dem wir beschließen, uns Gott in völliger Freiheit gänzlich anzuvertrauen: Es besteht nämlich eine tiefe Einheit zwischen dem Glaubensakt und den Inhalten, denen wir zustimmen (cfr. Nr. 10).

 

Im Glauben wachsen

Das Jahr des Glaubens stellt also eine Einladung dar, uns zu Jesus zu bekehren, dem einzigen Erlöser der Welt, und im Glauben als theologischer Tugend zu wachsen. Im Vorwort zum ersten Band Jesus von Nazareth schreibt der Papst von den negativen Konsequenzen, die es hat, wenn man Jesus als Persönlichkeit darstellt, über die man wenig Sicheres weiß: »Eine solche Situation ist dramatisch für den Glauben, weil sein eigentlicher Bezugspunkt unsicher wird: Die innere Freundschaft mit Jesus, auf die doch alles ankommt, droht ins Leere zu greifen« (S. 8).

Es lohnt sich, diese Worte zu betrachten: »die innere Freundschaft mit Jesus, auf die doch alles ankommt«. Es geht um die persönliche Begegnung mit Christus – die Begegnung eines jeden von uns und jeder unserer Brüder und Schwestern im Glauben, denen wir in unserem Amt dienen.

Jesus begegnen wie die ersten Jünger – Andreas, Petrus, Johannes –, wie die Samariterin oder wie Nikodemus, ihn im eigenen Haus aufzunehmen wie Martha und Maria, auf ihn zu hören, indem man oft das Evangelium liest; mit der Gnade des Heiligen Geistes ist das der sichere Weg, um im Glauben zu wachsen. So schrieb der Diener Gottes Paul VI.: »Der Glaube ist der Weg, auf dem die göttliche Wahrheit die Seele erreicht« (Insegnamenti, IV, S. 919).

Jesus lädt uns ein zu spüren, dass wir Kinder und Freunde Gottes sind: »Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet« (Joh 15,15-16).

 

Mittel, um im Glauben zu wachsen. Die Eucharistie

Jesus lädt dazu ein, voll Vertrauen zu bitten, mit den Worten des Vaterunsers zu beten. Mit den Seligpreisungen stellt er allen ein Ziel vor Augen, das aus menschlicher Sicht verrückt erscheint: »Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist« (Mt 5,48). Um eine gute dagogik der Heiligkeit auszuüben, die in der Lage ist, sich den Situationen und Rhythmen der einzelnen Menschen anzupassen, müssen wir Freunde Gottes und Männer des Gebets sein.

Im Gebet lernen wir, das Kreuz zu tragen, jenes Kreuz, das offen ist für die ganze Welt, für ihr Heil und das, wie der Herr Hananias offenbart, auch die Sendung des gerade bekehrten Saulus begleiten wird: »Geh nur! Denn dieser Mann ist mein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. Ich werde ihm auch zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss« (Apg 9,15-16). Und den Gläubigen Galatiens wird der heilige Paulus die folgende Zusammenfassung seines Lebens geben: »Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat« (Gal 2,19-20).

In der Eucharistie wird das Geheimnis des Kreuzesopfers vergegenwärtigt. Die Liturgiefeier der heiligen Messe ist die Begegnung mit Jesus, der sich als Opfer für uns hingibt und uns ihm gleichgestaltet. »Die Liturgie besitzt nämlich von ihrem Wesen her eine pädagogische Wirksamkeit, die Gläubigen in die Kenntnis des gefeierten Mysteriums einzuführen. Gerade deswegen hatte in der ältesten Tradition der Kirche der Weg der christlichen Einführung, auch wenn er die systematische Einsicht in die Glaubensinhalte nicht vernachlässigte, doch immer den Erfahrungscharakter, in dem die lebendige und überzeugende Begegnung mit Christus ausschlaggebend war, die durch authentische Zeugen vermittelt wurde. Darum ist derjenige, der in die Mysterien einführt, zunächst der Zeuge« (Benedikt XVI., Apostol. Schreiben Sacramentum caritatis, 22. Februar 2007, Nr. 64). Daher ist es nicht verwunderlich, dass in der Note mit pastoralen Hinweisen zum Jahr des Glaubens vorgeschlagen wird, die Feier des Glaubens in der Liturgie zu intensivieren, und insbesondere in der Eucharistie, wo der Glaube der Kirche bekannt, gefeiert und gestärkt wird (cfr. Nr. IV, 2). Wenn die Eucharistiefeier mit großem Glauben und großer Verehrung gefeiert wird, dann wird dies sicher Früchte bringen.

 

Das Sakrament der Barmherzigkeit, die vergibt

Wenn die Eucharistie das Sakrament ist, welches das Bild des Gottessohnes in uns aufbaut, so lässt das Sakrament der Versöhnung uns die Macht der göttlichen Barmherzigkeit erfahren, die die Seele von den Sünden befreit und uns die Schönheit der Rückkehr zu Gott verkosten lässt, zum wahren Vater, der jedes seiner Kinder liebt. Deshalb muss der Priester als Erster selbst überzeugt sein: »Nur wenn wir uns als Kinder Gottes verhalten, ohne uns von unserem Fallen, unseren Sünden entmutigen zu lassen, und uns von ihm geliebt fühlen, wird unser Leben neu, unbeschwert und voller Freude. Gott ist unsere Stärke! Gott ist unsere Hoffnung!« (Papst Franziskus, Generalaudienz, 10. April 2013).

Der Priester selbst muss in der Welt Sakrament dieser barmherzigen Gegenwart sein: »Jesus hat kein Zuhause, denn sein Zuhause sind die Menschen, sind wir, seine Sendung ist es, allen die Türen zu Gott zu öffnen, die liebevolle Gegenwart Gottes zu sein« (Idem, Generalaudienz, 27. März 2013). Wir dürfen daher dieses wunderbare übernatürliche Geschenk weder vergraben noch es austeilen, ohne dieselbe Haltung zu haben wie Der, der die Sünder bis zum Höhepunkt des Kreuzes geliebt hat. In diesem Sakrament gibt der Vater uns eine einzigartige Gelegenheit – nicht nur geistlich, sondern wir selbst mit unserer Menschlichkeit –, die sanfte Hand zu sein, die wie der barmherzige Samariter das Öl ausgießt, das den Wunden der Seele Linderung verschafft (Lk 10, 34). Machen wir uns diese Worte des Papstes zu Eigen: »Ein Christ, der sich in sich selbst verschließt, der all das versteckt, was der Herr ihm gegeben hat, ist ein Christi… ist kein Christ! Er ist ein Christ, der Gott nicht für all das dankt, was er ihm geschenkt hat! Das sagt uns, dass das Warten auf die Wiederkunft des Herrn die Zeit des Handelns ist – wir sind in der Zeit des Handelns –, die Zeit, in der wir die Gaben Gottes Frucht bringen lassen sollen, nicht für uns selbst, sondern für ihn, für die Kirche, für die Mitmenschen, die Zeit, in der wir stets danach streben müssen, das Gute in der Welt wachsen zu lassen. (…) Liebe Brüder und Schwestern, der Blick auf das Jüngste Gericht darf uns keine Angst machen. Vielmehr sollte er uns anspornen, die Gegenwart besser zu leben. Mit Barmherzigkeit und Geduld schenkt Gott uns diese Zeit, damit wir täglich lernen, ihn in den Armen und Geringen zu erkennen, damit wir uns für das Gute einsetzen und wachsam sind im Gebet und in der Liebe. Möge der Herr uns am Ende unseres Lebens und der Geschichte als gute und treue Diener erkennen« (Idem, Generalaudienz, 24. April 2013).

Das Sakrament der Versöhnung ist also auch das Sakrament der Freude: »Der Vater sah ihn schon von weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden« (Lk 15,11-24). Jedes Mal, wenn wir beichten, finden wir die Freude bei Gott zu verweilen, weil wir seine Barmherzigkeit erfahren haben, vielleicht oft, wenn wir dem Herrn unsere von Lauheit und Mittelmäßigkeit verursachten Unterlassungen bekennen. So wird unser Glaube gestärkt, unser Glaube als Sünder, die Jesus lieben und sich von Ihm geliebt wissen: »Wenn jemand vor den Richter gerufen wird oder einen Prozess anstrengt, dann sucht er sich als Erstes einen Fürsprecher, einen Anwalt, der ihn verteidigt. Wir haben einen Fürsprecher, der uns immer verteidigt, der uns gegen die List des Teufels verteidigt, der uns gegen uns selbst, gegen unsere Sünden verteidigt! Liebe Brüder und Schwestern, wir haben diesen Fürsprecher: Wir dürfen keine Angst haben, zu ihm zu gehen und um Vergebung zu bitten, um Segen zu bitten, um Barmherzigkeit zu bitten! Er vergibt uns immer, er ist unser Fürsprecher: Er verteidigt uns immer! Vergesst das nicht!« (Idem, Generalaudienz, 17. April 2013).

In der eucharistischen Anbetung können wir Christus, der in der heiligen Hostie gegenwärtig ist, mit dem heiligen Thomas von Aquin sagen:

  • Plagas sicut Thomas non intúeor
  • Deum tamen meum Te confiteor
  • Fac me tibi semper magis crédere
  • In Te spem habére, Te dilígere.

Und auch mit dem Apostel Thomas können wir in unserem priesterlichen Herzen wiederholen, wenn Jesus in unseren Händen ist: Dominus meus et Deus meus!

»Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ« (Lk 1,45). Mit diesen Worten größte Elisabet die Jungfrau Maria. Zu ihr, der Mutter der Priester, die uns auf dem Weg des Glaubens vorangegangen ist, nehmen wir unsere Zuflucht, damit ein jeder von uns im Glauben an ihren göttlichen Sohn wachsen möge und wir so das Leben und das Licht, die Wärme des heiligsten Herzens Jesu in die Welt tragen!

 

Mauro Kard. Piacenza
Präfekt

+ Celso Morga Iruzubieta
Sekretär

 

Es folgen Vorschläge für eine Gebetsstunde für den Bischof und das Presbyterium als Gebetsvigil vor dem Weltgebetstag oder auch am Tag selbst:

Eucharistische Anbetung

Lied zum Einzug

Liturgische Begrüßung durch den Bischof. Es folgt das Gebet.

Lasset uns beten.

Barmherziger Vater, der du die Apostel im Bekenntnis deines Namens in der Treue bestärkt hast, komme uns zu Hilfe mit der Gnade deines Heiligen Geistes und gewähre deinen Dienern, in der Fülle des Glaubens verwurzelt zu bleiben und im eifrigen Dienst an deiner Kirche in Weisheit und Heiligkeit zu erstrahlen. Durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Evangelium (Man kann zwischen den folgenden Texten wählen: Mk 16,15-20; Lk 5,1-11; Lk 10,1-9; Joh 10,11-16; Joh 15,9-17; Joh 21,1-14).

Homilie

Erneuerung der priesterlichen Versprechen wie in der Chrisam-Messe.

 

*   *   *

 

Nun erfolgt die Aussetzung des Allerheiligsten. Lied (Adoro te devote)

Stille Anbetung. Zur persönlichen Betrachtung können einige Texte wie die folgenden dienen.

 

Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret »Presbyterorum Ordinis« über Dienst und Leben der Priester, Nr. 3

Die Priester im Volk Gottes

Die Priester werden aus der Reihe der Menschen genommen und für die Anliegen der Menschen bei Gott bestellt, um Gaben und Opfer für die Sünden darzubringen; allen begegnen sie deshalb als ihren Brüdern. Auch der Herr Jesus, Gottes Sohn, der vom Vater als Mensch zu den Menschen gesandt wurde, lebte ja mit uns zusammen und wollte in allem seinen Brüdern gleich werden, die Sünde ausgenommen. Ihn haben schon die heiligen Apostel nachgeahmt; Paulus, der als Lehrer der Heiden »für das Evangelium erwählt« war (Röm 1,1), bezeugt ausdrücklich, er sei allen alles geworden, um alle zu retten. Die Priester des Neuen Testamentes werden zwar aufgrund ihrer Berufung und Weihe innerhalb der Gemeinde des Gottesvolkes in bestimmter Hinsicht abgesondert, aber nicht um von dieser, auch nicht von irgendeinem Menschen, getrennt zu werden, sondern zur gänzlichen Weihe an das Werk, zu dem sie Gott erwählt hat. Sie könnten nicht Christi Diener sein, wenn sie nicht Zeugen und Ausspender eines anderen als des irdischen Lebens wären; sie vermöchten aber auch nicht den Menschen zu dienen, wenn diese und ihre Lebensverhältnisse ihnen fremd blieben. Ihr Dienst verlangt in ganz besonderer Weise, dass sie sich dieser Welt nicht gleichförmig machen; er erfordert aber zugleich, dass sie in dieser Welt mitten unter den Menschen leben, dass sie wie gute Hirten ihre Herde kennen und auch die heimzuholen suchen, die außerhalb stehen, damit sie Christi Stimme hören und eine Herde und ein Hirt sei. Dabei helfen ihnen gerade jene Eigenschaften viel, die zu Recht in der menschlichen Gesellschaft sehr geschätzt sind: Herzensgüte, Aufrichtigkeit, Charakterfestigkeit und Ausdauer, unbestechlicher Gerechtigkeitssinn, gute Umgangsformen und Ähnliches, das der Apostel Paulus empfiehlt: »Was wahr ist, was ehrwürdig und recht, was lauter, liebenswert und ansprechend, überhaupt was Tugend ist und Lob verdient, darauf seid bedacht« (Phil 4,8)23.

 

Papst Franziskus, Predigt in der Chrisam-Messe (28. März 2013)

Liebe Brüder und Schwestern,

mit Freude feiere ich die erste Chrisam-Messe als Bischof von Rom. Ich begrüße euch herzlich, besonders euch, liebe Priester, die ihr heute wie ich des Tages eurer Priesterweihe gedenkt.

Die Lesungen und auch der Psalm sprechen uns von „Gesalbten“: vom Gottesknecht bei Jesaja, von König David und von Jesus, unserem Herrn. Den dreien ist gemeinsam, dass die Salbung, die sie empfangen, dazu bestimmt ist, das gläubige Volk Gottes zu salben, dessen Diener sie sind; ihre Salbung ist für die Armen, die Gefangenen, die Unterdrückten… Ein sehr schönes Bild für dieses „Sein für“ des heiligen Chrisam ist das des Psalms 133: „Das ist wie köstliches Salböl, das vom Kopf hinabfließt auf den Bart, auf Aarons Bart, das auf sein Gewand hinabfließt“ (V. 2). Das Bild des Salböls, das sich ausbreitet, das vom Bart Aarons hinabfließt bis zum Saum seiner heiligen Gewänder, ist ein Bild der priesterlichen Salbung, die durch den Gesalbten schlechthin bis an die Enden des Universums gelangt, für das die Gewänder stehen.

Die heiligen Gewänder des Hohenpriesters sind reich an Symbolen. Eines davon ist das der Namen der Söhne Israels, die in die Onyx-Steine eingraviert waren, welche die Schultern des Efod – des Vorläufers unseres heutigen Messgewands – zierten: sechs Namen auf dem Stein der rechten Schulter und sechs auf dem der linken (vgl. Ex 28,6-14). Auch in das Brustschild waren die Namen der zwölf Stämme Israels eingraviert (vgl. Ex 28,21). Das bedeutet, dass der Priester sich beim Zelebrieren das ihm anvertraute Volk auf die Schultern lädt und seine Namen ins Herz eingeschrieben trägt. Wenn wir uns mit unserem einfachen Messgewand bekleiden, kann es uns hilfreich sein, auf unseren Schultern und im Herzen das Gewicht unseres gläubigen Volkes, unserer Heiligen und unserer Märtyrer – und in unserer Zeit gibt es deren viele! – zu spüren und sie uns vor Augen zu führen.

Von der Schönheit des Liturgischen, das nicht einfach Verzierung und Freude an schönen Gewändern ist, sondern Gegenwart der Herrlichkeit unseres Gottes, die in seinem lebendigen und gestärkten Volk ihren Widerschein findet, gehen wir nun zur Betrachtung der Handlung über. Das kostbare Öl, das das Haupt Aarons salbt, beschränkt sich nicht darauf, ihm selbst Duft zu verleihen, sondern breitet sich aus und gelangt bis in die „Randgebiete“. Der Herr wird es dann deutlich sagen: Seine Salbung ist für die Armen, die Gefangenen, die Kranken und für die, welche traurig und einsam sind. Die Salbung, liebe Brüder, ist nicht dafür da, uns selber in Duft zu hüllen, und erst recht nicht, damit wir sie in einer Ampulle aufbewahren, denn das Öl würde ranzig… und das Herz bitter.

Den guten Priester erkennt man daran, wie sein Volk gesalbt wird.; das ist ein deutliches Beweismittel. Wenn die uns anvertrauten Menschen mit dem Öl der Freude gesalbt werden, ist das zu merken – zum Beispiel, wenn sie aus der Messe kommen mit dem Gesicht dessen, der eine gute Nachricht erhalten hat. Die Leute mögen es, wenn das Evangelium so gepredigt wird, dass man die Salbung spürt, sie mögen es, wenn das Evangelium, das wir predigen, ihr Alltagsleben erreicht, wenn es wie das Salböl Aarons bis an den „Saum“ der Wirklichkeit hinabfließt, wenn es die Grenzsituationen, die „Randgebiete“ erleuchtet, wo das gläubige Volk stärker der Invasion derer ausgesetzt ist, die seinen Glauben ausplündern wollen. Die Leute danken uns, weil sie spüren, dass wir unter Einbeziehung der Situation ihres Alltagslebens gebetet haben, mit ihren Leiden und ihren Freuden, ihren Ängsten und ihren Hoffnungen. Und wenn sie spüren, dass der Duft des Gesalbten schlechthin, der Duft Christi, durch uns zu ihnen kommt, fühlen sie sich ermutigt, uns all das anzuvertrauen, von dem sie möchten, dass es den Herrn erreiche: „Beten Sie für mich, Pater, denn ich habe dieses Problem“, „segnen Sie mich, Pater“, „beten Sie für mich“ – das sind Zeichen dafür, dass die Salbung am Saum des Gewandes angekommen ist, denn sie wird in Bittgebet verwandelt, in Bittgebet des Gottesvolkes. Wenn wir in dieser Beziehung zu Gott und zu seinem Volk stehen und die Gnade durch uns hindurchfließt, dann sind wir Priester, Mittler zwischen Gott und den Menschen. Was ich hervorheben möchte ist, dass wir stets die Gnade wieder aufleben lassen müssen und in jeder Bitte, manchmal unangebracht, manchmal rein materiell oder sogar banal – aber das ist es nur scheinbar – den Wunsch unserer Leute, mit dem duftenden Öl gesalbt zu werden, intuitiv erfassen müssen, denn sie wissen, dass wir es besitzen. Intuitiv erfassen und erspüren, wie der Herr die von Hoffnung erfüllte Qual der unter Blutungen leidenden Frau spürte, als sie den Saum seines Mantels berührte. Dieser Moment Jesu inmitten der Menschen, die sich von allen Seiten um ihn drängen, verkörpert die ganze Schönheit des priesterlich bekleideten Aarons mit dem Salböl, das auf seine Gewänder herabfließt. Es ist eine verborgene Schönheit, die nur für die von Glauben erfüllten Augen jener Frau erstrahlt, die an Blutungen litt. Selbst die Jünger – zukünftige Priester – vermögen nicht zu sehen, begreifen nicht: In der „existenziellen Peripherie“ sehen sie nur die Äußerlichkeit der Menge, die sich von allen Seiten um Jesus drängt, so dass sie ihn beinahe erdrückt (vgl. Lk 8,42). Der Herr hingegen spürt die Kraft der göttlichen Salbung, die den Saum seines Mantels erreicht.

So müssen wir hinausgehen, um unsere Salbung zu erproben, ihre Macht und ihre erlösende Wirksamkeit: in den „Randgebieten“, wo Leiden herrscht, Blutvergießen; Blindheit, die sich danach sehnt zu sehen, wo es Gefangene so vieler schlechter Herren gibt. Es ist eben gerade nicht in den Selbsterfahrungen oder in den wiederholten Introspektionen, dass wir dem Herrn begegnen: Selbsthilfekurse können im Leben nützlich sein, doch unser Priesterleben zu verbringen, indem wir von einem Kurs zum anderen, von einer Methode zur anderen übergehen, das führt dazu, Pelagianer zu werden, die Macht der Gnade herunterzuspielen, die in dem Maß aktiv wird und wächst, in dem wir gläubig hinausgehen, um uns selbst zu verschenken und den anderen das Evangelium zu geben, das bisschen Salbung, das wir besitzen, denen zu schenken, die absolut gar nichts haben.

Der Priester, der wenig aus sich herausgeht, der wenig salbt – ich sage nicht „gar nicht“, denn, Gott sei Dank, entreißen die Leute uns die Salbung – kommt um das Beste unseres Volkes, um das, was das Innerste seines Priesterherzens zu aktivieren vermag. Wer nicht aus sich herausgeht, wird, statt Mittler zu sein, allmählich ein Zwischenhändler, ein Verwalter. Wir kennen alle den

Unterschied: Der Zwischenhändler und der Verwalter „haben bereits ihren Lohn“, und das sie ihre eigene Haut und ihr Herz nicht aufs Spiel setzen, empfangen sie keinen liebevollen Dank, der von Herzen kommt. Genau daher kommt die Unzufriedenheit einiger, die schließlich traurig, traurige Priester, und zu einer Art Antiquitäten- oder Neuheitensammler werden, anstatt Hirten mit dem „Geruch der Schafe“ zu sein – das erbitte ich von euch: Seid Hirten mit dem „Geruch der Schafe“, dass man ihn riecht –, Hirten inmitten ihrer Herde und Menschenfischer. Es ist wahr, dass die so genannte Identitätskrise des Priesters uns alle bedroht und mit einer Kulturkrise einhergeht, doch wenn wir ihre Welle zu durchbrechen verstehen, werden wir im Namen des Herrn in See stechen und die Netze auswerfen können. Es ist gut, dass die Wirklichkeit selbst uns dazu führt, dorthin zu gehen, wo das, was wir aus Gnade sind, eindeutig als reine Gnade erscheint: in dieses Meer der heutigen Welt, wo allein die Salbung zählt – und nicht die Funktion – und die ausgeworfenen Netze sich allein im Namen dessen als fruchtbringend erweisen, auf den wir vertraut haben: Jesus.

Liebe Gläubige, seid euren Priestern nahe mit Zuneigung und mit Gebet, damit sie immer Hirten nach dem Herzen Gottes seien.

Liebe Priester, der Himmlische Vater erneuere in uns den Geist der Heiligkeit, mit dem wir gesalbt worden sind; er erneuere ihn in unseren Herzen so, dass die Salbung zu allen gelangt, auch in die „Randgebiete“, dorthin, wo unser gläubiges Volk sie am meisten erwartet und schätzt. Mögen die uns anvertrauten Menschen uns als Jünger des Herrn empfinden, mögen sie spüren, dass wir mit ihren Namen bekleidet sind, dass wir keine andere Identität suchen. Und mögen sie durch unsere Worte und Werke das Öl der Freude empfangen, das Jesus, der Gesalbte schlechthin, uns zu bringen gekommen ist. Amen.

 

Benedikt XVI., Predigt zum Abschluss des Priesterjahres (11. Juni 2010).

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst,

liebe Brüder und Schwestern!

Das Priesterjahr, das wir 150 Jahre nach dem Tod des heiligen Pfarrers von Ars, dem Vorbild priesterlichen Dienens in unserer Welt, begangen haben, geht zu Ende. Vom Pfarrer von Ars haben wir uns führen lassen, um Größe und Schönheit des priesterlichen Dienstes neu zu verstehen. Der Priester ist nicht einfach ein Amtsträger wie ihn jede Gesellschaft braucht, damit gewisse Funktionen in ihr erfüllt werden können. Er tut vielmehr etwas, das kein Mensch aus sich heraus kann: Er spricht in Christi Namen das Wort der Vergebung für unsere Sünden und ändert so von Gott her den Zustand unseres Lebens. Er spricht über die Gaben von Brot und Wein die Dankesworte Christi, die Wandlungsworte sind – ihn selbst, den Auferstandenen, sein Fleisch und sein Blut gegenwärtig werden lassen und so die Elemente der Welt verändern: die Welt auf Gott hin aufreißen und mit ihm zusammenfügen. So ist Priestertum nicht einfach „Amt“, sondern Sakrament: Gott bedient sich eines armseligen Menschen, um durch ihn für die Menschen da zu sein und zu handeln. Diese Kühnheit Gottes, der sich Menschen anvertraut, Menschen zutraut, für ihn zu handeln und da zu sein, obwohl er unsere Schwächen kennt – die ist das wirklich Große, das sich im Wort Priestertum verbirgt. Daß Gott uns dies zutraut, daß er Menschen so in seinen Dienst ruft und so sich ihnen von innen her verbindet, das wollten wir in diesem Jahr neu bedenken und verstehen. Wir wollten die Freude neu aufleben lassen, daß Gott uns so nahe ist und die Dankbarkeit dafür, daß er sich unserer Schwachheit anvertraut. Daß er uns führt und hält, Tag um Tag. So wollten wir auch jungen Menschen wieder zeigen, daß es diese Berufung, diese Dienstgemeinschaft für Gott und mit Gott gibt – ja, daß Gott auf unser Ja wartet. Mit der Kirche wollten wir wieder darauf hinweisen, daß wir Gott um diese Berufung bitten müssen. Wir bitten um Arbeiter in der Ernte Gottes, und dieser Ruf an Gott ist zugleich ein Anklopfen Gottes ans Herz junger Menschen, die sich zutrauen, was Gott ihnen zutraut. Es war zu erwarten, daß dem bösen Feind dieses neue Leuchten des Priestertums nicht gefallen würde, das er lieber aussterben sehen möchte, damit letztlich Gott aus der Welt hinausgedrängt wird. So ist es geschehen, daß gerade in diesem Jahr der Freude über das Sakrament des Priestertums die Sünden von Priestern bekannt wurden – vor allem der Mißbrauch der Kleinen, in dem das Priestertum als Auftrag der Sorge Gottes um den Menschen in sein Gegenteil verkehrt wird. Auch wir bitten Gott und die betroffenen Menschen inständig um Vergebung und versprechen zugleich, daß wir alles tun wollen, um solchen Mißbrauch nicht wieder vorkommen zu lassen; daß wir bei der Zulassung zum priesterlichen Dienst und bei der Formung auf dem Weg dahin alles tun werden, was wir können, um die Rechtheit der Berufung zu prüfen, und daß wir die Priester mehr noch auf ihrem Weg begleiten wollen, damit der Herr sie in Bedrängnissen und Gefahren des Lebens schütze und behüte. Wenn das Priesterjahr eine Rühmung unserer eigenen menschlichen Leistung hätte sein sollen, dann wäre es durch diese Vorgänge zerstört worden. Aber es ging uns gerade um das Gegenteil: Das Dankbar-Werden für die Gabe Gottes, die sich „in irdenen Gefäßen“ birgt und die immer wieder durch alle menschliche Schwachheit hindurch seine Liebe in dieser Welt praktisch werden läßt. So sehen wir das Geschehene als Auftrag zur Reinigung an, der uns in die Zukunft begleitet und der uns erst recht die große Gabe Gottes erkennen und lieben läßt. So wird sie zum Auftrag, dem Mut und der Demut Gottes mit unserem Mut und unserer Demut zu antworten. Das Wort Christi, das wir in der Liturgie als Eröffnungsvers gesungen haben, kann uns in dieser Stunde sagen, was es heißt, Priester zu werden und zu sein: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig“ (Mt 11, 29).

Wir feiern das Herz-Jesu-Fest und schauen mit der Liturgie der Kirche gleichsam in das Herz Jesu hinein, das im Tod von der Lanze des römischen Soldaten geöffnet wurde. Ja, sein Herz ist offen für uns und vor uns – und damit das Herz Gottes selbst. Die Liturgie legt uns die Sprache des Herzens Jesu aus, die vor allem von Gott als dem Hirten der Menschen spricht und uns damit das Priestertum Jesu zeigt, das im Innersten seines Herzens verankert ist und den immerwährenden Grund wie den gültigen Maßstab alles priesterlichen Dienstes zeigt, der immer im Herzen Jesu verankert sein und von daher gelebt werden muß. Ich möchte heute vor allem die Texte auslegen, mit denen die betende Kirche auf das in den Lesungen ausgebreitete Wort Gottes antwortet. In diesen Gesängen gehen Wort und Antwort ineinander über. Sie sind einerseits selbst aus Gottes Wort genommen, sind aber zugleich schon Antwort des Menschen darauf, in der das Wort sich mitteilt und in unser Leben eintritt. Am wichtigsten unter diesen Texten ist in der Liturgie von heute der Psalm 23 (22): „Der Herr ist mein Hirte“, in dem das betende Israel die Selbstoffenbarung Gottes als Hirten aufgenommen und zur Wegweisung im eigenen Leben gemacht hat. „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen“ – in diesem ersten Vers spricht sich Freude und Dankbarkeit dafür aus, daß Gott da ist und sich um uns sorgt. Die Lesung aus Ezechiel beginnt mit dem gleichen Motiv: „Ich will mich selber um meine Schafe kümmern“ (Ez 34, 11). Gott kümmert sich persönlich um mich, um uns, um die Menschheit. Ich bin nicht allein gelassen, nicht verloren im Weltall und in einer immer verwirrender werdenden Gesellschaft. ER kümmert sich um mich. Er ist kein ferner Gott, dem mein Leben zu unwichtig wäre. Die Religionen der Welt haben, soweit wir sehen können, immer gewußt, daß es letztlich nur einen Gott gibt. Aber dieser Gott war weit weg. Er überließ allem Anschein nach die Welt anderen Mächten und Gewalten, anderen Gottheiten. Mit ihnen mußte man sich arrangieren. Der eine Gott war gut, aber doch fern. Er war nicht gefährlich, aber auch nicht hilfreich. So brauchte man sich mit ihm nicht zu beschäftigen. Er herrschte nicht. In der Aufklärung ist merkwürdigerweise dieser Gedanke zurückgekehrt. Man verstand noch, daß die Welt einen Schöpfer voraussetzt. Aber dieser Gott hatte die Welt gebaut und sich offensichtlich von ihr zurückgezogen. Nun hatte sie ihre Gesetzmäßigkeiten, nach denen sie ablief, in die Gott nicht eingriff, nicht eingreifen konnte. Gott war nur ein ferner Anfang. Viele wollten vielleicht auch gar nicht, daß Gott sich um sie kümmere. Sie wollten nicht gestört sein durch Gott. Wo aber Gottes Sorge und Liebe als Störung empfunden wird, da ist der Mensch verkehrt. Es ist schön und tröstlich zu wissen, daß ein Mensch mir gut ist und sich um mich kümmert. Aber noch viel entscheidender ist, daß es den Gott gibt, der mich kennt, mich liebt und sich um mich sorgt. „Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich“ (Joh 10,14), betet die Kirche vor dem Evangelium mit einem Wort des Herrn. Gott kennt mich, sorgt sich um mich. Dieser Gedanke sollte uns richtig froh werden lassen. Lassen wir ihn tief in uns eindringen. Dann begreifen wir auch, was es bedeutet: Gott will, daß wir als Priester seine Sorgen um die Menschen an einem kleinen Punkt der Geschichte mittragen. Wir wollen als Priester Mitsorgende mit seiner Sorge um die Menschen sein, sie dieses Sich-Kümmern Gottes praktisch erlebbar werden lassen. Und mit dem Herrn sollte der Priester für seinen ihm anvertrauten Bereich sagen können: „Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.“ „Kennen“ ist im Sinne der Heiligen Schrift nie bloß ein äußeres Wissen, wie man die Telefonnummer eines Menschen kennt. „Kennen“ heißt: dem anderen innerlich nah sein. Ihm gut sein. Wir sollten versuchen, die Menschen von Gott her und auf Gott hin zu „kennen“, mit ihnen den Weg der Freundschaft Gottes zu gehen.

Kehren wir zu unserem Psalm zurück. Da heißt es: „Er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen. Muß ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil – denn du bist bei mir. Dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht“ (23 [22], 3f). Der Hirte zeigt den ihm Anvertrauten den rechten Weg. Er geht voraus und führt sie. Sagen wir es anders: Der Herr zeigt uns, wie man das Menschsein richtig macht. Er zeigt uns die Kunst, ein Mensch zu sein. Was muß ich tun, damit ich nicht abstürze, im Sinnlosen mein Leben vertue? Das ist doch die Frage, die sich jeder Mensch stellen muß und die zu allen Zeiten des Lebens gilt. Und wieviel Dunkel gibt es zu dieser Frage in unserer Zeit! Immer wieder kommt uns das Wort Jesu in den Sinn, der Mitleid mit den Menschen hatte, weil sie wie Schafe ohne Hirten waren. Herr, hab Mitleid auch mit uns! Zeige uns den Weg! Aus dem Evangelium wissen wir es: Er selbst ist der Weg. Mit Christus leben, ihm nachgehen – das heißt: den richtigen Weg finden, damit unser Leben sinnvoll wird und damit wir einmal sagen können: Ja, es war gut zu leben. Israel war und ist Gott dankbar, daß er in den Geboten den Weg des Lebens gezeigt hat. Der große Psalm 119 (118) ist ein einziger Ausdruck der Freude darüber: Wir tappen nicht im Dunkeln. Gott hat uns gezeigt, was der Weg ist, wie wir recht gehen können. Was die Gebote sagen, ist im Leben Jesu zusammengefaßt und zu lebendiger Gestalt geworden. So erkennen wir, daß diese Weisungen Gottes nicht Fesseln sind, sondern Weg, den er uns zeigt. Wir dürfen ihrer froh sein, und wir dürfen uns freuen, daß sie in Christus als gelebte Wirklichkeit vor uns stehen. Er selbst hat uns froh gemacht. Im Mitgehen mit Christus geht uns die Freude der Offenbarung auf, und als Priester sollen wir den Menschen die Freude darüber schenken, daß uns der rechte Lebensweg gezeigt ist.

Da ist dann das Wort von der „finsteren Schlucht“, durch die der Herr den Menschen geleitet. Unser aller Weg führt uns einmal in die finstere Schlucht des Todes, in der uns niemand begleiten kann. Und ER ist da. Christus ist selbst in die finstere Nacht des Todes hinabgestiegen. Auch dort verläßt er uns nicht. Auch dort führt er uns. „Bette ich mich in der Unterwelt, du bist zugegen“, sagt der Psalm 139 (138). Ja, du bist zugegen auch in der letzten Not, und so kann unser Antwort-Psalm sagen: Auch dort, in finsterer Schlucht, fürchte ich kein Unheil. Bei der Rede von der finsteren Schlucht können wir aber auch an die dunklen Täler der Versuchung, der Mutlosigkeit, der Prüfung denken, die jeder Mensch durchschreiten muß. Auch in diesen finsteren Tälern des Lebens ist ER da. Ja, Herr, zeige mir in den Dunkelheiten der Versuchung, in den Stunden der Verfinsterung, in denen alle Lichter zu erlöschen scheinen, daß du da bist. Hilf uns Priestern, daß wir den uns anvertrauten Menschen in diesen dunklen Nächten beistehen können. Ihnen dein Licht zeigen dürfen.

„Dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht“: Der Hirte braucht den Stock gegen die wilden Tiere, die in die Herde einbrechen möchten; gegen die Räuber, die sich ihre Beute suchen. Neben dem Stock steht der Stab, der Halt schenkt und schwierige Passagen zu durchschreiten hilft. Beides gehört auch zum Dienst der Kirche, zum Dienst des Priesters. Auch die Kirche muß den Stock des Hirten gebrauchen, mit dem sie den Glauben schützt gegen die Verfälscher, gegen die Führungen, die Verführungen sind. Gerade der Gebrauch des Stockes kann ein Dienst der Liebe sein. Heute sehen wir es, daß es keine Liebe ist, wenn ein für das priesterliche Leben unwürdiges Verhalten geduldet wird. So ist es auch nicht Liebe, wenn man die Irrlehre, die Entstellung und Auflösung des Glaubens wuchern läßt, als ob wir den Glauben selbst erfänden. Als ob er nicht mehr Gottes Geschenk, die kostbare Perle wäre, die wir uns nicht nehmen lassen. Zugleich freilich muß der Stock immer wieder Stab des Hirten werden, der den Menschen hilft, auf schwierigen Wegen gehen zu können und dem Herrn nachzufolgen.

Am Ende des Psalms ist die Rede vom gedeckten Tisch, vom Öl, mit dem das Haupt gesalbt wird, vom übervollen Becher, vom Wohnen-Dürfen beim Herrn. Im Psalm ist das zunächst Ausblick auf die Festesfreude, mit Gott im Tempel zu sein, von ihm selbst bewirtet zu werden, bei ihm wohnen zu dürfen. Für uns, die wir den Psalm mit Christus und mit seinem Leib, der Kirche, beten, hat dieser Blick der Hoffnung noch eine größere Weite und Tiefe gewonnen. Wir sehen in diesen Worten gleichsam einen prophetischen Vorgriff auf das Geheimnis der Eucharistie, in der Gott selbst uns bewirtet und sich selbst als Speise für uns gibt – als jenes Brot und als jenen köstlichen Wein, der allein die letzte Antwort auf den innersten Hunger und Durst des Menschen sein kann. Wie sollten wir uns da nicht darüber freuen, daß wir täglich zu Gast an Gottes eigenem Tisch sein, bei ihm wohnen dürfen. Wie sollten wir uns nicht freuen, daß er uns aufgetragen hat: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Daß er uns schenkt, Gottes Tisch den Menschen zu decken; ihnen seinen Leib und sein Blut zu reichen, ihnen das kostbare Geschenk seiner eigenen Gegenwart zu geben. Ja, wir können mit ganzem Herzen die Wort des Psalms mitbeten: „Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang“ (23 [22], 6).

Am Ende werfen wir noch einen kurzen Blick auf die beiden Kommunionlieder, die uns die Kirche heute in ihrer Liturgie vorschlägt. Da ist zunächst das Wort, mit dem der heilige Johannes den Bericht von der Kreuzigung Jesu abschließt: „Ein Soldat stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floß Blut und Wasser heraus“ (Joh 19, 34). Das Herz Jesu wird von der Lanze durchbohrt. Es wird geöffnet, und es wird zur Quelle: Blut und Wasser, die herausströmen, verweisen auf die beiden Grundsakramente, von denen die Kirche lebt: Taufe und Eucharistie. Aus der geöffneten Seite des Herrn, aus seinem geöffneten Herzen entspringt der lebendige Quell, der die Jahrhunderte hindurch strömt und die Kirche schafft. Das offene Herz ist Quell eines neuen Lebensstroms; Johannes hat dabei gewiß auch an die Prophezeiung des Ezechiel gedacht, der aus dem neuen Tempel einen Strom hervorkommen sieht, der Fruchtbarkeit und Leben schenkt (Ez 47): Jesus selbst ist der neue Tempel, und sein offenes Herz ist die Quelle, aus der ein Strom neuen Lebens kommt, das sich uns in der Taufe und in der Eucharistie mitteilt.

Die Liturgie des Herz-Jesu-Festes sieht aber auch ein anderes verwandtes Wort aus dem Johannes-Evangelium als Kommunionvers vor: Wer Durst hat, komme zu mir. Es trinke, wer an mich glaubt. Die Schrift sagt: „Aus seinem Innern werden Ströme lebendigen Wassers fließen“ (Joh 7, 37f). Im Glauben trinken wir gleichsam aus dem lebendigen Wasser von Gottes Wort. Der Glaubende wird so selbst zu einer Quelle, schenkt dem dürstenden Land der Geschichte lebendiges Wasser. Wir sehen es an den Heiligen. Wir sehen es an Maria, die als die große Glaubende und Liebende alle Jahrhunderte hindurch zur Quelle von Glaube, Liebe und Leben geworden ist. Jeder Christ und jeder Priester sollten von Christus her Quelle werden, die anderen Leben mitteilt. Wir sollten einer dürstenden Welt Wasser des Lebens schenken. Herr, wir danken dir, daß du dein Herz für uns aufgetan hast. Daß du in deinem Tod und in deiner Auferstehung Quelle des Lebens wurdest. Laß uns lebende Menschen sein, von deiner Quelle lebend, und schenke uns, daß auch wir Quellen sein dürfen, die dieser unserer Zeit Wasser des Lebens zu schenken vermögen. Wir danken dir für die Gnade des priesterlichen Dienstes. Herr, segne uns und segne alle dürstenden und suchenden Menschen dieser Zeit. Amen.

 

*   *   *

 

Der Einsetzung des Allerheiligsten kann ein Fürbittgebet vorausgehen. 

Zelebrant – Im Gebet vereint wie die Apostel im Abendmahlssaal bitten wir Gott, den Vater, durch seinen Sohn Jesus Christus, unsere Bitten für uns, für die heilige Kirche und für die ganze Welt anzunehmen. Deshalb sagen wir gläubig: Vater, mache uns zu authentischen und eifrigen Zeugen deiner Liebe.

  • Für unseren Heiligen Vater Franziskus, für unseren Bischof N. und für alle Hirten der Kirche: damit sie gute und weise Führer sein mögen, fest im Glauben, und ein heroisches Zeugnis von der Treue zum Wort des Heils ablegen können, das ihnen von den Aposteln übergeben wurde. Lasset uns beten.
  • Für alle Priester: damit die Schwierigkeiten in ihrem Dienst sie nicht entmutigen, sondern vielmehr dazu anhalten, den Blick immer auf den zu richten, der das Kreuz zum Werkzeug der Liebe und der göttlichen Barmherzigkeit gemacht hat, die das Herz jedes Menschen verwandelt. Lasset uns beten.
  • Für alle, die gerufen sind Jesus nachzufolgen, um sein Heilswerk in der Welt fortzusetzen: damit sie den Nachstellungen des Bösen gegenüber stark sind und großherzig auf die Einladung des Meisters antworten, indem sie wie die Apostel auf dem Berg Tabor lernen, die Schönheit des Bei-Ihm-Seins zu verkosten. Lasset uns beten.
  • Für die Rektoren der Priesterseminare und all diejenigen, die gerufen sind, die Priesteramtskandidaten auszubilden und zu formen: damit sie ihren Dienst immer mit väterlicher Liebe ausüben, jeden jungen Menschen ermutigen und ihm helfen, an Weisheit, Alter und Gnade zuzunehmen und seine Talente, die Gott ihm zum Wohl aller in sein Herz gelegt hat, Frucht bringen zu lassen. Lasset uns beten.
  • Für alle Christen: damit sie im Geist der Gemeinschaft und Zusammenarbeit mit allen Priestern in diesen die geheimnisvolle Gegenwart Jesu, des Guten Hirten, sehen können, der seine Schafe zu sich ruft, und sie stets mit dem Gebet unterstützen, damit sie Tag für Tag ein Vorbild und sicherer Bezugspunkt sein können, um den Glauben an den Gottessohn in authentischer Weise zu leben. Lasset uns beten.
  • Die sakramentale Weihe macht den Priester auf ewig zum Priester: damit alle verstorbenen Priester gemeinsam mit dem zur Rechten Gottes erhöhten Christus und in Vereinigung mit seinem heiligen Opfer die liebevolle Hingabe ihrer selbst fortsetzen können und so allen, die auf Seine Stimme hören, einen Platz an Seiner Seite in der Herrlichkeit vorbereiten. Lasset uns beten.

Zelebrant – Ewiger Vater, dein Heilswerk, gewirkt durch deinen Sohn im Heiligen Geist, ist ein Widerschein des Geheimnisses der Trinität, die Geheimnis der Liebe ist. Nimm unser Gebet an und hilf uns, dir immer treu zu bleiben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen. 

Man singt das Tantum ergo, danach, vor den gewöhnlichen Anrufungen, kann man die Litanei von unserem Herrn Jesus Christus, Priester und Opfer beten (aus dem Buch Geschenk und Geheimnis von Johannes Paul II.)

 

  • Kyrie, eleison — Kyrie, eleison
  • Christe, eleison — Christe, eleison
  • Kyrie, eleison — Kyrie, eleison
  • Christe, audi nos — Christe, audi nos
  • Christe, exaudi nos — Christe, exaudi nos
  • Pater de cælis, Deus, — miserere nobis
  • Fili, Redemptor mundi, Deus, — miserere nobis
  • Spiritus Sancte, Deus, — miserere nobis
  • Sancta Trinitas, unus Deus, — miserere nobis
  • Iesu, Sacerdos et Victima, — miserere nobis
  • Iesu, Sacerdos in æternum secundum ordinem Melchisedech, — miserere nobis
  • Iesu, Sacerdos quem misit Deus evangelizare pauperibus, — miserere nobis
  • Iesu, Sacerdos qui in novissima cena formam sacrificii perennis instituisti, — miserere nobis
  • Iesu, Sacerdos semper vivens ad interpellandum pro nobis, — miserere nobis
  • Iesu, Pontifex quem Pater unxit Spiritu Sancto et virtute, — miserere nobis
  • Iesu, Pontifex ex hominibus assumpte, — miserere nobis
  • Iesu, Pontifex pro hominibus constitute, — miserere nobis
  • Iesu, Pontifex confessionis nostræ, — miserere nobis
  • Iesu, Pontifex amplioris præ Moysi gloriæ, — miserere nobis
  • Iesu, Pontifex tabernaculi veri, — miserere nobis
  • Iesu, Pontifex futurorum bonorum, — miserere nobis
  • Iesu, Pontifex sancte, innocens et impollute, — miserere nobis
  • Iesu, Pontifex fidelis et misericors, — miserere nobis
  • Iesu, Pontifex Dei et animarum zelo succense, — miserere nobis
  • Iesu, Pontifex in æternum perfecte, — miserere nobis
  • Iesu, Pontifex qui per proprium sanguinem cælos penetrasti, — miserere nobis
  • Iesu, Pontifex qui nobis viam novam initiasti, — miserere nobis
  • Iesu, Pontifex qui dilexisti nos et lavisti nos a peccatis in sanguine tuo, — miserere nobis
  • Iesu, Pontifex qui tradidisti temetipsum Deo oblationem et hostiam, — miserere nobis
  • Iesu, Hostia Dei et hominum, — miserere nobis
  • Iesu, Hostia sancta et immaculata, — miserere nobis
  • Iesu, Hostia placabilis, — miserere nobis
  • Iesu, Hostia pacifica, — miserere nobis
  • Iesu, Hostia propitiationis et laudis, — miserere nobis
  • Iesu, Hostia reconciliationis et pacis, — miserere nobis
  • Iesu, Hostia in qua habemus fiduciam et accessum ad Deum, — miserere nobis
  • Iesu, Hostia vivens in sæcula sæculorum, — miserere nobis
  • Propitius esto! — parce nobis, Iesu
  • Propitius esto! — exaudi nos, Iesu
  • A temerario in clerum ingressu, — libera nos, Iesu
  • A peccato sacrilegii, — libera nos, Iesu
  • A spiritu incontinentiæ, — libera nos, Iesu
  • A turpi quæstu, — libera nos, Iesu
  • Ab omni simoniæ labe, — libera nos, Iesu
  • Ab indigna opum ecclesiasticarum dispensatione, — libera nos, Iesu
  • Ab amore mundi eiusque vanitatum, — libera nos, Iesu
  • Ab indigna Mysteriorum tuorum celebratione, — libera nos, Iesu
  • Per æternum sacerdotium tuum, — libera nos, Iesu
  • Per sanctam unctionem, qua a Deo Patre in sacerdotem constitutus es, — libera nos, Iesu
  • Per sacerdotalem spiritum tuum, — libera nos, Iesu
  • Per ministerium illud, quo Patrem tuum super terram clarificasti, — libera nos, Iesu
  • Per cruentam tui ipsius immolationem semel in cruce factam, — libera nos, Iesu
  • Per illud idem sacrificium in altari quotidie renovatum, — libera nos, Iesu
  • Per divinam illam potestatem, quam in sacerdotibus tuis invisibiliter exerces, — libera nos, Iesu
  • Ut universum ordinem sacerdotalem in sancta religione conservare digneris, — Te rogamus, audi nos
  • Ut pastores secundum cor tuum populo tuo providere digneris, — Te rogamus, audi nos
  • Ut illos spiritus sacerdotii tui implere digneris, — Te rogamus, audi nos
  • Ut labia sacerdotum scientiam custodiant, — Te rogamus, audi nos
  • Ut in messem tuam operarios fideles mittere digneris, — Te rogamus, audi nos
  • Ut fideles mysteriorum tuorum dispensatores multiplicare digneris, — Te rogamus, audi nos
  • Ut eis perseverantem in tua voluntate famulatum tribuere digneris, — Te rogamus, audi nos
  • Ut eis in ministerio mansuetudinem, in actione sollertiam et in oratione constantiam concedere digneris, — Te rogamus, audi nos
  • Ut per eos sanctissimi Sacramenti cultum ubique promovere digneris, — Te rogamus, audi nos
  • Ut qui tibi bene ministraverunt, in gaudium tuum suscipere digneris, — Te rogamus, audi nos
  • Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, — parce nobis, Domine
  • Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, — exaudi nos, Domine
  • Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, —  miserere nobis, Domine
  • Iesu, Sacerdos, — audi nos
  • Iesu, Sacerdos, — exaudi nos

Oremus

Ecclesiæ tuæ, Deus, sanctificator et custos, suscita in ea per Spiritum tuum idoneos et fideles sanctorum mysteriorum dispensatores, ut eorum ministerio et exemplo christiana plebs in viam salutis te protegente dirigatur. Per Christum Dominum nostrum. Amen.

Deus, qui ministrantibus et ieiunantibus discipulis segregari iussisti Saulum et Barnabam in opus ad quod assumpseras eos, adesto nunc Ecclesiæ tuæ oranti, et tu, qui omnium corda nosti, ostende quos elegeris in ministerium. Per Christum Dominum nostrum. Amen.

 

Eucharistischer Segen, Anrufungen und Wiedereinsetzung des Allerheiligsten. Lied: Laudate Dominum.

Al termine della celebrazione si recita l’Atto di affidamento e di consacrazione dei sacerdoti alla SS. Vergine, secondo la formula usata da Benedetto XVI a conclusione dell’Anno Sacerdotale.

 

Madre Immacolata, in questo luogo di grazia, convocati dall’amore del Figlio tuo Gesù, Sommo ed Eterno Sacerdote, noi, figli nel Figlio e suoi sacerdoti, ci consacriamo al tuo Cuore materno, per compiere con fedeltà la Volontà del Padre.

Siamo consapevoli che, senza Gesù, non possiamo fare nulla di buono (cfr. Gv 15, 5), e che, solo per Lui, con Lui ed in Lui, saremo per il mondo strumenti di salvezza.

Sposa dello Spirito Santo, ottienici l’inestimabile dono della trasformazione in Cristo.

Per la stessa potenza dello Spirito che, estendendo su di Te la sua ombra, ti rese Madre del Salvatore, aiutaci affinché Cristo, tuo Figlio, nasca anche in noi.

Possa così la Chiesa essere rinnovata da santi sacerdoti, trasfigurati dalla grazia di Colui che fa nuove tutte le cose.

Madre di Misericordia, è il tuo Figlio Gesù che ci ha chiamati a diventare come Lui: luce del mondo e sale della terra (cfr. Mt 5,13-14).

Aiutaci, con la tua potente intercessione, a non venir mai meno a questa sublime vocazione, a non cedere ai nostri egoismi, alle lusinghe del mondo ed alle suggestioni del Maligno.

Preservaci con la tua purezza, custodiscici con la tua umiltà e avvolgici col tuo amore materno, che si riflette in tante anime a te consacrate diventate per noi autentiche madri spirituali.

Madre della Chiesa, noi sacerdoti vogliamo essere pastori che non pascolano se stessi, ma si donano a Dio per i fratelli trovando in questo la loro felicità. Non solo a parole, ma con la vita vogliamo ripetere umilmente, giorno per giorno, il nostro «Eccomi!». Guidati da Te vogliamo essere apostoli della divina Misericordia, lieti di celebrare ogni giorno il santo sacrificio dell’altare, e di donare a quanti ce lo chiedono il sacramento della Riconciliazione.

Avvocata e Mediatrice di grazia, tu che sei tutta immersa nell’unica mediazione universale di Cristo, invoca da Dio per noi un cuore completamente rinnovato, che ami Dio con tutte le proprie forze e serva l’umanità come hai fatto tu. Ripeti al Signore l’efficace tua parola «Non hanno più vino», affinché il Padre e il Figlio riversino su di noi come una nuova effusione dello Spirito Santo pieno di stupore e di gratitudine per la tua continua presenza in mezzo a noi, a nome di tutti i sacerdoti anch’io voglio esclamare «A che cosa devo che la Madre del mio Signore venga a me?». Madre nostra da sempre, non ti stancare mai di visitarci, di consolarci, di sostenerci. Vieni in nostro soccorso e liberaci da ogni pericolo che incombe su di noi! Con questo atto di affidamento e di consacrazione vogliamo accoglierti in modo più profondo e radicale, per sempre e totalmente nella nostra esistenza umana e sacerdotale. La tua presenza faccia rifiorire il deserto delle nostre solitudini e brillare il sole sulle nostre oscurità. Faccia tornare il sereno dopo la tempesta, affinché ogni uomo veda la salvezza del Signore, che ha il Nome e il Volto di Gesù riflesso nei nostri cuori per sempre uniti al Tuo. Così sia.

Canto finale: Salve Regina

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Quelle: Kongregation für den Klerus

PAPST BENEDIKT XVI., Predigt zum Abschluss des Priesterjahres (11. Juni 2010).

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst,

liebe Brüder und Schwestern!

 

Das Priesterjahr, das wir 150 Jahre nach dem Tod des heiligen Pfarrers von Ars, dem Vorbild priesterlichen Dienens in unserer Welt, begangen haben, geht zu Ende. Vom Pfarrer von Ars haben wir uns führen lassen, um Größe und Schönheit des priesterlichen Dienstes neu zu verstehen. Der Priester ist nicht einfach ein Amtsträger wie ihn jede Gesellschaft braucht, damit gewisse Funktionen in ihr erfüllt werden können. Er tut vielmehr etwas, das kein Mensch aus sich heraus kann: Er spricht in Christi Namen das Wort der Vergebung für unsere Sünden und ändert so von Gott her den Zustand unseres Lebens. Er spricht über die Gaben von Brot und Wein die Dankesworte Christi, die Wandlungsworte sind – ihn selbst, den Auferstandenen, sein Fleisch und sein Blut gegenwärtig werden lassen und so die Elemente der Welt verändern: die Welt auf Gott hin aufreißen und mit ihm zusammenfügen. So ist Priestertum nicht einfach „Amt“, sondern Sakrament: Gott bedient sich eines armseligen Menschen, um durch ihn für die Menschen da zu sein und zu handeln. Diese Kühnheit Gottes, der sich Menschen anvertraut, Menschen zutraut, für ihn zu handeln und da zu sein, obwohl er unsere Schwächen kennt – die ist das wirklich Große, das sich im Wort Priestertum verbirgt. Daß Gott uns dies zutraut, daß er Menschen so in seinen Dienst ruft und so sich ihnen von innen her verbindet, das wollten wir in diesem Jahr neu bedenken und verstehen. Wir wollten die Freude neu aufleben lassen, daß Gott uns so nahe ist und die Dankbarkeit dafür, daß er sich unserer Schwachheit anvertraut. Daß er uns führt und hält, Tag um Tag. So wollten wir auch jungen Menschen wieder zeigen, daß es diese Berufung, diese Dienstgemeinschaft für Gott und mit Gott gibt – ja, daß Gott auf unser Ja wartet. Mit der Kirche wollten wir wieder darauf hinweisen, daß wir Gott um diese Berufung bitten müssen. Wir bitten um Arbeiter in der Ernte Gottes, und dieser Ruf an Gott ist zugleich ein Anklopfen Gottes ans Herz junger Menschen, die sich zutrauen, was Gott ihnen zutraut. Es war zu erwarten, daß dem bösen Feind dieses neue Leuchten des Priestertums nicht gefallen würde, das er lieber aussterben sehen möchte, damit letztlich Gott aus der Welt hinausgedrängt wird. So ist es geschehen, daß gerade in diesem Jahr der Freude über das Sakrament des Priestertums die Sünden von Priestern bekannt wurden – vor allem der Mißbrauch der Kleinen, in dem das Priestertum als Auftrag der Sorge Gottes um den Menschen in sein Gegenteil verkehrt wird. Auch wir bitten Gott und die betroffenen Menschen inständig um Vergebung und versprechen zugleich, daß wir alles tun wollen, um solchen Mißbrauch nicht wieder vorkommen zu lassen; daß wir bei der Zulassung zum priesterlichen Dienst und bei der Formung auf dem Weg dahin alles tun werden, was wir können, um die Rechtheit der Berufung zu prüfen, und daß wir die Priester mehr noch auf ihrem Weg begleiten wollen, damit der Herr sie in Bedrängnissen und Gefahren des Lebens schütze und behüte. Wenn das Priesterjahr eine Rühmung unserer eigenen menschlichen Leistung hätte sein sollen, dann wäre es durch diese Vorgänge zerstört worden. Aber es ging uns gerade um das Gegenteil: Das Dankbar-Werden für die Gabe Gottes, die sich „in irdenen Gefäßen“ birgt und die immer wieder durch alle menschliche Schwachheit hindurch seine Liebe in dieser Welt praktisch werden läßt. So sehen wir das Geschehene als Auftrag zur Reinigung an, der uns in die Zukunft begleitet und der uns erst recht die große Gabe Gottes erkennen und lieben läßt. So wird sie zum Auftrag, dem Mut und der Demut Gottes mit unserem Mut und unserer Demut zu antworten. Das Wort Christi, das wir in der Liturgie als Eröffnungsvers gesungen haben, kann uns in dieser Stunde sagen, was es heißt, Priester zu werden und zu sein: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig“ (Mt 11, 29).

Wir feiern das Herz-Jesu-Fest und schauen mit der Liturgie der Kirche gleichsam in das Herz Jesu hinein, das im Tod von der Lanze des römischen Soldaten geöffnet wurde. Ja, sein Herz ist offen für uns und vor uns – und damit das Herz Gottes selbst. Die Liturgie legt uns die Sprache des Herzens Jesu aus, die vor allem von Gott als dem Hirten der Menschen spricht und uns damit das Priestertum Jesu zeigt, das im Innersten seines Herzens verankert ist und den immerwährenden Grund wie den gültigen Maßstab alles priesterlichen Dienstes zeigt, der immer im Herzen Jesu verankert sein und von daher gelebt werden muß. Ich möchte heute vor allem die Texte auslegen, mit denen die betende Kirche auf das in den Lesungen ausgebreitete Wort Gottes antwortet. In diesen Gesängen gehen Wort und Antwort ineinander über. Sie sind einerseits selbst aus Gottes Wort genommen, sind aber zugleich schon Antwort des Menschen darauf, in der das Wort sich mitteilt und in unser Leben eintritt. Am wichtigsten unter diesen Texten ist in der Liturgie von heute der Psalm 23 (22): „Der Herr ist mein Hirte“, in dem das betende Israel die Selbstoffenbarung Gottes als Hirten aufgenommen und zur Wegweisung im eigenen Leben gemacht hat. „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen“ – in diesem ersten Vers spricht sich Freude und Dankbarkeit dafür aus, daß Gott da ist und sich um uns sorgt. Die Lesung aus Ezechiel beginnt mit dem gleichen Motiv: „Ich will mich selber um meine Schafe kümmern“ (Ez 34, 11). Gott kümmert sich persönlich um mich, um uns, um die Menschheit. Ich bin nicht allein gelassen, nicht verloren im Weltall und in einer immer verwirrender werdenden Gesellschaft. ER kümmert sich um mich. Er ist kein ferner Gott, dem mein Leben zu unwichtig wäre. Die Religionen der Welt haben, soweit wir sehen können, immer gewußt, daß es letztlich nur einen Gott gibt. Aber dieser Gott war weit weg. Er überließ allem Anschein nach die Welt anderen Mächten und Gewalten, anderen Gottheiten. Mit ihnen mußte man sich arrangieren. Der eine Gott war gut, aber doch fern. Er war nicht gefährlich, aber auch nicht hilfreich. So brauchte man sich mit ihm nicht zu beschäftigen. Er herrschte nicht. In der Aufklärung ist merkwürdigerweise dieser Gedanke zurückgekehrt. Man verstand noch, daß die Welt einen Schöpfer voraussetzt. Aber dieser Gott hatte die Welt gebaut und sich offensichtlich von ihr zurückgezogen. Nun hatte sie ihre Gesetzmäßigkeiten, nach denen sie ablief, in die Gott nicht eingriff, nicht eingreifen konnte. Gott war nur ein ferner Anfang. Viele wollten vielleicht auch gar nicht, daß Gott sich um sie kümmere. Sie wollten nicht gestört sein durch Gott. Wo aber Gottes Sorge und Liebe als Störung empfunden wird, da ist der Mensch verkehrt. Es ist schön und tröstlich zu wissen, daß ein Mensch mir gut ist und sich um mich kümmert. Aber noch viel entscheidender ist, daß es den Gott gibt, der mich kennt, mich liebt und sich um mich sorgt. „Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich“ (Joh 10,14), betet die Kirche vor dem Evangelium mit einem Wort des Herrn. Gott kennt mich, sorgt sich um mich. Dieser Gedanke sollte uns richtig froh werden lassen. Lassen wir ihn tief in uns eindringen. Dann begreifen wir auch, was es bedeutet: Gott will, daß wir als Priester seine Sorgen um die Menschen an einem kleinen Punkt der Geschichte mittragen. Wir wollen als Priester Mitsorgende mit seiner Sorge um die Menschen sein, sie dieses Sich-Kümmern Gottes praktisch erlebbar werden lassen. Und mit dem Herrn sollte der Priester für seinen ihm anvertrauten Bereich sagen können: „Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.“ „Kennen“ ist im Sinne der Heiligen Schrift nie bloß ein äußeres Wissen, wie man die Telefonnummer eines Menschen kennt. „Kennen“ heißt: dem anderen innerlich nah sein. Ihm gut sein. Wir sollten versuchen, die Menschen von Gott her und auf Gott hin zu „kennen“, mit ihnen den Weg der Freundschaft Gottes zu gehen.

Kehren wir zu unserem Psalm zurück. Da heißt es: „Er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen. Muß ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil – denn du bist bei mir. Dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht“ (23 [22], 3f). Der Hirte zeigt den ihm Anvertrauten den rechten Weg. Er geht voraus und führt sie. Sagen wir es anders: Der Herr zeigt uns, wie man das Menschsein richtig macht. Er zeigt uns die Kunst, ein Mensch zu sein. Was muß ich tun, damit ich nicht abstürze, im Sinnlosen mein Leben vertue? Das ist doch die Frage, die sich jeder Mensch stellen muß und die zu allen Zeiten des Lebens gilt. Und wieviel Dunkel gibt es zu dieser Frage in unserer Zeit! Immer wieder kommt uns das Wort Jesu in den Sinn, der Mitleid mit den Menschen hatte, weil sie wie Schafe ohne Hirten waren. Herr, hab Mitleid auch mit uns! Zeige uns den Weg! Aus dem Evangelium wissen wir es: Er selbst ist der Weg. Mit Christus leben, ihm nachgehen – das heißt: den richtigen Weg finden, damit unser Leben sinnvoll wird und damit wir einmal sagen können: Ja, es war gut zu leben. Israel war und ist Gott dankbar, daß er in den Geboten den Weg des Lebens gezeigt hat. Der große Psalm 119 (118) ist ein einziger Ausdruck der Freude darüber: Wir tappen nicht im Dunkeln. Gott hat uns gezeigt, was der Weg ist, wie wir recht gehen können. Was die Gebote sagen, ist im Leben Jesu zusammengefaßt und zu lebendiger Gestalt geworden. So erkennen wir, daß diese Weisungen Gottes nicht Fesseln sind, sondern Weg, den er uns zeigt. Wir dürfen ihrer froh sein, und wir dürfen uns freuen, daß sie in Christus als gelebte Wirklichkeit vor uns stehen. Er selbst hat uns froh gemacht. Im Mitgehen mit Christus geht uns die Freude der Offenbarung auf, und als Priester sollen wir den Menschen die Freude darüber schenken, daß uns der rechte Lebensweg gezeigt ist.

Da ist dann das Wort von der „finsteren Schlucht“, durch die der Herr den Menschen geleitet. Unser aller Weg führt uns einmal in die finstere Schlucht des Todes, in der uns niemand begleiten kann. Und ER ist da. Christus ist selbst in die finstere Nacht des Todes hinabgestiegen. Auch dort verläßt er uns nicht. Auch dort führt er uns. „Bette ich mich in der Unterwelt, du bist zugegen“, sagt der Psalm 139 (138). Ja, du bist zugegen auch in der letzten Not, und so kann unser Antwort-Psalm sagen: Auch dort, in finsterer Schlucht, fürchte ich kein Unheil. Bei der Rede von der finsteren Schlucht können wir aber auch an die dunklen Täler der Versuchung, der Mutlosigkeit, der Prüfung denken, die jeder Mensch durchschreiten muß. Auch in diesen finsteren Tälern des Lebens ist ER da. Ja, Herr, zeige mir in den Dunkelheiten der Versuchung, in den Stunden der Verfinsterung, in denen alle Lichter zu erlöschen scheinen, daß du da bist. Hilf uns Priestern, daß wir den uns anvertrauten Menschen in diesen dunklen Nächten beistehen können. Ihnen dein Licht zeigen dürfen.

„Dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht“: Der Hirte braucht den Stock gegen die wilden Tiere, die in die Herde einbrechen möchten; gegen die Räuber, die sich ihre Beute suchen. Neben dem Stock steht der Stab, der Halt schenkt und schwierige Passagen zu durchschreiten hilft. Beides gehört auch zum Dienst der Kirche, zum Dienst des Priesters. Auch die Kirche muß den Stock des Hirten gebrauchen, mit dem sie den Glauben schützt gegen die Verfälscher, gegen die Führungen, die Verführungen sind. Gerade der Gebrauch des Stockes kann ein Dienst der Liebe sein. Heute sehen wir es, daß es keine Liebe ist, wenn ein für das priesterliche Leben unwürdiges Verhalten geduldet wird. So ist es auch nicht Liebe, wenn man die Irrlehre, die Entstellung und Auflösung des Glaubens wuchern läßt, als ob wir den Glauben selbst erfänden. Als ob er nicht mehr Gottes Geschenk, die kostbare Perle wäre, die wir uns nicht nehmen lassen. Zugleich freilich muß der Stock immer wieder Stab des Hirten werden, der den Menschen hilft, auf schwierigen Wegen gehen zu können und dem Herrn nachzufolgen.

Am Ende des Psalms ist die Rede vom gedeckten Tisch, vom Öl, mit dem das Haupt gesalbt wird, vom übervollen Becher, vom Wohnen-Dürfen beim Herrn. Im Psalm ist das zunächst Ausblick auf die Festesfreude, mit Gott im Tempel zu sein, von ihm selbst bewirtet zu werden, bei ihm wohnen zu dürfen. Für uns, die wir den Psalm mit Christus und mit seinem Leib, der Kirche, beten, hat dieser Blick der Hoffnung noch eine größere Weite und Tiefe gewonnen. Wir sehen in diesen Worten gleichsam einen prophetischen Vorgriff auf das Geheimnis der Eucharistie, in der Gott selbst uns bewirtet und sich selbst als Speise für uns gibt – als jenes Brot und als jenen köstlichen Wein, der allein die letzte Antwort auf den innersten Hunger und Durst des Menschen sein kann. Wie sollten wir uns da nicht darüber freuen, daß wir täglich zu Gast an Gottes eigenem Tisch sein, bei ihm wohnen dürfen. Wie sollten wir uns nicht freuen, daß er uns aufgetragen hat: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Daß er uns schenkt, Gottes Tisch den Menschen zu decken; ihnen seinen Leib und sein Blut zu reichen, ihnen das kostbare Geschenk seiner eigenen Gegenwart zu geben. Ja, wir können mit ganzem Herzen die Wort des Psalms mitbeten: „Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang“ (23 [22], 6).

Am Ende werfen wir noch einen kurzen Blick auf die beiden Kommunionlieder, die uns die Kirche heute in ihrer Liturgie vorschlägt. Da ist zunächst das Wort, mit dem der heilige Johannes den Bericht von der Kreuzigung Jesu abschließt: „Ein Soldat stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floß Blut und Wasser heraus“ (Joh 19, 34). Das Herz Jesu wird von der Lanze durchbohrt. Es wird geöffnet, und es wird zur Quelle: Blut und Wasser, die herausströmen, verweisen auf die beiden Grundsakramente, von denen die Kirche lebt: Taufe und Eucharistie. Aus der geöffneten Seite des Herrn, aus seinem geöffneten Herzen entspringt der lebendige Quell, der die Jahrhunderte hindurch strömt und die Kirche schafft. Das offene Herz ist Quell eines neuen Lebensstroms; Johannes hat dabei gewiß auch an die Prophezeiung des Ezechiel gedacht, der aus dem neuen Tempel einen Strom hervorkommen sieht, der Fruchtbarkeit und Leben schenkt (Ez 47): Jesus selbst ist der neue Tempel, und sein offenes Herz ist die Quelle, aus der ein Strom neuen Lebens kommt, das sich uns in der Taufe und in der Eucharistie mitteilt.

Die Liturgie des Herz-Jesu-Festes sieht aber auch ein anderes verwandtes Wort aus dem Johannes-Evangelium als Kommunionvers vor: Wer Durst hat, komme zu mir. Es trinke, wer an mich glaubt. Die Schrift sagt: „Aus seinem Innern werden Ströme lebendigen Wassers fließen“ (Joh 7, 37f). Im Glauben trinken wir gleichsam aus dem lebendigen Wasser von Gottes Wort. Der Glaubende wird so selbst zu einer Quelle, schenkt dem dürstenden Land der Geschichte lebendiges Wasser. Wir sehen es an den Heiligen. Wir sehen es an Maria, die als die große Glaubende und Liebende alle Jahrhunderte hindurch zur Quelle von Glaube, Liebe und Leben geworden ist. Jeder Christ und jeder Priester sollten von Christus her Quelle werden, die anderen Leben mitteilt. Wir sollten einer dürstenden Welt Wasser des Lebens schenken. Herr, wir danken dir, daß du dein Herz für uns aufgetan hast. Daß du in deinem Tod und in deiner Auferstehung Quelle des Lebens wurdest. Laß uns lebende Menschen sein, von deiner Quelle lebend, und schenke uns, daß auch wir Quellen sein dürfen, die dieser unserer Zeit Wasser des Lebens zu schenken vermögen. Wir danken dir für die Gnade des priesterlichen Dienstes. Herr, segne uns und segne alle dürstenden und suchenden Menschen dieser Zeit. Amen.

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Quelle: Congregatio pro clericis – Weltgebetstag zur Heiligung der Priester

Zur Papstreise nach Albanien, Tirana, am 21.9.2014

Ein intensiver Tag in Tirana

Auch wenn sie nur einen Tag dauert – die Reise von Papst Franziskus nach Albanien am kommenden Sonntag wird seine erste offizielle Europareise sein, genauer: die erste ins nicht-italienische Europa. Geplant sind zwei Hauptakzente: die Ehrung der Märtyrer während des kommunistischen Regimes und, zweitens, der interreligiöse Dialog. Vatikansprecher Federico Lombardi erläuterte das Reiseprogramm am Montag vor Journalisten in Rom.

„Der atheistische Kommunismus hat die Katholiken einer furchtbaren Verfolgung ausgesetzt; Albanien sah sich selbst als erster atheistischer Staat der Welt, der Atheismus wurde sogar in der Verfassung festgeschrieben. Das ist ein erstes Motiv für die Reise. Das zweite hat der Papst selbst bei seiner Rückkehr von der Reise nach Korea (Mitte August) genannt: Es liegt ihm sehr am Herzen, zu einem Klima guten interreligiösen Zusammenlebens zu ermuntern. Die Koexistenz der verschiedenen Konfessionen und Religionen in Albanien soll eine Botschaft auch für andere Länder, für andere Teile der Welt sein.“

„Keine Drohungen oder spezifische Risiken“

Insgesamt sechs Ansprachen wird der Papst in der albanischen Hauptstadt Tirana halten – alle auf italienisch, wie Jesuitenpater Lombardi präzisierte. Höhepunkte des albanischen Sonntags werden die Messe im Stadtzentrum, ein interreligiöses Treffen an der Katholischen Universität und die Vesper in der Kathedrale; beim letztgenannten Termin werden auch einige Überlebende der kommunistischen Verfolgung das Wort ergreifen. Die Journalisten wollten vom Papstsprecher natürlich wissen, ob man im Vatikan fürchte, dass Islamisten ein Attentat auf Franziskus planen könnten.

„Wenn ihr mich fragt, ob es spezifische Drohungen oder Sorgen in dieser Hinsicht gibt, so dass besondere Vorkehrungen getroffen werden, dann sage ich: Nein! Es gibt keine Drohungen oder spezifische Risiken, die dazu führen würden, dass die Reise irgendwie anders organisiert würde. Nein. Wir fahren ganz ruhig, wir nutzen den Jeep vom Petersplatz für das Bad des Papstes in der Menge, und wir wissen ja, dass der Papst ohne Barrieren mit den Menschen zusammentreffen will.“

Zwei große Gestalten des katholischen Glaubens im letzten Jahrhundert werden am Sonntag sozusagen Pate stehen: Mutter Teresa nämlich, die ursprünglich aus Albanien stammte, und Johannes Paul II. Der polnische Papst hatte im April 1993, wenige Jahre nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft, als erster Nachfolger Petri Albanien besucht. Dabei mußte er die von den Kommunisten zerstörte katholische Hierarchie im Land wiederherstellen, er weihte auf seiner Reise vier albanische Bischöfe.

„Es ist der Mühe wert, sich an diese sehr emotionale Reise von damals zu erinnern: Alle, die damals mit dabei waren, werden sie nicht vergessen haben. Sehr starke Ansprachen – ich empfehle, sie noch einmal zu lesen, das ist nicht schwierig, denn so viele Reden waren das nicht. Am Nachmittag dachte Johannes Paul im Zentrum von Tirana über diese Erfahrung des Atheismus nach, der versucht hatte, Gott zu verneinen und den Menschen zu zerstören, und dass sich jetzt auf einmal eine neue Perspektive öffnete. Also, die Reise von Johannes Paul haben wir natürlich im Hinterkopf, während wir diese neue Reise von Papst Franziskus nach Albanien erleben.“

In der katholischen Universität von Tirana wird sich Franziskus mit Repräsentanten von sechs Glaubensgemeinschaften treffen. Neben der katholischen und der orthodoxen Kirche sind der sunnitische Islam und der dem Sufitum nahestehende Bektashi-Orden vertreten, der in Albanien viele Anhänger hat. Ausserdem werden an der Begegnung ein Protestant und ein Jude teilnehmen. Im Gefolge des Papstes reist auch der Präsident des päpstlichen Dialogrates, Kardinal Jean-Louis Tauran. Rund 60 Prozent der Albaner sind Muslime, jeder sechste gehört der katholischen Kirche an.

(rv/kap 16.09.2014 sk)


 

Johannes-Paul II. zu seinem Albanienbesuch von 1993:

Die Wiedergeburt Albaniens geschieht im Zeichen der Ökumene

Ansprache bei der Generalaudienz am 28. April 1993

1. „Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?“ (Mk 16,3).

Diese Worte der Frauen, die „am ersten Tag der Woche“ zum Grab Christi gingen, kommen uns in den Sinn, wenn wir die jüngste Vergangenheit des Landes betrachten, das ich am vergangenen Sonntag besuchen konnte. Jahrelang war Albanien der Inbegriff der schweren Unterdrückung, die von einem totalitären, atheistischen System ausgeübt wurde, in dem die Ablehnung Gottes die äußerste Grenze erreicht hatte. Das Recht auf Gewissens- und Religionsfreiheit war dort in brutalster Weise mit Füßen getreten worden: Die Todesstrafe drohte denjenigen, die lediglich die Taufe spendeten oder irgendwelche religiösen Handlungen vornahmen. Die Verfolgung wütete sowohl gegen Christen als auch gegen Muslime.

So war dieses Land dem Grab ähnlich geworden, in welches die Juden Christus eingeschlossen hatten, indem sie einen Stein vor den Eingang des Grabes wälzten.

2. Aber als nun die Frauen zum Grab kamen, „sahen sie, daß der Stein weggewälzt war“ (vgl. Lk 24,2). Auch für Albanien ist infolge der 1989 begonnenen Ereignisse der Stein vom Grab weggewälzt worden, und die Zeit der Wandlungen hat begonnen. Die Menschenrechte, einschließlich die auf Gewissens- und Religionsfreiheit, bilden jetzt das Fundament des Lebens der Gesellschaft. Unter diesen Umständen wurde die Anwesenheit des Papstes möglich, ja in gewisser Weise notwendig, besonders für die katholische Gemeinschaft. Dies geschah am vergangenen 25. April.

Ich bin den Gläubigen dieser leidenden Kirche, die mich bei sich haben wollten, sehr dankbar. Weiter danke ich dem Präsidenten der Republik, Sali Berisha, der mich eingeladen und mit großer Herzlichkeit und Freundlichkeit empfangen hat. Ich danke auch den staatlichen und militärischen Obrigkeiten und allen, die zu einem guten Gelingen des Besuchs beigetragen haben. Außerdem danke ich Erzbischof Anastas von der orthodoxen Kirche und dem Großmufti Sabri Koci von der islamischen Gemeinschaft, die mich mit ihrer Anwesenheit beehrten. Die geistige Wiedergeburt Albaniens geschieht im Zeichen des ökumenischen Dialogs und der interreligiösen Zusammenarbeit. Ist das nicht ein großes Zeichen der Hoffnung?

Das Christentum in Albanien reicht in die Zeit der Apostel zurück: Vielleicht hat der heilige Paulus selbst dieses Gebiet berührt, denn der Hafen von Durazzo war damals eine übliche, Anlegestelle auf dem Weg nach Rom. Es ist unmöglich, die verwickelten Wechselfälle der Geschichte des Landes bis heute kurz zusammenzufassen. Es genügt, an die ruhmvollen Taten des Nationalhelden Gjergj Kastriota Skenderbeu zu erinnern, der in seinem Wirken von den römischen Päpsten unterstützt wurde. Ihm gilt das Verdienst für die Verteidung im 15. Jahrhundert gegen die türkischen Angreifer. Ein besonderes Augenmerk für Albanien hatte dann im 18. Jahrhundert auch Papst Klemens XI., der aus diesem Land stammte.

Die endlich im Jahr 1912 errungene politische Unabhängigkeit bedeutete leider nicht das Ende der Schwierigkeiten. Seitdem hat Albanien weitere traurige Zeiten erlebt, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt erreichten, als eine grausame Diktatur die fundamentalsten Bürgerrechte blutig unterdrücken wollte und versuchte, den Namen Gottes selbst aus den Herzen der Glaubenden herauszureißen.

Ein vergeblicher Versuch, wie die Geschehnisse gezeigt haben: Denn auf die lange Nacht folgte endlich die Morgendämmerung eines neuen Tages. Die Kirche in Albanien erlebt jetzt ihren neuen Frühling.

3. Mein Besuch vom vergangenen Sonntag wollte dieses Ereignis bekräftigen durch die Weihe der neuen Bischöfe in der Kathedrale von Scutari, einer der erhabensten Kirchen des Balkans. In der Zeit der Diktatur war sie in eine Sporthalle verwandelt worden. Jetzt hat sie ihre ursprüngliche Schönheit wiedererlangt und ist zu einem Zeichen der Auferstehung Albaniens geworden.

Eine eine große Schar von Gläubigen folgte andächtig dem feierlichen Gottesdienst. Man spürte beinahe wie bei einem neuen Pfingsten den Atem des Geistes, der die neuen Würdenträger ins Kollegium der Nachfolger der Apostel eingegliedert hat. Einer der Neugeweihten, der Weihbischof von Scutari, Zef Simoni, war 1967 zu fünfzehn Jahren Gefängnis verurteilt worden. Im darauffolgenden Jahr ebenfalls am 25. April, vor genau, 25 Jahren, wurde das später in Zwangsarbeit umgewandelte Todesurteil über den gesprochen, der jetzt Erzbischof von Scutari ist: Frano Illia. Durch dieses Zusammentreffen der Daten wird die Erinnerung an die Ereignisse, die mit dem Leidensweg der albanischen Kirche verbunden sind, noch ergreifender. Die anderen neugeweihten, auch verdienstvollen Bischöfe sind der Erzbischof von Durazzu-Tirana, Rrok K. Mirdita, und der Bischof von Pulati, Robert Ashta.

Genazzano Madre del Buon Consiglio

4. Muß man in all dem nicht ein Zeichen für den Schutz der in Albanien so verehrten Mutter vom Guten Rat sehen? Ich fuhr am 22. April nach Genazzano bei Rom – wo auch Maria, die Mutter vom Guten Rat, verehrt wird -‚ um ihr meine apostolische Reise nach Albanien anzuempfehlen. Ein geistiges Band verbindet Genazzano mit Scutari, wo die gleichnamige Marienkirche im Laufe der Geschichte zweimal bis auf den Grund zerstört worden ist. Die letzte Zerstörung geht auf das Jahr 1967 zurück, während der Zeit der grausamen Diktatur, die jede religiöse Spur im Land auslöschen wollte. Auf den Trümmern dieses tragischen Versuchs wurde am vergangenen Sonntag nach dem Plan und der Fügung Gottes die bedeutungsvollen Zeichen der Weihe des neuen Erzbischofs und der Segnung des ersten Bausteins für die neue Wallfahrtskirche gesetzt, die das Gnadenbild der Mutter vom Guten Rat aufnehmen wird.

5. Den Besuch beendete abends in Tirana eine unvergeßliche Begegnung mit der Bevölkerung auf dem Platz, der nach dem Nationalhelden Gjergj Kastriota Skenderbeu benannt ist. Anwesend waren der Präsident der Republik, die staatlichen Obrigkeiten, die Vertreter der verschiedenen religiösen Bekenntnisse und viele Menschen. Nicht zu vergessen ist der wertvolle Beitrag, den der Apostolische Nuntius, Erzbischof Ivan Dias, zur Vorbereitung meines Besuchs geliefert hat. Ich danke ihm von Herzen und spreche auch den Priestern, den Ordensmännern und Ordensfrauen – unter ihnen besonders Mutter Teresa – meinen wärmsten Dank aus. Weiter danke ich den kirchlichen Organismen und Bewegungen, die aus anderen Nationen gekommen sind, um den Weg der albanischen Kirche zu unterstützen. Meine an die gesamte Nation gerichtete Abschiedsrede sollte eine Botschaft der Hoffnung und Ermutigung sein. Ich mahnte sie, die Leiden nicht so rasch zu vergessen, welche die Albanier in den vergangenen Jahrzehnten erduldet haben.

Ich habe das albanische Volk auf die Herausforderungen der Zukunft hingewiesen. Die wiedergefundene Religionsfreiheit wird gewiß der Sauerteig einer demokratischen Gesellschaft sein, wenn der Wert und die zentrale Rolle des Menschen anerkannt und alle Beziehungen auf sozialer, politischer und wirtschaftlicher Ebene in authentischer Solidarität gestaltet werden.

Außerdem habe ich die Hoffnung ausgesprochen, daß Albanien dank der Hilfe der internationalen Gemeinschaft die derzeitige schwere Krise überwinden möge. Helfen werden ihm der Sinn, für die Familie und Gastfreundschaft und vor allem sein Glaube. Eine große Stütze werden ihm sein das ständig zu erneuernde Einvernehmen zwischen Katholiken, Orthodoxen und Muslimen. Albanien hat Gott die Pforten geöffnet. Gott verläßt diejenigen nicht, die auf ihn vertrauen.

6. „Mußte nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?“ (Lk 24,26).

Diese Worte aus der Liturgie vom 3. Ostersonntag erinnern uns daran, daß die Geschichte des Menschen, die Geschichte der Völker und der Nationen, sogar die der traurigsten Zeitabschnitte, durch das Ostergeheimnis des Erlösers erhellt werden.

Für diese uns so liebe Nation sprechen wir den Wunsch aus: Christus gehe mit ihren Söhnen und Töchtern, wie es mit den Jüngern in Emmaus geschah: „Er lege ihnen die gesamte Schrift dar“; er öffne ihnen Herz und Augen für das Verständnis der Schrift“; „er gebe sich zu erkennen, wenn er das Brot bricht“ (vgl. Lk 24,27.35.45). Er helfe ihnen, eine neue Ordnung aufzubauen, gegründet auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe. Machen wir uns den österlichen Freudenruf zu eigen: „Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen“ (Lk 24,34).

„Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns an ihm freuen“ (Ps 118,24).

In deutscher Sprache sagte der Papst:

Indem ich Euch allen, liebe Schwestern und Brüder, das Schicksal der Kirchen, die einen neuen Anfang erleben dürfen und einen oft sehr mühsamen Wiederaufbau zu leisten haben, ans Herz legen möchte, richte ich einen besonderen Willkommensgruß an die Firmkandidaten der Pfarrei St. Marien in Wädenswil, an die Studenten des Ostkirchlichen Seminars in Regensburg und an die Läufer und ihre Begleiter des Staffellaufes Friedrichshafen – Vatikan; für Euren sportlichen Beitrag zur Verständigung unter den Menschen und Völkern Europas danke ich sehr.

Euch allen, Euren lieben Angehörigen in der Heimat sowie all jenen, die uns in diesem Augenblick geistlich verbunden sind, erteile ich von Herzen meinen Apostolischen Segen.

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Quelle: Kongregation für den Klerus (siehe auch: Homepage der Kongregation [deutsch])