Dinge bezüglich der heiligsten Eucharistie, die einzuhalten und zu vermeiden sind

Heilige-Messe_Aufopferung

KONGREGATION FÜR DEN GOTTESDIENST
UND DIE SAKRAMENTENORDNUNG

Vorstellung der Instruktion
„REDEMPTIONIS SACRAMENTUM“
(über einige Dinge bezüglich der heiligsten Eucharistie,
die einzuhalten und zu vermeiden sind)

1. Die Ursprünge der Instruktion

Es hilft zuallererst die Ursprünge dieser Instruktion zu betrachten. In der feierlichen Abendmahlsmesse des Gründonnerstags in St. Peter, am 17. April 2003, hat der Heilige Vater seine vierzehnte Enzyklika unterschrieben und sie anschließend der Kirche überreicht: Ecclesia de Eucharistia.

In diesem schönen Dokument sagt der Heilige Vater, Johannes Paul II., inter alia, daß die Heilige Eucharistie „im Mittelpunkt des kirchlichen Lebens“ steht (Nr. 3), sie „verbindet Himmel und Erde. Sie umfaßt und erfüllt alles Geschaffene“ (Nr. 8), und „sie ist das wertvollste Gut, das die Kirche auf ihrem Weg durch die Geschichte haben kann“ (Nr. 9).

Zur gleichen Zeit stellt er fest, daß es positive und negative Entwicklungen bei ihrer Feier und Verehrung seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gibt (Nr. 10), daß eine Anzahl von Mißbräuchen zur Quelle von Leiden für viele geworden ist und daß er daher die Pflicht verspürt „einen innigen Appel auszusprechen, daß die liturgischen Normen in der Eucharistiefeier mit großer Treue befolgt werden“ (Nr. 52). „Um diesen tiefen Sinn der liturgischen Normen zu bekräftigen“ so fährt der Heilige Vater fort, „habe ich die zuständigen Dikasterien der Römischen Kurie beauftragt, ein eigenes Dokument – auch mit Hinweisen rechtlicher Natur – zu diesem Thema von so großer Bedeutung vorzubereiten. Niemand darf das Mysterium unterbewerten, das unseren Händen anvertraut wurde: Es ist zu groß, als daß sich irgend jemand erlauben könnte, nach persönlichem Gutdünken damit umzugehen, ohne seinen sakralen Charakter und seine universale Dimension zu achten“ (Nr. 52).

Dies ist der Ursprung dieser Instruktion, welche die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung in enger Zusammenarbeit mit der Kongregation für die Glaubenslehre nun der Lateinischen Kirche anbietet.

2. Die Gründe für liturgische Normen

Einige werden sicherlich fragen, warum es überhaupt liturgische Normen gibt. Reichten Kreativität, Spontaneität, die Freiheit der Kinder Gottes und ein allgemein guter Sinn nicht aus? Warum sollte der Gottesdienst durch Rubriken und Regeln geregelt werden? Reicht es nicht aus, den Gläubigen die Schönheit und die Erhabenheit der Liturgie beizubringen?

Liturgische Normen sind notwendig, weil „vom mystischen Leib Jesu Christi, d.h. dem Haupt und den Gliedern, der gesamte öffentliche Kult vollzogen“ wird. „Infolgedessen ist jede liturgische Feier als Werk Christi, des Priesters, und seines Leibes, der die Kirche ist, in vorzüglichem Sinn heilige Handlung, deren Wirksamkeit kein anderes Tun der Kirche an Rang und Maß erreicht (Sacrosanctum Concilium, 7). Und der Höhepunkt der Liturgie ist die Feier der Eucharistie. Niemand sollte daher überrascht sein, wenn die Heilige Mutter Kirche im Verlauf der Zeit Worte und Handlungen und hiermit einhergehende Direktiven für den höchsten Handlungsakt des Gottesdienstes entwickelt hat. Normen für die Feier der Eucharistie sind gemacht, um das eucharistische Geheimnis auszudrücken und zu schützen, aber auch um auszudrücken, daß es die Kirche ist, die dieses erhabene Opfer und Sakrament feiert. So sagt es Papst Johannes Paul II.: Die Normen „sind ein konkreter Ausdruck der authentischen Kirchlichkeit der Eucharistie; das ist ihr tiefster Sinn. Die Liturgie ist niemals Privatbesitz von irgend jemandem, weder des Zelebranten selbst noch der Gemeinde, in der die Geheimnisse gefeiert werden“ (Ecclesia de Eucharistia, 52).

Daraus folgt, daß der „Priester, der die heilige Messe getreu nach den liturgischen Normen feiert, und die Gemeinde, die sich diesen Normen anpaßt, … schweigend und doch beredt ihre Liebe zur Kirche“ bekunden (ebd.).

Aber eine rein äußerliche Konformität ist nicht ausreichend. Glaube, Hoffnung und Liebe, die sich in Solidarität mit den Bedürftigen manifestiert, werden bei der Teilnahme an der Eucharistiefeier ebenfalls verlangt. Die Instruktion unterstreicht diese Dimension im Artikel 5: „Eine bloß äußerliche Beachtung der Normen widerspräche offensichtlich dem Wesen der heiligen Liturgie, in der Christus, der Herr, seine Kirche versammeln will, damit sie mit ihm «ein Leib und ein Geist» werde. Deshalb muß die äußere Handlung vom Glauben und von der Liebe erleuchtet sein, die uns mit Christus und untereinander verbinden und die Liebe zu den Armen und Notleidenden wecken.“

3. Ist es notwendig, den Mißbräuchen Aufmerksamkeit zu schenken?

Eine läufige Versuchung, der man widerstehen muß, ist die Meinung, daß es Zeitverschwendung ist, wenn man liturgischen Mißbräuchen Beachtung schenkt. Jemand schrieb, daß es Mißbräuche immer gab und geben wird und daß wir deshalb mit einer positiven liturgischen Ausbildung und Feier fortfahren sollten.

Dieser Einwand, der zum Teil wahr ist, kann aber auch in die falsche Richtung führen. Nicht alle Mißbräuche bezüglich der Heiligen Eucharistie haben das selbe Gewicht. Manche Mißbräuche drohen das Sakrament ungültig zu machen. Einige sind Manifestationen von Glaubensdefiziten in die Eucharistie. Andere tragen zu Verwirrung unter dem Gottesvolk und zu einer wachsenden Entsakralisierung der eucharistischen Feier bei. Diese Mißbräuche sind nicht banal.

Selbstverständlich ist liturgische Bildung für alle in der Kirche wichtig. „Darum ist es dringend notwendig“, sagt das Zweite Vatikanische Konzil, „daß für die liturgische Bildung des Klerus gründlich gesorgt wird“ (Sacrosanctum Concilium, 14). Aber es ist ebenfalls wahr, daß in „dem einen oder anderen Bereich der Kirche Mißbräuche“ vorkommen, „die zur Verdunkelung des rechten Glaubens und der katholischen Lehre über dieses wunderbare Sakrament beitragen (Ecclesia de Eucharistia, 10). „Die Mißbräuche haben ihre Wurzel nicht selten in einem falschen Begriff von Freiheit“ (Instruktion, 7). „Willkürliche Handlungen dienen nämlich nicht der wirksamen Erneuerung“ (Instruktion, 11), die das Zweite Vatikanische Konzil erhofft hatte. „Solche Mißbräuche haben mit dem wahren Geist des Konzils nichts gemein und müssen von den Hirten mit einer Haltung kluger Entschiedenheit korrigiert werden“ (Papst Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben zum 40. Jahrestag der Konstitution Sacrosanctum Concilium, Spiritus et Sponsa, 15).

In Bezug auf diejenigen, die liturgische Texte eigenmächtig abändern, ist mit den Worten der Instruktion festzustellen daß die „heilige Liturgie … engstens mit den Grundsätzen der Lehre verbunden“ ist. „Folglich führt der Gebrauch von nicht approbierten Texten und Riten dazu, daß das notwendige Band zwischen der lex orandi und der lex credendi geschwächt wird oder verloren geht“ (Instruktion, 10).

4. Überblick über die Instruktion

Die Instruktion hat ein Vorwort, acht Kapitel und einen Schluß.

Das erste Kapitel über die Regelung der heiligen Liturgie spricht über die Rolle des Apostolischen Stuhls, des Diözesanbischofs, der Bischofskonferenz, der Priester und der Diakone. Ich stelle die Rolle des Diözesanbischofs vor. Er ist der Hohepriester der Herde. Er ist es, der leitet, ermutigt, fördert und organisiert. Er kümmert sich um die sakrale Musik und Kunst. Er errichtet die nötigen Kommissionen für Liturgie, sakrale Musik und Kunst (Instruktion, 22, 25). Er sorgt für Abhilfe bei Mißbräuchen. Rekurse sind ihm oder seinen Mitarbeitern einzureichen, statt sie sofort dem Apostolischen Stuhl zuzustellen (Instruktion, 176-182, 184).

Priester und Diakone sollen ein feierliches Versprechen abgeben, daß sie ihren Dienst in Treue ausüben. Es wird von ihnen erwartet, daß sie ihre besondere Verantwortung wahrnehmen.

Das zweite Kapitel konzentriert sich auf die Teilnahme der christgläubigen Laien an der Eucharistiefeier. Die Taufe ist die Basis des allgemeinen Priestertums (Instruktion, 36, 37). Der geweihte Priester bleibt unaufgebbar für die christliche Gemeinschaft und die Rollen der Priester und Laien dürfen nicht miteinander vermischt werden (Instruktion, 42, 45). Laien haben ihre eigene Rolle. Die Instruktion legt Wert darauf, daß dies nicht heißt, daß alle etwas während der liturgischen Feier zu Tun haben. Dies ist vielmehr eine Frage, ob sich die Laien des großen Privilegs bewußt sind, daß Gott sie gerufen hat mit Geist und Herz sowie mit ihrem ganzen Leben an der Liturgie teilzunehmen, so daß sie durch diese Teilnahme die Gnade Gottes erhalten. Es ist wichtig dies ganz genau zu verstehen und nicht anzunehmen, daß diese Instruktion irgendwie gegen die Laien gerichtet sei.

Kapitel 3, 4 und 5 versuchen auf einige Fragen zu antworten, die des öfteren gestellt werden und einige bekannte Mißbräuche bezüglich der aktuellen Meßfeier anzusprechen. Des weiteren werden angesprochen: Unterscheidungskriterien, wer die Heilige Kommunion empfangen kann und wer sie nicht empfangen sollte, erforderte Sorgfalt bei der Spendung der Heiligen Kommunion unter beiderlei Gestalt, Fragen bezüglich der Heiligen Gewänder und Gefäße, Haltungen beim Empfang der Heiligen Kommunion und ähnliche Fragen.

Kapitel 6 bezieht sich auf die Verehrung der Heiligen Eucharistie außerhalb der Meßfeier. Es behandelt den nötigen Respekt dem Tabernakel gegenüber und die Praxis des Besuchs und der Anbetung des Allerheiligsten Sakraments, Fragen bezüglich Kapellen, die der ewigen Anbetung gewidmet sind, Eucharistische Prozessionen und Kongresse (Instruktion, 130, 135-136, 140, 142-145).

Kapitel 7 schenkt den außerordentlichen Aufgaben, die den Laien anvertraut werden, Aufmerksamkeit; solchen also wie denen der außerordentlichen Spender der heiligen Kommunion oder denen der Leiter von Gebetsgottesdiensten bei Abwesenheit des Priesters (Instruktion, 147- 169). Diese Rollen sind zu unterscheiden von denen, von denen in Kapitel 2 der Instruktion die Rede war. Dort wurde von der ordentlichen Teilnahme der Laien an der Liturgie und vor allem an der Eucharistiefeier gesprochen. Hier dagegen handelt es sich um die Frage, wozu Laien gerufen werden können, wenn nicht genügend Priester oder sogar Diakone zur Verfügung stehen. Der Heilige Stuhl hat dieser Frage beachtliche Aufmerksamkeit in den letzten Jahre gewidmet und diese Instruktion setzt dies fort, indem weitere Überlegungen für bestimmte Situationen hinzugefügt werden.

Das letzte Kapitel bezieht sich auf kanonische Abhilfen für Vergehen oder Mißbräuche gegen die Heilige Eucharistie. Die Hauptabhilfe ist auf lange Sicht eine geeignete Ausbildung sowie ein gesunder Glaube. Wenn aber Mißbräuche geschehen, hat die Kirche die Pflicht, diese in einer klaren und liebenden Weise anzusprechen.

5. Schluß

Mit Blick auf den Glaubensartikel, daß die Heilige Messe die sakramentale Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers ist (vgl. Konzil von Trient, DS 1740) und daß in dem Allerheiligsten Sakrament der Eucharistie „wahrhaft, wirklich und substanzhaft der Leib und das Blut zusammen mit der Seele und der Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und daher der ganze Christus“ (Konzil von Trient, DS 1651; vgl. KKK 1374) zugegen ist, ist verständlich, daß liturgische Normen bezüglich der Heiligen Eucharistie unsere Aufmerksamkeit bedürfen. Sie sind nicht peinlich genaue Rubriken, die von rein juristisch denkenden Leuten diktiert wurden.

„Die Heiligste Eucharistie enthält ja das Heilsgut der Kirche in seiner ganzen Fülle, Christus selbst, unser Osterlamm und das lebendige Brot“ (Presbyter Ordinis, 5). Priester und Bischöfe sind vor allem dazu geweiht, das eucharistische Opfer zu feiern und den Leib und das Blut Christi den Gläubigen zu reichen. Diakone und, auf ihre eigene Weise, Akolythen, andere Diener, Lektoren, Chöre und speziell beauftragte Laien sind gerufen, in definierten Funktionen zu assistieren. Sie alle sollten sich mit Glauben und Hingabe bemühen, ihre verschiedenen Dienste und Aufgaben zu erfüllen.

Die Instruktion schließt mit dem Wunsch der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, „daß auch durch die sorgfältige Anwendung der Vorschriften, die in dieser Instruktion in Erinnerung gerufen werden, die menschliche Schwachheit das Wirken des heiligsten Sakramentes der Eucharistie weniger behindere und nach der Beseitigung jeden Mißbrauchs und dem Aufhören jeder verwerflichen Gewohnheit die heilshafte Gegenwart Christi im Sakrament seines Leibes und Blutes aufgrund der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria, der «eucharistischen Frau», allen Menschen erstrahle“ (Instruktion, 185).

Francis. Kard. Arinze

23. April 2004

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Quelle

DIE RECHTE FEIER DER HEILIGEN MESSE

1. Die Materie der heiligsten Eucharistie

48. Das Brot, das für die Feier des hochheiligen eucharistischen Opfers verwendet wird, muß ungesäuert, aus reinem Weizenmehl bereitet und noch frisch sein, so daß keine Gefahr der Verderbnis besteht.[123] Daraus folgt, daß Brot, das aus einer anderen Substanz, wenn auch aus Getreide, bereitet ist, oder Brot, dem eine vom Weizen verschiedene Materie in so großer Menge beigemischt ist, daß es gemäß dem allgemeinen Empfinden nicht mehr als Weizenbrot bezeichnet werden kann, keine gültige Materie für den Vollzug des eucharistischen Opfers und Sakramentes darstellt.[124] Es ist ein schwerer Mißbrauch, bei der Zubereitung des für die Eucharistie bestimmten Brotes andere Substanzen, wie zum Beispiel Früchte, Zucker oder Honig, beizufügen. Es ist klar, daß die Hostien von Personen herzustellen sind, die sich nicht nur durch Rechtschaffenheit auszeichnen, sondern auch in der Zubereitung der Hostien erfahren und mit geeigneten Werkzeugen ausgerüstet sind.[125]

49. Es ist der Zeichenhaftigkeit angemessen, daß einige Teile des eucharistischen Brotes, die aus der Brechung hervorgehen, wenigstens einigen Gläubigen bei der Kommunion ausgeteilt werden. «Die kleinen Hostien sind jedoch keineswegs ausgeschlossen, falls die Zahl der Kommunikanten oder andere seelsorgliche Überlegungen sie erforderlich machen».[126] Ja, für gewöhnlich sollen weitgehend kleine Hostien verwendet werden, die keiner weiteren Brechung bedürfen.

50. Der Wein, der für die Feier des hochheiligen eucharistischen Opfers verwendet wird, muß naturrein, aus Weintrauben gewonnen und echt sein, er darf nicht verdorben und nicht mit anderen Substanzen vermischt sein.[127] Bei der Meßfeier muß ihm ein wenig Wasser beigemischt werden. Es ist sorgfältig darauf zu achten, daß der für die Eucharistie bestimmte Wein in einwandfreiem Zustand aufbewahrt und nicht zu Essig wird.[128] Es ist streng verboten, Wein zu benützen, über dessen Echtheit und Herkunft Zweifel bestehen: Denn bezüglich der notwendigen Bedingungen für die Gültigkeit der Sakramente fordert die Kirche Gewißheit. Es darf kein Vorwand zugunsten anderer Getränke jedweder Art zugelassen werden, die keine gültige Materie darstellen.

2. Das eucharistische Hochgebet

51. Nur jene eucharistischen Hochgebete dürfen verwendet werden, die im Römischen Meßbuch stehen oder rechtmäßig vom Apostolischen Stuhl approbiert worden sind, und zwar gemäß den Möglichkeiten und Grenzen, die der Apostolische Stuhl festgelegt hat. «Man kann es nicht hinnehmen, daß einige Priester sich das Recht anmaßen, eucharistische Hochgebete zusammenzustellen»[129] oder die von der Kirche approbierten Texte zu ändern oder andere von Privatpersonen verfaßte Hochgebete zu verwenden.[130]

52. Das Sprechen des eucharistischen Hochgebetes, das von seinem Wesen her gleichsam den Höhepunkt der ganzen Feier bildet, ist dem Priester kraft seiner Weihe eigen. Daher ist es ein Mißbrauch, wenn einige Teile des eucharistischen Hochgebetes von einem Diakon, einem dienenden Laien, einem einzelnen oder allen Gläubigen zusammen vorgetragen werden. Das eucharistische Hochgebet muß zur Gänze vom Priester allein gesprochen werden.[131]

53. Während der zelebrierende Priester das eucharistische Hochgebet spricht, «soll gleichzeitig nichts anderes gebetet oder gesungen werden; auch Orgel und andere Musikinstrumente sollen schweigen»,[132] außer zu den pflichtgemäß approbierten Akklamationen des Volkes, über die weiter unten gesprochen wird.

54. Das Volk nimmt dennoch immer aktiv und nie rein passiv teil: Es soll sich mit dem Priester vereinen «im Glauben und in Stille wie auch durch die im Laufe des eucharistischen Hochgebetes festgesetzten Einschübe, das sind die Antworten im Eröffnungsdialog der Präfation, das Sanctus, die Akklamation nach der Wandlung und die Akklamation des Amen nach der Schlußdoxologie sowie andere von der Bischofskonferenz approbierte und vom Heiligen Stuhl rekognoszierte Akklamationen».[133]

55. An einigen Orten hat sich der Mißbrauch verbreitet, daß der Priester bei der Feier der heiligen Messe die Hostie während der Wandlung bricht. Dieser Mißbrauch widerspricht der Tradition der Kirche. Er ist zu verwerfen und dringend zu korrigieren.

56. Die Erwähnung des Namens des Papstes und des Diözesanbischofs im eucharistischen Hochgebet darf nicht weggelassen werden, damit eine ganz alte Tradition bewahrt und die kirchliche Gemeinschaft zum Ausdruck gebracht wird. Denn «die kirchliche Gemeinschaft der eucharistischen Versammlung ist Gemeinschaft mit dem eigenen Bischof und mit dem Papst».[134]

3. Die übrigen Teile der Messe

57. Die Versammlung der Christgläubigen hat das Recht, daß vor allem bei der sonntäglichen Feier in der Regel eine geeignete und echte sakrale Musik und immer ein Altar, Paramente und sakrale Tücher da sind, die entsprechend den Normen in Würde, Schönheit und Sauberkeit erstrahlen sollen.

58. Alle Christgläubigen haben gleichermaßen das Recht, daß die Feier der Eucharistie in allen ihren Teilen gewissenhaft vorbereitet wird, so daß in ihr das Wort Gottes würdig und kraftvoll verkündet und ausgelegt, die Befugnis zur Auswahl der liturgischen Texte und Riten gemäß den Normen sorgfältig wahrgenommen und ihr Glaube durch die Texte der Gesänge bei der Feier der Liturgie gebührend geschützt und genährt wird.

59. Aufhören muß die verwerfliche Gewohnheit, daß Priester, Diakone oder Christgläubige hier und da Texte der heiligen Liturgie, die ihnen zum Vortragen anvertraut sind, nach eigenem Gutdünken ändern oder entstellen. Wenn sie dies tun, nehmen sie der Feier der Liturgie ihre Festigkeit und verfälschen nicht selten den authentischen Sinn der Liturgie.

60. In der Meßfeier sind Wortgottesdienst und Eucharistiefeier eng miteinander verbunden, sie bilden eine einzige Kulthandlung. Deswegen ist es nicht erlaubt, die beiden Teile voneinander zu trennen oder sie zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten zu feiern.[135] Es ist auch nicht gestattet, daß einzelne Teile der heiligen Messe zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein und desselben Tages vollzogen werden.

61. Bei der Auswahl der biblischen Lesungen, die in der Meßfeier vorzutragen sind, müssen die Normen befolgt werden, die sich in den liturgischen Büchern finden,[136] damit «den Gläubigen der Tisch des Gotteswortes reicher bereitet» und «die Schatzkammer der Bibel weiter aufgetan»[137]werde.

62. Es ist nicht erlaubt, die vorgeschriebenen biblischen Lesungen aus eigenem Gutdünken wegzulassen oder zu ersetzen oder gar «die Lesungen und den Antwortpsalm, die das Wort Gottes enthalten, mit anderen nichtbiblischen Texten»[138] auszutauschen.

63. Die Lesung des Evangeliums, die «den Höhepunkt des Wortgottesdienstes bildet»,[139] ist gemäß der Tradition der Kirche in der Feier der heiligen Liturgie dem geweihten Amtsträger vorbehalten.[140] Daher ist es einem Laien, auch einem Ordenschristen, nicht gestattet, das Evangelium während der Feier der heiligen Messe zu verkünden, auch nicht in den anderen Fällen, in denen die Normen es nicht ausdrücklich erlauben.[141]

64. Die Homilie, die während der Feier der heiligen Messe gehalten wird und Teil der Liturgie selbst ist,[142] «wird in der Regel vom zelebrierenden Priester gehalten oder von ihm einem konzelebrierenden Priester oder manchmal, wenn dies angebracht erscheint, auch einem Diakon übertragen, niemals aber einem Laien.[143] In besonderen Fällen kann die Homilie aus einem gerechten Grund auch von einem Bischof oder einem Priester gehalten werden, der an der Feier teilnimmt, ohne konzelebrieren zu können».[144]

65. Es muß daran erinnert werden, daß jedwede frühere Norm, die nichtgeweihten Gläubigen die Homilie innerhalb der Meßfeier gestattet hatte, aufgrund der Vorschrift von can. 767 § 1 als aufgehoben anzusehen ist.[145] Diese Praxis ist verworfen und kann deshalb nicht aufgrund irgendeiner Gewohnheit gestattet werden.

66. Das Verbot der Zulassung von Laien zur Predigt innerhalb der Meßfeier gilt auch für die Alumnen der Seminare, für Studenten der theologischen Disziplinen und für jene, die als sogenannte «Pastoralassistenten» eingesetzt sind, sowie für jedwede Art, Gruppe, Gemeinschaft oder Vereinigung von Laien.[146]

67. Man muß besonders dafür Sorge tragen, daß die Homilie streng auf die Heilsmysterien Bezug nimmt, während des liturgischen Jahres die Geheimnisse des Glaubens und die Grundsätze des christlichen Lebens aus den biblischen Lesungen und den liturgischen Texten darlegt und die Texte des Ordinarium und des Proprium der Messe oder eines anderen Ritus der Kirche erklärt.[147]Es ist klar, daß alle Auslegungen der Heiligen Schrift auf Christus als dem höchsten Angelpunkt der Heilsökonomie bezogen werden müssen; dabei soll aber auch der besondere Kontext der liturgischen Feier beachtet werden. In der Homilie ist dafür Sorge zu tragen, daß das Licht Christi auf die Ereignisse des Lebens strahle. Dies soll aber in der Weise geschehen, daß der authentische und wahre Sinn des Wortes Gottes nicht entleert wird, indem zum Beispiel nur über Themen des politischen oder weltlichen Lebens gesprochen oder aus Kenntnissen wie aus einer Quelle geschöpft wird, die von pseudoreligiösen Bewegungen unserer Zeit herkommen.[148]

68. Der Diözesanbischof soll gewissenhaft über die Homilie wachen,[149] auch indem er unter den geistlichen Amtsträgern Normen, Hinweise und Arbeitshilfen verbreitet und Zusammenkünfte und andere Initiativen fördert, damit sie oft Gelegenheit haben, sich näher mit der Eigenart der Homilie zu befassen und Hilfe für ihre Vorbereitung finden.

69. Bei der heiligen Messe sowie bei anderen Feiern der heiligen Liturgie darf kein Glaubensbekenntnis zugelassen werden, das nicht in den rechtmäßig approbierten liturgischen Büchern enthalten ist.

70. Die Opfergaben, welche die Christgläubigen in der heiligen Messe für die eucharistische Liturgie darzubringen pflegen, beschränken sich nicht zwingend auf Brot und Wein zur Feier der Eucharistie, sondern können auch andere Gaben umfassen, die von den Gläubigen in Form von Geld oder anderen nützlichen Gütern aus Liebe zu den Armen gegeben werden. Die äußeren Gaben müssen aber immer sichtbarer Ausdruck jener wahren Hingabe sein, die der Herr von uns erwartet, nämlich eines reumütigen Herzens und der Liebe zu Gott und dem Nächsten; dadurch werden wir dem Opfer Christi gleichgestaltet, der sich selbst für uns hingegeben hat. In der Eucharistie leuchtet nämlich in höchstem Maß jenes Mysterium der Liebe auf, das Jesus Christus während des Letzten Abendmahles offenbarte, als er den Jüngern die Füße gewachsen hat. Um die Würde der heiligen Liturgie zu wahren, sollen die äußeren Opfergaben jedoch auf geeignete Weise dargebracht werden. Geld wie auch andere Gaben für die Armen sind an einem geeigneten Ort, nicht aber am Altar, niederzugelegen.[150] Mit Ausnahme des Geldes und gegebenenfalls – wegen des Zeichencharakters – eines kleinen Teiles der anderen Gaben, ist es vorzuziehen, wenn solche Opfergaben außerhalb der Meßfeier gegeben werden.

71. Der Brauch des römischen Ritus, sich kurz vor der heiligen Kommunion den Friedensgruß zu geben, soll bewahrt werden, wie er im Ordo der Messe festgesetzt ist. Gemäß der Tradition des römischen Ritus hat dieser Brauch nicht den Charakter der Versöhnung oder der Sündenvergebung, er ist vielmehr Ausdruck des Friedens, der Gemeinschaft und der Liebe vor dem Empfang der heiligsten Eucharistie.[151] Dagegen hat der Bußakt, der am Beginn der Messe zu vollziehen ist, besonders in seiner ersten Form, den Charakter der brüderlichen Versöhnung.

72. Es ist angebracht, «daß jeder in schlichter Weise nur seinen Nachbarn den Friedensgruß gibt». «Der Priester kann den Friedensgruß den Dienern geben, bleibt aber immer innerhalb des Presbyteriums, um die Feier nicht zu stören. Dies soll er auch beachten, wenn er aus einem gerechten Grund einigen wenigen Gläubigen den Friedensgruß entbieten will». «Die Art des Friedensgrußes soll von den Bischofskonferenzen», deren Beschluß vom Apostolischen Stuhl rekognosziert werden muß, «entsprechend der Eigenart und den Bräuchen der Völker bestimmt werden».[152]

73. In der Feier der heiligen Messe beginnt die Brechung des eucharistischen Brotes, die nur vom zelebrierenden Priester und gegebenenfalls unter Mithilfe eines Diakons oder eines Konzelebranten, nicht aber eines Laien zu vollziehen ist, nach dem Ende des Friedensgrußes, während das Agnus Dei vorgetragen wird. Die Geste des Brotbrechens wurde nämlich «von Christus beim Letzten Abendmahl vollzogen, gab seit apostolischer Zeit der ganzen Eucharistiefeier den Namen und zeigt, daß die vielen Gläubigen in der Kommunion aus dem einen Brot des Lebens, das Christus ist, der für das Heil der Welt gestorben und auferstanden ist, zu einem Leib werden (1 Kor 10, 17)».[153]Deshalb muß der Ritus mit großer Ehrfurcht vollzogen werden.[154] Er soll aber kurz sein. Dringend zu korrigieren ist der mancherorts verbreitete Mißbrauch, diesen Ritus ohne Notwendigkeit auszudehnen, auch unter Mitwirkung von Laien im Widerspruch zu den Normen, und ihm eine übertriebene Bedeutung beizumessen.[155]

74. Falls es nötig ist, daß von einem Laien in der Kirche vor den versammelten Christgläubigen Unterweisungen oder ein Zeugnis über das christliche Leben gegeben werden, ist allgemein vorzuziehen, daß dies außerhalb der Messe geschieht. Aus schwerwiegenden Gründen ist es aber erlaubt, solche Unterweisungen oder Zeugnisse zu geben, nachdem der Priester das Schlußgebet gesprochen hat. Dieser Brauch darf jedoch nicht zur Gewohnheit werden. Im Übrigen sollen diese Unterweisungen und Zeugnisse keine Merkmale aufweisen, die zu Verwechslungen mit der Homilie führen könnten,[156] und es ist nicht gestattet, ihretwegen die Homilie ganz zu unterlassen.

4. Die Verbindung verschiedener Riten mit der Messfeier

75. Wegen des theologischen Sinns, welcher der Eucharistiefeier oder einem bestimmten Ritus eigen ist, verordnen oder erlauben die liturgischen Bücher bisweilen, die Feier der heiligen Messe mit einem anderen Ritus, vor allem der Sakramente, zu verbinden.[157] In anderen Fällen läßt die Kirche eine solche Verbindung jedoch nicht zu, besonders wo es sich um Umstände handelt, die einen eher oberflächlichen und unnützen Charakter haben.

76. Außerdem ist es nach ältester Tradition der römischen Kirche nicht erlaubt, das Bußsakrament mit der heiligen Messe so zu verbinden, daß sie zu einer einzigen liturgischen Handlung werden. Dies hindert aber nicht daran, daß die Priester mit Ausnahme jener, die die heilige Messe zelebrieren oder konzelebrieren, die Beichten der Gläubigen hören, die dies wünschen, auch wenn am gleichen Ort die Messe gefeiert wird, um so den Bedürfnissen dieser Gläubigen entgegenzukommen.[158]Dies soll aber in passender Weise geschehen.

77. Die Feier der heiligen Messe darf in keiner Weise in den Kontext eines gemeinsamen Mahles eingefügt oder mit einem solchen Mahl in Beziehung gebracht werden. Von einer schweren Notlage abgesehen, darf die Messe nicht an einem Eßtisch[159] oder in einem Speisesaal oder an einem Ort, an dem die Mahlzeiten eingenommen werden, und auch nicht in einem Raum, in dem sich Speisen befinden, gefeiert werden. Diejenigen, die an einer Messe teilnehmen, dürfen während der Feier nicht an Tischen sitzen. Wenn die Messe aufgrund einer schweren Notlage am gleichen Ort gefeiert werden muß, wo nachher die Mahlzeit eingenommen wird, soll zwischen dem Abschluß der Messe und dem Beginn des Mahles ein deutlicher zeitlicher Abstand eingeschoben werden; während der Meßfeier darf die gewöhnliche Speise für die Gläubigen nicht sichtbar sein.

78. Es ist nicht erlaubt, die Meßfeier mit politischen oder weltlichen Ereignissen oder mit Umständen in Verbindung zu bringen, die dem Lehramt der katholischen Kirche nicht voll entsprechen. Damit die authentische Bedeutung der Eucharistie nicht entleert wird, muß gänzlich vermieden werden, daß die Meßfeier aus bloßer Prunksucht begangen oder im Stil anderer Zeremonien, auch profaner Art, vollzogen wird.

79. Schließlich ist der Mißbrauch streng zu verurteilen, in die Feier der heiligen Messe Elemente einzufügen, die entgegen den Vorschriften der liturgischen Bücher Riten anderer Religionen entnommen sind.

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Quelle: Instruktion „Redemptionis sacramentum“