Ein Zeitungsartikel vom Oktober 1917 mit Augenzeugenberichten über das Sonnen-Wunder in Fatima, das größte Wunder der modernen Zeit!

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Maria, der Tabernakel des Allerhöchsten

Vorbemerkung der Redaktion [DZM – P.O. Schenker]: Zu den im Folgenden (erstmals) veröf­fentlichten «Botschaften der Mutter Gottes an Sr. Reinolda» erhiel­ten wir aus Südafrika von einem Missionspriester folgende erläu­ternde Hinweise.- «Ich schicke Ihnen eine Kopie der Botschaft Mariens von Ngome an Sr. Reinolda sel. (gest. 1981), die auf der Mis­sionsstation in Nongoma (nicht Ngome) stationiert war und dort die Botschaft erhielt. Ngome kannte sie eigentlich ja nur dem Namen nach als Landschaft wie irgendein anderes Gebiet ohne Beziehung zu ihm. – Ich zweifle für mich keinen Augenblick an der Tatsache. Es sind zuviele auffällige außerordentliche übernatürliche und plötzli­che Erhörungen da. Vor ca. 2 Monaten z.B., nachdem ich Ihnen geschrieben hatte, sollte eine Schwester operiert werden gemäß dem Röntgenbefund. Es wurde fest zur Gottesmutter, «Tabernakel des Allerhöchsten» gebetet; über Nacht war alles verschwunden. Der Doktor, nicht wissend, was geschehen war, wollte operieren, öffnete, und fand zu seinem Erstaunen nichts Krankes mehr und nähte den Schnitt wieder zu. Die Schwester war geheilt. Es bestätigt sich immer wieder, was die Gottesmutter denen versprochen hat, die auf ihre Hilfe bauen und auf sie hören. – In der 9. Botschaft findet sich auch noch eine interessante Stelle. «Schau dorthin». Dort stand St. Michael im Panzer, mit Schwert in der Hand; zu seiner Rechten stand ein Cherubim in anbetender Haltung. «Sie können selber sehen, was alles in dieser, wenn auch kurzen, Botschaft drinnen enthalten ist: eine große Aufforderung für unsere Zeit. Aber man geht eben heute leicht darüber hinweg. Man will nicht gern Botschaften hören, noch weniger annehmen und ausführen…»

BOTSCHAFT MARIENS, der MUTTER GOTTES, an Sr. Reinolda, Nongoma

1. Begegnung: 22. August 1955

Kurz nach Empfang der heiligen Kommunion stand Maria in unmittel­barer Nähe vor mir. Sie zeigte sich in wunderbarem Licht, schöner als die Sonne. Sie stand auf einer Kugel, ganz in Weiß gekleidet, mit wallendem Schleier vom Scheitel bis zur Kugel. Auf der Brust ruhte eine große Hostie, umgeben von einem Strahlenkreuz, Leben aus­strahlend. Hände und Füße habe ich nicht gesehen.

Maria sprach folgendes:

  1. Nenne mich Tabernakel des Aller­höchsten. Auch du bist ein solcher Tabernakel; glaube es.
  1. Ich wünsche, dass man mich unter diesem Titel anruft zur Verherrli­chung meines Sohnes.
  1. Ich wünsche, dass man mir mehr sol­cher Tabernakel bereite.
  1. Ich wünsche, dass die Altäre in den Kirchen mehr umlagert sind vom betenden Volk.
  1. Fürchte dich nicht, offenbare es.»
    Frage: Wem?
    Antwort: «Fürchte dich nicht, offen­bare es deinem Priester.

2. Begegnung: 21. Oktober 1955

3. Begegnung: 22. Oktober 1955

Beide male zeigte sich Maria wieder auf die gleiche Weise, die gleiche lebendige Monstranz. Sie wiederholte die gleichen Bitten, fügte aber noch hinzu: «Offen­bare es der ganzen Welt. Fürchte dich nicht. Du bist das Werkzeug Gottes.» Dann ging Christus als Gottmensch aus dieser Hostie hervor. Ich war eins mit Ihm.

4. Begegnung: 15. März 1955

Nach der Messe stand Maria vor mir, sehr ernst. (Immer die gleiche Gestalt) Sie sprach: «Kind, ich weiß um deine Not.» Sie beugte sich über mich und zog mich an sich. «Du wünschest ein Zei­chen?»

Erwiderung: Nicht für mich, sondern für die anderen, damit sie es glauben, man glaubt mir nicht. Maria: «Ich will, dass man mir ein Hei­ligtum errichte an dem Platz, wo sieben Quellen sich treffen. Dort lasse ich meine Gnaden reichlich fließen. Viele Menschen werden sich zu Gott bekeh­ren.»

Als ich dann fragte: Wo ist der Platz? ging ihre linke Hand von der Hostie aus ganz majestätisch nach oben und zeigte eine bestimmte Richtung. Damit war ich sehr glücklich und hatte eine gewisse Sicherheit.

Maria sprach weiter: «Fürchte dich nicht, offenbare es. Es ist mein Werk. Ich sehe dich wieder.»

5. Begegnung: Herz-Jesu-Fest 1956

Bei der Aussetzung nahte sich mir Maria vom Altar aus als lebendige Mon­stranz. Sie sprach nicht.

6. Begegnung: 15. März 1957

«Ich komme, um dich zu stärken. Ich bediene mich deines Nichts. Sei ganz Demut.» (Pause)

Sie zog mich an sich und sprach: «Ich suche die Welt zu retten durch die Hostie, meine Frucht. Ich bin ganz eins mit der Hostie, so wie ich eins war mit Ihm unter dem Kreuz. Furchtbares steht euch bevor, wenn ihr euch nicht bekehrt.»

Frage: Meinst Du die Ordensleute? Antwort.- «Ja, wenn ihr euch nicht bekehrt, wenn die ganze Welt sich nicht bekehrt.»

Ich: «Mutter, gib mir ein Zeichen. Man glaubt es mir nicht.» Maria: «Sei du ganz Liebe und Bereitschaft. Alle Menschen, die diese meine Worte hören und glauben, werden ein Zeichen von mir erhalten. Offenbare alle diese meine Worte. Fürchte dich nicht.»

7. Begegnung: 24. Mai 1957

Ich war schon an der Kommunionbank und hörte deutlich folgende Worte: «Verzage nicht; das Weggehen beschleu­nigt den Sieg; er wird glauben. Ich ma­che ihn zu meinem Werkzeug.» NB. Zwei Personen sind weggegangen.

8. Begegnung: 17. April 1958 (6 p.m.)

Wie ein Befehl: «Geh an deinen Platz.» «Beeilet euch; die Stunde ist vorgerückt. Mit Gewalt muß ich die Ströme der Gnaden zurückhalten, weil ihr euch nicht bemüht, mir behilflich zu sein. Ich verlange nach Hilfe von euch, meinen Auserwählten.»

Frage: «Was sollen wir tun?» fragte ich. Antwort: «Seid Hostien! Bereitet mir Hostien, die sich mir ganz zur Verfü­gung stellen. Nur das Flammenmeer der Hostien kann den Haß der gottlosen Welt und die zürnende Hand des Vaters noch zurückdrängen. Werde du nicht müde. Ich finde Trost, mich dir zu of­fenbaren. Ich werde dich nie verlassen. Frage: «Mutter, wo ist der Platz der Quellen?»

Antwort: «Auf eurem Besitz auf dem Berge. (Mit einer Handbewegung zum zweitenmal die Richtung zeigend) Fürchte dich nicht, beeile dich, es zu of­fenbaren.»

9. Begegnung mit Maria nach lager Zeit: 26. Mai 1970

Ich wurde aufgeweckt vom Schlaf. Es war alles Licht. Wer stand an meiner Seite? Maria, der Tabernakel des Aller­höchsten. Sie nahm mich in ihre Arme, tröstete mich und sagte: «Ich weiß um deine Not. Ich bin dir zur Seite. Ich ver­lasse dich nicht. Ich führe meine Sache zum Sieg.»

Ehe Sie mich verließ, sagte Sie: «Schau zur anderen Seite.» Dort stand St.Michael im Panzer und die Lanze in den Händen. Zu seiner Rechten stand ein Cherubim ganz in Weiß, die Hände über die Brust gekreuzt. Nach 1-2 Mi­nuten verschwanden sie. Alles Licht war weg. Welch ein Trost für mich!

Dieses Bild ist eine Darstellung der Ib. ‚Gottesmutter, wie Sie Sr. Reinolda 1955 er­schienen sein soll unter dem Titel «Tabernakel des Allerhöchsten».

Quelle: DZM [Das Zeichen Mariens] 20/1 Mai 1986

Siehe auch:

Die Jungfrau Maria erscheint +500’000 Menschen in Ägypten

 

Als die Gottesmutter in Zeitoun erschien…

1968 erschien die Gottesmutter Maria in Ägypten. Nicht nur Christen sahen die Erscheinung, sondern auch Muslime – Leseprobe aus dem Buch „Jesus in Ägypten. Das Geheimnis der Kopten“ von Michael Hesemann

München (kath.net) Zeitoun/Kairo, 2.4.1968: Ein muslimischer Wachmann, der in der Busgarage der Staatlichen Verkehrsgesellschaft in der Toman-Bey-Straße arbeitete, war der erste, der sie sah. Das war abends gegen 20.30 Uhr, die Sonne war gerade untergegangen und die nächtliche Dunkelheit breitete sich aus, während in der Straße schon die orangeglühende Straßenbeleuchtung flackerte. Doch Abdel Aziz Ali zog etwas in seinen Bann, das es eigentlich nicht geben dürfte. Auf dem Dach der gegenüberliegenden koptischen Marienkirche stand eine leuchtende Frau. „Schaut mal das Licht da auf der Kirche!“, rief er den Mechanikern des Betriebes zu, dann sahen auch sie es. Das „Licht“ hatte die Gestalt eines schmalen, jungen Mädchens, das, ganz in weiß gekleidet, neben dem Kreuz auf der mittleren, größten Kuppel des vanillefarbenen Gotteshauses kniete. Dort, wo es steil und eigentlich lebensgefährlich war.

„Seien Sie vorsichtig!“, rief einer der Mechaniker der vermeintlichen Selbstmörderin zu. Ein anderer telefonierte mit der Polizei, die bald darauf eintraf. Längst hatte sich eine Traube von Schaulustigen gebildet, die von der Strasse aus ebenfalls die „Selbstmörderin“ gesehen hatten und jetzt abwarten wollten, was weiter geschehen würde.

„Die Gestalt des Mädchens wurde immer klarer“, berichtete später einer von ihnen, der koptische Bäcker Ibrahim Yussuf, „allmählich erkannte man deutlich eine junge, schöne Frau, die ein schimmerndes Kleid aus weißem Licht trug und in den Händen einen grünen Olivenzweig hielt. Plötzlich erschien eine ganze Formation bemerkenswert weiß leuchtender Tauben über ihrem Kopf. In diesem Augenblick war uns klar, dass es keine Selbstmörderin sein konnte, dass es eine himmlische Erscheinung war!“

Um sicher zu sein, richtete die Polizei ihre Scheinwerfer auf sie. Doch die zusätzliche Beleuchtung ließ die Frau nur noch heller strahlen. Jemand stellte die Straßenbeleuchtung ab, doch das änderte nichts an der Leuchtkraft der hellen Gestalt, die plötzlich aufstand und umher ging. Dabei war sie von einem Lichtschein umgeben, der von ihr auszugehen schien.

In diesem Augenblick zerriss ein Schrei das andächtige Murmeln, das bislang die Erscheinung begleitet hatte: „Das ist kein Mensch. Das ist die Jungfrau Maria, die Mutter des Lichtes!“ Mit einem Mal ertoste donnernder Applaus, während Stimmen zum Gesang ansetzten, die ersten Kirchenlieder ertönten. Sie rühmten Gott, der es seiner Mutter gestattet hatte, nach fast 2000 Jahren wieder nach Ägypten zurückzukehren. Bis nach Mitternacht dauerte die Erscheinung an, dann verschwand sie urplötzlich.

Doch die Madonna kam wieder. Gleich in der nächsten Nacht und an vielen weiteren Tagen, ein Jahre lang, danach sporadisch, bis zu ihrer letzten Erscheinung am 29. Mai 1971. Mal war sie allein, mal in Begleitung leuchtender Tauben, die sie umkreisten, auf die Kuppel der Kirche zurasten und urplötzlich verschwanden oder am Himmel Formationen in Kreuzform bildeten. Einige Male war die Kuppel der Kirche in süß duftenden Weihrauch gehüllt. Nicht selten sandte die heilige Jungfrau Lichtwellen aus, die alle Anwesenden erfassten. Die längste Erscheinung, zu der es am 30. April 1968 kam, dauerte über zwei Stunden, nämlich von 2.45 bis 5.00 Uhr früh. Hunderttausende, nach offiziellen Schätzungen bis zu einer Million Menschen, sahen die Frau aus Licht in Zeitoun: Christen wie Moslems, Ägypter ebenso wie Amerikaner und Europäer.

Foto der Erscheinung von Zeitoun, aufgenommen von dem Moslem Ali Ibrahim, einem Direktor des Ägyptischen Museums in Kairo.

Nachdem die ersten Zeitungen über die Erscheinungen berichtet hatten, berief der koptische Papst Kyrill VI. eine Untersuchungskommission ein. Am 23. April 1968 trafen die mit dieser Aufgabe betrauten Bischöfe an der Marienkirche von Zeitoun ein. Nachdem sie die ersten Augenzeugen, die muslimischen Garagenarbeiter, befragt hatten, wurden auch sie Zeugen des Wunders. In ihrem offiziellen Bericht stellten sie fest: „Wir haben selbst die heilige Jungfrau gesehen. Zunächst von himmlischem Licht umhüllt, dann wieder direkt. Sie bewegte sich um die Kirchenkuppel, kniete vor dem Kreuz auf der Kuppel und segnete die versammelten Menschen.“

Ein Mitglied der Untersuchungskommission war Anba Athanasius, Erzbischof von Beni Suef in Oberägypten. Er erinnerte sich später:

„Das erste, was wir sahen, als wir gegen 23.00 Uhr nach Zeitoun kamen, war etwas unterhalb der nordöstlichen Kuppel. Es war nur eine Silhouette, nicht sehr hell, die langsam aufstieg. Zuerst sah ich sie kaum, dann nahm ich sie schwach wahr. Ich sagte den Leuten, dass ich dazu nicht aussagen könnte, wenn das alles gewesen wäre.

Vor der Kirche war eine große Menschenansammlung und wir standen dort bis 3.45 Uhr früh. Als der Morgen schon dämmerte, kamen einige meiner Begleiter, die auf der Nordseite der Kirche gewacht hatten, angelaufen und riefen mir zu: ‚Die Dame ist über der Mittelkuppel‘. Man sagte mir, eine Art Wolke hätte die Kuppel verhüllt, als plötzlich ein fluoreszierendes Licht wie eine Lampe den Himmel erhellte. Plötzlich stand sie da in voller Gestalt!

Die Menge war in heller Aufregung. Es war schwer, sich an den Menschen vorbeizudrängen, doch ich versuchte es und stand schließlich direkt vor der Kirche.

Da war sie, schwebte fünf oder sechs Meter über der Kuppel, hoch im Himmel, wie eine phosphorisierende Statue, aber keineswegs steif wie eine Statue. Ihr Körper und ihre Kleidung bewegten sich. Es war schwer, die Stellung zu halten, da die Menschen von allen Seiten drängelten, vielleicht Hunderttausend waren es in dieser Nacht. Der Zaun rund um den Hof der Kirche wurde einfach niedergetrampelt. So zog ich mich in ein kleines Haus des Bürokomplexes südlich der Kirche zurück. Von dort aus beobachtete ich die Gestalt eine Stunde lang, von vier bis fünf Uhr. Sie verschwand nie. Die Madonna schaute nach Norden, winkte, segnete die Menschen, manchmal in der Richtung, in der ich stand. Ihr Gewand wehte im Wind. Sie war sehr still aber voller Glanz und Würde. Es war etwas wirklich Übernatürliches und eindeutig aus dem Himmel.“

Vor allem aber waren die Kommissionsmitglieder beeindruckt von den vielen Heilungen, zu denen es in Zeitoun gekommen war. Minutiös untersuchte der medizinische Berater der Kommission, Prof. Dr. Shafik Abdel-Malek, jeden einzelnen Fall. Bei einem Mann war ein zitronengroßes Krebsgeschwür in der Blase verschwunden. Eine Frau konnte ihre seit zwölf Jahren gelähmte Hand wieder bewegen. Bei einem Mediziner (!) wurde eine Hernie (Eingeweidebruch) über Nacht geheilt. Die Frau des muslimischen Straßenbaudirektors von Kairo, der die Ärzte eine unheilbare Lähmung des linken Beins diagnostiziert hatten, rief die „Mutter des Lichtes“ um Hilfe an – und konnte wieder laufen. Eine weitere Muslima wurde von einer schweren Schilddrüsenerkrankung kuriert. Ein blinder und stummer Moslem gewann Augenlicht und Sprache wieder.

Das Zeugnis seiner Bischöfe und die vielen Heilungen waren für Kyrill VI. Beweis genug. Am 4. Mai 1968 veröffentlichte der 116. Nachfolger des hl. Markus die folgende Erklärung:

„Der apostolische Stuhl (von Alexandria, Anm. d. Verf.) verkündet hiermit mit absolutem Glauben und Gewissheit, mit Freude und Dank an den allmächtigen Gott, dass die heilige und gesegnete Mutter des Lichtes in klarer und deutlich umrissener Form an mehreren Nächten erschien – und weiter erscheint (…) bis auf den heutigen Tag. Dies geschah in der nach ihr benannten koptisch-orthodoxen Kirche an der Toman-Bey-Straße in Zeitoun, Kairo. Diese Kirche liegt auf dem Weg, den die Heilige Familie während ihres Aufenthaltes in Ägypten nahm. “

In der Tat liegt die Kirche von Zeitoun nur zwei Kilometer vom Marienbaum von Matariya entfernt; es ist also zumindest denkbar, dass die Heilige Familie die Stätte passierte. Jedenfalls führten die Erscheinungen dazu, dass man Zeitoun fortan in die Liste der Orte, die von der Heiligen Familie besucht worden waren, aufnahm, was zumindest verrät, wie flexibel die koptische Tradition ist.

Natürlich besuchten auch Yuliya und ich bei unserem Aufenthalt in Kairo die Marienkirche von Zeitoun. Sie ist ein architektonisches Kleinod, das, von einer Mauer umgeben, inmitten eines kleinen Gartens liegt. Palmen, Rosen, Granatäpfel und Maulbeerbäume wachsen hier und bilden einen schönen Kontrast zu dem vanillegelben Gotteshaus mit seinen fünf sahneweißen Kuppeln, die aus Zuckerguss sein könnten. Ein reicher Landbesitzer, Khalil Ibrahim, hatte es errichten lassen, nachdem ihm 1918 im Traum die Gottesmutter erschienen war. Sie bat ihn, ihr auf einem seiner Grundstücke eine Kirche zu bauen und versprach, nach 50 Jahren dorthin zurückzukehren. So beauftragte er den italienischen Architekten Leomingelli mit der Planung; byzantinische Kirchen einschließlich der Hagia-Sophia-Kathedrale von Konstantinopel (heute: Istanbul) dienten nur allzu offensichtlich als Vorbild. Er konnte nicht ahnen, dass die Bilder ihrer Kuppeln ein halbes Jahrhundert später um die Welt gehen würden.

Als ich am 10. März 2010 das erste Mal nach Zeitoun kam, war ich überrascht, wie mondän das Viertel ist, in dem sich die Kirche befindet. Die Straßen sind ungewohnt sauber, die Häuser in bestem Zustand, die Menschen gut gekleidet. Hier, in Kairos Gartenvorstadt, wohnt eine urbane Mittelschicht, westlich orientiert, meist akademisch gebildet und modern. Hier hätte man am wenigsten eine Marienerscheinung erwartet.

Die ersten Fotos der Menschen, die auf die Gottesmutter warteten und Zeugen des Wunders wurden, sind heute in einem Säulengang im Innenhof der Kirche ausgestellt. Sie zeigen Männer in Anzug und Krawatte, viele Brillenträger mit modischen Haarschnitten. Wer glaubt, dass sich Marienerscheinungen vorwiegend in entlegenen Gegenden vor einer entsprechend ungebildeten und abergläubischen Landbevölkerung ereignen, wird hier eines Besseren belehrt.

Ich sprach einen älteren Priester an, der in der Kirche seinen Dienst tat und sich als Abuna Zadik vorstellte. Er war Student der Ingenieurswissenschaften gewesen, als auch er 1968 Zeuge der Erscheinungen wurde, durch die er schließlich seine Berufung fand.

„Wir waren damals alle noch am Boden zerstört. Die Niederlage im Sechstagekrieg war für uns eine nationale Katastrophe gewesen“, erklärte er uns. Für die Kopten war dadurch eine gefährliche Situation entstanden. Muslimische Prediger hatten sie zu Kollaborateuren der Israelis erklärt, ihnen die Schuld an der Niederlage gegeben. Die ersten von ihnen forderten bereits, nicht nur die Juden, sondern auch die Christen aus dem Land zu vertreiben. Die koptische Kirche war in der Defensive. Papst Kyrill VI. untersagte fortan allen Kopten, bei Strafe der Exkommunikation, nach Jerusalem zu pilgern, „solange die heiligen Stätten in zionistischer Hand sind“; eine Regelung, die bis heute gilt. Es durfte keinen Zweifel am Patriotismus seiner Gläubigen geben. Doch dann kam ihnen die Gottesmutter zu Hilfe.

„Sie hielt den Ölzweig als Zeichen des Friedens in den Händen“, war Abuna Zadik überzeugt, „und sie kam in der Osterzeit, um uns zu sagen: Ich weiß, meine Kinder, dass ihr jetzt nicht zu mir kommen könnt. Darum komme ich zu euch, damit ihr seht, dass ich euch nie alleine lasse.“

Auch die Muslime verstanden das Zeichen. Immerhin wird die Mutter Jesu auch im Qur’an verehrt. Eine ganze Sure, die 19., trägt den Titel Maryam. Selbst dass sie als Jungfrau gebar, billigt ihr das Buch Muhammads zu, nur nicht den Status, Gottesmutter zu sein. Trotzdem wird Maria von vielen muslimischen Frauen in Ägypten heimlich verehrt, schon weil sie für ein anderes Frauenbild als das ihres Glaubens steht.
„Wissen Sie, dass sogar unser muslimischer Präsident Nasser die Gottesmutter von Zeitoun gesehen hat?“
„Wirklich?“
Abuna Zadik bestand darauf: „Er hatte in der Presse von den Erscheinungen gelesen. Seine Limousine parkte drüben in der Garage der staatlichen Verkehrsgesellschaft. Natürlich zeigte er sich nicht, das war ein privater Besuch, doch jeder der Priester in unserer Kirche wusste Bescheid. Zwei Nächte lang stand er da, wartete. Dann wurde er belohnt. Er sah die Heilige Jungfrau.“

Kurz darauf gab das ägyptische Informationsministerium bekannt:
„Eine offizielle Untersuchung wurde durchgeführt und kam zu dem Ergebnis, dass es eine unbestreitbare Tatsache ist, dass die Gesegnete Jungfrau Maria auf der Kirche von Zeitoun in einem klaren und leuchtenden Körper erscheint, der von allen Anwesenden vor der Kirche gesehen wird, gleich ob sie Christen oder Moslems sind.“

„Durch die Erfahrung des Präsidenten wurde das da möglich“, meinte Abuna Zadik und zeigte auf die andere Seite der Straße. Dort erhebt sich, groß und dickbäuchig wie ein Walfisch, die moderne Kirche der Erscheinung der Heiligen Jungfrau, 1970 errichtet, als das kleine Gotteshaus unter dem Ansturm der Pilger aus allen Nähten zu platzen drohte. Sie steht auf dem Gelände der einstigen staatlichen Busgarage.

„Präsident Nasser hat dieses Bauland gestiftet“, beteuerte uns der Abuna. Diese unerwartete Geste eines muslimischen Präsidenten war an sich schon Beweis genug, dass die Geschichte des Priesters stimmen musste.

Nasser war nicht der einzige prominente Zeuge, der als Skeptiker gekommen war. Auch der evangelische Pastor und Koptologe Otto Meinardus konnte nicht glauben, was man ihm aus Zeitoun berichtete. So fuhr er eines Abends selbst hin, zusammen mit seiner amerikanischen Frau. Es dauerte nicht lange, dann sah das Paar ebenfalls, wie eine leuchtende Gestalt hinter einer der Kuppeln erschien. „Das ist Caspar, der freundliche Geist!“, entfuhr es Frau Meinardus. Später, in seinem Buch Auf den Spuren der Heiligen Familie beschreibt der Deutsche die Erscheinung als „manchmal rötlich-goldene, manchmal grünlich-blaue Halbfigur“ und bezeugt: „Mehrere Abende habe ich einwandfrei die Lichterscheinungen gesehen, das Beten, Rufen, Schreien der Tausenden von Gläubigen vernommen, die Maria, ihre Herrin und Gottesmutter, zu erblicken glaubten.“

„Die Erscheinung war so real, dass sie sogar fotografiert werden konnte“, versicherte Abuna Zadik und führte uns zu einer Schautafel mit den Originalaufnahmen des Wunders von Zeitoun. Sie alle zeigen, was die Zeugen beschrieben: Leuchtende Tauben am Himmel, die Kuppel der Kirche in Rauch, Nebel und Licht gehüllt, darin, aber auch ganz frei schwebend, eine leuchtende Gestalt. Jeder Christ würde sie sofort als die Gottesmutter erkennen.

Mindestens bei zweien der Bilder ist jede Manipulation ausgeschlossen: Sie hat der US-Physiker Prof. John Jackson von der U.S. Air Force Academy in Colorado Springs in einem amerikanischen Speziallabor untersuchen lassen. Auf dem einen Bild leuchtet die Madonna so stark, dass sich ihr Licht in der Linse spiegelt. Bei dem anderen scheinen die Kuppeln der Kirche, das Kreuz, selbst die Köpfe der Schaulustigen regelrecht zu glühen; Hinweis auf eine koronare Entladung, deren Ursache unbekannt ist.

„Weißt du, was mir bei diesen Fotos auffällt?“, fragte meine Verlobte Yuliya, die als studierte Kunstgeschichtlerin gleich die Antwort lieferte: „Die Art und Weise, wie Maria dort erscheint, hat nichts mit der traditionellen koptischen Ikonografie zu tun. Überhaupt nicht mit der Ikonografie der Ostkirchen. Die ganze Gestik entstammt der katholischen Bilderwelt. Auf einem der Fotos steht die Madonna leicht gebeugt, die Hände gefaltet, so, wie sie Bernadette Subirous in Lourdes erschien oder wie sie auf der Tilma von Guadalupe in Mexiko zu sehen ist. Auf einem anderen Foto schwebt sie mit ausgestreckten Händen vor der Kuppel der Kirche von Zeitoun wie auf der Wundertätigen Medaille.“

Jetzt fiel das auch mir auf. Natürlich kannte ich beide Gnadenbilder, war in Lourdes gewesen und in dem Haus der Vinzentinerinnen in der rue du Bac in Paris, wo die 24-jährige Novizin Catherine Labouré am 17. November 1830 ihre zweite Marienerscheinung hatte. Damals beauftragte die Gottesmutter sie, nach dem Bild, das sie ihr offenbart hatte, eine Medaille prägen zu lassen. Sie zeigt die Jungfrau, wie sie auf der Erdkugel steht, aus ihren geöffneten Handflächen strömt Licht. Über eine Milliarde dieser Medaillen wurden seitdem produziert, unzählige Katholiken sind von ihrer Wunderkraft überzeugt.

Vielleicht war gerade das die Botschaft Mariens – ein ökumenischer Appell an die Konfessionen: „Versöhnt Euch! Ich segne die Kirche der Kopten, wie ich die katholische Kirche gesegnet habe. Ich liebe beide Kirchen und fordere Euch auf, die von Menschen gemachte Spaltung von Chalcedon zu überwinden, auf dass ihr wieder eine Kirche werdet.“

Immerhin fand 1968 die 1900-Jahrfeier des Martyriums des hl. Markus statt, gab Rom den Kopten zumindest einen Teil seiner Reliquien zurück, setzte damals der Dialog zwischen den Kirchen ein.

Tatsächlich bewirkten die Erscheinungen von Zeitoun, dass die Kopten sich der westlichen, speziell der süditalienischen Ikonografie zuwandten, was freilich manchmal zu Ergebnissen von zweifelhaftem Kunstgeschmack führte. So werden süßliche Heiligenbildchen in Bonbonfarben, meist in China für den neapolitanischen Markt produziert, in vielen Dorfkirchen direkt neben den altehrwürdigen Ikonen platziert. Natürlich werden beide gerne mit blinkenden Lichterketten geschmückt, den schillernden Trophäen einer geglückten Globalisierung.

Ökumenisch und international war aber auch das Interesse an Zeitoun. Selbst Papst Paul VI. im fernen Rom interessierte sich für die Erscheinungen und bat Kardinal Stephanos I. Sidarouss, den Patriarchen der Koptisch-Katholischen Kirche, um einen Bericht. Seine gut 200 000 Gläubigen zelebrieren im koptischen Ritus, sind aber mit Rom uniert. Seit 1895 existiert diese Kirche, die ihre Entstehung Papst Leo XIII. verdankt. „Es ist zweifellos eine echte Erscheinung“, stellte der Kardinalpatriarch in seinem Bericht nach Rom fest, „die von vielen koptischen Katholiken gesehen wurde, die unser volles Vertrauen genießen. (…) Dieses einzigartige Wunder birgt eine Botschaft voller Güte in sich, die aus der Kirche von Zeitoun einen Pilgerort von weltweiter Bedeutung werden lässt.“

kath.net-Buchtipp:
Jesus in Ägypten
Das Geheimnis der Kopten. Vorwort Bischof Anba Damian
Von Michael Hesemann
363 Seiten; m. 17 SW-Fotos, 17 Farbfotos
2012 Herbig
ISBN 978-3-7766-2697-1
Preis 25.70 EUR

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Quelle

Die Muttergotteserscheinungen in PONTMAIN (Frankreich)

Die Muttergotteserscheinungen in

PONTMAIN

DAS ZEICHEN MARIENS, März 1973, Seite 1871-1873


Mitten in dem schrecklichen Winter 1871 war’s. Frankreich lag zertreten unter dem Fuße seiner Feinde. Fast die Hälfte des Landes wurde von feindlichen Truppen durchzogen. Viele Städte waren in Trümmer geschossen, die Felder verwüstet, die Bewohner ausgesaugt, Tausende und Tausende von Toten moderten auf den Schlachtfeldern unter dem Schnee. Immer weiter in den Süden hinunter und hinüber nach Westen wälzten sich die Fluten der deutschen Armeen. Nichts konnte sie aufhalten. Wer sie noch nicht in der Nähe gesehen hatte, blickte bang in die Ferne, ob nicht im Glanze der Wintersonne die blitzende Spitze der Lanze eines deutschen Reiters erscheine. Dabei die Besorgnis um Söhne, Väter, Brüder, die in den Krieg gezogen waren. Unchristliche Menschen versenkten sich da in stillen Grimm, fromme Menschen beteten und fanden im Gebete Trost. Die Kinder zu Pontmain fanden mehr noch, sie fanden Erhörung.

PONTMAIN ist ein kleiner Flecken, am Saume der Bretagne gelegen, und gehört zur Diözese Laval. Er ist nicht zu sehr von Le Mans entfernt, wo die Franzosen eine große Niederlage erlitten hatten. Die Pfarrei zählte über 500 Seelen und wurde durch einen eifrigen Pfarrer so sorgfältig geleitet, daß sie frömmer und sittlicher war, als manche andere. Keine Sonntagsarbeit, kein Fluchen, gottesfürchtige Kinder. Drei Schulschwestern erteilten den Knaben und den Mädchen den Schulunterricht.

In der Mitte des Dorfes, ehe man zur Kirche kommt, steht ein Haus, bewohnt durch die Familie Barbedette. An das Haus stößt eine große Scheune, mit Stroh bedeckt und mit einem grünen Tor. Wenn man zu diesem Tor hinausschaut, so bemerkt man links die Kirche, gerade aus, über der Straße, das Haus des Schreibers Guidecoq und des Holzschuhmachers Bottin; rechts steht das Haus des Schuhmachers Rousseau. In dessen Nähe befindet sich das Schulhaus der Schwestern.

Die Barbedette hatten einen Sohn bei der Armee, und zwei Knaben zuhause. Der ältere, Eugen, war zwölf Jahre alt, ein ernster und sanfter Knabe; der jüngere, Joseph, zehn Jahre alt, war gescheit und lebhaft, beide waren wie ihre Eltern sehr fromm.

DER 17. JANUAR 1871

Am 17. Jänner 1871 kam ihr Vater wie gewöhnlich morgens 6 Uhr in die Scheune, wo sie schliefen, um sie zu wecken. Nachdem sie ihr Herz Gott aufgeopfert hatten, klopften sie Meerschilf, welches man dortzulande den Pferden als Futter gab. Darnach gingen sie ins Haus, beteten laut den Rosenkranz für ihren Bruder, den Soldaten, und gingen in die Kirche, um Messe zu dienen. Bis der Herr Pfarrer kam, beteten sie das große Morgengebet und den Kreuzweg. Das taten sie fast täglich seit dem Krieg. Nach der hl. Messe schlossen sie sich den öffentlichen Gebeten an, die man für die französischen Soldaten hielt, und gingen dann in die Schule.

Um 6 Uhr abends, nach der Schule, gingen beide Kinder mit dem Vater in die Scheune, wo sie wieder, beim blassen flackernden Licht, ihre langen Hämmer nahmen und Schilf für die Pferde klopften. Nach einer Viertelstunde kam eine Frau zu ihnen herein, Jeannette, die wie die Kinder sagen, die Toten kleidet. Sie wollte ein wenig mit Vater Barbedette sprechen. Da hielten die Knaben mit dem Hämmern inne, und Eugen ging an die geöffnete Türe: „Ich wollte sehen, wie das Wetter wäre“, sagte er später.

Die Erde war mit Schnee bedeckt, der Himmel klar, und es war kalt. Eugen sah viele Sterne, besonders über der Straße. Auf einmal bemerkte er etwa zwanzig Fuß über dem Dach des Hauses Guidecoq eine sehr schöne, große Dame. Ihr blaues Kleid, mit Sternen besät, hatte keinen Gürtel und fiel herab wie die Blouse eines Kindes. Die Ärmel waren weit und hingen herunter. Sie trug dunkelblaue Schuhe mit einer goldenen Rosette. Ein schwarzer Schleier, welcher Haar und Ohren verhüllte, bedeckte zum Teil ihre Stirne und fiel über die Schulter bis auf den Nacken. Das Antlitz war frei. Auf dem Hautpe saß ihr eine goldene Krone, mit einem schmalen roten Streifen in der Mitte. Das Gesicht der Frau war klein, sehr hell und unvergleichlich schön. Sie streckte die Hände nach unten, wie auf dem Bilde der Unbefleckten Empfängnis. Sie betrachtete den Knaben und lächelte.

Eugen glaubte, die Erscheinung sei eine Ankündigung des Todes seines Bruders. Dennoch fürchtete er sich nicht, weil die Dame lächelte. Wohl eine Viertelstunde hatte er geschaut, als Jeannette die Scheune verließ. Als sie über die Türschwelle schritt, sagte ihr Eugen: „Jeannette, sehet doch über das Haus von Guidecoq, bemerkt Ihr nichts?“ Sie sah nichts. Vater und Bruder hörten die Frage, eilten herbei. Der Vater sah nichts. Eugen sagte zu seinem Bruder: „Joseph, siehst du wohl?“ — „Ja, sagte das Kind, ich sehe eine schöne Dame“. — „Wie ist sie gekleidet?“ — „Ich sehe eine große Dame mit einem blauen Kleide. Es sind goldene Sterne auf dem Kleide; sie hat blaue Schuhe… Ich sehe eine goldene Krone und einen schwarzen Schleier“.

Der Vater sah nichts; er sagte: „Meine lieben Kinderchen, ihr sehet nichts! Wenn ihr etwas sähet, so würden wir es auch sehen. Kommet schnell an das Schilfklopfen, das Nachtessen ist schon bereit“. Ans Gehorchen gewöhnt, gingen die Kinder gleich in die Scheune, ohne ein Wort zu verlieren. Der Vater blieb noch an der Türe und sagte: „Saget nichts hievon, Jeannette, die Leute würden es nicht glauben, und es könnte noch Ärgernis geben“. Sie ging und Vater Barbedette kehrte zu seinen Kindern zurück. Kaum hatten sie zehn Hammerschläge getan, als der Vater zu Eugen sagte: „Sieh‘ doch nach, ob du noch etwas bemerkst!“ Das Kind ging und rief vor der Türe aus: „Ja, es ist immer noch dasselbe!“ — „Geh‘, rufe deine Mutter, sagte der Vater, ob sie vielleicht etwas sieht; sage aber zu Louise, der Magd, mit deiner Mutter zu kommen“.

Die Mutter kam, Joseph hatte die Unterbrechung der Arbeit benützt, um vor die Scheune zu treten. Er klatschte in die Hände und rief: „Wie schön ist es! Wie schön ist es!“ Die Mutter klopfte ihm auf den Arm: „Willst du wohl still sein? Da kommen schon die Leute und schauen, was es gibt. Ich sehe gar nichts“. Dann auf einmal, wie betroffen über den Ausdruck der Wahrhaftigkeit ihrer Kinder, die sie einer Lüge unfähig wußte, sagte sie: „Es ist vielleicht die Mutter Gottes, die euch erscheint. Da ihr sagt, ihr sähet sie, wollen wir fünf Vater-unser und fünf Ave-Maria ihr zu Ehren beten.“

Die Nachbarn waren herbeigelaufen: „Was gibt’s?“, fragten sie. Mutter Barbedette entgegnete: „Die Kinder sind närrisch, sie behaupten, etwas zu sehen und sehen nichts“. Sie schlossen die Türe und beteten fünf Vater-unser und fünf Ave-Maria; dann schauten die Kinder wieder und sagten: „Es ist noch ganz dasselbe“. Die Mutter ließ ihre Brille holen, um zu sehen, sah aber immer noch nichts. „Wenn ihr mich frei ließet, bliebe ich immer hier“, sprach Eugen, dem die Mutter Gottes immer noch sich zeigte mit sanftem Lächeln. Nun gebot der Vater allen, zum Nachtessen zu gehen. Zum erstenmal war es den Kindern schwer zu gehorchen. Sie gingen langsam und rückwärts, um die schöne Frau noch immer zu betrachten, und sagten zu ihren Eltern: „Ach, wie schön! Ach, wie schön!“ Nach dem Essen traten sie wieder hinaus; sie sahen immer noch dasselbe und sagten: „Die Dame ist so groß wie Schwester Vitaline…“.

Kommt, wir wollen Schwester Vitaline rufen, sagte die Mutter; die Schwestern sind doch besser als ihr; wenn ihr etwas sehet, so werden sie es auch sehen“. Die Schwester war gerade im Schulsaal und betete ihre Tagzeiten. Sie kam: „Ich mag schauen, wie ich will, sasgte die Schwester, ich sehe nichts“. Zwei junge Mädchen kamen später hinzu, die riefen gleich aus: „Ah, die schöne Dame! Sie hat ein blaues Kleid… mit goldenen Sternen!“

Schwester Vitaline betete nun mit den Kindern den Rosenkranz der japanesischen Märtyrer. Andere Kinder kamen herbei, auch der Pfarrer des Dorfes kam. Ein kleines Kind von zwei Jahren, getragen von seiner Mutter, stammelte, die Erscheinung anblickend: „Le Jésus, le Jésus“. Der greise Pfarrer sah vergeblich nach dem Himmel; er gewahrte nichts. Er ging zur Türe der Scheune, da schrieen alle Kinder zugleich: „O es geschieht etwas!“ — „Was sehet ihr denn? fragte der Pfarrer. Und sie sagten: „Wir sehen einen großen ovalen Kreis um die Dame, und einen großen Heiligenschein“. In dem Kreis waren vier Kerzen, zwei in gleicher Höhe mit den Knieen der Dame, zwei mit den Schultern. Die Kinder sahen auf ihrer Brust ein rotes fingergroßes Kreuz.

Die Zahl der Neugierigen nahm immer mehr zu. Bei 50 Personen umringten die Kinder und bestürmten sie mit Fragen. Die einen, gerührt durch den Ausdruck der Kinder, glaubten ihren Worten, die andern waren ungläubig. Der Bruder des Büroschreibers sagte: „Hätte ich eine Brille oder ein seidenes Tuch, so würde ich ebensogut sehen wie ihr“. Man brachte ihm ein seidenes Tuch; er schaute durch dasselbe, sah aber nichts und alle lachten. Da rief Eugen Barbedette: „Da wird sie wieder ganz traurig!“ Die andern Kinder bestätigten seine Aussage und versicherten, die Dame sehe traurig aus, weil die Leute sich nicht mit ihr beschäftigten, lachten und ihre Gegenwart bezweifelten.

Der Herr Pfarrer gebot Stillschweigen: „Wenn die Kinder allein nur etwas sehen, sagte er, so geschieht es, weil sie würdiger sind als wir. Wir wollen beten“. Alle knieten, die einen in der Scheune, die andern am Eingang derselben. Nur die kleine Tür blieb offen, und sie beteten den Rosenkranz. Während dieser Zeit schien das Bild zu steigen und ward sehr groß. Der blaue Kreis dehnte sich aus, Sterne schienen sich zu den Füßen der Dame aneinanderzureihen. Die Sterne ihres Kleides vermehrten sich: „Es ist, sagten die Kinder, wie ein Ameisenhaufen, sie ist fast mit Gold übersät“. Eine der Schulschwestern stimmte das Magnificat an. Sie hatte noch nicht den ersten Vers beendet, als die vier Kinder ausriefen: „Da geschieht wieder etwas! Da ist ein Strich wie ein M, wie ein großes M in unsern Büchern. Eine große weiße Schreibtafel, ungefähr anderthalb Meter breit, erschien unter den Füßen der Dame und unter dem blauen Kreis. Es schien den Kindern, als zeichnete eine unsichtbare Hand langsam goldene Buchstaben auf diesen glänzend weißen Grund.

Das Magnificat war einige Minuten unterbrochen. Indes war der erste Buchstabe gebildet: „Es ist ein M“, sagten die Kinder. Dann: „Da beginnt wieder ein anderer Buchstabe; es ist ein A“. Ihre Blicke verließen die Stelle nicht mehr, wo sie diese Wunder sahen, und jedes wollte zuerst den schönen goldenen Buchstaben nennen. Sie buchstabierten noch ein I und ein S.

Dieses Wort MAIS (aber) blieb fast zehn Minuten allein. In diesem Augenblick kam ein Bewohner des Dorfes, mit Namen Bolin. Erstaunt über diesen Zusammenlauf der Leute und über den Gesang, sagte er ihnen: „Ihr könnt nun beten, die Preußen sind in Laval“. Diese Nachricht hätte die ganze Bevölkerung in Bestürzung bringen sollen. Sie machte aber gar keinen Eindruck auf die Menge. „Wenn sie auch am Eingange des Dorfes wären, sagte eine Frau, so hätten wir dennoch keine Angst.“

Bolin ging auch in die Scheune; man erzählte ihm, was die Kinder sahen; da war auch er bewegt wie die andern und betete mit ihnen. Man setzte nun den Gesang des Magnificats fort. Zum Ende desselben lasen die Kinder in goldenen Buchstaben die etwa 25 Zentimeter hoch waren:

MAIS PRIEZ MES ENFANTS

(Aber betet doch meine Kinder)

Die Kinder buchstabierten hundertmal diese Worte, alle stimmten miteinander überein.

Die Umstehenden waren tief bewegt. Die Ungläubigen wagten nicht mehr zu lachen, und die meisten weinten. Die schöne Frau lächelte noch immer. Es war ungefähr halb acht Uhr. Da öffnete man das große Tor der Scheune, in welche etwa 60 Personen wegen der Kälte eingetreten waren. An den Eingang stellte man Stühle, auf welche die Kinder sich setzten. Sie sprangen oft auf, um ihre Freude und Bewunderung zu bezeugen.

„Jetzt muß man, sagte der Pfarrer, die Litanei der Mutter Gottes singen und sie bitten, daß sie ihren Willen zu erkennen gebe“. Bei der ersten Bitte der Litanei riefen die Kinder: „Jetzt geschieht wieder etwas! Es sind Buchstaben; es ist ein D; und sie nannten nacheinander und wetteifernd die Buchstaben folgender Wörter, die fertig waren, als man mit der Litanei fertig war:

DIEU VOUS EXAUCERA EN PEU DE TEMPS l

(Gott wird euch in kurzer Zeit erhören)

Diese Worte waren auf derselben Linie, wie die ersten, von gleicher Größe und in goldenen Buchstaben; nach dm Worte TEMPS (Zeit) war ein Punkt, ebenfalls in Gold und so groß wie ein Buchstabe. Die Kinder verglichen ihn mit der Sonne.

Man kann sich die Freude der Leute vorstellen, als sie dies erbarmungsvolle Versprechen erhielten: „Gott wird euch in kurzer Zeit erhören!“ Man hörte Freudenausrufe inmitten von Schluchzen und Weinen. Die Dame betrachtete immer die Kinder und lächelte. „Da lachte sie wieder!“ riefen sie und lachten selbst vor Freude. Man sang alsdann das INVIOLATA. Gleich kündigten die Kinder an, es erschienen neue Buchstaben auf der Tafel, aber auf einer zweiten Linie. Im Augenblick als man sang: O MATER ALMA CHRISTI (o süße vielgeliebte Mutter Christi!) hatten die Kinder die Worte buchstabiert:

MON FILS

Eine unbeschreibliche Bewegung durchzitterte die Menge. „Es ist wirklich die Mutter Gottes“, sagten die Kinder. „Sie ist es“, wiederholte die Menge. Während dem Ende des Inviolata und während dem SALVE REGINA, das darnach gesungen wurde, schrieb die geheimnisvolle Hand neue Buchstaben. Die Kinder lasen:

MON FILS SE LAISSE
(Mein Sohn läßt sich)

Schwester Vitaline, die bei den Kindern saß, sagte: „Das hat ja keinen Sinn“. Dann sagten die Kinder: „Aber liebe Schwester, wartet doch, es ist noch nicht zuende. Da sind noch andere Buchstaben:

MON FILS SE LAISSE TOUCHER.

(Mein Sohn läßt sich rühren.)

Ein großer goldener Ring zog sich unter diese zweite Zeile.

Der Gesang war zu Ende, die bewegte Menge betete. Die Stille war bloß unterbrochen durch die Stimme der Kinder, die jeden Augenblick die ganze Inschrift lasen, so wie sie jetzt folgt, und wie sie dieselbe mehrere Male den Zuschauern beschrieben und selbst niedergeschrieben hatten:

MAIS PRIEZ MES ENFANTS, DIEU VOUS EXAUCERA EN PEU DE TEMPS. MON FILS SE LAISSE TOUCHER.

„Singt noch ein Lied zur Mutter Gottes“, sagte der würdige Priester und eine der Schwestern sang:

Mère de l’espérance, dont le nom est si doux; protégez notre France; priez, priez pour nous. — Mutter der Hoffnung, deren Name so süß, beschütze unser Frankreich; bitte, bitte für uns.

Da erhob die Mutter Gottes ihre Hände, die sie bis dahin nach unten ausgestreckt hatte, in die Höhe der Schultern, bewegte langsam die Finger, als begleite sie den Gesang, und betrachtete die Kinder mit unbeschreiblich freundlichem Lächeln. „Da lacht sie wieder“, riefen die Kinder, sprangen freudig auf, klatschten in die Hände und riefen wieder: „O wie schön ist sie, wie schön ist sie!“ Die Umgebung lachte und weinte. Sie glaubte auf dem Angesichte der Kinder den Widerschein des Lächelns zu sehen, das sie so begeisterte. Am Ende des acht Strophen langen Liedes verschwand die Inschrift, nachdem sie ungefähr zehn Minuten bestanden hatte. Es schien den Kindern, als zöge sich ein Bandstreifen darüber.

Man sang alsdann:

Doux Jésus! enfin voici le temps / De pardonner à vos enfants repentants. / Nous n’offenserons jamais plus / Votre bonté suprême, o doux Jésus.
(Süßer Jesus, endlich ist es Zeit, unsern reumütigen Herzen zu verzeihen, wir werden deine unendliche Güte nie mehr beledigen, o süßer Jesus!)

Die Kinder schienen ganz traurig; mit der freudigen Erscheinung schwand ihre Freude. „Jetzt wird sie wieder traurig“, sagten sie dann auf einmal: „Jetzt geschieht wieder etwas!“ Zu gleicher Zeit sahen sie ein rotes Kreuz, 60 Zentimeter hoch, auf welchem ein Christus gleicher Farbe war. Dieses Kreuz schien ihnen ca. 30 cm von der schönen Frau entfernt. Indem sie ihre Hände, die während des ganzen Liedes ausgestreckt waren, herniederließ, ergriff sie das Kruzifix, hielt es mit beiden Händen ein wenig gegen die Kinder geneigt, als wollte sie es ihnen zeigen. An der Spitze des Kreuzes auf einer langen weißen Schreibtafel war in roten Buchstaben JESUS CHRISTUS geschrieben. Nach jeder Strophe des Liedes wurde das Parce Domine gesungen und die hl. Jungfrau traurig und in sich gekehrt, schien mit der Menge zu beten. Auf einmal stieg ein Stern nach links in die Höhe, durchschnitt den blauen Kreis und zündete die Kerze in der Höhe ihrer Knie an, dann die zweite in der Höhe ihrer Schulter. Der Stern erhob sich über dem Haupte der Mutter Gottes, ging auf die rechte Seite und zündete die beiden andern Kerzen an. Dann stieg er wieder in die Höhe durchschnitt den Kreis und blieb über ihrem Haupte schweben.

Die Leute beteten immer. Schwester Marie Edouard sang die Hymne AVE MARIS STELLA. Während diesem Gesang verschwand das rote Kruzifix. Die Erscheinung nahm wieder die Stellung der Unbefleckten Empfängnis an; dann erschien auf jeder Schulter ein kleines weißes Kreuz, 20 Zentimeter hoch. Die Kerzen, sagten die Kinder, waren auf die Schultern der Mutter Gottes gepflanzt. Sie lächelte wieder den Kindern zu, die freudig ausriefen: „Sie lacht! Sie lacht!“

Es war jetzt halb neun Uhr. „Meine lieben Freunde, sagte der gute Pfarrer, wir wollen zusammen unser Nachtgebet verrichten“. Alle knieten. Während der Gewissenserforschung sagten die Kinder, deren Blicke immer auf die Erscheinung gerichtet blieben, kam ein großer weißer Schleier unter den Füßen der Mutter Gottes hervor und umhüllte sie bis zum Gesicht, das immer noch in göttlicher Schönheit leuchtete. Bald wurde es auch umschleiert, die Krone aber mit dem Stern, der über ihr schwebte, blieb allein sichtbar. Dann verschwand alles mit dem großen blauen Kreise und den vier Kerzen, die bis zum Ende angezündet blieben.

Der Pfarrer, welcher hinten in der Scheune war, rief die Kinder: „Seht ihr noch etwas?“ — „Nein, Herr Pfarrer, alles ist verschwunden. Alles ist aus!“ Es war eine Viertelstunde vor neun Uhr. Die Menge verzog sich langsam, indem sie sich über das wunderbare Ereignis unterhielt, und kehrte ganz durchdrungen in der feierlichsten Stimmung nach Hause.

Mit Blitzesschnelle verbreitete sich die wunderbare Nachricht. Niemand im Dorfe zweifelte an der Wahrhaftigkeit der Zeugen. „Wir kennen die Kinder, sagte man, sie sind nicht imstande zu lügen“.

Jeden Abend kamen lang die Bewohner des Dorfes und der umliegenden Ortschaften zur Kirche. Sie beteten den Rosenkranz, sangen fromme Lieder, jene, die in der Scheune am Tage der Erscheinung gesungen wurden, und waren durchdrungen von einer Andacht, die alle jene ergriff, welche herbeikamen.

MAIS PRIEZ MES ENFANTS,
DIEU VOUS EXAUCERA
EN PEU DE TEMPS.
MON FILS SE LAISSE TOUCHER.


Transkription P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell (Schweiz)

Papst Franziskus: Motu Proprio „SANCTUARIUM IN ECCLESIA“

APOSTOLISCHES SCHREIBEN
IN FORM EINES «MOTU PROPRIO»

VON PAPST
FRANZISKUS

SANCTUARIUM IN ECCLESIA

mit dem dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung
die Zuständigkeit für die Heiligtümer übertragen wird

1. Wallfahrtsorte besitzen in der Kirche einen hohen Symbolwert«[1], und sich auf Pilgerfahrt zu begeben ist ein echtes Glaubensbekenntnis. Denn durch die betende Betrachtung des sakralen Bildes bezeugt man die Hoffnung, die Nähe Gottes stärker zu spüren, die das Herz auf das Vertrauen hin öffnet, in den tiefsten Wünschen gehört und erhört zu werden.[2] Die Volksfrömmigkeit, die »ein authentischer Ausdruck des spontanen missionarischen Handelns des Gottesvolkes ist«[3], findet in den Wallfahrtsstätten den bevorzugten Ort, an dem sie die schöne Tradition des Gebets, der Frömmigkeit und des Vertrauens auf die Barmherzigkeit Gottes zum Ausdruck bringen kann, inkulturiert in das Leben eines jeden Volkes.

Denn von den ersten Jahrhunderten an dachte man an die Wallfahrt vor allem an jene Orte, wo Jesus Christus gelebt und das Geheimnis der Liebe des Vater verkündigt hatte, und wo sich vor allem ein greifbares Zeichen seiner Auferstehung befand: das leere Grab. Später machten die Pilger sich auf den Weg an jene Orte, wo sich den verschiedenen Überlieferungen nach die Gräber der Apostel befanden. Im Laufe der Jahrhunderte schließlich erstreckte sich die Wallfahrt auch auf jene Orte, nunmehr zur Mehrheit geworden, an denen die Volksfrömmigkeit die geheimnisvolle Gegenwart der Gottesmutter, der Heiligen und der Seligen konkret wahrgenommen hat.[4]

2. Die Wallfahrtsorte sind bis in unsere Tage hinein in allen Teilen der Welt weiterhin ein besonderes Zeichen des einfachen und demütigen Glaubens der Gläubigen, die an diesen heiligen Stätten die grundlegende Dimension ihres gläubigen Daseins finden. Hier erfahren sie zutiefst die Nähe Gottes, die Zärtlichkeit der Jungfrau Maria und die Gesellschaft der Heiligen: eine Erfahrung wahrer Spiritualität, die nicht abgewertet werden darf, um dem Wirken des Heiligen Geistes und dem Leben der Gnade keinen Abbruch zu tun. Viele Pilgerstätten wurden so sehr als Teil des Lebens von Menschen, Familien und Gemeinschaften wahrgenommen, dass sie die Identität ganzer Generationen geprägt und sogar die Geschichte einiger Nationen beeinflusst haben.

Der große Strom der Pilger, das demütige und einfache Gebet des Gottesvolkes im Wechsel mit den liturgischen Feiern, die Erlangung zahlreicher Gnaden, die viele Gläubige ihrem eigenen Zeugnis nach empfangen haben, sowie die natürliche Schönheit dieser Orte lassen erkennen, dass die Heiligtümer in der Vielfalt ihrer Formen eine unersetzliche Gelegenheit für die Evangelisierung in unserer Zeit darstellen.

3. Diese Orte werden trotz der Glaubenskrise, von der die heutige Welt heimgesucht wird, immer noch als sakrale Räume empfunden, zu denen man pilgert, um einen Augenblick der Einkehr, der Stille und der Betrachtung in dem oft hektischen Leben unserer Tage zu finden. Ein verborgener Wunsch lässt bei vielen die Sehnsucht nach Gott aufkommen; und die Wallfahrtsorte können ein wahrer Zufluchtsort sein, um sich selbst neu zu entdecken und wieder die notwendige Kraft für die eigene Umkehr zu finden. Außerdem können die Gläubigen in der Pilgerstätte eine Stütze für ihren täglichen Weg in der Pfarrei und in der christlichen Gemeinde finden. Diese Osmose zwischen der Wallfahrt zum Heiligtum und dem täglichen Leben ist eine wertvolle Hilfe für die Seelsorge, weil sie ihr gestattet, die Evangelisierungstätigkeit durch ein überzeugteres Zeugnis neu zu beleben. Zum Heiligtum zu pilgern und an der Spiritualität teilzuhaben, die diese Orte zum Ausdruck bringen, ist daher bereits ein Akt der Evangelisierung, der es verdient, aufgrund seines hohen pastoralen Werts wertgeschätzt zu werden.[5]

4. Seinem Wesen nach ist die Wallfahrtsstätte also ein sakraler Ort, wo die Verkündigung des Wortes Gottes, die Feier der Sakramente, insbesondere der Versöhnung und der Eucharistie, sowie das Zeugnis der Nächstenliebe das große Bemühen der Kirche um die Evangelisierung zum Ausdruck bringen. Es zeichnet sich daher aus als echter Ort der Evangelisierung, wo von der ersten Verkündigung bis hin zur Feier der heiligen Geheimnisse das mächtige Wirken offenbar wird, mit dem die Barmherzigkeit Gottes im Leben der Menschen tätig ist.

Durch die jedem Wallfahrtsort eigene Spiritualität werden die Pilger »durch hinführende und begleitende Evangelisierung«[6] zu einem immer größeren Verantwortungsbewusstsein sowohl in ihrer christlichen Bildung als auch im notwendigen Zeugnis der Nächstenliebe geführt, das daraus entspringt. Außerdem trägt die Pilgerstätte in nicht geringem Maße zum katechetischen Bemühen der christlichen Gemeinde bei[7]: indem sie in zeitgemäßer Form die Botschaft weitergibt, die zu seiner Errichtung geführt hat, bereichert es das Leben der Gläubigen und bietet ihnen Beweggründe für ein Werk des Glaubens (vgl. 1 Thess 1,3), das reifer und bewusster ist. Denn im Wallfahrtsort werden die Türen weit geöffnet für die Kranken, die behinderten Menschen und vor allem für die Armen, die Ausgegrenzten, die Flüchtlinge und die Migranten.

5. Im Licht dieser Überlegungen wird deutlich, dass die Wallfahrtsorte aufgerufen sind, eine Rolle bei der Neuevangelisierung der heutigen Gesellschaft zu spielen, und dass die Kirche aufgerufen ist, die Eingebungen des Herzens, die durch die Wallfahrten zu den Heiligtümern und zu den heiligen Stätten zum Ausdruck kommen, pastoral aufzuwerten.

Daher habe ich in dem Wunsch, die Entwicklung der Seelsorge in den Heiligtümern der Kirche zu fördern, beschlossen, dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung die Zuständigkeiten zu übertragen, die kraft Art. 97, 1° des Apostolischen Schreibens Pastor Bonus bislang der Kongregation für den Klerus zukamen, ebenso wie jene, die in Art. 151 desselben Schreibens bezüglich der religiös motivierten Reisen vorgesehen sind, ohne Einschränkung der Aufgaben der zuständigen kirchlichen Autoritäten sowie jener, die kraft besonderer Gesetze anderen Organismen gegenüber bestimmten Pilgerstätten zukommen.

Folglich bestimme ich, dass in Zukunft Aufgabe des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung sein wird:

a) Die Errichtung internationaler Wallfahrtsorte und die Genehmigung der jeweiligen Statuten, gemäß Can. 1232-1233 CIC.

b) die Untersuchung und Umsetzung von

Maßnahmen, die die Rolle der Wallfahrtsorte bei der Evangelisierung und die Pflege der Volksfrömmigkeit in ihnen fördern;

c) die Förderung einer organischen Seelsorge der Wallfahrtsorte als Zentren zur Unterstützung der Neuevangelisierung;

d) die Veranstaltung von nationalen und internationalen Begegnungen zur Förderung eines gemeinsamen Werks zur Erneuerung der Pastoral der Volksfrömmigkeit und der Wallfahrt zu den heiligen Stätten;

e) die Förderung der besonderen Ausbildung der Mitarbeiter der Wallfahrtsorte und der heiligen Stätten;

f) die Aufsicht darüber, dass den Pilgern an den jeweiligen Orten ein konsequenter und tragfähiger geistlicher und kirchlicher Beistand geleistet wird, der es gestattet, aus diesen Erfahrungen die größtmögliche persönliche Frucht zu ziehen; g) die kulturelle und künstlerische Wertschätzung der Wallfahrtsorte gemäß der »via pulchritudinis « als besondere Form der Evangelisierung der Kirche.

Ich verfüge, dass alles, was ich mit diesem Apostolischen Schreiben in Form eines »Motu Proprio« festgesetzt habe, voll und bleibend gültig ist, ungeachtet jeder gegenteiligen Anordnung, auch wenn sie besonders erwähnenswert wäre, und dass es durch die Veröffentlichung im L’Osservatore Romano promulgiert wird, zwei Wochen nach der Promulgation in Kraft tritt und anschließend in die Acta Apostolicae Sedis aufgenommen wird.

Gegeben in der Vatikanstadt am 11. Februar 2017, dem liturgischen Gedenktag Unserer Lieben Frau in Lourdes, im vierten Jahr des Pontifikats.

Franziskus


Fußnoten

[1] Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Direktorium über die Volksfrömmigkeit und die Liturgie. Grundsätze und Orientierungen (2001), 263.

[2] Vgl. 5. Generalkonferenz des Episkopats von Lateinamerika und der Karibik, Dokument von Aparecida, 29. Juni 2007, 259.

[3] Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 122.

[4] Vgl. Päpstlicher Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs, Die Pilgerfahrt zum großen Jubiläum (25. April 1998), 12-17.

[5] Vgl. Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 124.126.

[6] Paul VI., Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi, 48.

[7]Vgl. Päpstlicher Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs, Heilige Stätten – Erinnerung, Gegenwart und Prophezeiung des lebendigen Gottes (8. Mai 1999), 10.

Visionäre Vaterschaft: Welche Rolle spielte der heilige Josef bei Fatima?

Das Sonnenwunder von 1917 und eine Darstellung des Heiligen Josef. Foto: YouTube Screenshot / LawrenceOP via Flickr (CC-BY-NC-2.0)

Viele Katholiken wissen, dass sich bei den Erscheinungen der Gottesmutter in Fatima im Jahr 1917 auch ein „Sonnenwunder“, ereignete. Dies geschah am heutigen 13. Oktober vor genau 101 Jahren. Aber wenige wissen, dass auch der heilige Josef in den Visionen von Schwester Lucia präsent war.

Die Dienerin Gottes und Seherin von Fatima, Schwester Lucia, beschrieb die Erscheinungen in ihren Erinnerungen: „Nachdem Unsere Liebe Frau in der unendlichen Weite des Firmaments verschwunden war, sahen wir neben der Sonne den heiligen Josef mit dem Kind und die Gottesmutter mit weißem Kleid und blauem Mantel. Der heilige Josef und das Kind schienen die Erde zu segnen, indem sie mit der Hand ein Kreuz zeichneten.“

„Das bekräftigt die Bedeutung der Rolle des heiligen Josef in der Kirche. Es sagt so viel für unsere Welt heute. Er ist der schweigende Riese, der vergessene Freund, der ständig gegenwärtig ist“, erklärt Mike Wick, Direktor des Institute on Religious Life, einer Bewegung, die das Wachstum, die Entwicklung und die Erneuerung des Ordenslebens fördert und unterstützt.

Wick sagte weiter, dass die Gegenwart der Heiligen Familie in der letzten Erscheinung Fatimas eine „angebrachte Erinnerung“, daran sei, dass die Kirche „die Familie Gottes“, sein muss.

Der heilige Josef ist das Haupt der Heiligen Familie, er gibt uns eine große Lehre über den Plan Gottes“, fügte er hinzu.

Monsignore Joseph Cirrincione, der über 40 Jahre lang die Erscheinungen von Fatima studiert hat, schildert diesbezüglich in seinem Buch St. Joseph, Fatima and Fatherhood, (1989), dass die Erscheinungen definitiv eine Erinnerung an die Bedeutung der Vaterschaft sind.

„Die Vaterschaft des heiligen Josef, wie die aller menschlichen Väter, ist ein Reflex der Vaterschaft Gottes im Geschöpf. Die Erscheinung des heiligen Josef und des Jesuskindes, die die Welt segnen, mit Maria an der Seite der Sonne, die ihren Ort nicht verlassen hat, verweist auf die Gewissheit Gottes, der den Menschen nie zurückweist, selbst wenn der Mensch Gott zurückweisen kann“, betonte er.

Wenn die friedliche Familienszene von den Bewegungen der Sonne unterbrochen wird, so glaubt Monsignore Cirrincione, dass es sich dabei „um ein verhängnisvolles Vorzeichen der Folgen für die Welt handle, die sicher spürbar werden, wenn die wahre Vaterschaft Gottes und die bedeutsame Rolle der Familienväter von der Menschheit abgelehnt werden.“

„Das Sonnenwunder ist nicht so sehr eine Drohung der Übel, die kommen werden, sondern die Vorhersage der Entthronung Gottes mit dem Aufzeigen der schrecklichen Folgen, die sich daraus ergeben“, hob er hervor.

Monsignore Cirrincione erklärte, dass „die menschliche Vaterschaft, als Abbild der Vaterschaft Gottes, dazu entworfen wurde, die Säule der Familie zu sein“, und dass die „verschwindende Wertschätzung der Vaterschaft zum Einsturz dieser Säule und zur Zerstörung der Familie geführt hat.“

Im 19. Jahrhundert hat Papst Leo XIII. den Monat Oktober der Jungfrau vom Rosenkranz geweiht – ein Titel, den Maria selbst in Fatima auf sich anwendet – und in seiner Enzyklika Quamquam Pluries (über die Verehrung des heiligen Josef) aus dem Jahre 1889 bat der Papst „daß die Christenheit es sich zur Gewohnheit mache, zugleich mit der jungfräulichen Gottesmutter auch den heiligen Josef, ihren keuschen Gemahl, mit großer Andacht und mit kindlichem Vertrauen anzurufen.“

Da die „Verehrung des heiligen Josef von größter Bedeutung ist“, schrieb dieser Papst ein Gebet zum heiligen Nährvater Jesu, das im Oktober nach dem Rosenkranz gebetet werden sollte.

Den Text des Gebetes finden Sie hier:

http://www.stjosef.at/dokumente/josefgeb.htm

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Quelle

Nuestra Señora del Pilar – U.L.F. von der Säule

Die Erscheinung der Gottesmutter
noch zu ihren Lebzeiten 
in SARAGOSSA, Spanien,
an den hl. Apostel Jakobus den Älteren

Sohn des galiläischen Fischers Zebedäus und der Salome,
einer Verwandten der Gottesmutter.
(Sein Bruder war der hl. Evangelist Johannes.)

La Virgel del Pilar (Bayeu)

La Virgen del Pilar (Bayeu)

Bekanntlich führt man in Spanien die Gründung der ersten christlichen Gemeinden auf den hl. Apostel Ja­kobus zurück. Insbesondere ist es die Stadt Saragossa (spanisch: Za­ragoza, von lateinisch: Caesaraugu­sta = „Stadt des Kaisers Augustus“), welche sich dieses Vorzugs rühmt. Hier habe der Heilige auf seiner Mis­sionsreise durch Spanien gepredigt und eine christliche Gemeinde um sich versammelt. Doch die ersten Erfolge des hl. Apostels müssen sehr gering gewesen sein. Die Überliefe­rung berichtet von nur ganz weni­gen Personen, die das Christentum angenommen hätten. Neun Jahre  war er bereits in Spanien, scheute keine Mühe, aber das Netz, das er ausgeworfen, blieb meistens leer. Da kam über ihn eines Tages ob all der Mißerfolge eine große Mutlo­sigkeit und Zaghaftigkeit. Bitter be­klagte er sich bei seinen Gefährten, als sie am Ufer des Ebro ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Da erschien ihm, wie es heißt, die hl. Jung­frau auf einem Pfeiler von Jas­pis und tröstete ihn. Sie gab ihm gleichzeitig die Versicherung, daß durch seine Nachfolger erreicht würde, was er selbst nicht habe bewirken können, sie habe dieses Reich in ihren Schutz genommen und werde es bewei­sen. Sie gab ihm weiter den Auftrag, an dieser Stelle eine Kirche oder einen Tempel zu er­richten. Jakobus tat es, und seit dieser Zeit wird diese Kirche zur hl. Jungfrau von der Säule oder „N.S. del Pilar“, genannt.

Die Stadt Saragossa, die dieses Heiligtum birgt, ist eine der größten Wallfahrtsstätten Spaniens. Immer und immer wieder ist im Laufe der Geschichte wahr geworden, wie Maria ihr Heiligtum behütet hat. Darum ist auch der Glaube und die Überzeugung der Kirche in Spanien für diese Begebenheit so stark gewesen, daß der in hohem Anse­hen stehende spanische Gelehrte Martin del Rio erklärte, der dürfe für keinen Gläubigen angesehen werden, der diese Erscheinung Mariens vor dem hl. Jakobus ent­weder leugnet oder nicht glaubt (Martinus del Rio, disquisitionum Magicarum Iibri sex etc., libro II quaest XXVI Col. Agripp. 1720). Im Jahre 1723 ist dem Erzbistum Sara­gossa von der hl. Kongregation die Erlaubnis erteilt worden, in den Lektionen der II. Nokturn dieser frommen und alten Überlieferung (pia et antiqua traditio) zu geden­ken. Diese Nachricht löste in ganz Spanien ungeheuren Jubel aus und wurde festlich begangen. Es stand ja lange fest, daß die historischen Zeugnisse für die Kirche von Sara­gossa schon beim hl. Cyprian, und in den Martyrerakten des hl. Vin­zentius und bei Aurelius Pruden­tius zu finden waren. Die Kirche von Saragossa soll zu jenen gehört haben, welche die meisten Marty­rer aufzuzeichnen wisse. Aurelius Prudentius nennt sie in einem Hymnus (de martyribus Caesar­augustanis) „ein Haus der Engel, das keine Erschütterung zu befürch­ten habe, weil es so herrliche Opfer für Christus in seinem Inneren ber­ge, kaum die Weltstadt Rom über­treffe sie durch den Reichtum ihrer Schätze.“

Kein Sturm habe sich in den Zei­ten der Verfolgung erhoben, der nicht auch in dieser Stadt seine Opfer gefordert habe. Der berühmte italie­nische Kirchenhistoriker und Kardi­nal Baronius nennt Saragossa die Metropole der Martyrer. Aber immer und immer wieder wird auch im Laufe der Geschichte berichtet, wie oft wunderbarerweise Kirche und Heiligtum beschützt wurden und wie der Opfermut der Gläubigen gerade diese Wallfahrtskirche erneut erstehen ließ.

Es ist eigentlich selbstverständ­lich, daß uns die spanische Mystikerin Maria von Agreda, der ja die Gottesmutter ihr Leben einge­hend kundgetan hat (vgl. „Die My­stische Stadt Gottes“, 8 Bände, Taschenbuchausgabe, Immaculata­Verlag), auch über diese Begeben­heit Genaueres mitteilte. Man wür­de uns sicherlich und mit Recht einer Unterlassung bezichtigen, wenn wir diesen Bericht nicht brächten.

Maria von Agreda erfuhr in ihren Visionen, daß die Gottesmutter für den hl. Apostel Jakobus zu Lebzei­ten besonders betete, weil sie wuß­te, daß er zuerst unter den Aposteln sein Blut für den hl. Glauben vergie­ßen sollte. Der Heiland selbst mach­te Maria darauf aufmerksam, wie „die Apostel Ihm auf dem Wege des Kreuzes und des Leidens nachzufol­gen hätten“. Sein Diener Jakobus solle der erste sein. „Er wolle, daß dieser in Jerusalem den Martertod erleide. Es sei notwendig, daß Maria denselben in Spanien besuche, und ihm den Befehl überbringe, sich nach Jerusalem zu begeben. Vorher aber müsse er in Spanien eine Kirche unter Marias Namen errichten. Maria bat, es möge ihr vergönnt sein, in dieser Kirche in Gottes heiligem Namen einen besonderen Schutz Seiner Allmacht versprechen zu können, auch daß dieser heilige Ort ein Anteil ihrer Erbschaft sein möge für alle diejenigen, welche darin Christi heiligen Namen und Marias Fürbitte um Seine Güte anrufen würden. Christus gewährte Seiner Mutter diese Bitte.

Maria wurde von den Engeln nach Saragossa gebracht. Jakobus be­fand sich außerhalb der Stadt. Er war in der Nähe des Ebro am Beten und hatte sich ein wenig von seinen Jüngern entfernt. Die Engel kamen mit Maria unter den Klängen himm­lischer Musik. Jakobus und seine Jünger wurden innerlich ergriffen und mit himmlischem Trost erfüllt. Sie gewahrten über sich ein neues, das Mittagssonnenlicht überstrah­lendes Licht. Die Engel hatten eine Säule von Marmor oder Jaspis (= fein kristallener Quarzstein), und ein Bild der hl. Jungfrau. Maria selber offenbarte sich dem hl. Jakobus auf einem Wolkenthrone, der von En­geln umgeben war. In tiefster De­mut verehrte der glückliche Apostel die Mutter seines Herrn. Zugleich erblickte er die Säule und das Bild.

Die Jungfrau segnete ihn und sprach: „Mein Sohn Jakobus! Diesen Ort hat der Allerhöchste dazu bestimmt, daß du auf demselben ein Bethaus errich­test und heiligest, wo Er unter dem Titel meines Namens den Seinigen erhöht und groß ge­macht haben will. Hier sollen Seine Gnadenschätze ausgeteilt werden, allen Gläubigen wird hier die alte Barmherzigkeit angeboten, welche sie durch meine Fürbitte zu erlangen su­chen, wenn sie von ihnen nur mit wirklichem Glauben und gottgefälliger Andacht gesucht wird. Im Namen des Allmächti­gen verheiße ich ihnen große Gnade und Segen. Dieser Tem­pel wird mein besonderer Erb­teil sein. Zum Zeugnis dieser Wahrheit und meines Verspre­chens soll diese Säule hier blei­ben und mein Bildnis auf diesel­be gesetzt werden. Sie wird an dem Orte, wo du die Kirche bauen wirst, mit dem heiligen Glauben bis ans Ende der Welt bleiben. Beginne unverweilt mit dem Bau. Nach seiner Vollen­dung gehe nach Jerusalem, dort sollst du nach dem Willen mei­nes allerheiligsten Sohnes ihm das Opfer deines Lebens darbie­ten.“

Die Engel stellten auf Marias Gebot die Säule mit dem Bildnis auf der­selben Stelle auf, wo sie noch heute zu sehen ist. Jakobus warf sich zur Erde, und die Engel feierten mit ihm die erste Einweihung der Kirche, welche zuerst in der Welt der gro­ßen Himmelskönigin geweiht wor­den ist. Dies war der Ursprung Unserer Lieben Frau von der Säule zu Saragossa. … Nachdem Maria Jakobus den Segen erteilt hatte, wurde sie von den Engeln aufgeho­ben und nach Jerusalem zurückge­tragen. Auf ihre Bitte wurde zum Schutz der für die Kirche bestimm­ten Stätte ein Engel bestimmt, der noch heute daselbst wacht und wachen wird, so lange das Bild und die Säule dort sind. Bisher ist unter dem Unglauben der Juden, der Abgötterei der Römer, der Ketzerei der Arianer und unter der barbari­schen Tyrannei der Mauren (Mo­hammedaner) und Heiden das Hei­ligtum unverletzt geblieben. Die Bewunderung der Christen würde noch größer sein, wenn sie von den Anschlägen, die die Hölle wider dieses Heiligtum durch jene Natio­nen ausführen wollte, Kunde hät­ten. Die Verheißung der Erhaltung dieses Tempels, obwohl anschei­nend frei und bedingungslos abge­geben, schloß gleichwohl die bei vielen dergleichen Versprechungen vorausgesetzte Bedingung in sich, daß wir unsererseits durch unsere Missetaten Gott nicht zwingen, uns die versprochene und angebotene Gnade und Barmherzigkeit zu ent­ziehen. Des Satans Trachten geht dahin, die Sünden und Laster der Menschen so groß werden zu las­sen, daß durch sie die göttlichen Verheißungen vereitelt werden. Er will die Gläubigen gleichsam zwin­gen, jenes Heiligtum dort nicht mehr zu erhalten. Gelingt ihm das nicht, so hat er seine Absicht wenigstens daraufhin gerichtet, die Andacht und Ehrerbietung gegen jenen heiligen Tempel und damit gegen die gro­ßen Wohltaten zu verhindern, wel­che Maria denen verheißen hat, die darum würdig bitten.

Nachdem die Erscheinung Ma­riens verschwunden war, gab Jako­bus seinen Jüngern, die von der himmlischen Musik und dem hellen Glanze noch ganz benommen wa­ren, von allem übrigen aber nichts vernommen hatten, die nötige Anweisung zur Erbauung der Kirche oder Kapelle, die er noch vor seinem Weggang von Saragossa vollende­te. Später haben die Katholiken je­nes kostbare Gebäude aufgeführt, welches heute das Heiligtum ziert.

Der Evangelist Johannes hat von dieser Entrückung der Himmelskö­nigin nach Spanien keine Nachricht erhalten, Maria hat ihm auch davon nichts mitgeteilt, weil es zur allge­meinen Unterweisung der Gläubi­gen nicht nötig war. Als Jakobus nach der Heimkehr aus Spanien durch Ephesus reiste, teilte er sei­nem Bruder Johannes die Begeben­heit sowie auch den ersten Besuch mit, den er bei Granada von Maria gehabt hatte. In Jerusalem machte er diese Wunder den Gläubigen zu deren Erbauung bekannt. Dieselben trugen sich vierzig Jahre nach der  Geburt des Herrn zu.“

(Anm.: Maria war schon einmal früher dem hl. Jakobus in Spanien erschienen anläßlich einer gegen ihn gerichteten schweren Verfoglung).

„Die Erscheinung Marias zu Sara­gossa erfolgte in der Nacht des 2. Januar (40), vier Jahre, vier Monate, zehn Tage, nachdem Jakobus Jeru­salem verlassen hatte. Er blieb noch ein Jahr, zwei Monate und 23 Tage in Spanien und starb am 25. März im Jahre 41 nach Christi Geburt. Maria war 54 Jahre, 3 Monate, 31 Tage alt, als sie zu Saragossa er­schien.

Nach der Kirche zu Saragossa baute man Maria in Spanien deren noch mehrere. Spanien war unter allen Ländern das erste, worin die heilige Jungfrau noch bei ihren Lebzeiten eine ausgebreitete öffent­liche Verehrung genoß…. Die Spa­nier sollten ihr dankbar sein….“