Du bist Petrus, der Fels

Die Schlüssel Des Himmelreiches, Pietro Perugino (1448–1523) / Wikimedia Commons, Public Domain

Impuls zum 21. Sonntag im Jahreskreis A — 27. August 2017

Hier haben wir das berühmte Bekenntnis des Petrus, das er in Caesarea Philippi vor den versammelten Aposteln ausspricht.

Die Tatsache, dass Petrus offen heraus sagt, dass er Jesus für den Messias hält, erscheint uns auf den ersten Blick seltsam, denn wir wissen das natürlich, dass es so ist. Aber in diesem Augenblick sind sich selbst die Jünger, die schon lange mit ihm zusammen sind, nicht sicher, ob man das so sagen kann, denn Jesus selbst hat es nie gesagt.

Nur einmal, und das zu einer Nicht-Jüdin, hat der Herr es ganz deutlich gesagt: „Der vor dir steht, er ist es.“

Die Szene ist von einem besonderen Zauber. Zunächst einmal stellt der Herr selber die Frage nach seiner Identität: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“ An den Antworten sieht man, dass  es im Volk offensichtlich verschiedene Auffassungen gibt: Johannes der Täufer, Elija, Jeremia oder sonst einen Propheten. Natürlich, Jesus hat da ja auch nie deutlich geworden.

„Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“

Ein bisschen rätselhaft ist es schon, dass der Herr es um seinen Namen so „spannend“ macht.

Zum einen hat es sicher damit zu tun, dass der Name viel mehr ist als eine bloße Bezeichnung. Wir wissen, dass Adam im Paradies den Auftrag bekam, jedem Tier seinen – zu ihm passenden – Namen zu geben. Die Tiere sind vor dem Sündenfall mit den Menschen besonders vertraut, und der Name soll das Wesentliche dieses Lebewesens in ein Wort fassen.

Erst recht aber bei den Menschen.

Jesus gefällt es, wichtige Personen nicht nur mit ihrem Namen anzusprechen, sondern zum Teil ihnen sogar einen neuen Namen zu geben. So nennt er Simon, nach seinem „Bekenntnis“ zum Namen des Messias, in einer feierlichen Rede mit dem neuen Namen Petrus, der Fels. Und jetzt wird auch die Erklärung mitgeliefert, warum er diesen Namen bekommt. Er soll der Fels sein, auf den Jesus seine Kirche bauen wird.

Dazu bekommt er die Sicherheit, dass die Mächte der Unterwelt diese Kirche nicht überwältigen werden.

Wie tröstlich gerade in unserer Zeit des Umbruchs, wo man tatsächlich manchmal befürchten muss, dass die Mächte der Unterwelt allenthalben an der Kirche nicht nur rütteln, sondern sogar manchmal drauf und dran sind, sie zu überwältigen.

Im Zusammenhang mit Amoris laetitia wird es deutlich, dass der Stellvertreter Christi zwar manchmal genauso wie der, den er vertritt, nicht mit äußerster Deutlichkeit spricht. Dass aber bei näherem Hinsehen die Zusammenhänge klar werden, denn der Herr erwartet natürlich, dass wir Lehraussagen seines Stellvertreters in ihrer Gesamtheit, d.h. immer auch im Lichte der überlieferten Lehre sehen.

Dann stellt sich nämlich heraus, dass zwar auch Johannes, Elija und Jeremia genannt werden, dass es aber nur den einen Messias geben kann, der sich selbst nicht widersprechen kann. Dass also die wieder verheirateten Geschiedenen nur unter den bekannten Voraussetzungen zu den Sakramenten gehen können: entweder weil die vorige Ehe ungültig war oder aber weil sie wie Bruder und Schwester zusammen leben.

Auch das andere Wort Jesu von den „Schlüsseln des Himmelreichs“ bekommt eine unerwartete Aktualität im Zusammenhang mit Aussagen des Heiligen Vaters, die schließlich nur Empfehlungen sind.

Wenn er von den Flüchtlingen sagt, dass man sie großzügig aufnehmen und ihnen, wenn möglich, schnell die Staatsbürgerschaft des jeweiligen Gastlandes geben soll, dann beabsichtigt er natürlich nicht, so etwas ex cathedra zu sagen. Hier hat er ganz sicher nicht „auf Erden etwas gebunden, was auch im Himmel gebunden ist“. Vielmehr gibt er den Regierungen diesen Rat, der eher seine persönliche Meinung wiedergibt. Ohnehin ist das Problem viel zu komplex, als dass man es auf diese Weise lösen könnte.

Aber eines ist sicher der Wunsch des Messias an uns heute: dass wir seinen Stellvertreter lieben, für ihn beten und ihm helfen wo wir können.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.  Der Fe-Medienverlag hat einige ZENIT-Beiträge vom Autor als Buch mit dem Titel „Der Stein, den die Bauleute verwarfen“ herausgebracht.

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Was können wir der Gender-Ideologie entgegensetzen?

Reichstag / Wikimedia Commons – Lars Steffens, CC BY-SA 2.0

Impuls zum 13. Sonntag im Jahreskreis,
Lesejahr A — 2. Juli 2017

Ein entscheidendes Merkmal der neuen Ideologie, die die westliche Welt im Griff hält, ist ihre glatte Weichheit. Klingt es nicht ansprechend das Wort von der „Ehe für alle“? Ist es nicht mehr als nur gerecht, dass ein so wertvolles Gut wie die Ehe für jedermann zur Verfügung stehen soll?

Die Ideologien, die nach dem „Tod Gottes“ Europa und Nordamerika beherrschten, waren mit jeweils einem harten Zwangsstaat verbunden. Sowohl der Marxismus-Kommunismus im Osten wie die Nazi-Ideologie in Deutschland hatten die Menschen hart im Griff.

Die Gender-Ideologie, viel klüger als ihre Vorgängerinnen, macht es auf die sanfte Tour, aber im Griff hat sie die Menschen auch. Größtenteils mit semantischen Mitteln. Erstaunlich, wie viele Dinge heute mit anderen Namen belegt werden als früher, und in der Regel mit geschickteren Namen. Früher wurde man bei der Behörde abgefertigt, heute wird man bedient. Wer mit der Bahn fährt, ist immer wieder gerührt davon, dass man im Lautsprecher sehr zuvorkommend angesprochen wird, und der Sprecher sich für jede größere oder kleinere Unannehmichkeit entschuldigt. Oder: niemand wird von Krüppeln oder Verrückten sprechen, es sind geistig oder körperlich Behinderte.

Ist das etwas Schlimmes? Nein, im Gegenteil, unsere öffentliche Kommunikation hat sicher in den letzten Jahrzehnten dazu gelernt. Aber gerade durch die Kommunikation, die uns die Medien präsentieren, wird uns seit Jahren, ohne dass wir es merken, auch Gift in mancherlei Form eingeflößt. Man hat so lange, und gleichzeitig so besonnen und ruhig, für die Freigabe der Abtreibung plädiert, dass in wenigen Jahrzehnten eine echte „Umwertung der Werte“ im Sinne Friedrich Nietzsches stattgefunden hat. Danach kam die verständnisvolle Einstellung zur Euthanasie, von der wir Deutschland eigentlich noch üble Erinnerungen haben sollten – aus der vorhergehenden Ideologie.

All diese neuen „Erkenntnisse“ hätte man im kommunistischen Russland oder in Nazideutschland den Menschen mit dem Holzhammer eingebläut, was erfahrungsgemäß längst nicht so wirksam ist. Mit den sanften Mitteln einer angepassten Sprache (George Orwell nannte das „Neusprech“) wird auch die absurdeste Auffassung akzeptiert. Man muss sie nur häufig genug, wie bei der Werbung, wiederholen.

Konkret wird mit edlen Begriffen hantiert, wie Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Wer wird denn so unbarmherzig sein und von einem jungen Mädchen verlangen, dass sie ihr Kind austrägt, da ihre Karriere dadurch infrage gestellt sein wird. Auch bei der aktiven Sterbehilfe wird mit der Barmherzigkeit Schindluder getrieben: „Der arme Kranke, muss man ihn denn so leiden lassen?“. Bei der sog. Ehe für alle: „Ist es nicht ungerecht, den Homosexuellen das vorzuenthalten, was die Heterosexuellen haben?“ Die Abstimmung im Deutschen Bundestag ist folgerichtig genauso ausgefallen wie das Referendum in Irland vor einigen Monaten, wo sich sogar eine gewisse Euphorie ausbreitete, weil man es der katholischen Kirche mal gezeigt hatte.

Und da liegt der eigentlich Grund dafür, dass denjenigen, die die überlieferten Werte hochhalten, die Felle wegschwimmen. Seit dem 18. Jahrhundert hat sich Europa von Gott verabschiedet, zuerst die Intellektuellen und heute auch die breite Bevölkerung. Und wenn Gott keine Rolle spielt (höchstens noch für die „religiösen Bedürfnisse“ der Menschen), dann gibt es auch keinen Grund, die Bibel oder das überlieferte Lehramt der Kirche ernst zu nehmen.

Allerdings gab es bis jetzt immerhin einen gewissen Nachklang an die Lehre der Kirche im so genannten Naturrecht oder Naturgesetz. Bei den Juristen spielt es gelegentlich noch eine Rolle, indem sie sagen, es muss doch Werte geben, die von der Mehrheitsmeinung der Menschen  und vom positiven Recht unabhängig sind. So jedenfalls hat es der emeritierte Papst Benedikt XVI. seinerzeit im Deutschen Bundestag in Erinnerung gerufen. Aber machen wir uns nichts vor: das Naturrecht ist im Kern nur begründbar, wenn Gott der Schöpfer eine Rolle spielt. Wenn er ausgespielt hat, gibt es in der Tat keinen Grund, warum man gegen den demokratischen Willen der Mehrheit nicht auch wesentliche Dinge der Weltanschauung und der Moral verändern kann.

Dass jahrhundertelang die Ehe von Mann und Frau als größte Selbstverständlichkeit gegolten hat, auch bei Leuten, die nicht gläubig sind, hängt mit dem Gottesglauben – nicht nur dem christlichen – zusammen. Wir sehen es gerade heute, dass alle politischen Begründungen dafür, die Ehe von Mann und Frau höher zu bewerten als andere Verbindungen, weggepustet werden.

Bei vielen bleibt allerdings ein seltsames Gefühl, wenn er sieht, wie ein Mann einem Mann, eine Frau einer Frau das Jawort gibt. Aber man wird sich daran gewöhnen.

Diejenigen aber, die den christlichen Glauben in seiner kraftvollen, nicht angepassten Form, hochhalten, und die daher den Wunsch haben, anderen die absoluten Wahrheiten des Christentums weiterzugeben, müssen erschrecken. Denn was hier geschieht, ist nicht nur eine der sinnfreien Kapriolen der Tagespolitik, hier wird dem Schöpfer mitten ins Gesicht geschlagen. Im Ton der Gender-Mentalität wird aber auch hier ruhig und sachlich argumentiert: „Da Gott nicht existiert, gibt es auch keine vorgegebene Schöpfungsordnung. Wir nehmen das selbst in die Hand.“

Die deutschen Bischöfe haben dankenswerterweise Protest angemeldet, aber noch oder schon das Zentralkomité der Deutschen Katholiken (eine von niemandem gewählte Institution) lässt verlauten: „Sie [die eingetragenen Partnerschaften] sind gut und fruchtbar für unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben,“ so Thomas Sternberg, der Vorsitzende des ZK.

Der hl. Paulus bringt einen ernsten Ton in die Debatte: „Irret euch nicht; Gott lässt seiner nicht spotten! Denn was der Mensch sät, das wird er ernten (Gal. 6,7)

Dennoch, zwar könnte man angesichts der Lage pessimistisch werden. Das aber will Gott nicht. Genau wie die vorher gegangenen Ideologien wird auch Gender einmal auf dem Kehrichthaufen der Geschichte landen.

Angesagt ist Widerstand statt Mitläufertum. Und vor allem Gebet. Schwester Lucia von Fatima sagte einmal, in unserer Zeit geht der Kampf vor allem um die Familie. Konsequenz für uns: die Familie – im überkommenen Sinne natürlich – stärken, junge Leute ermutigen, die Lehren der Kirche, vor allem Familiaris Consortio und Humanae Vitae, zu studieren, sich klar zu machen, nur in der Ehe von Mann und Frau erfahren Kinder die Schönheit der Schöpfung. Und eben nicht mit den Wölfen zu heulen. Damit spätere Generationen uns nicht, wie unseren Großvätern sagen können: „Wieso habt ihr damals dafür gestimmt?“

Der Trost schlechthin: in Fatima sagt die Gottesmutter „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz siegen!“

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.  Der Fe-Medienverlag hat einige ZENIT-Beiträge vom Autor als Buch mit dem Titel „Der Stein, den die Bauleute verwarfen“ herausgebracht.

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Weiße Blumen um das Herz des Herrn

Montmartre, Tympanon / Pixabay CC0 – DEZALB, Public Domain

Impuls zum Herz-Jesu-Fest im Lesejahr A — 23. Juni 2017

PETER VON STEINITZKOMMENTAR ZU SONNTAGSLESUNGEN IM JAHRESKREIS

Es ist sicher nicht übertrieben, wenn man sagt, dass die Herz-Jesu-Verehrung in der Kirche schon bessere Zeiten gekannt hat. Die Älteren erinnern sich noch an die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Herz-Jesu-Messen und –Andachten, die mit großer Anteilnahme des Volkes gefeiert wurden. Leider ging mit der echten Verehrung manchmal auch manch unechtes Bildwerk Hand in Hand, das man ruhig Kitsch nennen kann, und das vielen die Herz-Jesu-Verehrung verleidete.

Eigentlich aber sollte die Verehrung des Herzens Jesu, also das Aufmerken auf die barmherzige Liebe eines Gottes, der ein menschliches Herz hat, gerade den Menschen unserer ziemlich herzlosen Zeit entgegen kommen. Man muss ja nur manche Kinder oder älteren Leute beobachten, um zu sehen, wie vielen Menschen das fehlt, was wir heute Zuwendung nennen, und was nichts anderes ist als Liebe.

Die Offenbarung der barmherzigen Liebe Gottes geht klar aus dem Evangelium hervor, dennoch war es wohl wegen unserer Hartherzigkeit nötig, dass Gott außerdem sein Herz mehrfach einigen Personen besonders offenbarte, von denen er wusste, dass sie diese Erkenntnis unter die Leute bringen würden. Das sind im Mittelalter die großen Mystiker Albert der Große und die Frauen Mechthild von Hackeborn, Gertrud von Helfta und Mechthild von Magdeburg – wirklich ein Ruhmesblatt der deutschen Geschichte. All die Zartheit dieser Liebesbeziehung zwischen Christus und der Seele ging in den Stürmen der Reformation, wie so manches andere, zu Bruch.

Im 16. und 17. Jahrhundert hatte die katholische Kirche alle Hände voll zu tun, den in seinen Grundlagen erschütterten Glauben neu zu formulieren. Die Offenbarungen des Heiligsten Herzens verließen das Land der Reformation: Jesus erschien der Ordensschwester Margarethe Maria Alacoque (+ 1690) in Frankreich und sagte ihr, der König solle für den Bau einer Kirche in Paris zu Ehren des Heiligsten Herzens Jesu Sorge tragen. Sie fand einen Weg, diesen Wunsch dem König zu übermitteln.

Ludwig XIV., der einen ausgeprägten Sinn für die eigene Ehre hatte, aber sehr viel weniger interessiert war an der Ehre Gottes, ging nicht darauf ein. Zwei Generationen später war das glanzvolle französische Königtum am Ende. Es sollte noch einmal zwei Generationen dauern, bis die Franzosen den Gedanken wieder aufgriffen und es nun als nationales Anliegen ansahen, diese Kirche zu errichten. So kam es zum Bau der berühmten Kirche Sacré Coeur auf dem Montmartre in Paris.

Demjenigen, der die Geschichte der Herz-Jesu-Verehrung kennt, bedeutet diese Kirche, die bewusst als Sühnetempel konzipiert ist, viel. Das Allerheiligste ist dort ständig ausgesetzt. Die meisten Menschen aber, vor allem die Maler und die Touristen, sehen in dem neo-byzantinischen Kuppelbau lediglich ein malerisches Paris-Motiv und gehen damit auch wieder am Wesentlichen vorbei.

Immer wieder muss Gott mit uns Menschen diese Erfahrung machen: Er beschenkt uns mit zahllosen Wohltaten, aber es gelingt uns doch immer wieder, zu all dem nein zu sagen oder wenigstens wegzugucken.

So ist es wohl auch zu verstehen, dass die anfangs so innige und unbeschwerte mittelalterliche Herz-Jesu-Verehrung sich in der Neuzeit immer mehr mit dem Sühnegedanken verbunden hat. Sühne dafür, dass wir immer dann, wenn wir gegen die Liebe verstoßen, Gott selbst mitten ins Herz treffen.

Im Jubiläumsjahr der Erscheinungen von Fatima liegt es nahe, das, was dort gesprochen worden ist, mit den Fragen unserer Zeit zu konfrontieren. Maria hat zu den unschuldigen Kindern, durch sie aber auch zu uns gesagt: „Die Menschen sollen Gott nicht mehr beleidigen, der schon zu sehr beleidigt worden ist!“ Und sie fordert besonders zur Sühne auf.

Im heutigen Leben der Kirche sind viele Anregungen aus Fatima in Vergessenheit geraten. Maria sagte dort, dass der Himmlische Vater die besondere Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens wünsche, als Sühne für die Sünden der Menschen. Unser Unglück ist, dass man von Sünde überhaupt nicht mehr reden mag. Man muss sie natürlich nicht hochstilisieren, aber es ist doch auch unrealistisch so zutun, als gäbe es sie nicht mehr (was sich praktisch im Verschwinden des Beichtsakraments niederschlägt).

Der hl. Josefmaria betete:

„Cor Mariae Dulcissimum, iter para tutum!“ und

„Cor Iesu Sacratissimum dona nobis pacem!“

Die Kuppel der Kirche Sacré Coeur in Paris trägt die lateinische Inschrift: „Cordi Jesu Sacratissimo Gallia poenitens et devota” – Dem Heiligsten Herzen Jesu das fromme, büßende Frankreich.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.  Der Fe-Medienverlag hat einige ZENIT-Beiträge vom Autor als Buch mit dem Titel „Der Stein, den die Bauleute verwarfen“ herausgebracht.

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Das Herz Jesu – Vorbild und Zuflucht

Hl. Herz / Wikimedia Commons – Wolfgang Sauber CC BY-SA 3.0.Jpg

Impuls zum 11. Sonntag im Jahreskreis A — 18. Juni 2017

Im Monat Juni weist uns die Kirche neben den vielen herrlichen Hochfesten auf die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu hin: “Lernt von mir, denn ich bin gütig und selbstlos von Herzen” (Mt. 11,29).

Die Gleichnisse des Herrn wollen die Menschen zunächst einmal auf den Geschmack bringen und sie erkennen lassen, dass das Himmelreich wirklich etwas Erstrebenswertes ist. Wie eine kostbare Perle, wie ein Schatz im Acker usw.

Wer aber das schon begriffen hat, der soll nun in die Schule des Heiligsten Herzens Jesu gehen. Daher regt die Liturgie der Kirche, ausgehend vom Evangelium, zu dem einfachen Gebet an: “O Jesus, gütig und selbstlos von Herzen, bilde mein Herz nach deinem Herzen!”

Die Herz-Jesu-Verehrung hat also einen doppelten Aspekt: zunächst die Anbetung der unendlichen Liebe Gottes im Herzen des Gottmenschen, dann aber auch die Einladung an jeden Menschen, sein Leben und sein Handeln am Herzen des Herrn zu orientieren, sein Herz dem Herzen Jesu ähnlich, ja sogar gleichförmig zu machen. Was wiederum ohne die Gnade nicht geht, aber unbedingt auch unsere Anstrengung erfordert.

Jesus ist der vollkommen gute Mensch, wir sind es nicht. Aber wir sollen sagen: noch nicht. Was an uns unvollkommen ist , muss es ja nicht bleiben. Manche sagen mit Blick auf ihre Fehler: das ist nun mal mein Charakter. Aber darauf kann man fast immer erwidern: das ist dein Mangel an Charakter.

Das Herz Jesu nachahmen ist eigentlich das gleiche wie sich um die Tugenden bemühen. Wenn wir das Wort Jesu ernst nehmen, dass wir heilig werden sollen, so ist das der Weg. Durch die Folgen der Erbsünde haben wir  verschiedene Neigungen zum Bösen. Zur Habgier, zur Eitelkeit, zur ungeordneten Sinnlichkeit, zum Egoismus und vor allem zum Stolz. Das so zu sehen, ist ja nichts anderes als realistisch. Zu denken, das Fehlverhalten der Menschen entstünde nur aus den widrigen Umständen oder aus falscher Erziehung, geht an der Wirklichkeit vorbei.

Und dennoch ist gerade die Erziehung unerlässlich. Sowohl für den religiös orientierten Menschen, der darin ein Hilfsmittel sieht, um in den Tugenden zu wachsen, als auch im rein weltlichen Bereich, wo der Staat – in gewissen Grenzen allerdings – sich um das rechte Verhalten der Menschen kümmern soll. Natürlich wird der Staat, oder sagen wir die Gesellschaft, nicht Bereiche ansprechen, die der individuellen Intimsphäre oder dem persönlichen Gewissensbereich  angehören. Er kann uns wohl auffordern, gewisse elementare Bosheiten zu unterlassen. Aber er kann die Bürger nicht auf die Tugenden verpflichten.

Die Amerikaner kritisieren gern an uns Europäern, dass sich hier der Staat in zu viele Dinge einmischt. Eine Tendenz, die manchmal auch aus Anordnungen der EU anklingt. Nach dem Motto: was für euch gut ist, bestimmen wir.

Hierzulande ist es häufig das Verhalten staatlicher Stellen zu Fragen der Volksgesundheit, das grenzwertig sein kann. Sicherlich liegt es im Interesse der Gesellschaft, dass eine Volksseuche wie Aids bekämpft wird. Aber wenn bei den Kampagnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) gegen HIV mit Slogans geworben wird, die ausgesprochen unsauber sind, dann geht die staatliche Werbung in unzulässiger Weise in den Bereich der Moral, in diesem Fall der Unmoral. Die Leute werden zu einem unmoralischen Verhalten animiert (“Mach´s, aber mach´s mit!”), Hauptsache man schützt sich vor den Folgen.

Viele Menschen machen von einer anderen Möglichkeit, sich vor Aids zu schützen, Gebrauch: von der Enthaltsamkeit. Da diese “Methode” bei vielen nur ungläubiges Erstaunen und ein ironisches Lächeln hervorruft, reden diese Menschen nicht darüber, aber denken sich ihr Teil. Und es sind nicht nur die “fundamentalistischen Christen”, die solche “überholten”Ansichten pflegen.

Unser alter Schullehrer sagte einmal: Man muss in vielen Bereichen der Gesellschaft mit allen Menschen guten Willens zusammenarbeiten, denn es gibt nicht nur im engeren Sinne die “Gemeinschaft der Heiligen”, sondern, wie in einem konzentrischen Kreis da herum, die “Gemeinschaft der Anständigen”. Darunter sind viele Nichtchristen und vor allem viele Muslime, die oft fassungslos betrachten, wie Deutschland sich moralisch abschafft.

Die Tugenden sind anspruchsvoll und manchmal schwer zu realisieren. Man kann den jungen Studenten bis zu einem gewissen Grade verstehen, der beim Weltjugendtag in Rom 2000 in einem Fernseh-Interview gefragt wurde: “Der Papst hält ja sehr an den traditionellen Moralvorstellungen fest, zum Beispiel, was Frauenpriestertum und Sex vor der Ehe betrifft. Was halten Sie davon?” Der Junge antwortete etwas schnoddrig: “Vom Frauenpriestertum verstehe ich nichts. Na ja, und das andere. Ich würde sagen, da ist er so wie meine Oma. Ich tue nicht, was sie sagt, aber sie hat recht” (Leo – Allah mahabba, S. 274).

Freilich, noch besser ist es, wenn man doch tut, was er sagt, bzw. was unser Herr Jesus Christus sagt: “Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen” (Mt. 5,8).

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.  Der Fe-Medienverlag hat einige ZENIT-Beiträge vom Autor als Buch mit dem Titel „Der Stein, den die Bauleute verwarfen“ herausgebracht.

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Ihr seid nicht von dieser Welt

Abtei Sant’Antimo (Montalcino, Toskana) / Wikimedia Commons – Dongio, Public Domain

Impuls zum 7. Sonntag der Osterzeit,
Lesejahr A — 28. Mai 2017

Eine spannungsvolle Zeit, die zehn Tage zwischen der Himmelfahrt des Herrn und dem Pfingstfest. Selbst über einen zeitlichen Abstand von fast 2.000 Jahren können wir es gut nachvollziehen, wie damals die Jünger in Jerusalem sich in einem Wechselbad der Gefühle befanden, nachdem der geliebte Meister ihnen genommen ist. Einerseits hatte er ihnen versprochen, immer bei ihnen zu bleiben. Andererseits aber konnten sie in einer tiefen Sammlung verharren gerade dadurch, dass sie genau das befolgten, was Jesus ihnen gesagt hatte, nämlich Jerusalem nicht zu verlassen und sich im Abendmahlssaal bereit zu halten für das Kommen des Heiligen Geistes. Dabei werden sie zwei Gedanken immer wieder betrachtet haben, die Jesus ihnen eingeschärft hatte. Erstens, dass sie nicht “von der Welt sind” so wie Jesus selbst, und zweitens, dass sie “seine Freude in Fülle haben werden”.

Das Evangelium dieses 7. Ostersonntags besteht fast ausschließlich aus einem Gebet Jesu zu seinem himmlischen Vater. Immer wieder bittet er für die Seinen, die in der Welt sind. Wenn wir den Text genau lesen, erkennen wir auch, zu was das führt, dass “sie nicht von dieser Welt sind”. Er sagt: “Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind” (Joh 17,14).

Das gilt natürlich für alle Christen, dass die Welt uns hasst, weil wir sein Wort bekommen und angenommen haben. Zu allen Zeiten, aber in unserer “Zeit der Gottvergessenheit” (Benedikt XVI.) fällt es uns Christen besonders schwer, diese Spannung, diesen “Hass” der Welt auszuhalten. Es macht uns zu schaffen, wenn die Medien uns immer wieder die Verfehlungen einiger Kirchenleute um die Ohren schlagen.

Noch mehr aber macht es uns zu schaffen, wenn mitten aus dem Raum der Kirche verwirrende Äußerungen kommen, die man dort nicht erwartet. Wenn z.B. der Vorsitzende des Zentralkomités der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, verkündet, dass im ZdK niemand zur Beichte geht. Da tut sich ein Abgrund auf. Das bedeutet ja im Klartext: wir die führenden intellektuellen Katholiken, sind zu der Erkenntnis gekommen, dass eines der sieben Sakramente, die Christus explizit eingesetzt hat, überflüssig ist.

Könnte es denn vielleicht sein, dass auch in der Kirche selbst einige Elemente doch “von der Welt” sind. Im ZdK werden seit Jahren Reformen gefordert. Dass es sich bei den immer wieder gebetsmühlenartig geforderten Reformen in Wirklichkeit um Veränderungen handelt, müsste doch irgendwann einmal deutlich werden. Wieso sieht man das nicht, dass alle diese “Reformen”, das Frauenpriestertum, die Abschaffung des Zölibats und die Lockerung der Sexualmoral in anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften schon längst erfolgt sind, ohne dass dort ein Aufblühen festzustellen wäre.

Um es deutlich zu sagen: Das “Nicht-von-der-Welt-sein” heißt eben auch gelegentlich, zu den Forderungen der “Welt” nein zu sagen. Dass das nicht immer leicht ist, und dass es viel angenehmer wäre, wenn das eine oder andere Nachrichtenmagazin oder die eine oder andere Talkshow der katholischen Kirche Lob spendete, ist klar. Das ist ja auch der Grund, warum Jesus den Vater nicht bittet, “dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst” (Joh 17,16).

Auch wir brauchen, genau wie die Jünger damals, die Hilfe des Heiligen Geistes. Aber mit dieser Hilfe können wir ganz sicher rechnen. Voraussetzung, dass wir darum bitten. Auf den Heiligen Geist trifft zu, was der Herr in der Geheimen Offenbarung dem Apostel Johannes sagt: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür auftut, zu dem werde ich eingehen und Mahl mit ihm halten und er mit mir.“ (Off 3,20)

Das bedeutet aber auch: wenn wir die Türe (unseres Herzens) nicht auftun, tritt er nicht ein. Wenn aber doch, dann werden wir “seine Freude in Fülle haben” (Joh 17,15).

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.  Der Fe-Medienverlag hat einige ZENIT-Beiträge vom Autor als Buch mit dem Titel „Der Stein, den die Bauleute verwarfen“ herausgebracht.

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Wunder gibt es ständig

Berg Tabor / Wikimedia Commons – אלי זהבי, CC BY

Impuls zum 2. Fastensonntag 2017 im Jahreskreis A — 12. März 2017

Am 2. Fastensonntag wird im Evangelium des hl. Matthäus beschrieben, wie Jesus mit dreien seiner Jünger auf einen Berg steigt – der Überlieferung nach war es der Berg Tabor –, wo er “vor ihren Augen… verwandelt wurde” (Mk 9,2). Zu seiner Rechten und zu seiner Linken erscheinen außerdem zwei Propheten, Mose und Elija, die Jahrhunderte vor ihm gelebt haben. Die drei reden miteinander. Die drei Apostel Petrus, Jakobus und Johannes fallen vor Schreck zu Boden, Petrus sagt das berühmte Wort von den drei Hütten, die er gerne bauen würde, eine für Jesus, eine für Mose und eine für Elija. Der Evangelist fügt hinzu: “Er wusste aber nicht, was er sagte”. Damit soll angedeutet sein, dass die drei Männer angesichts des übernatürlichen Geschehens ihrer Sinne nicht ganz mächtig sind. Was die anderen drei Männer, Jesus und die beiden Propheten miteinander besprechen, wird nicht berichtet. Höchstwahrscheinlich sprechen sie über das Wichtigste, über das, was Gott und die Menschen interessiert: die Erlösung des Menschengeschlechts. Nach der klassischen Deutung steht Mose für das Gesetz und Elija für das Prophetentum, Jesus aber für die Erfüllung beider.

Für Petrus, Jakobus und Johannes muss dieses Erlebnis sehr aufwühlend gewesen sein, kennen sie doch bisher Jesus nur als den bescheidenen Wanderprediger, der zwar beim Volk sehr beliebt ist, aber gleichzeitig bei den Führern des Volkes umstritten. Nun aber sehen sie ihn, wie er wirklich ist, strahlend und machtvoll. Die größten Persönlichkeiten des Alten Bundes behandeln ihn mit Respekt. Außerdem erschallt eine Stimme, die ruft: “Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!”

Als kurz darauf alles wieder vorbei ist, und die vier wieder vom Berg herabsteigen, werden die Apostel innerlich sehr damit beschäftigt gewesen sein, das Erlebte richtig einzuordnen und zu verarbeiten. Was war der Sinn dieses Geschehens? Dass Jesus übernatürliche Kräfte hatte, war den Jüngern nicht verborgen geblieben. Er heilte viele, teils unheilbare Kranke, er erweckte sogar einige Tote und trieb Dämonen aus. Gewiss konnte das alles auch eine natürliche Erklärung haben.

Die Heilung der Kranken konnte psychisch verursacht sein, der Tote konnte scheintot sein, und was die Leute als Dämonen bezeichneten, konnten ja irgendwelche psychische Störungen sein. Seien wir ehrlich: auch wir, die wir ohnehin nicht dabei waren, können immer wieder, wenn wir wollen, die Wunder Jesu weginterpretieren (und es wird sich immer ein Exeget finden, der uns den Gefallen tut). Ganz sicher aber erweist sich in diesen “Randunschärfen” der Wunder die ganze Barmherzigkeit Gottes, der den Menschen nicht festnageln will, und der dem Unglauben immer noch ein Schlupfloch lässt. Er will ja, dass wir glauben, weil wir wollen, nicht weil wir müssen.

Allerdings erinnern sich die Jünger vielleicht, während sie den Berg hinunterstiegen, an jenes Erlebnis mit dem fürchterlichen Sturm auf dem See Genesareth, der ihr Schifflein fast zum Kentern gebracht hätte. Jesus, der geschlafen hatte, erhob sich und gebot dem Sturm: “Schweig, sei still!” und sofort war das Unwetter vorbei. So etwas ist einem “normalen Sterblichen” niemals möglich. Dass die entfesselten Naturkräfte einem Menschen aufs Wort gehorchen, kommt nicht vor. Bezeichnenderweise sind bei diesem eklatanten Wunder außer den Jüngern keine Zeugen zugegen.

Was aber sollten sie zu diesem neuerlichen Sichtbarwerden der Macht und Herrlichkeit Jesu sagen? Warum zeigte er das nicht allen Menschen, ja nicht einmal allen seinen Jüngern? Wäre dann die Verkündigung des Reiches Gottes nicht viel leichter gewesen? Eine Frage, die sich die Christen immer wieder stellten und stellen: warum ist der Herr mit seinen Wundern so sparsam?

Aber es ist nicht wirklich so. Die Wunder finden täglich statt. Nachdem das Erlösungswerk vollendet war, hat der Herr das Wunder sozusagen institutionalisiert. In den Sakramenten geschehen jeden Tag auf der ganze Erde gewaltige Zeichen. Bei der Firmung erhält der Mensch “die Gabe Gottes, den Hl. Geist”, bei der Taufe wird aus einem Geschöpf Gottes ein Kind Gottes. Und mehr noch: bei der Hl. Messe wird aus Brot und Wein der Leib und das Blut Jesu Christi. Diese Wandlung ist beinahe noch überwältigender als die Verwandlung Jesu auf dem Tabor. Damals war Jesus ja schon vorher zugegen, nur dass er seine Herrlichkeit, wie gewohnt, verborgen hatte. Bei der Wandlung in der Hl. Messe werden aber harmlose Gegenstände des täglichen Nahrungsbedarfs in die Person Jesu umgewandelt.

Unser Problem ist: alle diese objektiv realen Wunderdinge sind für unsere Sinne nicht wahrnehmbar. Und es ist verständlich, dass wir wieder fragen: wäre die Verkündigung nicht viel leichter, wenn man wenigstens etwas von diesen Herrlichkeiten Jesu des Herrn wahrnehmen könnte? Ein plötzlicher Glanz bei der hl. Wandlung, ein verklärtes Lächeln des eben getauften Kindes, leuchtende Augen beim gefirmten Jüngling?

Nichts davon.

Der Herr will unseren Glauben. Die Zeitgenossen Jesu, die den Herrn sahen, hatten es nicht leichter als wir. Auch sie mussten glauben. Petrus, Jakobus und Johannes sollten später beim Anblick der Todesangst Jesu im Ölgarten in der Erinnerung an seine Verklärung in ihrem Glauben gestärkt werden, den sie vielleicht sonst verloren hätten.

Wenn wir einmal schwach sind im Glauben, soll uns das nicht anfechten. Der Herr weiß das ja. Und auch uns gibt er die notwendigen Hilfen, damit wir im Glauben nicht wanken. Die größte Hilfe ist dabei, das was der himmlische Vater den Jüngern zuruft: “Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!” (Mt 17,7)

Als Christus durch seine Auferstehung sein Erlösungswerk vollendet hatte, ließ er nämlich durch Maria Magdalena seinen Jüngern ausrichten: “Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott” (Joh. 20,17). Hier gilt das gleiche wie bei dem Jesuswort: “Siehe da, dein Sohn. Siehe da, deine Mutter” (Joh 19,27). Alle Menschen sind gemeint. Wir alle sind Brüder und Schwestern Jesu Christi, der himmlische Vater ist unser Vater. Und – so tröstlich – die Mutter Gottes ist unsere Mutter.

Wenn wir das wirklich im Glauben tun, nämlich auf den “geliebten Sohn” hören mit allem, was das mit sich bringt, dann muss das Leben gelingen.

Das größte Wunder aber erwartet uns danach: wir selbst werden verwandelt. Und dann können wir Gott schauen wie er ist.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.  Der Fe-Medienverlag hat einige ZENIT-Beiträge vom Autor als Buch mit dem Titel „Der Stein, den die Bauleute verwarfen“ herausgebracht.

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Dein Wille geschehe – wollen wir das wirklich?

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4. Advent / Pixabay CC0 – Myriams-Fotos, Public Domain

Impuls zum 4. Adventssonntag im Jahreskreis A — 18. Dezember 2016

Im Evangelium des 4. Adventssonntags wird von den wenigen Perikopen, die von Maria handeln, die vornehmste und für unser Heil so wichtige vorgelegt: „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft“ (Lk  1,26-38).

Bei allen vorbereitenden Impulsen, die die Liturgie der Kirche im Advent präsentiert, ist dieser die entscheidende Voraussetzung für das Weihnachtsfest. Hätte Maria, die genauso frei war wie alle Menschen, zu der Botschaft nein gesagt, wäre der Gottessohn nicht in unsere Welt gekommen, wir wären nicht erlöst.

Die Worte des Erzengels Gabriel gaben der Kirche sehr bald Anlass, ihr Gebet – nächst dem trinitarischen Gott – auch an Maria zu richten, um ihre Fürsprache anzurufen, zu der uns der Herr selbst auffordert, wenn er am Kreuz sagt: „Siehe da deine Mutter!“

Nach dem Vaterunser ist das Gegrüßet seist du, Maria das beliebteste Gebet, das Christen sprechen.

Zu allen Zeiten, in allen Religionen, haben Menschen den Zugang zu Gott im Gebet gesucht, und es gibt wunderbare Gebete aus allen Sprachen und Religionen.

Um uns nun aber die Sicherheit zu geben, dass unser Gebet überhaupt bei Gott ankommt, wollte Jesus selbst uns ein Gebet schenken, von dem wir mit Sicherheit sagen können: das hört Gott gern. Das gleiche lässt sich vom Avemaria sagen, enthält es doch im ersten Teil Worte vom Himmel und im zweiten Teil Worte der Demut und des Vertrauens vonseiten des Beters.

Dieser Umstand, wie auch die Art und Weise, wie Jesus uns zu beten empfiehlt, nämlich mit Beharrlichkeit, ist für unsere Zeit besonders wichtig, denn viele Christen sind in ihrem Denken und Handeln dem Irrtum des sog. Modernismus aufgesessen, jener schon von Pius X. abgelehnten Lehre, die in der Praxis dazu führt, dass man nicht Gott sucht, wie er unabhängig von mir selber wirklich ist, sondern dass ich mir letztlich ‚meinen Herrgott selber mache’. In dieser Haltung baut man dann die Kirchen nicht mehr zur Ehre Gottes, sondern für die „religiösen Bedürfnisse“ der Menschen, wobei es dann auch nicht so wichtig ist, ob man Kirchen, Moscheen oder Tempel baut.

Aufgrund der von Christus angezeigten Vorgaben versucht die Kirche seit nunmehr zweitausend Jahren den Menschen zu vermitteln, worauf es ankommt, damit der einzelne Mensch zum ewigen Leben findet. Dass er sich außerdem hier auf Erden wohlfühlt, kann nur begrüßt werden, aber es wäre nicht im Sinne Christi, wenn das die Hauptsache wäre. „Suchet zuerst das Reich Gottes, und alles andere wird euch dazu gegeben werden!“

Oft genug ist es dem Herrn selbst passiert, dass die Leute etwas anderes wollten als er, aber er konnte ihnen nicht immer zu willen sein, denn wir Menschen sind da manchmal wie kleine Kinder, die auch oft Wünsche haben nach etwas, das ihnen gar nicht gut tut. Gott ist der „je ganz andere“, er ist nicht der gute Onkel, der immer tun muss, was wir gerade wünschen. Wenn wir so beten, werden wir häufig enttäuscht, denn wir sind seine Geschöpfe, während wir oft – unbewusst – so tun, als wäre er unser Geschöpf. Das heißt Gotteskindschaft nicht, dass wir über Gott verfügen können.

Immer wieder wird, auch in der Kirche, versucht, größere Probleme einer Volksabstimmung vorzulegen. Das mag im politischen Bereich sinnvoll sein – wenngleich es auch einige Beispiele in letzter Zeit gibt, wo das gründlich daneben gegangen ist – im kirchlichen Milieu ist das aber meistens nicht der richtige Weg, vor allem, wenn es sich um von Gott geoffenbarte Dinge handelt.

Anhänger dieser Richtung meinen, dass das Volk darüber abstimmen sollte, wie bestimmte Probleme zu lösen sind, einschließlich all der Fragen, die schon gelöst sind, die nur nicht immer leicht zu leben sind.

Der Zölibat kommt manchen, vor allem denen, die nichts damit zu tun haben, als schwer erträglich vor. Also soll man diskutieren und beschließen, dass er abgeschafft wird. Gerade in dieser Frage hat Jesus selbst gesagt „Wer es fassen kann, der fasse es“: im Klartext: nicht jeder kann es verstehen, vor allem nicht derjenige, der keine Berufung zur Ehelosigkeit „um des Himmelreiches willen“ hat. Da das die Mehrheit ist, wäre eine solche Frage, wenn sie mehrheitlich entschieden würde, bereits anders beantwortet, als Christus selbst sie gesehen hat. Wenn der Herr nicht so feinfühlig wäre, hätte er vielleicht hinzugefügt: „Und wer es nicht fassen kann, der halte sich da heraus“.

Im Augenblick befinden sich die meisten angesprochenen Probleme noch auf der Ebene des menschlichen Rechtes, d.h. in Zusammenhängen, zu denen Christus nicht direkt Verbindliches gesagt hat. Aber mit Sicherheit würden die Promotoren dieser Bewegung nicht bei Fragen des Zölibats und des Frauendiakonats stehen bleiben. Bei dem heutigen Stil der öffentlich gelenkten Diskussion ist damit zu rechnen, dass im Rahmen eines kirchlichen Volksbegehrens dann auch Probleme der chemischen und mechanischen Geburtenbeschränkung und dann der Abtreibung ‚positiv’ entschieden werden.

Später würde man in einer demokratischen Diskussion auch einzelne Glaubenssätze in Frage stellen können, die Dogmen. Es dürfte nicht schwer sein, einer Mehrheit plausibel zu machen, dass man die Theologie von mythischen und legendären Elementen freimachen müsse, dass Wunder dem modernen (‚gesunden’?) Volksempfinden nicht mehr entsprechen, und man viele Dinge neu interpretieren muss.

Aber verlieren wir uns nicht in Einzelheiten! Es genügt sich grundsätzlich zu fragen: hat Christus die Kirche so gewollt?

Auch im Altertum gab es Demokratie, er hätte die Kirche demokratisch einrichten können. Er hat es aber nicht getan. Er hat das Lehramt, die Aufgabe, das Reich Gottes in seinem Auftrag richtig zu deuten, nicht den Schriftgelehrten, sprich Theologen, Spezialisten, Ausschussvorsitzenden etc. anvertraut, sondern nur den Aposteln. Nur zu ihnen und ihren Nachfolgern, den Bischöfen hat er gesagt: „Wer euch hört, der hört mich, wer euch verwirft, der verwirft mich“ (Lk 10,16). An der Spitze der Apostel Petrus, an der Spitze des Bischofskollegiums der Nachfolger Petri, der Bischof von Rom.

Im Vaterunser beten wir nicht nur: gib uns täglich das Brot, das wir brauchen – gegen diese Bitte hat ganz gewiss niemand etwas einzuwenden. Aber wir beten auch: dein Name werde geheiligt, dein Wille geschehe! Wenn Gott wirklich der Herr ist und nicht wir selber, dann müssen wir auch dahinterstehen: Herr, es kann sein, dass du etwas anderes willst als wir – dann müssen wir uns fügen nicht umgekehrt.

Wir müssen uns auch dieser Frage stellen: will ich überhaupt, dass der Name Gottes geheiligt werde, dass sein Reich komme? Wir leben in einer Welt, die sich fast perfekt ohne Gott eingerichtet hat. Man hat ihn aus allem herauskomplimentiert, oft sogar aus der Kirche. Das ist wahrscheinlich die größte Sünde unserer Zeit: eine Gesellschaft ohne Gott, eine Umwelt ohne Schöpfer, eine Kirche des sozial-karitativen Engagements. Wo wird der Name Gottes denn geheiligt?

Das bevorstehende Weihnachtsfest gibt uns einen guten Anlass, dafür dankbar zu sein, dass Gott die Menschwerdung seines Sohnes in Demut und Armut keinem demokratisch gewählten Gremium vorgelegt hat. Demokratie ist im Prinzip gut, aber das Beispiel zeigt, dass auch gut meinende Parlamentarier diesem Plan Gottes wohl nicht zugestimmt hätten. Denn so hätte sich kaum einer den Erlöser der Welt vorgestellt: in einem Stall geboren, in einer Futterkrippe liegend. Oder gar wie ein Verbrecher hingerichtet.

Nehmen wir das Weihnachtsgeschehen in jenem einfachen Kinderglauben, wie es die Heiligen getan haben!

Der jüngst verstorbene Prälat des Opus Dei, Bischof Echeverría, schrieb in seinem letzten Brief, den er im Monat Dezember veröffentlichte:

„Vom 17. Dezember an erfüllt eine heiligmäßige Ungeduld unser Warten auf Jesus: Der Herr wird kommen, er lässt nicht auf sich warten. Es wird keine Angst mehr sein in der Welt, denn er ist unser Heiland.[9] ‚Wenn wir also von der Geburt Christi reden hören, wollen wir im Schweigen verharren und jenes Kind sprechen lassen; prägen wir seine Worte in unser Herz ein, ohne den Blick von seinem Antlitz abzuwenden. Wenn wir es in die Arme nehmen und uns von ihm umarmen lassen, wird es uns den Herzensfrieden geben, der niemals endet. Dieses Kind lehrt uns, was wirklich wesentlich ist in unserem Leben. Jesus wird in der Armut der Welt geboren, weil für ihn und seine Familie kein Platz in der Herberge ist. In einem Stall findet er Unterschlupf und Rückhalt und wird in eine Futterkrippe für Tiere gelegt. Und doch leuchtet aus diesem Nichts das Licht der Herrlichkeit Gottes auf.‘ (Papst Franziskus, Homilie, 24.12.2015)“

Fest davon überzeugt, dass es uns am besten geht, wenn der Wille Gottes geschieht, fährt der Prälat fort:

„Wenn der Umgang mit Gott so gelassen und froh wird, wie er im Stall zu Bethlehem war, strahlt er – gleichsam als eine reife Frucht – in unsere Familie aus und steckt sie mit der starken mitreißenden Freude an, die so typisch für diese Tage ist. Darum auch drängt uns die Kirche, unser Herz während des Advents gut zu bereiten, und sie ermahnt uns, über jedes wertlose Angebot, jeden ablenkenden Lärm und die Oberflächlichkeit des Soforthinweg zu gehen. Vielleicht treiben uns viele Angelegenheiten um, jedoch fehlt es uns an Gelassenheit im Umgang mit Gott. Wenn wir es schaffen, mit frohem Gleichmut unsere Beziehung zu Gott zu pflegen, dann werden wir diesen auch den anderen vermitteln können; das enge Zusammenleben an den Weihnachtstagen wird uns nicht zu Streitereien, Ärger, Ungeduld oder Hetze verleiten, und wir werden voll Freude zusammen beten und uns erholen, schöne Augenblicke im Kreis der Familie verbringen und alle Vorurteile oder geheimen Groll, die wir noch im Herzen tragen, entschärfen.“

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.

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