Dein Wille geschehe – wollen wir das wirklich?

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4. Advent / Pixabay CC0 – Myriams-Fotos, Public Domain

Impuls zum 4. Adventssonntag im Jahreskreis A — 18. Dezember 2016

Im Evangelium des 4. Adventssonntags wird von den wenigen Perikopen, die von Maria handeln, die vornehmste und für unser Heil so wichtige vorgelegt: „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft“ (Lk  1,26-38).

Bei allen vorbereitenden Impulsen, die die Liturgie der Kirche im Advent präsentiert, ist dieser die entscheidende Voraussetzung für das Weihnachtsfest. Hätte Maria, die genauso frei war wie alle Menschen, zu der Botschaft nein gesagt, wäre der Gottessohn nicht in unsere Welt gekommen, wir wären nicht erlöst.

Die Worte des Erzengels Gabriel gaben der Kirche sehr bald Anlass, ihr Gebet – nächst dem trinitarischen Gott – auch an Maria zu richten, um ihre Fürsprache anzurufen, zu der uns der Herr selbst auffordert, wenn er am Kreuz sagt: „Siehe da deine Mutter!“

Nach dem Vaterunser ist das Gegrüßet seist du, Maria das beliebteste Gebet, das Christen sprechen.

Zu allen Zeiten, in allen Religionen, haben Menschen den Zugang zu Gott im Gebet gesucht, und es gibt wunderbare Gebete aus allen Sprachen und Religionen.

Um uns nun aber die Sicherheit zu geben, dass unser Gebet überhaupt bei Gott ankommt, wollte Jesus selbst uns ein Gebet schenken, von dem wir mit Sicherheit sagen können: das hört Gott gern. Das gleiche lässt sich vom Avemaria sagen, enthält es doch im ersten Teil Worte vom Himmel und im zweiten Teil Worte der Demut und des Vertrauens vonseiten des Beters.

Dieser Umstand, wie auch die Art und Weise, wie Jesus uns zu beten empfiehlt, nämlich mit Beharrlichkeit, ist für unsere Zeit besonders wichtig, denn viele Christen sind in ihrem Denken und Handeln dem Irrtum des sog. Modernismus aufgesessen, jener schon von Pius X. abgelehnten Lehre, die in der Praxis dazu führt, dass man nicht Gott sucht, wie er unabhängig von mir selber wirklich ist, sondern dass ich mir letztlich ‚meinen Herrgott selber mache’. In dieser Haltung baut man dann die Kirchen nicht mehr zur Ehre Gottes, sondern für die „religiösen Bedürfnisse“ der Menschen, wobei es dann auch nicht so wichtig ist, ob man Kirchen, Moscheen oder Tempel baut.

Aufgrund der von Christus angezeigten Vorgaben versucht die Kirche seit nunmehr zweitausend Jahren den Menschen zu vermitteln, worauf es ankommt, damit der einzelne Mensch zum ewigen Leben findet. Dass er sich außerdem hier auf Erden wohlfühlt, kann nur begrüßt werden, aber es wäre nicht im Sinne Christi, wenn das die Hauptsache wäre. „Suchet zuerst das Reich Gottes, und alles andere wird euch dazu gegeben werden!“

Oft genug ist es dem Herrn selbst passiert, dass die Leute etwas anderes wollten als er, aber er konnte ihnen nicht immer zu willen sein, denn wir Menschen sind da manchmal wie kleine Kinder, die auch oft Wünsche haben nach etwas, das ihnen gar nicht gut tut. Gott ist der „je ganz andere“, er ist nicht der gute Onkel, der immer tun muss, was wir gerade wünschen. Wenn wir so beten, werden wir häufig enttäuscht, denn wir sind seine Geschöpfe, während wir oft – unbewusst – so tun, als wäre er unser Geschöpf. Das heißt Gotteskindschaft nicht, dass wir über Gott verfügen können.

Immer wieder wird, auch in der Kirche, versucht, größere Probleme einer Volksabstimmung vorzulegen. Das mag im politischen Bereich sinnvoll sein – wenngleich es auch einige Beispiele in letzter Zeit gibt, wo das gründlich daneben gegangen ist – im kirchlichen Milieu ist das aber meistens nicht der richtige Weg, vor allem, wenn es sich um von Gott geoffenbarte Dinge handelt.

Anhänger dieser Richtung meinen, dass das Volk darüber abstimmen sollte, wie bestimmte Probleme zu lösen sind, einschließlich all der Fragen, die schon gelöst sind, die nur nicht immer leicht zu leben sind.

Der Zölibat kommt manchen, vor allem denen, die nichts damit zu tun haben, als schwer erträglich vor. Also soll man diskutieren und beschließen, dass er abgeschafft wird. Gerade in dieser Frage hat Jesus selbst gesagt „Wer es fassen kann, der fasse es“: im Klartext: nicht jeder kann es verstehen, vor allem nicht derjenige, der keine Berufung zur Ehelosigkeit „um des Himmelreiches willen“ hat. Da das die Mehrheit ist, wäre eine solche Frage, wenn sie mehrheitlich entschieden würde, bereits anders beantwortet, als Christus selbst sie gesehen hat. Wenn der Herr nicht so feinfühlig wäre, hätte er vielleicht hinzugefügt: „Und wer es nicht fassen kann, der halte sich da heraus“.

Im Augenblick befinden sich die meisten angesprochenen Probleme noch auf der Ebene des menschlichen Rechtes, d.h. in Zusammenhängen, zu denen Christus nicht direkt Verbindliches gesagt hat. Aber mit Sicherheit würden die Promotoren dieser Bewegung nicht bei Fragen des Zölibats und des Frauendiakonats stehen bleiben. Bei dem heutigen Stil der öffentlich gelenkten Diskussion ist damit zu rechnen, dass im Rahmen eines kirchlichen Volksbegehrens dann auch Probleme der chemischen und mechanischen Geburtenbeschränkung und dann der Abtreibung ‚positiv’ entschieden werden.

Später würde man in einer demokratischen Diskussion auch einzelne Glaubenssätze in Frage stellen können, die Dogmen. Es dürfte nicht schwer sein, einer Mehrheit plausibel zu machen, dass man die Theologie von mythischen und legendären Elementen freimachen müsse, dass Wunder dem modernen (‚gesunden’?) Volksempfinden nicht mehr entsprechen, und man viele Dinge neu interpretieren muss.

Aber verlieren wir uns nicht in Einzelheiten! Es genügt sich grundsätzlich zu fragen: hat Christus die Kirche so gewollt?

Auch im Altertum gab es Demokratie, er hätte die Kirche demokratisch einrichten können. Er hat es aber nicht getan. Er hat das Lehramt, die Aufgabe, das Reich Gottes in seinem Auftrag richtig zu deuten, nicht den Schriftgelehrten, sprich Theologen, Spezialisten, Ausschussvorsitzenden etc. anvertraut, sondern nur den Aposteln. Nur zu ihnen und ihren Nachfolgern, den Bischöfen hat er gesagt: „Wer euch hört, der hört mich, wer euch verwirft, der verwirft mich“ (Lk 10,16). An der Spitze der Apostel Petrus, an der Spitze des Bischofskollegiums der Nachfolger Petri, der Bischof von Rom.

Im Vaterunser beten wir nicht nur: gib uns täglich das Brot, das wir brauchen – gegen diese Bitte hat ganz gewiss niemand etwas einzuwenden. Aber wir beten auch: dein Name werde geheiligt, dein Wille geschehe! Wenn Gott wirklich der Herr ist und nicht wir selber, dann müssen wir auch dahinterstehen: Herr, es kann sein, dass du etwas anderes willst als wir – dann müssen wir uns fügen nicht umgekehrt.

Wir müssen uns auch dieser Frage stellen: will ich überhaupt, dass der Name Gottes geheiligt werde, dass sein Reich komme? Wir leben in einer Welt, die sich fast perfekt ohne Gott eingerichtet hat. Man hat ihn aus allem herauskomplimentiert, oft sogar aus der Kirche. Das ist wahrscheinlich die größte Sünde unserer Zeit: eine Gesellschaft ohne Gott, eine Umwelt ohne Schöpfer, eine Kirche des sozial-karitativen Engagements. Wo wird der Name Gottes denn geheiligt?

Das bevorstehende Weihnachtsfest gibt uns einen guten Anlass, dafür dankbar zu sein, dass Gott die Menschwerdung seines Sohnes in Demut und Armut keinem demokratisch gewählten Gremium vorgelegt hat. Demokratie ist im Prinzip gut, aber das Beispiel zeigt, dass auch gut meinende Parlamentarier diesem Plan Gottes wohl nicht zugestimmt hätten. Denn so hätte sich kaum einer den Erlöser der Welt vorgestellt: in einem Stall geboren, in einer Futterkrippe liegend. Oder gar wie ein Verbrecher hingerichtet.

Nehmen wir das Weihnachtsgeschehen in jenem einfachen Kinderglauben, wie es die Heiligen getan haben!

Der jüngst verstorbene Prälat des Opus Dei, Bischof Echeverría, schrieb in seinem letzten Brief, den er im Monat Dezember veröffentlichte:

„Vom 17. Dezember an erfüllt eine heiligmäßige Ungeduld unser Warten auf Jesus: Der Herr wird kommen, er lässt nicht auf sich warten. Es wird keine Angst mehr sein in der Welt, denn er ist unser Heiland.[9] ‚Wenn wir also von der Geburt Christi reden hören, wollen wir im Schweigen verharren und jenes Kind sprechen lassen; prägen wir seine Worte in unser Herz ein, ohne den Blick von seinem Antlitz abzuwenden. Wenn wir es in die Arme nehmen und uns von ihm umarmen lassen, wird es uns den Herzensfrieden geben, der niemals endet. Dieses Kind lehrt uns, was wirklich wesentlich ist in unserem Leben. Jesus wird in der Armut der Welt geboren, weil für ihn und seine Familie kein Platz in der Herberge ist. In einem Stall findet er Unterschlupf und Rückhalt und wird in eine Futterkrippe für Tiere gelegt. Und doch leuchtet aus diesem Nichts das Licht der Herrlichkeit Gottes auf.‘ (Papst Franziskus, Homilie, 24.12.2015)“

Fest davon überzeugt, dass es uns am besten geht, wenn der Wille Gottes geschieht, fährt der Prälat fort:

„Wenn der Umgang mit Gott so gelassen und froh wird, wie er im Stall zu Bethlehem war, strahlt er – gleichsam als eine reife Frucht – in unsere Familie aus und steckt sie mit der starken mitreißenden Freude an, die so typisch für diese Tage ist. Darum auch drängt uns die Kirche, unser Herz während des Advents gut zu bereiten, und sie ermahnt uns, über jedes wertlose Angebot, jeden ablenkenden Lärm und die Oberflächlichkeit des Soforthinweg zu gehen. Vielleicht treiben uns viele Angelegenheiten um, jedoch fehlt es uns an Gelassenheit im Umgang mit Gott. Wenn wir es schaffen, mit frohem Gleichmut unsere Beziehung zu Gott zu pflegen, dann werden wir diesen auch den anderen vermitteln können; das enge Zusammenleben an den Weihnachtstagen wird uns nicht zu Streitereien, Ärger, Ungeduld oder Hetze verleiten, und wir werden voll Freude zusammen beten und uns erholen, schöne Augenblicke im Kreis der Familie verbringen und alle Vorurteile oder geheimen Groll, die wir noch im Herzen tragen, entschärfen.“

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.

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Unser Herz sei dort, wo die wahren Freuden sind

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Freude / Pixabay CC0 – Dana279, Public Domain (Cropped)

Impuls zum 3. Advent 2016, Lesejahr A — 11. Dezember 2016

“Freuet euch – Gaudete!” ruft uns die Liturgie der Kirche an diesem 3.Adventssonntag zu. Wer wird sich dieser Aufforderung verschließen? Die Freude spricht doch jeden Menschen an. Wer möchte sich nicht freuen?

Im Tagesgebet der Hl. Messe heißt es: “Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung, damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht werde!” Da haben wir den eigentlichen Grund für die adventliche Freude, im Geschenk der Erlösung.

In unserer Erinnerung mag so manche Freude auftauchen, die wir in irgendeinem Zusammenhang erlebt haben, und die uns vielleicht letzten Endes doch nicht mit Zuversicht erfüllt hat. Vielleicht sogar manch eine, die uns nachträglich beschämt hat. Die Freude, die wahre Freude ist ja gerade nicht ein diffuses Sich-wohl-fühlen. Der hl. Josefmaria Escrivá sagt: “Die Freude, die du haben sollst, ist nicht die eines gesunden Tieres, die wir eine physiologische Freude nennen könnten. Sie ist vielmehr eine übernatürliche, die aufkommt, wenn man alles hingibt und sich ganz den liebenden Armen Gottes, unseres Vaters, überlässt” (Der Weg 659).

Gerade die Weihnachtsfreude, auf die wir zugehen, zeigt uns am Beispiel der drei Hauptpersonen, Jesus, Maria und Josef, dass die wahre Freude nur übernatürlich zu begreifen ist. Eine bloß natürliche “Spaß an der Freud” ist durchaus nichts Verwerfliches, aber mit der “Freude im Herrn” nicht zu vergleichen. In dieser zeigt sich auch das, was uns so oft im christlichen Leben begegnet: jenes scheinbare Paradoxon, das uns immer wieder z.B. an der Bergpredigt – im guten Sinne – irritiert. Etwas, was auf den ersten Blick unerfreulich ist, wird gepriesen: “Selig, die Verfolgung leiden, selig, wenn ihr um meinetwillen beschimpft werdet” etc.

Was Maria und Josef auf dem Weg nach Bethlehem erleben, ist eine ganze Kette von unangenehmen Erlebnissen. Wie war doch in Nazareth alles so wunderbar für die Geburt des Kindes vorbereitet! Eine warme Stube, ein schöne von Josef gefertigte Wiege, die für das Kind nötigen Tücher und Gegenstände. Das alles musste man zurück lassen und statt dessen in die Stadt der Vorfahren, Bethlehem, ziehen, um sich in die Steuerlisten eintragen zu lassen. Das alles nur aufgrund einer Laune des Kaisers in Rom, der sich über die Zahl seiner Untertanen erkundigen wollte, um von ihnen anschließend mehr Steuern eintreiben zu können. Maria und Josef müssen einen unwahrscheinlich starken Glauben gehabt haben, dass sie hinter diesen vordergründigen Zusammenhängen die Hand Gottes sahen.

Und schließlich die unerquicklichen Erlebnisse in Bethlehem selbst. Die Stadt Davids quoll über von Fremden. Da der König David mehrere Frauen hatte, konnten viele Menschen in Israel ihre Abkunft auf ihn zurückführen. Nachdem alle Herbergen und Privathäuser belegt waren, blieb nur noch als buchstäbliche letzte Bleibe ein Stall, eine für den Aufenthalt von Tieren bestimmte Höhle, die wir uns nur als unangenehm vorstellen können. Dort war es schlicht und einfach kalt. Da eine solche Höhle keine Tür hat, zog es fürchterlich. Wo sonst Tiere leben, riecht es außerdem schlecht. Was uns so anmutig als Weihnachtsidylle vorkommt in den unzähligen Krippendarstellungen in aller Welt, war für die Beteiligten eine Zumutung. Josef mag am meisten darunter gelitten haben, dass er seiner Braut, der Jungfrau Maria, nichts Besseres bieten konnte.

Aber dann war das Kind da!

Alles Ungemach war wie weggeblasen. Eine unbeschreibliche Freude muss die beiden erfüllt haben. Eine so tiefe Freude, dass alles Unangenehme schnell vergessen war.

Da haben wir die Urgestalt der christlichen Freude. Der hl. Josefmaria sagt, dass die wahre Freude ihre “Wurzeln in Kreuzesform” hat. Die Wurzeln sieht man für gewöhnlich nicht, aber aus ihnen erwächst die Kraft.

Und im Kreuz eben ist nicht nur Heil, sondern auch Freude.

Ganz sicher ist es in Ordnung, wenn wir uns über die vorweihnachtliche Atmosphäre in unseren Städten, über die Lichter und die Geschenke, über die strahlenden Kinderaugen am Heiligen Abend freuen. Aber die Hauptsache kann das nicht sein.

Da Maria uns Jesus, “unsere Freude”, geboren hat, nennen wir sie mit Recht in der Lauretanischen Litanei, die “Ursache unserer Freude”, sie die nach der Tradition “Sieben Schmerzen” in ihrem Leben erlitten hat.

Wenden wir uns an sie in diesen Tagen, damit unsere Freude eine wirklich übernatürliche werde.

Vielleicht wird es auch uns zu einem anderen Zeitpunkt begegnen, dass die wahre Freude uns etwas abverlangt. Aber dann sind wir gewappnet.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.

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Braucht die Kirche Veränderungen und wenn ja, welche?

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Christus Vor Pilatus, Hans Multscher (Ca. 1400-1467) / Wikimedia Commons – YwHIlj4-Vj_oEg At Google Cultural Institute, Public Domain (Cropped)

Impuls zum Christkönigssonntag im Lesejahr C — 20. November 2016

Es fällt auf, dass in der letzten Zeit das christliche Volk immer wieder auf notwendige Veränderungen hingewiesen wird, die in dieser Zeit kommen sollen. Wobei man den Eindruck hat, dass grundsätzlich nicht zwischen wesentlichen und unwesentlichen Veränderungen unterschieden wird.

Ob man zum Empfang der Eucharistie nur eine Stunde oder aber von Mitternacht an nüchtern sein soll. Ob man am Freitag kein Fleisch isst oder aber ein anderes kleines Opfer bringt. Solche Änderungen sind ganz offensichtlich unproblematisch.

Aber ob andererseits das Priestertum nur von Männern oder auch von Frauen ausgeübt werden sollte, ist von anderem Kaliber. Oder ob die Homo-Ehe kirchlich akzeptiert wird oder nicht. Oder auch ob geschiedene Wiederverheiratete ohne weiteres die Sakramente empfangen können – das wären Änderungen, die an die Substanz gehen. Was die Geschiedenen betrifft, so ist es schlicht gesagt ein Irrtum zu glauben, dass das postsynodale Schreiben ‪„Amoris Laetitia“ eine Art Freifahrschein darstellt.

Dieses päpstliche Dokument, das so reich an guten Gedanken ist, kann, wie es in der Kirche immer üblich war, nicht gelesen werden, ohne dass man frühere verbindliche Äußerungen des Lehramtes wie z.B. ‪„Familiaris consortium“ des hl. Johannes Paul II. mitliest.

Nun könnte man sagen: da heute die Menschen sehr offen und flexibel sind, und obendrein die individuelle Freiheit sehr groß geschrieben wird, warum soll man nicht über mögliche Änderungen nachdenken dürfen, auch wenn sie von größerer Wichtigkeit sind?

Die Kirche hat zu dieser Problemstellung aus ihrer immerhin zweitausendjährigen Erfahrung – wir können ja die Kirche nicht heute neu erfinden – zwei fundamentale Merksätze parat.

1. Ecclesia est semper reformanda – die Kirche muss sich immer wieder erneuern. Das bedeutet, dass es tatsächlich Änderungen, die sinnvoll sind, gibt. Kardinal Meisner, der emeritierte Erzbischof von Köln, sagte neulich: „Es geht darum die Kirche zu erneuern, nicht sie zu verändern“ (Predigt beim Internationalen Priestertreffen in Köln 2016).

2. Christus heri, hodie et in saecula – Christus ist derselbe gestern, heute und morgen und in alle Ewigkeit.

Wir feiern heute das Hochfest Christkönig. Die Lesungen erinnern uns daran, dass dieser Jesus von Nazareth, den zu seiner Zeit viele nicht ernst genommen haben, tatsächlich der allmächtige Gott und Richter aller Welt ist. Bei Lukas lesen wir heute „In jener Zeit verlachten die führenden Männer des Volkes Jesus und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er er erwählte Messias Gottes ist“ (Lk 23,35 ff). Nicht nur dass sie seine Königswürde verspotten, sie finden es obendrein lächerlich, dass er anderen geholfen hat, was ein schlechtes Licht auf den Charakter dieser Leute wirft.

Auch heute gibt es sicher viele Menschen, die in Jesus einen erfolglosen Wanderprediger aus alten Zeiten sehen, der für uns heute keine besondere Bedeutung hat. Dass Europa seine einzigartige kulturelle Stellung in der Welt dem Christentum verdankt, wird ohne weiteres ausgeblendet. Und da liegt wohl der tiefere Grund für die uneingeschränkte Veränderungslust, die sich auch der Kirche bemächtigt hat. Wir haben unser historisches Bewusstsein verloren.

Wenn wir aber wirklich davon überzeugt sind, dass Christus buchstäblich der Allherrscher ist, dann können wir – mit Verlaub gesagt – nicht machen, was wir wollen.

Die Kirche ist nicht zuerst unsere Kirche, sondern seine. Und dennoch wird mit der größten Selbstverständlichkeit angenommen, dass das, was wir Menschen planen und ausführen, schon seine Billigung hat. Wer fragt z.B. danach, ob es dem Herrn recht ist, wenn man in vielen Diözesen das Sakrament der Beichte de facto abgeschafft hat. Er hat die Beichte uns gegeben, und sie ist wahrhaft eine Wohltat. Ich bin ganz sicher, es ist ihm nicht recht.

Was für die Beichte gilt, gilt sicher für alle Sakramente. Sehr viele Menschen, Fachtheologen wie auch normale Gläubige, haben immer wieder gute Ideen, und das ist sicher gut so. Aber bezüglich der Sakramente gibt es wirklich nichts neues zu erfinden. Auch im ökumenischen Zusammenhang muss man hier Veränderungen ausschließen. Da heißt es, im wahrsten Sinne des Wortes konservativ sein, denn es geht darum, das zu bewahren, was der Herr uns geschenkt hat.

Geradezu erschreckend ist der Kontrast zwischen der Machtlosigkeit Jesu vor seinen Henkern und der unwiderstehlichen Macht, die er ausstrahlt, wenn er wieder kommt.

Veränderungen wird es dann geben, aber sie kommen nicht von uns Menschen. In der Offenbarung des Johannes sagt Christus: „Siehe ich mache alles neu“. Und nicht wir machen den neuen Himmel und die neue Erde, sondern er.

Bitten wir auch Maria, die Mutter der Kirche, dass sie dafür sorgt, dass die Kirche der Fels in der Brandung der ständigen irdischen Wandlungen bleibt.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.

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Engel vs. Teufel – und wo stehe ich?

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Reims, Lachender Engel / Wikimedia Commons – Vassil, Public Domain

Impuls zum 14. Sonntag im Jahreskreis C — 3. Juli 2016

“Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen” (Lk 10,17). Ein wenig rätselhaft ist es schon, dass Jesus im Zusammenhang mit der Aussendung der Jünger den Teufel erwähnt. Er möchte offensichtlich, dass wir uns bei der Verkündigung des Reiches Gottes, also bei der Katechese, beim persönlichen Apostolat, darüber im klaren sind, dass es dabei auch gilt, “die ganze Macht des Feindes zu überwinden” (Lk 10,18). Er will, dass die Christen – alle Getauften betrifft ja der Missionsbefehl des Herrn – sich keinen Illusionen hingeben: die Wahrheit Jesu Christi wird durchaus nicht immer mit offenem Herzen aufgenommen. Und da ist tatsächlich eine reale Person, genauer gesagt ganz viele, die jede Katechese torpedieren wollen.

Viele haben sich darüber gewundert, dass Papst Franziskus des öfteren den Teufel erwähnt. Auch diese Verwunderung hat sicher mit einer verengten exegetischen Perspektive, von der Professor Klaus Berger spricht, zu tun. Dass es den Teufel gibt, kann man beim “besten” Willen nicht aus dem Neuen Testament herausinterpretieren (wenn man denn an die göttliche Herkunft der Heiligen Schrift glaubt).

Auch im heutigen Evangelium des hl. Lukas wird dies deutlich, wo Jesus ganz kurz, aber sehr dramatisch beschreibt, welche persönliche Erfahrung er selbst mit dem Widersacher gemacht hat. Nicht von der Begegnung in der Wüste spricht er, wo er zu Beginn seines öffentlichen Auftretens jene drei exemplarischen Versuchungen zu bestehen hatte, die uns zeigen sollten, dass man Versuchungen bestehen kann.

Das Wort von dem vom Himmel stürzenden Satan reicht in ferne Urzeiten zurück, als der Teufel, damals noch ein Engel, selber eine Versuchung präsentiert bekam, der er aber nicht widerstand.

Unsere von der Aufklärung so nachhaltig geprägte Zeit tut sich schwer mit den Engeln und erst recht mit den gefallenen Engeln. Viele Christen genieren sich, wenn Andersgläubige bei der Erwähnung der Engel oder der Teufel ein ironisches Lächeln aufsetzen. Also besser nicht davon sprechen. Vielleicht gibt es sie ja auch gar nicht.

Aber ein verkürztes Evangelium nützt niemandem. Vielleicht rächt es sich jetzt, dass viele Pfarrer über die Engel nie predigen, weder über die guten, noch über die bösen. Viele Christen sind daraufhin in den letzten Jahrzehnten zu den Esoterikern hinüber gewandert, weil sie dort von den Engeln hören. Und nicht immer nur Falsches.

Der Sturz des Satans muss eine gewaltige Tragödie gewesen sein. Luzifer war der schönste aller Engel, der Lichtträger, aber seine Größe stieg ihm zu Kopf. Er erlag der Versuchung der schlimmsten Sünde, nämlich des Hochmuts, und rief: “Non serviam!” Ich diene nicht.

Sein Sturz war ein plötzlicher. Er verlor mit einem Mal alle ihm von Gott verliehenen guten und schönen Eigenschaften (denn gut und schön war im Anfang das gleiche): seine lichtvolle Schönheit, sein majestätisches Auftreten, seine Anmut, und übrig blieben nur Hass und Hässlichkeit, Neid und Bosheit.

Mit ihm stürzten unbeschreiblich viele, die sich von ihm hatten verführen lassen. Sein Gegenspieler war der hl. Michael, sein Name bedeutet “Wer ist wie Gott?” Seine Demut hat den Stolz überwunden.

So steht am Anfang der Geschichte – noch bevor es Menschen gab – der Sturz der Engel. Die in der Treue zu Gott verbliebenen Engel wurden in der Gnade befestigt und in die beseligende Anschauung Gottes geführt. Und wer Gott schaut, kann nicht mehr sündigen.

Da die guten Engel Christus, den Logos, lieben, ist es ihnen ein Anliegen, seinem Wunsch entsprechend, uns Menschen zur Erlösung und damit zu den Freuden des Himmels zu begleiten. Genau wie Gott selber es tut, respektieren sie unseren freien Willen. Deshalb ist ihre Hilfe immer nur eine sozusagen beratende. Entscheiden müssen wir uns in jedem Augenblick selber.

Die gefallenen Engel, nunmehr Teufel, haben ein böses Interesse daran, die Menschen, von denen sie wissen, dass Gott sie liebt und sich für sie geopfert hat, von Gott abzubringen. Da in ihnen, den gefallenen Engeln, nichts Gutes mehr ist, gehen sie ganz in diesem vom Neid motivierten Bestreben auf. Verständlich, dass der Teufel die Verkündigung der Frohen Botschaft unbedingt verhindern will.

Das ist seit fast zweitausend Jahren so, und auch heute sind es nicht nur die schlechten Menschen und die falschen Ideen, die gegen das Reich Gottes kämpfen. Hinter ihnen stehen diese Gesellen, die mit ihrem seit so langer Zeit bewährten Arsenal von Versuchungen alles Böse kräftig fördern.

Das ist gut zu wissen. Dennoch möchte der Herr auch nicht, dass wir dem bösen Feind zuviel Aufmerksamkeit widmen. Deshalb erwähnt er ihn nur kurz. Beachten wir umso mehr die guten Engel, die uns viel mehr helfen könnten, wenn wir sie mehr darum bäten. Auch das hat mit der menschlichen Freiheit zu tun, dass die Himmlischen gewissermaßen nicht helfen können, wenn wir sie nicht bitten, denn wie sollen sie wissen, dass wir ihre Hilfe überhaupt wollen?

Aber dadurch, dass wir von den Aktivitäten der bösen Engel wissen und auch das Gegenmittel kennen, nämlich das Vertrauen auf die Hilfe Gottes, kommen wir besser damit zurecht und brauchen nichts zu fürchten. Das Wort “Gott mit uns” hilft uns unbedingt, uns den Menschen zu widmen, um dann festzustellen, dass sie so schlecht gar nicht sind. Es hilft uns, falsche Ideen zu entlarven und zu widerlegen.

Der Teufel ist der Vater der Lüge. Aber seine Macht hört da auf, wo die Menschen das Wort Jesu beherzigen: “Die Wahrheit wird euch frei machen”.

Bei alledem ist immer die Unbefleckte Jungfrau Maria die große Helferin. Für uns ist sie die liebevolle Mutter, für die Dämonen ein furchtbares Heer in Schachtordnung. Mit ihr kann uns nicht nur nichts passieren, mit ihr wird die Kirche auch heute auf die Menschen zugehen und ihnen die Freude Christi bringen.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.

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