DER HEILIGE FRANCISCO UND „DER VERBORGENE JESUS“

Schweizer Fatima-Bote Nr. 77 3/2018

Nachstehend bringen wir aus dem Buch „Jacinta und Francisco – selige Kinder von Fatima“ ei­nen Auszug über die spezielle Beziehung vom inzwischen heilig gesprochenen Francisco zum sogenannten „verborgenen Jesus“, den er bei jeder sich bietenden Gelegenheit im Tabernakel der Kirche aufsuchte. Das Buch ist von Jean­Francois Louvencourt, Trappist der Abtei Notre-Dame de St. Rémy in Rochefort, Belgien. Es um­fasst fast 600 Seiten und ist noch vor der Heilig­sprechung der Kinder erschienen. Wir bringen hier die Seiten 384 bis 389.

Francisco liebt es, sich in die Natur zurück­zuziehen, denn sie ist ihm Freundin, weil sie ihn vor eventuellen Indiskretionen schützt und für die Intimität seines Gebetes förder­lich ist. Genauso gerne aber mag er die Ein­samkeit seines Zimmers, dessen Tür er ab­schliesst, wie es das Evangelium empfiehlt (vgl. Mt 6,6), und Gott im Geheimen anbe­tet; das war seine Gewohnheit während der langen Monate seiner Krankheit. Am liebsten aber geht er zum verborgenen Jesus. Bei ihm merkt er nicht, wie die Zeit vergeht. Stunde um Stunde bleibt er bei ihm, allein mit ihm, in der Stille. Ja, ganze Stunden, zum Beispiel ebenso lange, wie die Schule dauert: Früh am Morgen verlässt ihn Lucia auf der Schwelle der Kirche und nach dem Unterricht, am späten Vormittag, holt sie ihn dort ab, wo sie weiss, dass sie ihn wiederfin­den wird, das heisst tief im Gebet vor dem Allerheiligsten versunken.

Francisco und der verborgene Jesus: Nie­mand wird jemals den Inhalt ihrer Unterhal­tungen erfahren, nichts von den liebevollen Blicken, die sie austauschen oder von dem gegenseitigen Vertrauen, das sie sich entge­genbringen. Und doch besitzen wir gewisse Indizien, wie jenen Tag, an dem eine Dame Theresia, eine der Schwestern Lucias bittet, diese solle für sie bei der Jungfrau Maria Fürbitte einlegen zugunsten ihres Sohnes, der fälschlicherweise eines Verbrechens an­geklagt worden war, das er nicht begangen hatte. Da Lucia diese Bitte erhalten hatte, als sie gerade zur Schule aufbrach, erzählt sie Francisco auf dem Schulweg davon, und er antwortet ihr:

„Hör mal! Während du zur Schule gehst, bleibe ich beim verborgenen Jesus und bete darum.“ Als ich aus der Schule kam, ging ich ihn rufen und fragte ihn: „Hast du Unseren Herrn um jene Gnade gebeten?“ — „Ja! Sage Theresia durch deine Schwester, dass er in wenigen Ta­gen nach Hause kommt.“

In der Tat, einige Tage darauf war der arme Junge schon zu Hause und am Dreizehnten kam er mit der ganzen Familie, um Unserer Lieben Frau für die erlangte Gnade zu danken (Schwester Lucia spricht über Fatima, S. 172).

Der verborgene JesusBigschofancisco: Wattie einander an jenem Tag gesagt haben? Sicher ist: Zwischen beiden hat sich mit der Zeit eine so enge und ver­traute Verbindung entwickelt, dass Fran­cisco seine Bitte mit einer Überzeugung vorbringen kann, die Jesus anrührt. Bes­ser noch: Francisco gelangt zu der ruhigen und absoluten Sicherheit, dass sein Gebet schon erhört ist. Und noch besser: Er scheint so sehr an diese enge Bezie­hung zu Gott gewöhnt zu sein, dass er von einer erlangten Gnade wie von der natürlichsten Sache der Welt spricht.

Francisco, das Kind, das von Gott faszi­niert ist. Nicht von einem pantheisti­schen Gott, zurückgezogen oder anonym, sondern von einem persönlichen Gott. Und weil die Person Beziehung ist, bis hin zur Vereinigung, zur Kommunion, ist Gott in sich selbst drei-persönlich. Des­halb lehrt der Engel die drei Hirtenkinder dieses Gebet, das hier nun unbedingt vollständig wiedergegeben werden soll:

„Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, in tiefster Ehrfurcht bete ich Dich an und opfere Dir auf den kostbaren Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit Jesu Christi, gegenwär­tig in allen Tabernakeln der Erde, zur Wiedergutmachung für alle Schmähun­gen, Sakrilegien und Gleichgültigkeiten, durch die Er selbst beleidigt wird. Durch die unendlichen Verdienste seines Hei­ligsten Herzens und des Unbefleckten Herzens Mariens bitte ich Dich um die Bekehrung der armen Sünder.“

(Schwester Lucia spricht über Fatima, Seite 183).

Mit der kontemplativen Sichtweise, die ihm eigen ist, ist Francisco derjenige von den Dreien, der sich am stärksten von diesem Gebet angezogen fühlt. Ein kom­plexeres Gebet als die anderen, dessen Tragweite ihm anfangs nicht klar ist, die sich aber immer mehr erhellt, als er die drei Teile entdeckt, die es gliedern, ge­kennzeichnet durch drei Verben, die den Betenden mit der Heiligen Dreifaltigkeit verbinden: „Ich bete Dich an – ich opfe­re Dir auf – ich bitte Dich.“ Die Anbe­tung ist jene Haltung des Leibes und der Seele, die so gut seiner Demut entspricht und der er sich so gerne hingibt. Das Op­fer, das auf jenes Opfer des verborge­nen Jesus hinweist, zu dem dieser sich selbst in der Eucharistie macht, ist das Opfer, das auch Francisco aus sich selbst macht, um die gegen seinen Herrn begange­nen Sünden zu sühnen, den er um jeden Preis trösten will. Was die Bitte anbetrifft, so zielt sie auf die Bekehrung der Sünder, für die er unablässig betet. So dringt Fran­cisco immer mehr in dieses Gebet ein, das er gerne vertieft und meditiert. Er bemerkt, dass es sogar die Besonderheit hat, alle grossen Aspekte des Geheimnisses von Fati­ma zu umfassen, allerdings indem es sie in das Licht des Geheimnisses der Heiligen Dreifaltigkeit stellt und in diesem Licht ver­eint. Dieses Geheimnis, das er mit der Kir­che für das grundlegendste und höchste al­ler Geheimnisse ansieht, macht er zur Mitte seines Lebens.

Wenn die Erscheinungen des Engels mit ei­nem wesentlich trinitarischen Gebet enden, so schliessen die Erscheinungen Unserer Lie­ben Frau von Anfang an eine Vision ein, de­ren Gehalt ebenfalls trinitarisch ist.

Als Unsere Liebe Frau am 13. Mai 1917 zum ersten Mal die Hände öffnet, wirft sie den Glanz eines übernatürlichen Lichtes auf die Kinder. Das wichtigste Ziel dieses Lichtes ist, wie Lucia schreibt, sie „zu Gott und den Geheimnissen der Allerheiligsten Dreifaltig­keit“ zu führen (Schwester Lucia spricht über Fatima, S. 136).

So wie Jacinta für immer von der Vision vom 13. Juni 1917 gefangen ist, die ihr „die Er­kenntnis und die besondere Liebe zum Un­befleckten Herzen Mariens“ eingegossen hat, (Schwester Lucia spricht über Fatima, S. 136), so ist Francisco für sein Leben von dem ersten Schein des Lichtes geprägt, das von den Händen Unserer Lieben Frau aus­geht:

„Was ihn am meisten beeindruckte und fes­selte war Gott, die Heiligste Dreifaltigkeit in jenem unermesslichen Licht, das uns bis in die Tiefe der Seele durchdrang“ (Schwester Lucia spricht über Fatima, S. 157).

Übrigens fällt er bald nach der unvergessli­chen Vision vom 13. Mai auf die Knie, eben­so wie Jacinta und Lucia. Und unter dem Eindruck einer und derselben Eingebung spüren alle drei in ihrem Inneren eine Anru­fung aufsteigen, die sie so gerne und oft wiederholt haben:

„O Heiligste Dreifaltigkeit, ich bete Dich an!“

Wie könnten wir, von Francisco geführt, ei­nen anderen Schluss daraus ziehen als die erneute Betonung der trinitarischen Dimen­sion der Botschaft von Fatima? Die Heilige Dreifaltigkeit ist nicht nur von der ersten Erscheinung des Engels und der ersten Er­scheinung Unserer Lieben Frau all gegenwär­tig – so wird wunderbarerweise ein Band zwischen den beiden Erscheinungszyklen ge­knüpft – sondern sie taucht auch im dritten Erscheinungszyklus wieder auf, den Lucia nach ihrer Abreise aus Aljustrel erfuhr, mit der grandiosen Theophanie vom 13. Juni 1929, also zehn Jahre nach dem Tod Franciscos. Jeder dieser drei Erschei­nungszyklen beinhaltet also eine trinitari­sche Phase von ganz besonderer Intensität, und das ergibt aussergewöhnliche trinitari­sche Manifestationen: ein Gebet von engli­scher Herkunft (des Engels von Portugal), eine ebenso sublime wie unauslöschliche Vi­sion und eine weitere Vision, die ebenso sublim, obwohl „beschreibender“ ist. Es handelt sich also um ein absolut einzigarti­ges Triptychon in der Geschichte der Er­scheinungen.

Die besondere Stellung, welche die Dreifal­tigkeit in der Botschaft von Fatima ein­nimmt, wird durch ein Zeichen bestätigt, das nicht täuschen kann: durch die Häufig­keit der Zahl „drei“. Diese Zahl taucht in der Tat zu oft auf, als dass es sich um einen einfachen Zufall handeln könnte und nicht eine offenbare Erinnerung an die Allgegen­wart des allmächtigen Gottes wäre. Um die Häufigkeit dieser Zahl aufzuzeigen, wollen wir die unterschiedlichen, in Fatima han­delnden Personen betrachten, welche übri­gens auch drei sind.

Die Kinder

Es sind drei Kinder, und alle drei sind bei jeder der Erscheinungen immer zusammen. Insgesamt werden ihnen neun Erscheinungen gewährt, das heisst also drei mal drei Er­scheinungen. Als sie vom göttlichen Licht umflossen werden, sind sie, wie wir gesehen haben, zehn, neun und sieben Jahre alt, ins‑

gesamt also sechsundzwanzig. Wie wir ge­sehen haben (weiter vorne in diesem Buch, die Red.), ist sechsundzwanzig die Zahl Got­tes, diese Zahl ist das Doppelte von drei­zehn, und dreizehn ist, wie der hl. Isidor von Sevilla uns sagte, die Summe aus zehn, der Zahl der Gebote, und drei, welches den Autor der Gebote bezeichnet, also die Heilige Dreifaltigkeit.

Der Engel

Dreimal erscheint er den Kindern, zu drei verschiedenen Jahreszeiten. Jedes der Ge­bete, die er sie lehrt, wiederholt er drei Mal. Und das Gebet, das er ihnen beim drit­ten Mal beibringt, enthält drei Teile. Drei­mal auch spricht er zu ihnen über die Her­zen Jesu und Mariä.

Unsere Liebe Frau

Sie besteht selbst auf dieser Zahl. Dreimal zeigt sie ihr Herz: ein einziges Mal im Jahr 1917, zwei weitere Male jedoch im folgen­den Jahrzehnt, am 10. Dezember 1925 und am 13. Juni 1929. Jedes der beiden Gebe­te, welche sie die Kinder am 13. Juli 1917 lehrt, enthält drei Teile. Das Geheimnis, das sie ihnen am selben Tag anvertraut, hat ebenfalls drei Teile, und der Mittelteil spricht drei Mal von ihrem unbefleckten Herzen. In genau diesem Jahr 1917 spricht sie drei Mal von „Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz“. Nun beinhaltet der Rosen­kranz insbesondere das Ave Maria, dessen Beginn auf jede der drei göttlichen Perso­nen hinweist und aus dem »Ehre sei dem Vater..«, dessen „trinitarische Doxologie“, die der „Gipfel der Betrachtung“ ist, der „Zielpunkt der christlichen Kontemplati­on“, woran Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben zum Rosenkranz passend erinnert hat.

Wir wollen noch erwähnen, dass am 13. September und auch im folgenden Mo­nat drei Mal Rauchwolken vor Unserer Lie­ben Frau aufstiegen, als die Engel sie mit ihren goldenen Weihrauchfässern verehr­ten. Die Erscheinung vom 13. Oktober, die den Zyklus in der Cova da Iria abschloss, verläuft ebenfalls in drei Abschnitten: der Besuch Unserer Lieben Frau, die vielfältige Vision und das Sonnenwunder. Dieses Wun­der wurde drei Monate früher angekündigt und enthält drei Momente, denn die Sonne „tanzt“ drei Mal hintereinander.

Es spricht also alles von der Dreifaltigkeit: nicht nur die Natur, wie uns Lucia weiter oben sagte, sondern auch der Engel, so­dann Unsere Liebe Frau, und selbst die Zahlen. Ohne unseren Leib und unser Herz auszulassen, denn Papst Benedikt versi­chert, dass „das Sein des Menschen in sei­nem <Erbgut> die tiefe Spur der Dreifaltig­keit trägt, des Gottes, der die Liebe ist“ (Angelus vom 7. Juni 2009), und auch Schwester Lucia schreibt übrigens: „Wir sind lebendige Tabernakel, in denen die Heiligste Dreifaltigkeit wohnt“ (Aufrufe, S. 135).

Trotz der Vielfalt und des Reichtums dieser Zeichen und der Manifestationen bleibt im­mer ein Abgrund zwischen der immanenten Trinität und alledem, was wir jemals über sie wissen können. Dieser Apophatismus, (siehe Erklärung am Schluss) der in jedem Versuch inhärent vorhanden ist, dieses Geheim­nis zu erfassen, ist ein integraler Bestandteil des Annäherns an das Wesen der Dreifaltig­keit durch Francisco. Natürlich hat er nie ei­ne theologische Ausbildung genossen, noch hat er je über die Unmöglichkeit jeglichen Vorhabens gehört, Gott zu beschreiben oder für das menschliche Verständnis erfassbar zu machen, wenn nicht eben als unerfasslich. Aber er betet, er betet viel, und im Gebet bekommt er jene Eingebung, welche die be­kanntesten kontemplativen Menschen weit entwickelt haben, ohne sie jemals übertref­fen zu können: „Wie Gott doch ist! Das kann man nicht aussprechen! Ja, das kann keiner jemals sagen!“

So viele Negationen in so wenigen Worten! die gesamte „negative“ Theologie der gröss­ten Mystiker seit Dionysos Areopagita ist da­rin enthalten, ist bei Francisco virtuell prä­sent.

So also ist Francisco, das kontemplative Kind, das Kind der apophatischen Stille, das Kind, das von der Heiligsten Dreifaltigkeit faszi­niert ist sowohl in ihrer absoluten Transzen­denz als auch von ihrem Einwohnen im In­nersten eines jeden von uns. So ist Francisco das Kind, dessen Kontemplation seinem Sinn für das praktische Leben und für die Hingabe keineswegs schadet, sondern beides sogar, ganz im Gegenteil, noch anregt und verfei­nert. (…)

Bezüglich dem Wort „Apophatismus“ hat Pfr. Gerald Hauser wie folgt geantwortet:

Im Zusammenhang mit den Kindern von Fati­ma kann „apophatische Stille“ einfach nur heissen, dass Francisco die Unsagbarkeit, Un­nennbarkeit, Unerkennbarkeit Gottes erfah­ren hat. Wie der hl. Thomas von Aquin, im­merhin der grösste Theologe unserer Kirche, der, nachdem er eine Vision Gottes gehabt hatte, nichts mehr geschrieben hat, weil ihm alles, was er je über Gott gesagt und ge­schrieben hatte, wie Stroh vorkam gegenüber der Herrlichkeit Gottes, die er schauen durf­te.

Und damit wurde aus diesem Mann, der so viel und so viel Gutes geschrieben hatte, ein Heiliger der „apophatischen Stille“.

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Quelle: Schweizer Fatima-Bote Nr. 77 3/2018

Siehe dazu auch:

Fides christianorum resurrectio Christi est — Ansprache Pauls VI. an die Teilnehmer des Symposiums über die Auferstehung Jesu, Rom, 4. April 1970

Der auferstandene Jesus und der Apostel Thomas, Detail, Freske aus dem 14. Jh., Oberkirche des Klosters Sacro Speco, Subiaco (Rom).

Sehr geehrte Herren,

Wir sind sehr gerührt über die warmherzigen, zuversichtlichen Worte, die der ehrwürdige Pater Dhanis in Ihrem Namen für Uns gefunden hat, und wir danken dem Herrn, der uns dieses Treffen mit hochrangigen Experten im Bereich der Exegese, der Theologie und der Philosophie bescherte, die gekommen sind, um sich brüderlich über ihre Arbeiten zum Geheimnis der Auferstehung Christi auszutauschen. Groß ist Unsere Freude über dieses Symposium, das dank der großherzigen Gastfreundschaft des Instituts „San Domenico“ in der Via Cassia veranstaltet werden konnte. Wir möchten den Verantwortlichen und allen Teilnehmern, die Wir hier begrüßen dürfen, Unseren herzlichen Dank aussprechen, vereint mit Unserer tiefen Wertschätzung, Unserem besonderen Wohlwollen und Zuspruch.

Wir wollen Ihnen hier in aller Einfachheit einige Denkanstöße geben, die uns dieses so bedeutungsvolle Thema der Auferstehung Jesu nahelegt, das Sie lobenswerterweise zum Thema Ihrer Arbeiten machen wollten.

1. Man muss wohl kaum betonen, welch große Bedeutung Wir – wie übrigens alle unsere christlichen Kinder, Brüder und Schwestern – dieser Studie beimessen. Ja, Wir möchten fast zu sagen wagen: die meiste Bedeutung messen Wir ihr bei – schon aufgrund der Rolle, die uns der Herr im Schoße Seiner Kirche zugedacht hat und die Uns zum privilegierten Zeugen und Glaubenshüter macht! Und dreht sich vielleicht nicht die ganze Evangeliengeschichte um die Auferstehung: was wären die Evangelien, die die Frohbotschaft des Herrn Jesus verkünden, ohne sie? Liegt vielleicht nicht gerade darin die Quelle der gesamten christlichen Verkündigung, angefangen beim ersten Kerygma, das ja gerade dem Zeugnis der Auferstehung erwächst (vgl. Apg2, 32)?

Ist es nicht vielleicht der Angelpunkt der gesamten Epistemologie des Glaubens, ohne den dieser seine Konsistenz verlieren würde, wie schon die Worte des Apostels Paulus besagen: „Ist aber Christus nicht auferweckt worden […] dann ist euer Glaube sinnlos“ (vgl. 1Kor 15, 14)?

Ist es vielleicht nicht allein die Auferstehung Jesu, die der ganzen Liturgie, allen unseren „Eucharistiefeiern“ Sinn gibt, mit der Versicherung der Präsenz des Auferstandenen, den wir in der Danksagung feiern: „Deinen Tod, oh Herr, verkünden wir und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit“ (Anamnesis)?

Ja, die ganze christliche Hoffnung gründet sich auf die Auferstehung Christi, in der unsere eigene Auferstehung mit Ihm „verankert“ ist. Ja, wir sind bereits mit Ihm auferweckt (vgl. Kol 3, 1): in den Stoff unseres christliches Lebens ist diese unerschütterliche Gewissheit und diese verborgene Wirklichkeit eingewoben, mit aller Freude und Dynamik, die sich daraus ergibt.

2. Und ist es vielleicht nicht erstaunlich, dass ein derartiges Geheimnis – so grundlegend für unseren Glauben, so bereichernd für unseren Geist – im Laufe der Geschichte verschiedene Formen angenommen hat und nicht nur das leidenschaftliche Interesse seitens der Exegeten, sondern auch vielfältige Proteste hervorrief? Dieses Phänomen hatte sich schon zu Lebzeiten des Evangelisten Johannes gezeigt, der meinte, präzisieren zu müssen, dass der ungläubige Thomas aufgefordert worden war, die Male der Nägel zu berühren und seine Hand in die verwundete Seite des auferstandenen Wortes des Lebens zu legen(vgl. Joh 20, 24-29).

Wie sollte man hier nicht an die seither angestellten Versuche jener Gnosis denken, die in vielfältigen Formen immer wieder in Erscheinung tritt und die dieses Geheimnis mit allen Ressourcen des menschlichen Verstandes zu durchdringen und auf die Dimensionen rein menschlicher Kategorien zu verkürzen suchte? Eine mehr als verständliche Versuchung, und zweifellos eine unvermeidliche, aber mit der gefährlichen Tendenz, den Reichtum und die Tragweite dessen zu entleeren, was vor allem ein Fakt ist: die Auferstehung des Retters.

Noch heute – und das müssen Wir Ihnen gewiss nicht in Erinnerung rufen – haben wir die letzten dramatischen Folgen dieser Tendenz vor Augen, die nicht selten dazu führt, dass Gläubige, die sich Christen nennen, den historischen Wert des inspirierten Zeugnisses leugnen oder, in jüngerer Zeit, die leibliche Auferstehung Jesu in rein mythischer, spiritueller oder moralischer Weise interpretieren. Wie soll man die unleugbar zerstörerischen Auswirkungen nicht wahrnehmen, die diese schädlichen Diskussionen auf viele Gläubige haben? Aber Wir sehen das alles – wie Wir hier mit Nachdruck betonen – ohne Furcht: Heute wie gestern gelingt es dem Zeugnis „der Elf und der anderen Jünger“ nämlich, mit der Anmut des Heiligen Geistes den wahren Glauben zu erwecken: „Der Herr ist wirklich auferstanden und dem Simon erschienen“ (Lk 24, 34-35).

Paul VI. betet am Heiligen Grab.

3. Mit diesen Gefühlen verfolgen Wir also mit großem Respekt die hermeneutische und exegetische Arbeit, die so qualifizierte Männer der Wissenschaft wie Sie zu diesem wichtigen Thema leisten. Diese Haltung entspricht den Prinzipien und Normen, die die katholische Kirche für die Bibelstudien festgelegt hat; man muss nur an die bekannten Enzykliken Unserer Vorgänger denken: Providentissimus Deus von Leo XIII. aus dem Jahr 1893, und Divino afflante Spiritu von Pius XII. aus dem Jahr 1943 – oder an die dogmatische Konstitution Dei Verbum des II. Vatikanischen Konzils: Darin wird nicht nur die rechte Freiheit der Forschung anerkannt, sondern auch daran gemahnt, dass das Studium der Heiligen Schrift den heutigen Erfordernissen angepasst sein muss und es gilt, „sorgfältig zu erforschen, was die heiligen Schriftsteller wirklich zu sagen beabsichtigten“ (vgl. Dei Verbum, Nr. 12). Diese Perspektive weckt auch in der Welt der Kultur Interesse und stellt eine Quelle neuer Bereicherung für die Bibelstudien dar. Wir freuen Uns, dass dem so ist. Wie immer zeigt sich die Kirche als gestrenge Hüterin der schriftlichen Offenbarung; und heute zeigt sie sich beseelt von einer berechtigten Sorge: Alles zu wissen, alles mit Unterscheidungsvermögen abzuwägen und den Bibeltext kritisch zu interpretieren. Auf diese Weise ist die Kirche, während sie sucht, das Denken der anderen zu kennen, darum bemüht, das zu überprüfen, was ihr eigen ist und den vielen aufrechten Geistern, die auf der Suche sind, die Gelegenheit offener und tröstlicher Begegnungen zu geben. Ja, die Kirche selbst kennt die Schwierigkeiten bei der Exegese von zweifelhaften und schwierigen Texten und weiß um die Nützlichkeit verschiedener Meinungen. So konnte schon Augustinus sagen: „Utile est autem ut de obscuritatibus divinarum Scripturarum, quas exercitationis nostrae causa Deus esse voluit, multae inveniantur sententiae, cum aliud alii videtur, quae tamen omnes sanae fidei doctrinaeque concordent“ (Ep. ad Paulinum 149, 3, 34: PL 33, 644) [Es ist überdies nützlich, dass hinsichtlich unklarer Stellen der Heiligen Schrift – durch die uns Gott ermöglicht, in Übung zu bleiben – viele Urteile gehört werden, solange diese nicht im Kontrast zur gesunden Glaubenslehre stehen].

Und die Kirche gemahnt ihre Kinder, stets unter Leitung des Augustinus, daran, die Lösung durch die Einheit von Gebet und Studium zu suchen: „Non solum admonendi sunt studiosi venerabilium Litterarum, ut in Scripturis sanctis genera locutionum sciant […], verum etiam, quod est praecipuum et maxime necessarium, orent ut intelligant“ (De doctrina christiana III, 37, 56: PL 34, 89).

[Was nun die Schrifterklärer angeht, sollten sie nicht nur dazu angehalten werden, die in der Heiligen Schrift gebrauchten literarischen Gattungen zu kennen […], sondern auch, und das ist das Wichtigste und Notwendigste, zu beten, um zu verstehen].

4. Aber kommen wir wieder auf das Thema Ihres Symposiums zurück. Uns scheint, dass das Ganze der Analysen und Reflexionen letztendlich mit Hilfe neuer Forschungen die Lehre bestätigt, die die Kirche bezüglich des Geheimnisses der Auferstehung anerkennt und bekennt. Wie schon Romano Guardini seligen Angedenkens in einer eindringlichen Glaubensmeditation so treffend erkannte, betonen die Evangelienberichte „oft und mit Nachdruck, dass der auferstandene Christus anders ist als er vor dem Pascha war, anders als die anderen Menschen. Seine Natur hat in den Erzählungen etwas Merkwürdiges. Sein Sich-Nähern erstaunt, erschreckt. Während er vorher ‚kam‘ und ‚ging‘, heißt es nun, dass er ‚auch den Elf erschien‘, als sie bei Tisch waren, dass er ‚verschwand‘“ (vgl. Mk 16, 9-14; Lk 24, 31-36). Körperliche Barrieren gibt es für ihn nicht mehr. Er ist nicht mehr an die Grenzen von Raum und Zeit gebunden. Er bewegt sich mit einer neuen, auf Erden nicht gekannten Freiheit, gleichzeitig aber wird mit Nachdruck bekräftigt, dass Er Jesus von Nazareth ist, in Fleisch und Blut – der, der vorher mit den Seinen gelebt hatte, kein Gespenst.“ Ja, „der Herr ist verwandelt. Er lebt in anderer Weise als zuvor. Seine gegenwärtige Existenz ist für uns unverständlich. Doch ist sie leiblich, umfasst den ganzen Jesus […] ja, durch seine Wundmale umfasst sie sein ganzes gelebtes Leben, das Los, das ihn getroffen hat, sein Leiden und seinen Tod.“ Es handelt sich also nicht nur um das Überleben in Herrlichkeit seines „Ichs“. Wir haben es hier mit der Präsenz einer tiefen und komplexen Realität zu tun, einem neuen, vollkommen menschlichen Leben: „Das Durchdringen, die Verwandlung des ganzen Lebens, einschließlich des Leibes, durch die Präsenz des Heiligen Geistes […] Wir realisieren diese Umpolung, die sich Glaube nennt und die, statt Christus in Funktion der Welt zu denken, bewirkt, dass man die Welt und alle Dinge in Funktion Christi denkt […] Die Auferstehung lässt einen Keim erblühen, der schon immer in Ihm war.“ So können wir mit Romano Guardini sagen: „Wir brauchen die Auferstehung und die Verklärung, um wirklich verstehen zu können, was der menschliche Leib ist […] in Wahrheit hat nur das Christentum gewagt, den Leib in den tiefsten Geheimnissen Gottes anzusiedeln“ (R. Guardini, Le Seigneur, Übersetzung: R. P. Lorson, Bd. II, Alsatia, Paris 1945, SS. 119-126).

Angesichts dieses Geheimnisses sind wir alle von Bewunderung erfüllt, voller Staunen, genauso wie angesichts der Geheimnisse der Fleischwerdung und der jungfräulichen Geburt (vgl. Gregor, der Große, Hom. 26 in Ev., Brevierlesung am 1. Sonntag nach Ostern). Lassen wir uns also – mit den Aposteln – in den Glauben an den auferstandenen Christus einführen, der uns allein das Heil schenken kann (vgl. Apk 4, 12). Und wir sind auch zuversichtlich hinsichtlich der Gewissheit der vom Lehramt der Kirche garantierten Überlieferung, die auch zur wissenschaftlichen Forschung ermutigt und zugleich weiterhin den Glauben der Apostel proklamiert.

Meine lieben Herren, diese wenigen einfachen Worte zum Ausklang Ihrer gelehrten Arbeiten sollten Sie eigentlich nur ermutigen, in diesem Glauben damit weiterzumachen, ohne je den Dienst am Gottesvolk aus den Augen zu verlieren, das vollends neu geschaffen wurde, „damit wir durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben“ (1Pt 1, 3). Und wir, im Namen Dessen „der tot war und wieder lebendig wurde“, dieses „treuen Zeugen und Erstgeborenen der Toten“ (Apk 2, 8; 1, 5), erteilen Ihnen als Unterpfand Unseres herzlichen Dankes für Ihre Forschungen Unseren tief empfundenen apostolischen Segen.

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Quelle

Die Tagespost: „Ernsthafte: Gefahr“

Bei einer Tagung in Rom herrschte geladene Atmosphäre.

Von Guido Horst

Ist die katholische Kirche an dem Punkt, dass sie ihren obersten Repräsentanten auf Erden, den Nachfolger Petri, öffentlich korrigieren muss? Wenige Tage, bevor Franziskus sein fünftes großes Lehrschreiben – diesmal über den Ruf zur Heiligkeit – veröffentlicht hat, fand in Rom eine Tagung statt, deren Redner und etwa vierhundert Teilnehmer diese Frage wohl eindeutig mit Ja beantworten würden. Auf der einen Seite ein Papst, der zu den hehrsten Idealen des christlichen Lebens aufruft – und auf der anderen Seite ein lautstarker Teil des gläubigen Gottesvolks, der demselben Papst vorhält, seine Autorität missbraucht zu haben. Es geht um „Amoris laetitia“.

Aber nicht nur. Die völlige Neuausrichtung des Institutes Johannes Paul II. für Ehe und Familie sowie der vatikanischen Akademie für das Leben gehören ebenso zu den Steinen des Anstoßes wie die Irritationen, die Franziskus etwa mit seinen Scalfari-Interviews, mit der derzeitigen China-Politik des Vatikans oder zweideutigen Äußerungen auslöst. Seine sehr unpräzise Antwort auf die Frage nach der Kommunionzulassung eines nicht-katholischen, aber getauften Ehepartners beim Besuch einer lutherischen Gemeinde Roms im November 2015 („Sprecht mit dem Herrn und geht voran. Ich wage nicht mehr zu sagen“) hat jetzt angesichts des Streits in der Deutschen Bischofskonferenz über diese Frage wieder hohe Aktualität erhalten.

Die Frage, wie groß nun dieser „lautstarke Teil“ des gegen Franziskus protestierenden Gottesvolks ist, lässt sich in Zeiten des Internets nicht leicht beantworten. Zu der Veranstaltung im römischen Tagungszentrum „The Church Village“ am vergangenen Samstagnachmittag eingeladen hatte ein Kreis der Freunde des verstorbenen Kardinals Carlo Caffarra, die in Italien sehr wahrgenommenen (papstkritischen) Blogger Sandro Magister und Marco Tosatti bewarben das Treffen auf ihren Seiten. Ein Echo auf deren Aussendungen kommt dann meist verstärkt aus den Vereinigten Staaten, aber auch aus Frankreich, Spanien und Deutschland zurück – und schon hat das katholische Rom ein „Thema“.

Viele der Tagungsteilnehmer kamen aus der italienischen Lebensschutzbewegung, unter den Referenten waren die Kardinäle Walter Brandmüller und Raymond Leo Burke. Sonstige Bischöfe oder gar Kardinäle aus dem Vatikan waren natürlich nicht zu sehen. Den Auftakt des Treffens bildete die Videoaufzeichnung eines Interviews mit Kardinal Caffarra über die bleibende Bedeutung von „Humanae vitae“. Aber auch der vierte Kardinal des „dubia“-Briefs an den Papst, Kardinal Joachim Meisner, war in gewisser Weise präsent, weil Burke sich zu Beginn seiner Vortrags auf den Kölner Mitbruder bezog und erzählte, wie ihm Meisner nach dem einleitenden Vortrag von Kardinal Walter Kasper beim Konsistorium im Februar 2014 zu Beginn des synodalen Prozesses zu Ehe und Familie gesagt habe: „Alles das führt ins Schisma“.

Eine Tagung also im Geist der vier „dubia“-Kardinäle – aber inzwischen hat sich die Stimmung deutlich verschärft. Kardinal Burke legte in seinem Vortrag über die Korrektur eines Papstes, der seine Vollmacht missbraucht habe, dar, dass man diesem keinen Prozess machen könne, aber die Situation entsprechend des Naturrechts, des Evangeliums und der kanonischen Tradition in zwei Schritten bereinigen müsse. Als er vom ersten Schritt, der an den römischen Papst direkt gerichteten Aufforderung, den Fehler zu korrigieren, zum zweiten Schritt, der öffentlichen Verurteilung der päpstlichen Häresie, überleitete, explodierte in dem fensterlosen Kellersaal der mit den Händen zu greifende Unmut: eine Gruppe von Frauen – meist jung, einige mit Rosenkränzen in den Händen, keine Nonnen, aber dank züchtiger schwarz-weißer Kleidung einer geistlichen Gemeinschaft zuordenbar – fing an zu schreien: „Macht es“, „Wir kommen in die Hölle“, „Wir stehen hinter euch“, „Er ist häretisch“. Nach einer Pause fuhr Burke fort und zitierte schließlich den heiligen Paulus: Und wenn wir selbst oder ein Engel vom Himmel etwas anderes als das verkünden würden, was euch verkündet worden ist, „anathema sit“. Tobender Applaus.

Bereits vorher hatte Kardinal Brandmüller einen Vortrag über den Glaubenssinn des gläubigen Gottesvolks gehalten – einen Text, den diese Zeitung in ihrer letzten Ausgabe im Wortlaut veröffentlicht hat. Die Botschaft war eindeutig: Wenn ein Irrtum in der Kirche grassiert – früher der Arianismus, heute die Konsequenzen von „Amoris laetitia“ –, der Papst aber nicht antwortet – wie auf die „dubia“ –, ist das gläubige Volk gefordert. Und zwar das gläubige Volk, das das Neue Testament „Heilige“ nennt, nicht aber Verbände oder Gremien, die Umfragen beantworten.

Die Tagung, die sich als Motto den Satz „Nur ein Blinder kann leugnen, dass es in der Kirche eine große Verwirrung gibt“ aus den letzten Lebensmonaten Kardinal Caffarras gewählt hatte unter dem Titel „Kirche, wohin gehst Du?“ stand, endete mit einer Erklärung, die im Wesentlichen die Argumentation der fünf „dubia“ wiedergab. Angesichts einander widersprechender Auslegungen von „Amoris laetitia“ breite sich unter den Gläubigen weltweit wachsende Ratlosigkeit und Verwirrung aus.

„Die dringende Bitte von nahezu einer Million von Gläubigen, von mehr als 250 Gelehrten, ja von Kardinälen um eine klärende Antwort des Heiligen Vaters auf diese Fragen ist bis heute nicht erhört worden.“ Und in dieser so entstandenen „ernsten Gefahr“ für den Glauben und die Einheit der Kirche „wissen wir, getaufte und gefirmte Glieder des Volkes Gottes, uns zum Bekenntnis unseres katholischen Glaubens aufgerufen“. In sechs Punkten werden nochmals die Argumente der Kritiker von „Amoris laetitia“ und des „dubia“-Briefs zusammengefasst, um mit dem Satz zu schließen: „In dieser Zuversicht bekennen wir unseren Glauben vor dem Obersten Hirten und Lehrer der Kirche samt den Bischöfen und bitten sie, uns im Glauben zu stärken.“

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Quelle

Fatima und Russland: Eine geheimnisvolle und prophetische Beziehung von Bischof Athanasius Schneider aus Kasachstan

Schweizer Fatima-Bote Nr. 76 2/2018

In Nr. 74 haben wir auf den Seiten 4-7 unter dem Titel „Es ist etwas Wunderbares um unseren katholischen Glauben“ auf die Zusammenhänge mit der Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens vom 25. März 1984 berichtet. Bischof Athanasius Schneider hat den Lesern des Schweizer Fatima-Boten zur Situation im heutigen Russ­land Folgendes geschrieben:

„Die Sowjetunion war der atheistische Staat par excellence, aber auch der Staat, der alle Kirchen verfolgte und in der Öffentlichkeit keine christliche Zeichen duldete. Heute nehmen wir eine Lebendigkeit des göttlichen Glau­bens wahr. Es gibt viele Zeichen, die uns die geistige Wie­dergeburt des russischen Volkes und ihrer Institutionen aufzeigen. Die vorhandenen Daten sagen aus, dass in den 25 Jahren seit dem Zusammenbruch des Kommunismus in Russland 20’000 orthodoxe Kirchen von Grund auf neu gebaut oder restauriert wurden. Es ist in der Geschichte der Kirche noch nie vorgekommen, dass innert einem Vierteljahrhundert in einem einzigen Land so viele Kirche gebaut oder geöffnet worden sind. Die andere bedeutende Zahl betrifft das Wiederaufblühen der Männer— und Frau­enklöster: über 1000 sind entstanden. In den 20’000 Kir­chen ist das Heiligste Sakrament im Tabernakel gegenwär­tig; die Orthodoxen haben eine gültige Messe und sie ver­ehren Maria als die Muttergottes. All dies ist ein beredtes Zeugnis der Gegenwart Gottes, in einem Land, in dem Gott erst vor wenigen Jahren verbannt war.

Ich glaube, dass sich diese Wiedergeburt als eine Etappe des Prozesses der Bekehrung Russlands interpretiert wer­den kann, von der die Muttergottes in Fatima gesprochen hat. Es handelt sich um einen langen Prozess; Gott lässt die Dinge nicht von einem Tag auf den andern geschehen (…). Wir können die Hand Gottes erkennen, der die Kir­che zu einem Prozess der Bekehrung der Welt führt.

Als Papst Johannes Paul II. am 25. März 1984 Russland geweiht hatte, begann ein langer Prozess der Bekehrung des russischen Volkes. Es handelte sich aber um eine im­plizite Weihe, die nach den Angaben von Sr. Luica vom Himmel angenommen wurde. Um jedoch die vollkomme­ne Bekehrung Russlands zu erreichen, muss eine expli­zite Weihe vorgenommen werden – erst dann wird die or­thodoxe Kirche zur vollkommenen Gemeinschaft mit Rom zurückkehren. Das bedeutet dann die wahre Bekehrung Russlands.

Eine Tatsache ist gewiss: Die Muttergottes hat verlangt, dass der Papst die Weihe Russlands zusammen mit allen Bischöfen der Welt explizit vornimmt Kardinal Cordes hat daran erinnert, Papst Johannes Paul IL habe ihm anver­traut, dass es ihm nicht gelungen sei, eine öffentliche Wei­he (Russlands) vorzunehmen – dies wegen des Wider­stands der vatikanischen Diplomatie, die zu jener Zeit von einem solchen Akt abrieten. Heute liegen die Dinge aber ganz anders und dies ist der Grund, dass man nicht mehr länger zuwarten darf.

Vergessen wir nicht, dass der russische Präsident Vladi­mir Putin von seiner Mutter heimlich getauft worden ist, als Stalin noch am Leben war.

In der orthodoxen Kirche wird zusammen mit der Taufe auch die Firmung vollzogen. All das hat dazu beigetra­gen, das Licht des Glaubens, der erstickt war, lebendig zu halten, und jetzt darf er in Freiheit ausgedrückt wer­den. Es findet ein umgekehrter Prozess statt: Während des kalten Krieges waren in den von der Sowjetunion beherrschten Ländern Akte der Verehrung Gottes unter­drückt – heute scheint dies, d.h. die Unterdrückung der Gottesverehrung – von der Nomenklatura der Europäi­schen Union praktiziert zu werden. Sicherlich ist der Einfluss der Freimaurerei in diesen Regierungsapparaten gegenwärtiger denn je. Es gibt einige positive Zeichen seitens einiger Regierungen, wie z.B. in Ungarn und Po­len, die die inhumane und den Menschen degradierende Genderideologie nicht fördern, die sonst im übrigen Eu­ropa herrschend geworden ist. In Russland ist die homo­sexuelle Propaganda verboten; dafür werden Programme der natürlichen Familie in den Schulen und Universitäten propagiert. Ich denke, die Muttergottes hat das russische Volk als Instrument einer zukünftigen Erneuerung der christlichen Gesellschaft auserwählt. Dies ist der Grund, weshalb dieses Volk ausdrücklich dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht werden soll, in der Form, wie es die Muttergottes gewünscht hat. Davon hängt auch der Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens ab. Gott lenkt grossen Segen auf jene Länder, die sich dem Unbe­fleckten Herzen Mariens weihen. Es handelt sich darum, verdienstvolle Akte zu erwerben, die uns unzählige Gna­den bringen werden. Aber dies gilt auch für jeden einzel­nen Menschen: Man wird an einer geistigen Erneuerung teilnehmen; unzählige kleine Lichter werden im Dunkel dieser Epoche entzündet.“

„Fatima“ wird sich mit der Weihe Russlands
und seiner wahren Bekehrung zum echten
katholischen Glauben im entscheidenden
und endgültigen Übergang zum
TRIUMPH DES UNBEFLECKTEN
HERZENS MARIENS
vollenden.

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Quelle: Schweizer Fatima-Bote, Quartalsheft März-Mai 2018, 19. Jahrgang (Nr. 2/76)

Vatikanzeitung beklagt „Fake News“ und gefälschte Papstreden

Die Vatikanzeitung „L´Osservatore Romano“ hat unausgewogene Medienberichterstattung sowie „Fake News“ und gefälschte Papstreden beklagt.

Im sogenannten postfaktischen Zeitalter sei auch die katholische Kirche verstärkt Ziel einer „Spirale der Fälschungen, die sich als Wahrheit ausgeben“, heißt es in einem Leitartikel der Samstagsausgabe des Blattes.

Auch Papst Franziskus werde so immer wieder instrumentalisiert. Einige Medien beschränkten sich darauf, nur Aussagen wiederzugeben, die zur eigenen Linie passten, schreibt Journalistin und Historikerin Lucetta Scaraffia. Zudem würden Papst-Äußerungen auch gern aus dem Kontext gerissen, damit sie „zum Bild eines fortschrittlichen Pontifex passen, das sie im Sinn haben und um jeden Preis glaubhaft erscheinen lassen wollen – auch indem sie die Realität dehnen“, so die Autorin. Aussagen des Kirchenoberhaupts, die als der traditionellen Kirchenlehre entsprechend interpretiert werden könnten, würden hingegen oft unter den Tisch fallen gelassen.

Verbreitung gefälschter Papstreden

Diesen Mechanismus gebe es schon lange; bisher ohne Beispiel sei jedoch die Verbreitung gefälschter Papstreden. Diese sind laut Scaraffia vor allem in sozialen Netzwerken im Umlauf und auf Spanisch verfasst, um sie glaubwürdiger erscheinen zu lassen. „Diese Art der Verzerrung der Wahrheit zeigt, wie wenig es darum geht, die programmatische Linie des Pontifikats zu verstehen, ihre grundlegenden Dokumente zu lesen und die bedeutendsten Verfügungen“, beklagt Scaraffia im „Osservatore“.

„Schrille Titel“ liefen leider immer gut, und auch wenn unausgewogene Medienberichte oder Fälschungen anhand des verfügbaren Originaltextes schnell enttarnt werden könnten, würden die wenigsten Menschen solche Berichte überprüfen, so die Journalistin.

Unausgewogene Medienberichte

Unausgewogene Medienberichte hatte kürzlich auch Kurienkardinal Angelo Comastri mit Blick auf die Weihnachtsansprache von Papst Franziskus an die römische Kurie moniert. Die Rede des Papstes sei überwiegend positiv gewesen, doch die Presse habe besonders die Vorwürfe betont, sagte Comastri Vatican News in der Vorwoche.

(kna pr)

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Mein Tagesposting: Weihnachtsleiche am „Tussibaum“?

Prälat Wilhelm Imkamp

Sicherlich halten es viele für makaber oder geschmacklos, eine Leiche ausgerechnet an der Weihnachtskrippe abzulegen. Aber – wir können und wollen es nicht leugnen: da gehört eine Leiche ja auch eigentlich hin. Haben wir doch am zweiten Weihnachtstag den Festtag des ersten Märtyrers der Kirche, den des hl. Stephanus gefeiert. Sein Fest ist sogar älter als das Weihnachtsfest! Seine Leiche verdirbt uns das Fest also nicht, sondern – im Gegenteil – erklärt es uns in seiner ganzen Bedeutungsschwere.

Der hl. Stephanus ist ja nicht umgebracht worden, weil er als erster Caritasdirektor milde Gaben verteilt hätte, er ist umgebracht worden, weil er an die Menschwerdung Gottes geglaubt hat und diesen Glauben nicht versteckte, sondern offen bekannte. Sein gewaltsamer Tod ist tatsächlich ein Kollateralschaden des frühen interreligiösen Dialogs, der damals noch als Mission verstanden wurde. „Missionarisch Kirche sein“ ist zwar „in“, erschöpft sich heute aber zumeist in interreligiösen Dialogforen und binnenkirchlicher Hektik. Die Inkarnation, die Fleischwerdung Gottes, wird dabei häufig sorgfältig beschwiegen; ist sie doch für viele Dialogpartner schlechthin Gotteslästerung.

Aber Weihnachten ist eben nicht das Gründungsfest einer Sozialstation oder einer nachhaltigen, nikotinfreien, birkenstocksandalierten Multi-Kulti-Fete. Wir feiern ja gerade nicht den Geburtstag von Buddhas Sohn im Stall von Mekka. Manche empörte Kritik am Konsumverhalten ist genauso spießig wie das kritisierte Konsumverhalten. Sozialromantik und Klimahysterie, die so gerne im Mittelpunkt gepflegter Dialogprozesse stehen, können sich wie ein Plumeau auf die Krippe legen und die größte Botschaft der Welt, ja der Geschichte des Universums ersticken – und zwar nachhaltig.

In der Krippe geht es schließlich umweltfreundlich zu, Heizenergie wird nicht gebraucht und auf der Flucht ist die hl. Familie ebenfalls. In diesem Sinn ist der aufgeklärte und mündige Christ sozusagen „weihnachtsmäßig voll drauf“ (Bildzeitung). Der Weihnachtsbaum ist keine Jahresendzeitdekoration, kein „Tussibaum“, er soll wirklich ein Christbaum sein und als „Paradiesbaum“ an das Urversagen der Menschheit erinnern und auf die Erlösung am Holz des Kreuzes hinweisen. Die Botschaft von Weihnachten ist eine Botschaft der Erlösung. Und zwar der Erlösung von der Erbsünde und der daraus sich ergebenden Öffnung des himmlischen Reiches.

Die Erlösung, die mit dem „Ja“ Mariens beginnt, tritt Weihnachten in die sichtbare Realität der Weltgeschichte ein. Schöpfung und Menschwerdung sind die Grundpfeiler jeglicher Menschenrechte. Wo dieser Glaube fehlt, triumphieren Abtreibung, Euthanasie und Genderwahnsinn. Die Leiche des hl. Stephanus an der Krippe mahnt uns zum Bekenntnis. Wir wollen, sollen und können nicht „weihnachtsmäßig voll drauf sein“. Die von Herodes getöteten Kinder, der hl. Stephanus, der Hl. Thomas Becket – an dessen Martyrium die Kirche in dieser Woche auch erinnert – waren es jedenfalls nicht.

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„Die Tagespost“: Leitartikel: Gleichmacherei diskriminiert

Von Martin Lohmann

Vorsicht! Hier kommt Meinung, frei geäußerte Meinung noch dazu. Also etwas, was das Grundgesetzt garantiert. Noch. In den folgenden Zeilen finden sich sogar Überzeugungen und Argumente. Doch so etwas ist heute gefährlich, macht verdächtig, wenn man nicht dem diktierten Mainstream folgt. Heiko Maas, der Hatespeech-Entdecker, kann Meinungsvielfalt gar nicht gut ab. Jedenfalls, wenn es um Themen geht, die ihm erkennbar wichtig sind. Die sogenannte Homo-Ehe zum Beispiel. Da duldet der Justizminister keinen Widerspruch. Eher packt man dann die Keule der Homophobie aus und schlägt wahllos um sich. Ja, der Relativismus kennt nur so lange Vielfalt, bis man seiner Sichtweise zu widerstehen versteht. So ist das mit Diktaturen. Die des Relativismus ist da besonders herz- und gnadenlos. Vielfalt? Bloß nicht, wenn ich widerlegt werden könnte. Da wird rasch verboten und unter Strafe gestellt, was stört: Meinungen, Überzeugungen, Argumente, Toleranz, Respekt.

Wehe dem, der weiß, was Ehe ist! Wehe dem, der von Ergänzung durch Mann und Frau ausgeht! Wehe dem, der belegt, dass Kinder Vater und Mutter brauchen! Wer Äußerungen prominenter Wahlkämpfer verfolgt, kann es kaum überhören: Die Homo-„Ehe“ wird zu einem wichtigen Vorhaben nach der Bundestagswahl. Heiko Maas betont, hier werde die SPD nicht zurückweichen. Die Grünen legen „mutig“ Bekenntnisse ab, die FDP will sie, selbst in der Union wackelt man mainstreamkonformistisch mit. Merkels Generalsekretär schwamm sichtbar, als er in einer Talkrunde nach der Homo-„Ehe“ gefragt wurde – und sagte unter Verweis darauf, dass er eine private Meinung habe, „mutig“: In dieser Legislaturperiode nicht mehr. Nur ja nicht abweichen. Nur ja nicht auffallen.

Bekenntnisse zur Familie, also zur normalen Familie mit Kindern, was nach wie vor die Mehrheit ist, in Deutschland mit ähnlichem Mut sucht man vergebens. Feigheit? Angst? Unkenntnis? Modern-Sein-Sucht? Geht es um das, was Ehe ist? Oder geht es um dieselben rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten? Selbst im Standesamt geht es um bleibende Treue, ein unbedingtes Ja zur Verantwortung – und mehr als nur um Sexualität. Zum Wissen über die Ehe und deren über das Private hinausgehende Bedeutung gehört nun mal der Hinweis, dass sie etwas mit der Weitergabe des Lebens zu tun hat, haben kann. Und da hat sich die Natur die Begegnung von Mann und Frau ausgedacht. Jeder Mensch ist entstanden aus einer weiblichen Eizelle und einer männlichen Samenzelle. Ist man ein Hassprediger, wenn man auf Verschiedenheiten hinweist? Warum werden in einer Demokratie Argumente bewusst missbraucht als Ausdruck von Phobie? Niemand muss vor Homosexuellen Angst haben, so wie ja auch diese keine Angst vor Heterosexuellen haben müssen. Ein Homo ist ebenso wenig heterophob wie ein Hetero homophob. Wenn aber von Politikern das Bekenntnis zur Homo-„Ehe“ zum absolutistischen Muss erhoben wird, stellt sich die Frage nach deren Phobie – und nach der Freiheit des Geistes, die eine Gesellschaft immer braucht, weil niemand diskriminiert werden darf. Auch Gleichmacherei kann diskriminieren. Eine Familie ist eine Familie, und eine Ehe eine Ehe. Daneben gibt es andere Formen des Zusammenlebens, die aber nicht dasselbe sind. Logisch.

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