FÜR DEN EINEN GOTT ZEUGNIS ABLEGEN

Für den einen Gott Zeugnis ablegen können nur jene, die den einen Gott (er)kennen und anerkennen und bekennen, die über das geheimnisvolle Geschenk der Selbstoffenbarung Gottes auf solche Weise nachdenken, dass sie Seine Selbstoffenbarung unverfälscht und vollumfänglich mit entschiedenem Glauben annehmen und diesen Glauben auch leben. Die Selbstoffenbarung Gottes beinhaltet nun aber, dass Gott drei-persönlich ist: Vater, Sohn und Heiliger Geist und als Sohn in Jesus Christus bleibend Mensch geworden ist, um alle Menschen über alles zu belehren, was Gott ist, was der dreifaltig-eine Gott ist, was Gott von uns Menschen erwartet und verlangt, damit wir für die Ewigkeit erlöst, gerettet, selig werden. Mit der Mensch-Werdung Gottes ist uns Menschen der eine und einzige WEG gegeben, eröffnet und gewiesen, auf dem wir und über den wir zur WAHRHEIT und zum LEBEN gelangen (können). Wer Jesus Christus als GOTT, als den einen und einzigen MENSCH GEWORDENEN UND EWIG GOTT-MENSCH BLEIBENDEN GOTT ablehnt, verfehlt den einzig möglichen, gangbaren WEG zum EWIGEN HEIL, verkennt, verfehlt DIE WAHRHEIT (das EWIG WÄHRENDE, SEIENDE), verfehlt sein LEBENSZIEL, die EWIGE GLÜCKSELIGKEIT. Wer meint oder wähnt, er könne diesen einen und einzigen Weg umgehen, er könne GOTT (die GOTTHEIT) direkt oder über einen anderen „Weg“, einen anderen „Kanal“, d.h. ohne die Mittlerschaft des SOHNES GOTTES, erreichen, verehren und anbeten, der täuscht sich gewaltig und entsetzlich „selbstmörderisch“. Für ihn gibt es keine „Treue zu dem einen Gott, dem Schöpfer, dem Allerhöchsten“, weil er und insofern er diesen einen Gott wissentlich und willentlich verkennt und verachtet. Ein solcher ist auch kein (geistiger) Sohn Abrahams und kann deshalb auch durch ihn den Segen (der Erlösung, des Heiles) nicht erlangen; denn der Gott Abrahams (Isaaks und Jakobs) ist der Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist und diejenigen und nur diejenigen, die an Ihn glauben, errettet, erlöst (hat).

„Wer an Mich glaubt, glaubt nicht an Mich, sondern an Den, Der Mich gesandt hat. Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit niemand, der an Mich glaubt, in der Finsternis bleibe.“ (Jo 12,44 f.) „Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, wenn einer Mein Wort hört, wird er in Ewigkeit den Tod nicht schauen.“ (Jo 8,51) „Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, wer Mein Wort hört und Dem glaubt, der Mich gesandt hat, der hat das Ewige Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern geht vom Tode zum Leben über.“ (Jo 5,24) „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an Mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; und wer im Glauben an Mich lebt, wird in Ewigkeit nicht sterben.“ (Jo 11,25 f.) „Wenn ihr nicht glaubt, dass Ich es bin (den Gott, der Vater gesandt hat), werdet ihr in euren Sünden sterben.“ (Jo 8,24) „Wer Mich verachtet und Meine Worte nicht annimmt, der hat seinen Richter; das Wort, das Ich verkündet habe, wird ihn am Jüngsten Tage richten.“ (Jo 12,48) „Das ist der Wille Meines Vaters: jeder, der den Sohn sieht und an Ihn glaubt, soll das Ewige Leben haben.“ (Jo 6,40) „Das ist das Werk Gottes, dass ihr an Den glaubt, Den Er gesandt hat.“ (Jo 6,29)

Von den „drei großen monotheistischen Religionen“ glaubt nur eine wirklich und wahrhaft an (den) einen Gott, den Schöpfer und Lenker des Alls: die christliche. Die jüdische und islamische „Religion“ glaubt Dem nicht und an Den nicht, der den Sohn, Christus, gesandt hat; deren (bewusst urteilende und wählende) Anhänger verachten den Gott-Menschen und nehmen Seine Worte nicht an; sie bleiben in der Finsternis. Sie hören das Wort Gottes nicht und werden deshalb in ihren Sünden sterben, ins Gericht kommen (werden Rechenschaft für ihr Tun ablegen müssen) und vom ersten Tod zum zweiten Tod übergehen, also in Ewigkeit den Tod schauen. Mit diesen Gott (das Werk und Wirken Gottes) verachtenden Menschen können die Kinder des Lichtes nicht grundlegend verbunden sein, nicht auf dem Boden der Einheit (der ganzen Menschheitsfamilie) stehen und auch nicht auf sie ausgerichtet sein und friedlich und harmonisch und solidarisch zusammenleben. Sie können die Trennungen, die das Licht von der Finsternis, das Leben vom Tode scheidet nicht „überbrücken“, nicht „heilen“. Sie können „Missverständnisse“ und „Konflikte“ nicht vermeiden, nicht „überwinden“. Denn Gott kann und wird nur die segnen und nur denen Frieden schenken, die Seinen Willen erfüllen und an Den glauben, Den Er gesandt hat.

Paul Otto Schenker

(Vor allem an die Muslime:) WER und WAS ist JESUS, der Sohn MARIENS?

JESUS, der geschichtliche Jesus von Nazareth in Galiläa, geboren in Bethlehem in Judäa, der Sohn des Josef und der Maria, ist der Mensch, der alle Menschen, vom ersten bis zum letzten, himmelhoch überragt und „in den Schatten stellt“. Es hat nie einen Menschen vor ihm und nach ihm gegeben, und es wird auch in aller verbleibenden zeitlichen und ewigen Zukunft keinen geben, der ihm „ebenbürtig“ wäre, der sich mit ihm (in irgendeiner Weise) messen, der es „mit ihm aufnehmen“ könnte, der auch nur Ähnliches zu leisten und zu bewirken vermöchte. Er ist der Mensch, der mit seinem Leben, mit seinen Worten, seinen Taten, mit seinen Wundern allen Menschen guten Willens ausgiebig, überreichlich bewiesen hat, dass Er der Vertrauenswürdige, der Glaubwürdige, der Wahrhaftige, der Barmherzige, der Liebende, aber auch der Machtvolle und Vollmächtige, der Gerechte, die höchste Autorität, die letzte und höchste Instanz, die Rettung und das Heil für alle Menschen ist.
Und von diesem Menschen hat auch die Menschheit, haben auch die übrigen Menschen in unübertrefflicher, unüberbietbarer Weise Zeugnis abgelegt. Schon Jahrtausende vor seinem Eintritt in die Geschichte wurde er verheißen, angekündigt und in seinen wichtigsten (ihn von den übrigen, „gewöhnlichen“ Menschen unterscheidenden) Eigenschaften beschrieben. Diese vorherverkündeten (prophezeiten) und die von ihm in seiner Lebenszeit bewiesenen und von allen an ihn echt Glaubenden erfahrenen Eigenschaften beglaubig(t)en und bestätig(t)en JESUS als weit mehr als nur einen Menschen, als Über-Menschen, als über allen Menschen stehenden, als alle überragenden Menschen. Die Menschen, die ihn sahen, hörten, erlebten, auch seine Feinde, mußten einsehen, bekennen und bezeugen: wahrhaftig, dieser muss viel mehr sein als wir, dieser weiß und kann nicht nur mehr als wir, dieser sieht alles, weiß alles, vermag alles. Er muss über-weltlich und vor-weltlich sein. Und aus dieser Erkenntnis zusammen mit den Heiligen Schriften (des auserwählten Volkes Gottes) konnten die über die Voraussagen Orientierten und Unterrichteten schließen: Wahrhaftig, dieser ist DER MESSIAS, GOTTES SOHN!

Sehen wir einmal, was der Artikel über „CHRISTUS“ in Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon oder Encyklopädie der katholischen Theologie und ihrer Hülfswissenschaften. Zweite Auflage, in neuer Bearbeitung, unter Mitwirkung vieler katholischen Gelehrten, begonnen von Joseph Cardinal Hergenröther, fortgesetzt von Dr. Fanz Kaulen, Professor der Theologie zu Bonn. Mit Approbation des Hochw. Herrn Erzbischofs von Freiburg. Dritter Band. Freiburg im Breisgau. Herder’sche Verlagshandlung. 1884″ dazu Gründliches, Fundiertes, Gesichertes, Belegtes und Unvergängliches zu sagen hat:

Das ALTE TESTAMENT bezeichnet den Messias ja auch mit zunehmender Klarheit als wahren Gott und Sohn Gottes. Zu ihm spricht Jehova: Mein Sohn bist du, heute, d.i. ewiglich, habe ich dich gezeugt (Ps. 2,7). Von ihm singt David: Dein Thron, o Gott, steht immer und ewig… Dich, o Gott, hat dein Gott gesalbt (Ps. 44,7 f.). Und: Der Herr hat gesprochen zu meinem Herrn: Sitze zu meiner Rechten (Ps. 109), welches Wort Christus selbst als unwiderleglichen Beweis seiner Gottheit geltend macht (Matth. 22,41 ff. Mark. 12,35 ff. Luk. 20,41 ff.), ebenso Petrus (Apg. 2,33 ff.) und Paulus (1 Kor. 15,25. Hebr. 1,13). Dieses ist nicht nur der Lohn seines Kampfes und seiner Erniedrigung seiner Menschheit nach, sondern auch sein Recht als des vor dem Morgensten aus dem Schoße Jehova’s Gezeugten (Ps. 109; über die Richtigkeit und den Sinn der zuletzt erwähnten Leseart der Vulgata s. Kaulen im Katholik 1865, II, 129 ff.). Hiernach sind auch die Psalmenstellen von dem ewigen Reiche des Messias und der ihm von allen Königen und Völkern gebührenden Anbetung (namentlich Ps. 44 und 71) im eigentlichen und höchsten Sinne zu verstehen. Noch klarer und allseitiger schildern die Propheten die göttliche Person und Natur des Messias. Der Sohn Davids, der Sprosse Jesse’s ist auch der Sprössling Jehova’s (Is. 4,2 ff. Jer. 23,5 ff.), der Aufgang (Zach. 3,8; 6,12) aus der Höhe (Luk. 1,78); der aus der Erde geborene ist auch der vom Himmel herniedergestiegene Erlöser (Is. 45, 8; vgl. Ps. 71,6), dessen Ausgang ist von Anbeginn und von den Tagen der Ewigkeit; der Sohn der Jungfrau ist auch der Emmanuel (Is. 7,14), der Heilige, der Herr der Heerscharen (Is. 54,5); das uns geborene Kindlein ist auch unser Licht, der Herrscher, der Ratgeber, der starke Gott, der Vater der Zukunft, der Friedensfürst, dessen Reich ewig dauert (Is. 9,6), der Knecht Gottes, der für sein Volk und Alle sich Opfernde (Is. 42. 49. 50. 53. 61), ist Gott selbst, der uns zu erlösen kommt (Is. 35,4), Gott, unser König (Is. 52,7), der Gott unseres Heiles (Is. 52, 10; vgl. Ps. 97,3), der Heilige Israels, der Gott der ganzen Erde (Is. 54,5), unser Licht und die Glorie des Herrn (Is. 9,2; vgl. Is. 60,19 ff.), der Gott der Wahrheit und der Richter der Welt (Is. 2,4), Jehova, unsere Gerechtigkeit (Jer. 23,5. 6; vgl. Jer. 33,15), der Allerheiligste (Dan. 9,24; vgl. Dan. 7,9. 13. 14), Jehova, der unter seinem Volke wohnt (Zach. 2,10. 11), der Herr selbst, der zu seinem Tempel kommt (Mal. 3,1 ff.; vgl. Is. 40,5. 9. 10. Matth. 11,10. Mark. 1,2 Luk. 7,27). Dieser im Messias bleibend erschienene, weil menschgewordene Gott und Sohn Gottes ist identisch mit dem Maleach Jehova, in welchem Jehova und welcher Jehova selber ist (Mal. 3,1 f.), mit Jehova von Jehova (Gen. 19,24), mit der unerschaffenen hypostatischen Weisheit, deren Gottheit und Persönlichkeit die Sapientialbücher (insbes. Spr. 8. Weish. 7,9. Ekkli. 24), auf Christus, vorbereitend, schildern.

Im NEUEN TESTAMENT ist die wahre Gottheit und göttliche Persönlichkeit Christi mit der höchsten Klarheit und Bestimmtheit ausgesprochen.
1. Das magnum pietatis Sacramentum (1 Tim. 3,16), an das zu glauben die Grundbedingung des Heiles (Joh. 3,18. 36; 6,47; 8,24. Gal. 2,20), ist die wahre Inkarnation des ewigen Sohnes Gottes des Vaters (1 Joh. 2,23; 4,2). Nicht in einem uneigentlichen Sinne, wie alle Geschöpfe, insbesondere die vernünftigen, vermöge ihrer Erschaffung und ihre natürlichen Gottebenbildlichkeit; nicht in dem höheren Sinne der Adoptivkindschaft aus Gnaden, wie die heiligen Engel (Heb.r 1,4 bis 14), wie Adam im Paradiese (Luk. 3,38), wie die in Christus Wiedergeborenen (Joh. 1,12. 13. 16); nicht im Sinne göttlicher Stellvertretung, wie Richter, Könige, Propheten (Hebr. 1, 1. 2; 3, 5. 6); auch nicht im dem Sinne der bloßen Messianität, wie seit Grotius vielfach von protestantischen Auslegern behauptet wurde: sondern im höchsten, eigentlichen und matphysischen Sinne ist Christus der Sohn des lebendigen Gottes (Matth. 16, 16). Nicht darin, dass Jesus in irgend einem Sinne der Sohn Gottes genannt wird, besteht das Geheimnis des Heiles, sondern darin, dass der Messias im wahren und eigentlichen Sinne der menschgewordene ewige Sohn Gottes ist. Daher war auch das Endbestreben Christi nicht darauf gerichtet, die Menschen vor allem seine Apostel zur Erkenntnis zu bringen, dass er der verheißene Messias, sondern darauf, dass der Messias und somit er selbst der wahre Sohn Gottes sei (Matth. 22,41 ff. Joh. 14,9; 16,30; vgl. 3,12-17), der durch seine Menschwerdung (Phil. 2, 6-8) vom Himmel herabgekommene (Joh. 3,13. 31; 8,23; 6,33 ff.; 16,28), der eigene (Röm. 8,32), der einzige, eingeborene (Joh. 1,14. 18; 3, 16. 18. 1 Joh. 4, 9), der wahre (1 Joh. 5,20), der geliebte, in dem der Vater sich wohlgefällt (Matth. 3,17. Mark. 1,11. Luk. 3,22; vgl. Matth. 17,5. Mark. 9,6. 2 Petr. 1,16. 17. Eph. 1,6. Kol. 1,13).
2. Es drückt also der Name Sohn dasselbe Geheimnis aus, wie der Name Logos, der vor der Schöpfung, von Ewigkeit, bei Gott und Gott selbst war und Fleisch geworden ist (Joh. 1,1 f.; vgl. d. Art. Logos); das absolute Ebenbild des Vaters (Hebr. 1, 2. 3. 2 Kor. 4, 4. Kol. 1,15), dem als solchem die ganze Fülle der Gottheit eigen ist (Kol. 1,19). Er, der als Mensch über Alles gesetzt und um seines Opfertodes willen über Alles erhöht wurde, ist als der wahre Sohn kraft seiner Geburt aus dem Vater der rechtmäßige Erbe und trägt Alles durch das Wort seiner Macht (Hebr. 1,3). Nicht demnach als erstes und höchstes Geschöpf, sondern als der erste und einzig Gezeugte des Vaters und als Schöpfer und Urbild aller Kreaturen ist er das Ebenbild Gottes des Unsichtbaren, der Erstgeborene vor allen Geschöpfen (Kol. 1,15-17).
3. Daher ist Christus nicht in einem abgeleiteten und uneigentliche, sondern im absoluten Sinn der Herr (Jehova), der alleinige Herr (Jud. 4; vgl. 2 Petr. 2,1), der Allherrscher (Offenb. 1,8; vgl. 17,14; 19,16), der Herr der Herrlichkeit (1 Kor. 2,8; vgl. Eph. 1,17), der Herr vom Himmel („der zweite Mensch vom Himmel ist himmlisch“, 1 Kor. 15,47), mit dem Vater und heiligen Geiste der Eine wahre Gott, die Ursache und das Endziel aller Dinge (1 Kor. 4,4-6), der wahre Gott, das Licht und Leben selbst (1 Joh. 5,20; vgl. Joh. 1,4. Apok. 1,17.18. Kol. 3,4. Joh. 1,4.9; 8,12), der große (Tit. 2,13), der hochgelobte Gott (Röm. 9,5; vgl. Joh. 12,37-41. Hebr. 1,8-12).
4. Daher sind ihm eigen a. alle göttlichen Attribute, insbesondere die inkommunikabeln, die Überweltlichkeit (Joh. 1,18; 3,31; 6,63; 8,42; 16,28. Phil. 2,6-8) und Vorweltlichkeit nicht etwa bloß im Sinne ewiger Prädestination, die ihm seiner Menschheit nach zukommt, sondern ewiger realer Präexistenz; die Ewigkeit (Joh. 1,1; 8,58; 17,5. 24. Luk. 10,18; vgl. Hebr. 13,8), das absolute Sein (Offenb. 1,8; 22,13) und Leben (Joh. 5,26); die Unbegreiflichkeit (Matth. 11,27. Luk. 10,22) und das absolute Wissen nicht nur der göttlichen Ratschlüsse (Joh. 3,11. 31f.) und Werke, aller vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen erschaffenen Dinge und Gedanken (Joh. 16,30. Offenb. 2,23. Kol. 2,3), sondern des göttlichen Wesens selbst (Matth. 11,27. Luk. 10,22. Joh. 1,18; 6,46; 7,29; 10,16; vgl. 1 Kor. 2,10. 11); die absolute Heiligkeit, Liebe, Gerechtigkeit, die Allmacht im Reiche der Natur, wie in dem der Übernatur, so dass durch ihn Alles geworden ist und fortbesteht, und Leben und Tod, Begnadigung und Verwerfung, Himmel und Hölle von seinem Willen abhängt (Offenb. 1,18; 3,7). Alles was dem Vater eigen, ist auch ihm eigen (Joh. 16,15; 17,10), und was der Vater wirkt, wirkt der Sohn in gleicher Weise (Joh. 5,17. 19. 21); was ihm als Mensch gegeben, ist ihm eigen als Gott, wie er auch deshalb erhöht ist als Mensch, weil er zuvor herabgestiegen ist als Gott (Joh. 3,13). Demgemäß werden b. ihm auch alle göttlichen Werke, die Schöpfung (Joh. 1,3. Hebr. 1,2. Kol. 1,16. 17. 1 Kor. 8,6), die Erhaltung (Hebr. 1,3. Kol. 1,17), die Werke der Gnade (Joh. 1,16. 17; 14,6; 15,4f.) und Glorie (Joh. 4,13. 14; 10, 28; 17,22), der Erlösung (2 Kor. 5,19) und Vollendung (Eph. 1,10; Phil. 3,21), der Totenerweckung und des Gerichtes, der Allwirksamkeit (Matth. 11,5. Joh. 6,39; 5,22. 17. 19) im wahren und absoluten Sinne zugeschrieben. Demgemäß besitzt er auch c. alle göttlichen Rechte den Kreaturen gegenüber, das Recht auf Glauben (fides divina) (Joh. 3,18. 36; 8,24; 14,1), Hoffnung (Kol. 1,27), Liebe über Alles und um seiner selbst willen (Matth. 10,37. 39. Röm. 8,35 f.), Anbetung (cultus latriae) (Joh. 5,22. 23. Hebr. 1,6. Phil. 2,10. Offenb. 5,11f.), in Einheit mit dem Vater und dem heiligen Geiste.
5. Diese Zeugnisse der heiligen Schrift über die göttliche Natur und Persönlichkeit Christi erhalten ihren Abschluss in den ebenso klaren als präzisen Aussprüchen über sein trinitarisches Verhältnis zum Vater und dem heiligen Geiste, wonach er, weil vom Vater durch ewige Zeugung ausgegangen, persönlich von ihm verschieden und substantiell mit ihm eins, und er selbst in unteilbarer Einheit mit dem Vater das Prinzip des heiligen Geistes ist, die göttlichen Personen aber gegenseitig einander in absoluter Weise innewohnen (vgl. d. Art. Trinität). Die Stellen, welche Antitrinitarier, Arianer, Socinianer, Rationalisten zum Beweise einer substantiellen Subordination des Sohnes unter den Vater missbrauchten, reden, wie namentlich Joh. 14,28, von Christus seiner Menschheit nach.
Die göttliche Natur und Persönlichkeit Christi als des fleischgewordenen Logos war, wie die Zeugnisse der apostolischen und vornicänischen Väter, die Bekenntnisse der Martyrer, die ältesten Liturgien beweisen, der das ganze christliche Leben beseelende und weltüberwindende Glaube der Kirche von Anbeginn. Alle Läugnungen und Entstellunge dieser Wahrheit hat die Kirche als antichristliche (1 Joh. 2,22. 23; 4,3; 2 Joh. 7) Irrlehren verworfen; mochte man nun, wie Ebioniten, Theodotianer, Artemoniten, Paulianer und Photinianer, Christus als bloßen, wenn auch in einziger Weise von der göttlichen Weisheit erleuchteten Menschen, oder mit Gnostikern als die Erscheinung eines aus dem göttlichen Urwesen irgendwie emanierten Aeon, oder mit Sabellianern und Patripassianern, sei es in theistischem, sei es in pantheistischem Sinne, als eine Manifestation des göttlichen Wesens, oder mochte man endlich mit den Arianern den in Christus erschienenen Logos als ein erschaffenes Mittelwesen auffassen, oder in irgend einer anderen Weise die ewige Persönlichkeit des Sohnes und seine Wesensidentität mit Vater und Geist läugnen und irgendwie subordinatianisch lehren. Wenn die Lehrentscheidungen des Nicänums, wie spätere Definitionen, insbesondere die des vierten Laterankonzils, nicht, wie die Lehrentscheidungen gegen Nestorianer, Monophysiten und Monotheleten, zunächst das Inkarnations-, sondern das Trinitäts-Dogma im Auge haben, so sprechen sie doch zugleich auch ersteres aus; denn der Logos, dessen Konsubstantialität und Verhältnis zum Vater und zum heiligen Geist jene Lehrentscheidungen definieren, ist eben der Fleisch gewordene, der aus Maria der Jungfrau geborene, unter Pontius Pilatus gekreuzigte Jesus Christus.

VI. Wie wahrer Gott und Sohn Gottes vermöge seiner göttlichen Natur und Persönlichkeit, ist Christus auch vermöge seiner angenommenen menschlichen Natur wahrer Mensch; denn der Logos, der ewig aus dem Vater gezeugt ist, hat in der Zeit aus Maria, der Jungfrau, eine wahre und vollständige menschliche Natur, d.h. einen von einer vernünftigen Seele beseelten, wahren menschlichen Leib angenommen (Verus homo factus est ex anima rationali et carne compositus, Symbol. Lat. IV). An vielen Stellen nennt die heilige Schrift Christus den Menschensohn, einen Menschen (Joh. 8,40. 1 Tim. 2,5). Das Wort ist Fleisch geworden (Joh. 1,14). In diesem Ausdrucke, der die wahre Menschwerdung bezeugt, ist den Doketen (s. d. Art.) gegenüber die wahre Leiblichkeit Christi besonders hervorgehoben. Christus besitzt einen wahren menschlichen Leib (Joh. 19,38; 20,12. 1 Petr. 2,24) mit Fleisch und Blut (Joh. 6,55. Luk. 22,19. 20), mit allen lieblichen Organen (Matth. 26,7. Mark. 7,33. Luk. 2,21; 7.38. Joh. 8,6; 19,34; 20,27), mit leiblichem Ursprung (factus ex muliere [Gal. 4,4]; ex semine David secundum carnem [Rom. 1,3]), Wachstum, Bedürfnisse und Zustände (Luk. 2,52. Matth. 4,2. Joh. 4,6.7). Er hat wahrhaft in seinem Leibe gelitten, ist wahrhaft durch Trennung des Leibes und der Seele gestorben, ist wahrhaft leiblich auferstanden und hat die Apostel durch Sehen und Betasten von der Wahrheit seines Auferstehungsleibes überzeugt (Luk. 24,39). Ebenso klar bezeugt die Schrift das Vorhandensein der wahren und vollständigen menschlichen Seele in Christus, indem sie ihm die Eigenschaften, Tätigkeiten und Affekte der menschlichen Seele, Freude (Joh. 11,15), Traurigkeit (Joh. 11,33. 35. Matth. 14,34), Unwillen (Matth. 11,21. Joh. 2,14ff.), insbesondere einen wahren menschlichen Intellekt und Willen und deren Tätigkeiten zuschreibt. Dasselbe beweisen alle jene Tugenden und Tugendakte, welche Christus nur seiner menschlichen Seele nach eigen sein können, wie Gehorsam (Joh. 6,38. Luk. 2,49; 22,42), Demut (Matth. 11,29), Ehrfurcht, Anbetung, Bittgebet (Hebr. 5,7). Im Tode hat sich seine Seele, oder, was dasselbe ist, sein Geist vom Leibe geschieden (Matth. 27,50. Luk. 23,46. Joh. 19,30), ist zu den Vätern in die Unterwelt hinabgestiegen und ist vom Leibe bis zur Auferstehung getrennt geblieben.

Paul Otto Schenker

Für die ganze Menschheit gilt: Jesus Christus ist der alleinige Erlöser

Istanbul
Mosaike in der Hagia Sophia: Segnender Jesus, Detail aus der Deesis in der Südempore. Die Hagia Sophia, wie man sie heute bewundern kann, stammt bereits aus dem 6. Jahrhundert. Schon vor dieser Zeit stand an dieser Stelle eine Kirche, die allerdings zerstört wurde. Kaiser Justinian ließ dann um 530 die Hagia Sophia erbauen. Heute dient die Kirche als Museum.

Auszug aus der Enzyklika „Redemptoris missio“:

KAPITEL I

JESUS CHRISTUS, ALLEINIGER ERLÖSER

4. »Die grundlegende Aufgabe der Kirche in allen Epochen und besonders in der unsrigen ist es – so rief ich in der ersten programmatischen Enzyklika in Erinnerung – den Blick des Menschen, das Bewußtsein und die Erfahrung der ganzen Menschheit auf das Geheimnis Christi zu lenken«.4

Die weltweite Sendung der Kirche kommt aus dem Glauben an Jesus Christus, wie es im Bekenntnis des Glaubens an den dreieinigen Gott heißt: »Ich glaube an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn. Er ist aus dem Vater geboren vor aller Zeit … Für uns Menschen und um unseres Heiles willen ist er vom Himmel herabgestiegen. Er hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist, aus Maria, der Jungfrau, und ist Mensch geworden.«5 Im Ereignis der Erlösung ist das Heil aller begründet, »denn jeder ist vom Geheimnis der Erlösung betroffen, mit jedem ist Christus für immer durch dieses Geheimnis verbunden«.6 Allein im Glauben kann die Sendung verstanden werden, auf ihn hin ist sie gegründet.

Und dennoch fragen sich einige, auch im Hinblick auf die Veränderungen in der modernen Welt und der Verbreitung neuer theologischer Ideen: Ist die Mission unter den Nicht-Christen noch aktuell? Wird sie vielleicht durch den Dialog unter den Religionen ersetzt? Ist die Förderung im Bereich des Menschlichen nicht eines ihrer Ziele, das genügt? Schließt nicht die Achtung vor dem Gewissen und vor der Freiheit jeden Bekehrungsversuch aus? Kann man nicht in jeder Religion gerettet werden? Warum also Mission?

»Keiner kommt zum Vater außer durch mich« (Joh 14, 6)

5. Wenn wir zu den Ursprüngen der Kirche zurückgehen, so finden wir dort die klare Aussage, daß Christus der alleinige Erlöser von allen ist, jener, der allein Gott auszusagen und zu ihm zu führen vermag. Den jüdischen religiösen Behörden, die die Apostel wegen der durch Petrus gewirkten Heilung am Gelähmten befragen, erwidert dieser: »Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat, steht dieser Mann gesund vor euch … In keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen« (Apg 4, 10.12 ).

Diese Aussage hat universale Bedeutung, weil für alle – Juden wie Heiden – das Heil nur von Jesus Christus kommen kann.

Die von Christus gewirkte Universalität des Heiles wird im ganzen Neuen Testament bezeugt. Paulus anerkennt im auferstandenen Christus den Herrn: »Und selbst wenn es im Himmel oder auf der Erde sogenannte Götter gibt – und solche Götter und Herren gibt es viele -, so haben doch wir nur einen Gott, den Vater. Von ihm stammt alles, und wir leben auf ihn hin. Und einer ist der Herr: Jesus Christus. Durch ihn ist alles, und wir sind durch ihn« (1 Kor 8, 5-6). Der einzige Gott und der alleinige Herr stehen im Gegensatz zur Vielheit von »Göttern« und »Herren«, die vom Volk angenommen waren. Paulus reagiert gegen den Polytheismus der religiösen Umwelt seiner Zeit und stellt das Charakteristische des christlichen Glaubens heraus: Glaube an einen einzigen Gott und an einen einzigen, von Gott gesandten Herrn.

Im Johannesevangelium umfaßt diese Universalität des Heiles Christi die Aspekte seiner Sendung von Gnade und Wahrheit, von Heil und Offenbarung: Das Wort ist das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet (vgl. Joh 1, 9). Und weiter: »Niemand hat Gott je gesehen. Der einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht« (Joh 1, 18; vgl. Mt 11, 27). Die Offenbarung Gottes wird endgültig und ist vollendet durch das Wirken seines eingeborenen Sohnes: »Gott, der viele Male und auf vielerlei Weise einst zu den Vätern gesprochen hat durch die Propheten, hat in dieser Endzeit zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben des Alls eingesetzt und durch den er auch die Welt erschaffen hat« (Hebr 1, 1-2; vgl. Joh 14, 6). In diesem endgültigen Wort seiner Offenbarung hat Gott sich in vollendetster Weise der Welt zu erkennen gegeben: er hat der Menschheit mitgeteilt, wer er ist. Und diese endgültige Selbstoffenbarung Gottes ist der tiefste Grund, weshalb die Kirche ihrer Natur nach missionarisch ist. Sie kann nicht davon absehen, das Evangelium, d.h. die Fülle der Wahrheit, die Gott uns über sich selbst zur Kenntnis gebracht hat, zu verkünden.

Christus ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen. »Einer ist Gott, einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus, der sich als Lösegeld hingegeben hat für alle, ein Zeugnis zur vorherbestimmten Zeit, als dessen Verkünder und Apostel ich eingesetzt wurde – ich sage die Wahrheit und lüge nicht – , als Lehrer der Heiden im Glauben und in der Wahrheit« (1 Tim 2, 5-7; vgl. Hebr 4, 14-16). Die Menschen können demnach mit Gott nicht in Verbindnung kommen, wenn es nicht durch Jesus Christus unter Mitwirkung des Geistes geschieht. Durch seine einzigartige und universale Mittlertätigkeit, weit entfernt davon, Hindernis auf dem Weg zu Gott zu sein, ist er der von Gott selbst bestimmte Weg. Er ist sich dessen voll bewußt. Andere Mittlertätigkeiten verschiedener Art und Ordnung, die an seiner Mittlerschaft teilhaben, werden nicht ausgeschlossen, aber sie haben doch nur Bedeutung und Wert allein in Verbindung mit der Mittlerschaft Christi und können nicht als gleichrangig und notwendiger Zusatz betrachtet werden.

6. Es widerspricht dem christlichen Glauben, wenn man eine, wie auch immer geartete, Trennung zwischen dem Wort und Jesus Christus einführt. Johannes sagt klar, daß das Wort, das am Anfang bei Gott war, dasselbe ist wie jenes, das Fleisch geworden ist (vgl. Joh 1, 2.14). Jesus ist das fleischgewordene Wort, eine einzige und unteilbare Person. Man kann auch nicht Jesus von Christus trennen oder von einem »Jesus der Geschichte« sprechen, der vom »Christus des Glaubens« verschieden wäre. Die Kirche kennt und bekennt Jesus als »den Christus, den Sohn des lebendigen Gottes« (Mt 16, 16): Christus ist kein anderer als Jesus von Nazareth, und dieser ist das für das Heil aller menschgewordene Wort Gottes. In Christus »wohnt wirklich die ganze Fülle Gottes« (Kol 2, 9) und »aus seiner Fülle haben wir alle empfangen« (Joh 1, 16). Der »einzige Sohn, der am Herzen des Vaters ruht« (Joh 1, 18), ist »der geliebte Sohn, durch den wir die Erlösung haben« (Kol 1, 13-14). Im Heilsplan Gottes ist das Wort nicht zu trennen von Christus: »Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut« (Kol 1, 19-20). Gerade diese Einzigartigkeit Christi ist es, die ihm eine absolute und universale Bedeutung verleiht, durch die er, obwohl selbst Teil der Geschichte, Mitte und Ziel der Geschichte selbst ist:7 »Ich bin das Alpha und das Omega, der erste und der letzte, der Anfang und das Ende« (Off 22, 13).

Wenn es also möglich und nützlich ist, die verschiedenen Aspekte des Geheimnisses Christi ins Auge zu fassen, so darf man dennoch nie seine Einheit außer acht lassen. Während wir darangehen, die von Gott jedem Volk zugeteilten Gaben aller Art, insbesondere die geistigen, zu entdecken und zu bewerten, können wir solche Jesus Christus, der im Zentrum des göttlichen Heilsplanes steht, nicht absprechen. Wenn »der Sohn Gottes sich in seiner Menschwerdung mit jedem Menschen vereinigt«, so »müssen wir festhalten, daß der Heilige Geist allen die Möglichkeit anbietet, diesem österlichen Geheimnis in einer Gott bekannten Weise verbunden zu sein«.8 Es ist Gottes Absicht, »in Christus alles zu vereinen, alles, was im Himmel und auf Erden ist« (Eph 1, 10).

Der Glaube an Christus ist ein Angebot an die Freiheit des Menschen

7. Die Dringlichkeit missionarischer Tätigkeit geht aus der von Christus gebrachten und von seinen Jüngern gelebten grundlegenden Erneuerung des Lebens hervor. Dieses neue Leben ist Gabe Gottes. Von seiten des Menschen ist erforderlich, sie einzulassen und ihr zum Wachstum zu verhelfen, wenn er sich selbst entsprechend seiner ganzheitlichen Berufung nach dem Bild Christi verwirklichen will. Das ganze Neue Testament ist ein Loblied auf das neue Leben des Menschen, der an Christus glaubt und in seiner Kirche lebt. Das von der Kirche bezeugte und verkündete Heil in Christus ist Selbstmitteilung Gottes: »Es ist die Liebe, die nicht nur das Gute hervorbringt, sondern am Leben Gottes selbst, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, teilhaben läßt. Wer liebt, den drängt es ja, sich selbst zum Geschenk zu machen.«9

Gott bietet dem Menschen dieses neue Leben an. »Kann man Christus und all das, was er in die Geschichte des Menschen einbrachte, verwerfen? Natürlich kann man. Der Mensch ist frei. Doch eine prinzipielle Frage: Darf man? Und: In wessen Namen darf man?«10

8. In der modernen Welt neigt der Mensch dazu, sich auf die horizontale Dimension einzuengen. Aber was wird aus dem Menschen ohne Öffnung auf das Absolute hin? Die Antwort liegt innerhalb des Erfahrungsbereiches jedes Menschen, sie ist aber auch eingeschrieben in die Geschichte der Menschheit mit dem im Namen von Ideologien und politischen Regimen vergossenen Blut, die »eine neue Menschheit« ohne Gott aufbauen wollten.11

Im übrigen gibt das Zweite Vatikanische Konzil jenen eine Antwort, denen die Erhaltung der Gewissensfreiheit ein Anliegen ist: »Die menschliche Person hat das Recht auf religiöse Freiheit. Diese Freiheit besteht darin, daß alle Menschen frei sein müssen von jedem Zwang, sowohl von seiten Einzelner wie gesellschaftlicher Gruppen, wie jeglicher menschlichen Gewalt, so daß in religiösen Dingen niemand gezwungen wird, gegen sein Gewissen zu handeln, noch daran gehindert wird, privat oder öffentlich, als einzelner oder in Verbindung mit anderen innerhalb der gebührenden Grenzen nach seinem Gewissen zu handeln.«12

Verkündigung und Zeugnis für Christus verletzen die Freiheit nicht, wenn sie mit Achtung vor dem Gewissen erfolgen. Der Glaube verlangt die freie Zustimmung des Menschen. Aber er muß angeboten werden, weil »alle Menschen das Recht haben, den Reichtum des Geheimnisses Christi kennenzulernen, worin, nach unserem Glauben, die Menschheit in unerschöpflicher Fülle alles das finden kann, was sie suchend und tastend über Gott, über den Menschen und seine Bestimmung, über Leben und Tod und über die Wahrheit in Erfahrung zu bringen sucht. Darum ist die Kirche darauf bedacht, ihren missionarischen Elan lebendig zu erhalten, ja ihn im geschichtlichen Augenblick unserer heutigen Zeit noch zu verstärken.«13 Es ist aber auch, wiederum mit dem Konzil, zu sagen, daß die Menschen, »weil sie Personen sind, d.h. mit Vernunft und freiem Willen begabt und damit auch zu persönlicher Verantwortung erhoben, alle – ihrer Würde gemäß – von ihrem eigenen Wesen gedrängt und zugleich durch eine moralische Pflicht gehalten werden, die Wahrheit zu suchen, vor allem jene Wahrheit, welche die Religion betrifft. Sie sind auch dazu verpflichtet, an der erkannten Wahrheit festzuhalten und ihr ganzes Leben nach den Forderungen der Wahrheit zu ordnen.«14

Die Kirche als Zeichen und Werkzeug des Heiles

9. Als erste kann die Kirche von der Wohltat des Heiles Nutzen ziehen. Christus hat sie sich mit seinem Blut erworben (vgl. Apg 20, 28) und sie als seine Mitarbeiterin im universalen Heilswerk eingesetzt. Wirklich, Christus lebt in ihr, ist ihr Bräutigam, wirkt ihr Wachstum und vollbringt durch sie seine Sendung.

Das Konzil hat immer wieder ausführlich die Rolle der Kirche für das Heil der Menschheit betont. Während die Kirche anerkennt, daß Gott alle Menschen liebt und allen die Möglichkeit gibt, ihr Heil zu wirken (vgl. 1 Tim 2, 4),15 glaubt sie doch, daß Gott Christus als einzigen Mittler eingesetzt hat und daß sie selbst als Sakrament umfassenden Heiles bestellt ist:16 »Zu dieser katholischen Einheit des Gottesvolkes … sind alle Menschen berufen. Auf verschiedene Weise gehören ihr zu oder sind ihr zugeordnet die katholischen Gläubigen, die anderen an Christus Glaubenden und schließlich alle Menschen überhaupt, die durch die Gnade Gottes zum Heil berufen sind.«17 Man muß diese beiden Wahrheiten zusammen gegenwärtig haben, die tatsächlich gegebene Möglichkeit des Heiles in Christus für alle Menschen und die Notwendigkeit der Anwesenheit der Kirche für dieses Heil. Beide tragen bei zum Verständnis des einen Heilsgeheimnisses. So können wir der Barmherzigkeit Gottes und unserer Verantwortung gewahr werden. Das Heil, das immer Gabe des Geistes ist, erfordert die Mitarbeit des Menschen, sowohl zur Erlangung des eigenen Heiles wie des Heiles anderer. So hat Gott es gewollt, darum hat er die Kirche bestellt und sie in den Heilsplan eingesetzt. »Dieses messianische Volk – sagt das Konzil – ist von Christus als Gemeinschaft des Lebens, der Liebe und der Wahrheit gestiftet. Es wird von ihm auch als Werkzeug der Erlösung angenommen und als Licht der Welt und Salz der Erde in alle Welt gesandt.«18

Das Heil ist ein Angebot an alle Menschen

10. Die Universalität des Heiles bedeutet nicht, daß es nur jenen gilt, die ausdrücklich an Christus glauben und in die Kirche eingetreten sind. Wenn das Heil für alle ist, muß es allen zur Verfügung stehen. Aber es ist klar, daß es heute, wie dies früher der Fall war, viele Menschen gibt, die keine Möglichkeit haben, die Offenbarung des Evangeliums kennenzulernen und sich der Kirche anzuschließen. Sie leben unter sozio-kulturellen Bedingungen, die solches nicht zulassen. Oft sind sie in anderen religiösen Traditionen aufgewachsen. Für sie ist das Heil in Christus zugänglich kraft der Gnade, die sie zwar nicht förmlich in die Kirche eingliedert – obschon sie geheimnisvoll mit ihr verbunden sind -, aber ihnen in angemessener Weise innerlich und äußerlich Licht bringt. Diese Gnade kommt von Christus, sie ist Frucht seines Opfers und wird vom Heiligen Geist geschenkt: sie macht es jedem Menschen möglich, bei eigener Mitwirkung in Freiheit das Heil zu erlangen.

Darum erklärt das Konzil nach der zentralen Aussage über das österliche Geheimnis: »Das gilt nicht nur für die Christgläubigen, sondern für alle Menschen guten Willens, in deren Herz die Gnade unsichtbar wirkt. Da nämlich Christus für alle gestorben ist und da es in Wahrheit nur eine letzte Berufung des Menschen gibt, die göttliche, müssen wir festhalten, daß der Heilige Geist allen die Möglichkeit anbietet, diesem österlichen Geheimnis in einer Gott bekannten Weise verbunden zu sein.«19

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