Franziskus will Nein zur Todesstrafe im Katechismus haben

Papst Franziskus bei seiner Rede am Mittwochabend, 11.10.2017

Das ausnahmslose Nein zur Todesstrafe soll verpflichtendes katholisches Glaubensgut werden  und als solches im Katechismus stehen. Das hat Papst Franziskus am Mittwochabend in einer weit ausgreifenden Rede über den Katechismus, den fortschreitenden Glauben der Kirche und die Tradition angekündigt. Er äußerte sich bei einer Audienz für Teilnehmer eines Treffens, zu dem der Päpstliche Rat zur Förderung der Neuevangelisierung geladen hatte.

Die Ablehnung der Todesstrafe müsse im Katechismus der Katholischen Kirche auf „angemessenere und schlüssigere“ Weise Platz finden als bisher, sagte Franziskus. Der Weltkatechismus war als späte Frucht des II. Vatikanischen Konzils vor nunmehr 25 Jahren erschienen. Seither habe sich in der Frage der Todesstrafe nicht nur das päpstliche Lehramt entwickelt, sondern auch das Bewusstsein des Gottesvolkes. Man müsse heute, so der Papst wörtlich, „energisch bekräftigen, dass die Verurteilung zur Todesstrafe eine unmenschliche Maßnahme ist, die, auf welche Art auch immer durchgeführt, die Menschenwürde demütigt“. Die Todesstrafe widerspreche dem Evangelium, weil sie das Leben eines Menschen beende; jedes Menschenleben aber sei heilig in den Augen Gottes, der letztlich der einzige wahre Richter sei.

Todesstrafe im Kirchenstaat entsprach “keiner christlichen Gesinnung“

Auch im Kirchenstaat verhängten Richter über lange Zeit die Todesstrafe. Die letzte Hinrichtung fand unter Papst Pius IX. im Jahr 1870 statt. Diese historische Last sparte Franziskus nicht aus: da sei im Kirchenstaat „der Vorrang der Barmherzigkeit über die Gerechtigkeit vernachlässigt“ worden. „Nehmen wir die Verantwortung der Vergangenheit auf uns, und erkennen wir an, dass jene Mittel von einer mehr legalistischen als christlichen Gesinnung bestimmt waren.“

Nein zur Todesstrafe steht nicht im Widerspruch zur Tradition

In der Absicherung seiner Argumentation war dem Papst ein Punkt besonders wichtig: Das Nein zur Todesstrafe steht nicht im Widerspruch zur Tradition, zum Glaubensgut also, das die Kirche aller Zeiten lehrte. Immer habe die Kirche das Menschenleben von der Zeugung bis zum natürlichen Tod verteidigt, erinnerte der Papst. Eine „harmonische Entwicklung der Lehre“ erfordere es, sich von Positionen zu verabschieden, „die heutzutage dem neuen Verständnis der christlichen Wahrheit entschieden zuwiderlaufen“.

Franziskus berief sich auf das II. Vatikanische Konzil: Dieses habe davon gesprochen, dass die Tradition sich immer fortentwickle. Tradition, das sei nichts Starres, so der Papst, der mit einem für ihn typischen Sprachbild verdeutlichte: „Das Wort Gottes kann man nicht in Naftalin einlegen, als sei es eine alte Decke, die man vor Schädlingen schützen muss! Nein. Das Wort Gottes ist eine dynamische Wirklichkeit, immer lebendigt, die voranschreitet und wächst, weil sie zu einer Erfüllung hin unterwegs ist, die die Menschen nicht aufhalten können.“

Der Weltkatechismus von 1992 hat in der Frage der Todesstrafe eine spätere Veränderung erfahren und die Zulässigkeit der Todesstrafe 2003 weiter eingeschränkt, wenn auch nicht komplett ausgeschlossen, wie Papst Franziskus das nun fordert. Im Kanon 2267 in der heutige gültigen Fassung heißt es: „Unter der Voraussetzung, dass die Identität und die Verantwortung des Schuldigen mit ganzer Sicherheit feststehen, schließt die überlieferte Lehre der Kirche den Rückgriff auf die Todesstrafe nicht aus, wenn dies der einzig gangbare Weg wäre, um das Leben von Menschen wirksam gegen einen ungerechten Angreifer zu verteidigen.“

Ein Vorschlag von Pax Christi

Mit seinem Vorstoß zur „Abschaffung“ der Todesstrafe im Katechismus griff Franziskus einen Vorschlag der katholischen Friedensbewegung Pax Christi Europa auf, die im April anregte, künftige Ausgaben des Weltkatechismus sollten die Todesstrafe rundum und ausnahmslos ächten.

(rv 11.10.2017 gs)

Die heilige Maria Goretti: „Ein Beispiel der Vergebung“

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Heiligtum Santa Maria Goretti, Nettuno / Wikimedia Commons – Stefano.Nicolucci, CC BY-SA 3.0

Schreiben von Papst Franziskus
an die Bischöfe von Latina und Albano

Die Vergebung der heiligen Maria Goretti (1890-1902) für ihren Mörder sei „die höchste Entscheidung ihres Lebens.“ Dies betonte Papst Franziskus in einem Schreiben an die Bischöfe von Latina-Terracina-Sezze-Priverno, Msgr. Mariano Crociata, und Albano, Msgr. Marcello Semeraro, anläßlich des heutigen Gedenktages der jungen italienischen Märtyrin. Die heilige Maria Goretti, deren Rufname „Marietta“ war, ist die Schutzpatronin der beiden im südlichen Latium liegenden Bistümer.

In seiner Botschaft vom 20. Juni lädt Papst Franziskus die Gläubigen ein, „Zeugen der Vergebung zu sein, wie die Heilige die sie verehren.“ Die Vergebung – so betont Jorge Bergoglio – sei „der klarste Ausdruck der barmherzigen Liebe und für uns Christen, ein Imperativ, auf den wir nicht verzichten können.“

„Wie oft scheint es uns schwierig zu vergeben! Und dennoch ist die Vergebung das in unsere zerbrechlichen Hände gegebene Werkzeug um den Frieden im Herzen zu erhalten“, so unterstreicht der Papst, der daran erinnert, dass Maria Goretti nicht an sich selbst, sondern an das Seelenheil ihres Mörders gedacht  habe.

„So kommst du in die Hölle“, sagte sie zu ihm, während er insgesamt vierzehn Mal mit einer Ahle auf sie einstach. Auf ihrem Sterbebett im Krankenhaus von Nettuno sagte sie zum Kaplan: „Ich vergebe ihm und will, dass er mit mir ins Paradies kommt.“ „Genau diese äußerst großzügige Geste der Vergebung – so schreibt Papst Franziskus – begleitet den friedvollen Tod der jungen Marietta und bildet für ihren Mörder den Anfang jenes aufrichtigen Wegs zur Umkehr, die ihn am Ende dazu bringen wird, die vertrauensvolle Hingabe in die Armen des Vaters des Erbarmens zu kosten.”

Ihr Mörder, Alessandro Serenelli (1882-1970), bekehrte sich im Gefängnis und nahm sowohl an der Seligsprechung von Marietta im Jahr 1947 wie an ihrer Heiligsprechung im Jahr 1950 teil, die erste die auf dem Petersplatz stattfand. Er saß neben Marias Mutter, Assunta Goretti, die zu ihm sagte: „Gott hat dir vergeben, meine Marietta hat dir vergeben, auch ich vergebe dir.“

Alessandro Serenelli trat in den dritten Orden des heiligen Franziskus ein und arbeitete bis zu seinem Tod als Gärtner im Kapuzinerkloster von Macerata in den Marken.

Im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit ist für Papst Franziskus die Vergebung von Maria Goretti für ihren Mörder eine beispielhafte Geste. Beim Angelus am letzten Sonntag, dem 3. Juli‬, erinnerte er die Gläubigen an ihren Gedenktag. „Dieses tapfere Mädchen verdient den Applaus des ganzen Platzes“, so sagte er. (pdm)

Mehr Info zu Maria Goretti und zum Papstschreiben findet man hier (auf Italienisch)

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Quelle

Todesstrafe droht auf Philippinen: Bischöfe zu Widerstand bereit

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Erzbischof Ramon Arguelles: „Bin bereit wie der heilige Maximilian Kolbe anstelle der Gefangenen in den Todestrakt zu gehen und zu sterben“

Manila (kath.net/KAP) Der neu gewählte und am 30. Juni zur Vereidigung vorgesehene philippinische Präsident Rodrigo Duterte schockt mit scharfer Kirchenkritik und problematischen Rechtsauffassungen Katholiken und Zivilgesellschaft. Bei einer Pressekonferenz bezeichnete er die Bischöfe des Landes als korrupt und „sons of whores“ (Hurensöhne), wie das Nachrichtenportal „www.catholicwordreport“ am Sonntag berichtet. Duterte, der auch die Todesstrafen-Einführung fordert, erhielt Konter von Erzbischof Ramon Arguelles von Lipa. Dieser sagte Medienberichten zufolge, er sei bereit, wie der heilige Maximilian Kolbe anstelle der Gefangenen in den Todestrakt zu gehen und zu sterben, sollte das Land zur Todesstrafe zurückkehren. „Hätte nicht Christus dasselbe getan?“, wird Erzbischof Arguelles zitiert.

Duterte hatte im Wahlkampf erklärt, er wolle die Todesstrafe wieder einführen, die 2006 abgeschafft worden war. Er hoffe, dass sie für Drogendelikte, Vergewaltigung, Raub, Autodiebstahl und Korruption gelten werde. Arguelles sagte dazu, er werde dann eben „freiwillig an die Stelle all derer treten, die die Regierung hängen will“.

Arguelles ist innerhalb der Bischofskonferenz mit seiner Widerstandsankündigung nicht allein. „Wir werden uns auf jedem Fall dem Plan widersetzen, und zwar die ganze katholische Bischofskonferenz der Philippinen“, sagte Erzbischof Oscar Valero Cruz aus der Erzdiözese Lingayen-Dagupan: „Die Kirche wird nicht ruhig sitzen bleiben, sondern gegen die Todesstrafe aufstehen.“

Bischof Ruperto Santos von Balanga sagte, Duterte versuche, „Gott zu spielen“: „Nur Gott hat Macht über das Leben. Gott gibt das Leben, und Gott nimmt das Leben. Niemand sollte Gott spielen“, sagte er. „Das Leben ist heilig. Das Leben muss gefördert, respektiert und geschützt werden. Was zu tun wäre ist eine Gefängnissystem-Reform und eine Überprüfung des Justizsystems.“

Duterte hatte den Kampf gegen das Verbrechen in den Mittelpunkt seiner Wahlkampagne gestellt. Er versprach, die Kriminalität in den Bereichen Raub und Mord innerhalb von drei bis sechs Monaten völlig zu beenden, sollte er gewählt werden. Er werde dafür Zehntausende von Kriminellen der Todesstrafe zuführen und Sicherheitskräften „shoot-to-kill“ Befehle geben.

Der derzeitige Präsident der nationalen Bischofskonferenz, Erzbischof Socrates Villegas von Lingayen-Dagupan, sagte, er hoffe, bald ein Treffen mit Duterte zu haben und ihn davon zu überzeugen, die Pläne zur Todesstrafe wieder in die Schublade zu führen. „Als Menschen des Glaubens sind wir keine Verfechter der Todesstrafe, weil wir nicht das Recht haben, zu entscheiden, wer leben und wer sterben soll“, sagte Pater Lito Jopson, Leiter des Kommunikationsbüros der Bischofskonferenz. Duterte selbst hatte vor einigen Monaten bestätigt, dass er Verbindungen zu den illegalen Todesschwadronen in Davao gehabt habe.

In der philippinischen Kirche sorgt auch das Privatleben Dutertes für Diskussionen. Auch dieser Bereich bietet keine vertrauensbildende Basis. Seine Ehe mit der deutsch-amerikanischen Stewardess Elizabeth Zimmermann, mit der er drei Kinder hat, wurde annulliert. Mit seiner Lebenspartnerin Honeylet Avancena hat der 71-Jährige eine zwölfjährige Tochter. Zudem prahlt er gerne mit seiner Männlichkeit, mit der er als bekennender Frauenheld die Damenwelt „beglücke“. Einer seiner Söhne ist mit einer Muslima verheiratet und konvertierte zum Islam, weshalb vier der acht Enkel Dutertes als Muslime aufwachsen. Doch Religion ist für den in einer katholischen Familie aufgewachsenen Duterte, der eigenen Aussagen zufolge an Gott glaubt und nicht per se gegen die Kirche ist, ohnehin reine Privatsache, die in der Politik nichts zu suchen habe. In einer Wahlkampfrede vor Unternehmern bekannte der Präsident in spe fröhlich: „Würde ich die Zehn Gebote befolgen oder auf die Priester hören, hätte ich als Bürgermeister nichts zuwege gebracht.“

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