Tschechien: Prager Kardinal verurteilt LGBT-Ideologie

Kardinal Dominik Duka (ANSA)

Der tschechische Kardinal Dominik Duka hat die Äußerungen des polnischen Erzbischofs Stanislaw Gadecki zu Homosexualität gegen Kritik verteidigt. In einer an diesem Montag veröffentlichten Erklärung wandte er sich gegen eine LGBT-Ideologie, die seiner Ansicht nach eine „atheistische und satanistische Agenda“ verfolge. Das berichtete Radio Prag.

Seine Amtsbrüder in der Slowakei und in Ungarn rief der Prager Kardinal demnach auf, sich hinter Gadecki zu stellen. Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz hatte sich am vergangenen Freitag gegen eine Legalisierung der Homo-Ehe ausgesprochen und zugleich eine LGBT-Ideologie um Homo-, Bi- und Transsexuelle verurteilt. Homosexuelle Menschen seien „unsere Brüder und Schwestern“, betonte Gadecki in einer von der Bischofskonferenz veröffentlichten Erklärung.

Die Achtung bestimmter Menschen könne jedoch nicht „zur Akzeptanz einer Ideologie“ führen, die darauf abziele, die sozialen Gewohnheiten und zwischenmenschlichen Beziehungen zu revolutionieren. Gadecki appellierte an polnische Abgeordnete, sich Plänen zur Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe zu widersetzen. Die örtlichen Behörden dürften auch keine Entscheidungen treffen, „die unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Diskriminierung die natürliche Geschlechterdifferenz zwischen Männern und Frauen leugnet“.

Predigt führte zu Protesten

Anlass für die Erklärung Gadeckis waren Äußerungen des Krakauer Erzbischofs Marek Jedraszewski, der vergangene Woche in einer Predigt von einer „Regenbogen-Krankheit“ gesprochen hatte, was zu Protesten führte. Manche der Reaktionen zeugten von einem gewissen „ideologischen Totalitarismus“ gegenüber Andersdenkenden, verteidigte der Erzbischof von Posen seinen Krakauer Amtskollegen.

(kna – vm)

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DIE SELIGE ANNA KATHARINA EMMERICK (1774-1824)

Die selige Anna Katharina Emmerick

Die selige Anna Katharina Emmerick

Anna Katharina Emmerick wurde am 8. September 1774 in der Bauernschaft Flamschen bei Coesfeld geboren. Inmitten einer Geschwisterschar von 9 Kindern wuchs sie auf. Schon früh musste sie im Haus und bei der Landarbeit helfen. Ihr Schulbesuch war kurz. Umso mehr fiel es auf, dass sie in religiösen Dingen gut unterrichtet war. Schon früh bemerkten die Eltern und alle, die Anna Katharina kannten, dass sie sich in besonderer Weise zum Gebet und zum religiösen Leben hingezogen fühlte.

Drei Jahre tat Anna Katharina Dienst auf einem großen Bauernhof in der Nachbarschaft. Anschließend lernte sie nähen und war zur weiteren Ausbildung in Coesfeld. Sie liebte es, die alten Kirchen in Coesfeld zu besuchen und den Gottesdienst mitzufeiern. Oft ging sie allein für sich betend den großen Kreuzweg.

Anna Katharina hatte den Wunsch, ins Kloster einzutreten. Da dieser Wunsch sich zunächst nicht verwirklichen ließ, kehrte sie in das Elternhaus zurück. Sie arbeitete als Näherin und kam dabei in viele Häuser.

Anna Katharina bat in verschiedenen Klöstern um Aufnahme. Sie wurde jedoch abgewiesen, da sie keine besondere Mitgift mitbringen konnte. Die Klarissen in Münster erklärten sich schließlich bereit, sie aufzunehmen, wenn sie das Orgelspielen erlernen würde. Sie erhielt von ihren Eltern die Erlaubnis, beim Organisten Söntgen in Coesfeld in die Lehre zu gehen. Sie kam jedoch nicht dazu, das Orgelspiel zu erlernen. Die Not und Armut in diesem Haus veranlassten sie, im Hause und in der Familie mitzuarbeiten. Sie gab sogar ihre geringen Ersparnisse hin, um der Familie Söntgen zu helfen.

Gemeinsam mit ihrer Freundin Klara Söntgen konnte sie schließlich 1802 im Kloster Agnetenberg in Dülmen eintreten. Im folgenden Jahr legte sie ihr Ordensgelübde ab. Mit Eifer nahm sie am Leben des Klosters teil. Sie war stets bereit, auch schwere und ungeliebte Arbeiten zu übernehmen. Ihrer armen Herkunft wegen wurde sie im Kloster zunächst wenig geachtet. Manche ihrer Mitschwestern nahmen Anstoß an ihrer genauen Befolgung der Ordensregel und hielten sie für eine Heuchlerin. Anna Katharina trug diesen Schmerz schweigend und in stiller Ergebung.

In den Jahren 1802 bis 1811 wurde Anna Katharina häufiger krank und hatte große Schmerzen zu erdulden.

1811 wurde das Kloster Agnetenberg im Zuge der Säkularisation aufgehoben. Auch Anna Katharina musste das Kloster verlassen. Sie fand Aufnahme als Haushälterin bei Abbé Lambert, einem aus Frankreich geflüchteten Priester, der in Dülmen wohnte. Doch bald wurde sie krank. Sie konnte das Haus nicht mehr verlassen und wurde bettlägerig. Im Einvernehmen mit Vikar Lambert ließ sie ihre jüngere Schwester Gertrud kommen, die unter ihrer Leitung den Haushalt betreute.

In dieser Zeit empfing Anna Katharina Emmerick die Wundmale. Die Schmerzen der Wundmale hatte sie bereits seit längerer Zeit erlitten. Die Tatsache, dass sie die Wundmale trug, konnte nicht verborgen bleiben. Dr. Franz Wesener, ein junger Arzt, suchte sie auf und war so sehr von ihr beeindruckt, dass er ihr in den folgenden elf Jahren ein treuer, selbstloser und helfender Freund wurde. Er hat ein Tagebuch über seine Begegnungen mit Anna Katharina Emmerick geführt, in dem er eine Fülle von Einzelheiten festgehalten hat.

Ein hervorstechender Zug im Leben Anna Katharinas war ihre Liebe zu den Menschen. Wo immer sie Not sah, suchte sie zu helfen. Auch auf ihrem Krankenlager fertigte sie noch Kleidungsstücke für arme Kinder an und freute sich, wenn sie ihnen damit helfen konnte. Obwohl ihr die vielen Besucher manchmal hätten lästig werden können, nahm sie alle freundlich auf. Sie nahm sich ihrer Anliegen im Gebet an und schenkte ihnen Ermunterung und Trost.

Viele Persönlichkeiten, die in der kirchlichen Erneuerungsbewegung zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Bedeutung waren, suchten die Begegnung mit Anna Katharina Emmerick, u.a.: Clemens August Freiherr Droste zu Vischering, Bernhard Overberg, Friedrich Leopold von Stolberg, Johann Michael Sailer, Christian und Clemens Brentano, Luise Hensel, Melchior und Apollonia Diepenbrock.

Von besonderer Bedeutung wurde die Begegnung mit Clemens Brentano. Aus seinem ersten Besuch 1818 wurde ein fünfjähriger Aufenthalt in Dülmen. Täglich besuchte er Anna Katharina, um ihre Visionen aufzuzeichnen, die er später veröffentlichte.

Im Sommer 1823 wurde Anna Katharina immer schwächer. Wie in allen vorhergehenden Jahren verband sie ihr Leiden mit dem Leiden Jesu und opferte es auf für die Erlösung der Menschen. Sie starb am 09. Februar 1824.

Anna Katharina Emmerick wurde auf dem Friedhof in Dülmen begraben. Zahlreiche Menschen nahmen an der Beerdigung teil. Weil das Gerücht entstand, der Leichnam Anna Katharinas sei entwendet worden, wurde das Grab in den auf die Beerdigung folgenden Wochen noch zweimal geöffnet. Der Sarg mit dem Leichnam wurde in unversehrtem Zustand gefunden.

Clemens Brentano schreibt über Anna Katharina Emmerick: »Sie steht wie ein Kreuz am Weg«. Anna Katharina Emmerick weist uns hin auf die Mitte unseres christlichen Glaubens, auf das Geheimnis des Kreuzes.

Das Leben Anna Katharina Emmericks ist gekennzeichnet von einer tiefen Christusverbundenheit. Sie liebte es, vor dem berühmten Coesfelder Kreuz zu beten. Häufig ging sie den großen Kreuzweg. Sie nahm persönlich so sehr teil am Leiden des Herrn, dass es nicht übertrieben ist zu sagen: Sie lebte, litt und starb mit Christus. Ein äußeres Zeichen dafür, das aber zugleich mehr ist als ein bloßes Zeichen, sind die Wundmale, die sie trug.

Anna Katharina Emmerick war eine große Marienverehrerin. Der Festtag Mariä Geburt ist auch ihr Geburtstag. Ein Wort aus einem Mariengebet weist uns auf einen weiteren Aspekt im Leben Anna Katharinas hin. In diesem Gebet heißt es: »O Gott, lass uns nach dem Vorbild des Glaubens und der Liebe Mariens dem Werk der Erlösung dienen«. Dem Werk der Erlösung dienen: Das wollte Anna Katharina Emmerick.

Der Apostel Paulus spricht im Brief an die Kolosser von zwei Weisen des Dienstes am Evangelium, des Dienstes an der Erlösung. Die eine Weise besteht in der aktiven Verkündigung in Wort und Tat. Was aber, wenn das nicht mehr geht? Paulus, der sich offensichtlich in einer solchen Situation befindet, schreibt: »Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt« (Kol1, 24).

In beiderlei Weise hat Anna Katharina Emmerick der Erlösung gedient. Ihr Wort, das aus ihrer unscheinbaren Kammer in Dülmen durch die Schriften von Clemens Brentano ungezählte Menschen in vielen Sprachen erreicht hat, ist bis in unsere Tage hinein eine hervorragende Verkündigung des Evangeliums im Dienst an der Erlösung. Zugleich aber hat Anna Katharina Emmerick ihr Leiden als einen Dienst an der Erlösung aufgefasst. Dr. Wesener, ihr Arzt, berichtet in seinem Tagebuch ihren Anspruch: »Ich habe es mir immer als eine besondere Gabe von Gott erbeten, dass ich für die leide und womöglich genugtue, die aus Irrtum oder Schwachheit auf dem Irrweg sind«. Es wird berichtet, dass Anna Katharina Emmerick vielen ihrer Besucher Glaubenshilfe und Trost spendete. Ihr Wort hatte diese Kraft, weil sie ihr Leben und Leiden in den Dienst der Erlösung hineintrug.

Durch Glauben und Liebe dem Werk der Erlösung dienen: Anna Katharina Emmerick kann uns darin ein Vorbild sein.

Dr. Wesener überliefert den Ausspruch Anna Katharina Emmericks: »Ich habe den Dienst an dem Nächsten immer für die höchste Tugend gehalten. In meiner frühesten Jugend schon habe ich Gott gebeten, dass er mir die Kraft verleihen wolle, meinen Mitmenschen zu dienen und nützlich zu sein. Und ich weiß jetzt, dass er meine Bitte erfüllt hat«. Wie konnte sie, die jahrelang auf das Krankenzimmer beschränkt und an das Bett gefesselt war, den Nächsten dienen?

Der damalige Generalvikar Clemens August Droste zu Vischering nennt in einem Brief an den Grafen Stolberg Anna Katharina Emmerick eine besondere Freundin Gottes. Mit einem Wort von Hans Urs von Balthasar können wir sagen: »Sie warf ihre Freundschaft mit Gott in die Waagschale in der Solidarität mit den Menschen«.

Die Freundschaft mit Gott in die Waagschale werfen in der Solidarität mit den Menschen: Wird hier nicht ein Anliegen für das kirchliche Leben unserer Tage deutlich? Der christliche Glaube erfasst nicht mehr alle. Die christliche Gemeinde steht stellvertretend in unserer Welt für die Menschen vor Gott. Wir müssen unsere Freundschaft mit Gott in die Waagschale werfen in der Solidarität mit den Menschen.

Anna Katharina Emmerick ist uns verbunden in der Gemeinschaft der Glaubenden. Diese Gemeinschaft endet nicht mit dem Tod. Wir glauben an die bleibende Gemeinschaft mit allen, die Gott zur Vollendung geführt hat. Wir sind über den Tod hinaus verbunden, und sie nehmen an unserem Leben teil. Wir können sie anrufen und sie um ihre Fürsprache bitten. Wir bitten Anna Katharina Emmerick, die neue Selige, dass sie ihre Freundschaft mit Gott in die Waagschale werfe in der Solidarität mit uns und mit allen Menschen.

Predigt von Johannes Paul II.

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Quelle

Siehe ferner:

Anna Katharina Emmerich (1774-1824) am 3. Oktober 2004 (vor 10 Jahren!) seliggesprochen von Johannes Paul II.

Anna Katharina Emmerick wurde am 08. September 1774 in der Bauernschaft Flamschen bei Coesfeld geboren. Inmitten einer Geschwisterschar von 9 Kindern wuchs sie auf. Schon früh musste sie im Haus und bei der Landarbeit helfen. Ihr Schulbesuch war kurz. Umso mehr fiel es auf, dass sie in religiösen Dingen gut unterrichtet war. Schon früh bemerkten die Eltern und alle, die Anna Katharina kannten, dass sie sich in besonderer Weise zum Gebet und zum religiösen Leben hingezogen fühlte.

Drei Jahre tat Anna Katharina Dienst auf einem großen Bauernhof in der Nachbarschaft. Anschließend lernte sie nähen und war zur weiteren Ausbildung in Coesfeld. Sie liebte es, die alten Kirchen in Coesfeld zu besuchen und den Gottesdienst mitzufeiern. Oft ging sie allein für sich betend den großen Kreuzweg.

Anna Katharina hatte den Wunsch, ins Kloster einzutreten. Da dieser Wunsch sich zunächst nicht verwirklichen ließ, kehrte sie in das Elternhaus zurück. Sie arbeitete als Näherin und kam dabei in viele Häuser.

Anna Katharina bat in verschiedenen Klöstern um Aufnahme. Sie wurde jedoch abgewiesen, da sie keine besondere Mitgift mitbringen konnte. Die Klarissen in Münster erklärten sich schließlich bereit, sie aufzunehmen, wenn sie das Orgelspielen erlernen würde. Sie erhielt von ihren Eltern die Erlaubnis, beim Organisten Söntgen in Coesfeld in die Lehre zu gehen. Sie kam jedoch nicht dazu, das Orgelspiel zu erlernen. Die Not und Armut in diesem Haus veranlassten sie, im Hause und in der Familie mitzuarbeiten. Sie gab sogar ihre geringen Ersparnisse hin, um der Familie Söntgen zu helfen.

Gemeinsam mit ihrer Freundin Klara Söntgen konnte sie schließlich 1802 im Kloster Agnetenberg in Dülmen eintreten. Im folgenden Jahr legte sie ihr Ordensgelübde ab. Mit Eifer nahm sie am Leben des Klosters teil. Sie war stets bereit, auch schwere und ungeliebte Arbeiten zu übernehmen. Ihrer armen Herkunft wegen wurde sie im Kloster zunächst wenig geachtet. Manche ihrer Mitschwestern nahmen Anstoß an ihrer genauen Befolgung der Ordensregel und hielten sie für eine Heuchlerin. Anna Katharina trug diesen Schmerz schweigend und in stiller Ergebung.

In den Jahren 1802 bis 1811 wurde Anna Katharina häufiger krank und hatte große Schmerzen zu erdulden.

1811 wurde das Kloster Agnetenberg im Zuge der Säkularisation aufgehoben. Auch Anna Katharina musste das Kloster verlassen. Sie fand Aufnahme als Haushälterin bei Abbé Lambert, einem aus Frankreich geflüchteten Priester, der in Dülmen wohnte. Doch bald wurde sie krank. Sie konnte das Haus nicht mehr verlassen und wurde bettlägerig. Im Einvernehmen mit Vikar Lambert ließ sie ihre jüngere Schwester Gertrud kommen, die unter ihrer Leitung den Haushalt betreute.

In dieser Zeit empfing Anna Katharina Emmerick die Wundmale. Die Schmerzen der Wundmale hatte sie bereits seit längerer Zeit erlitten. Die Tatsache, dass sie die Wundmale trug, konnte nicht verborgen bleiben. Dr. Franz Wesener, ein junger Arzt, suchte sie auf und war so sehr von ihr beeindruckt, dass er ihr in den folgenden elf Jahren ein treuer, selbstloser und helfender Freund wurde. Er hat ein Tagebuch über seine Begegnungen mit Anna Katharina Emmerick geführt, in dem er eine Fülle von Einzelheiten festgehalten hat.

Ein hervorstechender Zug im Leben Anna Katharinas war ihre Liebe zu den Menschen. Wo immer sie Not sah, suchte sie zu helfen. Auch auf ihrem Krankenlager fertigte sie noch Kleidungsstücke für arme Kinder an und freute sich, wenn sie ihnen damit helfen konnte. Obwohl ihr die vielen Besucher manchmal hätten lästig werden können, nahm sie alle freundlich auf. Sie nahm sich ihrer Anliegen im Gebet an und schenkte ihnen Ermunterung und Trost.

Viele Persönlichkeiten, die in der kirchlichen Erneuerungsbewegung zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Bedeutung waren, suchten die Begegnung mit Anna Katharina Emmerick, u.a.: Clemens August Freiherr Droste zu Vischering, Bernhard Overberg, Friedrich Leopold von Stolberg, Johann Michael Sailer, Christian und Clemens Brentano, Luise Hensel, Melchior und Apollonia Diepenbrock.

Von besonderer Bedeutung wurde die Begegnung mit Clemens Brentano. Aus seinem ersten Besuch 1818 wurde ein fünfjähriger Aufenthalt in Dülmen. Täglich besuchte er Anna Katharina, um ihre Visionen aufzuzeichnen, die er später veröffentlichte.

Im Sommer 1823 wurde Anna Katharina immer schwächer. Wie in allen vorhergehenden Jahren verband sie ihr Leiden mit dem Leiden Jesu und opferte es auf für die Erlösung der Menschen. Sie starb am 09. Februar 1824.

Anna Katharina Emmerick wurde auf dem Friedhof in Dülmen begraben. Zahlreiche Menschen nahmen an der Beerdigung teil. Weil das Gerücht entstand, der Leichnam Anna Katharinas sei entwendet worden, wurde das Grab in den auf die Beerdigung folgenden Wochen noch zweimal geöffnet. Der Sarg mit dem Leichnam wurde in unversehrtem Zustand gefunden.

Clemens Brentano schreibt über Anna Katharina Emmerick: »Sie steht wie ein Kreuz am Weg«. Anna Katharina Emmerick weist uns hin auf die Mitte unseres christlichen Glaubens, auf das Geheimnis des Kreuzes.

Das Leben Anna Katharina Emmericks ist gekennzeichnet von einer tiefen Christusverbundenheit. Sie liebte es, vor dem berühmten Coesfelder Kreuz zu beten. Häufig ging sie den großen Kreuzweg. Sie nahm persönlich so sehr teil am Leiden des Herrn, dass es nicht übertrieben ist zu sagen: Sie lebte, litt und starb mit Christus. Ein äußeres Zeichen dafür, das aber zugleich mehr ist als ein bloßes Zeichen, sind die Wundmale, die sie trug.

Anna Katharina Emmerick war eine große Marienverehrerin. Der Festtag Mariä Geburt ist auch ihr Geburtstag. Ein Wort aus einem Mariengebet weist uns auf einen weiteren Aspekt im Leben Anna Katharinas hin. In diesem Gebet heißt es: »O Gott, lass uns nach dem Vorbild des Glaubens und der Liebe Mariens dem Werk der Erlösung dienen«. Dem Werk der Erlösung dienen: Das wollte Anna Katharina Emmerick.

Der Apostel Paulus spricht im Brief an die Kolosser von zwei Weisen des Dienstes am Evangelium, des Dienstes an der Erlösung. Die eine Weise besteht in der aktiven Verkündigung in Wort und Tat. Was aber, wenn das nicht mehr geht? Paulus, der sich offensichtlich in einer solchen Situation befindet, schreibt: »Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt« (Kol1, 24).

In beiderlei Weise hat Anna Katharina Emmerick der Erlösung gedient. Ihr Wort, das aus ihrer unscheinbaren Kammer in Dülmen durch die Schriften von Clemens Brentano ungezählte Menschen in vielen Sprachen erreicht hat, ist bis in unsere Tage hinein eine hervorragende Verkündigung des Evangeliums im Dienst an der Erlösung. Zugleich aber hat Anna Katharina Emmerick ihr Leiden als einen Dienst an der Erlösung aufgefasst. Dr. Wesener, ihr Arzt, berichtet in seinem Tagebuch ihren Anspruch: »Ich habe es mir immer als eine besondere Gabe von Gott erbeten, dass ich für die leide und womöglich genugtue, die aus Irrtum oder Schwachheit auf dem Irrweg sind«. Es wird berichtet, dass Anna Katharina Emmerick vielen ihrer Besucher Glaubenshilfe und Trost spendete. Ihr Wort hatte diese Kraft, weil sie ihr Leben und Leiden in den Dienst der Erlösung hineintrug.

Durch Glauben und Liebe dem Werk der Erlösung dienen: Anna Katharina Emmerick kann uns darin ein Vorbild sein.

Dr. Wesener überliefert den Ausspruch Anna Katharina Emmericks: »Ich habe den Dienst an dem Nächsten immer für die höchste Tugend gehalten. In meiner frühesten Jugend schon habe ich Gott gebeten, dass er mir die Kraft verleihen wolle, meinen Mitmenschen zu dienen und nützlich zu sein. Und ich weiß jetzt, dass er meine Bitte erfüllt hat«. Wie konnte sie, die jahrelang auf das Krankenzimmer beschränkt und an das Bett gefesselt war, den Nächsten dienen?

Der damalige Generalvikar Clemens August Droste zu Vischering nennt in einem Brief an den Grafen Stolberg Anna Katharina Emmerick eine besondere Freundin Gottes. Mit einem Wort von Hans Urs von Balthasar können wir sagen: »Sie warf ihre Freundschaft mit Gott in die Waagschale in der Solidarität mit den Menschen«.

Die Freundschaft mit Gott in die Waagschale werfen in der Solidarität mit den Menschen: Wird hier nicht ein Anliegen für das kirchliche Leben unserer Tage deutlich? Der christliche Glaube erfasst nicht mehr alle. Die christliche Gemeinde steht stellvertretend in unserer Welt für die Menschen vor Gott. Wir müssen unsere Freundschaft mit Gott in die Waagschale werfen in der Solidarität mit den Menschen.

Anna Katharina Emmerick ist uns verbunden in der Gemeinschaft der Glaubenden. Diese Gemeinschaft endet nicht mit dem Tod. Wir glauben an die bleibende Gemeinschaft mit allen, die Gott zur Vollendung geführt hat. Wir sind über den Tod hinaus verbunden, und sie nehmen an unserem Leben teil. Wir können sie anrufen und sie um ihre Fürsprache bitten. Wir bitten Anna Katharina Emmerick, die neue Selige, dass sie ihre Freundschaft mit Gott in die Waagschale werfe in der Solidarität mit uns und mit allen Menschen.


EUCHARISTIEFEIER MIT SELIGSPRECHUNGEN AUF DEM PETERSPLATZ

PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.

  Sonntag, 3. Oktober 2004

1. »Verbum Domini manet in aeternum – Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit.« Dieser Ruf vor dem Evangelium führt uns zu den Grundlagen des Glaubens. Angesichts des Laufes der Zeit und der ständigen Umwälzungen der Geschichte bleibt die Offenbarung, die Gott uns in Jesus Christus geschenkt hat, für immer unveränderlich und eröffnet auf unserem irdischen Weg einen Ausblick auf die Ewigkeit.

Dies haben die fünf neuen Seligen auf einzigartige Weise erfahren: Pierre Vigne, Joseph-Marie Cassant, Anna Katharina Emmerick, Maria Ludovica De Angelis, Karl von Österreich. Sie haben sich vom Wort Gottes wie von einer hellen und sicheren Leuchte führen lassen, die nie aufgehört hat ihren Weg zu erhellen. [Nach diesen Worten auf italienisch fuhr der Heilige Vater auf französisch fort:]

2. Durch die Betrachtung des in der Eucharistie gegenwärtigen Christus und seines heilbringenden Leidens wurde Pater Pierre Vigne dazu bewegt, ein wahrer Jünger und ein der Kirche treuer Missionar zu sein. Sein Vorbild möge in den Gläubigen den Wunsch wecken, aus der Liebe zur Eucharistie und aus der Anbetung des Allerheiligsten Sakramentes den Mut zur Mission zu schöpfen! Bitten wir Ihn, die Herzen der jungen Menschen zu berühren, damit sie sich Ihm – wenn sie von Gott gerufen werden – im Priestertum oder Ordensstand vollkommen weihen. Die Kirche in Frankreich möge in Pater Vigne ein Vorbild finden, damit uns neue Sämänner des Evangeliums geschenkt werden.

3. Bruder Joseph-Marie hat sein Vertrauen stets auf Gott gesetzt, in der Betrachtung des Geheimnisses der Passion und in Einheit mit Christus, der in der Eucharistie gegenwärtig ist. So hat er sich von der Liebe Gottes erfüllen lassen, indem er sich Ihm, dem »einzigen Glück auf Erden«, hingab und in der Stille des Klosters »La Trappe« den Gütern der Welt entsagte. Inmitten der Prüfungen richtete er seinen Blick auf Christus und opferte seine Leiden dem Herrn und der Kirche auf. Mögen die Menschen von heute, besonders die kontemplativen Ordensleute und die Kranken, nach seinem Beispiel das Geheimnis des Gebets entdecken, das die Welt zu Gott erhebt und in den Prüfungen Kraft verleiht! [Der Papst sagte daraufhin auf spanisch:]

4. »Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit« (2 Tim 1,7). Diese Worte des hl. Paulus laden uns ein, im Lichte des Glaubens am Aufbau des Reiches Gottes mitzuwirken. Sie treffen auch gut auf das Leben der sel. Ludovica De Angelis zu, deren Dasein ganz der Ehre Gottes und dem Dienst an den Nächsten gewidmet war.

In ihrer Persönlichkeit treten ihr mütterliches Herz, ihre Führungsqualitäten und die den Heiligen eigene Kühnheit hervor. Für die kranken Kinder empfand sie eine konkrete, großherzige Liebe und nahm Opfer auf sich, um sie zu trösten; für ihre Mitarbeiter im Krankenhaus von La Plata war sie ein Vorbild durch ihre Freude und ihren Verantwortungssinn, durch die sie eine familiäre Atmosphäre schuf; für ihre Mitschwestern war sie ein echtes Vorbild als Tochter Unserer Lieben Frau von der Barmherzigkeit. In allem wurde sie getragen vom Gebet, das ihr Leben zu einem ständigen Dialog mit dem Herrn werden ließ. [Auf deutsch sagte der Papst:]

5. Die selige Anna Katharina Emmerick, hat „das bittere Leiden unseres Herrn Jesu Christi“ geschaut und an ihrem Leib erfahren. Daß aus der Tochter armer Bauern, die beharrlich Gottes Nähe suchte, die bekannte „Mystikerin des Münsterlandes“ wurde, ist ein Werk der göttlichen Gnade. Ihrer materiellen Armut steht ein reiches inneres Leben gegenüber. Wie die Geduld im Ertragen ihrer körperlichen Schwäche beeindruckt uns die charakterliche Stärke der neuen Seligen und ihre Festigkeit im Glauben.

Die Kraft dazu bezog sie aus der heiligsten Eucharistie. So hat ihr Beispiel die Herzen Armer und Reicher, einfacher und gebildeter Menschen für die liebende Ganzhingabe an Jesus Christus erschlossen. Noch heute vermittelt sie allen die erlösende Botschaft: Durch Christi Wunden sind wir geheilt (vgl. 1 Petr 2, 24).

6. Die entscheidende Aufgabe des Christen besteht darin, in allem Gottes Willen zu suchen, zu erkennen und danach zu handeln. Dieser täglichen Herausforderung stellte sich der Staatsmann und Christ Karl aus dem Hause Österreich. Er war ein Freund des Friedens. In seinen Augen war der Krieg „etwas Entsetzliches“. Mitten in den Stürmen des Ersten Weltkriegs an die Regierung gelangt, versuchte er die Friedensinitiative meines Vorgängers Benedikt XV. aufzugreifen.

Von Anfang an verstand Kaiser Karl sein Herrscheramt als heiligen Dienst an seinen Völkern. Sein ernstes Bestreben war es, der Berufung des Christen zur Heiligkeit auch in seinem politischen Handeln zu folgen. Dabei war ihm der Gedanke der sozialen Liebe wichtig. Sei er uns allen ein Vorbild, besonders denen, die heute in Europa politische Verantwortung tragen!

7. Zusammen mit der ganzen Kirche sagen wir dem Herrn Lob und Dank für die Wunder, die er in diesen guten und treuen Dienern des Evangeliums vollbracht hat. Die allerseligste Jungfrau Maria, die wir im Monat Oktober besonders durch das Gebet des Rosenkranzes anrufen, möge uns helfen, unsererseits zu großherzigen und mutigen Aposteln des Evangeliums zu werden. Amen!

Die selige Anna Katharina Emmerick: Schauungen über eine „Afterkirche, eine andere dunkle Kirche in Rom“

Am 3. Oktober 2004 erhob Papst Johannes Paul II. durch die Seligsprechung die deutsche Ordensfrau Anna Katharina Emmerick zu den Altären. Die Selige wurde 1774 in Coesfeld im Münsterland geboren und starb 1824 im Kloster Agnetenberg in Dülmen. Die aus einer Bauernfamilie stammende Nonne wird von der Weltkirche als Mystikerin und stigmatisierte Seherin verehrt. Dank ihrer Visionen konnte bei Ephesus von einer Expertenkommission 1891 das Haus Mariens entdeckt werden, in dem, so die Archäologen, Maria und der Evangelist und Apostel Johannes nach der Hinrichtung und Himmelfahrt Jesu lebten. Papst Benedikt XVI. besuchte das Haus am 29. November 2006.

Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu Christi, die durch Clemens Brentano aufgezeichneten Schauungen der Seligen enthalten einige unbekannte Details zum Tod Jesu. Das veranlaßte den katholischen Schauspieler, Regisseur und Produzenten Mel Gibson sich bei seinem Film Die Passion Christi (2004) an die Visionen der deutschen Mystikerin zu halten.

Emmerick, die Liturgiereform und zwei Päpste

Zu den Visionen der Augustinerin gehören auch einige apokalyptische Prophezeiungen über die Zukunft der Kirche. Was sie voraussagte, klingt in manchem wie eine Vorwegnahme der nachkonziliaren Liturgiereform: „Die Messe war kurz“ und am Ende wurde das Schlußevangelium aus dem Johannesevangelium nicht mehr gelesen.

Am 13. Mai 1820 sah sie in einer Vision zwei Päpste und zwei Kirchen: „Ich habe diese Nacht“ das Bild „von zwei Kirchen und zwei Päpsten gehabt“. Sie sah den Papst „und sah, wie unter ihm eine andere dunkle Kirche in Rom entstand“. Sie sah ein Gebäude ohne Altar und ohne Allerheiligstes: „Ich sah nur Bänke und in der Mitte wie einen Rednerstuhl. Es wurde da gepredigt und gesungen; sonst war nichts.“ Über die Leute, die sich in dieser „falschen“ Kirche ohne Sakrament des Altares, Emmerick spricht oft auch von „Afterkirche“ versammeln, schaute sie:

„Ein jeder zog einen anderen Götzen aus seiner Brust und stellte ihn vor sich hin und betete ihn an. Es war, als zöge jeder seine Meinung, seine Leidenschaft hervor wie ein schwarzes Wölkchen, und wie es heraus war, nahm es gleich ein bestimmte Gestalt ab, und es waren lauter Figuren, wie ich sie an dem Halsgeschmeide der unechten Braut in dem Hochzeitshause hängen sah, allerlei Menschen- und Tiergestalten. Der Gott des Einen war ganz kraus und breit, breitete viele Arme aus und wollte Alles umschlingen und auffressen; der Gott des Andern machte sich ganz klein und krümmte sich zusammen; ein Anderer hatte bloß einen hölzernen Knüppel, den er ganz verdreht anschaute, der Dritte hatte ein abscheuliches Tier, der Vierte eine Stange.“

Das besondere ist, daß

„diese Götzen den ganzen Raum ausfüllten […] und wenn sie fertig waren, kroch der Gott eines Jeden wieder in ihn hinein. Das ganze Haus aber war dunkel und schwarz und alles, was darin geschah, war Dunkelheit und Finsternis. Nun wurde mir auch der Vergleich gezeigt zwischen jenem Papst und diesem und zwischen jenem Tempel und diesem.“

Eine „dunkle Kirche“ breitet sich in der Kirche aus: von lauen Priestern und einer geheimen Sekte

Emmerick schaute, wie zahlenmäßig schwach der richtige Papst war und wie zahlenmäßig stark hingegen der falsche Papst. Der richtige Papst war „stark aber an Willen“ und entschlossen die große Zahl der Götzen zu stürzen. Der andere Papst hingegen war „schwach an Willen, in dem er den einzig wahren Gott und die einzig wahre Andacht durch Gestattung des falschen Tempels in so viele Götter und falsche Andachten habe auflösen lassen.“ Unter dem falschen Papst wurden „tausend Götzen“ angebetet, dem Herrn aber kein Platz eingeräumt. Emmerich sah, wie sich die wahre Kirche zerstreute und die falsche sich sammelte und zahlenmäßig im Vorteil war.

„Ich sah auch, wie sehr übel die Folgen von dieser Afterkirche sein würden. Ich sah sie wachsen, ich sah viele Ketzer aller Stände nach der Stadt [Rom] ziehen. Ich sah die Lauigkeit der dortigen Geistlichen wachsen, ich sah sich viel Dunkelheit dort mehr und mehr verbreiten. […] Ich sah in allen Orten die katholischen Gemeinden gedrückt, bedrängt, zusammengeschoben und eingeschlossen werden. Ich sah viele Kirchen aller Orten sperren. […] Ich hatte das Bild wieder, wie die Peterskirche planmäßig durch die geheime Sekte abgetragen und auch durch Stürme abgebrochen werde.“

Gewißheit des göttlichen Beistandes für die wahre Kirche

Doch Emmerick sieht auch den göttlichen Beistand für die wahre Kirche:

„Ich sah aber auch im höchsten Elend wieder die Nähe der Rettung. Ich sah die heilige Jungfrau wieder auf die Kirche steigen und den Mantel ausbreiten. [Ich sah alles neu werden und sich eine Kirche bis in den Himmel hineinbauen. […] Den Zeitraum, da alles dieses geschehen soll, kann ich nicht angeben.“ 1

Die von Emmerick geschaute falsche Kirche verriet die kirchliche Glaubenslehre und ihr Klerus war „lau“. Die stigmatisierte Mystikerin wird an anderer Stelle selbst von einer „protestantisierten“ Kirche sprechen. Das alles verhinderte es aber nicht, daß diese falsche Kirche ein großes Wachstum erlebte. „Es entstand ein Leib, eine Gemeinschaft außer dem Leibe Jesu, der Kirche, eine heilandslose Afterkirche, deren Geheimnis es ist, kein Geheimnis zu haben“. 2

Am 10. August 1820 schaute sie die Vision:

„Ich sehe den Heiligen Vater in großer Bedrängnis. Er bewohnt einen andern Palast und läßt nur wenige Vertraute vor sich. Würde die schlechte Partei ihre große Stärke kennen, sie wäre schon losgebrochen. Ich fürchte, der Heilige Vater wird vor seinem Ende noch große Drangsale leiden müssen. Die schwarze Afterkirche sehe ich im Wachsen und in üblem Einfluß auf die Gesinnung. Die Not des Heiligen Vaters und der Kirche ist wirklich so groß, daß man Tag und Nacht zu Gott flehen Muß Es ist mir viel zu beten aufgetragen für die Kirche und den Papst…“

Verwüstung der Kirche durch Protestantisierung – „Gott aber hat andere Pläne“

Am 22. April 1823 sah Emmerick eine Protestantisierung der katholischen Kirche. Alles was protestantisch war, habe schrittweise in der katholischen Kirche die Oberhand gewonnen und in dieser einen völligen Dekadenzprozeß ausgelöst. Die Mehrheit der Priester sei durch die verführerischen, aber falschen Lehren angezogen worden und trugen zum Werk der Zerstörung bei. In den Tagen, in denen das geschehen wird, so Emmerick, wird der Glauben tief fallen und nur an wenigen Orten, in wenigen Häusern und wenigen Familien bewahrt werden, die Gott vor den Verwüstungen bewahrt.

Emmerick sah, daß sich viele Priester von Ideen einwickeln lassen, die für die Kirche gefährlich sind und den Bau einer neuen großen, seltsamen und extravaganten Kirche. Emmerick scheint einige Ideen und Praktiken geschaut zu haben, die sich in der Nachkonzilszeit auszubreiten begannen und noch heute andauern, so am 22. April 1822. Alle sollten in der neuen Kirche zugelassen sein, damit alle geeint sind und alle sollten die gleichen Rechte haben: Protestanten, Katholiken und Sekten aller Denominationen. Das sollte die „neue Kirche“ sein. Gottes Pläne seien das aber nicht gewesen.

„Gott aber hatte andere Pläne“, zitierte Mattia Rossi in der Tageszeitung Il Foglio die selige Anna Katharina Emmerick: „Pläne, die wir natürlich alle nicht kennen: niemand ist imstande zu sagen, ob, wie und wann die Prophezeiungen der seligen Emmerick aktuell sind oder sich sogar bewahrheiten. Mit Sicherheit jedenfalls verblüfft die Übereinstimmung mit vielen, mehr oder weniger dunklen Aspekten der Kirche von heute“. Mattia Rossi ist Redaktionsmitglied der Liturgiezeitschrift Liturgia. Culmen et fons.

 

1) Karl Erhard Schmöger: Das Leben der gottseligen Anna Katharina Emmerich, 2. Bd. Letzte Lebensjahre und Tod, Freiburg im Breisgau 1870, S. 490ff
2) Seite 80

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Quelle: Katholisches.info (Text: Giuseppe Nardi)

DER WANDEL JESU IN DER WELT – Nach den Visionen der Anna Katharina Emmerich

IV. Die Freunde und Anhänger Jesu

 

1. Die Mutter Jesu zur Zeit Seines Lehrwandels

Ihr ständiger Wohnort

Während des öffentlichen Lehrwandels Jesu bewohnt die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter mit ihrer Magd das nach dem Tode Josephs bezogene Haus zwischen Kapharnaum und Bethsaida. Es gehört dem reichen Levi, der nicht weit davon ein großes Haus bewohnt. Die Familie Petri hat es von ihm gepachtet und Jesu und Maria überlassen.

Das Haus ist geräumig und hat mehrere Nebengebäude, in denen zeitweise Besuche aus Nazareth, Sephoris und Jerusalem, alles Verwandte oder Freundinnen Mariä, und später auch Jünger Jesu wohnen; das Haus scheint deswegen ausgewählt zu sein.

Maria führt keinen Haushalt; sie hat weder Vieh noch Feld. Sie lebt als Witwe von den Gaben der Verwandten von Sephoris und anderer Freunde. Die Diener Levi’s ver­sorgen das Haus regelmäßig mit Lebens­mitteln aus Kapharnaum, säubern und pfle­gen Haus und Garten und bewachen bei Reisen Mariä das Grundstück. Mariä Be­schäftigung ist Spinnen, Nähen und Wir­ken mit kleinen Stäben; Beten, und andere Frauen trösten und unterrichten. Fast immer weilen Besucher bei ihr, doch nimmt sie manchen Besuch aus Nazareth und Jeru­salem, der weit hergekommen, nicht an.

Die Reisen Mariä

Gleich auf Jesu erster Reise im Anfang Juni 31 begleitet Ihn Maria ein Stück We­ges bis Nazareth, wo sie sich bei Ihrer Nichte, Maria Kleophä, zweiundzwanzig Tage bis zur Rückkehr Jesu aufhält. Als der Herr wieder in Nazareth eintrifft, reist sie mit Ihm, mit ihrer Nichte Maria Kleophä und mit achtzehn anderen Bekannten nach Ka­pharnaum zurück. Maria Kleophä läßt sich von nun an mit ihren beiden jüngsten Söhnen im Tale von Kapharnaum in der Nähe des Hauses Mariä nieder.

Einen Monat später trifft sich Maria mit Veronika, Johanna Chusa und Maria Markus (mit denen sie die jährlichen drei Pilger­reisen zum Tempel, zur Abrahams-Tere­binthe bei Bethlehem und zum Berge Kar­mel zu machen pflegt) in Nazareth, hört den Herrn in der dortigen Synagoge lehren, und vierzehn Tage später im Villenort zwischen Nazareth und Sephoris, wo Jesus zum Sab­bat hinkommt und predigt. Von hier aus besucht sie in Sephoris ihre Tante Mahara, die jüngste Schwester Anna’s und hört den Herrn in der großen Pharisäersynagoge predigen. Dort ist sie Augenzeuge, wie Er unter der Lehre mehrere Besessene heilt.

Im nächsten Monat September trifft sie sich mit Jesus wieder in Nazareth und vermittelt eine Unterredung Jesu mit ihrer Nichte Maria Kleophä zwecks Jüngerannahme ihrer fünf Söhne.

Noch im selben Monat befindet sie sich mit ihren Freundinnen auf einer Reise nach Jerusalem. Sie gehen meist in einer Linie hintereinander auf den schmalen Fuß­gängerwegen, die durch die Gebirge führen. Sie gehen rasch, wie Leute, die weite Fuß­reisen gewöhnt sind. Sie haben die Röcke auf der Reise bis zur halben Wade geschürzt und die Beine von der Leibbinde ab bis zum Knöchel mit einer Binde umwickelt und tra­gen dicke, innen gefütterte Sandalen. Den Kopf bedeckt ein Schleier, der mit einem langen Tuche um den Nacken festgehalten wird. Das Tuch ist über der Brust gekreuzt, und um den Rücken laufend geht es in den Gürtel über. Sie tragen die Hände abwechselnd in dieser Binde ruhend. Sie haben zwei Fischerknechte bei sich, die das Ge­päck tragen, und zwar einen Sack auf der Brust und einen auf dem Rücken und einen Stab mit Gepäck auf der Schulter. Der voranschreitende Mann bereitet den Weg, öffnet die Zäune, räumt Steine hin­weg, legt Stege über Bäche und bestellt auch die Herberge. Der Nachschreitende bringt alles wieder in die vorige Ordnung. Im Familienschlosse des reichen Lazarus hört Maria die Lehren Jesu kurz vor Seiner Taufe und bleibt dann noch in Bethanien, wo sie mit den anderen Freundinnen ent­weder im Schlosse ihre übliche Handarbeit verrichtet oder Krankenbesuche macht; oder sie weilt als Gast bei den Freundinnen zu Jerusalem.

Auf der Heimreise kommt Martha, die Schwester des Lazarus mit, um bei Aruma die erste Jüngerherberge einzurichten. Zum Laubhüttenfest mietet Maria eine Herberge bei Groß-Chorazin, schmückt sie mit ihren Freundinnen zu einer Laubhütte zum Emp­fang Jesu, hört dessen öffentliche Volks­lehre auf dem nahen Lehrhügel und nimmt von Ihm rührenden Abschied vor Seinem vierzigtägigen Fasten.

Gegen Ende des Fastens Jesu ist Maria Gast im Hause des reichen Spediteurs Israel zu Kana und wohnt hier im Hause ihrer Cou­sine Sobe, der Tante des zukünftigen Bräuti­gams Nathanael aus Kapharnaum. Hier wird sie vom Herrn am letzten Tage Seines Fastens durch Seine Erscheinung in einer Vision übernatürlich getröstet und gestärkt.

Ende desselben Monats Dezember 31 weilt sie wieder in Kana und nimmt an der Hoch­zeit der Tochter Israels teil, bei der sie den Herrn auf das Fehlen der von Ihm für den zweiten Tischgang übernommenen Wein­spende aufmerksam macht.

Im März 32 begleitet .sie mit ihren Freun­dinnen den Herrn bis Dothaim, nimmt am Abschiedsmahl im Hotel teil und kehrt wieder heim. Ende des Monats reist sie über Nazareth und dem Landgut Lazari bei Ginäa nach Jerusalem, wo sie Jesus zum erstenmal im Tempel hört. Hier wohnt sie jetzt und auch später abwechselnd in Marthas Schloß Bethanien und in Lazari Stadthaus am Sion­berg, in welchem sie während ihres jetzigen Aufenthaltes mit dem Herrn das Ostermahl feiert.

Anfang Dezember 32 hört sie die große Bergpredigt des Herrn auf dem Lehrberg bei Bethsaida-Julias, reist von dort nach Kana und wird bei ihrer Rückkehr nach Kapharnaum bei der öffentlichen Lehre Jesu von der begeisterten Lea, der Schwäge­rin der geheilten Enue (Mt. 9, 20), selig gepriesen (L. 11, 27).

Ende des Monats ist sie bei der Bergpredigt bei Azanoth und Damna Zeuge der endgül­tigen Bekehrung Magdalena’s und reist An­fang Januar 33 mit dieser und den anderen Freundinnen über Dothan, wo sie beim alten Großkaufmann und jugendbekannten Issachar einige Tage zu Gast weilt, und über Michmas, wo sie den Sabbat hält, nach Bethanien. Von dort reist sie mit allen jerusalemer Bekannten, außer Magdalena, nach Juta zum Neffen des kürzlich ent­haupteten Täufers. Hier vernimmt sie vom eintreffenden Heiland den Tod des Täufers, hört ihren Sohn zu Juta und Hebron pre­digen und kehrt über Kana nach Hause zu­rück.

Im April 33 trifft sie sich kurz mit Jesus in Dothaim, hört Ihn dort lehren und kehrt mit Ihm und den Jüngern nach Kaphar­naum zurück, wo sie nun ständig bleibt bis Mitte Januar 34, um dann gegen Ende des öffentlichen Lehrwandels Jesu nach Jerusa­lem zu reisen und die letzten großen Lehr­vorträge ihres Sohnes im Tempel und im Schlosse Lazari zu hören.

Diese Reisen Mariä gehen nicht immer ohne aufregende Zwischenfälle von statten. über die Genesung der Besessenen bricht in Sephoris am 23. August 31 ein Aufruhr aus. Auch Maria ist gezwungen, mit den ver­wandten Frauen aus der Stadt zu fliehen. ­Und bei der gegen den Herrn zu Ostern 32 ausbrechenden Verfolgung finden die Jesum suchenden Pharisäer im Hause der Maria Markus nur Seine Mutter und deren Freun­dinnen und gebieten ihnen, als Seinen An­hängerinnen, mit harten Worten, die Stadt zu verlassen. Maria eilt nach Bethanien zu Lazarus und wird noch in den nächsten Tagen mehrmals von den Pharisäern zur Rede gestellt und sogar mit Landesverwei­sung bedroht.

Jesu Verhalten gegenüber Seiner Mutter

Auch daheim bleiben der lieben Gottesmut­ter mancherlei Aufregungen nicht erspart. Anfangs stellen sich bei ihr allerlei Klätsche­rinnen von Nachbarsleuten ein, die unter dem Vorwand, sie zu trösten, Jesu vorwer­fen, daß Er herumziehe, niemand wisse, wo; daß Er sie vernachlässige, da es doch Seine Pflicht sei, nach dem Tode Josephs für Seiner Mutter Unterhalt ein Geschäft anzu­fangen. Überhaupt ist bald im ganzen Lande ein großes Gerede von Jesus, für und wider Ihn.

Maria ist zwar sehr ernst und innerlich; aber nie ohne innere Bewegungen, Ahnungen und Sorgen bei den Entfernungen ihres Sohnes; denn auch alles Niederträchtige, was Seine Feinde wider Ihn in Umlauf setzen, wird ihr irgendwie zugetragen; ebenso wie auch alle Ängste und Sorgen Seiner wohlmeinen­den Bekannten an ihr Ohr dringen. Daher wartet sie oft mit banger Sehnsucht auf das Wiedersehen mit Ihm.

Jesu Betragen ihr gegenüber ist jedoch stets vorziehend liebevoll und ehrend. Bei jedem Wiedersehen reicht Er ihr beide Hände, oder wenn sie bei der Begrüßung nieder­kniet und Ihm die Hand küßt, so küßt auch Er, wenn sie sich erhebt, ihre Hand. Sind sie allein, so kommt es oftmals vor, daß Er sie tröstend und stärkend freundlich an Seine Brust lehnt und ihr zuspricht. Sie aber behandelt Ihn seit Seinem Lehramte immer, wie man einen Heiligen, einen Propheten behandelt. Sie umarmt Ihn nie, ja reicht nur die Hand, wenn Er die Seine darbietet.

Wertvolle Menschen, die sich bekehrt haben, empfiehlt Er an sie, wie Dina und Mara und Maria Magdalena. Alle Apostel und Jünger stellt Er ihr persönlich vor; und von langen Reisen nach Kapharnaum zurückkehrend, gilt ihrem Hause Sein erster Besuch.

Es ist ein stillschweigender Vertrag, ein inne­res Einverständnis zwischen Ihnen beiden, daß die heilige Jungfrau die Jünger in ihr Herz, ihr Gebet, ihren Segen und gewisser­maßen in sich selbst als ihre Kinder und Jesu Brüder aufnehme, daß sie deren geist­liche Mutter sei, wie sie Seine leibliche Mutter ist. Sie tut dies jedesmal mit ernster Innigkeit; und der Herr behandelt sie dabei sehr feierlich. Es ist eine unaussprechliche Heiligkeit in dieser Handlung, eine Inner­lichkeit; denn Maria ist gleichsam die Rebe, die Ähre Seines Fleisches und Blutes.

Jesu Unterredungen mit Maria

Nach dem Aufruhr in Sephoris trifft Sich der Herr mit Maria im Kurhotel des Bades Bethulia. Sie bittet Ihn, doch nicht hier wieder zu lehren; sie fürchte, es möge noch­mals ein Aufstand entstehen. Er erwidert, Er wisse, was Er zu erfüllen habe. Auf ihre Frage: „Sollen wir denn jetzt nicht zu Johannis Taufe gehen?“, antwortet Er ernst: „Warum sollen wir jetzt zu Johannis Taufe gehen? Haben wir es nötig? Ich werde noch gehen und sammeln und werde es sagen, wenn es nötig ist, zur Taufe zu gehen.“ (Die heiligen Frauen werden erst nach Pfingsten am Teich Bethesda getauft.)

Ein andermal sagt Er ihr in einer Unter­redung, Er werde dreimal zum Pascha nach Jerusalem reisen, und das letztemal werde sie sehr betrübt dort sein. Als Er ihr den Ort Seines vierzigtägigen Fastens nennt, bit­tet sie Ihn flehentlich, Er möge doch nicht in dieses wilde Gebirge gehen. Er erwidert, sie solle fortan Ihn nicht mit menschlicher Sorge hindern wollen; Er müsse tun, was Er tue. Er beginne einen schweren Weg; die mit Ihm seien, müßten mit Ihm leiden, Er wandle aber nun den Weg Seiner Sen­dung, und sie müsse allen bloß persönlichen Anspruch nun opfern, Er werde sie lieben wie immer, aber Er sei jetzt für alle Men­schen da. Sie solle tun, was Er sage, und Sein himmlischer Vater werde sie belohnen; denn es beginne bald, was ihr Simeon ver­kündet, es werde ein Schwert ihre Seele durchdringen (L. 2, 35).

Als Er am 24. Juli 32 in Bethoron mit ihr allein spricht und sie weint, daß Er Sich gen Jerusalem gehend in Gefahr begebe, tröstet Er sie, sie möge sich nicht sorgen, Er werde Seine Aufgabe vollbringen, die traurigen Tage seien noch nicht da. Und dann gibt Er ihr Anweisungen, wie sie sich im Gebet verhalten solle.

Wohl selten hat der Herr Seine Mutter so liebevoll getröstet, wie am 30. Juni 33, an dem Er Sich von ihr verabschiedet. Sie ist mit Ihm allein in einem Raum eines Hotels bei Bethsaida und, allerlei Trauriges ahnend, weint sie sehr und fleht Ihn an, Er möge doch zum Fest der Tempelweihe nicht nach Jerusalem gehen. Jesus lehnt sie an Seine Brust und sagt ihr mit großer Milde und Liebe, daß Er vollenden müsse, wozu Sein Vater Ihn gesandt habe, und weswegen sie Seine Mutter geworden sei. Sie solle stark sein und fortfahren, die anderen zu stärken und zu erbauen.

Botschaftswechsel zwischen Jesus und Maria

Bevor Jesus Sein vierzigtägiges Fasten be­ginnt, läßt Er ihr durch Boten mitteilen, sie solle zum Laubhüttenfest die ihr bekannte Herberge bei Chorazin mieten und Ihn dort mit ihren Freundinnen zum 18. Oktober er­warten.

Mitte Dezember 31 schreibt Er ihr Seine Übernahme der Festleitung der Hochzeit zu Kana und Übernahme des zweiten Tisch­ganges und die dortige Zusammenkunft mit ihr und allen Jüngern und künftigen Apo­steln (außer Bartholomäus, Thomas und Judas).

Mehrmals läßt auch sie Ihm durch Boten Nachrichten zugehen, und zwar stets Bitten für andere, zum Beispiel für ihre schwer erkrankte Nichte Maria Kleophä oder für die mit ihr verwandte Witwe Maria aus Naim, die der Herr auch unmittelbar nach Empfang der Botschaft aus der Ferne heilt.

Überhaupt hält der Herr auf Seinen weite­ren Lehrreisen, zumal in Zeiten der Ver­folgung seitens Seiner Gegner, durch be­stimmte Jünger die Verbindung mit ihr auf­recht.

Das Wissen Mariä

Während des Höhepunktes der Lehrwirk­samkeit Jesu, als mit Beginn des dritten Lehrjahres 33 der Massenzustrom nach Kapharnaum einsetzt und im Februar die großen Bergpredigten in der Nähe begin­nen, ist auch Maria, wenn immer Er es nur gestattet, eine fleißige Hörerin Seiner Lehr­vorträge; denn obschon sie von allen Ge­heimnissen, die Jesus ausspricht, eine innere Erkenntnis von früher her besitzt, so ist sie sich derselben doch nicht so deutlich be­wußt geworden. Wie nämlich die zweite Person in der Gottheit in ihr Fleisch ange­nommen hat, ein Mensch und ihr Kind ge­worden ist, so sind auch in ihr alle diese tieferen Erkenntnisse in eine demütige, ehr­furchtsvolle Mutterliebe zu Jesus gehüllt.

Als aber jetzt der Herr die Geheimnisse Seines Ursprungs und irdischen Wandels und Seiner Rückkehr zum Vater deutlicher zum Ärgernis der Verblendeten lehrt, wird die Betrachtung Mariä auf diese Mysterien gerichtet. Nach einer solchen Lehre am 8. Februar 33 betet sie in der folgenden Nacht stehend in ihrem Wohnraum und empfängt eine intellektuelle Vision über den Gruß des Engels, die Geburt und die Kind­heit Jesu und über die Wirklichkeit ihrer Mutterschaft und Seiner Kindschaft, und wie sie Denjenigen als ihr Kind behandelt, der der Sohn Gottes ist. Und hierüber wird sie dermaßen von Demut und Ehrfurcht überwältigt, daß sie ganz in Tränen zer­fließt. Und doch hüllen diese Anschau­ungen sich abermals in dem Gefühle der mütterlichen Liebe zu dem göttlichen Sohne ein, ähnlich wie die Gestalt des Brotes den lebendigen Gott im Sakrament verhüllt. Und dieser von der göttlichen Vorsehung herbeigeführte psychische Umstand erklärt die mütterliche Sorge Mariä um ihren Sohn, ihre große Passion und ihr Verdienst bei aller ihrer Fülle der Gnaden.

Einige Züge aus Mariä Verhalten

Als Maria dem Herrn bei Seiner Ankunft in Nazareth am 5. August 31 entgegengeht, aber sieht, daß Er Begleiter bei Sich hat, bleibt sie in der Ferne stehen und kehrt in die Stadt zurück, ohne Ihn zu begrüßen.

Das erste, was beim Zusammentreffen Jesu mit Maria in der Hirtenherberge bei Sichem am 31. Juli 32 geschieht, ist, daß sie ihren Sohn bittet, Er möge doch einen lahmen Knaben heilen, den benachbarte Hirten hierhergebracht haben; und Jesus heilt ihn. Ebenso empfiehlt sie Ihm, und zwar mehr­mals, den Hauptmann Cornelius wegen sei­nes kranken Dieners, Cornelius sei ein sehr guter Mann, er habe als ein Heide den Juden aus Zuneigung eine Synagoge erbaut; auch ist sie es, die den Herrn bittet, die kranke Tochter Salome des Synagogenvor­stehers Jairus zu heilen.

Am 16. November 32 benutzt sie den üb­lichen Sabbatspaziergang, um mit ihren Freundinnen Dina, Mara, Lais, Athalia, Sabia und Martha eine an der Anhöhe bei Kapharnaum lagernde Karawane von Hei­den zu besuchen, bei der sie die reisenden Frauen belehrt. Die Frauen sitzen an der Anhöhe im Halbkreis und Maria lehrt erst sitzend und dann unter ihnen wandelnd. Sie erklärt ihnen ihre Fragen und erzählt manches von den Altvätern, von den Pro­pheten und von Jesus.

Als am achten Dezember 32 die begeisterte Lea laut vor der Hörerschaft Jesu die aller-seligste Jungfrau selig preist (L. 11, 27), redet diese gleich darauf ganz still und gelassen mit Lea, die sie anspricht, ahnt deren Ausruf gar nicht und begibt sich mit ihren Begleiterinnen hinweg. überhaupt ist Maria unbeschreiblich einfach. Jesus zeich­net sie nie vor anderen Menschen aus, als daß Er sie würdig behandelt. Auch läßt sie sich mit niemanden ein als mit Kranken und Unwissenden. Sie erscheint immer ganz innig und unsagbar bescheiden. Alle, selbst die Feinde Jesu, ehren sie; und doch sucht sie niemanden, und hält sich stets zurück. Nur einmal tritt sie voran, nämlich an die Spitze des Zuges, als der Herr am 15. März 34 Seinen feierlichen Einzug in Jerusalem hält.

Bei der Zusammenkunft der Freunde zu Juta, unmittelbar nach der Enthauptung des Täufers, zeigt Maria den in der Geburts­stube des Täufers Versammelten die große mit Sprüchen bestickte Decke, erzählt die Umstände, unter denen sie diese Decke mit Elisabeth damals angefertigt hat und erklärt, den oberen Rand der Decke vor sich empor-haltend, die eingenähten Sprüche der Pro­pheten. Sie teilt auch mit, daß sie der Elisa­beth prophezeiht habe, Johannes werde Jesum nur dreimal von Angesicht sehen, und wie dieses auch wahr geworden. Hier greift Jesus in die Rede ein und teilt nach schonender Vorbereitung den Tod des Täu­fers mit; — und die gezeigte Decke wird mit Tränen der Trauernden benetzt.

Bei den großen Bergpredigten im Februar 33 organisiert Maria den Krankendienst bei den Frauen und Kindern und die Verteilung der Liebesgaben an die Armen, und beteiligt sich mit den Freundinnen und Jüngern an der praktischen Ausführung. In der Folge arbeitet sie mit den Freundinnen immer­während an Decken, Kleidern, Sandalen und Gürteln; bereitet Vorräte, backt Brot — alles für die Armen — und besucht Arme und Kranke. Aber bei all diesen Arbeiten ist sie ungemein still, und ein­facher und ernster als die anderen. Sie ist auch oft bei Judas Ischarioth, um ihn zu ermahnen; denn er zeigt sich geizig und neidisch. Einmal weint sie dabei. Er ist gerührt und bekehrt sich mehrmals, aber es hält nie an.

Bei dem letzten großen gemeinschaftlichen Mahl vor der Passion des Herrn weint Maria, als sie, an der Tafel der Frauen, das Lamm zerlegt, während Jesus immer fortfährt zu lehren.

Mariä äußere Erscheinung 

Maria Magdalena ist größer und schöner als die anderen Frauen; Dina, die Samariterin, ist auch schön; aber alle übertrifft die hei­lige Jungfrau an Schönheit. Obschon ihre Gestalt wohl ihresgleichen an Schönheit hat und an auffallender Erscheinung von der Figur Magdalena’s übertroffen wird, so scheint sie doch aus allen hervor durch un­beschreibliche Haltung, Einfachheit, Ernst, Sanftmut und Ruhe; sie ist so sehr rein und ohne alle Nebeneindrücke, daß man in ihr nur das Ebenbild Gottes im Menschen sieht. Niemandes Wesen gleicht ihr, als das ihres Sohnes.

Sie sieht noch sehr jung aus, aber ist schlank und groß. Sie sieht ganz erhaben und doch wie ein unschuldiges, einfaches Kind aus. Sie hat eine sehr hohe Stirn, eine längliche Nase, sehr große Augen, sanft niedergeschla­gen, einen sehr schönen roten Mund, eine angenehm bräunliche Farbe mit rötlich schimmernden Wangen. Obschon ernst, still, oft traurig, ist sie doch nie zerrissen und ungebärdig; die Tränen laufen ganz sanft über das ruhige Angesicht, wenn sie weint. Ihr Antlitz übertrifft das aller Frauen um sie, ja aller je geschauten, an unaussprech­licher Reinheit, Unschuld und Weisheit; und ein einzigartiger Friede, gepaart mit unvergeßlicher Lieblichkeit, ist über dieses Antlitz ausgegossen.

2. Johannes der Täufer

Der prophetische Charakter

Schon im Mutterleibe wird Johannes vom Ewigen bewegt und vom Heiligen Geiste mit seinem Erlöser in einen außerzeitlichen Verkehr gebracht. Als kleiner Knabe wird er der Welt entrückt und in der von Gott durchdrungenen Natur höheren Einflüssen zur Erziehung übergeben. Er bleibt, seiner Zeit entrückt, in tiefster Abgeschiedenheit der Wildnis Juda, bis er als Dreißigjähriger aus derselben, durch göttlichen Antrieb gleichsam wie neugeboren, hervorgeht und sein Amt ernst, begeistert, heftig und unbe­kümmert um alles herum beginnt. Ganz Palästina ist ihm nun die Wüste; und wie er vorher mit Quellen, Felsen, Bäumen und allen Tieren verkehrt, mit ihnen gelebt und gesprochen hat, so spricht und tut er jetzt mit den Menschen und Sündern, ohne an sich selbst zu denken.

Seine äußere Erscheinung

Aus der Wildnis oben am Jordanursprung, wo er sich zuletzt aufgehalten, kommt er herab zu den Menschen. Er macht einen wunderbaren Eindruck: Groß, von Fasten und Abtötung des Leibes hager, aber stark und muskulös, ist er ungemein edel, rein und einfach, ganz geradezu und gebieterisch. Seine Farbe ist bräunlich, sein Angesicht mager, ernst und streng. Seine Haare sind rötlichbraun und kraus; er trägt einen klei­nen Bart. Um die Mitte des Leibes hat er ein Tuch gewunden, das herab bis zu den Knien fällt. Er trägt einen rauhen braunen Mantel, der aus drei Stücken besteht. Hin­ten ist er ganz und um die Mitte des Leibes mit einem Riemen zusammengefaßt. Arme und Brust aber sind frei und unbedeckt. Er trägt einen Stab, der wie ein Hirtenstab oben gekrümmt ist.

Die Gründung dreier Taufstellen

Zweimal zieht Johannes drei Monate des Jahres 31 durch Palästina. Sein Wandel ge­schieht mit ungemeiner Gewalt und mit einem strengen Fortschreiten, schnell, doch ohne Hast. Es ist ‚kein ruhiges Wandeln, wie das des Heilandes. Wo er nichts zu tun hat, läuft er von Feld zu Feld. Er geht in die Häuser, in die Schulen, um zu lehren, und versammelt das Volk auf Plätzen und Straßen um sich. Priester und Obrigkeiten halten ihn hier und da an und stellen ihn zur Rede, aber mit Staunen und Verwunde­rung lassen sie ihn wieder frei.

Sein Ausspruch: „Dem Herrn die Wege be­reiten“ ist ihm nicht nur bildlicher Aus­druck. Er durchzieht tatsächlich alle Orte und Wege, die später Jesus und die Jünger wandeln. Er räumt Gesträuche und Steine aus dem Wege und macht Pfade. Er legt Stege über Bäche, reinigt ihr Bett, gräbt Wasserbecken und Brunnen, macht Sitze, Ruhestellen und Schattendächer. Überall erregt er Staunen in den Hütten, in die er eintritt, um das Geräte zu seinen Arbeiten zu entlehnen und wohl auch Leute zum Mit­helfen zu holen. Überall ist er alsbald von Menschen umgeben und mahnt kühn und ernst zur Buße, den nachfolgenden Messias und sich als dessen Wegebereiter verkün­dend (L. 3, 1-6).

Im Juni des Jahres 31 gründet Johannes seinen ersten Taufort am Ostufer innerhalb der Jordankurve bei Ainon (etwas nörd­lich der heutigen Fähre Ed-Damije). Ein paar Wochen später, Ende Juni, besucht ihn Herodes Antipas und bietet ihm den Bau eines Hauses an, was der Täufer ausschlägt. Gleich darauf lassen sich auch nacheinander die meisten künftigen Apostel und viele spätere Jünger Jesu von Johannes taufen; und Mitte Juli erscheinen auch die ersten Abgesandten des Synedriums, um ihn zur Rede zu stellen, weshalb er sich nicht zuerst im Tempel gemeldet habe, und warum er so wüst gekleidet und derb auftrete. Manche Juden halten ihn für den aus dem Jenseits zurückgekehrten Elias.

Am 19. Juli brechen Johannes und seine Jünger an der Taufstelle zu Ainon die Zelt­hütten ab und ziehen am Ostufer südwärts bis schräg gegenüber von Jericho und grün­den eine neue Taufstelle (zwischen dem heutigen Wadi Nimrin und Wadi el-Kafren ) . Es ist seine zweite Taufstelle, wo er nur ein paar Wochen tauft, und die Jesus unmittel­bar nach Seinem vierzigtägigen Fasten An­fang Dezember durch Seine Jünger wieder­herstellen und dort zum ersten Male durch sie taufen läßt.

Im August lehrt und tauft Johannes bereits an seiner dritten Taufstelle, schräg südlich gegenüber der zweiten Taufstelle am West­ufer des Jordans zwischen Ono und Betha­gla, wo Sich auch Jesus am 28. September von ihm taufen läßt. Seitdem dann Jesus im Dezember ebenfalls beginnt, durch Seine Jünger taufen zu lassen, vermindert sich der Zustrom der Massen zu Johannes, was seine Jünger mit Unwillen erfüllt, zumal mehrere von ihnen zu den Jüngern Jesu übertreten. Doch Johannes legt immer Zeugnis ab von Jesus und sagt, daß er selbst bald ganz zu­rücktreten werde.

Verhaftungen und Tod des Täufers

Seit Ostern 32 lehrt und tauft Johannes wie­der an seinem ersten Taufort bei Ainon, wird Mitte Mai von den Soldaten des Hero­des von Sukkoth unter dem Vorwand einer dringenden Einladung nach Kallirrhoe (am Ostufer des Toten Meeres) verhaftet und im Gewölbe des Schlosses sechs Wochen gefan­gen gehalten und dann wieder freigelassen. Herodes hat eine große Achtung vor ihm und verlangt nur, er solle nicht gegen seine verbrecherische Ehe öffentlich schmähen.

In der Nacht vorn 22. zum 23. Juli 32 wird er abermals von Herodes‘ Soldaten verhaf­tet, in das Gefängnis zu Hesbon (35 km öst­lich von Jericho) gebracht und zwei Tage später in das Gefängnis des Festungs-Schlos­ses zu Machärus (30 km südwestlich) über­führt. Hier wird er im August mehrmals von Herodes verhört, der sich über den Aufruhr der Täuflinge und über die Nachrichten der Herodianer von Jesu Wunder Sorge macht.

Anläßlich des Tanzes der Salome zur Ge­burtstagsfeier des Herodes am 8. Januar 33 und ihrer durch ihre Mutter bestimmte Bitte, wird Johannes mit einer Handscheren­maschine im Kerker enthauptet, und sein Leib am 23. Januar — und sein Haupt einen Monat später — von den Seinen nach Juta überführt.

Jesus und Johannes der Täufer

Es ist auffallend, daß während ihres ganzen Erdenwandels weder Jesus einen persön­lichen Umgang mit Johannes gepflegt, noch der Täufer je einen solchen persönlichen Verkehr mit dem Herrn angestrebt hat, ja daß sie sich beide nur einmal, und auch da nur ganz kurz, gesprochen haben. Und als Jesus Mitte Mai 32 bei Ainon acht Tage lang mit den Jüngern des Täufers lehrt und wandelt, sucht Er nicht einmal Johannes selbst auf. Den Grund für diese merkwür­dige Freundschaft ohne jeglichen persön­lichen Umgang gibt offenbar der Herr selbst an, wenn Er unmittelbar nach des Täufers Tode zu den Freunden in Juta am 15. Januar 33 sagt, Johannes habe wohl eine heftige Begierde gehabt, Ihn zu sehen, doch habe er sich bezwungen und nichts verlangt, als seiner Sendung zu genügen, welche die des Vorläufers und Wegebereiters, nicht aber die des Mitwandelnden und Arbeitsgenossen gewesen sei. Selbst bei der Taufe am 28. Sep­tember habe er sich nur in den Schranken der feierlichen Anschauung gehalten, ob­schon sein Herz vor Sehnsucht und Liebe schier gebrochen sei; nachher aber sei er mehr aus Demut vor Ihm gewichen, als daß er seiner Liebe nachgegeben und Ihn auf­gesucht habe.

Als der größte Zeuge für die Messianität konnte es seinem Zeugnis vor den Zeitgenos­sen auch nur umso größeres Gewicht ver­leihen, wenn er mit Jesus von Geburt an bis zum Tode überhaupt nicht in persönlicher Berührung stand; denn dann konnte man um so weniger von einer Beeinflussung seiner Zeugnisschaft seitens Dessen reden, zu dessen Gunsten er sein Zeugnis ablegte.

Auch ist es auffallend, daß weder Johannes die Hilfe des allmächtigen Messias während seiner Gefangenschaft anrief, noch daß der allgütige Heiland Seinen größten Verkün­der aus der Haft befreit und ihn so vor der Ermordung bewahrt hat. Dieses Ausbleiben der Hilfe Jesu empfanden denn auch einige Jünger des Täufers als etwas Tadelnswertes und taten Ihm dieses auch kund. Jesus ant­wortete ihnen, Er wisse, daß Johannes sich darnach sehne und hoffe, bald aus diesem Kerker befreit zu werden, und daß er auch daraus werde befreit werden; daß aber Er, Jesus, nach Machärus kommen und ihn be­freien solle, das glaube Johannes nicht, der Seine Wege bereitet habe.

Ein anderes Mal äußert Jesus sogar ganz deutlich, Johannes müsse weichen, damit Er, Jesus, Sein Werk ganz vollbringen könne. Dies erinnert an die Worte des Herrn (J. 16, 7), daß Er Selbst diese Welt verlassen müsse, damit der Tröster, der Hl. Geist, kommen könne. Wie also Seine eigene menschliche Gegenwart den Jüngern ein Hindernis für die Aufnahme des Hl. Geistes bedeutete (vgl. Thomas, S. theol. III, q. 57, a. 1 u. q. 75, a. 1), so war offenbar für Jesu Zeit­genossen die irdische Gegenwart des Täu­fers ein psychisches Hindernis, den Messias und dessen Lehre und Werk ganz in sich aufzunehmen. Dieses wußte offensichtlich auch Johannes; denn in dem Maße wie Jesus mit Seiner öffentlichen Lehr- und Tauftätigkeit begann, ließ Johannes in sei­ner Tätigkeit nach und sprach immer öfter von seinem baldigen gänzlichen Rücktritt. Nur Zeugnis legte er immer in gleicher Weise von Jesus ab; und als ihm dies in sei­ner Haft nicht mehr gut möglich war, sandte er Botschaft an den Herrn, und zwar mehr­mals, und ließ Ihm sagen, Er möge doch nach Jerusalem gehen und offen vor aller Welt verkünden, wer Er sei. Jesus Seiner­seits aber legte daraufhin von ihm mehrmals ein großartiges lobendes Zeugnis ab (beson­ders am 20. November 32 in der Zöllner-Vorstadt von Megiddo [Mt. 11, 7-15] ), da­hin lautend, Johannes der Täufer sei, ob­schon hinsichtlich der Wesensschau Gottes geringer als der letzte Selige im Himmel, so doch der größte aller auf Erden weilenden Menschen (Thomas, lectur. super Matth. ebd.).

3. Die Apostel und Jünger des Herrn

Charakteristik der einzelnen Apostel

Simon, genannt Petrus

Der Fischereibesitzer Jonas überläßt nach dem Tode seiner Frau sein Haus bei Kapharnaum dem jüngeren Sohne Simon und zieht mit seinem älteren Sohne Andreas weiter südlich an den See. Eine ältere, fleißige, aber kränkliche Frau führt dem Junggesel­len Simon, später von Jesus Petrus benannt, die Haushaltung, und nach drei Jahren hei­ratet dieser eine Fischerswitwe aus den Häu­sern von Bethsaida, die älter ist als er und aus ihrer ersten Ehe zwei Knaben und ein Mädchen (die spätere Märtyrerin Petro­nilla) mitbringt, sowie ihre Mutter. Jonas zieht daraufhin mit Andreas und einer Nichte in das frühere Haus von Petri neuer Frau am Flüßchen von Bethsaida.

Durch den Täufer, dessen Anhänger Petrus schon gleich im Juni 31 ist, und durch die Zebedäus-Söhne Jakobus Major und Johan­nes, die bei ihm Fischer sind, hört er zum ersten Male Näheres über Jesus, mit dem er übrigens durch die Witwe Maroni von Naim vermittelst Anheiratungen ganz entfernt ver­schwägert ist. Bald darauf machen auch seine Frau und seine Schwester die persön­liche Bekanntschaft mit der heiligsten Jung­frau anläßlich einer Zusammenkunft der Frauen in Nazareth.

Schon am 11. Juli 31 spricht ihn der Herr, als Er wie zufällig den Fischerplatz durch­quert, an, und bald darauf hört Ihn Petrus mehrere Male in Synagogen predigen. Kurz vor der geselligen Zusammenkunft auf der Hochzeit zu Kana am Schluß des ersten Lehrjahres Jesu, führt ihn Andreas mit Johannes dem Herrn zu, stellt ihn vor, und Jesus spricht zu ihm die bedeutungsvollen Worte: „Du bist Simon, der Sohn des Jonas. Du sollst Kephas, das heißt Fels, genannt werden“ (J. 1, 42).

Als drei Tage später der Herr im Kreise der Seinen von der Nachfolge und Aufgabe der irdischen Geschäfte spricht, meint Petrus, er könne doch seinen alten Stiefvater, den Onkel des Philippus, nicht jetzt gleich ver­lassen, obschon Jesus kurz zuvor gerade hervorgehoben hat, Er wolle für sie alle sorgen, und sie sollten keinen Mangel lei­den, und sie mögen ihr Gewerbe immer noch treiben, denn Er werde kommende Ostern erst noch anderes tun; wenn Er sie aber rufen werde, sollten sie unbekümmert fol­gen.

Als Petrus sich bereits, wenn auch noch nicht gänzlich, dem Herrn angeschlossen, spricht er auf einem nächtlichen Marsche im August 32 mit Johannes wieder von sei­ner Haushaltung, er habe doch bei seiner Fischerei viel versäumt, da er so lange ab­wesend gewesen, er müsse für Frau, Kinder und Schwiegermutter sorgen. Johannes er­widert, und er müsse mit Jakobus für seine Eltern sorgen, und das sei doch noch wich­tiger als eine Schwiegermutter. Da wendet Sich der Herr zu ihnen und sagt, es werde bald die Zeit kommen, da sie dieses Fischen ganz aufgeben und andere Fische fangen würden.

Kurz darauf läßt Petrus dem Herrn, der einmal einen diesbezüglichen Wunsch ge­äußert, heimlich ein Schiffchen bauen und freut sich, als der Herr es das erstemal benutzt.

Als Jesus Ende desselben August wieder mit den Jüngern von der gänzlichen Nachfolge spricht, und daß sie nun bald ihre Arbeit ganz liegen lassen würden, da wird es Petrus ganz bange; er wirft sich vor dem Meister auf die Knie nieder und bittet Ihn inständig, der Herr möge doch auf seine Unwissenheit und Schwäche sehen und nicht verlangen, daß er bei so wichtigen Dingen sein solle; er sei der Jüngerschaft gar nicht würdig und vermöge auch nicht, andere zu unterrichten. Jesus erwidert, daß Der, der den Kranken Gesundheit gebe, auch ihnen Nahrung und die Kraft zu ihren neuen Verrichtungen geben werde. Doch Petrus versteht dies im­mer noch nicht, wie er kein Fischer mehr, sondern ein Lehrer sein solle; und daran knüpft sich immer noch eine geheime Sorge um sein Geschäft und auch eine gewisse Neigung zu seinem Gewerbe; denn er hat sich an diese Arbeit gewöhnt und betreibt überhaupt immer eifrig, was er einmal recht begonnen. Hinzu kommt noch sein Verdruß, daß man in letzter Zeit auf ihn schmäht, wie er, ein einfältiger Fischer, sich mit dem neuen Propheten herumtreibe. in seinem Hause eine Niederlage von Schwärmerei und Aufruhr dulde und sein Geschäft ver­nachlässige. Alles dies kämpft in ihm, denn er ist damals noch nicht so begeistert und feurig wie sein Bruder Andreas, sondern schüchtern und empfindlich.

Erst das Erlebnis des wunderbaren Fisch­zuges am 1. Dezember 32 und die dar­auf erfolgende persönliche Ansprache des Herrn: „Fürchte dich nicht, von nun an wirst du Menschen fangen“ (L. 5, 10), be­freien ihn endlich von aller irdischen Sorge.

In den beiden Nächten vom 12. Dezember 32 und 3. Februar 33 läßt der Herr den Petrus deshalb auf dem Wasser zu Sich kommen, um ihn vor Sich selbst und den anderen zu demütigen; denn Jesus weiß wohl, daß Petrus jedesmal sinken wird. Dieser ist zwar jetzt sehr eifrig und stark glaubend, hat aber die Neigung, im Eifer seinen Glauben dem Herrn und den Jüngern zu zeigen. Indem er jedoch im Wasser sinkt, wird er vor Stolz bewahrt. Die anderen getrauen sich nicht, so zu wandeln, und indem sie Petri Glauben bewundern, erkennen sie nun zugleich, daß sein Glaube, obschon er den ihren über­trifft, doch noch nicht ausreicht.

Als Jesus im Kreise der Apostel von jenem Anwärter auf die Jüngerschaft spricht, der erst seinen Vater begraben wollte (Mt. 8, 21), eine damalige Redensart, um die Erb­schaft zu ordnen, da schnappt Petrus mit der Erklärung vor: „Gott sei Dank, solche Ge­danken habe ich nicht gehabt, da ich Dir folgte.“ Doch Jesus gibt ihm einen Verweis, daß er dies hätte verschweigen sollen, bis Er, der Herr Selbst, es ihm gesagt hätte.

Petri Bekenntnis: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt. 16, 16), legt er, von demselben Geiste getrieben, ab, durch den er nun die Kraft der Schlüssel­gewalt in sich fühlt, die Jesus ihm darauf­hin überträgt. Er meint, die Arbeit gehe jetzt gleich an, denn die Bedingungen des Leidens Christi und der Sendung des Hei­ligen Geistes sind ihm damals noch unbe­kannt. Er fragt daher den Herrn, ob er die­sen und jenen auch die Sünden lösen könne. Doch Jesus beruhigt ihn, er werde alles dies noch deutlicher erfahren, es sei dies anders, als er es erwarte, es komme ein anderes Ge­setz. Aber als der Herr nun vom Leiden und dem Töten der Propheten spricht, geht ihm Petrus gleich darauf nach und streitet allein dagegen, das könne und dürfe nicht so kom­men, das werde er nicht zugeben; er wolle eher sterben, als das dulden. „Das sei ferne, Herr, das soll Dir nicht widerfahren.“ Da wendet sich Jesus sehr ernst um und sagt lebhaft: „Weiche von mir Satan! Du bist mir zum Ärgernis. Du hast nicht Gottes, sondern Menschenpläne im Sinn“ (Mt. 16, 21-23), und geht weiter. Petrus aber bleibt erschrocken zurück, vergleicht diese seine Rede mit seinem vorigen Bekenntnis, von dem der Meister gesagt, er habe es nicht aus Fleisch und Blut verkündet; und er wird demütiger und sieht Jesum bewundernder und glaubender an.

Noch in der letzten Woche vor der großen Passion wiederholt der Herr noch einmal, sogar noch eifriger, diese abwehrenden Worte, als Petrus auf Jesu Andeutung des kommenden Verrates fast beleidigt vor Ihn tritt und sagt, warum Er immer spreche, als ob sie Ihn verraten würden; wenn er auch glauben könne, daß es einer von den anderen sei, so stehe er doch für sie, die Zwölf, ein, daß sie Ihn nicht verraten würden. Im An­schluß daran betont Jesus noch, sie würden alle fallen, wenn Seine Gnade und Sein Gebet sie nicht erhalte; und wenn die Stunde komme, würden sie Ihn alle ver­lassen. Und einer sei unter ihnen, der nicht wanke, und auch dieser werde fliehen und wiederkehren. Und damit meint er den Johannes, der bei der Gefangennahme flie­hend seinen Mantel zurückläßt. Alle sind da sehr betrübt. Nur Judas ist bei allen diesen Reden ganz freundlich, lächelnd und dienst­fertig.

Als Jesus den Seinen am 27. März 34 mit­teilt, Er werde nach diesem letzten Pascha zu Seinem Vater gehen, fragt Petrus, ob Er Seine Mutter, die sie doch alle so liebten und ehrten, nicht mitnehmen werde. Daraufhin verkündet ihnen der Herr, daß Maria noch an fünfzehn Jahre bei ihnen bleiben werde, und spricht über sie zu ihnen noch manches Hohe aus. Im selben Gespräch macht Petrus auch dem Herrn noch den Vorschlag, der Meister solle doch wieder wie nach der Auf­erweckung des Lazarus eine Reise ins Aus­land machen und Sich hierdurch den ange­kündigten Verfolgungen entziehen, und sie würden dann auch gern mit Ihm gehen.

Andreas, der Bruder Petri

Andreas ist älter als Petrus und kleiner, von untersetzter Statur, hat ein redliches, offe­nes, einfaches Aussehen und ist besonders arbeitsam, ausdauernd, treu und freigebig. Er hat ein Weib, zwei Knaben und zwei Töchter. Sobald er vom Herrn berufen ist, lebt er in vollkommener Enthaltung in der Ehe. Er ist der erste Apostel, der alles ver­läßt, und keiner hat so schnell und gänzlich Hab und Gut während der Zeit der letzten Auslandsreise Jesu zum Besten der Ge­meinde verteilt wie er.

Noch als alle anderen künftigen Apostel im­mer wieder zu ihrem Gewerbe zurückkeh­ren, ist er unermüdlich und unentwegt mit Taufen und Lehren beschäftigt. Besonders gern unterrichtet er die Kinder, während der Herr in einer Synagoge lehrt. Auch ist er in der Propaganda der eifrigste. Als erster begeistert er die späteren Apostel in der Fischerei und scheut keine langen Rei­sen, um ihnen und anderen von Jesus zu er­zählen. Seine Frau ist auch sehr tüchtig und geschäftig. Sie kommt nicht viel aus dem Haus. Sie hat eine Art von Gewerbe mit Netzstricken und beschäftigt damit in ihrem Hause viele arme Mädchen, auch sogenannte gefallene, die keine Zuflucht haben, belehrt sie und leitet sie zum Gebet an. Andreas ist auch der an Jahren älteste der Apostel; doch unter den übrigen Jüngern ist Judas Barsa­bas noch älter.

Johannes der Evangelist

Durch ihre Mutter, Maria Salome, der Cou­sine Mariä, sind Johannes und sein älterer Bruder Jakobus Major mit Jesus nahe ver­wandt. Nach ihrem Vater werden sie die Zebedäus-Söhne genannt. Die Eltern haben früher ein paar Stunden von Nazareth ent­fernt gewohnt, und Jesus hat den Johannes schon als Kind geliebt.

Als erwachsener Jüngling tritt er mit seinem Bruder bei der Fischerei Petri ein. Als die ersten Jünger ihm am 21. September 31 von der Milde und Weisheit Jesu erzählen, spricht er nicht in Erwiderung wie Petrus und Andreas für den Täufer, sondern, ob­schon er auch kurz vorher lobend über jenen sprach, schweigt er nun nachdenklich.

Nach der ersten so anstrengenden und auf­regenden Rundreise mit dem Herrn Ende Juli 32 sind die Jünger ganz müde und ob der vielen Bedrängnisse der Volksmassen und Gegner Jesu niedergeschlagen und ver­drießlich. Nur Johannes ist auf der ganzen Reise mitgegangen wie ein Kind, ganz ge­horsam, ganz unbefangen und ganz in lie­bende Bewunderung seines Meisters ver­sunken. Überhaupt ist er viel kindlicher und vertrauter mit Jesus als die anderen; immer liebenswürdig und in alles ergeben, ohne Sorge und Widerspruch.

Trotzdem ist er von Gemüt sehr empfind­sam, was sich lebhaft äußert, als der Herr den in der Geburtsstube des Täufers zu Juta Anwesenden den Tod desselben mitteilt. Johannes stürzt zu Boden und windet sich weinend auf der Erde.

Für Seine letzte große Lehre im Tempel trägt der Herr ihm und seinem Bruder auf, Stellen, die sie nicht recht verstünden, auf­zuschreiben. Beide legen Brettchen vor sich auf die Lehne und schreiben auf kleine Rollen mit Farbe, die sie in einer Art Horn bei sich haben. Doch sie schreiben nicht lange. Hingerissen von der Rede Jesu sind sie nur noch Ohr und schauen unverwandt auf den Meister und vergessen das Schrei­ben.

Jakobus der Ältere

Während Johannes zart und schlank er­scheint, ist sein älterer Bruder Jakobus groß und breitschulterig, ohne jedoch plump zu wirken. Sein Haupthaar ist schwarz und sein Bart bräunlich, aber seine Gesichtsfarbe ebenfalls weiß. Sein ganzes Wesen ist ernst und doch wieder heiter. Er ist verheiratet und lebt vor Seiner endgültigen Berufung am 26. November 32 bei Kapharnaum, hat aber keine Kinder und betreibt bei Petrus die Fischerei. Seine Frau ist eine Schwester der Witwe Maroni von Naim.

Jakobus pflegt im Umgange mit dem Herrn besonders oft Fragen zu stellen, wenn Dieser im engeren Kreise die Jünger unterrichtet; und Jesus beantwortet sie jedesmal gern. Überhaupt nimmt Er den Jakobus Major nebst Petrus und Johannes zu besonders großen Wunder-Erweisen mit, um in diesen dreien den Glauben zu stärken, wie z. B. zur zweimaligen Auferweckung der Tochter des Jairus und zur Verklärung auf dem Berge Tabor. Und so gelten denn auch später diese drei Apostel als Typen und Vertreter der wenn auch einen, so doch den Seelenzustän­den nach dreifachen Kirche: Petrus auf Grund seines Primates als der Vertreter der streitenden Kirche auf Erden; Johannes auf Grund seiner ihm erwiesenen geheimen Offenbarung als der Vertreter der trium­phierenden Kirche im Himmel; und Jako­bus Major auf Grund seines späteren ersten Martyriums unter allen Aposteln als der Vertreter der leidenden Kirche im Fegfeuer. Auch auf Grund ihres Charakters nimmt der Herr diese drei mit auf den Tabor: den Petrus wegen seines Eifers; den Johannes wegen seiner Liebe; und den Jakobus wegen seines Bekämpfens der Glaubensgegner (Thomas, lectur. super Matth. 17, 1).

Levi, genannt Matthäus

Levi, von Jesus später Matthäus genannt, ist der Stiefsohn der Maria Kleophä, der Nichte der seligsten Jungfrau, der Sohn ihres ersten Mannes Alphäus, den dieser aus seiner ersten Ehe mitgebracht hat. Er ist das Sorgenkind seiner Familie, denn er ist unter die Zöllner gegangen.

Als Maria Kleophä am 11. September 31 dem Herrn in Nazareth ihre fünf Söhne empfiehlt, weint sie über Matthäus. Doch Jesus tröstet sie mit dem Hinweis, er werde wohl noch einer der besten werden.

Matthäus scheint sich selbst der Anrüchig­keit seines Berufes bewußt zu sein; denn als er den Herrn mit den Jüngern am 25. November 32 sich seiner Zollstätte, die übrigens nur ein Amtshaus ist, nahen sieht, zieht er sich beschämt in sein Haus zurück. Doch als ihn der Herr herausruft, läuft er geschwind zu Ihm, wirft sich vor Ihm nieder und entschuldigt sich, er habe sich nicht würdig geglaubt, daß Jesus mit ihm rede. Doch als ihn nun der Herr zum Jünger be­ruft (Mt. 9, 9), und ihn die anderen Jünger herzlich begrüßen, ladet er alle gleich zu sich zum Essen ein und läuft mit dem Ver­sprechen Jesu auf morgen freudig zu seiner Frau, teilt ihr das Erlebnis mit, und beide überlegen gleich, wie sie alles verlassen wollen, um dem Herrn und Seiner Gemeinde zu dienen.

Am anderen Tage kniet er vor dem Herrn nieder, der ihn segnet und ihm den Namen Matthäus verleiht. Auch segnet der Herr seine Kinder und bespricht mit der Frau das neue Leben in der Gemeinde.

Zwei Tage später hat Matthäus bereits die Zollstelle einem der Schiffer übergeben, die er übrigens seit seiner Johannestaufe im Juli 31 immer redlich verwaltet hat.

Judas Thaddäus

Der dritte Sohn des Alphäus und der Maria Kleophä ist, wie sein Bruder Jakobus Minor, ebenfalls bei der Fischerei Petri tätig; doch ist Thaddäus mehr Kaufmann, denn er reist oft im Lande umher und handelt mit Fischernetzen, Segeltuch und Strickwerk. Es ist zu vermuten, daß er auch verheiratet gewesen ist. Seine erste Berufung geschieht am 24. August 32. Da er auf Reisen gewandt und im Umgang mit Fremden geschult ist, schickt ihn Jesus im Juni 33 nach Gessur, um dort die sieben heidnischen Philosophen zu empfangen, die Jesus auf Seiner Reise nach Cypern in Salamis bekehrt hat, und die sich jetzt auf Seinen Rat hin in Palästina niederlassen wollen. Thaddäus kehrt mit dreien von ihnen nach Kapharnaum zurück und führt sie Jesum und Mariä zu.

Nephthali, genannt Bartholomäus

Bartholomäus, ein Essener, ist schön und gewandt; er hat eine hohe Stirn, eine weiße Gesichtsfarbe, große schwarze Augen, dunk­les Haar und einen mäßig gespaltenen Bart. Er ist wohlgebaut und von allen Aposteln in seinem Äußeren am freiesten und fein­sten. Er hat etwas Edles und Zierliches in seinem Betragen, ist rasch und geht aufrecht wie ein wohlerzogener Edelmann.

Sein Vater Tholmai stammt von dem Könige Tholmai von Gessur her, dessen Tochter Machama dem Könige David den Absalom gebar (2 Kön. 3, 3, vgl. Jos. Flav. Ant. Jud. VII, 1, 4). Tholmai treibt einen großen Feldbau und Viehzucht in der Gegend von Gessur, aber zieht, da ihn das dortige Klima kränklich macht, nach Kana in Galiläa, wo sein Bruder mit der Tante des Nathanael, des Bräutigams von Kana, verheiratet ist. Er macht in der Nähe eine Bäderkur, ver­kauft später seine Güter in Gessur und läßt sich im Tale Zabulon nieder, wo ein älterer Bruder des hl. Joseph namens Sadoch wohnt. Die Kinder Sadochs verkehren bei der hei­ligen Familie, und die Söhne besuchen öfters Jesus in dessen Jugendjahren. Auf diese Weise hört Bartholomäus schon früh von Jesus, als dieser hier und da als heiliger, ausgezeichneter Jüngling genannt wird.

Am 3. Juni 31 empfängt er, wie auch Natha­nael Chased, zu Bethulia einen Gnadenblick des vorüberwandelnden Herrn, ja kann es nie vergessen, wie Jesus ihm hierbei ernst grüßend zugenickt hat. Er fühlt sich seit­dem innerlich so oft zu Jesus hingezogen. Als er einmal mit seinem Vater im Obst­garten im Tal Zabulon beschäftigt ist, hält er plötzlich in der Arbeit inne und schaut sehnsuchtsvoll nach der Gegend hin, wo Jesus gerade seine Jünger unterrichtet. Thol­mai stellt ihn zur Rede, und er bekennt, daß ihn die Sehnsucht zu dem Meister hinziehe, der dort lehre. Tholmai ist erstaunt. Bartho­lomäus erzählt ihm, was er von Jesus weiß und was er innerlich durch seinen Gnaden­blick erfahren. Da wird der alte Vater ganz gerührt über das Erlebnis und die Absicht seines Sohnes und bringt zum nächsten Osterfest zehn Lämmer zum Tempel. Beide, Vater und Sohn, hören dann in Jerusalem viel Wunderbares vom Herrn, halten sich aber bescheiden zurück.

Schon ein Vierteljahr vorher ist Bartholo­mäus dabei, als sein Freund Nathanael Cha­sed von Philippus zum Herrn geführt wird. Er bleibt in der Ferne stehen, doch Jesus schaut zu ihm hin und sagt zu seiner Um­gebung, er werde nicht mehr lange so fern stehen. Als ihn der spätere Evangelist Lukas in Dabbeseth besucht und bei ihm malt, sprechen beide viel über Jesus.

In Dabbeseth, nordwestlich der Ebene Jez­rael, ist Bartholomäus mit Schreiberei be­schäftigt und bekleidet ein öffentliches Amt; dadurch hat er auch die Bekanntschaft mit Nathanael, Thomas und Simon Zelotes ge­macht. Eine Nichte seines Vaters führt ihm dort den Haushalt. Als Jesus vor dem ersten Osterfest, da er schon acht Apostel um Sich hat, einmal in der Nähe in der Gesetzes-schule lehrt, suchen ihn Philippus, Simon Zelotes und Nathanael auf. Bartholomäus geht mit ihnen und hört die Lehre Jesu. Er ist Zeuge von Wunderheilungen, spricht aber noch nicht mit Jesus.

Auf seiner Rückkehr von der Johannestaufe trifft Bartholomäus Mitte Mai 32 mit Jesus und Seiner Begleitung in der Ebene Jezrael zusammen. Andreas weist auf ihn hin, und Jesus sagt: „Ich kenne ihn, er wird kom­men.“ Dies erzählt er dem Thomas und sie sprechen beide lange über den Herrn. Nicht viel später kommt Jesus wieder in die Gegend von Dabbeseth, kehrt bei Bartholo­mäus ein, nimmt ihn unter Seine Apostel auf, segnet ihn und legt ihm die Hand auf. Bartholomäus gibt sogleich sein Amt auf, welches der Bruder seiner Haushälterin übernimmt, und folgt Jesu nach. Er ist der neunte unter den berufenen Aposteln; denn Matthäus, Thomas und Judas werden erst nach ihm berufen. Den Namen Bartholo­mäus empfängt er daher, weil Jesus ihn immer den Sohn des Tholmai zu nennen pflegt.

Große Freude empfindet Bartholomäus, als am 23. November 32 sein kleiner Neffe Joses bei Kapharnaum und am 1. März 33 sein heidnischer reicher Onkel in Gessur im Beisein des Herrn getauft werden.

Jakobus der Jüngere

Der jüngste der drei Söhne des Alphäus und der Maria Kleophä ist, wie .Bartholomäus, ein Essener und hat in seiner Schönheit eine große Ähnlichkeit mit dem Herrn. Er ist Fischer bei Petrus und empfängt am 30. Juni 31 mit seinen beiden älteren Brüdern die Johannestaufe. Er hört den Herrn zum ersten Male am 19. August desselben Jahres im Villenort des Tales Zabulon, nimmt an der Hochzeit zu Kana teil und macht bereits Ende Juli 32 die erste anstrengende Lehr­wanderung Jesu mit.

Thomas von Apheke

Thomas‘ Eltern wohnen in Apheke, nord­westlich von Jezrael, an der großen Han­delsstraße Arabien-Tyrus. Sein Vater ist Großkaufmann und Teilhaber der Schiff­fahrt an den Küsten des Mittelländischen Meeres. Thomas, der drei Jahre vor Jesus als Zwilling zur Welt kommt, verliert seine Mutter bei seiner Geburt. Der Vater hei­ratet wieder, und von dieser Stiefmutter hat Thomas eine Schwester und zwei Brüder. Nach des Vaters Tode heiratet die Stief­mutter wieder, und Thomas hat nun ganz junge Stiefeltern und wird bei seinem Onkel, der einer Sekte angehört, ziemlich hart er­zogen.

Durch das Geschäft seines verstorbenen Vaters und dessen Verwandten kommt Tho­mas frühzeitig in Verkehr mit Ausländern und lernt fremde Sprachen und fremde Sitten kennen. Infolge seiner Erziehung wird er ziemlich eigensinnig und will von allem Gründe und Beweise haben. Er wech­selt später oft seine Tätigkeit, ist zuerst bei der grossen Schiffart, dann mehr beim Han­del und auch einmal bei der Fischerei am See Genezareth, wo er mit den künftigen Mitaposteln in Berührung kommt. Später beginnt er in Saphet allerlei jüdische Wis­senschaften zu studieren und ist auch in der Schule der Pharisäer, ohne einer zu werden.

Darnach kommt er in ein suchendes Leben, ist bald zu Hause, bald bei Bartholomäus in Dabbeseth, bald bei Nathanael Chased in Gennabris.

Als Jesus in Seinem zwanzigsten Jahre zum Tempel geht, reist Thomas auch dorthin und sieht den Herrn, doch ohne mit Ihm zu sprechen. Diese Reise wird die Veranlassung zu einer Veränderung in seinem bisherigen Leben; denn er kommt mit Jakobus dem Jüngeren in nähere Bekanntschaft, der sehr fromm und ein Essener ist und ihm manches von Jesus erzählt, wodurch er zu größerem Ernste und gediegenerer Frömmigkeit be­wogen wird.

In seinem dreißigsten Jahre lebt er zu Arimathäa und treibt Schreiberei; er hört mehrmals von Jesus und dem Täufer, glaubt aber anfangs nicht recht, was er hört. Auf ihrer Heimreise vom Osterfest 32 treffen ihn einige Jünger Jesu und erzählen ihm vom Herrn, was schon mehr Eindruck auf ihn macht.

Als er Ende Oktober desselben Jahres wie­der einmal den reichen Holzhändler Issa­char in Dothan besucht, mit dem er früher in Geschäftsverbindung stand, und in dessen Hause er als Hausfreund viel verkehrt, trifft auch der Herr mit Seinen Jüngern hier ein, und Thomas ist persönlicher Zeuge der Lehre und der Wunderheilungen Jesu.

Einige Tage später, am 3. November, lernt er den Herrn persönlich kennen und bittet Ihn um Aufnahme unter die Jünger. Er sei durch Seine Lehre, die er nun selbst gehört, und durch seine Wunder, die er nun selbst gesehen, überzeugt und wolle Ihm folgen und tun, was Er von ihm verlange. Als der Herr ihm sagt, daß Er ihn kenne und gewußt habe, daß er zu Ihm kommen werde, will Thomas das nicht gelten lassen und be­hauptet, er habe nie daran gedacht, denn er sei kein Freund von Absonderung und habe sich erst jetzt zum Anschluß entschlossen.

Der Herr aber erwidert: „Du sprichst wie Nathanael, du hältst dich für weise und redest töricht; soll der Gärtner nicht die Bäume des Gartens, der Winzer nicht seine Reben kennen, und soll er einen Weinberg bauen und die Knechte nicht kennen, die er hinsenden will?“ Und dann hält Er eine Gleichnisrede vom Sammeln der Feigen an den Dornen (Mt. 7, 16).

Ende November beteiligt sich Thomas schon bei Kapharnaum an dem Taufen der Heiden und Geheilten. Aber seinen Charakter be­hält er immer bei. Er denkt für sich, ist wie nachrechnend und disputiert überaus gern. Durch solches Disputieren überzeugt er auch beinahe seinen alten Professor in Saphet, den er, als Jesus dorthin kommt, besucht, und der sich wundert, ihn in dieser Gesell­schaft zu sehen.

Als Jesus den Jüngern am 19. Dezember mit­teilt, Er wolle gen Judäa reisen, freut sich Thomas, weil er dort den Widerspruch der Pharisäer heftiger vermutet und mit ihnen nach Herzenslust zu disputieren hofft, und äußert dieses auch den Jüngern gegenüber, die gerade deshalb nicht gern dorthin reisen wollen. Jesus aber straft seinen übertrie­benen Eifer mit der Bemerkung, er werde noch einst selbst nicht glauben wollen, was Thomas gar nicht begreifen kann.

Als einigen Jüngern Judas Ischariot schon nach einigen Tagen seiner Aufnahme nicht sonderlich gefällt, ist auch Thomas darunter und sagt es dem Herrn gerade heraus, dieser Judas Simonis gefalle ihm nicht, er sage zu leicht ja und zu leicht nein; warum der Meister denn diesen angenommen habe, da Er doch gegen andere schwieriger gewesen sei. Jesus antwortet ausweichend, als sei dieser wie alle in dem Ratschluß Gottes von Ewigkeit her mit eingeschlossen.

Simon Chananäus (Zelotes)

Simon ist der mittlere Sohn des Alphäus und der Maria Kleophä und war mit seinen Brüdern schon unter den Jugendgespielen Jesu. Später bekleidet er als Verteidiger des Han­delsrechts, als Schiedsmann und Schreiber eine Stelle am Gericht zu Tiberias, durch deren heftiges Betreiben er den Beinamen Eiferer (Chananäus, griechisch Zelotes) erhalten hat.

Er hält sich am 25. Dezember, als der Herr zwischen Tarichäa und Tiberias lehrt, ge­rade im Gerichtsgebäude auf. Sein Bruder Jakobus Minor sucht ihn dort auf und be­wegt ihn, den Meister einmal zu sehen und zu hören. Simon wird erschüttert, geht gar nicht erst zum Gericht zurück, sondern ordnet seine Sachen, übergibt einem Be­kannten seine Amtsstelle und folgt dem Herrn nach, der ihn als Jünger aufnimmt. Er nimmt gleich darauf an der Hochzeit zu Kana teil. Sein Anschluß an den Herrn, sowie auch die gleichzeitige Berufung der beiden Schreiber Philippus und Nathanael Chased machen auf Thomas und Bartholo­mäus tiefen Eindruck, die schon länger mit jenen Dreien befreundet sind.

Philippus von Bethsaida

Philippus bekleidet im Fischerorte Beth­saida eine Schreiberstelle und hat in seinem Benehmen etwas sehr Höfliches und Feines. Schon im Juni 31 besucht er mit seinem Bekannten aus Bethsaida, dem Fischerei­verpächter Andreas, den Täufer, und beide lassen sich gleich taufen.

Am 10. August desselben Jahres hört er den Herrn zum erstenmal in der Synagoge zu Bethsaida predigen und das zweitemal acht Tage später im Villenort des Tales Zabulon.

Andreas sucht ihn nach seinem eigenen Anschluß an Jesus wiederholt auf, erzählt ihm immer seine neuesten Erlebnisse mit dem Herrn und ladet ihn auch durch einen Brief zur Hochzeit zu Kana ein. Doch schon zwei Tage vor Beginn der Hochzeit holt ihn Andreas zu einem Spaziergang mit Jesus ab, der gerade in Kapharnaum angekommen ist. Scheu und zögernd bleibt Philippus auf dem Wege hinter der Gesellschaft Jesu zu­rück und weiß nicht, ob er wohl auch in das Tal mitgehen darf. Da wendet Sich der Herr mit dem Haupte nach ihm um und sagt: „Folge mir nach!“ (J. 1, 43), und Philippus geht nun freudig mit den zwölf Begleitern mit. Der Meister hat ihn mit diesen wenigen Worten berufen, und Philippus fühlt die übernatürliche Wirkung in seinem Innern.

Am nächsten Tage besucht er seinen Freund, den Schreiber Nathanael Chased, in dessen Schreiberhause zu Gennabris, erzählt ihm sein Erlebnis und führt ihn zum Herrn, der bereits Gennabris verlassen hat und sich auf dem Wege nach Kana befindet (J. 1, 45).

Judas Ischariot wird in seinem Charakter, seiner Lebensweise und verkehrten Einstel­lung dem Herrn gegenüber später im Ka­pitel der Gegner Jesu geschildert.

Die vom Herrn während Seines Lehrwandels als Jünger Aufgenommenen

Die vier Vettern Jesu:

1 – 4
Die sogenannten „Brüder des Herrn“, Söhne des Kleophas und der Maria Hell, der älte­sten Schwester der seligsten Jungfrau: Sadoch, Jakobus, Heliachim und Matthias, der später an Stelle des Judas zum Apostel gewählt wird. Alle sind Johannesjünger und kommen erst nach des Täufers Tode zum Herrn (siehe Tafel S. 38-39).

Die vier näheren Verwandten Jesu:

5 – 6
Die beiden Söhne der Maraha zu Sephoris, der Tante Mariä: Arastaria und Cocharia, sind unter den zuerst aufgenommenen Jün­gern Jesu.

7 – 8
Joses Barsabas, Sohn des Sabas und der Maria Kleophä, und Nathanael, der kleine Kleophas genannt, Sohn der Anna Kleophä, der Vortochter des Kleophas, sind bei der Fischerei des Zebedäus tätig.

Die zwei Söhne der Jesu entfernt verwand­ten Witwen:

9 – 10
Kolaja, der Sohn der Witwe Lea, und Eusta­chius, der Sohn einer der drei Jesu ver­wandten Witwen und Essener vom Berge Karmel.

Die vier Neffen des Kleophas:

11 – 14
Die vier Söhne des Sebadja von Nazareth: Kleophas (Emmausjünger), Jakob, Judas und Japhet, Jugendgespielen des Herrn, und später Johannesjünger, die erst nach des Täufers Tode zum Herrn kommen.

Die vier durch Sobe mit Jesus Verwandten:

15 – 18
Nathanael von Kapharnaum, der ein Ju­gendbekannter des Herrn und der Bräuti­gam zu Kana ist, und die drei Söhne der Tante jenes Nathanael. Sobe ist eine Tante der seligsten Jungfrau.

Die vier durch die Eltern des Täufers Jesu Verwandten:

19 – 22
Veronika’s Sohn Amandor, einer der ersten Jünger, ferner ein Verwandter der Veronika, der zu Jerusalem ein heimlicher Jünger ist, und der Halbgrieche Pannenas, Sohn des Griechen und dritten Mannes der Maria Kleophä und der Schwester des Sabas, des zweiten Mannes der Maria Kleophä. Und schließlich Judas Barsabas, ein Verwandter des Zacharias von Hebron.

Die zwei durch Joseph dem Herrn Ver­wandten:

23 – 24
Die zwei Söhne eines Verwandten des hl. Joseph: Manasse und Aminadab, die zu­erst heimliche und erst später öffentliche Jünger Jesu sind.

Die zwei Jugendgespielen Jesu:

25 – 26
Jonadab und Silvanus, beide aus Nazareth.

Die drei galiläischen Jünger:

27 – 29
Nathanael Chased, der Schreiber aus Genna­bris ; Jonathan, der Stiefbruder Petri; und der Evangelist Markus, der zeitweilig Fi­schereipächter bei Bethsaida ist, sich viel auf Auslandsreisen befindet und erst im letzten Lehrjahre Jesu in dessen Nähe weilt.

Die acht jerusalemischen Jünger:

30 – 37
Johannes Markus, der Sohn der Maria Mar­kus, ferner ein Sohn und ein anderer Ver­wandter der Johanna Chusa, dann die zwei Neffen des Joseph von Arimathäa: Aram und Themeni, und die drei Söhne Obeds, des Sohnes des alten Priesters Simeon, die Tempeldiener sind.

Fünfundzwanzig Jünger aus Judäa:

38 – 62
Annadias, der Sohn des Oberzöllners Zachäus von Jericho, vier Jünger aus Beerseba, die Jesus erst am 5. Januar 34 aufnimmt, und zwanzig Jünger aus Ono, südlich von Jericho.

Die zwei Jünger aus Samaria:

63 – 64
Der prophetisch begabte, aber blindgebo­rene und von Jesus geheilte Essener Mana­hem von Koreä und ein gewisser Azor, der mit nach Cypern reist.

Die drei griechischen Jünger:

65 – 67
Saturnin aus Patras, von königlicher Her­kunft, einer der ersten Johannesjünger und Jünger des Herrn, ein großer Täufer, und die beiden durch Lazarus dem Herrn zu­geführten Brüder Tharzissos und Aristo­bolos.

Die zwölf Jünger aus Cypern:

68 – 79
Barnabas aus Chytroi, Sohn eines Guts­besitzers und Holzgroßhändlers, der in Jeru­salem studiert hat; Jonas aus Salamis auf Cypern, der Sohn eines Esseners; Mnason, Sohn eines strenggläubigen Juden; die bei­den Söhne des Großkaufmanns Cyrinos zu Salamis: Aristarchos und Trophimos ; und sieben heidnische, vom Herrn auf Cypern bekehrte Philosophen.

Die drei verschwiegenen Jünger:

80 – 82
Die drei Söhne der von dem Gefolge der hei­ligen Drei Könige bei den Hirten von Beth­lehem zurückgebliebenen Mesopotamier, die Hirtinnen geheiratet und sich in Samaria niedergelassen haben. Diese drei Söhne von jenen nimmt der Herr auf seine Auslands­reise nach dem Irak mit. Sie heißen dem Alter nach: Eliud, Silas und Eremenzear. Der letztere stammt aus der Euphratstadt Atom.

Die fünf anderen Jünger aus dem Osten:

83 – 87
Selam aus Kedar im Haurangebiet; der Tempeldiener Caisar aus Atom in Meso­potamien, und drei Chaldäer aus Sikdor, die alle erst im Jahre 34 zu den übrigen Jüngern kommen.

Die elf ägyptischen Jünger:

88 – 98
Drei Jugendgespielen Jesu aus Ägypten; ferner Deodatus, der Sohn der reichen Mira aus Heliopolis, und sieben weitere Jüng­linge, die der Herr von Seiner letzten Reise nach Ägypten aus Heliopolis und Matarea mitbringt.

Doch damit ist die Zahl der Jünger nicht er­schöpft.

Zeitliche Abfolge des Verkehrs Jesu mit den Aposteln und Jüngern

Erstes Lehrjahr 31:

Juni
3.
Nathanael Chased und Bartholomäus emp­fangen vom vorüberwandelnden Herrn bei Bethulia einen Gnadenblick.

4.
Parmenas und Jonadab begleiten Jesum von Nazareth bis nach Hebron, bleiben Ihm aber anfangs nicht treu.

Juli
7.
Matthäus, Kolaja und Eustachius reden unterwegs mit dem Herrn über Johannes und Lazarus.

11.
Petrus und Andreas reden kurz mit Jesus über den Täufer.

Aug.
9.
Jesus nimmt Amandor, Eustachius und Kolaja als erste Jünger auf.

13.
Petrus und Andreas hören Jesus in der Synagoge zu Nazareth.

17.
Petrus, Andreas, Jakobus Minor und Philip­pus hören Jesus zum Sabbat im Villenort des Tales Zabulon.

19.
Jesus nimmt Arastaria und Cocharia als Jünger auf.

Sept.
17.
Jesus nimmt in Nazareth vier weitere Jün­ger auf, Verwandte und Freunde der heili­gen Familie.

28.
Andreas und Saturnin sind als Johannes-jünger Zeugen der Taufe Jesu, folgen Ihm nach Bethel und taufen dort im Hospital. Auch ein paar andere Johannesjünger schlie­ßen sich dem Herrn an. Andreas reist nach Kapharnaum ab.

Okt.
10.
Aminadab und Manasse Verwandte des hl. Joseph, werden Jesu heimliche Jünger.

17.
Saturnin und vier andere Jünger taufen in Sukkoth; und Aram und Themeni, Neffen des Joseph von Arimathäa, werden Jesu Jünger. Lukas spricht am Tal Zabulon mit Bartholomäus über Jesus, kommt aber erst kurz vor Jesu Tode dauernd zu den Jüngern.

Dez.
6.
Andreas, Saturnin und drei andere Johan­nesjünger schließen sich ständig Jesu an und arbeiten am zweiten Taufort.

24.
Andreas stellt Petrus und Johannes dem Herrn vor. Jesus sagt: „Du bist Simon, des Jonas Sohn, und wirst künftig Kephas hei­ßen“ (J. 1, 41).

29.
Jesus beruft den Philippus im Tal von Kapharnaum (J. 1, 43).

30.
Jesus beruft Nathanael Chased bei Genna­bris (J. 1, 45).

Zweites Lehrjahr 32:

Jan.
Auf der Hochzeit zu Kana lernen sich nach der Absicht des Herrn alle künftigen Apostel, außer Bartholomäus, Thomas und Judas, und ein großer Teil der Jünger näher kennen. Auch beruft hier Jesus vermutlich den Johannes.

Febr.
8.
Jesus nimmt in Ono, südlich von Jericho, zwanzig neue Jünger auf.

April
Der Herr feiert mit allen künftigen Apo­steln, außer Bartholomäus, Thomas, Judas Ischariot und Matthäus, Ostern zu Jerusa­lem, lehrt sie, das Wasser zur Taufe zu seg­nen, und läßt sie teils schon hier und da lehren und heilen, obschon ihnen das Hei­len aus Mangel an Glauben nicht immer gelingt.

Mai
Jesus läßt an der zweiten Taufstelle durch Andreas, Saturnin, Petrus und Jakobus Major taufen. Mitte Mai werden viele Jün­ger verhaftet und verhört. Petrus, Andreas und Johannes zerreißen bei dieser Gelegen­heit in Gennabris ihre Fesseln. Alle werden wieder freigelassen.

Juni
26.
An zwanzig galiläische Jünger, darunter Petrus, Andreas, Jakobus Minor und Thad­däus, besuchen Jesus heimlich in Tyrus und in einer anderen Herberge an der Grenze.

29.
Fast alle jetzigen Jünger und künftigen Apostel treffen sich mit Jesus in Bethoron und werden von Ihm auf einer anstrengen­den Lehrreise geschult.

Okt.
28.
Bartholomäus, Judas Thaddäus und Simon Zelotes werden zu Meroz von Jesus unter die Jünger aufgenommen.

29.
Judas Ischariot wird zum Jünger aufgenom­men.

Nov.
3.
Thomas wird unter die Zahl der Jünger zu Dothan aufgenommen.

7.
Kaleb und Aaron, die Söhne Jesses, des Neffen Josephs, werden zu Dabrath als Jün­ger aufgenommen.

13.
Alle künftigen Apostel, außer Matthäus, und an sechzig Jünger wohnen der Bergpredigt Jesu bei Gabara bei.

23.
Andreas und Saturnin taufen zu Kaphar­naum; und Thomas, Bartholomäus und Johannes legen den Täuflingen die Hände auf.

24.
Matthäus wird von Jesus bei seiner Zoll­stätte berufen (Mt. 9, 9).

25.
Letzte Berufung des Petrus, Andreas, Jako­bus Major und Johannes bei Matthäi Zoll­stätte am Seeufer (Mt. 4, 18).

Dez.
1.
Der wunderbare Fischzug des Petrus (L. 5, 4).

9.
Jesus versammelt alle Apostel und verleiht ihnen die Gewalt zu heilen und Teufel aus­zutreiben (Mt. 10, 1).

12.
Jesus und Petrus wandeln zum ersten Male auf dem See (Mt. 14, 22).

15.
Erste förmliche Aussendung der Zwölf und der Jünger auf dem Lehrberg bei Hanathon (Mt. 10, 5). Es werden nur sechs Apostel und achtzehn Jünger ausgesendet.

26.
Die Zurückkehrenden erzählen dem Herrn ihre Erlebnisse.

Drittes Lehrjahr 33:

Jan.
2.
Die bei Jesus weilenden Apostel erhalten eine Verstärkung ihrer Gnadengaben. Er nimmt drei Ägypter als Jünger auf.

5.
Zweite Aussendung der Apostel und Jünger am Lehrberg bei Tabor, außer Petrus und Johannes und einigen Jüngern.

Febr.
1.
Die Zurückkehrenden berichten dem Herrn von ihrer apostolischen Reise (Mk. 6, 30).

2.
Jesus setzt die zwölf Apostel über die 72 Jünger.

3.
Jesus und Petrus wandeln zum zweitenmal auf dem See (Mt. 14, 24).

10.
Jesus stellt die Apostel nach ihrer inneren Gesinnung und Gemütsart in drei Reihen zusammen:

  1. Reihe: Petrus, Andreas, Johannes, Jako­bus Major, Matthäus;
  2. Reihe: Thaddäus, Bartholomäus, Jako­bus Minor;
  3. Reihe: Thomas, Simon Zelotes, Philip-pus, Judas Ischariot.

13.
Er erteilt den Aposteln die Kraft der Wun­derheilung in verstärktemMaße. Alle wei­nen, und auch Jesus ist sehr bewegt.

März
12.
Er sendet die Apostel das drittemal, und zwar diesmal östlich und nordöstlich in ferne Orte gen Damaskus und Arabien. Sie kehren allmählich bereits nach einer Woche wieder zum Herrn zurück.

24.
Petrus empfängt vom Herrn in Gaulanitis, südöstlich von Sogane, die Schlüssel des Himmelreiches (Mt. 16, 13).

April
2.
Während der zweiten Osterfeier zu Jerusa­lem macht der Theologiestudent Stephanus, der spätere Diakon und Märtyrer, die per­sönliche Bekanntschaft mit Johannes.

8.
Verklärung des Herrn auf dem Berge Tabor vor Petrus, Jakobus Major und Johannes (Mt. 17, 1).

28.
Vierte Aussendung der Apostel und Jünger in der Gebirgseinsamkeit, nordwestlich von Garisima.

 

Die Freunde aus dem Laienstand

Jesu Wandel mit dem Essener Eliud

Der alte, sehr ehrwürdige Greis, bei welchem Jesus am 10. September 31 vor Nazareth einkehrt, heißt Eliud, ein Witwer, den seine Tochter pflegt, und der ein Neffe des hl. Zacharias ist. Zwölf Tage lang ist Jesus

mit ihm zusammen, unterhält Sich mit ihm in seinem Hause und macht mit ihm eine ganz private Wanderung durch die Land­schaften Südgaliläas, besucht mit ihm einen Aussätzigenbezirk, ein Heilbad und einige Städte, läßt ihn nicht von Seiner Seite und zeigt Sich vor ihm in der letzten Nacht auf dem Felde Jezrael in verklärter Gestalt.

Warum tut Er dies? Warum diese besondere Auszeichnung und Bevorzugung einer ein­zelnen Privatperson? Katharina Emmerich hat die Antwort auf diese Fragen gehört, welche zugleich ein uns aufklärendes Licht über alle derartige Privatgespräche Jesu wirft: Alle Privatpersonen, die von den Evangelisten mit Personennamen angeführt werden und alle Privatpersonen, mit denen der Heiland des längeren verkehrt und spricht, sind Typen für ganz bestimmte Men­schengruppen der Menschheitsgeschichte und ebenso für ganz bestimmte Seelenzustände, die in einzelnen Menschen immer wieder stattfinden, und schließlich auch Typen für bestimmte Gnadenberufe oder auch ab­wegige Ausgänge einzelner Menschen (z. B. Judas Ischariot).

Dieser Eliud nun ist der Typus des einsam beschaulich lebenden und gereiften Mysti­kers, der am Ende seiner Tage von Jesus eines besonderen vertraulichen Umganges mit dem Herrn gewürdigt wird.

Dementsprechend haben denn auch die Ge­spräche Jesu mit Eliud Dinge zum Gegen­stande, die der Heiland während Seines Lehrwandels weder in der großen Öffent­lichkeit noch im engeren Kreise zur Sprache bringt. Eliud hat auf Grund seiner mysti­schen und tiefforschenden Einstellung und auch auf Grund seiner Jugendbekanntschaft mit der Tempel-Hanna (L. 2, 36) vieles Interne aus dem Leben der Mutter der aller-seligsten Jungfrau und dieser letzteren selbst erfahren. Daher stellt er ganz unbefangen an Jesus tiefgehende Fragen über Jesu Sendung, Geburt und zu gründendes Reich ­und Jesus legt ihm alles aus.

Er sagt ihm, daß Er der Messias sei, spricht mit ihm über die ganze Linie Seiner mensch­lichen Herkunft und das Mysterium der Bundeslade. Eliud, der dazwischen oft aller­lei Schriftrollen vorlegt und Stellen aus den Propheten zitiert, fragt auch den Herrn, warum Er nicht früher auf die Welt gekom­men sei. Jesus antwortet darauf, wie Er nur aus einem Weibe habe geboren werden kön­nen, welches auf die Weise empfangen sei, wie die Menschen ohne den Sündenfall emp­fangen worden wären, und wie kein Ehe­paar seit den ersten Eltern beiderseits sich so rein dazu befunden habe wie Anna und Joachim. Er entwickelt ihm alles und zeigt ihm alle früheren Hindernisse, Hemmungen und Zurücksetzungen des Heils.

Auch fragt Eliud Ihn, wo denn Sein Reich sein werde, ob in Jerusalem, in Jericho oder in Engaddi (anscheinend weil Jerusalem das Zentrum des jüdischen Priestertums, Jericho das der Herrschaft des Herodes und Engaddi das der Essener war). Jesus antwortet hier­auf : Wo Er sei, da sei Sein Reich, denn Er werde kein äußerliches Reich haben.

Rührend ist es auch, wie Jesus, dem doch nichts verborgen ist, Sich dennoch alles von Eliud erzählen läßt, was dieser von Joachim, Anna, Maria, Joseph, Zacharias und Elisa­beth weiß, wobei der Heiland hier und da erklärende Bemerkungen macht. Dann läßt Er Eliud Zeuge sein, wie Er einen Aussät­zigen heilt, wie Er im Heilbad bei Endor im Sanatorium die Kranken tröstet und die ärmeren Kranken bei Tisch bedient. Auch besucht Er mit ihm Josephs frühere Werk­stätte und wandert mit ihm durch die stil­len Nächte, bis Er sich vor dem Jesu körper­liche Schönheit und Kraft bewundernden Greise in leuchtender, verklärter Gestalt zeigt, und ihm — so wie später dem Petrus, Jakobus und Johannes — einmal das Ziel sinnfällig vor Augen führt, zu dessen Erreichung von seiten der guten Menschen Er vorher durch die große Passion Seinen Leib verunstalten läßt.

Als Er Sich von ihm verabschiedet, segnet Er ihn in besonderer Weise und nimmt ihn damit gleichsam in die Gemeinschaft Seines neuen Reiches auf.

Kurz vor Eliuds Tode unterhält Er Sich noch einmal eine ganze Nacht hindurch mit dem altersschwachen Greise in dessen Woh­nung vor Kapharnaum, wodurch dieser noch einen himmlischen Trost empfängt.

Lazarus und seine Freunde

Nach dem Essener Eliud ist wohl Lazarus von Jerusalem und Bethanien der intimste Freund des Herrn gewesen. Sein Vater Zarah oder Zerah war von vornehmer Her­kunft aus Ägypten. Dieser wohnte eine Zeit­lang in Syrien an der arabischen Grenze und stand in enger Beziehung zu einem syrischen Könige. Wegen seiner Verdienste in einem Kriege wurde er vom Kaiser Augustus mit Gütern bei Jerusalem und in Galiläa be­schenkt. Durch seine Heirat einer Jüdin aus pharisäischem Geschlecht, namens Jeza­bel, wuchs sein Reichtum. Er wurde Jude, lebte streng nach Art der Pharisäer und vermachte einen Teil seines großen Stadt­besitzes dem Tempel. Seine Familie wußte von Hanna’s und Simeons Prophezeiung, erwartete den Messias und war schon zur Jugendzeit Jesu mit der heiligen Familie be­kannt, wie manchmal reiche fromme Leute mit ärmeren frommen Leuten zu verkehren pflegen. Noemi, die Lehrerin Mariä am Tempel, war eine Schwester der Jezabel. Zarah und Jezabel hatten im ganzen fünf­zehn Kinder, von denen sechs sehr früh starben, neun älter wurden und nur vier Christi Lehrzeit erlebten, nämlich Lazarus, Martha, die kontemplative Maria und Maria Magdalena. Nach dem Tode des Vaters fal­len durch Los das Schloß Magdalum und mehrere Landgüter am See an Maria Magdalena; das Schloß zu Bethanien an Martha und Maria; und der Stadtteil am Berge Sion, sowie eine große Zahl von Landgütern in Südgaliläa und das Schloß bei Herodium an Lazarus. Doch räumt Martha den Haupt­teil des Schlosses zu Bethanien ihrem Bru­der ein, da dieser sich gern hier aufhält.

Hier und auch im Stadthause am Sion weilt nun der Heiland sehr oft im Kreise der in­timen Freunde des Lazarus, zu welchem der Steinmetzerei- und Steinbruch – Besitzer Joseph von Arimathäa, der Bildhauer Niko­demus und der am Tempel beschäftigte Obed, der ein Sohn des alten Priesters Simeon ist, gehören; ferner der Pharisäer Simon zu Bethanien, der dort ein vermiet­bares Festhaus mit Hotel besitzt, und schließlich Johannes Markus, der Sohn der Maria Markus, der nicht mit dem Evange­listen Markus zu verwechseln ist.

Lazarus steht überall in großer Ehre und Achtung als ein sehr reicher und frommer, ja erleuchteter Mann. Sein Benehmen ist auch sehr vor dem aller anderen Mit­menschen ausgezeichnet; er ist sehr ernst, in allem sehr mäßig, redet wenig, wenn aber, dann sehr sanft und doch mit Gewicht. Bei aller Vertraulichkeit mit den Freunden hat er stets etwas Vornehmes in Haltung und Gesprächen. Er ist von langer Gestalt, hat helle Haare und eine gewisse Ähnlichkeit mit dem hl. Joseph, nur sind seine Gesichts­züge strenger und markanter. Anfangs glaubt er, wie Nikodemus und viele seiner Freunde, immer stillschweigend, Jesus sei berufen, mit Seinen Jüngern Jerusalem in Besitz zu nehmen, sie vom römischen Joch zu befreien und das Reich der Juden her­zustellen. Doch allmählich merkt er aus den Reden des Herrn, daß es sich mit dem Reiche Jesu doch anders verhalte.

Er begleitet den Herrn zu dessen Taufe und empfängt nach ihr mit seinen Freunden ebenfalls die Johannestaufe. Mitte Oktober 31 hört er Jesum zum erstenmal öffentlich in Gilgal predigen, und Ende Januar 32 ist er zum erstenmal Zeuge der Wunderheilun­gen Jesu in Beth-Araba.

Zur Hochzeit von Kana bestreitet er den zweiten Gang des Mahles, den der Herr übernommen hat, und stellt auch bald darauf seinen Weinberg nebst Gutshof in der Nähe von Jakobs Feld in Samaria der Gemeinde zur Verfügung. Alle Auslagen der Reisen und Almosen Jesu und Seiner Jünger gehen ebenfalls aus Lazari Vermögen, und Simeons Sohn Obed besorgt die Zahlungen. Ende Juli 32 bietet er sich mit den wohlhabenden Anhängerinnen Jesu aus Jerusalem dem Herrn an, für die reisenden Jünger Her­bergen in Nordjudäa und Samaria einzu­richten und zu verwalten. Jesus nimmt dies Anerbieten an, ebenso wie später die Ein­richtungen weiterer solcher Herbergen in Mittelgaliläa. Nach Magdalena’s endgültiger Bekehrung verkauft auf deren Bitte hin Lazarus die Güter Magdalenas und stellt den Erlös dem Herrn für Almosenspenden zur Verfügung, wovon Jesus gleich für die Ent­haftung der Gefangenen zu Thirza den ersten Gebrauch macht.

Im August 33 erkrankt Lazarus und stirbt Ende September. Nach seiner Auferwek­kung vom Tode kniet er im Speisesaal des Schlosses vor dem Herrn, der ihm die rechte Hand auf das Haupt legt und ihn siebenmal anhaucht. Hiermit weiht Er ihn zu Seinem Dienst, reinigt ihn von allem Zusammen­hang mit der Welt und ihren Sünden, und stärkt ihn durch Geistesgaben schon vor den Aposteln, da Lazarus bereits eine andere Welt geschaut hat und nun vom Herrn be­stimmt ist, bei den zukünftigen Christen­verfolgungen seitens der Juden vielen Gläu­bigen ein väterlicher Freund und Fürsorger zu sein.

Die vier übrigen Freundesgruppen

Der Herr liebt es, wenn in ihrer Stadt und Gegend angesehene Geistesmänner gänzlich frei sind von Neid und Herrschsucht und sich in ihrer aufrichtigen Heilssehnsucht nicht vor den Mitmenschen und ihrem ver­kehrten Gerede fürchten; und zu diesen vorbildlichen Männern gehören:

erstens der verheiratete Essener und Bürger­meister Jairus zu Phasael, mit dem der Herr im Oktober 31 die Ortskranken besucht, und dessen sechzehnjährige Tochter Er Mitte Februar 32 vom Tode erweckt (Jesu erste Totenerweckung) ;

zweitens der dreißigjährige Witwer und Pharisäer Dinotus in Gennabris, der mit Andreas befreundet ist und der den Herrn Ende August 32 mehrere Tage beherbergt;

drittens der Synagogenvorsteher Jairus von Kapharnaum, dessen Tochter Salome Jesus zweimal vom Tode erweckt, und der sich mutig zum Herrn bekennt, obschon er des­halb sein Amt niederlegen muß;

viertens der Samariter und wohlhabende Rentier Simeon, der sich mit seiner Familie bei Amichores-Libnath niedergelassen hat und der dem Herrn seine Gärten zur Lehre und Taufe zur Verfügung stellt, als sich Jesus im Juli 32 wegen der systematischen Verfolgung seitens des Synedriums von der öffentlichen Lehrtätigkeit zurückgezogen hat;

fünftens der patriarchalisch lebende Groß­grundbesitzer Obed bei Michmethat, der dem Herrn Ende Oktober 32 seine Landgüter zeigt und im Kreise seiner Familie und Arbeiterschaft den Standeslehren Jesu lauscht;

und schließlich der verheiratete Essener und Pharisäerssohn Simeon in Gath-Hepher, der Anfang Januar 33 sein Hab und Gut der Gemeinde Jesu überläßt.

Auch werden jene Inhaber öffentlicher Ämter der Freundschaft Jesu gewürdigt, die als Heiden einen größeren Glauben offen­baren als die Juden, und zu diesen gehören: die durch die Evangelien bekannten römischen Beamten Cornelius und Serobabel von Kapharnaum, ferner der römische Fe­stungskommandant Achias in der Garnisons­stadt Gischala und der Stadtpräfekt Ozias zu Antipatris.

Ebenso dürfen sich unter den Großkauf­leuten jene Freunde Jesu nennen, die bei allem Reichtum und weltlichen Erfolge die kostbare Perle des übernatürlichen Heils gefunden, erkannt und erworben haben, wie der Holzhändler Issachar zu Dothan und der Spediteur Israel zu Kana, die beide schon seit langem die heilige Familie kennen; ferner der Fabrikant Jesse zu Dabrath und der mit diesem in geschäftlicher Beziehung stehende Kaufmann Cyrinus zu Salamis auf Cypern.

Schließlich fühlt Sich der Herr wie unter Freunden in der Gesellschaft bestimmter Hirten, die durch ihre kindliche und offen­herzige Gesinnung Jesu Freude bereiten, und auch bei bestimmten Gruppen von Zöll­nern, die, wie Zachäus von Jericho, und wie jene an den Handelsstraßen bei Dibon, Jezrael, Galaad und Gessur, mit ihrer Be­kehrung ernst machen und sich restlos von allem unredlichen Besitz trennen.

5. Die heiligen und helfenden Frauen

Jesu Gespräche mit der kontemplativen Maria

Ähnlich wie unter den Freunden Jesu der alte Essener Eliud von Nazareth der Typus der einsam beschaulich lebenden Mystiker ist, so stellt die mittlere Schwester Lazari, die kontemplative Maria, den Typus der beschaulich lebenden Mystikerinnen dar. Sie hat im Schloßpark von Bethanien ihr eigenes Häuschen mit abgeschlossenem Gar­ten, gilt zwar bei den Ihren als geistig be­schränkt, wird aber vom Heiland anders be­urteilt, der zu Eliud von ihr sagt: „Sie ist nicht für diese Welt, sondern ganz innerlich und ohne Sünde, und so Ich mit ihr reden würde, sollte sie wohl das Geheimste ver­stehen.“

Und zweimal hat Er mit ihr eine lange, pri­vate und ganz mystische Unterredung, in denen sie mehr ekstatisch als natürlich von den Mysterien der Trinität und der Inkar­nation spricht. Der Herr unterbricht ihre Reden nur hier und da durch Gebet und Dank zum himmlischen Vater, segnet sie und verkündet ihr ihre baldige Befreiung aus dieser irdischen Welt, die am Schluß des ersten Osterfestes 32 im Beisein der aller-seligsten Jungfrau und der heiligen Frauen stattfindet.

Die drei nahe verwandten Marien

Unter den galiläischen heiligen Frauen stehen an der Spitze die drei Jesu nahe ver­wandten Marien:

Maria Hell, die neun Jahre ältere und älteste Schwester der seligsten Jungfrau, die Gattin des Kleophas, von dem sie die drei sogenannten „Brüder des Herrn“, Sadoch, Jakobus und Heliachim als Söhne hat, und die spätere Gattin des Obed, dem sie den Jairus schenkt. Sie wohnt zu Japha, einem kleinen, eine Stunde südlich von Nazareth gelegenen Orte, und später ist sie noch bei der Grablegung des Herrn zugegen.

Zweitens Maria Salome, die Cousine der seligsten Jungfrau, die Gattin des Fischers Zebedäus und Mutter der beiden Apostel Jakobus Major und Johannes, für deren Jesu nahen Platz in dessen Reiche sie den Herrn dreimal bittet. Sie bewohnt im An­fange des Lehrwandels Jesu das frühere Haus der heiligen Familie in Nazareth und lebt später bei Kapharnaum; sie steht mit unter dem Kreuze Jesu und wohnt der Grab­legung des Herrn bei.

Drittens Maria Kleophä, die Nichte und Jugendgespielin der seligsten Jungfrau, die Tochter der Maria Heli und Gattin zuerst des Alphäus, von dem sie die Apostel Judas Thaddäus, Simon Zelotes und Jakobus Minor und Susanna Alphäi empfängt, und der aus seiner ersten Ehe den Apostel Matthäus mit­bringt, dann Gattin des Sabas, von dem sie den Jünger Joses Barsabas empfängt, und schließlich die Gattin des Griechen Jonas, der aus seiner ersten Ehe den Jünger Parme­nas mitbringt, und dem sie noch den späten Sohn Simeon Justus schenkt. Gleich zu Beginn des Lehrwandels Jesu läßt sie sich nahe bei dem Hause der seligsten Jungfrau bei Kapharnaum nieder, empfiehlt dem Herrn angelegentlich ihre Söhne als Jünger, wird vom Herrn Ende November 32 vom tödlichen Fieber geheilt, ist ungemein rüh­rig im Dienste der Kranken und Armen bei den Bergpredigten Jesu und steht auch zu­letzt mit unter dem Kreuze des Herrn. Durch ihren dritten Mann ist sie entfernt mit Petrus verwandt.

Die drei anderen Verwandten des Herrn

Zur zweiten Gruppe der galiläischen Frauen, die nahe mit dem Herrn verwandt sind, gehören: Maraha, die jüngere Schwester der hl. Anna, also eine Tante der seligsten Jung­frau, die in Sephoris im ehemaligen Hause von Annas Eltern wohnt und öfters den Herrn und dessen Mutter bei sich beher­bergt und in ihren beiden Söhnen Arastaria und Cocharia dem Herrn die ersten Jünger schenkt.

Zweitens Susanna Alphäi aus Nazareth, die Tochter des Alphäus und der Maria Kleo­phä, also die Schwester der drei Apostel Thaddäus, Simon und Jakobus Minor.

Drittens Anna Kleophä, die Kleophas als Tochter aus seiner ersten Ehe mitbringt, als er Maria Heli, die älteste Schwester der seligsten Jungfrau, heiratet. Sie ist die Mut­ter des Nathanael, der zum Unterschied von den beiden anderen Nathanaelen der kleine Kleophas genannt wird, und den der Heiland sehr lieb hat.

Die fünf heiligen Witwen

Zu den sogenannten heiligen Witwen ge­hören zuerst einmal jene drei Mütter von frühesten Jüngern des Herrn: Lea und Seba von Nazareth, die dem Herrn die Jünger Kolaja und Eustachius schenken, und Sobe, die Tochter der älteren Sobe und die Cou­sine der seligsten Jungfrau, die in Kana den Herrn und dessen Mutter öfters beherbergt und deren Sohn oder Neffe der Bräutigam von Kana ist, der Nathanael heißt, in Kapharnaum wohnt und ebenfalls ein Jün­ger des Herrn wird.

Dann folgt die wohlhabende Witwe Maroni von Naim, die Schwester der Frau des Apostels Jakobus Major und die Mutter des vom Herrn vom Tode erweckten Jünglings Martialis, die den Herrn nach diesem Sei­nem Wunder mit den Jüngern in ihrer Sommervilla und ihrem großen Hause zu Naim beherbergt, einen Teil ihres Ver­mögens der Gemeinde Jesu zur Verfügung stellt und sich äußerst tätig im Kreise der helfenden Frauen erweist. Auf ihre Bitte hin heilt der Herr durch Vermittlung Seiner Mutter auch deren Freundin, die Witwe Maria aus Nairn, aus der Ferne von der Besessenheit, worauf die Geheilte ebenfalls in den Kreis der helfenden Frauen eintritt.

Die jerusalemer Frauen

An der Spitze der Frauen Jerusalems steht wegen ihres organisatorischen Talentes und apostolischen Eifers des Lazarus älteste Schwester Martha, die zuerst mit ihrem Bruder und dann mit den helfenden Frauen ständig unterwegs ist, um neue Jüngerher­bergen einzurichten, die älteren zu kontrol­lieren und um sämtliche Herbergen regel­mäßig mit Hausgerät und frischen Lebens­mitteln und Decken für die Jünger und Armen auszustatten.

Zweitens Seraphia aus Jerusalem, die Toch­ter des Vetters des hl. Zacharias, in deren Elternhaus am Fischmarkt zu Jerusalem Joachim und Anna einkehren, als sie ihre Tochter als vierjähriges Mägdlein zum Tempel bringen. Sie ist auch mit dem alten Priester Simeon verwandt und von Jugend an eine Freundin von dessen Söhnen. Zur Zeit des Lehrwandels Jesu ist sie mit dem Tempelratsmitglied Sirach verheiratet, unter dessen anfänglicher Abneigung gegen Jesus sie viel zu leiden hat. Durch Joseph von Arimathäa und Nikodemus bekehrt, wird Sirach milder gesinnt und erlaubt es seiner Frau, Jesum zu folgen und den Jüngern zu dienen. Sie ist eine großgewachsene, schöne und mutige Frau, und sie ist es, die dem Herrn auf Seinem Kreuzwege das Schweiß­tuch reicht, und daher in der Folge den Namen Veronika (von vera icon = wahres Bild) erhalten hat. Ihr Sohn Amandor ist einer der frühesten Jünger des Herrn.

Drittens Susanna von Jerusalem, die unehe­liche Tochter des Kleophas, eines älteren Bruders des hl. Joseph, ist von ihrem Groß­vater, einem persischen Fürsten, her eine reiche Frau und mit dem Beamten Matthias, einem Verwandten des späteren Apostels Matthias, verheiratet. Wie die seligste Jung­frau lebte sie auch als Mädchen im Tempel­pensionat und war nach ihr von Gophna aus dort eingetreten. Gleich zu Beginn des Lehrwandels Jesu gehört sie zum Freundes­kreise Lazari in Bethanien und begleitet Martha in der Folge viel auf ihren Rund­reisen und unterstützt sie durch reichliche Spenden. Später ist sie bei der Grablegung des Herrn anwesend.

Viertens die Witwe Salome, ähnlich wie Susanna der hl. Familie durch einen Bru­der des hl. Josephs verwandt, die schon lange bei Martha in Bethanien wohnt und auch bei der Grablegung des Herrn anwesend ist, sowie sich in der Gesellschaft der Magda­lena, Maria Kleophä und Johanna Chusa befindet, als sie am Auferstehungsmorgen die Spezereien zum Grabe Christi tragen.

Fünftens Maria Markus, eine Verwandte des alten Priesters Simeon. Sie wohnt mit ihrem Sohne Johannes Markus nordöstlich vor Jerusalem, beherbergt oft den Herrn in ihrem Hause und auch die Mutter Jesu un­mittelbar vor der Kreuzigung des Herrn und ist zuletzt bei der Grablegung der selig­sten Jungfrau zugegen.

Sechstens Johanna Chusa, eine hochgewach­sene, blasse, ernste Frau, aber stark und rüstig. Sie ist eine Nichte der Tempel-Hanna, und ihr Sohn war schon mit Jesus bekannt, als dieser zwölfjährig in Jerusalem zurück­blieb. Später ist er einer der drei geheimen Jünger Jesu zu Jerusalem. Sie verkehrt eben­falls im Schlosse zu Bethanien und schafft eifrig mit Martha für die Jüngerherbergen; der Herr speist des öfteren in ihrem Hause mit Seinen Jüngern; und sie ist es, die mutig mit Veronika und Maria von Hebron, der Nichte der hl. Elisabeth, nach Machärus reist, um dort mit Hilfe einiger Knechte aus Juta das Haupt des Täufers ausfindig zu machen und abzuholen.

Die bekehrten Sünderinnen

An der Spitze der bekehrten Sünderinnen, die zum engen Kreise Jesu und Seiner Mut­ter kommen, steht als Typus aller heiligen Büßerinnen Maria Magdalena, die jüngste Schwester des Lazarus. Mit sieben Jahren verlor sie ihre Eltern, die ihre jüngste, sehr schöne und altkluge Tochter verwöhnt hat­ten. Schon in ihrem neunten Jahre fing sie Liebschaften an. Mit ihren wachsenden Talenten und Eigenschaften wuchs auch der Lärm und die Bewunderung um sie. Sie hatte viele Gesellschaften, war auch gelehrt, schrieb Sprüche von Liebessachen auf kleine Rollen von Pergament, schickte diese herum und wechselte sie mit ihren Liebhabern. Mit elf Jahren bezog sie mit vielen Mägden und Dienern das durch Los von den Eltern ge­erbte Schloß Magdalum. In ihrem neuen Hause verkehrten bald Offiziere der Garnison von Magdalum und Umgegend, anfangs auch geistreiche Männer, aber allmählich sank das Niveau ihrer Hausfreunde und Freundinnen immer mehr.

Den ersten Gnadenstrahl empfängt Magda­lena am Schlußtage des vierzigtägigen Fa­stens des Herrn. Sie fühlt sich innerlich bewegt, und eine plötzliche Angst über ihr bisheriges Leben und eine Begierde nach Rettung überfällt sie. Doch hält die innere Regung nicht lange an. Martha bewegt Mitte Januar 32 Magdalena, mit ihr nach Jezrael zu reisen, um dort den neuen Propheten von Nazareth zu sehen; doch Jesus ist schon fort; aber Magdalena hört dort noch von Augenzeugen von den soeben gewirkten Wunderheilungen des Herrn. Einen Monat später ist sie auf Veranlassung ihres Bruders und der Martha, Veronika und Johanna Chusa, die sie besucht haben, in Jezrael, sieht vom Hotelfenster aus den Herrn mit Seinen Jüngern in die Stadt einziehen, emp­fängt von Ihm einen Gnadenblick, stürzt erschüttert und überwältigt in die Herberge der Aussätzigen, reist mit beiden Geschwi­stern nach Magdalum zurück, fällt aber nach einiger Zeit wieder in ihr altes Leben zurück. Im Kreise der Seinen erklärt der Herr am 24. Juli 32, sie sollten für Magda­lena beten, sie werde schon kommen und noch vielen ein Beispiel werden. Am 13. November erfolgt bei der Bergpredigt Jesu bei Gabara eine erneute, und am letz­ten Tage desselben Jahres 32 die endgültige Bekehrung Magdalena’s.

Sie wohnt fortan im Hause ihrer verstor­benen Schwester Maria zu Bethanien, bittet den Herrn mehrere Male für ihren sterbens­kranken Bruder, spendet Jesu wiederholt bei Tisch die Ehrensalbung — das letztemal den Tag vor dem letzten Abendmahl —, steht mit unter dem Kreuze, begleitet den heiligen Leib des Herrn zur Grablegung, und erlebt als erste die Auferstehung Christi.

Die zeitlich zuerst vom Herrn Bekehrte ist die Samariterin Dina, die durch ihr langes Zwiegespräch mit dem Herrn am Jakobs­brunnen bekannt ist. Sie stammt aus ge­mischter Ehe, von einer jüdischen Mutter und einem heidnischen Vater und ist auf einem Landsitz bei Damaskus geboren. Früh verliert sie beide Eltern, hat später fünf Männer hintereinander, die teils durch Kummer, teils durch neue Liebhaber aus dem Leben scheiden. Aus diesen Ehen stam­men drei Töchter und zwei Söhne, die bei den Verwandten ihrer Väter zurückbleiben, als Dina Damaskus verlassen muß. Zur Zeit ihrer Bekehrung am Jakobsbrunnen lebt sie mit einem Verwandten ihrer früheren Män­ner, einem reichen Kaufmann in Sichem, unehelich; doch weiß man dort nichts von der Illegimität dieser Ehe und schätzt Dina wegen ihres liebenswürdigen, schönen und geistreichen Wesens. Nach ihrer Bekehrung, Ende Juli 32, stellt sie der Herr Seiner Mut­ter vor, und in der Folge ist sie eine der tüchtigsten Helferinnen in der Gemeinde Christi. Sie gehört neben Magdalena, Maria Kleophä, Veronika und Mara zu den beson­ders schönen Frauen der Gemeinde, aber die seligste Jungfrau überstrahlt alle Frauen an Schönheit.

Etwas über einen Monat später als Dina, bekehrt sich in Ainon die reiche aus der Gegend von Supha im Moabiterlande stam­mende und daher die Suphanitin genannte Mara. Ihr jüdischer Ehemann wohnt in Damaskus und hat sie verstoßen, denn sie hat nacheinander vier Liebhaber gehabt, von denen sie drei Kinder hat. Nun lebt sie zu Ainon seit langer Zeit voll Reue und Buße, führt sich gut auf, hört die Lehre des Täufers gegen den Ehebruch und wird tief davon erschüttert. Doch wird sie öfters vorn Teufel besessen, auch gerade als sie bei der Ankunft Jesu auf diesen ihre letzte Hoff­nung gesetzt hat. Der Herr befreit sie vom dämonischen Einfluß, segnet ihre unehelichen Kinder, legt die Hände ihrer Kinder in die der geheilten und gänzlich bekehrten Mutter, und wird von ihnen bei der folgen­den Ehrenmahlzeit im Festhause durch Ehrengaben beschenkt. Bei Seiner Rückkehr nach Ainon leitet der Herr die Versöhnung mit ihrem Gatten in die Wege; Dina und Veronika nehmen sich ihrer liebevoll an und nehmen sie auf in den Kreis der helfen­den Frauen.

Ende Oktober 32 kommt die reiche heid­nische Witwe Lais aus Naim zum Lehrberg des Herrn bei Meroz und bittet für ihre beiden zu Hause vom Teufel besessenen Töchter Athalia und Sabia, die sie beide im Ehebruch empfangen hat. Ihre flehentliche Bitte wird erhört. Jesus spendet ihr die Bekehrungsgnade und heilt ihre Töchter auf der Stelle aus der Ferne; und alle drei kommen in der Folge zu den helfenden Frauen und begleiten die Mutter Jesu auf deren Lehrgang zu den Heidenkarawanen Mitte November desselben Jahres.

Andere bekehrte Persönlichkeiten

Im selben Monat hat die seligste Jungfrau bei einem ihrer Krankenbesuche in Kaphar­naum die blutflüssige Enue, eine Heidin und Witwe eines Juden von Caesarea Phi­lippi, kennen gelernt und sie in ihrem Glau­ben sehr gefördert. Am 6. Dezember 32 be­rührt sie im Gedränge das Gewand des Herrn und ist sogleich geheilt (Mt. 9, 20). Zwei Tage später preist Enues Schwägerin Lea, die Frau eines Pharisäers und heftigen Gegners Jesu, die seligste Jungfrau während des Lehrvortrages Jesu selig (L. 11, 27) ; und am 11. März 33 ist Jesus Gast im Hause des heidnischen Onkels der Enue in Cae­sarea-Philippi und empfängt von ihrer dort wohnenden Tochter bei Tisch die Ehren­salbung im Beisein der glücklichen Mutter.

Ähnlich wie Lais aus Naim nähert sich Mitte Februar 33 die verwitwete und heidnische Fabrikbesitzerin aus Ornithopolis — und daher im Evangelium (Mt. 15, 22 u. Mk. 7, 26) die kananäische und aus Syrophönizien stammende Frau genannt —, dem Herrn in der Stadt Dan oder Lais und bittet flehend­lich und unentwegt um die Heilung ihrer besessenen Tochter. Der Herr, von ihrem Glauben gerührt, heilt nicht nur ihre Toch­ter aus der Ferne, sondern auch sie selbst von ihrer seitlichen Krümmung, und am nächsten Tage auch ihren taubstummen Verwandten. In dankbarer und großzügiger Weise dient nun die Syrophönizierin den Interessen des Herrn betreffs der Diaspora­juden in Syrophönizien und bereitet Ihm und den Jüngern bei Seinem zweimaligen Besuche in Ornithopolis jedesmal ein Ehren­mahl, wobei ihre Tochter ihren ganzen, sehr reichen Schmuck an Juwelen und Kunst­figuren dem Herrn überreicht, Kostbarkei­ten, die Er sofort einlösen und den armen Diasporagemeinden zugute kommen läßt.

Ende des zweiten Lehrjahres beträgt die Zahl der heiligen Frauen der hilfreichen Gemeinde Jesu ungefähr siebenunddreißig, und am Ende des Lehrwandels Jesu ist die Zahl mit allen Pflegerinnen, Mägden und Vorsteherinnen der Jüngerherbergen bis auf siebenzig gestiegen.

6. Die weiteren Anhänger Jesu

Die Motive der Anhängerschaft

Es ist klar, daß der Herr unter den zahl­reichen von Ihm Geheilten, seelisch Bekehr­ten, innerlich durch Seinen Zuspruch Ge­trösteten, durch materielle Almosen Be­schenkten und unter den vielen Ohren­zeugen Seiner Lehrvorträge und Predigten und den Augenzeugen Seiner Wundertaten, sowie unter den vielen von den Aposteln, Jüngern, heiligen Frauen und anderen Freunden und Bekannten, Betreuten und Unterrichteten eine große Zahl von Anhängern während Seines Lehrwandels auf Erden gewonnen hat.

Die schwankenden Anhänger

Aber Er Selbst hat es oft zur Genüge aus­gesprochen, und die Folgezeiten haben es immer wieder gelehrt, daß unter diesen augenblicklichen Anhängern die meisten nicht ernst mit ihrer Anhängerschaft im Sinne Christi machten; daß sich besonders die heute Ihm zujauchzenden Massen nur zu leicht -wieder umstimmen ließen von den Gegnern, wenn Er längere Zeit nicht mehr unter ihnen erschien und lehrte oder Wun­der wirkte. Hat Er doch selbst bei Seinem feierlichen Einzug in Jerusalem am 15. März 34 unter dem Jubel und unter den Ehren­bezeugungen der Menge geweint und zu den Aposteln gesagt, daß viele, die jetzt so jubel­ten, Ihn bald verspotten würden, so daß auch die Apostel weinten. Und der routi­nierte Politiker und Menschenkenner Pila­tus hatte leider nicht ganz unrecht, als er nach seiner Erkundigung über den Galiläer Jesus im Januar 33 zum Schluß äußerte: „Solange Er nicht mit Kriegsvolk oder vie­lem bewaffneten Volk herumziehend Seine Wunder tut, ist gar nichts von Ihm zu be­fürchten. Wenn Er den Ort verlassen hat, wo Er Wunder tat, und an einen anderen Ort geht, wird man Ihn vergessen und ver­lästern, und ich höre ja, die jüdischen Prie­ster schelten gegen Ihn.“

Die Wirkung des Hl. Geistes

So traurig diese Bilanz aber auch ist, so gab es doch immer noch eine große Zahl, die Seine heimlichen Jünger blieben; und viele der anfänglich noch nicht ganz Bekehrten oder aus Schwäche bald Abgefallenen, sind später durch die Wirkungen des Heiligen Geistes und die Predigt und die Taten der Apostel und Heiligen echte und dauernde Anhänger geworden. Doch immer bleibt der Weg schmal und die Pforte klein, durch die man eingeht in das Reich des Herrn; und nur, die Gewalt gegen sich selbst anwenden, reißen das Himmelreich an sich.

DER WANDEL JESU IN DER WELT – Nach den Visionen der Anna Katharina Emmerich

Viertes Vierteljahr:

Von der Auferweckung des Lazarus bis zur Rückkehr von der Auslandsreise

(1. Oktober bis 31. Dezember 33)

Die Auferweckung des Lazarus

Grenzstadt Ginäa

Okt. So. 1.

Der Herr rät den Schwestern Lazari, alle Geräte ihres Bruders stehen zu lassen; Er werde erst nach einigen Tagen kommen. Die Frauen reisen nach Bethanien zurück, wäh­rend Er mit den Aposteln nach Ginäa zu­rückkehrt.

Mo. 2.

Morgens verläßt Jesus Ginäa und schlägt die Richtung auf Bethanien ein.

Herberge bei Bahurim

Di. 3.

Gegen Abend kehrt Er mit den Aposteln in der Herberge eines Ortes ein, der aus einigen Häusern und einer Schule besteht. Er lehrt in ihr von den Arbeiten im Weinberge (Mt. 20, 1-16).

Hier naht sich die Mutter des Johannes und Jakobus nochmals, wie am 29. Juli 33, dem Herrn mit ihrer Bitte für ihre zwei Söhne (Mt. 20, 20) ; denn sie hörte von der Nähe Seiner Vollendung und meint nun, einem Verwandten gebühre ein besonderer Platz in Seinem Reiche.

Mi. 4.

Jesus lehrt wieder in der Schule. Den Jün­gern verweist Er ihre Ungeduld und ihr Murren, daß Er so lange zögere, nach Be­thanien zu gehen. Er befindet Sich immer in der Lage wie jemand, der nicht sagen kann, wie es mit Ihm und mit ihnen steht, weil sie Ihn nicht verstehen. Er belehrt sie mehr in der Weise, daß Er ihre Begriffe auf­löst und in ihnen Mißtrauen gegen ihre irdischen Meinungen erregt, als daß Er ihnen das Wesentliche des Sachverhaltes er­klärt, weil sie dieses nicht verstehen würden.

Do. 5.

Es finden sich mit der Zeit immer mehr lauernde Pharisäer in dem kleinen Orte ein, die nach Jerusalem über Jesus berichten. Maria Salome, die Frau des Zebedäus, bittet wieder für ihre beiden Söhne Johannes und Jakobus, und der Herr weist sie zum drittenmal zurück.

Bei und in Bethanien

Fr. 6.

Jesus nähert Sich langsam Bethanien, bald hier und da Sich setzend und die Apostel belehrend. Maria Salome kommt gegen Abend zu Martha nach Bethanien und mel­det die Nähe des Herrn. Magdalena will gleich Jesus entgegen gehen, doch kehrt sie bald zurück, ohne Ihn gesprochen zu haben. Er pflegt nämlich die Frauen, wenn Er mit Seinen Aposteln und Jüngern zusammen ist, nicht leicht zu jeder Zeit zu empfangen.

Nun eilt Martha Ihm entgegen und spricht mit Ihm an der Grenze der Gärten ihres Grundstückes (J. 11, 17-27). Dann holt sie auch ihre Schwester Magdalena, die Jesus rufen läßt. Hierauf folgt Sein Gespräch mit Magdalena und Sein Weinen über den Tod des Lazarus (J. 11, 28-37). Dies geschieht in einer Gartenlaube, wo Jesus im Anschluß hieran noch vor mehreren Leuten die Nacht hindurch über das Sterben eine lange Lehre hält.

Sa. 7.

Früh morgens geht der Herr mit den Apo­steln und den Frauen unter wachsendem Ge­dränge Neugieriger zum Grabe Lazari, und es folgt die Auferweckung, welche der Evan­gelist Johannes (11, 38-44) beschrie­ben hat.

Die Apostel hängen Lazarus einen Mantel um, und er schreitet wie ein Traumwandler an dem Herrn vorüber. Jesus redet dann noch eine Zeitlang in Anwesenheit Lazari in der Gartenlaube. Gegen Mittag gehen alle Freunde mit dem Herrn in das Schloß, wo eine Mahlzeit stattfindet und Jesus wieder lehrt.

Unterdes entsteht in Bethanien ein Tumult, und Wachen umstellen das Schloß. Jesus schickt die Apostel hinaus, welche die Wa­chen fortweisen. Er lehrt noch bei Lampen­schein und übernachtet im Schloß.

Die Flucht aus Bethanien

Jerusalem

So. 8.

Vor Tagesanbruch begibt Sich der Herr mit Johannes und Matthäus zum Hause des Nikodemus, dem späteren Coenaculum und bleibt hier den ganzen Tag und die folgende Nacht verborgen und spricht im intimen Kreise.

Am selben Tage rufen die Hohenpriester und Pharisäer den hohen Rat (Synedrium) zusammen, beraten über Jesum und be­schließen, Ihn zu töten (J.11, 45-53). Unter anderem befürchten sie auch, Jesus werde ihnen alle Toten erwecken, und da würde es große Verwirrung geben.

Zu Bethanien entsteht von neuem großer Tumult. Lazarus muß sich verstecken, obenso seine Freunde; und die Apostel rei­sen ab, sich nach allen Seiten verteilend.

Mo. 9.

Der Herr verläßt vor Tag mit Matthäus und Johannes Jerusalem, überschreitet den Jor­dan, geht in nordöstlicher Richtung und übernachtet unter einem Baum mit allen Aposteln, die sich wieder mit Ihm vereinigt haben.

Im Landstrich Peräa

Di. 10.

Er heilt am Wege einen blinden Hirten aus der Gegend von Jericho, der gleich Sein Jünger werden will, aber noch zurückge­wiesen wird, um seine Beständigkeit zu er­weisen. Jesus lehrt in einem kleinen Orte in der Nähe bis zum Abend. Es sind jetzt acht Apostel bei Ihm.

Mi. 11.

Da Er Sich einer kleinen Stadt nähert, hun­gert Ihn, allerdings eigentlich nur nach Seelen. Er kommt bei einem Feigenbaum vorbei, der ohne Frucht für Ihn ist. Er geht plötzlich wieder zurück und verflucht ihn, ähnlich wie später einen anderen am 16. März 34, was dann bei Matthäus (21, 19) steht. In der Stadt selbst lehrt Er in der Schule vom unfruchtbaren Feigenbaum (L. 13, 6-9). Die Speise, die der nach Seelen hungernde Heiland sucht, ist das Ver­langen der Seele nach Ihm. Wer diese auf­richtige Sehnsucht nicht hat, erreicht nicht die letzte Bestimmung des Menschen, näm­lich die ewige Seligkeit.

Do. 12.

Er wandelt mit den Seinen durch Peräa nordwärts und beginnt, ihnen Anweisungen für ihr Verhalten während Seiner bevorste­henden Auslandsreise zu geben. Dort, wo man sie nicht gut aufnehmen werde, sollen sie den Staub von ihren Füßen schütteln; und dasselbe hat Er ihnen schon am 15. De­zember 32 und 5. Januar 33 gesagt.

Eisenindustrie-Stadt Groß-Chorazin

Fr. 13.

Einige Jünger zerstreuen sich schon hier und da. Matthäus geht eine Zeitlang nach Hause. Am Nachmittag predigt Jesus in der Synagoge von Groß-Chorazin, 15 km östlich von Kapharnaum, wo Er schon am 16. März 33 gewesen. Andreas, Petrus und Philippus sind bei Ihm.

Sa. 14.

Er lehrt wieder in der Synagoge. Mittags bittet Ihn ein Mann aus Kapharnaum, doch herüberzukommen und seinen totkranken Sohn zu heilen. Jesus heilt ihn aus der Ferne. Auch vielen anderen Kranken und Trostsuchenden aus der Stadt und Ferne hilft Er teils gleich, teils verspricht Er ihnen für die Zukunft Heilung.

Fischer-Stadt Bethsaida

So. 15.

Abends setzt Er mit den drei Aposteln auf einem Balken-Floß über den Jordan an seinem Einfluß in den See und geht bei Mondenschein zum Hause des Andreas, wo Er mit Bekannten speist. Nach dem Essen spricht Er noch mit einigen bekannten Frauen und übernachtet bei Andreas.

Heute besucht Jesus noch ein zweites Haus, vermutlich das des Philippus, in welchem sich mehrere Frauen befinden, hält sich dann eine Zeitlang nördlich vor Bethsaida in einem Hause auf, wo viele Fischergerät­schaften liegen, und lehrt dort vor einem kleinen Kreis von Männern.

Der Antritt der letzten Auslandsreise

Im Lande Basan

Mo. 16.

Der Herr wandelt mit Andreas, Petrus und Philippus den ganzen Tag und die Nacht hindurch im Lande Basan, östlich vom See Genezareth.

Di. 17.

Er trifft mit vielen Jüngern, die Ihn an einer verabredeten Stelle erwarten, zusammen, wandelt mit ihnen den ganzen Tag, sie un­terrichtend, und kehrt zum Nachtmahl in ein Herbergshaus am Wege ein.

Hierauf eröffnet Er den Seinen, daß Er von hier aus eine Auslandsreise antreten und als Begleiter nur die Jünger Eliud (später Siricius genannt), Sela oder Silas und Eremen­zear (später Hermes) mitnehmen werde.

Die Jünger sollen sich hie und da in den Grenzen Palästinas zerstreuen und lehren. Nach drei Monaten, und zwar für den 9. Januar 34, bestimmt Er ihnen als Haupt­sammelplatz und Treffpunkt mit Ihm den Brunnen Jakobs bei Sichem.

Mit Tagesanbruch trennt Er Sich von den Ihn begleitenden Aposteln und Jüngern. Er reicht ihnen die Hand. Sie sind sehr betrübt, daß Er nur die drei oben genannten Jüng­linge mitnehmen will, die sechzehn bis acht­zehn Jahre alt sind und deren Eltern vom Gefolge Mensors, des einen der heiligen Drei Könige, vor 33 Jahren im Tal der Hirten zu Bethlehem zurückgeblieben und zwischen Samaria und Jericho ansässig geworden waren. Diese Jünglinge sind flink und be­hende und können sehr rasch laufen.

Andreas, Philippus und Petrus gehen in ihre Heimat zurück, während sich die Jünger an der Grenze hin zerstreuen.

Der Charakter der Auslandreise

Die nun folgende Reise Jesu in das Land der heiligen Drei Könige durch Chaldäa (Irak), ferner durch das Land Ur, wo Abra­ham geboren, und durch Arabien nach Ägyp­ten, läßt sich im Rahmen dieses kurz gehal­tenen Tagebuches schwer beschreiben, da sie den Hauptreiz mit ihren realistischen Detailbeschreibungen verliert, wenn man nicht die Mitteilungen der Katharina Emme­rich hierbei auch im Einzelnen wiedergibt und die vielen Bemerkungen heidnischer Sitten und Gebräuche durch zahlreiche be­stätigende, erläuternde Anmerkungen aus der Altertumswissenschaft hervorhebt, also in ähnlicher Weise, wie der Herausgeber des vorliegenden Buches vor kurzem die Reise der heiligen Drei Könige nach Bethlehem nach den Visionen der Anna Katharina Em­merich beschrieben hat.

Abschluß des Lehrwandels 34

1. Der Wandel in Nord-Judäa (4. Januar bis 14. Februar 34)

Karte Nr. 37
1-Fahsel Emmerick Karte 37

Die Ankunft in Palästina

Patriarchen-Stadt Beerseba

Jan. Do. 4.

Von Ägypten her nach Palästina zurück­kehrend, erreicht der Herr am heutigen Abend Beerseba, die südlichste Stadt von Judäa und wird am Brunnen vor dem Tore freundlich empfangen und als Gast in der Stadt aufgenommen.

Außer Seinen drei ständigen Reisebegleitern Eliud, Silas und Eremenzear befinden sich noch acht neue Jünger in Seiner Gesell­schaft, und zwar der Jüngling Caisar aus dem Irak und sieben junge Männer aus Heliopolis und Materea, darunter Deodatus, der Sohn der Mira, dessen Geburt die allerseligste Jungfrau vor 26 Jahren zu Matarea von Gott erfleht hatte (siehe Seite 31).

Er lehrt noch abends in der Synagoge, gibt Sich deutlich zu erkennen und spricht von Seinem nahen Ende. In der Nacht nimmt Er noch in Beerseba fünf junge Leute als Jünger auf.

Leviten-Stadt Bethain

Fr. 5.

Mit Seinen nun sechzehn Begleitern er­reicht Jesus vor Sabbat-Anfang den Leviten-Ort Bethain unweit Abrahams Familien­grab im Hain Mambre und predigt in der dortigen Synagoge.

Sa. 6.

Nachdem Er heute noch zweimal in der Synagoge gepredigt und in Privathäusern geheilt hat, reist Er zur Nacht in Richtung auf Sichern weiter.

7. – 8.

Der Herr reist jetzt nur in den Nächten und hält Sich mit den Seinen tagsüber in irgend einem Hirtenhaus verborgen, um einstweilen noch nicht durch Seine Rückkehr Aufsehen zu erregen.

Das Eintreffen am Jakobsbrunnen

Jakobsbrunnen bei Sichem

Di. 9.

Am 9. Januar rief Anna Katharina Emme­rich im ekstatischen Zustande vor Freude glühend plötzlich aus: „Ach! Da ist Er an­gekommen! Wie sie Ihm freudig entgegen­treten! Er ist am Brunnen Jakobs, sie weinen vor Freude, sie waschen Ihm und den Jüngern die Füße. Es sind etwa zwölf aus der Gegend hier da, Hirtensöhne, die am 18. Oktober früh noch bei Ihm waren, als Er Seine Auslandsreise antrat; auch Petrus, Andreas, Johannes, Jakobus Major, Philip­pus und noch ein anderer. Sie haben Ihn hier erwartet.“

Nicht weit vom Brunnen schließt ihnen ein herbeigeholter Mann eine Art Herberge auf. Beim Mahl spricht der Herr wieder von der Nähe Seines Leidens und auch vorn Undank der Juden und vom Verderben, das über sie hereinbrechen werde.

Hirten-Ort in Samaria

Mi. 10.

Früh morgens bestellt der Herr die Apostel und älteren Jünger zum kommenden Sabbat nach Sichern und wandert dann langsam mit den sechzehn Reisebegleitern nach einem, ein paar Stunden entfernten Hirten­ort, wo die Eltern des Eliud, Silas und Ere­menzear wohnen.

Do. 11.

Er verteilt die Jünglinge, die Sich Ihm auf der Auslandreise und in Beerseba ange­schlossen hatten, bei den Hirten, und diese selbst, die nur leichte Wohnungen haben, gehen ans Werk, sich von ihrer Lebensart zu trennen und an die Jünger Jesu sich anzu­schließen. Jesus lehrt hier noch bei den Hirten und unterrichtet die neuen Jünger, die Er einstweilen hier zurücklassen will.

Der Zweck der letzten Auslandsreise

Samariter-Stadt Sichem

Fr. 12.

Der Herr wandert mit Eliud, Silas und Ere­menzear gen Sichem, unterrichtet unter­wegs, langsam wandelnd, dieselben und be­fiehlt ihnen, gegen niemand zu äußern, wo sie mit Ihm gewesen und was auf dieser Auslandsreise vorgefallen sei, und gibt ihnen den Grund hierfür an. Er sagt ihnen näm­lich dem Sinne nach dasselbe, was Er schon am 7. Oktober 31 zu den Ihn damals be­gleitenden Jüngern gesagt hatte, als Er allein den Kameltreiber Ruben besuchen wollte: „Alle, die Meinen Eltern einmal Gastfreundschaft und Liebe erwiesen haben, suche Ich wieder auf und führe sie zum Heile.“

Dies war auch der eigentliche Zweck Seiner letzten Auslandsreise zu den heiligen Drei Königen und den früheren Gaststätten in Ägypten. Um aber den Aposteln und jü­dischen Jüngern, die noch in alttestamen­tarischem Judentum befangen waren, keinen Anstoß durch Seinen Verkehr mit den Hei­den zu geben, nahm Er sie nicht auf diese Reise mit, sondern nur jene drei, auslän­dischen Jünger, und wollte daher auch nicht, daß sie den Juden von diesen Reise-Erleb­nissen etwas erzählten.

Eremenzear faßt aber nach dieser Aus­einandersetzung den Herrn bittend am Ärmel Seines Gewandes, Er möge ihm doch wenigstens erlauben, etwas von dieser Reise aufzuschreiben. Jesus erlaubt ihm, es nach Seinem Tode zu tun, und befiehlt ihm, es dann bei Johannes niederzulegen. (Katha­rina Emmerich bemerkte hierzu: „Ich meine auch immer, daß irgendwo noch etwas davon existiert.“)

Vor dem Tore von Sichem erwarten Ihn acht Apostel und führen Ihn zu einem ihnen be­kannten Hausherrn in der Stadt. Als der Sabbat beginnt, wird die Lampe angezündet. Alle legen lange, weiße Kleider und Gürtel an, beten und besuchen dann den Gottes­dienst in der Synagoge. Der Herr tritt nicht besonders hervor, sondern verhält Sich wie Einer unter den anderen.

Sa. 13.

Während des heutigen Tages kommen noch weitere Apostel an. Sie wollen gern von den drei Reisebegleitern Jesu erfahren, wo Er gewesen sei und was Er getan habe. Als diese es jedoch nach Jesu Gebot nicht sagen, empfinden sie Unwillen darüber; und dies betrübt den Herrn.

Als der Wirt nach dem Abendessen die Gäste zur Schlafstelle führen will, verlangt Jesus, daß man Ihm die Synagoge öffne, weil er nun, da Er ihre Lehre bei Tag gehört habe, auch selbst lehren wolle. Außer Seinen Jüngern hören der Lehre noch ein paar Juden zu, die über Seine Worte so unwillig werden, daß sie Boten nach Jerusalem schicken mit der Nachricht, Jesus lasse sich wieder bei ihnen blicken (J. 11, 57).

Zweiter Aufenthalt in Ephron und Jericho

Auf dem Wege nach Ephron

So. 14.

Die Pharisäer zu Sichem drohen, Ihn zu verhaften und nach Jerusalem auszuliefern. Jesus entgegnet ihnen, Seine Zeit sei noch nicht gekommen; Er habe nicht für sie, son­dern für Seine Begleiter gesprochen. Hier­auf entläßt Er die Apostel und Jünger einst­weilen in ihre Heimatorte und zieht mit den drei verschwiegenen Jüngern südöstlich nach Ephron.

Unterdes sind auch die allerseligste Jung­frau und ihre Freundinnen in Bethanien von der Rückkehr Jesu nach Palästina benach­richtigt worden. Der Herr bestellt sie jetzt durch einen Boten in das ihnen bekannte Herbergshaus südwestlich von Ephron.

Gebirgs-Stadt Ephron oder Ephraim

Mo. 15.

Auf der Reise herrscht nebliges Wetter und Regen. Trotzdem besucht der Herr, öfter vom Wege abweichend, nach verschiedenen Sei­ten hin kleine Orte und Privathäuser, um zu trösten, zu heilen und zur Nachfolge auf­zufordern. Auch die fortgesandten Jünger und Apostel tun dasselbe und verkündigen überall die Nähe des Messias. Abends kommt der Herr mit den drei Jüngern in Ephron an (J. 11, 54). Zu Seiner Lehre ist die Synagoge gedrängt voll. Er läßt Sich den Lehrstuhl in die Mitte des Raumes stellen und redet zuerst vor den Männern; dann treten die Frauen vom Hintergrunde hervor, und die Männer treten zurück. Er spricht von der Nachfolge, von Seinem nahen Ende und von der Strafe über alle, die nicht glau­ben. Unter den Hörern entsteht ein Gemur­mel, denn es sind viele Böse unter ihnen.

Di. 16.

Gestern abend sind die hl. Frauen in der Herberge vor Jericho angekommen. Heute morgen läßt Jesus durch die drei Jünger Seine Ankunft am Nachmittag melden. Man geht Ihm auf dem Wege gegen Ephron bis zu einem Brunnen entgegen. Die Frauen werfen sich vor Ihm nieder und küssen Seine Hand. Als sich die allerseligste Jung­frau erhebt, küßt der Herr ebenfalls ihre Hand. Maria Magdalena hält sich beschei­den hinter Maria zurück.

Im Herbergshause essen die Frauen geson­dert, betreten aber dann den Speisesaal und hören im Hintergrunde der Lehre des Herrn zu.

Herodes-Stadt Jericho

Gegen Abend geht Jesus mit den anderen Männern noch nach Jericho, wo die Apostel und anderen Jünger und viele Kranke auf Ihn warten. Die Frauen folgen nach.

Nachdem der Herr in einigen Privathäusern geheilt, läßt Er Sich die Synagoge auf­schließen und den Lehrstuhl wie zu Ephron in die Mitte setzen. Die hl. Frauen sitzen mit eigener Lampe in einem abgesonderten Raum der Synagoge und hören Seiner Lehre zu. Heute abend schließt der Monat Thebet und beginnt der neue Monat Sebath.

Mi. 17.

Die Frauen sind abgereist. Jesus lehrt und heilt am Morgen. Das Gedränge und auch das Murren der Pharisäer wird immer stär­ker, und die letzteren senden Boten nach Jerusalem.

Dritte Taufstelle bei Ono

Der Herr begibt Sich zum Jordan an die Taufstelle, wo in Hütten und Zelten viele Kranke auf Ihn warten, denn man ließ Ihn hierher bitten und weiß um Seine Zusage. Nur Johannes, Andreas und Jakobus Major sind bei Ihm. Es findet kein Taufen statt, sondern nur ein Abwaschen, ein Heilen. Selbst die Taufe des Johannes hatte mehr von einem Sakrament, als das heutige Wa­schen. Die eigentliche Taufe beginnt erst nach den nächsten Pfingsten.

Wandel in Nord-Judäa

Jakobs-Stadt Bethel

Do. 18.

Als das Gedränge am Jordan zu stark wird, entfernt Sich der Herr mit den drei Apo­steln und besucht eine Ihm vertraute Fa­milie, in deren Hause zu Bethel Lazarus, dessen Schwestern nebst Nikodemus und Johannes Markus Ihn erwarten.

Bei der Fußwaschung am Brunnen des Hauses durch den Hausherrn naht sich Magdalena, wie schon früher, dem Heiland von hinten und gießt Ihm aus einem kleinen platten Fläschchen eine wohlriechende Essenz auf das Haupt.

Beim Abendessen speisen die Frauen wie­der gesondert und hören nachher den Tisch­gesprächen des Herrn vom Hintergrund des Speisesaales zu. Nachher heilt Er noch einige Kranke, die im Anbau des Hauses liegen.

Haus eines Verwandten des Andreas

Fr. 19.

Nachdem Er noch in Bethel selbst viele ge­heilt, besucht Er mit den drei Aposteln auf Umwegen den Halbbruderssohn des An­dreas ein paar Stunden von Bethel nördlich von Jericho.

Nach dem Mittagsmahl heilt der Herr die zwölfjährige Haustochter von ihrer Bleich- und Mondsucht. Die zwei Söhne des Hauses arbeiten zurzeit in der Fischerei des An­dreas am See Genezareth.

Städtchen ungenannten Namens

Den Sabbat feiert Jesus mit Seinen Beglei­tern in der Synagoge eines Städtchens, des­sen Namen Katharina Emmerich nicht nennt. Sie übernachten in einer Wohnung in der Stadtmauer.

Sa. 20.

Er hält in der Synagoge eine kurze Lehre und ist nachher draußen von Menschen umdrängt. Selbst Priester führen Kranke herbei. Zuletzt heilt Er auch einen Aussät­zigen und viele blutflüssige Frauen; und da dieses meist in dem Hofe vor der Synagoge geschieht, so wird das Gedränge so groß, daß die Leute die Schranken niederreißen und über die Dächer klettern.

Schloß-Festung Alexandrium

Schluß-Karte Nr. 38
1-Fahsel Emmerick Karte 38

Ähnlich wie am 28. Januar 33 löst der Herr am Abend in Alexandrium Gefangene aus. Die drei Apostel wollen Ihn erst ängstlich am Betreten der Festung verhindern, doch Er läßt Sich nicht behindern, tritt durch das Tor und spricht mit den Ihn anhaltenden Wachen, die Ihn daraufhin ehrerbietig wei­tergehen lassen.

Er versammelt im Hof die Gefangenen, redet mit ihnen und sondert mehrere aus. Dann läßt Er zwei Gerichtspersonen herbei­rufen, stellt für 25 Gefangene Kautionen und zieht mit den Ausgelösten und den drei Aposteln die ganze Nacht hindurch nord­wärts am Jordan entlang.

Städtchen ungenannten Namens

So. 21.

Auf Seiner eiligen Reise erreicht Jesus das Städtchen, wo viele der Ausgelösten ihre Familien haben und gibt jene den Ihrigen zurück, während die anderen allein gen Kedar im Ostjordanland weiterziehen.

Dann entläßt Er auch die drei Apostel, wan­dert allein in Richtung auf Tiberias weiter und trifft unterwegs mit den drei verschwie­genen Jüngern und den anderen von der Auslandsreise mitgebrachten Jüngern zu­sammen. Er übernachtet mit ihnen nur kurze Zeit unter einem Schuppen; den größ­ten Teil der Nacht wandert Er.

Letzter Abschied von Kapharnaum und Nazareth

Kapharnaum

Mo. 22.

Gegend Abend kehrt der Herr in Sein Haus zu Kapharnaum ein, wo Ihn Petrus, Andreas und Jakobus Major erwarten. Gleich darauf nimmt Er einen auf Seiner Auslandsreise zu Kedar kennengelernten Jüngling namens Selam als Jünger auf.

Als Er noch spät in der Synagoge vor vielen Hörern spricht, läuft auf der Straße alles Volk zusammen, und man hört rufen: „Der Josephssohn ist wieder da!“ Der Heiland weilt jetzt das letztemal in Kapharnaum.

Nazareth

Di. 23.

Vor Tag verläßt Er Kapharnaum und be­sucht mit den neuen Jüngern und mehreren Aposteln noch einmal das Haus Seiner Jugend zu Nazareth und geht dann zur Synagoge der Stadt.

Sein plötzliches Erscheinen macht viel Auf­sehen und Zusammenlauf. Ein Besessener, der einen stummen Teufel hat, schreit Ihm nach: „Das ist der Josephssohn, der Auf­rührer! Greift Ihn, fangt Ihn!“ Der Herr aber wendet Sich ruhig um und heißt ihn schweigen.

In der Synagoge läßt Er Sich alles beiseite räumen und den Lehrstuhl herrichten. Er tut auf dieser letzten Reise alles ganz frei, lehrt auch ganz offen und wie jemand, der ein Recht dazu hat, worüber sich die Juden sehr ärgern. Er übernachtet mit den Seinen in einem Hotel.

Mi. 24.

Morgens heilt Er noch in mehreren Häusern am Nordtor und segnet auch Kinder, ver­läßt dann, als der Unwille in der Stadt im­mer stärker wird, Nazareth und bestellt die Apostel auf einen Berg etwa 25 km südlich von Tiberias in der Gegend, wo Er am 24. Dezember 31 den Petrus angesprochen (J. 1, 42). Er folgt den Vorausgesandten mit den Jüngern langsam nach.

Reise nach Bethanien

Apostelberg bei Scythopolis

Es ist schon Nacht, als Er oben auf dem Berge ankommt, wo Ihn die Apostel bei einem angezündeten Feuer erwarten. Er belehrt sie hier bis zum Morgen, ordnet unter ihnen ihre verschiedenen Wege und Arbei­ten für die nächste Zeit an und bestellt sie auf morgen nach Thänat-Silo.

Ackerbau-Stadt Thänat-Silo

Do. 25.

Nachdem Er noch einige Umwege gemacht und am Wege eine kranke Haustochter ge­heilt hat, wird Er an einem Brunnen von Thänat-Silo von allen Aposteln feierlich mit grünen Zweigen empfangen und zur Her­berge geleitet, wo Ihn die allerseligste Jung­frau, nebst Martha, Magdalena und die anderen heiligen Frauen begrüßen und mit einem bereiteten Mahl bewirten, an wel­chem etwa fünfzig Gäste teilnehmen.

Gleich nach dem Essen besuchen alle die Synagoge der Stadt, hören Jesu Lehre mit an und übernachten in der Herberge, in der unterdes soviele Kranke für den Heiland untergebracht sind, daß sie mehr einem Hospital als einer Herberge gleicht.

Jünger-Herberge auf dem Weg nach Bethanien

Fr. 26.

Nachdem Jesus noch in der Herberge und in der Stadt selbst viele geheilt und die Apostel teils nach Kapharnaum, teils nach dem Ver­sammlungshause der vorgestrigen Nacht ent­lassen hat, wandert Er mit mehreren Jün­gern in Richtung auf Bethanien bis zu einer Herberge, wo Ihn alle von der Auslandsreise mitgebrachten Jünger erwarten.

Sie erhalten eine Lampe vom Wirt, hängen sie mitten in dem Saal auf, überdecken einen Tisch mit Rot und Weiß, legen ihre weißen Sabbatkleider an und treten um den Herrn in die Betordnung her. Er betet aus einer Rolle vor.

Sa. 27.

Die Sabbatlampe brennt den ganzen Tag in der Herberge, und der Herr unterrichtet unter abwechselnden Gebeten die Jünger fortwährend in ihren Pflichten.

Unter ihnen befindet sich auch jener Sil­vanus, der als Knabe mit dem zwölfjährigen Jesus am Fest im Hause der hl. Anna teil­nahm ( S. 35), und den der Herr gestern in Thänat-Silo als Jünger aufgenommen hat.

Herberge der heiligen Frauen von Bethanien

So. 28.

Unterwegs bitten Ihn die Jünger, Er möge sie beten lehren, wie Er die anderen beten gelehrt, und Er legt ihnen die einzelnen Bit­ten des Vaterunsers aus.

Auch heilt Er auf dem Wege mehrere Aus­sätzige, die an die Straße gebracht werden. Zur Nacht kehren sie eine Stunde vor Betha­nien in einem Herbergshause ein, welches den heiligen Frauen gehört, wie sie mehrere solcher Herbergen besitzen. Hier weilte Jesus schon einmal vom 3. bis 5. Oktober letzten Jahres. Heute speist und lehrt Er hier im intimen Kreise Seiner heiligsten Mutter, einiger heiliger Frauen, fünf Apo­stel, vieler Jünger und einiger vertrauter Laien und Priester.

Wirken in und um Bethanien

Um und in Bethanien

Mo. 29.

Die Apostel und sechzehn Jünger verteilen sich in der Umgegend in zwei Gruppen, von Thaddäus und Jakobus Major geführt, und heilen durch Handauflegung, Anhauchen und Ausstreckung über den Kranken.

Der Herr zieht ebenfalls mit den drei ver­schwiegenen Jüngern in der Umgebung um­her, heilt und befreit Besessene. Viele Ge­heilte und deren Angehörige ziehen Ihm teils nach und teils nach Bethanien voraus.

In Bethanien kommen Ihm Priester ent­gegen, führen Ihn zur Synagoge und legen Ihm ein Buch aus dem Pentateuch vor, wor­über Er lehren soll. Viele Männer und auch Frauen hören Seiner Lehre zu.

Nachher besucht Er das Festhaus des von Ihm geheilten Aussätzigen Simon von Betha­nien, wo die heiligen Frauen ein Mahl be­reitet haben. Während Jesus mit den drei verschwiegenen Jüngern im Synagogenhotel übernachtet, gehen die Apostel und anderen Jünger zur Nachtruhe in das der Gemeinde Jesu gehörige Haus, und die heiligen Frauen zum Schlosse Lazari in die Wohngebäude der Martha und Magdalena.

30. – 31.

Die beiden letzten Tage des Januar verbringt der Herr ebenfalls mit Lehren in der Syna­goge und mit Heilen in Bethanien und weilt auch wieder als Gast im Festhause Simons.

Ort bei Bethanien, vermutlich Ensemes

Febr. Do. 1.

Heute sendet Jesus die Jünger zum Lehren und Heilen paarweise in die Gegend aus und bestellt sie teils nach Bethanien, teils nach Bethphage an der Südostecke Jerusalems zurück.

Er Selbst heilt mit den drei verschwiegenen Jüngern in einem Orte ein paar Stunden südlich von Bethanien.

Bethanien

2. – 3.

Nach Bethanien zurückgekehrt, predigt Er zum Sabbat mehrmals in der Synagoge, speist einmal im Festhaus Simons und über­nachtet jedesmal in der Jüngerherberge vor der Stadt.

So. 4.

Am heutigen Tage kommen drei heimliche Jünger von Jerusalem zu Ihm, ein Sohn des verstorbenen Priesters Simeon am Tem­pel, ein Verwandter der Veronika und ein Verwandter der Johanna Chusa, und berichten, daß die Hohenpriester und Phari­säer zwecks Verhaftung Jesu Lauerer in den Orten rings um Jerusalem aufstellen lassen.

Hierauf verläßt der Herr Bethanien mit den beiden neuesten Jüngern, den Selam von Kedar und den Silvanus aus der Gegend von Sichem, und wandert die ganze Nacht hin­durch in nördlicher Richtung.

Letzter Besuch der Ephron-Gegend

Lazari Gut bei Alexandrium

Mo. 5.

Früh im Dunkeln wird Er auf Lazari Guts­hof südlich von der Bergfestung Alexandium von Lazarus, Nikodemus, Joseph von Ari­mathäa, Johannes Markus und Jair, den mittleren Sohn des verstorbenen Priesters Simeon, begrüßt.

Während der folgenden Tage waren die Mit­teilungen der Katharina Emmerich fast ganz unterbrochen, da ihr alter geistlicher Freund, der emigrierte Abbé Lambert aus Amiens am 9. Februar starb, und sie für seinen seligen Tod kurz zuvor noch starke Leiden der mystischen Stellvertretung über­nahm.

Übergangs-Stadt Bethabara

6. – 10.

Der Herr setzt mit Selam und Silvanus über den Jordan und wandert in Peräa südwärts bis nach Bethabara, ermahnt dort früher von Ihm geheilte und bekehrte Leute und feiert den Sabbat ebendaselbst.

Gebirgs-Stadt Ephron oder Ephraim

So. 11.

Von Bethabara wandert Jesu nach Ephron im Gebirge und heilt in Ephron zwei Blinde. Sieben andere Jünger nebst den Aposteln Thomas, Jakobus Minor, Thaddäus und Judas kommen hier zu Ihm. Den letzteren hat die allerseligste Jungfrau vor seinem Weggang von Bethanien dringend gewarnt, er solle sich doch mäßigen, auf sich acht­geben und sich nicht in alles so sehr ein­mischen.

Kranken-Ort eine Stunde nördlich von Jericho

Mo. 12.

Von Ephron aus besucht Jesus eine Art Zufluchtshaus für Kranke und Arme nörd­lich von Jericho und heilt dort einen alten blinden Mann durch Sein bloßes Wort. Von hier aus kehrt Er nach Lazari Gut bei Alexandrium zurück.

 

2. Die letzten Lehren im Tempel (15. Februar bis 29. März 34)

Beginn der letzten Lehren im Tempel

Letzter abwechselnder Aufenthalt in Bethanien und Jerusalem

Do. 15.

Der Herr begibt Sich mit Lazarus von des­sen Landgut nach Bethanien, wo Ihm die heiligen Frauen entgegenkommen. Als Er abends zum Tempel geht, bereitet Er Seine Ihn ein Stück Weges begleitende Mutter auf Sein bevorstehendes Leiden vor. Heute abend endet der Monat Sebath und beginnt der neue Monat Adar. Er übernachtet im Hause der Maria Markus nordöstlich von Jerusalem.

Fr. 16.

Als die Juden nach der Sabbatfeier den Tempel verlassen haben, lehrt Jesus in ihm an der Stelle, wo Er als Zwölfjähriger ge­lehrt hat, also auf dem großen Lehrstuhl im Portikus Salomonis. Er spricht sehr ernst zu dem großen Hörerkreis. Sein Leiden hat eigentlich schon begonnen, denn Er ist in­nerlich ganz von Betrübnis über die Ver­kehrtheit der Menschen zerrissen. Er über­nachtet in der Essener-Herberge vor dem Bethlehem-Tor an der Westseite Jerusalems, wo einst Maria weilte, als sie Ihn als Kind im Tempel darstellte (S. 26), und wo Er zu­letzt am 13. Januar 33 eingekehrt war.

Sa. 17.

Zur Lehre im Tempel begleiten Ihn Petrus, Johannes und Jakobus Major, die anderen kommen einzeln hinzu. Er herbergt wieder vor dem Bethlehem-Tor, während die Apo­stel und Jünger bei Lazarus in Bethanien übernachten, wo auch Maria weilt.

18. – 22.

Der Herr lehrt in diesen Tagen im Tempel fast immer von einem verwilderten Acker, den man behutsam behandeln müsse, um einen guten Weizenstock darin nicht zu­gleich mit dem Unkraut auszureißen, auf daß er fortwachse. Auch sagt Er den an­wesenden Pharisäern in dieser Lehre so treffend die Wahrheit, daß sie bei allem Zorne doch eine heimliche Freude daran haben.

Fr. 23.

Den ganzen Tag über spricht Er mit Seiner Mutter unter einer Laube im Hof der Ge­meindeherberge zu Bethanien über Sein bevorstehendes Leiden.

Nach Sabbat-Anfang lehrt Er im Tempel, als die Pharisäer bereits den Gottesdienst verlassen haben. Sie sind sehr erbittert und schließen den Tempel, so daß keine wei­teren Leute mehr hineingehen können. Doch der Heiland lehrt bis tief in die Nacht hin­ein. Er bewegt Sich nicht stark und redet sehr einfach, wendet Sich aber bald nach dieser, bald nach jener Seite, indem Er nach drei Seiten des Tempels als Sinnbilder der drei Weltgegenden hinweist, für deren menschliche Bewohner Er gekommen sei.

Im Zusammenhang damit hatte Er schon vor dem Tempel gesagt, wenn Er von ihnen ge­schieden sein werde, sollten sie Ihn am Mittag suchen. Da fragt Petrus, was das bedeute, und Jesus antwortet, am Mittag stelle die Sonne über uns und gebe kaum Schatten, morgens und abends werfe sie lange Schatten und um Mitternacht seien wir am weitesten von ihrer Lichtspendung entfernt. Sie sollten Ihn also am Mittag suchen und würden Ihn dann in ihrer Seele finden, wenn kein Schatten vorhanden sei. Diesem Orte im Innern der Seele aber setzt Er jetzt in Seiner Lehre im Tempel auch noch eine bestimmte Weltgegend zur Seite (vielleicht Rom oder die Mittelmeerländer).

Sa. 24.

Des morgens lehrt Er wieder im Tempel und speist gegen drei Uhr nachmittags mit den Aposteln und zwanzig Jüngern im Hause der Maria Markus vor der Nordostecke Jeru­salems. Veronika ist auch im Hause heimlich zugegen. Der Herr übernachtet in der Esse­nerherberge vor dem Bethlehem-Tor.

Der verschlossene Lehrstuhl

So. 25.

Die Juden werden schon trotziger und ver­schließen das Gitter um den Lehrstuhl und diesen selbst. Jesus ergreift bei Seiner An­kunft das Gitter, und es öffnet sich, und der verschlossene Lehrstuhl tut sich vor Seiner Hand auf.

Da viele Schüler des Täufers zugegen sind, beginnt der Herr von Johannes zu reden und fragt jene, was sie von diesem und was sie von Ihm halten. Er will, daß sie sich öffentlich kundgeben; aber sie fürchten sich, öffentliches Zeugnis abzulegen. Auch redet Er lange im Gleichnis von einem Manne und zwei Söhnen, die einen Acker umbrechen und ausjäten sollen. Der eine Sohn sagt ja und tut es nicht, der andere sagt nein, doch es reut ihn, und er tut es dann.

Heute abend geht Er zur Nacht nach Betha­nien auf Lazari Familienschloß und besucht hier die heiligen Frauen und belehrt sie.

Di. 27.

Die Jünger gehen Ihm heute nach Jerusalem voraus und öffnen den Tempel. Er lehrt in ihm wie gestern in Parabeln, speist wieder bei Johannes Markus und übernachtet in Bethanien.

Mi. 28.

Als Er heute morgen auf Seinem Wege zum Tempel einen Blinden am Wege nicht heilt, sind die Jünger hierüber unwillig. Er aber erklärt ihnen in Seiner Lehre im Tempel, warum Er jenen Blinden nicht geheilt, da jener in seiner Seele noch blinder als an seinen Augen sei. Hierauf wendet Er Sich an die Hörer und sagt, es seien viele an­wesend, die nicht an Ihn glauben, sondern nur der Wunder wegen Ihm nachlaufen; doch sie würden Ihn in der entscheidenden Stunde verlassen. Sie seien wie jene, die Ihm solange folgten, als Er sie (am 3. Febr. 33) mit irdischer Speise gespeist, aber sich nach­her zerstreut, hätten. Diese sollen sich jetzt ausscheiden. Und tatsächlich gehen bei die­ser Rede viele Hörer fort, und nur wenig über hundert bleiben um den Herrn ver­sammelt.

März, Do. 1.

Der Herr geht erst gegen Abend zum Tem­pel. Sechs Apostel und Jünger gehen hinter Ihm. Er setzt Selbst alle Stühle in den Hal­len aus dem Weg und in Ordnung. Die Jün­ger wundern sich darüber, daß Er Selbst Hand anlegt. Er lehrt darüber wie von einem Sinnbild und erwähnt, daß Er sie nun bald verlassen werde.

Fr. 2.

Nach dem Sabbat-Gottesdienst im Tempel speist Er bei Johannes Markus in Anwesen­heit Lazari und der heiligen Frauen. Zur Nacht kehrt Er nach Bethanien zurück.

Die große Lehre im Tempel

Sa. 3.

Vom frühen Morgen an lehrt Er mit kurzer Mittagspause bis zum Nachmittag im Tem­pel. Zuerst spricht Er in einem abgesonder­ten Raum der Tempelhalle nur vor den Aposteln und Jüngern, und zwar viel über zukünftige Geschehnisse. Hierauf lehrt Er auch vor anderen Juden und lauernden Pharisäern, spricht viel von verfälschten Tugenden und von einer Liebe, worin Selbst­liebe und Habsucht, von einer Demut, wor­in Eitelkeit sei, und erklärt, wie fein sich das Böse in alles einschleiche.

Auch erwähnt Er, wie viele glauben, Er habe ein weltliches Reich zu gründen und ein Amt zu vergeben, in der verkehrten Hoffnung, bei Ihm ohne Leiden etwas zu werden; ja wie selbst die sonst fromme Mut­ter der Apostel Jakobi und Johannis eine Auszeichnung ihrer Söhne von Ihm verlangt habe (Mt. 20, 20-28).

Dann spricht Er, daß man sich keine toten Schätze sammeln solle (Mt. 6, 19-21), und redet vom Geiz (L. 12, 15), womit Er auf Judas abzielt. Er redet von der Abtötung, vom Fasten und Beten und von der Heuche­lei darin (Mt. 6, 5 u. 6, 16) und erwähnt hierbei den Zorn der Pharisäer ( am 9. April 33) über das Ährenabrupfen der Jünger (am 5. April 33) (Mt. 12, 1-8).

Er wiederholt noch viele Lehren und erklärt vieles aus Seinem ganzen Wandel. Hierbei lobt Er das Verhalten der Jünger während Seiner Abwesenheit und die Folgsamkeit und Verschwiegenheit derer, die Ihn auf Seiner längeren Reise begleitet haben, und spricht sehr rührend von dem Frieden, in welchem Er gereist sei. Dann kommt Er auf Sein baldiges Ende zu sprechen und wie Er vorher noch feierlich in Jerusalem einziehen werde.

Auch erwähnt Er das kommende Leiden Seiner Mutter dem Fleische nach. Doch als Er von Seinem eigenen Leiden und von der genugtuenden Kraft derselben spricht, toben, lachen und höhnen die Hörer. Sie flüstern sich Entrüstungen mit grimmigen Blicken zu, und einige gehen hinaus und reden mit allerlei Gesindel, das, wie bestellt, draußen lauert. Es scheint wie ein vorberei­teter Plan zu sein, um Jesum zu überfallen. Doch der Herr beruhigt die Seinen, Seine Zeit sei noch nicht gekommen; und auch dieses gehöre zu Seinem Leiden.

Zum Schluß berührt Er in Seiner Lehre das Abendmahls- und Versammlungshaus, wor­in sie nachher den Hl. Geist empfangen würden, ohne es jedoch mit Namen zu nen­nen, und spricht von einer Versammlung und dem Genusse einer Stärkung und Erquickung, und wie Er ewig in derselben bei ihnen sein wolle.

Zu den Aposteln allein redet Er von vielem, was nach Seinem Hingange zum Vater vor­gehen werde. Er sagt zu Petrus, er werde zwar viel zu leiden haben, er solle sich aber nicht fürchten und getreu ausharrend der Gemeinde vorstehen, die sich wunderbar vermehren werde, und fügt noch vieles an­dere, ohne aber einzelne Namen zu nennen, hinzu, was Lukas in Seiner Apostelgeschichte aufgeschrieben hat.

Verborgenheit bei Lazarus

So. 4.

Heute und die nächsten beiden Tage hält Sich der Herr im Schloß zu Bethanien ver­borgen, da man gestern, als Er den Tempel verließ, am Ausgange desselben und auf dem Wege auf Ihn lauerte, um Ihn zu stei­nigen.

Er läßt die Apostel zu Sich kommen, beant­wortet ihre Fragen betreffs Seiner gestrigen Lehre und befiehlt ihnen, das, was Er von der Zukunft gesagt, aufzuschreiben. Dies besorgt Nathanael, der frühere Bräutigam von Kana.

5. – 6.

Während Er die Seinen noch weiter unter­richtet, treffen im Schlosse drei Chaldäer ein, ungemein große, schlanke und fein­gestaltete Männer, die den Herrn zwar nicht persönlich kennen, aber von Seiner Lehre in Chaldäa gehört haben und sich selbst überzeugen wollen. Er spricht nur kurz mit ihnen und weist sie an Cornelius, den Haupt­mann zu Kapharnaum, den sie auch in der Folge aufsuchen, und der sie unterrichtet. Sie wollen in ihrer Heimatstadt Sikdor noch viele Leute und Schätze sammeln und dann zum Könige Mensor nach dem Irak ziehen (siehe die geographische Karte zu Seite 24).

Mi. 7.

Jesus begibt Sich frühmorgens mit etwa dreißig Jüngern im geschlossenen Zuge zum Tempel und betritt den runden Lehrplatz im Tempelgebäude. Die Pharisäer weichen in die Hallen zurück und lauern durch die Bogen zur Mitte herein. Er lehrt stark wider sie, sagt den Jüngern Seine Leiden voraus und kehrt dann nach Bethanien zurück.

Do. 8.

Heute lehrt Er wieder im Tempel, als die Juden ihren Gottesdienst beendet haben ­es ist heute ein Festtag (zum Andenken des Regens, 20. Adar?) —, und Er bleibt zur Nacht in Jerusalem.

Die vorletzte Tempelreinigung

Fr. 9.

Als der Herr am Morgen mit allen Jüngern bei den Lebensmittelverkäufern, die vorn am Eingang in den Mauern des Tempels wohnen, vorbeikommt, geht Er in ihre Kam­mern, befiehlt ihnen, augenblicklich mit all ihren Waren herauszugehen und räumt, da sie zögern, Selbst ihre Sachen zusammen. Diese Art Tempelreinigung ist jedoch nicht jene, die die Synoptiker berichten und die erst nächsten Freitag geschieht.

Als Er in den Tempel kommt, sind andere auf dem Lehrstuhl, aber sie weichen vor Ihm, fast als treibe Er sie Selbst weg. Er lehrt inhaltlich dasselbe, was von Matthäus in der sogenannten Bergpredigt aufgezählt wird.

Nachmittags weilt Er im Hause des Johannes Markus, geht zum Sabbat in den Tempel und lehrt nach dem Gottesdienst bis in die Nacht, hauptsächlich von dem besseren Glauben der Heiden, den Er auf Seiner Reise erfahren habe. Er übernachtet wie­der wie gestern in Jerusalem.

Der Jünger-Unterricht im Tempel

Sa. 10.

Heute schließt Jesus Sich im Tempel durch Absperrung von drei Bogen mit den Apo­steln und Jüngern in der Lehrhalle ab, nimmt Sich im Unterricht die Apostel paar­weise vor und redet vom wahren Fasten (Mt. 6, 16-18), auch von Seinem Fasten in der Wüste und vom falschen Esther-Fasten der Pharisäer. Zum Schluß spricht Er über den Beruf der Jünger.

Mit Judas Ischariot spricht Er wenig. Dieser ist ergrimmt, hat den Verrat bereits im Her­zen und hat schon mit den Pharisäern ge­sprochen.

So. 11.

Der Herr lehrt wieder im Tempel, und zwar von Seinem bevorstehenden Leiden (ML 20, 17-19). Die Jünger sind darüber sehr traurig.

Mo. 12.

Wieder spricht Er, und zwar vier Stunden lang, im Tempel vor vielen Juden, die Ihn hören wollen. Der Tempel ist ganz voll, auch viele Frauen hören von einem abgesonder­ten und vergitterten Platze zu.

Er wiederholt viel von früheren Lehren und Taten, die Er erklärt, wie z. B. der Heilung des Mannes am Teich Bethseda und der Erweckung des Jünglings von Naim und der Tochter des Jairus. Zum Schluß kündet Er Seinen feierlichen Einzug in Jerusalem an, sagt aber nichts von einem Esel, so daß man glaubt, Er werde mit großer Pracht und Herrlichkeit, mit Pferden und Kamelen ein­ziehen; und es entsteht ein großes Ge­flüster in der Halle.

Di. 13.

Nach Seiner letzten Rede herrscht unter den Schriftgelehrten und Pharisäern große Un­ruhe. Im Hause des Kaiphas halten sie eine Versammlung ab (J. 12, 9-11), und es wird verboten, Jesum und die Jünger irgendwo aufzunehmen. Auch lassen sie am Tore auf Ihn lauern, aber Er hält Sich im Schlosse Lazari zu Bethanien verborgen.

Mi. 14.

Der Herr teilt dem Lazarus und den Apo­steln im großen unterirdischen Gewölbesaal des Schlosses mit, daß morgen der Tag Seines Einzuges in Jerusalem sei. Er redet lange mit ihnen, und sie werden sehr traurig.

Dann begibt Er sich mit Lazarus in den drei­eckigen Nebenraum zu Seiner Mutter und den heiligen Frauen und erzählt ihnen eine Parabel von einem König, der auf Veran­lassung einer prächtigen Frau, die zu ihm gekommen, einem frommen Manne den Garten abkaufen will, der an die könig­lichen Gärten angrenzt. Doch dieser will sei­nen Garten nicht hergeben und bebaut ihn redlich weiter, trotz aller Verfolgungen und Steinigungsversuche, so daß er ganz krank wird. Aber endlich geht der König mit all seiner Herrlichkeit zu Grunde, während der Garten des frommen Mannes sich vermehrt und wie ein Baum des Segens sich weit aus­breitet und in die Welt verteilt. Dieses Gleichnis legt dann der Herr aus auf das Paradies, den Sündenfall, die Reiche der Welt, die Erlösung, und wie der Sieg über den Tod durch die Auferstehung in einem Garten werde vollendet werden.

Abends hält Jesus nach dem Essen noch eine Lehre vor den bisher zerstreut gewe­senen Jüngern, die sich in der Dunkelheit wieder gesammeltund in den Nebenge­bäuden des Schlosses gewartet hatten.

Der feierliche Einzug in Jerusalem

Do. 15.

Frühmorgens schickt der Herr den Eremen­zear und Silas über Bethphage nach Jeru­salem, um den Weg zu räumen, die ge­sperrten Pfade zu öffnen und die Eselin, die sie bei einem Herbergshause vor Beth­phage auf der Weide finden, anzuzäunen. Dann schickt Er die älteren Jünger nach Jerusalem, um Maria Markus, Veronika, Nikodemus, die Söhne Simeons und die an­deren Freunde vom bevorstehenden Einzuge zu benachrichtigen. Er Selbst begibt Sich mit den Aposteln und jüngeren Jüngern zu einer Art Lustpark und sendet von hier zwei Jünger nach dem Hause bei Bethphage, um die Eselin vom Zaun loszubinden und zu sagen, der Herr bedürfe ihrer (Mt. 21, 1-6).

Unterdes hält Er unter Zulauf vieler Men­schen an die Jünger eine Ansprache über die Vorsicht und den Gebrauch des Ver­standes, denn sie hatten Ihn gefragt, warum Er diesen Seitenweg genommen. Hierauf ordnet Er den Zug, sagt den Aposteln, daß sie von nun an und nach Seinem Tode über­all der Gemeinde vortreten müßten, und läßt sie paarweise vor Sich herschreiten. Als die beiden Jünger den Zug sich Bethphage nähern sehen, ziehen sie ihm mit der Eselin entgegen und legen über das Tier die Män­tel und Decken, die sie von Lazarus mitge­bracht hatten (Mt. 21, 7).

Der Herr zieht ein feierliches Gewand an, ein Kleid von weißer Wolle mit einer Art Schleppe nebst breitem Gürtel und breiter Stola. Der eine Jünger hebt Jesum auf der einen Seite auf die Eselin, der andere hilft auf der anderen Seite.

Die Apostel und Jünger tragen Palmzweige, die sie im Lustpark abgeschnitten. Auf der einen Seite des Herrn geht Eliud, auf der anderen Silas und hinter Ihm Eremenzear, dann folgen alle die neuesten Jünger, die Er von der Auslandsreise mitgebracht und die Er in letzter Zeit angenommen hatte. Hieran schließen sich die heiligen Frauen an; und die allerseligste Jungfrau, die sich sonst immer wie die letzte verhält, geht heute an ihrer Spitze. Sie beginnen zu singen und weiter zu ziehen, und die Leute von Beth­phage folgen wie ein Schwarm hinterher. Jesus hat den Jüngern nochmals gesagt, sie sollten auf jene achten, welche die Kleider vor Ihm ausbreiten, welche Zweige abbre­chen und welche beides tun würden; die letzteren seien jene, die Ihn mit der eigenen Aufopferung und auch mit Reichtümern der Welt ehren würden.

In Jerusalem haben unterdes die Krämer und Leute, denen am Morgen Eremenzear und Silas gesagt hatten, den Tempel zu räu­men, denn der Herr werde einziehen, das Pflaster aufgerissen und Bäume gepflanzt, die oben zu Bogen zusammengebunden und mit allerlei gelben Früchten behängt wur­den. Außerdem drängen sich viele Leute, Freunde, Neugierige und viele Reisende zu jenem Teil der Stadt hin, wo der Zug Jesu erwartet wird. Aus der Stadt strömt das Volk dem singenden Zuge entgegen. Mehrere alte Priester aber halten die Apostel an, die betroffen schweigen. Hierauf stellen sie den Herrn zur Rede, was Er für eine Ordnung mit Seinen Leuten halte und warum Er ihnen diesen Lärm nicht untersage. Er ant­wortet, wenn diese schweigen würden, so sollten die Steine auf dem Wege zu schreien beginnen (L. 19, 39-40). Da ziehen sie sich zurück. Die Hohenpriester aber halten einen Rat, lassen Männer und Verwandten der ihnen bekannten und dem Zuge ent­gegengezogenen Frauen und Kinder zu sich kommen, halten sie in dem großen Hofe versperrt und schicken Leute aus, die lauern müssen.

Bald ist der Weg mit Zweigen, Kleidern und Teppichen so dicht überstreut (Mt. 21, 8 bis 9), daß der Zug ganz weich durch die vielen grünen Zierbogen hinangeht, mit denen er zwischen den Mauern überbaut ist.

Jesus weint, auch die Apostel weinen, als Er sagt, daß viele, die jetzt so jubeln, Ihn bald verspotten werden, und einer Ihn so­gar verraten würde. Er sieht auch die Stadt an und weint, daß sie bald werde zerstört werden (L. 19, 41-44). Da Er an das Tor kommt, wird der Jubel immer größer (Mt. 21, 10-11, 14-16), und sie bringen dem Herrn viele Kranke aller Art, geführt und getragen. Er hält oft an, steigt ab und heilt sie alle ohne Auswahl. Es sind auch viele Seiner Feinde da, die mitschreien und lärmen. Der Zug vom Tore bis zum Tempel, etwa eine halbe Stunde lang, dauert an drei Stunden. Näher am Tempel wird die Verzierung des Weges noch schöner. Zu bei­den Seiten sind Einzäunungen angebracht, hinter denen Bäumchen stehen.

Unterdes haben die Juden alle Häuser und auch das Stadttor schließen lassen; und als Jesus vor dem Tempel abgestiegen ist, und die Jünger die Eselin zurückführen wollen, müssen sie innerhalb des Tores bis zum Abend warten. Die heiligen Frauen sind auch im Tempel und sehr vieles Volk. Alle diese Leute müssen den ganzen Tag ohne Erquickung verbringen, denn man hat die­sen ganzen Teil der Stadt abgesperrt.

Hier wird die Mitteilende unterbrochen, und später sagte sie, es sei noch etwas im Tempel vorgegangen, was sie vergessen habe. (Dem Herausgeber dieses Buches, der am Sonntag, den 13. April 1931, äußerer Zeuge der diesbezüglichen Vision der Therese Neu­mann zu Konnersreuth gewesen, teilte diese im Übergangszustand unmittelbar nach dem Visionszustande mit, der Heiland habe nach Seinem Einzuge im Tempel sehr mutig vor den Pharisäern und Priestern gelehrt und dann vor allen anderen Anwesenden eine längere Predigt gehalten.)

Abends ist das Tor wieder offen, und die Frauen gehen nach Bethanien voraus; Jesus und die Apostel folgen später nach. Magda­lena, betrübt, daß der Herr und die Seinen keine Erquickung in Jerusalem erhalten, bereitet Speise für sie vor und gießt Jesu während des Essens duftende Salbe über das Haupt, nachdem sie Ihm schon vorher die Füße im Hof gewaschen und mit einem Tuch getrocknet hatte, das über ihre Schul­ter herabhing.

Nach dem Mahl begibt Sich der Herr zum Festhaus Simons, wo sich mehrere Jünger befinden, und lehrt noch eine kleine Zeit. Dann besucht Er die Jüngerherberge, spricht auch dort, kehrt zu Simon zurück und schläft dort wenige Stunden mit den Apo­steln (Mt. 21, 17).

Die letzte Tempelreinigung und Theophanie

Fr. 16.

Auf Seinem Wege nach Jerusalem verflucht Er einen fruchtlosen Feigenbaum am Wege, daß er verdorre und niemals mehr Frucht bringe. Denn es hungerte Ihn, aber, wie ge­sagt, im Grunde nach der Bekehrung der Juden und nach Seiner Vollendung des Lei­dens. Der Feigenbaum aber sinnbildete das Alte, wie der Weinstock das Neue Gesetz (Mt. 21, 18-19).

Vor dem Tempel und in den ersten Hallen vertreibt Er alle Händler mit ihren Rücken­kästen und Unterständern; und als sie zögern, dreht Er einen Gürtel zusammen und treibt sie auseinander und hinaus (Mt. 21, 12-13), und dies ist Seine dritte Tempelreinigung (vgl. oben S. 156-158).

Die Hohenpriester und Schriftgelehrten hören davon und überlegen, wie sie Ihn umbringen können, fürchten aber das Volk, auf welches Seine Lehre gewaltigen Ein­druck macht (Mk. 11, 18).

Während Seiner Lehre im Tempel meldet Ihm Philippus durch Andreas, vornehme Reisende aus Griechenland möchten Ihn gern sprechen. Er bestellt sie auf den Weg zwischen dem Stadttor und dem Hause des Johannes Markus (J. 12, 20-22) und lehrt weiter. Er ist sehr betrübt, und als Er mit gefalteten Händen emporblickt, kommt ein Strahl wie aus einer lichten Wolke über Ihn, und eine Stimme erschallt: „Ich habe Ihn schon verherrlicht und will Ihn noch weiter verherrlichen!“ Die Hörer sagen: „Es hat gedonnert“, andere meinen, ein Engel habe mit Ihm geredet. Er aber redet weiter (J. 12, 23-36) und beklagt Sich über den Unglauben der Juden und spricht über das diesbezügliche Gericht (J. 12, 37-50).

Nach Beendigung der Lehre zieht Er Sich unter Seine Jünger zurück und verschwin­det in der Menge (J. 12, 36). Zur Lehre pflegen die Jünger Ihm einen festlichen weißen Mantel umzulegen, den sie bei sich tragen, und wenn Er vom Lehrstuhl herab­steigt, nehmen sie Ihm den Mantel ab. So kann Er dann, wie die anderen gekleidet, Sich leichter vor dem Volke verbergen. Unterwegs redet Er einige Minuten mit den Griechen, guten Leuten, die sich in der Folge bekehren, zu Pfingsten sich den Jün­gern anschließen und getauft werden.

Zum Sabbat kehrt der Herr nach Bethanien zurück (Mk. 11, 19). Wenn Er im Tempel lehrt, müssen jetzt die Juden immer ihre Häuser verschließen, und es ist ihnen ver­boten, Ihm oder den Jüngern irgendeine Erquickung zu verabreichen. Er speist da­her im Festhause Simons, und Magdalena gießt Ihm wieder duftende Essenz über das Haupt, salbt Ihm die Füße und trocknet sie mit ihren Haaren ab, worauf Er ihre Liebe wider den Unwillen der Jünger entschuldigt (Mt. 26, 6-12).

Judas, der auch den Matthäus, Thomas und Johannes Markus zu diesem Unwillen ge­reizt hat, läuft heute zum ersten Male noch in der Nacht zum Hause des Kaiphas, redet unten einige Minuten und eilt schnell zum Hause des Johannes Markus, als komme er wie ein anderer Jünger. Es ist dies sein erster bestimmter Verrätergang. Am selben Abend endet der Monat Adar und es beginnt der Monat Nisan, an dessen vierzehntem Tage der Herr das Opfer der Erlösung am Kreuze vollbringt.

Letzte Auseinandersetzungen mit den Gegnern

Sa. 17.

Als sich die Jünger auf dem Morgenwege zum Tempel über den verdorrten Feigen­baum wundern, und Petrus den Herrn auf den Baum aufmerksam macht, weist Er auf die Macht des Glaubens und des Gebetes hin (Mk. 11, 20-25).

In Jerusalem sind sehr viele Fremde. Sie haben Lehre und Gottesdienst am Morgen und Abend im Tempel. In der Zwischenzeit lehrt Jesus. Wer Ihm etwas entgegnet, pflegt aufzustehen, und der Herr setzt Sich dann. Wenn Er Selbst spricht, pflegt auch Er zu stehen.

Am Vormittag antwortet Er den Priestern und Schriftgelehrten auf die Frage, mit welcher Vollmacht Er hier lehre (Mt. 21, 23-27), und erzählt dann die Parabel von den ungleichen Söhnen (Mt. 21, 28-32).

Am Nachmittag lehrt Er über das Gleichnis von den bösen Winzern (Mt. 21, 33-41) und weist auf den von den Bauleuten ver­worfenen Stein hin, der dann zum Eckstein geworden (Mt. 21, 42-44). Mit dem ge­ordneten Weingärtner meint Er Sich und mit den Mördern die Pharisäer. Diese hät­ten Ihn gerne verhaftet, wagen es aber nicht, da das Volk Ihm anhängt (Mt. 21, 45-46). Hierauf halten sie Rat, wie sie Ihn durch Seine eigenen Worte fangen könnten (Mt. 22, 15).

Als Er gegen Abend nach Bethanien zurück­kehrt, kommen einige Leute mitleidig an den Weg und bieten Ihm zu trinken an (Mt. 25, 33 b ). Er übernachtet in der Jün­gerherberge bei Bethanien.

So. 18.

Jesus lehrt am Morgen noch in Bethanien und geht erst spät zum Tempel, wo Er heute nur drei Stunden lang spricht und unter anderem die Parabel vom königlichen Hoch­zeitsmahl erzählt (Mt. 22, 1-14). Es sind Lauerer der Pharisäer zugegen, und Er geht früh nach Bethanien zurück. Hier lehrt Er zuerst in der Halle bei dem Hause, wo sich Magdalena und Martha am 7. Oktober vor der Erweckung des Lazarus aufhielten. Da aber auch hier gelauert wird, begibt Er Sich zur Jüngerherberge, wo auch die heiligen Frauen Seiner Lehre zuhören.

Mo. 19.

Als der Herr früh im Tempel weilt, schicken die Pharisäer, wie vorgestern verabredet, ihre Schüler mit Herodianern zu Ihm und lassen Ihn durch sie betreffs der Steuer­zahlung an den Kaiser fragen (Mt. 22, 16 bis 22). Nach ihrer Abfuhr predigt Er vom Reiche Gottes, das Er unter anderem mit einem Menschen vergleicht, der eine Pflanze bringt, die sich bis ins unendliche verbreitet. Zum Schluß deutet Er an, Er wolle diese Lehre vom Reiche Gottes noch später zu Ende führen.

Am Nachmittag treten sieben Sadduzäer zu Ihm und befragen Ihn über die Auferste­hung, und über Seine Antwort staunen alle Hörer (Mt. 22, 23-33). Nun treten die Pharisäer aus ihren Stühlen heraus und sprechen zusammen, worauf einer von ihnen, Manasse, der ein Amt am Tempel hat, vor­tritt und Jesum ganz bescheiden fragt, wel­ches das höchste Gebot sei. Nachdem der Herr ihm geantwortet (Mt. 22, 34-40) und Manasse Ihn offenherzig gelobt hat, fragt nun Jesus Seinerseits die Pharisäer: „Was dünkt euch vom Messias?“ und bringt sie in der Folge durch Seine weiteren Fragen zum Schweigen (Mt. 22, 41-46).

Als Er den Tempel verläßt, fragt Ihn ein Jünger: „Was heißt das: „Du bist nicht fern vom Reiche Gottes, was Du dem Manasse gesagt?“ Da antwortet ihm der Herr, Manasse werde glauben und Ihm nachfolgen; sie sollten aber davon schweigen. Tatsächlich unternimmt auch Manasse von da ab nichts mehr wider den Herrn und verhält sich still bis zur Himmelfahrt Christi, wo er sich offen den Jüngern anschließt.

Abends speist der Herr mit den Aposteln bei Lazarus und lehrt dann in der Jünger­herberge vor den Seinen, auch den Frauen, bis in die Nacht.

Die Abschiedslehren vor den Seinen

Di. 20.

Nachdem Er morgens noch in der Jünger­herberge gelehrt, spricht Er vormittags sechs Stunden lang, ohne Anwesenheit der Phari­säer, im Tempel. Die Jünger, durch Seine gestrige Rede angeregt, fragen Ihn, was das heiße „dein Reich komme zu uns“, und Jesus spricht viel darüber und auch, daß Er und der Vater eins seien (J. 10, 30) und daß Er zum Vater gehe (J. 16, 16), alles Dinge, die Er teils schon einmal in Jerusa­lem zum Tempelweihfest gesprochen, teils beim letzten Abendmahl wiederholen wird.

Jetzt aber spricht Er so rührend, daß die Apostel ganz begeistert aufspringen und ausrufen: „Herr, wir wollen Dein Reich ver­breiten bis ans Ende der Welt!“ Jesus aber antwortet, wer so spreche, der tue nichts. Da werden sie traurig, und Jesus erklärt ihnen, wie hinter aller Begeisterung des Affektes die ausdauernde Energie eines männlichen Willens vorhanden sein müsse, der, von der heiligen Liebe erfüllt, die Heils­verkündung verrichte, ohne sich der guten Absicht und erreichter Erfolge zu brüsten.

Am Nachmittag hält der Herr eine strenge Strafrede wider die Pharisäer und Schrift­gelehrten, die Ihn zu hören erschienen sind (Mt. 23, 1-28). Zum Schluß fügt Er hin­zu: „Ihr greift Mich jetzt noch nicht, weil Meine Stunde noch nicht gekommen ist.“ Darauf verlassen sie den Tempel, und Er geht nach Bethanien, lehrt auch dort und übernachtet in der Jüngerherberge.

Mi. 21.

Vormittags spricht Er in der Herberge vor den Jüngern und heiligen Frauen. Gegen drei Uhr nachmittags findet ein großes Mahl im unterirdischen Speisesaal des Schlosses Lazari statt, und der Herr spricht bis in die Nacht vor den Seinen. Auch Nikodemus und ein Sohn Simeons kommen noch nachts, und als Jesus Seine Lehre beendigt hat, meinen sie alle: „Herr, wie kurz war diese Mahlzeit und dieser Abend!“

Das Opfer der Witwe

Do. 22.

Der Herr geht heute schon ganz früh in den Tempel und setzt Sich in eine Halle des Tempels nahe beim Opferstock, einer dicken, halbmannshohen eckigen Säule, über die oben ein rotes und durchsichtiges weißes Tuch gedeckt ist; an drei Seiten gehen Trich­ter hinein, in die man das Geld hineinwirft. Es pflegt beim Opfer hier stets ein Priester zu sitzen, welcher acht gibt und Ordnung hält. Es ist heute Opfertag für alle, die sich zum Osterfeste reinigen wollen.

Es kommen Pharisäer und ärgern sich, daß von Jesus der Platz schon besetzt ist, den sie gern einnehmen wollen. Er will ihnen Platz machen, aber sie lehnen es ab. Die Apostel stehen paarweise neben Ihm. Gegen Mittag wird das Opfer gewöhnlich geschlos­sen, aber Jesus bleibt noch länger sitzen, und die Pharisäer ärgern sich auch hierüber. Die letzte Opfernde von allen ist eine arme Witwe. Man kann nicht sehen, was für Geld geopfert wird, Jesus aber weiß es und lobt Seinen Jüngern gegenüber das verhältnis­mäßig größte Opfer dieser Witwe (Mk. 12, 41-44), und läßt ihr sagen, sie solle zwi­schen dem Coenaculum und dem Hause des Johannes Markus auf Ihn warten.

Nachmittags hält Er wieder eine Strafrede wider die Pharisäer und erwähnt auch das Opfer der armen Witwe. Auf dem Wege zum Hause des Johannes Markus redet Er mit ihr und bestellt ihren Sohn zu Sich. Dieser kommt noch vor Jesu Tode zu den Jüngern.

Die Lehren am Ölberg

Auf diesem Wege machen Ihn die Jünger auf die Schönheit des Tempels aufmerksam, und Er deutet auf dessen Zerstörung hin (Mt. 24, 1-2). Später setzt Er Sich auf einen steinernen Stuhl an der aufsteigenden Höhe des Ölbergs, umgeben von Rasensitzen. Hier beantwortet Er die Fragen der Jünger betreffs des Zeichens Seiner Wiederkunft und des Weltendes (Mt. 24, 3-8) und be­schreibt ihnen gewisse zukünftige Maß­nahmen seitens ihrer Verfolger (Mt. 10, 17 bis 23; 24, 9-14).

Die Pharisäer aber halten noch nachts einen Rat und senden Lauerer nach dem Herrn aus und bedauern, daß Judas Ischariot seither nicht wieder bei ihnen gewesen, denn ohne ihn könnten sie die Verhaftung nicht gut zustande bringen.

Fr. 23.

In der Frühe spricht der Herr wieder auf dem Steinsitz am Ölberg zu den Jüngern von den Vorzeichen der Zerstörung des Tempels (Mt. 24, 15-22) und erzählt das Gleichnis vom Feigenbaum (Mt. 24, 32 bis 35). Auch weist Er in verhüllten Worten auf den Verräter hin und wünscht, er möge sich bessern, er möge es bereuen und nicht verzweifeln. Judas hört dabei lächelnd zu. Dann ermahnt Er sie, keine weltlichen Sor­gen zu haben, nicht über das Zukünftige das Nächste zu vergessen, nicht eine Empfin­dung mit der anderen zu umhüllen und zu bemänteln, hierbei auf die Salbung Magda­lenas anspielend, über welche sie, die Apo­stel, unwillig geworden. Die Zulassung des Verräters aber begründet Er mit der Ab­sicht, sie hierdurch zur Demut und Wach­samkeit anzuregen.

Gegen Mittag lehrt Er im Tempel über das Gleichnis von den zehn Jungfrauen (Mt. 25, 1-13) und von den anvertrauten Pfunden (Mt. 25, 14-30). Dann redet Er wieder scharf gegen die Pharisäer und spricht von den erschlagenen Propheten (Mt. 23, 29-39).

Als Er den Tempel verläßt, wenden sich an hundert Fremde und Heiden an Ihn, dar­unter auch jene Griechen von neulich. Er weist alle an die Jünger, die in der Stadt und Umgebung wohnen. Hierauf feiert Er den Sabbat mit einigen Jüngern in einer der offenen Herbergen auf einem Platz am Fuß des Ölberges (L. 21, 37).

Sa. 24.

Frühmorgens lehrt Jesus auf dem Platze vor der Herberge im Kreise der Apostel und Jünger und sagt ihnen Verschiedenes von den nächsten Tagen voraus.

Später spricht Er im Tempel vor vielem Volk (L. 21, 38) von einem Garten, in wel­chem die Sünde begonnen und von einem anderen, in welchem sie auch enden werde, und daß man in einem Garten die Hände an Ihn legen werde. Er erwähnt eine Frau, durch welche die Sünde, und eine andere, durch die das Heil in die Welt gekommen, und so befreie Er die Frauen von der Sklaverei, aber nicht von der Untertänigkeit. Während der ganzen Lehre kommen die Pharisäer, zu zwei und zwei sich ablösend, um Ihn zu belauern. Mit den Jüngern betet Er die Sabbatgebete in der Herberge am Ölberg unter einer Lampe.

So. 25.

Morgens geht der Herr mit den Seinen über den Bach Kidron, dann nordwärts durch eine Häuserreihe und, indem Er Sich dem Dörfchen Gethsemane zuwendet, zeigt Er auf eine Vertiefung des Ölberges hin und sagt den Aposteln, hier werde man Ihn ge­fangen nehmen, und Er von ihnen verlassen werden. Hierauf besucht Er mit ihnen noch viele Orte der Umgegend, tröstet die Leute und spricht mit ihnen wie einer, der Ab­schied nimmt. Abends lehrt Er nach dem Mahl im Schlosse Lazari vor allen Aposteln, Jüngern, Freunden und Frauen.

Der besondere Weg zum Tempel

Mo. 26.

Der Herr geht heute früh mit Seinen Jün­gern auf einem besonderen Wege zum Tem­pel, nämlich zuerst über den Kidron-Fluß, dann links an der Stadtmauer gen Süden entlang, hierauf durch eine kleine Pforte in die Stadt hinein und am Fuße des Berges Sion auf einer gemauerten Brücke über einen tiefen Abgrund. Von der Südseite her geht Er durch einen langen gewölbten Gang mit einigen Lichtschachten an der Decke in den Vorhof der Frauen. Hier wendet Er Sich gegen Osten und geht durch die Tür, in welche die beschimpften Frauen gestellt zu werden pflegen, über den Opferplatz in die erste Tempelhalle auf den Lehrstuhl. Jene Beschimpftür ist nämlich immer offen, wenn auch bei Seiner Lehre oft alle Ein­gänge zum Tempel von den Pharisäern ver­sperrt werden.

Er lehrt von Vereinigung und Scheiden und gebraucht ein Gleichnis vom Feuer und Wasser, die sich löschen und einander zu­wider sind. Wenn das Wasser das Feuer nicht lösche, so werde die Flamme dadurch nur gewaltiger und wilder. Mit dem Feuer meint Er die Ihm treubleibenden Jünger, mit dem Wasser jene, die sich von Ihm tren­nen und die Tiefe suchen. Auch spricht Er von einer doppelten Ehe, der leiblichen, die der Tod scheide, und der geistigen, die im Jenseits noch inniger geeint werde. Die in der Ehe des Geistes seien, würden Glieder ein und desselben Leibes sein. Betreffs der Verfolgung sagt Er, sie sollten die Marter des Leibes nicht fürchten, die der Seele sei schrecklicher.

Als die Apostel und Jünger nicht alles ver­stehen, befiehlt Er ihnen, was sie nicht ver­stünden, gleich aufzuschreiben. Daraufhin legen sich Johannes und Jakobus Major Brettchen auf die Lehne, ziehen kleine Rol­len aus dem Busen und schreiben dann und wann Worte mit einer Farbe, die sie in einer Art Horn bei sich haben. Doch sie schreiben nur im Anfang der Lehre, später sind sie ganz Ohr.

Nachdem der Herr in erster Linie den Aposteln von einer Vereinigung des Abend­mahles mit ihnen gesprochen, die durch nichts aufgelöst werden würde, und von der Johannestaufe, die durch die Taufe des Hl. Geistes abgelöst werden würde, wendet Er Sich an die Gesamtheit der Hörer.

Zuerst gibt Er verschiedene Vorzeichen der Wiederkunft des Menschensohnes an (Mt. 24, 23-28), dann schildert Er diese Wiederkunft selbst (Mt. 24, 29-31), be­tont aber zugleich die Ungewißheit der Menschen über den bestimmten Tag und die Stunde der Wiederkunft (Mt. 24, 36), eine Ungewißheit, die leider viele Menschen un­gläubig und sorglos machen werde, ähnlich wie jene zur Zeit, da Noe die Arche betrat (Mt. 24, 37-41). Um so mehr ermahnt Er daher die Hörer zur Nüchternheit und Wachsamkeit, damit jener Tag sie nicht un­vermutet überfalle (L. 21, 34-36), und schildert zur heilsamen Furcht der Sünder und zur trostreichen Hoffnung der Gerechten den Verlauf des letzten Weltgerichtes, in welchem die Hartherzigen von den Wohl­tätigen geschieden, und jene in die ewige Pein, diese in das ewige Leben eingehen würden (Mt. 25, 31-46).

Während dieser ganzen Lehre sind keine Pharisäer zugegen. Abends geht der Herr zum Schlosse Lazari in Bethanien.

Die letzte Tempellehre

Di. 27.

Heute lehrt Jesus zum letzten Mal im Tem­pel, und zwar sehr ernst und ganz ungestört. Er spricht von der Wahrheit und der Erfül­lung dessen, was Er lehre. Sie alle, ja selbst die Pharisäer, könnten Ihm nichts vorwer­fen, worin Er unrichtig gelehrt habe; nun aber wolle Er auch die Wahrheit, die Er ge­lehrt, erfüllen in Seinem Hingange zum Vater. Ehe Er aber hingehe, wolle Er ihnen Seine Gewalt und Kräfte hinterlassen und wolle eine Vereinigung mit ihnen gründen bis an das Ende der Tage, welche noch inniger sein solle, als Seine jetzige mit ihnen. Er wolle sie auch alle untereinander zu Gliedern eines einzigen Leibes verbinden.

Als Er gegen Abend den Tempel verläßt, sagt Er, von demselben Abschied nehmend, Er werde ihn in diesem Leibe nicht mehr betreten. Und dieses sagt Er mit einer solchen Wehmut, daß sich alle Apostel und Jünger auf die Erde werfen und laut weinen. Auch Jesus weint. Nur Judas nicht, denn eine gewisse Angst beklemmt ihn, da Jesus gestern kein Wort von ihm gesprochen, wäh­rend Er doch von allen anderen Aposteln etwas für die Zukunft Verheißendes gesagt hatte.

Auf den Vorplätzen vor dem Tempel, wo sich die Heiden aufhalten dürfen, wenden sich viele von ihnen zum Herrn, denn sie sahen noch, wie die Apostel weinten. Der Herr weist sie gütig an die Apostel, doch für später, denn jetzt sei keine Zeit. Auch betont Er, daß Er diesen Seinen Begleitern alle Macht gebe.

Hierauf geht der Heiland den ganzen Weg, den Er am 15. März beim Einzug gezogen, mit ihnen zur Stadt hinaus und wendet Sich noch oft mit traurigen und ernsten Worten zum Tempel zurück. In der offenen Her­berge am Fuß des Ölbergs spricht Er noch mit mehreren Jüngern und geht dann in der Dunkelheit nach Bethanien.

Im Schlosse Lazari lehrt der Herr beim Abendessen, bei welchem die Frauen auf­warten. Sie sind jetzt weniger getrennt. Auf den folgenden Abend bestellt Er ein reich­liches Mahl im Festhaus Simons. Gegen Morgen legen sich die Apostel im Saale schlafen, und zwar auf gepolsterte Matten, die sie aufrollen, während sechsundsiebzig Jünger unter den angebauten Schuppen des Coenaculums und der andere, kleinere Teil von ihnen in der Jüngerherberge bei Betha­nien übernachten.

Das letzte Tagesmahl

Mi. 28.

Zu Bethanien versammeln sich am frühen Morgen alle Jünger im Hof vor dem Schlosse zur Lehre Jesu. Judas kauft am Vormittag in der Stadt zum Mahl ein und tut den Geld­beutel einmal recht auf; während Magda­lena in Jerusalem weilt, um Salbe zu kaufen. Gegen drei Uhr nachmittags werden Tische zum Essen bereitet, und der Herr und die Apostel bedienen die sechzig anwesenden Jünger. Dabei spricht Er wieder von dem einen, der Ihn verraten und schlechter als einen Sklaven verkaufen werde. Judas ist nicht dabei, sondern ist noch nicht von sei­nen Einkäufen aus der Stadt zurückgekom­men.

Die Jünger können vor Betrübnis gar nicht essen; der Herr aber nötigt sie freundlich. Nachdem Er sie alle belehrt hat, sagt Er den Aposteln noch manches, was sie nicht ganz verstehen. Wiederum befiehlt Er ihnen, es aufzuschreiben; denn wenn Er ihnen Sei­nen Geist senden werde, würden sie sich dadurch erinnern und es verstehen. Auch erwähnt Er manches von ihrer Flucht, wenn man Ihn verhaften werde. Sie aber können sich dieses gar nicht vorstellen.

Dann gibt Er ihnen und den Jüngern ver­schiedene Anweisungen, wie sie sich nach Seiner Verhaftung verhalten, an welche Orte sie sich begeben und wo sie sich wieder treffen sollten. Zum Schluß erwähnt Er Seine Mutter, wie sie alle die schreck­lichen Martern Seines Todes mitleiden und Seinen Tod mitsterben werde und doch noch fünfzehn Jahre weiterleben müsse. (Dem­nach lägen zwischen der Unbefleckten Emp­fängnis und der Himmelaufnahme der Mut­ter Gottes etwa 63 Jahre.)

Unterdes sind die heiligen Frauen im Fest­haus Simons mit der Zubereitung des Mah­les beschäftigt. Es findet in der geschmück­ten Vorhalle statt, welche eine Decke hat, die mit einem durchsichtigen Flor wie mit einer Kuppel überspannt ist. Als alles be­reitet ist, holen Simon und sein Diener den Herrn, die Apostel und Lazarus ab. Alle treten festlich gekleidet in den Saal. Die Gäste legen sich zum Essen auf niedrige Querbänke, die rückwärts eine anschlie­ßende Lehne und vorn einen Arm haben, auf den man sich stützt. Die Bänke stehen paarweise. Die Frauen essen diesmal in einer offenen Halle links und können schräg über den Hof auf das Mahl der Männer schauen.

Jesus ruht in der Mitte auf einem Lager allein. Er tranchiert ein aufgetragenes Lamm mit einem weißen Messer und legt das Ab­geschnittene dem Johannes, Petrus und Sich vor. Das übrige Zerschneiden und Verteilen besorgt Simon als Wirt. Die Frauen haben auch ein Lamm, welches die allerseligste Jungfrau zerlegt. Sie sitzen rund um ihren Tisch; Magdalena der Mutter Gottes gegen­über.

Der Herr lehrt ununterbrochen während des Essens. Auf den Gang des Lammbratens folgt der Gang der Fische, die wie auf dem Bauche schwimmend in einer weißen star­ren Brühe liegen. Hierauf folgt Backwerk in Gestalt von Lämmern und Vögeln mit ausgebreiteten Flügeln; dann werden Honig­waben, grünes Kraut und Öl zum Eintau­chen aufgetragen und zum Schluß Früchte. Die Getränke werden nach dem Lammbraten gereicht.

Die letzte Salbung durch Magdalena

Am Ende des Mahles, als der Herr noch weiter spricht und die Gäste alle gespannt mit offenem Munde den Worten Jesu lau­schen, steht Magdalena still von ihrem Sitze auf und geht durch die Laubgänge zur Halle der Männer. Sie hat einen feinen, blau­weißen, dünnen Mantel um, und ihre auf­gelösten Haare sind mit einem Schleier be­deckt. Die Salbe trägt sie in einer Falte des Mantels. Sie betritt hinter dem Herrn die Halle, wirft sich zu Seinen Füßen nieder und weint heftig, indem sie ihr Angesicht auf Seinen einen Fuß niederbeugt, der auf dem Ruhebett liegt. Den anderen Fuß, der mehr an den Boden gesenkt ist, reicht ihr der Herr Selbst dar, und sie löst Ihm die San­dalen und salbt Ihm die Füße oben und an den Sohlen. Dann faßt sie ihre aufgelösten Haare mit beiden Händen und fährt damit abstreifend über die Füße Jesu, die sie wie­der mit den Sandalen bekleidet.

Hierdurch entsteht eine Unterbrechung in Jesu Rede. Er hatte zwar Magdalenas Kom­men bemerkt, die anderen aber waren plötz­lich gestört. Jesus spricht: „Ärgert euch nicht an diesem Weibe!“ und redet dann leise mit ihr. Als sie Ihm die Sandalen an­gelegt, erhebt sie sich, tritt hinter den Herrn und gießt Ihm die Duftessenz über das Haupt, so daß sie auf Sein Gewand niederrinnt, und streicht Ihm noch Salbe mit der Hand vom Wirbel über das Hinterhaupt nieder, und der Wohlgeruch erfüllt die Halle.

Unterdes flüstern die Apostel und murren; selbst Petrus ist unwillig über die Störung. Magdalena aber geht weinend und ver­schleiert hinter der Tafel herum, und als sie bei Judas vorüberkommt, hält dieser ihr die Hand in den Weg, so daß sie stehen bleibt, und spricht unwillig mit ihr über Ver­schwendung. Jesus aber sagt, er solle sie ge­hen lassen, sie habe Ihn zu Seinem Tode gesalbt, sie werde es nachher nicht mehr tun können, und wo man dieses Evangelium lehren werde, werde ihre Tat und das Mur­ren der anderen auch erwähnt werden (Mt. 26, 13). Dann spricht der Herr noch einiges andere, und hierauf gehen sie alle wieder zum Schlosse des Lazarus zurück. Judas aber vollzieht seinen Verrat, welcher weiter unten (Seite 426) beschrieben wird.

Nachdem sich die Apostel zu ihren Her­bergen begeben haben, kommt in der Nacht noch Nikodemus von Jerusalem zum Herrn und spricht viel mit Ihm. Vor Tag kehrt er nach Jerusalem zurück, und Lazarus be­gleitet ihn ein Stück Weges.

Das letzte Abendmahl

Do. 29.

Heute, am sogenannten Gründonnerstag, am 13. Nisan des jüdischen Kalenders, ist der Herr 33 Jahre und 18 Wochen weniger einen Tag alt.

Vor Tagesanbruch ruft Er den Petrus und Johannes zu Sich und gibt ihnen Anwei­sungen zwecks Vorbereitung zum Oster­mahl im Coenaculum (L. 22, 7-13). Sie gehen zu Heli, dem Schwager des verstor­benen Zacharias von Hebron, der für dies­mal das Coenaculum gemietet hat, welches dem Nikodemus und Joseph von Armithäa gehört. Heli zeigt den beiden Aposteln den Saal für das Abendmahl.

Hierauf gehen sie zum Hause des verstor­benen Priesters Simeon und gehen mit dessen einem Sohn zum Viehmarkt zur Be­sorgung des Osterlammes. Im Hause der Veronika holen sie dann den Kelch, dessen Sich der Herr bei der Einsetzung des Abend­mahles bedient.

Unterdes verkündet Jesus den Jüngern Seine Kreuzigung zu Ostern (Mt. 26, 1-2), nimmt von Lazarus und den heiligen Frauen Abschied und redet lange allein mit der allerseligsten Jungfrau.

In Jerusalem beraten sich im Palaste des Hohenpriesters Kaiphas die Hohenpriester und Ältesten des Volkes über die Festnahme und Tötung des Herrn (Mt. 26, 3-5). Judas läuft den ganzen Tag bei den Pharisäern umher und verabredet alles mit ihnen für die Gefangennehmung Jesu (Mt. 26, 14-16).

Nachdem der Herr noch von allen gemein­sam Abschied genommen und über vieles gelehrt hat, geht Er gegen Mittag mit neun Aposteln und sieben Jüngern nach Jeru­salem. Während die Jünger Gerätschaften und Gewänder zum Coenaculum tragen, wandelt Jesus mit den neun Aposteln unter stetem Lehren die Wege vom Ölberg bis zum Calvarienberg und zurück zum Tal Josa­phat, wo sie schließlich von Petrus und Jo­hannes zum Ostermahl gerufen werden.

Der Herr ißt mit den zwölf Aposteln im Hauptsaal des Coenaculums, während die Jünger in zwei Gruppen zu je zwölf mit einem sogenannten Hausvater in den Seiten­hallen speisen. Es sind nur die älteren Jünger zugegen (L. 22, 14-18).

Alle weiteren Ereignisse an diesem Abend bis zum Beginn der großen Passion am Ölberge sind von den vier Evangelisten ein­gehend berichtet worden. Und damit endet der eigentliche Wandel Jesu in der Welt, wie derselbe im vorliegenden Hauptteil die­ses Buches beschrieben worden ist.

1-Fahsel Emmerick Landschaft 09

Landschaftsbild 9 – Sichem (Nabulus) von Süden aus gesehen (50 km nördlich von Jerusalem), wo der Herr am 31. Juli 32, östlich von der Stadt, mit der Samariterin am Jakobsbrunnen sprach und wo Er am selben Tag in der Stadt lehrte. (H. Fenn pinx., A. Krausse sculp.)

1-Fahsel Emmerick Landschaft 12

Landschaftsbild 12 – Tiberias am See Genezareth. Diese Stadt hat Jesus oft passiert, aber nie in ihr gelehrt, noch in ihr Sich aufgehalten. Östlich von ihr ist auf dem See die Stelle, wo Jesus in der Nacht vom 3. Februar 33, auf dem See wandelnd, Petrus zu Sich über das Wasser kommen hieß (Mt. 14,24) – (H. Fenn del., E. Brandard sculp.)

1-Fahsel Emmerick Landschaft 11

Landschaftsbild 11 – Der See Genezareth. Von der Anhöhe im Vordergrund schaute der Herr am 11. Januar 32 auf Petus, Johannes und Jakobus herab, die auf dem See ihrem Fischer-Gewerbe nachgingen. – (H. A. Harper pinx., C. Cousen sculp.)

1-Fahsel Emmerick Landschaft 10

Landschaftsbild 10 – Dreschtenne in der Ebene el Machna, südlich vom Jakobsbrunnen bei Sichem. In dieser Ebene lag die Hirtenherberge, wo sich der Herr am 31. Juli 32 mit Seiner Mutter traf. – (R. Beavis pinx., C. Cousen sculp.)

DER WANDEL JESU IN DER WELT – Nach den Visionen der Anna Katharina Emmerich

Die apostolische Belehrung der Jünger

Karte Nr. 32
1-Fahsel Emmerick Karte 32

Haus Petri vor Kapharnaum

Im Hause Petri vor der Stadt trifft der Herr mit allen Jüngern zusammen und stellt ihnen die drei heidnischen Philosophen aus Salamis vor, die mit Jakobus Minor und Thaddäus soeben von Gessur angekommen sind. Auch Andreas und Simon treffen mit anderen Jüngern ein; und alle speisen mit dem Herrn.

Haus Andreä zu Bethsaida

Nach dem Mahl begibt Sich Jesus mit ihnen zum Hause des Andreas und läßt Sich hier der Reihe nach von den Einzelnen ihre Er­lebnisse auf den apostolischen Reisen er­zählen. Wer mit einem gewissen selbst­gefälligen Eifer gern viel erzählen will, dem fällt Er ins Wort: „Es ist mir schon be­kannt.“ Die aber einfach und bescheiden berichten, denen hört Er der Länge nach zu. Die Schweigenden fordert Er freundlich zum Reden auf.

Hier und da hatte man auch Steine hinter ihnen hergeworfen, aber sie waren nie ge­troffen worden. An einigen Orten mußten sie flüchten, waren aber stets wunderbar geschützt worden. Sie hatten jedoch auch viele gute Leute gefunden, hatten viel ge­heilt, getauft und gelehrt. Jesus hatte ihnen befohlen, nur zu den verlorenen Schafen Israels zu gehen (Mt. 10, 6) ; sie hatten also die Juden in den heidnischen Städten auf­gesucht und sich mit Heiden nicht eingelas­sen, außer mit einigen, die bei Juden dienen. Andreas und seine Jünger hatten in Gazara (südöstlich von Lydda) mehrere jüdische Sklaven losgekauft, und alles Geld darum gegeben, was sie besaßen. Sie fragen den Herrn, ob sie recht getan; und Er bejaht es. Jesus unterbricht auch zuweilen ihre Mit­teilungen mit der Erzählung von Parabeln. So erzählt Er vom Unkraut unter dem Wei­zen (Mt. 13, 24-30) und spricht von eini­gen abgefallenen Jüngern und ermahnt die Anwesenden, auf ihre Leistungen hin sich nicht in Sicherheit zu wiegen, denn sie wür­den noch große Versuchungen zu bestehen haben. In einer anderen Pause erzählt Er das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden (L. 19, 11-28) und bezieht es auf Seine Reise nach Cypern und auf die Rechen­schaft, welche die Jünger über ihre Wirk­samkeit während Seiner Abwesenheit jetzt ablegen.

Auch sagt Er zu dem einen oder anderen plötzlich: „Warum denkst du so Unnützes?“ oder: „Denke nicht dergleichen!“ oder: „Du meinst dies jetzt ganz anders, denke so und nicht so!“ Es denkt nämlich hier und da einer, jetzt meine Er diesen oder jenen Bestimmten.

Zum Schluß redet Er noch sehr ernst mit ihnen, und sie sind ein wenig traurig dar­über.

Haus Mariä bei Kapharnaum

Abends kehrt Jesus mit den Seinen zum Hause Mariä zurück und tröstet die Jünger im Garten, indem Er ihnen das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberge (Mt. 20, 1-16) erzählt und auslegt. Maria und die heiligen Frauen hören, verschleiert und ab­gesondert, zu.

Zum Schluß stellt Jesus die neuen Jünger und die Neubekehrten (Neophiten) Seiner heiligsten Mutter vor. Er pflegt dies in der letzten Zeit immer zu tun. Es geschieht dies mit einem inneren Einverständnis zwischen Ihm und Maria, damit sie die Jünger in ihr Herz, ihr Gebet und ihren Segen gleichsam als ihre Kinder und Seine Brüder aufnehme, so daß sie ihre geistige Mutter sei.

Bethsaida und Kapharnaum

Fr. 20.

Am Vormittag wandelt der Herr mit mehre­ren Jüngern vom Hause Mariä über die nordöstliche Anhöhe und kehrt nördlich von Bethsaida in das Aussätzigen-Hospiz ein, wo Er einige Kranke heilt, belehrt und ihnen befiehlt, sich, wie üblich, den Prie­stern vorzustellen.

Gleich darauf heilt Er auch im Hause Petri Kranke, die man aus Kapharnaum und Bethsaida dorthin gebracht hat, denn es ist hier gutes Wasser für die Kranken, zum Trinken und Baden.

Nach Tisch lehrt Jesus im Lehrhause zu Kapharnaum vor allen Jüngern und Freun­den und vielen anderen Leuten aus Kaphar­naum und Bethsaida über den Messias und dessen Erkenntniszeichen.

Zum Sabbat-Anfang predigt Er in der Syna­goge sehr scharf wider die Pharisäer, die anwesend sind, um Ihn zu belauern, und er­klärt wieder das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl (Mt. 22, 1-14). Maria und die Frauen der Familien aus Kapharnaum hören auf der Tribüne der Frauen zu, wo sie ihre eigenen Plätze haben.

Neue Missionsreisen der Apostel

Die Apostel weilen unterdes immer noch auswärts: Petrus besucht Abigail in Betha­ramphtha-Julias ; Jakobus Major und Mat­thäus halten sich in der Dekapolis südöst­lich des Sees Genezareth auf ; Johannes tröstet in Judäa die Eltern der im Tempel ermordeten Helisöhne (Verwandte des Zacharias, Tempeldiener und Freunde Jesu) ; Judas Ischariot und Thomas weilen in der Gegend von Ptolemais ; Bartholomäus weilt zwischen Japha und Caesarea, und Philippus befindet sich mit Barnabas, Mnason und dessen Bruder in Japha wegen der Ankömm­linge aus Cypern.

Sa. 21.

Jesus besucht mit einigen Jüngern etwa zwanzig Privathäuser reicher und armer Leute zu Kapharnaum und heilt dort sehr viele Kinder zwischen drei und acht Jahren, denn es herrscht hier augenblicklich eine Art Scharlach und andere Krankheiten, wie sie dem Scharlachfieber zu folgen pflegen. Er heilt auch im Hause am Marktplatz den kleinen Knaben, den Er bereits am 11. April 33 segnete und am letzten Donnerstag be­suchte.

Im Anschluß hieran besucht Er noch den Jairus, Serobabel und Cornelius, heilt und lehrt am Nachmittag wieder in Petri Haus, ohne Sich hierbei von drei Pharisäern stören zu lassen, die gekommen sind, um Ihn vom Heilen abzulenken und in eine Diskussion zu verwickeln.

Unterdes lehren und heilen die Jünger nach Weise des Herrn die Reisenden, die auf der Anhöhe nordöstlich von Mariä Haus in Zel­ten lagern.

Zum Sabbat-Schluß predigt Jesus in der Synagoge vom Fluch und Segen, von den falschen Kundschaftern nach dem Reiche Gottes, von denen, die nicht hineinkommen werden, von der Verkennung des Messias, von dem Gericht über das Land und Jeru­salem.

Nach Ihm besteigen zwei Pharisäer den Lehrstuhl und wenden sich bei ihrer Aus­legung der fälligen Lektion gegen das Hei­len seitens Jesu, da in der Lektion der Be­fehl Gottes an Moses berichtet wird, einen Mann steinigen zu lassen, der am Sabbat Holz sammelte (Num. 15, 32-36). Doch Jesus fragt sie, ob die Gesundheit der Armen und Notleidenden Holz sei, das man ver­brenne; ob eine tote, hölzerne Heuchelei nicht vielmehr ein Holz sei, und ob das Ärgernisnehmen am Heilen der Armen, das Splitterrichten und Balken-im-Auge-haben nicht ein Holzsammeln sei mehr, um es in den Weg der Wahrheit zu werfen, und zum Kochen und Wärmen des Giftes der Zwie­tracht und Verfolgung, als um sich Speise zu bereiten.

Einige wenige Zuhörer bezeigen sich dabei sehr still und gerührt und nachdenklich; mehrere stecken die Köpfe zusammen und sagen: „Ja, Er ist es! Er ist der Messias! So kann kein Mensch, kein Prophet lehren!“ Die meisten winken sich mit den Augen zu und freuen sich über die Niederlage der Pharisäer; die Verstockten aber ärgern sich mit diesen.

Rückkehr der Apostel

Abends speist der Herr im Hause Mariä, und nachts kommen mehrere Apostel und Jün­ger von ihren Reisen zurück.

So. 22.

Im Beisein der heiligen Frauen und Jung­frauen, sowie anderer gutgesinnter Leute belehrt Jesus auf dem Hügel nördlich des Weges zwischen Kapharnaum und Beth­saida alle anwesenden Apostel und Jünger über ihre Sendung, Arbeit und Früchte, über ihre Gesinnung, ihre Irrtümmer und über die Verfolgungen der Zukunft. Auch erzählt Er jetzt die ganze Parabel von den Arbeitern im Weinberg, wie sie im Evan­gelium (Mt. 20, 1-16) steht, und legt sie weitläufig aus.

Die heiligen Frauen sind zugegen, weil auch sie wirken und pflegen, und weil manche von ihnen noch keinen rechten Begriff von der Gesinnung haben, in der alles getan werden muß, um verdienstlich zu sein und gute Früchte zu bringen.

Zum Schluß lobt und tröstet Er die Jünger und gibt ihnen mit ausgestreckter Hand über ihre Häupter den allgemeinen Segen und erfüllt sie von neuem mit Mut und Stärke.

Am Nachmittag kommen Petrus, Jakobus Major, Matthäus und einige alte Johannesjünger an und begrüßen den Herrn im Hause Mariä. Hier versammeln sich alle im Hause Petri, und Jesus lehrt bei Tisch und erzählt von Seiner Reise nach Cypern, wo­bei Er die Parabel von den 570 Fischen vom 6. Juni wiederholt.

Die heiligen Frauen haben Kleidungsstücke, Sohlen und Gürtel gebracht, die nun unter den angekommenen Jüngern verteilt wer­den. Jesus lehrt bei der Austeilung über die Bedeutung der Kleidungsstücke und sagt zum Beispiel bei den Gürteln: „Umgürtet eure Lenden und haltet brennende Lichter in den Händen!“ (Is. 32, 11; vgl. Mt. 5, 16).

Die zweite Lehre auf dem See

See Genezareth

Mo. 23.

Er fährt mit den Aposteln und Jüngern auf den See, um ganz ungehindert vom Andrang der Menschen Sich ihre Erlebnisse erzählen zu lassen und sie darüber zu belehren.

Sie besteigen das große Schiff und das kleinere von Jesus, fahren getrennt ab, hängen sich später aneinander an und lassen die Schiffe sanft treiben. Die Jünger sind alle auf dem großen Schiff, Petrus und ein paar Apostel auf dem kleinen Schiff Jesu, der auf der Ruderbühne am Mast sitzt und zuhört oder lehrt. Es ist ein schöner Tag. Sie haben die Segel zum Schatten über sich gespannt und essen ihre Mahlzeit auf den Schiffen in kleinen Brettchen.

Gegen Abend hält der Herr an alle noch eine lange Ansprache, wie sie sich in zweifel­haften Lagen zu verhalten hätten, und sagt ihnen zum Schluß, sobald Er zu Seinem Vater gegangen sei, wolle Er ihnen den Hei­ligen Geist senden, dann sollten sie immer recht zu lehren wissen (ähnlich wie J. 14, 26 und 16, 13).

Handelsstadt Kana

Di. 24.

Maria und die heiligen Frauen gehen nach Kana, wo Maria Kleophä wohnt. Jesus folgt nachmittags mit neun Aposteln, Nathanael Kana und einigen dorthin Gehörigen nach.

Mi. 25.

Es sind hier viele Verwandte und Freunde Jesu zusammengekommen, die Ihn besuchen und Ihm wieder zusetzen, Er möge Sich zu­rückziehen, weil Ihm gewiß Gefahr bevor­stehe; die Sache wachse zu sehr, und die Pharisäer würden immer erbitterter gegen Ihn. Jesus antwortet ihnen wie gewöhnlich und ladet sie ein, Seine Lehre auf dem Lehr­hügel zu Kana anzuhören.

Er besucht noch einige gute Leute und Freunde in der Stadt und heilt einige Kranke. Auch segnet Er die Kinder, die Ihm auf den Straßen scharenweise von Eltern und Lehrern zugeführt werden.

Auf dem Lehrhügel spricht Er von Seiner Sendung und deren Erfüllung; wie Er nicht um der Bequemlichkeit und Lust des Lebens willen gekommen, und wie es töricht sei, anderes von Ihm zu verlangen als den Wil­len Seines Vaters. Er spricht deutlicher als je, daß Derjenige da sei, der lange erwartet worden; Er werde aber nur von wenigen er­kannt werden und, wenn Seine Arbeit ge­tan sei, zum Vater zurückkehren.

Seine Rede ist so wunderbar und eindring­lich, daß die Leute, wie vor vier Tagen, zu einander sagen: „Er ist mehr als ein Pro­phet! So hat nie einer in Israel gesprochen!“

Die Apostel-Versammlung zu Kana

Südwestlich am Tabor

Mit den Aposteln und einigen Jüngern geht Er etwa zwei Stunden südwestlich längs dem Tabor, wo Ihm die zurückkehrenden Apostel Thomas, Johannes, Bartholomäus, einige Verwandte des Zacharias und fünf Berg­leute von Chytroi auf Cypern entgegen­kommen und Nachrichten von den anderen bringen.

Handelsstadt Kana

Alle kehren nach Kana zurück und nehmen an einer großen Mahlzeit im Hause und Hofe des Spediteurs Israel, des Vaters der ehemaligen Braut von Kana, teil. Es sind nun alle Apostel, die siebenzig ausgesandten Jünger und mehrere andere, viele Ver­wandte Jesu und die heiligen Frauen zu­sammen.

Jesus und mehrere Apostel bedienen bei Tisch die eingeladenen Armen, und zum Schluß erzählt Er allen Anwesenden die Parabel von den zehn Jungfrauen (Mt. 25, 1-13), legt sie ihnen aus und spricht viel von der Nähe der Zeit des Bräutigams.

Es ist dies eine Art Erinnerungsfest der Hochzeit von Kana, weil heute wie damals alle Jünger, Apostel und Freunde beisammen sind. Das Haus ist mit Blumen geschmückt, man trinkt aus jenen Wasserkrügen des ersten Wunders, Kinder machen Musik und bringen Blumenkronen und Pyramiden, und Bartholomäus, Nathanael Chased und einige Jünger haben schöne Sprüche auf geistige Vermählung gemacht.

Hügel zwischen Kana und Gabara

Do. 26.

Auf dem Wege gen Gabara erzählen die Apostel nochmals ihre Erlebnisse. Sie gehen abwechselnd in kleinen Gruppen mit Ihm. Er bleibt oft stehen und redet sie mit den Worten: „Meine lieben Kinder“ an.

Einmal sagt Er: „Liebe Kindlein, nun wird es sich zeigen, wer Mich geliebt und in Mir Meinen himmlischen Vater, und wer um Meinetwillen das Wort des Heiles verbreitet und geheilt hat und nicht um seinetwillen und eitlen Ruhmes wegen.“

Als die Jünger und besonders Petrus er­zählen, wie ihnen in Seinem Namen die bösen Geister untertan gewesen, winkt ihnen Jesus zu schweigen, verwehrt ihnen die Freude über die ihnen verliehene Macht und anempfiehlt ihnen die Freude darüber, daß ihre Namen im Himmel eingeschrieben stünden (L. 10, 16-20).

Als Er auf dem Hügel steht, ist Er ganz ernst und doch dabei freudig und selig und hebt die Hände empor. Lichtglanz kommt über Ihn, und ganz verzückt bricht Er in den Jubelruf aus, daß Sein Vater dies vor den Weisen und Klugen verborgen, aber den Einfältigen geoffenbart habe (Mt. 11, 25 bis 27). Und hieraufhin erklärt Er die Jün­ger für selig, daß sie gesehen und gehört, was viele Propheten und Gerechte zu sehen und zu hören begehrt hatten, und nicht sahen und hörten (Mt. 13, 16-17).

Lehrberg bei Gabara

Am Fuß des Berges nehmen sie eine kleine Mahlzeit von Fischen, Broten, Honig und Früchten, gehen auf den Lehrberg, von vie­len Leuten begleitet, und Jesus unterrichtet die Seinen nochmals eingehend über das Lehren und Heilen, teilt ihnen die nächsten Reisepläne mit und dankt zum Schluß allen für ihren bisherigen Fleiß und Gehorsam.

Bekehrung eines jungen Pharisäers

Haus Mariä bei Kapharnaum

Fr. 27.

Früh morgens entläßt der Herr einen Teil der Jünger in ihre Heimatsorte, lehrt und tröstet im intimen Kreise der Verwandten und Freunde und speist dann allein mit Maria.

Kapharnaum

Nachdem Er im Lehrhause die Apostel und zurückgebliebenen Jünger unterrichtet und vorbereitet hat, predigt Er in der Synagoge, wendet sich mit einer Strafrede an die Pha­risäer, als sie wieder die alten Vorwürfe ge­gen Ihn und die Jünger vorgebracht, bis plötzlich ein junger Mann unter den Pha­risäern laut ausruft: „Wahrhaftig, dieser ist der Sohn Gottes, der Heilige in Israel! Er ist mehr als ein Prophet!“ und sich in ein begeistertes Lob Jesu ergießt.

Es entsteht eine große Bewegung. Zwei alte giftige Pharisäer fassen den jungen Mann bei den Armen und schleppen den weiter Lobenden aus der Synagoge hinaus, worauf Jesus stark weiter predigt.

Der junge Mann sagt sich draußen laut und heftig vor allem Volk von den Pharisäern los und wirft sich dem Herrn, als Dieser die Synagoge verläßt, zu Füßen und bittet um Aufnahme unter Jesu Jünger. Dieser nimmt ihn auf, nachdem Er ihm kurz den Ernst und die Pflichten der Nachfolge vorgestellt, und vertraut ihn einigen Jüngern an.

Fischerstadt Bethsaida

Sa. 28.

Jesus besucht mit den Aposteln und einigen Jüngern das Aussätzigen-Hospiz und lehrt dort im Vorhof die durch einen Graben ge­trennten Kranken und die Schifferknechte und Arbeiter aus der dortigen Gegend über die Sabbat-Lektion und im Anschluß daran über Buße, Bekehrung, Barmherzigkeit, Glauben und Nähe des Reiches und legt Parabeln aus.

Letzte Predigten in Kapharnaum

Kapharnaum

Nachmittags besucht Er vor dem eigent­lichen Gottesdienst die Synagoge, um Jeder­mann hören zu lassen, was Er die Seinen lehre, und um zu zeigen, Er scheue Sich nicht und brauche nicht in Winkeln zu lehren. Unter anderem erzählt Er ihnen, nachdem Er ihnen Wachsamkeit empfohlen (Mt. 24, 42), das Gleichnis vom heim­kehrenden Herrn und seinen wachsamen Dienern (L. 12, 35-40) und erklärt es auf die Frage des Petrus, ob sich dies Gleichnis auf die Jünger beziehe, näher (L. 12, 41 bis 46). Im Anschluß hieran erwähnt Er den Grundsatz göttlicher Vergeltung entspre­chend der anvertrauten Gabe (L. 12, 47 bis 48), spricht vom Feuer, das Er gebracht, und von Seiner Taufe, die sich vollziehen müsse (L. 12, 48-50), und von der Schei­dung der Geister (L. 12, 51–53) und über Zeichen und Lehre der Zeit (L. 12, 54-59).

Bei der Sabbat-Lehre, welche Ihm die an­kommenden Pharisäer höflich einräumten, richtet Er alle Fragen Samuels aus der fäl­ligen Lektion (1. Kön. 12, 3) an die Hörer, wobei Er auf die üblichen Vorwürfe der Pharisäer gegen Ihn abzielt. Sie wider­sprechen Ihm nicht, sondern schieben es auf die Mahlzeit auf, zu der sie Ihn mit den Aposteln und einem Teil der Jünger einge­laden haben.

Das Mahl findet in der offenen Halle des Hauses der Synagogenlehrer nahe bei der Synagoge statt. Gleich am Anfang weist Er das große Handwasch-Becken zurück und hält eine Strafrede wider ihre Heuchelei (L. 11, 37-52; und ähnlich wie bei Mk. 7, 1-23 am 14. Februar 33). Bei Tisch macht Er alle ihre Einwürfe wider Seine Syna­gogenlehre so gründlich zu Schanden, daß über zwölf von ihnen aufstehen und belei­digt das Haus verlassen.

Mit den übrigen Sieben wandelt Er in der Halle, und als sich einer der Jünglinge von Nazareth naht, die Ihn bereits am 18. und 19. September 31, am 11. März und 17. August 32 vergebens um Aufnahme gebeten, und an Ihn die Frage stellt: „Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu er­langen?“, antwortet Er mit Hinweis auf die Erfüllung der beiden Hauptgebote der Liebe und erzählt die Geschichte vom barmher­zigen Samariter (L. 10, 25-37).

Zum Schluß verteidigt Er Sich und Seine Jünger gegen die erneuten Beschuldigungen der sieben Pharisäer, entfernt Sich mit den Seinen, betet in der Einsamkeit allein und beschützt aus der Ferne Seine Jünger gegen die von den Pharisäern gedungenen Kerle, die hinter den Jüngern Steine herwerfen.

Die Unterweisung der neuen Jünger

Lehrberg bei Hanathon

So. 29.

Auf dem Wege zum Lehrberg bittet ein Jüngling den Herrn um die Erbschaftsteilung mit seinem Bruder (L. 12, 13-14). Jesus kehrt am Fuße des Berges in einer langen Hütte ein, wo Er lehrt und einige gekrümmte Leute heilt. Hierauf betet Er mit den mitgenommenen Jüngern, die noch neu sind, in der nahen einsamen Wildnis und belehrt sie dann oben auf dem Berge über die einzelnen Bitten des Vaterunsers (L. 11, 1-4), erzählt das Gleichnis vom zu­dringlichen Freunde (L. 11, 5-8) und er­mahnt sie zur Zuversicht und Beharrlich­keit im Gebete (L. 11, 9-13). Dieser Lehre hören noch etwa dreißig gute Leute aus der Gegend zu. Er verbringt die Nacht mit den neuen Jüngern im gemeinsamen Gebet.

Mo. 30.

Morgens beschließt Jesus die Lehre vom Gebet und verfährt dabei mit den Jüngern nach Art einer Katechese mit Fragen und Antworten. Zuletzt wiederholt Er das ganze Gebet und gibt eine Auslegung des Wortes Amen, ähnlich wie am 2. Juni zu Mallep auf Cypern, nämlich als des Wortes, das alles in sich enthalte, den Anfang und das Ende. Auch hier hören noch andere zu.

Universitäts-Stadt Bethsaida-Julias

Unter den Zuhörern befinden sich auch einige Pharisäer aus Julias, die Ihn nach Beendigung der Lehre zu sich einladen. Er nimmt die Einladung an.

Vorerst trifft Er noch mit Maria, Maroni und Lea in einer Herberge am Westufer des Jordan zusammen, tröstet Seine weinende, um Ihn besorgte Mutter, segnet die Frauen zum Abschied und wandelt dann mit den Jüngern nach Bethsaida-Julias, wo Er am 24. November, 21. März und 16. April ge­wesen.

Im Hause des Pharisäers wird Er sehr höf­lich empfangen, aber es dauert nicht lange, so beginnen die alten Vorwürfe wegen des Sich-nicht-waschens vor Tisch und alles dessen, was Ihm vor zwei Tagen vorgeworfen wurde. Die Jünger ziehen den Meister zur Seite und bitten Ihn, nicht zu eifern, sie möchten sonst vertrieben werden. Er ver­weist den Neulingen ihre Feigheit; doch die Mahlzeit vollzieht sich noch in Ruhe. Der Auftritt bei dieser Mahlzeit ist mit dem vor­gestern zu Kapharnaum geschehenen im Evangelium von Lukas in eine einzige Er­zählung zusammengezogen worden (L. 11, 37-52).

Abends lehrt Jesus noch in der Synagoge, heilt aber nicht, denn die Pharisäer haben die Leute hier eingeschüchtert und sind sehr stolz auf die hiesige Universität. Er über­nachtet in einem Hotel innerhalb der Stadt.

Drittes Vierteljahr :

Vom Schluß des Lehrwandels in Galiläa bis zur Auferweckung des Lazarus

(1. Juli bis 30. September 33)

Der Schluß der sogenannten Bergpredigt

Lehrberg bei Bethsaida-Julias

Juli, Di. 1.

Morgens besteigt der Herr den Lehrberg der Brotvermehrung, auf welchem sich alle Apostel und Jünger und noch ein paar hun­dert andere Leute aus Kapharnaum, Caesa­rea-Philippi und anderen Orten der Umge­gend versammelt haben. Einige Jünger ver­hindern unten am Berge mehrere Pharisäer am Hinaufgehen mit dem Hinweis, der Meister wolle allein sein, Er belehre heute nur die Seinigen; wenn sie Ihn hören und mit Ihm streiten wollen, sollen sie es in ihren Synagogen tun. Hierauf kehren jene um.

Jesus lehrt heute tatsächlich alles dasjenige, was in der sogenannten Bergpredigt der Evangelisten Matthäus und Lukas enthalten ist, mit Ausnahme der ersten sieben soge­nannten Seligpreisungen. Er beginnt also mit der achten Seligkeit: „Selig sind, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen“ (Mt. 5, 10-12) ; dann spricht Er vom Salz der Erde, von der Stadt auf dem Berge, vom Licht auf dem Leuchter (Mt. 5, 13 bis 16), von der Erfüllung des Gesetzes (Mt. 5, 17 bis 20), vom rechten Almosengeben (Mt. 6, 1-4), vom rechten Beten (Mt. 6, 5 bis 8), vom Vaterunser (Mt. 6, 9-13), vom Vergeben der Fehler und vom Fasten im Verborgenen (Mt. 6, 14-18), vom Sam­meln der Schätze im Himmel (Mt. 6, 19 bis 21), vom gesunden Auge als Sinnbild des inneren Lichtes (Mt. 6, 22-23), von der Unmöglichkeit, zwei verschiedenen Herren zu dienen, und von der Hintansetzung ängst­lichen Sorgens um den morgigen Tag (Mt. 6, 25-34) ; vom Splitter-Richten im Auge des Nächsten (Mt. 7, 1-5), von der Hütung des Heiligen vor den Unwürdigen (Mt. 7, 6), vom beharrlichen und zuversichtlichen Bitten, Suchen und Anklopfen (Mt. 7, 7 bis 11) ; vom Grundsatz der Nächstenliebe (Mt. 7, 12), von der engen Pforte und dem schmalen Wege, der zum ewigen Leben führt (Mt. 7, 13-14), vom wahren Krite­rium, die Menschen nach ihren Früchten zu beurteilen (Mt. 7, 15-20), vom vollen Her­zen, wovon der Mund überläuft (L. 6, 45), vom vergeblichen Rufen: Herr, Herr! (Mt. 7, 21-23) und schließlich vom Manne, der sein Haus auf Felsen baut (Mt. 7, 24-27).

Nachdem Er so länger als drei Stunden ge­predigt hat, gehen die Hörer zum Fuß des Berges hinab, um zu essen, was durch die Jünger herzugetragen war.

Nach dieser Pause setzt der Herr die Pre­digt bis gegen Abend fort, ermahnt die Jün­ger noch einmal über alle jene Punkte, von denen Er schon bei den früheren Aussen­dungen geredet, und fordert sie schließlich zum Glauben, Vertrauen und Ausharren auf.

Leviten-Stadt Argob

Hierauf wandert Er eine Stunde nordöstlich zu der hochgelegenen Doppelstadt Argob, die auf den Lehrberg herabschaut, und übernachtet im Hotel vor der Stadt, wo Er schon einmal am 12. März dieses Jahres gewesen.

Lehrberg bei Bethsaida-Julias

Mi. 2.

Heute predigt der Herr auf demselben Berge wie gestern, aber diesmal vor mehre­ren Tausenden, die vom ganzen Lande zu­sammengeströmt sind und viele Kranke mit­gebracht haben, die Er heilt. Auch Pharisäer und andere Gegner sind erschienen, kommen aber nicht zum Disputieren; denn der An­drang, der Jubel über die Wunderheilungen und die Begeisterung der Hörer ist so groß, daß die Gegner kleinlaut und ängstlich wer­den.

Während sich das Volk zum Essen lagert, denn es hat Speisen mitgebracht, heilt Er viele Kranke und treibt Teufel aus. Auch macht Er einen blinden Vetter des Esseners und Jüngers Manahem (vgl. S. 217) sehend, den die Jünger bereits gehend gemacht haben und den sie nun herbeiführen.

Nach der Pause belehrt Er besonders die Jünger über alles dasjenige, was bei Lukas im zwölften Kapitel (1-59) kurz auf­gezählt ist. Auch spricht Er wiederum das Wehe über die unbußfertigen Städte Chora­zin, Bethsaida, Kapharnaum (L. 10, 13 bis 16) und auch über Jerusalem aus (L. 13, 34 bis 35). Zum Schluß sendet Er die neueren Jünger aus, und zwar alle zu zwei und zwei in einer Weise, wie Er es bisher noch nicht getan hatte.

Leviten-Stadt Argob

Abends geht Er mit den Seinen wieder zum Hotel vor Argob und übernachtet hier.

Der Abschied von Kapharnaum

Matthäi Zollstätte

Do. 3.

In Argob entläßt Er die Jünger und Apostel in ihre Heimatsorte, außer Petrus, Jakobus, Johannes und Matthäus, mit denen Er zu Matthäi Zollstätte geht, um dort noch von etwa zwanzig Freunden aus Kapharnaum Abschied zu nehmen.

Dieses besondere Abschiednehmen, auch von Seiner heiligsten Mutter vor drei Tagen, hängt offenbar nicht nur damit zusammen, daß Jesus für eine Zeitlang Galiläa verläßt und nach Jerusalem geht, sondern auch mit dem Umstand, daß Er mit Seiner Bergpre­digt gestern und vorgestern Seinen öffent­lichen Lehrwandel in Galiläa, sowie Seine Lehrtätigkeit vor den großen Volksmengen beendet hat. Er lehrt vor größerer Öffent­lichkeit später nur noch in Jericho und Jeru­salem. Auch schließen mit der gestrigen Aussendung der neuen Jünger Seine persön­lichen Aussendungen, und in diesem Sinne ist es auch aufzufassen, wenn es oben hieß, daß Er heute morgen die Apostel und Jün­ger entläßt.

Demnach hat also Jesus durch Herumreisen in ganz Palästina genau zwei Jahre gelehrt, denn am 1. Juli 31 begann Er, von Ort zu Ort zu wandeln und in den Synagogen zu lehren, und am 1. Juli 33 hielt Er Seine letzte große Predigt in Galiläa, die am fol­genden Tage, verbunden mit den letzten Massenheilungen, ihren Höhepunkt und Ab­schluß fand.

Trotzdem muß man den öffentlichen Lehr­wandel Jesu, im ganzen genommen, nach beiden Seiten hin, um zehn Monate erwei­tern, um den Monat Juni im Jahre 31, wo Er Sein eigentliches Wandeln, wenn auch nur allein und ohne große Vorträge und ohne Heilungen, mit dem 3. Juni begann; und dann um die noch jetzt folgenden neun Monate, in denen Er hier und da noch lehrt und schließlich Seine große Passion mit den letzten Lehren im herodianischen Tempel einleitet.

Nachdem Jesus noch mit Jairus, Serobabel, Cornelius und den anderen Freunden im früheren Zollhaus des Matthäus, wo jetzt gute Bekannte wohnen, gespeist hat, fährt Er mit Petrus, Jakobus und Johannes auf den See hinaus und belehrt sie auf dem Schiffe in der Gegend bei Dalmanutha und landet bei der Zollstätte von Dalmanutha.

Karte Nr. 33, 1. Teil
1-Fahsel Emmerick Karte 33

Die Reise durch Auranitis

Halb-Manasse-Stadt Edrai

Fr. 4.

Gadara und Abila zur Rechten lassend, wan­dert heute der Herr mit den drei Aposteln etwa sieben Stunden nach Edrai und predigt zum Sabbat-Anfang in der Synagoge.

Sa. 5.

Wie gestern lehrt Er auch heute ohne Widerspruch und heilt außerdem viele Kranke. Seine Lehre behandelt die fällige Lektion, wobei Er die vorkommenden Per­sonen und Tiere des Alten Testamentes, wie Aaron, Jephte, Kore, Moses und die ge­sprenkelte Kuh und die eherne Schlange (Num. 19-21; Richt. 11) als gewisse Typen des Messias und der Geschehnisse des Neuen Testamentes auslegt.

Kaathiter-Ort Korä

So. 6.

Nachdem der Herr weiter gen Osten ge­wandert, lehrt Er auf einem Lehrhügel im Park bei dem Orte Korä (in der Gegend von Et-Taijibe), wo Nachkommen aus dem Ge­schlechte des Kaath (Num. 16, 1) wohnen, und heilt dann viele Besessene und Kranke.

Karte Nr. 34
1-Fahsel Emmerick Karte 34

Levitenstadt Bosra

Mo. 7.

Heute erreicht der Herr mit den drei Apo­steln die Hauptstadt Bosra im Hauran. Petrus ist im Mai schon hier gewesen und hat Juden ausgelöst, die Sklaven von Hei­den waren. Jesus löst heute den Rest aus, indem Er mit dem Gold bezahlt, welches Ihm mehrere bekehrte Leute in Edrai und auch hier in Bosra als Geschenk brachten.

Bosra ist eine Freistätte für Totschläger, und mehrere Sünder bekennen Jesu ihre Ver­brechen. Er wohnt bei den Leviten, heilt Kranke und Besessene, darunter auch jene Kranken, die die Jünger bei ihrem ersten Hiersein nicht geheilt hatten.

Viele, welche die Taufe begehren, bereitet Jesus am Taufbrunnen vor. Die Apostel taufen auch einige Heiden in der Stille ab­gesondert. Abends geht Er mit den drei Aposteln noch fünf Stunden nordöstlich nach Nobah.

Rechabiten-Stadt Nobah

Di. 8.

Außer dem heidnischen Teil der Stadt woh­nen lauter Rechabiten hier, die, von der babylonischen Gefangenschaft zurückkeh­rend, Nobah wieder eroberten und sich hier niederließen (vgl. 1 Par. 2, 55).

Jesus heilt viele Besessene, die Ihm aus dem hiesigen Hospital zugeführt werden. Auch Petrus, Jakobus und Johannes heilen und lehren. An der Grenzscheide kommen auch Heiden zum Herrn und ehren Ihn. Er läßt einige von ihnen taufen und segnet die Kin­der. Er stößt hier auf keinerlei Widerspruch und arbeitet erstaunlich. Er übernachtet mit den Seinen im Hotel bei der Synagoge.

Hirtenort Jakobs Friedenslager

Mi. 9.

Von Nobah geht Er wieder fünf Stunden südwestlich zu einem lieblichen Hirtenort, wo einst Jakob zum erstenmal lagerte, als er von Laban floh (Gen. 31, 25). Bei Seiner Ankunft setzt Sich der Herr an einen der drei Brunnen, wird von den Hirten mit Fußwaschung und Imbiß empfangen und heilt dann die Kranken, die man aus der Gegend zusammenbrachte, als man gestern erfuhr, daß Er hierherkomme.

An einem Hügel spricht Er vor vierhundert Hirten über den Zug der heiligen Drei Könige, die hier vor 32 Jahren gerastet haben, predigt vom Stern aus Jakob und von dem neugeborenen Kinde, welches die Könige damals aufgesucht. Hierauf spricht Er von der Erfüllung der prophetischen Weissagungen, vom Täufer als Vorläufer des Messias, der jetzt mitten unter Israel weile, aber von ihm nicht erkannt werde, und erzählt zum Schluß die Parabeln vom guten Hirten (J. 10, 1-18) und vom Säen und Ernten (Mk. 4, 26-29).

Jesus ist hier mit den Hirten ungemein kind­lich und vertraulich und nennt sie im Ge­spräche immer liebe Kinder. Hier kommen auch noch zehn Jünger, von anderen Apo­steln gesendet, zu Ihm, und zwar jedesmal paarweise, ein alter (meistens ein Johannesjünger) und ein neuer Jünger.

Do. 10.

Am anderen Morgen besucht der Herr ein­zelne Hirtenhütten, erzählt dort von den Hirten zu Bethlehem; und als sie alles ver­lassen und Ihm folgen wollen, um Ihn im­mer zu hören, legt Er ihnen nahe, hier wohnen zu bleiben.

Manasse-Stadt Salcha

Mittags laden Ihn Bewohner von der eine Stunde nördlich liegenden Stadt Salcha zu sich ein. Jesus folgt der Einladung und wird vor dem Stadttore von den Lehrern und Schülern feierlich empfangen.

Als man Ihn fragt, ob Er die Johannestaufe erteilen könne, da man hier den Täufer hochschätzt, spricht Er vom Zeugnis des Täufers. Viele werden getauft und geheilt und die Kinder gesegnet. Dann predigt Jesus in der Synagoge, und nachher kom­men auch Heiden zu Ihm und bitten um Trost und Hilfe.

Der Besuch der Davidstraße

Auf der Davidstraße

Fr. 11.

Vormittags wandelt der Herr mit den Seinen anderthalb Stunden westlich auf der soge­nannten Davidstraße, die hier in den Win­dungen der Täler gen Westen zum Jordan hinläuft. Jesus schlägt diesen Weg ein, um den Seinen diese Straße, die eine Art Hohl­weg ist, zu zeigen, und erzählt ihnen fol­gende vier Ereignisse, die hier geschehen sind:

Abraham sah in diesem Hohlwege ein Leuch­ten und hatte eine Vision, als Er nach Kanaan zog. David sah einen leuchtenden Reisezug, als er in die Gegend von Maspha floh und sich hier in der Schlucht mit drei­hundert Mann versteckt hielt; und daher ward die Straße später nach ihm benannt. Der Zug aber war eine Vision der heiligen Drei Könige, wobei David einen mystischen Gesang vernahm vom verheißenen Tröster in Israel. Er hat damals das diesbezügliche Stück eines Psalmes gedichtet (vielleicht Ps. 71, 6-11).

Auch der Prophet Malachias ist nach einer Schlacht hierher einem Lichte gefolgt und hat sich hier verborgen. Und schließlich sind die heiligen Drei Könige, als sie gen Bethlehem zogen, aus der Gegend von Salcha auf diesem Wege, indem sie kurz zuvor ihren Kamelen den Willen ließen, unter besonders hellem Leuchten des mystischen Sternes hinabgezogen. Sie pflegten auf ihrem Zuge oft von übernatürlicher Freude und Sehnsucht erfüllt, improvisierte Verse ab­wechselnd zu singen; aber hier in der David­straße wurden sie noch mehr innerlich be­wegt, und ihr Gesang war ganz besonders rührend und lieblich.

Festungs-Stadt Thantia

Nachdem Jesus, alles dieses den Seinen er­zählend, ungefähr anderthalb Stunden in der Davidsstraße gewandelt ist, biegt Er nach Süden ab, erreicht die Heerstraße Bosra-­Philadelphia und kommt zum Sabbatbeginn nach Thantia, wo Er sogleich in der Syna­goge über Balaam, den Stern Jakobs (Num. 24, 17) und über die Weissagung des Pro­pheten Michäas betreffs Bethlehem Ephrata (Mich. 5, 2) predigt.

Sa. 12.

Heute heilt der Herr in Privathäusern jene, welche die Jünger bei ihrem Hiersein vor zwei Monaten nicht zu heilen vermochten. Auch werden viele getauft, die Er hierzu vorbereitet. Jesus predigt hier ohne Widerspruch, denn die Rabbiner und Einwohner sind in dieser Gegend fromm, wallfahren zur Davidsstraße und hoffen, dort Visionen vom Messias zu empfangen, und glauben, daß Er von dort zu ihnen kommen werde.

Während der Predigt Jesu sagen sie zuwei­len: „Er spricht, als sei Er es selbst; aber das ist doch nicht möglich!“ Sie meinen nämlich, der Messias müsse irgendwo wie ein Engel unsichtbar in Israel angekommen und Jesus etwa ein Vorläufer und Verkün­der desselben sein. Jesus sagt ihnen darauf­hin, sie würden den Messias vielleicht er­kennen, wenn es zu spät sei. Doch kommen viele von hier später nach der Kreuzigung zur Gemeinde Jesu.

Karte Nr. 33, 2. Teil
1-Fahsel Emmerick Karte 33

Bergfestung Datheman

So. 13.

Nach einem Marsche von etwa vier Stunden in nordwestlicher Richtung erreicht der Herr die Bergfestung Datheman, besteigt aber erst den Berg in der Nähe, den einst die Tochter Jephtes zum Ort ihrer Trauer erwählte (Richt. 11, 38). Auch der Prophet Balaam hatte diesen Berg zum Ort seiner Betrachtung erwählt, als ihn der Moabiter­könig rufen ließ (Num. 22, 5). Jetzt woh­nen immer noch Einsiedler auf diesem Berge; und Jesus hält oben eine Predigt vor einigen hundert Menschen.

In Datheman selbst lehrt Er wieder über Balaams Weissagung vom Stern Jakobs und vom Schicksal der Tochter Jephtes.

Die Leute sind hier in der Gegend ganz voll von der Heiligkeit der Davidstraße; sie äußern sich dem Herrn gegenüber, sie möch­ten nicht im Lande jenseits des Jordans wohnen, wo man alles, was in der David­straße vorausgesehen worden und eingetrof­fen sei, gar nicht erwähnen dürfe. Man spreche hier sehr wunderbar von dem Zug jener fünfzehn Vornehmen mit den drei Anführern, die vor zweiunddreißig Jahren durch jene Straße durchgezogen seien und immer nach dem neugeborenen König gefragt hätten; und es gehe die Sage bei from­men Leuten, daß David den Zug schon vor­ausgesehen habe.

Die Lücke im Tagebuch

Mit diesem 13. Juli schließen die Aufzeich­nungen des Clemens Brentano über jene Visionen der Katharina Emmerich, die sie vom 2. Juni 1821 fortlaufend bis zum 13. Juli 1823 geschaut und ihm täglich mit­geteilt hat.

Die noch folgende Zeitspanne des Lehrwan­dels Jesu bis zu Seiner großen Passion um­fassen jene Visionen der Katharina Emme­rich, die sie vom 29. Juli 1820 bis 28. März 1821 täglich geschaut und dem Clemens Brentano jedesmal mitgeteilt hat.

Es entsteht daher jetzt im Reisetagebuch ein kurzer Ausfall von fünfzehn Tagen. Und durch das Zurückgehen vom 13. Juli 1823 auf den 29. Juli 1820 ergibt sich eine kleine Verschiebung der Namen der Monatstage.

Trotzdem decken sich die folgenden Tage wie bisher mit den Tagen und der Jahreszeit der Geschehnisse im weiteren Verlauf des Lebens Jesu, da Katharina Emmerich auch jetzt, wie bisher, diese täglichen Gescheh­nisse jedesmal zur selben Jahreszeit schaut und mitteilt. Und diese Übereinstimmung läßt sich, wie bisher, jedesmal aus den Sabbat-Tagen jeder Woche und den vor­kommenden Festtagen des jüdischen Kalen­ders erkennen (siehe oben Seite 93).

Die nun folgenden Berichte unterscheiden sich deutlich merkbar von den bisherigen, insofern sie inhaltlich viel kürzer gehalten sind, was offenbar darauf zurückzuführen ist, daß Clemens Brentano, wie es aus dem oben angegebenen Datum ersichtlich ist, dieselben in seiner Eigenschaft als Neuling entgegengenommen hat, also noch nicht so gut wie später den westfälischen Dialekt beherrschte, in welchem Anna Katharina Emmerich zu berichten pflegte. Es können aber auch noch andere, mehr äußere Um­stände hindernd eingewirkt haben.

Die große Kindersegnung

Übergang-Stadt Bethabara

Sa. 29.

Zu den drei Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes, die Jesus auf Seiner Reise durch Auranitis begleitet haben, gesellen sich in der hiesigen Jünger-Herberge noch Matthäus und Saturnin.

Jesus ist in der Stadt in steter Arbeit. Bald lehrt Er auf der Straße, bald ziehen sie Ihn bei den Kleidern in ein Haus. Er erzählt viele Parabeln und heilt Lahme und Gichtbrüchige und mehrere Blinde. Auch heilt Er einen taubstummen Besessenen und einen Mann mit einer verdorrten Hand (nicht Mt. 12, 9 ff.; vgl. S. 284).

Bei dieser Gelegenheit treten einige Phari­säer an Ihn heran, um Ihn durch Fragen über Ehescheidung auf die Probe zu stellen. Nachdem Er ihnen Seine Ansicht gesagt, meinen Seine Apostel, dann sei es besser, gar nicht zu heiraten, worauf Er von der besonderen Gnade des Zölibates spricht (Mt. 19, 3-12).

Auf der Straße ziehen Ihm ganze Prozes­sionen von Müttern mit Kindern entgegen. Seine Begleiter weisen sie wegen der großen Arbeit Jesu zurück; Er aber wehrt es ihnen, läßt jene sich in dreifachen Reihen zu bei­den Seiten der Straße aufstellen, schreitet die Reihen auf und ab entlang und segnet alle Kinder. Den einen legt Er die Hand auf das Haupt und spricht mit ihnen; an­deren legt Er eine Hand auf das Haupt, die andere auf die Brust; andere schließt Er an Seine Brust, und manche stellt Er Seiner Umgebung als ein Muster vor. Es sind wohl an tausend Kinder und Säuglinge, die Er in diesen Tagen so segnet, und alle erhalten eine besondere Gnade und werden später Christen (Mk. 10, 13-16).

Bei dieser Sendung der Kinder geschieht auch die Zurechtweisung des reichen Jüng­lings, der Ihn nach den Bedingungen zur Erlangung des ewigen Lebens fragt (Mt. 19, 16-22).

Hierauf belehrt Er die Apostel über die Gefahr des Reichtums (Mt. 19, 23-26) und verkündet ihnen, als Petrus fragt, was ihnen auf Grund ihrer Nachfolge zuteil werde, den großen Lohn für die Entsagung und Nachfolge (Mt. 19, 27-30). Hierbei sind noch Spitzel der Pharisäer zugegen und wundern sich und murren.

Zum Abendessen geht Jesus in ein Haus, wo die heiligen Frauen ein Mahl bereitet haben. Es sind hier anwesend: Martha, Mag­dalena mit ihrer Dienerin Marzella, Maria Salome und Maria Kleophä, die Ihm bei Seinen Lehrreisen helfen. Außerdem sind zugegen Veronika, Maria Markus, Johanna Chusa und Susanna und Salome von Jeru­salem, die mehr im Verborgenen Seine An­hängerinnen sind, ähnlich wie Nikodemus (L. 8, 1-3).

Bei Tisch bittet Maria Salome Jesum, ihre beiden Söhne Johannes und Jakobus in Seinem Reiche an Seiner Seite sitzen zu lassen, worauf Er sie über die Bedingungen und die Macht hierzu aufklärt (Mt. 20, 20 bis 28). Am 3. Oktober 33 wiederholt sich dasselbe noch einmal.

Karte Nr. 35
1-Fahsel Emmerick Karte 35

Reise nach Madian

Aussätzigen-Ort bei Nebo

So. 30.

Abends geht der Herr von Bethabara mit den fünf Aposteln gen Osten und wird unter­wegs von Leuten in ein bei Nebo auf dem Lande liegendes Hospital gerufen, in dessen Seitengebäude zehn Aussätzige liegen.

Während die Apostel aus Furcht vor An­steckungsgefahr das Gebäude umgehen und an einem Baume auf Jesum warten, heilt Er die Aussätzigen, läßt sie sich im nahen Teich baden und befiehlt ihnen, sich den Priestern in der Nachbarschaft zu zeigen. Nachdem Er im Hauptgebäude noch einige Krüppel geheilt und bereits das Haus ver­lassen hat, folgt Ihm einer der geheilten Aussätzigen, wirft sich vor Ihm nieder und dankt. Jesus sagt ihm etwas, und der ganze Vorgang ist ähnlich dem, der sich am kom­menden 24. August wiederholt und welchen dann der Evangelist Lukas (17, 11-19) beschreibt.

Mo. 31.

Unterwegs gesellen sich noch vier weitere Apostel zu den Begleitern Jesu. Er wandelt mit ihnen südwärts, überschreitet den rei­ßenden Fluß Zerka, läßt Machärus rechts liegen und nähert Sich auf der Römerstraße der Diaspora-Stadt Madian, durch die vor 32 Jahren die heiligen Drei Könige gezogen sind.

Vorstadt von Madian

Aug., Di. 1.

Jesus geht nicht in die Stadt selbst, da die Einwohner zu böse sind, sondern lehrt nur im jüdischen Vorort. Einige der Apostel und Jünger reden jedoch mit Madianitern an der großen Brücke des Arnon.

Erster Aufenthalt in Jericho

Auf dem Wege nach Jericho

Mi. 2.

Von Madian kehrt der Herr wieder gen Nor­den zurück. Unterwegs erzählen die kürz­lich angekommenen Apostel ihre Reise­erlebnisse, wobei Er ihnen Winke für die Zukunft gibt. Sie übernachten bei Hirten, die Er noch abends unterrichtet.

Do. 3.

In der Nähe des Jordan kehrt Er in einem großen Hause ein, in welchem eine Hirten­familie wohnt. Hier erzählt Er die Parabel vom unbarmherzigen Knecht (Mt. 18, 23 bis 35) und bemerkt unter anderem: „Die­jenigen, die sagen, sie seien keusch, essen und trinken aber, was ihnen gelüstet, wollen ein Feuer mit dürrem Holze löschen.“ Unter­des treffen noch einige Jünger ein.

Fr. 4.

Langsam wandelt der Herr mit den neun Aposteln und vielen Jüngern weiter dem Jordan zu, unterwegs die Seinen unterrich­tend. Er geht bald vorn, bald in der Mitte, oft bleibt Er stehen; und sie treten Ihm näher, nie aber drängen sie Ihn.

Bethjesimoth

Bei Seiner Ankunft in Bethjesimoth heilt Jesus vor der Sabbat-Lehre an der Tür der Synagoge eine gekrümmte Frau, worüber die anwesenden Pharisäer ihre gewöhnlichen Vorwürfe über Sabbat-Schändung vorbrin­gen.

5. – 8.

Der Herr hält Sich mit den Seinen vier Tage in Bethjesimoth auf. Einmal wollen Ihn die Pharisäer am Lehren verhindern. Sie stehen vor der Synagoge und wollen Ihn nicht hin­einlassen, aber Er geht mitten durch sie hin­durch, lehrt und erzählt mehrere Gleich­nisse.

Es hat Ihn niemand hier bewirtet. Erst am letzten Abend zieht Ihn jemand in sein Haus nebst den Aposteln und Jüngern, bewirtet sie, macht ihnen allen zur Ehrung kleine Kronen aus Wolle und setzt sie ihnen bei Tisch auf.

Mi. 9.

Auf dem Wege gen Jericho erzählen die Apostel und Jünger noch vieles von ihren Taten und manches nicht ohne Eitelkeit. Jesus verweist es ihnen, ähnlich wie am 26. Juni 33, und fügt diesmal warnend hin­zu: „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen“ (L. 10, 18). Da erschrecken sie.

Auch erzählt Er ihnen ein Gleichnis, das sich auf das künftige Verhalten aller zwölf Apostel bezieht. Als Er nämlich äußert, sie hingen Ihm an, weil sie gute Kost hätten, verstehen sie nicht, daß Er damit den augenblicklichen äußeren Frieden und die schönen Lehren meint, und daher fügt Er hinzu, in der Not würden sie sich anders verhalten. Ja Er sagt sogar, die, welche jetzt gleichsam einen Mantel der Liebe Ihm gegenüber trügen, würden diesen fallen lassen und nackt fliehen, womit Er das spätere Verhalten des Johannes im Garten Gethsemani (Mk. 14, 52) andeutet.

Nicht weit vor Jericho weist Er zum zweiten Male eine Frau ab, die Ihn schon in Beth­jesimoth um die Heilung ihres geschwürigen Kindes gebeten. Er macht Sie darauf auf­merksam, daß sie ihr Kind in Sünden emp­fangen und noch an einem alten Fehler klebe, den sie erst von Herzen bereuen müsse, ehe sie wieder zu Ihm kommen dürfe.

Herodes-Stadt Jericho

Do. 10.

Vor der Stadt Jericho warnen Ihn vier Pharisäer vor Herodes, aber mit der Hinter­absicht, Ihn am Wirken von Wundern in Jericho zu verhindern. Er gibt ihnen den Auftrag, Herodes, dem Fuchs zu melden, daß Er an allen jenen Tagen, heilen werde, die Ihm der himmlische Vater vorgeschrie­ben (L. 13, 31-33). Zwei der Pharisäer bekehren sich und schließen sich Ihm später an; die beiden anderen gehen erbittert nach Jerusalem.

Gleich darauf nahen sich dem Herrn zwei Brüder aus Jericho mit der Bitte, ihre Erb­schaft unter sie zu verteilen. Er weist sie zurück, warnt sie vor Habsucht und fügt das Gleichnis vom reichen Manne hinzu (L. 12, 13-21). Als jedoch Petrus und auch Johannes äußern, diese Erbschaftsentschei­dung sei doch ein gutes Werk, warnt Er die Seinen vor vielem versammeltem Volk vor dem Übermaß zeitlicher Sorgen (L. 12, 22 bis 31) und fordert sie zum Sammeln von Schätzen im Himmel auf (L. 12, 32-34). Aber die Jünger verstehen Ihn immer noch nicht ganz, da sie den Hl. Geist noch nicht haben und immer noch ein irdisches Reich erwarten.

Als Ihm nun wieder viele Frauen mit Kin­dern entgegenziehen und um Seinen Segen bitten, versuchen die Jünger, sie, ähnlich wie am 5. November 32 und am 29. Juli 33, zurückzuweisen. Er aber befiehlt ihnen, die Kinder heranzulassen, und segnet sie (Mt. 19, 13-15).

Der Zöllner Zachäus

Fr. 11.

Nahe der Stadt, wo Gärten, Lustplätze und Häuser durcheinander liegen, kommt Jesus mit Seinem Gefolge in ein dichteres Ge­dränge. Menschen aus allen Gegenden sind zusammengekommen, und viele Kranke har­ren Seiner unter Schuppen und Zelten.

Der Oberzöllner Zachäus steigt, weil klein, auf einen Feigenbaum, um den Herrn besser sehen zu können. Jesus heißt ihn beim Vor­überwandeln herabsteigen und ladet Sich bei ihm ein (L. 19, 1-19), was Er auf des­sen Herz bezieht, denn äußerlich zieht Er heute erst in Jericho ein.

Nach dem Gottesdienst in der Synagoge speist Jesus mit den Jüngern im Hotel und weist jene Frau von vorgestern nochmals ab, da sie ihre Klatschereien immer noch nicht bereut hat. Später kommt Zachäus zum Hotel, und Jesus ladet ihn zum Essen ein, worüber sich Seine neueren Jünger ärgern. Auch Verwandte des Zöllners befinden sich unter den Begleitern Jesu, die sich schämen, daß Zachäus immer noch Zollbeamter ist.

Sa. 12.

Vormittags predigt der Herr in der Syna­goge wider den Geiz und geht dann, unter­wegs noch jene Frau aus Bethjesimoth ab­solvierend und ihr Kind aus der Ferne hei­lend, zur Wohnung des Zachäus außerhalb der Stadt. Die Jünger gehen nicht mit, nur die Apostel, aber ungern. Beim Mahl erzählt Jesus die Parabel vom unfruchtbaren Fei­genbaum (L. 13, 6-9), und übernachtet zum Erstaunen der Apostel bei Zachäus.

Um diese Zeit erkrankt Lazarus in Bethanien schwer, und man sehnt sich dort nach dem Herrn; aber Er geht erst noch gen Samaria, ehe Er nach Bethanien reist.

Mi. 16.

Jesus ist heute bei einem vornehmen Phari­säer mit Seinen Jüngern und vielen anderen Pharisäern zu Gast geladen. Bei Tisch wirft man Ihm das Heilen der Kranken am letz­ten Sabbat vor. Er widerlegt die Vorwürfe, tadelt ihre Hoffart, immer obenan zu sitzen und erzählt Gleichnisse, ähnlich wie bei den Pharisäer-Gastmählern am 31. August 32 und am 18. April 33 (L. 14, 1-24).

Von Jakobus und Bartholomäus werden viele mitten in Jericho auf einem freien Platz in einem von Gebäuden umgebenen Badeteich getauft.

Intrigen der Jericho-Pharisäer

Do. 17.

Heute lehrt der Herr mehrmals in der Syna­goge; auf der Straße drängen sich Sünder und Zöllner um Ihn. Einige Apostel lehren auch. Die Pharisäer hingegen stecken in ihrem Hause zusammen, erwarten ihre Boten von Jerusalem, die ihnen Haftbefehle wider Jesum bringen sollen, und überlegen, wie sie Ihn am besten fangen können.

Die Jünger sind ängstlich und unwillig, daß Sich der Meister so ungestört der großen Gefahr aussetzt. Bald darauf kommt Er zu ihnen und zu den Leuten, die sich über Seinen Umgang mit Sündern und Zöllnern ärgern (L. 15, 1-2), und erzählt ihnen die Gleichnisse vom verlorenen Schaf, von der verlorenen Drachme und vom verlorenen Sohne (L. 15, 3-32). Auch heute wird wie­der getauft, und einige Kranke werden so­gar durch die Taufe geheilt; andere aber werden auch abgewiesen.

Fr. 18.

Jesus heilt heute eine blutflüssige Frau, die von weit hergekommen ist und nun Sein Gewand berührt, doch ist dies ein anderer Fall wie jener von Matthäus (9, 20) erzählte am 6. Dezember 32. Jesus lehrt nach dieser Heilung vom ausdauernden Gebet, da Er diese Frau vorher mehrmals abgewiesen hat.

Es ist sehr rührend zu sehen, wie die Kran­ken, wo der Herr wandelt, dicht am Wege liegen, seufzen und flehen; wie die Jünger dabei so ängstlich und unmutig sind, und wie der Heiland so ernst, sicher und sanft ununterbrochen heilt und lehrt.

Boten aus Bethanien läßt Er sagen, Er komme noch nicht, da Seine Zeit noch nicht gekommen sei, dorthin zu gehen. Nach Samaria aber schickt Er zwei Jünger, um dort Seine baldige Ankunft zu melden.

Sa. 19.

Morgens und abends lehrt Jesus in der Syna­goge, und während der Zwischenzeit geht Er von Haus zu Haus und heilt und befreit auch Besessene.

So. 20.

Die zwei am vergangenen Zehnten dieses Monats ergrimmten Pharisäer sind in Jeru­salem grob aufgenommen worden, weil sie ihre Gesinnung Jesu gegenüber etwas geän­dert hatten. Heute kehren sie bekehrt zum Herrn zurück. Er entläßt und sendet paar­weise eine große Zahl Apostel und Jünger nach Orten aus, in die Er nicht mehr kom­men wird. Am heutigen Abend schließt der Monat Ab und beginnt der neue Monat Elul.

Mo. 21.

An hundert fremde Pharisäer haben sich in Jericho mit den einheimischen versammelt, beraten und lauern Jesu, da Seine Beglei­tung bedeutend geringer geworden, geschlos­sen am Wege auf, stellen Ihn heftig zur Rede und bringen alle alten Vorwürfe von neuem vor. Doch Er widerlegt dieselben mit solcher Kraft, daß sie zum Schluß nichts mehr zu sagen wissen.

Ort nördlich von Jericho

Di. 22.

Morgens geht Er etwa eine Stunde nördlich von Jericho. Auf dem Wege vor dem Ort halten Ihn nochmals viele Pharisäer an und bestürmen Ihn mit listigen Fragen und albernen Vorwürfen, haben aber keine Ge­walt über Ihn.

Viele Leute ziehen mit Ihm in die Stadt. Am Wege sitzen zwei Blinde mit ihren Führern. Sie werden Ihm nachgeführt und riefen immerfort: „Herr, erbarme Dich unser, Sohn Davids!“ Er bleibt stehen, stellt einige Fragen betreffs ihres Glaubens und heilt sie (Mt. 20, 29-34). Es entsteht viel Tumult, und die Pharisäer stellen mit einem der geheilten Blinden eine Untersuchung an und fragen auch dessen Vater aus.

Jesus heilt unterwegs noch viele, und es ist nicht auszusprechen, wie ruhig, sicher und geduldig Er unter allen diesen Zumutungen, Anfällen und Verfolgungen arbeitet, und wie sanft und ernst Er lächelt, wenn die Jünger Ihn von Seinem Wege abwendig machen wollen.

Anderer Ort nördlich von Jericho

Mi. 23.

In einem zweiten kleinen Ort nördlich von Jericho heilt er wieder viele und lehrt in der dortigen Schule. Die Leute nehmen Ihn hier besser auf als in dem letzten Orte.

Do. 24.

Vor dem Orte heilt Er die zehn Aussätzigen, und diese Heilung wird vom Evangelisten Lukas (17, 11-19) geschildert. Der eine, der zu Ihm zurückkehrt und dankt, wird später ein Jünger.

Er besucht auf die Bitte eines Hausvaters dessen Haus in einem Hirtendorf, eine Viertelstunde rechts vom Wege und erweckt dessen siebenjähriges gestorbenes Töchter­chen zum Leben. Petrus, Johannes und Jakobus Major sind dabei, und Er sagt ihnen, sie sollten in Seinem Namen ebenso ver­fahren.

Letzte Besuche bei Hirten

Hirtengegend in Süd-Samaria

25. – 29.

Jesus wandelt mit den drei Aposteln in den weit zerstreuten Hirtenhäusern umher, heilt viele und befreit besonders viele Angefoch­tene und Besessene, auch Frauen und Mäd­chen.

Hirtenhaus bei Hebron

Mi. 30.

Von Hirtenhaus zu Hirtenhaus wandernd, nähert Sich der Herr dem Gebirgslande gegen Hebron zu und wohnt in einem Hirtenhaus, nahe bei Hebron, mit Petrus allein einem Hochzeitsfeste bei. Er legt noch nach dem Mahl in einem besonderen Raum des Hauses die Hände des Brautpaares zusam­men, segnet mit Seiner Rechten die so ver­bundenen Hände und lehrt von der Unauf­löslichkeit der Ehe und der Enthaltung.

Ein anwesender Priester wird unwillig, daß dem Herrn und Petrus die Ehrenstellen bei Tisch eingeräumt werden und holt aus Hebron Pharisäer herbei, die Jesus mit Hef­tigkeit überfallen. Einer zieht Ihm bei seiner aufgeregten Rede den Mantel von der Schul­ter; doch Jesus bleibt ruhig, und sie kön­nen Ihm nichts anhaben und weichen von dannen.

Do. 31.

Er zieht weiter südlich gen Juta in das Gebirgsland. Die Hochzeitsgäste geben Ihm das Geleit, und unterwegs gesellen sich zu den dreien noch drei andere Apostel, dar­unter Andreas. Der Herr heilt auf dieser Reise viele kranke Kinder, die man Ihm an den Weg bringt. Sie sind meist geschwol­len und können nicht gehen.

Gebirgsort bei Juta

Sept., Fr. 1.

Die Priester in der hiesigen Synagoge rufen noch andere Priester zu Hilfe, aber sie müs­sen Jesu den Lehrstuhl einräumen, denn das Volk will Ihn hören.

Sa. 2.

Er lehrt in der Synagoge auf dem Hügel über die Worte: „Niemand kann zwei Her­ren dienen“ (Mt. 6, 24). Die Pharisäer spot­ten darüber, daß Er sagt, Er werde nicht wiederkehren; Er habe das schon oft gesagt.

3. – 5.

Unter anderem lehrt Er noch in diesem Orte von Seiner Absicht, daß Er gekommen das Schwert zu bringen (Mt. 10, 34-36). Als die Jünger hierüber verwirrt und ängstlich werden, erklärt Er ihnen, daß Er damit die Lostrennung von allem Bösen meine.

Leviten-Ort Bethain

Mi. 6.

Nachdem der Herr die meisten Apostel und Jünger wieder fortgesandt hat, verläßt Er den Gebirgsort und zieht nach einem kleinen Orte weiter nördlich, wo die Einwohner Ihm gutgesinnt sind. Es ist das Leviten-Städtchen Bethain, welchem Er schon am 15. Januar 33 einen kurzen Besuch abgestattet hatte. Das Nähere über Jesu Wandel von hier aus bis nach Kapharnaum ist uns nicht berichtet worden.

Kurzer Wandel in Samaria

Infolge großer Leiden ist Anna Katharina dreizehn Tage lang nicht imstande gewesen, aus ihren Visionen während dieser Zeit Mit­teilungen zu machen. Näheres über eine ver­mutliche Reise Jesu nach Jerusalem ist da­her aus dieser Quelle nicht bekannt. Vom 20. September an sind wieder folgende kurze Bruchstücke von ihr mitgeteilt worden.

Karte Nr. 36
1-Fahsel Emmerick Karte 36

Ort bei Samaria

Mi. 20.

Jesus bleibt noch in einem Orte bei Samaria, und Seine heiligste Mutter, deren ältere Schwester Maria Heli nebst ihrer Tochter Maria Kleophä reisen Ihm von Bethanien aus entgegen. Am heutigen Abend schließt der Monat Elul und beginnt der neue Monat Tisri.

Do. 21.

Die drei heiligen Frauen treffen bei dem Herrn ein, und außerdem überbringt ein Bote von Lazarus die Bitte, der Herr möge doch nach Bethanien kommen.

Ort, eine Tagesreise nördlich von Bethanien

22. – 23.

Während die heiligen Frauen dort, wo sie angekommen, den Sabbat feiern und auf Jesu Rückkehr warten, geht Er zum Sabbat in einen Ort, eine Tagesreise nördlich von Bethanien, lehrt in der großen Synagoge, segnet Kinder und heilt Kranke.

Er lehrt dieser Tage sehr ausführlich vom barmherzigen Samariter (L. 10, 25-27), von der Bedeutung Jerichos und Jerusalems und von der verlorenen Drachme (L. 15, 8 bis 10). Er sagt unter anderem, die, welche Ihm nicht nachfolgen, würden unter die Mörder fallen. Auch segnet Er wieder viele Kinder und heilt Kranke.

Ort bei Samaria

Mi. 27.

Er kehrt zu dem Ort zurück, wo Ihn die Frauen erwarten. Auch Apostel und Jünger sind bei Ihm. Sie wohnen im Hotel und er­halten hier die Nachricht vom Tode des Lazarus.

Do. 28.

Der Herr reist gegen Abend mit den Apo­steln und heiligen Frauen ab. Sie wandern beim Mondschein die Nacht hindurch in getrennten Gruppen in Richtung auf das Landgut Lazari bei Ginäa, wo dessen Schwe­stern Jesum erwarten.

Grenz-Stadt Ginäa

Fr. 29.

Während die Frauen gleich zum Landgut Lazari gehen, bleibt Jesus mit den Aposteln noch in einem kleinen Gut vor Ginäa und predigt zum Sabbat in der Synagoge zu Ginäa, wo Er auch mit den Aposteln über­nachtet.

Lazari Gut bei Ginäa

Sa. 30.

Nach dem Sabbat begibt Er Sich zum Land­gut Lazari. Magdalena kommt Ihm ent­gegen und klagt, ähnlich wie später Martha (J. 11, 21), daß der Meister nicht früher nach Bethanien gekommen sei. Er erwidert dem Sinne nach das Ähnliche wie schon vor­her beim Empfang ihrer Nachricht von der Erkrankung Lazari. „Diese Krankheit führt nicht zum Tode, sondern dient zur Verherr­lichung Gottes, weil der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werden soll“ (J.11,4). Dann speist Er mit den Aposteln und Frauen im großen Saal des Hauses und lehrt vom Ärgernis, das man im letzten Ort an Ihm ge­nommen und vom Ärgernis, das noch be­vorstehe.