DER MENSCH AUF SEINEM WEG ZU GOTT

ZWISCHEN ENGEL UND TEUFEL

Der Mensch, mit seinem sterblichen Leib und seiner unsterbli­chen Seele – mit seiner Sehnsucht nach GOTT und seinen Trieben nach unten, ist auf seinem Weg zu GOTT mitten in den Kampf der Geister gestellt, heute mehr denn je. Sowohl das natürliche wie das übernatürliche Leben ist Kampf vom ersten bis zum letzten Augenblick; wir können uns ihm nicht entziehen. Wir müssen ler­nen, mit klaren Augen rings um uns zu schauen und uns jene Waf­fen zu sichern, deren wir zum Siege über den Bösen bedürfen – in uns und um uns. Das Leben ist nun einmal der große Prüfungs­tag für uns, der die Entscheidung für die ganze Ewigkeit bringt, für – oder gegen GOTT!

„ICH BIN DER HERR DEIN GOTT“ Dieses Sigel erhält jeder Mensch bei der hl. Taufe, welche ihn zum Kind GOTTES und zum Er­ben des Himmels macht. Würde man sich dies im Leben immer wieder vor Augen halten, viel Leid und Schuld, viel Angst und Not blie­ben uns erspart.

Der Kampf der Geister, durch den wir hindurchgehen müssen auf unserm Weg zu GOTT, ist unerbittlich bis in seine letzten Konse­quenzen. Hier spielt das Zeitliche nur in Bezug auf menschliche Fähigkeiten und Hilfsmittel, auf Angriffs- und Abwehrmöglichkeiten eine Rolle. Das Wesentliche, um das es geht, das ist die Beute, sowohl für den Engel als für den Teufel und diese Beute ist immer der Mensch, ist das ewige Sein des Men­schen in GOTT, wenn er Beute des Engels wird, – oder das ewige Nichtssein im Abgrund der Hölle, wenn er Beute des Teufels wird. Denn darum geht der Kampf der Geister: es kann ja kein Engel einen Teufel töten, es wird auch niemals aus einem Teufel ein Engel oder umgekehrt. Seit der Stunde, da Luzifer mit seinem An­hang aus der Anschauung GOTTES geworfen wurde, haben die Mächte der Finsternis das unstillbare Verlangen, alles und besonders die ganze Menschheit in ihren Abgrund, in ihre Nacht hineinzu­reißen. CHRISTI Blut, das über die Menschen erlösend geflossen ist, das ist eine unbezahlbare Siegesbeute für sie, Der Mensch ist Kämpfer, solange er selbst mit seinem freien Willen freie Entscheidungen trifft für oder gegen GOTT. Er wird Kampfplatz und Beute, sobald er seinen freien Willen preisgibt oder im Tod preisgeben muss, Beute GOTTES oder Beute Satans.

Jede freie Entscheidung für oder gegen GOTT bedingt Kampf: Kampf gegen den Versucher bei einer Entscheidung für GOTT, Kampf gegen das mahnende Gewissen bei einer Entscheidung ge­gen GOTT. Das Gewissen ist wie der Zellkern der Seele, – ist das Gewissen abgestorben, dann ist auch das Leben der Seele tot und unfruchtbar, ein solcher Mensch, der steril geworden ist gegen GOTT und gegen alle Gnaden GOTTES, wird eben gnadenlos und dadurch wertlos.

Während sich die Mächte des Lichtes, die heiligen Engel, dem Willen GOTTES gemäß jeden Zwanges auf den freien Willen des Men­schen enthalten und ihre Führung erst dann sichtbar wird, wenn der Mensch seinen freien Willen GOTT völlig unterordnet und sich IHM ganz anheimstellt, – bekümmert dieser freie Wille des Menschen den Bösen wenig. Die Mächte der Finsternis bedrängen den Menschen schmeichelnd und drohend, sie kreisen ihn ein, sie betrügen ihn und stacheln ihn auf, es gibt keine Stelle an Körper oder Seele oder Geist, die davon unberührt bliebe als Folge der Erbsünde. Der Kampf, der sich innerhalb der Schöpfung erhebt aus allen Machtbe­reichen des Bösen, von den unauffälligen oder triebhaften, fast gewohnheitsmäßig den Menschen überfallenden Versuchungen angefan­gen bis zu jenen den Kern des Menschen sterilmachenden, wird von uns vielfach gar nicht begriffen oder zumindest weit unterschätzt. Im Zeitalter der Aufklärung wurde die „Kirche Satans“ offiziell zur Macht auf Erden zugelassen. Die erste Bresche war geschlagen.

Was Wunder, wenn aus der „altmodischen“ Furcht vor dem Bö­sen nur mehr eine prickelnde Neugierde wurde (mit diesem „Teu­felchen“ einmal ins Gespräch zu kommen, es auszufragen, es an der Nase herum zu führen). Kein Mensch schützte sich mehr vor der an­geblichen Macht dieser Lächerlichkeit, dazu war man viel zu aufge­klärt. So war diese erste Bresche für das Eindringen meist ver­schleierter satanischer Einflüsse sowohl in die Kirche im Großen wie in jedem Menschen im Kleinen schon offen. Wir kennen diese Re­densarten, die hierüber kursieren: „Mir kann doch nichts passieren! –Man kann aus allem etwas lernen! – Wer wird sich denn vor sowas fürchten! – Man kann nie genug Wissen sammeln –“ ( tut man dies auch vom Wissen über GOTT und Sein Reich und Seine Forderungen und Seine Gnaden?)

Durch diese grundlose Selbstüberschätzung hat der Böse die zweite Bresche in die Reihen der GOTTESkämpfer, – denn für diese in­teressiert er sich am meisten –, aufreißen können: die Schlange kam mit einem ganzen Sack voller interessanter neuer Erkenntnisse (ihr werdet alles wissen, werdet sein wie Götter!) neuen Wissens, neuer, vorteilhafter Auswertungsmöglichkeiten. Die alte Lockung aus dem Paradies „euch werden die Augen aufgehen“.. die heute noch ganz gleich geblieben ist, weckt bei uns keine Erinnerung mehr an das erste Unheil und sehr bald ist die klare Sicht vernebelt, was GOTT und die hl. Kirche erlaubt und was nicht erlaubt wird. Alles ist als Freiheit des Geistes erlaubt! Da ist nun die dritte Bresche: Die Festung Satans ist sturmreif geworden für den höllischen Angriff auf breiter Front, wie wir es aus den Nachrichten über die Vorgänge im Osten genugsam wissen.

Dieser Kampf ist nicht erst von gestern, aber er ist heute ebenso stark wie ehedem und wird morgen noch ärger sein. Jeder Mensch muss durch diesen Kampf. Jeder Mensch hat aber auch durch die Weisheit und die Barmherzigkeit GOTTES einen guten Engel an seiner Seite, eben für diesen Kampf. Er ist also nicht allein, sie sind immer zu Zweit. Mensch, vergiss das nie! Um diese Beiden, Engel und Mensch, irrlichtert der Böse, immerfort lauernd, ob der Mensch ihm nicht freiwillig irgendwo ein Türchen öffnet, durch eine Gewohnheits­schwäche, durch eine Fahrlässigkeit, o, es geht auch über die Vor­spiegelung falscher Tatsachen, über freundschaftlichen Druck oder Drohung oder Überrumpelung. Wir wissen gar nicht, wie viel unser guter Engel von uns abhält, wir merken erst das förmlich lawinenar­tige Abrutschen, wenn wir unsern guten Engel beiseite geschoben und der Sünde wissentlich die Türe geöffnet haben, ja wir merken erst dann, wie schnell das Gute vergessen und die Moral der Welt ange­nommen ist. Wer aber nicht durch sein gut beendetes Leben bei sei­nem Gericht seinen guten Engel als Verteidiger neben sich stehen hat, der wird voll Schrecken einst seinen bösen Dämon hohnlachend auf ihn warten sehen und statt der Verteidigung seines guten Engels hat er dessen Anklage zu erwarten.

Der Mensch aus sich allein ist nicht fähig, den Kampf mit den Mächten der Finsternis siegreich zu bestehen, er braucht den guten Engel dazu. Dieser Engel wendet sein Angesicht nie vom An­gesicht GOTTES ab und steht auf diese Weise beständig in der vi­sio beatifica, im strahlenden Licht der Anschauung des DREIEINIGEN GOTTES. Mit diesem Licht kann er jede Dunkelheit der heran-drängenden Mächte der Hölle zurückweisen, er kann wirksam ein­greifen und helfen, so der Mensch will! Durch dieses Licht prägt er seinem Schützling den Begriff ein „Wer ist wie GOTT?“ und hält in ihm die GOTTESerkenntnis und die GOTTESfurcht wach. Das Licht des Bösen aber, dieses funkelnde, irrlichternde, bunt lockende Licht heißt „komm nur, du wirst sein wie GOTT!“ Freiheit verheißt dieses Licht und beleuchtet den Thron des eige­nen Ichs, die Vorratskammer der eigenen Wünsche, aber von GOTT weiß dieses Licht nichts, bloß von einem Götzen, der das eigene Antlitz trägt, dem Götzen: ICH.

So ist Kampf in und um den Menschen. Auch ohne Christ zu sein, hat jeder Mensch die Verpflichtung, das Gute zu tun und das Böse zu meiden nach dem Maß seiner Erkenntnis. Doppelt groß sind Verpflichtung und Kampf, wenn der Mensch durch die Taufgna­de das Sigel der Kinder GOTTES erhalten hat und in die heilige Kirche aufgenommen ist. Je mehr der Christ in das Reich GOTTES hineinwächst, desto leichter wird aus dem Kämpfer für GOTT ein Kampfplatz für die Kämpfer GOTTES, denn desto deutlicher und wuchtiger kämpfen die Engel GOTTES für ihn und er steht zwi­schen den Engeln so fest eingeknotet, wie Kette und Perle in einem Rosenkranz zusammenhängen. Das ist die GOTTgewollte Stel­lung des Menschen in dieser apokalyptischen Zeit, eingebaut zu werden und zu sein zwischen die hilfreichen, mächtigen heiligen Engel, die Herolde des Zeitalters MARIENS, des CHRISTkönigsrei­ches. Es lässt sich darum denken, dass Kämpfer und Kampffeld „Mensch“ von einer Vielzahl satanischer Kräfte bedrängt, be­worfen oder gar besetzt werden, so dass die heiligen Engel, bild­haft gesehen, oft aus diesem geistigen Getümmel herausragen wie Bäume aus einem Ameisenhaufen.

Der Fürst der Welt beschickt erst sein menschliches Opfer mit einer Unzahl Versucher, um es einzunebeln, gefügig zu machen durch Versprechungen, um es in eine Lauheit, Gleich­gültigkeit, Unzufriedenheit zu bringen. Dann kommen die Dämo­nen, welche den „Selbsterhaltungstrieb“ anstacheln, „Freu­de am Erfolg“ über unlautere Wege schüren, zu Trotz, Empfind­lichkeit und Rachsucht, zu Argwohn und Misstrauen reizen und so allmählich die Schlinge um den Hals des Menschen zuziehen. Der Mensch verlässt sich nunmehr auf diese „geistigen Freunde“, diese Ratgeber, steigt meist erst sprunghaft in die Höhe und kommt zu Geld, zu Erfolg, zu Ruhm und Ehren, begibt sich auf schiefe Bahn in völliger Selbstsicherheit und stürzt plötzlich in die Tiefe. „Das Glück hat sich von ihm gewendet“, sagen achselzuckend jene, die sich noch kurz vorher vor ihm bückten, und verachten ihn. Er verkommt im Elend , wenn er nicht noch im letzten Moment die ihm hilfreich entgegengestreckte Hand des guten Schutzengels ergreifen will.

Der Mensch kommt am sichersten zum Ziel, wenn er sein ganzes Vertrauen auf GOTT wirft, sich vollkommen in GOTT ein­ordnet, wenn er sich von aller triebhaften Anhänglichkeit löst und zur herrlichen, einfachen, frohen und gesunden Armut im Geist durchstößt. Diese Armut heißt: an nichts hängen, aber durch die Liebe GOTTES alles besitzen, alles lassen können, damit uns GOTT alles schenken kann, nichts wissen als GOTT, aber in GOTT alles wissen. Damit ist die erste der acht Seligkeiten erreicht.

Gerade in dieser heiligen Armut im Geist soll jeder Mensch, dem es ernst ist in seinem Ringen um GOTT, alle seine Kräfte in den Dienst GOTTES stellen. Er muss aber achten, falls ihm GOTT über­sinnliche Fähigkeiten geschenkt hat, dass er diese nur im Dienst GOTTES, nur unter den Augen der heiligen Kirche und des führen­den Priesters, nur an der Hand der heiligen Engel, nur in Ver­bindung mit viel Gebet, viel Opfer, viel Sühne, viel Schweigen be­nützt. Wer sich aktiv in den Kampf der Geister einmischen will, der muss von GOTT gerufen sein. Wen GOTT ruft, dem gibt ER auch die Kraft. Niemals soll ein Mensch sich auf seine Fähigkeiten allein stützen, er unterschätzt die geistigen Machtmittel und ein solcher Bau stürzt unweigerlich früher oder später um, weil er nicht auf dem Fundament des Rufes GOTTES steht, das allein trägt. Auch wer Licht in geistige Dunkelheiten der Zeit bringen will, muss sich dieses Licht von GOTT leihen. Jedes andre Licht bloßer For­schung gleicht einem Glühwürmchen, wie wir sie deren genug haben in den Sekten, im Spiritismus, Okkultismus u.s.w.

Wer einmal eine Ahnung von der erschreckenden Macht des Fürsten der Welt und seiner Helfershelfer erhalten hat, der weiß, dass es in diesem Kampf auf unsrer Seite keine andere wirksame Waffe gibt als die Hilfe GOTTES allein. Wir müssen GOTTESträger werden, wir müssen so sehr von GOTT beseelt, ja besessen sein, dass ER unser Ein und Alles ist und alles andre als nebensächlich versinkt, ­dann siegen wir. Denn GOTT allein genügt.

Sind wir so weit, dass GOTT von uns Besitz ergriffen hat, dann wird der Sieg greifbar. Wir sollen aber noch einen Schritt weiter gehen: wir müssen im Ringen um die Rettung der Seelen GOTT Selbst in den Arm fallen, wir müssen Sein Herz bezwingen, ER will von unserer Liebe bezwungen werden, Seine Größe von unserer Klein­heit, o Mysterium Göttlicher Liebe! Diese Kleinheit, diese Armut ist unsere Waffe, vor GOTT, genau wie die Torheit des Kreuzes zu­gleich die höchste Weisheit ist, wie die Ohnmacht des HEILIGSTEN BROTES die Macht der Endzeit ist, wie die Schwäche der heili­gen Mutter Kirche zugleich Unüberwindlichkeit ist. Nichts sind wir, aber GOTT ist alles in uns und in diesem Zeichen siegen wir.

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(Fortsetzung folgt!)