Oscar Arnulfo Romero – ein Porträt

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Erzbischof und Journalist: Oscar Arnulfo Romero – AFP

Papst Franziskus nennt ihn einen „Mann Gottes“, andere einen „unbequemen Märtyrer“. Für viele in Lateinamerika ist er ein „Held der Befreiungstheologie“. Wenn man am Flughafen des zentralamerikanischen Staates El Salvador namens Monsenor Oscar Arnulfo Romero ankommt, so wird einem bewusst: Für dieses Land war und ist er eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Geschichte.

Der Einsatz für eine Seligsprechung des vor 35 Jahren ermordeten Erzbischofs von San Salvador war lang und hat sich schließlich gelohnt. Papst Franziskus hat dafür gesorgt, dass das Verfahren am Dienstag die letzte größere Hürde nahm. Die „Langsamkeit des Prozesses“ wurde vom Präsidenten des Päpstlichen Familienrates, Bischof Vincenzo Paglia, mit der Gefahr einer Instrumentalisierung der Person Romero begründet – Paglia war auch der offizielle Postulator im Seligsprechungs-Verfahren für Romero. Schwierig war es auch, die Ermordung des Erzbischofs wirklich als Märtyrertod einzustufen und nicht als eine lediglich politisch begründete Tat. Doch nun sind alle Ampeln auf grün gesprungen, und seiner Seligsprechung steht nichts mehr im Wege. Wer war der Märtyrer Romero, und was machte seine Lebensgeschichte so besonders, dass sie u.a. zum Stoff für Bücher und Filme wurde?

24. März 1980: Ein Mann in Priesterkleidung, er trägt eine dunkle Brille mit dicken Gläsern, steht am Altar in der Krankenhauskapelle „La Divina Providencia“. Es ist Oscar Romero, der Erzbischof von San Salvador. Plötzlich bleibt ein roter VW vor der Kapelle stehen, ein Mann schießt durch die offene Tür, Romero wird tödlich getroffen, er bricht am Altar zusammen.

62 Jahre zuvor: Am 15. März 1917 wird Romero als Sohn eines Telegrafenarbeiters in einer kleinen Gebirgsstadt in bescheidenen Umständen geboren. Mit 13 Jahren kommt er ins Internat, mit 20 studiert er Theologie am Priesterseminar der Jesuiten. Das Studium schließt er in Rom ab, doch noch bevor er sein Doktorat beenden kann, kehrt er zurück in seine Heimat, um dort als Priester zu wirken. Nebenher arbeitet er als Journalist für Kirchenzeitungen. Romero gilt als konservativ und verschlossen – das lässt ihn offenbar für höhere Posten in Frage kommen. Er gilt als Wunschkandidat des damals herrschenden Generals Molina und des Vatikans für das Amt des Erzbischofs von San Salvador: Man sieht in ihm den Garanten eines guten Einvernehmens von Klerus und Politik.

Das gesellschaftliche Klima im El Salvador der späten 1970-er Jahre ist drückend. Die Stichworte lauten politische Unterdrückung und Gewaltaktionen gegen ArbeiterInnen, Bauern und Bäuerinnen sowie gegen unbequeme katholische Geistliche. Folter und Mord durch Todesschwadronen sind an der Tagesordnung. Unter diesen Umständen tritt Romero sein Amt in der Kathedrale der Hauptstadt an.

Es sind schwierige Jahre für Romero: Sein Freund, der Jesuitenpater Rutilio Grande, wird ermordet; nach einer getürkten Präsidentenwahl kommt es zu einem Massaker an Demonstranten. Viele Biographen des Erzbischofs deuten diese Ereignisse als Auslöser für ein Umdenken bei ihm. Jetzt wird Romero auf einmal die soziale Not um ihn herum deutlich, die Ungerechtigkeit, die Unterdrückung. Die Kirche definiert er von nun an als „Anwältin der Armen“. Er ergreift Partei: Seine Predigten werden über das Radio verbreitet. Sein Engagement für die Armen und Unterdrückten trägt ihm Todesdrohungen ein. Seine Gegner werfen ihm vor, sich nicht genug vom Marxismus und der aufkommenden linken Guerilla abzugrenzen.

Am 23. März 1980 hält Erzbischof Romero in der Kathedrale von San Salvador seine letzte Predigt. Darin thematisiert er eingehend Gräueltaten des Militärs an Zivilisten und appelliert eindringlich an Angehörige der Streitkräfte, nicht länger unmoralischen Befehlen Folge zu leisten.

„Die Kirche, Verteidigerin der göttlichen Rechte und von Gottes Gerechtigkeit, der Würde des Menschen und der Person, kann angesichts dieser großen Gräuel nicht schweigen. Wir fordern die Regierung auf, die Nutzlosigkeit von Reformen anzuerkennen, die aus dem Blut des Volkes entstehen! Im Namen Gottes und im Namen dieses leidenden Volkes, dessen Klagen jeden Tag lauter zum Himmel steigen, ersuche ich euch, bitte ich euch, befehle ich euch im Namen Gottes: Hört auf mit der Repression!“ Nur einen Tag später fallen die tödlichen Schüsse, Romero ist tot.

Zu seinem Begräbnis kommen 200.000 Menschen. Scharfschützen zielen auf die Menge, vierzig Menschen sterben. Der Mord an Oscar Romero bildete den Auftakt zu einem Bürgerkrieg in El Salvador, der rund 75.000 Todesopfer forderte und der erst 1992 durch Friedensvereinbarungen beendet wurde. Heute ist Romeros Grab, das sich in der Kathedrale von San Salvador befindet, eine Art Wallfahrtsort für Besucher aus der ganzen Welt. Auch der heilige Johannes Paul II. kniete hier, drei Jahre nach dem Mord an Romero, in stillem Gebet.

(rv04.02.2015 no)

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