Prof. Wolfgang Waldstein: Zur Frage der normativen Qualität des Verbots des Missale Romanum von 1962

Die schwerwiegenden Auswirkungen, die das „Verbot des Missale, das alle Jahrhunderte hindurch seit den Sakramentaren der alten Kirche kontinuierlich gewachsen war“1, für  die katholische Kirche gehabt hat, lassen es notwendig erscheinen, die normative Qualität dieses Verbots zu untersuchen. Dies umsomehr, als Kardinal Joseph Ratzinger bereits 1976 als Professor mir geschrieben hat, daß es sich dabei um einen „der kirchlichen Rechts- und Liturgiegeschichte durchaus fremden Typus von Verbot des Bisherigen“ handelt. Und er fügte hinzu: „Ich kann aus meiner Kenntnis der Konzilsdebatte und aus nochmaliger Lektüre der damals gehaltenen Reden der Konzilsväter mit Sicherheit sagen, daß dies nicht intendiert war.“ Als Konzilsperitus konnte Prof. Ratzinger damals sagen, daß ein solches Verbot vom Konzil „nicht intendiert war“. Das heißt, es widersprach dem Willen des Konzils. Dies wird auch durch Art. 4 der Liturgiekontitution (Sacrosanctum Concilium) bestätigt, der in den offiziellen Übersetzungen lautet: „Treu der Überlieferung erklärt das Heilige Konzil schließlich, daß die heilige Mutter Kirche allen rechtlich anerkannten Riten gleiches Recht und gleiche Ehre zuerkennt. Es ist ihr Wille, daß diese Riten in Zukunft erhalten und in jeder Weise gefördert werden, … .“ Die deutsche Übersetzung hat die lateinischen Worte fideliter obsequens, die „treu gehorsam“ bedeuten, einfach auf „treu“ verkürzt. Die richtige Übersetzung müßte deshalb lauten: „Der Überlieferung treu gehorsam erklärt das Heilige Konzil.“ Das auszusprechen war den Über-

1 Vgl. Joseph Ratzinger, Aus meinem Leben, 3. Aufl. April 1998, S. 173.

setzern damals offenbar nicht mehr möglich. Der Gehorsam gegenüber der Tradition war in der damaligen Situation kein Thema. Daher blieb der Art. 4 in der Folgezeit auch faktisch wirkungslos. Ich sage „faktisch“, denn rechtlich konnte dieser Artikel durch Maßnahmen einer Kongregation oder durch sie ermächtigter Bischofskonferenzen nicht aufgehoben werden, und er ist natürlich nach wie vor voll in Geltung. Rechtlich ist daher eine Vielfalt bewährter Formen durch das Konzil selbst abgesichert worden.

Um die normative Qualität des Verbots des Missale Romanum von 1962 besser beurteilen zu können, ist zunächst 1. ein Blick auf die von Ratzinger genannte „kirchliche Rechts- und Liturgiegeschichte“ nötig. Hier ist vor allem die Reform von Pius V. zu erwähnen. Hierauf sind 2. die Normen zu prüfen, die das Verbot eingeführt haben. Schließlich ist 3. die nach geltendem Kirchenrecht objektiv bestehende Rechtslage darzustellen.

I. Die Rechtslage nach der Bulle Quo primum

Pius V. hat in der Bulle Quo primum, mit der am 14. Juli 1570 das von ihm überarbeitete Missale Romanum in Kraft gesetzt wurde,  im § 2 bestimmt, daß alle Riten, die von Anfang an vom Apostolischen Stuhl approbiert wor- den waren oder über 200 Jahre in den gleichen Kirchen zur Feier der heiligen Messe ununterbrochen gebraucht wurden, weiterhin gültig bleiben. Pius V. hat also mit der Einführung des überarbeiteten Missale Romanum die Vielfalt liturgischer Formen ausdrücklich bekräftigt. Das Verbot von Riten, die den genannten Kriterien nicht entsprachen, hing mit der Situation der Reformation zusammen. Zu dieser Bestimmung hat Kardinal Ratzinger im Zusammenhang mit der Einführung des Meßbuchs von 1969/70 folgendes erklärt:

„Daß nach einer Zeit des Experimentierens, das die Liturgie oft tief entstellt hatte, wieder ein verbindlicher liturgischer Text vorlag, war zu begrüßen. Aber ich war bestürzt über das Verbot des alten Missale, denn etwas Derartiges hatte es in der ganzen Liturgiegeschichte nie gegeben. Man erweckte zwar den Eindruck, als ob dies etwas ganz Normales sei. Das bisherige Missale sei von Pius V. 1570 im Anschluß an das Konzil von Trient geschaffen worden; so sei es normal, daß nach 400 Jahren und einem neuen Konzil ein neuer Papst ein neues Meßbuch vorlege. Aber die historische Wahrheit ist anders. Pius V. hatte lediglich das vorhandene Missale Romanum überarbeiten lassen, wie dies im lebendigen Wachstum der Geschichte die Jahrhunderte hindurch normal ist.“ Ratzinger sagt dann, daß auch die weitere Entwicklung „ein kontinuierlicher Prozeß des Wachsens und Reinigens“ war, „in dem doch die Kontinuität nie zerstört wurde. Ein Missale Pius V., das von ihm geschaffen worden wäre, gibt es nicht. Es gibt nur die Überarbeitung von Pius als Phase in einer langen Wachstumsgeschichte.“2

Ratzinger geht dann auf das „Neue nach dem Konzil von Trient“ ein, das „anderer Natur“ war als das 1969. Er sagt: „Der Einbruch der Reformation hatte sich vor allem in der Weise liturgischer »Reformen« vollzogen. Es gab ja nicht einfach katholische und protestantische Kirche nebeneinander; die Spaltung der Kirche vollzog sich fast unmerklich und am sichtbarsten wie geschichtlich wirksamsten in der Veränderung der Liturgie, die wieder lokal sehr verschieden ausfiel, so daß auch da die Grenzen zwischen noch katholisch und nicht mehr katholisch oft gar nicht

2 Aus meinem Leben, 3. Aufl. April 1998, S. 172.

auszumachen waren.“ Er sagt dann weiter: „In dieser Situation der Verwirrung, die durch das Fehlen einer einheitlichen liturgischen Gesetzgebung und den an sich bestehenden liturgischen Pluralismus des Mittelalters möglich geworden war, entschied der Papst, daß nun das Missale Romanum, das Meßbuch der Stadt Rom als zweifelsfrei katholisch überall dort einzuführen sei, wo man nicht auf Liturgien verweisen konnte, die wenigstens 200 Jahre alt waren. Wo dies der Fall war, konnte man bei der bisherigen Liturgie bleiben, weil ja dann deren katholischer Charakter als gesichert gelten durfte. Von einem Verbot eines bisherigen und bisher rechtmäßig gültigen Missale konnte also keine Rede sein.“3 Dann kommt die überaus ernste Feststellung: „Das nunmehr erlassene Verbot des Missale, das alle Jahrhunderte hindurch seit den Sakramentaren der alten Kirche kontinuierlich gewachsen war, hat einen Bruch in die Liturgiegeschichte getragen, dessen Folgen nur tragisch sein konnten.“4 So weit Ratzinger.

Um die Anwendbarkeit des Art. 4 der Liturgiekonstitution auf das Missale Romanum von 1962 auszuschließen, ist die Fiktion eingeführt worden, daß die neue Messe keine neue sei, sondern die im Auftrag des Konzils reformierte alte Messe. Daher gebe es die alte Messe nicht mehr, sie exitiere nur mehr in der reformierten Gestalt. Der damalige Erzbischof von Salzburg, Karl Berg, scheute nicht vor dem Vergleich mit der Herausgabe eines neuen Fahrplanes zurück mit der Nutzanwendung, daß nach Herausgabe eines neuen Fahrplanes der alte nicht in Kraft bleiben könne5. Über das, was in der neuen Reform

3 Aus meinem Leben S. 172 f.

4 Aus meinem Leben S. 173.

5 Vgl. dazu W. Waldstein, Hirtensorge und Liturgiereform, Eine Dokumentation, Verlag Stiftung »Lumen gentium«, Schaan 1977, S. 178.

im Gegensatz zu dem früheren organischen Wachsen tatsächlich geschah, sagt Kardinal Ratzinger Folgendes: „Aber nun geschah mehr: Man brach das alte Gebäude ab und baute ein anderes, freilich weitgehend aus dem Material des Bisherigen und auch unter Verwendung der alten Baupläne. Es gibt gar keinen Zweifel, daß dieses neue Missale in vielem eine wirkliche Verbesserung und Bereicherung brachte, aber daß man es als Neubau gegen die gewachsene Geschichte stellte, diese verbot und damit Liturgie nicht mehr als lebendiges Wachsen, sondern als Produkt von gelehrter Arbeit und von juristischer Kompetenz erscheinen ließ, das hat uns außerordentlich geschadet.“6

Daß es sich in der Tat beim Missale von 1969 um etwas Neues handelt, hat sogar Erzbischof Annibale Bugnini indirekt bestätigt. Er hat als Sekretär der Liturgiekongregation die Hauptrolle bei der Schaffung der neuen Liturgie gespielt. Papst Paul VI. hatte bekanntlich einen Rat (Consilium) zur Ausführung der Reformen eingesetzt. Das Ergebnis der Arbeit dieses Rates war die sogenannte „missa normativa.“ Über diese hatten die Väter der Bischofssynode von 1967 zu entscheiden. In seinem Buch über „Die Liturgiereform 1948 – 1975“ berichtet Bugnini, daß am 24. Oktober 1967 vor den versammelten Synodenvätern „in der Capella Sistina ein Experiment mit der »missa normativa«“ stattfand7. Er schildert auch selbst die Reaktionen der Väter. Bugnini gibt zu, „daß das Experiment mißlang“, und fügt hinzu: „Ja, in gewissem Sinn bewirkte es das Gegenteil und wirkte sich negativ auf die Abstimmung aus.“8 Und er meint: „Die Zelebrationsfeier muß bei

6 Aus meinem Leben S. 173 f.

7 A. Bugnini, Die Liturgiereform 1948 – 1975, Zeugnis und Testament, Deutsche Ausgabe hrsg. von Johannes Wagner unter Mitarbeit von François Raas, Herder, Freiburg im Breisgau 1988, S. 373.

8 Liturgiereform S. 374.

vielen Vätern den Eindruck von etwas Künstlichem erzeugt haben, es roch zu sehr nach Wissenschaft, zu wenig nach Pfarrei.“9 Und dieser Eindruck Bugninis trifft auch zweifellos den entscheidenden Punkt, zu dem Kardinal Ratzinger folgendes sagt: „Denn nun mußte der Eindruck entstehen, Liturgie werde »gemacht«, sie sei nichts Vorgegebenes, sondern etwas in unseren Entscheiden Liegendes. Und dann ist es wiederum logisch, … daß zuletzt jede »Gemeinde« sich ihre Liturgie selber geben will. Aber, wo Liturgie nur selbstgemacht ist, da eben schenkt sie uns nicht mehr, was ihre eigentliche Gabe sein sollte: die Begegnung mit dem Mysterium, das nicht unser Produkt, sondern unser Ursprung und die Quelle unseres Lebens ist.“10 So weit Ratzinger.

Wie Bugnini weiter berichtet, kam es nach der Vorführung in der Capella Sistina in der Bischofssynode zur Ablehnung der »missa normativa«. Für die Hauptfrage: „Ist man im allgemeinen für die Struktur der »missa normativa«“, lautete das Abstimmungsergebnis bei insgesamt 176 Stimmen folgendermaßen: 71 Jastimmen, 43 direkte Neinstimmen und 62 Stimmen „iuxta modum“, die kein Ja bedeuteten und den Neinstimmen zugerechnet werden mußten. Damit hatte die „missa normativa“ bei einem Stimmenverhältnis von 71 zu 105 mit beachtlicher Mehrheit nicht die Zustimmung jener Bischofssynode erhalten, die zu ihrer Einführung einberufen worden war. Knapp vier Jahre nach der Verabschiedung der Liturgiekonstitution des Konzils gab es also durch die zuständige Bischofssynode nicht die erforderliche Zustimmung dafür, was die Reformatoren als Erfüllung des Auftrages des Konzils darstellen wollten. Daher kann die „missa normativa“ noch viel weniger

9 Liturgiereform S. 375.

10 Joseph Kardinal Ratzinger, Aus meinem Leben, Stuttgart 31998, S. 173. Ausführlich dazu auch: Der Geist der Liturgie, Freiburg 2000, S. 141 – 144.

dem Konzil selbst zugerechnet werden. Die mit der Liturgiereform verbundenen Erscheinungen machen es jedoch verständlich, daß man sie gerne mit der Autorität des Konzils unanfechtbar machen wollte. Eine Liturgie des Konzils gibt es jedoch in Wahrheit nicht. Weniger als zwei Jahre später wurde das neue Missale Pauls VI. mit der Apostolischen Konstitution Missale Romanum vom 3. April 1969 veröffentlicht und mit Wirkung vom 30. November 1969 in Kraft gesetzt. Ich habe bereits wiederholt dargestellt, wie in dieser ersten Editio typica die Messe selbst in der Allgemeinen Einführung (Institutio generalis) zum neuen Meßbuch definiert wurde und was mit dieser Editio typica dann tatsächlich geschehen ist11. Es ist leider nötig, diese Tatsachen zu erwähnen, weil nur so die sich aus diesen Tatsachen ergebende Situation verständlich wird. Auf Anordnung von Papst Paul VI. mußte die Institutio generalis von 1969 eingestampft und durch eine korrigierte Fassung ersetzt werden, die mit Dekret vom 26. März 1970 „im Auftrag des Papstes“ veröffentlicht wurde12, also knapp ein Jahr nach der ersten Veröffentlichung der reformierten Liturgie.

Schon die Realitäten, die Ratzinger aufgezeigt hat, machen die Fiktion von der Identität der neuen Messe mit der alten völlig zunichte. Aber auch die Darstellung Bugninis betreffend die Bischofssynode 1967 und die Vorgänge um die Publikation der neuen Messe zeigen, welche Umbrüche mit diesen Vorgängen verbunden waren. Jeder aufmerksame Beobachter und leidvolle Teilnehmer an von Liturgiekreisen oder „autonomen“ Geistli-

11 Zuletzt in PRO MISSA TRIDENTINA, Rundbrief der Laienvereinigung für den klassischen römischen Ritus in der Katholischen Kirche e. V. Nr. 28, September 2004, S. 64 – 68.

12 Die deutsche Übersetzung in Nachkonziliare Doku- mentation Bd. 19 ist in Trier 1974 als „2., veränderte Auflage“ erschienen.

chen „gestalteten“ Liturgien kann seit Jahrzehnten bezeugen, daß die neue Liturgie tatsächlich eine neue ist, und zwar auch dann, wenn sie korrekt gefeiert wird. Wenn sie aber nicht korrekt gefeiert wird, gibt es sozusagen fast nichts, was es nicht gibt. Kardinal Ratzinger mußte sogar feststellen: „Ich bin überzeugt, daß die Kirchenkrise, die wir heute erleben, weitgehend auf dem Zerfall der Liturgie beruht, die mitunter sogar so konzipiert wird, »etsi Deus non daretur«: daß es in ihr gar nicht mehr darauf ankommt, ob es Gott gibt und ob er uns anredet und anhört.“13 Völlig unberührt durch all diese Tatsachen wird an der Fiktion von der Identität der neuen Messe mit der alten nach wie vor festgehalten. Sie ist notwendig, um die Messe, die bis über das Konzil hinaus von der ganzen Kirche und auch noch von den Vätern der Bischofssynode von 1967 gefeiert wurde, nicht unter die Bestimmung des Art. 4 SC fallen zu lassen. Ein Mitstreiter Bugninis, P. Rinaldo Falsini OFM, hat Kardinal Castrillón Hoyos wegen dessen Erklärung, daß Artikel 4 der Liturgiekonstitution auch für den Ritus des Missale von 1962 gilt, scharf kritisiert. Falsini seinerseits erklärte, es gebe heute nur „einen einzigen legitimen römischen Ritus“, und zwar den … von Paul VI. in Kraft gesetzten14. Diese Aussage zeigt die völlige Mißachtung des kirchlichen Rechts, das, wie noch näher zu zeigen sein wird, den Ritus von 1962 inzwischen durch eine vom Papst erlassene Norm ausdrücklich anerkennt. Zudem hat Papst Johannes Paul II. in einer Ansprache vor den Mönchen von Le Barroux zu der Frage der Anerkennung des Missale von 1962 den Art. 37 der Liturgiekonstitution zitiert, der sagt: „In den Dingen, die den Glauben oder das Allgemeinwohl nicht betreffen, wünscht die Kirche nicht eine starre Einheit-

13 Aus meinem Leben S. 173 f.

14 Vgl. „Die Tagespost“ vom 8. Juli 2003, S. 4.

lichkeit der Form zur Pflicht zu machen, nicht einmal in ihrem Gottesdienst; im Gegenteil pflegt und fördert sie das glanzvolle geistige Erbe …“15. P. Falsini will dagegen gerade jene „starre Einheitlichkeit der Form“ durchsetzen, die das Konzil ausdrücklich abgelehnt hat. An solchen Beispielen zeigt sich, was das Konzil für diejenigen wirklich bedeutet, die sich sonst so gerne darauf berufen. Dr. Reiner Kaczynski hat in einem Vortrag vor der Katholischen Akademie in Bayern am 17. Oktober 1976 betreffend die Durchsetzung der Liturgiereform gesagt: „Die harte Linie setzte sich durch, wie ich persönlich meine, mit Recht.“16 Der „harten Linie“, die vor allem von Bugnini verkörpert wurde, ging es um Durchsetzung ihrer Vorstellungen ohne Rücksicht auf irgendwelche entgegenstehende Normen der Kirche. Auch „das Heil der Seelen…, das in der Kirche immer das oberste Gesetz sein muß“ (Can. 1752 CIC), konnte dabei keine Rolle spielen.

II. Die Normen, die das Verbot der Messe aller Jahrhunderte enthalten

Auf dem Hintergrund dessen, was bisher zu der von Kardinal Ratzinger betonten „kirchlichen Rechts- und Liturgiegeschichte“ gesagt werden konnte, ist nun die normative Qualität jener Normen zu prüfen, mit denen das Verbot eingeführt wurde. Zunächst ist jedoch zu sagen, daß die Apostolische Konstitution Missale Romanum vom 3. April 1969 kein Verbot anderer Riten enthält17. Vielmehr be-

15 Abgedruckt im Brief an die Freunde der Abtei Sainte Madeleine Nr. 41, vom 8. Dezember 1990, ohne Seitenzahlen, aber S. 11 f.

16 Kritische Einwände gegen die Liturgiereform – berechtigt oder nicht? Manuskriptdruck der Katholischen Akademie in Bayern, S. 16. Wiedergegeben bei Waldstein, Hirtensorge S. 105.

17 Vgl. dazu Waldstein, Hirtensorge und Liturgiereform, Eine Dokumentation, Verlag Stiftung »Lumen gentium«, Schaan 1977,  S. 101 f.

ginnt die Konstitution mit einem Text, der es verdient, hier wiedergegeben zu werden:

„Das Römische Meßbuch, auf Grund eines Beschlusses des Konzils von Trient von Unserem Vorgänger, dem heiligen Pius V., im Jahre 1570 herausgegeben, gehört nach allgemeinem Urteil zu den vielen segensreichen Ergebnissen, die dieses Konzil für die gesamte Kirche Christi zeitigte. Vier Jahrhunderte lang haben Priester des lateinischen Ritus sich seiner als Norm zur Feier des eucharistischen Opfers bedient, und Glaubensboten haben es in fast alle Länder gebracht. Zahllose heilige Menschen haben für ihr geistliches Leben aus seinen Schriftle- sungen und Gebeten in reichem Maß wertvolle Anregungen geschöpft, aus jenen Texten also, deren Ordnung im wesentlichen auf Gregor den Großen zurückgeht.“18 Obwohl Papst Paul VI. auch am Ende der Konstitution nochmals Pius V. zitiert, geht er nirgends auf die in der Bulle Quo primum geregelte Frage anderer Riten ein. Hinsichtlich des neuen Missale sagt er jedoch nur: „Der Anordnung des Zweiten Vatikanischen Konzils entsprechend, haben wir zwar im neuen Meßbuch berechtigter Vielfalt und Anpassung ihren Platz zuerkannt; dennoch geben wir der Hoffnung Ausdruck, daß das neue Buch von den Gläubigen als eine Hilfe zur gegenseitigen Bezeugung und Stärkung der Einheit angenommen werde.“19 Aus dieser Aussage kann kein Verbot des früheren und keine unbedingte Verpflichtung zur Annahme des neuen Missale abgeleitet werden. Papst Paul spricht nur die Hoffnung aus, daß es an- genommen werde. Was jedoch die „Stärkung der Einheit“ betrifft, so ahnte der Papst offen- bar im Zeitpunkt der Veröffentlichung der Apostolischen Konstitution nicht, welches

18 Vgl. Dokumente zum Römischen Meßbuch, Nachkonziliare Dokumentation Bd. 19, „2., veränderte Auflage“ Trier 1974, S. 17.

19 Dokumente Bd. 19, S. 27.

Problem ihm durch die „Allgemeine Einführung“, die er als „die Einleitung des Buches“ bezeichnet, noch vor dem 30. November 1969 entstehen würde, mit dem das neue Missale in Kraft treten sollte. Der Papst realisierte offenbar nicht, daß in der Definition der hl. Messe in der Allgemeinen Einführung Nr. 7 das „eucharistische Opfer“, von dem er in der Konstitution spricht, nicht mehr vorkommt. Die dort enthaltene Definition lautet in der deutschen Übersetzung bekanntlich:

„Das Herrenmahl – die Messe – ist die heilige Versammlung des Volkes Gottes, die unter der Leitung des Priesters die Gedächtnisfeier des Herrn begeht.“20 Als dem Papst diese und andere Tatsachen vor Augen geführt wurden, sah er sich, wie Kardinal Stickler als Konzilsperitus der Liturgiekommission bezeugt 21, gezwungen, die gerade erst veröffentlichte Allgemeine Einführung des neuen Meßbuches einstampfen zu lassen und die Herausgabe einer korrigierten Fassung anzuordnen. Welche Folgen diese Definition für die Kirche in der Folgezeit hatte und bis heute hat, habe ich schon mehrfach aufzeigen müssen22. Das muß hier nicht wiederholt werden. Aber diese Tatsachen haben in einem bisher kaum ernsthaft zur Kenntnis genommenen Ausmaß die von Papst Paul VI. angestrebte „Stärkung der Einheit“ weithin ins Gegenteil gekehrt.

Was nun das Verbot selbst betrifft, so zeigt sich ein erstaunliches normatives Bild. Bei einer Tagung der Associatio Sanctus Benedictus Patronus Europae in Salzburg kurz nach der verbindlichen Einführung des neuen Missale wurde die Ablehnung der alten Mes-

20 Vgl. Dokumente zum Römischen Meßbuch, Nachkonziliare Dokumentation Bd. 19, Trier 1970, S. 31.

21  Vgl.  A.  M.  Kardinal  Stickler, Erinnerungen  und Erfahrungen eines Konzilsperitus der Liturgiekommission, in: Franz Breid (Hrsg.), Die heilige Liturgie, Referate der „Internationalen Theologischen Sommerakademie 1997“ des Linzer Priesterkreises, Steyr 1997, S.

22 Vgl. oben Anm.11.

se durch prominente Vertreter der Reform deutlich. Der längst verstorbene Klaus Dohrn hat am Ende der Diskussion in der großen Aula der Universität Salzburg, bei der die Frage der klassischen Liturgie bei maßgebli- chen Persönlichkeiten sichtliche Irritation auslöste, nach dem Grund für diese merkwürdige Irritation gefragt. Er gab dann selbst folgende Antwort: „Es gibt keine schlimmere Intoleranz als die siegreicher Revolutionäre.“ Das Verbot selbst hat sich sozusagen „schleichend“ entwickelt in einer Instructio und in Notificationes der Congregatio pro Cultu Divino. Die Instructio de constitutione Apostolica »Missale Romanum« gradatim ad effectum deducenda vom 20. Oktober 1969 bestimmte in der Nr. 7, daß die einzelnen Bischofskonferenzen den Tag festsetzen sollen, ab dem der Ordo Missae, ausgenommen in den in den Nummern 19 und 20 genannten Fällen, in Gebrauch genommen werden muß. In der Nr. 14 wird das etwas verschärft wiederholt. Dieser Tag darf nicht über den 28. November 1971 hinausgeschoben werden. Damit ist in der Instructio selbst kein direktes Verbot ausgesprochen. In der Nummer 19 heißt es: „Priester in fortgeschrittenem Alter, welche die Messe ohne Volk feiern, und die vielleicht größere Schwierigkeiten mit dem neuen Ordo Missae und den zu verwendenden Texten des Missale Romanum und der Leseordnung in der Messe haben, können, mit Zustimmung des eigenen Ordinarius, die jetzigen Riten und Texte weiter gebrauchen.“ Die Nr. 20 lautet: „Aber besondere Fälle, nämlich von gebrechlichen Priestern, oder von solchen, die durch Krankheiten oder andere Schwierigkeiten behindert sind, sollen dieser Heiligen Kongregation vorgelegt werden.“23 Das Verbot ergibt sich hier aus dem Umkehrschluß. Wenn es nur den  genannten

23 Lateinischer Originaltext bei Waldstein, Hirtensorge

Priestern und nur mit Zustimmung des eigenen Ordninarius gestattet ist, dann ist es allen anderen verboten. Und jene, die es noch dürfen, müssen „die Messe ohne Volk feiern.“ Das Volk darf mit dieser Messe nicht mehr in Berührung kommen. Die Notificationes vom 14. Juni 1971 Nr. 2 und vom 28. Oktober 1974 enthalten jedoch Gebote, die neue Liturgie ab dem Zeitpunkt der Einführung volkssprachlicher Ausgaben anzunehmen. In der nicht in den AAS (Acta Apostolicae Sedis), sondern nur in den Notitiae der Kongregation publizierten Notificatio vom 28. Oktober 1974, S. 353, wurde erklärt, daß von dem Zeitpunkt an, in dem Bischofskonferenzen die volkssprachlichen Ausgaben des Missale Romanum in Kraft gesetzt haben, die Messe, sei es in lateinischer Sprache oder in der Volkssprache, zu feiern nur (tantummodo) im Ritus des von Paul VI. am 3. April 1969 veröffentlichten Missale Romanum erlaubt ist. Dies ist in der Tat ein faktisches Verbot, aber nicht nur des klassischen Missale Romanum, sondern stillschweigend eines jeden anderen Ritus. Von den in der Bulle Quo primum formulierten Ausnahmen ist keine Rede, auch nicht vom Art. 4 der Liturgiekonstitution. Weil jedoch eine Notificatio der Kongregation, die auch nicht in den AAS publiziert wurde, nicht als kirchliches Gesetz angesehen werden kann, ist sie auch nur als Verwaltungsmaßnahme zu verstehen. Dabei kommt noch das Problem hinzu, daß nicht die von der Notificatio genannte Editio typica von 1969 maßgeblich ist, sondern die von 1970. Wie immer man die normative Qualität dieser Notificatio beurteilen mag, so vermochte sie keinesfalls den Art. 4 der Liturgiekonstitution aufzuheben. Sie widerspricht vielmehr radikal dieser feierlichen Erklärung des Konzils. Weil Papst Paul VI. in seiner Apostolischen Konstitution zwar die Bulle Quo primum zitiert und Pius V. mehrfach erwähnt, aber zur Frage anderer Riten nicht Stellung nimmt, könnte zumindest davon ausgegangen werden, daß er die Bestimmungen von Quo primum § 2 unangetastet gelassen hat. Er hat jedenfalls selbst nichts gesagt, das dem widersprechen würde. Unabhängig davon genügt jedoch die Tatsache, daß die entscheidende Notificatio der Kongregation dem Art. 4 der Liturgiekonstitution klar widerspricht, um festzustellen, daß es sich bei den beiden Notificationes um rechtswidrige Verordnungen handelt. Diese Tatsache wurde mit der Fiktion verschleiert, daß die neue Liturgie keine neue sei. Sie sind jedenfalls keine kirchlichen Gesetze im formellen Sinne. Daher hat es auch kein im formellen Sinne rechtliches Verbot der alten Liturgie gegeben. Das Verbot beruhte auf administrativen Maßnahmen einer Kongregation. Can. 34 § 2 CIC bestimmt: „Anordnungen von Instruktionen heben Gesetze nicht auf, und wenn irgendwelche mit Vorschriften von Gesetzen nicht in Einklang gebracht werden können, entbehren sie jeder Rechtskraft.“ Das Verbot der früheren Liturgie kann jedenfalls mit Art. 4 der Liturgiekonstitution nicht in Einklang gebracht werden.

Die Ausnahme für alte und kranke Priester wurde dahin eingeengt, daß nunmehr eine „Erlaubnis vom Ordinarius zugestanden werden kann“ (patet facultatem ab Ordinario con cedi posse). Der Bischof mußte also nunmehr um Erlaubnis gebeten werden. Wie solche Bitten in der Regel faktisch behandelt wurden, ist hier nicht näher zu erörtern. Die Kongregation wollte aber sicher gehen und hat zusätzlich bestimmt, daß die Bischöfe diesen alten und kranken Priestern keine Erlaubnis geben dürfen, diese Messe „cum populo“, also mit dem Volk, zu feiern. Diese Bestimmung widerspricht auch dem katholischen Verständnis der heiligen Messe. Ein Verbot für den Priester, die heilige Messe mit Gläubigen zu feiern, und die Folge, ihn mit der ihm erlaubten Messe in die Isolation zu verbannen, machen deutlich, aus welchem Geist diese Anordnung der Kongregation stammt. Sie folgt aus der in der ersten Ausgabe der Allgemeinen Einführung sich offen zeigenden Auffassung von der heiligen Messe als „heilige Versammlung des Volkes Gottes, die unter der Leitung des Priesters die Gedächtnisfeier des Herrn begeht“. Auch wenn diese Notificatio vom damaligen Präfekten Kardinal Iacobus Robertus Knox unterzeichnet wurde, so stammt sie zweifellos vom mitunterzeichnenden Sekretär A. Bugnini. Die Schritt für Schritt zunehmende Einengung einer Erlaubnis macht deutlich, wie sich in der Tat die „harte Linie“24 durchsetzte. Wenn man die Leidenswege vieler Priester und Gläubigen kennt, die mit dieser „harten Linie“ begonnen haben, dann weiß man, wie berechtigt die Aussage Kardinal Ratzingers zum Verbot der Liturgie aller Jahrhunderte ist, wenn er sagt: „das hat uns außerordentlich geschadet.“25

III. Die nach geltendem Kirchenrecht objektiv bestehende Rechtslage

Eine entscheidende Wende in der Frage der Zulässigkeit der Verwendung des Missale von 1962 ist mit dem Motu proprio Ecclesia Dei vom 2. Juli 1988 eingetreten. Seit diesem Motu proprio, das vom obersten kirchlichen Gesetzgeber erlassen wurde, kann es keinen Zweifel daran geben, daß das Missale von 1962 zu den rechtlich anerkannten Riten gehört. Es gibt den Ritus in der Editio typica von 1962 noch, den Ritus Romanus, den es seit Jahrhunderten gegeben hat. Es hat daneben auch nach der Bulle Quo primum von 1570 ausdrücklich anerkannte andere Riten gegeben und gibt sie noch heute. Aber dieser Ritus Romanus zeichnet sich dadurch aus, daß er seit der Antike zu den „rechtlich anerkannten Riten“ im Sinne des Art. 4 der Liturgie-

24 Vgl. oben bei Anm. 16.

25 Aus meinem Leben S. 173 f.

Konstitution gehört und nicht ein ad hoc „gemachter“ Ritus ist. Wenn es also diesen Ritus in Wahrheit noch gibt, dann kann es nach Sinn und Wortlaut des Art. 4 der Liturgiekonstitution keinen sachlich gerechtfertigten Grund geben, ihn vom Schutz des Art. 4 auszuschließen. Darío Cardinal Castrillón Hoyos hat in seiner Ansprache bei dem feierlichen  Pontifikalamt im alten Ritus am 24. Mai 2003 in der Papstbasilika Santa Maria Maggiore ausdrücklich bestätigt, daß Art. 4 der Liturgiekonstitution auch für das Missale von 1962 gilt. Er sprach vom „verehrungswürdigen Ritus des heiligen Pius V.“ und sagte dazu: „Man kann nicht sagen, daß der Ritus des heiligen Pius V. erloschen sei, und die Autorität des Heiligen Vaters hat seine wohlwollende Aufnahme gegenüber jenen Gläubigen ausgedrückt, die, bei gleichzeitiger Anerkennung der Legitimität des römischen Ritus, wie er nach den Vorgaben des II. Vatikanischen Konzils26 erneuert wurde, dem vorhergehenden Ritus verbunden bleiben und darin eine solide geistliche Nahrung finden für ihren Weg der Heiligung. Im übrigen hat dasselbe II. Vatikanische Konzil erklärt, daß »… die heilige Mutter Kirche allen rechtlich anerkannten Riten gleiches Recht und gleiche Ehre zuerkennt. Es ist ihr Wille, daß diese Riten in Zukunft erhalten und in jeder Weise gefördert werden, …« (Sacrosanctum Concilium Nr. 4). Der alte römische Ritus behält also in der Kirche sein Bürgerrecht im Rahmen der Vielfalt der katholischen Riten, sowohl der lateinischen wie der orientalischen. Was die Verschiedenheit dieser Riten einigt, ist derselbe Glaube an das eucharistische Geheimnis, dessen Bekenntnis stets die Einheit der heili-

26 Hier folgt Kardinal Castrillón Hoyos leider der offiziellen Sprachregelung. Das „nach den Vorgaben“ ist jedoch nur im zeitlichen Sinne richtig. Inhaltlich wurden die Vorgaben dagegen, wie bereits oben bei Anm. 5 bemerkt, weithin nicht beachtet.

gen, katholischen und apostolischen Kirche sichergestellt hat.“27

Daß jedoch gerade diese Einheit im Zusammenhang mit der neuen Liturgie vielfach von Liturgiewissenschaftlern sogar ausdrücklich bestritten wird, zeigen Aussagen wie etwa  die von Franz Nikolasch, der erklärt hat, daß die Entwicklung des Glaubens in der Kirche seit Jahrhunderten eine „Fehlentwicklung“ war. Und dafür wieder sei das falsche  vorkonziliare

„Liturgieverständnis“ verantwortlich. Der konziliare Fortschritt habe endlich bewirkt, daß, wie Nikolasch wörtlich sagt, „unser heutiges Liturgieverständnis in diametralem Gegensatz zum vorkonziliaren Verständnis“ steht28. Das kann jedoch im Klartext nur heißen, daß die neue lex orandi nach diesem Verständnis „in diametralem Gegensatz“ zur katholischen lex credendi steht, die nach dem Konzil keine andere sein kann als vor dem Konzil. Die neue lex orandi soll demnach gerade auch eine neue lex credendi hervorbringen und die Kirche in einen anderen als den katholischen Glauben führen. Dieses Ziel ist inzwischen zweifellos weitgehend erreicht. Das beweist eine 2003 beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin veröffentlichte Statistik nur zu sehr erschütternd. Leo Kardinal Scheffczyk mußte in „Theologisches“ feststellen, daß nach dieser Statistik „88 % der Katholiken Deutschlands keinen Unterschied mehr zwischen der katholischen Eucharistie, dem heiligen Me opfer, und dem evangelischen Abendmahl erkennen würden.“29

Wenn Kardinal Hoyos sagt, daß diejenigen, die dem alten Ritus verbunden bleiben, „darin eine solide geistliche Nahrung finden für ihren

27 Vgl. Pro Missa Tridentina, Rundbrief der Laienvereinigung für den klassischen römischen Ritus in der Katholischen Kirche e.V. Nr 26, Juni 2003, S. 75 f.

28 Vgl. F. Nikolasch, Liturgie – gelebter Glaube, in: R. Schermann (Hrsg.), Wider den Fundamentalismus, Kein Zurück hinter das II. Vatikanische Konzil, Mattersburg-Bad Sauerbrunn 1990, S. 64 f.

29 Theologisches 33, Nr. 8/9 (2003), Sp. 347.

Weg der Heiligung“30, so bestätigt er damit, was Papst Paul VI. in der Apostolischen Konstitution Missale Romanum selbst über diese Liturgie sagt31. Zweifellos könnte diese „solide geistliche Nahrung“ auch das Verständnis der neuen Liturgie befruchten und die Katholiken vor dem Abdriften in Richtung der 88 % bewahren, die das katholische Verständnis der Eucharistie nicht mehr teilen. Papst Johannes Paul II. hatte in einer Ansprache vor den Mönchen von Le Barroux dazu den Art. 37 der Liturgiekonstitution zitiert, der sagt: „In den Dingen, die den Glauben oder das Allgemeinwohl nicht betreffen, wünscht die Kirche nicht eine starre Einheitlichkeit der Form zur Pflicht zu machen, nicht einmal in ihrem Gottesdienst; im Gegenteil pflegt und fördert sie das glanzvolle geistige Erbe …“32. In der Ansprache vor der Plenaria der Kongregation für den Gottesdienst vom 21. September 2001 hat Papst Johannes Paul II. das Missale Pius V. neben verschiedenen orientalischen als Beispiel für eine Liturgie hervorgehoben, deren Texte die eigentliche Substanz jeder Liturgie offenbaren.

Die Aussagen von Kardinal Castrillón Hoyos betreffend den Willen des Konzils sind zweifellos sachlich unanfechtbar. Sie stehen auch vollkommen im Einklang mit dem, was Pius V. seinerzeit hinsichtlich der anderen Riten bestimmt hat und was in der ganzen Tradition der Kirche selbstverständlich war und vom Konzil feierlich bekräftigt wurde. Die Aussagen von Kardinal Hoyos haben den Weg zu jener „liturgischen Versöhnung“ gezeigt, von der Kardinal Ratzinger sprach und „die wieder die Einheit der Liturgiegeschichte anerkennt, das Vatikanum   nicht   als  Bruch,

30 Rundbrief S. 75.

31 Vgl. oben bei Anm. 18.

32 Abgedruckt im Brief an die Freunde der Abtei Sainte Madeleine Nr. 41, vom 8. Dezember 1990, ohne Seitenzahlen, aber S. 11 f.

sondern als Entwicklungsstufe versteht.“ Und weiter: sie „ist für das Leben der Kirche dringend vonnöten.“33 Kardinal Stickler hatte am Ende seines Vortrages von 1997 die Hoffnung ausgesprochen, daß Papst Johannes Paul II. nach dem Motu proprio Ecclesia Dei den dort „aufgezeigten Weg weiter beschreiten wird, um die berechtigte Aussöhnung zwischen der unabdingbaren Tradition und der gerechten zeitbedingten Weiterentwicklung herzustellen.“34 Dazu ist es nicht gekommen. Jetzt dürfen wir hoffen und Gott bitten, daß er unserem Heiligen Vater die Kraft gibt, das zu realisieren, wovon er klar gesehen hat, daß es „für das Leben der Kirche dringend vonnöten“ ist. Es gibt bereits hoffnungsvolle Anzeichen für eine bevorstehende „liturgische Versöhnung“. Dann könnte endlich die feierliche Erklärung des Konzils im Art. 4 der Liturgiekonstitution wirksam werden.

33 Aus meinem Leben S. 174

34 Erinnerungen S. 195.


Was der Mensch nicht sagen oder nicht einmal denken kann und was er nicht zu verlangen gewagt hätte, das hat Gott in seiner unendlichen Liebe gedacht, gesagt und ausgeführt. Oder hätten wir je gewagt, von Gott zu verlangen, er solle seinen Sohn für uns sterben lassen, er solle uns sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken geben? Von einer so großen Liebe Gottes zu den Menschen konnte der Mensch keinen Begriff haben.

Hl. Johannes Vianney, Pfarrer von Ars

 

* * *

’Ich bin die Nahrung der Starken; glaube, und du wirst mich genießen. Du wirst mich aber nicht in dich verwandeln wie die Nahrung deines Körpers, sondern du wirst in mich verwandelt werden.’ (Worte, die der heilige Augustinus Jesus in den Mund legt, Kap 20 § 1)

 

Der hl. Augustinus schreibt darüber in den Confessiones: „Dieses Brot ist die Nahrung der Starken. Die normalen Nahrungsmittel sind weniger stark als der Mensch, sie dienen ihm: Sie werden dazu aufgenommen, daß sie in den Körper des Menschen assimiliert werden und ihn aufbauen. Diese besondere Nahrung aber, die Eucharistie, steht genau umgekehrt über dem Menschen, ist stärker als er. Und so ist auch der Vorgang, auf den das Ganze abzielt, umgekehrt: Der Mensch, der dieses Brot aufnimmt, wird ihm assimiliert, von ihm aufgenommen, wird eingeschmolzen in dieses Brot und wird Brot wie Christus selbst. ‚Weil ein Brot, sind wir ein Leib, die vielen.‘“

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Quelle

Kardinal Sarah: „Towards an authentic implementation of ‹Sacrosanctum Concilium›“

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ADDRESS OF HIS EMINENCE,

ROBERT CARDINAL SARAH

PREFECT OF THE CONGREGATION FOR DIVINE WORSHIP
AND DISCIPLINE OF THE SACRAMENTS
TO THE CONFERENCE “SACRA LITURGIA UK 2016”
LONDON, ENGLAND, 5 JULY 2016

“TOWARDS AN AUTHENTIC IMPLEMENTATION OF
SACROSANCTUM CONCILIUM

(Deutsche vollständige Version dieser Ansprache)

 

GREETINGS

Your Excellencies, dear Fathers, deacons and dear religious men and women, dear brothers and sisters in Christ:

In the first place I wish to express my thanks to His Eminence, Vincent Cardinal Nichols, for his welcome to the Archdiocese of Westminster and for his kind words of greeting. So too I wish to thank His Excellency, Bishop Dominique Rey, Bishop of Fréjus-Toulon, for his invitation to be present with you at this, the third international “Sacra Liturgia” conference, and to present the opening address this evening. Your Excellency, I congratulate you on this international initiative to promote the study of the importance of liturgical formation and celebration in the life and mission of the Church.

I am very happy to be here with you all today. I thank each of you for your presence which reflects your appreciation of the importance of what the then Cardinal Ratzinger once called “the question of the liturgy” today, at the beginning of the twenty-first century. This is a great sign of hope for the Church.

 

INTRODUCTION

In his message dated 18th February 2014 to the symposium celebrating the 50th anniversary of the Second Vatican Council’s Constitution on the Sacred Liturgy, Sacrosanctum Concilium, the Holy Father, Pope Francis, observed that the marking of fifty years since the promulgation of the Constitution should push us “to revive the commitment to accept and implement [the] teaching [of Sacrosanctum Concilium] in an ever fuller way.” The Holy Father continued:

It is necessary to unite a renewed willingness to go forward along the path indicated by the Council Fathers, as there remains much to be done for a correct and complete assimilation of the Constitution on the Sacred Liturgy on the part of the baptized and ecclesial communities. I refer, in particular, to the commitment to a solid and organic liturgical initiation and formation, both of lay faithful as well as clergy and consecrated persons.

The Holy Father is correct. We have much to do if we are to realise the vision of the Fathers of the Second Vatican Council for the liturgical life of the Church. We have very much to do if today, some fifty years after the Council concluded, we are to achieve “a correct and complete assimilation of the Constitution on the Sacred Liturgy.”

In this address I wish to place before you some considerations on how the Western Church might move towards a more faithful implementation of Sacrosanctum Concilium. In doing so I propose to ask “What did the Fathers of the Second Vatican Council intend in the liturgical reform?” Then I would like to consider how their intentions were implemented following the Council. Finally, I would like to put before you some suggestions for the liturgical life of the Church today, so that our liturgical practice might more faithfully reflect the intentions of the Council Fathers.

 

A. WHAT IS THE SACRED LITURGY?

But first we must consider a preliminary question. That is the question: “What is the Sacred Liturgy?” Because if we do not understand the nature of Catholic liturgy,  as distinct from the rites of other Christian communities and of other religions, we cannot hope to understand the Second Vatican Council’s Constitution on the Sacred Liturgy, or to move towards a more faithful implementation of it.

In his Motu Proprio Tra le sollecitudini (22 November 1903) Pope Saint Pius X, taught that “the holy mysteries” and “the public and solemn prayer of the Church,” that is, the Sacred Liturgy, are the “foremost and indispensible fount” for acquiring “the true  Christian spirit.” St Pius X therefore called for a real and fruitful participation in the Church’s liturgical rites by all. As we know, this teaching and this exhortation would be repeated by article 14 of Sacrosanctum Concilium.

Pope Pius XI raised his voice to the same end some twenty-five years later in his Apostolic Constitution Divini Cultus (20 December 1928), teaching that “the liturgy is indeed a sacred thing, since by it we are raised to God and united to Him, thereby professing our faith and our deep obligation to Him for the benefits we have received and the help of which we stand in constant need.”

Pope Pius XII devoted an Encyclical letter, Mediator Dei (20 November 1947) to the Sacred Liturgy, in which he taught that:

The Sacred Liturgy is…the public worship which our Redeemer as Head of the Church renders to the Father, as well as the worship which the community of the faithful renders to its Founder, and through Him to the heavenly Father. It is, in short, the worship rendered by the Mystical Body of Christ in the entirety of its Head and members. (n. 20)

The Pope taught that the “nature and the object of the sacred liturgy” is that “it aims at  uniting our souls with Christ and sanctifying them through the divine Redeemer in order that Christ be honoured and, through Him and in Him, the most Holy Trinity.” (n. 171)

The Second Vatican Council taught that through the liturgy “the work of our redemption is accomplished” (Sacrosanctum Concilium, 2), and that the liturgy:

…is considered as an exercise of the priestly office of Jesus Christ. In the liturgy the sanctification of the man is signified by signs perceptible to the senses, and is effected in a way which corresponds with each of these signs; in the liturgy the whole public worship is performed by the Mystical Body of Jesus Christ, that is, by the Head and His members.

From this it follows that every liturgical celebration, because it is an action of Christ the priest and of His Body which is the Church, is a sacred action surpassing all others; no other action of the Church can equal its efficacy by the same title and to the same degree. (n. 7)

Following on from this, Sacrosanctum Concilium taught that the liturgy:

…is the summit toward which the activity of the Church is directed; at the same time it is the font from which all her power flows. For the aim and object of apostolic works is that all who are made sons of God by faith and baptism should come together to praise God in the midst of His Church, to take part in the sacrifice, and to eat the Lord’s supper. (n. 10)

It would be possible to continue this exposition of the magisterium’s teaching on the nature  of the Sacred Liturgy with the teaching of the post-conciliar popes and of the Catechism of  the Catholic Church. But for the moment let us stop at the Council. Because it is very clear, I think, that the Church teaches that Catholic liturgy is the singularly privileged locus of Christ’s saving action in our world today, by means of real participation in which we receive His grace and strength which is so necessary for our perseverance and growth in the Christian life. It is the divinely instituted place where we come to fulfil our duty of offering sacrifice to God, of offering the One True Sacrifice. It is where we realise our profound need to worship Almighty God. Catholic liturgy is something sacred, something which is holy by its very nature. Catholic liturgy is no ordinary human gathering.

I wish to underline a very important fact here: God, not man is at the centre of Catholic liturgy. We come to worship Him. The liturgy is not about you and I; it is not where we celebrate our own identity or achievements or exalt or promote our own culture and local religious customs. The liturgy is first and foremost about God and what He has done for us.  In His Divine Providence Almighty God founded the Church and instituted the  Sacred Liturgy by means of which we are able to offer Him true worship in accordance with the New Covenant established by Christ. In doing this, in entering into the demands of the sacred rites developed in the tradition of the Church, we are given our true identity and meaning as sons and daughters of the Father.

It is essential that we understand this specificity of Catholic worship, for in recent decades we have seen many liturgical celebrations where people, personalities and human achievements have been too prominent, almost to the exclusion of God. As Cardinal Ratzinger once wrote: “If the liturgy appears first of all as the workshop for our activity, then what is essential is being forgotten: God. For the liturgy is not about us, but about God. Forgetting about God is the most imminent danger of our age.” (Joseph Ratzinger, Theology of the Liturgy, Collected Works vol. 11, Ignatius Press, San Francisco 2014, p. 593).

We must be utterly clear about the nature of Catholic worship if we are to read the Second Vatican Council’s Constitution on the Sacred Liturgy correctly and if we are to implement it faithfully. For the Fathers of the Council were formed in the magisterial teachings of the twentieth century popes that I have cited. St John XXIII did not call an Ecumenical Council  to undermine these teachings, which he himself promoted. The Council Fathers did not arrive in Rome in October 1962 with the intention of producing an anthropocentric liturgy. Rather, the Pope and the Council Fathers sought to find ways in which Christ’s faithful could draw ever more deeply from the “foremost and indispensible fount” so as to acquire “the true Christian spirit” for their own salvation and for that of all men and women of their day.

 

B. WHAT DID THE FATHERS OF THE
SECOND VATICAN COUNCIL INTEND?

We must explore the intentions of the Fathers of the Council in more detail, particularly if we seek to be more faithful to their intentions today. What did they intend to bring about through the Constitution on the Sacred Liturgy?

Let us begin with the very first article of Sacrosanctum Concilium, which states:

This sacred Council has several aims in view: it desires to impart an ever increasing vigour to the Christian life of the faithful; to adapt more suitably to the needs of our own times those institutions which are subject to change; to foster whatever can promote union among all who believe in Christ; to strengthen whatever can help to call the whole of mankind into the household of the Church. (n. 1)

Let us remember that when the Council opened liturgical reform had been a feature of the  past decade and that the Fathers were very familiar with these reforms. They were not considering these questions theoretically, without any context. They expected to continue the work already begun and to consider the “altioria principia,” the higher or fundamental principles of liturgical reform, spoken of by St John XXIII in his Motu Proprio Rubricarum Instructum of 25th July 1960.

Hence, article one of the Constitution gives four reasons for undertaking a liturgical reform. The first, “to impart an ever increasing vigour to the Christian life of the faithful,” is the constant concern of the Church’s pastors in every age.

The second, “to adapt more suitably to the needs of our own times those institutions which  are subject to change,” may cause us to pause and reflect, particularly given the Zeitgeist of the 1960s. But in truth, if it is read with that hermeneutic of continuity with which most certainly the Council Fathers intended it, this means that the Council desired liturgical development where possible so as to facilitate an increased vigour to Christian life. The Council Fathers did not want to change things simply for the sake of change!

So too, the third reason, “to foster whatever can promote union among all who believe in Christ,” might cause us to pause lest we think that the Fathers wished to instrumentalise the

Sacred Liturgy and make of it an ecumenical tool, to render it simply a means to an end. But can this be the case? Certainly, after the Council, some may have tried to do this. But the Fathers themselves knew that this was not possible. Unity in worship before the altar of sacrifice is the desired end of ecumenical endeavour. The liturgy is not a means to promote good will or cooperation in apostolic works. No, here the Council Fathers are saying that they believe that liturgical reform can be part of a momentum which can help people to achieve that Catholic unity without which full communion in worship is not possible.

The same motivation is found in the fourth reason given for liturgical reform: “to strengthen whatever can help to call the whole of mankind into the household of the Church.” Here, though, we move beyond our separated Christian brothers and sisters and consider “the whole of mankind.” The Church’s mission is to every man and woman! The Fathers of the Council believed this and hoped that more fruitful participation in the liturgy would facilitate a renewal in the Church’s missionary activity.

Let me give one example. For many years before the Council, in missionary countries and also in the more developed ones, there had been much discussion about the possibility of increasing the use of the vernacular languages in the liturgy, principally for the readings from Sacred Scripture, also for some of the other parts of the first part of the Mass (which we now call the “Liturgy of the Word”) and for liturgical singing. The Holy See had already given many permissions for the use of the vernacular in the administration of the sacraments. This is the context in which the Fathers of the Council spoke of the possible positive ecumenical  or missionary effects of liturgical reform. It is true that the vernacular has a positive place in the liturgy. The Fathers were seeking this, not authorising the protestantization of the Sacred Liturgy or agreeing to it being subjected to a false inculturation.

I am an African. Let me say clearly: the liturgy is not the place to promote my culture.  Rather, it is the place where my culture is baptised, where my culture is taken up into the divine. Through the Church’s liturgy (which missionaries have carried throughout the world) God speaks to us, He changes us and enables us to partake in His divine life. When someone becomes a Christian, when someone enters into full communion with the Catholic Church, they receive something more, something which changes them. Certainly, cultures and other Christians bring gifts with them into the Church—the liturgy of the Ordinariates of Anglicans now in full communion with the Catholic Church is a beautiful example of this. But they bring these gifts with humility, and the Church in her maternal wisdom makes use of them as she judges appropriate.

Nevertheless, it seems incumbent to be very clear on what we mean by inculturation. If we truly understand the meaning of the term as an insight into the mystery of Jesus Christ, then we have the key to inculturation, which is not a quest nor a claim for the legitimacy of Africanization nor Latin Americanization nor Asianization in substitution of a Westernization of Christianity. Inculturation is neither a canonization of a local culture nor a settling into this culture at the risk of making it absolute. Inculturation is an irruption and an epiphany of the Lord in the depths of our being. And the irruption of the Lord in our life causes a disruption,  a detachment opening the way to a path according to new orientations that are creating elements of a new culture, vehicle of the Good News for man and his dignity as a Son of  God. When the Gospel enters into our life, it disrupts it, it transforms it. It gives it a new direction, new moral and ethical orientations. It turns the heart of man towards God and neighbour to love and serve them absolutely and without design. When Jesus enters into a life, he transfigures it, he deifies it by the radiant light of His Face, just as St Paul was on the road to Damascus (see: Acts 9:5-6).

Just as by his Incarnation the Word of God became like men in all things, except sin (Heb 4:15), so the gospel assumes all human and cultural values, but refuses to take shape in the structures of sin. This means that the more individual and collective sins abound in a human or ecclesial community, the less room there exists for inculturation. On the contrary, the more a Christian community and shines with holiness and radiates evangelical values, the more it is likely to inculturate the Christian message. The inculturation of the faith is the challenge of sanctity. It verifies the degree of holiness, and the level of the Gospel’s penetration, and of  the faith in Jesus Christ in a Christian community. Inculturation, therefore, is not religious folklore.

It is not essentially realized in the use of local languages, instruments and Latin American music, African dances or African or Asian rituals and symbols in the liturgy and the sacraments. Inculturation is God who descends into the life, into the moral behaviour, into the cultures and into the customs of men in order to free them from sin and in order to introduce them into the life of the Trinity. Certainly the Faith has in need of a culture so as to be communicated. This is why Saint John Paul II affirmed that a faith that does not become culture is a faith that is dying: „Properly applied, inculturation must be guided by two principles: „compatibility with the gospel and communion with the universal Church.“ (Encyclical Letter, Redemptoris Missio, 7 December 1990, n. 54).

I have spent some time considering the first article of the Constitution because it is very important that we do read Sacrosanctum Concilium in its context, as a document which intended to promote legitimate development (such as the increased use of the vernacular) in continuity with the nature, teaching and mission of the Church in the modern world. We must not read into it things which it does not say. The Fathers did not intend a revolution, but an evolution, a moderate reform.

The intentions of the Council Fathers are very clear from other key passages. Article 14 is  one of the most important of the whole Constitution:

Mother Church earnestly desires that all the faithful should be led to that fully  conscious and active participation in liturgical celebrations which is demanded by the very nature of the liturgy. Such participation by the Christian people as “a chosen race, a royal priesthood, a holy nation, a redeemed people” (1 Pet. 2:9; cf. 2:4-5), is their right and duty by reason of their baptism.

In the restoration and promotion of the Sacred Liturgy, this full and active participation by all the people is the aim to be considered before all else; for it is the primary and indispensable source from which the faithful are to derive the true Christian spirit; and therefore pastors of souls must zealously strive to achieve it, by means of the necessary instruction, in all their pastoral work.

Yet it would be futile to entertain any hopes of realizing this unless the pastors themselves, in the first place, become thoroughly imbued with the spirit and power of the liturgy, and undertake to give instruction about it. A prime need, therefore, is that attention be directed, first of all, to the liturgical instruction of the clergy.

We hear the voice of the pre-conciliar popes here, seeking a real and fruitful participation in the liturgy, and in order to bring that about, the insistence that a thorough instruction or formation in the liturgy is urgently necessary. The Fathers show a realism here that was perhaps forgotten afterwards. Let us listen again to those words of the Council and ponder their importance: “it would be futile to entertain any hopes of realizing this (active participation) unless the pastors themselves, in the first place, become thoroughly imbued with the spirit and power of the liturgy, and undertake to give instruction about it.”

At the beginning of article 21 we also hear the Fathers’ intentions very clearly: “In order that the Christian people may more certainly derive an abundance of graces from the Sacred Liturgy, holy Mother Church desires to undertake with great care a general restoration of the liturgy itself.” “Ut populus christianus in sacra Liturgia abundantiam gratiarum securius assequatur…” When we study Latin we learn that the word “ut” signifies a clear purpose that follows in the same clause. What did the Council Fathers intend? —that the Christian people may more certainly derive an abundance of graces from the Sacred Liturgy. How did they propose to do this? —by undertaking with great care a general restoration of the liturgy itself (“ipsius Liturgiae generalem instaurationem sedulo curare cupit”). Please note that the  Fathers speak of a “restoration,” not a revolution!

One of the clearest and most beautiful expressions of the intentions of the Fathers of the Council is found at the beginning of the second chapter of the Constitution, which considers the mystery of the Most Holy Eucharist. In article 48 we read:

The Church…earnestly desires that Christ’s faithful, when present at this mystery of faith, should not be there as strangers or silent spectators; on the contrary, through a good understanding of the rites and prayers they should take part in the sacred action conscious of what they are doing, with devotion and full collaboration. They should be instructed by God’s word and be nourished at the table of the Lord’s body; they should give thanks to God; by offering the Immaculate Victim, not only through the hands of the priest, but also with him, they should learn also to offer themselves; through Christ the Mediator they should be drawn day by day into ever more perfect union with God and with each other, so that finally God may be all in all.

My brothers and sisters, this is what the Council Fathers intended. Yes, certainly, they discussed and voted on specific ways of achieving their intentions. But let us be very clear: the ritual reforms  proposed in  the Constitution such as the restoration of the prayer of the faithful at Mass (n. 53), the extension of concelebration (n. 57) or some of its policies such as the simplification desired by articles 34 and 50, are all subordinate to the fundamental intentions of the Council Fathers I have just outlined. They are means to an end, and it is the end which we must achieve.

If we are to move towards a more authentic implementation of Sacrosanctum Concilium, it is these goals, these ends, which we must keep before us first and foremost. It may be that, if we study them with fresh eyes and with the benefit of the experience of the past five decades, we shall see some specific ritual reforms and certain liturgical policies in a different light. If, today, so as to “impart an ever increasing vigour to the Christian life of the faithful” and “help to call the whole of mankind into the household of the Church,” some of these need to be reconsidered, let us ask the Lord to give us the love and the humility and wisdom so to do.

 

C. WHAT HAS HAPPENED FOLLOWING THE PROMULGATION
OF SACROSANCTUM CONCILIUM?

I raise this possibility of looking again at the Constitution and at the reform which followed its promulgation because I do not think that we can honestly read even the first article of Sacrosanctum Concilium today and be content that we have achieved its aims. My brothers and sisters, where are the faithful of whom the Council Fathers spoke? Many of the faithful are now unfaithful: they do not come to the liturgy at all. To use the words of St John Paul II: “Forgetfulness of God led to the abandonment of man. It is therefore no wonder that in this context a vast field has opened for the unrestrained development of nihilism in philosophy, of relativism in values and morality, and of pragmatism – and even a cynical hedonism – in  daily life. European culture gives the impression of ‘silent apostasy’ on the part of people who have all that they need and who live as if God does not exist” (Apostolic Exhortation, Ecclesia in Europa, 28 June 2003, 9). Where is the unity the Council hoped to achieve? We have not yet reached it. Have we made real progress in calling the whole of mankind into the household of the Church? I do not think so. And yet we have done very much to the liturgy!

In my 47 years of life as a priest and after more than 36 years of episcopal ministry I can  attest that many Catholic communities and individuals live and pray the liturgy as reformed following the Council with fervour and joy, deriving from it many, if not all, of the goods that the Council Fathers desired. This is a great fruit of the Council. But from my experience I  also know—now also through my service as Prefect of the Congregation for Divine Worship and the Discipline of the Sacraments—that there are many distortions of the liturgy throughout the Church today, and there are many situations that could be improved so that the aims of the Council can be achieved. Before I reflect on some possible improvements, let us consider what happened following the promulgation of the Constitution on the Sacred Liturgy.

In the sixteenth century the Pope entrusted the liturgical reform desired by the Council of Trent to a special commission which worked to prepare revised editions of the liturgical books which were eventually promulgated by the Pope. This is a perfectly normal procedure and it was the one adopted by Blessed Paul VI in 1964 when he established the Consilium ad exsequendam constitutionem de sacra liturgia. We know much about this commission because of the published memoirs of its secretary, Archbishop Annibale Bugnini (The Reform of the Liturgy: 1948-1975, Liturgical Press, Collegeville 1990).

The work of this commission to implement the Constitution was certainly subject to influences, ideologies and new proposals that were not present in Sacrosanctum Concilium. For example, it is true that the Council did not propose the introduction of new Eucharistic prayers, but that this idea came up and was accepted, and that new prayers were authoritatively promulgated by the Pope. It is true, also, as Archbishop Bugnini  himself makes clear, that some prayers and rites were constructed or revised according to the spirit of the times, particularly according to ecumenical sensitivities. Whether or not too much was done, or whether what was done truly helped to achieve the aims of the Constitution, or whether they in fact hindered them, are questions we need to study. I am very happy that today scholars are considering these matters in depth. Nevertheless it is an important fact that Blessed Paul VI judged the reforms proposed by the commission to be suitable and that he promulgated them. With his Apostolic authority he established them as normative and  ensured their liceity and validity.

But while the official work of reform was taking place some very serious misinterpretations  of the liturgy emerged and took root in different places throughout the world. These abuses of the Sacred Liturgy grew up because of an erroneous understanding of the Council, resulting  in liturgical celebrations that were subjective and which were more focused on the individual community’s desires than on the sacrificial worship of Almighty God. My predecessor as Prefect of the Congregation, Francis Cardinal Arinze, once called this sort of thing “the do-it- yourself Mass.” St John Paul even found it necessary to write the following in his Encyclical letter Ecclesia de Eucharistia (17 April 2003):

The Magisterium’s commitment to proclaiming the Eucharistic mystery has been matched by interior growth within the Christian community. Certainly the liturgical reform inaugurated by the Council has greatly contributed to a more conscious, active and fruitful participation in the Holy Sacrifice of the Altar on the part of the faithful. In many places, adoration of the Blessed Sacrament is also an important daily practice and becomes an inexhaustible source of holiness. The devout participation of the faithful in the Eucharistic procession on the Solemnity of the Body and Blood of Christ is a grace from the Lord which yearly brings joy to those who take part in it.

Other positive signs of Eucharistic faith and love might also be mentioned.

Unfortunately, alongside these lights, there are also shadows. In some places the practice of Eucharistic adoration has been almost completely abandoned. In various parts of the Church abuses have occurred, leading to confusion with regard to sound faith and Catholic doctrine concerning this wonderful sacrament. At times one encounters an extremely reductive understanding of the Eucharistic mystery. Stripped  of its sacrificial meaning, it is celebrated as if it were simply a fraternal banquet. Furthermore, the necessity of the ministerial priesthood, grounded in apostolic succession, is at times obscured and the sacramental nature of the Eucharist is reduced to its mere effectiveness as a form of proclamation. This has led here and there to ecumenical initiatives which, albeit well-intentioned, indulge in Eucharistic practices contrary to the discipline by which the Church expresses her faith. How can we not express profound grief at all this? The Eucharist is too great a gift to tolerate ambiguity and depreciation.

It is my hope that the present Encyclical Letter will effectively help to banish the dark clouds of unacceptable doctrine and practice, so that the Eucharist will continue to shine forth in all its radiant mystery (n. 10).

As well as abusive practices, there was adverse reaction to the officially promulgated reforms. Some people found that they had gone too far too quickly, or even suspected the official reforms of being doctrinally suspect. One remembers the controversy that emerged in 1969 with the letter sent to Paul VI by Cardinals Ottaviani and Bacci expressing very serious concerns, after which the Pope judged it appropriate to make certain doctrinal precisions. These questions, too, need to be studied carefully.

But there was also a pastoral reality here: whether for good reasons or not, some people could or would not participate in the reformed rites. They stayed away, or only participated in the unreformed liturgy where they could find it, even when its celebration was not authorised. In this way the liturgy became an expression of divisions within the Church, rather than one of Catholic unity. The Council did not intend that the liturgy divide us one from another! St John Paul II worked to heal this division, aided by Cardinal Ratzinger who, as Pope Benedict XVI, sought to facilitate the necessary internal reconciliation in the Church by establishing in his Motu Proprio Summorum Pontificum (7 July 2007) that the more ancient form of the Roman rite is to be available without restriction to those individuals and groups who wish to draw from its riches. In God’s Providence it is now possible to celebrate our Catholic unity whilst respecting, and even rejoicing in, a legitimate diversity of ritual practice.

Finally, I would like to note that amidst the work of reform and translation that took place after the Council (and we know that some of this work was done too quickly, meaning that today we have to revise the translations to render them more faithful to the original Latin), there was perhaps not enough attention paid to what the Council Fathers said was essential if the fruitful participation in the liturgy that they desired would be achieved: that the clergy “become thoroughly imbued with the spirit and power of the liturgy, and undertake to give instruction about it.” We know that a building with weak foundations is at risk of damage or even of collapse.

We may have built a very new, modern liturgy in the vernacular, but if we have not laid the correct foundations—if our seminarians and clergy are not “thoroughly imbued with the spirit and power of the liturgy” as the Council required—then they themselves cannot form the people entrusted to their care. We need to take the words of the Council itself very seriously: it would be “futile” to hope for a liturgical renewal without a thorough liturgical formation. Without this essential formation clergy could even damage peoples’ faith in the Eucharistic mystery.

I do not wish to be thought of as being unduly pessimistic, and I say again: there are many, many faithful lay men and women, many clergy and religious for whom the liturgy as reformed after the Council is a source of much spiritual and apostolic fruit, and for that I thank Almighty God. But, even from my brief analysis just now, I think you will agree that we can do better so that the Sacred Liturgy truly becomes the source and summit of the life and mission of the Church now, at the beginning of the twenty-first century, as the Fathers of the Council so earnestly desired.

Anyway, this is what Pope Francis asks us to do: “It is necessary, he said, to unite a renewed willingness to go forward along the path indicated by the Council Fathers, as there remains much to be done for a correct and complete assimilation of the Constitution on the Sacred Liturgy on the part of the baptised and ecclesial communities. I refer, in particular, to the commitments to a solid and organic liturgical initiation and formation, both of lay faithful as well as clergy and consecrated persons”.

 

D. HOW SHOULD WE MOVE TOWARDS A MORE AUTHENTIC
IMPLEMENTATION OF SACROSANCTUM CONCILIUM TODAY?

In the light of the fundamental desires of the Council Fathers and of the different situations that we have seen arise following the Council, I would like to present some practical considerations on how we can implement Sacrosanctum Concilium more faithfully today. Even though I serve as the Prefect of the Congregation for Divine Worship, I do so in all humility as a priest and a bishop in the hope that they will promote mature reflection and scholarship and good liturgical practice throughout the Church.

It will come as no surprise if I say that first of all we must examine the quality and depth of our liturgical formation, of how we imbue our clergy, religious and lay faithful with the spirit and power of the liturgy. Too often we assume that our candidates for ordination to the priesthood or the permanent diaconate “know” enough about the liturgy. But the Council was not insisting on knowledge here, though, of course, the Constitution stressed the importance of liturgical studies (see: nn. 15-17). No, the liturgical formation that is primary and essential is more one of immersion in the liturgy, in the deep mystery of God our loving Father. It is a question of living the liturgy in all its richness, so that having drunk deeply from its fount we always have a thirst for its delights, its order and beauty, its silence and contemplation, its exultation and adoration, its ability to connect us intimately with He who is at work in and through the Church’s sacred rites.

That is why those “in formation” for pastoral ministry should live the liturgy as fully as is possible in their seminaries or houses of formation. Candidates for the permanent diaconate should have an immersion in an intense liturgical life over a prolonged period also. And, I would add, that the full and rich celebration of the more ancient use of the Roman rite, the usus antiquior, should be an important part of liturgical formation for clergy, for how can we begin to comprehend or celebrate the reformed rites with a hermeneutic of continuity if we have never experienced the beauty of the liturgical tradition which the Fathers of the Council themselves knew and which has produced so many saints over the centuries? A wise  openness to the mystery of the Church and her rich, centuries-old tradition, and a humble docility to what the Holy Spirit says to the Churches today are real signs that we belong to Jesus Christ: And he said to them, “Therefore every scribe who has been trained for the kingdom of heaven is like a householder who brings out of his treasure what is new and what is old.” (Mt 13:52).

If we attend to this, if our new priests and deacons truly thirst for the liturgy, they will themselves be able to form those entrusted to their care—even if the liturgical circumstances and possibilities of their ecclesial mission are more modest than those of the seminary or of a cathedral. I am aware of many priests in such circumstances who form their people in the spirit and power of the liturgy, and whose parishes are examples of great liturgical beauty. We should remember that dignified simplicity is not the same as reductive minimalism or a negligent and vulgar style. As our Holy Father, Pope Francis, teaches in his Apostolic Exhortation Evangelii Gaudium: “The Church evangelizes and is herself evangelized through the beauty of the liturgy, which is both a celebration of the task of evangelization and the source of her renewed self-giving.” (n. 24)

Secondly, I think that it is very important that we are clear about the nature of liturgical participation, of the participatio actuosa for which the Council called. There has been a lot of confusion here over recent decades. Article 48 of the Constitution states: “The Church…earnestly desires that Christ’s faithful, when present at this mystery of faith, should not be there as strangers or silent spectators; on the contrary, through a good understanding of the rites and prayers they should take part in the sacred action conscious of what they are doing, with devotion and full collaboration.” The Council sees participation as primarily internal, coming about “through a good understanding of the rites and prayers.”  The inner life, the life immersed in God and intimately inhabited by God is the indispensable condition for a successful and fruitful participation in the Holy Mysteries that we celebrate in the liturgy. The Eucharistic celebration must be essentially lived internally. It is within us that God wants to meet us. The Fathers called for the faithful to sing, to respond to the priest, to assume liturgical ministries that are rightfully theirs, certainly, but it insists that all should be “conscious of what they are doing, with devotion and full collaboration.”

If we understand the priority of internalising our liturgical participation we will avoid the noisy and dangerous liturgical activism that has been too prominent in recent decades. We do not go to the liturgy so as to perform, to do things for others to see: we go to be connected with Christ’s action through an internalisation of the external liturgical rites, prayers, signs and symbols. It may be that we priests whose vocation is to minister liturgically need to remember this more than others! But we also need to form others, particularly our children and young people, in the true meaning of liturgical participation, in the true way to pray the liturgy.

Thirdly, I have spoken of the fact that some of the reforms introduced following the Council may have been put together according to the spirit of the times and that there has been an increasing amount of critical study by faithful sons and daughters of the Church asking whether what was in fact produced truly implemented the aims of the Constitution,  or whether in reality they went beyond them. This discussion sometimes takes place under the title of a “reform of the reform,” and I am aware that Father Thomas Kocik presented a learned study on this question at the Sacra Liturgia conference in New York one year ago.

I do not think that we can dismiss the possibility or the desirability of an official reform of the liturgical reform, because its proponents make some important claims in their attempt to be faithful to the Council’s insistence in article 23 of the Constitution “that sound tradition…be retained, and yet the way remain open to legitimate progress.” It must begin with a careful theological, historical, pastoral study and “there must be no innovations unless the good of  the Church genuinely and certainly requires them; and care must be taken that any new forms adopted should in some way grow organically from forms already existing.”

Indeed, I can say that when I was received in audience by the Holy Father last April, Pope Francis asked me to study the question of a reform of a reform and the way in which the two forms of the Roman rite could enrich each other. This will be a long and delicate work and I ask for your patience and prayers. But if we are to implement Sacrosanctum Concilium more faithfully, if we are to achieve what the Council desired, this is a serious question which must be carefully studied and acted on with the necessary clarity and prudence in prayer and total submission to God.

We priests, we bishops bear a great responsibility. How our good example builds up good liturgical practice; how our carelessness, our routine or wrongdoing harms the Church and  her Sacred Liturgy!

We priests must be worshippers first and foremost. Our people can see the  difference  between a priest who celebrates with faith and one who celebrates in a hurry, frequently looking at his watch, almost so as to say that he wants to get back to his pastoral work or to other engagements or to go to view his television as quickly as possible! Fathers, we can do no more important thing than celebrate the sacred mysteries: let us beware of the temptation of liturgical sloth or lukewarmness, because it is a temptation of the devil.

We must remember that we are not the authors of the liturgy, we are its humble ministers, subject to its discipline and laws. We are also responsible to form those who assist us in liturgical ministries in both the spirit and power of the liturgy and indeed its regulations. Sometimes I have seen priests step aside to allow extraordinary ministers distribute Holy Communion: this is wrong, it is a denial of the priestly ministry as well as a clericalisation of the laity. When this happens it is a sign that formation has gone very wrong, and that it needs to be corrected. (see: Mt 14:18-21). “Then, taking the five loaves… gave them to his disciples to set before the people… Those who ate of the loaves were five thousand men (Mk 6:30-44; Mt 14:18-21).

I have also seen priests, and bishops, vested to celebrate Holy Mass, take out telephones and cameras and use them in the Sacred Liturgy. This is a terrible indictment of what they believe to be the mission they assume when they put on the liturgical vestments, which clothe and transform us as an alter Christus—and much more, as ipse Christus, as Christ himself. To do this is a sacrilege. No bishop, priest or deacon vested for liturgical ministry or present in the sanctuary should be taking photographs, even at large-scale concelebrated Masses. That priests sadly often do this at such Masses, or talk with each other and sit casually, is a sign, I think, that we need urgently to rethink the appropriateness of these immense concelebrations, especially if they lead priests into this sort of scandalous behaviour that is so unworthy of the mystery being celebrated, or if the sheer size of these concelebrations leads to a risk of the profanation of the Blessed Eucharist.

It is equally a scandal and profanation for the lay faithful to take photographs during the celebration of the Holy Eucharist. They should participate through prayer and not by spending their time taking photos!

I want to make an appeal to all priests. You may have read my article in L’Osservatore Romano one year ago (12 June 2015) or my interview with the journal Famille Chrétienne in May of this year. On both occasions I said that I believe that it is very important that we return as soon as possible to a common orientation, of priests and the faithful turned together in the same direction—Eastwards or at least towards the apse—to the Lord who comes, in those parts of the liturgical rites when we are addressing God. This practice is permitted by current liturgical legislation. It is perfectly legitimate in the modern rite. Indeed, I think it is a very important step in ensuring that in our celebrations the Lord is truly at the centre.

And so, dear Fathers, I humbly and fraternally ask you to implement this practice wherever possible, with prudence and with the necessary catechesis, certainly, but also with a pastor’s confidence that this is something good for the Church, something good for our people. Your own pastoral judgement will determine how and when this is possible, but perhaps beginning this on the first Sunday of Advent this year, when we attend ‘the Lord who will come’ and ‘who will not delay’ (see: Introit, Mass of Wednesday of the first week of Advent) may be a very good time to do this. Dear Fathers, we should listen again to the lament of God proclaimed by the prophet Jeremiah: “they have turned their backs to me and not their faces” (2:27). Let us turn again towards the Lord! Since the day of his Baptism, the Christian knows only one direction: the Orient. “You entered to confront your enemy, for you intended to renounce him to his face. You turned toward the East (ad Orientem), for one who renounces the devil turns towards Christ and fixes his gaze directly on Him” (From the beginning of the Treatise on the Mysteries by Saint Ambrose, Bishop of Milan).

I very humbly and fraternally would like to appeal also to my brother bishops: please lead your priests and people towards the Lord in this way, particularly at large celebrations in your dioceses and in your cathedral. Please form your seminarians in the reality that we are not called to the priesthood to be at the centre of liturgical worship ourselves, but to lead Christ’s faithful to him as fellow worshippers united in the one same act of adoration. Please facilitate this simple but profound reform in your dioceses, your cathedrals, your parishes and your seminaries.

We bishops have a great responsibility, and one day we shall have to answer to the Lord for our stewardship. We are the owners of nothing! Nothing belongs to us! As St Paul teaches, we are merely “the servants of Christ and the stewards of the mysteries of God. Now it is of course required of stewards that they be found trustworthy” (1 Cor. 4:1-2). We are  responsible to ensure that the sacred realities of the liturgy are respected in our dioceses and that our priests and deacons not only observe the liturgical laws, but know the spirit and power of the liturgy from which they emerge. I was very encouraged to read the presentation on “The Bishop: Governor, Promoter and Guardian of the Liturgical Life of the Diocese” made to the 2013 Sacra Liturgia conference in Rome by Archbishop Alexander Sample of Portland in Oregon in the USA, and I fraternally encourage my brother bishops to study his considerations carefully.

All liturgical ministers should make a examination of conscience periodically. For this I recommend part II of the Apostolic Exhortation Sacramentum Caritatis of Benedict XVI (22 February 2007), “The Eucharist, a Mystery to be Celebrated.” It is almost ten years since this Exhortation was published as the collegial fruit of the 2005 Synod of Bishops. How much progress have we made in that time? What more do we need to do? We must ask ourselves these questions before the Lord, each of us according to our responsibility, and then do what we can and what we must to achieve the vision outlined by Pope Benedict.

At this point I repeat what I have said elsewhere, that Pope Francis has asked me to continue the extraordinary liturgical work Pope Benedict began (see: Message to Sacra Liturgia USA 2015, New York City). Just because we have a new pope does not mean that his  predecessor’s vision is now invalid. On the contrary, as we know, our Holy Father Pope Francis has the greatest respect for the liturgical vision and measures Pope Emeritus Benedict XVI implemented in utter fidelity to the intentions and aims of the Council Fathers.

Before I conclude, please permit me to mention some other small ways which can also contribute to a more faithful implementation of Sacrosanctum Concilium. One is that we  must sing the liturgy, we must sing the liturgical texts, respecting the liturgical traditions of the Church and rejoicing in the treasury of sacred music that is ours, most especially that music proper to the Roman rite, Gregorian chant. We must sing sacred liturgical music not merely religious music, or worse, profane songs.

We must get the right balance between the vernacular languages and the use of Latin in the liturgy. The Council never intended to insinuate that the Roman rite be exclusively celebrated in the vernacular. But it did intend to allow its increased use, particularly for the readings.

Today it should be possible, especially with modern means of printing, to facilitate comprehension by all when Latin is used, perhaps for the liturgy of the Eucharist, and of course this is particularly appropriate at international gatherings where the local vernacular is not understood by many. And naturally, when the vernacular is used, it must be a faithful translation of the original Latin, as Pope Francis recently affirmed to me.

We must ensure that adoration is at the heart of our liturgical celebrations. The heart of our liturgy is the adoration of God. Too often we do not move from celebration to adoration, but  if we do not do that I worry that we may not have always participated in the liturgy fully, internally. Two bodily dispositions are helpful, indeed indispensible here. The first is silence. If I am never silent, if the liturgy gives me no space for silent prayer and contemplation, how can I adore Christ, how can I connect with him in my heart and soul? Silence is very important, and not only before and after the liturgy. It is the foundation of any deep spiritual life.

So too kneeling at the consecration (unless I am sick) is essential. In the West this is an act of bodily adoration that humbles us before our Lord and God. It is itself an act of prayer. Where kneeling and genuflection have disappeared from the liturgy, they need to be restored, in particular for our reception of our Blessed Lord in Holy Communion. Dear Fathers, where possible and with the pastoral prudence of which I spoke earlier, form your people in this beautiful act of worship and love. Let us kneel in adoration and love before the Eucharistic Lord once again! “Man is not fully man unless he falls on his knees before God to adore Him, to contemplate his dazzling sanctity and let himself be remodelled in his image and likeness” (R. Sarah, On the Road to Ninive, Paulines Publications Africa 2012, p.199).

In speaking of the reception of Holy Communion kneeling I would like to recall the 2002 letter of the Congregation of Divine Worship and Discipline of the Sacraments which  clarifies that “any refusal of Holy Communion to a member of the faithful on the basis of his or her kneeling posture [is] a grave violation of one of the most basic rights of the Christian faithful” (Letter, 1 July 2002, Notitiae, n. 436, Nov-Dec 2002, p. 583).

Correctly vesting all the liturgical ministers in the sanctuary, including lectors, is also very important if such ministries are to be considered authentic and if they are to be exercised with the decorum due to the Sacred Liturgy—also if the ministers themselves are to show the correct reverence for God and for the mysteries they minister.

These are some suggestions: I am sure that many others could be made. I put them before you as possible ways of moving towards “the right way of celebrating the liturgy inwardly and outwardly,” which was of course the desire expressed by Cardinal Ratzinger at the beginning of his great work, The Spirit of the Liturgy. (Joseph Ratzinger, Theology of the Liturgy, Collected Works vol. 11, Ignatius Press, San Francisco 2014, p. 4). I encourage you to do all that you can to realise this goal, which is utterly consistent with that of the Second Vatican Council’s Constitution on the Sacred Liturgy.

 

CONCLUSION

I began this address with a consideration of the teachings of the twentieth century popes on the Sacred Liturgy. The first of them, St Pius X, had the personal motto: instaurare omia in Christo—to restore all things in Christ. I suggest that we take these words and make them our own standard as we seek to work towards a more faithful implementation of Sacrosanctum Concilium, for if when we come to the Sacred Liturgy we enter into the mentality of Christ, if we put on Christ as we put on our baptismal robe or the vestments proper to our liturgical ministry, we cannot go far astray.

It is sadly true that in   the decades since the  Second Vatican Council, “alongside [the]   lights, there are also shadows” in the Church’s liturgical life, as Saint John Paul II said in Ecclesia de Eucharistia (n.10). And it is our duty to address the causes of this. But it is a source of great hope and joy that today, as the twenty-first century proceeds, many faithful Catholics are convinced of the importance of the liturgy in the life of the Church and dedicate themselves to the liturgical apostolate, to what may be broadly called a new liturgical movement.

My brothers and sisters, I thank you for your commitment to the Sacred Liturgy. I encourage you and bless you in all your endeavours, great or small, to bring about “the right way of celebrating the liturgy inwardly and outwardly.” Persevere in this apostolate: the Church and the world needs you!

I ask you for your prayers for my particular ministry. Thank you. May God bless you.

 

© Robert Cardinal Sarah Prefect, Congregation for Divine Worship and the Discipline of the Sacraments

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See also:

PAPST PAUL VI.: ANSPRACHE IM GEHEIMEN KONSISTORIUM AM 24. MAI 1976

April 1976: Pope Paul VI, Giovanni Battista Montini, at his Easter Address on the balcony of St Peter's Basilica. (Photo by Keystone/Getty Images)

April 1976: Pope Paul VI, Giovanni Battista Montini, at his Easter Address on the balcony of St Peter’s Basilica. (Photo by Keystone/Getty Images)

DIE KARDINÄLE — VERTRETER AUS ALLEN ERDTEILEN

Verehrte Mitbrüder!

Seit dem Tage, als wir vor mehr als drei Jahren die Lücken in Ihrem Heiligen Kollegium entsprechend der Zahl der wahlberechtigten Kardinäle aufgefüllt hatten, hat dieses Kollegium durch den Tod einiger Mitbrüder schmerzliche Verluste erlitten; wir gedenken ihrer aller in inniger Trauer. Andererseits haben einige der Mitglieder dieses Kollegiums das Alter erreicht, in dem sie nicht mehr an der Papstwahl teilnehmen können. Deshalb haben wir Sie heute zur Kreierung neuer Kardinäle zusammen­gerufen und gleichzeitig zur Promulgierung neuer Bischofsernen­nungen; außerdem bitten wir Sie um Ihre Zustimmung zur Hei­ligsprechung dreier Seliger und schließlich um die Vorlage der Postulationen zur Verleihung der Pallien.

Das sind die traditionellen und bekannten Aspekte eines jeden Konsistoriums. Aber deswegen sind sie nicht weniger eindrucksvoll in ihrer kirchlichen Bedeutung und in ihrer geschichtlichen Trag­weite, und zwar so, daß die Feier dieses Ereignisses der römi­schen Kirche jedesmal von ganz besonderem Interesse ist. Das Konsistorium ist gewiß ein besonders wichtiger und feierlicher Augenblick. Durch Ihre Teilnahme und Ihre Gegenwart sehen wir, daß Sie dies verstanden haben. Und dafür danken wir Ihnen vor allem.

I. Um bei dem Anlaß zu bleiben, der heute die Aufmerksam­keit der katholischen Kirche, ja der ganzen Öffentlichkeit auf sich zieht — nämlich der Kreierung neuer Kardinäle —, betonen wir, daß wir damit nicht länger zögen wollten, Vorsorge zu treffen für die Vollzahl des Heiligen Kollegiums; dies um so mehr, als wir in der Apostolischen Konstitution Romani Pontifici eligendo die besonderen, hohen Aufgaben seiner Mitglieder hervorgeho­ben haben, die zur Wahl des Papstes berufen sind. Bei den Neuernenungen hielten wir uns an Kriterien, die uns sehr wesentlich sind: daß nämlich das Heilige Kollegium aus Mitgliedern aller Völker bestehe und so einen internationalen Charakter trage.

Es will und muß im Angesichte der Welt das getreue Bild der heiligen katholischen Kirche sein, die in der alleinigen Hürde Christi aus den vier Himmelsrichtungen versammelt ist (vgl. Joh 10, 10) und allen Völkern wie Kulturen offen steht, um deren echte Werte sich anzueignen und sie in den Dienst der guten Sache der Frohbotschaft zu stellen, die da ist die Ehre Gottes und die Erhebung des Menschen. Daher — außer der ge­schuldeten Anerkennung gegenüber den treuesten Dienern des Apostolischen Stuhles bei den Päpstlichen Vertretungen und in der Römischen Kurie — haben wir zuerst und vor allem an die residierenden Bischöfe gedacht, indem wir besonders den Blick auf die jungen Gemeinschaften einer hoffnungsvollen, leuchtenden Zukunft richteten und zugleich auf die Bischofssitze mit einer be­rühmten, jahrhundertealten, geschichtsträchtigen Vergangenheit, reich an Werken und Heiligkeit. Es ist wie ein Blick, der zugleich die ganze Welt umfaßt, wo die Kirche lebt, liebt, hofft, leidet und kämpft: keiner der Punkte, auch der entferntesten Erdteile, ist abwesend. Wenn der repräsentative Charakter der orientalischen Kirchen heute nicht so hervorzutreten scheint, so bedeutet dies nicht, daß unsere Wertschätzung und Achtung geringer ist ge­genüber diesen Ländern, die die Wiege der Kirche waren, heute noch mit eifersüchtiger Sorge deren kostbarste Schätze an Fröm­migkeit, Liturgie und Lehre hüten und in ihren Hirten, den von uns so geliebten Patriarchen, zusammen mit den Mitarbeitern der jeweiligen Heiligen Patriarchal-Synode, Ermutigung, Licht und Kraft der Zusammengehörigkeit finden. Ja, noch mehr, wir möch­ten diese Gelegenheit benützen, um ihnen unser herzliches Wohl­wollen zu bekunden mit der Versicherung unseres Gedenkens, un­serer Verehrung und unseres Gebetes.

II. Das Konsistorium, sagten wir, ist ein besonders bedeutsa­mer und feierlicher Augenblick für das Leben der Kirche in der Zeit. Wir können diese Gelegenheit, die uns mit Ihnen in Ver­bindung bringt, nicht vorübergehen lassen, ohne in Ihrer Gegen­wart Anliegen und Fragen zu behandeln, die uns sehr am Herzen liegen und die wir von großer Bedeutung erachten, ohne Sie teil­nehmen zu lassen an Empfindungen, die wir im Innern hegen.

Es sind einerseits Empfindungen der Dankbarkeit und Freude, an­dererseits aber auch der Besorgnis und des Schmerzes.

1) Die erste Empfindung geht aus dem natürlichen Optimis­mus hervor — der sich auf die unwandelbaren Verheißungen Christi gründet (vgl. Mt 28, 20; Joh 16, 33) und auf die Fest­stellung von immer neuen und tröstlichen Begebenheiten —, den wir ständig im Herzen hegen: es ist die Vitalität, die Jugend­kraft der Kirche, von der wir so viele Anzeichen haben. Wir hatten hierfür den Beweis im kürzlichen Heiligen Jahr, das immer noch seinen Einfluß auf unser Geistesleben ausstrahlt. Das Wesen des christlichen Leben, in diesem übernatürlichen Leben, das ein Geschenk Gottes ist. Wir haben den überaus großen Trost zu beobachten, wie es sich in so vielen Ländern entfaltet in der Zeugniskraft des Glaubens, in der Liturgie, in dem wiederent­deckten und tiefempfundenen Gebetsleben, in der Freude des klaren, geistigen Blickes und der Reinheit des Herzens.

Außerdem beobachten wir, daß sich immer mehr und mehr die Liebe unter den Menschen entfaltet, die untrennbar ist von der Liebe zu Gott, die den wachsenden Einsatz so vieler unserer Söhne anregt und ihre tiefe Solidarität mit den Armen, den Aus­gestoßenen, den Wehrlosen.

Wir beobachten, daß die Richtlinien, die das letzte Konzil vor­gezeichnet hat, das ständige Bemühen um die Gefolgschaft des Evangeliums Christi in einem echten, gelebten Christentum, in der Übung der theologischen Tugenden leiten und stützen.

In ergriffener Bewunderung beobachten wir, daß missionarische Initiativen aufblühen, und vor allem haben wir untrügliche An­zeichen dafür, daß es auch in einem mehr delikaten und wichtigen Bereich, wie es jener der Priester- und Ordensberufe ist, nach einem Stillstand ohne Zweifel in verschiedenen Ländern ein Wie­deraufleben gibt.

Wir beobachten, daß in allen Erdteilen viele junge Menschen hochherzig und konkret dem Anruf des Evangeliums entsprechen und die Kraft absoluter Folgerichtigkeit aufbringen gegenüber der Pflicht, dieses in die Praxis umzusetzen.

Gewiß, verehrte Mitbrüder, der Heilige Geist ist wahrhaft in allen Bereichen am Werk, auch in jenen, die nicht mehr vital zu sein schienen.

2) Aber es gibt auch Motive zur Bitterkeit, die wir sicher nicht verbergen oder verharmlosen wollen. Sie erwachsen durch die Betonung einer in ihren Auswüchsen oft unnachgiebigen Polarität, die in verschiedenen Bereichen eine oberflächliche Unreife auf­zeigt oder auch einen hartnäckigen Starrsinn, im Grunde eine be­klagenswerte Taubheit gegenüber dem Aufruf zu einer die Span­nungen überwindenden Ausgeglichenheit, der vor mehr als zehn Jahren von den großen Weisungen des Konzils ausgegangen ist.

a) Es gibt einerseits solche, die unter dem Vorwand einer grö­ßeren Treue zur Kirche und zum Lehramt systematisch die Lehren selbst des Konzils ablehnen, seine Durchführung und die Refor­men, die sich aus ihm ergeben, seine stufenweise Durchführung mit Hilfe des Apostolischen Stuhles und der Bischofskonferenzen unter unserer von Christus gewollten Autorität. Man bringt die Autorität der Kirche in Mißkredit im Namen einer Überlieferung, der man nur materiell und mit Worten Achtung entgegenbringt. Man entfernt die Gläubigen von den Bindungen des Gehorsams gegenüber dem Stuhle Petri wie auch gegenüber ihren rechtmä­ßigen Bischöfen. Man lehnt die Autorität von heute im Namen jener von gestern ab. Und diese Tatsache ist um so schwerwie­gender, als die Opposition, von der wir sprechen, nicht nur von einigen Priestern gestützt wird, sondern von einem Bischof geleitet ist, Msgr. Marcel Lefebvre, dem nach wie vor immer unsere Ver­ehrung gilt.

Es ist so sehr schmerzlich, dies zu bemerken. Wie muß man aber nicht in einer solchen Haltung — was auch immer die Ab­sicht dieser Personen sein möge — die Tatsache sehen, daß man sich außerhalb des Gehorsams und der Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri und folglich der Kirche stellt?

Da dies leider die logische Folge ist, wenn man nämlich sich darauf stützt, es sei vorzuziehen ungehorsam zu sein, unter dem Vorwand, den eigenen Glauben unversehrt zu bewahren, für die Bewahrung der katholischen Kirche auf eigene Weise zu arbeiten, ihr aber gleichzeitig den effektiven Gehorsam verweigert. Und man spricht dies offen aus! Man wagt zu behaupten, daß das Zweite Vatikanische Konzil nicht bindend sei; daß der Glaube ebenfalls in Gefahr sei durch die nachkonziliären Reformen und Richtlinien; daß man die Pflicht habe, ungehorsam zu sein, um gewisse Traditionen zu erhalten. Welche Traditionen? Steht es dieser Gruppe und nicht dem Papst, nicht dem Kollegium der Bischöfe, nicht dem Ökumenischen Konzil zu, festzusetzen, welche unter den unzähligen Traditionen als Glaubensnorm betrachtet werden müssen? Wie Sie sehen, verehrte Mitbrüder, eine solche Haltung wirft sich zum Richter über den Willen Gottes auf, der Petrus und seine rechtmäßigen Nachfolger zum Oberhaupt der Kirche bestellt hat, um die Brüder im Glauben zu weiden (vgl. Lk 22, 32, Joh 21, 15 ff), und ihn zum Garanten und Hüter des Glaubensgutes bestimmt hat.

Das ist vor allem dann um so schwerwiegender, wenn man die Spaltung gerade dort hineinträgt, wo die Liebe Christi uns zur Einheit versammelt, in der Liturgie und beim eucharistischen Opfer, indem man den im liturgischen Bereich festgesetzten Nor­men die gebührende Beobachtung verweigert. Im Namen der Tradition bitten wir alle unsere Söhne und Töchter und alle ka­tholischen Gemeinschaften, die erneuerte Liturgie mit Würde und Eifer zu feiern. Der Gebrauch des neuen Ordo Missae ist na­türlich nicht dem Gutdünken der Priester oder der Laien anheim­gestellt. Die Instruktion vom 14. Juni 1971 hat die Meßfeier in der alten Form mit Erlaubnis des Ordinarius nur für alte oder kranke Priester vorgesehen, die das Meßopfer ohne Volk darbrin­gen. Der neue Ordo ist nach reifer Überlegung und gemäß den Wünschen des Zweiten Vatikanischen Konzils erlassen worden, damit er den alten ersetze. Ähnlich hatte unser heiliger Vorgänger Pius V. das Missale, das infolge des Trienter Konzils unter sei­ner Autorität reformiert worden war, als verpflichtend vorge­schrieben.

Dieselbe Aufnahmebereitschaft verlangen wir mit derselben höch­sten Autorität, die wir von Jesus Christus erhalten haben, auch für alle übrigen liturgischen, disziplinären und pastoralen Re­formen, die in diesen Jahren in Verwirklichung der Konzilsde­krete herangereift sind. Jede Initiative, die sie zu verhindern trach­tet, kann sich nicht den Anspruch anmaßen, damit der Kirche einen Dienst zu erweisen. In Wirklichkeit fügt sie ihr einen gro­ßen Schaden zu.

Mehrere Male haben wir direkt durch unseren Mitarbeiter und andere bekannte Persönlichkeiten Msgr. Lefebvre auf den Ernst seiner Verhaltensweisen, auf die Regelwidrigkeit seiner wichtigsten derzeitigen initiativen, auf die Unhaltbarkeit und teilweise Falschheit der Lehren, auf denen er aufbaut, und auf den Schaden, der dadurch in der Kirche entsteht, aufmerksam gemacht.

Mit tiefer Bitterkeit, jedoch mit väterlicher Hoffnung wenden wir uns nun erneut an diesen unseren Mitbruder, an seine Mitarbeiter und an jene, die sich von ihnen haben mitreißen lassen. Gewiß, wir glauben, daß viele von diesen Gläubigen, wenigstens am Anfang, guten Glaubens gewesen sind. Wir verstehen auch ihre gefühlsmäßige Anhänglichkeit an gewohnte Formen des Kul­tes oder der Disziplin, die sie für lange Zeit in ihrem geistlichen Leben gestützt haben und in denen sie geistliche Nahrung gefunden haben. Wir haben jedoch die Zuversicht, daß sie mit Gleichmut und ohne vorgefaßte Parteinahme sich zu besinnen vermögen und zugestehen wollen, daß sie die Stütze und Nahrung, die sie suchen, heute in den erneuerten Formen finden, die das Zweite Vatika­nische Konzil und wir selbst als notwendig für das Wohl der Kirche, für ihre Entfaltung in der heutigen Welt und für die Einheit festgesetzt haben. Wir ermahnen deshalb abermals alle diese unsere Brüder, Söhne und Töchter, wir flehen sie an, sich der großen Wunden bewußt zu werden, die sie anderenfalls der Kirche erneut zufügen. Wir fordern sie auf, an die ernsten Mah­nungen Christi über die Einheit der Kirche (vgl. Joh 17, 21 f) und über den Gehorsam zu denken, der dem rechtmäßigen und von ihm der ganzen Herde vorangestellten Hirten geschuldet wird als Zeichen für den dem Vater und dem Sohn geschuldeten Ge­horsam (vgl. Lk 10, 16). Wir warten auf sie mit offenem Herzen und mit Armen, die bereit sind, sie brüderlich zu empfangen. Mögen sie in Demut und Erbauung zur Freude des Gottesvolkes den Weg der Einheit und der Liebe wiederfinden!

b) Auf der entgegengesetzten Seite, was ihre ideologische Po­sition betrifft, jedoch gleichermaßen Ursache tiefen Schmerzes ist, befinden sich jene, die im irrigen Glauben, die Linie des Kon­zils fortzusetzen, eine Haltung vorgefaßter und mitunter unbeug­samer Kritik an der Kirche und ihren Einrichtungen eingenommen haben.

Wir müssen deshalb mit der gleichen Bestimmtheit sagen, daß wir auch die Einstellung derer nicht annehmen können:

— die sich für autorisiert halten, sich ihre eigene Liturgie zu schaffen, wobei sie mitunter das Meßopfer oder die Sakra­mente auf die Feier ihres eigenen Lebens oder Kämpfens oder aber auf das Symbol der Brüderlichkeit einschränken oder sogar mißbräuchlich die Interkommunion praktizieren;

— die in der Katechese die Unterweisung in der Lehre herab­mindern oder sie nach ihrem Geschmack entstellen, entsprechend den Interessen, dem Druck oder den Forderungen der Menschen — Tendenzen, die die christliche Botschaft tiefgreifend verfäl­schen, wie wir schon in dem Apostolischen Mahnschreiben Quin­que iam anni vom 8. Dezember 1970, fünf Jahre nach Abschluß des Konzils, aufgezeigt haben (vgl. AAS 63/1971, S. 99);

— die so tun, als ob sie die lebendige Tradition der Kirche von den Vätern bis zu den Verlautbarungen des Lehramts nicht kenn­ten, und die Lehre der Kirche, ja selbsts das Evangelium, die geistlichen Realitäten, die Gottheit Christi, seine Auferstehung oder die Eucharistie neu interpretieren, sie so praktisch ihres Inhalts entleeren, eine neue Gnosis schaffen und in gewisser Weise in die Kirche die „freie Prüfung“ (liberum examen) einführen; dies ist um so gefährlicher, wenn es sich dabei um Personen han­delt, die die überaus hohe und schwierige Aufgabe haben, ka­tholische Theologie zu lehren;

— die die spezifische Funktion des Priesteramtes verkürzen;

— die die Gesetze der Kirche oder die von ihr aufgezeigten ethischen Forderungen schmerzlich übertreten;

— die das Leben aus dem Glauben so verstehen, als handle es sich darum, die irdische Gesellschaft zu ordnen, es auf poli­tische Aktionen reduzieren und zu diesem Zweck Wege ein­schlagen, die dem Evangelium widersprechen; man geht dabei so weit, daß man die jenseitige Botschaft Christi, seine Verkündigung des Reiches Gottes, sein Gesetz der Liebe unter den Men­schen, die in der unaussprechlichen Vaterschaft Gottes gründet, mit Ideologien vermischt, die eine solche Botschaft von ihrem Wesen her verneinen durch eine völlig entgegengesetzte Lehre; man propagiert einen widernatürlichen Bund zwischen zwei Wel­ten, die selbst nach Meinung der Theoretiker der anderen Seite miteinander unvereinbar sind.

Es ist wahr, daß solche Christen nicht sehr zahlreich sind, aber sie machen viel Lärm, wobei sie allzu leicht glauben, die Nöte des ganzen christlichen Volkes oder den irreversiblen Sinn der Geschichte zu interpretieren. Sie können sich in ihrem Tun weder auf das Zweite Vatikanische Konzil berufen, weil seine Interpretation und seine Verwirklichung für Mißbräuche solcher Art nichts hergeben, noch auf die Erfordernisse des Apostolates, um die Fernstehenden oder die Ungläubigen zu erreichen: das wahre Apostolat geht von der Kirche aus, um für die Lehre und das Leben der Kirche selbst Zeugnis abzulegen. Der Sauerteig muß den ganzen Teig durchdringen, er muß aber der Sauerteig des Evangeliums bleiben. Andernfalls verdirbt auch er mit der Welt.

Verehrte Mitbrüder! Es war uns ein Anliegen, Ihnen diese Überlegungen anzuvertrauen, eingedenk der jetzigen Stunde der Kirche. Sie ist und wird immer das unter den Nationen aufgerich­tete Banner sein (vgl. Jes 5, 26; 11, 12), weil sie die Sendung hat, der Welt, die auf sie blickt, mitunter sie auch herausfordert, die Wahrheit jenes Glaubens zu verkünden, der ihr Geschick er­hellt, die Hoffnung, die allein nicht enttäuscht (Röm 5, 5), die Liebe, die vom Egoismus befreit, der unter verschiedenen For­men in sie einzudringen und sie zu ersticken sucht. Es ist gewiß nicht der Augenblick der Abkehr, der Fahnenflucht, des Nachgebens; noch weniger der der Furcht. Die Christen sind einfach dazu aufgerufen, sie selbst zu sein: und sie werden es in dem Maße sein, wie sie der Kirche und dem Konzil treu sein werden.

Niemand, so denken wir, wird über die Gesamtheit der Hin­weise und Ermutigungen Zweifel hegen, die wir während dieser Jahre unseres Pontifikates den Hirten und dem Volke Gottes, ja der ganzen Welt gegeben haben. Wir sind denen dankbar, die aus diesen Lehren, die stets mit einer von lebendiger Hoffnung getragenen Absicht und mit einem zuversichtlichen Optimismus wie auch konkretem Realismus gegeben worden sind, ein Pro­gramm gemacht haben. Wenn wir heute mehr auf einige negative Aspekte hingewiesen haben, so geschah das deshalb, weil dieser einzigartige Anlaß und Ihr wohlwollendes Vertrauen es uns für angemessen erscheinen ließen. In der Tat besteht das Wesen des prophetischen Charismas, für das uns der Herr den Beistand seines Geistes verheißen hat, darin, zu wachen, auf die Gefahren hin­zuweisen und die Zeichen der Morgendämmerung am dunklen Ho­rizont der Nacht zu erforschen. Wächter, wie weit ist die Nacht? Wächter, wie weit ist die Nacht? legt uns der Prophet in den Mund (Jes 21, 11). Bis der heitere Morgen der Welt die Freude wiedergibt, wollen wir fortfahren, unsere Stimme für jene Sendung zu erheben, die uns anvertraut worden ist. Sie, unsere Freunde und engsten Mitarbeiter, können vor allem und besser als jeder andere sie an so viele unserer Brüder, Söhne und Töchter wei­tervermitteln. Und während wir uns nun anschicken, den Herrn zu feiern, wie er mit den Zeichen des Leidens und der glorreichen Auferstehung zur Rechten des Vaters aufsteigt, wir da wir die Himmel offen sehen (Apg 7, 56), voller Hoffnung, Freude und Mut ausharren. In nomine Domini! In diesem heiligen Namen segnen wir Sie alle.

Es ist uns eine Freude, nunmehr im folgenden die verehrten Bischöfe aufzuzählen, die wir aufgrund ihrer Verdienste für wür­dig erachtet haben, in diesem Konsistorium dem Kardinalskol­legium anzugehören.

Es sind dies:

Octavio Antonio Beras Rojas, Erzbischof von Santo Domingo;

Opilio Rossi, Titularerzbischof von Ancira und Apostolischer Nuntius in Österreich;

Giuseppe Maria Sensi, Titularerzbischof von Sardi und Apostolischer Nuntius in Portugal;

Juan Carlos Aramburu, Erzbischof von Buones Aires;

Corrado Bafile, Titularerzbischof von Antiochia di Pisidia und Pro-Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen;

Hyacinthe Thiandoum, Erzbischof von Dakar;

Emmanuel Nsubuga, Erzbischof von Kampala;

Joseph Schröffer, Titularerzbischof von Volturno und Sekretär der Kongregation für das katholische Bildungswesen;

Lawrence Trevor Picachy, Erzbischof von Kalkutta;

Jaime L. Sin, Erzbischof von Manila;

William ‚Wakefield Baum, Erzbischof von Washington;

Aloisio Lorscheider, Erzbischof von Fortaleza;

Reginald John Delargey, Erzbischof von Wellington;

Eduardo Pironio, Titularerzbischof von Tiges und Pro-Präfekt der Kongregation für die Ordensleute und Säkularinstitute;

Laszlo Lekai, Erzbischof von Esztergom;

Basil Hume, Erzbischof von Westminster;

Victor Razafimahatratra, Erzbischof von Tananarive;

Boleslaw Filipiak, Titularerzbischof von Plestia;

Dominic Ekandem, Bischof von Ikot Ekpene.

In Bezug auf die beiden Kardinäle, die wir uns „in pectore“ vorbehalten haben, geben wir nun öffentlich den Namen eines von ihnen bekannt: es handelt sich um Monsignor Joseph Maria Trin-nhu-Khué, Erzbischof von Hanoi, der erst gestern in Rom eingetroffen ist. Wir behalten uns den zweiten Namen noch vor und werden ihn zu gegebener Zeit bekanntgeben.

Durch die Kraft Gottes, des Allmächtigen, der heiligen Apostel Petrus und Paulus kreieren und ernennen wir feierlich zu Kar­dinälen der Heiligen Römischen Kirche die voraufgenannten Bi­schöfe.

Davon sind Kardinaldiakone: Opilio Rossi, Giuseppe Maria Sensi, Corrado Bafile, Joseph Schröffer, Eduardo Pironio, Bo­leslaw Filipiak.

Die anderen gehören zur Gruppe der Kardinalspriester.

Zugleich werden alle etwa entgegengesetzten Rechtsvorschriften aufgehoben. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hei­ligen Geistes. Amen.

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Quelle: PAPST PAUL VI. WORT UND WEISUNG IM JAHR 1976

AM ANFANG STEHT DIE LITURGIE

Erster Band der Gesamtausgabe
der theologischen Schriften von Joseph Ratzinger

Von Michael Karger

WÜRZBURG, 17. Oktober 2008 (Die-Tagespost.de/ ZENIT.org).- Im persönlichen Auftrag von Papst Benedikt XVI. wurde der Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Müller, mit der Herausgabe sämtlicher theologischer Schriften des Professors, Erzbischofs von München und Freising, Kurienkardinals und Papstes Joseph Ratzinger betraut. Zu diesem Zweck gründete Bischof Müller das in den Räumen des Regensburger Priesterseminars angesiedelte „Institut Papst Benedikt XVI.“ und berief den Trierer Dogmatikprofessor Rudolf Voderholzer, bekannt durch zahlreiche Publikationen auf dem Gebiet der Ratzinger-Forschung, an dessen Spitze. Auf ausdrücklichen Wunsch des Heiligen Vaters sollte die auf insgesamt sechzehn Bände angelegte Werkausgabe mit den Schriften zur Liturgie – in der Reihe als elfter Band gezählt – eröffnet werden. Dieser Eröffnungsband liegt nun unter dem Titel „Theologie der Liturgie“ vor.

Die editorischen Hinweise von Rudolf Voderholzer zur Gesamtausgabe geben einen Einblick in den Editionsplan und die leitenden Prinzipien des Unternehmens: Es wird eine möglichst vollständige Ausgabe des gedruckten Werkes angestrebt, die durch ungedruckte und noch nicht auf Deutsch erschienene Schriften ergänzt wird. Der Editionsplan folgt einer systematischen Ordnung. Die Monographien Ratzingers werden unverändert aufgenommen und um verwandte Texte ergänzt. Die von Ratzinger publizierten Aufsatzsammlungen werden „aufgelöst und die einzelnen Schriften in die neue Systematik eingefügt“. Die Bände I und II enthalten die Dissertation (Augustins Kirchenverständnis) und die Habilitationsschrift (Bonaventuras Geschichts- und Offenbarungsverständnis), ergänzt durch weitere Arbeiten über Augustin und Bonaventura. Band III bietet alle Schriften über Glaube und Vernunft und über die geistigen Grundlagen Europas. Im Band IV sind der Auslegung des Glaubensbekenntnisses „Einführung in das Christentum“ alle Beiträge über Bekenntnis, Taufe, Umkehr, Nachfolge und den christlichen Lebensvollzug angefügt. Gemäß der klassischen Traktataufteilung der systematischen Theologie folgen in Band V die Schöpfungslehre, die Anthropologie, die Gnadenlehre und die Mariologie, verstanden als die heilsgeschichtliche Verwirklichung der Gnadenlehre.

Die Frage nach Gott und dem Gottesdienst

Im Zentrum von Band VI stehen „Jesus von Nazareth“ und weitere Schriften zur Christologie. In Band VII sind alle Äußerungen zur Theologie des Konzils versammelt (Vorbereitung des Konzils, Berichte und Kommentare vom Konzilsverlauf, Analysen der Konzilsbeschlüsse, spätere Stellungnahmen zur Rezeption des Konzils). Im Band VIII folgen die Ekklesiologie und alles zur Ökumene. Die Schriften zur theologischen Erkenntnislehre und zur Hermeneutik machen den Band IX aus. In Band X finden sich alle Beiträge zu den Themen Auferstehung und Ewiges Leben. Im Band XI stehen die Texte zur Liturgie und zur Kirchenmusik. Dem Priesteramt ist der Band XII gewidmet. Zahlreiche Interviews, vor allem die drei Interviewbücher, füllen den Band XIII. Im Band XIV wird das Predigtwerk veröffentlicht.

Im Anschluss an die Autobiographie „Aus meinem Leben“ werden weitere autobiographische Zeugnisse im Band XV präsentiert. Den Abschluss bildet Band XVI mit einer vollständigen Bibliographie aller in deutscher Sprache erschienenen Veröffentlichungen von Joseph Ratzinger, nebst einem systematischen Register zu allen Bänden.

Einem Wunsch des Papstes entspricht die Herausgabe der Gesamtausgabe unter dem Verfassernamen Joseph Ratzinger. Vorangestellt ist dem Band ein Vorwort des Papstes, in dem er die Eröffnung der Werkausgabe mit den Schriften zur Theologie der Liturgie aus der „Prioritätenordnung des Konzils“ auch biographisch begründet: „Die Liturgie der Kirche war für mich seit meiner Kindheit zentrale Wirklichkeit meines Lebens und ist in der Schule von Lehrern wie Schmaus, Söhngen, Pascher, Guardini auch Zentrum meines theologischen Mühens geworden. Als Fach habe ich Fundamentaltheologie gewählt, weil ich zuallererst der Frage auf den Grund gehen wollte: Warum glauben wir? Aber in diese Frage war die Frage nach der rechten Antwort auf Gott und so die Frage nach dem Gottesdienst von Anfang an miteingeschlossen.“ Dabei ging es nie um bloße Einzelfragen der Liturgiewissenschaft, sondern um die „Verankerung der Liturgie im grundlegenden Akt unseres Glaubens.“

Bedeutsam ist im Vorwort auch die Antwort des Papstes auf die Rezeption der monographischen Gesamtschau „Der Geist der Liturgie. Eine Einführung“ (2000), die den Haupttext des Bandes (Seite 30-194) ausmacht. Benedikt XVI. kritisiert, dass die meisten Rezensenten sich ausschließlich auf das Thema „Zelebrationsrichtung“ gestürzt hätten. Mit Hinweis auf zwei neue wissenschaftliche Publikationen, die seine Ansicht untermauern, fasst der Papst hier noch einmal seinen Standpunkt in dieser Frage zusammen: „Der Gedanke, dass Priester und Volk sich beim Gebt gegenseitig anschauen sollten, ist erst in der Moderne entstanden und der alten Christenheit völlig fremd. Priester und Volk beteten ja nicht zueinander, sondern zum einen Herrn hin. Deshalb schauen sie beim Gebet in dieselbe Richtung: entweder nach Osten als kosmisches Symbol für den kommenden Herrn oder, wo dies nicht möglich war, auf ein Apsisbild Christi, auf ein Kreuz oder einfach gemeinsam nach oben, …“ Eine bereits früher gemachte praktische Anregung aufgreifend heißt es dann: „Inzwischen setzt sich erfreulicherweise immer mehr der Vorschlag durch, … nicht neue Umbauten zu machen, sondern einfach das Kreuz in die Mitte des Altares zu stellen, auf das Priester und Gläubige gemeinsam hinschauen, um sich so auf den Herrn hinführen zu lassen, zu dem wir alle miteinander beten.“

In seinem Geleitwort umschreibt Bischof Müller die Aufgaben des von ihm gegründeten „Instituts Papst Benedikt XVI.“: „Es soll zu einem Ort werden, an dem Leben, Denken und Wirken des Theologen, Bischofs und Papstes … umfassend dokumentiert wird. Durch die Sammlung und Bereitstellung seines gesamten gedruckten Werkes, durch die Erhebung des biographischen und theologischen Kontextes und durch den Aufbau einer Spezialbibliothek sind die idealen Bedingungen für eine umfassende Erforschung des theologischen Gesamtwerkes gegeben.“ Für die Autorisierung des Gesamtunternehmens sind folgende Aussagen besonders bedeutsam: „Der Gesamteditionsplan wurde in enger Absprache mit Papst Benedikt XVI. erarbeitet. Jeder Einzelband ist in seiner thematischen Konzeption, aber auch bei der Frage der Textauswahl durch den Heiligen Vater selbst autorisiert.“

Im ersten Teil (A) steht als Kernstück des Bandes die Monographie „Der Geist der Liturgie“. Sie schließt sich an Romano Guardinis Bändchen „Vom Geist der Liturgie“ von 1918 an, das zur programmatischen Grundlage der Liturgischen Bewegung geworden ist. Ratzinger geht es wie Guardini um liturgische Bildung, verstanden als Befähigung, den Gottesdienst der Kirche von seinem Wesen her zu verstehen und mitfeiern zu können. Die kultische Feier ist für Ratzinger keine kreative Erfindung des Menschen, sondern sie bedarf der göttlichen Ermächtigung. Darum ist die gottesdienstliche Feier auch nicht beliebig veränderbar. Im Anschluss an eine überzeugende Theologie des Opfers entwickelt Ratzinger, ausgehend vom paulinischen Begriff des „logosgemäßen Gottesdienstes“ (Röm 12,1), das Wesen der christlichen Liturgie. Alttestamentlicher Opferkult, die Opferpraktiken der Religionsgeschichte, der Kosmos, die Menschheit und der menschgewordene ewige Logos treffen in dieser Wirklichkeit zusammen. Als unzureichend weist Ratzinger die Definitionen der Eucharistie als Mahl und Versammlung zurück. Grundlegend ist das Paschamysterium von Tod und Auferstehung Jesu Christi.

Deutlich nimmt er gegen die Abwertung der eucharistischen Anbetung und der eucharistischen Frömmigkeit insgesamt Stellung. Die so bedeutsamen und überzeugenden Grundprinzipien für die Kunst im Kirchenraum harren bis heute ihrer Rezeption. Für sein völlig richtiges Urteil, dass es sich bei der exstatischen Rockmusik um einen Gegenkult zum christlichen Gottesdienst handelt, erntete der Kardinal vor Jahren viel Häme und Unverständnis. Geschickt verbinden die Herausgeber chronologische und systematische Gesichtspunkte, indem sie die unmittelbar nach der Veröffentlichung von „Der Geist der Liturgie“ entstandenen Veröffentlichungen im abschließenden Teil (E) des Bandes unter „Die Diskussion um ,Der Geist der Liturgie‘ anordnen. So kann der Leser die Weiterentwicklung der Argumentation unmittelbar nachvollziehen, die mit dem Motu proprio „summorum pontificum“ vom 7. Juli 2007 dann auch zur Freigabe der Messfeier nach dem Missale Johannes XXIII. durch Papst Benedikt XVI. geführt hat.

„Die Liturgie darf nicht zum Experimentierfeld werden“

Inhalt der Liturgie ist die Hingabe Jesu an den Vater für die Menschen. In der nachkonzilaren Leugnung von Priestertum, Messopfer und Eucharistie sieht Ratzinger deshalb die Ablehnung der „alten“ Messe begründet: „Nur von hier aus, von dieser faktischen Verabschiedung von Trient aus, kann man die Erbitterung verstehen, mit der die Möglichkeit bekämpft wird, auch nach der Liturgiereform die Messe nach dem Missale von 1962 zu feiern. Diese Möglichkeit ist der stärkste und daher am wenigsten zu ertragende Widerspruch zu der Auffassung, dass der von Trient formulierte Eucharistieglaube seine Gültigkeit verloren habe.“ Aus diesem Grund, der Sicherung der fortdauernden Identität der Kirche, tritt Ratzinger für die „alte“ Messe ein: „Ich persönlich war von Anfang an für die Freiheit, das alte Missale weiter benutzen zu dürfen, aus einem sehr einfachen Grund; man begann schon damals von einem Bruch mit der vorkonziliaren Kirche zu sprechen …“ Messopfer bedeutet: „Hineinverwandelt werden unseres Seins in den Logos, Einswerden mit ihm.“ Zurückgewiesen wird die Vorstellung, Liturgie nach eigenem Ermessen verändern zu können aufgrund der Annahme, dass jede Gemeinde „Subjekt der Liturgie“ sei. Es führe unweigerlich zur „Zerstörung der Liturgie“ als Gegenwart des Mysteriums, wenn sie nur mehr der „Reflex der religiösen Erfahrung der Gemeinde“ ist. Demgegenüber steht im Zentrum der wahren Theologie der Liturgie, dass „Gott durch Christus in der Liturgie handelt und dass wir nur durch ihn und mit ihm handeln können“.

Häufig kommt Ratzinger auf die teils verhängnisvolle Rolle der Fachleute für Liturgie zu sprechen: „Die Liturgie darf nicht Experimentierfeld theologischer Hypothesenbildung werden. Zu schnell sind in den letzten Jahrzehnten Auffassungen von Experten in liturgische Praxis übergegangen …“ An die Stelle der Autorität der Kirche sei die Autorität der Experten getreten. Auch der liturgischen Bewegung gibt Ratzinger eine gewisse Mitschuld an dieser Entwicklung: „Mir scheint, dass schon in den 1950er Jahren und vor allem nach dem Konzil die verborgenen und auch offensichtlichen Gefahren der liturgischen Bewegung eine große Versuchung, eine große Gefahr für die Kirche geworden sind.“

Ratzinger sieht sich zwischen den „radikalen Reformern und ihren radikalen Verneinern“. Für ihn ist die Liturgie etwas „Lebendiges … und daher auch Wachsendes und sich Erneuerndes“. Aber er besteht auch darauf, „dass das Wachstum ohne Wahrung der Identität nicht sein kann“ und dass eine Weiterentwicklung nur im „sorgenden Achten auf die inneren Baugesetzte dieses ,Organismus‘ möglich ist …“.

Über die weiteren Teile des XI. Bandes kann hier nur noch Stichwortartiges angefügt werden: Der zweite Teil (B), überschrieben mit „Typos-Mysterium-Sakrament“, handelt von der sakramentalen Begründung christlicher Existenz und enthält grundlegende Ausführungen über den Begriff des Sakraments. Im dritten Teil (C) „die Feier der Eucharistie – Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens“ werden zahlreiche Einzelfragen behandelt: Bedeutung des Sonntags, Opferbegriff, die Struktur der eucharistischen Feier, Verwendung der Muttersprache, der Communio-Begriff, Eucharistie und Mission, das Gotteshaus und die christliche Gottesverehrung, die Frage der Zelebrationsrichtung wird noch einmal aufgenommen, abschließend folgen eucharistische Predigten und vier Betrachtungen zum Fronleichnamsfest.

Im vierten Teil (D) „Theologie der Kirchenmusik“ reicht die Bandbreite von sehr anspruchsvollen Grundsatzerörterungen bis zu sehr persönlich gehaltenen Einzelbeobachtungen, die sich zum Teil wohl auch der lebenslangen Beschäftigung mit kirchenmusikalischer Theorie und Praxis im Umgang mit seinem Bruder Georg, dem langjährigen Regensburger Domkapellmeister, verdanken. Im abschließenden fünften Teil (E) „Weiterführende Perspektiven“ wird die zurückhaltende Standortbestimmung „40 Jahre Liturgiekonstitution“ abgedruckt. Die Adventspredigt „Wecke deine Macht auf und komm“ sei jedem Prediger als Beispiel für eine vollendete Homilie empfohlen. Besonders gewinnbringend ist auch die Lektüre der zahlreichen Einzelaufsätze, die den Leser den Entstehungsprozess des Liturgiebuches nachvollziehen lassen.

Das gewaltige Themenspektrum dieses ersten Bandes der „Gesammelten Schriften“ macht ihn zu einem unersetzlichen Kompendium zur Theologie der Liturgie, dessen überaus verständliche Sprache Leser weit über die Theologenschaft hinaus zu faszinieren vermag. Zudem bietet der Band die Chance, dass die Rezeption von „Der Geist der Liturgie“ endlich der Bedeutung des Buches gerecht wird und auf allen kirchlichen Ebenen voranschreitet. Dass es zuletzt die Theozentrik ist, die den Papst dazu veranlasste, die Werkausgabe programmatisch mit der „Theologie der Liturgie“ zu eröffnen, zeigt dieses abschließende Zitat: „Gottvergessenheit ist die bedrängendste Gefahr unserer Zeit. Liturgie müsste ihr gegenüber die Gegenwart Gottes aufrichten. Was aber geschieht, wenn in der Liturgie selbst die Gottvergessenheit einzieht und wir dabei nur noch an uns selber denken? Bei aller liturgischen Reform und bei jeder liturgischen Feier müsste zuallererst der Primat Gottes im Blickfeld stehen.“

Den Band beschließen sehr zuverlässige und detaillierte bibliografische Nachweise, ein Schriftstellen- und ein Namenregister. Dem Dank des Heiligen Vaters an die Herausgeber für die immense Leistung der Erstellung dieses alle Erwartungen mehr als erfüllenden ersten Bandes ist nichts mehr hinzuzufügen: „Mein Dank gilt in erster Linie dem Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, der das Projekt der gesammelten Schriften in die Hand genommen hat und die personellen wie institutionellen Voraussetzungen zu seiner Verwirklichung geschaffen hat. Ganz besonders danken möchte ich dann Prof. Dr. Rudolf Voderholzer, der Zeit und Kraft in die Sammlung und Sichtung meiner Schriften in ungewöhnlichem Maße investiert hat.“

[Joseph Ratzinger: Theologie der Liturgie. Die sakramentale Begründung christlicher Existenz. Joseph Ratzinger Gesammelte Schriften, Band 11. Herder Verlag Freiburg 2008, geb., 752 Seiten, ein Lesebändchen. Einzelpreis 50.- EUR, Subskriptionspreis bei Abnahme des Gesamtwerkes 45.- EUR; © Die Tagespost vom 11. Oktober 2008]

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Quelle

JOHANNES PAUL II. ZUR LITURGIEREFORM

Due-Papi_31-03-2014

APOSTOLISCHES SCHREIBEN
VICESIMUS QUINTUS ANNUS
VON PAPST JOHANNES PAUL II.
ZUM XXV. JAHRESTAG
DER KONZILSKONSTITUTION
„SACROSANCTUM CONCILIO“
ÜBER DIE HEILIGE LITURGIE

An alle Brüder im Bischofs- und Priesteramt
Gruß und Apostolischen Segen!

1. Es sind fünfundzwanzig Jahre vergangen, seit Papst Paul VI. am 4. Dezember 1963 die Konstitution Sacrosanctum Concilium über die heilige Liturgie veröffentlicht hat. Sie war kurz zuvor von den Vätern, die im Heiligen Geist zum II. Vatikanischen Konzil versammelt waren, angenommen worden.[1] Dies war aus verschiedenen Gründen ein denkwürdiges Ereignis. Die Liturgiekonstitution war nämlich die erste Frucht des Konzils, das von Johannes XXIII. für die Erneuerung der Kirche einberufen worden war; sie war von einer breiten liturgischen und pastoralen Bewegung vorbereitet worden und galt als Träger der Hoffnung für das Leben und die Erneuerung der Kirche.

Durch die Reform der Liturgie verwirklichte das Konzil auf vorzügliche Weise das Grundanliegen, das es sich selbst gestellt hatte: „Das christliche Leben unter den Gläubigen mehr und mehr zu vertiefen, die dem Wechsel unterworfenen Einrichtungen den Notwendigkeiten unseres Zeitalters besser anzupassen, zu fördern, was immer zur Einheit aller, die an Christus glauben, beitragen kann, und zu stärken, was immer helfen kann, alle in den Schoß der Kirche zu rufen“.[2]

2. Von Beginn meines pastoralen Dienstes auf dem Stuhl Petri an habe ich mich darum bemüht, „die bleibende Bedeutung des II. Ökumenischen Vatikanischen Konzils zu unterstreichen“, und habe zugleich die formelle Verpflichtung übernommen, „dieses in der gebührenden Weise zu verwirklichen“.

Und ich fügte damals hinzu, daß man „gemäß dem Rhythmus des Lebens die fruchtbaren Samen reifen lassen muß, die die Väter der ökumenischen Versammlung, gestärkt durch das Wort Gottes, auf das gute Erdreich ausgesät haben (vgl. Mt 13,8.23), gemeint sind ihre maßgeblichen Lehren und ihre pastoralen Entscheidungen“.[3] Mehrere Male habe ich dann die Lehre des Konzils über die Liturgie in verschiedenen Punkten weiterentfaltet[4] und auf die Bedeutung hingewiesen, welche die Konstitution Sacrosanctum Concilium für das Leben des Volkes Gottes hat: in ihr „kann man schon den Kern jener Lehre über die Kirche vorfinden, die später von der Konzilsversammlung vorgelegt wird. Die Konstitution Sacrosanctum Concilium, welche in der zeitlichen Folge das erste Konzilsdokument gewesen ist, antizipiert“[5] die Dogmatische Konstitution Lumen Gentium über die Kirche und schöpft ihrerseits aus der Lehre dieser Konstitution.

Nach einem Vierteljahrhundert, in welchem die Kirche und die Gesellschaft tiefgreifende und schnelle Veränderungen erfahren haben, ist es angemessen, die Bedeutung dieser Konzilskonstitution, ihre Aktualität in bezug auf die neu entstehenden Probleme und die bleibende Gültigkeit ihrer Prinzipien herauszustellen.

I.

DIE ERNEUERUNG AUF DER LINIE DER TRADITION

3. Als Antwort auf die Bitten der Väter des Konzils von Trient, die sich um die Reform der Kirche in ihrer Zeit sorgten, nahm Papst Pius V. die Reform der liturgischen Bücher, vor allem des Breviers und des Meßbuches, vor. Dasselbe Ziel verfolgten die Päpste im Lauf der folgenden Jahrhunderte, indem sie sich um die Erneuerung oder die Festlegung der liturgischen Riten und Bücher bemühten und schließlich am Beginn dieses Jahrhunderts eine allgemeine Reform in Angriff nahmen.

Der hl. Pius X. setzte eine Sonderkommission ein und beauftragte sie mit dieser Reform, für deren Durchführung er mehrere Jahre für erforderlich hielt. Doch legte er selbst den Grundstein zu diesem Bauwerk, indem er die Feier des Sonntags wiederherstellte und das Römische Brevier erneuerte.[6] „Wahrlich, all das verlangt“, so sagte er, „nach der Meinung der Experten eine ebenso große wie langwierige Arbeit; darum müssen erst viele Jahre vergehen, bevor dieses „liturgische Gebäude“ in seiner Würde und Harmonie neu erstrahlt, wenn es einmal von der Verkrustung des Alters gereinigt sein wird“ .[7]

Pius XII. griff das große Projekt der Liturgiereform wieder auf, indem er die Enzyklika Mediator Dei [8] veröffentlichte und eine neue Kommission einsetzte.[9] Ferner fällte er Entscheidungen über einige wichtige Punkte, wie die Neuübersetzung des Psalters, um das Verständnis des Psalmengebetes zu erleichtern,[10] die Milderung der eucharistischen Nüchternheit, um einen leichteren Kommunionempfang zu fördern, den Gebrauch der Muttersprache im Rituale und vor allem die Reform der Ostervigil[11] und der Karwoche.[12]

Die Einführung zum Römischen Meßbuch von 1962 schickte man die Erklärung von Johannes XXIII. voraus, nach der „die Grundprinzipien bezüglich der allgemeinen Liturgiereform den Vätern des kommenden ökumenischen Konzils vorgelegt werden sollten“.[13]

4. Diese Reform der gesamten Liturgie entsprach einer allgemeinen Erwartung der ganzen Kirche. Denn der liturgische Geist hatte sich in fast allen Bereichen immer mehr verbreitet, verbunden mit dem Wunsch nach einer „aktiven Teilnahme an den heiligen Geheimnissen und am öffentlichen und feierlichen Gebet der Kirche“[14] wie auch mit dem Verlangen, das Wort Gottes in reicherem Maße zu hören. In Verbindung mit der biblischen Erneuerung, der ökumenischen Bewegung, mit dem missionarischen Eifer, mit der ekklesiologischen Forschung sollte die Liturgiereform zu einer umfassenden Erneuerung der ganzen Kirche beitragen. Daran habe ich in meinem Schreiben Dominicae Cenae erinnert: „Es besteht in der Tat eine sehr enge und organische Verbindung zwischen der Erneuerung der Liturgie und der Erneuerung des ganzen Lebens der Kirche. Die Kirche handelt nicht nur in der Liturgie, sie drückt sich auch in ihr aus und schöpft aus der Liturgie ihre Lebenskraft“.[15]

Die Reform der Riten und der liturgischen Bücher ist fast unmittelbar nach der Veröffentlichung der Konstitution Sacrosanctum Concilium in Angriff genommen worden und wurde in wenigen Jahren durchgeführt dank der beachtlichen und selbstlosen Arbeit einer großen Zahl von Experten und Hirten in allen Teilen der Welt.[16]

Diese Arbeit ist nach dem Leitprinzip des Konzils vorgenommen worden: Treue zur Tradition und Öffnung für einen legitimen Fortschritt.[17] Darum kann man sagen, daß die Liturgiereform streng traditionsgebunden nach der „Norm der Väter“[18] ist.

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Lesen Sie:

JOHANNES PAUL II. ZUM „WERTVOLLSTEN GUT DER KIRCHE“ (DIE EUCHARISTIE)

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Auszug aus der Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“:

9. Die Eucharistie ist die heilbringende Gegenwart Jesu in der Gemeinschaft der Gläubigen und ihre geistliche Nahrung, sie ist das wertvollste Gut, das die Kirche auf ihrem Weg durch die Geschichte haben kann. So erklärt sich die besondere Aufmerksamkeit, die sie dem eucharistischen Mysterium immer entgegengebracht hat; eine Aufmerksamkeit, die in verbindlicher Form in den Werken der Konzilien und der Päpste sichtbar wird. Wie könnte man nicht die lehramtlichen Darlegungen in den Dekreten über die heiligste Eucharistie und über das heilige Meßopfer bewundern, die das Konzil von Trient promulgiert hat? Diese Dekrete haben in den nachfolgenden Jahrhunderten sowohl die Theologie als auch die Katechese geleitet und sind noch immer dogmatischer Bezugspunkt für die fortwährende Erneuerung und für das Wachstum des Volkes Gottes im Glauben und in der Liebe zur Eucharistie. Aus jüngerer Zeit sind drei Enzykliken zu nennen: die Enzyklika Mirae Caritatis (28. Mai 1902)5 von Leo XIII., die Enzyklika Mediator Dei (20. November 1947)6von Pius XII. und die Enzyklika Mysterium Fidei (3. September 1965)7 von Paul VI.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat zwar kein eigenes Dokument über das eucharistische Mysterium veröffentlicht. Es hat aber dessen verschiedene Aspekte innerhalb des gesamten Bogens seiner Dokumente beleuchtet, besonders in der dogmatischen Konstitution über die Kirche Lumen gentium und in der Konstitution über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium.

Ich selbst habe in den ersten Jahren meines apostolischen Dienstes auf dem Stuhl Petri mit dem Apostolischen Schreiben Dominicae Cenae (24. Februar 1980)8 einige Aspekte des eucharistischen Mysteriums und seiner Bedeutung im Leben derer behandelt, die seine Diener sind. Heute greife ich dieses Thema wieder auf mit einem Herzen, das noch tiefer ergriffen und von Dankbarkeit erfüllt ist und gleichsam die Worte des Psalmisten widerhallen läßt: »Wie kann ich dem Herrn all das vergelten, was er mir Gutes getan hat. Ich will den Kelch des Heils erheben und anrufen den Namen des Herrn« (Ps 116, 12-13).

10. Dieser Verkündigung durch das Lehramt entspricht das innere Wachstum der christlichen Gemeinschaft. Ohne Zweifel war die Liturgiereform des Konzils von großem Gewinn für eine bewußtere, tätigere und fruchtbarere Teilnahme der Gläubigen am heiligen Opfer des Altares. An vielen Orten findet die Anbetung des heiligsten Sakramentes täglich einen weiten Raum und wird so zu einer unerschöpflichen Quelle der Heiligkeit. Die andächtige Teilnahme der Gläubigen an der eucharistischen Prozession am Hochfest des Leibes und Blutes Christi ist eine Gnade des Herrn, welche die teilnehmenden Gläubigen jedes Jahr mit Freude erfüllt. Man könnte noch andere positive Zeichen des Glaubens und der Liebe zur Eucharistie erwähnen.

Leider fehlt es neben diesen Lichtstrahlen nicht an Schatten. Es gibt Orte, an denen der Kult der eucharistischen Anbetung fast völlig aufgegeben wurde. In dem einen oder anderen Bereich der Kirche kommen Mißbräuche hinzu, die zur Schmälerung des rechten Glaubens und der katholischen Lehre über dieses wunderbare Sakrament beitragen. Bisweilen wird ein stark verkürzendes Verständnis des eucharistischen Mysteriums sichtbar. Es wird seines Opfercharakters beraubt und in einer Weise vollzogen, als ob es den Sinn und den Wert einer brüderlichen Mahlgemeinschaft nicht übersteigen würde. Darüber hinaus wird manchmal die Notwendigkeit des Amtspriestertums, das in der apostolischen Sukzession gründet, verdunkelt, und die Sakramentalität der Eucharistie allein auf die Wirksamkeit in der Verkündigung reduziert. Von da aus gibt es hier und da ökumenische Initiativen, die zwar gut gemeint sind, aber zu eucharistischen Praktiken verleiten, die der Disziplin widersprechen, mit der die Kirche ihren Glauben zum Ausdruck bringt. Wie sollte man nicht über all dies tiefen Schmerz empfinden? Die Eucharistie ist ein zu großes Gut, um Zweideutigkeiten und Verkürzungen zu dulden.

Ich vertraue darauf, daß diese Enzyklika wirksam dazu beitragen kann, die Schatten nicht annehmbarer Lehren und Praktiken zu vertreiben, damit das Mysterium der Eucharistie weiterhin in seinem vollen Glanz erstrahle.

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Siehe ebenfalls:

Offener Brief an Seine Heiligkeit, Papst Paul VI., sowie an alle rechtgläubigen Bischöfe des latein. Ritus (15.8.1969)

Heiliger Vater, Eminenzen, Exzellenzen,

in dieser Stunde äußerster Bedrängnis, da die heilige katholi­sche Kirche, der Hort unseres ewigen Heiles, in ihrem Bestande bedroht scheint durch das Vernichtungswerk äußerer und vor allem innerer Feinde, erinnern wir uns an das Wort unseres Herrn Jesus Christus, das dieser zum hl. Petrus gesprochen hat: „Du bist Petrus (d.h. Fels), und auf diesem Felsen will ich mei­ne Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“ (Mattb. 16/18) Eingedenk dieses Wortes, das die Unbesiegbarkeit der institutionellen Kirche und ihres Funda­mentes, des Papsttums, verheißt, wollen wir, unsere eigene Kleingläubigkeit überwindend, in der Freiheit, zu der wir be­rufen sind, nämlich der Freiheit der Kinder Gottes — die nichts zu tun hat mit jener scheinbaren Freiheit, welche die Kinder dieser Welt für sich beanspruchen — den Glauben unserer Väter bekennen: “ Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da waltet über allen und durch alle wirkt und in allen wohnt.“ (Eph. 415-6)

In diesem Glauben und dem daraus erfließenden kindlichen Vertrauen wenden wir uns an unsere geistlichen Oberhirten, die Bischöfe, und insbesondere an unseren Heiligen Vater, Papst Paul VI., mit der nachfolgenden

dringenden Bitte

„Obwohl die Messe viel Lehrreiches für das gläubige Volk ent­hält, so schien es den Vätern doch nicht entsprechend, sie allgemein in der Volkssprache feiern zu lassen. Deshalb sollen überall in jeder Kirche die alten von der heiligen römischen Kirche, der Mutter und Lehrmeisterin aller Kirchen, gutge­heißenen gottesdienstlichen Satzungen beibehalten werden.“ Diese 1562 vom Konzil von Trient „zur Predigt für das gläubige Volk“ bestimmte Lehre wurde durch die vierhundert Jahre später vom II. Vatikanischen Konzil beschlossene und feierlich verkündigte „Konstitution über die heilige Liturgie“ weder widerrufen noch abgeschwächt. Im Gegenteil: der auf die Kult­sprache bezügliche Artikel 36 dieser Konstitution ordnet gleich anfangs unmißverständlich an: „Der Gebrauch der lateinischen Sprache ist in den lateinischen Riten beizubehalten, soferne kein Sonderrecht entgegensteht.“ Unter den Begriff des Sonderrechts fallen schon bestehende, gewachsene Liturgien — wie etwa die altslawische —, keinesfalls aber irgendwelche neusprachlichen Gottesdienstformen. Die Erlaubnis, dem Gebrauch der Volks­sprache einen „angemessenen Raum“ zuzubilligen, „besonders in den Lesungen und im ‚Allgemeinen Gebet“‚ sowie, „je nach den örtlichen Verhältnissen, in Teilen, die dem Volk zukommen“, d.h. „in einigen Orationen und Gesängen“, ist — wenig­stens im deutschsprachigen Raum — als nachträgliche Bestäti­gung und Billigung einer schon lange neben den vorherrschen­den rein lateinischen Formen geübte Praxis ( z.B. in der Form der Betsingmesse) anzusehen. Wo die Konstitution der Volks­sprache „weiteren Raum“ gestattet, handelt es sich um Anpas­sungen an die Überlieferung und geistige Anlage einzelner Völ­ker, vor allem in den Missionsländern. So erscheint in jenen Ländern, in welchen der lateinische Ritus mit der Geschichte und nationalen Eigenart, der religiösen Vorstellungswelt, dem lebendigen Bekenntnisimpuls und dem sakralen Empfinden des noch gläubigen katholischen Volkes unlösbar verschmolzen ist nach gewissenhafter Prüfung der einschlägigen Richtlinien des II. Vatikanischen Konzils die Schaffung rein volkssprachlicher Formen der hl. Messe weiterhin als etwas Unerlaubtes. Jeder katholische Christ (der nicht durch den alles in Frage stellenden modernen Zeitgeist entwurzelt oder durch rom­feindliche, nationalistische Ideen angekränkelt ist), sei er jung oder alt, sei er Arbeiter, Bauer oder geistig Schaffender, kann, vermöge seines übernatürlichen Glaubenssinnes, in dieser Ent­scheidung des Konzils das Walten des Heiligen Geistes erken­nen und die Stimme unserer unvergänglich-heiligen Mutter Kirche vernehmen.

So bekennen wir,

in demütigem Gehorsam gegen das heilige und unfehlbare Lehr­amt der Kirche, unseren Heiligen Vater und unsere ehrwürdigen Bischöfe namens aller gläubigen katholischen Völker des la­teinischen Ritus

VOR DEM ALLMÄCHTIGEN, DREIFALTIGEN GOTT, VOR DER SELIGEN, ALLZEIT REINEN JUNGFRAU UND GOT­TESMUTTER MARIA, VOR DEN ENGELN UND ERZEN­GELN UND ALLEN APOSTELN UND HEILIGEN, DEREN GEDÄCHTNIS WIR STETS IM HL. MESSOPFER FEIERN, UNSERE UNWANDELBARE LIEBE UND TREUE ZU DER — NACH KATHOLISCHER ÜBERLIEFERUNG IN IHREM WESENTLICHEN AUFBAU SOWIE IM VOLLSTÄNDIG IRR­TUMSFREIEN WORTLAUT IHRES KANONS UNVERÄNDERBAREN — RÖMISCHEN MESSLITURGIE UND ZU DER EHRWÜRDIGEN, GEHEILIGTEN KULT-SPRACHE DES LATEIN, WELCHES IM EIGENTLICHSTEN SINN DES WORTES UNSERE VOLKS- UND MUTTER­SPRACHE GEWORDEN IST.

So bitten wir,

ENTSETZT, VERWIRRT UND VON TRAUER ERFÜLLT über die in unseren und anderen Ländern auf dem Gebiete der Liturgie verübten Greuel und Eigenmächtigkeiten sogenannter Progressisten — daß diese mitunter von hohen und höchsten kirchlichen Würdenträgern unterstützt werden, steigert unsere Verwirrung nur umso mehr! — und zutiefst er­hrocken über die Tatsache, daß der Apostolische Stuhl ein den wesentlichen Aufbau der römischen Meßliturgie und den Wortlaut des Kanons antastendes neues Missale approbiert hat,

UNSEREN HEILIGEN VATER, PAPST PAUL VI., ALLE USTÄNDIGEN KIRCHLICHEN INSTANZEN UND THEOLOGISCHEN KOMMISSIONEN SOWIE DIE NATIONALEN ISCHOFSKONFERENZEN,

  • DAFÜR SORGE ZU TRAGEN, DASS DIE ANORDNUN­GEN DES H. VATIKANISCHEN KONZILS BEZÜGLICH DER HEILIGEN LITURGIE ALLGEMEIN UND SINN­GEMÄSS BEFOLGT WERDEN,
  • DIE MITTLERWEILE ENTSTANDENEN UND IN GE­BRAUCH GEKOMMENEN REIN VOLKSSPRACHLICHEN BZW. VERSTÜMMELTEN FORMEN DER HL. MESSE IN DEN OBEN GENANNTEN UND IN DEN BETREFFENDEN ANDEREN LÄNDERN STRENGSTENS ZU VERBIETEN, INSBESONDERE DIE BEREITS SO GUT WIE AUS­SCHLIESSLICH VERWENDETEN ÜBERSETZUNGEN U. VERÄNDERUNGEN DES KANONS AUFS SCHÄRF­STE ZU VERURTEILEN,
  • DEN SCHATZ DER KATHOLISCHEN KIRCHENMUSIK, VON PALESTRINA BIS BRUCKNER, SOWIE VOR AL­LEM DEN GREGORIANISCHEN CHORAL MIT ALLEN ZU GEBOTE STEHENDEN MITTELN ZU FÖRDERN, DAS VERBOT DER JAZZ- UND SOGE­NANNTEN RHYTMISCHEN MESSEN IN AUSDRÜCK­LICHER WEISE ZU WIEDERHOLEN,
  • DEN VORRANG DER REIN LATEINISCHEN MESSE ALS DER KLASSISCHEN HOCHFORM (BESONDERS DES FEIERLICHEN HOCHAMTS UND DER MISSA DIALOGATA, ABER AUCH DER DIE INNERE AN­TEILNAHME UND GEISTIGE GEMEINSCHAFT DER GLÄUBIGEN WUNDERBAR FÖRDERNDEN, AM’HOCH­ALTAR ZELEBRIERTEN, SOG. STILLEN MESSE) VOR DEN GEMISCHT-SPRACHLICHEN ABARTEN EINDEU­TIG HERVORZUHEBEN UND DIESEN VORRANG DURCH PRAKTISCHE ANWEISUNGEN IN DER WIRK­LICHKEIT ZUM AUSDRUCK KOMMEN ZU LASSEN.
  • DES WEITEREN BITTEN WIR, JENE PRIESTER ODER BISCHÖFE, DIE SICH BETREFFS DER — DAS HOCH­HEILIGE OPFER DES ALTARES VOR MISSBRAUCH SCHÜTZENDEN — RICHTLINIEN DES KONZILS VON TRIENT ODER DES II. VATIKANISCHEN KONZILS IN WORT ODER TAT DER OFFENEN BZW. GEHEIMEN WIDERSETZLICHKEIT SCHULDIG MACHEN, ZUR UMKEHR ZU ZWINGEN ODER ZU SUSPENDIEREN.

IM EINZELNEN ABER BITTEN WIR NACHDRÜCKLICHST

  • UM WIEDEREINFÜHRUNG DES STUFENGEBETES, MIT DEM PSALM „JUDICA“ UND VOR ALLEM DEM „CON­FITEOR“; denn in der LITURGIE „verehren wir das Ge­dächtnis der Heiligen und erhoffen Anteil und Gemein­schaft mit ihnen“ (Lit. Konst. Art. 8). Daher wollen wir gleich am Anfang der Messe mit den Heiligen Verbindung aufnehmen.
  • UM WIEDEREINFÜHRUNG DES SOG. „KLEINEN KA­NONS“, DES „LAVABO“, DES „MEMENTO“ UND AL­LER OFFERTORIUMSGEBETE, welche die katholische Opfertheologie in treffender und ergreifender Art zum Ausdruck bringen, als bewußte Abwehr gewisser „Refor­men“, die dem hl. Geschehen eine falsche Meßtheologie unterlegen, welche den Begriff des „Mahles“ in den Mittel­punkt stellt.
  • UM WIEDEREINFÜHRUNG DER EINEN, EINHEITLI­CHEN FORM DES KANONS SOWIE DER GEPFLOGEN­HEIT, DIE WANDLUNGSWORTE LEISE ODER HALB­LAUT ZU SPRECHEN. „Auch das hl. Schweigen soll zu seiner Zeit eingehalten werden.“ (Lit. Konst. Art. 30) „Wer sagt, die gottesdienstlichen Satzungen der römischen Kirche, nach denen ein Teil des Kanons und die Wand­lungsworte leise gesprochen werden, seien zu verurteilen, … der sei ausgeschlossen.“ (Konzil von Trient, 9. Lehrsatz über das hochheilige Meßopfer)
  • UM ÖFFENTLICHE ABLEHNUNG DER PRAXIS DES SOG. „VOLKSALTARS BZW. BESCHRÄNKUNG DIESER PRAXIS AUF AUSGESPROCHENE AUSNAHMEFÄLLE. Es darf jedoch nicht übersehen werden, daß diese Praxis, wenn sie zur Regel würde, in den Kirchen mit Hoch­altar (und das sind ja die meisten älteren Kirchen) die Zei­chenhaftigkeit der Opferhandlung verwischte (siehe Artikel 21 der Liturgiekonstitution). Es würde nämlich der Altar verdoppelt und dem Tabernakel, der „die Herzmitte unserer Kirchen ist“ (wie unser Hl. Vater im „Credo des Gottes­volkes“ formuliert hat), während des ganzen heiligen Ge­schehens der Rücken gekehrt — wenn er nicht bereits in irgendeinen Winkel des Kirchenraumes verbannt worden wäre — und so der „Mahltheologie“ gewisser moderner Theologen in symbolischer Weise Vorschub geleistet.
  • UM ÖFFENTLICHE ABLEHNUNG DER PRAXIS DER HANDKOMMUNION SOWIE DER KOMMUNION IM STEHEN, BZW. BESCHRÄNKUNG DER LETZTEREN AUF AUSGESPROCHENE AUSNAHMEFÄLLE (Feldgot­tesdienste u.ä. ). Das Volk hierzulande empfindet das Knien bei der hl. Kommunion als den angemessensten Ausdruck der Anbetung und Verehrung des Herrn, der sich uns in der heiligen Hostie vergegenwärtigt, das Stehen hingegen wird als Ärgernis empfunden. Auch bei dieser Bitte handelt es sich um eine bewußte Abwehr fortschrittlicher Theologie, welche die wirkliche Gegenwart Christi im Allerheiligsten Altarsakrament abwertet oder leugnet.
  • UM WIEDEREINFÜHRUNG DES SCHLUSSEVANGELI­UMS. „Denn Seine Menschheit war in der Einheit mit der Person des Wortes Werkzeug unseres Heils. So ist in Chri­stus hervorgetreten unsere vollendete Versöhnung in Gna­den, und in Ihm ist uns geschenkt die Fülle des göttlichen Dienstes.“ (Lit. Konst. Art. 5)

WIR BEGRÜSSEN UND FÖRDERN EINE SINN VOLL ERNEUERUNG DER RÖMISCHEN LITURGIE, sobald eine solche Erneuerung angebracht oder nötig erschiene, d.h. soferne wirklich Zur Vertiefung des christlichen Lebens unter den Gläubigen beitrüge, dementsprechend auch eine behutsame Überarbeitung des Meß-Ordo von autorisierter Seite, u. zw. in dem Sinne, „daß der eigentliche Sinn der einzelnen Teile und ihr wechselseitiger Zusammenhang deutlicher hervortreten und die fromme und tätige Teilnahme der Gläubigen erreicht werde“ (Lit. Konst. Art. 50). Denn „die Liturgie enthält einen kraft göttlicher Einsetzung unveränderlichen Teil und Teile, die dem Wandel unterworfen sind“ (Art. 21). Jedoch wären bei solcher Revision „die allgemeine Gestalts- und Sinngesetze der Liturgie zu beachten“ (Art. 23), was mit unserer Feststellung der Un­veränderlichkeit des wesentlichen Aufbaus der Meßliturgie übereinkommt. Dabei wäre Sorge zu tragen, „daß die neuen Formen aus den schon bestehenden gewissermaßen organisch herauswachsen“ (Art. 23). Denn „schließlich sollen keine Neuerungen eingeführt werden, es sei denn, ein wirklicher und sicher zu erhoffender Nutzen der Kirche verlange es“ (Art. 23).

In der Tat haben sich jene Teile des Ordinariums, die „dem Wandel unterworfen sind“, im Laufe der Jahrhunderte nicht selten gewandelt und — da wir auch hier den der Kirche verheißenen Beistand des Hl. Geistes annehmen dürfen im großen und ganzen wohl eher vervollkommnet als in einer der inneren Wesensart der Liturgie unangemessenen Weise ver­ändert. Die liturgischen Fachleute, welche mit der verantwort­ungsvollen Aufgabe der Überarbeitung der liturgischen Bücher betraut wurden. mögen also um den besonderen Beistand des Hl. Geistes bitten und bedenken, daß sie, wenn sie sich tat­sächlich zu irgendwelchen tiefgreifenden Änderungen genötigt sähen, doch damit notwendigerweise voraussetzen, sie seien ­wenigstens in einer bestimmten Hinsicht — weiser als die verehrungswürdigen Urheber dessen, was sie zu verändern ge­denken. Denn wären sie dies nicht, so müßte auch ihr Werk, das ja ebenfalls dem Wandel unterworfen ist, alsbald revidiert werden.

UNSER BEKENNTNIS ZUR LATEINISCHEN LITURGIE entspricht nicht allein unserem Gefühl oder unserer Gewohn­heit, sondern auch unserer Vernunft. Nicht umsonst hat man die lateinische Meßfeier den „vernünftigen Gottesdienst des Abendlandes“ genannt, welcher (zum Unterschied etwa vom Charakter der in Gottberauschtheit und erhabener dich­terischen Preisung dahinströmenden griechischen Liturgie, die wir, wenn sie auch nicht die unsere ist, ob ihrer Schönheit be­wundern und verehren) eine aufs trefflichste gelungene und dem Wesen des ganz en Menschen überaus gemäße Kom­position aus dem gleichsam „rauschhaften“ und dem „nüch­ternen“ Element der Anbetung darstelle, sodaß also Verstand und Herz gleichermaßen — und harmonisch — daran beteiligt sind. Ist die besondere Wertschätzung der Vernunft nicht ein hervorstechender Zug der römischen Kirche?

Die Vernunft des Maßhaltens, der Sinn für das Wirkliche und für die Gemeinschaft, die Unterordnung des Individuellen unter die objektive Norm, die innere Ausgewogenheit in allem Stre­ben, die kraftvolle Bändigung aller Kräfte und Triebe von der Wesensmitte der Persönlichkeit zu edler Anmut und Schönheit des GANZEN, die Ruhe harmonischer Vollendung, die praktische Nächstenliebe — sind dies nicht Werte und Ideale, die der lehrenden und erziehenden römischen Kirche, welcher ja stets die Aufgabe des machtvollen Ausgleichs der Gegen­sätze in Wahrheit und Gerechtigkeit zufällt, seit jeher eigen­tümlich waren? Und liegen diese mit der besonderen Mission der römischen Kirche eng zusammenhängenden Ideale nicht schon keimhaft in der Klarheit, Ausgewogenheit, Knappheit, Genauigkeit, durchsichtigen Gesetzlichkeit und Schönheit ihrer Sprache — das Latein? Hat nicht lateinischer Geist unsere Völker im Laufe ihrer langen Geschichte, hat er nicht, auf Umwegen, die aber die Göttliche Vorsehung von Ewigkeit her in ihrem Plan eingezeichnet hatte, und vor allem durch das christ­liche Kultmysterium, uns alle erzogen,uns dem Geiste des Evangeliums geöffnet und für das Reich Gottes tauglich ge­macht?

Denn „die Liturgie ist der Höhepunkt, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt“ (Lit. Konst Art. 10). Bei der vom II. Vatica­num angeregten Erneuerung der Liturgie sollen daher „Texte und Riten so geordnet werden, daß sie das Heilige, dem sie als Zeichen dienen, deutlicher zum Ausdruck bringen“ (Art. 21). Aber „die liturgischen Handlungen sind nicht privater Natur, sondern Feiern der Kirche, die das SAKRAMENT DER EINHEIT ist“ (Art. 26).

DAS UNÜBERBIETBAR DEUTLICHSTE LITURGISCHE ZEICHEN DER EINHEIT ABER IST DIE LATEINISCHE KULTSPRACHE. Wir sagen, die lateinische Kultsprache, bei aller Hochschätzung des Griechischen, Slawischen, Syri­schen, Koptischen etc., da „die heilige Mutter Kirche allen rechtlich anerkannten Riten gleiches Recht und gleiche Ehre zuerkennt“ (Art. 4). Wir  sagen dennoch: die lateinische Kultsprache. Denn das Latein ist die Sprache der römischen Kirche, die römische Kirche aber ist als „Mutter und Lehrmeisterin aller Kirchen“, d.h. als beständige Erbin des unfehlbaren Lehramtes im Nachfolger Petri, der einzige sichtbare und tatsächliche GARANT DER KATHOLISCHEN EINHEIT.

Diese Einheit existiert in drei Dimensionen:

  1. in der jeweils gegenwärtigen und sichtbaren Einheit der Völker des Erdkreises. Diese katholische Einheit aller Völker bestand als Idee und gewissermaßen als Realität schon zu einem Zeitpunkt, da von der heute sich anbahnenden und teilweise schon verwirklichten wirtschaftlich-technisch-kultu­rellen Einheit der Welt noch keine Rede war. Die Kirche er­wies sich hierin also als äußerst „fortschrittlich“. Gerade heute sollte sie auf liturgischem Gebiet in einen in der Welt längst als überholt geltenden Partikularismus oder Nationalismus zurückfallen? Müßte sie nicht vielmehr alles fördern, was die Einheit, vor allem die geistige Einheit der Welt spürbar macht?
  2. Die katholische Einheit existiert auch in der zeitlichen Di­mension der Geschichte. Im lateinischen Kult bekennen wir uns nicht nur jetzt und hier als „einig“, sondern wir bekennen auch unsere Einheit mit der Kirche von der Zeit der Apostel bis heute und damit unsere Treue zur lebendigen Überlieferung. Darin, daß wir uns eins wissen mit unseren christlichen Vätern und Vorvätern, findet unser Glaube einen starken Halt.
  3. Schließlich verwirklicht sich die katholische Einheit li­turgisch in der Dimension des Gottesreiches. In der Liturgie spiegelt sich die ewige Liturgie des Himmels, ja mehr noch: „In der irdischen Liturgie nehmen wir vorauskostend an jener himmlischen Liturgie teil, die in der heiligen Stadt Jerusalem gefeiert wird, zu der wir pilgernd unterwegs sind, wo Christus sitzt zur Rechten Gottes, der Diener des Heiligtums und des wahren Zeltes. In der irdischen Liturgie singen wir dem Herrn mit der ganzen Schar des himmlischen Heeres den Lobgesang der Herrlichkeit. In ihr verehren wir das Gedächtnis der Heili­gen und erhoffen Anteil und Gemeinschaft mit ihnen. In ihr erwarten wir den Erlöser, unseren Herrn Jesus Christus, bis er erscheint als unser Leben und wir mit Ihm erscheinen in Herr­lichkeit“ (Lit Konst. Art. 8). Aus diesem Grunde darf die hl. Liturgie nicht dem Wandel, der uns allerorten umgibt, ausgeliefert werden, darf das Heilige nicht in die Sprache der Welt aufgelöst werden. Hingegen ist, auch vom seelsorgerlichen Standpunkt, ja gerade von diesem, alles zu unterstreichen, was den Unterschied zwischen den himmlischen und den irdischen Dingen erlebbar macht. Die Liturgie, die in ihrer edlen und leicht überschaubaren Gestalt und ihrer prinzipiellen Un­veränderbarkeit das ewige Opfer deutlich und jeder­mann faßlich zum Ausdruck bringt, soll uns aus unserer irdi­schen Verklammerung lösen und uns freimachen für eine dauernde Existenz im Reiche Gottes.

UM DER KATHOLISCHEN EINHEIT UND UM DER EHRE GOTTES WILLEN haben wir unsere Stimme erhoben. Wir wollen unseren Heiligen Vater sowie unsere geistliche Obrig­keit um Hilfe bitten und selbst unsere Hilfe anbieten. Wir fühlen uns der Diktatur progressistischer Kräfte in der Kirche ausgeliefert und wissen, daß auch unser HI. Vater, der un­längst von den „rebellischen Priestern“ sprach, welche „die Kirche kreuzigen“, der Unterstützung jener bedarf die den wahren katholischen Glauben fördern und um das Heil aller Menschen besorgt sind. So hoffen wir, in gläubigem Gebet vereint, daß der Hl. Vater und die ehrwürdigen Bischöfe uns ihre Unterstützung und die Erfüllung unserer Bitten nicht versagen werden.

Wien, am Feste Mariä Himmelfahrt 1969

DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE CHRISTENHEIT