Die Muttergottes bekehrt den Juden Alfons Ratisbonne

Alfons Ratisbonne gehörte zu einer jüdischen Familie in Straßburg, die durch Reichtum und den Ruf großer Ehrenhaftigkeit ausgezeichnet war. Gegen Ende des Jahres 1841 verlobte er sich mit einer jungen Jüdin, deren vorzügliche Eigenschaften ihm alles Glück versprachen. Vor der Verehelichung gedachte er indessen, eine Reise in den Orient zu machen und im Vorübergehen einige der größten Städte Italiens zu besuchen, mit Ausnahme Roms, welches er als Jude verabscheute. Indessen, der Mensch denkt und Gott lenkt! Gott führte ihn trotz seines Widerwillens in die Stadt des heiligen Petrus. Unbewußt von einer geheimen Macht getrieben, änderte er seinen ursprünglichen Reiseplan, und anstatt nach Palermo ging er nach Rom, um dessen Altertümer zu bewundern und, wie er meinte, neue Nahrung für seinen Haß zu finden. Dort war es, wo Gott ihn erwartete, wie einst den Saulus auf dem Wege nach Damaskus. Die Gefühle des Schülers Gamaliels gegen die Kirche Christi beseelten auch Ratisbonne; aber Gott, der den Ersteren aus einem Wolfe in ein Lamm verwandelte, wandelte auch in der Seele des Zweiten den Haß in Liebe um, die Finsternis in Licht. Was den Haß des jungen Ratisbonne gegen die katholische Religion noch verschärfte, war die Bekehrung seines älteren Bruders Theodor, der sich nicht nur hatte taufen lassen, sondern selbst in den Priester- und Ordensstand getreten war. So kam Ratisbonne denn nach Rom, und kaum hatte er die berühmtesten Monumente in Augenschein genommen, als er sich auch schon wieder zur Abreise bereit machte. Alles, was er sah, regte ihn auf und erbitterte ihn. Der Besuch des Ghetto, des Judenquartiers, erregte in besonderem Grade seinen Zorn.
Vor seiner Abreise wollte Ratisbonne indessen noch einen Jugendfreund und früheren Mitschüler besuchen, der sich in der ewigen Stadt aufhielt, und mit dem er trotz des Unterschiedes der Religion sehr vertraut war. Derselbe hieß Gustav von Bussière, ein eifriger Protestant, der vordem öfters versucht hatte, seinen jungen jüdischen Freund zur reformierten Sekte zu bekehren, während dieser hingegen ihn von den Vorzügen der mosaischen Religion zu überzeugen suchte. Diese Verschiedenheit der Religion hatte jedoch ihrem Freundschaftsverhältnisse keinen Eintrag getan. Ratisbonne suchte also seinen Freund auf; er wurde von einem italienischen Bedienten empfangen, der ihn aus Versehen zu dem Bruder des Gesuchten, der gerade abwesend war, führte, Theodor von Bussière. Dieser hatte das Glück gehabt, den Protestantismus abzuschwören, und war ein sehr frommer und eifriger Katholik. Derselbe empfing ihn als Freund seines Bruders mit aller Herzlichkeit.
Anfangs drehte sich das Gespräch um die Merkwürdigkeiten Roms, dann geriet man auf die Religion. Bussière sprach mit Wärme von der katholischen Religion, von der Moral des Evangeliums, den schönen Hoffnungen des Christen, seinen reichen Gnadenmitteln für das ganze Leben, von der unendlichen Liebe Jesu und von Derjenigen, die er uns als Mutter gegeben hat; dann fragte er seinen Besucher, ob eine solche Religion nicht geeignet sei, ihre Bekenner glücklich zu machen? Bei dieser Frage suchte der junge Sohn Abrahams in sich seinen Haß zu verdoppeln; aber aus Höflichkeit hielt er sich zurück und antwortete anfangs nur mit einem kalten Schweigen und einem mitleidigen Lächeln; dann sagte er kurz abbrechend: „Ich bin Jude und werde als Jude sterben.“ Gott aber hatte es anders beschlossen.
Eine innere unerklärliche Stimme sagte dieses dem Herrn von Bussière, der, einem geheimen Antrieb folgend, kühn dem jungen Juden eine Muttergottesmedaille anbot. „Versprechen Sie mir“, sagte er, „dieses kleine Geschenk, welches ich Sie anzunehmen bitte, immer bei sich zu tragen.“ In den Augen der Welt war ein solches Benehmen sehr kühn und sonderbar. Es überraschte den jungen Ratisbonne, der kurzweg die Annahme der Medaille mit Unwillen verweigerte. Herr von Bussière ließ indessen nicht nach, in ihn zu dringen, er möge doch diese Medaille annehmen, wenn nicht als einen Andachtsgegenstand, dann wenigstens als ein Andenken. Um nicht unhöflich zu sein, ließ Ratisbonne sie sich endlich anlegen. Aber noch mehr: Bussière mutete ihm weiter zu, er möge auch zu Maria etwas beten, und reichte ihm deshalb auf einem Zettel gedruckt das „Memorare„. Jener mußte sich alle Gewalt antun, um bei dieser neuen Zumutung nicht seinem Zorne Luft zu machen. Er hielt indessen an sich, nahm das Blatt und empfahl sich, beim Weggehen entschlossen, sich dieser aufgedrungenen Gegenstände alsbald zu entledigen. Er dachte nicht daran, daß Gott ihn mit seiner Barmherzigkeit verfolge.
Kaum war er fort, als sich Herr von Bussière mit seiner ganzen Familie ins Gebet begab für ihn, den er so lebhaft für Jesus Christus zu gewinnen wünschte. Am Abend vereinigte er sich mit etlichen Freunden, um in derselben Meiung vor dem heiligsten Sakramente zu beten. Dann schickte er, obwohl es schon spät war, einige Zeilen an Ratisbonne in dessen Gasthof, worin er ihn bat, seinen Besuch am folgenden Tage zu wiederholen. Derselbe kam in der Tat, erklärte indessen sogleich, daß er in der folgenden Nacht abreisen werde und den Platz auf der Post schon bestellt habe. „Abreisen?“, sagte sein neuer Freund; „nein, das lasse ich nicht zu, wenigstens acht Tage müssen Sie noch hier bleiben; wir bestellen sofort ihren Postplatz ab.“ Alles Sträuben und Potestieren half nichts; unter dem Vorwand, es gebe in den nächsten Tagen eine große Zeremonie zu sehen, nötigte Bussière ihn, noch zu bleiben, und begleitete ihn dann als Führer zu verschiedenen Heiligtümern. Unterwegs suchte der seeleneifrige Apostel wieder religöse Gespräche auf die Bahn zu bringen, erhielt aber wenig tröstliche Antworten. So auch an den folgenden Tagen. Die Ausdauer des Chisten setzte den Juden in Erstaunen. Am 19. Januar kamen sie mitsammen zu der Santa Scala (der Treppe aus dem Gerichtshause des Pilatus). In prophetischem Tone rief Herr von Bussière aus: „Sei gegrüßt, heilige Treppe; siehe da einen Mann, der eines Tages dich auf seinen Knieen ersteigen wird!“ Sein Begleiter aber antwortete auf diese Prophezeing mit lautem Gelächter.
Indessen hatte Ersterer einen lieben Freund, Herrn von La Ferronays, fast plötzlich durch den Tod verloren. Beide hatten noch einige Tage vorher über die Bekehrungsversuche an dem jungen Juden gesprochen, und der jetzt Verstorbene hatte voll Zuversicht gesagt: „Sei ruhig, wenn du es fertig bringst, daß er das „Memorare“ betet, hast du ihn schon.“
Als Bussière am Abend des 19. Januar von seinem Rundgang zurückkam, eilte er erst noch zum Sarge des Freundes und empfahl seinem Gebete am Throne Gottes diese Sache, die ihm selbst so sehr am Herzen gelegen hatte, und die bis jetzt so wenig Aussicht zu haben schien. Am Morgen des 20. war Ratisbonne noch in denselben Gesinnungen; nicht der leiseste Zweifel erhob sich in seinem Herzen über die Wahrheit seiner Religion und kein Gedanke an einen Wechsel. Am Nachmittag begegnete er dem Herrn von Bussière auf der Straße, der in der Kirche des hl. Andreas noch einige Besorgungen bezüglich des Leichenbegängnisses seines Freundes zu machen hatte. Sie gingen also zusammen. Dort in der Kirche „delle Fratte“ war es, wo den neuen Saulus die Gnade erwartete. Er ging, während Bussière mit einem der Klosterpatres redete, in der Kirche umher, wie man in einem Museum umhergeht. Als Herr von Bussière nach einer Abwesenheit von etwa 10 Minuten zurückkam, sah er ihn nicht. Sollte er etwas aus Langeweile davongegangen sein? Bussière schaut sich um, und wer beschreibt sein Erstaunen, da er den Gesuchten vor einer Seitenkapelle knieen findet, scheinbar in tiefste Andacht versunken! Es war die Kapelle des hl. Michael. Bussière naht sich dem da Knieenden; derselbe hört ihn nicht. Er berührt ihn einmal, zweimal, dreimal, ohne bermerkt zu werden. Endlich erhebt Ratisbonne den Kopf, sein Gesicht ganz in Tränen gebadet; er faltet mit der Miene der innigsten Andacht die Hände auf der Brust und ruft aus: „O wie hat Herr von La Ferronays für mich gebetet!“ Etwas Anderes ist nicht aus ihm herauszubringen.
Sein Begleiter schließt ihn in tiefster Ergriffenheit in seine Arme und führt ihn dann aus der Kirche. Auf die Frage, wohin er ihn geleiten solle, erhält er die Antwort: „Wohin Sie wollen; nach dem, was ich gesehen habe, überlasse ich mich Ihnen ganz.“ Herr von Bussière führt den neuen Paulus zu dem ihm bekannten Jesuiten P. Villefort; ihm erklärte derselbe, von dem, was er gesehen habe, könne er nur auf den Knieen Mitteilung machen; zugleich äußerte er ein sehnliches Verlangen nach der Taufe und dem Bekentnisse Jesu Christi. P. Villefort nahm Beide mit Liebe auf. Aufgefordert zu erzählen, was ihm begegnet sei, ergriff Ratisbonne seine Medaille, bedeckte sie mit Küssen und Tränen und rief noch ganz außer sich: „Ich habe sie gesehen… ich habe sie gesehen!“ – Nach einer geraumen Zeit war er dann im Stande zu erzählen: „Ich war noch nicht lange in der Kirche, als ich mich plötzlich auf ganz unerklärliche Weise ergriffen fühlte. Ich erhobe die Augen; das ganze Gebäude war meinen Blicken entschwunden, mit Ausnahme einer einzigen Kapelle, welche in wunderbarem Lichte strahlte; und dort mitten in diesem Lichte, über dem Altar erschien groß, glänzend, voll Majestät und Milde die Jungfrau Maria, so wie sie auf der Medaille ist; eine unwiderstehliche Gewalt zog mich zu ihr hin. Sie machte ein Zeichen mit der Hand, ich solle niederknieen. Dann schien sie zu sagen: so ist es gut; sie hat Nichts gesprochen, aber ich habe Alles verstanden.“
Das war der kurze Bericht, welcher nur ahnen ließ, was mit und in dem Begnadigten vorgegangen. Dieser wünschte das tiefste Stillschweigen über Alles beobachtet zusehen. P. Villefort glaubte indessen, die Ehre Gottes und Mariä gestatte die Geheimhhaltung nicht, sondern fordere die Veröffentlichung eines solchen außerordentlichen Gnadenwunders. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Kunde von dem Wunder durch die Stadt. Der Neubekehrte wurde in den folgenden Tagen von Bekannten und Unbekannten angegangen, Näheres zu erzählen, vermochte jedoch ihre Neugierde wenig zu befriedigen. Sein heißestes Verlangen war jetzt der Empfang der Taufgnade. Zehn Tage bereitete er sich in der Einsamkeit durch fromme Übungen darauf vor. Ein vorgängiger Unterricht war kaum erforderlich; es zeigte sich, daß er in der Tat „Alles wußte“; Maria hatte nicht nur sein Herz gerührt, sondern auch seinen Geist erleuchtet, so daß er den P. Villefort, der ihn vorbereite, durch die Sicherheit und Klarheit seiner Religionskenntnis in Staunen setzte.
Als Tag der Taufe wurde der 31. Januar bestimmt und als Ort die Jesuitenkriche. Schon lange vor der feierlichen Stunde war die Kirche mit Gläubigen gefüllt. Um halb neun Uhr erschien Ratisbonne mit dem weißen Taufkleide angetan, begleitet von P. Villefort und Herrn von Bussière, seinem Paten. Es kam Bewegung unter die Menge; alle wollten den Begnadigten sehen und denjenigen, er für ihn das Werkzeug der Gnade geworden war. Die römischen Frauen ließen die Gefühle ihrer Bewunderung und frommen Freude nach lebhafter italiensicher Art laut werden; sie priesen, den hl. Rosenkranz küssend, die Madonna, welche aus diesem Wolfe ein Lamm gemacht. – Der Karinal-Vikar von Rom nahm die hl. Handlung vor. Mit fester, klarer Stimme sprache der Täufling das Glaubensbekenntnis und das Taufgelübde. Als Christennamen wählte er sich den Namen Maria. Der später so berühmte Dupanloup, damals noch einfacher Priester, hielt in seiner ergreifenden Weise die Taufrede, welche die Anwesenden zu Tränen rührte. Nach der heiligen Handlung folgte die Messe, in welcher der neue Christ seinen Heiland empfing. Tief war seine Ergriffenheit. Wie gründlich er mit seinen früheren Anschauungen und Gesinnungen gebrochen hatte, beweist sein bald erfolgter Eintritt in den Orden der Gesellschaft Jesu. Ein glühender Eifer beseelte ihn für die Rettung seines Volkes. Diesem widmet er sich noch jetzt gänzlich, nachdem er die Priesterweihe empfangen hat, in Jerusalem, wo er im Verein mit andern Priestern eine weitgreifende Missionstätigkeit entfaltet.


Aus: Die Erscheinungen und Offenbarungen der Mutter Gottes vom Beginne des Christenthums bis auf unsere Zeit. Padernborn, 1888,
Druck und Verlag der Bonifacius-Druckerei (J. W. Schröder.) – Erbstück des Immaculata-Verlags, CH-9050 Appenzell, von Adolf Schmiegel, Werl, Neheimerstr. 8

Die Muslime und Juden, die JESUS nicht als GOTT annehmen, bleiben in der Finsternis

Zitate aus dem Neuen Testament:

„Wer an Mich glaubt, glaubt nicht an Mich, sondern an Den, Der Mich gesandt hat. Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit niemand, der an Mich glaubt, in der Finsternis bleibe.“ (Jo 12,44 f.)

„Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, wenn einer Mein Wort hört, wird er in Ewigkeit den Tod nicht schauen.“ (Jo 8,51)

„Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, wer Mein Wort hört und Dem glaubt, der Mich gesandt hat, der hat das Ewige Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern geht vom Tode zum Leben über.“ (Jo 5,24)

„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an Mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; und wer im Glauben an Mich lebt, wird in Ewigkeit nicht sterben.“ (Jo 11,25 f.)

„Wenn ihr nicht glaubt, dass Ich es bin (der Gott, den der Vater gesandt hat), werdet ihr in euren Sünden sterben.“ (Jo 8,24)

„Wer Mich verachtet und Meine Worte nicht annimmt, der hat seinen Richter; das Wort, das Ich verkündet habe, wird ihn am Jüngsten Tage richten.“ (Jo 12,48)

„Das ist der Wille Meines Vaters: jeder, der den Sohn sieht und an Ihn glaubt, soll das Ewige Leben haben.“ (Jo 6,40)

„Das ist das Werk Gottes, dass ihr an Den glaubt, Den Er gesandt hat.“ (Jo 6,29)

Von den „drei großen monotheistischen Religionen“ glaubt nur eine wirklich und wahrhaft an (den) einen Gott, den Schöpfer und Lenker des Alls: die christliche. Die jüdische und islamische „Religion“ glaubt Dem nicht und an Den nicht, der den Sohn, Christus, gesandt hat; deren (bewusst urteilende und wählende) Anhänger verachten den Gott-Menschen und nehmen Seine Worte nicht an; sie bleiben in der Finsternis. Sie hören das Wort Gottes nicht und werden deshalb in ihren Sünden sterben, ins Gericht kommen (werden Rechenschaft für ihr Tun ablegen müssen) und vom ersten Tod zum zweiten Tod übergehen, also in Ewigkeit den Tod schauen.

Mit diesen Gott (das Werk und Wirken Gottes) verachtenden Menschen können die Kinder des Lichtes nicht grundlegend verbunden sein, nicht auf dem Boden der Einheit (der ganzen Menschheitsfamilie) stehen und auch nicht auf sie ausgerichtet sein und friedlich und harmonisch und solidarisch zusammenleben. Sie können die Trennungen, die das Licht von der Finsternis, das Leben vom Tode scheidet nicht „überbrücken“, nicht „heilen“. Sie können „Missverständnisse“ und „Konflikte“ nicht vermeiden, nicht „überwinden“. Denn Gott kann und wird nur die segnen und nur denen Frieden schenken, die Seinen Willen erfüllen und an Den glauben, Den Er gesandt hat.

Paul Otto Schenker

Nostra Aetate und die jüdische Religion

Zitat aus „Nostra Aetate„: (Siehe auch meinen Beitrag: „Konzilserklärung „Nostra Aetate“ über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen“)

Die jüdische Religion

4. Bei ihrer Besinnung auf das Geheimnis der Kirche gedenkt die Heilige Synode des Bandes, wodurch das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist.

So anerkennt die Kirche Christi, daß nach dem Heilsgeheimnis Gottes die Anfänge ihres Glaubens und ihrer Erwählung sich schon bei den Patriarchen, bei Moses und den Propheten finden.

Sie bekennt, daß alle Christgläubigen als Söhne Abrahams dem Glauben nach (Gal 3,7) in der Berufung dieses Patriarchen eingeschlossen sind und daß in dem Auszug des erwählten Volkes aus dem Lande der Knechtschaft das Heil der Kirche geheimnisvoll vorgebildet ist. Deshalb kann die Kirche auch nicht vergessen, daß sie durch jenes Volk, mit dem Gott aus unsagbarem Erbarmen den Alten Bund geschlossen hat, die Offenbarung des Alten Testamentes empfing und genährt wird von der Wurzel des guten Ölbaums, in den die Heiden als wilde Schößlinge eingepfropft sind (Röm 11,17-24). Denn die Kirche glaubt, daß Christus, unser Friede, Juden und Heiden durch das Kreuz versöhnt und beide in sich vereinigt hat (Eph 2,14-16). Die Kirche hat auch stets die Worte des Apostels Paulus vor Augen, der von seinen Stammverwandten sagt, daß “ihnen die Annahme an Sohnes Statt und die Herrlichkeit, der Bund und das Gesetz, der Gottesdienst und die Verheißungen gehören wie auch die Väter und daß aus ihnen Christus dem Fleische nach stammt” (Röm 9,4-5), der Sohn der Jungfrau Maria.

Auch hält sie sich gegenwärtig, daß aus dem jüdischen Volk die Apostel stammen, die Grundfesten und Säulen der Kirche, sowie die meisten jener ersten Jünger, die das Evangelium Christi der Welt verkündet haben.

Wie die Schrift bezeugt, hat Jerusalem die Zeit seiner Heimsuchung nicht erkannt (Lk 19,44), und ein großer Teil der Juden hat das Evangelium nicht angenommen, ja nicht wenige haben sich seiner Ausbreitung widersetzt (Röm 11,28). Nichtsdestoweniger sind die Juden nach dem Zeugnis der Apostel immer noch von Gott geliebt um der Väter willen; sind doch seine Gnadengaben und seine Berufung unwiderruflich (Röm 11,28-29). Mit den Propheten und mit demselben Apostel erwartet die Kirche den Tag, der nur Gott bekannt ist, an dem alle Völker mit einer Stimme den Herrn anrufen und ihm “Schulter an Schulter dienen” (Soph 3,9) (Jes 66,23; Ps 65,4; Röm 11,11-32).

Da also das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die Heilige Synode     die gegenseitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theologischer Studien sowie des brüderlichen Gespräches ist.

Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben (Joh 19,6), kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen.

Gewiß ist die Kirche das neue Volk Gottes, trotzdem darf man die Juden nicht als von Gott verworfen oder verflucht darstellen, als wäre dies aus der Heiligen Schrift zu folgern. Darum sollen alle dafür Sorge tragen, daß niemand in der Katechese oder bei der Predigt des Gotteswortes etwas lehre, das mit der evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi nicht im Einklang steht.

Im Bewußtsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche, die alle Verfolgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft, nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Haßausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben. Auch hat ja Christus, wie die Kirche immer gelehrt hat und lehrt, in Freiheit, um der Sünden aller Menschen willen, sein Leiden und seinen Tod aus unendlicher Liebe auf sich genommen, damit alle das Heil erlangen. So ist es die Aufgabe der Predigt der Kirche, das Kreuz Christi als Zeichen der universalen Liebe Gottes und als Quelle aller Gnaden zu verkünden.

Mein Kommentar:

Es geht hier also um „die jüdische Religion“. Und was ist damit gemeint? Natürlich die „Religion“ derjenigen Juden, die JESUS CHRISTUS als (den verheißenen) Messias, als ERLÖSER, als GOTTES SOHN, als GOTT (auch heute noch) ablehnen, die Sein Heilsangebot (auch heute noch) ausschlagen und als Folge davon Sein REICH, Seine HERRSCHAFT, die Kirche, das neue Volk Gottes, aktiv und/oder passiv bekämpfen. Es geht also um Christus- und damit Gottes- und Kirchen-Feinde. Und es geht um eine Christus-, GOTTES- und kirchenfeindliche „Religion“.

Sind diese Juden „mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden“? Nein! Sie sind, wie die Muslime, nur „fleischlich“ mit ihm verbunden, während tatsächlich „alle Christgläubigen, und nur sie, Söhne (Kinder) Abrahams dem Glauben nach sind (Gal 3,7).

Kann die Kirche, „das Volk des Neuen Bundes“ mit diesen Juden, die nicht mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden sind, geistlich verbunden sein? Nein! Das neue Volk Gottes kann geistlich nur verbunden sein mit den CHRIST-gläubigen Juden, mit jenen des Alten Bundes also, die echt und wahr und treu an den verheißenen Messias glaubten, und mit jenen des Neuen Bundes, die echt, wahr und treu an CHRISTUS glaub(t)en, die sich taufen ließen und damit „aus dem Lande der (geistigen) Knechtschaft ausgezogen“ sind.

Die Kirche, das neue Volk Gottes, hat also „die Offenbarung des Alten Testamentes“ nicht von diesen Juden empfangen, die CHRISTUS verleugneten. Und sie wird „genährt von der Wurzel des guten Ölbaums, in den die Heiden als wilde Schösslinge eingepfropft sind“, also nur von jenen Juden, die „Kinder Abrahams dem Glauben nach“ sind, wie die Patriarchen, Moses und die Propheten. Aber sie wird nur auch von dieser Wurzel genährt. Niemals ausschließlich. Viel mehr und entscheidend genährt wird die Kirche direkt von JESUS CHRISTUS, dem GOTT-MENSCHEN (dem Sohn der Jungfrau Maria, der nur dem Fleische nach von den Juden, vom „guten Ölbaum“, abstammt) und von dem von IHM bis zum Ende der Welt gesandten HEILIGEN GEIST, dem göttlichen Geist, der vom Vater und vom Sohne ausgeht. Der heilige Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer, Kapitel 9, Verse 4-5: „Sind sie (meine Stammesgenossen dem Fleische nach) doch Israeliten, denen die Gotteskindschaft zuteil geworden ist und die Herrlichkeit und der Bund und die Gesetzgebung und der Gottesdienst und die Verheißungen. Ihnen gehören die Väter an, und aus ihnen stammt dem Fleische nach der Messias, der GOTT ist, über allem, hochgelobt in Ewigkeit. Amen.“

Er schreibt dann aber auch: „Denn nicht alle, die aus Israel sind, sind Israeliten. Noch sind alle Kinder, welche Nachkommen Abrahams sind.“ (Röm. 9, 7) Die christusfeindlichen und damit gottfeindlichen Juden sind also keine echten „Israeliten“ und keine „Kinder Abrahams“. Aus diesen stammen also auch nicht „die Apostel, die Grundfesten und Säulen der Kirche wie die meisten jener ersten Jünger, die das Evangelium Christi der Welt verkündet haben“. Denn diese haben „die Zeit ihrer Heimsuchung nicht erkannt und das Evangelium nicht angenommen, ja haben sich seiner Ausbreitung widersetzt.

Diese Juden sind keineswegs „um der Väter willen immer noch von Gott geliebt“, sondern nur jene, die nach göttlicher Vor(her)sehung den Glauben an CHRISTUS annehmen (werden). Man vergleiche dazu Paulus im ersten Brief an die Thessaloniker, 2. Kapitel, 14-16: „Ihr seid ja, meine Brüder, Nachahmer geworden der Gemeinden Gottes, die in Judäa sind in Christus Jesus; denn ihr habt von euren Landsleuten dasselbe erdulden müssen, was jene von den Juden. Diese haben sogar den Herrn Jesus und die Propheten getötet und uns verfolgt. Sie missfallen Gott und sind allen Menschen feind. Sie wollen uns wehren, den Heiden zu predigen, dass sie des Heiles teilhaftig werden. So häufen sie immerfort Sünde auf Sünde. Aber schon ist Gottes Zorn über sie gekommen in vollem Maße.“ Und ebenso: Apokalypse 3,9: „Siehe, Leute aus der Synagoge Satans führe ich zu dir, Leute, die sich Juden nennen – doch sie sind es nicht, sondern lügen.“ Paulus hatte vor seiner Bekehrung auch zu diesen gehört: Galater 1,13-14: „Ihr habt ja von meinem einstigen Wandel im Judentum gehört: ich verfolgte die Kirche Gottes über die Maßen und suchte sie zu vernichten. Vor vielen meiner Altersgenossen in meinem Volke tat ich mich zuvor in meiner Leidenschaft für das Judentum und zeigte mich als übertriebenen Eiferer für die Überlieferungen meiner Väter.“

Diesen widerspenstigen, verstockten, eifernden Juden gilt, was JESUS nach Johannes 8, 37-47 spricht: „Ich weiß, dass ihr Kinder (Nachkommen) Abrahams seid. Allein ihr sucht mich zu töten, weil mein Wort in euch erfolglos bleibt. Ich rede, was ich bei meinem Vater gesehen habe, ihr aber tut, was ihr von eurem Vater gehört habt. Da erwiderten sie: Unser Vater ist Abraham. Jesus sprach darauf: Wenn ihr Kinder Abrahams seid, so tuet auch Abrahams Werke. Jetzt wollt ihr mich töten, mich, der ich euch doch die Wahrheit verkündet habe, die ich von Gott gehört. So etwas hat Abraham nicht getan. Ihr tut die Werke eures Vaters. Da sprachen sie: Wir sind nicht im Ehebruch geboren. Wir haben Einen Vater, Gott. Darauf Jesus: Wenn Gott euer Vater wäre, so würdet ihr doch mich lieben. Ich bin von Gott ausgegangen und gekommen. Nicht bin ich von mir selbst gekommen, sondern er hat mich gesandt. Warum versteht ihr meine Rede nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt. Ihr habt den Teufel zum Vater, und die Begierden eures Vaters wollt ihr erfüllen. Er war von Anfang an ein Menschenmörder und ist in der Wahrheit nicht bestanden, weil in ihm keine Wahrheit ist. Wenn er Lügen redet, redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge. Wenn aber ich die Wahrheit rede, so glaubt ihr mir nicht. Wer aus euch kann mich einer Sünde zeihen? Wenn ich euch die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht? Wer aus Gott ist, der hört Gottes Wort. Darum hört ihr es nicht, weil ihr nicht aus Gott seid.

Diese Juden also, die nicht auf Gottes Wort hören wollten, „die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern“ waren es auch, die „auf den Tod Christi gedrungen haben“. Und diesen Juden muss man „die Ereignisse seines Leidens (und Sterbens) zur Last legen“. Und den heutigen Juden? Sicher all jenen heutigen Juden, die sich bewusst und überlegt GEGEN Jesus Christus stellen. Aber selbstverständlich haben auch die übrigen Menschen, die Gottes Wort nicht hören (wollen), Anteil, Schuld an den „Ereignissen seines Leidens (und Sterbens)“. Und ALLE (nicht nur die Juden), die wissentlich und willentlich in dieser Ablehnung des ERLÖSERS bis zum Tode verharren, werden von Gott „verworfen und verflucht“. Das ist „aus der Heiligen Schrift zu folgern“ und „steht mit der evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi im Einklang“. Das Gegenteil nicht!

Die Kirche hat also mit den christusfeindlichen Juden „kein gemeinsames Erbe“, sondern nur mit den christusgläubigen Juden. Wenn „Antisemitismus“ Judenfeindlichkeit besagen soll, dann ist die Kirche, sind die Glieder der Kirche „antisemitisch“ gegenüber jenen „Juden, die keine Juden sind“, sondern Anti-Christen, die die Zeit ihrer Heimsuchung nicht erkennen und das Evangelium nicht annehmen, ja sich seiner Ausbreitung widersetzen. Und mit diesen Juden kann die Kirche keine „gemeinsame biblische und theologische Studien“ betreiben, kein „brüderliches Gespräch“ führen, ohne Verrat an ihrem Auftrag zu üben: „das Kreuz Christi als Zeichen der universalen Liebe Gottes und als Quelle aller Gnaden zu verkünden“ – es also auch den noch ungläubigen, verblendeten, verstockten zu PREDIGEN, auf dass auch sie das HEIL erlangen; denn NUR IN IHM IST HEIL, IST RETTUNG, IST ERLÖSUNG, IST EWIGES SELIGES LEBEN!

Paul Otto Schenker

Konzilserklärung „Nostra Aetate“ über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen

Ich veröffentliche hier als Erstes den vollständigen Text aus dem Vatikanischen Archiv; anschließend werde ich Passagen daraus, besonders im Hinblick auf die muslimische „Religion“, kritisch kommentieren:

Einführung

1. In unserer Zeit, da sich das Menschengeschlecht von Tag zu Tag enger zusammenschließt und die Beziehungen unter den verschiedenen Völkern sich mehren, erwägt die Kirche mit um so größerer Aufmerksamkeit, in welchem Verhältnis sie zu den nichtchristlichen Religionen steht. Gemäß ihrer Aufgabe, Einheit und Liebe unter den Menschen und damit auch unter den Völkern zu fördern, fasst sie vor allem das ins Auge, was den Menschen gemeinsam ist und sie zur Gemeinschaft untereinander führt.

Alle Völker sind ja eine einzige Gemeinschaft, sie haben denselben Ursprung, da Gott das ganze Menschengeschlecht auf dem gesamten Erdkreis wohnen ließ (1); auch haben sie Gott als ein und dasselbe letzte Ziel. Seine Vorsehung, die Bezeugung seiner Güte und seine Heilsratschlüsse erstrecken sich auf alle Menschen (2), bis die Erwählten vereint sein werden in der Heiligen Stadt, deren Licht die Herrlichkeit Gottes sein wird; werden doch alle Völker in seinem Lichte wandeln (3).

Die Menschen erwarten von den verschiedenen Religionen Antwort auf die ungelösten Rätsel des menschlichen Daseins, die heute wie von je die Herzen der Menschen im tiefsten bewegen: Was ist der Mensch? Was ist Sinn und Ziel unseres Lebens? Was ist das Gute, was die Sünde? Woher kommt das Leid, und welchen Sinn hat es? Was ist der Weg zum wahren Glück? Was ist der Tod, das Gericht und die Vergeltung nach dem Tode? Und schließlich: Was ist jenes letzte und unsagbare Geheimnis unserer Existenz, aus dem wir kommen und wohin wir gehen?

Die verschiedenen Religionen

2. Von den ältesten Zeiten bis zu unseren Tagen findet sich bei den verschiedenen Völkern eine gewisse Wahrnehmung jener verborgenen Macht, die dem Lauf der Welt und den Ereignissen des menschlichen Lebens gegenwärtig ist, und nicht selten findet sich auch die Anerkenntnis einer höchsten Gottheit oder sogar eines Vaters. Diese Wahrnehmung und Anerkenntnis durchtränkt ihr Leben mit einem tiefen religiösen Sinn.

Im Zusammenhang mit dem Fortschreiten der Kultur suchen die Religionen mit genaueren Begriffen und in einer mehr durchgebildeten Sprache Antwort auf die gleichen Fragen. So erforschen im Hinduismus die Menschen das göttliche Geheimnis und bringen es in einem unerschöpflichen Reichtum von Mythen und in tiefdringenden philosophischen Versuchen zum Ausdruck und suchen durch aszetische Lebensformen oder tiefe Meditation oder liebend-vertrauende Zuflucht zu Gott Befreiung von der Enge und Beschränktheit unserer Lage. In den verschiedenen Formen des Buddhismus wird das radikale Ungenügen der veränderlichen Welt anerkannt und ein Weg gelehrt, auf dem die Menschen mit frommem und vertrauendem Sinn entweder den Zustand vollkommener Befreiung zu erreichen oder – sei es durch eigene Bemühung, sei es vermittels höherer Hilfe – zur höchsten Erleuchtung zu gelangen vermögen. So sind auch die übrigen in der ganzen Welt verbreiteten Religionen bemüht, der Unruhe des menschlichen Herzens auf verschiedene Weise zu begegnen, indem sie Wege weisen: Lehren und Lebensregeln sowie auch heilige Riten.

Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.

Unablässig aber verkündet sie und muss sie verkündigen Christus, der ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6), in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden, in dem Gott alles mit sich versöhnt hat (4).

Deshalb mahnt sie ihre Söhne, dass sie mit KIugheit und Liebe, durch Gespräch und Zusammenarbeit mit den Bekennern anderer Religionen sowie durch ihr Zeugnis des christlichen Glaubens und Lebens jene geistlichen und sittlichen Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich bei ihnen finden, anerkennen, wahren und fördern.

Die muslimische Religion

3. Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde (5), der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.

Die jüdische Religion

4. Bei ihrer Besinnung auf das Geheimnis der Kirche gedenkt die Heilige Synode des Bandes, wodurch das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist.

So anerkennt die Kirche Christi, dass nach dem Heilsgeheimnis Gottes die Anfänge ihres Glaubens und ihrer Erwählung sich schon bei den Patriarchen, bei Moses und den Propheten finden.

Sie bekennt, dass alle Christgläubigen als Söhne Abrahams dem Glauben nach (6) in der Berufung dieses Patriarchen eingeschlossen sind und dass in dem Auszug des erwählten Volkes aus dem Lande der Knechtschaft das Heil der Kirche geheimnisvoll vorgebildet ist. Deshalb kann die Kirche auch nicht vergessen, dass sie durch jenes Volk, mit dem Gott aus unsagbarem Erbarmen den Alten Bund geschlossen hat, die Offenbarung des Alten Testamentes empfing und genährt wird von der Wurzel des guten Ölbaums, in den die Heiden als wilde Schößlinge eingepfropft sind (7). Denn die Kirche glaubt, daß Christus, unser Friede, Juden und Heiden durch das Kreuz versöhnt und beide in sich vereinigt hat (8). Die Kirche hat auch stets die Worte des Apostels Paulus vor Augen, der von seinen Stammverwandten sagt, dass „ihnen die Annahme an Sohnes Statt und die Herrlichkeit, der Bund und das Gesetz, der Gottesdienst und die Verheißungen gehören wie auch die Väter und daß aus ihnen Christus dem Fleische nach stammt“ (Röm 9,4-5), der Sohn der Jungfrau Maria.

Auch hält sie sich gegenwärtig, dass aus dem jüdischen Volk die Apostel stammen, die Grundfesten und Säulen der Kirche, sowie die meisten jener ersten Jünger, die das Evangelium Christi der Welt verkündet haben.

Wie die Schrift bezeugt, hat Jerusalem die Zeit seiner Heimsuchung nicht erkannt (9), und ein großer Teil der Juden hat das Evangelium nicht angenommen, ja nicht wenige haben sich seiner Ausbreitung widersetzt (10). Nichtsdestoweniger sind die Juden nach dem Zeugnis der Apostel immer noch von Gott geliebt um der Väter willen; sind doch seine Gnadengaben und seine Berufung unwiderruflich (11). Mit den Propheten und mit demselben Apostel erwartet die Kirche den Tag, der nur Gott bekannt ist, an dem alle Völker mit einer Stimme den Herrn anrufen und ihm „Schulter an Schulter dienen“ (Soph 3,9) (12).

Da also das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die Heilige Synode die gegenseitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theologischer Studien sowie des brüderlichen Gespräches ist.

Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben (13), kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen.

Gewiss ist die Kirche das neue Volk Gottes, trotzdem darf man die Juden nicht als von Gott verworfen oder verflucht darstellen, als wäre dies aus der Heiligen Schrift zu folgern. Darum sollen alle dafür Sorge tragen, dass niemand in der Katechese oder bei der Predigt des Gotteswortes etwas lehre, das mit der evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi nicht im Einklang steht.

Im Bewusstsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche, die alle VerfoIgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft, nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben. Auch hat ja Christus, wie die Kirche immer gelehrt hat und lehrt, in Freiheit, um der Sünden aller Menschen willen, sein Leiden und seinen Tod aus unendlicher Liebe auf sich genommen, damit alle das Heil erlangen. So ist es die Aufgabe der Predigt der Kirche, das Kreuz Christi als Zeichen der universalen Liebe Gottes und als Quelle aller Gnaden zu verkünden.

Universale Brüderlichkeit

5. Wir können aber Gott, den Vater aller, nicht anrufen, wenn wir irgendwelchen Menschen, die ja nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, die brüderliche Haltung verweigern. Das Verhalten des Menschen zu Gott dem Vater und sein Verhalten zu den Menschenbrüdern stehen in so engem Zusammenhang, dass die Schrift sagt: „Wer nicht liebt, kennt Gott nicht“ (1 Joh 4,8).

So wird also jeder Theorie oder Praxis das Fundament entzogen, die zwischen Mensch und Mensch, zwischen Volk und Volk bezüglich der Menschenwürde und der daraus fließenden Rechte einen Unterschied macht.

Deshalb verwirft die Kirche jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht. Und dementsprechend ruft die Heilige Synode, den Spuren der heiligen Apostel Petrus und Paulus folgend, die Gläubigen mit leidenschaftlichem Ernst dazu auf, dass sie „einen guten Wandel unter den Völkern führen“ (1 Petr 2,12) und womöglich, soviel an ihnen liegt, mit allen Menschen Frieden halten (14), so dass sie in Wahrheit Söhne des Vaters sind, der im Himmel ist (15).

28. Oktober 1965
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Anmerkungen:

1) Vgl. Apg 17,26.

2) Vgl. Weish 8,1; Apg 14,17; Röm 2,6-7; 1 Tim 2,4.

3) Vgl. Apg 21,23f.

4) Vgl. 2 Kor 5,18-19.

5) Vgl. Gregor VII., Ep. III.,21 ad Anazir (Al-Nasir), regem Mauritaniæ, ed. E. Caspar in MGH, Ep. sel. II, 1920, I, 288, 11-15; PL 148, 451 A.

6) Vgl. Gal 3,7.

7) Vgl. Röm 11,17-24.

8.) Vgl. Eph 2,14-16.

9) Vgl. Lk 19,44.

10) Vgl. Röm 11,28

11) Vgl. Röm 11,28-29; vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium: AAS 57 (1965) 20.

12) Vgl. Jes 66,23; Ps 65,4; Röm 11,11-32.

13) Vgl. Joh 19,6.

14) Vgl. Röm 12,18.

15) Vgl. Mt 5,45.

 

Mein Kommentar:

Vorspann: Diese „Erklärung“ vom 28. Oktober 1965 des II. Vatikanischen Konzils ist ein Haupt-Auslöser der enormen Fehl-Entwicklung seither im Verständnis der und im Verhältnis zu den nicht-christlichen „Religionen“ wie auch, als Folge davon, in der Einordnung der christlichen Religion. Auf dieses Konzilsdokument stützen sich die Päpste zur Rechtfertigung ihrer tabu-brechenden „Aktionen“ und theologischen Neu-Interpretationen. Insbesondere Johannes Paul II hat, als geistliche Autorität der ganzen Welt, durch Wort und Tat, praktisch alle bisherigen Grenzen aufgebrochen, sich über fast alle vormaligen Einschränkungen hinweggesetzt unter geringschätziger Missachtung der von Christus persönlich und Seinen Aposteln und Apostelnachfolgern aufgestellten Warnschilder und Verbotssignale.

Gemäß ihrer Aufgabe, Einheit und Liebe unter den Menschen und damit auch unter den Völkern zu fördern, fasst sie vor allem das ins Auge, was den Menschen gemeinsam ist und sie zur Gemeinschaft untereinander führt.

Ist es die Aufgabe der Kirche Christi, Einheit und Liebe unter den Menschen zu fördern? Nein, jedenfalls nicht in der hier formulierten Weise. Primäre Aufgabe der Kirche ist es, Jesus Christus zu verkündigen und dabei in Kauf zu nehmen, dass damit nicht „Einheit und Liebe“ unter den Menschen gefördert wird, sondern das Gegenteil bewirkt wird: Zwietracht, Feindschaft und Hass. „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert (der Geisterscheidung).“ Da die Kirche die mystische Braut Christi ist, muss auch sie mit ihrem Bräutigam sagen: „Ich bin nicht gekommen, ich bin nicht dazu da, um Einheit und Liebe unter den Menschen zu fördern, sondern um alle Menschen alles halten zu lehren, was mein Bräutigam, Christus, uns zu halten geboten hat.“ Wenn die Kirche „vor allem“ das ins Auge fasst, was den Menschen gemeinsam ist“, dann fasst sie eben gezwungenermaßen nicht den HERRN und Seinen Willen, Seinen Auftrag und Sein Gesetz ins Auge, sondern das „Neutrale“ an den und im Menschen, das Nicht-Gott-Bezogene, das Natürliche, das Zeitliche, das Vergängliche. „Einheit und Liebe unter den Menschen und damit auch unter den Völkern“, d.h. ein Leben in Frieden, „Befreiung von der Enge und Beschränktheit seiner Lage“, von „der Unruhe des menschlichen Herzens“, „höchste Erleuchtung“, bei Anerkenntnis des „radikalen Ungenügens der veränderlichen Welt“, strebt der Mensch auch natürlicherweise an, auch ohne Christentum, auch gegen Gott und gegen Christus.

Alle Völker sind ja eine einzige Gemeinschaft, sie haben denselben Ursprung, da Gott das ganze Menschengeschlecht auf dem gesamten Erdkreis wohnen ließ (1); auch haben sie Gott als ein und dasselbe letzte Ziel.

Alle Menschen und alle Völker wären eine einzige Gemeinschaft und hätten Gott als ein und dasselbe letzte Ziel, wenn alle ihren Schöpfer und Erlöser, ihren wahren Gott, anerkennen und nach Seinen Geboten wandeln würden. Da sie nun aber einmal weit davon entfernt sind, diese Prämisse zu erfüllen, sind sie, trotz des gemeinsamen Ursprungs, keine Gemeinschaft, haben sie das Wesentliche nicht gemein, unterscheiden sie sich im Wichtigsten und geraten sie darob in Auseinandersetzungen, in Unfrieden, in Streit, in Entzweiung, in Krieg.

Seine [Gottes] Vorsehung, die Bezeugung seiner Güte und seine Heilsratschlüsse erstrecken sich auf alle Menschen (2), bis die Erwählten vereint sein werden in der Heiligen Stadt, deren Licht die Herrlichkeit Gottes sein wird; werden doch alle Völker in seinem Lichte wandeln (3).

Mit diesen Sätzen wird suggeriert, dass alle Menschen und alle Völker in der (ewigen) „Heiligen Stadt“, (dereinst im Himmel,) in Gottes Lichte wandeln werden, unabhängig davon, ob sie sich zu Jesus Christus und Seinem Evangelium bekannt haben oder nicht. Richtig ist, dass sich Gottes Güte und Heilsratschlüsse auf alle Menschen erstrecken. Aber „erwählt“ werden nur jene sein, die Seine Güte dankbar anerkennen und Seine Heilsratschlüsse ausführen und erfüllen, die „in Seinem Lichte wandeln“. Und das sind nicht „alle Menschen“ und „alle Völker“. („Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt.“)

Die Menschen erwarten von den verschiedenen Religionen Antwort auf die ungelösten Rätsel des menschlichen Daseins, die heute wie von je die Herzen der Menschen im tiefsten bewegen: Was ist der Mensch? Was ist Sinn und Ziel unseres Lebens? Was ist das Gute, was die Sünde? Woher kommt das Leid, und welchen Sinn hat es? Was ist der Weg zum wahren Glück? Was ist der Tod, das Gericht und die Vergeltung nach dem Tode? Und schließlich: Was ist jenes letzte und unsagbare Geheimnis unserer Existenz, aus dem wir kommen und wohin wir gehen?

„Antwort auf die ungelösten Rätsel des menschlichen Daseins“ haben diejenigen Menschen in ausreichendem Maße, ja in Fülle erhalten, die an Jesus Christus glauben, Sein Wort, Seine Verkündigung, Seine Lehre zur Gänze annehmen und in Seiner heiligmachenden Gnade leben. Ungelöste Rätsel wie die aufgeführten, gibt es demnach nur für diejenigen, die nicht an den Mensch gewordenen Gott glauben.

So erforschen im Hinduismus die Menschen das göttliche Geheimnis und bringen es in einem unerschöpflichen Reichtum von Mythen und in tiefdringenden philosophischen Versuchen zum Ausdruck und suchen durch aszetische Lebensformen oder tiefe Meditation oder liebend-vertrauende Zuflucht zu Gott Befreiung von der Enge und Beschränktheit unserer Lage.

Die Menschen, die sich zum „Hinduismus“ bekennen, erforschen nicht „das göttliche Geheimnis“; denn wenn sie es wirklich täten, wären sie schon längst darauf gestoßen: nämlich auf die Offenbarung Gottes („des göttlichen Geheimnisses“) in und durch Jesus Christus. Ihr „Erforschen“ schließt zum vornherein das Licht aus, das sie erleuchten und auf den Weg, zur Lösung des Geheimnisses, bringen könnte. Seit 2000 Jahren und mehr ziehen sie es vor, statt ans Licht zu kommen, in ihrer Finsternis von Mythen und damit in der Enge und Beschränktheit ihrer Lage, im Kreislauf ihrer „Wiedergeburt“ zu verharren. Die Sendboten des Retters und Erlösers weisen sie ab und nehmen damit nicht „liebend-vertrauende Zuflucht zu Gott“, sondern zu ihren Göttern, respektive Götzen, die letztlich nichts anderes als „gefallene Geister“, Daemonen, sind.

In den verschiedenen Formen des Buddhismus wird das radikale Ungenügen der veränderlichen Welt anerkannt und ein Weg gelehrt, auf dem die Menschen mit frommem und vertrauendem Sinn entweder den Zustand vollkommener Befreiung zu erreichen oder – sei es durch eigene Bemühung, sei es vermittels höherer Hilfe – zur höchsten Erleuchtung zu gelangen vermögen.

Der Buddhismus kennt weder einen allmächtigen Gott noch eine unsterbliche Seele. Zu einer tatsächlichen, wahren „Erleuchtung“ und gar „höchsten Erleuchtung“ und damit zum „Zustand vollkommener Befreiung vom radikalen Ungenügen der veränderlichen Welt“ kann es im Buddhismus auch „mit frommem und vertrauendem Sinn“ durch eigene Bemühungen und schon gar „vermittels höherer Hilfe“ nicht kommen, da alles nach einem Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt, im gottlosen Nirvana und letztlich im Parinirvana endet. Das Anerkennen des „radikalen Ungenügens der veränderlichen Welt“ ist zudem nichts Positives und nichts Ehrenwertes. Unsere veränderliche Welt ist für uns Menschen nur dann „ungenügend“, wenn wir bei ihr stehen bleiben, wenn wir uns nicht über sie zum wahren Gott erheben. Alles, was Gott gemacht hat, ist nicht nur „genügend“, sondern vollkommen, vollkommen angemessen. Unvollkommen und ungenügend wird alles immer erst durch des Menschen Abkehr von Gott und Auflehnung gegen Ihn und Seine Gesetze und Gebote. Licht und damit Erleuchtung und damit das Erreichen eines „Zustandes vollkommener Befreiung“ (von Sünde und Tod) gibt es nur vom christlichen Gott. („Und das Licht leuchtete in die Finsternis; aber die Finsternis hat es nicht begriffen… Er [Jesus, das Wort Gottes] war in der Welt, und die Welt ist durch Ihn geworden. Allein die Welt hat Ihn nicht erkannt. Er kam in Sein Eigentum, doch die Seinigen nahmen Ihn nicht auf. Allen aber, die Ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, all denen, die an seinen Namen glauben…“)

So sind auch die übrigen in der ganzen Welt verbreiteten Religionen bemüht, der Unruhe des menschlichen Herzens auf verschiedene Weise zu begegnen, indem sie Wege weisen: Lehren und Lebensregeln sowie auch heilige Riten.

All die Wege, die die übrigen in der ganzen Welt verbreiteten nichtchristlichen „Religionen“ weisen, ihre Lehren und Lebensregeln, um „der Unruhe des menschlichen Herzens zu begegnen“, sind völlig untaugliche Mittel, ja sie verhindern durch ihre Wirkung das Suchen und Verlangen nach der gesunden, heilsamen Nahrung, die Gott auch für sie bereithält. Sie sind also Hindernisse, ja Gefängnisse für die solcherweise Betörten, Betrogenen, „hinter’s Licht“ Geführten und dort Gehaltenen.

Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.

Natürlich ist in jeder Weltanschauung manches, für sich, isoliert, betrachtet, „richtig“ und „(relativ) wahr“. So wie in einer vergifteten Speise auch noch „Speise“ ist und nicht nur „Gift“, so wie ein Abweg auch noch ein Weg ist, so ist jede nichtchristliche Religion gerade durch ihre (scheinbar) positiven Aspekte und Elemente verführerisch. Es ist immer das „Gute“ am Schlechten, das das Schlechte für den Menschen „attraktiv“, „genießbar“ macht. Die katholische Kirche muss, müsste deshalb alles ablehnen, was in diesen falschen Religionen für „wahr und heilig“ gilt, weil dieses „Wahre“ und „Heilige“ dem absolut Unwahren und Unheiligen dient! So nützt Gebet und Fasten und Opfern gegenüber einem Götzen nichts, vielmehr hält solche Handlungs- und Lebensweise, das Befolgen solcher Vorschriften und Lehren den Betreffenden nur gefangen in einer rein eingebildeten, bzw. ihm aufgezwungenen, Para-Religiosität.

Unablässig aber verkündet sie und muss sie verkündigen Christus, der ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6), in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden, in dem Gott alles mit sich versöhnt hat (4).

Deshalb mahnt sie ihre Söhne, dass sie mit Klugheit und Liebe, durch Gespräch und Zusammenarbeit mit den Bekennern anderer Religionen sowie durch ihr Zeugnis des christlichen Glaubens und Lebens jene geistlichen und sittlichen Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich bei ihnen finden, anerkennen, wahren und fördern.

Nun kommt Christus also doch noch „zum Zug“. „Unablässig aber verkündet sie und muss sie verkünden Christus, der ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6) Bis hierher stimmt die Aussage. Aber was geschieht seit 1965 diesbezüglich durch die Kirchenführung (Papst und Bischöfe)? Wird Christus gegenüber allen Nicht-Christen wirklich nach wie vor verkündet? So wie man es vor dem II. Vatikanum immer getan hat? Auch in den Missionen? Wie wird Christus seit diesem Dekret gegenüber den Muslimen, den Juden, den Hindus, den Buddhisten, etc. verkündet? Unablässig und als der (einzige) Weg, die(alleinige) Wahrheit und das (exklusive) Leben? In Christus finden die Menschen nicht „die Fülle des religiösen Lebens“, das sie ohne Ihn auch schon, aber noch nicht in Vollendung, gefunden hätten, sondern überhaupt erst das eigentliche religiöse Leben. Außerhalb Christi gibt es kein wahres, wirkliches religiöses Leben; denn Christus ist GOTT, der ALLEINIGE GOTT, und alle Religion ohne Ihn und gar gegen Ihn ist keine Religion. In Ihm und durch Ihn und mit Ihm hat Gott „alles“ mit Sich versöhnt; aber wer nicht in Ihm und durch Ihn und mit Ihm glaubt und lebt, ist mit Gott nicht versöhnt. So ist ein Muslim, solange er Muslim bleibt und sich nicht zu Jesus Christus bekehrt, unversöhnt mit Gott. Er kann zwar gerettet werden, aber nur wenn er in unüberwindlicher Unwissenheit zum Erlöser nach bestem Wissen und Gewissen „natürlich fromm“ lebt. Das gilt gleicherweise für die Juden, Hindus, Buddhisten, etc.

Deshalb mahnt sie (die Kirche) ihre Söhne, dass sie… jene geistlichen und sittlichen Güter… anerkennen, wahren und fördern. – [Statt „Söhne“ müsste es hier korrekt „Kinder“ heißen (figli heißt eben nicht nur „Söhne“, sondern auch „Kinder“!) Die Kirche hat ja nebst „Söhnen“ auch noch „Töchter“.] Wie sollen wir katholischen Christen die geistlichen = religiösen Güter z.B. der Muslime anerkennen, wahren und fördern? Das ist ja geradezu eine „Ermahnung“ oder „Aufforderung“ zur Apostasie! Es gibt doch in den nicht-christlichen „Religionen“ keine geistlichen und sittlichen Güter, die es in der christlichen nicht gäbe, die als spezifisch nicht-christliche anerkennens-, bewahrens-, ja fördernswert wären!

Die muslimische Religion

3. Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde (5), der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.

„Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat.“ Es ist einfach grotesk. Da treten 33 Jahre vor dem Jahr 2000 rund 2000 Bischöfe in Rom zusammen, um über ein solches Dekret zu beraten und ihm in dieser End-Fassung mit ihrer Unterschrift zuzustimmen und es damit der ganzen Kirche Christi als ihre (neue) Erkenntnis und verbindliche Lehre vorzulegen! Entweder hatten diese Oberhirten keine blasse Ahnung, was der Islam wirklich ist, weil sie je weder den Koran richtig gelesen, geschweige studiert haben, noch die Geschichte dieser durch und durch gewalttätigen Irr-Religion zur Kenntnis genommen haben, und wenn das der Fall gewesen wäre, hätten sie allein schon deshalb keine Aussage über den Islam abgeben dürfen. Oder sie waren schon derart degeneriert in ihrem Christsein, dass sie unfähig waren, die absolute Erhabenheit und Einzig(artig)keit des christlichen Glaubens zu erkennen. Richtig müsste dieser Satz etwa so lauten: „Mit höchstem Bedauern und mit tiefster Wehmut betrachtet die Kirche auch die Muslim, die statt den alleinigen Gott Jesu Christi den durch Mohammed als einer der schlimmsten Irrlehrer total entstellten Gott als „Allah“ anbeten, den toten und nicht seienden, entsetzlich unbarmherzigen und nur mit Waffengewalt mächtigen, den Widersacher des Schöpfers Himmels und der Erde, der seit seinem Sturz zu den Menschen gesprochen hat: ihr sollt Gott nicht dienen, sondern mir, ‚Allah‘.“ Wie konnte es nur zu einer solchen Verfinsterung der Geister kommen? Das Salz ist schal geworden. Das Licht ist nur noch mottende Glut. Jahrzehnte falscher, (neo-)modernistischer Theologie (und Pastoral) gehen solcher Entgleisung voraus.

„Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten“ – „und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen“. Das – nämlich „sie anerkennen Jesus nicht als Gott“ – ist hier so beiläufig gesagt, wie wenn es gar nicht ins Gewicht fiele, Hauptsache, sie verehren ihn doch als Propheten. Dabei ist genau dies das Zentralste ihrer Häresie. Wer (bewusst) nicht an die Gottheit Christi glaubt, findet kein Wohlgefallen bei Gott. Da nützt auch eine „Verehrung Jesu als Propheten“ nichts. Da hatten die Arianer und haben die Neu-Arianer und z.B. die Zeugen Jehovas, noch eine viel höhere Meinung über Jesus. Und auch das nützt ihnen nichts, dass sie „seine jungfräuliche Mutter ehren und bisweilen in Frömmigkeit anrufen“, denn die Mutter Jesu ist etwas ganz Anderes und viel Erhabeneres als das wofür die Muslime sie halten. Sie ist – eben weil Christus GOTT ist – die Mutter Gottes oder Gottes-Mutter und die Gottes-Gebärerin, weil Sie den GOTT-Menschen empfangen, im Schoße getragen, geboren hat! Und Sie ist die Königin Himmels und der Erde, und Sie ist mit Ihrem göttlichen Sohne, dem All-Herrscher, dem Pantokrator, in alle Ewigkeit die All-Herrscherin.

Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

Ja, klar, (auch) die Anhänger Mohammeds erwarten (wie die Christen), dass Gott ihr Glauben, Beten und Fasten und ihre Almosen mit ewiger Glückseligkeit vergilt. Wer möchte schon ausgeschlossen sein von solchem Glück? Aber Christus hat gesagt: „Niemand kommt zum Vater, außer durch Mich.“ (Jo 14,6) Und: „Es ist in keinem anderen Heil; denn kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, durch den wir selig werden sollen.“ (Apg 4,12) Und: „Wer nicht aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste wiedergeboren wird, der kann in das Reich Gottes nicht eingehen.“ (Jo 3,5) Und der große Kirchenlehrer Augustinus hält fest: „Alles kann einer außerhalb der Kirche finden, nur nicht das Heil.“ (Aug. s. ad Caes. eccl pl. 7 (43:695) Und „Alles außerhalb der Kirche ist verworfene Welt, die Kirche ist versöhnte Welt.“ (Aug. s. 96,7,8 (38:599) Und schließlich Laktanz (inst. div. 4,30,IIf.): „Nur… die katholische Kirche hat die wahre Gottesverehrung bewahrt. Sie ist der Quell der Wahrheit, die Wohnung des Glaubens, der Tempel Gottes. Wer nicht in sie eintritt oder aus ihr austritt, der begibt sich der Hoffnung des Lebens und des Heils. Schmeichle sich niemand mit hartnäckigem Festhalten an Streitpunkten. Denn es geht um sein Leben und sein Heil; und wer nicht mit Vorbedacht und Sorgfalt für sein Heil sorgt, der hat es verwirkt und verloren.“

Nur jene, die an Unkenntnis der wahren Religion leiden, wenn diese Unkenntnis unüberwindlich ist, werden deswegen, wenn sie anderseits das Naturgesetz und dessen von Gott in aller Herzen geschriebene Gebote sorgfältig beobachten sowie mit Gehorsamsbereitschaft für Gott ein anständiges und ordentliches Leben führen, in keine Schuld vor Gottes Augen verstrickt und mit Hilfe der göttlichen Erleuchtung und Gnade das ewige Leben erlangen können, denn Gott, der den Geist, die Gesinnung, die Gedanken und die ganze Einstellung jedes Menschen vollkommen klar vor Augen hat, durchschaut und kennt, kann bei Seiner höchsten Güte und Milde keineswegs zulassen, dass jemand mit ewigen Peinen bestraft wird, der sich keine freiwillige Schuld zugezogen hat. (Pius IX.)

Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.

„Die Heilige Synode ermahnt alle, das Vergangene beiseite zu lassen“! Also, die Geschichte sozusagen auszublenden, das Geschehene zu ignorieren! So zu tun, als habe es diesbezüglich nichts Erinnerungswürdiges gegeben. Welch eine Zumutung! Die Feindschaft(en) zwischen Christen und Muslimen einfach „unter den Tisch wischen“, um sich (endlich) gegenseitig verstehen zu können! Diese „Logik“ könnte man doch auf alles Gott-Feindliche anwenden! Auch auf den Ur- und Erzfeind Gottes, Satan! Es ist doch „im Lauf der Jahrhunderte“ „zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Gott und ihm gekommen! Der hat auch (entsetzlich) gelitten unter dem Unverstandensein von seiten Gottes und Seiner Getreuen! Der wäre auch heilfroh, man hätte mehr Verständnis für ihn. Was hat er schon für „soziale Gerechtigkeit“ gekämpft, z.B. im (gottlosen) Kommunismus, was hat er für seine „sittlichen Güter“ gestritten mit seinem Befreiungskampf von der „Bevormundung durch die Kirche“ und „für die Freiheit aller Menschen“ (von Gottes tyrannischen Gesetzen)! Man greift sich an den Kopf. Wie ist es nur möglich, dass eine „Heilige Synode“ von mehr als 2000 Bischöfen so etwas Unheiliges produzieren und der Welt vorsetzen kann als „Ermahnung an alle“! Wir (fried- und freiheit-liebenden) Christen sollen also (lernen) Verständnis (zu) haben für diejenigen, die uns mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln bekämpfen und unseren Frieden und unsere Freiheit rauben und uns am liebsten ausrotten wollen?! Wäre die „Heilige Synode“ tatsächlich eine vom Heiligen Geist geführte und inspirierte Versammlung gewesen, hätte sie das Wort Gottes nach Antwort auf die erkannten Probleme erforscht. Und dann hätte sie z.B. diese Anweisung des göttlichen Geistes gefunden: „Hütet euch vor den falschen Propheten! Sie kommen in Schafskleidern zu euch, innen aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten könnt ihr sie erkennen.“ (Mt 7,15) Die klägliche Synode aber gibt uns die Anweisung: Hütet euch keineswegs vor dem falschen Propheten Mohammed; denn er ist das Gegenteil von einem reißenden Wolf: er ist ein echtes Schaf, sozusagen „das Lamm Allah’s“; ihr müsst euch nur bemühen, ihn und seine Sendung zu verstehen, dann werdet ihr seine guten Früchte erkennen!

(Den Abschnitt über die jüdische Religion behandle ich hier bewusst nicht! Ich werde aber auch dazu meine ausführliche Stellungnahme abgeben!)

Universale Brüderlichkeit

5. Wir können aber Gott, den Vater aller, nicht anrufen, wenn wir irgendwelchen Menschen, die ja nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, die brüderliche Haltung verweigern. Das Verhalten des Menschen zu Gott dem Vater und sein Verhalten zu den Menschenbrüdern stehen in so engem Zusammenhang, daß die Schrift sagt: „Wer nicht liebt, kennt Gott nicht“ (1 Joh 4,8).

So wird also jeder Theorie oder Praxis das Fundament entzogen, die zwischen Mensch und Mensch, zwischen Volk und Volk bezüglich der Menschenwürde und der daraus fließenden Rechte einen Unterschied macht.

Deshalb verwirft die Kirche jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht. Und dementsprechend ruft die Heilige Synode, den Spuren der heiligen Apostel Petrus und Paulus folgend, die Gläubigen mit leidenschaftlichem Ernst dazu auf, daß sie „einen guten Wandel unter den Völkern führen“ (1 Petr 2,12) und womöglich, soviel an ihnen liegt, mit allen Menschen Frieden halten (14), so daß sie in Wahrheit Söhne des Vaters sind, der im Himmel ist (15).

Nun hat die Kirche Christi während rund 2000 Jahren „die brüderliche Haltung“ all jenen gegenüber immer „verweigert“, die ihrer Führung im Auftrage Christi nicht gefolgt sind, angefangen von den Irrlehrern und Schismatikern schon zu Zeiten der Apostel, über alle (ernsthaften) Oppositionellen im Laufe der Jahrhunderte. Sie hat es nicht geduldet und konnte es nicht dulden, dass Unkraut in ihren heiligen Garten gesät und gepflanzt wurde. Die ganze Kirchengeschichte kann man auch als ein Sich-Reinhalten von aller Ansteckung von geistiger Krankheit, von Unwahrheit und Falschheit sehen durch das entschlossene Ausmerzen mit dem Verdikt: „Anathema sit!“ Sie müßte sich also gegenüber allen Abweichlern und Besserwissern, gegenüber allen Verurteilten und Ausgeschlossenen, nachträglich entschuldigen; denn sie hätte somit jedesmal, wenn sie einen Kirchenbann aussprach, „nicht geliebt“ und „Gott nicht gekannt“!

So wird also jeder Theorie oder Praxis das Fundament entzogen, die zwischen Mensch und Mensch, zwischen Volk und Volk bezüglich der Menschenwürde und der daraus fließenden Rechte einen Unterschied macht. Wenn die Kirche Christi jenen gegenüber, die sie in irgendeiner Weise bekämpften, „die brüderliche Haltung verweigert“ hat, dann hätte sie nach dieser Auffassung „zwischen Mensch und Mensch bezüglich der Menschenwürde und der aus ihr fließenden Rechte einen (unzulässigen, verwerflichen) Unterschied gemacht“; sie hätte also die Menschenwürde der Verurteilten und Ausgeschlossenen verletzt!

„Deshalb verwirft die Kirche jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht.“ Zurecht verwirft sie jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes willen“! Aber verwirft sie zurecht jede Diskriminierung um seiner Religion willen? Völlig zu unrecht! Es ist sogar Pflicht eines jeden Christgläubigen, die Geister zu unterscheiden (engl. discriminate). „Glaubt nicht jedem Geiste, sondern prüft (diskriminiert) die Geister, ob sie aus Gott sind; denn es sind schon viele falsche Propheten in die Welt ausgegangen.“ (I Jo 4,1.) Die Kirche Christi muß ihre Feinde erkennen und von ihren Gliedern unterscheiden, und wenn sie feststellt, dass sie bösartig sind, muss sie sie auch diskriminieren im Sinne von „herabsetzen“ und „herabwürdigen“. Auch der Gottessohn Selber hat dies getan: „Ihr Otterngezücht, ihr Natternbrut!“

Und dementsprechend ruft die Heilige Synode, den Spuren der heiligen Apostel Petrus und Paulus folgend, die Gläubigen mit leidenschaftlichem Ernst dazu auf, daß sie „einen guten Wandel unter den Völkern führen“ (1 Petr 2,12) und womöglich, soviel an ihnen liegt, mit allen Menschen Frieden halten (14), so daß sie in Wahrheit Söhne des Vaters sind, der im Himmel ist (15).

Nun, „die Heilige Synode“ hat mit diesem ganzen Dokument bewiesen, dass sie „den Spuren der heiligen Apostel Petrus und Paulus“ nicht folgte, ja sie gar nicht als Richtschnur und Anleitung benutzte. Aber dieser „leidenschaftliche Aufruf“ ginge, für sich allein stehend, gewiss in Ordnung; denn ein guter Christ soll immer, soviel an ihm liegt, mit allen Menschen Frieden halten; aber keineswegs darf er dies tun auf Kosten seines Glaubens und Zeugnisses. Die „universale Brüderlichkeit“ bleibt eine Schimäre, solange Satan der Fürst dieser Welt ist. Nur im „Reich Gottes“ herrscht „universale Brüderlichkeit“. Papst Leo XIII. schrieb in seiner Enzyklika „Humanum genus“: „Nachdem das Menschengeschlecht durch den Neid des Teufels von Gott, dem Schöpfer und Spender der himmlischen Güter, so kläglich abgefallen ist, hat es sich in zwei verschiedene und einander entgegengesetzte Lager geteilt; das eine kämpft unausgesetzt für Wahrheit und Tugend, das andere für alles, was der Wahrheit und Tugend widerstreitet. Das eine ist das Reich Gottes auf Erden, nämlich die wahre Kirche Christi, wer ihm wahrhaft und zu seinem Heile angehören will, der muss Gott und seinem Eingeborenen Sohne mit ganzer Seele und mit voller Hingebung seines Willens dienen. Das andere ist das Reich des Satans, dem alle jene botmäßig und zu eigen sind, die dem verhängnisvollen Beispiel ihres Führers und unserer Stammeltern gefolgt sind, dem ewigen göttlichen Gesetz den Gehorsam veweigern und vieles mit Verachtung Gottes, ja gegen Gott Selbst zu unternehmen suchen.“

Paul Otto Schenker

Benedikt XVI. wehrt sich gegen Vorwurf, er sei für Judenmission

Papst Benedikt XVI. zu Besuch in Berlin 2011 (by WDKrause)

In einem ungewöhnlichen Schritt bricht der emeritierte Papst Benedikt XVI. erneut sein Schweigen und wehrt sich energisch gegen den Vorwurf, er habe sich für die Judenmission ausgesprochen und die Grundpfeiler des jüdisch-christlichen Dialogs infrage gestellt. „Diese Behauptung ist schlichtweg falsch“, schreibt der 91-Jährige in einer „Richtigstellung“ für die Dezember-Ausgabe der „Herder Korrespondenz“. Unterzeichnet ist der Beitrag mit „Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.“

Es gehe nicht um Mission, sondern um Dialog, heißt es in dem Artikel, denn „Judentum und Christentum“ stünden für „zwei Weisen der Auslegung der Schrift“. Für Christen seien die Verheißungen an Israel die Hoffnung der Kirche, und „wer daran festhält, stellt keinesfalls die Grundlagen des jüdisch-christlichen Dialogs infrage“.

“ Eine in höchstem Maße unwahre Unterstellung ”

Benedikt XVI. wehrt sich vor allem gegen einen Artikel des Wuppertaler Theologen Michael Böhnke in der September-Ausgabe der „Herder Korrespondenz“. Was dieser ihm vorwerfe, sei „grotesker Unsinn und hat nichts mit dem zu tun, was ich darüber gesagt habe. Ich weise deshalb seinen Artikel als eine in höchstem Maße unwahre Unterstellung zurück.“

Böhnke hatte unter anderem geschrieben, Benedikt XVI. habe in einem im Juli veröffentlichten Aufsatz für die Zeitschrift „Communio“ ein problematisches Verständnis zum Judentum bewiesen und das Leiden verschwiegen, das Christen Juden angetan haben.

„Nur die Juden kannten schon den unbekannten Gott“

Benedikt XVI. geht in seiner „Richtigstellung“ neben mehreren anderen theologischen Aspekten auch auf die heikle Frage der Judenmission ein, also auf die Frage, ob die Kirche den Juden die Botschaft von Christus verkünden darf. „Eine Mission der Juden ist nicht vorgesehen und nicht nötig“, schreibt er wörtlich. Mission in allen Völkern und Kulturen sei zwar der Auftrag, den Christus hinterlassen habe. Deshalb sei „der Missionsauftrag universal – mit einer Ausnahme: Eine Mission der Juden war einfach deshalb nicht vorgesehen und nicht nötig, weil sie allein unter allen Völkern den ,unbekannten Gott‘ kannten.“

Für Israel gelte daher nicht Mission, sondern der Dialog darüber, ob Jesus von Nazareth „der Sohn Gottes, der Logos“ ist, auf den – gemäß den an sein Volk ergangenen Verheißungen – Israel und, ohne es zu wissen, die Menschheit warte. Diesen Dialog neu aufzunehmen, sei „der Auftrag, den uns diese Stunde stellt“.

(kna – cs)

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‚Das Ziel war, Menschenleben zu retten‘: Pater Gumpel über Pius XII. und den Holocaust

Papst Pius XII. in einem Portrait des 1983 in Bari geborenen Künstlers Giovanni Gasparro Foto: Paul Badde / Vatican Magazin

Der Relator im Seligsprechungsprozess schreibt: ‚Es ist hoch an der Zeit, dass Autoren wie mein Freund Michael Hesemann daran erinnern, was Pius XII. wirklich getan hat und welches Risiko er dabei auf sich nahm, um Menschenleben zu retten‘

Welche Rolle hat Papst Pius XII. wirklich während des Zweiten Weltkriegs gespielt? Hat er wirklich geschwiegen, während die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler versuchten, die Juden Europas zu vernichten? Der Autor und Historiker Michael Hesemann analysiert in seinem neuen Buch „Der Papst und der Holocaust: Pius XII. und die geheimen Akten im Vatikan“ dazu die Dokumente im Geheimarchiv des Vatikans, zu denen er als einer der ersten 2018 Zutritt erhalten hat.

CNA Deutsch veröffentlicht eine leicht gekürzte Fassung des Vorworts zum jüngsten Buch Michael Hesemanns von Pater Professor Dr. Peter Gumpel S.J.

Sehr gerne und dankbar habe ich die Einladung meines verehrten Freundes und Kollegen Dr. h. c. Michael Hesemann angenommen, das Vorwort zu seinem neuen Buch „Der Papst und der Holocaust“ zu schreiben. Ich tue dies umso lieber, weil ich diesen Papst seit meiner frühen Jugend besonders geliebt und verehrt habe und auch mehrere, zum Teil längere Gespräche mit ihm führen durfte.

Zu meinem Amt als Professor der Geschichte des Dogmas und der Theologie an der päpstlichen Universität Gregoriana kam am Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils der Auftrag von Paul VI., zusammen mit dem damaligen Generalpostulator der Gesellschaft Jesu, Prof. Dr. Paolo Molinari, SJ, das Seligsprechungsverfahren für Pius XII. einzuleiten und nach bestem Vermögen durchzuführen.

Wir haben es uns dabei nicht leicht gemacht. Wir hatten alles zusammen 149 Verfahren zu begutachten, und später wurde mir zuerst als Konsultor, dann als Relator die Aufgabe zugeteilt, viele weitere Verfahren zu beurteilen.

Ob ein Papst selig- oder heiliggesprochen wird, bezieht sich auf sein persönliches Leben, sein Leben aus dem Glauben, sein Leben des Gebetes und das ehrliche Bemühen, sein Amt so gut wie möglich auszufüllen. Das bedeutet aber nicht, dass die Menschen, die bereits selig- oder heiliggesprochen sind, unter allen Umständen immer die beste Wahl getroffen haben und es verdienen, als besonders große Päpste in die Geschichte einzugehen.

Das gilt nicht nur für die Päpste der Neuzeit, die ich alle sehr verehrt habe, sondern für alle Päpste der Kirchengeschichte. In diesem Zusammenhang möchte ich hinweisen auf eine Bemerkung, die mein damaliger Lehrer im Bibelinstitut, Prof. Dr. Augustin Bea, SJ, später Kardinal, gemacht hat, als wir ihn einluden, für den Seligsprechungsprozess eine eidliche Aussage über Pius XII. zu machen, den er ja sehr gut gekannt hat, war er doch lange Jahre sein Mitarbeiter gewesen. Kardinal Bea jedenfalls hat damals gesagt – und er hat es später viele Male wiederholt:

„Pius XII. hat es nicht nötig, dass ich mein Urteil über ihn abgebe. Nach meiner festen Überzeugung ist er der größte Papst der Neuzeit gewesen.“ Und dann fügte er noch einen Satz hinzu, den ich nie vergessen habe: „Seien Sie versichert, dass erst nach 100 Jahren klar und deutlich sein wird, wie groß dieser Papst gewesen ist, welche Richtung er der Kirche gegeben hat und wie viel wir ihm verdanken.“

Ich glaube, das Urteil eines solchen Mannes verdient es, hier zitiert zu werden.

Im Übrigen möchte ich auf eine Tatsache hinweisen, die mich immer wieder verwundert. Pius XII. hat unermüdlich gearbeitet und sehr viel für die Kirche getan. Von Anfang an hat er sich für den Frieden eingesetzt. Am 24. August 1939, nur wenige Tage vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, sagte er in einer für die Welt bestimmten Radiobotschaft: „Nichts ist verloren mit dem Frieden. Alles kann verloren sein durch den Krieg.“ Prophetische Worte, die sich dann auch bewahrheitet haben.

Deshalb wundert es mich, wie wenig heute von Pius XII. gesprochen wird, und wenn, dann nur unter dem einen Aspekt, um den es auch in dem vorliegenden Buch meines Freundes und Kollegen Dr. Michael Hesemann geht: die Frage nach seinem Verhalten im Holocaust.

Alles, was er sonst geleistet hat, scheint in Vergessenheit geraten oder wird nicht genannt. Herrn Hesemann ist da kein Vorwurf zu machen, hat er doch schon vor zehn Jahren eine äußerst lesenswerte Gesamtbiografie Pius’ XII. verfasst unter dem Titel: Der Papst, der Hitler trotzte. Aber von vielen anderen wird das gerne unterschlagen.

Es steht außer Frage, dass Pius XII. sehr viel für die Juden getan hat, vielleicht mehr als jeder andere. Auch deshalb verdient er es, verehrt zu werden, doch es gibt noch viele andere Gründe. Da ist, ich erwähnte es bereits, sein unermüdlicher Einsatz für den Frieden. Pius XII. hat auch sehr viel dafür getan, Italien aus dem Krieg herauszuhalten, was ihm leider nicht gelungen ist. Als am 21. Dezember 1939 der italienische König und die Königin ihn im Vatikan besuchten, hat er ihnen ebenso ins Gewissen geredet wie sieben Tage später bei einem Gegenbesuch im Quirinal. Doch weder diese noch zahlreiche andere Versuche waren erfolgreich, wofür ihn natürlich keine Schuld trifft.

Aber ich möchte noch auf einige andere Aktivitäten Pius’ XII. hinweisen, die es verdienen, nicht vergessen und nicht weiter verschwiegen zu werden.

Zu den wichtigsten Aufgaben eines Papstes gehört es, dafür zu sorgen, dass, wenn er stirbt, das Kardinalskollegium voll besetzt ist, das seinen Nachfolger zu wählen hat.

Pius XII. konnte lange Zeit keine neuen Kardinäle ernennen  – während des Zweiten Weltkrieges war es völlig unmöglich, weil die Kardinäle gar nicht nach Rom kommen konnten.

Erst 1946 hat er dann 32 neue Kardinäle ernannt, darunter merkwürdigerweise nur vier Italiener. Ich betone das, weil in den letzten Jahrhunderten immer der größte Teil der Kardinäle aus Italien stammte und natürlich dann auch einen Italiener zum Papst wählte. Pius XII. wollte das nicht, und er hat es erreicht, dass der Weg frei wurde zu einem nichtitalienischen Papst. Er war natürlich nicht gegen Italien, im Gegenteil, er liebte sein Vaterland.

Doch aufgrund seiner großen internationalen Erfahrung war er wohl zu der Einsicht gelangt, dass auch andere Nationen Päpste stellen könnten und auch stellen sollen – und das hat er erreicht.

Weiter möchte ich auf die Lehraktivität Pius’ XII. hinweisen, die außerordentlich ist. Ihm verdanken wir 40 Enzykliken, die den gesamten Bereich des kirchlichen Lebens betreffen.

An erster Stelle ist natürlich Summi pontificatus zu nennen, die programmatische

erste Enzyklika seines Pontifikates vom 20. Oktober 1939, in der Pius XII. über den Frieden, das Zusammenleben der Nationen und die Neuordnung der Staaten sprach.

Vom theologischen Standpunkt verweise ich auf Mystici corporis vom 29. Juni 1943, den ersten großen Versuch, theologisch zu erklären, was die Kirche eigentlich ist. Am 30. September 1943 folgte die berühmte Enzyklika Divino afflante Spirito, die uns erklärte, wie wir heute das Neue und das Alte Testament zu verstehen haben.

Am 20. November 1947 stellte er mit Mediator Dei die Weichen in der Liturgie.

Schließlich warnte er in Humani generis am 12. August 1950 vor bestimmten Tendenzen, die sich in der Kirche unter der Oberfläche bemerkbar machten. Aus heutiger Sicht, im Rückblick auf das Zweite Vatikanische Konzil, erweist sich diese Enzyklika als geradezu prophetisch und kann jetzt erst in ihrer vollen Bedeutung erkannt werden.

Beachtlich war sein Einfluss auf das Zweite Vatikanische Konzil. Pius  XII. hatte ursprünglich selbst den Wunsch gehabt, ein Konzil einzuberufen, hat aber dann doch davon abgesehen und diese Aufgabe seinem Nachfolger überlassen, weil er erst noch mehr Ordnung in der Kirche schaffen wollte. Und das ist ein Verdienst, das ihm keiner absprechen kann: Bei ihm herrschte Ordnung, jeder in der Kirche wusste, wo er stand.

Wir wussten schon als katholische Jungen, was er über den Nationalsozialismus dachte. Wir wussten als junge Priester, wie er über den Kommunismus dachte. Wir wussten auch, was er für die Juden getan hat.

Das alles darf heute nicht vergessen werden.

Ich habe anfangs gesagt, wie sehr mich verwundert, was alles über Pius XII. verschwiegen wird – auch vonseiten mancher kirchlichen Stellen –, während sich alles auf eine einzige Frage seines Pontifikates konzentriert, die Frage der Schoah, des Holocaust, um die es auch in der vorliegenden Studie meines verehrten Kollegen Dr. Hesemann geht.

Es ist völlig abwegig, zu behaupten, dassPius  XII. antijüdisch gewesen sei, war doch sein bester Freund schon in Schultagen ein Jude, Guido Mendes, dem er 1938 die Ausreise in die Schweiz ermöglichte, von wo aus er dann nach Palästina übersiedelte. Die beiden sind zeitlebens Freunde geblieben, und als Mendes bereits ein berühmter Arzt in Israel war, kam er zweimal nach Rom, um den Kontakt zu seinem Freund wieder zu erneuern. Als Pius XII. am 9. Oktober 1958 starb, war er es, der voll Lobes seines Freundes gedachte. Doch er war nicht allein; auch die damalige Außenministerin Israels, Golda Meir, der erste Ministerpräsident Mosche Scharett und so viele andere jüdische Instanzen haben Pius XII. gelobt und gepriesen für alles, was er von Anfang an für die Juden getan hatte, während so viele andere ihnen die Hilfe verweigert hatten.

Pius XII. hat sich immer und immer wieder bemüht und auch hier in Rom dafür gesorgt, dass der Vatikan und über 200 kirchliche Institutionen ihre Tore für die Juden öffneten, als ihre Verfolgung die Ewige Stadt erreichte. Ich kann das bezeugen, denn als ich selbst 1947 als blutjunger Dozent der Philosophie im päpstlichen Kollegium Germanicum hier in Rom war, hatte ich die Gelegenheit, viele von ihnen zu sprechen.

Priester erzählten mir, wie sie vom Papst beauftragt worden waren, von einem Kloster zum anderen zu gehen und zu sagen: „Öffnet Eure Tore für die Juden.“ Selbst da, wo dies eigentlich verboten ist, etwa in Klausur- und Frauenklöstern, wurden Ausnahmen gemacht.

Das hohe Ziel war, Menschenleben zu retten – nur darum ging es. Die beiden Nachfolger von Pius XII., Johannes XXIII. und Paul VI., haben beide später bestätigt, dass sie bei allen Bemühungen, Juden zu retten, immer nur das getan hatten, was der Papst von ihnen verlangt hatte.

Es gibt heute, Gott sei Dank, viele Juden, die das anerkennen. Ich nenne da an erster Stelle die Pave the Way Foundation von Herrn Gary Krupp aus New York. Aber es gibt auch renommierte jüdische Wissenschaftler wie Sir Martin Gilbert, der von der Queen aufgrund seiner wissenschaftlichen Verdienste in den Adelsstand erhoben wurde und der Pius XII. immer wieder verteidigt hat, in seinen Büchern und in seinen Vorträgen, und der persönlich nach Yad Vashem ging, um dagegen zu protestieren, dass Pius XII. in der sogenannten Hall of Shame neben Hitler und Eichmann zu sehen war. Aber leider gibt es auch andere, deren Behauptungen das vorliegende Buch so eindrucksvoll widerlegt.

Auch ein anderes wichtiges Kapitel erwähnt dieses Buch, nämlich die Verschwörung deutscher Generäle und Admiräle gegen Hitler, ihren Plan, ihn aus dem Weg zu räumen, und ihre Zusammenarbeit dabei mit Pius XII., der, anders als sonst, nicht erst lange überlegte, sondern ihnen spontan und innerhalb von wenigen Stunden seine Unterstützung zusicherte. Das war ein äußerst mutiger Entschluss, denn wenn Hitler das je erfahren hätte, hätte der katholischen Kirche in Deutschland eine noch unerbittlichere Verfolgung gedroht, als sie ohnehin schon stattfand.

All das ist heute leider vergessen. Es ist darum hoch an der Zeit, dass Autoren wie mein Freund Michael Hesemann daran erinnern, was Pius XII. wirklich getan hat und welches Risiko er dabei auf sich nahm, um Menschenleben zu retten. Hätten alle seine Bemühungen um Frieden und um eine Beseitigung Hitlers Erfolg gehabt, hätte weder der Zweite Weltkrieg stattgefunden noch die Schoah, der schreckliche Holocaust. Es ist die Tragik seines Lebens, dass es ihm trotz aller Versuche nicht gelungen ist, diese Schrecken zu verhindern. Doch es ist sein Verdienst, alles Menschenmögliche versucht zu haben.

Pater Prof. Dr. Peter Gumpel, SJ, Vatikanstadt

Relator im Seligsprechungsprozess für Pius XII.

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Benedikt XVI. versetzt Moderne Theologie und seine Vorgänger in Rotation

Historische Begegnung am 17. Januar 2010: Rabbi Elio Toaff und Papst Benedikt XVI vor der Synagoge in Rom Foto: Vatican Media / CPP

Mater ecclesiae hält die katholische Welt in Bewegung

Von René Udwari

Er hat es schon wieder getan. Er ist alt, emeritiert, längst „abgeschrieben“ und noch immer rührt er sich. Noch immer publiziert er, längst im Ruhestand und außer Dienst, kontrovers zu Themen, die den Neu-Theologen und Feuilletonisten Europas und Nordamerikas heilige Kühe sind. Und moduliert, für einen „Mozart der Theologie“ eigentlich schon viel zu alt, vorsichtig und behutsam die Begriffe und Schlüsse der modernen Theologie, um sie nahezu unbemerkt in die Richtung der katholischen Theologie aller Zeiten zu schubsen.

Es scheint, als ob Papa emeritus Benedikt XVI. seine journalistischen und theologischen Widersacher in Schrecken versetzt. Gefährlich sei es, unter Ratzingers theologischen Konstruktionen als Theologenkollege hindurchzuschreiten, raunt es aus dem bergischen Off.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ muss ihn mittlerweile entweder für heiligmäßig oder für den Leibhaftigen halten. Sie traut ihm jedenfalls Wunder zu. Denn nach Ansicht ihres Kommentators ist es Benedikt XVI. zu verdanken, dass sein heimgegangener Vorgänger im Petrusamt nun im Grab rotiere (FAZ vom 18.7.2018). Die Ruhe an der Grabstelle in der St.-Sebastian-Kapelle des Petersdomes ergibt jedoch, dass der Kommentator hier metaphorisch zum Ausdruck bringen wollte, dass Johannes Paul II. sicher nicht einverstanden gewesen wäre mit einem Text seines Nachfolgers, der in diesem Sommer in der theologischen Zeitschrift „Communio“ veröffentlicht wurde.

Benedikt XVI. setzt sich in dem Text mit dem Verhältnis von katholischer Kirche und Judentum auseinander. Der Aufsatz nimmt kritisch die katholische Position zum jüdisch-christlichen Verhältnis und deren Begründung auf katholischer Seite auseinander, so wie sich beide in der Zeit nach der Erklärung Nostra Aetate entwickelt haben.

Wie bereits nach der Zulassung der Karfreitagsfürbitte im römischen Ritus ist weniger der Inhalt des Aufsatzes, sondern vielmehr die Person Benedikts XVI. selbst unter Beschuss. Theologen und Journalisten sind auf der Pirsch, um den Papst, der im Paradiesgarten des interreligiösen Dialogs wildern gegangen ist, zur Strecke zu bringen. Es nützt ihm nichts, dass er jetzt und früher schon den Antisemitismus ausdrücklich verdammt und mit dem christlichen Glauben für unvereinbar erklärt hat. Es nützt ihm nichts, dass er nur Nuancen in den theologischen Sätzen, die das katholische Verständnis des Verhältnisses von Kirche und Judentum definieren, anders beurteilt. Diese Nuancen streben zu der von Benedikt XVI. propagierten „Hermeneutik der Kontinuität,“ die in den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils die ununterbrochene Fortsetzung der katholischen Lehrtradition sehen will.

Ob und inwieweit dies überhaupt denkbar ist, ist innerhalb der verschiedenen theologischen Positionen umstritten. Wer diese Kontinuität behauptet, muss die auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil gewachsenen Texte aber auch an die beständige Lehre, dass „außerhalb der Kirche kein Heil“ besteht, anknüpfen können. Denn immerhin hat das Konzil von Florenz 1441 den schon von dem Heiligen Cyprian von Karthago (gest. 258) geprägten Satz zum Dogma erhoben. Das darf also als katholische Tradition gelten. Seither wird dieses Dogma wenigstens so verstanden, dass im Himmel alle katholisch sind, dass also auch Nicht-Katholiken wenigsten im allerletzten Moment Ihres Lebens dem dreifaltigen Gott, den die Kirche verkündet, und vor allem „Christus, dem Retter aller Menschen“ (so wie es die geschmähte Neufassung der Karfreitagsfürbitte formuliert) gegenüberstehen und sich für oder gegen ihn entscheiden.

Alles anders und vor allem besser?

Wer die Aussagen des Zweiten Vatikanische Konzils als Bruch mit der Tradition deutet, der kann freilich die These aufstellen, dass insbesondere mit der durch Papst Paul VI. verkündeten Erklärung Nostra Aetate im Verhältnis der Kirche zu anderen Religionsgemeinschaften mit einem Schlag alles anders und vor allem besser geworden sei. Hinsichtlich des Judentums würdigt diese Erklärung die Gemeinsamkeiten zwischen den Heiligen Schriften beider Religionen und enthält die Aussage, dass man die Juden allgemein nicht als „verworfen“ bezeichnen dürfe.

Papst Johannes Paul II. sprach später von einem „nie gekündigten Bund“ Gottes mit dem Volk Israel. Dieses Wort legt die Messlatte für kirchliche Diskussion zum jüdisch-katholischen Dialog hoch. Darauf hat sich als Stück der neu-theologischen Allgemeinbildung der Satz entwickelt, dass die Kirche nicht, wie früher häufig vertreten, den Sinai-Bund Gottes mit Israel abgelöst habe.

Dass Vertreter des Judentums auf diese Messlatte nicht verzichten wollen und darauf beharren, dass die Kirche über dieses Stöckchen springt, ist nicht verwunderlich. Erwarten nicht auch Katholiken von jedwedem Bischof, dass er von anderen Religionsgemeinschaften Rücksichtnahme fordert und den Glauben gegenüber den Lehren dieser anderen Religionen als wahr behauptet? Die, teils auch lautstarke und polemische, Kritik an dem Text von Seiten des Judentums ist daher als Teilnahme an einem echten Dialog, in dem beiden Seiten ihre Meinung mitteilen, deutlich zu begrüßen. Verwunderlich sind die Reaktionen auf Seiten der Theologen, die Benedikt XVI. nun wieder einmal des Antisemitismus bezichtigen.

Unschärfe der bisherigen Diskussion

Mit seinem Aufsatz zum Verhältnis von Kirche und Judentum bleibt Benedikt XVI. auf dem Boden dieser „Allgemeinbildung,“ wenn er sich hinter die These stellt, dass Israel nicht durch die Kirche als neuen Bund Gottes mit den Menschen ersetzt wurde. Er kritisiert jedoch die Unschärfe der bisherigen Diskussion und des Gebrauch der Begrifflichkeiten. Er merkt an, dass die moderne Theologie eine frühere, „vorkonziliare“ Substitutionstheorie behauptet, die sich als einheitliche Lehre und unter diesem Begriff aber nicht nachweisen lasse.

Der Begriff des „nie gekündigten Bundes“ zwischen Gott und den Juden sei ebenfalls zu undifferenziert für den theologischen Gebrauch und müsse geschärft werden. Der Aufsatz erwähnt auch die Tempelzerstörung und die Diaspora der Juden. Katholische Theologen nehmen nun zum Anlass, hieraus die Fundamente einer christlichen Rechtfertigung des Antisemitismus zu lesen. Blind sei Benedikt XVI. gegenüber der „Ideologiegeschichte“ seiner Kirche, so Gregor Maria Hoff. Als sei die Kirche ein Weltanschaulicher Verein, der an einer Ideologie bastele. Diese Argumentation wird weder der Person des angegriffenen noch dem Wesen der Theologie gerecht.

Sicher ist die Standortbestimmung für die katholische Kirche in ihrem Verhältnis zum Judentum in der öffentlichen Debatte nicht einfach, da Grob-Historiker und anti-kirchlich eingestellte Meinungsmacher mit wohlfeiler Vereinfachung sämtliches Unrecht, dass Juden in christlichen Gesellschaften durch christliche Laien und durch weltliche Autoritäten widerfahren ist der Kirche anlasten, bis hin zum Judenhass der Nationalsozialisten.

Die Sorge einiger Theologen, dass negative Aussagen des kirchlichen Lehramts über das Judentum an sich dem Hass auf einzelne Menschen oder Menschengruppen Vorschub leisten könnten, ist einerseits anhand der historischen Tatsachen verständlich. Andererseits ist nicht auf den ersten Blick nachvollziehbar, warum katholische Theologen nicht deutlich die kirchliche Verdammung der Gewalt gegen Juden unterstreichen und stattdessen katholische Aussagen zur Abgrenzung von Glaubensinhalten in beiden Religionen in einen Topf schmeißen mit rassistischem Gedankengut und Menschenhass. Es ist unverständlich, weshalb Geschichtsforschung und Überlegungen zur Heilsgeschichte miteinander vermengt werden. Der Vorwurf an Text Benedikts XVI., genau dies getan zu haben, als er die Einschränkungen des „nie gekündigten Bundes“ in Zusammenhang mit Diaspora und Tempel erwähnt, fällt also auf seine Kritiker zurück.

Dem Verständnis, warum die theologische Ebene für die Kritik an Benedikt XVI. nicht ausreicht, mag der Gedanke nachhelfen, dass es hier nur vordergründig um ein konkretes, heikles theologisches Detail geht und dass im Hintergrund vielmehr der Relativismus und katholische Theologie im Ganzen miteinander ringen.

Man muss noch nicht einmal zur Frage, wie die Kirche zum Judentum steht und wie Katholiken sich gegenüber Juden verhalten sollen (Stichwort: „Judenmission“) gelangen, um Zeuge dieses Ringkampfes zu sein. Schon bei der Frage, für wie verbindlich die Kirche den katholischen Glauben hält („extra ecclesia salus non est„) würde Benedikt der XVI. nach in den Augen seiner Kritiker seine Amtsvorgänger seit Paul VI. im Grab rotieren lassen. Da sei es schon verwerflich, als Christ und Katholik Gottes Bund mit Israel mit Fokus auf Christus zu deuten. Theologische Giganten wie Michael Böhnke sitzen zu Gericht und stempeln Ratzinger zum theologischen Zwerg, weil seine Dogmatik nicht „im Dienst der Versöhnung“ steht.

Dass der katholische Glaube die Versöhnung des Menschen mit Gott verkündet, und dass die Kirche diese Versöhnung zuerst anstreben muss, bevor man über Dialog und Versöhnung mit anderen Religionsgemeinschaften nachdenkt, ist bei diesem Urteilsspruch unerheblich. Erheblich und Maßstab sollen „der Geist des Konzils“ und „der christlich-jüdische Dialog“ sein. Eine Anknüpfung an die katholische Lehrtradition und überhaupt nur die Suche nach ihr darf es daher nicht geben. „Teuflisch“ sei Ratzingers wirken daher, urteilt der selbsternannte Richter Böhnke.

Solche Pamphlete entziehen sich einer sachlichen Kritik. Interessant wird stattdessen sein, ob die wissenschaftlich fundierte und sachlich vorgetragene Kritik, die auf Schwachstellen in der Argumentation Benedikts XVI. hinweist und gleichzeitig die progressive Auslegung der Erklärung Nostra Aetatevorantreiben will (z.B. Pater Christian Rutishauser SJ), tonangebend bleibt oder ob sich weitere Stimmen unter den Theologen mit Benedikt auf die Suche nach der Harmonie der Tradition begeben. Das gäbe der Verständigung zwischen katholischer Kirche und Judentum die Chance, zu einem spannenden Dialog zu werden, in dem sich tatsächlich beide Seiten etwas zu sagen haben. Es wäre auch die Chance, innerhalb der Theologie einen echten Dialog über Bruch und Kontinuität anzustellen.

René Udwari ist Rechtsanwalt. Er ist in Frankfurt am Main und Köln tätig.

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