Kardinal Müller wirbt für Dialog mit konservativen Kardinälen

Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat neuerlich für einen Dialog mit konservativen Kirchenvertretern in der Frage der wiederverheirateten Geschiedenen geworben. Im Gespräch mit der italienischen Zeitung „il Foglio“ regte Müller ein Treffen mit den Kardinälen Raymond Leo Burke, Walter Brandmüller und Carlo Caffarra an, bei dem offen über die strittigen Themen gesprochen werden solle. Er habe „bis heute nur Schmähungen und Beleidigungen gegen diese Kardinäle gehört“, sagte Müller. Dies sei „weder die Art noch der Ton, um weiterzukommen“. Die drei Genannten sowie der inzwischen verstorbene Kölner Kardinal Joachim Meisner hatten von Papst Franziskus Klarstellungen zu einem möglichen Sakramentenempfang für wiederverheiratete Geschiedene verlangt und Kritik am Papstschreiben „Amoris laetitita“ (2016) geübt.

Müller, bis Anfang Juli Präfekt der Glaubenskongregation, wies eine Kategorisierung in Freund oder Feind des Papstes zurück. „Für einen Kardinal ist es absolut unmöglich, gegen den Papst zu sein“, sagte er. Nichtsdestoweniger hätten Bischöfe „das – ich würde sagen – göttliche Recht, frei zu diskutieren“.

Mit Blick auf die Nichtverlängerung seiner fünfjährigen Amtszeit an der Spitze der Glaubenskongregation sagte Müller, er sei „immer gelassen“ gewesen. Seine Aufgaben habe er über das nötige Maß hinaus erfüllt. Vor allem habe er sich stets loyal gegenüber dem Papst verhalten, „wie es unser Glaube verlangt“. Neben Papsttreue habe er auch theologische Kompetenz eingebracht; darum sei seine Loyalität „nie bloße Lobhudelei“ gewesen.

Papst Franziskus hatte dem 69 Jahre alten deutschen Kardinal kurzfristig bekannt gegeben, dass er seinen Dienstvertrag nicht verlängern werde. Müller will eigenen Angaben zufolge in Rom bleiben und sich der Theologie und der Seelsorge widmen.

(kna 21.07.2017 gs)

Vatikan: „Keine öffentliche brüderliche Zurechtweisung“

ap3393153_articolo

Amoris Laetitia – immer noch in der Debatte

Der deutsche Kurienkardinal Walter Brandmüller kann sich keine „brüderliche Korrektur“ von Kardinälen dem Papst gegenüber in der Öffentlichkeit vorstellen. Das sagte er jetzt dem Internetportal „Vatican Insider“. Es gebe auch kein Ultimatum gegenüber Franziskus. Brandmüller ist einer der Unterzeichner eines Briefs von vier Kardinälen an den Papst. Darin werden „dubia“, Zweifel, zu mehreren Punkten im Papstschreiben Amoris Laetitia aufgeworfen. Es geht u.a. um die Frage, ob nun wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen zu den Sakramenten gehen dürfen oder nicht.

Der deutsche Kardinal, ein früherer Präsident der vatikanischen Historikerkommission, äußerte sich zu einem Interview, das US-Kardinal Raymond Leo Burke – ebenfalls ein Unterzeichner des „dubia“-Briefs – kürzlich gegeben hat. Burke habe „nicht gesagt, dass eine eventuelle brüderliche Korrektur, wie sie etwa im Galaterbrief (2,11-14) angesprochen wird, öffentlich zu erfolgen hat“, so Brandmüller. Der US-Kardinal habe auch „kein Ultimatum ausgesprochen, sondern lediglich gesagt, man solle jetzt erstmal an Weihnachten denken und danach dann diese Frage angehen“.

Eine eventuelle „brüderliche Korrektur“ des Papstes durch Kardinäle solle nicht öffentlich, sondern „in camera caritatis“ erfolgen, gibt Brandmüller Burkes Absicht wieder. Burke handle mit diesem Vorschlag „vollkommen autonom“; es könne allerdings sein, dass andere Kardinäle ähnlich dächten. Wörtlich sagte Brandmüller: „Wir Kardinäle warten auf eine Antwort auf die Zweifel. Ein Ausbleiben der Antwort könnte in weiten Teilen der Kirche als Weigerung gedeutet werden, sich klar und deutlich zur überlieferten Lehre zu bekennen.“

Zur Tatsache, dass das Schreiben der vier Kardinäle an den Papst veröffentlicht worden ist, erläuterte der Kardinal: „Die „dubia“ sollen die Debatte in der Kirche fördern, und das geschieht ja auch.“

(vatican insider 27.12.2016 sk)

_______

Quelle

Vier Kardinäle bitten Papst um Klärung zu Wiederverheirateten

ap3393165_articolo

Amoris Laetitia

Vier Kardinäle haben offenbar an Papst Franziskus appelliert, mehr Klarheit über den kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen zu schaffen. Nach dem päpstlichen Schreiben „Amoris laetitia“ gebe es „eine ernste Verunsicherung vieler Gläubiger und eine große Verwirrung“, heißt es in einem Brief, den mehrere Online-Medien am Montag im Wortlaut veröffentlichten.

Auch unter Theologen und Bischöfen gebe es einander widersprechende Interpretationen. Die Unterzeichner bitten den Papst, „die Ungewissheiten zu beseitigen und Klarheit zu schaffen“. Sie selbst lassen Zweifel daran erkennen, dass eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen nun möglich sei.

Die angeblich vier Unterzeichner sind der frühere Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, der emeritierte deutsche Kurienkardinal Walter Brandmüller, der frühere Erzbischof von Bologna, Carlo Caffarra, und US-Kardinal Raymond Leo Burke, der geistliche Patron des Malteserordens. Das im April veröffentlichte päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“ bildete den Abschluss der beiden Bischofssynoden über Ehe und Familie.

Die Unterzeichner betonen, dass sie keine „Gegner des Heiligen Vaters“ seien. Ihre Anfrage entspringe vielmehr „der tiefen kollegialen Verbundenheit mit dem Papst und aus der leidenschaftlichen Sorge für das Wohl der Gläubigen“. Sie legen dem Papst insgesamt fünf Punkte mit Bitte um Klärung vor. Hierbei geht es neben dem Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene auch um grundsätzliche Fragen, etwa ob die von Johannes Paul II. (1978-2005) verkündete Lehre von ausnahmslos gültigen absoluten moralischen Normen weiter Bestand hat.

(kna 14.11.2016 sk)

Siehe auch:

PAPST FRANZISKUS: „AM KONZIL VON TRIENT FESTHALTEN“

Pio9vat1

BRIEF DES HEILIGEN VATERS MIT EINER SPEZIELLEN EINLADUNG
ZUR FEIER DES 450-JÄHRIGEN JUBILÄUMS DES ABSCHLUSSES
DES ÖKUMENISCHEN KONZILS VON TRIENT.
(TRIENT 1. DEZEMBER 2013), 23.11.2013

an unseren ehrwürdigen Bruder Walter Kardinal Brandmüller

Diakon von St. Giuliano dei Fiamminghi

 

„Da der 450. Jahrestag des Abschlusses des Konzils von Trient herannaht, ziemt es der Kirche, sich mit bereitwilligem und aufmerksamem Eifer der fruchtbaren Lehre zu erinnern, die aus jenem in der Region Tirol durchgeführten Konzil hervorging. In der Tat hat die Kirche seit jeher aus gutem Grund daran festgehalten, die Dekrete und Ratschlüsse jenes Konzils einzuhalten und zu beachten, da doch die Konzilsväter sich mit größter Sorgfalt jenen äußerst ernsten Gegenständen und Fragen gewidmet hatten, die damals aufgekommen waren, damit der katholische Glaube deutlicher und besser verständlich werde. Vom Heiligen Geist sicher angeleitet und geführt war es ihr großes Anliegen, das Depositum der heiligen christliche Lehre nicht nur zu bewahren, sondern der Menschheit verständlicher zu machen, damit das heilbringende Werk des Herrn über den ganze Erdkreis verbreitet und das Evangelium auf der ganzen Welt verkündet werde.

Im Hören auf eben diesen Heiligen Geist bedenkt die Heilige Kirche unserer Zeit erneut die überaus reiche Lehre  von  Trient und eignet sie sich an. Denn jene „Hermeneutik der Erneuerung“, die unser Vorgänger Benedikt XVI. 2005 vor der Römischen Kurie darlegte, bezieht sich nicht weniger auf das Tridentinische als auf das Vatikanische Konzil. Diese Erklärungsweise wirft tatsächlich ein helles Licht auf jene vornehme Eigenschaft der Kirche, die der Herr selbst ihr zugeteilt hat: „Die Kirche ist ein Subjekt, das mit der Zeit wächst und sich weiterentwickelt, dabei aber immer sie selbst bleibt, das Gottesvolk als das eine Subjekt auf seinem Weg.“ (Aus der Weihnachtsansprache an die Römische Kurie 2005)

Daher sind wir froh und glücklich, daß dieses Ereignis, das so großartig aus der Geschichte der Kirche hervorleuchtet, in der Stadt Trient mit besonderer Feierlichkeit begangen wird. In diesem Zusammenhang hat unser verehrungswürdiger Bruder Aloisius Bressan, Erzbischof und Metropolit von Trient, gebeten, daß wir einen hervorragenden Prälaten damit beauftragen, am kommenden 3. Dezember Worte der Aufmunterung an alle zu richten, die dieser freudigen Gedenkveranstaltung beiwohnen. Da wir dieses Ersuchen als berechtigt ansehen und ihm stattgeben wollen, wenden wir uns an Dich, ehrwürdiger Bruder, der Du die Beschlüsse dieses Konzils wissenschaftlich erforscht und klug verbreitet hast. Und so ernennen wir Dich mit diesem Schreiben zu unserem Außerordentlichen Gesandten für die Feierlichkeiten zur 450 Wiederkehr des Tages, an dem die Konzilsväter das Konzil von Trient abschlossen. Du wirst alle, die an diesem Ereignis teilnehmen, dazu aufrufen, in einem Geiste mit dem Geist des heiligsten Erlösers vereinigt, sich all der Früchte, die aus diesem Konzil hervorgehen, in vollem Umfang zu vergewissern und sie anderen mitzuteilen und soweit es ihnen irgend möglich ist zu verbreiten. Du sollst den Erzbischof und Metropoliten von Trient und alle anwesenden frommen Bischöfe, Priester, Ordensmänner und -frauen und christgläubigen Laien in unserem Namen grüßen und ihnen unser Wohlwollen aussprechen.

In inständigem Gebet wollen wir schließlich den Allmächtigen Gott anrufen, daß Du die Dir anvertraute Aufgabe  erfolgreich ausführst, damit alle Teilnehmer dieses Jubiläums der reichen Gnaden des Herrn teilhaftig werden. Unser Apostolischer Segen sei Mittler und Bote der himmlischen gaben, die wir Dir, verehrungswürdiger Bruder, gerne im Herrn gewähren und die allen dort Versammelten zukommen sollen.

Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 19. November 2013, im ersten Jahr unseres Pontifikats.*

 

FRANZISKUS

 

*Übersetzung: Franziskus: An Trient festhalten

Siehe auch: