Weihbischof Athanasius Schneider: Das wahre Gesicht der Freimaurerei

 

Vortrag für die TV-Reihe THEMA der Päpstlichen Stiftung
KIRCHE IN NOT

In diesem Jahr feiert die Freimaurerei dreihundert Jahre ihres offiziellen Bestehens. Nach der offiziellen Version entstand diese Organisation am 24. Juni 1717 in London. Das war das Ergebnis der Vereinigung von vier „Logen“ oder Geheimgesellschaften, aus denen dann die Großloge von London entstand. Ein protestantischer Geistlicher namens James Anderson schrieb die ersten Freimaurersatzungen.

Was ist nun eigentlich die Freimaurerei? Schon zwanzig Jahre nach deren offizieller Gründung hat die Kirche diese religionsähnliche Vereinigung verurteilt und zwar mit der höchsten kirchlichen Strafe der Exkommunikation. Und warum? Weil die Freimaurerei eine naturalistische Religion ist, ein Gemisch von Pantheismus und Gnosis mit Selbsterlösung. Diese Religion ist nur scheinbar tolerant. In der Tat ist sie jedoch äußerst anspruchsvoll und intolerant. Die Freimaurer betrachten sich als „Eingeweihte“, als „Vollkommene“ und „Erleuchtete“, den Rest der Menschen hingegen als „profan“, „unvollkommen“ und „verfinstert“. Die Freimaurerreligion bezweckt die Unabhängigkeit vom wahren Gott, so dass der Mensch selber an die Stelle Gottes tritt und entscheidet, was gut und böse ist. In den Anfangsgraden wird eine unbestimmte, nebelhafte Gottheit, der sogenannte „Große Baumeister der Welt“ verehrt, welcher in den höheren und dann in den höchsten Graden immer konkreter wird, dort wird er nämlich als Luzifer, als Satan, als der Gute, als der Widersacher Gottes identifiziert und der wahre Gott wird dann als der Böse aufgefasst.

Die Kirche erkannte, dass es sich bei der Freimaurerei um eine wahre und immer mächtiger werdende Geheimgesellschaft mit pseudoreligiösem Inhalt handelt, die sich rasch in zahlreichen Zweitorganisationen und oft unter verschiedenen Bezeichnungen verbreitete und in die Machtpositionen der Gesellschaft, vor allem in Politik und in das Finanzwesen, eindrang. Es war Papst Pius VIII., der im Jahre 1829 eine der prägnantesten und zutreffendsten Definitionen der Freimaurerei gab: Es handelt sich um eine satanische Sekte, welche den Dämon als ihren Gott hat (cf. Traditi humilitati nostrae).

Das Wesen der Freimaurerreligion besteht in der Perversion, in der Umdrehung der von Gott gegebenen Schöpfungsordnung. In der Übertretung der Gesetze Gottes sehen die Hochgradfreimaurer den wahren Fortschritt der Menschheit, den geistigen Bau des Tempels der Menschheit. Anstelle der Offenbarung Gottes tritt das Freimaurergeheimnis und der Mensch macht sich letztlich selbst zum Gott (vgl. X. Dor, Le Crime contre Dieu, Chiré-en-Montreuil, 2016, 162).

In der Tat ist die Freimaurerei die perfekte Anti-Kirche, wo alle theologischen und sittlichen Grundlagen des katholischen, von Gott geoffenbarten Glaubens und Seiner der Kirche ins Gegenteil verkehrt sind. Einmal sagte ein Mitglied der Freimaurerei in einem vertrauten Gespräch zu seiner Schwester: „Weißt du, was wir Freimaurer eigentlich sind? Wir sind die Gegen-Kirche“. Historiker erkannten in der Freimaurerei schon den Keim des politischen Totalitarismus (z.B. A. Cobban, Historia de las Civilizaciones, zitiert in: A. Bárcena, Iglesia y Masonería, Madrid 2016, 71). Das Verwirrende und Täuschende dabei ist, das sich die Freimaurerei mit attraktiven Begriffen wie „Philanthropie“, „Humanismus“, „Intellektualität“ und „Toleranz“ lobt und gleichzeitig auch tarnt. Mit der Ablehnung der übernatürlichen göttlichen Offenbarung lehnt die Freimaurerei auch das Naturgesetz ab. Das ist aber genau der Punkt, der zu allen totalitaristischen Systemen führt. Schon der Genfer Freimaurer und Philosoph Jean-Jacque Rousseau bekannte:

„Das Leben des Menschen ist nicht nur eine Gabe der Natur, sondern ein bedingtes Geschenk des Staates“ (Der Gesellschaftsvertrag, II, 5).

Der politische und gesellschaftliche Anarchismus ist ein Phänomen, das am meisten den Geist der Freimaurerei verkörpert, da ja einer ihrer zentralen Leitsätze lautet: „Ordo ab chao“. Das bedeutet, dass man muss zuerst ein Chaos schaffen muss, um dann eine neue, d.h. eine andere Ordnung zu bilden. Im Ritual der Freimaurerei des sogenannten „Alten und Angenommenen Schottischen Ritus“ aus dem Jahre 1892 erhält der Anwärter des vorletzten 32. Grades folgende Belehrung:

„Der erste Kanonendonner erfolgte, als Luther sich die Rebellion des Verstandes in den Kopf setzte; der zweite Kanonendonner war, als in Amerika verkündet wurde, dass jede menschliche Regierung seine Autorität vom Volk erhält und nur vom Volk; der dritte Kanonendonner war, als in Frankreich die Menschenrechte in der Formulierung Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit verkündet wurden“ (M. Tirado Rojas, La Masoneria en Espana, 1892, I, 163). Der Anwärter des 33. Grades erhält dann diese Belehrung: „Weder das Gesetz, noch das Eigentum, noch die Religion dürfen über den Menschen bestimmen; und da sie den Menschen vernichten, indem sie ihm seiner wertvollsten Rechte berauben, so sind das Gesetz, das Eigentum und die Religion Mörder, an denen wir geschworen haben, fürchterlichste Rache zu nehmen; sie sind Feinde, gegen die wir einen unerbittlichen Krieg um jeden Preis geschworen haben. Von diesen drei verrufenen Feinden muss die Religion der ständige Gegenstand unserer tödlichen Angriffe sein. Wenn wir die Religion zerstört haben, werden wir das Gesetz und das Eigentum zu unserer Verfügung haben und können die Gesellschaft regenerieren, indem wir über den Leichen jener Mörder, die freimaurerische Religion, das freimaurerische Gesetz und Eigentum errichten“ (ebd. 169-170). Unter „Religion“ ist in diesem Sprachgebrauch des Freimaurerritus letztlich die christliche und näherhin die katholische Religion gemeint.

Es ist bekannt, dass die europäische Freimaurerei und insbesondere Kerensky, der Großmeister des Großen Orients von Russland, die kommunistische Oktoberrevolution von 1917, im zweihundertsten Jahr der Gründung der Freimaurerei, logistisch und politisch entscheidend unterstützten. Lenin und die neuen kommunistischen Machthaber duldeten nach ihrem Sieg keine Konkurrenz, deswegen verboten sie in der Sowjetunion die traditionelle Freimaurerei. Beim dritten Kongress der Kommunistischen Internationale im Jahre 1921 erhielt die traditionelle Freimaurerei folgende bezeichnende Beurteilung: „Die Freimaurerei erinnert uns durch ihre Riten an religiöse Gebräuche. Wir wissen aber, dass jede Religion das Volk unterdrückt. Die Freimaurerei stellt eine gesellschaftliche Kraft dar und wegen dem Geheimhaltungscharakter ihrer Sitzungen und der absoluten Verschwiegenheit ihrer Mitglieder, stellt sie eine Art Staat im Staat dar“.

Die Freimaurerei unterstützte z. B. auch die sogenannten sexuelle Revolution von 1968. Die beiden Großmeister der größten Freimaurerverbände in Frankreich Frederic Zeller und Pierre Simon waren mit einigen ihrer Logenmitglieder aktiv an den Studentenrevolten in Paris im Mai 1968 beteiligt. Der erwähnte Großmeister Pierre Simon war dann Assessor der Ministerin Simone Weil, die in Frankreich die Abtreibung legalisiert hatte. Im Jahre 2012 publizierte die Pariser Zeitung „Figaro“ ein ausführliches Dossier über die Freimaurerei und ließ hohe Amtsträger der verschiedenen Freimaurerlogen zu Wort kommen. Einer dieser Amtsträger sagte offen, dass die Gesetze über die Freigabe der Abtreibung, die sogenannten gleichgeschlechtlichen Ehe oder „Ehe für alle“ und die Euthanasie in den ideellen Werkstätten der Freimaurerlogen vorbereitet werden und dann durch deren Mitglieder in Parlament und Regierung und deren Lobbyarbeit effektiv durchgesetzt werden.

Die Analyse, die Papst Leo XIII. im Jahre 1894 über das Wesen, die Grundsätze und die Tätigkeit der Freimaurer gab, ist in ihrer Genauigkeit kaum zu übertreffen und behält ihre volle Aktualität:

„Die Freimaurerei ist eine Gesellschaft, deren unheimlicher Druck schon lange namentlich auf den katholischen Nationen lastet. Unter der Gunst verworrener Zeitverhältnisse emporgekommen, maßlos stolz im Hinblick auf ihre Stärke, ihre Machtmittel und Erfolge, zielen die Freimaurer mit aller Anstrengung dahin, ihre Herrschaft immer mehr zu befestigen und weiter auszubauen. Wo immer sie ihren Fuß hinsetzt, da drängt sie sich in alle Volksschichten und in alle Einrichtungen des Staates ein, um schließlich überall den Ton anzugeben und alles ihrem Gutdünken zu unterwerfen. Angeblich um die allgemeinen Menschenrechte zu verteidigen und die bürgerliche Gesellschaft geistig zu erneuern, kämpft sie unerbittlich gegen das Christentum an, verwirft die von Gott geoffenbarte Wahrheit und verspottet die Übungen der Frömmigkeit, die göttlichen Sakramente und anderes, was uns heilig ist, als Aberglauben. Sie strebt danach, die Ehe, die Familie, die Jugenderziehung und den öffentlichen wie privaten Unterricht alles christlichen Geistes zu berauben und den Völkern alle Ehrfurcht vor göttlicher und menschlicher Autorität aus der Seele zu reißen. Sie schreibt ferner für den Menschen die Verehrung der Natur vor, und nur ihre Grundsätze seien Regel und Richtschnur für Wahrheit, Sittlichkeit und Gerechtigkeit. Auf diese Weise muss der Mensch augenscheinlich wieder in den Sitten und Lebensgewohnheiten der heidnischen Völker zurückfallen. Das moderne Heidentum wird sogar noch lasterhafter sein, da jetzt die Reizmittel für die Sinne viel zahlreicher sind als im Altertum.“ (Exhortatio Apostolica Praeclara gratulationis).

Eine der raffiniertesten, eben satanischen Weisen des Kampfes der Freimaurerei gegen ihren Erzfeind, die katholische Kirche, besteht in der Infiltrierung in die Kirche. Der folgende, von vielen Historikern als echt betrachteter und von Bischof Rudolf Graber zitierte Auszug aus den Anweisungen der Alta Vendita, einer Art Regierungszentrum der europäischen Freimaurerei im 19. Jahrhundert, beleuchtet das: „Der Papst, wer er auch immer sei, wird nie zu unseren Geheimbünden kommen; darum müssen die geheimen Verbindungen den ersten Schritt zum Papste und zur Kirche tun, mit der Absicht, beide in Fesseln zu schlagen. Das Werk, an welches wir herangehen, ist nicht die Arbeit eines Tages, eines Monats oder Jahres. Es kann viele Jahre, vielleicht ein Jahrhundert dauern. Wir beabsichtigen ja nicht, den Papst für unsere Sache zu gewinnen. Das wäre ein lächerlicher Traum. Und selbst wenn möglicherweise ein Kardinal oder Bischöfe aus vollem Herzen oder aus List der Eingeweihte unserer Geheimnisse und unser Mitglied würde, so dürften wir doch darum noch nicht seine Erhebung auf den Stuhl Petri wünschen. Ja diese seine Erhebung wäre auch unser Ruin. Denn wie er aus bloßem Ehrgeiz zur Apostasie gekommen wäre, ebenso müsste ihn das Bedürfnis der Macht dazu bestimmen, uns zu opfern. Was wir suchen, und worauf wir harren müssen, das ist ein Papst nach unseren Bedürfnissen. Damit werden wir weit sicherer zum Angriff auf die Kirche schreiten. Um den hohen Felsen, auf dem Gott Seine Kirche gebaut hat, zu zerschmettern, brauchen wir nicht länger Waffen. Wir haben den kleinen Finger des Nachfolgers Petri in die Unternehmung verwickelt. Um also einen Papst nach unserem Herzen zu machen, handelt es sich vor allem darum, diesem künftigen Papst eine Generation von Priestern zu erziehen, welche des von uns gewünschten Regimentes würdig ist. Gehet geradewegs auf die Jugend und wo möglich sogar auf die Kinder los. Habt ihr einmal das Vertrauen der Professoren und Studenten gewonnen, so sorgt dafür, dass besonders die Kandidaten des geistlichen Standes euren Umgang aufsuchen. In etlichen Jahren wird dieser junge Klerus durch die Macht der Umstände Ämter bekleiden. Er wird regieren, verwalten, richten, den Rat des Papstes bilden, und berufen sein, den künftigen Papst zu wählen. Und dieser Papst wird, wie die meisten seiner Zeitgenossen, notwendigerweise mehr oder weniger mit den revolutionären und humanitären Prinzipien, die wir im Begriff sind, in Umlauf zu bringen, erfüllt sein. Spannet eure Netze aus im Inneren der Sakristeien, der Seminare und Klöster. Ihr werdet sogar zu den Füssen des Apostolischen Stuhles Freunde fischen. So habt ihr dann im Netze eine Revolution in Tiara und Chormantel, eine Revolution, die nur kleiner Hilfe bedarf, um das Feuer in allen vier Weltgegenden anzustecken“. (Bischof Dr. Rudolf Graber, Athanasius und die Kirche unserer Zeit, a.a.O.). Dass diese Aussagen nicht erfunden sind, erkannt man aus dem folgenden Zitat eines führenden italienischen Modernisten, der im Jahre 1905 in seinem Buch schrieb: “Wir wollen unsere ganze Aktion zielgerichtet ordnen. Eine katholische Freimaurerei? Jawohl, eine Freimaurerei der Katakomben. […]. Man muss darauf hinarbeiten, den römischen Katholizismus im progressistischen, theosophischen Sinn zu reformieren durch einen Papst, der sich von diesen Ideen überzeugen lässt” (A. FOGAZZARO, Il Santo, Milano, 1905, p. 44 e 22).

Die Tatsachen zeigen zur Genüge, dass die Freimaurerei der größte denkbare Gegensatz zur katholischen Religion ist. Deswegen hat die Kirche im Jahre 1983 folgende, immer noch gültige, Erklärung gegeben: „Das negative Urteil der Kirche über die freimaurerischen Vereinigungen bleibt also unverändert, weil ihre Prinzipien immer als unvereinbar mit der Lehre der Kirche betrachtet wurden und deshalb der Beitritt zu ihnen verboten bleibt. Die Gläubigen, die freimaurerischen Vereinigungen angehören, befinden sich also im Stand der schweren Sünde und können nicht die heilige Kommunion empfangen“ (Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung vom 26. November 1983).

Am 11. April 2001 sprach im italienischen Fernsehkanal Rai2 Giuliano Di Bernardo, Großmeister der Freimaurerloge GLRI (Gran Loggia Regolare d’Italia) in den Jahren 1990-1993, folgende bezeichnende Worte über den Religionscharakter der Freimaurerei: „Man wird Freimaurer durch eine Initiation (Einweihung). Die Initiation ist ein konstitutiver Akt, durch den dem Menschen eine Dimension verliehen wird, die er vorher nicht hatte. Eine Analogie finden wir in der Taufe. Man wird nicht als Christ geboren, man wird Christ durch die Taufe. Und so wird man auch Freimaurer mit der Initiation. Das bedeutet, dass man Freimaurer für das ganze Leben bleibt. Auch wenn einer dann die Freimaurerei ablehnt, bleibt er Freimaurer. Auch wenn man schläft, auch wenn man ein Feind der Freimaurerei wird, man bleibt immer Freimaurer, weil man die Initiation erhalten hat, und die Initiation ist ein heiliger Akt“.

Die Herrschaft der Freimaurerreligion in Politik und Gesellschaft erreichte in unserer Tagen einen Höhepunkt, indem sie in der ganzen Gesellschaft eine Ideologie der Lebensvernichtung durch Abtreibung und Euthanasie verbreitet und den Begriff und die Wirklichkeit der Familie durch die staatlich angeordnete Gehirnwäsche der Genderideologie zerstört. Jeder noch selbständig denkende Mensch und erst Recht jeder Christ muss soweit möglich Widerstand leisten und den gesunden Menschenverstand und das Gesetz Gottes selbst unter Inkaufnahme von Nachteilen verteidigen. Als Christen sollen wir aber wissen, dass Christus Sieger über alles Böse in dieser Welt ist, dass Gott, und nicht die Freimaurerei, der Herr der Geschichte ist. Wir gehören zur Mannschaft der Sieger, selbst wenn uns die Feinde Christi als Besiegte betrachten. Unser katholischer Glaube ist stärker als alle verdrehten Fantasiegebilde und Intrigen der Freimaurerreligion. Wir fürchten uns nur vor Gott.

Gleichzeitig sollen wir aber die Mitglieder der Freimaurerei, weil sie Opfer einer gewaltigen Verblendung geworden sind, von Herzen bemitleiden. Ein Freimaurer ist letztlich der unfreieste Mensch, dessen ewiges Seelenheil am meisten gefährdet ist. Möge in der Kirche eine Bewegung entstehen, um die Seelen unserer freimaurerischen Mitmenschen zu retten, vor allem durch das Gebet des Rosenkranzes und die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens. Ihr Unbeflecktes Herz wird triumphieren, wie Sie es in Fatima gesagt hat. Es wird triumphieren auch über die Freimaurerei und den Kommunismus und durch Maria wird Gott der Menschheit und der Kirche eine Zeit des Friedens schenken.

 

+Athanasius Schneider (2017)

Fatima und Russland: Eine geheimnisvolle und prophetische Beziehung von Bischof Athanasius Schneider aus Kasachstan

Schweizer Fatima-Bote Nr. 76 2/2018

In Nr. 74 haben wir auf den Seiten 4-7 unter dem Titel „Es ist etwas Wunderbares um unseren katholischen Glauben“ auf die Zusammenhänge mit der Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens vom 25. März 1984 berichtet. Bischof Athanasius Schneider hat den Lesern des Schweizer Fatima-Boten zur Situation im heutigen Russ­land Folgendes geschrieben:

„Die Sowjetunion war der atheistische Staat par excellence, aber auch der Staat, der alle Kirchen verfolgte und in der Öffentlichkeit keine christliche Zeichen duldete. Heute nehmen wir eine Lebendigkeit des göttlichen Glau­bens wahr. Es gibt viele Zeichen, die uns die geistige Wie­dergeburt des russischen Volkes und ihrer Institutionen aufzeigen. Die vorhandenen Daten sagen aus, dass in den 25 Jahren seit dem Zusammenbruch des Kommunismus in Russland 20’000 orthodoxe Kirchen von Grund auf neu gebaut oder restauriert wurden. Es ist in der Geschichte der Kirche noch nie vorgekommen, dass innert einem Vierteljahrhundert in einem einzigen Land so viele Kirche gebaut oder geöffnet worden sind. Die andere bedeutende Zahl betrifft das Wiederaufblühen der Männer— und Frau­enklöster: über 1000 sind entstanden. In den 20’000 Kir­chen ist das Heiligste Sakrament im Tabernakel gegenwär­tig; die Orthodoxen haben eine gültige Messe und sie ver­ehren Maria als die Muttergottes. All dies ist ein beredtes Zeugnis der Gegenwart Gottes, in einem Land, in dem Gott erst vor wenigen Jahren verbannt war.

Ich glaube, dass sich diese Wiedergeburt als eine Etappe des Prozesses der Bekehrung Russlands interpretiert wer­den kann, von der die Muttergottes in Fatima gesprochen hat. Es handelt sich um einen langen Prozess; Gott lässt die Dinge nicht von einem Tag auf den andern geschehen (…). Wir können die Hand Gottes erkennen, der die Kir­che zu einem Prozess der Bekehrung der Welt führt.

Als Papst Johannes Paul II. am 25. März 1984 Russland geweiht hatte, begann ein langer Prozess der Bekehrung des russischen Volkes. Es handelte sich aber um eine im­plizite Weihe, die nach den Angaben von Sr. Luica vom Himmel angenommen wurde. Um jedoch die vollkomme­ne Bekehrung Russlands zu erreichen, muss eine expli­zite Weihe vorgenommen werden – erst dann wird die or­thodoxe Kirche zur vollkommenen Gemeinschaft mit Rom zurückkehren. Das bedeutet dann die wahre Bekehrung Russlands.

Eine Tatsache ist gewiss: Die Muttergottes hat verlangt, dass der Papst die Weihe Russlands zusammen mit allen Bischöfen der Welt explizit vornimmt Kardinal Cordes hat daran erinnert, Papst Johannes Paul IL habe ihm anver­traut, dass es ihm nicht gelungen sei, eine öffentliche Wei­he (Russlands) vorzunehmen – dies wegen des Wider­stands der vatikanischen Diplomatie, die zu jener Zeit von einem solchen Akt abrieten. Heute liegen die Dinge aber ganz anders und dies ist der Grund, dass man nicht mehr länger zuwarten darf.

Vergessen wir nicht, dass der russische Präsident Vladi­mir Putin von seiner Mutter heimlich getauft worden ist, als Stalin noch am Leben war.

In der orthodoxen Kirche wird zusammen mit der Taufe auch die Firmung vollzogen. All das hat dazu beigetra­gen, das Licht des Glaubens, der erstickt war, lebendig zu halten, und jetzt darf er in Freiheit ausgedrückt wer­den. Es findet ein umgekehrter Prozess statt: Während des kalten Krieges waren in den von der Sowjetunion beherrschten Ländern Akte der Verehrung Gottes unter­drückt – heute scheint dies, d.h. die Unterdrückung der Gottesverehrung – von der Nomenklatura der Europäi­schen Union praktiziert zu werden. Sicherlich ist der Einfluss der Freimaurerei in diesen Regierungsapparaten gegenwärtiger denn je. Es gibt einige positive Zeichen seitens einiger Regierungen, wie z.B. in Ungarn und Po­len, die die inhumane und den Menschen degradierende Genderideologie nicht fördern, die sonst im übrigen Eu­ropa herrschend geworden ist. In Russland ist die homo­sexuelle Propaganda verboten; dafür werden Programme der natürlichen Familie in den Schulen und Universitäten propagiert. Ich denke, die Muttergottes hat das russische Volk als Instrument einer zukünftigen Erneuerung der christlichen Gesellschaft auserwählt. Dies ist der Grund, weshalb dieses Volk ausdrücklich dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht werden soll, in der Form, wie es die Muttergottes gewünscht hat. Davon hängt auch der Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens ab. Gott lenkt grossen Segen auf jene Länder, die sich dem Unbe­fleckten Herzen Mariens weihen. Es handelt sich darum, verdienstvolle Akte zu erwerben, die uns unzählige Gna­den bringen werden. Aber dies gilt auch für jeden einzel­nen Menschen: Man wird an einer geistigen Erneuerung teilnehmen; unzählige kleine Lichter werden im Dunkel dieser Epoche entzündet.“

„Fatima“ wird sich mit der Weihe Russlands
und seiner wahren Bekehrung zum echten
katholischen Glauben im entscheidenden
und endgültigen Übergang zum
TRIUMPH DES UNBEFLECKTEN
HERZENS MARIENS
vollenden.

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Quelle: Schweizer Fatima-Bote, Quartalsheft März-Mai 2018, 19. Jahrgang (Nr. 2/76)

Full text of Kazakhstan Catholic Bishops statement on Amoris Laetitia

Abp Tomash Peta, Abp Jan Pawel Lenga, and Bishop Athanasius Schneider

Profession of the immutable truths
about sacramental marriage

After the publication of the Apostolic Exhortation “Amoris laetitia” (2016) various bishops issued at local, regional, and national levels applicable norms regarding the sacramental discipline of those faithful, called “divorced and remarried,” who having still a living spouse to whom they are united with a valid sacramental matrimonial bond, have nevertheless begun a stable cohabitation more uxorio with a person who is not their legitimate spouse.

The aforementioned rules provide inter alia that in individual cases the persons, called “divorced and remarried,” may receive the sacrament of Penance and Holy Communion, while continuing to live habitually and intentionally more uxorio with a person who is not their legitimate spouse. These pastoral norms have received approval from various hierarchical authorities. Some of these norms have received approval even from the supreme authority of the Church.

The spread of these ecclesiastically approved pastoral norms has caused a considerable and ever increasing confusion among the faithful and the clergy, a confusion that touches the central manifestations of the life of the Church, such as sacramental marriage with the family, the domestic church, and the sacrament of the Most Holy Eucharist.

According to the doctrine of the Church, only the sacramental matrimonial bond constitutes a domestic church (see Second Vatican Council, Lumen Gentium, 11). The admission of so-called “divorced and remarried” faithful to Holy Communion, which is the highest expression of the unity of Christ the Spouse with His Church, means in practice a way of approving or legitimizing divorce, and in this meaning a kind of introduction of divorce in the life of the Church.

The mentioned pastoral norms are revealed in practice and in time as a means of spreading the “plague of divorce” (an expression used by the Second Vatican Council, see Gaudium et spes, 47). It is a matter of spreading the “plague of divorce” even in the life of the Church, when the Church, instead, because of her unconditional fidelity to the doctrine of Christ, should be a bulwark and an unmistakable sign of contradiction against the plague of divorce which is every day more rampant in civil society.

Unequivocally and without admitting any exception Our Lord and Redeemer Jesus Christ solemnly reaffirmed God’s will regarding the absolute prohibition of divorce. An approval or legitimation of the violation of the sacredness of the marriage bond, even indirectly through the mentioned new sacramental discipline, seriously contradicts God’s express will and His commandment. This practice therefore represents a substantial alteration of the two thousand-year-old sacramental discipline of the Church. Furthermore, a substantially altered discipline will eventually lead to an alteration in the corresponding doctrine.

The constant Magisterium of the Church, beginning with the teachings of the Apostles and of all the Supreme Pontiffs, has preserved and faithfully transmitted both in the doctrine (in theory) and in the sacramental discipline (in practice) in an unequivocal way, without any shadow of doubt and always in the same sense and in the same meaning (eodem sensu eademque sententia), the crystalline teaching of Christ concerning the indissolubility of marriage.

Because of its Divinely established nature, the discipline of the sacraments must never contradict the revealed word of God and the faith of the Church in the absolute indissolubility of a ratified and consummated marriage. “The sacraments not only presuppose faith, but by words and objects they also nourish, strengthen, and express it; that is why they are called “sacraments of faith.” (Second Vatican Council, Sacrosanctum Concilium, 59). “Even the supreme authority in the Church may not change the liturgy arbitrarily, but only in the obedience of faith and with religious respect for the mystery of the liturgy” (Catechism of the Catholic Church, 1125).

The Catholic faith by its nature excludes a formal contradiction between the faith professed on the one hand and the life and practice of the sacraments on the other. In this sense we can also understand the following affirmation of the Magisterium: “This split between the faith which many profess and their daily lives deserves to be counted among the more serious errors of our age.” (Second Vatican Council, Gaudium et Spes, 43) and “Accordingly, the concrete pedagogy of the Church must always remain linked with her doctrine and never be separated from it” (John Paul II, Apostolic Exhortation Familiaris Consortio, 33).

In view of the vital importance that the doctrine and discipline of marriage and the Eucharist constitute, the Church is obliged to speak with the same voice. The pastoral norms regarding the indissolubility of marriage must not, therefore, be contradicted between one diocese and another, between one country and another. Since the time of the Apostles, the Church has observed this principle as St. Irenaeus of Lyons testifies: “The Church, though spread throughout the world to the ends of the earth, having received the faith from the Apostles and their disciples, preserves this preaching and this faith with care and, as if she inhabits a single house, believes in the same identical way, as if she had only one soul and only one heart, and preaches the truth of the faith, teaches it and transmits it in a unanimous voice, as if she had only one mouth” (Adversus haereses, I, 10, 2). Saint Thomas Aquinas transmits to us the same perennial principle of the life of the Church: “There is one and the same faith of the ancients and the moderns, otherwise there would not be one and the same Church” (Questiones Disputatae de Veritate, q. 14, a. 12c).

The following warning from Pope John Paul II remains current and valid: “The confusion, created in the conscience of many faithful by the differences of opinions and teachings in theology, in preaching, in catechesis, in spiritual direction, about serious and delicate questions of Christian morals, ends up by diminishing the true sense of sin almost to the point of eliminating it” (Apostolic Exhortation Reconciliatio et Paenitenia, 18).

The meaning of the following statements of the Magisterium of the Church is fully applicable to the doctrine and sacramental discipline concerning the indissolubility of a ratified and consummated marriage:

• “For the Church of Christ, watchful guardian that she is, and defender of the dogmas deposited with her, never changes anything, never diminishes anything, never adds anything to them; but with all diligence she treats the ancient doctrines faithfully and wisely, which the faith of the Fathers has transmitted. She strives to investigate and explain them in such a way that the ancient dogmas of heavenly doctrine will be made evident and clear, but will retain their full, integral, and proper nature, and will grow only within their own genus — that is, within the same dogma, in the same sense and the same meaning” (Pius IX, Dogmatic Bull Ineffabilis Deus)

• “With regard to the very substance of truth, the Church has before God and men the sacred duty to announce it, to teach it without any attenuation, as Christ revealed it, and there is no condition of time that can reduce the rigor of this obligation. It binds in conscience every priest who is entrusted with the care of teaching, admonishing, and guiding the faithful” (Pius XII, Discourse to parish priests and Lenten preachers, March 23, 1949).

• “The Church does not historicize, does not relativize to the metamorphoses of profane culture the nature of the Church that is always equal and faithful to itself, as Christ wanted it and authentic tradition perfected it” (Paul VI, Homily from October 28, 1965).

• “Now it is an outstanding manifestation of charity toward souls to omit nothing from the saving doctrine of Christ” (Paul VI, Encyclical Humanae Vitae, 29).

• “Any conjugal difficulties are resolved without ever falsifying and compromising the truth” (John Paul II, Apostolic Exhortation Familiaris Consortio, 33).

• “The Church is in no way the author or the arbiter of this norm [of the Divine moral law]. In obedience to the truth which is Christ, whose image is reflected in the nature and dignity of the human person, the Church interprets the moral norm and proposes it to all people of good will, without concealing its demands of radicalness and perfection” (John Paul II, Apostolic Exhortation Familiaris Consortio, 33).

• “The other principle is that of truth and consistency, whereby the church does not agree to call good evil and evil good. Basing herself on these two complementary principles, the church can only invite her children who find themselves in these painful situations to approach the divine mercy by other ways, not however through the sacraments of penance and the eucharist until such time as they have attained the required dispositions” (John Paul II, Apostolic Exhortation Reconciliatio etPaenitentia, 34).

• “The Church’s firmness in defending the universal and unchanging moral norms is not demeaning at all. Its only purpose is to serve man’s true freedom. Because there can be no freedom apart from or in opposition to the truth” (John Paul II, Encyclical Veritatis Splendor, 96).

• “When it is a matter of the moral norms prohibiting intrinsic evil, there are no privileges or exceptions for anyone. It makes no difference whether one is the master of the world or the ‘poorest of the poor’ on the face of the earth. Before the demands of morality, we are all absolutely equal” (emphasis in original) (John Paul II, Encyclical Veritatis Splendor, 96).

• “The obligation of reiterating this impossibility of admission to the Eucharist is required for genuine pastoral care and for an authentic concern for the well-being of these faithful and of the whole Church, as it indicates the conditions necessary for the fullness of that conversion to which all are always invited by the Lord” (Pontifical Council for Legislative Texts, Declaration on the admissibility to the Holy Communion of the divorced and remarried, 24 June 2000, n. 5).

As Catholic bishops, who — according to the teaching of the Second Vatican Council — must defend the unity of faith and the common discipline of the Church, and take care that the light of the full truth should arise for all men (see Lumen Gentium, 23 ) we are forced in conscience to profess in the face of the current rampant confusion the unchanging truth and the equally immutable sacramental discipline regarding the indissolubility of marriage according to the bi-millennial and unaltered teaching of the Magisterium of the Church. In this spirit we reiterate:

• Sexual relationships between people who are not in the bond to one another of a valid marriage — which occurs in the case of the so-called “divorced and remarried” — are always contrary to God’s will and constitute a grave offense against God.

• No circumstance or finality, not even a possible imputability or diminished guilt, can make such sexual relations a positive moral reality and pleasing to God. The same applies to the other negative precepts of the Ten Commandments of God. Since “there exist acts which, per se and in themselves, independently of circumstances, are always seriously wrong by reason of their object” (John Paul II, Apostolic Exhortation Reconciliatio et Paenitentia, 17).

• The Church does not possess the infallible charism of judging the internal state of grace of a member of the faithful (see Council of Trent, session 24, chapter 1). The non-admission to Holy Communion of the so-called “divorced and remarried” does not therefore mean a judgment on their state of grace before God, but a judgment on the visible, public, and objective character of their situation. Because of the visible nature of the sacraments and of the Church herself, the reception of the sacraments necessarily depends on the corresponding visible and objective situation of the faithful.

• It is not morally licit to engage in sexual relations with a person who is not one’s legitimate spouse supposedly to avoid another sin. Since the Word of God teaches us, it is not lawful “to do evil so that good may come” (Romans 3, 8).

• The admission of such persons to Holy Communion may be permitted only when they with the help of God’s grace and a patient and individual pastoral accompaniment make a sincere intention to cease from now on the habit of such sexual relations and to avoid scandal. It is in this way that true discernment and authentic pastoral accompaniment were always expressed in the Church.

• People who have habitual non-marital sexual relations violate their indissoluble sacramental nuptial bond with their life style in relation to their legitimate spouse. For this reason they are not able to participate “in Spirit and in Truth” (see John 4, 23) at the Eucharistic wedding supper of Christ, also taking into account the words of the rite of Holy Communion: “Blessed are the guests at the wedding supper of the Lamb!” (Revelation 19, 9).

• The fulfillment of God’s will, revealed in His Ten Commandments and in His explicit and absolute prohibition of divorce, constitutes the true spiritual good of the people here on earth and will lead them to the true joy of love in the salvation of eternal life.

Being bishops in the pastoral office, who promote the Catholic and Apostolic faith (“cultores catholicae et apostolicae fidei,” see Missale Romanum, Canon Romanus), we are aware of this grave responsibility and our duty before the faithful who await from us a public and unequivocal profession of the truth and the immutable discipline of the Church regarding the indissolubility of marriage. For this reason we are not allowed to be silent.

We affirm therefore in the spirit of St. John the Baptist, of St. John Fisher, of St. Thomas More, of Blessed Laura Vicuña and of numerous known and unknown confessors and martyrs of the indissolubility of marriage:

It is not licit (non licet) to justify, approve, or legitimize either directly or indirectly divorce and a non-conjugal stable sexual relationship through the sacramental discipline of the admission of so-called “divorced and remarried” to Holy Communion, in this case a discipline alien to the entire Tradition of the Catholic and Apostolic faith.

By making this public profession before our conscience and before God who will judge us, we are sincerely convinced that we have provided a service of charity in truth to the Church of our day and to the Supreme Pontiff, Successor of Saint Peter and Vicar of Christ on earth.

31 December 2017, the Feast of the Holy Family, in the year of the centenary of the apparitions of Our Lady at Fatima.

 

+ Tomash Peta, Archbishop Metropolitan of the Archdiocese of Saint Mary in Astana

+ Jan Pawel Lenga, Archbishop-Bishop of Karaganda

+ Athanasius Schneider, Auxiliary Bishop of the Archdiocese of Saint Mary in Astana

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Quelle

Rückblick: Bischof Athanasius Schneider über die Familiensynode


Das folgende Interview mit Msgr. Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese der Allerheiligsten Jungfrau Maria in Astana, Kasachstan, erschien in der polnischen Zeitschrift „Polonia Christiana“.

1.    Exzellenz, was ist Ihre Meinung zur jüngsten Synode über die Familie? Was ist deren Botschaft für die Familie?

Während der Synode gab es Augenblicke offensichtlicher Manipulation seitens einiger Prälaten, die Schlüsselpositionen in der Redaktion und Leitung der Synode einnahmen. Der Zwischenbericht (Relatio post disceptationem) war eindeutig ein vorgefertigter Text ohne Bezug zu den tatsächlichen Aussagen der Synodenväter. In den Abschnitten über Homosexualität, Sexualität und „wiederverheiratete Geschiedene“ und deren Zulassung zu den Sakramenten vertrat der Text eine radikale, neuheidnische Ideologie.

Das ist das erste Mal in der Kirchengeschichte, dass ein solcher heterodoxer Text als Dokument einer offiziellen Versammlung katholischer Bischöfe unter der Leitung eines Papstes veröffentlicht wurde, unbeschadet der Tatsache dass der Text nur einen vorläufigen Charakter besaß. Dank sei Gott und den Gebeten der Gläubigen auf der ganzen Welt, dass eine konsistente Anzahl von Synodenvätern diese Agenda entschlossen abgelehnt hat, die den korrupten und heidnischen Mainstream unserer Zeit widerspiegelt, der weltweit durch politischen Druck und durch die fast allmächtigen offiziellen Massenmedien durchgesetzt wird, die den Prinzipien der weltweiten Gender-Ideologie-Partei loyal sind.

Eine solches, wenn auch nur vorläufiges Synodendokument ist eine wirkliche Schande und ein Hinweis auf das Ausmaß, in dem der Geist der antichristlichen Welt in so wichtige Ebenen des Lebens der Kirche eingedrungen ist. Dieses Dokument wird für künftige Generationen und für die Historiker ein schwarzer Flecken sein, der die Ehre des Apostolischen Stuhls beschmutzt hat. Glücklicherweise ist die Schlussbotschaft der Synodenväter ein echt katholisches Dokument, das die göttliche Wahrheit über die Familie ausdrückt, ohne über die tieferen Wurzeln der Probleme zu schweigen, das heißt, über die Realität der Sünde. Es gibt wirklich Mut und Trost für katholische Familien.

Einige Zitate: „Wir denken an die vom Leben auferlegten Lasten und Leiden, die durch ein Kind mit besonderen Bedürfnissen entstehen kann, durch schwere Krankheit, durch die Schwierigkeiten des Alters oder durch den Tod eines geliebten Menschen. Wir bewundern die Treue so vieler Familien, die diese Leiden mit Mut, Glauben und Liebe ertragen. Sie sehen sie nicht als eine ihnen auferlegte Last, sondern als etwas, in dem sie sich selber geben und die Leiden Christi in der Schwachheit des Fleisches sehen. […] Die eheliche Liebe, die einzigartig und unauflöslich ist, hält trotz vieler Schwierigkeiten durch. Sie ist eines der schönsten und zugleich am weitesten verbreiteten Wunder. Diese Liebe breitet sich durch Fruchtbarkeit und Zeugung aus. Sie umfasst nicht nur die Zeugung von Kindern, sondern auch die Gabe des göttlichen Lebens in der Taufe, die religiöse Unterweisung und die Ausbildung der Kinder. […] Die Anwesenheit der Familie von Jesus, Maria und Joseph in deren bescheidenem Haus schwebt über euch“.

2.   Wer eine Änderung der kirchlichen Lehre zu moralischen Fragen (z.B. Zulassung „wiederverheirateter Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion oder eine Form der Zulassung homosexueller Lebensgemeinschaften) erwartet hat, wurde wahrscheinlich durch die Schluss-Relatio enttäuscht. Existiert aber nicht die Gefahr, dass eine Infragestellung und Diskussion von Dingen, die für die Lehre der Kirche grundlegend sind, zukünftig die Türen für schwere Missbräuche und für ähnliche Versuche einer Revision der kirchlichen Lehre öffnen können?

Ein göttliches Gebot, in unserem Fall das sechste Gebot, die absolute Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe, ein von Gott bestimmte Regel, bedeutet, dass jene, die sich im Zustand schwerer Sünde befinden, nicht zur Heiligen Kommunion zugelassen werden können. Das wird durch den heiligen Paulus in seinem durch den Heiligen Geist inspirierten Brief in 1. Korinther 11,27-30 gelehrt. Darüber kann man nicht abstimmen, so wie man niemals über die Gottheit Christi abstimmen könnte.

Eine Person, die in einem unauflöslichen sakramentalen Eheband lebt und ungeachtet dessen eine dauerhafte eheähnliche Lebensgemeinschaft mit einer anderen Person unterhält, ist durch göttliches Gesetz vom Empfang der Heiligen Kommunion ausgeschlossen. Diese Person durch eine öffentliche kirchliche Erklärung zuzulassen, würde auf verwerfliche Weise eine Leugnung der Unauflöslichkeit der christlichen Ehe legitimieren und gleichzeitig das sechste Gebot Gottes leugnen: „Du sollst  nicht ehebrechen“.

Keine menschliche Institution, nicht einmal der Papst oder ein Konzil, besitzen die Autorität und Kompetenz, eines der zehn Gebote oder die göttlichen Worte Christi auf irgendeine, auch nicht geringe oder indirekte Weise aufzuheben: „Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen“ (Math 19,6). Ungeachtet dieser leuchtenden Wahrheit, die immer und gleichbleibend –– weil unveränderlich – durch alle Zeiten vom kirchlichen Lehramt bis in unsere Tage, zum Beispiel in „Familiaris consortio“ von Johannes Paul II, im Katechismus der Katholischen Kirche und von Papst Benedikt XVI. gelehrt wurde, hat man auf der Synode über die Frage der Zulassung sogenannt „wiederverheirateter Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion abgestimmt. Diese Tatsache ist schwerwiegend und verrät eine Haltung der klerikalen Arroganz gegenüber der göttlichen Wahrheit des Wortes Gottes. Der Versuch, über die göttliche Wahrheit und über das göttliche Wort abzustimmen, ist jener unwürdig, die als Vertreter des Lehramtes das Depositum fidei als gute und treue Verwalter (vgl. Math 24,45) eifrig weitergeben müssen.

Durch die Zulassung „wiederverheirateter Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion etablieren diese Bischöfe nach eigenem Gutdünken eine neue Tradition und übertreten damit das Gebot Gottes. Christus hat die Pharisäer und Schriftgelehrten deswegen einmal getadelt (vgl. Mt 15,3). Noch schwerwiegender ist die Tatsache, dass diese Bischöfe versuchen, ihre Untreue gegenüber dem Worte Christi durch Argumente wie „pastorale Notwendigkeit“, „Barmherzigkeit“, „Offenheit für den Heiligen Geist“ zu legitimieren. Außerdem haben sie keine Angst und keine Skrupel, die  wahre Bedeutung dieser Wörter in einem gnostischen Sinn zu entstellen, indem sie zugleich jene, die ihnen widerstehen und die unveränderlichen göttlichen Gebote und die nicht vom Menschen gemachte Tradition verteidigen, als starr, skrupelhaft oder traditionalistisch etikettieren. Während der großen arianischen Krise des 4. Jahrhunderts wurden die Verteidiger der Gottheit des Gottessohnes auch als „unnachgiebig“ oder als „Traditionalisten“ bezeichnet. Der heilige Athanasius wurde  sogar  von Papst Liberius exkommuniziert. Liberius begründete das mit dem  Argument, dass Athanasius mit den orientalischen Bischöfen, die meist Ketzer oder Halbketzer waren, nicht in Gemeinschaft war. Basilius der Große erklärte in dieser Situation folgendes: „Nur eine Sünde wird heute hart bestraft: die aufmerksame Beachtung der Überlieferungen unserer Väter. Aus diesem Grund werden die Guten aus ihren Positionen verdrängt und in die Wüste geschickt“ (Ep. 243).

Die Bischöfe, welche die heilige Kommunion für „wiederverheiratete Geschiedene“ befürworten, sind die neuen Pharisäer und Schriftgelehrten, weil sie das Gebot Gottes vernachlässigen. Sie fördern die Tatsache, dass aus dem Leib und dem Herzen der „wiederverheirateten Geschiedenen“ noch mehr „Ehebruch hervorgeht“ (Mt 15,19), weil sie eine äußerlich „saubere“ Lösung wollen und in den Augen derer, welche die Macht haben (die Massenmedien, die öffentliche Meinung), „sauber“ dastehen wollen. Wenn sie allerdings vor dem Richterstuhl Christi erscheinen, werden sie sicherlich zu ihrer Bestürzung diese Worte Christi hören: „Was zählst du meine Satzungen auf, was redest du von meinem Bund, da du doch Zucht hasst und meine Worte hinter dich wirfst? … mit Ehebrechern hältst du Gemeinschaft“ (Ps 50/49,16-18).

Der Schlussbericht der Synode enthält leider auch den Absatz mit der Abstimmung über eine Zulassung „wiederverheirateter Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion. Auch wenn er die erforderlichen zwei Drittel der Stimmen nicht erreichte, bleibt die Sorge und erstaunliche Tatsache, dass die absolute Mehrheit der anwesenden Bischöfe zugunsten einer  Zulassung „wiederverheirateter Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion abgestimmt hat, ein trauriges Spiegelbild der geistlichen Qualität des katholischen Episkopats in unseren Tagen. Darüber hinaus ist traurig, dass dieser Absatz, der die erforderliche qualitative Mehrheit nicht erreichte, in der Schluss-Relatio verblieben ist und für eine weitere Diskussion an alle Diözesen gesendet wird. Das wird die dogmatische Verwirrung bei  Priestern und Gläubigen sicherlich nur erhöhen, weil in der Luft ist, dass göttliche Gebote und die göttlichen Worte Christi und des Apostels Paulus menschlicher Entscheidungsfindung unterworfen werden. Ein Kardinal, der offen und nachdrücklich eine Zulassung „wiederverheirateter  Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion und sogar die schändlichen Aussagen des Zwischenberichtes über homosexuelle „Paare“ unterstützte, zeigte sich mit dem Schlussbericht unzufrieden und erklärte frech: „Das Glas ist halb voll“ und im Bild bleibend meinte er, dass man daran arbeiten müsse, damit das Glas im nächsten Jahr auf der Synode ganz voll sei. Wir müssen aber fest glauben, dass Gott die Pläne der Unehrlichkeit, der Untreue und des Verrats zunichte machen wird. Christus hält unfehlbar das Ruder des Bootes seiner Kirche inmitten eines so großen Sturms. Wir glauben und vertrauen dem wahrhaftigen Herrscher der Kirche, unserem Herrn Jesus Christus, der die Wahrheit ist.

3.   Wir erleben derzeit eine massive Aggression gegen die Familie. Diese Aggression wird im Bereich der Wissenschaft von  einer enormen Verwirrung bezüglich des Menschen und der menschlichen Identität begleitet. Leider gibt es Vertreter der kirchlichen Hierarchie, die bei der Erörterung dieser Fragen Meinungen äußern, die der Lehre des Herrn widersprechen. Wie sollen wir mit den Menschen, die Opfer dieser Verwirrung werden, sprechen, um ihren Glauben zu stärken  und sie zum Heil zu führen?

In dieser außerordentlich schwierigen Zeit reinigt Christus unseren katholischen Glauben, damit die Kirche durch diese Prüfung heller leuchte und wirklich Licht und Salz für die fade neuheidnischen Welt sei dank der Treue und dem reinen, einfachen Glauben zunächst der Gläubigen, der Kleinen in der Kirche, der „Ecclesia docta“ (der lernenden Kirche), die in unseren Tagen die „Ecclesia docens“ stärken wird (die lehrende Kirche,  das heißt, das Lehramt) so wie während der großen Glaubenskrise im vierten Jahrhundert, zu welcher der selige Kardinal John Henry Newman schreibt: „Das ist eine sehr bemerkenswerte Tatsache, die aber eine Moral enthält. Vielleicht wurde sie zugelassen, um der Kirche, die genau in dieser Zeit aus ihrem Zustand der Verfolgung hervorkam, die große Lehre des Evangeliums einzuprägen, dass nicht die Weisen und Mächtigen, sondern die Unbedeutenden, die Ungelernten und die Schwachen die wahre Stärke der Kirche darstellen. Das Heidentum wurde vor allem von den einfachen Gläubigen gestürzt. Die Gläubigen haben unter der Leitung des Athanasius und der ägyptischen Bischöfe, und an einigen Orten unterstützt von ihren Bischöfen und Priestern, den schlimmsten Häresien widerstanden und sie aus dem heiligen Bereich ausgemerzt. … In dieser Zeit der immensen Verwirrung wurde das Dogma der Göttlichkeit unseres Herrn verkündet, durchgesetzt, bewahrt. Menschlich gesprochen wurde sie weit mehr von der „Ecclesia docta“ als von der „Ecclesia docens“ bewahrt. Die Gesamtheit der Bischöfe war ihrer Aufgabe untreu geworden, während die Gesamtheit der Laien treu zur Taufe stand. Bald erklärte der Papst, bald ein Patriarch, ein Metropolit oder sonst ein wichtiger Bischof oder ein Generalkonzil, was man nicht hätte sagen sollen, oder sie taten, was die offenbarte Wahrheit verdunkelte und kompromittierte. Auf der anderen Seite war das christliche Volk unter der Leitung der Vorsehung die kirchliche Stärke eines Athanasius, Hilarius, Eusebius von Vercelli und anderer großer und einsamer Bekenner, die ohne die Gläubigen  gescheitert wären“ (Arianer des vierten Jahrhunderts, 466).

Wir müssen gewöhnliche Katholiken ermutigen, dem gelernten Katechismus, den klaren Worten Christi im Evangelium und dem ihnen überlieferten Glauben ihrer Väter und Vorväter treu zu bleiben. Wir müssen Studienzirkel und Vorträge über die beständige Lehre der Kirche zu Fragen der Ehe und Keuschheit organisieren und dazu vor allem junge Menschen und Ehepaare einladen. Wir müssen die große Schönheit eines Lebens in Keuschheit, die große Schönheit der christlichen Ehe und Familie, den großen Wert des Kreuzes und des Opfers in unserem Leben aufzeigen. Wir müssen das Beispiel der Heiligen sowie beispielhafter Personen darstellen, die zeigten, dass sie, obwohl sie die gleichen Versuchungen des Fleisches, die gleiche Feindseligkeit und den gleichen Spott der heidnischen Welt erlitten, dennoch mit der Gnade Christi ein glückliches Leben in Keuschheit, in einer christlichen Ehe oder in der Familie führten. Der Glaube, der reine und integrale katholische und apostolische Glauben, wird die Welt überwinden (vgl 1. Joh 5,4).

Wir müssen Gruppen von Jugendlichen mit reinen Herzen,  Familiengruppen und Gruppen katholischer Ehepaare, die ihren Eheversprechen verpflichtet sind, gründen und fördern. Wir müssen Kreise organisieren, die zerbrochenen Familien und alleinerziehenden Müttern moralisch und materiell helfen, Gruppen, die mit Gebet und Rat getrennte Paare unterstützen, Gruppen und Personen, die „wiederverheirateten Geschiedenen“ helfen, einen Prozess der ernsthaften Umkehr zu ermöglichen, indem sie in Demut ihre sündhafte Lage erkennen und mit der Gnade Gottes die Sünden verlassen, die das Gebot Gottes und die Heiligkeit des Sakraments der Ehe verletzen. Wir müssen Gruppen schaffen, die Personen mit homosexuellen Tendenzen sorgsam unterstützen, den Pfad der christlichen Bekehrung zu gehen, den glücklichen und schönen Pfad eines keuschen Lebens und ihnen  schließlich in diskreter Weise eine psychologische Heilung anbieten. Wir müssen unseren Zeitgenossen in der neuheidnischen Welt die befreiende Gute Nachricht der Lehre Jesu Christi vor Augen führen und predigen, dass das Gebot Gottes, auch das sechste Gebot, weise und schön ist: „Das Gesetz des Herrn ist vollkommen. Es erquickt die Seele: das Zeugnis des Herrn  ist zuverlässig.  Es macht  den  Einfältigen weise. Die  Satzung des Herrn sind richtig, sie erfreuen das Herz: das Gebot des Herrn ist lauter, es erleuchtet die Augen „(Ps 19/18,7-8).

4.   Während der Synode, bemängelten Erzbischof Gądecki von Posen und einigen andere bedeutende Prälaten öffentlich, dass die Ergebnisse der Diskussionen von der immerwährenden Lehre der Kirche abwichen. Gibt es eine Hoffnung, dass es inmitten dieser Verwirrung ein Erwachen der Mitglieder des Klerus und jener Gläubigen geben wird, die sich bisher nicht bewusst waren, dass es  im Inneren der Kirche Leute gibt, welche die Lehre des Herrn untergraben?

Es gereicht dem polnischen Katholizismus sicherlich zur Ehre, dass der Präsident des katholischen Episkopats, Seine Exzellenz Erzbischof Gądecki mit Klarheit und Mut die Wahrheit Christi über die Ehe und die menschliche Sexualität verteidigt hat. Dadurch offenbarte er sich als ein wahrer geistlicher Sohn von Johannes Paul II. Kardinal George Pell bezeichnete die liberale Sex-Agenda und die angebliche barmherzig und seelsorgerische Forderung nach einer Zulassung „wiederverheirateter Geschiedener“ zur heiligen Kommunion während der Synode sehr treffend als Spitze des Eisbergs und eine Art Trojanisches Pferd in der Kirche.

Dass es mitten im Schoß der Kirche Leute gibt, welche die Lehre des Herrn untergraben, wurde für die ganze Welt dank des Internets und der Arbeit einiger katholischer Journalisten offensichtlich, denen nicht gleichgültig war, was mit dem katholischen Glauben geschieht, der für sie ein Schatz Christi ist. Ich war erfreut, dass einige katholische Journalisten und Internet-Blogger sich als gute Soldaten Christi benahmen und die öffentliche Aufmerksamkeit auf die klerikale Agenda einer Unterminierung der beständigen Lehre unseres Herrn hinlenkten. Kardinäle, Bischöfe, Priester, katholische Familien, katholische Jugendliche müssen klar sagen: Ich weigere mich, mich dem neuheidnischen Geist dieser Welt anzupassen, auch wenn dieser Geist von einigen Bischöfen und Kardinälen verbreitet wird. Ich werde deren trügerische und abwegige Instrumentalisierung der heiligen Barmherzigkeit Gottes und deren Behauptung eines „neuen Pfingsten“ nicht akzeptieren. Ich weigere mich, die Statue des Götzen der Gender-Ideologie, der Zweitehe und des Konkubinat zu beweihräuchern. Auch wenn mein Bischof das machen würde, ich werde es nicht tun. Mit der Gnade Gottes werde ich lieber leiden als die ganze Wahrheit Christi über die menschliche Sexualität und die Ehe zu verraten.

Die Zeugen werden die Welt überzeugen, nicht die Lehrer, sagt Paul VI. in „Evangelii nuntiandi„. Die Kirche und die Welt brauchen dringend unerschrockene und ehrliche Zeugen der ganzen Wahrheit der Gebote und des Willens Gottes und der ganzen Wahrheit der Worte Christi über die Ehe. Moderne klerikale Pharisäer und Schriftgelehrte, jene Bischöfe und Kardinäle, welche die neuheidnischen Götzen der Gender-Ideologie und des Konkubinats beweihräuchern, werden niemanden   überzeugen, an Christus zu glauben oder bereit zu sein, das Leben für  Christus hinzugeben. Es ist tatsächlich so: „Veritas Domini manet in aeternum“ (Ps 116: „Die Wahrheit des Herrn bleibt auf ewig“) und „Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“ (Hebr 13,8) und „die Wahrheit wird euch frei machen“ (Joh 8,32). Dieser letzte Satz war eines der Lieblings-Bibelzitate von Johannes Paul II., des Papstes der Familie. Wir können hinzufügen: Die geoffenbarte und unveränderlich überlieferte göttliche Wahrheit über die menschliche Sexualität und die Ehe wird den Seelen innerhalb und außerhalb der Kirche wahre Freiheit zu bringen. Inmitten einer Krise der Kirche und des schlechten moralischen und dogmatischen Beispiels einiger Bischöfe seiner Zeit tröstete der heilige Augustinus die einfachen Gläubigen mit den Worten: „Was auch immer wir Bischöfe sein mögen, Ihr seid sicher, die ihr Gott zum Vater und seine Kirche zur Mutter habt“ (Contra litteras Petiliani III, 9, 10).

+ Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu Astana, Kasachstan.

 

Dieses Interview wurde im Magazin “Polonia Christiana” publiziert. Die Fragen stelle Frau Dr. Isabella Parowicz. Die deutsche Übersetzung wurde von Bischof Schneider durchgesehen.

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Athanasius Schneider: Das II. Vatikanische Konzil und seine Interpretation in Verbindung mit der aktuellen Kirchenkrise

„Wir müssen unseren Glauben erneuern und glauben, dass die Kirche in den sicheren Händen Christi ist, und dass Er immer eingreifen wird, um die Kirche in den Augenblicken zu erneuern, in denen das Boot der Kirche zu kentern scheint, wie es offensichtlich in unserer Zeit der Fall ist.“

Msgr. Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana in Kasachstan, gehört zu den renommiertesten Bischöfen der Katholischen Kirche. Im folgenden Text analysiert er den Zusammenhang zwischen dem Zweiten Vatikanischen Konzil und seiner Interpretation und der aktuellen Kirchenkrise. Es ist der Text eines Oberhirten, der messerscharf analysiert und glasklar argumentiert, der vor allem aber die Lehre Jesu Christi verkündet und die Gläubigen im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe stärkt.

Die deutsche Fassung des bereits in anderen Sprachen veröffentlichten Textes wurde von Weihbischof Schneider zur Verfügung gestellt, und die Veröffentlichung von ihm autorisiert.

Das II. Vatikanische Konzil und seine Interpretation in Verbindung mit der aktuellen Kirchenkrise

von Msgr. Athanasius Schneider

Die aktuelle Situation einer präzedenzlosen Krise der Kirche ist mit der großen Krise im 4. Jahrhundert vergleichbar, als der Arianismus die überwältigende Mehrheit des Episkopates angesteckt und im Leben der Kirche eine dominierende Stellung eingenommen hatte.

Wir müssen versuchen, der jetzigen Situation einerseits mit Realismus zu begegnen und andererseits mit einem übernatürlichen Geist, mit einer tiefen Liebe zur Kirche, unserer Mutter, die wegen dieser ungeheuren und allgemeinen doktrinellen, liturgischen und pastoralen Verwirrung die Passion Christi erleidet.

Bischof Athanasius Schneider bei der Zelebration des hl. Meßopfers

Was die Haltung zum II. Vatikanischen Konzil angeht, müssen wir zwei Extreme vermeiden: die vollständige Ablehnung (wie es die Sedisvakantisten und ein Teil der FSSPX tun) und die „Unfehlbarmachung“ all dessen, was das Konzil gesagt hat.

Wir müssen unseren Glauben erneuern und glauben, dass die Kirche in den sicheren Händen Christi ist, und dass Er immer eingreifen wird, um die Kirche in den Augenblicken zu erneuern, in denen das Boot der Kirche zu kentern scheint, wie es offensichtlich in unserer Zeit der Fall ist.

Das II. Vatikanische Konzil war eine legitime Versammlung, dem die Päpste vorstanden, und wir müssen gegenüber diesem Konzil eine respektvolle Haltung haben. Allerdings bedeutet das nicht, dass es uns verboten ist, wohlbegründete Zweifel zum Ausdruck zu bringen oder respektvoll Verbesserungsvorschläge zu bestimmten Themen zu machen mit Berufung auf die gesamte Überlieferung der Kirche und auf das beständige Lehramt.

Traditionelle und beständige doktrinelle Äußerungen des Lehramts während einer jahrhundertelangen Periode haben Vorrang und bilden ein Kriterium, um die Genauigkeit späterer Aussagen des Lehramts nachzuprüfen.

Diejenigen Aussagen des II. Vaticanums, die zweideutig sind, müssen gemäß der gesamten Überlieferung und dem beständigen Lehramt der Kirche interpretiert werden.

In Zweifelsfällen haben die Aussagen des beständigen Lehramtes (frühere Konzile und Päpstliche Dokumente, deren Inhalt sich durch die Jahrhunderte als sichere und wiederholte Tradition  erwiesen hat) Vorrang gegenüber zweideutigen oder neuen Aussagen des II. Vatikanischen Konzils, die nur schwer mit bestimmten Aussagen des beständigen und vorherigen Lehramtes übereinstimmen (z. B. die Pflicht des Staates, Christus, den König aller menschlichen Gesellschaften, öffentlich zu verehren; der wahre Sinn der bischöflichen Kollegialität im Verhältnis zum Päpstlichen Primat und der Gesamtleitung der Kirche; die Schädlichkeit aller nichtkatholischen Religionen und ihre Gefährlichkeit für das ewige Seelenheil).

Das II. Vatikanische Konzil muss als das gesehen und akzeptiert werden, was es wirklich war: ein vorrangig pastorales Konzil. Dieses Konzil hatte nicht die Absicht, neue Lehren vorzulegen oder sie sogar in einer endgültigen Form vorzulegen. In seinen Aussagen hat das Konzil die beständige und traditionelle Lehre der Kirche weitgehend bestätigt.

Einige der neuen Aussagen des II. Vaticanums (z. B. Kollegialität, Religionsfreiheit, ökumenischer und religiöser Dialog, die Haltung gegenüber der Welt) haben keinen endgültigen Charakter und wenn sie offensichtlich oder tatsächlich mit den traditionellen und beständigen Aussagen des Lehramtes nicht übereinstimmen, müssen sie durch genauere Erklärungen und durch präzisere Ergänzungen lehrhafter Natur vervollständigt werden. Eine blinde Anwendung des Prinzips der „Hermeneutik der Kontinuität“ allein hilft auch nicht, weil dadurch zwanghafte Interpretationen geschaffen werden, die nicht überzeugen und nicht hilfreich sind, um zu einem klareren Verständnis der unwandelbaren Wahrheit des katholischen Glaubens und seiner konkreten Anwendung zu gelangen.

Es hat Fälle in der Geschichte gegeben, bei denen nicht-endgültige Aussagen gewisser ökumenischer Konzile später – dank einer gelassenen theologischen Debatte – verfeinert oder stillschweigend verbessert wurden (z. B. die Aussagen des Konzils von Florenz bezüglich der Materie des Weihesakraments, d.h. dass die Materie die Überreichung der Gegenstände wäre, wobei aber die sicherere und beständige Überlieferung sagte, dass die Auflegung der Hände des Bischofs genügen würde, eine Wahrheit, die zuletzt von Pius XII. im Jahre 1947 bestätigt wurde).

Wenn nach dem Konzil von Florenz die Theologen das Prinzip der „Hermeneutik der Kontinuität“ zu dieser konkreten Aussage des Konzils von Florenz (einer objektiv irrigen Aussage) blind angewendet hätten, und die These der Übergabe der Instrumente als Materie des Weihesakramentes als mit dem beständigen Lehramt übereinstimmend verteidigt hätten, wäre es wahrscheinlich nicht zum allgemeinen Konsens der Theologen gekommen bezüglich der Wahrheit, die besagt, dass nur die Handauflegung durch den Bischof die eigentliche Materie des Weihesakrament sei.

In der Kirche muss ein gelassenes Klima für eine doktrinelle Diskussion über jene Aussagen des II. Vaticanums geschaffen werden, die zweideutig sind oder die zu irrigen Interpretationen geführt haben. An einer solchen Diskussion ist nichts Skandalöses; im Gegenteil, sie wird ein Beitrag sein, um auf eine sicherere und vollständige Weise das Gut des unveränderlichen Glaubens der Kirche zu erhalten und zu erklären.

Man darf ein bestimmtes Konzil nicht überbetonen, indem man es absolut setzt und es de facto mit dem mündlichen (Heilige Überlieferung) oder dem geschrieben (Heilige Schrift) Wort Gottes gleichsetzt.

Das II. Vaticanum sagt selbst richtigerweise (vgl. Dei Verbum, 10), dass das Lehramt (Papst, Konzile, ordentliches und universales Lehramt) nicht über dem Wort Gottes steht, sondern unter ihm, ihm unterworfen und nur sein Diener ist (des mündlichen Wortes Gottes = Heilige Überlieferung und des geschriebenen Wortes Gottes = Heilige Schrift).

Von einem objektiven Standpunkt aus haben Aussagen des Lehramtes (Päpste und Konzile) definitiven Charakters mehr Wert und mehr Gewicht als Aussagen pastoralen Charakters, welche naturgemäß eine veränderliche und zeitliche Eigenschaft haben, die von geschichtlichen Umständen oder seelsorglichen Notwendigkeiten bestimmter Zeiten abhängen, wie es auf die meisten Aussagen des II. Vaticanums zutrifft.

Der originelle und wertvolle Beitrag des II. Vatikanischen Konzils besteht in der Lehre von der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit aller Kirchenmitglieder (Kap. 5 von Lumen Gentium), in der Lehre über die zentrale Rolle unserer Lieben Frau im Leben der Kirche (Kap. 8 von Lumen Gentium), in der Lehre von der Wichtigkeit der Laien in der Erhaltung und Verteidigung des katholischen Glaubens und ihrer Pflicht, die zeitlichen Dinge zu evangelisieren und zu heiligen gemäß dem beständigen Sinn der Kirche (Kap. 4 von Lumen Gentium), in der Lehre vom Primat der Anbetung Gottes im Leben der Kirche und in der Feier der Liturgie (Sacrosanctum Concilium 2; 5–10). Den Rest kann man in gewisser Hinsicht als sekundär betrachten, der in der Zukunft wahrscheinlich vergessen wird, wie es auch mit nicht definitiven pastoralen und disziplinären Aussagen verschiedener ökumenischer Konzilen der Vergangenheit der Fall war.

Die folgenden Themen: die Allerseligste Jungfrau Maria, Heiligung des persönlichen Lebens der Gläubigem mit der Heiligung der Welt gemäß dem beständigen Sinn der Kirche und der Primat der Anbetung Gottes, sind die dringendsten Gesichtspunkte, die in unseren Tagen gelebt werden müssen. Hierin hat das II. Vaticanum eine prophetische Rolle, die – unglücklicherweise – bisher noch nicht befriedigend umgesetzt worden ist.

Anstatt diese vier Aspekte im Leben zu verwirklichen, hat ein erheblicher Teil der theologischen und administrativen „Nomenklatura“ im Leben der Kirche während der vergangenen 50 Jahre zweideutige doktrinelle, pastorale und liturgische Themen vorangetrieben und tut es noch, wodurch die ursprüngliche Absicht des Konzils verzerrt oder seine weniger klaren oder zweideutigen Aussagen missbraucht werden, um eine andere Kirche zu schaffen – eine Kirche relativistischen oder protestantischen Typs.

Wir erleben in unseren Tagen den Höhepunkt dieser Entwicklung.

Das Problem der aktuellen Krise der Kirche besteht teilweise in der Tatsache, dass einige Aussagen des II. Vaticanums, die objektiv zweideutig sind, oder jene wenigen Aussagen, die schwer mit der beständigen Lehrtradition der Kirche übereinstimmen, „unfehlbar“ erklärt worden sind. Auf diese Weise wurde eine gesunde Diskussion mit einer ausdrücklichen oder stillschweigenden Korrektur blockiert.

Zur selben Zeit wurde viel Mühe auf die Schaffung theologischer Aussagen verwandt, die im Gegensatz zur beständigen Überlieferung stehen (z. B. bzgl. der neuen Theorie von einem doppelten ordentlichen höchsten Subjekt in der Leitung der Kirche, d. h. der Papst allein und der gesamte Episkopat zusammen mit dem Papst; der Lehre von der Neutralität des Staates gegenüber der öffentlicher Anbetung, die er dem wahren Gott schuldet, der Jesus Christus ist, der König auch jeder menschlichen und politischen Gesellschaft; die Relativierung der Wahrheit, dass die katholische Kirche der einzige, von Gott gewollte und angeordnete Weg zum Heil ist).

Wir müssen uns von den Ketten der Verabsolutierung und der totalen Unfehlbarmachung des II. Vaticanums befreien. Wir müssen um ein Klima einer gelassenen und respektvollen Diskussion bitten: aus tiefer Liebe zur Kirche und zum unveränderlichen Glauben der Kirche heraus.

Wir können als ein positives Zeichen in dieser Richtung die Tatsache sehen, dass Papst Benedikt XVI. am 2. August 2012 ein Vorwort zu einem Band geschrieben hat, der sich in der Gesamtausgabe seiner Werke mit dem II. Vaticanum beschäftigt. In diesem Vorwort drückt Benedikt XVI. seinen Vorbehalt bzgl. bestimmter Inhalte in den Dokumenten Gaudium et spes und Nostra aetate aus. Aus dem Tenor dieser Worte Benedikts XVI. kann man sehen, dass gewisse konkrete Fehler in bestimmten Teilen dieser Dokumente durch die „Hermeneutik der Kontinuität“ nicht behebbar sind.

Eine volle und kanonisch ins Kirchenleben integrierte FSSPX könnte einen wertvollen Beitrag zu dieser Debatte beisteuern – wie es auch Erzbischof Marcel Lefebvre wünschte. Die volle kanonische Präsenz der FSSPX im heutigen Kirchenleben könnte ein allgemeines Klima einer konstruktiven Diskussion schaffen, damit das, was 2000 Jahre lang immer und überall und von allen Katholiken geglaubt wurde, auf eine klarere und sicherere Weise auch in unseren Tagen geglaubt werde und dadurch auch die wahre pastorale Absicht der Väter des II. Vatikanischen Konzils verwirklicht werde.

Die authentische pastorale Absicht zielt auf die ewige Rettung der Seelen ab – eine Seelenrettung, die nur durch die Verkündung des gesamten Willens Gottes erlangt werden wird (Apg. 20, 7). Die Zweideutigkeit in der Glaubenslehre und in ihrer konkreten Anwendung  (in der Liturgie und dem pastoralen Leben) würde die ewige Rettung der Seelen gefährden und folglich anti-pastoral sein, weil ja die Verkündung der Klarheit und Vollständigkeit des katholischen Glaubens und seine getreue Anwendung der ausdrückliche Wille Gottes ist.

Nur der vollkommene Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes, Der uns durch Christus, das menschgewordene Wort, und durch die Apostel den wahren Glauben offenbarte, den Glauben, der vom Lehramt beständig in demselben Sinn ausgelegt und verwirklicht wurde, wird die Rettung der Seelen bringen.

+ Athanasius Schneider

Weihbischof der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana, Kasachstan

Bild: MiL/fratresinunum.com (Screenshots)

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