„Kirche in unserer Zeit erlebt eine der größten geistigen Epidemien“

11 Juni 2019, 12:30

Fünf Bischöfe, darunter Kardinal Burke und Weihbischof Schneider, unterzeichnen und veröffentlichen „Erklärung der Wahrheiten in Bezug auf einige der häufigsten Irrtümer im Leben der Kirche unserer Zeit“ – Kritik an „Lethargie des Lehramtes“

Vatikan (kath.net) „Unsere Zeit ist gekennzeichnet durch einen akuten geistigen Hunger der katholischen Gläubigen auf der ganzen Welt nach der Bekräftigung jener Wahrheiten, die vernebelt, untergraben und durch einige der gefährlichsten Irrtümer unserer Zeit geleugnet werden.“ Dies vertreten die fünf Bischöfe, die die „Erklärung der Wahrheiten in Bezug auf einige der häufigsten Irrtümer im Leben der Kirche unserer Zeit“ unterzeichneten und am Pfingstmontag im „National Catholic Register“ auf Englisch veröffentlichten. kath.net bringt die beiden Texte dank der Vermittlung von Weihbischof Athanasius Schneider in voller Länge auf Deutsch.

Der Vatikanexperte Edward Pentin schreibt im „National Catholic Register“: „Das Dokument ist das jüngste in einer Reihe von Erklärungen, „kindlichen Erklärungen“ und Berichtigungen von Bischöfen, Akademikern, Priestern und Laien, die sich Sorgen über die Zweideutigkeit der Lehre und die damit verbundenen Verwirrungen machen, die während des gegenwärtigen Pontifikats aufgetreten sind.“

Erläuternde Bemerkung zur „Erklärung der Wahrheiten in Bezug auf einige der häufigsten Irrtümer im Leben der Kirche unserer Zeit“

Die Kirche in unserer Zeit erlebt eine der größten geistigen Epidemien, d.h. eine nahezu allumfassende lehramtliche Verwirrung und Desorientierung, die sich als eine ernsthaft ansteckende Gefahr für die geistige Gesundheit und das ewige Heil vieler Seelen erweist. Gleichzeitig muss man eine verbreitete Lethargie in der Ausübung des Lehramtes auf unterschiedlichen Ebenen der kirchlichen Hierarchie unserer Tage feststellen. Dies ist hauptsächlich durch die Nichteinhaltung der apostolischen Pflicht verursacht – wie es auch das Zweite Vatikanische Konzil in Erinnerung gerufen hat -, dass nämlich die Bischöfe „die ihrer Herde drohenden Irrtümer wachsam fernhalten“ sollen (Lumen gentium, 25).

Unsere Zeit ist gekennzeichnet durch einen akuten geistigen Hunger der katholischen Gläubigen auf der ganzen Welt nach der Bekräftigung jener Wahrheiten, die vernebelt, untergraben und durch einige der gefährlichsten Irrtümer unserer Zeit geleugnet werden. Die Gläubigen, die diesen geistigen Hunger erleiden, fühlen sich im Stich gelassen und befinden sich deshalb in einer Art existenzieller Peripherie. Eine solche Situation erfordert dringend Abhilfe. Eine öffentliche Erklärung der Wahrheiten, die sich auf diese Fehler beziehen, duldet keinen weiteren Aufschub. Deshalb erinnern wir uns an die folgenden zeitlosen Worte des heiligen Papstes Gregor des Großen: „Unsere Zunge soll im Ermahnen nicht müde werden, dass nicht, nachdem wir das Amt der Verkündigung übernommen haben, unser Schweigen uns beim gerechten Richter verurteilt. (…) Die Menschen, die unserer Sorge anvertraut sind, verlassen Gott und wir schweigen. Sie leben in Sünde, und wir strecken nicht unsere Hand aus, um sie zu korrigieren.“ (In Ev. hom. 17, 3.14).

Als katholische Bischöfe sind wir uns unserer schweren Verantwortung bewusst, gemäß der Ermahnung des heiligen Paulus, der lehrt, dass Gott Seiner Kirche „Hirten und Lehrer (gab), um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes auszurüsten, für den Aufbau des Leibes Christi, bis wir alle zur Einheit im Glauben und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zum vollkommenen Menschen, zur vollen Größe, die der Fülle Christi entspricht. Wir sollen nicht mehr unmündige Kinder sein, ein Spiel der Wellen, geschaukelt und getrieben von jedem Widerstreit der Lehrmeinungen, im Würfelspiel der Menschen, in Verschlagenheit, die in die Irre führt. Wir aber wollen, von der Liebe geleitet, die Wahrheit bezeugen und in allem auf ihn hin wachsen. Er, Christus, ist das Haupt. Von ihm her wird der ganze Leib zusammengefügt und gefestigt durch jedes Gelenk. Jedes versorgt ihn mit der Kraft, die ihm zugemessen ist. So wächst der Leib und baut sich selbst in Liebe auf.“ (Eph. 4, 12-16).

Wir erstellen diese öffentliche Erklärung im Geist brüderlicher Liebe als eine konkrete geistliche Hilfe, damit Bischöfe, Priester, Pfarreien, Ordensgemeinschaften, Laienvereinigungen und Privatpersonen die Möglichkeit haben, entweder privat oder öffentlich, jene Wahrheiten zu bekennen, welche in unseren Tagen am meisten geleugnet oder entstellt werden. Die folgenden Worte des heiligen Apostels Paulus sollten als eine an jeden Bischof und Christgläubigen unserer Zeit gerichtete Ermahnung verstanden werden: “Kämpfe den guten Kampf des Glaubens, ergreife das ewige Leben, zu dem du berufen bist und für das du vor vielen Zeugen das gute Bekenntnis abgelegt hast! Ich gebiete dir bei Gott, von dem alles Leben kommt, und bei Christus Jesus, der vor Pontius Pilatus das gute Bekenntnis abgelegt hat und als Zeuge dafür eingetreten ist: Erfülle deinen Auftrag rein und ohne Tadel, bis zum Erscheinen Jesu Christi, unseres Herrn” (1 Tim. 6, 12-14).

Vor dem Angesicht des Göttlichen Richters und im eigenen Gewissen hat jeder Bischof, Priester und Christgläubige die moralische Pflicht, unmissverständlich Zeugnis für jene Wahrheiten abzulegen, die in unserer Zeit verdunkelt, untergraben und geleugnet werden. Private oder öffentliche Bekenntnisakte dieser Wahrheiten könnten eine Bewegung initiieren zum Bekenntnis und der Verteidigung der Wahrheit, sowie der Wiedergutmachung für die weitverbreiteten Sünden gegen den Glauben, für die Sünden des verborgenen oder offenen Abfalls vom katholischen Glauben einer nicht geringen Zahl des Klerus und der Laien. Man muss sich dabei bewusst sein, dass es bei einer derartigen Bewegung nicht um Zahlen, sondern um die Wahrheit geht, wie es der heilige Gregor von Nazianz inmitten der allgemeinen lehramtlichen Verwirrung der arianischen Krise ausdrückte, das Gott hat kein Wohlgefallen an Zahlen hat (vgl. Or. 42,7).

Durch das Zeugnis für den unveränderlichen katholischen Glauben werden sich Geistliche und Christgläubige der Wahrheit erinnern, dass „die Gesamtheit der Gläubigen (…) im Glauben nicht irren kann. Und diese, ihre besondere Eigenschaft, macht sie durch den übernatürlichen Glaubenssinn des ganzen Volkes dann kund, wenn sie „von den Bischöfen bis zu den letzten gläubigen Laien“ ihre allgemeine Übereinstimmung in Sachen des Glaubens und der Sitten äußert“ (Lumen gentium, 12).

Heilige und die großen Bischöfe, die in Zeiten lehramtlicher Krisen lebten, mögen uns Fürsprecher sein und uns mit ihren Worten führen, wie es die folgenden Worte des heiligen Augustinus tun, die er an den heiligen Papst Bonifatius I. richtete: „Da uns allen, die wir das Bischofsamt ausüben, das seelsorgliche Wächteramt aufgetragen ist (auch wenn du darin einen besonderen Vorrang innehast), tue ich in der Ausübung meiner Amtspflicht das, was ich kann, soweit sich der Herr würdigt, mir durch die Hilfe deines Gebetes hierin Kraft zu verleihen“ (Contra ep. Pel. I, 2).
In der gegenwärtigen außerordentlichen Situation einer allgemeinen doktrinellen Verwirrung und Desorientierung im Leben der Kirche, wird eine präzise Erklärung der Wahrheiten in einer einheitlichen Stimme der Hirten und der Gläubigen, zweifellos auch ein wirksames Mittel brüderlicher und kindlicher Hilfe für den Papst sein.

Diese öffentliche Erklärung geben wir im Geist christlicher Liebe ab, die sich in der Sorge um die geistige Gesundheit der Hirten und der Gläubigen kundtut, d.h. aller Glieder des Leibes Christi, der Kirche, eingedenk der folgenden Worte des heiligen Paulus im Ersten Brief an die Korinther: „…damit im Leib kein Zwiespalt entstehe, sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen. Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle Glieder mit. Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm“ (1 Kor 12, 25-27), und im Brief an die Römer: „Denn wie wir an dem einen Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, … so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, als Einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören. Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade. Hat einer die Gabe prophetischer Rede, dann rede er in Übereinstimmung mit dem Glauben; hat einer die Gabe des Dienens, dann diene er. Wer zum Lehren berufen ist, der lehre; wer zum Trösten und Ermahnen berufen ist, der tröste und ermahne. Wer gibt, gebe ohne Hintergedanken; wer Vorsteher ist, setze sich eifrig ein; wer Barmherzigkeit übt, der tue es freudig. Die Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten! Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung! Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn!“ (Röm 12, 4-11).

Die Kardinäle und Bischöfe, die diese „Erklärung der Wahrheiten“ unterschreiben, vertrauen sie dem Unbefleckten Herz der Muttergottes unter der Anrufung „Salus populi Romani“ („Heil des römischen Volkes“) an, eingedenk der besonderen geistlichen Bedeutung, die diese Ikone für die Römische Kirche hat. Möge die ganze Katholische Kirche unter dem Schutz der Unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter „unerschrocken den Kampf des Glaubens kämpfen, feststehen in der Lehre der Apostel und sicher voranschreiten in den Stürmen der Welt, bis sie die himmlische Stadt erreicht“ (Präfation der Messe zu Ehren der Seligen Jungfrau Maria „Heil des Römischen Volkes“).

31. Mai 2019
Kardinal Raymond Leo Burke, Patron des Souveränen Malteserordens
Kardinal Janis Pujats, emeritierter Erzbischof von Riga
Tomash Peta, Erzbischof der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana
Jan Pawel Lenga, emeritierter Erzbischof-Bischof von Karaganda
Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana

„Die Kirche des lebendigen Gottes ist Säule und Fundament der Wahrheit“ (1 Tim. 3,15)

Erklärung der Wahrheiten in Bezug auf einige der häufigsten Irrtümer im Leben der Kirche unserer Zeit

Die Grundlagen des Glaubens

1. Die richtige Bedeutung der Ausdrücke ‘lebendige Überlieferung’, ‘lebendiges Lehramt’, ‘Hermeneutik der Kontinuität’ und ‘Lehrentwicklung’ enthält die Wahrheit, dass, welch immer neue Einsichten in das Glaubensgut auch ausgedrückt werden, diese jedoch nicht dem widersprechen können, was die Kirche immer in „derselben Lehre, in demselben Sinn und in derselben Auffassung“ vorgelegt hat (vgl. I. Vatikanische Konzil, Dei Filius, 3. Sitzung, Nr. 4: „in eodem dogmate, eodem sensu, eademque sententia“).

2. „Der Sinn der dogmatischen Formeln selbst aber bleibt in der Kirche immer wahr und konstant, auch wenn er mehr erhellt und vollständiger erkannt wird.“ Deshalb ist die Meinung falsch, die sagt, dass „erstens die dogmatischen Formeln (oder gewisse Arten von ihnen) die Wahrheit nicht bestimmen, sondern nur veränderlich approximativ bezeichnen und dabei verunstalten oder verändern; zweitens die Wahrheit nur unbestimmt bezeichnen, die man ständig durch die genannten Annäherungswerte suchen müsse. Wer eine solche Meinung annimmt, entgeht nicht einem dogmatischen Relativismus und verfälscht den Begriff der Unfehlbarkeit der Kirche, die sich auf die Lehre und das Festhalten der Wahrheit in bestimmter Gestalt erstreckt“ (Glaubenskongretation, Erklärung „Mysterium Ecclesiae über die Kirche und ihre Verteidiung gegen einige Irrtümer von heute“, 5).

Der Glaube (das Credo)

3. „Wir bekennen, dass Gottes Reich hier auf Erden in der Kirche Christi seinen Anfang nahm, die nicht von dieser Welt ist, deren Antlitz ja vergeht, und, dass das ihm eigene Wachstum nicht mit dem Fortschritt der Zivilisation, der Wissenschaft und Technik des Menschen gleichgesetzt werden darf, sondern darin besteht, immer tiefer den unergründlichen Reichtum Christi zu erkennen, immer zuversichtlicher auf die ewigen Güter zu hoffen, mit immer brennenderem Herzen der Liebe Gottes zu antworten und den Menschen immer freigebiger die Güter der Gnade und Heiligkeit mitzuteilen. (…) Die stete Sorge der Kirche, der Braut Christi, für die Not der Menschen, für ihre Freuden und Hoffnungen, für ihre Arbeiten und Mühen ist demnach nichts anderes als die große Sehnsucht, ihnen nahe zu sein, um sie zu erleuchten mit dem Lichte Christi und sie alle in ihm, ihrem alleinigen Heiland, zu vereinen. Diese Sorge kann niemals bedeuten, dass sich die Kirche den Dingen dieser Welt gleichförmig macht, noch kann sie die brennende Sehnsucht mindern, mit der die Kirche ihren Herrn und sein ewiges Reich erwartet“ (Paul VI., Apostolischer Brief Solemni hac liturgia (Das Credo des Gottesvolkes), 27). Demnach ist die Meinung falsch, die besagt, dass Gott grundsätzlich allein schon durch die Verbesserung der zeitlichen und irdischen Bedingungen des Menschengeschlechts verherrlicht wird.

4. Nach der Einsetzung des Neuen und Ewigen Bundes in Jesus Christus wird niemand erlöst allein durch die Befolgung des Gesetzes des Moses, ohne den Glauben an Christus als den wahren Gott und einzigen Erlöser des Menschengeschlechts (vgl. Röm. 3, 28; Gal. 2, 16).

5. Muslime und andere, denen der Glaube an Jesus Christus, den wahren Gott und wahren Menschen, fehlt, selbst wenn sie Monotheisten sind, können Gott nicht dieselbe Anbetung erweisen wie die Christen, d.h. eine übernatürliche Anbetung im Geist und in der Wahrheit (vgl. Joh. 4, 24; Eph. 3, 8) derjenigen, die den Geist der Gotteskindschaft erhalten haben (vgl. Röm. 8, 15).

6. Spiritualitäten und Religionen, die irgendeine Art von Götzenverehrung oder von Pantheismus fördern, können weder als „Samen“ noch als „Früchte“ des Göttlichen Wortes angesehen werden, weil sie Trugbilder sind, die die Evangelisation und das ewige Heil ihrer Anhänger ausschließen, wie es in der Heiligen Schrift gelehrt wird: „Denn der Gott dieser Weltzeit hat das Denken der Ungläubigen verblendet. So strahlt ihnen der Glanz des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, der Gottes Bild ist, nicht auf“ (2 Kor. 4, 4).

7. Wahrer Ökumenismus beabsichtigt, dass Nicht-Katholiken in jene Einheit eintreten, die die Katholische Kirche schon unzerstörbar besitzt, gemäß dem Gebet Christi, das immer von Seinem Vater gehört wird, ‘dass sie eins seien’ (Joh. 17, 11), und die sie im Credo bekennt: „Ich glaube an die eine Kirche“. Ökumenismus kann deshalb legitimerweise nicht das Ziel haben, eine Kirche zu errichten, die jetzt noch nicht existiert.

8. Die Hölle existiert und diejenigen, die in die Hölle verdammt sind aufgrund einer unbereuten Todsünde, sind auf ewig durch die göttliche Gerechtigkeit bestraft (vgl. Mt. 25, 46). Nicht nur die gefallenen Engel, sondern auch menschliche Seelen sind auf ewig verdammt (vgl. 2 Thess. 1, 9; 2 Petr. 3, 7). Die auf ewig verdammten Menschen werden nicht ausgelöscht, weil ihre Seelen unsterblich sind, gemäß der unfehlbaren Lehre der Kirche (vgl. 5. Laterankonzil, 8. Sitzung).

9. Die aus dem Glauben an Jesus Christus, den eingeborenen Sohn Gottes und den einzigen Erlöser des Menschengeschlechts, geborene Religion, ist die einzige Religion, die von Gott positiv gewollt ist. Deshalb ist die Meinung falsch, die sagt, dass, auf dieselbe Weise, wie Gott positiv die Verschiedenheit des männlichen und weiblichen Geschlechts und die Vielfalt der Nationen will, er auch die Vielfalt der Religionen will.

10. „Unsere [die christliche] Religion stellt tatsächlich eine echte und lebendige Verbindung mit Gott her, was den übrigen Religionen nicht gelingt, auch wenn sie sozusagen ihre Arme zum Himmel ausstrecken“ (Paul VI., Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi, 53).

11. Das Geschenk des freien Willens, mit dem Gott der Schöpfer die menschliche Person ausgestattet hat, gewährt dem Menschen das natürliche Recht, nur das Gute und Wahre zu wählen. Keine menschliche Person hat deshalb ein natürliches Recht, Gott zu beleidigen, indem sie das sittliche Übel der Sünde, des religiösen Irrtums, der Götzenverehrung, der Gotteslästerung oder eine falsche Religion wählt.

Das Gesetz Gottes

12. Eine gerechtfertigte Person hat die notwendige Kraft, mit Gottes Gnade die objektiven Forderungen des Göttlichen Gesetzes zu erfüllen, weil alle Gebote Gottes für den Gerechtfertigten möglich sind. Wenn die Gnade Gottes den Sünder rechtfertigt, bewirkt sie kraft ihrer Natur eine Abkehr von allen schweren Sünden (vgl. Konzil von Trient, Dekret über die Rechtfertigung, Kap. 11; Kap. 13).

13. „Die Gläubigen sind verpflichtet, die spezifischen, von der Kirche im Namen Gottes, des Schöpfers und Herrn, vorgelegten und gelehrten sittlichen Gebote anzuerkennen und zu achten. (…) Die Gottesliebe und die Nächstenliebe sind nicht zu trennen von der Einhaltung der Gebote des Bundes, der im Blut Jesu Christi und durch die Gabe des Geistes erneuert wurde“ (Johannes Paul II., Veritatis splendor, 76). Gemäß der Lehre derselben Enzyklika ist die Meinung derjenigen falsch, die „glauben, die freie und bedachte Wahl von Verhaltensweisen, die den Geboten des göttlichen und des Naturgesetzes widersprechen, als sittlich gut rechtfertigen zu können.“ Deshalb „können sich diese Theorien nicht auf die katholische moralische Tradition berufen“ (Ebd.).

14. Alle Gebote Gottes sind gleich gerecht und barmherzig. Deshalb ist die Meinung falsch die sagt, dass eine Person durch den Gehorsam im Bezug auf ein göttliches Verbot – wie z. B. das sechste Gebot, die Ehe nicht zu brechen – durch diesen Akt des Gehorsams gegen Gott sündigen, sich selbst moralisch schädigen, oder gegen eine andere Person sündigen kann.

15. „Kein Umstand, kein Zweck, kein Gesetz wird jemals eine Handlung für die Welt statthaft machen können, die in sich unerlaubt ist, weil sie dem Gesetz Gottes widerspricht, das jedem Menschen ins Herz geschrieben, mit Hilfe der Vernunft selbst erkennbar und von der Kirche verkündet worden ist“ (Johannes Paul II., Enzyklika Evangelium Vitae, 62). Es gibt moralische Prinzipien und moralische Wahrheiten, die in der göttlichen Offenbarung und im natürlichen Sittengesetz enthalten sind, die negative Verbote einschließen, die bestimmte Arten von Handlungen absolut verbieten, insofern als diese Art von Handlungen immer ein schweres Unrecht hinsichtlich ihres Objekts darstellen. Daher ist die Meinung falsch, dass eine gute Absicht oder eine gute Folgetat ausreichend sei oder sein könne, um die Durchführung solcher Handlungen zu rechtfertigen (vgl. Konzil von Trient, sess. 6 de iustificatione, c. 15; Johannes Paul II., Apostolische Exhortation, Reconciliatio et Paenitentia, 17; Enzyklika Veritatis Splendor, 80).

16. Einer Frau, die in ihrem Schoss ein Kind empfangen hat, ist es durch natürliches und Göttliches Gesetz verboten, dieses menschliche Leben in ihr durch eigene Handlung oder mit Hilfe von Anderen direkt oder indirekt zu töten (vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Evangelium Vitae, 62).

17. Prozeduren, die eine Empfängnis außerhalb des Mutterleibes bewirken, sind „vom moralischen Standpunkt aus unannehmbar, da sie die Zeugung von dem gesamtmenschlichen Zusammenhang des ehelichen Aktes trennen» (Johannes Paul II., Enzyklika Evangelium Vitae, 14).

18. Niemand ist moralisch dazu berechtigt, um zeitlichem Leiden zu entfliehen sich vorsätzlich selbst zu töten oder andere dazu zu bewegen, ihn zu töten: „Euthanasie ist eine schwere Verletzung des göttlichen Gesetzes, insofern es sich um eine vorsätzliche Tötung einer menschlichen Person handelt, was sittlich nicht zu akzeptieren ist. Diese Lehre ist auf dem Naturrecht und auf dem geschriebenen Wort Gottes begründet, von der Tradition der Kirche überliefert und vom ordentlichen und allgemeinen Lehramt der Kirche gelehrt“ (Johannes Paul II., Enzyklika Evangelium Vitae, 65).

19. Die Ehe ist durch Göttliche Anordnung und durch das natürliche Sittengesetz eine unauflösliche Vereinigung von einem Mann und einer Frau (vgl. Gen. 2, 24; Mk. 10, 7-9; Eph. 5, 31-32). „Durch ihre natürliche Eigenart sind die Institution der Ehe und die eheliche Liebe auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet und finden darin gleichsam ihre Krönung“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Gaudium et spes, 48).

20. Gemäß dem natürlichen und göttlichen Gesetz kann niemand freiwillig und ohne dabei eine Sünde zu begehen, seine sexuellen Kräfte außerhalb einer gültigen Ehe ausüben. Es steht deshalb im Gegensatz zur Heiligen Schrift und zur Tradition zu behaupten, das Gewissen könne wahr und richtig urteilen, dass sexuelle Akte zwischen Personen, die eine zivile Ehe miteinander geschlossen haben, manchmal sittlich richtig, oder gefordert oder sogar von Gott befohlen sein können, obwohl eine oder beide Personen in einer sakramentalen Ehe mit einer anderen Person verbunden sind (vgl. 1 Kor 7, 11; Johannes Paul II., Apostolische Exhortation Familiaris consortio, 84).

21. Gemäß dem natürlichen und göttlichen Gesetz „ist jede Handlung verwerflich, die entweder in Voraussicht oder während des Vollzugs des ehelichen Aktes oder im Anschluss an ihn beim Ablauf seiner natürlichen Auswirkungen darauf abstellt, die Fortpflanzung zu verhindern, sei es als Ziel, sei es als Mittel zum Ziel“ (Paul VI., Enzyklika Humanae Vitae, 14).

22. Jeder Ehemann oder Ehefrau, der oder die eine zivile Scheidung von seinem Ehepartner, mit dem er oder sie gültig verheiratet ist, erlangt und eine Zivilehe mit einer anderen Person noch zu Lebzeiten seines Ehepartners geschlossen hat, und der ehelich mit dem zivilen Partner lebt, und der sich entschließt, in diesem Stand mit vollem Wissen um die Natur der Handlung und mit voller Zustimmung seines Willens zu dieser Handlung, befindet sich im Stand der Todsünde und kann deshalb nicht die heiligmachende Gnade empfangen und in der Liebe wachsen. Deshalb können diese Christen, wenn sie nicht als „Bruder und Schwester“ leben, die heilige Kommunion nicht empfangen (vgl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Familiaris consortio, 84).

23. Zwei gleichgeschlechtliche Personen, die gegenseitige geschlechtliche Lust suchen, sündigen schwer (vgl. Lev. 18, 22; Lev. 20, 13; Röm. 1, 24-28; 1 Kor. 6, 9-10; 1 Tim. 1, 10; Jud. 7). Homosexuelle Handlungen „sind in keinem Fall zu billigen“ (Katechismus der Katholischen Kirche, 2357). Daher widerspricht es dem Naturgesetz und der Göttlichen Offenbarung zu behaupten, dass in der gleichen Weise wie Gott der Schöpfer einigen Menschen eine natürliche Anlage gegeben hat, sexuelles Verlangen für Personen des anderen Geschlechts zu empfinden, Er einigen Menschen die natürliche Anlage gegeben hat, sexuelles Verlangen für Personen des eigenen Geschlechts zu empfinden, und dass Er es beabsichtigt, dass diese Anlage in gewissen Umständen auch ausgelebt wird.

24. Kein menschliches Gesetz und keine menschliche Macht kann zwei Personen desselben Geschlechts das Recht geben, einander zu heiraten, oder solche Personen als verheiratet zu erklären, weil das im Gegensatz zum natürlichen und Göttlichen Gesetz steht. „Nach dem Plan des Schöpfers gehören also die Komplementarität der Geschlechter und die Fruchtbarkeit zum Wesen der ehelichen Institution“ (Kongregation für die Glaubenslehre, Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen, 3. Juni 2003, 3).

25. Verbindungen, die den Namen „Ehe“ tragen, ohne dass sie es in Wirklichkeit sind, können nicht den Segen der Kirche erhalten, weil das im Gegensatz zum natürlichen und Göttlichen Gesetz steht.

26. Die staatliche Gewalt darf keine bürgerliche oder legale Vereinigung zweier Personen desselben Geschlechts, die offensichtlich den Ehebund imitieren, einführen, auch wenn solche Vereinigungen nicht den Namen „Ehe“ erhalten, weil solche Vereinigungen für die Personen, die in diesen leben, Anlass zur schweren Sünde geben und ein großes Ärgernis für andere verursachen (vgl. Glaubenskongregation, Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen, 3. Juni 2003, 11).

27. Das männliche und das weibliche Geschlecht, Mann und Frau, sind biologische Realitäten, die durch den weisen Willen Gottes erschaffen wurden (vgl. Gen. 1, 27; Katechismus der Katholischen Kirche, 369). Es ist deshalb eine Auflehnung gegen das natürliche und Göttlichen Gesetz und eine schwere Sünde, dass ein Mann versucht, eine Frau zu werden, indem er sich verstümmelt, oder indem er einfach sich selbst dazu erklärt, oder dass eine Frau in ähnlicher Weise versucht, ein Mann zu werden, oder zu behaupten, dass die staatliche Autorität die Pflicht oder das Recht hat, zu handeln, als ob solche Dinge möglich und erlaubt seien oder sein könnten (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 2297).

28. In Übereinstimmung mit der Heiligen Schrift und der beständigen Überlieferung des ordentlichen und allgemeinen Lehramts, hat sich die Kirche nicht geirrt, wenn sie lehrte, dass die staatliche Gewalt die Todesstrafe an Übeltätern erlaubterweise anwenden kann, wo dies wirklich notwendig ist, um die Existenz oder die gerechte Ordnung von menschlichen Gesellschaften zu bewahren (vgl. Gen. 9, 6; Joh. 19, 11; Röm. 13, 1-7; Innozenz III., Professio fidei Waldensibus praescripta; Römischer Katechismus des Konzils von Trient, p. III, 5, n. 4; Pius XII., Ansprache an die katholischen Juristen vom 5. Dezember 1954).

29. Jede Autorität auf Erden wie auch im Himmel gehört Jesus Christus; deshalb sind staatliche Gemeinschaften und alle anderen menschlichen Vereinigungen seinem Königtum unterworfen, so dass „die Pflicht, Gott aufrichtig zu verehren, sowohl den einzelnen Menschen als auch die Gesellschaft betrifft“ (Katechismus der Katholischen Kirche, 2105; vgl. Pius XI., Enzyklika Quas primas, 18-19; 32).

Die Sakramente

30. Im Allerheiligsten Sakrament der Eucharistie ereignet sich eine wunderbare Wandlung, nämlich der ganzen Substanz des Brotes in den Leib Christi und der ganzen Substanz des Weines in Sein Blut, eine Wandlung, die die Katholische Kirche sehr passend „Transsubstantiation“ nennt (vgl. 4. Laterankonzil, Kap. 1; Konzil von Trient, 13. Sitzung, 4). „Jede theologische Erklärung, die sich um das Verständnis dieses Geheimnisses bemüht, muss, um mit dem katholischen Glauben übereinstimmen zu können, daran festhalten, dass in der von unserem Geist unabhängigen Ordnung der Wirklichkeit Brot und Wein, nach der Konsekration, zu bestehen aufgehört haben, so dass nunmehr der anbetungswürdige Leib und das anbetungswürdige Blut unseres Herrn vor uns gegenwärtig sind unter den sakramentalen Gestalten von Brot und Wein; so hat es der Herr gewollt, um sich uns zur Speise zu geben und uns einzugliedern in die Einheit seines mystischen Leibes“ (Paul VI., Apostolischer Brief Solemni hac liturgia (Das Credo des Gottesvolkes), 25)

31. Die Formulierungen, durch die das Konzil von Trient den Glauben der Kirche an die heilige Eucharistie ausgedrückt hat, sind für die Menschen aller Zeiten und Orte angemessen, weil sie eine „immer gültige Lehre der Kirche sind“ (Johannes Paul II., Enzyklika Ecclesia de Eucharistia, 15).

32. In der Heiligen Messe wird der Heiligsten Dreifaltigkeit ein wahres und eigentliches Opfer dargebracht und dieses Opfer ist ein Sühneopfer sowohl für die Menschen, die auf der Erde leben, als auch für die Seelen im Fegefeuer. Die Meinung ist also falsch, die besagt, dass das Messopfer nur darin besteht, dass das Volk ein geistiges Opfer des Gebets und des Lobpreises darbringt, ebenso wie die Meinung, dass die Messe nur den Sinn haben könnte, dass Christus Sich selbst für die Gläubigen als ihre geistige Speise hingibt (vgl. Konzil von Trient, 22. Sitzung, 2).

33. „Wir glauben, dass die heilige Messe, wenn sie vom Priester, der die Person Christi darstellt, kraft der durch das Weihesakrament empfangenen Gewalt, gefeiert und im Namen Jesu Christi und der Glieder seines mystischen Leibes dargebracht wird, das Opfer von Kalvaria ist, das auf unseren Altären sakramental vergegenwärtigt wird. Wir glauben, dass in der Weise wie Brot und Wein vom Herrn beim heiligen Abendmahl konsekriert und in seinen Leib und in sein Blut verwandelt worden sind, die er für uns am Kreuz geopfert hat, auch Brot und Wein, wenn sie vom Priester konsekriert werden, in den Leib und das Blut Christi verwandelt werden, der glorreich in den Himmel aufgefahren ist; und wir glauben, dass die geheimnisvolle Gegenwart des Herrn unter dem, was für unsere Sinne in derselben Weise wie vorher fortzubestehen erscheint, eine wahre, wirkliche und wesentliche Gegenwart ist“ (Paul VI., Apostolischer Brief Solemni hac liturgia (Das Credo des Gottesvolkes), 24).

34. „Die unblutige Hinopferung, bei der kraft der Wandlungsworte, Christus im Zustand des Opferlammes auf dem Altare gegenwärtig wird, ist das Werk des Priesters allein, insofern er die Person Christi vertritt, nicht aber die Person der Gläubigen darstellt. (…) Dass die Gläubigen das Opfer durch die Hände des Priesters darbringen, geht aus folgendem hervor: Der Diener des Altares vertritt die Person Christi als Haupt, das im Namen aller Glieder opfert; deshalb kann man auch mit Recht sagen, die gesamte Kirche vollziehe durch Christus die Darbringung der Opfergabe. Die Behauptung aber, das Volk bringe zugleich mit dem Priester das Opfer dar, hat nicht etwa den Sinn, als ob die Glieder der Kirche ebenso wie der Priester selbst die sichtbare liturgische Handlung vollzögen, denn das ist ausschließlich Aufgabe des von Gott dazu berufenen Dieners; das bedeutet vielmehr, dass das Volk seine Gesinnungen des Lobes, der Bitte, der Sühne und der Danksagung mit den Gesinnungen oder der inneren Meinung des Priesters, ja des Hohepriesters selbst, zu dem Zwecke vereinigt, dass sie in der eigentlichen Opferdarbringung auch durch den äußeren Ritus des Priesters Gott dem Vater entboten werden“ (Pius XII., Enzyklika Mediator Dei, 92).

35. Das Sakrament der Buße ist das einzige ordentliche Mittel, durch das schwere Sünden, die nach der Taufe begangen wurden, vergeben werden, und nach göttlichem Gesetz müssen alle solche Sünden nach Anzahl und Art gebeichtet werden (vgl. Konzil von Trient, sess. 14, can. 7).

36. Nach göttlichem Gesetz darf der Beichtvater das Beichtsiegel unter keinen Umständen verletzen. Keine kirchliche Autorität hat die Vollmacht, ihn vom Siegel des Sakraments zu dispensieren, und die staatliche Gewalt ist gänzlich unbefugt, derartiges anzuordnen (vgl. Kodex des Kanonischen Rechts 1983, can. 1388 § 1; Katechismus der Katholischen Kirche 1467).

37. Gemäß dem Willen Christi und der unveränderlichen Tradition der Kirche darf das Sakrament der Eucharistie jenen nicht gespendet werden, die im öffentlichen Stand einer objektiven schweren Sünde leben, und die sakramentale Lossprechung darf jenen nicht erteilt werden, die ihrer Ablehnung Ausdruck verleihen, mit dem göttlichen Gesetz übereinzustimmen, auch wenn ihre mangelnde Bereitschaft nur eine einzige schwere Materie betrifft (vgl. Konzil von Trient, sess. 14, c. 4; Johannes Paul II., Brief an den Großpönitentiar Kardinal William W. Baum vom 22. März 1996).

38. Gemäß der beständigen Überlieferung der Kirche, darf das Sakrament der Heiligen Eucharistie jenen nicht gespendet werden, die eine Wahrheit des Katholischen Glaubens leugnen, indem sie formell ihre Anhängerschaft an eine häretische oder eine offiziell schismatische christliche Gemeinschaft bekennen (vgl. Kodex des Kanonischen Rechts 1983, can. 915; 1364).

39. Das Gesetz, durch das die Priester verpflichtet sind, vollkommene Enthaltsamkeit im Zölibat zu beobachten, hat seinen Ursprung im Beispiel von Jesus Christus und gehört zur immerwährenden apostolischen Tradition in Übereinstimmung mit dem beständigen Zeugnis der Kirchenväter und der Römischen Päpste. Aus diesem Grund darf dieses Gesetz in der Römischen Kirche nicht abgeschafft und ein optionaler priesterlicher Zölibat auf regionaler, oder universaler Ebene eingeführt werden. Das beständig gültige Zeugnis der Kirche hält fest, dass das Gesetz der priesterlichen Enthaltsamkeit „keine neuen Gebote aufstellt und dass diese Gebote beobachtet werden sollten, weil sie von einigen durch Unwissenheit und Trägheit nicht befolgt wurden. Diese Gesetze gehen dennoch auf die Apostel zurück und sie wurden durch die Väter festgelegt, wie geschrieben steht: ‘Seid also standhaft, Brüder und haltet an den Überlieferungen fest, in denen wir euch unterwiesen haben, sei es mündlich, sei es durch einen Brief!’ (2 Thess. 2, 15). Es gibt in Wahrheit viele, die durch Verachtung der Verordnungen unserer Vorväter die Keuschheit der Kirche, durch ihre Anmaßung verletzten und dabei das Gericht Gottes nicht fürchtend, dem Willen der Menschen folgten“ (Papst Siricius, Dekretale Cum in unum vom Jahr 386).

40. Durch den Willen Christi und die göttliche Verfassung der Kirche können nur getaufte Männer (viri) das Weihesakrament empfangen, sei im Bischofsamt, im Priestertum, oder im Diakonat (vgl. Johannes Paul II., Apostolischer Brief Ordinatio Sacerdotalis, 4). Zudem ist die Aussage falsch, dass nur ein Ökumenisches Konzil diese Angelegenheit definieren kann, weil die Lehrautorität eines Ökumenischen Konzils nicht weiter greift als die des Römischen Papstes (vgl. 5. Laterankonzil, 11. Sitzung; 1. Vatikanische Konzil, 4. Sitzung, 3. Kap, Nr. 8).

31. Mai 2019
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Jan Pawel Lenga, emeritierter Erzbischof-Bischof von Karaganda
Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana

Petersdom, der Morgennebel wabert um die Kuppel

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Quelle

Die Grenzen der päpstlichen Autorität und das Schicksal eines ketzerischen Papstes: ein Exklusivinterview mit Bischof Schneider

Rom, 25. März 2019 (LifeSiteNews) — Bischof Athanasius Schneider veröffentlichte kürzlich einen Aufsatz, in dem er die Möglichkeit der theologischen Ansicht, dass die Kirche einen ketzerischen Papst absetzen könnte, in Betracht zieht und zurückweist.

In seinem Essay (das hier zu sehen ist ) vertritt der Weihbischof von Astana die Auffassung, dass die Annahme der Möglichkeit eines ketzerischen Papstes aber mit der Ablehnung, dass er abgesetzt werden könnte, weit entfernt davon, einen übertriebenen Ultramontanismus zu reflektieren, ein durchdachtes und angemessenes Verständnis der päpstlichen Autorität darstellt.

In einem Exklusivinterview mit LifeSite erläutert Bischof Schneider bestimmte Fragen, die sich aus seinem Essay ergeben: die Autorität der Theologen, mit denen er nicht einverstanden ist, die Möglichkeiten für eine Debatte in dieser Frage und die seit dem Beginn entstandenen Missbräuche des letzten Jahrhunderts aus einer übertriebenen Sichtweise der päpstlichen Autorität.

 

Hiernach unser Interview mit Bischof Athanasius Schneider:

LifeSite: Exzellenz, können Sie die Position, die Sie in Ihrem Essay zur Frage eines ketzerischen Papstes dargelegt haben, kurz zusammenfassen?

Bischof Schneider: Die Hauptidee des Essays ist folgende: Ein Papst kann von niemandem abgesetzt werden und er kann sein Amt nicht aus irgendeinem Grund ipso facto verlieren. Die Kirche hat diese Wahrheit seit zweitausend Jahren beachtet, und es ist nie vorgekommen, dass ein Papst wegen Häresie abgesetzt wurde oder dass sein Pontifikat wegen Häresie für ungültig erklärt wurde. Kein Grund, auch wenn er von einem Heiligen oder berühmten Theologen vorgeschlagen wird – der jedoch nur eine Meinung und keine Lehre der Kirche bleibt – rechtfertigt einen Bruch mit dieser unerschütterlichen, ständigen Tradition. Es würde die revolutionäre Neuheit der Absetzung eines Papstes oder den Verlust seines Amtes aufgrund von Häresie einführen.

Die andere Hauptidee ist, ein konkretes kanonisches Verfahren vorzuschlagen, das im Falle eines ketzerischen oder halbketzerischen Papstes durchgeführt werden könnte – ein Verfahren, das der göttlichen Verfassung der Kirche nicht widerspricht. Dieser Vorschlag ist nur als Impuls und Beitrag zur weiteren theologischen und kanonischen Debatte gedacht.

Die andere relevante Absicht des Aufsatzes besteht darin, das Bewusstsein für den bereits Jahrhunderte alten fehlerhaften und ungesunden Zustand des Papstzentrismus oder der Papolatrie, d.h. des Phänomens eines aufgeblähten Begriffs der päpstlichen Autorität im Leben der Kirche, zu wecken, gewissermaßen eine Karikatur des päpstlichen Amtes. Sie macht den Papst zum allgegenwärtigen Brennpunkt des täglichen Lebens der Kirche auf weltweiter Ebene und unterstellt, dass ein Papst niemals einen Fehler machen kann. Dadurch entsteht eine völlig neue päpstliche Unfehlbarkeit, die den Papst unbewusst in eine Art Halbgott verwandelt. Ein solches Phänomen ist der gesunden Tradition der Apostel und der Kirchenväter fremd. Es ist in der Tat Zeit, diesbezüglich ein Warnsignal auszustoßen.

Warum haben Sie sich entschieden, diesen Essay jetzt zu veröffentlichen?

In letzter Zeit gab es Diskussionen über die Theorie oder Meinung zu einem ketzerischen Papst im Internet und in anderen Medien. Ich habe Briefe von vielen Leuten erhalten, sogar von ernsthaften Theologen, die die Angelegenheit besprechen und meine Herangehensweise kennenlernen wollen.

Ich bemerkte, dass es bis zu einem gewissen Grad mangelnde Klarheit des Denkens gab, eine Tendenz, sich auf Emotionen zu stützen, und Lösungen vorgeschlagen wurden, die in ihren endgültigen Konsequenzen die gefährlichen Prinzipien des Sedevakantismus und des Konziliarismus enthalten.

Die Ansicht, dass ein ketzerischer Papst wegen Häresie abgesetzt werden kann oder sein Amt ipso facto verliert, widerspricht letztlich der göttlichen Verfassung der Kirche, die besagt, dass die dem Papst übertragene Macht direkt von Gott kommt und nicht von der Kirche, d.h. nicht von einer kirchlichen Institution (Kardinalskollegium oder Konzil). In Zeiten weitverbreiteter Lehrverwirrung und einer beispiellosen Krise in Bezug auf das päpstliche Lehramt besteht die Gefahr, die emotionale Ruhe und intellektuelle Klarheit und Nüchternheit zu verlieren – Eigenschaften, die für das sichere Finden eines Ausweg aus der Krise unerlässlich sind – inmitten des Lärms einer wachsenden Anzahl zunehmend lauter und widersprüchlicher Stimmen.

Was ist die höchste Autorität in der Tradition, die ausdrücklich mit Ihrer Position übereinstimmt?

Die höchste Autorität ist für mich die konstante Tradition der Kirche, die nie offiziell gelehrt hat, dass ein Papst aus irgendeinem Grund legitim abgesetzt werden kann, und die niemals eine solche Absetzung in der Praxis durchgeführt hat. Was eine sogenannte Papolatrie und einen übertriebenen päpstlichen Zentrismus angeht, ist es wiederum die gesunde und sichere Tradition der Kirchenväter und der Päpste des ersten Jahrtausends, die dagegen sprechen.

Glauben Sie, dass ein Katholik in gutem Ansehen behaupten könnte, dass ein ökumenisches Konzil oder die Kardinäle es zustande bringen könnten, dass ein Papst abgesetzt würde, obwohl Sie der Meinung sind, dass diese Meinung falsch ist? Mit anderen Worten, ist es eine Frage, die legitimen Debatten unter katholischen Theologen offen steht?

Da die oberste Autorität der Kirche, d.h. das Päpstliche Lehramt oder das Lehramt eines Ökumenischen Konzils, bis jetzt noch keine einschlägigen Lehren oder verbindlichen Normen darüber abgegeben hat, wie die Kirche einen Papst behandeln sollte, der Häresien oder Halbhäresien verbreitet, bleibt die Möglichkeit einer legitimen Debatte unter den katholischen Theologen bestehen.

Was würden Sie jemandem sagen, der der Meinung ist, dass die Autorität von Cajetan, Suarez, Johannes von St. Thomas und Bellarmine so groß ist, dass es keinen Sinn macht, Ihre Autorität anstelle ihrer zu übernehmen?

Ich wollte mit meinem Aufsatz meine Meinung niemandem aufzwingen. Meine Absicht war es, einen Impuls zu geben und einen Beitrag zu einer ernsthaften Debatte zu diesem konkreten Thema zu leisten. Die Autorität selbst renommierter Theologen ist dennoch nur eine Meinung. Ihre Meinungen repräsentieren nicht die Stimme des Lehramtes – und sicherlich nicht die Stimme des konstanten und universellen Lehramtes der Kirche. Wie ich in meinem Essay erwähnte, gab es bekannte Theologen, die über eine beträchtliche Zeit eine objektiv falsche Meinung über die Angelegenheit des Sakraments der Orden lehrten, d.h., dass die Materie dieses Sakraments die Übergabe der Instrumente war, eine Meinung, die während des gesamten ersten Jahrtausends fehlte. Die Übergabe der Instrumente wurde während des ersten Jahrtausends in der gesamten Kirche in Ost und West nicht praktiziert. Die vorgenannten Theologen stellen nicht den Beweis für die Universalität und das Altertum der gesamten Kirche dar, was in einer so wichtigen Frage notwendig ist.

Denken Sie, dass Bellarmine’s Befürwortung der Position, dass Gott einem Papst nicht erlaubt, ein formeller Ketzer zu sein, nur eine fromme Meinung oder eine falsche Theologenmeinung ist?

Wir müssen die Tatsache berücksichtigen, dass es zur Zeit des hl. Robert Bellarmine immer noch eine theologische Debatte über die konkreten Grenzen und die Art und Weise der Ausübung des Charismas der Unfehlbarkeit im päpstlichen Lehramt gab. Ich bin geneigt anzunehmen, dass der heilige Robert Bellarmine der Meinung war, dass der Papst keine formelle Ketzerei aussprechen kann, wenn er endgültig lehrt oder, um die Terminologie des Ersten Vatikanischen Konzils zu verwenden, wenn er „ex cathedra“ lehrt.

Die von Ihnen vorgeschlagenen praktischen Schritte betonen die Arbeit von individuellen Personen, die einen Papst korrigieren könnten, aber auch die Vorstellung einer Gruppe von Bischöfen, die dies gemeinsam tun. Entspricht dies der klassischen dominikanischen Idee eines „unvollkommenen Konzils“ von Bischöfen, das Anklagen wegen päpstlicher Häresie untersuchen könnte?

Ich lehne die Idee eines sogenannten „unvollkommenen Konzils“ der Bischöfe kategorisch ab.
Der Begriff an sich ist theologisch widersprüchlich und steht im Wesentlichen für die Häresie des „Konziliarismus“ oder der „Synodalität“ in der Art der orthodoxen Kirchen.

Die Vorstellung eines Gremiums in der Kirche, das die Rolle eines Untersuchungsrichters ausüben und über den Papst, der das sichtbare Oberhaupt der Kirche ist, ein Urteil aussprechen würde, widerspricht der göttlichen Verfassung der Kirche. Am Ende ist dies die Methode der orthodoxen Kirche. Diese Herangehensweise war die tiefste Wurzel des Großen Orientalischen Schismas zwischen der griechischen Kirche und dem Heiligen Stuhl im Jahr 1054. Damals untersuchte der Patriarch von Konstantinopel zusammen mit seiner Synode in einer Art „unvollkommenem Konzil“ Anschuldigungen wegen angeblicher päpstlicher Häresien.

Mein Vorschlag, dem Papst eine Berichtigung zukommen zu lassen, entspricht dem Beispiel des hl. Paulus in seiner Berichtigung des ersten Papstes hl. Petrus und stellt kein Urteil über den Papst dar. Es gibt einen subtilen, aber entscheidenden Unterschied zwischen einer Korrektur – einer brüderlichen Korrektur – auch in einer öffentlichen Form, und der Tat eines Ermittlungsrichters und der Entscheidung eines Urteils.

Die Korrektur, die ich mir vorstelle, könnte auch von einer Gruppe von Bischöfen zum Ausdruck gebracht werden, aber nicht als formal zusammengesetzte Gruppe. Vielmehr geht es darum, ihren individuellen Konsens über die Tatsache der Häresie oder der Halb-Häresie eines Papstes zu sammeln – dann ihre Unterschriften zusammenzustellen und einen von ihnen zu beauftragen, die Korrektur an den Papst zu übermitteln. Dies ist keine gerichtliche Untersuchung des Papstes, sondern eine Bestätigung einer offensichtlichen Tatsache. Eine solche Korrektur hätte im Wesentlichen dieselbe Bedeutung wie die Korrektur des heiligen Petrus. In diesem Fall würde dies jedoch kollektiv von einer Gruppe von Kardinälen oder Bischöfen oder sogar Gläubigen durchgeführt werden.

Würden Sie sagen, dass die Frage zumindest zweifelhaft genug ist, dass es voreilig und äußerst unvorsichtig wäre, einen ketzerischen Papst abzusetzen?

Dies würde der göttlichen Verfassung der Kirche widersprechen und würde auf praktischer Ebene unweigerlich zu enormer Verwirrung führen, wie dies während des Großen Schismas am Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts der Fall war. Wir müssen aus der Geschichte lernen.

Wie wichtig ist es, dass ein ökumenisches Konzil einen ketzerischen Papst posthum verurteilt?

Wir haben bereits das Beispiel von drei ökumenischen Konzilien, die Papst Honorius I. posthum verurteilt haben. Dies ist sicherlich wichtig, und die Kirche muss die Verbreitung von Irrlehren oder falschen und mehrdeutigen Lehren stoppen, die ein ketzerischer, ein halbketzerischer oder ein sehr nachlässiger Papst nach seinem Tod zurückließ. In der Tat hat die Kirche niemals die Existenz und Verbreitung von Häresien oder Zweideutigkeiten in der Lehre für längere Zeit toleriert. Ebenso toleriert eine gute Mutter keine schädlichen Nahrungsmittel für ihre Kinder, und ein guter Arzt toleriert die Ausbreitung von Infektionskrankheiten nicht. Häresien und mehrdeutige Lehren im Leben der Kirche sind nichts anderes als schädliche Nahrung und Infektionskrankheiten.

Sie werfen die Frage auf, wie eine aufgeblähte Auffassung der päpstlichen Autorität Neuheiten in der römischen Liturgie ermutigt hat? Denken Sie, dass Pius X., Pius XII. Und Paul VI. Ihre Autorität als Papst überschritten haben, als sie die liturgischen Änderungen vorgenommen haben, die sie gemacht haben? Und denken Sie, dass der Kanon von Trient, der die Schaffung neuer Riten verbietet, den Papst wie auch andere Pastoren der Kirche bindet?

Die Art und Weise, wie sich die ständige Tradition der Kirche und aller Päpste bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts verhalten hat, sollte ein sicherer Hinweis sein. In der Tat hat die Kirche in den neunzehn Jahrhunderten nie drastische, anorganische oder revolutionäre Änderungen am Lex orandi vorgenommen, d.h. an der Heiligen Liturgie.

Die Tatsache, dass liturgische Feiern nicht streng dogmatisch sind oder, wie die Menschen heute sagen, eine pastorale Angelegenheit sind, bedeutet nicht, dass ein Papst eine revolutionäre liturgische Reform durchführen kann. Hier sind die orientalische oder die orthodoxe Kirche ein hervorragendes Beispiel für einen äußerst sorgfältigen und etwas gewissenhaften Umgang mit liturgischen Reformen. Meines Erachtens missbrauchten die vorgenannten Päpste ihre Macht, indem sie radikale und anorganische liturgische Reformen durchführten. Die radikale Natur dieser Reformen war der gesamten Tradition der Kirche in Ost und West für neunzehn Jahrhunderte, d.h. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, fremd.

Die Canones des Konzils von Trient, die bei der Feier der Sakramente die Schaffung neuer Riten verboten hatten, bezogen sich auf eine solche revolutionäre und anorganische liturgische Reform. In diesem Sinne sollten diese Canones von allen Päpsten beobachtet werden, auch wenn sie für einen Papst nicht streng verbindlich sind. Jeder Papst sollte jedoch diese Canones des Konzils von Trient als Aufruf an die nachgewiesene Weisheit der ständigen und sicheren Tradition der Kirche betrachten. Es wäre ein Zeichen der Kühnheit und des päpstlichen Absolutismus und daher der Unvorsichtigkeit, diesen Rat nicht zu befolgen.

Es gibt ein bekanntes Prinzip aus der Zeit der Apostel und der ersten Päpste, das wie folgt lautet: „Nihil innovetur, nisi quod traditum est„, d.h. „Keinerlei Neuerung außer was überliefert ist.“ Mit diesen Worten will ich meinen Aufsatz absichtlich abschließen.

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Quelle

(Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS])

Athanasius Schneider: „Die Vielfalt der Religionen ist nicht gottgewollt“

Weihbischof Athanasius Schneider über den Glanz der Gotteskindschaft

DER CHRISTLICHE GLAUBE IST DIE EINZIG GÜLTIGE RELIGION UND DER EINZIGE VON GOTT GEWOLLTE GLAUBE

Der christliche Glaube ist die einzig gültige Religion und der einzige von Gott gewollte Glaube. Msgr. Athanasius Schneider, Weihbischof des Erzbistums Astana in Kasachstan, veröffentlichte nach der jüngsten Reise von Papst Franziskus in die Vereinigten Arabischen Emirate eine Stellungnahme. Darin korrigiert er die Aussagen von Franziskus, daß der religiöse Pluralismus dem „weisen, göttlichen Willen“ entspreche, also gottgewollt sei. So hatte es Franziskus in Abu Dhabi erklärt, und so steht es in einem „Dokument für die universale Brüderlichkeit“, das er zusammen mit dem Großimam von Al-Azhar unterzeichnete.

 

Das Geschenk der Gotteskindschaft

Die Wahrheit der Gotteskindschaft in Christus, die an sich übernatürlich ist, bildet die Synthese aller göttlichen Offenbarungen. Die Gotteskindschaft ist immer ein Geschenk der Gnade, das erhabenste Geschenk Gottes an die Menschheit. Dieses Geschenk wird jedoch nur durch den persönlichen Glauben an Christus und durch den Empfang der Taufe erlangt, wie der Herr selbst gesagt hat:

„Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, daß ich dir sagte: Ihr müßt von neuem geboren werden“ (Joh 3,5-7).

In den vergangenen Jahrzehnten gab es oft – sogar aus dem Mund einiger Vertreter der kirchlichen Hierarchie – Aussagen zur Theorie der „anonymen Christen“. Diese Theorie besagt folgendes: Die Mission der Kirche in der Welt würde letztendlich darin bestehen, das Bewußtsein zu wecken, das alle Menschen von ihrer Errettung in Christus und folglich ihrer Gotteskindschaft hätten. Denn nach dieser Theorie würde jeder Mensch bereits in der Tiefe seiner Person die Gotteskindschaft besitzen. Eine solche Theorie widerspricht jedoch direkt der göttlichen Offenbarung, wie Christus sie gelehrt hat, und wie seine Apostel und die Kirche seit zweitausend Jahren unveränderlich und ohne jeden Zweifel überliefert haben.

In seinem Essay „Die Kirche aus Juden und Heiden“ (1933) hatte der bekannte Konvertit und Exeget, Erik Peterson, schon lange zuvor vor der Gefahr einer solchen Theorie gewarnt , als er erklärte, daß wir das Christsein nicht auf die natürliche Ordnung reduzieren können, in der die Früchte der Erlösung, die von Jesus Christus gewirkt wurde, generell jedem Menschen als eine Art Erbschaft zugeschrieben werden, nur weil er die Menschennatur mit dem menschgewordenen Wort teile. Die Gotteskindschaft ist jedoch kein automatisches Ergebnis, das durch die bloße Zugehörigkeit zur Menschheit garantiert wird.

Der heilige Athanasius (vgl. Oratio contra Arianos II, 59) hinterließ uns eine einfache und zugleich genaue Erklärung des Unterschieds zwischen dem natürlichen Zustand der Menschen als Geschöpfe Gottes und der Herrlichkeit, Kinder Gottes in Christus zu sein. Der heilige Athanasius entfaltet sein Denken, indem er von den Worten des heiligen Evangeliums nach Johannes ausgeht, das sagt:

„Allen aber, die ihn aufnahmen, / gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, / allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, / nicht aus dem Willen des Fleisches, / nicht aus dem Willen des Mannes, / sondern aus Gott geboren sind“ (Joh 1,12-13).

Johannes verwendet den Ausdruck „aus Gott geboren“, um zu sagen, daß der Mensch nicht von Natur aus ein Kind Gottes ist, sondern durch Adoption wird. Diese Tatsache zeigt die Liebe Gottes, da derjenige, der ihr Schöpfer ist, dann durch die Gnade auch zu ihrem Vater wird. Dies geschieht, wie der Apostel sagt, wenn Menschen in ihrem Herzen den Geist des menschgewordenen Sohnes empfangen, der in ihnen ruft: „Abba, Vater!“ Der heilige Athanasius fährt fort, indem er sagt: Als erschaffene Wesen können die Menschen Kinder Gottes ausschließlich durch den Glauben und die Taufe werden, indem sie den Geist des wahren und natürlichen Sohnes Gottes empfangen. Genau aus diesem Grund ist das Wort fleischgeworden, um die Menschen fähig zu machen, als Kinder adoptiert zu werden und an der göttlichen Natur teilzuhaben. Folglich ist Gott von Natur aus im strengen Sinne nicht der Vater der Menschen. Nur wer bewußt Christus annimmt und getauft wird, wird in der Wahrheit rufen können: „Abba, Vater“ (Röm 8,15, Gal 4,6).

Von Anfang an gab es in der Kirche die Feststellung, wie Tertullian bezeugt:

„Man wird nicht als Christ geboren, ein Christ wird man“ (Apg. 18, 5).

Und der hl. Cyprian von Karthago hat diese Wahrheit gesichert formuliert:

„Gott kann nicht zum Vater haben, wer nicht die Kirche zur Mutter hat“ (De unit. 6).

Die dringlichste Aufgabe der Kirche in unserer heutigen Zeit ist es, sich um den geistigen Klimawandel und das Klima der geistigen Migration zu kümmern, damit das Klima des Nicht-Glaubens an Jesus Christus und das Klima der Ablehnung des Königtums Christi in ein Klima umgewandelt werden des ausdrücklichen Glaubens an Jesus Christus und der Annahme seines Königtums, und daß die Menschen aus dem Elend der geistigen Sklaverei des Nicht-Glaubens emigrieren können zum Glück, Kinder Gottes zu sein, und aus einem Leben in der Sünde in den Stand der heiligmachenden Gnade. Das sind die Migranten, derer wir uns dringend annehmen müssen.

Das Christentum ist die einzige von Gott gewollte Religion, daher kann das Christentum niemals komplementär neben andere Religionen gestellt werden. Wer die These vertritt, daß Gott die Vielfalt der Religionen wolle, verletzt die Wahrheit der göttlichen Offenbarung, wie sie im Ersten Gebot des Dekalogs unmißverständlich bekräftigt wir. Nach dem Willen Christi muß der Glaube an Ihn und Seine göttliche Lehre die anderen Religionen ersetzen , jedoch nicht mit Gewalt, sondern mit einer liebevollen Überzeugung, wie es der Lobgesang des Christkönigsfestes ausdrückt:

„Non Ille regna cladibus, non vi metuque subdidit: alto levatus stipite, amore traxit omnia“(„Nicht mit dem Schwert, der Kraft und der Angst unterwirft Er die Völker, sondern erhöht am Kreuz zieht Er alles liebend an sich“).

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh 14,6).

Der menschgewordene Sohn Gottes hat gelehrt, daß es außerhalb des Glaubens an Ihn keine wahre Religion geben kann, die Gott gefällt:

„Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden“ (Joh 10, 9).

Gott hat allen Menschen ausnahmslos geboten, auf seinen Sohn zu hören:

„Dies ist mein geliebter Sohn; auf Ihn sollt ihr hören“ (Mk 9,7).

Gott hat nicht gesagt: „Sie können Meinem Sohn oder anderen Religionsstiftern zuhören, da es Mein Wille ist, daß es verschiedene Religionen gibt.“

Gott hat die Anerkennung der Religion anderer Götter verboten:

„Du sollst neben mir keine anderen Götter haben“ (Ex 20,3) und „Was haben denn Gerechtigkeit und Gesetzwidrigkeit miteinander zu tun? Was haben Licht und Finsternis gemeinsam? Was für ein Einklang herrscht zwischen Christus und Beliar? Was hat ein Gläubiger mit einem Ungläubigen gemeinsam? Wie verträgt sich der Tempel Gottes mit Götzenbildern?“ (2 Kor 6,14-16).

Wenn die anderen Religionen gleichermaßen dem Willen Gottes entsprechen würden, hätte es zur Zeit von Moses keine göttliche Verurteilung der Religion des goldenen Kalbes gegeben (siehe Ex 32, 4-20). Dann könnten die heutigen Christen die Religion eines neuen goldenen Kalbes ungestraft kultivieren, da nach dieser Theorie alle Religionen ebenso gottgefällig wären.

Gott gab den Aposteln und durch sie der Kirche für alle Zeiten den feierlichen Befehl, alle Völker und die Anhänger aller Religionen in dem einen wahren Glauben zu unterweisen, sie zu lehren, alle seine göttlichen Gebote zu beachten und sie zu taufen (siehe Mt 28,19-20). Seit die Apostel und der erste Papst zu predigen begonnen haben, hat die Kirche immer verkündet, daß es in keinem anderen Namen eine Erlösung gibt, das heißt, es gibt keinen anderen Glauben unter dem Himmel durch den Menschen gerettet werden können, außer im Namen und Glauben an Jesus Christus (siehe Apostelgeschichte 4, 12).

Mit den Worten des heiligen Augustinus lehrte die Kirche zu allen Zeiten:

„Nur die christliche Religion weist den für alle offenen Weg für das Heil der Seele. Ohne sie wird niemand gerettet. Dies ist der Königsweg, denn er allein führt nicht zu einem Reich das durch irdische Höhe schwankt, sondern zu einem dauerhaften Reich in der stabilen Ewigkeit“ (De civitate Dei, 10, 32,1).

Die folgenden Worte des großen Papstes Leo XIII. bezeugen dieselbe, zu allen Zeiten unveränderliche Lehre des Lehramts, indem er versicherte:

„Der große moderne Irrtum des religiösen Indifferentismus und der Gleichheit aller Kulte ist der geeignetste Weg, alle Religionen zu vernichten und vor allem die katholische, die als einzig wahre nicht ohne enorme Ungerechtigkeit in ein Bündel mit den anderen zusammengenommen werden kann“ (Enzyklika Humanum genus , Nr. 16).

In jüngster Zeit hat das Lehramt im Dokument „Dominus Iesus“ (6. August 2000) im Wesentlichen dieselbe unveränderliche Lehre vorgelegt, aus der wir relevante Aussagen zitieren:

„Der theologale Glaube, die Annahme der durch den einen und dreifaltigen Gott geoffenbarten Wahrheit, wird deswegen oft gleichgesetzt mit der inneren Überzeugung in den anderen Religionen, mit religiöser Erfahrung also, die noch auf der Suche nach der absoluten Wahrheit ist und der die Zustimmung zum sich offenbarenden Gott fehlt. Darin liegt einer der Gründe für die Tendenz, die Unterschiede zwischen dem Christentum und den anderen Religionen einzuebnen, ja manchmal aufzuheben“(Nr. 7). „Im Gegensatz zum christlichen und katholischen Glauben stehen jedoch Lösungsvorschläge, die ein Heilswirken Gottes außerhalb der einzigen Mittlerschaft Christi annehmen“ (Nr. 14). „Nicht selten wird der Vorschlag gemacht, in der Theologie Ausdrücke wie »Einzigkeit«, »Universalität« oder »Absolutheit« zu vermeiden, weil dadurch der Eindruck entstünde, die Bedeutung und der Wert des Heilsereignisses Jesu Christi würde gegenüber den anderen Religionen in übertriebener Weise betont. In Wirklichkeit bringen diese Worte nur die Treue zum Offenbarungsgut zum Ausdruck, weil sie sich aus den Glaubensquellen selbst ergeben“ Nr. 15). „Aus dem Gesagten geht klar hervor, daß es dem katholischen Glauben widerspräche, die Kirche als einen Heilsweg neben jenen in den anderen Religionen zu betrachten, die komplementär zur Kirche, ja im Grunde ihr gleichwertig wären, insofern sie mit dieser zum eschatologischen Reich Gottes konvergierten“ (Nr. 21). Die Glaubenswahrheit schließt zugleich radikal jene Mentalität des Indifferentismus aus, die „durchdrungen ist von einem religiösen Relativismus, der zur Annahme führt, daß ‚eine Religion gleich viel gilt wie die andere’“ (Nr. 22).

Die Apostel und unzählige christliche Märtyrer aller Zeiten, besonders die der ersten drei Jahrhunderte, hätten sich das Martyrium erspart, wenn sie gesagt hätten: „Die heidnische Religion und ihr Kult ist ein Weg, der auch dem Willen Gottes entspricht“. Es hätte beispielsweise kein christliches Frankreich gegeben, „die älteste Tochter der Kirche“, wenn der heilige Remigius dem König der Franken, Chlodwig, gesagt hätte: „Du darfst deine heidnische Religion nicht aufgeben; du kannst die Religion Christi zusammen mit deiner heidnischen Religion praktizieren“. In Wirklichkeit sagte der heilige Bischof anderes, und das sogar auf sehr strenge Weise: „Liebe, was du verbrannt hast, und verbrenne, was du geliebt hast!“

Eine wahre universale Brüderlichkeit kann nur in Christus existieren, das heißt zwischen getauften Personen. Die volle Ehre der Gotteskindschaft wird nur in der seligen Schauung Gottes im Himmel erreicht, wie es die Heilige Schrift lehrt:

„Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, daß wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1 Joh 3, 1-2).

Keine Autorität auf Erden – nicht einmal die höchste Autorität der Kirche – hat das Recht, jeden Anhänger einer anderen Religion vom expliziten Glauben an Jesus Christus zu dispensieren, das heißt vom Glauben an den menschgewordenen Sohn Gottes und einzigen Erlöser der Menschen, mit der Versicherung, daß die verschiedene Religionen als solche von Gott selbst gewollt seien. Denn unauslöschlich – weil mit dem Finger Gottes geschrieben und kristallklar in seiner Bedeutung – bleiben jedoch die Worte des Sohnes Gottes:

„Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat“ (Joh 3, 18).

Diese Wahrheit war bis jetzt in allen christlichen Generationen gültig und wird bis zum Ende der Zeiten gültig bleiben, ungeachtet der Tatsache, daß einige Personen in der Kirche unserer Zeit so instabil, feige, sensationsgierig und konformistisch sind, diese Wahrheit in einem entgegengesetzten Wortsinn umzuinterpretieren, aber diese Neuinterpretation als Kontinuität in der Entwicklung der Lehre ausgeben.

Außerhalb des christlichen Glaubens kann keine andere Religion ein wahrer und von Gott gewollter Weg sein, weil es der ausdrückliche Wille Gottes ist, daß alle Menschen an Seinen Sohn glauben:

„Denn es ist der Wille meines Vaters, daß alle, die den Sohn sehen und an ihn glauben, das ewige Leben haben und daß ich sie auferwecke am Letzten Tag“ (Joh 6,40).

Außerhalb des christlichen Glaubens ist keine andere Religion imstande, das wahre übernatürliche Leben zu vermitteln:

„Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast“ (Joh 17, 3).

8. Februar 2019

+ Athanasius Schneider
Weihbischof der Erzdiözese der Allerheiligsten Jungfrau Maria in Astana

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Quelle

Bischof Schneider antwortet dem Papst: „Das Christentum ist die einzige von Gott gewollte Religion“


Rom, 8. Februar 2019 ( LifeSiteNews ) – Bischof Athanasius Schneider gab heute eine Erklärung zur Einzigartigkeit des Glaubens an Christus ab. Angesichts der Verwirrung, die nach der Unterzeichnung von Papst Franziskus mit einem Grand Imam in Abu Dhabi entstanden ist.

Der Papst kam Anfang dieser Woche unter Beschuss, als er bei einem interreligiösen Treffen in Abu Dhabi am Montag, dem 4. Februar, mit Sheik Ahmad el-Tayeb, Großimam der Kairoer Al-Azhar-Moschee, das „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“ unterzeichnet hatte.

Das Dokument löste eine Kontroverse unter Christen aus, da es behauptete, dass „der Pluralismus und die Vielfalt der Religionen“ „von Gott in Seiner Weisheit gewollt“ seien – eine Aussage, von der viele glauben, dass sie dem katholischen Glauben zuwiderläuft.

Nach Angaben des Weihbischofs von Astana ist das umstrittene Dokument ein Zeichen für einen echten „Klimawandel“ – und eine „Migrationskrise“, die die geistige Seelenwelt bedroht. Bischof Schneider schreibt:

Die dringlichste Aufgabe der Kirche in unserer Zeit ist es, sich um die Veränderung des geistigen Klimas und um die spirituelle Migration zu kümmern, nämlich dass das Klima des Nicht-Glaubens an Jesus Christus, das Klima der Ablehnung des Königtums Christi sich in das Klima des ausdrücklichen Glaubens an Jesus Christus, der Annahme seines Königtums und der Umstellung der Menschen vom Elend der geistigen Sklaverei des Unglaubens in das Glück, Söhne Gottes zu sein, und aus dem Leben der Sünde in den Zustand von heiligmachende Gnade verwandelt. Dies sind die Migranten, um die wir uns dringend kümmern müssen.

„Das Christentum ist die einzige von Gott gewollte Religion“, schreibt er. „Deshalb kann es niemals komplementär neben anderen Religionen platziert werden. Diese würden gegen die Wahrheit der göttlichen Offenbarung verstoßen, wie sie im Ersten Gebot des Dekalogs unmissverständlich bestätigt wird, wer behaupten würde, dass die Vielfalt der Religionen der Wille Gottes ist.“

„Es gibt nur einen Weg zu Gott, und der ist Jesus Christus, denn er selbst sagte:„ Ich bin der Weg “(Johannes 14: 6). Es gibt nur eine Wahrheit, und diese ist Jesus Christus, denn Er selbst sagte: „Ich bin die Wahrheit“ (Johannes 14: 6). Es gibt nur ein wahres übernatürliches Leben der Seele, und das ist Jesus Christus, denn er selbst sagte: „Ich bin das Leben“ (Johannes 14: 6) “, schreibt Bischof Schneider.

„Eine echte universale Bruderschaft kann nur in Christus sein, und zwar unter getauften Personen“, so beharrt er. Und „außerhalb des christlichen Glaubens kann keine andere Religion ein wahres übernatürliches Leben vermitteln: „Dies ist das ewige Leben, dass sie Dich als den einzigen wahren Gott kennen und Jesus Christus, den Du gesandt hast“ (Johannes 17: 3).

8. Februar 2019

+ Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese Saint Mary in Astana

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Quelle (Fortsetzung folgt später)

Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

Die ‚Gay-Pride-Märsche‘ und die richtige katholische Antwort 

Man soll gegen Märsche protestieren, durch welche der Bevölkerung von ganzen Städten und Ländern eine politisch-ideologische Militanz aufgezwungen werden soll. Ein Gastkommentar von Bischof Athanasius Schneider
Rom (kath.net)

In den vergangenen Jahrzehnten breiteten sich in den Städten der westlichen Welt öffentliche Kundgebungen aus, welche “Gay-Pride” („Gay-Stolz“) genannt werden. Dieses beständig wachsende Phänomen hat das klare Ziel, den öffentlichen Raum in allen Städten der westlichen Welt zu erobern, und auf lange Sicht auch in den Städten der ganzen Welt, mit Ausnahme der Städte der islamischen Welt aus Furcht vor vorhersehbaren gewalttätigen Gegenreaktionen.

Solche Kundgebungen werden mit enormem finanziellen und logistischen Aufwand durchgeführt, begleitet von einer propagandistischen Werbung, die im Gleichklang von den einflussreichsten Kräften des öffentlichen Lebens unterstützt wird, nämlich von der politischen Nomenklatura, den sozialen Netzwerken, den mächtigen Wirtschafts- und Finanzkonzernen. Solch eine einmütige Unterstützung seitens der erwähnten Kräfte des öffentlichen Sektors war typisch für die geschichtlichen totalitären Systeme, und zwar mit dem Ziel, der Gesellschaft eine bestimmte Ideologie aufzuzwingen. Die “Gay-Pride” Kundgebungen ähneln unverkennbar den propagandistischen Aufmärschen verschiedener politischer Regime der Vergangenheit.

Allerdings blieb noch eine ganz wichtige Einrichtung des öffentlichen Lebens übrig, welche noch nicht offiziell oder noch nicht im großen Ausmaß dem gleichgeschalteten Sprechchor der „Gay-Pride-Märsche“ Unterstützer beigetreten ist.. Diese Stimme ist die katholische Kirche. Der Totalitarismus der Ideologie der Homosexualität bzw. der Gendertheorie verfolgt sein ehrgeizigstes Ziel, nämlich die Eroberung der letzten Widerstandbastion, die katholische Kirche. Leider hat dieses Bestreben inzwischen einige Erfolge erzielt. Es zeigt sich, dass eine wachsende Zahl von Priestern und selbst einige Bischöfe und Kardinäle öffentlich und auf verschiedene Weise ihre Unterstützung für solche totalitäre, „Gay-Pride“ genannte, Märsche zum Ausdruck bringen. Dadurch werden solche Priester, Bischöfe und Kardinäle zu Aktivisten und Förderern einer Ideologie, welche eine direkte Beleidigung Gottes und eine Beleidigung der Würde des Menschen darstellt, der nach dem Bild und Gleichnis Gottes und der als Mann und Frau geschaffen wurde.

Die Genderideologie bzw. die Ideologie der Homosexualität stellt ferner eine Auflehnung gegen das bewunderungswürdig weise und liebevolle Schöpfungswerk Gottes dar. Es handelt sich hier um einen Aufstand gegen die Erschaffung des Menschen in den beiden notwendig und wunderbar sich ergänzenden Geschlechtern des Mannes und der Frau. Die homosexuellen bzw. lesbischen Akte entweihen den männlichen und weiblichen Leib, der ein Tempel Gottes ist. In der Tat, so spricht der Heilige Geist: “Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr” (1 Kor. 3, 17). Der Heilige Geist erklärt in der Heiligen Schrift, dass homosexuelle Akte eine Schändlichkeit darstellen, weil sie der Natur, wie sie Gott erschaffen hat, widersprechen: “Darum lieferte Gott sie entehrenden Leidenschaften aus: Ihre Frauen vertauschten den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen; ebenso gaben die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander; Männer trieben mit Männern Unzucht und erhielten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verirrung. Und da sie sich weigerten, Gott anzuerkennen, lieferte Gott sie einem verworfenen Denken aus, sodass sie tun, was sich nicht gehört” (Röm. 1, 26 – 28). Der Heilige Geist erklärt auch, dass Personen, die schwer sündhafte Akte begehen, zu denen auch homosexuelle Akte gehören, das ewige Leben nicht erben werden: “Wisst ihr denn nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Knabenschänder, weder Männer, die mit Männern Unzucht treiben, noch Diebe, noch Habgierige, keine Trinker, keine Lästerer, keine Räuber werden das Reich Gottes erben” (1 Kor. 6, 9-10).

Allerdings hat die Gnade Christi solch eine Macht, dass sie einen Götzendiener, einen Ehebrecher, einen praktizierenden Homosexuellen in einen neuen Menschen umwandeln kann. Der angeführte Text des Wortes Gottes fährt folgendermaßen fort: “Und solche gab es unter euch [Götzendiener, Ehebrecher, Sodomiten!]. Aber ihr seid rein gewaschen, seid geheiligt, seid gerecht geworden im Namen Jesu Christi, des Herrn, und im Geist unseres Gottes.” (1 Kor. 6, 11).

Angesichts dieser Wahrheit und Wirklichkeit der Gnade erstrahlt im Szenario der antigöttlichen und antimenschlichen Ideologie und Praktik der Homosexualität das Licht der Hoffnung und des wahren Fortschritts, nämlich der Hoffnung und der realen Möglichkeit der Umwandlung einer Person, die homosexuelle Akte vollzieht, in einen neuen Menschen, der in der Wahrheit der Heiligkeit erschaffen wurde: “Legt den alten Menschen ab, der in Verblendung und Begierde zugrunde geht, ändert euer früheres Leben und erneuert euren Geist und Sinn! Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit” (Eph. 4, 22 – 24).

Diese Worte Gottes stellen die einzige, der Hoffnung und der Befreiung würdige Botschaft dar, welche ein Christ, und erst recht ein Priester und Bischof, Homosexualität praktizierenden und Genderideologie verbreitenden Personen anbieten sollten.

Der Totalitarismus und die Intoleranz der Genderideologie verlangen, der eigenen Logik gemäß, eine totale Akzeptanz. Alle gesellschaftlichen Sektoren, einschließlich der katholischen Kirche, müssen folglich dazu gezwungen werden, auf die eine oder andere Weise ihre Akzeptanz dieser Ideologie zum Ausdruck zu bringen. Eines der verbreitetsten und konkreten öffentlichen Mittel dieses ideologischen Zwangs stellen die „Gay-Pride-Märsche“ dar.

Es ist nicht auszuschließen, dass sich die katholische Kirche in nicht allzu ferner Zukunft in einer Situation befinden wird, die der Verfolgung durch das Römische Reich in den ersten drei Jahrhunderten ähneln wird, als damals die Annahme der totalitären Ideologie des Götzendienstes auch für die Christen verpflichtend war. In jener Zeit bestand der Test solch einer Annahme in dem zivil und politisch korrekten Akt des Verbrennens einiger Weihrauchkörner vor der Statue eines Götzen oder des Kaisers.

Anstelle des Verbrennens von Weihrauchkörnern tritt heute die Solidaritätsgeste mit den “Gay-Pride-Märschen”, die sich ausdrückt in Begrüßungsworten seitens von Geistlichen und sogar in eigens veranstalteten Gottesdiensten zu Gunsten angeblicher Rechte auf homosexuelle Aktivitäten sowie auf die Verbreitung dieser Ideologie.

Wir sind Zeugen des unglaublichen Szenario, in welchem schon einige Priester und sogar Bischöfe und Kardinäle, damit angefangen haben, ohne zu Erröten, Weihrauchkörner vor dem Götzen der Ideologie der Homosexualität bzw. der Gendertheorie zu verbrennen, und das unter dem Beifall der Mächtigen dieser Welt, d.h. unter dem Beifall von Politikern, der Massenmedien und mächtiger internationaler Organisationen.

Wie sollte die richtige Antwort eines Christen, eines Katholiken, eines Priesters und eines Bischofs angesichts dieses Phänomens der „Gay-Pride-Märsche“ sein?

An erster Stelle muss man mit Liebe die göttliche Wahrheit über die Erschaffung des Menschen verkünden, und dann die Wahrheit über die objektive psychologische und sexuelle Ungeordnetheit der homosexuellen Neigung. Folglich soll auch über die Wahrheit und Verfügbarkeit der notwendigen und diskreten Hilfe für Menschen mit homosexuellen Neigungen gesprochen werden, damit sie Befreiung und Heilung ihrer seelischen Behinderung erhalten.

Sodann ist die göttliche Wahrheit über den schwer sündhaften Charakter der homosexuellen Akte und des homosexuellen Lebensstils zu verkünden, weil sie den Willen Gottes missachten. Mit wahrhaft brüderlicher Sorge ist auf die göttliche Wahrheit über die Gefahr des Verlustes des ewigen Seelenheils von praktizierenden und unbußfertigen Homosexuellen hinzuweisen.

Ferner ist mit Zivilcourage und unter Anwendung aller friedlichen und demokratischen Mittel gegen die Verunglimpfung der christlichen Überzeugungen und gegen die öffentliche Zurschaustellung erniedrigender Obszönitäten zu protestieren. Man soll gegen Märsche protestieren, durch welche der Bevölkerung von ganzen Städten und Ländern eine politisch-ideologische Militanz aufgezwungen werden soll.

Das Wichtigste besteht allerdings in den geistlichen Mitteln. Die mächtigste und kostbarste Antwort drückt sich in den öffentlichen und privaten Akten der Sühne und Wiedergutmachung der öffentlichen und schweren Beleidigungen aus, welche durch die „Gay-Pride-Märsche“ der Heiligkeit und Majestät Gottes zugefügt werden.
Untrennbar von diesen Sühneakten ist das innige Gebet für die Bekehrung und für das ewige Seelenheil der Förderer und Aktivisten der Ideologie der Homosexualität und vor allem das Gebet für das Seelenheil der bemitleidenswerten Personen, die Homosexualität praktizieren.

Mögen folgende Worte der Päpste die richtige katholische Antwort auf das Phänomen von „Gay-Pride“ bestärken.

Papst Johannes Paul II,
protestierte mit folgenden Worten gegen den “Gay-Pride-Marsch” in Rom im Jahre 2000: “Ich halte es für meine Pflicht, zu den wohlbekannten Ereignissen [“Gay-Pride-Marsch”], die in den vergangenen Tagen in Rom stattgefunden haben, Stellung zu nehmen. Im Namen der Kirche von Rom kann ich nicht umhin, meine Verbitterung auszudrücken… für die Beleidigung der christlichen Werte einer Stadt, die den Katholiken aller Welt so sehr am Herzen liegt.

Die Kirche darf die Wahrheit nicht verschweigen, denn dadurch würde sie ihre Treue zum Schöpfergott nicht einhalten und den Menschen nicht dabei helfen, das Gute vom Bösen zu unterscheiden.” (Worte vor dem Angelusgebet, 9. Juli 2000).

Der regierende Pontifex, Papst Franziskus, hat bei verschiedenen Anlässen vor der Gefahr der Genderideologie gewarnt, so z. B.:
“Du, Irina, hast einen heute großen Feind der Ehe erwähnt: Die Gender-Theorie. Es gibt heute einen weltweiten Krieg, um die Ehe zu zerstören. Heute gibt es ideologische Kolonialismen, die zerstörerisch sind: Man zerstört nicht mit Waffen, sondern mit Ideen. Darum muss man sich gegen die ideologischen Kolonialismen verteidigen.” (Ansprache beim Treffen mit Priestern, Ordensleuten, Seminaristen und pastoralen Mitarbeitern, Tbilisi, 1. Oktober 2016).

“Wir erleben einen Moment der Vernichtung des Menschen als Ebenbild Gottes. In Europa, in Amerika, in Lateinamerika, in Afrika, in einigen Ländern Asiens gibt es einen wahren ideologischen Kolonialismus. Und einer von diesen – ich nenne ihn unverhohlen beim Namen – ist die Gender-Theorie!

Heute wird den Kindern – den Kindern! – in der Schule beigebracht, dass jeder sein Geschlecht selber wählen kann. Und warum wird das gelehrt? Weil die Lehrbücher von den Personen und den Institutionen kommen, die dir das Geld geben. Das sind die Formen von ideologischem Kolonialismus, die auch von sehr einflussreichen Ländern unterstützt werden. Und das ist schrecklich. In einem Gespräch mit Benedikt XVI. – dem es übrigens gut geht und der ein ganz klares Denken hat – sagte er mir: „Heiligkeit, dies ist die Zeit der Sünde gegen den Schöpfergott!“ Das ist klug. Gott hat Mann und Frau geschaffen; Gott hat die Welt so und so geschaffen… und wir sind dabei, das Gegenteil zu machen.

Gott hat uns einen Zustand der „Wildnis“ anvertraut, damit wir aus ihr Kultur machen; und dann tun wir mit dieser Kultur Dinge, die uns in den Zustand der „Wildnis“ zurückversetzen (vgl. Romano Guardini, Das Ende der Neuzeit, Würzburg 1950, S. 95-96)! Was Benedikt XVI. da gesagt hat, sollten wir bedenken: „Es ist die Zeit der Sünde gegen den Schöpfergott!” (Ansprache bei der Begegnung mit den polnischen Bischöfen anlässlich des Weltjugendtages in Krakau, 27. Juli 2016).

Die wahren Freunde jener Personen, die erniedrigende Handlungen während der „Gay-Pride-Märschen“ vollziehen, sind jene Christen, die sagen:

„Ich werde nicht einmal ein Weihrauchkörnchen vor dem Götzenbild der Homosexualität und der Gendertheorie verbrennen, selbst wenn, – was Gott verhüten möge! – mein Pfarrer oder mein Bischof es tun werden.

Ich werde private und öffentliche Akte der Sühne und des fürbittenden Gebets für das ewige Seelenheil all jener verrichten, die Homosexualität verbreiten und praktizieren.

Ich werde keine Angst haben vor dem neuen politisch-ideologischen Totalitarismus der Gendertheorie, weil Christus mit mir ist. Und da Christus alle totalitären Systeme der Vergangenheit besiegt hat, wird Er auch den Totalitarismus der Genderideologie unserer Tage besiegen“. Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat!

28. Juli 2018

+ Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana

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Quelle

Weihbischof Athanasius Schneider: Das wahre Gesicht der Freimaurerei

 

Vortrag für die TV-Reihe THEMA der Päpstlichen Stiftung
KIRCHE IN NOT

In diesem Jahr feiert die Freimaurerei dreihundert Jahre ihres offiziellen Bestehens. Nach der offiziellen Version entstand diese Organisation am 24. Juni 1717 in London. Das war das Ergebnis der Vereinigung von vier „Logen“ oder Geheimgesellschaften, aus denen dann die Großloge von London entstand. Ein protestantischer Geistlicher namens James Anderson schrieb die ersten Freimaurersatzungen.

Was ist nun eigentlich die Freimaurerei? Schon zwanzig Jahre nach deren offizieller Gründung hat die Kirche diese religionsähnliche Vereinigung verurteilt und zwar mit der höchsten kirchlichen Strafe der Exkommunikation. Und warum? Weil die Freimaurerei eine naturalistische Religion ist, ein Gemisch von Pantheismus und Gnosis mit Selbsterlösung. Diese Religion ist nur scheinbar tolerant. In der Tat ist sie jedoch äußerst anspruchsvoll und intolerant. Die Freimaurer betrachten sich als „Eingeweihte“, als „Vollkommene“ und „Erleuchtete“, den Rest der Menschen hingegen als „profan“, „unvollkommen“ und „verfinstert“. Die Freimaurerreligion bezweckt die Unabhängigkeit vom wahren Gott, so dass der Mensch selber an die Stelle Gottes tritt und entscheidet, was gut und böse ist. In den Anfangsgraden wird eine unbestimmte, nebelhafte Gottheit, der sogenannte „Große Baumeister der Welt“ verehrt, welcher in den höheren und dann in den höchsten Graden immer konkreter wird, dort wird er nämlich als Luzifer, als Satan, als der Gute, als der Widersacher Gottes identifiziert und der wahre Gott wird dann als der Böse aufgefasst.

Die Kirche erkannte, dass es sich bei der Freimaurerei um eine wahre und immer mächtiger werdende Geheimgesellschaft mit pseudoreligiösem Inhalt handelt, die sich rasch in zahlreichen Zweitorganisationen und oft unter verschiedenen Bezeichnungen verbreitete und in die Machtpositionen der Gesellschaft, vor allem in Politik und in das Finanzwesen, eindrang. Es war Papst Pius VIII., der im Jahre 1829 eine der prägnantesten und zutreffendsten Definitionen der Freimaurerei gab: Es handelt sich um eine satanische Sekte, welche den Dämon als ihren Gott hat (cf. Traditi humilitati nostrae).

Das Wesen der Freimaurerreligion besteht in der Perversion, in der Umdrehung der von Gott gegebenen Schöpfungsordnung. In der Übertretung der Gesetze Gottes sehen die Hochgradfreimaurer den wahren Fortschritt der Menschheit, den geistigen Bau des Tempels der Menschheit. Anstelle der Offenbarung Gottes tritt das Freimaurergeheimnis und der Mensch macht sich letztlich selbst zum Gott (vgl. X. Dor, Le Crime contre Dieu, Chiré-en-Montreuil, 2016, 162).

In der Tat ist die Freimaurerei die perfekte Anti-Kirche, wo alle theologischen und sittlichen Grundlagen des katholischen, von Gott geoffenbarten Glaubens und Seiner der Kirche ins Gegenteil verkehrt sind. Einmal sagte ein Mitglied der Freimaurerei in einem vertrauten Gespräch zu seiner Schwester: „Weißt du, was wir Freimaurer eigentlich sind? Wir sind die Gegen-Kirche“. Historiker erkannten in der Freimaurerei schon den Keim des politischen Totalitarismus (z.B. A. Cobban, Historia de las Civilizaciones, zitiert in: A. Bárcena, Iglesia y Masonería, Madrid 2016, 71). Das Verwirrende und Täuschende dabei ist, das sich die Freimaurerei mit attraktiven Begriffen wie „Philanthropie“, „Humanismus“, „Intellektualität“ und „Toleranz“ lobt und gleichzeitig auch tarnt. Mit der Ablehnung der übernatürlichen göttlichen Offenbarung lehnt die Freimaurerei auch das Naturgesetz ab. Das ist aber genau der Punkt, der zu allen totalitaristischen Systemen führt. Schon der Genfer Freimaurer und Philosoph Jean-Jacque Rousseau bekannte:

„Das Leben des Menschen ist nicht nur eine Gabe der Natur, sondern ein bedingtes Geschenk des Staates“ (Der Gesellschaftsvertrag, II, 5).

Der politische und gesellschaftliche Anarchismus ist ein Phänomen, das am meisten den Geist der Freimaurerei verkörpert, da ja einer ihrer zentralen Leitsätze lautet: „Ordo ab chao“. Das bedeutet, dass man muss zuerst ein Chaos schaffen muss, um dann eine neue, d.h. eine andere Ordnung zu bilden. Im Ritual der Freimaurerei des sogenannten „Alten und Angenommenen Schottischen Ritus“ aus dem Jahre 1892 erhält der Anwärter des vorletzten 32. Grades folgende Belehrung:

„Der erste Kanonendonner erfolgte, als Luther sich die Rebellion des Verstandes in den Kopf setzte; der zweite Kanonendonner war, als in Amerika verkündet wurde, dass jede menschliche Regierung seine Autorität vom Volk erhält und nur vom Volk; der dritte Kanonendonner war, als in Frankreich die Menschenrechte in der Formulierung Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit verkündet wurden“ (M. Tirado Rojas, La Masoneria en Espana, 1892, I, 163). Der Anwärter des 33. Grades erhält dann diese Belehrung: „Weder das Gesetz, noch das Eigentum, noch die Religion dürfen über den Menschen bestimmen; und da sie den Menschen vernichten, indem sie ihm seiner wertvollsten Rechte berauben, so sind das Gesetz, das Eigentum und die Religion Mörder, an denen wir geschworen haben, fürchterlichste Rache zu nehmen; sie sind Feinde, gegen die wir einen unerbittlichen Krieg um jeden Preis geschworen haben. Von diesen drei verrufenen Feinden muss die Religion der ständige Gegenstand unserer tödlichen Angriffe sein. Wenn wir die Religion zerstört haben, werden wir das Gesetz und das Eigentum zu unserer Verfügung haben und können die Gesellschaft regenerieren, indem wir über den Leichen jener Mörder, die freimaurerische Religion, das freimaurerische Gesetz und Eigentum errichten“ (ebd. 169-170). Unter „Religion“ ist in diesem Sprachgebrauch des Freimaurerritus letztlich die christliche und näherhin die katholische Religion gemeint.

Es ist bekannt, dass die europäische Freimaurerei und insbesondere Kerensky, der Großmeister des Großen Orients von Russland, die kommunistische Oktoberrevolution von 1917, im zweihundertsten Jahr der Gründung der Freimaurerei, logistisch und politisch entscheidend unterstützten. Lenin und die neuen kommunistischen Machthaber duldeten nach ihrem Sieg keine Konkurrenz, deswegen verboten sie in der Sowjetunion die traditionelle Freimaurerei. Beim dritten Kongress der Kommunistischen Internationale im Jahre 1921 erhielt die traditionelle Freimaurerei folgende bezeichnende Beurteilung: „Die Freimaurerei erinnert uns durch ihre Riten an religiöse Gebräuche. Wir wissen aber, dass jede Religion das Volk unterdrückt. Die Freimaurerei stellt eine gesellschaftliche Kraft dar und wegen dem Geheimhaltungscharakter ihrer Sitzungen und der absoluten Verschwiegenheit ihrer Mitglieder, stellt sie eine Art Staat im Staat dar“.

Die Freimaurerei unterstützte z. B. auch die sogenannten sexuelle Revolution von 1968. Die beiden Großmeister der größten Freimaurerverbände in Frankreich Frederic Zeller und Pierre Simon waren mit einigen ihrer Logenmitglieder aktiv an den Studentenrevolten in Paris im Mai 1968 beteiligt. Der erwähnte Großmeister Pierre Simon war dann Assessor der Ministerin Simone Weil, die in Frankreich die Abtreibung legalisiert hatte. Im Jahre 2012 publizierte die Pariser Zeitung „Figaro“ ein ausführliches Dossier über die Freimaurerei und ließ hohe Amtsträger der verschiedenen Freimaurerlogen zu Wort kommen. Einer dieser Amtsträger sagte offen, dass die Gesetze über die Freigabe der Abtreibung, die sogenannten gleichgeschlechtlichen Ehe oder „Ehe für alle“ und die Euthanasie in den ideellen Werkstätten der Freimaurerlogen vorbereitet werden und dann durch deren Mitglieder in Parlament und Regierung und deren Lobbyarbeit effektiv durchgesetzt werden.

Die Analyse, die Papst Leo XIII. im Jahre 1894 über das Wesen, die Grundsätze und die Tätigkeit der Freimaurer gab, ist in ihrer Genauigkeit kaum zu übertreffen und behält ihre volle Aktualität:

„Die Freimaurerei ist eine Gesellschaft, deren unheimlicher Druck schon lange namentlich auf den katholischen Nationen lastet. Unter der Gunst verworrener Zeitverhältnisse emporgekommen, maßlos stolz im Hinblick auf ihre Stärke, ihre Machtmittel und Erfolge, zielen die Freimaurer mit aller Anstrengung dahin, ihre Herrschaft immer mehr zu befestigen und weiter auszubauen. Wo immer sie ihren Fuß hinsetzt, da drängt sie sich in alle Volksschichten und in alle Einrichtungen des Staates ein, um schließlich überall den Ton anzugeben und alles ihrem Gutdünken zu unterwerfen. Angeblich um die allgemeinen Menschenrechte zu verteidigen und die bürgerliche Gesellschaft geistig zu erneuern, kämpft sie unerbittlich gegen das Christentum an, verwirft die von Gott geoffenbarte Wahrheit und verspottet die Übungen der Frömmigkeit, die göttlichen Sakramente und anderes, was uns heilig ist, als Aberglauben. Sie strebt danach, die Ehe, die Familie, die Jugenderziehung und den öffentlichen wie privaten Unterricht alles christlichen Geistes zu berauben und den Völkern alle Ehrfurcht vor göttlicher und menschlicher Autorität aus der Seele zu reißen. Sie schreibt ferner für den Menschen die Verehrung der Natur vor, und nur ihre Grundsätze seien Regel und Richtschnur für Wahrheit, Sittlichkeit und Gerechtigkeit. Auf diese Weise muss der Mensch augenscheinlich wieder in den Sitten und Lebensgewohnheiten der heidnischen Völker zurückfallen. Das moderne Heidentum wird sogar noch lasterhafter sein, da jetzt die Reizmittel für die Sinne viel zahlreicher sind als im Altertum.“ (Exhortatio Apostolica Praeclara gratulationis).

Eine der raffiniertesten, eben satanischen Weisen des Kampfes der Freimaurerei gegen ihren Erzfeind, die katholische Kirche, besteht in der Infiltrierung in die Kirche. Der folgende, von vielen Historikern als echt betrachteter und von Bischof Rudolf Graber zitierte Auszug aus den Anweisungen der Alta Vendita, einer Art Regierungszentrum der europäischen Freimaurerei im 19. Jahrhundert, beleuchtet das: „Der Papst, wer er auch immer sei, wird nie zu unseren Geheimbünden kommen; darum müssen die geheimen Verbindungen den ersten Schritt zum Papste und zur Kirche tun, mit der Absicht, beide in Fesseln zu schlagen. Das Werk, an welches wir herangehen, ist nicht die Arbeit eines Tages, eines Monats oder Jahres. Es kann viele Jahre, vielleicht ein Jahrhundert dauern. Wir beabsichtigen ja nicht, den Papst für unsere Sache zu gewinnen. Das wäre ein lächerlicher Traum. Und selbst wenn möglicherweise ein Kardinal oder Bischöfe aus vollem Herzen oder aus List der Eingeweihte unserer Geheimnisse und unser Mitglied würde, so dürften wir doch darum noch nicht seine Erhebung auf den Stuhl Petri wünschen. Ja diese seine Erhebung wäre auch unser Ruin. Denn wie er aus bloßem Ehrgeiz zur Apostasie gekommen wäre, ebenso müsste ihn das Bedürfnis der Macht dazu bestimmen, uns zu opfern. Was wir suchen, und worauf wir harren müssen, das ist ein Papst nach unseren Bedürfnissen. Damit werden wir weit sicherer zum Angriff auf die Kirche schreiten. Um den hohen Felsen, auf dem Gott Seine Kirche gebaut hat, zu zerschmettern, brauchen wir nicht länger Waffen. Wir haben den kleinen Finger des Nachfolgers Petri in die Unternehmung verwickelt. Um also einen Papst nach unserem Herzen zu machen, handelt es sich vor allem darum, diesem künftigen Papst eine Generation von Priestern zu erziehen, welche des von uns gewünschten Regimentes würdig ist. Gehet geradewegs auf die Jugend und wo möglich sogar auf die Kinder los. Habt ihr einmal das Vertrauen der Professoren und Studenten gewonnen, so sorgt dafür, dass besonders die Kandidaten des geistlichen Standes euren Umgang aufsuchen. In etlichen Jahren wird dieser junge Klerus durch die Macht der Umstände Ämter bekleiden. Er wird regieren, verwalten, richten, den Rat des Papstes bilden, und berufen sein, den künftigen Papst zu wählen. Und dieser Papst wird, wie die meisten seiner Zeitgenossen, notwendigerweise mehr oder weniger mit den revolutionären und humanitären Prinzipien, die wir im Begriff sind, in Umlauf zu bringen, erfüllt sein. Spannet eure Netze aus im Inneren der Sakristeien, der Seminare und Klöster. Ihr werdet sogar zu den Füssen des Apostolischen Stuhles Freunde fischen. So habt ihr dann im Netze eine Revolution in Tiara und Chormantel, eine Revolution, die nur kleiner Hilfe bedarf, um das Feuer in allen vier Weltgegenden anzustecken“. (Bischof Dr. Rudolf Graber, Athanasius und die Kirche unserer Zeit, a.a.O.). Dass diese Aussagen nicht erfunden sind, erkannt man aus dem folgenden Zitat eines führenden italienischen Modernisten, der im Jahre 1905 in seinem Buch schrieb: “Wir wollen unsere ganze Aktion zielgerichtet ordnen. Eine katholische Freimaurerei? Jawohl, eine Freimaurerei der Katakomben. […]. Man muss darauf hinarbeiten, den römischen Katholizismus im progressistischen, theosophischen Sinn zu reformieren durch einen Papst, der sich von diesen Ideen überzeugen lässt” (A. FOGAZZARO, Il Santo, Milano, 1905, p. 44 e 22).

Die Tatsachen zeigen zur Genüge, dass die Freimaurerei der größte denkbare Gegensatz zur katholischen Religion ist. Deswegen hat die Kirche im Jahre 1983 folgende, immer noch gültige, Erklärung gegeben: „Das negative Urteil der Kirche über die freimaurerischen Vereinigungen bleibt also unverändert, weil ihre Prinzipien immer als unvereinbar mit der Lehre der Kirche betrachtet wurden und deshalb der Beitritt zu ihnen verboten bleibt. Die Gläubigen, die freimaurerischen Vereinigungen angehören, befinden sich also im Stand der schweren Sünde und können nicht die heilige Kommunion empfangen“ (Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung vom 26. November 1983).

Am 11. April 2001 sprach im italienischen Fernsehkanal Rai2 Giuliano Di Bernardo, Großmeister der Freimaurerloge GLRI (Gran Loggia Regolare d’Italia) in den Jahren 1990-1993, folgende bezeichnende Worte über den Religionscharakter der Freimaurerei: „Man wird Freimaurer durch eine Initiation (Einweihung). Die Initiation ist ein konstitutiver Akt, durch den dem Menschen eine Dimension verliehen wird, die er vorher nicht hatte. Eine Analogie finden wir in der Taufe. Man wird nicht als Christ geboren, man wird Christ durch die Taufe. Und so wird man auch Freimaurer mit der Initiation. Das bedeutet, dass man Freimaurer für das ganze Leben bleibt. Auch wenn einer dann die Freimaurerei ablehnt, bleibt er Freimaurer. Auch wenn man schläft, auch wenn man ein Feind der Freimaurerei wird, man bleibt immer Freimaurer, weil man die Initiation erhalten hat, und die Initiation ist ein heiliger Akt“.

Die Herrschaft der Freimaurerreligion in Politik und Gesellschaft erreichte in unserer Tagen einen Höhepunkt, indem sie in der ganzen Gesellschaft eine Ideologie der Lebensvernichtung durch Abtreibung und Euthanasie verbreitet und den Begriff und die Wirklichkeit der Familie durch die staatlich angeordnete Gehirnwäsche der Genderideologie zerstört. Jeder noch selbständig denkende Mensch und erst Recht jeder Christ muss soweit möglich Widerstand leisten und den gesunden Menschenverstand und das Gesetz Gottes selbst unter Inkaufnahme von Nachteilen verteidigen. Als Christen sollen wir aber wissen, dass Christus Sieger über alles Böse in dieser Welt ist, dass Gott, und nicht die Freimaurerei, der Herr der Geschichte ist. Wir gehören zur Mannschaft der Sieger, selbst wenn uns die Feinde Christi als Besiegte betrachten. Unser katholischer Glaube ist stärker als alle verdrehten Fantasiegebilde und Intrigen der Freimaurerreligion. Wir fürchten uns nur vor Gott.

Gleichzeitig sollen wir aber die Mitglieder der Freimaurerei, weil sie Opfer einer gewaltigen Verblendung geworden sind, von Herzen bemitleiden. Ein Freimaurer ist letztlich der unfreieste Mensch, dessen ewiges Seelenheil am meisten gefährdet ist. Möge in der Kirche eine Bewegung entstehen, um die Seelen unserer freimaurerischen Mitmenschen zu retten, vor allem durch das Gebet des Rosenkranzes und die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens. Ihr Unbeflecktes Herz wird triumphieren, wie Sie es in Fatima gesagt hat. Es wird triumphieren auch über die Freimaurerei und den Kommunismus und durch Maria wird Gott der Menschheit und der Kirche eine Zeit des Friedens schenken.

 

+Athanasius Schneider (2017)

Fatima und Russland: Eine geheimnisvolle und prophetische Beziehung von Bischof Athanasius Schneider aus Kasachstan

Schweizer Fatima-Bote Nr. 76 2/2018

In Nr. 74 haben wir auf den Seiten 4-7 unter dem Titel „Es ist etwas Wunderbares um unseren katholischen Glauben“ auf die Zusammenhänge mit der Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens vom 25. März 1984 berichtet. Bischof Athanasius Schneider hat den Lesern des Schweizer Fatima-Boten zur Situation im heutigen Russ­land Folgendes geschrieben:

„Die Sowjetunion war der atheistische Staat par excellence, aber auch der Staat, der alle Kirchen verfolgte und in der Öffentlichkeit keine christliche Zeichen duldete. Heute nehmen wir eine Lebendigkeit des göttlichen Glau­bens wahr. Es gibt viele Zeichen, die uns die geistige Wie­dergeburt des russischen Volkes und ihrer Institutionen aufzeigen. Die vorhandenen Daten sagen aus, dass in den 25 Jahren seit dem Zusammenbruch des Kommunismus in Russland 20’000 orthodoxe Kirchen von Grund auf neu gebaut oder restauriert wurden. Es ist in der Geschichte der Kirche noch nie vorgekommen, dass innert einem Vierteljahrhundert in einem einzigen Land so viele Kirche gebaut oder geöffnet worden sind. Die andere bedeutende Zahl betrifft das Wiederaufblühen der Männer— und Frau­enklöster: über 1000 sind entstanden. In den 20’000 Kir­chen ist das Heiligste Sakrament im Tabernakel gegenwär­tig; die Orthodoxen haben eine gültige Messe und sie ver­ehren Maria als die Muttergottes. All dies ist ein beredtes Zeugnis der Gegenwart Gottes, in einem Land, in dem Gott erst vor wenigen Jahren verbannt war.

Ich glaube, dass sich diese Wiedergeburt als eine Etappe des Prozesses der Bekehrung Russlands interpretiert wer­den kann, von der die Muttergottes in Fatima gesprochen hat. Es handelt sich um einen langen Prozess; Gott lässt die Dinge nicht von einem Tag auf den andern geschehen (…). Wir können die Hand Gottes erkennen, der die Kir­che zu einem Prozess der Bekehrung der Welt führt.

Als Papst Johannes Paul II. am 25. März 1984 Russland geweiht hatte, begann ein langer Prozess der Bekehrung des russischen Volkes. Es handelte sich aber um eine im­plizite Weihe, die nach den Angaben von Sr. Luica vom Himmel angenommen wurde. Um jedoch die vollkomme­ne Bekehrung Russlands zu erreichen, muss eine expli­zite Weihe vorgenommen werden – erst dann wird die or­thodoxe Kirche zur vollkommenen Gemeinschaft mit Rom zurückkehren. Das bedeutet dann die wahre Bekehrung Russlands.

Eine Tatsache ist gewiss: Die Muttergottes hat verlangt, dass der Papst die Weihe Russlands zusammen mit allen Bischöfen der Welt explizit vornimmt Kardinal Cordes hat daran erinnert, Papst Johannes Paul IL habe ihm anver­traut, dass es ihm nicht gelungen sei, eine öffentliche Wei­he (Russlands) vorzunehmen – dies wegen des Wider­stands der vatikanischen Diplomatie, die zu jener Zeit von einem solchen Akt abrieten. Heute liegen die Dinge aber ganz anders und dies ist der Grund, dass man nicht mehr länger zuwarten darf.

Vergessen wir nicht, dass der russische Präsident Vladi­mir Putin von seiner Mutter heimlich getauft worden ist, als Stalin noch am Leben war.

In der orthodoxen Kirche wird zusammen mit der Taufe auch die Firmung vollzogen. All das hat dazu beigetra­gen, das Licht des Glaubens, der erstickt war, lebendig zu halten, und jetzt darf er in Freiheit ausgedrückt wer­den. Es findet ein umgekehrter Prozess statt: Während des kalten Krieges waren in den von der Sowjetunion beherrschten Ländern Akte der Verehrung Gottes unter­drückt – heute scheint dies, d.h. die Unterdrückung der Gottesverehrung – von der Nomenklatura der Europäi­schen Union praktiziert zu werden. Sicherlich ist der Einfluss der Freimaurerei in diesen Regierungsapparaten gegenwärtiger denn je. Es gibt einige positive Zeichen seitens einiger Regierungen, wie z.B. in Ungarn und Po­len, die die inhumane und den Menschen degradierende Genderideologie nicht fördern, die sonst im übrigen Eu­ropa herrschend geworden ist. In Russland ist die homo­sexuelle Propaganda verboten; dafür werden Programme der natürlichen Familie in den Schulen und Universitäten propagiert. Ich denke, die Muttergottes hat das russische Volk als Instrument einer zukünftigen Erneuerung der christlichen Gesellschaft auserwählt. Dies ist der Grund, weshalb dieses Volk ausdrücklich dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht werden soll, in der Form, wie es die Muttergottes gewünscht hat. Davon hängt auch der Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens ab. Gott lenkt grossen Segen auf jene Länder, die sich dem Unbe­fleckten Herzen Mariens weihen. Es handelt sich darum, verdienstvolle Akte zu erwerben, die uns unzählige Gna­den bringen werden. Aber dies gilt auch für jeden einzel­nen Menschen: Man wird an einer geistigen Erneuerung teilnehmen; unzählige kleine Lichter werden im Dunkel dieser Epoche entzündet.“

„Fatima“ wird sich mit der Weihe Russlands
und seiner wahren Bekehrung zum echten
katholischen Glauben im entscheidenden
und endgültigen Übergang zum
TRIUMPH DES UNBEFLECKTEN
HERZENS MARIENS
vollenden.

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Quelle: Schweizer Fatima-Bote, Quartalsheft März-Mai 2018, 19. Jahrgang (Nr. 2/76)