Schweiz: „Bei Verdacht auf Sterbehilfe kein Sterbesakrament“

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Priester am Sterbebett: Was tun?

Priester des Schweizer Bistums Chur sollen nach dem Willen von Bischof Vitus Huonder bei Verdacht auf Sterbehilfe auf die  Spendung des Sterbesakraments, der Krankensalbung, verzichten. Auch Palliativ-Fürsorge könne unter Umständen dem natürlichen Vorgang des Sterbens und damit Gottes Schöpferwillen widersprechen, schreibt der Bischof zum diesjährigen „Tag der Menschenrechte“ am kommenden 10. Dezember.

„Nicht wir bestimmen über Leben und Tod. Gott verfügt über unser Leben. Gott verfügt über unser Sterben“, schreibt Huonder. In seinem Hirtenbrief mit dem Titel „Humanes Sterben aus der Sicht des Glaubens“ beruft er sich auf den Katechismus der Katholischen Kirche und eine Vatikan-Erklärung zu Sterbehilfe aus dem Jahr 1980.

Angesichts eines „weit verbreiteten Gesinnungswandels bezüglich des humanen Sterbens“ stehe ein Priester heute nicht selten vor einer schwierigen seelsorgerlichen Situation, wenn er ans Sterbebett gerufen werde, so Huonder. Unter humanem Sterben verstehe man heute „die Bestimmung der Todesstunde durch die Vorkehrungen der sogenannten Sterbehilfe-Organisationen“.

Die „Bereitschaft zur Selbsttötung des Patienten und die Beihilfe Umstehender und Verwandter“ versetze einen Priester in eine „geradezu unmögliche Lage“, wenn er zur Spendung der Sakramente gerufen werde, schreibt der Bischof; „denn unter diesen Umständen sind die Voraussetzungen für deren Empfang nicht gegeben“. Oft könne der Seelsorger die Situation gar nicht mehr „genügend durchschauen“, wenn er zu einem späten Zeitpunkt zu einem Sterbenden gerufen werde. Der Priester solle sich dann dem Sterbenden im fürbittenden Gebet zuwenden und ihn Gottes Barmherzigkeit empfehlen.

(kna 03.12.2016 sk)

Siehe dazu:

Acht heilige Helden, die bereit waren, für die Ehe zu sterben

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Diese Männer starben für die Wahrheit, die uns Jesus auch heute lehrt: „Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein? Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ (Mt 19,4-6)

Nicht erst die heutige Kultur versucht, von der Wahrheit der Ehe abzuweichen. Die Natürlichkeit der Ehe ist bereits seit Jahrtausenden ein Streitpunkt.

Einige der größten und meistverehrten Heiligen der Kirche haben ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um das christliche Ehe-Verständnis zu verteidigen. Auch heute stellt sich Katholiken die Frage: Wären wir bereit, das gleiche zu tun? Hier ihre inspirierenden Geschichten:

 

Heiliger Johannes der Täufer

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John the Baptist, by Juan de Juanes (es), c. 1560

Gemäß den Evangelien hatte König Herodes sich von seiner Frau scheiden lassen und die Frau seines Bruders geheiratet. Der heilige Johannes der Täufer wusste, dass dies nicht recht war und dass Herodes das öffentlich tat, machte die Sache noch schlimmer. So trat er ihm anklagend gegenüber. Er hob nicht die positiven Seiten dieser ehebrecherischen Beziehung hervor oder versuchte, sich Freunde zu machen, sondern sagte im Gegenteil ganz klar: „Du hattest nicht das Recht, sie zur Frau zu nehmen“ (Mt 14,4).

Doch statt sich zu bekehren, ließ Herodes Johannes verhaften und einkerkern. Die Schrift sagt von Herodes er „wollte ihn deswegen töten lassen, fürchtete sich aber vor dem Volk; denn man hielt Johannes für einen Propheten“ (Mt 14,5). Als aber seine Stieftochter bei einem Fest den Kopf des Johannes auf einer Schale forderte, stimmte Herodes zu und ließ Johannes enthaupten.

Über die Heiligkeit Johannes des Täufers sagte Jesus selbst: „Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer“ (Mt 11,11).

Heiliger John Fisher und heiliger Thomas Morus

Heinrich VIII., König von England im XVI. Jahrhundert, wollte unbedingt einen Sohn. Nachdem er viele Jahre versucht hatte, mit Katharina von Aragon einen Sohn zu zeugen, wollte er sich von ihr scheiden lassen. Die Scheidung aber wurde ihm nicht erlaubt und so versuchte er, die Ehe vom Papst annullieren zu lassen. Der Papst untersuchte den Fall und entschied, dass die Annullierung ihn diesem Fall nicht legitim sein.

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Der hl. John Fisher – Bischof und Märtyrer

Der heilige John Fisher, ein englischer Bischof (der kurz vor seiner Hinrichtung zum Kardinal ernannt wurde), verteidigte Katharina energisch. Er trat bei Gericht in ihrem Namen auf und erklärte, dass er, wie der heilige Johannes der Täufer, bereit sei zu sterben, um die Unauflöslichkeit der Ehe zu verteidigen.

Als König Heinrich immer mehr Macht bekam, legte der heilige Thomas Morus, einer der vertrautesten Staatsmänner Heinrichs, sein Amt als Kanzler nieder. Als der König Anne Boleyn heiratete, war er nicht zugegen.

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Thomas Morus – Gemälde von Hans Holbein dem Jüngeren, 1527

Der König verpflichtete das Volk zu einem Eid, mit dem es König Heinrich, und nicht den Papst, als Oberhaupt der Kirche in England anerkannte. Diejenigen, die Freundschaft des Königs und ihr Amt in der Regierung oder der Kirche behalten wollten, unterstützten ihn. Der König ließ auch Thomas Morus rufen und forderte ihn auf, den Eid zu leisten und öffentlich die Annullierung der Ehe mit Katharina anzuerkennen. Er verweigerte sich beidem. Der heilige John Fisher weigerte sich ebenfalls, den Eid zu leisten, und wurde im Tower von London eingesperrt.

Beide wurden verurteilt, des Verrates für schuldig befunden und öffentlich enthauptet. Eines ihrer letzten Worte war: „Ich bin ein guter Diener des Königs, aber zuerst ein Diener Gottes.“

Heiliger Papst Nikolaus der Große

134Sicher haben Sie schon vom heiligen Papst Leo dem Großen oder vom heiligen Papst Gregor dem Großen gehört. Aber vom heiligen Papst Nikolaus dem Großen?

Er lebte im neunten Jahrhundert. Der fränkische König Lothar II. wollte sich von seiner Frau scheiden lassen und eine andere heiraten. Er bestach einen päpstlichen Legaten und erreichte, dass ein Konzil lokaler Bischöfe einberufen wurde, um seine Ehe zu annullieren. Als Papst Nikolaus dies erfuhr, beauftragte er ein neues Urteil von Rom, bei dem zwei Erzbischöfe zugegen waren, die die fragliche Annullierung erlaubt hatten. Der Papst befand, dass die Annullierung nicht rechtmäßig gewesen sei und setzte die zwei Erzbischöfe ab.

König Lothar II. sandte wutentbrannt sein Heer nach Rom, nahm die Stadt ein und forderte, dass der Papst die Annullierung anerkenne. Papst Nikolaus wurde zwei Tage ohne Nahrung im Petersdom eingesperrt, aber er weigerte sich, nachzugeben.

Letztendlich überzeugte die römisch-deutsche Kaiserin Engelberga Lothar II., die Stadt zu verlassen. Papst Nikolaus gewährte die besagte Annullierung nie und versuchte sein ganzes Leben lang, König Lothar und seine wahre Ehefrau zu versöhnen.

Die fünf Märtyrer Georgiens

download-1Die Namen der „Märtyrer Georgiens“ sind noch nicht im Kanon aufgenommen, aber ihr Heiligsprechungsprozess ist im Gange. Ihre Geschichte ist unglaublich.

Pedro de Corpa, Blas de Rodríguez, Antonio de Badajóz, Miguel de Añon und Francisco de Veráscola waren Franziskaner und kamen Ende des XVI. Jahrhunderts nach Nordamerika, um den amerikanischen Eingeborenen in der Region, die heute in den Vereinigten Staaten als Bundesstaat Georgia bekannt ist, das Evangelium zu bringen.

Obwohl es an Versorgung mangelte und das Leben schwer war, konnten sie doch einige zum Glauben bekehren. Die christliche Lehre zur Ehe war jedoch für einige Bekehrte schwierig. Wenn also ein Mann, der mehr als eine Frau hatte, sich bekehren wollte, so forderten die Missionare, dass er verspreche, nur eine Ehefrau zu haben.

Ein Mann legte das Versprechen ab, wurde getauft, lebte aber danach mit zwei Frauen weiter. Bruder Pedro de Corpa trat ihm, zusammen mit Pater Blas, entgegen. Statt zu bereuen und das bei der Taufe abgelegte Versprechen zu halten, wurde der Mann wütend und kam mit einer Gruppe von Kämpfern zurück. Die Männer töteten Pater Pedro und hackten ihn mit einem Schwert in Stücke, dann  nahmen sie Pater Blas gefangen.

Bevor sie Pater Blas töteten, erlaubten sie ihm, noch ein letztes Mal die Heilige Messe zu lesen. In seiner Predigt sagte er:

„Meine Kinder, für mich ist es nicht schwer, zu sterben. Auch wenn ihr mich nicht umbringt, so ist doch der Tod dieses Leibes unvermeidbar. Wir müssen jeden Moment darauf vorbereitet sein, zu sterben – wir alle. Aber was mich wirklich schmerzt ist, dass der Böse euch überzeugt hat, euren Gott und Schöpfer zu beleidigen. Es ist eine Quelle tiefen Schmerzes für mich, dass ihr außer Acht lasst, was wir Missionare für euch getan haben, als wir euch den Weg zum ewigen Leben und zum Glück aufgezeigt haben.

Nach der Heiligen Messe wurde auch er mit Schwerthieben getötet und zerstückelt. In den darauffolgenden Tagen brachten sie weitere drei Missionare um.

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung von ChurchPOP español.

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Quelle

Der Ablass – Den gibt’s doch gar nicht mehr! Ein Kommentar zum Reformationsfest

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François Marius Granet malte 1825 diese Darstellung einer jungen Bäuerin, die einen Ablass kauft. Foto: Gemeinfrei

Galileo Galilei habe aus Protest gegenüber der Zensur seiner These, die Erde kreise um die Sonne und nicht umgekehrt, ausgerufen: „Und sie bewegt sich doch!“ Am Ende des Heiligen Jahres, in dem es Papst Franziskus gelungen ist, den Ablass wieder „salonfähig zu machen“, möchte man sagen: „Es gibt ihn doch! Den Nachlass zeitlicher Sündenstrafen.“

Wie in keinem anderen Heiligen Jahr zuvor hat der Heilige Vater nicht nur die Bedeutung der Beichte, sondern auch des Ablasses hervorgehoben, der nicht nur an den Heiligen Pforten Roms, sondern an unzähligen Orten der Welt gewonnen werden konnte. So viele Türen, deren frommes Durchschreiten den Gläubigen Nachlass ihrer zeitlichen Sündenstrafen gewährte. Nie zuvor gab es das in dieser Form! Selbst Sträflinge, denen es ja unmöglich ist, das Gefängnis zu verlassen, erhielten – wiederum dank einer großherzigen Entscheidung des Papstes – beim Überschreiten ihrer Zellentür einen Ablass.

Heute gedenken Protestanten in aller Welt des berühmten, wohl eher legendären Thesenanschlag Martin Luthers. Die heilige Pforte evangelischer Christen ist die Tür der Schloßkirche von Wittenberg. An ihr begann die Reformation, die im kommenden Jahr groß gefeiert werden wird. Und so steht auch in den kommenden Monaten wieder der Ablass im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit vieler Christen und Nicht-Christen.

Der Wittenberger Mönch wollte sich gegen den Missbrauch dieser biblisch fundierten und frühkirchlichen Praxis wenden, beginnt aber schon im Jahr 1517 – später wird das noch viel deutlicher werden – die Mittlerrolle der Kirche zwischen Gott und den Menschen zu kritisieren.

Wieso braucht es eine Gemeinschaft, durch die ich Vergebung finde? Genügt es nicht, dass ich Gott um Verzeihung bitte? Ja, ist es nicht sogar schädlich für meine Freundschaft mit Christus, wenn ich Papst und Priester als Mittler seines Heils brauche? Mit Luthers Kritik am Missbrauch des Ablass hebt seine Zurückweisung der sakramentalen Beichte an, als einzigem ordentlichen Weg der Sündenvergebung und der Kirche als „heilsnotwendige“ Gesellschaft, in die ich durch die Taufe und den Glauben eingegliedert werde.

Jedes Schulkind hört von dem reißerischen Werbespruch der damaligen Ablassprediger: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“ Zweifellos war das ein Missbrauch und Ärgernis, das auch von hohen Würdenträgern, etwa dem berühmten Kardinal Cajetan, schon damals kritisiert wurde.

Der Missbrauch einer guten Sache stellt sie selbst nicht in Frage. Niemand würde scharfe Küchenmesser verbieten, obwohl nicht selten damit scheußliche Morde verübt werden. Es kommt auf den rechten und achtsamen Gebrauch an – bei Schneidewerkzeugen nicht weniger als beim Ablass, der ein großartiges Geschenk der Kirche an uns Christen ist.

„Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“

Wir stehen inmitten zweier Jahre, die uns mit dem Thema Ablass – in seiner katholischen Renaissance während der vergangenen Monate und in seiner bekannten Kritik in den kommenden – konfrontieren werden. Was ist aber eigentlich der „Ablass“, diese scheinbar mittelalterliche Frömmigkeitsform, die längst überwunden schien und doch durch Papst Franziskus in ungeahnter Weise gefördert wurde? Das erste, bereits angedeutete Missverständnis ist die Meinung, ein Katholik könnte durch den Ablass, und das heißt in der Vorstellung vieler Menschen, durch eine bestimmte Summe Geld, die Verzeihung seiner Sünden „erkaufen“. Manche denken sogar, er erhalte dann, falls sein Portemonnaie dick genug ist, einen Freibrief zu sündigen, da er ja immer wieder die Münzen im Kasten klingen lassen kann. Ja in manchen Köpfen herrscht die Vorstellung als könne man sich dann geradezu den Preis ausrechnen, der zu begleichen sei, wenn man dreimal nicht in die Kirche geht, einmal den Ehepartner betrügt und immer wieder mal die Kartoffeln aus Nachbars Acker klaut. – „Macht 89,50 Euro. Als guter Kunde bekommen sie beim nächsten Mal eine schwere Sünde gratis erlassen.“ – So ein Blödsinn!  Eine solche Praxis gab es in der Kirche nie! Vergebung der Sünde geschieht – abgesehen von Notsituationen wie etwa Krieg, Seuche oder auch ein persönlicher Unfall – nur im Sakrament der Beichte. Dazu braucht es aber immer Reue und Bekenntnis. Vergebung gegen Barzahlung – nein, das gibt es nicht.

Ablass? – Was ist denn das?

Leider teilen nicht alle die offensichtliche Euphorie des Papstes, die heilige Pforten, und damit „Tore zum Nachlass zeitlicher Sündenstrafe“, wie Pilze aus dem Boden hat sprießen lassen. Es fehlt an Katechesen und Predigten, in denen man versucht,  Katholiken den Ablass zu erklären und ihnen Möglichkeiten zu geben, ihn häufig und gerne zu empfangen. Die meisten Katholiken haben nur vage, oft auch falsche Vorstellungen von dieser Wirklichkeit. Selbst gute Christen, die oft beichten, fragen sich, warum denn Reue, Bekenntnis nicht genügen, alles wieder in Ordnung zu bringen. Ein einfaches Beispiel erklärt, warum der Ablass nicht unwichtig und nebensächlich, geschweige denn falsch und überholt ist.

„Und wer bitte bezahlt die Rechnung?“

Peter und Franz sind Freunde, aber eines Tages kommen sie doch in Streit. Erst beleidigen sich die Jungen, dann beginnen sie zu raufen, wälzen sich über den Boden und schlagen zu. Dabei trifft Peter den Franz so unglücklich, dass er ihm einen Zahn ausschlägt. Autsch! Schlagartig endet der Streit und die beiden laufen verärgert nach Hause. Daheim angekommen, bereut Peter seinen üblen Schlag in das Gesicht des Freundes. Er fährt zu seiner Wohnung und bittet um Verzeihung. Er erkennt ohne lange Diskussion an, dass er zu weit gegangen ist, und dass alles schon damit begann, dass er sich wegen einer Kleinigkeit über den Freund geärgert und ihn darum beleidigt habe. Franz lässt sich von diesem Bekenntnis rühren und erkennt die Reue des Freundes an. Mit blutendem Taschentuch vor dem Mund, stammelt er: „Ist schon wieder gut. Freunde?“ – „Freunde!“

Das, was hier zwischen Peter und Franz geschieht, das ereignet sich in der Beichte. Aus Feinden werden wieder die alten Freunde. Gott vergibt. Immer und immer wieder. Freilich bleibt der Schaden, die Folge der Sünde – in unserem Fall – der ausgeschlagene Zahn. Peter begleitet seinen neu gewonnenen, alten Freund zum Arzt, der die Sache recht schnell in Ordnung bringt.

Wer bezahlt aber nun für die medizinische Hilfe? Eigentlich muss Peter dafür bezahlen, aber so viel Geld bringt er nur bei monatelangem Sparen seines Taschengeldes zusammen. Nehmen wir an, er erzählt die Geschichte ehrlich seiner Mutter, die – als sie sieht, dass Peter schon „gebeichtet“ hat und ehrlich bereut, was er getan hat – sofort bereit ist, die Rechnung zu übernehmen und den Schaden im Namen ihres Sohnes wieder gut zu machen. Freilich stellt sie eine kleine Bedingung: Peter muss als Strafe – er soll ja doch auch irgendwie spüren, dass das kein harmloser Vorfall war, bei dem man mal ein Auge zudrücken kann – einen Monat lang den Müll raustragen. Peter atmet erleichtert auf: „Gerne mach ich das! Das hätte viel schlimmer für mich ausgehen können.“

Sünden provozieren kein schlechtes Karma, aber haben Konsequenzen

Was hier beschrieben wird, ist der Ablass, der Nachlass zeitlicher Sündenstrafen. Alles, was wir tun, hat Folgen – für die schlechten müssen wir geradestehen. Weil wir das aber oft nicht schaffen, greift „Mutter Kirche“ ein. Sie bezahlt für uns aus dem „Schatz der guten Werke Christi und der Heiligen“. Das Bankkonto dieser Frau ist voll – wieder einmal scheint sich alles „nur“ um’s Geld zu drehen! – weil sie so viel von Christus, Maria, den Aposteln und allen Heiligen bis heute geerbt hat mit dem Auftrag, damit Gutes zu tun. Die Kirche, das heißt in der Regel der Papst, verfügt über dieses Konto und teilt davon an alle aus, die darum bitten, das heißt einen Ablass gewinnen wollen. Freilich erwartet sie eine geradezu symbolische Gegenleistung, ein „kleines“ gutes Werk, einen Pfennigbetrag, den wir auf ihr Konto – man könnte auch sagen das Solidaritätskonto – aller Christen einzahlt. Einen vollkommen Ablass, also die volle Übernahme der Folgen meiner Sünde, gibt es daher nur unter fünf Bedingungen:

  1. Beichte – und das bedeutet, wie schon gesagt, Reue und Bekenntnis.
  2. Kommunion –ich muss zu Jesus laufen bzw. ihn zu mir einladen, damit die alte Freundschaft neu und vielleicht sogar noch stärker wieder auflebt.
  3. Vollkommene Reue – das bedeutet, dass ich aus Liebe alle meine Sünden bereue, also nicht nur aus Angst vor Strafe. Peter könnte fürchten, dass Franz‘ Vater ihn beschimpft, und deshalb die Sache bereinigen wollen. Er bittet jedoch um Verzeihung, weil er einsichtig ist und wieder seines Freundes Freund sein will.
  4. Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters – Der Papst verwaltet das „Bankkonto der Heiligen“. Er teilt im Ablass davon aus und bittet, gleichsam als kleine Gegenleistung, dass man, in der Regel ein Vater unser und ein Ave Maria, in seinen monatlich bekanntgegeben Anliegen betet. Diese muss man nicht kennen, sondern es genügt „in der Meinung des Heiligen Vaters“ zu beten)
  5. Ein gutes Werk – Das ist die kleine „Strafe“, die die Mutter zur Besserung auferlegt). Solche Werke sind zum Beispiel den Rosenkranz in Gemeinschaft beten, eine halbe Stunde Bibellesen, eine halbe Stunde Anbetung, etc. Oder wie im Heiligen Jahr das Durchschreiten einer Heiligen Pforte. An Allerseelen und den folgenden acht Tagen kann ein Ablass, allerdings nur für die Verstorbenen, gewonnen werden, wenn man als „gutes Werk“ einen Friedhof besucht, und dort für die Seelen der Verstorbenen betet.

Weder Hölle, noch Himmel – ein „Vorzimmer“ zur ewigen Seligkeit

Der Ablass ist die Vergebung zeitlicher Sündenstrafen. Was heißt das? Die Folge der schweren Sünde ist die ewige Trennung von Gott. Das nennen wir „Hölle“. Die Beichte befreit uns von der schweren Schuld und dieser entsetzlichen Konsequenz, das heißt mit der Absolution erlischt auch die ewige Strafe. Es bleibt eine zeitliche Strafe, das heißt eine Folge der Sünde, die irgendwann wieder gut gemacht ist; sei es in diesem Leben, in dem ich mich bemühe als guter Christ zu leben; oder im anderen, das heißt im Fegefeuer. Dort freilich kann der Mensch aktiv nichts mehr für sich tun. Er wird gereinigt. Die Lebenden können aber, so glauben wir Katholiken, den Seelen der Verstorbenen durch unser Gebet und auch durch den Ablass helfen. Wir sind nicht völlig von unseren Lieben getrennt, denn der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, so Jesus selbst, ist ein Gott der Lebenden und nicht der Toten.

Katholiken können singen „We are family“

Für Martin Luther steht der Mensch allein vor Gott. Für uns Katholiken stehen neben uns die Engel und Heiligen im Himmel aber auch die Menschen auf Erden, die für uns beten. Die „Freiheit eines Christenmenschen“ von allen Mittlern, ist nur schwer durchzustehen und kann manchmal zur schmerzhaften Einsamkeit werden. Die Kirche aber ist eine Familie, deren Mitglieder füreinander einstehen. Sie ist eine Solidargemeinschaft, ein Leib, wie der heilige Paulus sagt, in dem alle leiden, wenn einer leidet; alle sich freuen, wenn einer sich freut. Unsere Gebete sind oft im Plural, weil wir immer mit und für unsere Brüder und Schwestern vor Gott stehen. Diese Dimension wird im Ablass deutlich. Er ist die Versicherung, in die alle einzahlen, und diejenigen davon profitieren, die aufgrund ihrer Sünden und Fehler in Not geraten.

Was ein Ferrari in der Waschstraße mit dem Fegefeuer zu tun hat

Der heutige Reformationstag – Luther wählte bewusst den Vorabend des Allerheiligenfestes, an dem zahlreiche Menschen zum Gottesdienst strömten und damit an der Kirchentüre Halt machten, um seine Thesen zu lesen –  mehr aber noch der 2. November als der Gedenktat „Allerseelen“, das heißt all jener, die sicher in den Himmel kommen werden und dann zu allen Heiligen gehören, jetzt aber noch im Fegefeuer leidvoll erkennen, erinnern uns an den Ablass. Er ist das große Geschenk der Kirche an ihre Kinder, die sie um Hilfe bitten. Wir müssen es nicht alleine schaffen, wieder alles in Ordnung zu bringen. Freilich versteht man ihn nur, wenn man an die Realität des Fegefeuers glaubt, in dem die Seelen schmerzvoll leiden, weil sie angesichts der Schönheit Gottes, all die vielen Flecken erkennen, die sie noch beschmutzen. Das tut weh.

Stellen Sie sich vor, ihr kostbares Auto, ein prächtiger Ferrari, der vollkommen verdreckt ist und daher unmöglich als „Hochzeitswagen“ genutzt werden kann; nein, besser noch – ein Auto empfindet keinen Schmerz – Sie selbst wären voller Ölflecken. Unmöglich, so zu seiner eigenen Hochzeit zu gehen. Kein Wasser, keine Seife, nichts in Sicht. Sie „müssen“ selbst in die Autowaschanlage, in der die harten Bürsten und die brennende Seife sie sauber reibt. Ein hinkender Vergleich, aber es geht darum, dass diese Reinigung im Fegefeuer notwendig (wie sollte man sonst zum Fest gehen?), leidvoll und passiv ist, das heißt die Seele nichts mehr für sich selbst tun kann. Sie kann sich nicht selbst waschen, aber doch erträgt Sie „gerne“ die schmerzhafte Prozedur, um endlich sauber zum Hochzeitsmahl gehen zu können. Sie werden „gefegt“, besser gesagt, gereinigt.

Wir können den Seelen der Verstorbenen helfen. Die „armen Seelen“ können nichts mehr für sich selbst tun. Sie sind Bettler, die von unseren Gebeten profitieren. Sie werden gerettet, wie der heilige Paulus über das Fegefeuer sagt, aber nur wie durch Feuer hindurch (vgl. 1 Kor 3, 12).

Beten wir für die armen Seelen in diesen Tagen, damit sie – die sicher in den Himmel kommen werden – auch für uns vor Gott eintreten. „We are family“ – eine große Familie, die auf Erden streitet, im Fegefeuer leidet und im Himmel triumphiert und feiert.

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101 JAHRE ALTE FRAU EMPFÄNGT DIE ERSTKOMMUNION

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Doña Penha beim Empfang ihrer Erstkommunion im Alter von 101 Jahren am 28. September 2016. Foto: Pflegeheim Unserer Lieben Frau vom Karmel, Rio de Janeiro

 

Mit ihren 101 Jahren Lebenserfahrung hat Doña Penha schon einiges gesehen und erlebt. Aber die über ein Jahrhundert alte Frau erlebte am 28. September etwas Neues: Bei der heiligen Messe erhielt sie zum ersten Mal die heilige Kommunion.

Für alle, die dabei waren, war diese Erstkommunion in einem brasilianischen Altersheim ein großartiges Zeugnis der Liebe Gottes.

„Es war ein sehr schöner Moment, der uns zeigte, dass es nie zu spät ist, die Eucharistie zu empfangen, was für jemanden, der Gott sucht, weder Zeit noch Scham verhindern können“, sagte die Verwaltungsassistin des Heims, Josiane Ribeiro. So etwas zu erleben, fuhr sie fort, bestätige auch einen selbst wieder im Glauben.

Ribeiro sagte gegenüber CNA, dass Doña Penha vor etwa einem Jahr in dem Pflegeheim untergebracht worden war, dass Schwestern vom Orden unserer Lieben Frau vom Rosenkranz von Fatima betreiben. Das Heim hat eine eigene Kapelle, in der werktags die heilige Messe gefeiert wird.

Diese begann Doña Penha zu besuchen, zusammen mit anderen Frauen. Eines Tages bat sie darum, zur Beichte gehen zu dürfen. Dabei stellte Pfarrer Domingos Sávio Silva Ferreira fest, dass sie noch nicht die Erstkommunion erhalten hatte und bat die Schwestern, sie auf den Empfang des Sakraments vorzubereiten.

Nach dieser Vorbereitung empfing Doña Penha zum ersten Mal die Kommunion. Wie das Heim mitteilte, konnten alle Anwesenden miterleben, dass „sie sich das sehr gewünscht hatte“. Selbst mit 101 Jahren sei sie „sehr klar, und bereitete sich mit offenem Herzen auf die Erstkommunion vor“.

Für Ribeiro war der Anlass auch Gelegenheit, Zeugnis abzulegen für die Liebe Gottes – nicht nur den Mitbewohnern des Heims gegenüber, sondern auch den vielen Menschen, die nun ihre Geschichte über die Medien gehört und gelesen haben.

„Wir haben die Fotos des Tages auf die Facebookseite des Heims gestellt, und viele Menschen sahen diese, kommentierten und gratulierten“, sagte Ribeiro.

Hunderte „Likes“ und „Shares“ gab es, sowie viele Kommentare wie diesen: „Es ist immer Zeit, und jetzt war es ihre! Gott segne Dich!“

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Was tun, wenn man sich schämt, zur Beichte zu gehen?

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Die Versöhnung ist dazu da, Gottes Sieg über die Sünde in unserem eigenen Leben erfahren zu dürfen. Aber was passiert, wenn die Scham über die eigenen Sünden uns davon abhält, zum Sakrament der Versöhnung, der Beichte, zu gehen?

Der bekannte Theologe und Priester José Antonio Fortea hat darüber auf seinem Blog geschrieben.

Normalerweise sollte schon das Gespür eines Christen für die Barmherzigkeit Gottes ausreichen, die Scham zu überwinden und zur Beichte zu gehen, um Verzeihung und Heilung zu erhalten.

Doch in manchen Fällen, räumte der Geistliche ein, sind die Menschen nicht in der Lage, sich zu überwinden. Die Scham oder der falsche Stolz würden zu einer „Mauer“, die einen von der Versöhnung fernhalte.

„Die würden lieber eine 100-Meilen-Wallfahrt machen als von Angesicht zu Angesicht gewisse Dinge zu beichten, die sie getan haben und sie schrecklich und erschreckend demütigen“, sagte er über Menschen, die sich „schwer tun“, sich der Hilfe der Beichte zu bedienen, obwohl sie genau diese dringend bräuchten.

Der spanische Priester betonte zuerst, die wichtig es sei, dass Priester mit väterlichem Mitleid jene empfangen, die „solche belastete Gewissen“ haben.

Gleichzeitg unterstrich er die Wichtigkeit, anonyme Beichten anzubieten. In jeder Stadt, sagte er, sollte es mindestens einen Beichststuhl geben, der entsprechend eine absolut undurchsichtige Trennwand habe. Und der Beichtende sollte für den Priester auch nicht erkennbar sein auf dem Weg zu und von der Beichte.

„Mit diesen Maßnahmen kann die große Mehrzahl aller Gläubigen das Problem der Scham lösen“, sagte Pater Fortea.

Doch für die „wirklich sehr seltenen“ Fälle, in denen sich Menschen trotzdem schämten, zur Beichte zu gehen, trotz anonymer Beichtstühle, könnten weitere Dinge getan werden.

In solchen Fällen extremer Scham könne die betroffene Person „anonym einen Priester in der Stadt anrufen und ihr Problem schildern“. Die Beichte selber könne zwar nicht per Telefon abgelegt werden, aber „in vielen Fällen reicht der Anruf aus, um den Betroffenen genug Vertrauen zu schöpfen zu lassen, um dann einen der oben genannten Beichtstühle aufzusuchen“.

Sollte der Büßer immer noch vor lauter Scham zögern, sich seiner Sünden zu befreien, dann könne mit einem Priester eine schriftliche Beichte arrangiert werden.

In vielen Beichtstühlen seiner Heimatstadt Alcalá de Henares sei es möglich, den Beichtschirm „ganz leicht um nur einen kleinen Spalt zu verschieben, damit durch diesen Schlitz ein Stück Papier geschoben werden kann“, so Pater Fortea.

Für einen solchen, seltenen Fall empfehle er, die Beichte auf nur einer Seite niederzuschreiben, „klar und bündig“, oder sogar gedruckt, damit es gut lesbar sei.

„Der Priester wird seinen Rat geben, die Buße und die Absolution, ohne Fragen an den Büßer richten zu missen. In diesem Fall wäre es kontraproduktiv, Fragen zu stellen“, so der Geistliche.

Normalerweise muss natürlich eine Beichte im persönlichen Gespräch geführt werden, betont der Priester wiederholt. Doch Taube und Stumme seien schon immer eine schriftliche Beichte möglich gewesen. Und in Fällen unüberwindbarer Scham wäre es eben vereinzelt auch möglich, sagte er. „Eine psychische Beschränkung kann genauso echt wie eine physische sein“.

PAPST BENEDIKT XVI. ZUR FÖRDERUNG DER HÄUFIGEN BEICHTE

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Aus dem nachsynodalen Apostolischen Schreiben SACRAMENTUM CARITATIS Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. vom 22.2.2007:

Einige pastorale Anweisungen

21. Die Synode hat daran erinnert, daß es die pastorale Aufgabe des Bischofs ist, in seiner Diözese eine entschiedene Wiederbelebung der Erziehung zur Umkehr anzuregen, die sich aus der Eucharistie ergibt, und unter den Gläubigen die häufige Beichte zu fördern. Alle Priester sollen sich großzügig mit Engagement und Kompetenz der Spendung des Sakramentes der Versöhnung widmen. [60] In diesem Zusammenhang muß darauf geachtet werden, daß die Beichtstühle in unseren Kirchen gut sichtbar sind und die Bedeutung dieses Sakramentes zum Ausdruck bringen. Ich bitte die Hirten, die Art des Vollzugs des Sakramentes der Versöhnung aufmerksam zu überwachen und die Praxis der Generalabsolution ausschließlich auf die eigens vorgesehenen Fälle zu beschränken, [61] da nur die persönliche Lossprechung die ordnungsgemäße Form darstellt.[62] Angesichts der Notwendigkeit der Wiederentdeckung der sakramentalen Vergebung sollte es in allen Diözesen immer den Pönitentiar geben. [63] Schließlich kann eine wertvolle Hilfe für die erneute Bewußtmachung der Beziehung zwischen Eucharistie und Versöhnung eine ausgeglichene und vertiefte Praxis des für sich selbst oder für die Verstorbenen gewonnenen Ablasses sein. Mit ihm erhält man „vor Gott den Nachlaß der zeitlichen Strafe für die Sünden, die – was die Schuld betrifft – schon vergeben sind.“ [64] Die Inanspruchnahme der Ablässe hilft uns verstehen, daß wir allein mit unseren Kräften niemals imstande wären, das begangene Böse wiedergutzumachen, und daß die Sünden jedes Einzelnen der ganzen Gemeinschaft Schaden zufügen. Darüber hinaus verdeutlicht uns die Ablaß-Praxis, da sie außer der Lehre von den unendlichen Verdiensten Christi auch die von der Gemeinschaft der Heiligen einschließt, „wie eng wir in Christus miteinander vereint sind und wie sehr das übernatürliche Leben jedes Einzelnen den anderen nützen kann“. [65] Da ihre Form unter den Bedingungen den Empfang des Beichtsakramentes und der Kommunion vorsieht, kann ihre Übung die Gläubigen auf dem Weg der Umkehr und bei der Entdeckung der Zentralität der Eucharistie im christlichen Leben wirkungsvoll unterstützen.


 [60] Vgl. Propositio 7.

 [61]Vgl. Johannes Paul II., Motu proprio Misericordia Dei (7. April 2002): AAS 94 (2002), 452-459.

 [62]Gemeinsam mit den Synodenvätern möchte ich daran erinnern, daß die nicht sakramentalen Bußfeiern, die im Rituale für das Sakrament der Versöhnung erwähnt werden, nützlich sein können, um in den christlichen Gemeinden den Geist der Umkehr zu fördern und so die Herzen auf die Feier des Sakramentes vorzubereiten: vgl. Propositio 7.

 [63] Vgl. Kodex des kanonischen Rechts, can. 508.

 [64]Paul VI., Apost. Konst. Indulgentiarum doctrina (1. Januar 1967), Normae, Nr. 1: AAS 59 (1967), 21.

 [65] Ebd., 9: AAS 59 (1967), 18-19.

PAPST PAUL VI.: DAS BUß-SAKRAMENT IN DER LEHRE DER KIRCHE

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PAPST PAUL VI.

Ansprache beim „ad-lad-limina“-Besuch der amerikanischen
Oberhirten des Bundesstaates New York, 20. April 1978

 

Im Namen des Herrn: „Friede sei mit euch!“ (Joh 20, 19).
Wir haben uns schon auf diesen Tag gefreut und heißen euch alle nun mit Freude, mit großer Freude willkommen. Für einen kurzen Augenblick seid ihr aus euren pastoralen Arbeitsbereichen in das Zentrum der kirchlichen Einheit zurückgekehrt; der apostolischen Tradition der Kirche entsprechend, seid ihr gekommen, „um Pe­trus zu sehen“ (Gal 1, 18). Und ihr bringt die Hoffnungen und Sehnsüchte von über sechs Millionen Katholiken des Staates New York mit. In euch als den Oberhirten der Ortskirchen umfassen wir in der Liebe des Erlösers das ganze Volk Gottes. Denn nach dem Willen Christi, unseres Herrn, sind alle eure Gläubigen auch unsere Söhne und Töchter in der Gemeinschaft der universalen Kirche, und mit großer, väterlicher Liebe möchten wir sie alle, zu­sammen mit euch, ihren Bischöfen, im Glauben an Jesus Christus, den Sohn des lebendigen Gottes, bestärken.

Eure Diözesen verdienen, so meinen wir, wahrhaftig besondere Ehre, besondere pastorale Aufmerksamkeit. Ihr steht in der Tradi­tion großer Heiliger. Das Blut nordamerikanischer Märtyrer hat eure Erde gesegnet, und die hl. Francesca Cabrini, die hl. Elizabeth Ann Seton und der hl. Johannes Neumann lebten in eurer Mitte. Ihr habt auch ein reiches Erbe an ethnischer Vielfalt zu bewahren. Wie viele Einwanderer vielleicht sogar eure eigenen Mütter oder Väter — betraten in New York zum ersten Mal amerikanischen Bo­den! Auch wir erinnern uns voll Dankbarkeit eurer Gastfreund­schaft.

Durch euren heutigen Besuch hier bei uns bekennt ihr euren Glauben an die Kirche als eine Gemeinschaft des Glaubens und der Liebe, die von Jesus Christus errichtet wurde und ihre sichtbare Einheit im Nachfolger Petri findet. Wir wissen, daß bei dieser un­serer Begegnung der Herr Jesus unter uns ist. Wir vertrauen darauf, daß ihr, durch die Kraft des Geistes gestärkt, hinausgehen werdet, um mit neuem Mut und frischer Kraft euer Amt der Glaubensverkündigung fortzusetzen: Christus zu verkündigen und sein Reich und seine Wiederkunft zu predigen.

Wir möchten einige Augenblicke mit euch zusammen kurz über einen grundlegenden Aspekt des Evangeliums nachdenken: den Ruf Christi zur Umkehr. Das Thema der Umkehr wurde schon von Johannes dem Täufer angekündigt: „Kehrt um!“ (Mt 3, 2). Dieselben Worte hat dann später Jesus gesprochen (vgl. Mt 4, 17). Und genauso wie die Apostel diese Botschaft vom Herrn gehört hatten, erhielten sie von ihm den Auftrag, diese zum Inhalt ihrer Verkündigung zu machen (vgl. Lk 24, 27). So verkündet Petrus, dem Gebot Jesu getreu, in seiner Pfingstpredigt die Umkehr zur Vergebung der Sünden (vgl. Apg 2, 38). Der hl. Paulus sagt in aller Klarheit: „Ich habe gepredigt, sie sollen umkehren und sich Gott zuwenden“ (Apg 26, 20).

Liebe Brüder, diese Aufforderung zur Umkehr ist vom Herrn Jesus auf uns gekommen: sie gilt für uns, für unser Leben und für unsere ständige, furchtlose Verkündigung an die Welt. Bei anderer Gelegenheit sagten wir, Umkehr sei ein ganzes Programm, das in enger Verbindung mit der Erneuerung durch das Evangelium steht (vgl. Ansprache bei der Generalaudienz vom 9. November 1977). So stellt Umkehr das Ziel dar, das durch unseren apostolischen Dienst erreicht werden soll: die Weckung des Bewußtseins von der Sünde, des Bewußtseins von der ewigen und tragischen Wirklich­keit der Sünde, ihrer persönlichen und sozialen Dimensionen, zu­gleich aber die Vergegenwärtigung der Tatsache, daß „dort, wo die Sünde mächtig wurde, die Gnade übermächtig geworden ist“ (Röm 5, 20); ferner die Verkündigung des Heils in Jesus Christus.

Heute möchten wir zu euch, euren Mitbrüdern im Bischofsamt und euren Priestern in Amerika im besonderen über die sakramen­talen Aspekte der Umkehr sprechen, über bestimmte Dimensio­nen des Sakraments der Buße oder Versöhnung. Vor sechs Jahren veröffentlichte die Kongregation für die Glaubenslehre mit unserer ausdrücklichen Billigung und in unserem Auftrag Pastoralnormen, die die Generalabsolution regeln sollten. Dieses Dokument, das den Titel Sacramentum paenitentiae trägt, wiederholte die feierliche Lehre des Konzils von Trient über das göttliche Gebot der per­sönlichen Beichte. Das Dokument gab zu, daß mancherorts wegen des Priestermangels für die Gläubigen erhebliche Schwierigkeiten bestehen, zur Einzelbeichte zu gehen. Es wurden Vorkehrungen für eine Generalabsolution in Notfällen getroffen, wobei genau de­finiert wurde, unter welchen Voraussetzungen derartige Notfälle gegeben sind (Norm 3).

Es wurde dem Ortsordinarius nach Beratung mit anderen Mit­gliedern der Bischofskonferenz vorbehalten, zu entscheiden, ob die vom Hl. Stuhl verlangten und in Norm 3 im einzelnen darge­legten notwendigen Bedingungen vorliegen. Die Bischöfe wurden nicht ermächtigt, die verlangten Bedingungen zu ändern, durch andere zu ersetzen oder aufgrund persönlicher Kriterien, auch wenn diese noch so achtbar sind, einen schweren Notfall zu kon­statieren. Sacramentum paenitentiae erkannte im Endeffekt an, daß die Normen, die die Grundordnung des kirchlichen Dienstes der Versöhnung regeln, in besonderer Weise Sache der Gesamtkir­che und der Regelung durch ihre oberste Autorität sind. Wichtig bei der Anwendung der Normen ist die generelle Wirkung des grundlegenden kirchlichen Dienstes der Versöhnung in Übereinstimmung mit dem Plan Christi, des Erlösers. Im Leben der Kirche ist die Entscheidung für die Generalabsolution nicht der Normal­fall und kein Mittel, irgendwelchen schwierigen pastoralen Situa­tionen zu begegnen. Sie ist nur in außergewöhnlichen Situationen von schwerer Notlage gestattet, wie in Norm 3 bestimmt ist. Wir haben bereits vergangenes Jahr öffentlich auf den absoluten Aus­nahmecharakter der Generalabsolution hingewiesen (Ansprache bei der Generalaudienz vom 23. März 77).

Brüder, wir erinnern auch an die Worte in unserem Schreiben an die amerikanischen Bischöfe anläßlich des 200jährigen Bestehens der Vereinigten Staaten: „Wir ersuchen um höchste Wachsamkeit in der Frage der Ohrenbeichte“ (AAS 68, 1976, S. 410). Und heute fügen wir ausdrücklich hinzu: Wir ersuchen um treue Einhaltung und Beachtung der Normen. Die Treue zur Gemeinschaft der uni­versalen Kirche verlangt das; diese Treue wird zugleich Garant sein für die übernatürliche Wirkung eures kirchlichen Sendungsauf­trags zur Versöhnung.

Darüber hinaus bitten wir euch, die Bischöfe, euren Priestern zu helfen, immer mehr Verständnis und Wertschätzung für ihren her­vorragenden Dienst als Beichtväter zu finden (vgl. Lumen gen­tium, Nr. 30). Eine jahrhundertelange Erfahrung bestätigt die Be­deutung dieses Dienstes. Wenn Priester wirklich begreifen, wie eng sie durch das Bußsakrament mit dem Erlöser in der Aufgabe der Bekehrung zusammenarbeiten, werden sie sich mit immer grö­ßerem Eifer dieser Sendung hingeben. Zugleich werden den Gläu­bigen mehr Beichtväter zur Verfügung stehen. Man wird aus Zeit­mangel andere Werke hintanstellen oder sogar aufgeben müssen ­aber auf keinen Fall die Beichte. Das Beispiel des hl. Johannes Vianney ist nicht überholt. Der Ermahnung von Papst Johannes XXIII. in seiner Enzyklika Sacerdotii Nostri Primordia kommt noch immer größte Bedeutung zu.

Wir haben wiederholt gefordert, die Hauptfunktion des Bußsa­kramentes zu bewahren (vgl. Ansprache bei der Generalaudienz vom 3. April 1974 und vom 12. März 1975). Und vor zwei Jahren bei der Seligsprechung des Kapuzinerpaters Leopold von Castel­nuovo führten wir aus, daß dieser Mann den höchsten Grad der Heiligkeit durch seinen Dienst im Beichtstuhl erlangt hat. Wir glauben, daß die Lage in der heutigen Kirche — in euren Diözesen wie anderswo — reif dafür ist, häufigeren und fruchtbareren Ge­brauch vom Bußsakrament in Übereinstimmung mit dem Ordo paenitentiae zu machen, und reif für einen intensiveren Dienst der Priester, was Früchte größerer Heiligkeit und Gerechtigkeit im Leben der Priester und Gläubigen zur Folge hätte. Aber der volle Erfolg dieser Erneuerung hängt mit Gottes Gnade von eurer eige­nen Wachsamkeit und Treue ab. Das erfordert von eurer Seite ständige Leitung und strenge geistliche Führung. Im Hinblick auf die Praxis häufigen Beichtens bitten wir euch zudem, eure Priester, Ordensleute und Laien — alle Gläubigen, die nach Heiligkeit stre­ben — an die Worte unseres Vorgängers Pius XII. zu erinnern: „Diese Praxis ist nicht ohne Eingebung des Heiligen Geistes in die Kirche eingeführt worden“ (AAS 35, 1943, S. 235).

Ein weiterer wichtiger Aspekt der kirchlichen Bußdisziplin ist die Praxis der Erstbeichte vor der Erstkommunion. Hier lautet un­sere dringende Bitte, die Normen des HI. Stuhls nicht durch gegenteilige Handhabung um ihre Bedeutung zu bringen. In dieser Hinsicht wiederholen wir, was wir vergangenes Jahr einer Gruppe von Bischöfen bei ihrem „ad-limina“-Besuch gesagt haben: „Der Gläubige würde mit Recht entrüstet sein, wenn augenfällige Miß­bräuche von jenen geduldet werden, die das Bischofsamt inneha­ben, das seit den frühesten Tagen der Kirche Wachsamkeit und Einheit bedeutet“ (AAS 69, 1977, S. 473).

Es gibt noch manche andere Aspekte der Umkehr, über die wir gerne zu euch sprechen würden. Aber wir werden jetzt schließen mit der dringenden Bitte, eurem Volk ein ermutigendes Wort des Vertrauens und der Zuversicht zu übermitteln: „Christus Jesus, unsere Hoffnung“ (1 Tim 1, 1). In der Nacht seiner Auferstehung und durch die Kraft seines Wortes fordert er die Gläubigen auf, den lebenslangen Weg der Umkehr fortzusetzen eingedenk der Worte: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: wie Großes Gott de­nen bereitet hat, die ihn lieben“ (1 Kor 2, 9).

Liebe Brüder, wir danken euch aufrichtig als Mitarbeiter für das Evangelium und bitten den Herrn Jesus, eure Liebe zu ihm zu er­neuern. Allen euren Priestern und Diakonen, euren Ordensleuten und Laien senden wir unseren Friedensgruß und unseren Apostoli­schen Segen: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heili­gen Geistes. Amen.

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Quelle: WORT UND WEISUNG IM JAHR 1978, Libreria Editrice Vaticana – Butzon & Bercker