GOTT ODER NICHTS – Gedanken zum Buch von Kardinal Robert Sarah von Kardinal Gerhard Müller

Robert Kardinal Sarah, der Domkapellmeister Georg Ratzinger und Gerhard Ludwig Kardinal Müller im Schloss St. Emmeram.

Zu Beginn möchte ich Kardinal Robert Sarah danken für sein Glaubenszeugnis, das er mit seinem in diesem Jahr [2015] erschienenen Buch „Dieu ou rien. Entretien sur la foi“ ablegt. Zugleich beglückwünsche ich die deutsche Sprachfamilie für die Möglichkeit, sich nun mit der Gedankenfülle eines großen Theologen und geistlichen Menschen in ihrer Muttersprache bekannt zu machen.

 

1. Der Mensch vor der alles entscheidenden Alternative

Das Gespräch über den Glauben, das Kardinal Sarah mit dem renommierten Kenner des II. Vatikanischen Konzils Nicolas Diat führt, trägt den Titel „Gott oder Nichts. Gespräch über den Glauben“. Es geht also nicht um dieses oder jenes interessante Einzelthema oder um die Propagierung der Lieblingsideen eines Schriftstellers oder politischen Akteurs. Der Kardinal hat vielmehr den Menschen als solchen und ganzen im Blick und zwar in der absoluten Hinsicht auf Gott, dem Ursprung und Ziel der ganzen Schöpfung in der Liebe, die Gott ist in seinem Sein und Leben.

Angesichts der Endlichkeit unseres kurzen Erdendaseins, der irdisch nicht zu erfüllenden Gerechtigkeit für die Armen, für die Erniedrigten, die unschuldig Leidenden, die zu früh Gestorbenen, die Millionen Opfer von Kriegen und Gewalt gibt es − alles zusammengefasst − nur die eine Alternative. Wenn Gott existiert, lebt und wirkt, dann hat alles doch einen Sinn, dann wird die Gerechtigkeit jedem am Ende zuteil, der sich Gott ganz anheimgibt, dann ist das letzte und nie verstummende Wort über die ganze Schöpfung Liebe und ewiges Leben und nicht Hass, Tod, Nichts, das große Aus. „Denn die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm 8,21). Mit Gott werden alle positiven Faktoren unserer Existenz in der Klammer des Geschaffenen mit Unendlichkeit und Liebe multipliziert.

Durch Gott ist alles ewig in, ohne Gott ist alles endgültig out.

In zehn Fragekreisen setzt sich der Kardinal theologisch und geistlich mit der Situation der katholische Kirche in der Welt der Gegenwart auseinander und bietet über die Diagnose hinaus eine Therapie für den orientierungslosen Menschen der Postmoderne. Den Glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes und Erlöser der ganzen Welt.

 

2. Kardinal Sarah im geistlichen und theologischen Profil

Schon Papst Johannes Paul II. hat die tiefe Spiritualität des damaligen Erzbischofs von Conakry in dem kleinen afrikanischen, ganz islamisch geprägten Land Guinea mit einer katholischen Minderheit erkannt und seine theologische Kompetenz gewürdigt, indem er ihn 2001 an die römische Kurie geholt hat. Und Papst Benedikt XVI. ihn 2010 berief in das Heilige Kollegium der Kardinäle, die dem Papst bei der Regierung der Weltkirche unmittelbar zur Seite stehen. Die Wertschätzung, die ihm Papst Franziskus entgegenbringt, zeigte sich in der Berufung des langjährigen Präsidenten des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden „Cor unum“ zum Präfekten der Kongregation für den Gottesdienst und die Ordnung der Sakramente. Während ihn die Arbeit für Cor unum weltweit mit den Herausforderungen der Armut und Not konfrontierte, hat er in seinem neuen Arbeitsfeld mit einem anderem Grundvollzug der Kirche zu tun: der Liturgie, dem Gottesdienst und den Sakramenten.

Wie bedeutsam diese Kongregation für die ganze Kirche als Gemeinschaft des Glaubens und der Gottesverehrung ist, zeigt sich etwa in der Beschreibung der Liturgie in dem entsprechenden Dekret des II. Vatikanums: Die Liturgie und speziell die Heilige Eucharistie ist inmitten der Martyria und der Diakonia, (d.h. der Glaubenslehre, der Verkündigung, der Seelsorge und dem caritativen Dienst), Quelle und Höhepunkt allen kirchlichen Lebens und Handelns (vgl. SC 10).

In der Liturgie drückt sich der Glaube aus als unmittelbare Antwort auf die Selbstoffenbarung des dreifaltigen Gottes, der für jeden Menschen in seinem Fleisch gewordenen WORT, in seinem Sohn Jesus Christus Weg, Wahrheit und Leben bedeutet. Die Kongregation für den Gottesdienst hat es mit einem wesentlichen Grundvollzug von Kirche als dem universalen Sakrament des Heils der Welt zu tun. Es geht nicht um eine äußerliche Inszenierung von Riten und Symbolen, in denen der Mensch mit sich selbst spielt, um sich selber kreist, sich selbst verehrt und anbetet, aber ohne sich zu überschreiten in die wahre Transzendenz Gottes. In der Liturgie ereignet sich die Erhöhung des Menschen durch die Gnade. Denn sie ist das Gegenteil eines selbstmitleidigen Egotrips. Liturgie ist die Erhebung der Herzen zu Gott, dem allein Anbetung und Verherrlichung gebührt. Nicht wie im heidnischen Kult und Mythos der Mensch die Götter servil umschmeichelt oder sich prometheisch gegen sie auflehnt, sondern wie in Christus Gott und Mensch sich begegnen, so verehren die Christen Gott. „Die Herrlichkeit Gottes ist der (in der Gnade) lebende Mensch, das Leben des Menschen aber ist die Schau Gottes“, so formulierte es der hl. Irenäus von Lyon im 2. Jahrhundert (Adv. Haer. IV, 20,7: Gloria enim Dei vivens homo, vita autem hominis visio Dei). Angebetet, verherrlicht und geliebt wird der dreifaltige Gott, der in der Person des Wortes unser Fleisch angenommen hat, der in Jesus Christus in seiner wahren menschlichen Natur, in seiner menschlichen Geschichte, in seinem Opfertod für uns am Kreuz und in seiner realen Auferstehung von den Toten den Tod und die Gottesferne überwunden hat. Es ist derselbe Jesus Christus, der als der erhöhte Herr uns Menschen geschichtlich, leiblich und gemeinschaftlich, in der Kirche und ihren Sakramenten realistisch von Person zu Person begegnet.

Die Verantwortung, die Kardinal Sarah von Papst Franziskus übertragen worden ist, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Man bedenke nur, was Joseph Ratzinger − im erst-erschienen der auf 16 Bände berechneten Ausgabe seiner Gesammelten Schriften − der Kirche als Vermächtnis mitgegeben hat: Im Zeitalter der schleichenden oder lärmenden Säkularisierung der abendländischen Christenheit und einer aggressiven De-Christianisierung der Weltgesellschaft wird das richtige Verständnis der Liturgie und ihr würdiger Vollzug zur Schicksalsfrage des Christentums in der Welt von heute und morgen.

Zur Erfüllung dieser Aufgabe bedarf es mehr als nur eines fachlichen Studiums der Liturgiewissenschaft im engeren Sinn. Der geistige Horizont eines Kardinalpräfekten der Kongregation für den Gottesdienst muss die philosophischen, fundamentaltheologischen, dogmatischen, kulturellen und politischen Voraussetzungen und Bedingungen des Christseins in der Moderne und Postmoderne geistig durchdrungen haben. Nur eine tiefgründige Diagnose der geistigen und kulturellen Struktur der globalisierten Welt kann auch zur Entwicklung einer Therapie führen, die den Nihilismus − als den gemeinsamen Nenner aller Erwartungen und Bestrebungen einer Welt ohne Gott − überwindet und den Glauben an Gott als Grund und Ziel des Menschen neu zum Leuchten bringt. Die Liturgie-Unfähigkeit des modernen Menschen, von der Romano Guardini schon 1948 auf dem Mainzer Katholikentag sprach und die „Krise des sakramentalen Idee“ in einem auf die Immanenz begrenzten Bewusstsein, die von Joseph Ratzinger festgestellt worden ist, haben ihren Grund im monistischen System des Naturalismus, der die transzendentale Verwiesenheit des Menschen in Geist und Freiheit auf das Mysterium Gottes leugnet und der konsequent den Menschen eindimensional-innerweltlich begrenzt und ihn nicht als Hörer des Wortes auf eine übernatürliche Offenbarung Gottes in Welt, Geschichte und Geist des Menschen zu sehen vermag.

 

3. Quellen und Prägungen seiner christlichen Identität

Robert Sarah wurde am 15. Juni 1945 geboren in Ourous, einem kleinen unbedeutenden Bauerndorf, als Guinea noch französische Kolonie war. Wie borniert der Kolonialismus war, zeigt sich in der mechanischen Übernahme des französischen Schulmaterials aus dem sogenannten Mutterland. Die Kinder in Guinea lernten, dass sie als Franzosen Nachkommen der Gallier waren. Kolonialismus, Rassismus sowie militärischer oder kultureller Imperialismus waren und sind Schandmale der Menschheitsgeschichte und − theologisch ausgedrückt − Erscheinungsformen der Erbsünde, die nur durch die größere Liebe Gottes vergeben werden kann.

Die erste positive Erfahrung, die sein ganzes Leben bis in die letzten Tiefen seiner geistigen und sittlichen Existenz prägte, war die Begegnung mit den Missionaren aus dem Spiritanerorden. Ohne jede politische Ambition und ohne den leisesten Anklang eines europäischen Überlegenheitsgefühls wirkten die Patres selbstlos, immer demütig und mit voller Hingabe als Männer Gottes, als Botschafter nicht des europäischen Lebensstandards, sondern der alle Menschen ergreifenden und sie familiär vereinenden Liebe Gottes.

Eurozentrik verengt den Horizont. Theozentrik entgrenzt ihn. Christozentrik vereint alle Menschen in Gott.

Wer an Gott glaubt, ist überall zuhause. Und in dem einen Haus des Vaters sind wir alle Brüder und Schwestern. Wir gehören von der Schöpfung aus gesehen zur Familie der Menschheit. Im Licht der Offenbarung zeigt sich die Glaubensgemeinschaft in Christus als Haus und Volk Gottes. Die Liebe Gottes begründet die Würde des Menschen und gibt Hoffnung in Leid und Ungerechtigkeit, sie schenkt die geistliche Kraft, den Hass zu überwinden und sogar den Feind zu lieben, d.h. ihn aus dem Gefängnis der Gottlosigkeit und Menschenfeindschaft zu befreien. Die Liebe des Schöpfers und Erlösers eröffnet die Aussicht auf die Erfüllung der ganzen Schöpfung in Gott selbst. Das ewige Leben ist nicht ein zeitlich unbegrenztes Weitermachen wie bisher − nur unter anderen äußeren Bedingungen. Das ewige Leben ist die Erkenntnis Gottes und seines Sohnes Jesus Christus ( Joh 17,3). Gott lebt in uns und wir leben in Gott. „Der Tod ist nicht das Ende, sondern für mich der Anfang des Lebens“, sagte der erst 39-jährige Dietrich Bonhoeffer kurz vor seiner Hinrichtung durch die Schergen des Fürsten dieser Welt, den Jesus im Johannesevangelium den Lügner und Mörder von Anbeginn nannte (Joh 8,44). Lüge, Mord und Gewalt sind die Kennzeichen der von Menschen errichteten Reiche der Selbsterlösung, die sich an die Stelle Gottes stellen wollen, während das Reich Gottes Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit im Heiligen Geist bedeutet. Der Mensch ist auf das Absolute ausgerichtet. Nur wo Gott über und im Menschen ist, gibt es Wahrheit in Freiheit und Gerechtigkeit in Liebe. Wo der  Mensch sich des Absoluten zu bemächtigen sucht, macht er sich zum Götzen, der durch den Griff nach der totalitären Herrschaft die Menschen durch politisch-mediale Machtausübung gleichschaltet und somit versklavt.

Nach der Entlassung seiner Heimat aus der kolonialen Abhängigkeit von Frankreich, errichtete der Diktator Sékou Touré eine blutige marxistisch-leninistische Herrschaft mit dem Ergebnis von zwei Millionen Flüchtlingen und vielen Tausenden Menschen, die grausam ermordet, gefoltert und gedemütigt wurden. Auch der Vorgänger unseres Kardinals als Erzbischof von Conakry Mgr. Raymond-Marie Tchidimbo und viele Christen wurden brutal misshandelt im Namen einer Ideologie, die die Religion als Opium des Volkes verächtlich macht und im Namen von Freiheit, Fortschritt und Wissenschaft jede Verletzung der Religionsfreiheit und der Menschenrechte gegen Christen für gerechtfertigt und geboten hält. Nach zwei atheistischen Diktaturen auf deutschem Boden in einem Jahrhundert und zwei Weltkriegen, die innerhalb von 25 Jahren von Deutschland ausgingen, wissen wir Deutschen, was eine Welt ohne Gott bedeutet, in der die Glaubenden als gefährlich, rückständig, mittelalterlich verlacht, marginalisiert und aus dem öffentlichen Leben ausgeschaltet werden. Die altliberale Maxime „Religion ist Privatsache“ des 19. Jahrhunderts, die sich im 20.Jahrhundert alle totalitären Politsysteme zueigen gemacht haben, ist nichts anderes als eine extreme Verletzung der Menschenrechte. Denn ebenso wie Agnostiker haben auch Menschen mit der Überzeugung, dass Gott die Liebe ist, das natürliche Menschenrecht, sich gerade auch im Bekenntnis ihrer Lehre und ihrer Lebensführung im öffentlichen Leben für das Gemeinwohl einzusetzen. Eine echte Demokratie unterscheidet sich von der Pöbelherrschaft oder „Volksdemokratie“ dadurch, dass sie auf den unverletzlichen Menschenrechten aufbaut und sie nicht nach ideologischen Interessen selbst definiert, was der Mensch ist und somit den Menschen der Willkür der Masse oder der herrschenden Partei oder Meinung ausliefert. Ein Staat muss weltanschaulich neutral sein, aber er darf nicht zum Zwangsinstrument werden, um eine atheistisch-naturalistische Weltsicht eines Teils seiner Bürger zum Gesetz des Ausschlusses eines andern Teils von den staatlichen und öffentlichen Institutionen zu machen. Mit der weltanschaulichen Neutralität des Staates ist die Erklärung des Säkularismus als quasi Staats-Weltanschauung unvereinbar. Die gebotene Trennung von Kirche und Staat beinhaltet die staatliche Respektierung der Freiheit und Autonomie der Kirche und der Religionsgemeinschaften und darf nicht zum Vorwand der Entrechtung der Gläubigen und der Einschränkung ihrer Grundrechte werden und kann auch nicht den Raub des Kirchengutes oder ihre Zurückdrängung aus der Öffentlichkeit rechtfertigen (II.Vat. Dignitatis humanae 4). Der moderne demokratische Staat muss weltanschaulich neutral sein und das bürgerliche Engagement auch der Glaubensgemeinschaften fördern. Er muss naturrechtlich, aber eben nicht säkularistisch-agnostisch begründet sein. Wo er Bürger gegen deren religiöse Überzeugung ins Private abdrängt oder zum Tun des Bösen gegen das Gewissen zwingt, und die Öffentlichkeit der Kirche verschließt, verletzt er das Menschenrecht der Religionsfreiheit und entzieht seiner demokratisch-rechtstaatlichen Legitimation den Boden (DH 6). Wo das Gewissen sich nicht mehr einer überweltlichen Instanz oder besser gesagt dem personalen Gott als Richter über Gut und Böse und als Orientierung für wahr und falsch verantwortlich fühlt, da ist − nach einem Wort Fjodor Dostojewskis − „ alles erlaubt“. Der russische Dichter formulierte es nur theoretisch. Wir Zeitgenossen des 20. Jahrhunderts wissen, was das praktisch bedeutet.

In dieser Zeit der Verfolgung in seiner geliebten Heimat findet sich eine zweite tiefe Quelle der Spiritualität von Kardinal Sarah. Die Erkenntnis Christi, des Gekreuzigten. Ich hatte schon von der Erfahrung der Demut und unbedingten Opferbereitschaft der französischen Missionare gesprochen, die ihm den ohne jede Vorbedingung uns Menschen liebenden Gott ins Herz eingepflanzt haben. Jetzt ist es mitten in der Verfolgung, wo es menschlich gesprochen keinen Ausweg gibt, die Erfahrung des Kreuzes Christi, die Hoffnung gegen alle Hoffnung vermittelt. Kalvaria ist der höchste Punkt, von dem aus wir mit den Augen des Gottessohnes am Kreuz die Menschen, die Welt, die Geschichte und die ganze Schöpfung betrachten und mit dem Übermaß der vergebenden und versöhnenden Liebe Gottes beurteilen. Stat crux, dum volvitur orbis. Das Kreuz steht fest, und wenn die ganze Welt umstürzt und im Chaos  zu versinken droht.

Und doch haben wir es im geoffenbarten Glauben, der von Gott kommt, nicht mit einer Gegenideologie zu tun. Im Glauben begegnet uns Christus selbst. Er, der als wahrer Mensch unser Erdenleben und Leiden am eigenen Körper und in der eigenen menschlichen Seele und in seinem menschlichen Bewusstsein ertragen und dem Vater im Himmel aufgeopfert hat, ist derselbe , der von den Toten auferstanden ist. „Er ist der wahre Gott und das ewige Leben.“( 1 Joh 5,20). Und die Gemeinde seiner Jünger, die Kirche bekennt ihn als den wahren Gott, den Sohn des Vaters, unser aller Erlöser und der Hohepriester und Mittler des Neuen und Ewigen Bundes.

Von den Patres hat Robert Sarah gelernt und das war eine weitere Grunderfahrung, was Mission eigentlich ist, nämlich die Verkündigung und die Einbeziehung eines jeden Menschen, der im Glauben  frei Ja sagt zu Gott, in das Geheimnis der göttlichen Liebe des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Christliche Mission ist das Gegenteil von Proselytismus, der nur überredet und nötigt, die eigene Kultur und Mentalität zu übernehmen, statt die Begegnung mit der wahren Gott in Wort und Sakrament zu vermitteln. Proselytismus instrumentalisiert andere für die Bestätigung des Selbst. Mission bezeugt den Brüdern die Liebe Gottes jedem einzelnen Menschen.

Der jugendliche Katholik Robert Sarah hat auch die Heilige Messe kennen und lieben gelernt als Gemeinschaft mit Jesus in Liebe und Wahrheit. Mission und Kreuz aber gerade auch die Liturgie sind die Quellen der geistlichen Existenz von Kardinal Sarah. Wenn ich die Heilige Messe gläubig und mit der gebotenen tiefsten Ehrfrucht vor Gott mitfeiere, dann nimmt Jesus mich mit meinem ganzen Leben, Arbeiten, Sorgen und Leiden hinein in sein Opfer am Kreuz, in dem er sich dem Vater für das Heil der Welt dahingegeben hat, damit wir in Gott, aus Gott und für Gott jetzt und ewig leben können. Die sakramentale Kommunion führt uns, wenn wir sie im Stande der heiligmachenden Gnade, der im Leben bewahrten oder im Bußsakrament wiedererlangten Taufgnade, mit der Liebe zu Gott über alles und mit der Liebe zu unseren Nächsten wie zu uns selbst empfangen, in die geistliche  Lebens-Gemeinschaft mit Christus. Sie ist Einheit mit Jesus Christus in seiner wahren Menschheit und Gottheit.

So von einem tiefen Glauben geprägt anhand der Vermittlung und des guten Beispiels glaubwürdiger Diener des Herrn, formte sich im Inneren des jungen Robert Sarah, der Gedanke und der Wunsch, dem Herrn selber als Priester zu dienen. Sein Vater und seine Mutter waren fromme Katholiken, gleichsam in der ersten Generation, die ihrem einzigen Kind in warmer elterlicher Liebe verbunden sind. Aber es war für sie noch unvorstellbar, dass ein Schwarzer Priester werden könnte. Natürlich haben sie theoretisch gewusst, dass vor Gott alle Menschen gleich sind und dass Gottes Liebe zu jedem  Menschen dem einzelnen nichts nimmt, sondern ihn bestätigt und ihn so in die Kirche als Familie Gottes einführt.

Und doch waren sie noch befangen vom Geist und Ungeist der Meinung, das Christentum sei eigentlich eine Religion der Europäer. Aber der universale Horizont des katholischen Glaubens befreit von den sekundären Überlagerungen des Evangeliums Christi. Nur Gott kann Menschen zu einem besonderen Dienst berufen und einzelnen mehr Gnade und Talent verleihen, ohne seine Gerechtigkeit aufzugeben. Denn Gottes Gerechtigkeit besteht in der Mitteilung unterschiedlicher Charismen an die einzelnen, damit alle im Zusammenwirken der verschiedenen Gnadengaben zum Wohl des Ganzen beitragen. Die Verschiedenheit der Menschen offenbart so die Gerechtigkeit Gottes gegenüber allen, weil in der Vielheit der Sendungen, Vollmachten und Charismen die größere Gemeinschaft möglich wird. Somit ist auch die Kirche nicht eine sekundäre Folge der individuellen Gottesverhältnisses der einzelnen Personen. Gott wollte die Menschen, die ihrer geschaffenen Natur nach Gemeinschaftswesen sind, nicht isoliert voneinander erlösen, sondern sie zu einer Gemeinschaft zu machen, die in Christus das Heil vergegenwärtigt und vermittelt (II.Vatikanum, Lumen gentium 9). Die Kirche ist Haus und Volk Gottes, Leib Christi und Tempel der Heiligen Geistes. Jedem werden die Gaben des Geistes so mitgeteilt, dass sie den anderen nutzen und so der ganze Lieb Christi, die Kirche, in Liebe aufgebaut wird (1 Kor 12,7; Eph 4,16).

Und so fügten sich die Eltern aus Liebe zu ihrem Sohn in den Willen Gottes, dass ihr Sohn dem Reich Gottes als Priester dient gerade auch in der Lebensweise der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen (Mt 19,12; 1 Kor 7,32). Den Zölibat der Priester versteht nur der geistliche Mensch. Dem mondänen und säkularisiertem Denken ist er ein Relikt aus einer Zeit, in der die Gläubigen alles auf Gott setzten. Dem Hedonismus ist es das Hassobjekt schlechthin. Er wird konsequent missdeutet, verdächtigt und verächtlich gemacht von denen, die das katholische Priestertum nur in den weltlichen Kategorien eines Kultbeamten oder eines gelegentlich seltsame Kleider tragenden Sozialarbeiters oder Lebensberaters zu erfassen vermögen.

Schließlich haben seine Eltern erlebt, wie aus ihrem Sohn ein Seelsorger, Professor der Theologie, und mit 33 Jahren ihr Robert zum Erzbischof der Hauptstadt wurde. Sie bangten täglich um ihn, der oft mit dem Tod bedroht wurde und so mutig vor den Machthabern dieser Welt Zeugnis für die Liebe, Demut und Barmherzigkeit Jesu ablegte. Das ist christliche Identität: zu wissen, dass vom Kreuz Christi die wahre Freiheit, das wahre Glück des Menschen und seine ewige Seligkeit ausgehen.

Auch seinen Weggang nach Rom erlebten sie einerseits schmerzlich berührt vom Abschied und andererseits auch mit berechtigtem Stolz, dass ihr Sohn nun dem Papst bei der Leitung der Universalkirche nahe ist und zur Hand geht. Weltlich betrachtet könnte man den Weg aus dem vergessenen Dorf an der Peripherie eines Kolonialreiches ins Zentrum der Weltkirche in Rom für eine afrikanische Variante des amerikanischen Traums „vom Tellerwäscher zum Millionär“ halten. Der Vergleich legt eher den Weg der einfachen Fischer vom See Genezareth zu Jesus nahe, der sie als seine Apostel in alle Welt aussendet. Beim Traum Millionär zu werden steht der Materialismus als Leitbild über allem. Geld ist im ideologischen Kapitalismus nicht Mittel zum Zweck, sondern Selbstzweck. Das Geld wird zum Gott und wie viele Menschen wurden auf dem Altar des Kapitalismus schon wie Menschenopfer geschlachtet.

Bei der Geschichte „vom afrikanischen Bauernjungen zum Kardinal der Heiligen Römischen Kirche“ geht es um ein spirituelles Menschenbild. Nicht der materielle Überfluss, sondern der Schatz im Himmel ist das Kriterium für ein gelingendes Leben. „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber an seiner Seele Schaden erleidet“ (Lk 9,25). Der Christ hat die Freiheit, sich für andere aufzuopfern und darum reich zu werden in der Liebe.

Eine Mutter, die ihrem kranken oder sterbenden Kind unter Opfern noch viel Liebe schenkt, ist reicher als eine andere, deren Kinder sich eines riesigen Bankkontos rühmen, die aber von ihrer Mutter nichts wissen wollen, weil die alte, kranke Frau ihr Genussleben stört.

Der Theologiestudent Robert Sarah hat hervorragende und geistlich überzeugende Lehrer gehabt auch bei seinen höheren Studien in Frankreich, Jerusalem und Rom. Sie haben ihn zu einem selbständigen Denken und Urteilen geführt dank der Ausgewogenheit der intellektuellen, humanen und spirituellen Ausbildung und Formung. Kardinal Sarah wurde so zu einem führenden Intellektuellen des katholischen Geisteslebens. Im Kardinalskollegium hat seine Stimme Gewicht und er ist dem Hl. Vater mit seinem klaren Verstand, und seinem sicheren Urteil in Glaubensfragen eine wirkliche Hilfe.

Wer aus einer verfolgten Kirche kommt, gehört nicht zur Spezies der Opportunisten, die sich zu allen Zeiten der Kirchengeschichte in das vermeintliche Machtzentrum gedrängt haben. Kardinal der römischen Kirche sein heißt, dem  universalen Hirten der Kirche zu dienen und  nicht sich seiner Nähe zu rühmen. Dieses Handeln, Reden und Sich-selbst-Inszenieren nach den Gesetzen der Mediengesellschaft wird von Papst Franziskus als mondänes Denken verurteilt. In Freiburg hatte Benedikt XVI. von dem notwendigen Ende der Verweltlichung der Kirche gesprochen, ohne bei den Betroffenen Gehör zu finden. „Die mondäne Versuchung ist eine Pest. Es geht nicht um eine menschliche Erhöhung in der Kirche, sondern ganz einfach um eine Nachahmung des Sohnes Gottes in seiner Demut und Barmherzigkeit“, sagt Kardinal Sarah (vgl. 2.Kap.).

Die Kirche ist weltweit die einzige Anwältin der Armen. Ihr Ziel ist nicht die Angleichung Afrikas an den mondänen, nihilistischen, zynischen Lebensstil eines dem Glauben entfremdeten Europas und Nordamerikas. Bei aller sozialen Hilfe geht es nicht darum, dass die Armen zu Millionären werden um im Geld den Lebenszweck entdecken und dabei den Schatz im Himmel zu verlieren, der nicht wie alle Reichtümer dieser Welt von Rost und Motten zerstört wird. Es geht vielmehr um ein Leben aller in Würde und darum, den Armen nicht den Reichtum der Gnade und Barmherzigkeit Gottes vorzuenthalten. „Der Hunger nach Brot muss verschwinden; der Hunger nach Gott muss wach bleiben“, sagte einmal Johannes Paul II. in den Elendsvierteln von Lima. Wer den Hunger der Menschen nach Gott nicht erkennt, der belässt sie in ihrer schlimmsten Misere. Einigen katholischen Hilfsorganisationen ist es heute peinlich von Gott zu sprechen. Sie wollen sich auf rein humanitäre Tätigkeiten beschränken, um dem Vorwurf des Proselytismus zu entgehen. Auch nehmen manche Vertreter und Angestellte dieser Hilfswerke vor Ort nicht am gottesdienstlichen Leben teil, das sie als Rest der Unaufgeklärtheit ihrer dortigen afrikanischen und asiatischen Brüder und Schwestern ansehen. Demgegenüber hat Papst Franziskus in Evangelii gaudium von seinem Schmerz über diese schlimmste Art der Diskriminierung der Armen gesprochen, wenn man ihrem spirituellen Hunger nach Gott, der Gnade und den Sakramenten mit Gleichgültigkeit und der bornierten Selbstgefälligkeit des Aufgeklärten gegenübersteht und sie im materialistischen Sinn auf Lebewesen reduziert, denen man bloß Essen und Trinken verabreichen muss, um sie ruhig zu stellen. Dem teuflischen Versucher, der von Jesus verlangte aus Steinen Brot zu machen, hält der wahre Messias entgegen: „Nicht vom Brot allein lebt der Mensch, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes hervorgeht.“ (Mt 4,4). Die „vorrangige Option für die Armen“ besteht in der Sorge um ihre Offenheit für Gott und von daher kommt auch die umfassende Option für die materielle und kulturelle Teilnahme am Leben der Gemeinschaft. Dem gedankenlosen und banalen Vorwurf, die Hoffnung auf Gott lähme das Engagement auf Erden, lässt sich mit dem Hinweis auf bekannte und unbekannte Heilige begegnen, die die Einheit von Gottes- und Nächstenliebe, von Gott-Orientierung und Welt-Verantwortung vorgelebt haben. Der Kardinal nennt Damian de Veuster, der auf einer Südseeinsel sein Leben für die Leprakranken aufopferte und Mutter Teresa, die für die Armen von Kalkutta da war. Schließlich fällt die Bilanz der Ideologen, die ein Reich rein irdischer Wohlfahrt errichten wollten im Gegensatz zum Glauben an Gott nicht nur ernüchternd, sondern erschütternd aus, allein schon wenn man sich auf das 20. Jahrhundert beschränkt. Wen wundert die Gleichgültigkeit über die ungeheuren Gewalttaten gegen die Christen Afrikas und des Vorderen Orients bei westlichen Politikern und Führern der öffentlichen Meinung, wenn die Entchristianisierung Europas und der ganzen Welt das Ziel ist? Menschrechte sind nach den Vorstellungen der Kirchenfeinde doch teilbar?

In Kardinal Sarah meldet sich die Stimme der jungen, dynamischen, wachsenden katholischen Kirchen in Afrika kompetent und überzeugend zu Wort. Um 1900 gab es in Afrika 2 Millionen Katholiken, hundert Jahre später sind es um die 200 Millionen. Um 1900 bekannten sich in Deutschland 97% der Bevölkerung zum christlichen Glauben, 2015 sind etwa 60%. Afrika ist endgültig aus dem Status des Empfangenden herausgetreten. Die reiche Frucht der wahren Mission, die vom dreifaltigen Gott ausgeht und alle Menschen zur Gemeinschaft mit ihm in der Liebe hinführen will, ist ein gemeinsames Anliegen geworden, das alle Christen in der einen Welt auf allen Kontinenten verbindet und die Kirche in ihrer wahren Katholizität hervortreten lässt. Die Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch, oder sie verfehlt ihren Auftrag, wie Papst Franziskus nicht müde wird zu wiederholen.

Es geht nicht darum, das kulturelle Überlegenheitsgefühl der Europäer seit der Aufklärung und den liberalen Fortschrittsglauben nur mit dem paternalistischen Gestus zu überwinden, dass die Afrikaner und Asiaten aufgeholt haben. Vielmehr ist es mit dem christlichen Glauben, dass Gott den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat, prinzipiell unvereinbar, dass sich ein Teil der Menschheit kulturell oder politisch einem anderen überlegen fühlt und sich als Führungsmacht der Menschheit, der Staatengemeinschaft oder sogar der Universalkirche aufspielt. Um als Theologe und Kardinal in der Weltkirche gehört zu werden, brauchte Robert Sarah seine afrikanischen Wurzeln nicht zu kappen, die Liebe zu seinen Eltern und zu seiner Heimat nicht zu verraten oder seine Identität als Schwarzer Afrikaner zu verstecken. Er versteht die afrikanische Kultur vor der Begegnung mit der christlichen Mission als einen von Gott geführten Weg hin zum Evangelium vom Reich Gottes. Die Idee von der angeblichen Gleichwertigkeit der Religionen mit der Selbstoffenbarung Gottes in Christus erweist sich als Produkt der westlichen Relativismus, der die Möglichkeit einer übernatürlichen Offenbarung  in Abrede stellt. In Wirklichkeit sind die Religionen bei all ihren Defizienzen aufgrund der Erbsünde das Zeugnis der natürlichen Offenbarung desselben Gottes, der seinen Heilsplan selbst in Christus geschichtlich verwirklicht und der um seinen universalen Heilswillen zu verwirklichen in seinem eingeborenen Sohn, der Gott selbst ist, nicht auf eine pluralistische Religionstheorie (à la Jacques Dupuis, John Hick) angewiesen ist. Es ist derselbe Gott, der sich im Werk seiner Schöpfung und im sittlichen Gewissen aller Menschen nicht unbezeugt gelassen hat, der sich als Heil aller Menschen in der Inkarnation des Wortes und in Kreuz und Auferstehung Christi geoffenbart hat und der die Welt zur Vollendung in ihm führen wird (Röm 1,18ff; Apg 17,22-34). Deshalb spricht Kardinal Sarah auch vom Glauben an den einen und höchsten Gott in der afrikanischen Kultur bei aller Verdeckung durch den Polytheismus des Alltags. Auch in der Ahnenverehrung manifestiert sich die Erkenntnis der Einheit der Menschheit und ihrer Solidarität im Heil. Dies kann ein wichtiger Ansatzpunkt für die übernatürliche Erkenntnis der die Generationen vereinenden Kirche sein und besonders den Gedanken der Gemeinschaft der Heiligen mit einer anthropologischen Grunderfahrung verbinden.

Dem exotischen Interesse europäischer Religionswissenschaftler, die ihrem eigenen Glauben entfremdet sind, etwa an den Initiationsriten erteilt der Kardinal eine Absage. Wie er aus eigener Erfahrung weiß, dienen diese Riten mit ihren körperlichen Prüfungen nicht der wirklichen Transformation des Menschen zu einer freien und verantwortlichen Persönlichkeit, weil sie auf Lüge, Gewalt und Angst aufbauen. Sie bieten so keine echte Basis zur Antwort auf die existentiellen Fragen und führen nicht zur Übernahme von Verantwortung für die Welt und die Gesellschaft. Die fälschlich sog. Beschneidung der Mädchen ist nichts anderes als schwere Körperverletzung und somit ein Übergriff in die natürlichen Menschenrechte und hat mit der rituellen Beschneidung von Knaben im Alten Bund und im Judentum nichts gemein. Die Berufung auf eine religiöse Tradition oder gar die Religionsfreiheit greift nicht. Denn es handelt sich hier nicht um einen religiösen Akt im Sinne der Gottesverehrung, sondern um einen eklatanten Widerspruch zum natürlichen Sittengesetz, in dem sich der Wille Gottes zum Heil des Menschen grundlegend schon manifestiert gerade auch in der Hinordnung auf die Offenbarung Gottes in Christus und in der Mitteilung des Heiligen Geistes.

Kardinal Sarah hat die ganze Krisensituation, die sich in der Kirche nach dem Konzil gezeigt hat, biographisch und geistig wach und geistlich einfühlsam miterlebt. Er weiß, dass nicht die authentische Lehre des II. Vatikanums dafür verantwortlich ist, sondern die ideologische und politische Instrumentalisierung eines sogenannten „Geistes des Konzils“, der aber ein Geist progressistischer Ideologien war. Im modernistischen Entwicklungsschema sind Offenbarung und Dogma der Kirche nur geschichtlich bedingte Durchgangsstufen, an deren Ende die Selbstvergöttlichung des Menschen steht. Die Offenbarung in Christus und die bisherige Geschichte wäre nur ein Vorspiel für ein Gottes-, Welt- und Kirchenverständnis, in dem der Mensch selbst zugleich Subjekt und Gegenstand der Offenbarung sei. Das ist der wahre Hintergrund der These, die „Lebenswirklichkeit“ sei die eigentliche Offenbarungsquelle, wodurch Schrift und Tradition auf geschichtliche Vorstufen reduziert werden, die vom höheren Standpunkt des im Menschen zu sich kommenden absoluten Geistes aufgehoben seien. An die Stelle des depositum fidei (1 Tim 6,20), der Gesamtheit der Wahrheit der Offenbarung, die die ganze Kirche und besondere das Lehramt des Papstes und der Bischöfe treu zu wahren haben, tritt die medial organisierte Mehrheitsmeinung, in der sich der angebliche Glaubenssinn des Gottesvolkes aussprechen soll. In Wirklichkeit ereignet sich im Glaubenssinn des Gottesvolkes keine neue Offenbarung, sondern in ihm wird die „ein für alle mal“ (Hebr 10,10) ergangene Heils-Offenbarung Gottes in Jesus Christus vollständig bewahrt und auf den Menschen von heute und morgen bezogen. Es geht nicht darum die Offenbarung der Welt anzupassen, sondern die Welt für Gott zu gewinnen.

Statt des Studiums von Schrift und Tradition vergeuden Theologiestudenten, und Forschungsinstitute mit Meinungsumfragen zur Sexualmoral nur ihre Zeit und das von Kirchensteuermitteln gesponserte Geld. Sie sind angesetzt, nur um das Lehramt auf Kurs zu bringen, so als ob das Leben der Kirche den Gesetzes von Parteitagsregien gehorchen würde.

Wahrscheinlich sind sich die Protagonisten der Tragweite solcher Theoreme nicht bewusst und verharmlosen ihre Position  um arglose Geister einzuschläfern, indem sie von einem nur pastoralen Anliegen reden.

Im Konzil hätte der katholische Glaube sich dann zur Gnosis zurückverwandelt, die er im 2. Und 3. Jahrhundert erfolgreich überwunden hatte oder das geschichtliche Christentum hätte sich in eine Variante des Idealismus Hegelscher Prägung umgewandelt. Seit dieser Zeit gibt es in der Kirche und doch zugleich auch gegen sie zwei ideologische Richtungen, die einander ausschließen, aber doch in der Frontstellung gegen die Grundprinzipien des katholischen Glaubens eine Aktionseinheit bilden. Es sind die Richtungen des Integralismus und des Modernismus, die auch unter anderen Etiketten verkauft werden. Der Einfachheit halber vermengt man sie mit den politischen Kategorien konservativ und liberal ohne zu beachten, dass es in der Politik um weltliche Macht und das menschlich Machbare geht und in der Kirche um die von Gott geoffenbarte Wahrheit über den Menschen und sein ewiges Heil in Gott. Es ist nach Kardinal Sarah für die Kirche selbstzerstörerisch, wenn sie sich dem politischen und medialen Spiel um die Macht ausliefert. Statt nach der Wahrheit zu fragen, die sich aus der definitiven Offenbarung in Christus ergibt, wollen ideologische Richtungen die Kirche zum Gegenspieler oder zum Mitläufer des Naturalismus in seiner liberalen, nationalistischen oder kommunistischen Variante machen.

In der Linie des Lehramtes der Päpste der jüngeren Zeit und besonders von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. und gerade auch im Geiste von Papst Franziskus gilt es, die Kirche im katholischen Glauben zu vereinen und die politisch-ideologische Spaltung in ihrem Innern zu überwinden. Notwendig ist die Neuevangelisierung über eine bloße „Sakramentalisierung“ (Sakramentenspendung ohne persönlichen Glauben) hinaus, indem man sich in Europa nur zu oft darauf beschränkt, den statistischen Bestand der Kirche aufrechtzuerhalten. Entscheidend dafür ist ein umfassender Dialog zwischen Glaube und Vernunft. In diesem Zusammenhang möchte ich den Berliner Philosophen Volker Gerhardt empfehlen, der in der Tradition der Transzendentalphilosophie wohl, mit seinem Buch: „Der Sinn des Sinns. Versuch über das Göttliche“ (3.Aufl. Berlin 2015) in der Absicht dieses Dialoges den Entwurf eine natürlichen oder rationalen Theologie ausgearbeitet hat.

Aus der Erfahrung der liebenden Gegenwart Gottes für uns und somit der Würde des Menschen als Person vor Gott ergibt sich für Kardinal Sarah die Auseinandersetzung mit einer „Kultur“, für die der Tod Dreh- und Angelpunkt ist und der nur die schmutzige Kehrseite ihres atheistischen Nihilismus darstellt. Die Entchristlichung soll bis in die anthropologischen Wurzeln vorgetrieben werden. Wenn der Mensch in seinem leiblichen, seelischen und geistigen Sein nur das Produkt einer ideologischen Konstruktion ist und sich so der Willkür gesellschaftlicher Interessen und ideologischen Pressure-Groups und nicht der Güte des Schöpfers verdankt, ist jeder Moral der Boden entzogen. Das sittliche Grundgesetz, das jedem Menschen von Gott ins Gewissen geschrieben ist und zu einer geistig-sittlichen Natur gehört, auch wenn er die 10 Gebote noch nicht wörtlich kennt (Röm 2,14f), heißt: „Das Gute ist zu tun und das Böse ist zu meiden!“

Im Programm der De-moralisierung und Ver-atheisierung der Menschheit wird das sittliche Grundgesetz ins Gegenteil verkehrt. Tötung eines Kindes im Mutterleib wird zum Frauenrecht, die Beseitigung eines schwer Kranken und Sterbenden zu einem Akt des Mitleides, die milliardenschweren Programme zur Abtreibung und Empfängnisverhütung werden zum Kampf gegen die Armut verklärt, damit die natürlichen Ressourcen für die Reichen reserviert bleiben und nicht durch ein Heer der Armen aufgebraucht werden; dann ist die Selbstzerstörung durch Drogen ein Akt der freien Selbstverfügung und der Menschenhandel mit Frauen aus den armen Ländern wird nur lau bekämpft oder als selbstverschuldet bagatellisiert. Das weltweite Verbrechen der Zwangsprostitution oder der Nötigung armer Frauen zum Sex mit reichen Lüstlingen wird geradezu salonfähig gemacht durch die Forderung, die Prostitution zu legalisieren. Die milliardenschwere Sex- und Pornographie ist nichts anderes als eine Ausbeutung von Menschen, die ihrer Person-Würde beraubt werden. Sie reiht sich unwürdig ein in die größten Menschheitsverbrechen.

Ihrer argumentativen Haltlosigkeit überführt der Autor die Genderideologie als Folge des radikalen Feminismus und angeblichen sexuellen Revolution der 68er Zeit, denen es nicht um die gerechte Beteiligung aller Männer und Frauen am geistig-kulturellen Leben geht, sondern um die Zerstörung der leiblich-geistigen Identität des Menschen als Mann  und Frau.

Beim Thema Homosexualität, dem im Verhältnis zu den Schicksalsfragen der Menschheit eine absolut überproportionale Bedeutung zugesprochen wird, verteidigt allein die Kirche die Würde eines jeden Menschen. Die Kirche lehnt das Spiel mit den davon betroffenen Menschen ab und schützt sie vor der Instrumentalisierung für den ideologischen Beweis, dass der Mensch nicht von Gott geschaffen sei, sondern ein Produkt gesellschaftlicher Selbst- und Fremdbestimmung darstelle, das man beliebig manipulieren könne. Die Menschenwürde und die bürgerlichen Rechte dieser Personen stehen gar nicht zur Debatte. Indem man aber die Ehe von Mann und Frau einem sexuellem Verhältnis von Personen gleichen Geschlechts gesetzlich und in der gesellschaftlichen Bewertung gleichstellt, ist die Ehe in ihrem Wesen als Gemeinschaft des Leibes, des Lebens und der Liebe von Mann und Frau zerstört. Der Zukunft der Menschheit wird biologisch, seelisch und kulturell der Boden entzogen. Das ist die Wahrheit, die hinter einer Nebelwand von Propaganda und Agitation zum Vorschein kommt. Nicht die Anerkennung der Person-Würde von homosexuell empfindenden Mitmenschen ist das Ziel der Genderideologie und des radikalen Feminismus, sondern die Zerstörung der Ehe von Mann und Frau und damit der Familie, die natürlich aus dem Lebensbund von Mann und Frau als Vater und Mutter ihrer gemeinsamen Kinder hervorgeht.

Es ist nur ein subtiler Neokolonialismus, wenn Entwicklungshilfe für Afrika von internationalen Organisationen und Gender-Staaten an die Übernahme dieser destruktiven Ideologie gebunden wird.

„Lieber sollen sie verhungern, wenn sie sich nicht unserer Gehirnwäsche aussetzen wollen“, so wird unverhohlen erpresst. Der Ungeist des europäisch-angelsächsischen Dünkels steht wieder auf, wenn Studenten aus den ärmeren Ländern Mainstreaming und Gleichschaltungskurse verabreicht werden − natürlich mit westlichen Steuergeldern gesponsert −, damit sie in ihrer Heimat die Alten auf Linie bringen, die im vorrationalen Denken und noch unbehelligt von den Weisheiten der Genderideologie in ihren Tabus befangen sind.

 

4. Die Kirche als Zeugin der Wahrheit und der Gutheit Gottes

Die Kirche ist den Menschen die Wahrheit Gottes schuldig. Sie darf sich auch nicht einschüchtern lassen von Vorwürfen etwa der Unterbewertung der Sexualität oder sich in die Zwickmühle ihrer Verteufelung oder Vergötzung bringen lassen. Die substantiale Einheit des Menschen in Geist, Seele und Leib, seine Bezogenheit auf die Gemeinschaft und die generationenübergreifende Verantwortung, die Identität als Mann und Frau in ihrer wesenhaften Bezogenheit aufeinander: alle diese Faktoren zeigen die Stimmigkeit der Ehelehre und der Sexualmoral der Kirche, die sie von Gott empfangen hat. Die innere Steigerung von Sexus, Eros und Agape in der Person der Ehepartner  weist die Ehe aus als natürliche Lebensgemeinschaft von einem Mann und einer Frau, die frei und für immer Ja zueinander gesagt haben. Dies gilt nicht nur für den Augenblick einer schönen Stimmung, weil Liebe Ganzhingabe bedeutet und nicht ein Gefühl der Hochstimmung, dem keine Dauer beschieden sein kann. Wenn auch aus der Kirche heraus eine neue Sexualmoral gefordert wird, mag dies von manchen unter Verkennung der Wahrheit des Evangeliums als befreiende Entlastung vom gesellschaftlichen Konformitätsdruck in Familie, Medien, am Arbeitsplatz empfunden und begrüßt werden. Den Menschen hilft eine alte heidnische und als neu angepriesene Sexuallehre nicht, die auf falschen anthropologischen Prämissen aufbaut, den Geboten Gott diametral widerspricht und vom Standpunkt der Offenbarung als häretisch zu qualifizieren ist. Nur was sittlich gut ist und dem Willen Gottes entspricht, kann auch den Menschen zum Glück und Heil gereichen. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass der Hedonismus eine uralte Irrlehre ist und nur den atheistischen Nihilismus als theoretische Basis hat, kann man nur von einer atheistischen Anthropologie her die Sexualität als moralfreien Raum ansehen, in dem allenfalls ein paar äußere Regeln gelten. Die Sexualität ist vielmehr von innen her dem moralischen Prinzip der Unterscheidung von Gut und Böse ausgesetzt, nämlich dass durch sie in der geistleiblichen Einheit der Person die Liebe und die Hingabe ohne Vorbehalt und jede Berechnung oder wechselseitige Instrumentalisierung ihr Kriterium ist.

Wir wissen alle, sagt der Kardinal, dass wir Sünder sind und gerade im Bereich der Sexualität sich die Schwäche des Menschen sehr deutlich zeigt, die Leiblichkeit in das Person-Sein zu integrieren. Dem Menschen, der sein Fehlverhalten einsieht und seine Schuld bereut, versagt Gott seine Vergebung nie und er hat auch der Kirche die Vollmacht zur Vergebung aller Sünden im Bußsakrament anvertraut. Der Skandal besteht nicht darin, dass immer wieder das 6. Gebot übertreten worden ist und übertreten wird. Der Skandal wäre es und ein Abfall der Kirche von Gott, wenn die Kirche den Unterschied von Gut und Böse nicht mehr nennen würde oder gar frevelhaft das für gut erklärt, was Gott als Sünde erklärt; oder wenn man gar Gott mit fromm klingenden Worten in Anspruch nimmt um die Sünde, statt den Sünder zu rechtfertigen.

 

5. Eine Botschaft für das katholische Deutschland aus Afrika

Das Buch von Kardinal Sarah trifft mit der deutschen Übersetzung in die katholische Kirche dieses Sprachraums, wo die Krise des Glaubens mit Händen zu greifen ist. Leere Kirchen, verwaiste Beichtstühle, kaum Priesteramtskandidaten, ein Kloster nach dem anderen schließt, die Kenntnis des eigenen Glaubens auf einem Tiefststand, und evangelisch und katholisch zusammen im Jahr 2014 haben weit über eine halbe Million Christen, die in der Taufe zu Kindern Gottes wurden, der Kirche Jesu Christi öffentlich den Rücken gekehrt. Oft werde ich gefragt, woher das Establishment der sog. „deutschen Kirche“, den Anspruch ableitet, bei allen Symptomen eines dramatischen Niedergangs ausgerechnet in den Fragen der Sexualmoral und der katholischen Ehelehre für die Weltkirche Schrittmacher zu sein. Wenn man alten Wein in neue Schläuche gießt, könnten sie die Schläuche zerreißen und den neuen Wein verderben. Mit den Ursachen der Glaubenskrise in Europa könnten leicht auch ihre Folgen nach Afrika exportiert werden. Man versuche es einmal anders herum. Nicht die Europäer spielen sich als Lehrer der Afrikaner auf. Statt die Selbstsäkularisierung als Antwort auf die Glaubenskrise den jungen, wachsenden Kirche als Modell anzubieten, müssten wir den geistlichen Reichtum und die Glaubensstärke anderer bei uns als Heilmittel einführen. Nur so kann die katholische Kirche in Europa überleben und die geistlich Toten wieder zum Leben im Glauben zu erwecken. Wir könnten von den jungen Kirchen lernen und sollten aufhören uns klammheimlich zu freuen, wenn es dort wie überall, wo Menschen menscheln, auch Mängel zu beklagen sind. Wir sollen nicht anderen verheißen, dass es bei denen auch mal so kommt wie es bei uns ist − als ob die Entchristlichung ein nicht aufzuhaltender Naturprozess wäre. Nein! Mit dem Glauben kann man Berge versetzen.

Nur eine nachhaltige Neuevangelisierung mit allem apostolischen Freimut und Eifer könnte dem Schalwerden des Christentums in Deutschland entgegenwirken; doch statt dessen werden problemblind die hl. Kommunion für zivil Verheiratete, die noch in einer gültigen kirchlichen Ehe leben und die Anerkennung homosexueller Beziehungen zu Zentralthemen einer Pastoral der Zukunft erklärt. Und die Aktivitäten sind erstaunlich. Mit allen  Mitteln wird versucht, exegetisch, historisch, dogmengeschichtlich und mit Hinweis auf Psychologie und Soziologie die katholische Ehelehre, die sich aus der Lehre Jesu ergibt, zu dekonstruieren und zu relativieren, nur damit die Kirche gesellschaftskonform erscheint und obengenannte Ziele erreicht werden. Wer treu zur Lehre der Kirche steht, wird publizistisch bekämpft und gar noch als Gegner des Papstes diffamiert, so als ob nicht der Papst und alle Bischöfe in Gemeinschaft mit ihm Zeugen der geoffenbarten Wahrheit wären, die ihnen zur treuen Verwaltung übertragen wurde, damit sie nicht von Menschen auf menschliches Maß abgesenkt wird. Es kann in diesem Klima des deutschen Führungsanspruchs für die ganze Weltkirche dann schon mal vorkommen, dass einem Präfekten der Glaubenskongregation von einem Laienfunktionär oder einem Professor über eine Boulevardzeitung eine Lektion über den katholischen Offenbarungsbegriff erteilt wird. Apostolischen Freimut und gläubiges Selbstbewusstsein sollte man gegenüber der Zerstörung des christlichen Menschenbildes und im Zeugnis für die Wahrheit des Evangeliums Christi an den Tag legen und seine Kräfte nicht in innerkirchlichen Prestigekämpfen vergeuden oder gar gegen „Rom“ den Selbständigen markieren.

Das Konzil sagt klar, dass die Offenbarung in Schrift und Tradition enthalten ist und vom Lehramt treu ausgelegt wird. Aber eine neue öffentliche Offenbarung, die über das depositum fidei hinausgeht, empfangen Papst und Bischöfe nicht (Lumen gentium 25). Die Entwicklung der Lehre bezieht sich auf ihr tieferes Verständnis und kann nicht dialektisch mit dem Widerspruch zu ihr in einer höheren Einheit vermittelt werden (Dei verbum 10).

Die gültige und sakramentale Ehe ist entweder unauflösbar oder auflösbar. Ein Drittes gibt es nicht. Bei aller Rede von Dialog und seinen langen Prozessen ist in Wirklichkeit ein ideologisch Verkrampfung nicht zu übersehen. Zu jedem Preis und sei es auf Kosten der Wahrheit und der Einheit der Kirche soll eine Änderung wenigstens der Praxis erzwungen werden. Die Lehre könne vorläufig als Theorie bestehen bleiben, um die Katholiken in Afrika und Asien, die geistig und gefühlsmäßig noch nicht so „weit“ sind, zu beschwichtigen, während in der Pastoral um der Menschen willen die von Gott gegebene Ordnung der Sakramente de facto außer Kraft gesetzt wird. Der Zwiespalt wird in Gott selbst hineingetragen, der als guter Schöpfer und barmherziger Erlöser einerseits Gnade und Unauflöslichkeit der Ehe begründet und andererseits erschrocken über ihre nicht lebbaren Konsequenzen seine Gebote wieder aussetzt. Die Kollision von Barmherzigkeit und Gerechtigkeit in seinem Wesen nötige ihn sogar, die unwiderrufliche Gnade im Ehesakrament zu suspendieren um weitere Ehen zu Lebzeiten des legitimen Ehepartners zu gestatten − ganz im Widerspruch zu Jesus, der die „Hartherzigkeit“ der Pharisäer für das mosaische Zugeständnis von Scheidung und Wiederverheiratung verantwortlich machte.

Was die Trennung von Glaubenslehre und Glaubenspraxis angeht, sollten gerade wir in Deutschland sehr wachsam sein und die Lektion der Kirchengeschichte nicht vergessen. Der Ablasshandel ist im Schicksalsjahr 1517 zum Anlass der protestantischen Reformation und zur ungewollten Spaltung der abendländischen Christenheit geworden. Nicht die Lehre Johann Tetzels über den Nachlass zeitlicher Sündenstrafen war falsch, wie wir heute wissen, sondern ihre Nichtbeachtung in der Praxis und die Erweckung eines falschen Scheins. Die Lehrer des Glaubens dürfen die Menschen nicht in einer falschen Heilssicherheit wiegen, nur um keinen Anstoß zu provozieren. Und der ursprüngliche Protest Luthers gegen die Nachlässigkeit der Hirten der Kirche war gerechtfertigt, weil man mit dem Heil der Seelen nicht spielen darf, selbst wenn der Zweck der Täuschung ein gutes Werk wäre. Wir dürfen die Menschen nicht täuschen, was die Sakramentalität der Ehe, ihre Unauflöslichkeit, ihre Offenheit auf das Kind, und die fundamentale Komplementarität der beiden Geschlechter angeht. Pastorale Hilfe muss das ewige Heil im Blick haben und nicht nur den Wünschen der Leute vordergründig gefällig sein.

Und niemand kann bestreiten, dass der Weg zur Auferstehung über das Kreuz Christi führt und auch dass jeder Christ in Ehe und Familie, im Priesterstand und Ordensleben sein tägliches Kreuz auf sich nehmen soll. Ein bequemes zeitgeistiges Leben hat Jesus seinen Jüngern nicht versprochen, jedoch uns die Verheißung gegeben: „Sei getreu bis in den Tod, dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben.“ (Offb 2,10).

Wir sind uns einig, dass diejenigen Christen, die bei einer gültigen sakramentalen Ehe zugleich eine kirchlich nicht anerkannte zivile Ehe eingehen, einer besonderen Zuwendung der Kirche bedürfen. Dies gilt auch der Kinder wegen, die oft in einen Konflikt gestellt sind zwischen der Liebe zu den Eltern und der Kenntnis der Gebote Gottes und der Lehre der Kirche. Die volle Wiederversöhnung mit der Kirche im Sakrament der Busse und im Empfang der hl. Kommunion kann aber nicht den steilen Weg zum Ziel ersetzen, sondern kann nur das Ziel eines Wegs sein, der zur theologischen Klärung des Status der sakramentalen Ehe führt. Die sakramentale Wahrheit der Ehe kann nicht ignoriert werden. Das ist die von Gott gestiftete Realität, an der sich die faktische Situation der Menschen ausrichten muss. Und nicht umgekehrt kann sich der Mensch zum Maßstab für Gott in seiner Schöpfungs- und Erlösungsordnung machen.

Ich danke Herrn Kardinal Sarah für seinen Mut, allen Katholiken in Afrika und in Europa die Wahrheit des katholischen Glaubens und seine Konsequenzen in der pastoralen Praxis nicht vorzuenthalten oder in einem Kompromiss die Wahrheit zu halbieren. Ich kann nicht halb an die Gottheit Christi glauben oder nur Herr, Herr zu ihm sagen, ohne den Willen seines Vaters im Himmel zu erfüllen (Mt 7,21).

Gott gegenüber gibt es nur alles oder nichts. Mit Gott haben wir alles und ohne Gott sind wir nichts.

Das ist der Leitgedanke des Buches von Kardinal Sarah, in dem er den wichtigsten Themen des Christentums in der Postmoderne auf den Grund geht.

Meine Gedanken hierzu wollten aber das Studium dieses Buches nicht ersetzen, sondern nur zu seiner Lektüre einladen.

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Quelle

Das Buch „Gott oder Nichts“ können Sie beziehen beim fe-Medienverlag

Die Gottesfrage – heute – von Gerhard Kardinal Müller

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Einer angesehener Philosoph der Gegenwart, Volker Gerhardt von der  Humboldt-Universität Berlin, hat vor kurzem das Projekt einer „rationalen Theologie“ vorgelegt. Sein Buch trägt den bezeichnenden Titel: „Der Sinn des Seins. Versuch über das Göttliche.“[1]

Es geht darum, schon im Vorfeld des geoffenbarten Glaubens philosophisch die Rationalität des natürlichen Glaubens an die Existenz Gottes aufzuweisen. Von der Analyse des Selbstbewusstseins, das vom Weltbewusstsein nicht zu trennen ist, kommt er zu dem bedenkenswerten Ergebnis: „Solange der Mensch sich als Person begreift, versteht er die Welt, die ihn und seinesgleichen möglich macht. Es ist sein Selbstverständnis, das ihn auf das Weltverständnis rechnen lässt. Sofern er sich darin nicht überschätzt, hat er allen Grund, die ihn und alles andere umfassende Welt, in Anerkennung ihrer ungeheuerlichen Vielfalt und Größe, ihrer Schönheit und Schrecken sowie in ihrer mit jedem Wort und jeder Tat in Anspruch genommenen Möglichkeiten, ‚göttlich‘ zu nennen. Wer sich unter diesen Bedingungen nicht scheut, trotz allem an sich selbst zu glauben, hat einen guten Grund, im Göttlichen an Gott zu glauben.“[2]

Etwas süffisant erzählt Volker Gerhardt in der Einleitung seines Buches, dass der tonangebende Professor der Philosophie an einer großen deutschen Universität den Erstsemestlern autoritativ und alternativlos darzulegen pflegte, dass Gott heute kein Gegenstand der Philosophie mehr sei. Er bediente sich des Nietzsche-Wortes vom „Tod Gottes“, um definitiv zu belegen, dass man sich mit einem nicht existierenden Wesen nicht rational befassen könne. Während seines großen Auftrittes war aber wohl  dem verehrten Herrn Kollegen die Tatsache nicht präsent, dass Nietzsches Wort vom Tod Gottes nicht die Feststellung eines neutralen Forschungsergebnisses ist. Darin zeigt sich vielmehr die Erschütterung des Nihilismus, der unserem Dasein  allen Halt und jede Richtung nimmt. Inzwischen habe besagter Professor jedoch erkannt, dass die Frage nach Gott solange nicht totzukriegen sei als sich Menschen in ihrer fragilen Existenz mit dem Sinn ihres individuellen Daseins und des Daseins der ganzen Menschheit, deren Mitglied ich bin, beschäftigen.

Gott ist also ein lohnenswertes und unausweichliches Thema, die mit der Frage nach mir selbst verbunden ist, ob ich nun an ihn glaube, seine Existenz atheistisch leugne oder skeptisch an Gottes Interesse an mir zweifle.

Völlig abwegig wäre es von vornherein, mit naturwissenschaftlichen Methoden, also more geometrico, die Existenz eines Dings oder lebendigen Wesens jenseits der sinnlichen und erscheinenden Welt als Teil eben dieser Welt beweisen oder widerlegen zu wollen. Denn Gott gehört per definitionem nicht zum Universum. Er ist weder ein Teil der empirischen und phänomenalen Welt noch eine immanente Wirkkraft in ihr, sondern ihr transzendenter Grund. Es gilt vielmehr zu zeigen, dass im Bezug  des menschlichen Geistes auf das Eine und Ganze der Welt die Frage nach dem transzendenten Ursprung und Ziel von Mensch und Welt sinn-voll und damit vernünftig ist.

Den Sinn des Ganzen in seinem transzendenten Grund zu entdecken, heißt nicht, dazu verurteilt zu sein, ihn erfinden zu müssen. Wie sollte uns vergänglichen Wesen dies möglich sein?

Aus dem Glauben an Gott ergibt sich eine andere Konsequenz: Wir müssen uns nicht rechtfertigen, dass es uns überhaupt gibt und dass wir andern den Platz wegnehmen  oder als Kinder, Kranke und Greise ihnen zur Last fallen. Es ist vielmehr so, dass Gott es rechtfertigt, dass es mich gibt und ich der bin, der ich bin.  Sich also für sein Dasein zu entschuldigen, ist eine Beleidigung Gottes. Im Glauben an den gütigen und barmherzigen Gott schwindet das Gefühl, dass alles sinnlos und vergebens sei. Der Apostel drückt dies so aus: „Als aber die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes unseres Retters erschein, hat er uns gerettet – nicht weil wir Werke vollbracht  hätten, die uns gerecht machen können, sondern aufgrund seines Erbarmens- durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist.“ (Tit 3,4f).

Die atheistische Überzeugung, dass die Geistesgeschichte und der atemberaubende Fortschritt der Naturwissenschaft und Technik sowie der globalen Digitalisierung des Wissens mit innerer Notwendigkeit in den restlosen Immanentismus und Säkularismus führe, widerspricht der Tatsache, dass der Mensch sich den existentiellen Fragen nach seinem Woher und Wohin immer neu stellen muss und will. Die Frage nach dem Sinn von Sein und dem Ziel unserer Existenz kann darum vom Positivismus nicht als sinnlos abgewiesen und deshalb auch niemals zum Schweigen gebracht werden.[3]

Der Philosoph Robert Spaemann stellt in seinem Buch „Der letzte Gottesbeweis“ fest: „Von den Wissenschaften wurde bisher kein einziges ernsthaftes Argument gegen das Gerücht von Gott vorgebracht, sondern nur von der sogenannten wissenschaftlichen Weltanschauung, dem Szientismus, also dem, was Wittgenstein den Aberglauben der Moderne genannt hat. Die neuzeitliche Wissenschaft ist Bedingungsforschung. Sie fragt nicht, was etwas ist und warum es ist, sondern sie fragt, was die Bedingungen seines Entstehens sind. Sein, Selbstsein aber ist Emanzipation von den Entstehungsbedingungen. Und das Unbedingte, also Gott, kann per definitionem innerhalb einer innerweltlichen Bedingungsforschung nicht vorkommen, so wie der Projektor im Film… Die Alternative lautet also nicht: wissenschaftliche Erklärbarkeit der Welt oder Gottesglaube, sondern nur so: Verzicht auf das Verstehen von Welt, Resignation oder Gottesglaube… Der Glaube an Gott ist der Glaube an einen Grund der Welt, der selbst nicht grundlos, also irrational ist, sondern ‚Licht‘, für sich selbst durchsichtig und so sein eigener Grund.“[4]

Es geht hier nicht um die fachphilosophische Frage, ob dem tranzendentalen oder ontologischen Zugang der Vorrang einzuräumen sei oder ob bei der Untrennbarkeit von Selbsttranszendenz und Welttranszendenz sich der Vernunft im Erkenntnisakt  eine Synthese der beiden Ausgangspunkte empfiehlt. Diese beiden Ansätze führen entweder zu Gott als absolutem Geist, dem unendlichen Bewusstsein seiner Selbst oder zum Sein, das durch sich selbst existiert und keines anderen Grundes zu seiner Verwirklichung bedarf (ipsum esse per se subsistens). Wenn wir in der philosophischen Theologie von der Vernunft als Ort der Eröffnung der Gottesfrage sprechen, meinen wir nicht die instrumentelle Vernunft oder die schiere Intelligenz als Strategie des Überlebens, die uns nach Nietzsche von „findigen Tieren“ nicht wesentlich unterscheidet. Gemeint ist mit dem Terminus „Vernunft“ „das Vermögen, mittels dessen der Mensch sich selbst und seine Umwelt überschreitet und sich auf eine ihm selbst transzendente Wirklichkeit beziehen kann… Glauben, dass Gott ist, heißt, dass er nicht unsere Idee ist, sondern dass wir seine Idee sind.“[5]

Zur Klärung möchte ich schon hier bei aller inneren Bezogenheit der philosophischen und theologischen Gotteserkenntnis auf ihren wesentlichen Unterschied hinweisen. Aufgrund der Offenbarung Gottes sagen wir nicht nur, dass Gott der absolute Geist und das in und für sich bestehende Sein ist. Für den gläubigen Christen gilt darüber hinaus die höchste Erkenntnis, dass Gott die Liebe ist (1 Joh 4,8.16) in der Gemeinschaft von Vater, Sohn und Geist. Mit Hilfe der Vernunft können wir bis zur Einsicht gelangen, dass Gott Geheimnis und der uns Unbekannte ist, dass ER aber in seiner Selbst-Offenbarung sich uns im Wort zu erkennen und im Heiligen Geist sich uns zu lieben geben kann, wenn er will.[6]

Die neuzeitliche Entfremdung von Gott in ihrer ganzen Bandbreite angefangen mit der Entpersönlichung Gottes im Pantheismus und Deismus über den resignierten Agnostizismus bis zum aggressiven Neoatheismus, der jede Religion für schädlich und bekämpfenswert hält[7], hat letztendlich zwei Wurzeln:

Da ist zum ersten die philosophische Erkenntnistheorie, die die Reichweite der metaphysischen Vernunft so einschränkt, vor allem bei Kant, dass Gott nur als ein Ideal der reinen Vernunft oder als Postulat der praktischen, d.h. sittlichen Vernunft übrig bleibt. Die Theologie als Wissenschaft ist damit obsolet geworden.

Zum zweiten und damit verbunden ist es die sog. wissenschaftliche Weltanschauung. Sie setzt an bei der modernen Naturwissenschaft, die sich zwar methodisch auf das empirisch Quantifizierbare und mathematisch Beschreibbare also die logische Struktur der Materie, beschränkt, dann aber in Verbindung mit einem monistischen Materialismus alles Seiende und Erkennbare auf das gegenständlich-sinnenhaft Gegebene reduziert. Das Wissen als Kenntnis des Gegenständlichen wird dem Glauben als sinn-erschließendes Erkennen Gottes entgegengestellt. Die paradoxe Folge daraus ist, dass das Wissen zu einem Glauben wird (im Wissenschafts- und Fortschrittsglauben) und der Glaube, der in seinem Wesen eine personale erkennende und freie Beziehung zu Gott auf ein gegenständliches Wissen reduziert wird, wodurch Gott zur notwendigen oder überflüssigen Hypothese wird um die Existenz und Zweckmäßigkeit von Naturprozessen zu erklären (Gott als Erbauer der mechanischen Weltenuhr, intelligenter Naturdesigner oder  Evolutionsprogrammierer).

Der Positivismus als sogenannte „wissenschaftliche Weltanschauung“ zieht die reduktionistische Konsequenz für die Wesensbestimmung des Menschen nach sich: Der Mensch ist nichts anderes als Materie, als eine Maschine, ein Tier und sein Gehirn ist nichts anderes als ein Computer, der einmal durch künstliche Intelligenz überboten wird. Er ist eine Spezies unter anderen mit dem typischen Hang, sich über andere Spezies zu erheben. Darum stehe z.B. ein Tier wegen seiner größeren Intelligenzleistung über einem geisteskranken Menschen oder einem Embryo und Kleinkind, das noch nicht rechnen kann. Es ist klar, dass dann in der Ethik die Differenz zwischen Gut und Böse durch die Kategorie des Nützlichen und Zweckdienlichen und empirisch Überprüfbaren ersetzt wurde. Der empiristische Naturalismus wurde von Paul Henri d’Holbach in seiner Schrift „Système de la nature (1770) auf eine ewig für sich existierende Materie zurückgeführt. Allein nach mechanischen- und heute muss man hinzufügen- nach biologischen und chemikalischen Gesetzmäßigkeiten gibt die Materie sich selbst vermittels der Evolution des Lebendigen ihre Gestaltung in einzelnen Spezies und Lebewesen. Leben und Bewusstsein des Menschen wären nur höhere Formen der sich selbst organisierenden Materie. Die idealen Inhalte des Bewusstseins, wie die Gottesidee und die moralischen Imperative seien nur Produkte der Sinnlichkeit und des Überlebenswillens. Den Ideen unseres Verstandes entspreche also nichts in der Wirklichkeit außer der Materie und der Evolution. Entweder sind sie entwicklungspsychologisch bedingte Relikte aus unserer Kindheitsphase des Individuums oder der Spezies. Oder sie sind- in der gesellschaftspolitischen Tendenz gelesen- Herrschaftsinstrumente der Kirche und des Staates. Erst wenn die Blockaden der Metaphysik und der geoffenbarten Religion, nämlich des Christentums, überwunden seien, habe der Mensch die unverstellte Einsicht in seine Situation und werde frei von Aberglauben und religiösem Fanatismus, womit der Klerus das Volk in Unmündigkeit gefangen hält. Die Toleranz auf dem Boden des Agnostizismus und Relativismus muss -so meinen sie- den starren Dogmenglauben der Kirche hinwegfegen. Und eine lustbetontes Leben befreie uns von der lebens- und leibfeindlichen Gesetzesmoral des Christentums.

In einer radikal religionskritisch gewendeten Aufklärung war man davon überzeugt, dass erst der gesellschaftlich und pädagogisch durchgeführte Atheismus die Menschheit von allen Übeln befreie und eine helle Zukunft vorbereite. Statt der Theonomie war Autonomie, statt Theozentrik war Anthropozentrik angesagt. Ähnliche Konsequenzen ergeben sich aus den im Sinne des monistischen Materialismus interpretierten Erkenntnisse der Neurologie. Wenn allen, auch den abstraktesten Denkleistungen des menschlichen Gehirns eine messbare materielle Energie zugrundliegt, dann ist das Gehirn nichts anderes als ein Computer, der Informationen verarbeitet. Der Geist wäre nur ein Epiphänomen der Materie. Verbunden mit der Evolutionsbiologie würde die Neurophysiologie gleichsam empirisch beweisen, dass der Mensch weder eine Vernunft hat, die transzendenzfähig ist und die Wahrheit von der Lüge unterscheiden kann, noch über einen Willen verfügt, der in spontaner Freiheit das Gute anzielen und das Böse verabscheuen kann. Was wahr und gut ist, wird von der Mehrheit bzw. auch von der Minderheit der aufgeklärten Bürger für den noch unmündigen Rest entschieden.

Dagegen kann man fragen, wenn es keinen Geist gibt, wem dann diese Theorie noch einleuchten soll? Denn jede Erkenntnis setzt den ontologischen Unterschied zwischen Erkenntnissubjekt und Erkenntnisobjekt voraus.

Der Positivismus in den Natur-, Gesellschafts-, und Geschichtswissenschaften und der Kritische Rationalismus macht die philosophische und theologische Reflexion der existentiellen Grundfragen nach dem Woher und Wozu der menschlichen Existenz obsolet. Statt der Freude des Evangeliums nistet sich aber bei einem solchen Menschenbild eine kollektive Depression in den Herzen ein. Bertrand Russel (1872-1970), einer der Väter der Analytischen Philosophie, drückte das transzendenzlose Zeitgefühl, das dem monistischen Naturalismus eigen ist, aus, indem er von der „Welt als Zufallstreffer im Wechsel der Sonnensysteme sprach“.[8] Unter Berufung auf  das Gefühl, das einen bei den Erkenntnissen der Astrophysik und der Evolutionsforschung beschleichen mag, formulierte Jacques Monod die erschütternde Verlorenheit des Menschen in den unendlichen Räumen und Zeiten des Kosmos: „Der alte Bund ist zerbrochen, der Mensch weiß endlich, dass er in der teilnahmslosen Unermesslichkeit des Universums allein ist, aus dem er zufällig hervortrat.“[9] Es bleibt nur der Ausweg, im kurzen Erdendasein das Beste aus sich zu machen, bevor man dem ewige Vergessen anheimfällt. Das Gefühl der Abwesenheit Gottes in der trostlosen Weite der Räume und Zeiten auf unserem winzigen Planeten,  findet in uns seinen Widerhall, wenn der Mensch sein tragisches Dasein resigniert verloren gibt oder den Schmerz der Vergänglichkeit rauschhaft betäubt.

Die namenlose Bestattung der Toten, wie sie leider von manchen gewählt wird, ist nur die erschütternde Konsequenz dieses existentiellen Nihilismus. Während die Nutzbarmachung meiner Asche als Humus im Kreislauf der Natur kein Akt der Liebe ist, stellt das Versinken in der ewigen Anonymität nur den absurden Verzicht dar auf meine Würde als Sohn und Tochter des liebenden Vaters im Himmel. Die biblische Erfahrung hingegen mit dem Gott Israels, der sein Volk beschützt und befreit, drückt eine tröstliche Gewissheit aus: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich beim Namen gerufen. Mein bist Du.“ (Jes 43,1).

Wenn Christen auch -historisch gesehen- mit verantwortlich waren am Verlust der Glaubwürdigkeit der Offenbarung, indem sie ihre Religion mit gesellschaftlichen und staatlichen Zwecken -wie zum Beispiel die gallikanische Kirche im Ancien régime- verknüpften oder die Inhalte des Glaubens mit überholten naturwissenschaftlichen Weltbildern zu stützen versuchten, so bleibt doch ein systematischer Komplex der radikalen Immanentisierung unserer Auffassung der ganzen Wirklichkeit übrig.

Der harte Kern des spezifischen Atheismus, wie er auf dem Hintergrund und im strikten Widerspruch zum abendländischen Christentum entstanden ist, scheint mir der als unüberwindbar empfundene Gegensatz zwischen Gnade und Freiheit zu sein. Bleibt der menschlichen Freiheit noch Raum, wenn Gott alles ist und allein wirkt, oder muss der Mensch sich einem übermächtigen Gott gegenüber erst freikämpfen?

Paradigmatisch für die westliche Religionskritik aus dem Geist des Empirismus und Sensualismus seit David Hume bis Ludwig Feuerbach und Sigmund Freud ist die Meinung Bertrand Russels, die Religion, insbesondere das Christentum, sei das Ergebnis einer Krankheit, die aus Angst entstanden ist. Judentum, Christentum und Islam seien Sklavenreligionen, weil sie bedingungslose Unterwerfung verlangten. „Die ganze Vorstellung vom herrschenden Gott stammt aus den orientalischen Gewaltherrschaften. Es ist eine Vorstellung, die eines freien Menschen unwürdig ist.“[10] Bei allem Respekt dürfte man doch eine bessere Bibelkenntnis erwarten. Wo bleibt die Erinnerung, dass  der Gott Israels sich offenbart als Befreier seines Volkes aus dem Sklavenhaus Ägyptens oder der babylonischen Gefangenschaft? Im Neuen Testament ist die Befreiung der ganzen Schöpfung „aus der Sklaverei und Verlorenheit zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm 8,21) die Frucht  der Erlösungstat Christi am Kreuz.

Der Gott, der hier abgelehnt wird, ist nur die Hypothese idealistischer Spekulation oder des falschen Ansatzes der Gnadenlehre oder der Lückenbüßer naturwissenschaftlicher Forschung, jedoch nicht der lebendige und barmherzige Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs und der Vater Jesu Christi, der uns das Sein schenkt und uns in seiner Liebe vollenden will.

In der Pastoralkonstitution „Die Kirche in der Welt von heute“ erfasst das II. Vatikanum die Systematik des real existierenden Atheismus in seinen verschiedenen Spielformen und Auswüchsen in diesem Sinne. Dem Glauben, dass Gott Ziel und Ursprung von Mensch und Welt sei, setzt der Atheismus entgegen, dass der Mensch sich selbst Ursprung und Ziel sei. Der Mensch müsse und könne sich selbst erschaffen und erlösen. Darum muss er sich von allen kreatürlichen Vorgaben befreien, sich zumindest wie ein Demiurg selbst mental und psychisch konditionieren sowie physisch und sozial modellieren. Religion, also Gottesbezug in welcher historischen Form auch immer, gilt ihm als Ausdruck der Entfremdung des Menschen von sich selbst oder als ein Mittel, um ihn unmündig zu halten. Religion ist Opium des Volkes. Der Erlösung durch Gottes herrliche Gnade wird das selbstgeschaffene Paradies auf Erden gegenübergestellt, das die Menschheit  bisher allerdings nur als eine Hölle auf Erden kennenlernen durfte.

Der postulatorische Atheismus wendet sich gegen ein Phantom, indem er verkennt, dass göttliche Gnade die menschliche Freiheit schafft, fördert und vollendet, weil das Wesen Gottes nicht pure Macht ist, die an sich hält, sondern Liebe, die sich verschenkt.

Denn seine Allmacht äußert sich und wird erfahren als Gabe des Seins, durch das wir an seinem Leben und seiner Erkenntnis teilhaben. Denn Gott gewinnt nichts und verliert nichts, wenn er uns ins Dasein ruft und wenn in unseren Herzen die Sehnsucht auf die Vereinigung mit ihm weckt. Denn Gott ist Liebe.

Es mag sein, dass der neuzeitliche Mensch durch die tiefe Verstörung über die Spaltung der abendländischen Christenheit und die entsetzlichen Religionskriege in England, Frankreich, Deutschland, der Schweiz und anderswo in seinem Glauben an der Gott der Liebe zuinnerst verstört wurde. Aber neben der Kränkung durch die falsche Meinung, die Gnade behindere Freiheit und Selbstbestimmung, liegt der Tendenz zum postulatorischen Atheismus doch der „Wille zur Macht“ zugrunde, der verbunden ist mit der Ermächtigung, sich selbst zum Gesetz des Seins und des Guten zu machen. Die atheistischen Politideologien seit der französischen Revolution bis heute faszinieren die Massen, weil sie absolute Macht sein wollen über die Natur, die Geschichte, die Gesellschaft, bis ins Innerste der Gedanken und des Gewissens jedes einzelnen Menschen (deshalb: der Abhörwahn der Geheimdienste bei allen Telefonen, SMS, Twitter und Facebooks.

Die Kirche begegnet dem kämpferischen und oft menschenverachtenden Atheismus in seiner staatlichen, akademischen und medialen Macht nicht mit den gleichen Mitteln. Da nach unserer Überzeugung, Gott auch diejenigen Menschen liebt, die ihn noch nicht kennen und sogar verleugnen, ist nach den richtigen Mitteln zu suchen, um den Menschen den Zugang zum Geheimnis des Seins und der Liebe zu eröffnen, das sich uns in Gott dem  Schöpfer, Erlöser und Vollender mitgeteilt hat… Es ist, wie das Konzil sagte die „situationsgerechte Darlegung der Lehre und das integre Lebensbeispiel der Kirche und ihrer Glieder“ [11].

Den Vor- und Fehlurteilen des neuzeitlichen Atheismus gegenüber erklärt das II. Vatikanum:  „Die Kirche hält daran fest, dass die Anerkennung Gottes der Würde des Menschen keineswegs widerstreitet, da diese Würde eben in Gott selbst gründet und vollendet wird. Denn der Mensch ist vom Schöpfergott mit Vernunft und Freiheit als Wesen der Gemeinschaft geschaffen; vor allem aber ist er als dessen Kind zur eigentlichen Gemeinschaft mit Gott und zur Teilnahme an dessen Seligkeit berufen. Außerdem lehrt die Kirche, dass durch die eschatologische Hoffnung die Bedeutung der irdischen Aufgaben nicht gemindert wird, dass vielmehr ihre Erfüllung durch neue Motive unterbaut wird. Wenn dagegen das göttliche Fundament und die Hoffnung auf das ewige Leben schwinden, wird die Würde des Menschen aufs schwerste verletzt, wie sich heute oft bestätigt, und die Rätsel von Leben und Tod, Schuld und Schmerz bleiben ohne Lösung, so dass die Menschen nicht selten in Verzweiflung stürzen. Jeder Mensch bleibt vorläufig sich selbst eine ungelöste Frage, die er dunkel spürt. Denn niemand kann in gewissen Augenblicken, besonders in den bedeutenderen Ereignissen des Lebens, diese Frage gänzlich verdrängen. Auf diese Frage kann nur Gott die volle und sichere Antwort geben; Gott, der den Menschen zu tieferem Nachdenken und demütigerem Suchen aufruft.“[12]

Nur so gibt es einen Ausweg aus der „Dialektik der Aufklärung“ (1944)[13] mit ihrem Umschlag in den Despotismus totalitärer Ideologien und der Tragödie des „atheistischen Humanismus“ (1950).“[14]

Dieser Einsicht kann nur sich verschließen, wer die dramatisch zugespitzte Situation der Welt von heute verkennt. Papst Franziskus sagt oft, dass wir uns schon wie in einem 3.Weltkrieg befinden. Er meint damit die „Globalisierung der Verantwortungslosigkeit“.[15] Denken wir nur im globalen Zusammenhang an die Bürgerkriege, die Genozide, die Entwürdigung von Kindern, Frauen und Männern zu Sex- und Arbeitssklaven, die Massenflucht und Migration von Millionen, Hunger und Armut bei der Hälfte der Menschheit, die unzählbare Schar von Kindern und Jugendlichen ohne menschliche Wärme und teilnehmende Erziehung und Berufschancen, die Scheidungswaisen, den entfesselten Kapitalismus, der alles und alle der Diktatur des ökonomischen Nutzens und Profits unterwirft, den weltweit agierenden Terrorismus in kriminellen Banden und Staaten und das organisierte Verbrechen, die bewusste Destabilisierung der Rechtsordnung und die Unterordnung des Gemeinwohls unter die Gruppeninteressen sogar in den etablierten Demokratien.

In unserer technisch so effizienten Zivilisation springt die Krise der Moderne und Postmoderne jedem Sehenden in die Augen[16].

Der Postmoderne liegt wegen des fehlenden Transzendenzbezuges im wesentlichen ein defizitäres Menschenbild zugrunde, das zur fatalen Konsequenz vor allem der Entsolidarisierung und Entsozialisierung führt. Wenn der Mensch auf ein Produkt der mit sich selbst spielenden Materie oder ein Konstrukt der Gesellschaft reduziert wird oder nur als Teilnehmer an sozialen Netzwerken oder als Rentenzahler etwas gilt, dann ist er seines Subjektseins, seiner Personalität beraubt, weil er zum Mittel der industriellen Produktion, der politischen Macht oder zum Biomaterial der Forschung verzweckt wurde. Hinter einer glänzenden Fassade der schönen neuen Welt zeigt sich das ganze Ausmaß des Elends: die Einsamkeit, die Isolation, das seelische Leiden, die zunehmende Gewalt und Brutalität, der Egozentrismus, die Orientierung am Eigennutz und der egomanischen Selbstverwirklichung, die verweigerte primäre Kommunikation in den Familien.

Alle Entwürfe, die das irreduzible Eigensein des Menschen als Person leugnen -d.h. die Geistigkeit und Unsterblichkeit der Seele als substantiale Form seiner geist-leiblichen Natur und ihrer Entfaltung in Geschichte und Kultur- und die ihn von seiner wesentlichen Relation zum transzendenten Gott abschneiden und ihn so der absoluten Herrschaft von Menschen über Menschen ausliefern, kommen- bei aller Widersprüchlichkeit untereinander- überein im Relativismus der Wahrheitsfrage. Die Leugnung der objektiven Wahrheit führt nicht zur Freiheit, denn das Gegenteil der Wahrheit ist die Lüge. Die Wahrheit ist ebenso wenig der Grund von Intoleranz wie die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit den Klassenkampf hervorruft. Und der Relativismus begründet nicht die Toleranz und die freie In-Beziehung-Setzung des erkennenden Menschen zur Wahrheit der Wirklichkeit und des Seins, sondern -wie  zurecht formuliert wurde- führt zur Diktatur derer, die für sich den Durchblick reklamieren oder sich für die einzig guten Menschen halten. Der Relativismus widerspricht sich selbst, indem er für sich apodiktisch absolute Geltung beansprucht und zugleich die Existenz und Erkennbarkeit von Wahrheit außer seiner eigenen verneint.

Es gibt gewiss viele Welt- und Daseinsdeutungen, wie das II. Vatikanum in der Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute sagt: Aber es wächst angesichts der globalen politischen, ökonomischen, moralischen und religiösen Krise „die Zahl derer, die die Grundfragen stellen oder mit neuer Schärfe spüren: Was ist der Mensch? Was ist der Sinn des Schmerzes, des Bösen, des Todes… Was kann der Mensch der Gesellschaft geben, was von ihr erwarten? Was kommt nach diesem irdischen Leben?“[17]

Die Kirche vertritt ein Menschenbild, das sehr wohl seine wesentlichen Inhalte aus der jüdisch-christlichen Tradition bezieht, das aber auch in seiner positiven und konstruktiven Ausrichtung mit vielen Menschen guten Willens und anderer religiöser und ethischer Traditionen zu einer Aktionsgemeinschaft zusammenfinden kann.

Rational können alle Ergebnisse der modernen Natur- und Geschichtswissenschaften mit den Erkenntnissen aus der Offenbarung in eine Synthese gebracht werden, ohne dass ein Christ und Zeitgenosse in zwei geistigen Welten leben müsste. Aber darüber hinaus ist die christliche Botschaft das Evangelium der Liebe. Die Wahrheit der Wahrheit ist nicht die  Macht, sondern die Liebe. Macht ohne Dienst, Reichtum ohne Freigebigkeit, Eros ohne Agape können nie das Herz des Menschen erfüllen. Es kommt an auf die Annahme seiner selbst und die Liebe zum Nächsten, weil jeder von Gott schon bedingungslos angenommen und geliebt ist.

Die Erfahrung Gottes als Sinn und Ziel des Menschen bedeutet das Ende der Dialektik der Negativität und allen Wahn-Sinns in der Weltgeschichte.

Nur der Glaube an Gott kann das Ganze der Wirklichkeit in den Blick nehmen, weil er eine Teilhabe am unendlichen Geheimnis Gottes ist, das sich vorerst nur in „Spiegel und Gleichnis“ (1 Kor 13,12) zu erkennen gibt. Denn Gottes Geheimnis steht nicht vor uns wie ein undurchdringliches Dickicht, ein schwarzes Loch oder das  nichtende Nichts. Es ist lichte Überfülle und lauter Güte. Wir sehen die Welt in seinem Licht. Aber wir können nicht direkt in die Sonne schauen, obwohl wird alles durch ihr Licht sehen.

Im Brief an die Römer besteht Paulus darauf, dass die Menschen in ihrer „Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit“ sowie in ihrem „Niederhalten der Wahrheit“ sich nicht entschuldigen können mit ihrer Unkenntnis der Existenz Gottes. Denn „seit der Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen: Seine ewige Macht und Gottheit.“ (Röm 1,20). Auch die Heiden, denen nicht wie den Juden am Sinai die Gebote geoffenbart worden sind, kennen das natürliche, d..h in der Vernunft zugängliche Sittengesetz, weil es ihnen ins Herz eingeschrieben wurde und sie es in ihren Gedanken  hin und her erwägen (Röm 2,14ff).

Gott bleibt das Geheimnis über uns. Er ist das Subjekt der Offenbarung seiner Herrlichkeit in den Werken der Natur und der Geschichte. Durch die Propheten und zuletzt unüberbietbar in seinem Sohn spricht er zu uns von Person zu Person. Wir können zu ihm sprechen im Bekenntnis und Gebet. Die Kirche kann von ihm sprechen und Zeugnis geben in einer dialogischen Verkündigung.

Gerade im Bekenntnis zum trinitarischen Gott zeigt sich das proprium christianum. Der Trinitätsglaube  unterscheidet das Christentum vom alttestamentlich-jüdischen und vom koranischen Monotheismus wie auch vom spekulativen Monotheismus.

Der unitarische Monotheismus kann nicht dem trinitarischen Monotheismus die Logik absprechen. Denn seine Konsistenz besteht in der göttlichen Logik der Liebe, die das Wesen Gottes in den Relationen der drei göttlichen Personen zueinander vollzieht, die aber sein Wesen nicht zerteilen, sondern es in ewig verwirklichen. Dies übersteigt menschliches Erkennen, das durch die Selbstoffenbarung dennoch erhoben wird zur analogen Teilnahme an Gottes Selbsterkenntnis im seinem Wort, das unser Fleisch annahm, und zur Vereinigung mit ihm in der Liebe des Heiligen Geistes.

Gotteskindschaft in Christus und Gottesfreundschaft im Heiligen Geist sind die wesentlichen Bezugspunkte des christlichen Menschenbildes. Die Kirche glaubt, dass die Größe des Geheimnisses des Menschen erst im Licht Christi voll erkannt wird und nur in ihm das Rätsel von Schmerz und Tod uns nicht überwältigt.

Die Gottesfrage ist für den Menschen von heute gewiss eine intellektuelle aber noch mehr eine existentielle Herausforderung. Im Angesicht des Todes steht der Glaube vor seiner letzen Prüfung.

Vom damals 39jährigen Dietrich Bonhoeffer berichtet der Lagerarzt, der ihn auf dem letzten Gang zur Hinrichtung im Konzentrationslager Flossenbürg am 9. April 1945 begleitete:

„Durch die halbgeöffnete Tür eines Zimmers im Barackenbau sah ich vor der Ablegung der Häftlingskleidung Pastor Bonhoeffer in innigem Gebet mit seinem Herrgott knien. Die hingebungsvolle und erhörungsgewisse Art des Gebetes dieses außerordentlich sympathischen Mannes hat mich auf das Tiefste erschüttert. Auch an der Richtstätte selbst verrichtete er noch ein kurzes Gebet und bestieg dann mutig die Treppe zum Galgen.“ [18]

Und sein letztes Wort im Angesicht des Todes war: „Das ist das Ende- für mich der Beginn des Lebens.“[19]

 

[1] Berlin, 2.Aufl. 2015.

[2] Ebd. 340.

[3] Eine grundlegende Analyse der geistigen und religiösen Situation der Zeit bietet Charles Taylor, Ein säkulares Zeitalter, Frankfurt a.M. 2009.

[4] München 2007,11.

[5] Robert Spaemann, Der letzte Gottesbeweis, München 2007,20.

[6] Thomas von Aquin, De pot. q.7 a.5. ad 14.

[7] Vgl. dazu die treffende Analyse bei Alexander Kissler, Der aufgeklärte Gott. Wie die Religion zur Vernunft kam, München 2008.

[8] Warum ich kein Christ bin, München 1963, 24.

[9] Zufall und Notwendigkeit, München 1971,219.

[10] Warum ich kein Christ bin, München 1963, 36.

[11] Gaudium et spes 21.

[12] Gaudium et spes 21.

[13] Max Horkheimer/Theodor W. Adorno, Frankfurt a.M. 1969.

[14] Henri de Lubac, Über Gott hinaus, Einsiedeln  1984.

[15] Apost.Exhort. Evangelii gaudium (2913),art.52-75.

[16]Vgl. die tiefgreifende Studie von Matthew Fforde, Entsozialisierung. Die Krise der Postmoderne, Freiburg i.Br. 2016.

[17] Gaudium et spes 10.

[18] Eberhard Bethge, Dietrich Bonhoeffer. Theologe-Christ- Zeitgenosse, München 1983, 1038.

[19] Ebd. 1037.

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Quelle