Spanien: 115 Opfer des Bürgerkriegs selig gesprochen

Valle de los Caídos bei Madrid: Hier sind über 30.000 Opfer des Bürgerkriegs begraben

115 neue Selige auf einen Streich: Ein Vatikan-Kardinal hat am Samstag 115 Opfer des Spanischen Bürgerkriegs ins Buch der Seligen eingetragen. Dazu war Angelo Amato, der Präfekt der Heiligen-Kongregation, extra nach Almería gereist. Die neuen Seligen sind Priester und Laien, Männer und Frauen – was sie verbindet, ist die Tatsache, dass sie 1936 um ihres Glaubens willen gefoltert und getötet wurden. Und dass sie, Zeugenaussagen zufolge, ihren Mördern vergeben haben.

„In diesen Jahren hat sich in Spanien der Hass gegen die Kirche, ihre Diener und ihre Gläubigen, entfesselt“, sagt uns Kardinal Amato in einem Interview. „Eine große Verfolgung, die Tausende von Menschen das Leben kostete, nur weil sie Katholiken waren. Alle Bistümer Spaniens haben damals ihren Blutzoll entrichtet. Jetzt hat Papst Franziskus die Seligsprechung von 115 Märtyrern aus dem Bistum Almería verfügt. Wir erinnern an sie, um dieses Erbe des Gehorsams zu Gott nicht unbeachtet links liegen zu lassen. Wir erinnern an sie auch, um zu betonen, dass das Christentum die Religion des Lebens ist und jeder Art von Gewalt eine Absage erteilt.“

In Spanien heute an den Bürgerkrieg zu erinnern, ist ganz schön heikel, immer noch. Denn nach dem Tod des Diktators Francisco Franco im November 1975 hat es keine richtige Aufarbeitung der blutigen dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts gegeben, um das zarte Pflänzchen der spanischen Demokratie nicht zu gefährden. Bis heute ist das Thema nahezu Tabu; werden Massengräber von Hingerichteten des Bürgerkriegs freigelegt, kochen die Emotionen hoch.

Wer sind die neuen Seligen? Amato nennt einen für alle: Don José Álvarez- Benavides de la Torre, Dekan der Kathedrale von Almería. „Die Zeugen sagen, dass er eine Ausnahme-Persönlichkeit war. Er wurde 1936 festgenommen und zunächst auf einem Schiff festgehalten, auf dem Eisen transportiert wurde. Seine Kleider und die der anderen Verhafteten waren schwarz wie Kohle, es war Sommer, es war unerträglich heiß auf dem Schiff. Trotzdem hat Don José bei seinen Mitgefangenen für ein Klima der inneren Sammlung und des Gebets gesorgt. Er wurde wiederholt grausam gefoltert und aufgefordert, seinem Glauben abzuschwören, dem hat er sich bis zum Schluß wiedersetzt. Da haben sie ihn erschossen, während er seinen Henkern vergab.“

Das macht man als Vatikan-Kardinal so, dass man erst mal von einem heldenhaften Kleriker erzählt. Aber unter den neuen Seligen sind auch viele Laien, fährt Amato fort. „Da kann ich zum Beispiel Herrn Luis Belda y Soriano de Montoya nennen: 34 Jahre alt, Mitglied der Katholischen Aktion, Rechtsanwalt. Ein frommer Mann, der immer versuchte, den Bedürftigen zu helfen, die sich an ihn wandten. Er ging jeden Tag zur heiligen Messe, besuchte Kranke, hielt Vorträge über das Thema Familie und Erziehung, über den Schutz der Ungeborenen. Dieser Mann hat sich freiwillig den Milizen gestellt, damit seine Familie ungeschoren davonkommen konnte. Der einzige Grund, warum er in Haft kam, bestand in seinem Katholischsein. Seine letzten Worte waren die, die er vor der Erschießung seiner Frau vom Schiff aus zurief: „Ich vergebe allen, die mich beleidigt haben, und allen, die mir Böses tun.“ Man fand seine Leiche im Meer schaukelnd, nahe am Strand.“

Auch Frauen sind unter den neuen Seligen – etwa die 49-jährige Carmen Godoy Calvache. Eine Frau, die ihr Geld oft daransetzte, dass arme Leute ihre Kinder zum Arzt schicken konnten. „Als die Verfolgung losging, verlor sie ihr ganzes Geld: Die Milizen räumten sogar ihre Bankkonten leer und besetzten ihr Haus. Sie wurde verhaftet und misshandelt; die Milizen machten sich einen Spaß daraus, sie hungern und dürsten zu lassen. Man hat sie mit Messerstichen verletzt und beinahe im Meer ertränkt. An Silvester 1936 wurde sie an ihrer Brust verstümmelt und dann lebendig begraben. In der Hafenkneipe besoffen sich derweil ihre Peiniger und rühmten sich all der Folterungen, die sie dem armen Opfer zugefügt hatten.“

Schreckliche Geschichten, die der Vatikan da ans Licht gezogen hat. Das seien nur drei Beispiele, sagt Kardinal Amato. Alle Märtyrer seien „gute Menschen“ und „unschuldig“ gewesen. „Wir stehen hier vor der Würde des Guten auf der einen und der sinnlosen Dummheit des Bösen auf der anderen Seite. Oder wie eine Schriftstellerin (Hanna Arendt, Anm.d.Red.) gesagt hat: der Banalität des Bösen.“

(rv 26.03.2017 sk)

Er schwor Gott die Treue, nicht Hitler: Josef Mayr-Nusser wird seliggesprochen

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Josef Mayr-Nusser war Mitglied des Andreas-Hofer-Bundes und ist eine Leitfigur des katholischen Südtiroler Widerstandes gegen die Nazis. Foto: CNA/Gemeinde Bozen

Das Martyrium eines Laien, der Nein zum Nationalsozialismus gesagt hat, wird anerkannt: Der Südtiroler Josef Mayr-Nusser wird seliggesprochen.

Papst Franziskus hat in einer Audienz Kardinal Angelo Amato, den Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, empfangen und den Erlass des entsprechenden Dekrets autorisiert.

Josef Mayr-Nusser war Mitglied des Südtiroler Widerstands, der sich im Andreas-Hofer-Bund organisierte, ein Leiter in der Azione Cattolica, der Katholischen Aktion, und wurde wegen seines Widerstandes gegen den Nationalsozialismus zum Tode verurteilt, starb aber noch während der Fahrt zum Lager in Dachau (1945) an den Entbehrungen und der Misshandlung durch die Nazis.

Josef Mayr-Nusser wird 1910 in eine sehr gläubige Familie von Weinbauern in Bozen geboren. Er hat den Sport im Blut, liebt Schlittschuhlaufen, liest begierig anspruchsvolle Bücher, pflegt eine intensives geistliches Leben. Ihm gefällt Thomas Morus, der unbeugsame Kanzler des XVI. Jahrhunderts, der sich dem König Englands widersetzt, nur um seinen Glauben nicht zu verlieren und von diesem enthauptet lassen wird. Als jemandem, der die Jugendlichen leidenschaftlich mitreißt, wird ihm die Vorstandschaft der Südtiroler katholischen Jugend angeboten. Er heiratet mit 22 Jahren und bekommt schon bald einen Sohn.

Das Leben von Josef erhält 1944 eine Wendung, als er zwangsweise zur SS eingezogen wird: Am 7. September 1944 macht er sich auf den Weg zu einer Ausbildungskaserne. Als der Augenblick der Ablegung des Eides kommt, verweigert er ihn aus religiösen Gründen. Es wird ihm der Prozess gemacht und er wird zum Tode verurteilt. Er wird verhaftet und in einem Viehwagon zum Konzentrationslager Dachau geschickt, stirbt aber unterwegs am 24. Februar 1945 in Erlangen aufgrund der erlittenen Misshandlungen, Hunger und Durst.

Die Seligsprechung von Josef Mayr-Nusser ist sicherlich ein starkes Zeichen von Papst Franziskus. Katholischer Widerstand statt windelweiches Mauscheln mit Mächtigen, unchristlichen Politikern und dem jeweiligen Zeitgeist sind auch heute aktuell und notwendig.

Der Leichnam von Josef Mayr-Nusser wurde 1958 zurück nach Bozen gebracht und ruht nun in der kleinen Kirche St. Josef in Lichtenstern am Ritten.

Die Feier der Seligsprechung wird am 18. März 2017 im Dom von Bozen stattfinden. Dies teilte Monsignore Ivo Muser, Bischof von Bozen-Brixen mit. Das liturgische Fest des neuen Seligen wird das erste Mal am 3. Oktober 2017 gefeiert werden.

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Quelle

Die Reliquie des Seligen Papstes Paul VI.

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Papst Paul VI. am 27. November 1970 in Manila unmittelbar nach dem Mordversuch.

Nach der Seligsprechung Papst Pauls VI. wurde ein Reliquiar mit einem blutbefleckten Gewand des Seligen zum Altar gebracht. kath.net-Interview mit Ulrich Nersinger
Vatikan (kath.net) Am 19.10.2014 wurde der 1978 verstorbene Papst Paul VI. seliggesprochen. Während der Seligsprechung durch Papst Franzikus wurde ein Reliquiar (Foto) zum Altar gebracht. Der Historiker und Vatikankenner Ulrich Nersinger, der eine wichtige Biografie über den neuen Seligen geschrieben hat, erläutert gegenüber kath.net, woher diese Reliquie stammt.

kath.net: Herr Nersinger, woher stammt die Reliquie, die während der Seligsprechung auf dem Petersplatz ausgestellt wurde?

Ulrich Nersinger: Im November und Dezember 1970 hatte der neue Selige eine neuntägige Pastoralreise nach Asien und Australien unternommen. Unmittelbar nach der Landung auf dem Airport von Manila (Philippinen) stürmte der 35jährige bolivianische Kunstmaler Benjamin y Amor Flores auf den Papst zu und versuchte ihn zu erdolchen. Das Messer des Attentäters, der ein Priestergewand trug, traf Paul VI. zweimal, in der Brust und am Hals, zwar nur oberflächlich, aber doch so, dass die Wunden bluteten. Der Begleitung des Papstes gelang es, Mendoza niederzuringen.

Der Papst deutete sofort an, von dem Vorfall kein Aufhebens zu machen. Bei der anschließend zelebrierten Heiligen Messe verdeckten die liturgischen Gewänder die kleinen Verletzungen des Papstes.

Nach der Eucharistiefeier versorgte der mitgereiste päpstliche Leibarzt die beiden Wunden und gab seinem Patienten eine Tetanusspritze. Ein weiteres Mal gab der Heilige Vater den Umstehenden ein Zeichen, das Geschehene nicht publik zu machen.

kath.net: Doch die Nachricht drang dann doch an die Öffentlichkeit?

Nersinger: Ja, und zwar sehr schnell. Das italienische Parlament unterbrach sogar für kurze Zeit seine Sitzung. In Italien berichteten die Medien, der Privatsekretär Pauls VI., Don Pasquale Macchi, habe den Attentäter wie „ein Halbgewichtsboxer“ blockiert. Auf den Philippinen bemühte man sich, den dortigen Staatspräsidenten und den Erzbischof von Manila als Verhinderer des Anschlags darzustellen. In den USA sah man Monsignore Paul Casimir Marcinkus vom Päpstlichen Staatssekretariat als den Retter des Papstes; „ein Filipino war mit dem Messer auf Papst Paul VI. losgestürmt, Marcinkus, 1,94 Meter groß, ein Zentner schwer, hatte ihn einfach zu Boden gedrückt“ (The Washington Post). Als päpstlicher ‚Bodyguard’ war der „zupackende Amerikaner“, so eine italienische Zeitung, „fortan für die Auslandsreisen seines Chefs verantwortlich“.

kath.net: Wie stand der Papst selber zu dem Attentat?

Nersinger: Er war bemüht, es bis in die Bedeutungslosigkeit hinunterzuspielen. Gegenüber dem späteren Kurienkardinal Sergio Pignedoli zeigte sich der Papst vor allem über den Wettstreit seiner „Leibwächter“ amüsiert.

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Artikel auf http://www.kath.net/news/47986
20. Oktober 2014

kath.net-Buchtipp
Paul VI.
Ein Papst im Zeichen des Widerspruchs
Von Ulrich Nersinger
Taschenbuch, 140 Seiten
2014 Patrimonium
ISBN 978-3-86417-027-0
Preis 15.30 EUR

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Siehe auch:

Papst Paul VI. – ein großer Papst, mutiger Christ und unermüdlicher Apostel


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Seligsprechung von Papst Paul VI. und Angelus am 19. Oktober 2014

Rom, 19. Oktober 2014 (ZENIT.org) Britta Dörre

Unter strahlend blauem Himmel begann heute Vormittag um 10.30 Uhr auf dem Petersplatz die Seligsprechungsfeier von Papst Paul VI. (1897-1978) im Rahmen der Heiligen Messe zum Abschluss der Familiensynode. An der Feier nahm auch Benedikt XVI. teil, der gegen 10.00 Uhr eintraf und Platz nahm. Der Petersplatz und die Via della Conciliazione waren bis auf den letzten Zentimeter mit Gläubigen gefüllt.
Um 10.20 Uhr begann der Einzug zur Messe. Papst Franziskus trug anlässlich der Messe eine Kasel, die Papst Paul VI. zu seinem 80. Geburtstag geschenkt worden war. Die Begrüßung von Papst Franziskus und Benedikt XVI. beim Einzug des Papstes war wie immer sehr herzlich und freundlich.

33Paolo-VI---Arazzo-BeatDer Bischof von Brescia, Msgr. Luciano Monari, erschien gemeinsam mit dem Postulator, Pater Antonio Marrazzo, um um die Aufnahme von Papst Paul VI. in den Kreis der Seligen zu erbitten. Pater Marrazzo verlas anschließend einen biographischen Überblick zum Leben des Papstes (Siehe Libretto Beatificazione Seiten 19-22!). Nach der Seligsprechung von Papst Paul VI. durch Papst Franziskus, wurde das Portrait des neuen Seligen enthüllt, das an der Fassade des Petersdoms angebracht war. Anschließend wurde die Reliquie Pauls VI., ein blutbeflecktes Hemd, das der Papst während des Attentats am 27. November 1970 in Manila getragen hatte, ausgestellt. Der Bischof von Brescia sprach seinen Dank aus, und es folgte eine herzliche Umarmung mit Papst Franziskus unter dem Applaus der Anwesenden.

Papst Franziskus begann seine Predigt vom Tagesevangelium ausgehend, „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ (Mt 22,21), und erklärte: „Es ist eine einprägsame Antwort, die der Herr allen gibt, die Gewissensprobleme haben, vor allem wenn ihre Vorteile, ihr Reichtum, ihr Ansehen, ihre Macht und ihr Ruf auf dem Spiel stehen.“

Papst Franziskus sagte, die Betonung liege bei Jesus sicher auf dem zweiten Teil des Satzes und bedeute, „dass Gott allein der Herr des Menschen ist und es keinen anderen gibt.“

Der Papst führte aus: „Er hat keine Angst vor dem Neuen! Darum überrascht er uns ständig, indem er ungeahnte Wege vor uns auftut und uns zu ihnen hinführt. Er erneuert uns, das heißt er lässt uns ständig ’neu‘ werden. Ein Christ, der das Evangelium lebt, ist ‚die Neuheit Gottes‘ in der Kirche und in der Welt. Und Gott liebt diese ‚Neuheit‘ sehr!“

„Gott geben, was Gott gehört“, bedeute, sich seinem Willen zu öffnen, ihm unser Leben zu widmen und an seinem Reich der Barmherzigkeit, der Liebe und des Friedens mitzuarbeiten. „Darin liegt unsere Hoffnung, denn die Hoffnung auf Gott ist keine Realitätsflucht, sie ist kein Alibi: Sie bedeutet, Gott tatkräftig das zurückzugeben, was ihm gehört.“

Mit Blick auf die Synode erklärte Papst Franziskus, Hirten und Laien aus aller Welt seien in Rom zusammengekommen, „um den Familien von heute zu helfen, den Weg des Evangeliums zu gehen und dabei auf Jesus zu blicken.“ Er bewertete die Synode als „eine bedeutende Erfahrung, in der wir die Synodalität und die Kollegialität gelebt und die Kraft des Heiligen Geistes gespürt haben, der die Kirche immer leitet und erneuert – diese Kirche, die berufen ist, sich ohne Zögern der blutenden Wunden anzunehmen und in vielen Menschen ohne Hoffnung die Hoffnung neu zu entfachen.“

Der Papst dankte Gott für den konstruktiven Geist der Synode und bat, „der Heilige Geist, der uns in diesen arbeitsreichen Tagen die Gabe verliehen hat, großherzig in wahrer Freiheit und demütiger Kreativität tätig zu sein, begleite weiterhin den Weg, der uns in den Kirchen der ganzen Erde auf die Ordentliche Bischofssynode im kommenden Oktober 2015 vorbereitet.“

Anlässlich der Seligsprechung von Papst Paul VI. zitierte er den neuen Seligen: „Die Zeichen der Zeit aufmerksam durchforschend, [suchen wir,] die Wege und Methoden […] den wachsenden Notwendigkeiten unserer Tage sowie den veränderten Verhältnissen der Gesellschaft anzupassen“ (Apost. Schreiben Motu proprio Apostolica sollicitudo).“

Papst Franziskus beschrieb Papst Paul VI. als „großen Papst“, „mutigen Christen“, „unermüdlichen Apostel“ und sprach unter mehrfachem Applaus der Anwesenden seinen Dank aus: „Danke! Danke, (Applaus) unser lieber und geliebter Papst Paul VI.! Danke (Applaus) für dein demütiges und prophetisches Zeugnis der Liebe zu Christus und seiner Kirche!“

Besonders hob Papst Franziskus die Demut Papst Pauls VI. hervor: „In seinem persönlichen Tagebuch schrieb der große Steuermann des Konzils am Tag nach der Schließung der Konzilsversammlung: ‚Vielleicht hat der Herr mich in diesen Dienst gerufen und hält mich darin, nicht etwa weil ich eine Begabung dafür hätte oder damit ich die Kirche regiere und vor ihren gegenwärtigen Schwierigkeiten rette, sondern damit ich etwas für die Kirche leide und es deutlich wird, dass Er und kein anderer sie leitet und sie rettet‘ (P. Macchi, Paolo VI nella sua parola, Brescia 2001, S. 120-121).“

Papst Franziskus schloss seine Predigt mit einer Bewertung des Pontifikats Papst Pauls VI.: „Während sich eine säkularisierte und feindliche Gesellschaft abzeichnete, hat er es verstanden, weitblickend und weise – und manchmal einsam – das Schiff Petri zu steuern, ohne jemals die Freude am Herrn und das Vertrauen auf ihn zu verlieren. Paul VI. hat es wirklich verstanden, Gott zu geben, was Gott gehört, indem er sein ganzes Leben der ‚heiligen, gewaltigen und äußerst gewichtigen Aufgabe‘ widmete, ‚die Sendung Christi in der Zeit fortzuführen und über die Erde auszudehnen‘ (Homilie zum Ritus der Papstkrönung: Insegnamenti I, (1963), 26). Er hat die Kirche geliebt und hat sie geleitet, damit sie ‚zugleich liebevolle Mutter und Ausspenderin des Heils für alle Menschen sei‘ (Enzyklika Ecclesiam Suam, Prolog).“ Zum Abschluss der Messfeier wurde das für den neuen Seligen komponierte Loblied vorgetragen.

Vor dem heutigen Angelusgebet, das der Papst vom Petersplatz aus betete, grüßte Papst Franziskus unter dem Applaus der Gläubigen die anwesenden Pilger aus aller Welt, vor allem die Gläubigen aus den Diözesen Brescia, Mailand und Rom, die in besonderer Weise mit dem neuen Seligen, Papst Paul VI., verbunden seien.

Der selige Paul VI. habe sich in besonderem Maße für die Missionierung eingesetzt, wovon das Apostolische Schreiben „Evangelii nuntiandi“ Zeugnis ablege. Der Papst unterstrich ausdrücklich die Aktualität des Schreibens. Der missionarische Geist Pauls VI. habe heute, am Weltmissionstag, eine besondere Bedeutung. Papst Franziskus wies auf die tiefe Marienverehrung Papst Pauls VI. hin. Die Christen seien dem Seligen ewig für das Apostolische Schreiben „Marialis cultus“ und die Verkündung des Marientitels „Mutter der Kirche“ zum Abschluss des Vatikanischen Konzils dankbar.

Abschließend bat der Papst die Gläubigen, für ihn zu beten. Er wünschte allen einen schönen Sonntag und ein gutes Mittagsmahl.

(19. Oktober 2014) © Innovative Media Inc.

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Quelle

Heiligsprechung von Johannes Paul II.: Das offiziell anerkannte Wunder

Floribeth Mora Díaz

Das Wunder für die Heiligsprechung von Johannes Paul II.:
Die Heilung von Floribeth Mora Díaz aus Costa Rica (deutschsprachiges Video):

22 April 2014, 11:00

Ärzte gaben Floribeth Mora Díaz aus Costa Rica noch eine Lebenserwartung von etwa einem Monat. Am Tag der Seligsprechung des Papstes aus Polen bat sie um seine Fürsprache. Ihre Heilung wurde von der Kirche als Wunder anerkannt.

Von Petra Lorleberg

San José-Vatikan (kath.net/pl) Floribeth Mora Díaz (Foto) aus Costa Rica ist die Frau, deren Heilung auf die Fürsprache von Johannes Paul II. von der katholischen Kirche als Wunder anerkannt wurde. Dieses Wunder hat die Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II. ermöglicht. Die Lateinamerikanerin wird bei der feierlichen Heiligsprechung auf dem Petersplatz am 27.4.2014 eine Blutreliquie des verstorbenen Papstes tragen dürfen. Das Wunder für die Seligsprechung im Jahr 2011 war die Heilung der französischen Ordensfrau Sr. Marie Simon-Pierre gewesen, auch sie durfte dann bei der Seligsprechungszeremonie 2011 eine Reliquie tragen.

Mora Díaz hatte an einer Gefäßerweiterung im Gehirn gelitten, einem sogenannten Aneurysma, mit offenbar steigender Gefahr einer Gehirnblutung. Dies hatte sich durch migräneartige Kopfschmerzen bemerkbar gemacht, nach Untersuchungen verzichteten die Ärzte wegen des zu hohen Risikos auf eine Operation und sagten ihr, dass sie noch ungefähr einen Monat Lebenserwartung habe.

Wegen dieser Diagnose habe sie zu Hause verzweifelt in ihrem Bett geweint, „weil ich Angst hatte zu sterben und meine Kinder allein zu lassen“. Sie hatte sich sogar schon von ihrer Familie verabschiedet, doch „am 1. Mai hat mich Johannes Paul II. gesund gemacht“, erzählte die jetzt 56-jährige Mutter von fünf fast erwachsenen Kinder bereits im vergangenen Jahr.

Mora Díaz hatte den verstorbenen Papst Johannes Paul II. am 1. Mai 2011 – dem Tag der seiner Seligsprechung – um Hilfe angefleht. Danach sei sie eingeschlafen und habe im Traum die Stimme von Papst Johannes Paul II. gehört, die energisch zu ihr sagte: „Steh auf. Hab keine Angst!“.

Der Arzt Alejandro Vargas erläuterte, wie überrascht er gewesen sei, als er feststellte, dass das Aneurysma tatsächlich verschwunden war. „So etwas hat es noch nie gegeben. Gott vollbrachte ein Wunder, damit wir an seine Existenz glauben, … wir sollen nie den Glauben verlieren“.

„Steh auf. Hab keine Angst!“ Diese Worte hatte Mora Díaz schon einmal gehört: 1983 war der Papst aus Polen zu Besuch in Costa Rica gewesen und Mora Díaz hatte sich unter den Gläubigen im Nationalstadion befunden, zu denen Johannes Paul II. dies gesagt hatte.

Petra Lorleberg auf Twitter folgen!

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Quelle

Siehe dazu ebenfalls:

 

Vier Heiligsprechungen im Oktober in Rom

Vatikanstadt. Erstmals in der Geschichte der katholischen Kirche hat Papst Franziskus die Heiligsprechung eines Ehepaars angekündigt, das nicht das Martyrium erlitten hat. Bei einem Konsistorium am Samstag, 27. Juni, benannte er offiziell die französischen Eheleute Louis und Zelie Martin (1823-1894 und 1831-1877). Sie sollen am 18. Oktober heiliggesprochen werden.

Bei der Kardinalsversammlung kündigte Franziskus zudem die Heiligsprechung des italienischen Priesters Vincenzo Grossi (1845-1917) und der spanischen Ordensfrau Maria Isabella Salvat Romero (1926-1998) an. Grossi gründete 1885 das »Institut der Schwestern des Oratoriums«. Romero war seit 1977 Generaloberin der Schwestern der Gesellschaft vom Kreuz.

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Quelle: L´Osservatore Romano 27/2015

Siehe ferner:

BLEIBEN WIR IN GOTT UND SEINER LIEBE

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Mehrere Zehntausend Pilger und Besucher nahmen an der Heiligsprechung teil. Viele waren aus dem Heiligen Land nach Rom gekommen.

Eucharistiefeier mit Heiligsprechungen auf dem Petersplatz

Predigt von Papst Franziskus am 17. Mai

Vatikanstadt. Papst Franziskus hat am Sonntag, 17. Mai, vier Ordensfrauen heiliggesprochen, darunter zwei aus der Region Palästina. Bei der feierlichen Zeremonie waren auch der muslimische Präsident von Palästina Mahmud Abbas und der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, anwesend. Der Papst hatte beim Konsistorium am 14. Februar die Heiligsprechung von Mariam Baouardy, Maria Alfonsina Ghattas sowie der französischen Ordensfrau Jeanne Emilie de Villeneuve und der italienischen Ordensfrau Adelaide Brando offiziell angekündigt.

Zum Abschluss grüßte der Papst die Teilnehmer aus Palästina, Israel und Jordanien sowie aus Frankreich und Italien. Ohne den Nahostkonflikt direkt zu erwähnen, äußerte er die Hoffnung, das Vorbild der Heiligen möge besonders für die Christen dieser Länder als Beispiel für Nächstenliebe, Brüderlichkeit, Versöhnung und Barmherzigkeit stehen. Im Folgenden die Predigt des Heiligen Vaters:

Die Apostelgeschichte hat uns die entstehende Kirche gezeigt, den Augenblick, in dem sie denjenigen wählt, den Gott berufen hat, den Platz des Judas im Apostelkollegium einzunehmen. Es geht nicht darum ein Amt zu übernehmen, sondern einen Dienst. Und in der Tat erhält Matthias, der gewählt wird, eine Sendung, die

Petrus folgendermaßen beschreibt: »Einer […] muss nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein« (Apg 1,22), der Auferstehung Christi. Mit diesen Worten fasst er zusammen, was es bedeutet, zu den Zwölf zu gehören: es bedeutet, Zeuge der Auferstehung Jesu zu sein. Die Tatsache, dass er sagt: »zusammen mit uns«, macht deutlich, dass die Sendung, den auferstandenen Christus zu verkünden, kein individueller Auftrag ist: er muss gemeinsam gelebt werden, zusammen mit dem Apostelkolleg und der Gemeinschaft. Die Apostel haben eine direkte und wunderbare Erfahrung der Auferstehung gemacht, sie sind Augenzeugen dieses Ereignisses. Dank ihres maßgeblichen Zeugnisses haben viele geglaubt; und aus dem Glauben an den auferstandenen Christus sind die christlichen Gemeinschaften entstanden und entstehen ohne Unterlass. Auch wir heute gründen unseren Glauben an den auferstandenen Herrn auf das Zeugnis der Apostel, das durch die Sendung der Kirche bis zu uns gelangt ist. Unser Glauben ist fest verbunden mit ihrem Zeugnis, wie mit einer ununterbrochenen Kette, ausgespannt im Laufe der Jahrhunderte nicht nur durch die Nachfolger der Apostel, sondern durch Generationen um Generationen von Christen. In der Nachfolge der Apostel ist nämlich jeder Jünger Christi berufen, Zeuge seiner Auferstehung zu werden, vor allem in jenen Lebensumfeldern, in denen die Gottvergessenheit und die Orientierungslosigkeit des Menschen am größten sind.

Damit das wahr wird, muss man im auferstandenen Christus und in seiner Liebe bleiben, wie es uns der erste Johannesbrief gesagt hat: »Wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm« (1 Joh 4,16). Jesus hat dies immer wieder zu seinen Jüngern gesagt: »Bleibt in mir… Bleibt in meiner Liebe« (Joh 15,4.9). Das ist das Geheimnis der Heiligen: in Christus bleiben, mit ihm vereint sein wie die Reben mit dem Weinstock, um reiche Frucht zu bringen (vgl. Joh 15,1-8). Und diese Frucht ist nichts anderes als die Liebe. Diese Liebe erstrahlt im Zeugnis von Schwester Jeanne-Émilie de Villeneuve, die ihr Leben Gott und den Armen, den Kranken, den Gefangenen, den Ausgebeuteten gewidmet hat und für sie und für alle ein konkretes Zeichen der barmherzigen Liebe des Herrn geworden ist.

Die Beziehung zum auferstandenen Christus ist sozusagen die »Atmosphäre«, in der der Christ lebt und in der er die Kraft findet, dem Evangelium auch inmitten von Widerständen und Unverständnis treu zu bleiben. »In der Liebe bleiben«: Das hat auch Schwester Maria Cristina Brando getan. Sie war ganz ergriffen von brennender Liebe zum Herrn und aus dem Gebet, aus der Begegnung von Herz zu Herz mit dem in der Eucharistie gegenwärtigen Auferstandenen empfing sie die Kraft, das Leiden zu tragen und sich als gebrochenes Brot an viele Menschen hinzugeben, die weit von Gott entfernt waren und nach echter Liebe hungerten.

Ein wesentlicher Aspekt des Zeugnisses für den auferstandenen Herrn ist die Einheit unter uns, seinen Jüngern, als Abbild der Einheit, die zwischen ihm und dem Vater besteht. Heute erklang im Evangelium auch das Gebet Jesu am Vorabend seines Leidens: »…damit sie eins sind wie wir« (Joh 17,11). Aus dieser ewigen Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn, die durch den Heiligen Geist in uns ausgegossen wird (vgl. Röm 5,5), gewinnen unsere Sendung und unsere brüderliche Gemeinschaft ihre Kraft; aus ihr entspringt immer neu die Freude, dem Herrn auf dem Weg seiner Armut, seiner Jungfräulichkeit und seines Gehorsams nachzufolgen; und dieselbe Liebe ist es, die dazu aufruft, das kontemplative Gebet zu pflegen. Das hat in herausragender Weise Schwester Maria Baouardy erfahren, die einfach und ungebildet war und doch Ratschläge und theologische Erklärungen von äußerster Klarheit zu geben wusste, Frucht des beständigen Dialogs mit dem Heiligen Geist. Die Fügsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist machte sie auch zu einem Werkzeug der Begegnung und der Gemeinschaft mit der muslimischen Welt. Ebenso hat Schwester Maria Alfonsina Danil Ghattas gut verstanden, was es bedeutet, die Liebe Gottes im Apostolat auszustrahlen, indem sie Zeugin der Sanftmut und der Einheit wurde. Sie ist ein klares Beispiel dafür, wie wichtig es ist, füreinander Verantwortung zu tragen, im gegenseitigen Dienst zu leben.

In Gott und seiner Liebe bleiben, um mit Wort und Tat die Auferstehung Jesu zu verkünden und dabei die Einheit unter uns und die Liebe zu allen zu bezeugen: Das haben die vier heute Heilig­gesprochenen getan. Ihr leuchtendes Vorbild soll auch unser christliches Leben hinterfragen: Wie bin ich Zeuge des auferstandenen Christus? Das ist eine Frage, die wir uns stellen müssen. Wie bleibe ich in ihm, wie bleibe ich in seiner Liebe? Verstehe ich es, in der Familie, in der Arbeit, in meiner Gemeinschaft den Samen jener Einheit zu säen, die er uns geschenkt hat, indem er uns vom Leben der Dreifaltigkeit her an ihr teilhaben lässt?

Wenn wir heute nach Hause zurückkehren, wollen wir die Freude über diese Begegnung mit dem auferstandenen Herrn mitnehmen; pflegen wir im Herzen den Eifer, in der Liebe Gottes zu bleiben, indem wir mit ihm und untereinander vereint bleiben und den Spuren dieser vier Frauen folgen, Vorbilder der Heiligkeit, die die Kirche uns einlädt nachzuahmen.

(Orig. ital. in O.R. 18./19.5.2015)