Was der Rosenkranz vermag – Fatima – Portugal

Lucia-v-Fatima-Die-allerseeligste-Jungfrau

Aus einer Predigt von Pater Stefan Dreher, FSSP

Es ist bekannt, daß sich der Rosenkranz nach der An­sicht vieler und namentlich nach der Überzeugung des heiligen Papstes Pius V. als ein starker Helfer in der mittelalterlichen Türkennot erwiesen hat. Viel weniger wird dagegen beachtet, daß sich der Rosenkranz auch in unserer Zeit als der Retter eines ganzen Landes be­währt. Daß dies wirklich der Fall ist, zeigt ein Blick auf Portugal vor und nach dem Jahre 1917, vor und nach den Erscheinungen von Fatima.

1. Vor dem Jahre 1917 besaß Portugal den traurigen Ruf, unter den christlichen Staaten dasjenige Land zu sein, das in der Loslösung von allen religiösen und kirchlichen Bindungen am weitesten fortgeschritten war. Schon seit zwei Jahrhunderten bildete Portugal einen Hexenkessel, in dem Bürgerkrieg und Revolutionen bro­delten, Königtum und Freistaaterei sich ablösten und die katholische Kirche einmal mehr und einmal weniger, offen oder versteckt, ständig verfolgt wurde. Als dann im Jahre 1910 mit dem Sturz des Königtums die Frei­maurerei ans Ruder kam, brachen für die Kirche trost­lose Zeiten an. Manche Gotteshäuser wurden geschändet oder zerstört, Bischöfe ausgewiesen, die Klöster aufge­hoben und beschlagnahmt, die Pfarrer aus den Pfarr­häusern vertrieben. Der Religionsunterricht in den Schu­len war verboten, und die Kinder mußten bei öffentlichen Umzügen große Spruchbänder tragen mit der Aufschrift: „Weder Gott noch Religion“. Die Kirche war zum Kehricht geworden, und es schien, daß jener Freimaurer recht behalten sollte, der bereits im Jahre 1911 im stol­zen Vorgefühl des Sieges verkündete, die katholische Kirche in Portugal werde innerhalb zweier Generationen vollständig ausgeschaltet sein. Die Tatsache, daß das Land von 1911 bis 1916, in fünf Jahren, acht Staatsoberhäupter und vierundzwanzig Regierungen verbrauchte, sei nur am Rande vermerkt, zeigt aber mit aller Klarheit, daß Portugal immer hoffnungsloser und immer schneller der vollständigen Zerrüttung entgegenging. So war es vor 1917.

2. Mit dem Jahre 1917, nach den Erscheinungen zu Fatima, trat dann eine langsame, aber stetige Wendung zum Besseren ein. Schon zwei Jahre vorher hatte sich eine Vereinigung gebildet, die sich „Kreuzzug des Ro­senkranzes“ nannte, eine Vereinigung, deren Mitglieder durch ihr eifriges Rosenkranzgebet den Himmel durch die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau um die Ret­tung von Kirche und Vaterland bestürmen wollte. Und als dann Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz, wie sie sich selbst in Fatima nannte, bei allen sechs Erscheinun­gen zum täglichen Rosenkranzgebet eindringlich mahnte, da fand ihr Ruf im gläubigen Volke einen nachhaltigen Widerhall. Portugal wurde, so darf man wohl sagen, zu einem Lande des Rosenkranzes. Das Rosenkranzge­bet, das von 1917 ab in Fatima selbst sozusagen bei Tag und Nacht nicht mehr verstummte, wird seitdem land­auf und landab von Ungezählten ohne Unterlaß ver­richtet, und unter seinem Einfluß setzte eine Umwand­lung der Herzen ein. Portugal erlebte eine religiöse Auf­erstehung, die langsam auch auf das öffentliche Leben übergriff. Die kirchenfeindlichen Gesetze wurden nach und nach aufgehoben, die Ordensleute kehrten zurück. Die Berufe zum Priesterstand nahmen gewaltig zu. Die katholische Presse entwickelte sich zu hoher Blüte. Auf­sehenerregende Bekehrungen fanden statt. Mannhafte Katholiken übernahmen die Staatsführung. Die Kirche erhielt die volle Freiheit zurück. In Portugal, wo die katholische Kirche innerhalb zweier Generationen ver­schwinden sollte, ist sie heute im Volke fester denn je verwurzelt, während die Freimaurerei, ihre einst mächtige Gegnerin, zur Einflußlosigkeit verurteilt ist. Mit Recht schrieben die portugiesischen Bischöfe 1942 in einem gemeinsamen Hirtenbrief über Fatima: „Wer vor fünfundzwanzig Jahren die Augen geschlossen hätte und sie heute wieder öffnen würde, könnte Portugal nicht wiedererkennen, so tief und durchgreifend ist die Umwandlung, die durch die stille und unsichtbare Wirkkraft der Erscheinung der Königin des heiligen Rosenkranzes hervorgerufen wurde.“

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Anmerkung der Redaktion: Und wie steht es heute, was ist inzwischen – seit dem II. Vatikanischen Konzil – geschehen?