Im Wortlaut: Papstbotschaft zum nächsten Weltkrankentag

Dem Papst liegen die Kranken am Herzen, hier ein Besuch im Mutter-Teresa-Haus in Dhaka, Bangladesch – ANSA

Mater Ecclesiae: »“Siehe dein Sohn… Siehe deine Mutter“. Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich« (Joh 19,26-27).

 

Liebe Brüder und Schwestern,

der Dienst der Kirche an den Kranken und denjenigen, die für sie Sorge tragen, muss mit immer neuer Kraft weitergeführt werden, in Treue zum Auftrag des Herrn (vgl. Lk 9,2-6; Mt 10,1-8; Mk 6,7-13) und dem überaus wortgewandten Beispiel ihres Gründers und Meisters folgend.

Dieses Jahr kommt das Thema des Welttags der Kranken von den Worten, die Jesus, am Kreuz erhöht, an seine Mutter Maria und an Johannes richtet: »“Siehe dein Sohn… Siehe deine Mutter“. Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich« (Joh 19,26-27).

1. Diese Worte des Herrn beleuchten das Geheimnis des Kreuzes in der Tiefe. Dieses stellt nicht eine hoffnungslose Tragödie dar, sondern den Ort, an dem Jesus seine Herrlichkeit zeigt, und seinen letzten Willen der Liebe zurücklässt, der zu den Gründungsregeln der christlichen Gemeinschaft und des Lebens jedes Jüngers wird.

Die Worte Jesu begründen vor allem die mütterliche Berufung Marias im Hinblick auf die ganze Menschheit. Sie wird insbesondere die Mutter der Jünger ihres Sohnes werden und für sie und ihren Weg Sorge tragen. Und wir wissen, dass die mütterliche Sorge um einen Sohn oder eine Tochter sowohl die materiellen wie auch die geistigen Aspekte ihrer Erziehung umfasst.

Der unaussprechliche Schmerz des Kreuzes durchbohrt die Seele Marias (vgl. Lk 2,35), lähmt sie aber nicht. Im Gegenteil, als Mutter des Herrn beginnt für sie ein neuer Weg der Hingabe. Am Kreuz sorgt sich Jesus um die Kirche und die gesamte Menschheit und Maria ist gerufen, genau diese Sorge zu teilen. Die Apostelgeschichte zeigt uns in der Schilderung der großen Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten, dass Maria begonnen hat, ihre Aufgabe in der ersten Gemeinde der Kirche zu erfüllen. Eine Aufgabe, die niemals endet.

2. Der Lieblingsjünger Johannes verkörpert die Kirche, das messianische Volk. Er muss Maria als eigene Mutter anerkennen. Und in dieser Anerkennung ist er gerufen, sie zu sich zu nehmen, in ihr das Vorbild der Jüngerschaft und auch die mütterliche Berufung zu betrachten, die Jesus ihr anvertraut hat, mit den Sorgen und Plänen, die dies mit sich bringt: die Mutter, die liebt und Kinder hervorbringt, die fähig sind, gemäß dem Gebot des Herrn zu lieben. Deshalb geht die mütterliche Berufung Marias, die Berufung, für ihre Kinder zu sorgen, auf Johannes und die ganze Kirche über. Die ganze Gemeinschaft der Jünger ist in die mütterliche Berufung Marias hineingenommen.

3. Johannes weiß als Jünger, der mit Jesus alles geteilt hat, dass der Meister alle Menschen zur Begegnung mit dem Vater führen will. Er kann bezeugen, dass Jesus vielen geistig kranken Menschen begegnet ist, weil sie voll von Hochmut waren (vgl. Joh 8,31-39), ebenso aber auch körperlich Kranken (vgl. Joh 5,6). Allen hat er Barmherzigkeit und Vergebung geschenkt und den Kranken auch körperliche Heilung als Zeichen für das Leben in Fülle im Reich Gottes, wo jede Träne getrocknet wird. Wie Maria sind die Jünger gerufen, füreinander zu sorgen, aber nicht nur das. Sie wissen, dass das Herz Jesu für alle offen ist, ohne jemanden auszuschließen. Allen muss das Evangelium vom Reich Gottes verkündet werden, und die Nächstenliebe der Christen muss sich allen Bedürftigen zuwenden, einfach, weil sie Personen, Kinder Gottes sind.

4. Diese mütterliche Berufung der Kirche gegenüber den bedürftigen Menschen und den Kranken hat sich in ihrer zweitausendjährigen Geschichte in einer überreichen Reihe von Initiativen zugunsten der Kranken konkretisiert. Diese Geschichte der Hingabe ist nicht außer Acht zu lassen. Sie wird heute noch auf der ganzen Welt fortgesetzt. In den Ländern, wo es ausreichende Systeme für das Gesundheitswesen gibt, versucht die Arbeit der katholischen Kongregationen, der Diözesen und ihrer Krankenhäuser, über die Versorgung mit qualitativen medizinischen Behandlungen hinaus, die menschliche Person in den Mittelpunkt des therapeutischen Prozesses zu stellen und betreibt wissenschaftliche Forschung in der Achtung für das Leben und für die christlichen moralischen Werte. In den Ländern, wo die Gesundheitssysteme ungenügend oder inexistent sind, arbeitet die Kirche daran, den Menschen das Möglichste für die Gesundheitspflege anzubieten, um die Kindersterblichkeit zu beseitigen und einige weitverbreitete Krankheiten zu bekämpfen. Überall versucht sie zu behandeln, auch wenn sie nicht im Stande ist zu heilen. Das Bild der Kirche als „Feldlazarett“, das all diejenigen aufnimmt, die vom Leben verwundet wurden, ist eine ganz konkrete Wirklichkeit, weil es in einigen Teilen der Welt nur die Krankenhäuser der Missionare und der Diözesen sind, die die Bevölkerung mit den notwendigen Behandlungen versorgen.

5. Das Gedächtnis der langen Geschichte des Dienstes an den Kranken ist für die christliche Gemeinschaft Grund zur Freude und insbesondere für diejenigen, die gegenwärtig diesen Dienst versehen. Aber man muss auf die Vergangenheit schauen, vor allem um sich davon bereichern zu lassen. Von ihr müssen wir lernen: die Großzügigkeit bis zur völligen Selbstaufopferung vieler Gründer von Instituten im Dienst der Kranken; die aus der Liebe erweckte Kreativität vieler im Lauf der Jahrhunderte unternommener Initiativen; den Einsatz in der wissenschaftlichen Forschung, um den Kranken innovative und zuverlässige Behandlungen anzubieten. Dieses Erbe der Vergangenheit hilft dabei, die Zukunft gut zu planen: zum Beispiel, um die katholischen Krankenhäuser vor der Gefahr der Betriebsmentalität zu bewahren, die auf der ganzen Welt versucht, die Gesundheitspflege in den Bereich des Marktes eintreten zu lassen und so darin endet, die Armen auszuschließen. Die empathische Intelligenz und die Liebe verlangen vielmehr, dass die Person des Kranken in ihrer Würde geachtet wird und immer im Mittelpunkt des Behandlungsprozesses gehalten wird. Diese Einstellungen müssen auch denjenigen Christen zu eigen sein, die in den öffentlichen Strukturen tätig sind und mit ihrem Dienst gerufen sind, das Evangelium gut zu bezeugen.

6. Jesus hat der Kirche seine heilende Macht als Gabe hinterlassen: »Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: […] Und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden« (Mk 16,17-18). In der Apostelgeschichte lesen wir die Schilderung der von Petrus (vgl. Apg 3,4-8) und Paulus (vgl. Apg 14,8-11) gewirkten Heilungen. Der Gabe Jesu entspricht die Aufgabe der Kirche, die weiß, dass sie für die Kranken den gleichen von Zärtlichkeit und Erbarmen erfüllten Blick wie ihr Herr haben muss. Die Gesundheitspastoral bleibt und wird immer eine notwendige und wesentliche Aufgabe bleiben, die mit erneutem Schwung gelebt werden muss, angefangen von den Pfarrgemeinden bis hin zu den herausragenden Behandlungszentren. Wir können hier nicht die Zärtlichkeit und die Beharrlichkeit außer Acht lassen, mit der sich viele Familien um ihre eigenen Kinder, Eltern oder Verwandten, die chronisch krank oder schwerbehindert sind, kümmern. Die in der Familie erwiesene Pflege ist ein außerordentliches Zeugnis der Liebe für die menschliche Person und muss durch entsprechende Anerkennung und durch eine angemessene Politik unterstützt werden. Deshalb nehmen Ärzte und Krankenpfleger, Priester, Gottgeweihte und Ehrenamtliche, Familienangehörige und all diejenigen, die sich in der Krankenpflege engagieren, an dieser kirchlichen Sendung teil. Es ist eine geteilte Verantwortlichkeit, die den Wert des täglichen Dienstes eines jeden bereichert.

7. Maria, der Mutter der Zärtlichkeit, wollen wir alle an Körper und Geist Kranken anvertrauen, damit sie sie in der Hoffnung stütze. Sie bitten wir auch, uns zu helfen, gegenüber den kranken Brüdern Aufnahmebereitschaft zu zeigen. Die Kirche weiß darum, dass sie einer besonderen Gnade bedarf, um ihrem evangeliumsgemäßen Dienst der Krankenpflege gerecht zu werden. Daher möge uns das Gebet zur Mutter des Herrn alle in einem inständigen Flehen vereinen, damit jedes Glied der Kirche in Liebe die Berufung zum Dienst am Leben und der Gesundheit lebe. Die Jungfrau Maria möge für diesen 26. Welttag der Kranken Fürsprache einlegen; sie möge den kranken Menschen helfen, ihr Leiden in Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus zu leben und möge denjenigen beistehen, die für sie Sorge tragen. Allen, den Kranken, dem im Gesundheitswesen tätigen Personal und den Ehrenamtlichen erteile ich von Herzen den Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 26. November 2017, dem Hochfest unseres Herrn Jesu Christi, des Königs des Weltalls

_______

Quelle

Gedenktag U.L.F. in Lourdes – XXV. WELTTAG DER KRANKEN

5217678667_4d3578d788_b

GEDENKTAG UNSERER LIEBEN FRAU IN LOURDES
XVIII. WELTTAG DER KRANKEN

PREDIGT VON BENEDIKT XVI.

Petersdom
Donnerstag, 11. Februar 2010

(Video)
Bilder von der Feier

 

Meine Herren Kardinäle,
verehrte Mitbrüder im bischöflichen Dienst,
liebe Brüder und Schwestern!

Die Evangelien bezeugen in den knappen Schilderungen des kurzen, aber reichhaltigen öffentlichen Lebens Jesu, daß er das Wort Gottes verkündet und Kranke geheilt hat, was ein besonderes Zeichen für die Nähe des Gottesreiches ist. Matthäus zum Beispiel schreibt: »Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden« (Mt 4,23; vgl. 9,35). Die Kirche, der die Aufgabe anvertraut ist, im Raum und in der Zeit die Sendung Christi fortzuführen, darf diese beiden grundlegenden Werke nicht unbeachtet lassen: die Evangelisierung und die Sorge für die Kranken an Leib und Seele. Denn Gott will den ganzen Menschen heilen, und im Evangelium ist die Genesung des Leibes Zeichen einer tieferliegenden Heilung: der Vergebung der Sünden (vgl. Mk 2,1–12). Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß Maria, Mutter und Vorbild der Kirche, als »Salus infirmorum – Heil der Kranken« angerufen und verehrt wird. Als erste und vollkommene Jüngerin ihres Sohnes hat sie, während sie die Kirche auf ihrem Weg begleitet, immer eine besondere Fürsorge für die Kranken gezeigt. Davon legen die Tausenden von Menschen Zeugnis ab, die die Marienwallfahrtsorte aufsuchen, um die Mutter Christi anzurufen, und die in ihr Kraft und Trost finden. Das im Evangelium berichtete Ereignis der Heimsuchung (vgl. Lk 1,39–56) zeigt uns, wie die Jungfrau Maria nach der Verkündigung die empfangene Gabe nicht für sich behielt, sondern sich sofort aufmachte, um ihrer betagten Kusine Elisabet zu helfen, die seit sechs Monaten Johannes in ihrem Schoß trug. In der Hilfe, die Maria dieser Verwandten leistet, die in fortgerücktem Alter die schwierige Situation einer Schwangerschaft erlebt, sehen wir eine Vorwegnahme aller Aktivität der Kirche zur Unterstützung des der Fürsorge bedürftigen Lebens.

Der Päpstliche Rat für die Pastoral im Krankendienst, der vor 25 Jahren vom ehrwürdigen Diener Gottes Papst Johannes Paul II. eingerichtet wurde, ist zweifellos ein besonderer Ausdruck dieser Fürsorge. Meine Gedanken richten sich mit dankbarer Anerkennung an Kardinal Fiorenzo Angelini, den ersten Präsidenten des Dikasteriums und seit jeher begeisterter Animator dieses Bereichs der kirchlichen Aktivität, wie auch an Kardinal Javier Lozano Barragán, der bis vor einigen Monaten diesem Dienst Beständigkeit und Wachstum verliehen hat. Von Herzen begrüße ich dann den derzeitigen Präsidenten, Erzbischof Zygmunt Zimowski, der dieses wichtige und bedeutsame Erbe übernommen hat. In meinen Gruß schließe ich alle Offizialen und das gesamte Personal ein, das in diesem Vierteljahrhundert in lobenswerter Weise mit dieser Einrichtung des Heiligen Stuhls zusammengearbeitet hat. Darüberhinaus möchte ich die Vereinigungen und Einrichtungen begrüßen, die die Organisation des Welttags der Kranken übernehmen, insbesondere »Unitalsi« und die »Opera Romana Pellegrinaggi«. Mein herzlichster Willkommensgruß gilt natürlich euch, liebe Kranke! Danke, daß ihr gekommen seid und vor allem Danke für euer Gebet, das durch das Opfer eurer Mühen und Leiden bereichert wird. Mein Gruß gilt schließlich auch den Kranken und freiwilligen Helfern, die in Lourdes, Fatima, Tschenstochau und den anderen Marienwallfahrtsorten mit uns verbunden sind, sowie allen, die besonders in den Pflegeheimen oder zu Hause diese Feier über Radio oder Fernsehen verfolgen. Gott, der Herr, der beständig über seine Kinder wacht, schenke allen Trost und Ermutigung.

Zwei Hauptthemen stellt uns der heutige Wortgottesdienst vor Augen: Das erste Thema ist marianisch und verbindet das Evangelium mit der ersten, dem Schlußkapitel des Buches Jesaja entnommenen Lesung wie auch mit dem Antwortpsalm aus dem Lobgesang auf Judith. Das zweite Thema, das wir im Abschnitt aus dem Jakobusbrief finden, ist das Gebet der Kirche für die Kranken und insbesondere das für sie bestimmte Sakrament. Am Gedenktag der Erscheinungen in Lourdes – einem von Maria bevorzugten Ort, um ihre mütterliche Sorge für die Kranken zu offenbaren –, gibt es in der Liturgie treffenderweise Anklänge an das Magnifikat, den Gesang der Jungfrau, der die Wunder Gottes in der Heilsgeschichte preist: Die Demütigen und die Bedürftigen wie auch alle, die Gott fürchten, erfahren seine Barmherzigkeit, die das irdische Schicksal der Menschen umkehrt und so die Heiligkeit des Schöpfers und Erlösers zeigt. Das Magnifikat ist nicht der Gesang derer, denen das Glück winkt, die immer »Rückenwind« haben. Es ist eher das Danklied derer, die die Tragödien des Lebens kennen, aber auf das erlösende Handeln Gottes vertrauen. Es ist ein Gesang, der Ausdruck des im Schicksal geprüften Glaubens von Generationen von Männern und Frauen ist, welche ihre Hoffnung auf Gott gesetzt haben und sich wie Maria persönlich dafür einsetzen, den Brüdern und Schwestern in Not Hilfe zu bringen. Im Magnifikat hören wir die Stimme von vielen Heiligen der Nächstenliebe, Männern und Frauen. Insbesondere denke ich an diejenigen, die ihr Leben den Kranken und Leidenden gewidmet haben, wie Camillo de Lellis und Johannes von Gott, Damian de Veuster und Benedetto Menni. Wer den Leidenden lange Zeit nahe ist, kennt Angst und Tränen, aber auch das Wunder der Freude, die die Frucht der Liebe ist.

Die Mütterlichkeit der Kirche ist Abglanz der fürsorglichen Liebe Gottes, von der der Prophet Jesaja sagt: »Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch; in Jerusalem findet ihr Trost« (Jes 66,13). Eine Mütterlichkeit, die ohne Worte spricht, die in den Herzen Trost bewirkt, eine innere Freude, eine Freude, die paradoxerweise mit Schmerz und Leid zusammen existieren kann. Wie Maria bewahrt die Kirche in ihrem Inneren die Dramen des Menschen und den Trost Gottes, sie hält sie zusammen auf dem Pilgerweg der Geschichte. Durch die Jahrhunderte macht die Kirche die Zeichen der Liebe Gottes sichtbar, die weiterhin Großes an den demütigen und einfachen Menschen tut. Sind das angenommene und aufgeopferte Leiden, das echte und unentgeltliche Teilen nicht Wunder der Liebe? Der Mut, ohne Waffen dem Übel entgegenzutreten – wie Judith –, nur mit der Kraft des Glaubens an den Herrn und der Hoffnung auf ihn, ist das nicht ein Wunder, das die Gnade Gottes beständig in vielen Personen bewirkt, die Zeit und Energie einsetzen, um den Leidenden zu helfen? Deshalb leben wir in einer Freude, die das Leid nicht vergißt, ja es vielmehr versteht. So sind die Kranken und alle Leidenden in der Kirche nicht nur Empfänger von Aufmerksamkeit und Sorge, sondern zunächst und vor allem Protagonisten der Pilgerschaft des Glaubens und der Hoffnung, Zeugen der Wunder der Liebe, der österlichen Freude, die vom Kreuz und der Auferstehung Christi ausgeht.

Im eben verkündeten Abschnitt des Jakobusbriefes lädt der Apostel ein, beharrlich das nahe bevorstehende Kommen des Herrn zu erwarten, und gibt in diesem Zusammenhang eine besondere Ermahnung hinsichtlich der Kranken. Dieser Zusammenhang ist sehr interessant, denn er spiegelt das Handeln Jesu wider, der durch die Krankenheilungen die Nähe des Gottesreiches anzeigte. Die Krankheit wird aus der Perspektive der Endzeit gesehen, mit einem typisch christlichen Realismus der Hoffnung. »Ist einer von euch bedrückt? Dann soll er beten. Ist einer fröhlich? Dann soll er ein Loblied singen« (Jak 5,13). Wir hören ähnliche Worte beim hl. Paulus, wenn er einlädt, alles in Beziehung zur radikalen Neuheit Christi zu leben, zu seinem Tod und seiner Auferstehung (vgl. 1 Kor 7,29–31). »Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten« (Jak 5,14–15). Hier wird das fortdauernde Wirken Christi in seiner Kirche sichtbar: Er ist es immer noch, der durch die Priester handelt; es ist sein Heiliger Geist, der durch das sakramentale Zeichen des Öls wirkt; an ihn wendet sich der Glaube, der im Gebet Ausdruck findet; und wie es bei den von Jesus Geheilten geschah, kann man zu jedem Kranken sagen: Dein Glaube, gestützt vom Glauben deiner Brüder und Schwestern, hat dich gerettet.

Diesem Text, der die Grundlage und die Praxis des Sakraments der Krankensalbung enthält, ist zugleich eine bestimmte Sichtweise der Rolle der Kranken in der Kirche zu entnehmen: eine aktive Rolle, da sie sozusagen das gläubige Gebet »herausfordern«. »Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde, die Priester, zu sich.« In diesem Priester-Jahr möchte ich die Beziehung zwischen den Kranken und den Priestern unterstreichen, eine Art Bündnis, eine Art evangeliumsgemäßer »Hilfestellung«. Beide haben eine Aufgabe: Der Kranke soll die Priester »rufen«, und diese müssen antworten, um die Erfahrung der Krankheit in die Gegenwart und das Handeln des Auferstandenen und seines Heiligen Geistes zu stellen. Und hier können wir die ganze Bedeutung der Krankenpastoral erkennen, deren Wert tatsächlich unermeßlich ist wegen der großen Wohltat für die Kranken und die Priester in erster Linie, aber auch für die Familienangehörigen, die Bekannten, die Gemeinde und auf unbekannten und geheimnisvollen Wegen für die ganze Kirche und die Welt. Denn wenn das Wort Gottes von Heilung, Heil, Gesundheit des Kranken spricht, versteht es diese Begriffe in einem ganzheitlichen Sinn, ohne je Leib und Seele zu trennen: Ein durch das Gebet Jesu mittels der Kirche geheilter Kranker ist eine Freude auf der Erde und im Himmel, es ist die Erstlingsfrucht des ewigen Lebens.

Liebe Freunde, ich habe in der Enzyklika Spe salvi geschrieben: »Das Maß der Humanität bestimmt sich ganz wesentlich im Verhältnis zum Leid und zum Leidenden. Das gilt für den einzelnen wie für die Gesellschaft« (Nr. 38). Durch die Einrichtung eines der Pastoral im Krankendienst gewidmeten Dikasteriums wollte der Heilige Stuhl einen eigenen Beitrag leisten, auch um eine Welt zu fördern, die immer mehr fähig ist, den Kranken als Person anzunehmen und zu pflegen. Er wollte ihnen helfen, die Erfahrung der Krankheit in menschlicher Weise zu leben, nicht indem man sie verleugnet, sondern indem man ihr einen Sinn gibt. Ich möchte diese Betrachtungen mit einem Gedanken des ehrwürdigen Dieners Gottes Papst Johannes Paul II. beenden, den er mit seinem eigenen Leben bezeugt hat. Im Apostolischen Schreiben Salvifici doloris hat er gesagt: »Christus hat zugleich den Menschen gelehrt, durch das Leiden Gutes zu wirken und dem Gutes zu tun, der leidet. In diesem doppelten Aspekt hat er den Sinn des Leidens bis zum letzten enthüllt« (Nr. 30). Die Jungfrau Maria helfe uns, diese Sendung vollkommen zu erfüllen.

_______

Quelle

 

BOTSCHAFT VON JOHANNES PAUL II. ZUM WELTTAG DER KRANKEN 2004 

maxresdefault

15 Aout 2004 – 17h00 – ( Jean Paul II à la Grotte de MASSABIELLE )

An den verehrten Bruder
JAVIER Kard. LOZANO BARRAGÁN
Präsident des Päpstlichen Rates für die Pastoral im Krankendienst

1. Der Welttag der Kranken, eine Gedenkfeier, die jedes Jahr auf einem anderen Kontinent begangen wird, hat diesmal eine einzigartige Bedeutung. Sie findet nämlich in Lourdes, in Frankreich, statt, an jenem Ort, an dem die Jungfrau am 11. Februar 1858 erschienen ist und der seit dieser Zeit zum Ziel zahlreicher Pilgerfahrten wurde. Die Muttergottes wollte in dieser Gebirgsregion ihre mütterliche Liebe besonders den Leidenden und Kranken offenbaren. Seither ist sie auch weiterhin mit steter Fürsorge gegenwärtig.

Das Marienheiligtum wurde deshalb ausgewählt, weil im Jahr 2004 der 150. Jahrestag der Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis gefeiert wird. Es war der 8. Dezember 1854, als mein Vorgänger seligen Angedenkens, der sel. Pius IX., mit der dogmatischen Bulle Ineffabilis Deus die Lehre verkündete, »welche festhält, daß die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch die einzigartige Gnade und Bevorzugung des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechtes, von jeglichem Makel der Urschuld unversehrt bewahrt wurde« (DS 2803). In Lourdes sagte Maria damals in der örtlichen Mundart: »Que soy era Immaculada Councepciou

2. Wollte die Jungfrau mit diesen Worten nicht auch ihre Verbundenheit mit der Gesundheit und dem Leben zum Ausdruck bringen? Wenn durch die Erbsünde der Tod in die Welt kam, so hat Gott durch die Verdienste Jesu Christi Maria vor jeglichem Makel der Sünde bewahrt, und über uns ist das Heil und das Leben gekommen (vgl. Röm 5,12–21).

Das Dogma der Unbefleckten Empfängnis führt uns ein in die Herzensmitte des Geheimnisses der Erschaffung der Welt und der Erlösung (vgl. Eph 1,4–12; 3,9–11). Gott wollte dem Menschen das Leben in Fülle geben (Joh 10,10), machte jedoch seinen Plan von einer freien und wohlwollenden Antwort abhängig. Mit der Ablehnung dieser Gabe durch den Ungehorsam, der zur Sünde führte, hat der Mensch den lebensnotwendigen Dialog mit dem Schöpfer auf tragische Weise unterbrochen. Dem »Ja« Gottes, Quelle des Lebens in Fülle, stellte sich das »Nein« des Menschen entgegen, erfüllt von hochmütiger Selbstgenügsamkeit als Vorbote des Todes (vgl.Röm 5,19).

Die gesamte Menschheit wurde zutiefst von dieser Verschlossenheit gegenüber Gott erfaßt. Nur Maria von Nazaret wurde im Hinblick auf die Verdienste Christi von jeglichem Makel der Urschuld bewahrt und völlig in den göttlichen Plan aufgenommen, damit der himmlische Vater in ihr das Vorhaben, das er für die Menschen vorgesehen hatte, verwirklichen konnte.

Die Unbefleckte Empfängnis deutet auf die harmonische Verflechtung zwischen dem »Ja« Gottes und dem »Ja« Marias hin, das sie in völliger Hingabe aussprach, als ihr der Engel die Frohe Botschaft überbrachte (vgl. Lk 1,38). Dieses »Ja« im Namen der Menschheit eröffnet der Welt erneut die Pforten zum Paradies dank des Wortes Gottes, das in ihr durch das Wirken des Heiligen Geistes Fleisch geworden ist (vgl. Lk 1,35). Der ursprüngliche Schöpfungsplan wird auf diese Weise in Christus erneuert und bekräftigt; und in diesem Plan findet auch sie, die Jungfrau und Mutter, Platz.

3. Dies ist der Schlüssel zur Wende der Geschichte: Mit der Unbefleckten Empfängnis Mariens hat das große Erlösungswerk begonnen, das sich im kostbaren Blut Christi verwirklicht hat. In Ihm ist jede Person aufgerufen, sich ganz bis zur Vollkommenheit der Heiligkeit zu verwirklichen (vgl. Kol 1,28).

Die Unbefleckte Empfängnis ist deshalb die verheißungsvolle Morgenröte des strahlenden Tages Christi, der durch seinen Tod und seine Auferstehung die vollkommene Eintracht zwischen Gott und der Menschheit wiederherstellen wird. Wenn Jesus die Quelle des Lebens ist, die den Tod besiegt, so ist Maria die fürsorgliche Mutter, die auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingeht und für sie die Gesundheit an Seele und Körper erwirkt. Das ist die Botschaft, die das Heiligtum von Lourdes fortwährend den Gläubigen und Pilgern vermittelt. Das ist auch die Bedeutung der körperlichen und geistlichen Heilungen, die sich an der Grotte von Massabielle ereignen.

Seit dem Tag, an dem die Jungfrau Bernadette Soubirous erschienen ist, hat Maria an jenem Ort Schmerzen gelindert und Krankheiten geheilt und somit vielen ihrer Kinder das körperliche Wohlbefinden wiedergeschenkt. Weit unvorhersehbarere Wunder hat sie jedoch in den Seelen der Gläubigen gewirkt, indem sie ihre Herzen öffnete für die Begegnung mit ihrem Sohn Jesus als wahre Antwort auf die innerste Sehnsucht des menschlichen Herzens. Der Heilige Geist, der im Augenblick der Menschwerdung des Wortes über sie kam, verwandelt die Seelen zahlloser Kranker, die sich ihr zuwenden. Auch wenn sie die Gabe der körperlichen Heilung nicht erhalten, so empfangen sie stets ein weit wichtigeres Geschenk: die Umkehr des Herzens als Quelle des Friedens und der inneren Freude. Diese Gabe verändert ihr Leben und macht sie zu Aposteln des Kreuzes Christi, Zeichen der Hoffnung, auch angesichts der härtesten und schwersten Prüfungen.

4. In dem Apostolischen Schreiben Salvifici doloris betonte ich, daß das Leiden zur Transzendenz des Menschen gehört, der lernen muß, es zu akzeptieren und es zu bewältigen (vgl. Nr. 2). Aber wie könnte ihm dies gelingen, wenn nicht durch das Kreuz Christi?

Im Tod und in der Auferstehung des Erlösers findet das menschliche Leiden seinen tiefsten Sinn und seinen heilbringenden Wert. All die Last der Bedrängnis und der Schmerzen der Menschheit gründet im Geheimnis eines Gottes, der, indem er für uns Mensch geworden ist, sich erniedrigt und sich »für uns zur Sünde« gemacht hat (2 Kor 5,21). Auf Golgota hat er die Schuld jedes Menschen auf sich genommen, und in seiner Einsamkeit und Verlassenheit zum Vater gerufen: »Warum hast du mich verlassen?« (Mt 27,46).

Vom Paradoxon des Kreuzes leitet sich die Antwort auf unsere bedrängendsten Fragen ab. Christus leidet für uns: Er nimmt das Leid aller auf sich und befreit uns von ihm. Christus leidet mit uns, wodurch er uns ermöglicht, mit ihm unsere Schmerzen zu teilen. In Verbindung mit dem Leiden Christi wird das menschliche Leiden zum Heilswerk. Eben deshalb kann sich der Gläubige den Worten des hl. Paulus anschließen: »Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt« (Kol 1,24). Der im Glauben angenommene Schmerz wird zur Pforte, um in das Geheimnis des erlösenden Leidens des Herrn einzutreten. Es ist ein Leiden, das uns nicht mehr des inneren Friedens und des Glücks beraubt, denn es ist erleuchtet vom Glanz der Auferstehung.

5. Zu Füßen des Kreuzes leidet Maria im Stillen und nimmt so auf besondere Weise an den Qualen ihres Sohnes teil. Sie wird zur Mutter der Menschheit, die bereit ist, Fürsprache einzulegen, damit jeder Mensch das Heil erlangt (vgl. Apostolisches Schreiben Salvifici doloris, 25).

In Lourdes ist es nicht schwer, diese einzigartige Teilhabe der Gottesmutter am heilbringenden Erlösungswerk Christi zu verstehen. Das Wunder der Unbefleckten Empfängnis erinnert die Gläubigen an eine grundlegende Wahrheit: Nur durch die fügsame Mitwirkung am Plan des Vaters ist es möglich, das Heil zu erwirken, denn er wollte die Welt durch den Tod und die Auferstehung seines eingeborenen Sohnes erlösen. Durch das Sakrament der Taufe wird der Gläubige in diesen Heilsplan eingeführt und von der Erbsünde befreit. Krankheit und Tod verlieren – wenn sie auch im irdischen Leben weiter fortbestehen – ihren negativen Sinn. Im Licht des Glaubens wird der körperliche Tod, der vom Tod Christi besiegt ist (vgl. Röm 6,4), zum unumgänglichen Übergang zur Fülle der Unsterblichkeit.

6. In unserer Zeit wurden große Schritte unternommen bei der wissenschaftlichen Erforschung des Lebens, dieses fundamentalen Geschenkes Gottes, dessen Verwalter wir sind. Das Leben muß angenommen, respektiert und verteidigt werden von seinem Beginn an bis zum natürlichen Tod. Mit ihm soll die Familie als Wiege jedes entstehenden Lebens geschützt werden.

Es wird mittlerweile allgemein von der »Gentechnologie« gesprochen, wobei man auf die außerordentlichen Möglichkeiten verweist, die die Wissenschaft bietet, um auf den Ursprung des Lebens einzuwirken. Jeder wahre Fortschritt in diesem Bereich kann nur ermutigt werden, vorausgesetzt, er respektiert immer die Rechte und Würde der Person vom Augenblick der Empfängnis an. Denn niemand darf es sich anmaßen, das Leben eines Menschen wahllos zu zerstören oder zu manipulieren. Es ist der besondere Auftrag der in der Pastoral im Krankendienst tätigen Personen, alle Menschen, die in diesem schwierigen Sektor arbeiten, dahingehend zu sensibilisieren, daß sie ihre Tätigkeit im Dienst am Leben ausführen.

Anläßlich des Welttages der Kranken möchte ich allen danken, die in der Pastoral im Krankendienst arbeiten, besonders den Bischöfen, die in Euren jeweiligen Bischofskonferenzen diesen Sektor betreuen, den Krankenhausseelsorgern, den Pfarrern und allen weiteren Priestern, die in diesem Bereich wirken, den Orden und religiösen Kongregationen, den freiwilligen Helfern und all jenen, die nicht müde werden, ein treues Zeugnis vom Tod und von der Auferstehung des Herrn angesichts von Leid, Schmerz und Tod abzulegen.

Meine Anerkennung möchte ich auf die im Gesundheitswesen Tätigen ausweiten, auf das medizinische und paramedizinische Personal, die Forscher, besonders auf jene, die sich mit der Herstellung von neuen Heilmitteln und der Produktion von schwer zugänglichen Medikamenten auch für weniger begüterte Menschen befassen.

Alle vertraue ich der allerseligsten Jungfrau an, die im Heiligtum von Lourdes in ihrer Unbefleckten Empfängnis verehrt wird. Möge sie jedem Christen helfen, Zeugnis davon abzulegen, daß die einzige wahre Antwort auf den Schmerz, das Leid und den Tod Christus ist, unser Herr, der gestorben und für uns auferstanden ist.

Mit diesen Empfindungen erteile ich Ihnen, verehrter Bruder und allen, die an der Feier des Welttages der Kranken teilnehmen, meinen besonderen Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, 1. Dezember 2003

JOHANNES PAUL II

_______

Quelle

Im Wortlaut: Die Papstbotschaft zum Weltkrankentag 2017

ossrom125566_articolo

Papst Franziskus herzt kranke Kinder

Der Vatikan hat an diesem Donnerstag die Papstbotschaft zum 25. Welttag der Kranken am kommenden 11. Februar veröffentlicht. Radio Vatikan dokumentiert die Botschaft in der offiziellen deutschen Übersetzung. (rv)

 

Botschaft von Papst Franziskus
zum XXV. Welttag der Kranken 2017

Staunen über das, was Gott vollbringt:
» Der Mächtige hat Großes an mir getan « (Lk 1,49)

 

Liebe Brüder und Schwestern,

am kommenden 11. Februar wird in der ganzen Kirche – und besonders in Lourdes – der XXV. Weltkrankentag begangen mit dem Thema: Staunen über das, was Gott vollbringt: » Der Mächtige hat Großes an mir getan « (Lk 1,49). Dieser Tag wurde 1992 von meinem Vorgänger, dem heiligen Johannes Paul II., eingeführt und zum ersten Mal am 11. Februar 1993 gerade in Lourdes gefeiert. Er bietet eine Gelegenheit, der Lage der Kranken und ganz allgemein der Leidenden besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Zugleich ist er eine Einladung an die, welche sich ihnen aufopferungsvoll widmen – angefangen bei den Angehörigen, den Pflegekräften und den Freiwilligen –, Dank zu sagen für die vom Herrn empfangene Berufung, die kranken Brüder und Schwestern zu begleiten. Darüber hinaus erneuert dieser jährliche Gedenktag in der Kirche die geistige Kraft, um jenen grundlegenden Aspekt ihrer Sendung, nämlich den Dienst an den Letzten, den Kranken, den Leidenden, den Ausgeschlossenen und den an den Rand Gedrängten immer so gut wie möglich zu verwirklichen (vgl. JOHANNES PAUL II., Motu proprio Dolentium hominum, 11. Februar 1985, 1). Sicherlich werden die Momente des Gebetes, die Eucharistiefeiern und die Krankensalbung, das Miteinander mit den Kranken und die bioethischen und pastoraltheologischen Vertiefungen, die während dieser Tage in Lourdes stattfinden werden, einen neuen wichtigen Beitrag zu diesem Dienst leisten.

Indem ich mich schon jetzt im Geist zur Grotte von Massabielle und vor das Bild der unbefleckt empfangenen Jungfrau Maria begebe, an der der Allmächtige Großes getan hat für die Erlösung der Menschheit, möchte ich euch allen, liebe Brüder und Schwestern, die ihr die Erfahrung des Leidens durchlebt, wie auch euren Familien meine Nähe kundtun. Zugleich möchte ich meine Wertschätzung gegenüber all denen zum Ausdruck bringen, die in den verschiedenen Rollen und in allen über die Welt verstreuten medizinischen Einrichtungen mit Kompetenz, Verantwortlichkeit und Hingabe für die Linderung eurer Leiden, für eure Pflege und für euer tägliches Wohlergehen arbeiten. Euch alle – Kranke, Leidende, Ärzte, Pflegekräfte, Angehörige und Freiwillige – möchte ich anregen, in Maria, dem Heil der Kranken, die Garantin für die zärtliche Liebe Gottes zu jedem Menschen und das Vorbild der Ergebenheit in Gottes Willen zu betrachten. Findet in einem Glauben, der aus dem Wort Gottes und den Sakramenten seine Nahrung zieht, immer die Kraft, Gott und die Mitmenschen auch in der Erfahrung der Krankheit zu lieben!

Wie die heilige Bernadette trifft uns der Blick Marias. Das einfache Mädchen von Lourdes erzählt, dass die Jungfrau, die sie als „die schöne Frau“ bezeichnet, sie ansah, wie man eine Person ansieht. Diese schlichten Worte beschreiben die Fülle einer Beziehung. Die arme, ungebildete und kranke Bernadette fühlt sich von Maria als Person angeschaut. Die „schöne Frau“ spricht zu ihr mit großem Respekt, ohne Bemitleidung. Das erinnert uns daran, dass jeder Kranke immer eine menschliche Person ist und bleibt und als solche behandelt werden muss. Die Kranken wie die Menschen mit – auch schwersten – Behinderungen haben ihre unveräußerliche Würde und ihre Aufgabe im Leben; nie werden sie zu bloßen Objekten, selbst wenn sie manchmal als nur passiv erscheinen mögen, was aber in Wirklichkeit nie der Fall ist.

Nachdem Bernadette an der Grotte gewesen ist, verwandelt sie durch das Gebet ihre Gebrechlichkeit in Unterstützung für die anderen, wird durch die Liebe fähig, ihren Nächsten zu bereichern und bietet vor allem ihr Leben für das Heil der Menschheit dar. Dass die „schöne Frau“ sie bittet, für die Sünder zu beten, erinnert uns daran, dass die Kranken und Leidenden nicht nur den Wunsch zu genesen in sich tragen, sondern auch ein christliches Leben führen wollen und so weit kommen, es als echte missionarische Jünger Christi hinzugeben. Bernadette erhält von Maria die Berufung, den Kranken zu dienen; sie soll eine „Schwester der Nächstenliebe“ sein – eine Aufgabe, die sie in so hohem Maße erfüllt, dass sie zu einem Vorbild wird, auf das sich jeder und jede im Pflegedienst Tätige beziehen kann. Bitten wir also die „Unbefleckte Empfängnis“ um die Gnade, dass wir es verstehen, in unserer Beziehung zum Kranken immer den Menschen zu sehen, der zwar der Hilfe bedarf und bisweilen sogar für die elementarsten Dinge, der aber seine persönliche Gabe  in sich trägt, um sie mit den anderen zu teilen.

Der Blick Marias, der Trösterin der Betrübten, erleuchtet das Antlitz der Kirche in ihrem täglichen Einsatz für die Bedürftigen und die Leidenden. Die kostbaren Früchte dieser Bemühung der Kirche um die Welt des Leidens und der Krankheit sind ein Grund, Jesus, dem Herrn, zu danken: Er ist für uns eingestanden, im Gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters und bis zum Tod am Kreuz, damit die Menschheit erlöst würde. Die Solidarität Christi, des von Maria geborenen Sohnes Gottes, ist der Ausdruck der barmherzigen Allmacht Gottes, die sich in unserem Leben zeigt – vor allem, wenn es gebrechlich, verletzt, gedemütigt, ausgegrenzt und leidend ist – und ihm die Kraft der Hoffnung einflößt, die uns wieder aufstehen lässt und uns unterstützt.

So viel Reichtum an Menschlichkeit und Glaube darf nicht verloren gehen, sondern muss uns vielmehr helfen, uns mit unseren menschlichen Schwächen und zugleich mit den Herausforderungen auf dem Gebiet des Gesundheitswesens und der Technologie auseinanderzusetzen. Anlässlich des Weltkrankentags wollen wir uns erneut aufschwingen, um zur Verbreitung einer Kultur beizutragen, die dem Leben, der Gesundheit und der Umwelt mit Respekt begegnet; können wir einen neuen Impuls empfangen, um für die Achtung der Ganzheitlichkeit und der Würde des Menschen zu kämpfen, auch indem wir die bioethischen Fragen, die Fürsorge für die Schwächsten und den Umweltschutz in rechter Weise angehen.

Anlässlich des XXV. Welttags der Kranken wiederhole ich, dass ich euch allen mit meinem Gebet und meiner Ermutigung nahe bin: den Ärzten, den Pflegekräften, den Freiwilligen und allen im Dienst an den Kranken und Bedürftigen beschäftigten Ordensleuten, den in diesem Bereich tätigen kirchlichen und zivilen Einrichtungen sowie den Familien, die sich liebevoll um ihre kranken Angehörigen kümmern. Allen wünsche ich, dass sie immer frohe Zeichen der Gegenwart und der Liebe Gottes sind und so das leuchtende Zeugnis vieler Freunde und Freundinnen Gottes nachahmen. Unter diesen erinnere ich an den heiligen Johannes von Gott und den heiligen Kamillus von Lellis, die Schutzpatrone der Krankenhäuser und der Pflegekräfte, und an die heilige Mutter Teresa von Kalkutta, die Missionarin der Zärtlichkeit Gottes.

Liebe Brüder und Schwestern, lasst uns alle gemeinsam – Kranke, Pflegekräfte und Freiwillige – unser Gebet zu Maria erheben, dass ihre mütterliche Fürsprache unseren Glauben stütze und begleite. Sie erlange für uns von Christus, ihrem Sohn, dass wir auf dem Weg der Heilung und der Gesundheit voller Hoffnung sind, dass wir ein Gespür haben für Brüderlichkeit und Verantwortung, dass wir uns für die ganzheitliche menschliche Entwicklung einsetzen und dass wir jedes Mal, wenn sie uns mit ihrer Treue und ihrer Barmherzigkeit in Erstaunen versetzt, die Freude der Dankbarkeit empfinden.

 

O Maria, unsere Mutter,

die du in Christus jeden von uns als Sohn oder Tochter annimmst,

unterstütze die zuversichtliche Erwartung unseres Herzens,

steh uns bei in unseren Krankheiten und Leiden,

führe uns zu Christus, deinem Sohn und unserem Bruder,

und hilf uns, dass wir uns dem Vater anvertrauen, der Großes vollbringt.

 

Euch allen versichere ich mein stetes Gebetsgedenken und erteile euch von Herzen den Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 8. Dezember 2016, dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau Maria

_______

Quelle

Siehe auch:

BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS ZUM XXIII. WELTTAG DER KRANKEN 2015

Sapentia cordis
»Auge war ich für den Blinden, dem Lahmen wurde ich zum Fuß«
(Ijob 29,15)

 

Liebe Brüder und Schwestern,

anlässlich des XXIII. Weltkrankentags, der seinerzeit vom heiligen Johannes Paul II. eingeführt wurde, wende ich mich an euch alle, die ihr die Last der Krankheit tragt und auf verschiedene Weise mit dem Leib des leidenden Christus verbunden seid, wie auch an euch Berufstätige und Freiwillige im Bereich des Gesundheitswesens.

Das Thema dieses Jahres lädt uns ein, über ein Wort aus dem Buch Ijob nachzudenken: » Auge war ich für den Blinden, dem Lahmen wurde ich zum Fuß « (29,15). Ich möchte es aus der Perspektive der „sapientia cordis“, der Weisheit des Herzens tun.

1. Diese Weisheit ist nicht eine theoretische, abstrakte Erkenntnis, Frucht einer Überlegung. Sie ist vielmehr – wie der heilige Jakobus sie in seinem Brief beschreibt – » erstens heilig, sodann friedlich, freundlich, gehorsam, voll Erbarmen und reich an guten Früchten, sie ist unparteiisch, sie heuchelt nicht « (3,17). Sie ist also eine vom Heiligen Geist eingegebene Geistes- und Herzenshaltungdessen, der sich dem Leiden der Mitmenschen zu öffnen weiß und in ihnen das Abbild Gottes erkennt. Machen wir uns daher die Bitte aus dem Psalm zu Eigen: » Unsre Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz « (90,12). In dieser sapientia cordis, die ein Geschenk Gottes ist, können wir die Früchte des Weltkrankentags zusammenfassen.

2. Weisheit des Herzens bedeutet, dem Mitmenschen zu dienen. In der Rede des Ijob, aus der das Wort stammt: » Auge war ich für den Blinden, dem Lahmen wurde ich zum Fuß «, wird die Dimension des Dienstes an den Notleidenden deutlich, den dieser gerechte Mann geleistet hat, der eine gewisse Autorität besitzt und einen Ehrenplatz unter den Ältesten der Stadt einnimmt. Seine moralische Größe zeigt sich im Dienst am Armen, der um Hilfe schreit, und in der Sorge für den Waisen und die Witwe (vgl. 29,12-13).

Wie viele Christen bezeugen auch heute – nicht mit Worten, sondern mit ihrem in einem aufrichtigen Glauben verwurzelten Leben –, dass sie „Auge für den Blinden“ und „Fuß für den Lahmen“ sind! Menschen, welche den Kranken nahe sind, die einer ständigen Betreuung bedürfen, einer Hilfe, um sich zu waschen, um sich anzuziehen, um zu essen. Dieser Dienst kann, besonders wenn er sich über lange Zeit hinzieht, mühsam und drückend werden. Es ist relativ leicht, einige Tage lang zu dienen, schwierig aber ist es, einen Menschen über Monate oder sogar Jahre hin zu pflegen, auch wenn dieser nicht mehr in der Lage ist zu danken. Und doch, welch wichtiger Weg der Heiligung ist dies! In solchen Zeiten kann man sich in besonderer Weise auf die Nähe des Herrn verlassen, und man unterstützt auch auf ganz eigene Art die Sendung der Kirche.

3. Weisheit des Herzens bedeutet, bei dem Mitmenschen zu verweilen. Die an der Seite des Kranken verbrachte Zeit ist eine heilige Zeit. Sie ist ein Lob Gottes, der uns nach dem Bild seines Sohnes gestaltet, der » nicht gekommen [ist], um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele « (Mt 20,28). Jesus selbst hat gesagt: » Ich aber bin unter euch wie der, der bedient « (Lk 22,27).

Bitten wir in lebendigem Glauben den Heiligen Geist, dass er uns die Gnade schenke, den Wert der oftmals schweigenden Begleitung zu erkennen. Das wird uns dazu führen, Zeit zu haben für diese Schwestern und Brüder, die sich dank unserer Nähe und unserer Zuneigung mehr geliebt und getröstet fühlen. Welch große Lüge verbirgt sich dagegen hinter gewissen Äußerungen, die so beharrlich die „Lebensqualität“ betonen, um zu dem Glauben zu verleiten, ein von schwerer Krankheit befallenes Leben sei nicht wert, gelebt zu werden!

4. Weisheit des Herzens bedeutet, aus sich selbst heraus- und auf den Mitmenschen zuzugehen. Unsere Welt vergisst manchmal den besonderen Wert der am Krankenbett verbrachten Zeit, weil man von der Eile, von der Hektik des Tuns, des Produzierens bedrängt ist und die Dimension der Unentgeltlichkeit vergisst, den Aspekt, den anderen zu umsorgen und sich  seiner anzunehmen. Letztlich liegt hinter dieser Haltung oft ein halbherziger Glaube, der jenes Wort des Herrn vergessen hat, der sagt: » Das habt ihr mir getan « (Mt 25,40).

Deshalb möchte ich noch einmal erinnern an » die absolute Vorrangigkeit des „Aus-sich-Herausgehens auf den Mitmenschen zu“ als eines der beiden Hauptgebote, die jede sittliche Norm begründen, und als deutlichstes Zeichen, anhand dessen man den Weg geistlichen Wachstums als Antwort auf das völlig ungeschuldete Geschenk Gottes überprüfen kann « (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 179). Aus der missionarischen Natur der Kirche selbst entspringt » die wirkliche Nächstenliebe, das Mitgefühl, das versteht, beisteht und fördert « (ebd.).

5. Weisheit des Herzens bedeutet, solidarisch mit dem Mitmenschen zu sein, ohne ihn zu beurteilen. Die Nächstenliebe braucht Zeit. Zeit, um die Kranken zu pflegen, und Zeit, um sie zu besuchen. Zeit, um bei ihnen zu verweilen, wie es die Freunde Ijobs taten: » Sie saßen bei ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte; keiner sprach ein Wort zu ihm. Denn sie sahen, dass sein Schmerz sehr groß war« (Ijob 2,13). Doch die Freunde Ijobs verbargen in ihrem Innern ein negatives Urteil über ihn: Sie meinten, sein Unglück sei die Strafe Gottes für eine Schuld. Die wahre Nächstenliebe ist hingegen eine Teilnahme, die nicht urteilt, die sich nicht anmaßt, den anderen zu bekehren; sie ist frei von jener falschen Demut, die unterschwellig Anerkennung sucht, und freut sich über das vollbrachte Gute.

Die Erfahrung Ijobs findet ihre authentische Antwort allein im Kreuz Jesu, dem äußersten, völlig ungeschuldeten, ganz und gar barmherzigen Akt der Solidarität Gottes mit uns. Und diese Antwort der Liebe auf die Tragödie des menschlichen Leidens – speziell des unschuldigen Leidens – bleibt dem Leib des auferstandenen Christus für immer eingeprägt, in jenen glorreichen Wunden, die ein Ärgernis für den Glauben, aber auch ein Nachweis für den Glauben sind (vgl. Homilie zur Heiligsprechung von Johannes XXIII. und Johannes Paul II., 27. April 2014).

Auch wenn die Krankheit, die Einsamkeit und die Unfähigkeit die Oberhand über unser Leben der Hingabe gewinnen, kann die Erfahrung des Leidens ein bevorzugter Ort der Vermittlung der Gnade sein und eine Quelle, um die sapientia cordis zu erwerben und zu stärken. Darum versteht man, wieso Ijob sich am Ende seiner Erfahrung mit den Worten an Gott wenden kann: » Vom Hörensagen nur hatte ich von dir vernommen; jetzt aber hat mein Auge dich geschaut « (42,5). Auch die im Geheimnis von Leid und Schmerz versunkenen Menschen können, wenn dieses im Glauben angenommen wird, lebendige Zeugen eines Glaubens werden, der es erlaubt, sich im Leiden selbst niederzulassen, obwohl der Mensch mit seiner Intelligenz nicht fähig ist, es bis zum Grunde zu begreifen.

6. Ich vertraue diesen Welttag der Kranken dem mütterlichen Schutz Marias an, die die menschgewordene Weisheit, Jesus Christus, unseren Herrn, in ihrem Schoß empfangen und geboren hat.

O Maria, Sitz der Weisheit, tritt du als unsere Mutter für alle Kranken ein und für die, welche sie pflegen. Gib, dass wir im Dienst am leidenden Nächsten und durch die eigene Erfahrung des Schmerzes die wahre Weisheit des Herzens aufnehmen und in uns wachsen lassen können.

Diese inständige Bitte für euch alle begleite ich mit meinem Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 3. Dezember 2014, dem Gedenktag des heiligen Franz Xaver

Franziskus

_______

Quelle