FATIMA: Der gemeinsame Hirtenbrief der portugiesischen Bischöfe von 1966

09-12-05128

Fünfzigjahrfeier der Erscheinungen der Gottesmutter von Fatima

(1917-1967)

Gemeinsamer Hirtenbrief des portugiesischen Episkopates
vom 29. Juni 1966

1.

Drei Hirtenkinder vom Gebirge Aire („Serra de Aire“), Lucia, Francisco und Jacinta, behaupteten, Unsere Liebe Frau in der Cova da Iria an den Dreizehnten von Mai bis Oktober 1917 gesehen zu haben (außer dem 13. August; dafür er­schien ihnen Maria am 19. August in den Valinhos). Und sie erklärten, daß die Erscheinung zu ihnen gesprochen hätte, indem sie sie aufforderte, den Rosen­kranz zu beten und Buße zu tun, um das Ende des Krieges zu erlangen und die Seelen vom Weg des Verderbens abzuwenden. Sie bestätigten diese Behauptungen mit der Voraussage von außergewöhnlichen Ereignissen, die sich zu gegebener Zeit erfüllten, insbesondere ein Sonnenwunder, das am Tag der letzten Erscheinung von Tausenden von Personen gesehen wurde.

Die Nachricht erweckte eine ungewöhnliche Pilgerbewegung, die allen Schwie­rigkeiten zum Trotz dauernd die Wege nach Fatima erfüllen. Die Hirtenkinder, die am 13. Mai alleine waren, wurden am 13. Oktober schon von mehr als 50 000 Personen begleitet. Und hernach sollten die Wallfahrten 500 000, 800 000 Perso­nen und selbst eine Million erreichen, die von allen Kontinenten kamen.

Schnell sollte man zur Einsicht gelangen, daß die Geschehnisse in der Cova da Iria die am meisten hervorstechende Tatsache der ganzen religiösen Geschichte Portugals waren.

Inzwischen studierte die Kirche ohne Überstürzung diese Geschehnisse und setzte einen genauen kanonischen Prozeß ein, der sich acht Jahre lang erstreckte und gestattete, alle möglichen Zeugenaussagen zu sammeln und besonders den entscheidenden Beweis der Zeit festzustellen.

Am 13. Oktober 1930, dreizehn Jahre nach der letzten Erscheinung, als es allen schien, daß man den Anforderungen der Klugheit der Kirche schon zuviel gerecht geworden war, formulierte der Prälat von Leiria sein Urteil folgendermaßen:

„Aufgrund der dargelegten Erwägungen und anderer, die wir der Kürze wegen unterlassen, indem wir demütig den Göttlichen Heiligen Geist anrufen und auf den Schutz der Allerseligsten Jungfrau Maria vertrauen, und nachdem wir die hochwürdigsten Konsultoren dieser unserer Diözese gehört haben, halten wir es für gut, die Visionen der Kinder in der Cova da Iria, die zur Pfarre Fatima in dieser Diözese gehört, an den Dreizehnten von Mai bis Oktober als glaubwürdig zu erklären.“ (Dom José Alves Correia da Silva — Hirtenbrief „Die göttliche Vorsehung“ vom 13. Oktober 1930.)

Seither vervielfältigten sich bis heute die klarsten Zeugnisse des Denkens der Kirche über die Realität der Erscheinungen Unserer Lieben Frau in Fatima.

Es waren nicht nur die Bischöfe Portugals, die einzeln oder zusammen den Wallfahrten vorstanden; es kamen Bischöfe von überallher und Kardinäle der heiligen Kirche.

Der Papst selber hat viele Gelegenheiten benützt, um seine Einstellung zu bekunden.

Pius XII. vollzog die Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens am 31. Oktober 1942 in der Radiobotschaft, in der er sich den Feierlichkeiten des 25. Jahrestages der Erscheinungen anschloß. Zum 13. Mai 1946 sandte derselbe Papst einen Legaten nach Fatima, um das Bildnis Unserer Lieben Frau zu krönen. Und weiterhin erwählte im Jahre 1951 Pius XII. das Heiligtum von Fatima, damit man in ihm den feierlichen Abschluß des Heiligen Jahres vollziehe.

Johannes XXIII. erwählte Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz zu Fatima zur Hauptpatronin der Diözese Leiria und setzte das diesbezügliche liturgische Fest, mit eigenem Offizium und Meßformular, auf den 13. Mai eines jeden Jahres fest; und wir wissen, daß er sich immer mit Zartgefühl an sein Kommen zum Heiligtum als Pilgerkardinal am 13. Mai 1956 erinnerte.

Gleich bei seinem ersten Zusammentreffen mit portugiesischen Prälaten emp­fahl sich Paul VI. den Gebeten des Heiligtums Fatima; und in der Schlußfeier der dritten Periode des Konzils, nachdem er Unsere Liebe Frau zur Mutter der Kirche proklamiert hatte, verkündete er: Wir haben Uns entschieden, die Goldene Rose an das Heiligtum von Fatima zu senden, das nicht nur gar sehr beliebt ist beim Volk der edlen portugiesischen Nation — das Wir immer und besonders heute sehr lieben —, sondern das auch schon alle Gläubigen der katholischen Familie kennen und hochschätzen.“ (Paul VI. — Ansprache beim Abschluß der dritten Session des Zweiten Vatikanischen Konzils, 21. November 1964, AAS 56 [1964], Seite 1017.)

Die Geschichte registiert viele andere Beweise des Wohlwollens, die die Päpste gaben; jedoch diese genügen, um aufzuzeigen, wie die Hierarchie der Kirche wäh­rend dieser fünfzig Jahre die Ereignisse in der Cova da Iria im Jahre 1917 auf­nimmt.

Und jetzt beim Vorübergang eines halben Jahrhunderts über diese Gescheh­nisse achten es die Bischöfe, die der Herr zu Hirten der portugiesischen Herde bestellte, als ihre Pflicht, die Gläubigen, die ihnen anvertraut sind, anzueifern und zu helfen, dieses große Datum würdig zu feiern und die Lehre zu ziehen, die die Vorsehung uns anbietet.

2.

Gestützt auf das Zeugnis der Kirche nehmen wir die Botschaft auf, die die Hirtenkinder uns von seiten Unserer Lieben Frau überbrachten. Diese Botschaft pflegt man in zwei Worte zusammenzufassen, die ein ganzes Programm des christlichen Lebens umschließen: Gebet und Buße. Damit wir sie gut verstehen, müssen wir uns ihren historischen und theologischen Kontext vergegenwärtigen.

Unsere Liebe Frau empfahl Gebet und Buße als die großen Wege zu jenem Frieden, nach dem sich die Menschheit 1917 sehnte.

Drei Jahre des Kampfes machten einen enormen Materialverlust aus, eine Kollektivverarmung und besonders einen Verlust an Leben, wie er bis dahin niemals stattgefunden hatte. Die Welt war es schon überdrüssig; alle wollten, daß der Krieg aufhöre und die Soldaten zu ihren Familien zurückkehren.

Unsere Liebe Frau beschränkt sich nicht darauf, Gebet und Buße zu empfehlen, damit der Krieg aufhöre; Sie weist auf die tiefe Verbindung hin, die zwischen der Strafe des Krieges und der Sünde besteht: „Die Leute sollen Gott, unsern Herrn, nicht mehr beleidigen, der schon soviel beleidigt wurde!“ Und ferner erklärt Sie: „Der Krieg geht seinem Ende zu; wenn man aber nicht aufhört, Gott zu beleidi­gen, wird .. . ein anderer, noch schlimmerer Krieg beginnen.“

Die Kriege sind nicht nur die Frucht des Sich-nicht-Verstehens der Menschen unter sich; sie sind vor allem Folge der Sünde, das heißt, des Sich-nicht-Verstehens der Menschen mit Gott.

Und deshalb erscheint neben der Drohung eines neuen Krieges in der Botschaft Unserer Lieben Frau die Warnung vor der Gefahr der Hölle, in die die Seelen stürzen können, wenn sie ihr Leben nicht bessern. In der dritten Erscheinung nimmt diese Warnung die ganz konkrete und sinnlich wahrnehmbare Form einer Schau dieses furchtbaren Ortes von ewigen Qualen an. Gleichzeitig appelliert Unsere Liebe Frau an die Großmütigkeit der Kinder zugunsten der armen Sünder, damit diese sich bekehren und nicht in die Hölle stürzen.

Auf diese Weise macht die Botschaft Fatimas ein Ganzes aus, das in vollkom­mener Harmonie mit der Botschaft des Evangeliums und mit der Lehre der Kirche steht. Es dreht sich dabei nicht nur um ein zufälliges und zweitrangiges Zusam­mentreffen; es ist eine vollkommene Entsprechung mit den tiefsten Wirklichkeiten der christlichen Offenbarung. Die Sünde, die tiefste Ursache aller Strafgerichte, die Gott uns schickt, ist auch die Ursache des letzten Ruins des Menschen, seiner Verdammung zur Hölle.

Um uns von der Sünde und ihren Folgen zu befreien, kam Christus zur Welt, predigte uns die Notwendigkeit der Buße oder der Lebensbesserung und starb für uns. Unsere Liebe Frau machte sich zum Echo der Botschaft Christi im Evange­lium: „Die Leute sollen unsern Herrn nicht mehr beleidigen . . .«

Da sie auf diese Weise so vollkommen mit der Botschaft des Evangeliums zu­sammenfällt, erscheint uns die von Fatima von einer wahrhaft universalen Gültig­keit. Das, was Unsere Liebe Frau zu den Hirtenkindern 1917 sagte, gilt für alle Zeiten und für alle Menschen. Das ist zweifelsohne die beste Erklärung für das Kommen nach Fatima von Pilgern von allen Enden der Erde.

3.

Das Gebet ist die erste Seite der Botschaft Fatimas; und dieses Gebet konkretisiert sich im Rosenkranz.

In allen Erscheinungen hörten die Hirtenkinder dieselbe Empfehlung: die Leute sollen den Rosenkranz beten, damit der Krieg aufhöre, die Leute sollen den Rosenkranz beten, damit die Seelen nicht in die Hölle stürzen, die Leute sollen den Rosenkranz beten, um den Frieden zu erlangen. Und unter allen Namen, die Ihr eigen sind, erwählt Unsere Liebe Frau in Fatima den Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz („Senhora do Rosârio“ = „Herrin vom Rosenkranz“), um sich auszuweisen. Das Gebet ist der Umgang mit Gott und kann die verschiedensten Formen annehmen.

Als unsere ersten Eltern im irdischen Paradies sich vertraulich mit dem Herrn unterhielten, der sie geschaffen hatte und sich um sie wie um wirkliche Kinder sorgte, war all dieser Umgang, der sich keiner gemachten Formel bediente, son­dern die Herzen vollends öffnete, ein wirkliches Gebet.

Die Sünde war es, die kam, um diese intimsten Verbindungen des Menschen mit Gott zu zerschneiden durch den Urungehorsam und die Strafgerichte, die dieser mit sich riß. Der sündige Mensch jedoch fuhr noch fort, sich an Gott wenden zu können, in gewisser Weise aber immer auf Entfernung und fast nur, um Ihn für die eigenen Untreuen um Verzeihung zu bitten.

Zwischen dem Gebet und dem Leben in der Gnade besteht ein sehr tiefes Ver­hältnis, das die Beharrlichkeit erklärt, mit der Unsere Liebe Frau uns das Gebet empfiehlt. Die Seele, die betet, wenn sie noch nicht im Stande der Gnade ist, be­findet sich sicher auf dem Weg zur Gnade. Die Patriarchen und die Propheten des Alten Testamentes waren große Vorbilder im Gebet, weil sie es verstanden haben, in ihrem Leben immer die Vereinigung mit Gott aufrechtzuerhalten.

Und eine der nachdrücklichsten Forderungen unseres Herrn im Evangelium ist die um das Gebet.

4.

Der Rosenkranz war das Gebet, das Unsere Liebe Frau in Fatima empfahl.

Wir können es nicht unterlassen, daran zu erinnern, daß der Rosenkranz das große Gebet des christlichen Volkes war, das oft nicht ein anderes Gebet zu ver­richten weiß. Der Rosenkranz war so tief in den Gebräuchen unseres Volkes ver­wurzelt, daß ihn die Hirtenkinder vor ihren Spielen beteten, wenn sie es auch sehr unvollkommen machten.

Nur die Routine kann verursachen, daß man den Reichtum dieses Gebetes aus dem Auge verliert. Weder hört das „Vaterunser“ auf, weil wir es alle Tage beten, uns das vollkommenste inspirierte Gebet zu scheinen, jenes, in dem unser Herr das Beste ausdrückte, um das wir Gott bitten können. Noch hört auch das „Ge­grüßet seist Du, Maria“ auf, weil wir es öfters wiederholen, den Zauber der Ver­kündigung der Fleischwerdung zu besitzen.

Die Betrachtung der Geheimnisse unserer Erlösung, harmonisch mit dem münd­lichen Gebet verbunden, kann aus dem Rosenkranz eine der vollkommensten und vollständigsten Zusammenstellungen von Einzel- oder Gemeinschaftsgebeten des christlichen Volkes machen.

Das Konzil fordert im achten Kapitel der Konstitution „Lumen Gentium“ die Kinder der Kirche auf, „die Gebräuche und die Übungen der Andacht hochzu­schätzen, die zu Ehren der Seligen Jungfrau das Lehramt der Kirche im Laufe der Jahrhunderte empfahl“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution „Lumen Gentium“, N. 67). Nun, der Rosenkranz zählt in seiner Geschichte wenigstens 44 (vierundvierzig) Päpste, die ihn lobten und empfahlen in mehr als 200 (zweihundert) Dokumenten. Noch vor kurzem sagte der Heilige Vater Paul VI. in einem Rundschreiben an die Bischöfe der ganzen Welt folgendermaßen: „Weil sich gerade eine gute Gelegenheit bietet, unterlaßt es nicht, mit aller Liebe zum Rosenkranzgebet aufzufordern, zu dem Gebet, das der Gottesmutter so teuer ist und das von den Päpsten so empfohlen wurde. Dieses Gebet läßt die Gläubigen sehr leicht und wirksam das Gebot des göttlichen Meisters befolgen: ‚Bittet, und es wird euch gegeben werden, sucht, und ihr werdet finden, klopfet an, und es wird euch aufgetan‘ (Mt 7, 7).“ (Paul VI., Enzyklika „Mense Maio“ vom 30. April 1965, AAS 57 [1965], Seite 357.)

Dieser Ausspruch des Papstes gehört zu den schönsten Lobpreisungen, die man über den Rosenkranz machen kann, weil er ihn das »sehr leichte und wirksame“ Gebet nennt; dieses Wort ist echtes Zeugnis des Denkens der Kirche über den Rosenkranz Unserer Lieben Frau und auch klarer Beweis der Gegenwartsbedeu­tung der Botschaft Fatimas.

5.

Die Botschaft Unserer Lieben Frau ist jedoch mehr als eine Botschaft des Ge­betes, eine Botschaft der Buße in dem ganz konkreten Sinn von Reue und Besse­rung unseres Lebens.

Am Nachmittag eben dieses 13. Oktobers (1917) antwortete Lucia auf die Frage, die man ihr stellte, folgendermaßen: „Und was sagte Unsere Liebe Frau?“ „Sie sagte, daß wir uns bessern sollten, daß wir den Rosenkranz beten und um Verzeihung unserer Sünden bitten sollten . . . Sie sagte, daß wir den Rosenkranz beten und uns bessern sollten.“ (Befragung, ausgeführt durch den hochwürdigsten Domherrn Manuel Nunes Formigão [„As Grandes Maravilhas de Fátima“ „Die großen Wunder Fatimas“, Seite 99].)

Die Sünde ist Mißbrauch der Freiheit des Menschen, ist Aufruhr gegen den Willen Gottes, wie jüngst das Konzil erinnerte (Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“, N.13); deshalb wird das echte Heilmittel für die Sünde und ihre Folgen die Besserung sein, das heißt die Rückkehr zu Gott, die durch die treue Pflichterfüllung eines jeden Tages zum Ausdruck gebracht wer­den muß: „Die Leute sollen nicht mehr unsern Herrn beleidigen!“

Die Botschaft Unserer Lieben Frau stimmt mit der christlichen Offenbarung überein. Johannes der Täufer forderte am Jordan von seinen Zuhörern, daß sie ihr Leben besserten, weil sich das Reich Gottes näherte (Mt 3, 2). Unser Herr be­gann Sein Predigtwerk, indem Er dieselbe Sache verkündete (Mt 4, 17).

Die Buße der Botschaft Fatimas, genauso wie die der Predigt Johannes‘ des Täufers und von Christus selber, ist die Lebensänderung, ist das Aufgeben unserer irrigen Denkungsart und unserer Haltung, die dem Willen Gottes entgegengesetzt ist. Das ausdrucksvollste Wort, um diese Wirklichkeit zu bezeichnen, ist noch jenes, das die Seherkinder selbst uns berichten: Besserung. „Sie sagte, daß wir uns bes­sern sollten.“

Unsere Liebe Frau erbat auch körperliche Bußübungen als Sühne für die Sün­den der anderen, jedoch Ihr größtes Drängen verlegte Sie auf die Lebensbesserung, auf die echte und wirksamste Buße, die wir vollziehen können und müssen.

Und auch in diesem Punkt freut es uns, die Eintracht der Botschaft Fatimas mit der Lehre der Kirche hervorzuheben. Als Paul VI. ein Konzilsjubiläum ver­kündete, sagte er: „Wir erhoffen von allen Gläubigen jene Umwandlung der Seelen, die man nur im Innersten eines jeden Menschen erlangen kann.“ (Paul VI., Apostolische Konstitution „Mirificus eventus“ vom 7. Dezember 1965, AAS 57 [1965], Seite 945.)

In diesem Sinne müssen wir auch jene Erneuerung oder jenes aggiornamento verstehen, das die Kirche als Frucht des Konzils erstrebt. Es genügen nicht die Änderungen in den äußeren Ausdrucksformen des christlichen Lebens, was mehr wiegt, ist ohne Zweifel die Erneuerung des Menschen im Innern seiner Seele, die vollkommene Übereinstimmung seines Denkens und Fühlens mit dem Willen Gottes und der Lehre der Kirche.

6.

Die Wallfahrten nach Fatima sind ein großartiges Zeugnis von Gebet und Buße, sie sind vor allem ein stürmischer Appell zur Sühne für die Bekehrung der Sünder. Die Pilger lenken ihre Schritte zu den Beichtstühlen während des ganzen Tages und der ganzen Nacht, vertiefen sich in der Anbetung des euchari­stischen Herrn und empfangen in großer Zahl das Brot des Lebens in der Messe der „Allgemeinen Kommunion“. Und das Gebet, das während aller dieser religiö­sen Handlungen am meisten im ganzen Heiligtum zu hören ist, lautet: „Mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an, ich hoffe auf Dich und ich liebe Dich; ich bitte Dich um Verzeihung für jene, die an Dich nicht glauben, Dich nicht an­beten, auf Dich nicht hoffen und Dich nicht lieben.“

Das ist einer der großen Reichtümer der Botschaft Fatimas. Unsere Liebe Frau zeigte ihn noch besser, als Sie die Andacht zu Ihrem Unbefleckten Herzen durch die Sühnekommunion empfahl.

Die Hirtenkinder verstanden so ausgezeichnet diesen Aspekt der Botschaft, daß sie sich mit außergewöhnlicher Großmut der Ausübung der Buße für die Bekehrung der Sünder hingaben. Es ist dies eine der eindrucksvollsten Seiten ihres Lebens nach den Erscheinungen. Ihr Beispiel riß viele Seelen mit sich, schuf eine echte Sühnebewegung, die sich sehr fein in das christliche Geistesleben einordnet.

7.

Seine Eminenz Kardinal Arcadio Larraona, Präfekt der heiligen Ritenkongre­gation, erklärte in der Homilie, die er in Fatima am 13. Mai 1963 hielt, folgendes: »Nie gab es eine übernatürliche Offenbarung Unserer Lieben Frau von so reichem geistigem Inhalt wie die von Fatima, noch überbrachte uns irgendeine (von der Kirche) anerkannte Erscheinung eine so klare, so mütterliche und so tiefe Botschaft wie diese (von Fatima)“ („Novidades“ vom 14. Mai 1963).

Wenn wir daran denken, daß nach Fatima die Menschenmengen zusammen­strömen, nicht nur von Portugal, sondern auch von der ganzen Welt, wenn wir daran denken, daß sich dort wahrhaftig ein Altar der Welt erhob, dann können wir es nicht unterlassen, die Pläne des Herrn zu bestaunen, der Seine Mutter zur portugiesischen Erde sandte, um uns zu helfen und zu retten.

Jene Vermittlung oder jener mütterliche Einfluß Mariens, den die christliche Überlieferung immer anerkannte und den das Konzil so lichtvoll darlegte (Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution „Lumen Gentium“, N. 62), übt sich dort in handgreiflicher Weise aus.

Wenn es auch Wahrheit ist, daß einige nach Fatima kommen, weil sie dazu von einem oberflächlichen Sentimentalismus angetrieben werden, und nicht dahin gelangen, sich von der Botschaft der Herrin durchtränken zu lassen, so finden dort viele andere die Gnade, die ihnen die menschliche Rücksicht bricht, die in ihnen den Widerstand der Sünde besiegt, das geistliche Leben erneuert und sie oftmals in wahre Apostel umwandelt.

Die Geschichte von Fatima ist nicht nur mit den sinnlich wahrnehmbaren Phänomenen gemacht, die im Verlauf der Erscheinungen festgestellt wurden, oder mit den Wundern, die sich während der Wallfahrten ereigneten; die Geschichte Fatimas ist hauptsächlich mit diesen geheimnisvollen Wundern auferbaut, die sich im Innersten der Seelen vollzogen, in den geistlichen Übungen, in der euchari­stischen Anbetung, im Empfang des Bußsakramentes. Man fühlt da die Anwesenheit Mariens in Ihrer tätigen Vermittlung, um ohne Unterlaß für die Seelen die Gaben des ewigen Heiles zu erlangen.

Und es ist nicht nur in Fatima, daß Sie wirkt. Ihr Bildnis durchpilgert alle Teile Portugals und viele der ganzen Welt. Überall, wo Sie vorbeizieht, ist Ihre Anwesenheit wahrnehmbar. Es beglückt uns, hier die denkwürdigen Worte Papst Pius‘ XII. bezüglich dieser einzigartigen Wallfahrt zu zitieren: „Auf ihrer (der Pilgerstatue) Reise durch Amerika wie durch Europa, durch Afrika, durch Indien, durch Indonesien und Australien regnete es Segen vom Himmel, vervielfältigten sich Ihre Gnadenwunder in einem solchen Maße, daß Wir kaum glauben können, was Unsere Augen wahrnehmen. Nicht nur die guten und gehorsamen Kinder der Kirche verdoppeln ihren Eifer, auch die verlorenen Kinder werden vom Heim­weh zur Mutterliebe übermannt und kehren heim zum Vaterhaus. Selbst in den Ländern, wo das Licht des Evangeliums kaum zu leuchten begann, erwarten— wie konnte einem der Gedanke daran kommen? — viele Menschen, noch umfangen vom Schatten des Irrtums, mit der gleichen Inbrunst wie die Gläubigen Ihren Besuch, jubeln Ihr in stürmischer Freude zu, verehren Sie, rufen Sie an und empfangen erlesene Gnaden. Unter dem mütterlichen Blick der himmlischen Pilgerin gibt es keinen Widerstreit der Nationen und Rassen, der spaltet; keine Grenzen, die trennen; keine Interessengegensätze, die verfeinden. Alle schätzen sich in diesem Augenblick glücklich, sich als Brüder zu erkennen. Ein einzigartiges Schauspiel, das zu den schönsten Hoffnungen berechtigt.“ (Pius XII., Radioansprache über Fatima beim Abschluß des Heiligen Jahres am 13. Oktober 1951, AAS 43 [1951], Seite 801.)

Maria zieht die Seelen nach sich, wie kein anderer es zu machen imstande ist. Sie ist die große Missionarin, die das Evangelium vielen bringt, die es noch nie hörten, und die die Sünder in die Arme der Barmherzigkeit des Herrn fallen macht.

8.

Wir sind daran, die Fünfzigjahrfeier der Erscheinungen Unserer Lieben Frau in der Cova da Iria zu begehen.

Dieses Datum bietet uns eine außergewöhnliche Gelegenheit, eine tiefe Er­neuerung des christlichen Lebens in den Seelen im Lichte des Ökumenischen Kon­zils und der Botschaft Unserer Lieben Frau zu unternehmen.

Es werden feierliche Handlungen von äußerem Kult, Wallfahrten, Kongresse usw. veranstaltet werden, die vor den Augen der Welt den echten Sinn der Bot­schaft Fatimas herausstellen werden.

Diese Feierlichkeiten werden jedoch sicherlich nicht jenes Gesamtziel erreichen können, das man erwarten darf. Die Kongresse müssen glänzende Ausgangspunkte sein, Augenblicke tiefschürfenden Studiums des wertvollen Inhaltes der Botschaft Unserer Lieben Frau. Die Wallfahrten werden Gipfelpunkte sein, in denen sich öffentlich und gemeinsam die christlichen Gesinnungen unseres Volkes ausdrücken. Das Konzil zeigte in seinem Dekret über das Apostolat der Laien mit außer­gewöhnlichem Reichtum des Ausdrucks, wie „allen Christen also die herrliche Last auferlegt wird, daran mitzuwirken, daß die göttliche Heilsbotschafl von allen Menschen überall auf Erden erkannt und angenommen wird“. (Zweites Vatikani­sches Konzil, Dekret „Apostolicam actuositatem“, N. 3.)

Diese Arbeit kann nur in einer gänzlichen Vereinigung aller Kräfte geleistet werden, die alle Seelen guten Willens verpflichten möge, die Priester, die Ordens-

Leute und die Laien, alle Werke, Organismen und Bewegungen des Apostolates, besonders die Katholische Aktion, die bei uns als Schutzherrin Unsere Liebe Frau von Fatima besitzt. Es wird eine echte allgemeine Mission sein müssen, die ver­schiedene konkrete Formen der Verwirklichung entsprechend den Umständen und den Möglichkeiten des jeweiligen Milieus annehmen können wird, die jedoch immer ein gemeinsames Ziel verfolgen wird, das wir gern in drei Punkten zum Ausdruck bringen wollen, die wir nun anschließend angeben.

9.

Das Leben in der Gnade muß das höchste Ziel unserer apostolischen Arbeit bilden. Der Herr faßte das Werk der Erlösung so zusammen: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben“ (Jo 10, 10).

Die äußere Organisation der Kirche, das Priestertum, die Sakramente, die Werke des Apostolates, all das sind Mittel, die sich ausrichten müssen auf dieses Ziel hin, auf das Leben in der Gnade. Wenn wir dabei zum Stillstand kommen würden, bevor wir es erreichten, wären unsere Anstrengungen nutzlos.

Die Botschaft Unserer Lieben Frau an die Hirtenkinder in der Cova da Iria wirft entschlossen und aus voller Kraft dieses Problem auf: „Die Leute sollen unsern Herrn nicht mehr beleidigen!“ Der Krieg ist Strafe für die Sünde in dieser Welt und, falls es keine Besserung gäbe, wird das endgültige Strafgericht die nicht wieder gutzumachende ewige Verdammnis der Hölle sein. Wenn Unsere Liebe Frau bittet, daß man den Rosenkranz bete, damit der Krieg aufhöre, dann löst Sie eine große Offensive des Friedens aus, der nicht nur der Friede der Waffen ist, sondern hauptsächlich der Friede der Seelen mit Gott.

„Nie wieder Krieg!“ proklamierte der Heilige Vater Paul VI. in seiner Bot­schaft an die Welt in der größten Versammlung der Nationen (Paul VI., An­sprache in den Vereinten Nationen am 4. Oktober 1965, AAS [1965], Seite 881). „Nie wieder Krieg!“ ist in Wahrheit das Bestreben aller Menschen guten Willens.

„Nie wieder Sünder : das muß das höchste Ziel aller Anstrengungen nach Er­neuerung des christlichen Lebens im Lichte des Konzils und der Botschaft Fatimas sein, um den vollen Frieden der Menschen untereinander und mit Gott zu erlangen. Jede Todsünde, die wir vermeiden können, jede Seele, die wir zur Versöhnung mit Gott bringen können, ist ein gewaltiger Schritt auf dem Weg zum Frieden.

10.

Nach diesem höchsten Ziel, und in gewisser Weise als Mittel, um es zu er­reichen, wollen wir die Heilighaltung des Tages des Herrn angeben.

Wenn wir gut achtgeben würden auf die Lesung der Heiligen Schrift, dann würden wir erkennen, daß die ganze biblische Beschreibung des Schöpfungswerkes sich auf die abschließende Erklärung hin ausrichtet, daß der Herr am siebten Tag ausruhte und daß Er uns das grundlegende Gebot gab, daß auch wir nach Seinem Bild und Gleichnis ausruhen sollten.

Das war eines der Gebote des Alten Testamentes, auf dem der heilige Gesetz­geber am meisten bestand, so sehr, daß Er furchtbare Strafen über den verhängte, der es verletzten sollte.

Im Neuen Testament besitzt die Heilighaltung des Sonntags neben dem all­gemeinen Zweck der physischen Ruhe und der Gottesverehrung den besonderen Charakter der Feier der Auferstehung Christi. Jeder Sonntag ist so die Erneue­rung des Ostergeheimnisses. „An diesem Tag müssen die Christgläubigen zusammenkommen, um das Wort Gottes zu hören, an der Eucharistiefeier teilzunehmen und so des Leidens, der Auferstehung und der Herrlichkeit des Herrn Jesus zu gedenken und Gott Dank zu sagen, der sie ,wiedergeboren hat zu lebendiger Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten‘ (1 Petr 1, 3). Des­halb ist der Herrentag der Ur-Feiertag, den man der Frömmigkeit der Gläubigen eindringlich vor Augen stellen soll.“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Konstitution „Sacrosanctum Concilium“, N. 106.)

Wir sagen Gott Dank für die christliche Art, wie man im allgemeinen unter uns noch den Sonntag feiert, wir wollen aber unsere Anstrengungen verdoppeln, damit der Tag des Herrn immer mehr der gemeinschaftsfördernde Tag des Volkes Gottes sei, an dem man außer den Kulthandlungen reichlich die Werke der Liebe und des Apostolates durchführt.

11.

Und wir wollen es nicht unterlassen, auch als Ziel unserer apostolischen An­strengungen in der gegenwärtigen Stunde das große Werk der Heiligung der Familie vorzubringen.

Der einzigartige Umstand, daß in den letzten Erscheinungen am 13. Oktober (1917) nach dem Dialog der Herrin mit den Hirtenkindern sich am Himmel von Fatima die Heilige Familie offenbarte, scheint von der christlichen Familie zu sprechen.

Wir wollen hier an all das erinnern, was wir in unserem Hirtenbrief vom 11. Oktober 1964 sagten. In der Tat, die Familie ist die Zelle der zivilen Gemein­schaft und auch die natürliche Zelle sogar der christlichen Gemeinschaft.

Die Gnade zerstört nicht die Natur, sondern vervollkommnet sie. Die Ehe wurde durch Christus zur Würde eines Sakramentes erhoben, das Zeichen und Mittel der heiligmachenden Gnade für die Brautleute ist, die es sich gegenseitig spenden, und für die Kinder, die deren Frucht sind.

Das Konzil richtet sich wiederholt an die christliche Familie, um sie an ihre Würde zu erinnern und die Hoffnung zu bekunden, die es in sie als mächtiges Werkzeug der gesellschaftlichen Erneuerung niederlegt. Die Würde der christlichen Familie wird in den Konzilsdokumenten mit der wahrhaft liebevollen Bezeichnung „Hauskirche“ sogar zum Ausdruck gebracht. (Zweites Vatikanisches Konzil, Dog­matische Konstitution „Lumen Gentium“, N. 11.)

Die Organisationen des Apostolates haben sich in letzter Zeit in intensiverer Weise in die Probleme der Heiligung der christlichen Familie vertieft. Wir be­nutzen gerne diese Gelegenheit, um die verwirklichten Anstrengungen in der großen Familienkampagne zu loben, und gleichzeitig ermuntern wir die verdienst­vollen Mitarbeiter an unserer apostolischen Mission, ihre Arbeiten fortzusetzen, weil das eine der Kampagnen ist, die man nie als beendet betrachten kann.

12.

Und nachdem wir auf diese Weise drei Punkte aufgezeigt haben, die das End­ziel von allem bilden müssen, was wir unternehmen werden, um die Fünfzigjahrfeier der Erscheinungen Unserer Lieben Frau zu begehen, fühlen wir noch die Notwendigkeit, einige Mittel einzeln aufzuzählen, die uns sehr nützlich scheinen, um dieses Ziel zu erreichen.

Mögen die Feste und Wallfahrten zu Ehren Unserer Lieben Frau immer mehr in ihrem geistlichen Gehalt in Übereinstimmung mit der Botschaft Fatimas erneuert werden. Wenn man auch bei bestimmten Umständen Elemente zulassen kann, die die äußere Freude fördern, so mögen doch ganz und gar diese Feste und Wallfahrten dazu benutzt werden, um die Seelen zur Gnade der Sakramente zu rufen. Man möge sogar in dem Maße, als es die christliche Klugheit angibt, ge­meinsame Sühnehandlungen für die Sünden, die begangen werden, fördern. In den christlichen Familien werde immer mehr die Gewohnheit des Gebetes in der Gemeinschaft erweckt. Ein lebendiges, bewußtes Beten, in dem sich die Gefühle aller aufrichtig ausdrücken, ist eine wunderbare Schule der christlichen Formung. Der Rosenkranz, der so sehr von Unserer Lieben Frau den Hirtenkindern emp­fohlen worden war und so sehr noch vor kurzem vom Papst herausgestrichen wurde, wenn er in den konkreten Anliegen der Familiennöte und in der Anwen­dung der Geheimnisse gelebt wird, die man betrachtet unter den Umständen eines jeden einzelnen, kann die beste Form sein, das Familiengebet zu verrichten. Man möge in den Seelen die Freude an der heiligen Kommunion wachrufen. Der häufige Empfang der Sakramente wird viel zur Erneuerung des christlichen Lebens bei­tragen, wenn er von den richtigen Dispositionen begleitet sein wird, vor allem von der Gebetspraxis. Man möge besonders beim Kommunizieren auf der Absicht, Sühne zu leisten, bestehen, um in den Seelen das Verlangen zu erwecken, dem Herrn einen Ersatz für jene anzubieten, die nicht glauben, nicht anbeten, nicht hoffen und nicht lieben.

13.

Die Fünfzigjahrfeier der Erscheinungen Unserer Lieben Frau auf portugie­sischer Erde ist eine äußerst günstige Gelegenheit, die wir ausnutzen wollen, um dem Herrn für den Gnadenregen zu danken, den Er auf uns durch die mitleidigen Hände Seiner und unserer Mutter herabsteigen ließ.

Wir sind uns der hervorragenden Auszeichnung bewußt, deren Ziel wir waren, und auch der Verantwortung, die sie darstellt. Darum danken wir und erflehen gleichzeitig die Gnade, den Plänen, die der Herr über Sein portugiesisches Volk hat, auf die treueste Weise, die uns möglich ist, zu entsprechen.

Indem wir Ihr unser Kinderherz öffnen, bitten wir die himmlische Mutter, daß Sie für uns zu Jesus sprechen möge.

Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz von Fatima, wir lobpreisen und benedeien Dich wegen der Gnaden, mit denen Dich der Herr bereicherte. Durch das Privileg Deiner Unbefleckten Empfängnis und durch die Gnade Deiner göttlichen Mutter­schaft bist Du gebenedeit unter allen Frauen.

Wir lobpreisen und benedeien Dich, weil Du die Mutter der Kirche bist, und mit der Seele voll Jubel nennen wir Dich unsere Mutter.

Wir danken Dir für den besonderen Schutz, den Du immer unserer portugie­sischen Erde geweiht hast, und wir anerkennen, daß Du uns in den schwierigen Stunden unserer Geschichte immer beschirmt hast. Wir wollen, daß unser Vater­land immer Dein Land sei.

Wir danken Dir ganz besonders dafür, daß Du Fatima zu Deinem Altar und die drei Hirtenkinder unseres Volkes zu Deinen Botschaftern erwählt hast.

Hilf uns, wir bitten Dich, Deiner Botschaft von Gebet und Buße treu zu sein. Wir wollen die christlichen Traditionen aufrechterhalten, die unsere Vorfahren im Laufe der Jahrhunderte ansammelten, die Reinheit der Sitten, die Heiligkeit der Familie, die Andacht zu Deinem Unbefleckten Herzen und zu Deinem Sohn im heiligsten, Sakrament der Eucharistie und die Treue zur Kirche.

Wir wollen fortfahren, Missionare des Evangeliums zu sein, und wollen jetzt lebendige Zeugen der Botschaft sein, die Du den Hirtenkindern unserer Erde an­vertraut hast.

Hilf uns, heiligste Mutter, die Pläne Gottes über uns zu verwirklichen. Erlange uns von Deinem göttlichen Sohn viele und heilige Priester-, Ordens- und Missions­berufe, Apostelseelen, selbst Laien, die sich hochherzig dem Dienst der Kirche weihen. Und unterstütze mit Deinem mütterlichen Schutz diese Berufe, damit sie stark und froh in ihrer Schenkung an den Herrn ausharren.

Verteidige den Heiligen Vater, den sichtbaren Stellvertreter Deines Sohnes bei uns, und erlange für die Gesamtkirche die Gnade der Einheit.

Schließlich bitten wir Dich um die Gnade des Friedens. In der Welt gibt es Krieg; verschiedene Nationen, und unter ihnen unser Vaterland, haben ihre Ge­biete im Zustand des Zerrissenseins und ihre Söhne im Ausgeliefertsein an den gewaltsamen Tod durch die Waffen. Mögen der Haß und die Kämpfe zwischen den Menschen aufhören. Lieben wir uns alle als Brüder und Kinder Gottes!

Mittlerin aller Gnaden, Königin des Friedens, bitte für uns!

Im Heiligtum Unserer Lieben Frau von Fatima, am 29. Juni (1966), Festtag der heiligen Apostel Petrus und Paulus.

(Hier folgen die Unterschriften aller Bischöfe Portugals.)

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Quelle: P. Hermann Netter SVD – 50 Jahre Fatima, Seiten 138-148