18 Prozent der Deutschen unterstützen Viganò-Kritik

ARCHIV – 16.11.2015, USA, Baltimore: Erzbischof Carlo Maria Vigano, Apostolischer Nuntius in den USA, hört den Ausführungen bei der jährlichen Herbsttagung der US-Konferenz der katholischen Bischöfe in Baltimore zu. (zu dpa „Bischofskonferenz distanziert sich von Corona-Schreiben“ am 10.05.2020) Foto: Patrick Semansky/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ |

Für seinen Appell gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen erntete der italienische Erzbischof Viganò breite Kritik. Die Tagespost hat nachgefragt, wie der Appell in der Bevölkerung gesehen wird.

In dem „Aufruf für die Kirche und für die Welt an Katholiken und alle Menschen guten Willens“ von Erzbischof Viganò (im Bild) warnen die Unterzeichneten vor Panikmache angesichts der Coronakrise. Foto: Patrick Semansky (AP)

18 Prozent der Deutschen finden es gut, dass Bischöfe wie Kurienkardinal Gerhard Müller mit ihrer Unterzeichnung des Viganò-Appells öffentlich scharfe Kritik an den Corona-Maßnahmen geäußert haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des in Erfurt ansässigen Meinungsforschungsinstituts „INSA Consulere“, die im Auftrag der „Tagespost“ durchgeführt wurde. Gleichzeitig ist eine Mehrheit von 56 Prozent gegenteiliger Meinung.

Katholiken stimmen zu 18 Prozent zu

Die Zustimmung von katholischen Befragten zu der im Viganò-Appell geäußerten Kritik deckt sich mit dem Wert innerhalb der Gesamtbevölkerung. Bei den Protestanten fanden hingegen nur zwölf Prozent die Kritik gut. Die größte Zustimmung zum Viganò-Appell äußerten freikirchliche Befragte  (37 Prozent).

Die Erhebung, für die 2.092 erwachsene Personen im Zeitraum zwischen dem 15. und dem 18. Mai befragt wurden, schlüsselt die Frage auch nach Altersgruppen auf. In der Gruppe der 30- bis 39-Jährigen ist die Zustimmung zur Viganò-Kritik an den staatlichen Corona-Maßnahmen mit 25 Prozent am größten. Über 60-Jährige lehnen den Appell des ehemaligen Apostolischen Nuntius in den USA mit 67 Prozent ab – nur 13 Prozent teilen die Viganò-Kritik.

Betrachtet man die Frage nach Partei-Affinität, so ergibt sich ein eindeutiges Bild: Bei den AfD-Anhängern ist die Zustimmung zum Viganò-Appell mit 44 Prozent am größten. Am geringsten ist der Wert bei den Wählern der Union und Grünen (8 Prozent). Wähler der FDP teilen die von Viganò geäußerte Kritik immerhin noch zu überdurchschnittlichen 29 Prozent.

Afd-Wähler stimmen zu 44 Prozent zu

Die Aussage, zu der die Teilnehmer der Umfrage Stellung beziehen sollten, lautete: „Ich finde es gut, dass Bischöfe, wie zum Beispiel Kardinal Gerhard Müller, öffentlich scharfe Kritik an den Corona-Maßnahmen geäußert haben (Viganò-Appell).“

In dem „Aufruf für die Kirche und für die Welt an Katholiken und alle Menschen guten Willens“ warnen die Unterzeichneten vor Panikmache angesichts der Coronakrise. Unter dem Vorwand der Covid-19-Epidemie würden in vielen Fällen unveräußerliche Rechte der Bürger verletzt und ihre Grundfreiheiten unverhältnismäßig und ungerechtfertigt eingeschränkt, einschließlich des Rechts auf Religionsfreiheit, freie Meinungsäußerung und Freizügigkeit, so das Papier. Wörtlich heißt es im Aufruf: „Diese illiberalen Steuerungsversuche sind der beunruhigender Auftakt zur Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht.“

DT/mlu

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Kardinal Müller lehnt Gottesdienstverbote in Corona-Krise ab –„Verbannung der Liturgie“

Kardinal Gerhard Ludwig Müller (m.) im Gespräch (Archiv) © Paul Haring (KNA)

Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat sich gegen Gottesdienstverbote in der Corona-Pandemie ausgesprochen. „Das ist inakzeptabel“ und die Kirche sei „keine dem Staat untergeordnete Behörde“, betonte der Geistliche.

Das sagte er im Interview des italienischen Portals „Daily Compass„.

Gerade weil die Pandemie eine so große Tragödie für viele Menschen sei, habe sie die Pflicht, im Angesicht des Leids eine „Perspektive des ewigen Lebens, im Lichte des Glaubens“ anzubieten.

Mit einem Messverbot werde man dieser Aufgabe nicht gerecht und reduziere die Kirche zu einer bloßen Abhängigen des Staates, kritisierte der frühere Präfekt der Glaubenskongregation.

„Verbannung der Liturgie“

Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung des Virus seien das eine. Die „Verbannung der Liturgie“ werte er hingegen als Beleg für „säkularistisches Denken“, das nun auch inmitten der Kirche angekommen sei. Das sei „etwas sehr Ernstes“, so der Kardinal. Denn kein Bischof habe das Recht, die Eucharistie derart einzuschränken.

Einige Bischöfe hätten Priester gar für Messfeiern mit wenigen Teilnehmern bestraft. „Das bedeutet, dass sie sich als Staatsbeamte wahrnehmen“, sagte Müller. „Aber unser oberster Hirte ist Jesus Christus, nicht Giuseppe Conte oder irgendein anderer Staatschef.“

Viele Bischöfe sind im Laufe der Kirchengeschichte häretisch geworden

6. Februar 2020, 19:33

Kardinal Gerhard Ludwig Müller im „LifeSiteNews“-Interview an seine Kritiker: Unsere „Linken“ in Kirche und Gesellschaft identifizieren sich durch ihre Doppelmoral und ihre glänzende Unfähigkeit, mit Argumenten auf Sacheinwände zu antworten.

Rom (kath.net/LifeSiteNews)

LifeSiteNews: Sie haben vor zwei Tagen kritische Bemerkungen zur ersten Vollversammlung des Synodalen Weges gemacht und dessen Prozess ’suizidal‘ genannt und dann mit der Aufhebung der Weimarer Verfassung durch das Ermaechtigungsgesetz verglichen. Sie bezogen sich hier auf die Tatsache, dass die VV beschlossen hat, auch dann Entscheidungen zu akzeptieren, wenn sie gegen die katholische Glaubenslehre gehen. Koennten Sie uns hier Ihre Gedanken ausfuehrlicher erlaeutern? Und: darf man einen solchen Vergleich machen?

Kardinal Müller: Ständig wird mehr politische Macht für die Laienfunktionäre gefordert im Gegensatz zu der -den Bischöfen von Christus verliehenen- sakramentalen Vollmacht oder nach mehr Macht für die lokalen Bischoskonferenzen (sprich: ihren Apparat) gegen die Zentralmacht „Rom“, als ob die Kirche sich in die Arena medialer und politischer Kampfspiele verirrt hätte. Wo es um irdische Macht geht, ist die Gewaltenteilung unbedingt erforderlich.

Menschen steht keine absolute Macht über Menschen zu. Hier geht es aber um den Heilsdienst an den Mitgläubigen im Namen Gottes. In der Kirche dreht sich nicht alles um die Macht, sondern um den Aufbau des Leibes Christi. Wollen wir dienen oder herrschen? Das ist hier die Frage. In der Kirche geht es um „die Erkenntnis des einen und einzigen Gottes und das Heil aller Menschen durch Christus Jesus als einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen“ ( vgl. 1 Tim 2,5).

Die Kirche ist Sakrament des Heils der Welt und von Christus selbst „hier auf Erden als sichtbares Gefüge verfasst und mit hierarchischen Organen ausgestattet“ (Lumen gentium 8). Das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen aufgrund von Taufe und Firmung und das hierarchische Priestertum aufgrund der Weihe (zum Bischof, Priester und Diakon) dürfen nicht in Klassenkampfattitüde gegeneinander gestellt werden mit dem Ziel einer klassenlosen Gesellschaft, die in Wirklichkeit die Herrschaft der Funktionäre war im Namen eines anonymen „Volkes“. ei Christen (als Laien, Ordenesleute und Priester) sind einander organisch (nicht mechanisch) zugeordnet im ganzen Lebensvollzug des Leibes Christi, insofern sie am Priestertum Christi in je spezifischer Weise teilhaben (Lumen gentium 10).

Der ganze Ansatz des „Synodalen Wegs“ ist ekklesiologisch falsch. Eine falsche Diagnose verdirbt die beste Therapie. Statt emotionale Betroffenheiten zum Besten zu geben, sollten sich die tonangebende und machtbesitzende Mehrheit besser mit dem Kirchenverständnis des II. Vatikanums vertraut machen anstatt sich nur auf seinen „Geist“ zu berufen, sonst wird das ganze zu einer Geistersitzung. Sich in diametralen Gegensatz zur geoffenbarten Lehre des Glaubens zu setzen und dafür dann noch den Heiligen Geist zu bemühen, ist ein grober Klotz, der sich seinen groben Keil wohl verdient hat. Wir sollen „hören, was der Geist den Gemeinden sagt“ (Offb 2, 11); aber das ist doch das „Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi“ (Offb 1, 2) und nicht die Vision einer gesellschaftskonformen „Kirche“.

In der „Kirche des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Lumen gentium 4) kann man die christologische und geschichtliche Grundlegung der Kirche und das Wirken des Christus praesens im Heiligen Geist nicht gegeneinander ausspielen.

LifeSiteNews: Sie stellten auch fest, dass der Synodale Weg „weder von Gott noch den Menschen“ autorisiert sei. Koennten Sie uns dies vertieft erklaeren?

Kardinal Müller: Wie gesagt: die „göttliche Konstitution“ der Kirche stammt von Christus (LG 8) und nicht seinen Jüngern. Sie ist im Gewissen von höherer Verbindlichkeit als die Verfassung eines Staates oder Vereins kraft menschlichen Rechtes. Christus selbst baut Seine Kirche auf Petrus und nicht Petrus und die anderen Jünger bauen ihre Kirche auf ein selbstgemachtes Christusbild. Die Apostel und die Bischöfe als ihre Nachfolger haben in ihr nicht die politische Macht ergriffen und sie damit in Menschenwerk umfunktioniert, dann die Macht den Laien weggenommen und diese damit unterdrückt.

Sie sind vielmehr von Christus einst historisch durch unmittelbare Berufung und jetzt sakramental durch die Weihe eingesetzt und bevollmächtigt als Diener Christi, das Volk Gottes mit Seinem Wort zu lehren, mit Seinen Sakramenten zu heiligen und Seine Herde als Hirten zu leiten (Lumen gentium 18- 29). Sobald sie etwas im Gegensatz zur apostolischen Lehre und zur sakramentalen Verfassung der Kirche lehren und entscheiden, haben sie den Anspruch auf den „religiösen Gehorsam der Gläubigen“ verloren (Lumen gentium 25; Dei verbum 10).

Schon viele Bischöfe sind im Laufe der Kirchengeschichte häretisch geworden oder haben ihre Gemeinden ins Schisma geführt, wie z. B. die Donatisten, die in Nordafrika gegenüber den Katholiken mit ihrer Mehrheit auftrumpften.

LifeSiteNews: Eine Ihrer Kritikpunkte der Synodalen Versammlung ist, dass sie Laien viel Macht gibt und dass dies die bischoefliche Autoritaet untergraebt. Worauf beziehen Sie sich hier konkret in bezug auf die erste VV und was sind hier die lehrrechtlichen Grundlagen?

Kardinal Müller: Dem Papst und den Bischöfen in Gemeinschaft wurde auch das Lehramt anvertraut „verbindlich das geschriebene und überlieferte Wort Gottes zu erklären (Dei verbum 10) im Gegenüber zu den anderen Mitgliedern der Kirche, aber keineswegs im Gegensatz zu ihnen, da alle mit-verantwortlich sind für die unverfälschte Weitergabe des Glaubens (LG 12). Ich kritisiere nicht, dass die Laien zu viel Macht beanspruchen oder sie ihnen verleihen wird, sondern dass das Wesen und die Sendung der Kirche, des Leibes Christi und Tempel des heiligen Geistes, mit den Kategorien von Macht und Prestige durch Selbstsäkularisierung verfälscht wird. “ Die Kirche Christi ist keine NGO“ -wiederholt immer wieder Papst Franziskus.

LifeSiteNews: Denken Sie, dass Rom diesen Synodalen Weg stoppen sollte, und wenn ja, warum?

Kardinal Müller: Die Römische Kirche mit dem Papst an der Spitze hat die von Christus mitgeteilte Vollmacht und Verantwortung für die Einheit der Kirche in der Wahrheit der apostolischen Lehre. Am Beginn der Spaltung der Christenheit im 16, Jahrhundert, die die Glaubwürdigkeit unseres christlichen Glaubens vor der Welt bis zum heutigen Tag zutiefst erschütterte, haben die deutschen Bischöfe und die Kurie in Rom furchtbar versagt, wie der Papst Hadrian VI. selbst bekannte (Nürnberger Reichstag 1522/23). Ich hoffe, dass man diesen historischen Fehler nicht wiederholt.

Historisches Wissen kann helfen, zukünftige Gefahren im Licht der geschichtlichen Erfahrungen frühzeitig zu vermeiden, und nicht erst dann nach dem Deckel zu rufen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Der mächtige deutsche Kardinal Albrecht von Brandenburg hat seine widerrechtliche und unmoralische Ämterhäufung mit dem von Rom bewilligten Ablasshandel finanziert. Damit sind deutsches Geld, die theologische Unbildung des deutschen Episkopates, der Primat von Geld und Politik in Rom mitschuldig an der abendländischen Kirchenspaltung und ihren tragischen Folgen bis heute. Geld regiert die Welt, aber es ist auch des Teufels bestes Mittel, die Kirche zu verwirren.

Zur Säkularisierung als totales und totalitäres Selbst- und Weltverständnis ohne Gott gibt es nur das eine wirksame Gegenmittel der glaubwürdigen Verkündigung des „Evangeliums von Jesus, dem Christus, dem Sohn Gottes“ (Mk 1,1) und eines Lebens in der Nachfolge Christi.

Das erste Wort des hl. Paulus nach seiner Bekehrung am Beginn seiner „Verkündigung von Jesus“ war -übrigens nicht historisch der Hinweis auf interessante Quisquilien von einer Frau als erster Christin in Europa und getauften Sklavinnen in Rom-, sondern das Bekenntnis: „Dieser ist der Sohn Gottes.“ (Apg 9, 20)

LifeSiteNews: Sie wurden in Deutschland dafür angegriffen, dass Sie den Synodalen Weg mit der Machtübernahme durch Hitler verglichen haben. Die Empörung scheint größer darüber zu sein als darüber, dass deutsche Bischoefe dabei sind, die gesamte Kirchenhierarchie, als auch die Sakramenten- und Morallehre der Kirche aus den Angeln zu heben, mit schweren Folgen fuer viele Seelen. Wie würden Sie dieses Phänomen kommentieren?

Kardinal Müller: Es ist typisch deutsch, dass man aus der Geschichte nichts lernen will. Unsere „Linken“ in Kirche und Gesellschaft identifizieren sich durch ihre Doppelmoral und ihre glänzende Unfähigkeit, mit Argumenten auf Sacheinwände zu antworten. Die unaufhörliche persönliche Anprangerung derer, die nicht zu ihrem ideologischen Lager gehören, als erzkonservativ, fundamentalistisch, rechtslastig, will einzuschüchtern, ist in Wirklichkeit aber nur das Ausspielen ihrer Macht gegen die Vernunft. Auf jeden Fall wird dieses „synodale“ Unternehmen nicht der „Große Sprung nach vorn“. Vielleicht weckt dieser vergleichende Nichtvergleich in chinesischen Metaphern ihren tief schlummernden Sinn für Humor.

LifeSiteNews: Sie haben einen starken Vergleich gemacht. Ist dies geschehen, weil Sie den Ernst der Situation erkannt haben und weil es hier um das Wohl vieler Seelen geht?

Kardinal Müller: Es stimmt, dass sachliche Darlegungen gekonnt in der Schweigespirale versenkt werden. Man muss das Empörungsgefühl nur antippen und schon läuft das Ritual ab. Ich kenne ja die meisten Akteure persönlich und weiß wie das Netzwerk funktioniert.

Mit dem ganzen Irrsinn von Auftragsarbeiten, Zitationskartellen, der Befriedigung der Sensationsgier gegen das Geld wohlbezahlter Artikel, den personalpolitischen Intrigen und üblen Nachreden gegen Kartellfremde macht man die schönen Reden von Mitbrüderlichkeit und Barmherzigkeit, von Synodalität und Dialog bei den Außenstehenden nur lächerlich und entmutigt die ernsthaft gläubigen Christen.

LifeSiteNews: Kardinal Woelki wurde scharf angegriffen, als er sich von der ersten VV distanzierte. Ihnen wird mitgeteilt, dass Sie kein akzeptabler Diskussionspartner mehr sind. Es scheint, dass die Bewahrer des Glaubens an den Rand geschoben werden, so, wie sie auch in der VV in der Minderheit waren. Fuehlen Sie sich hier an andere Momente der Kirchengeschichte erinnert?

Kardinal Müller: Kardinal Woelki ist ein von Christus im Heiligen Geist geweihter Bischof und als Kardinal der römischen Kirche engster Mitarbeiter des Papstes in der Verantwortung für die universale Kirche. Die verbalisierte Gewalt gegen ihn und andere ist doch nur Ausdruck intellektueller Hilfslosigkeit und moralischer Verwirrtheit „von irdisch gesinnten Menschen, die nicht erfassen, was vom Geist Gottes kommt“ (1 Kor 2,13).

Angesichts der exkommuniziernden Machtansprüche solcher Helden, die kaum eine Dogmatikprüfung bestehen könnten, fällt mir nur Dietrich Bonhoeffer ein, der im Jahr 1943 gegen die Dummheit resümierte: „Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen, es ist sinnlos und gefährlich.“ (DBW 8, 26).

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„Wie bei Aufhebung der Weimarer Verfassung durch Ermächtigungsgesetz“

Kardinal Müller übt scharfe Kritik am „Synodalen Weg“: „Im suizidalen Prozess hat die Mehrheit beschlossen, dass ihre Entscheidungen auch dann gelten, wenn sie der katholischen Glaubenslehre widersprechen.“

Rom (kath.net) 4. Februar 2020, 07:00

Der frühere Leiter der Römischen Glaubenskongregation, der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat am Montag gegenüber „LifesiteNews“ schwere Kritik am ersten Treffen des „Synodalen Wegs“ in Deutschland geübt. Wörtlich erklärt Müller in dem Interview: „Im suizidalen Prozess hat die Mehrheit beschlossen, dass ihre Entscheidungen auch dann gelten, wenn sie der katholischen Glaubenslehre widersprechen. Das ist wie bei der Aufhebung der Weimarer Verfassung durch das Ermächtigungsgesetz. Eine selbsternannte Versammlung, die weder von Gott noch den Menschen, die sie angeblich vertreten, autorisiert ist, setzt die Verfassung der Kirche göttlichen Rechtes, die auf dem Wort Gottes (in Schrift und Tradition) beruht, außer Kraft.“

Der Kurienkardinal kritisiert dann deutlich das System der Kirchensteuer in Deutschland und dass es bei diesem Prozess um eine „politische Bekehrung“ geht, die aber nichts mehr mit der Lehre der Apostel zu tun hat: „Die Basis der bischöflichen Autorität ist nicht mehr die „Lehre der Apostel“ (Apg 2, 42) und die „apostolische Vollmacht, im Namen Christi, die Kirche Gottes zu leiten, zu lehren und zu heiligen“ ( Lumen gentium 18- 27), sondern ihre administrativ-disziplinäre Macht über das Geld und das Personal, die sie großzügig mit Laienfunktionären teilen wollen. Diese politische Bekehrung der Kirche ist die Abkehr von ihrer religiösen Sendung. Also: Vorwärts zurück in die Vergangenheit! Das reaktionäre Prinzip lautet: cuius pecunia eius ecclesia.“

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Kardinal Müller: „Es gibt nur einen Papst, Franziskus“

Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Der frühere Leiter der Römischen Glaubenskongregation, der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat den Sonderstatus Benedikt XVI. als emeritierter Papst bestritten. „Wir haben keine zwei Päpste, es gibt nur einen Papst, Franziskus“, sagte Müller der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ in der Dienstagsausgabe.

Die Anrede als Papst emeritus sei eine Höflichkeitsform. „In Wirklichkeit ist Benedikt XVI. ein emeritierter Bischof“, so der Kardinal. Müller, von 2012 bis 2017 Präfekt der Glaubenskongregation, widersprach Deutungen, Benedikt XVI. mische sich durch Briefe und Aufsätze in die Amtsführung von Franziskus ein. Alle Bischöfe, auch emeritierte, hätten teil am Lehramt der Kirche und besäßen gemeinsam die Verantwortung für das katholische Glaubensgut, betonte er.

In der italienischen Tageszeitung „Il Giornale“ bezeichnete Kardinal Müller die Gegenüberstellung von Benedikt XVI. und Franziskus als „antikirchliches Spiel“. Es sei „absolut klar“, dass alle Kardinäle, Bischöfe und Katholiken an der Seite von Papst Franziskus stünden, so der frühere Glaubenspräfekt, dessen fünfjähriges Mandat von Franziskus 2017 nicht verlängert worden war und der sich wiederholt kritisch über Positionen des amtierenden Papstes geäußert hatte.

Zur Debatte um verheiratete Priester sagte Müller, innerhalb der katholischen Kirche des lateinischen Ritus seien Ausnahmen aus seiner Sicht nicht möglich, weil eine kirchenferne Öffentlichkeit dies als Abschaffung des Zölibats an sich interpretieren würde.

(kap – mg)

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Kurienkardinal Müller sieht Weihnachten auch über den Kreis der Gläubigen hinaus mit einer bestimmten Aura umgeben, „die wir nicht ablehnen wollen“. Im Bild: Das Jesuskind in einer Krippe in der Münchner Frauenkirche. Foto: Sven Hoppe (dpa)

Im Interview spricht der Kurienkardinal über die Bedeutung von Weihnachten, den kindlichen Geist des Vertrauens und den Einfluss glaubensfeindlicher Ideologien.

Lieber Herr Kardinal, weil das Jesuskind in der Krippe so klein ist, wollen wir heute nur ein kleines und kurzes Gespräch über Weihnachten mit Ihnen führen. Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn, wenn Sie an Weihnachten denken?

Für mich als Christ und Theologen ist natürlich zuerst die Menschwerdung Gottes das entscheidende Ereignis, das mit der Empfängnis und der Geburt beginnt und sich dann weiter entfaltet in der Reich-Gottes-Verkündigung Jesu bis zum Kreuz und zur Auferstehung: Gott in der Welt! Das ist Weihnachten.

Ostern ist für Christen entscheidend. Warum ist Weihnachten aber unser populärstes Fest?

Weil es in mitteleuropäischen Zonen auch in fast romantischer Weise als Fest der Familie ausgelegt und als Gelegenheit wahrgenommen wird, mit der Familie zusammenzukommen. Insofern ist Weihnachten auch über den Kreis der Gläubigen hinaus mit einer bestimmten Aura umgeben, die wir nicht ablehnen wollen. Entscheidend ist die Substanz des Festes, damit wir begreifen, wie wichtig wir unserem Gott und Schöpfer sind. „Christ, verstehe und erkenne Deine Würde und bedenke“, sagt der heilige Leo der Große (ca. 400–461) schon im 5. Jahrhundert, „um welchen Preis Du freigekauft worden bist. Gott ist Mensch geworden, damit wir Menschen zu der Höhe Gottes emporgehoben werden. Gott wurde ein Kind, damit die Menschen Kinder Gottes werden.“

„Entscheidend ist die Substanz des Festes,
damit wir begreifen, wie wichtig wir
unserem Gott und Schöpfer sind“

Gerade Familien aber sind heute oft Ort großer und schmerzhafter Dramen. Von unseren Kindern glaubt keiner mehr an das, worauf wir noch unser Leben gesetzt haben. Ist die Vorstellung einer Heiligen Familie da nicht ein Auslaufmodell?

Stimmt, es ist sicher eine Tragödie, dass viele Kinder unter dem Einfluss glaubensfeindlicher Ideologien den Glauben aufgeben, der den Menschen zum Heil hinführt. Deshalb ist es so wichtig, dass Menschen von heute, selbst wenn sie sich von ihrer christlichen Tradition entfernt haben, begreifen, dass es zu Christus eigentlich keine Alternative gibt. Die großen Heilsversprecher oder die materialistischen Stimmen, die sagen, der Sinn des Lebens besteht darin, reich zu werden oder sich im sexuellen Genuss auszuleben, führen die Menschen früher oder später in eine Katastrophe. Der Nihilismus, nach dem das Leben letztlich keinen Sinn hat, und die Erfahrung, dass Gott der Sinn des Lebens ist, ist die Alternative, an der letztlich keiner vorbeikommt.

Sie haben zweimal die Menschwerdung Gottes angesprochen. Warum wird in der Kirche denn das bedeutende Fest der Fleischwerdung am 25. März (am Festtag der Verkündigung Mariä) nicht viel größer gefeiert als Weihnachten?

Weil durch die Geburt Jesu Gott ins Licht der Welt getreten ist. Vorher hat sich seine Menschwerdung gleichsam verborgen im Leib Mariens abgespielt, als Geheimnis Gottes. In der Geburt aber ist er „erschienen“. Natürlich beginnt sein menschliches Leben wie das jedes Menschen mit seiner Empfängnis im Mutterleib. Aber das öffentliche Hervortreten Gottes und seine Inthronisation zuerst auf dem Holz der Krippe und schließlich am Kreuz des Holzes hat mit seiner Geburt aus Maria begonnen, in der die Güte und Menschlichkeit Gottes erstmals „erschienen“ ist: Das Licht der Welt. Darum feiert die orthodoxe Christenheit ja auch die Epiphanie – das heißt, das „Erscheinen“ Gottes – als das eigentliche Weihnachten. Darum wurde den Hirten gesagt: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren: Er ist der Christus, der Herr.“ Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“ (Lk 2, 11f).

Wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet Ihr nicht ins Himmelreich eingehen, wissen wir von Jesus. Paulus hingegen schreibt: Früher dachte ich wie ein Kind und glaubte wie ein Kind. Heute aber denke ich wie ein Erwachsener und glaube wie ein Erwachsener etc. Was sagen Sie zu diesem Gegensatz und Widerspruch?

„Jesus selbst ist Sohn Gottes, also auch Kind.
Keinesfalls darf deshalb der Begriff „Kind“
in diesem Zusammenhang mit dem
Aspekt mangelnder Reife verbunden werden“

Die Begrifflichkeit des „Wie-die-Kinder-werdens“ und des „Kind-Gottes-Seins“ ist natürlich analog gemeint. Jesus selbst ist Sohn Gottes, also auch Kind. Keinesfalls darf deshalb der Begriff „Kind“ in diesem Zusammenhang mit dem Aspekt mangelnder Reife verbunden werden. Deshalb unterscheiden wir im Deutschen ja auch die Begriffe „kindlich“ im Sinne des Vertrauens und „kindisch“ im Sinne des mangelnden Vernunftgebrauchs, wo sich jemand auf eine infantile Stufe zurückbegibt. Verlangt ist von uns stattdessen, dass wir den kindlichen Geist des Vertrauens und der Demut  Gott gegenüber wiederfinden und nicht so eingebildet sind und hochmütig fragen: „Wie kann ich jetzt als Erwachsener Kind Gottes sein. Ich bin doch ein mündiger Christ und weiß alles besser als die andern und kann sogar Gott belehren.“  Das habe ich oft gehört und widerspricht dennoch fundamental der wirklichen geistigen und geistlichen Reife-Erfahrung, dass wir auch als erwachsene Menschen im Sohnesverhältnis und Tochterverhältnis zu Gott stehen. Wenn der Sohn Gottes demütig wurde um unsertwegen, warum sollen wir uns gegen die Einsicht sperren, dass wir endliche, sterbliche und sündige Menschen sind, die sich aber ganz Gott anvertrauen dürfen.

Sie haben lange studiert und waren von 1986 bis 2002 Professor für Dogmatik. Welche Rolle spielt da der Kinderglaube für Sie und ihren Glauben?

Das, was wir als Kind schon glauben, wird in seinem Inhalt und seiner Realität nicht anders als das, was wir als Erwachsene glauben. Was wahr ist, kann nicht falsch werden und was falsch ist, wird nicht wahr, nur weil wir an Jahren zulegen. Nur die Sehweise kann sich ändern und vertiefen. Manches kann auch durch die Wechselfälle des Lebens verloren gehen oder verdunkelt werden. Viele, die vom Leben enttäuscht sind, sehnen sich zurück nach dem Kinderglauben. Die Kinderzeit kommt aber nicht mehr zurück.

„Was wahr ist, kann nicht falsch werden
und was falsch ist, wird nicht wahr,
nur weil wir an Jahren zulegen“

Christus hingegen „ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit“, wie es im Hebräerbrief heißt.   Wir sollten uns sehnen nach der Kindlichkeit des Glaubens, doch nicht nach einem vorreflexiven Zustand, als ob der Glaube nur etwas wäre für Leute, die ihre Vernunft noch nicht gebrauchen können. Das wäre völlig falsch. Glaube ist nicht blinder Gehorsam oder ein romantisches Gefühl, sondern die vollkommene Hingabe des Verstandes und Willens an Gott, der sich in seinem Wort offenbart und uns im Heiligen Geist in seine dreifaltige Liebe aufnimmt.

Die Evangelien sagen, Jesus wurde in Bethlehem geboren. Viele Theologen verbreiten hingegen schon lange, dass er in Nazareth geboren wurde. Was sagen Sie?

Ich frage mich, woher die das wissen! Diese Theologen denken, es müsste nach ihren Vorstellungen so sein, weil beim Propheten Micha die Geburt des Messias als Herrscher und Hirt Israels in Bethlehem prophezeit wurde. Deshalb hätten die Evangelisten ihre Berichte entsprechend gefälscht und hätten Bethlehem als literarische Fiktion eingeführt. Theologie aber ist die vernunftgemäße Auslegung des geoffenbarten Glaubens. Es ist absurd, aus einer Verheißung ein späteres historisches Ereignis abzuleiten. Gerade umgekehrt wird das Ereignis der Geburt Jesu, den die Kirche schon vor der Abfassung der Evangelien als Christus und Sohn des lebendigen Gottes im Glauben bekannte, im Licht des universalen Heilswillens dargestellt. Jesus ist in Bethlehem geboren nach dem Ausweis der Evangelien und das ist das Entscheidende, dass sich hier die Verheißung erfüllt, dass Jesus aus dem Stamm Davids in der Stadt Davids geboren wird. Das wäre auch nicht anders, wenn er woanders geboren worden wäre. Es gibt aber keinen Grund, dass die Evangelisten eine vorsätzliche Fälschung in einer Selbsttäuschung vornehmen mussten, um die Wahrheit wahrscheinlicher zu machen.

Zur Jugend Christi und zur Jugend der Kirche: Was sagen Sie zum folgenden Zitat des heiligen Johannes Paul II vom 7. Dezember 1990 aus seiner Enzyklika „Redemptoris missio“: „Wenn man die heutige Welt oberflächlich betrachtet, ist man nicht wenig betroffen von den negativen Tatsachen, die zum Pessimismus führen können. Aber dieses Gefühl ist nicht gerechtfertigt: Wir glauben an Gott, den Vater und Herrn, an seine Güte und Barmherzigkeit. Am Anfang des 3. Jahrtausends der Erlösung ist Gott ist dabei, einen großen christlichen Frühling zu bereiten, dessen Morgenröte man schon ahnend erkennen kann.“ Was sagen Sie dazu?

„Es hängt […] ganz stark von uns ab, ob wir
als Christen wirklich bereit sind, uns
zu öffnen und für den Glauben und die
Kirche, vor allem aber für Christus, einzustehen“

Hier redete Johannes Paul II.  schon vor zwei Jahrzehnten über den Gegensatz zwischen Nihilismus, der zum Pessimismus führt und dem Glauben, der zur Hoffnung führt, auch wenn es da keinen Automatismus gibt zu einem Frühling, den er damals als ein Bildwort benutzte. Denn es hängt in diesem Zusammenhang ja ganz stark von uns ab, ob wir als Christen wirklich bereit sind, uns zu öffnen und bereit sind, für den Glauben und die Kirche, vor allem aber für Christus  einzustehen und Zeugnis abzulegen oder ob wir uns verängstigt zurückziehen wollen, wie einst die Jünger, die dann aber doch den heiligen Geist empfangen haben und das Evangelium mit großer Kraft verkündeten. Christsein heißt, im Leben und im Sterben allein auf Christus seine ganze Hoffnung zu setzen.

Karl Rahner sprach zu seiner Zeit noch von einem „Winter der Kirche“. Würden Sie denn das Wort des heiligen Johannes Paul unterschreiben, dass der Frühling der Kirche noch vor uns liegt?

Nun, momentan sieht es zumindest in Deutschland und Europa ja eher nicht nach Frühling aus. Und doch: In Afrika etwa blüht die Kirche unter schwierigsten Bedingungen wie noch nie. Da muss man unbedingt von einem Frühling sprechen. Und auch persönlich kenne ich viele Jugendliche aus der ganzen Welt aus allen Kontinenten, die sich ganz bewusst und aktiv für den Glauben und die Kirche engagieren, ohne sich von ermüdenden Strukturdebatten oder geistlosen Funktionärsveranstaltungen entmutigen zu lassen.  Es gibt Gläubige aller Altersstufen, die sich an mich und viele andere Seelsorger wenden, weil sie wissen, dass der Glaube an Jesus Christus das Fundament ist für unser Leben, nicht nur in unserem kurzen, keineswegs leidfreien Erdenleben, sondern darüber hinaus in alle Ewigkeit. Und am Schluss wird man den Frühling oder die Zeit der Ernte wohl nur an der Zahl der Heiligen messen können, die in unserer Zeit unter uns heranreifen.

Mit freundlicher Genehmigung von „CNA Deutsch“

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Quelle

Der Bruch mit der Schrift — Sind „die katholischen Bischöfe in Deutschland“ noch normal?

Gerhard Müller – 12. Dezember 2019

Die katholische Theologie muss auch die Ergebnisse und Wertungen der Wissenschaften kritisch auf weltanschauliche Vorurteile hin überprüfen, meint Kardinal Müller. Foto: stock.adobe.com

Das kirchensteuerfinanzierte Portal „katholisch.de“ meldet am Vortag des „Hochfestes der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“: „Bischöfe mit Wissenschaftlern einig: Homosexualität ist etwas Normales.“

„Normal“ – um das Schlüsselwort dieses revolutionären Erkenntnisdurchbruchs aufzugreifen – wäre es allerdings, wenn die Bischöfe ihrem Weiheversprechen treu blieben und „nichts lehren, was nicht überliefert ist, weil das Lehramt das Wort Gottes aus göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen Geistes voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt, und weil es alles, was es als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Schatz des Glaubens schöpft“ (II. Vatikanum, Dogmatische Konstitution über die Göttliche Offenbarung „Dei verbum“, Art. 10).

Offenbarung in der Schöpfung und Heilsgeschichte

Die Sexualmoral ergibt sich in ihren wesentlichen Prinzipien aus der Offenbarung in der Schöpfung und Heilsgeschichte. Sie ist nicht zu verwechseln mit einer von uns ausgedachten Theorie über Phänomene des menschlichen Daseins, die das kirchliche Lehramt den Gläubigen zu denken aufzwingt, so wie die Diktatur des Relativismus die Menschen unter den Meinungszwang des Mainstreams zwingt und bei Zuwiderhandeln politisch und juristisch abstraft. Die ganze Kirche und somit auch das Lehramt empfangen die Gewissheit ihrer Glaubens- und Sittenlehre nur aus dem ehrfürchtigen Hören des Wortes Gottes als Grund des zuversichtlichen und treuen Verkündens (vgl. II. Vatikanum „Dei verbum“ 1) und Lehrens im Namen Christi (Matthäus 28,19f).

Die drei Untertitel des Berichtes sind rhetorische Fragen, die nur eine einzige und zwar die zwingende Antwort des sogenannten Synodalen Weges zulassen. Die Fragen wurden so formuliert, dass sie nur ein Ja oder Nein zulassen. Den Synodalen bleibt nur die Akklamation: „Ist das lehramtliche Verbot praktizierter Homosexualität zeitgemäß?“ Antwort: Nein. „Ist die Homosexualität eine normale sexuelle Ausrichtung?“ Antwort: Ja. „Ist eine sexuelle Beziehung nach einer Scheidung ,schwere Sünde‘?“ Antwort: Seit „Amoris laetitia“ nicht mehr.

Schlagzeile mit gezielt manipulativem Charakter

Diese Erkenntnisse verdanken nach dieser Meldung „die katholischen Bischöfe in Deutschland“ ihren Experten aus Medizin und Theologie, von denen sie sich zur Vorbereitung des Synodalen Weges beraten ließen. Die Informationen, die man von dieser „Fachkonsultation“ in diesem Beitrag erhält, sind etwas differenzierter, so dass die Schlagzeile ihren gezielt manipulativen Charakter nicht ganz verbergen kann.

Gebetsmühlenartig weisen „die katholischen Bischöfe in Deutschland jedwede Form einer Diskriminierung von homosexuell veranlagten Menschen zurück“, ohne sich mit der Frage zu befassen, was überhaupt Diskriminierung ist, was die Kriterien des Begehens dieser Untat und ihres Empfundenwerdens sind, und wem näherhin die Definitionshoheit des Gummiparagraphen „Diskriminierung“ bis hin zu juristischen Konsequenzen zukommt. Diese Bischöfe scheinen den Wandel der Zeit noch nicht bemerkt zu haben. Denn tatsächlich werden diejenigen diskriminiert als kriminelle Hass- prediger, Homophobe, Pharisäer und hinter dem Stand der Wissenschaft Zurückgebliebene, die einfach nur die natürliche Wahrheit bekennen, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat und dass Christus die sakramentale Ehe zu einem unauflösbaren Bund gemacht hat, der seine Einheit mit der Kirche im Zeichen darstellt und seine Gnade den Ehegatten wirksam vermittelt.

Glaube setzt die geistig-sittliche Natur des Menschen voraus

In der Tat ist der Dialog der Theologie, insofern sie Auslegung des Wortes Gottes im Glaubensbekenntnis der Kirche ist, mit den Natur-, Geschichts- und Humanwissenschaften – in Verbindung mit der philosophischen Erschießung des menschlichen Selbst- und Weltverständnisses – aus der Natur der Sache heraus unerlässlich. Denn der Glaube setzt die geistig-sittliche Natur des Menschen voraus, reinigt sie von ihrer Kontamination mit der Sünde Adams und den persönlichen Sünden und erhebt sie zu ihrem übernatürlichen und ewigen Ziel in der liebenden Einheit mit Gott in Wahrheit und Leben. Aber die katholische Theologie muss auch die Ergebnisse und Wertungen der Wissenschaften kritisch auf weltanschauliche Vorurteile hin überprüfen. Es gab und gibt den wissenschaftlichen Materialismus und wissenschaftlichen Atheismus und sogar einen wissenschaftlich sich drapierenden Rassismus. Papst Pius XI. hat diese menschenverachtende, doch als „modern“ sich ausgebende Lehre in der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ 1937 auf der Basis des natürlichen, das heißt in der Vernunft begründeten, Sittengesetzes und der sich daraus ergebenden allgemeinen Menschenrechte als Pseudowissenschaft entlarvt und zurückgewiesen.

Aber die philosophische Erkenntnis der Existenz Gottes und das Bekenntnis zu Gott als Schöpfer, Erlöser und Versöhner der Menschheit aufgrund seiner Selbstoffenbarung in Christus hängen nicht vom Weltbild der natürlichen Wissenschaften ab und können schon gar nicht durch ihren ideologischen Missbrauch in Frage gestellt werden. Der übernatürliche Glaube aufgrund der Gabe des Heiligen Geistes kann durch die Wissenschaften weder erwiesen noch widerlegt werden. Denn der Glaube ist ein Akt freier und vernünftiger Zustimmung zu Gott, der sich uns in seinem geoffenbarten Wort zu erkennen gibt, und der in Seinem – in unser Herz ausgegossenen – Geist uns liebt und von uns geliebt wird.

Nach Gottes Bild und Gleichnis erschaffen

Aus der Offenbarung wissen wir sicher, dass Gott uns nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat und dass darum der Mensch das einzige um seiner selbst willen geschaffene Wesen und damit jeder individuell existierende Mensch eine unmittelbar auf Gott hin bezogene Person ist. Zur Wesensverfassung des Menschen gehört sein leib-geistiges Dasein als Mann oder Frau und ihre ganzheitliche Beziehung zueinander, die in der Ehe eine frei angenommene konkrete Realität wird mit allen wesenseigenen Rechten und Pflichten.

Den Angaben des zitierten Beitrages in „katholisch.de“ zufolge soll es neueste wissenschaftliche Erkenntnis sein, dass eine erotische Anziehung durch einen Menschen des gleichen Geschlechtes sexuelle Akte unter Personen gleichen Geschlechtes ethisch unbedenklich macht und dass sich daraus zwingend ein Recht auf Triebbefriedigung ergibt. Daraus folge, dass sich derjenige am Glück des so Handelnden schuldig macht, der mit Berufung auf das natürliche Sittengesetz und die geoffenbarten Gebote Gottes die homosexuellen Handlungen – und alle anderen außerhalb einer legitimen Ehe – als Widerspruch zum heiligen Willen Gottes, also als Sünde, zu bezeichnen wagt. Hier steht das kirchliche Lehramt unter Anklage, dem man ein Verbot solcher vermeintlich glückschaffender Handlungen vorwirft. Außer Acht bleibt, dass die Gebote Gottes und das Verbot der Sünde von Gott kommen und dass das Lehramt nur die Aufgabe hat, „die gesunden Worte Jesu Christi, unseres Herrn, zu lehren“ (1 Tim 5,3), und dass Papst und Bischöfe über keine Vollmacht verfügen, sie den Wünschen der Menschen anzupassen. Entsprechend dieser Meinung über die Normalität homosexueller Handlungen, die man nicht mit Argumenten belegt, sondern die nur behauptet wird, müsste man den Glauben an das Wort Gottes durch den Glauben an die Wissenschaft und eine blinde Ergebenheit an die Autorität der modernen Wissenschaftler ersetzen.

„Der Mensch ist seinem geistig-leiblichen
Wesen nach Mann oder Frau“

Der Mensch ist seinem geistig-leiblichen Wesen nach Mann oder Frau. Und die sexuelle Vereinigung der beiden anatomisch aufeinander bezogenen Leiber und die nur zwischen Mann und Frau mögliche innigste Freundschaft in Seele und Geist, ermöglicht die leibliche und geistliche Fruchtbarkeit, durch die Gott den Menschen würdigt, an seinem Schöpfertum teilzuhaben.

Eine andere Frage ist es, wie erotische Anziehung durch das gleiche Geschlecht entsteht, die als solche nicht Sünde ist, im Unterschied zu allen geschlechtlichen Handlungen außerhalb der Ehe von Mann und Frau. Auch wird der Staat übergriffig, wenn er eine unter mehreren wissenschaftlichen Erklärungen dieses Phänomens als alleingültig gesetzlich schützt und alle anderen legitimen ethischen Positionen dazu unter Strafe stellt.

Die Alleinherrschaft von politischen, soziologischen und psychologischen Denkmustern ohne ein Hören auf Gottes Wort und ohne die Einheit mit ihm im Gebet und ohne die Treue zum Credo der Kirche würde mit Sicherheit den Synodalen Weg im Desaster einer verheerenden Selbstsäkularisierung verenden lassen. Eine neue Evangelisierung Deutschlands, wie sie Papst Franziskus erbeten hatte, kommt nur im Geiste des heiligen Bonifatius und all der großen Männer und Frauen, die die christliche Kultur unserer Heimat geprägt haben und der überzeugenden Christen des Alltags zustande.

Eigener Wunsch darf nicht Vater der Hermeneutik werden

Die von zwei Bischöfen bei diesem Treffen aufgestellte Behauptung, dass das nachsynodale Schreiben „Amoris laetitia“ von nun an „die sexuelle Beziehung nach Scheidung und Wiederheirat nicht weiter pauschal als schwere Sünde werte“, ist formal und inhaltlich falsch. Man muss den Text genau lesen und darf den eigenen Wunsch nicht zum Vater seiner Hermeneutik machen. Es geht nur darum, dass in manchen Fällen die Frage nach der Gültigkeit der kirchlich geschlossenen Ehe hinsichtlich der Bewertung ihrer sakramentalen Realität – in der geistigen sittlichen Desorientierung der nachchristlichen Gesellschaften – nicht von vornherein so einfach zu beantworten ist. Manche sehen in der Tatsache, dass Papst Franziskus die Bischöfe, die dies so verstehen, fördert und diejenigen, die diese Deutung als unvereinbar mit dem geoffenbarten Glauben der Kirche zurückweisen, abwertet und ausgrenzt, als Beweis ihrer – objektiv allerdings falschen – Interpretation.

Dass die sakramentale Vereinigung mit Christus in der heiligen Kommunion die Einheit mit ihm im Glaubensbekenntnis und in einer moralischen Lebensführung voraussetzt, ist aus der Natur dieses Sakramentes heraus evident, im Wort Gottes positiv begründet und vom Lehramt der Kirche beständig verkündet. Ehebruch ist objektiv immer schwere Sünde, deren schädliche Wirkung – so wie bei allen anderen schweren Sünden, die vom Reich Gottes ausschließen (1 Korinther 6,10) – nicht durch großzügige Bischöfe, die es mit dem Wort Gottes nicht so genau nehmen, sondern nur durch Reue und Umkehr, Beichte und Absolution Vergebung findet, wodurch die Gnade den Weg zur Versöhnung mit Gott und der Kirche eröffnet. Die Kirche urteilt durch den Priester im Bußsakrament über die äußeren Handlungen – gemäß den Geboten Gottes und der Kirche – aber nie über das Innere der Person, über die allein Gott richtet.

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Kardinal Müller befürchtet in Lateinamerika einen Massenexodus aus der Kirche.

Kardinal Gerhard Müller zur Kirche in AmazonienKardinal Gerhard Müller warnt vor falsch verstandener Inkulturation. Foto: KNA

Kardinal Gerhard Ludwig Müller lehnt Kritik am Pachamama-Wurf in den Tiber ab. Ohne den Urheber der Aktion, Alexander Tschugguel, namentlich zu nennen, erklärte Müller kürzlich gegenüber dieser Zeitung. „Wenn die Hirten schlafen, schlägt die Stunde der Laien.“ Der Skandal bestehe in der Gotteslästerung, wenn in katholischen Kirchen und im Beisein von katholischen Gläubigen und ihren Hirten Geschöpfe oder von Menschenhand geschaffene Bilder aus Stein, Holz, Metall et cetera anstelle des einzigen und wahren Gottes angebetet werden.

Alttestamentliche Propheten waren viel rigoroser

Auf den Tiberwurf Tschugguels angesprochen, sagte der Kardinal, im Kampf gegen die Götzenbilder seien die alttestamentlichen Propheten viel rigoroser vorgegangen. Müller erinnerte auch an das Vorbild des Apostels der Deutschen: Der heilige Bonifatius habe aus dem Holz der gefällten Donareiche eine christliche Kapelle gebaut. Wörtlich stellte der Kardinal fest: „Im Zeitalter der Selbstsäkularisierung des Christentums hätten sicher einige Jünger – in fröhlicher Eintracht mit seinen Feinden, die ihn ans Kreuz brachten – nach der Tempelreinigung Christus wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung öffentlich angeklagt und strafrechtlich verfolgt. Sie hätten Jesus mangelnde Dialogbereitschaft attestiert, weil Er mit heiligem Eifer einschritt, als Geldwechsler und Tierhändler das Haus seines Vaters zu einer Markthalle machten.

Erneut übte der Kardinal scharfe Kritik an der Amazonas-Synode: „Das ganze – mit vielen Euros gesponserte – Treiben kann man nicht als Inkulturation verharmlosen oder als Zeichen des Respekts für andere Kulturen schönreden oder gar in bemalten weiblichen Fruchtbarkeitsfiguren ein Pro-Life-Symbol erkennen wollen.“

Müller grenzt Heiligenverehrung vom Pachamama-Kult ab

Die Bischöfe mahnte der Kardinal, sie sollten sich an das Beispiel des Apostels Paulus erinnern. Die Lykanonier hätten Paulus und Barnabas Opfer darbringen wollen, weil sie diese für die griechischen Götter Zeus und Hermes hielten. Paulus habe jedoch den Heiden geantwortet: „Wir bringen euch das Evangelium, damit ihr euch von diesen Nichtsen zu dem lebendigen Gott bekehrt, der den Himmel und die Erde geschaffen hat.“ Mit Nachdruck grenzte der Kardinal die katholische Bilder- und Heiligenverehrung vom Kult um die Pachamama ab. Heiligenbilder und -reliquien dienten nur der Erinnerung an die Heiligen, die als Zeugen der Gnade Gottes geehrt, aber nicht wie oder als Gott angebetet und verherrlicht würden, unterstrich der Kardinal. Die Grenzen der Inkulturationsfähigkeit der katholischen Kirche ergeben sich aus Sicht des Kardinals aus der Taufe. Wenn Menschen aus der Amazonasregion durch die Taufe zu Christus gehören, „können sie nicht innerhalb des katholisches Kultes Götzenverehrung betreiben“, stellte er klar. „Und wenn sie nicht katholisch sind, gehören sie nicht zur Kirche als Leib Christi und Tempel des Heiligen Geistes. Sie haben somit kein Recht, im liturgischen Kirchenraum mit ihren heidnischen oder nicht-katholischen Riten aufzutreten.“

Götzendienst gegenüber personifizierten Gewalten der Natur wie mythischen Gottheiten oder verabsolutierten endlichen Werten wie Geld, Macht und Prestige ruiniert aus Sicht des Kardinals jede Kultur. Müller erinnerte an das Pauluswort aus dem Epheserbrief: „Kein Götzendiener erhält ein Erbteil im Reich Christi und Gottes.“

Warnung vor Folgen falsch verstandener Inkulturation

Er warnte vor den Folgen einer falsch verstandenen Inkulturation: „Das ganze Trauerspiel wird viele aggressive antikatholische Sekten in Südamerika und anderswo in ihrer Polemik bestätigen, dass die Katholiken Götzendiener seien und dass der Papst, dem sie gehorchen, der Antichrist sei. Hunderttausende von Katholiken werden nun gerade im Amazonasgebiet und überall, wo die Videos von diesem römischen Spektakel gesehen wurden, die Kirche unter Protest verlassen. Hat man an diese Konsequenz gedacht oder nimmt man sie in Kauf?“

Zweifel äußerte der vormalige Präfekt der Glaubenskongregation, der Lateinamerika von zahlreichen Aufenthalten her kennt, an der Eignung ethnischer Symbole wie der Pachamama für die Neuevangelisierung. „Die Jungen dort interessieren sich sowieso nicht für die Pachamama, sondern vielmehr für Laptop und iPad. Soviel nur zur Zeitgemäßheit der Synodenmacher, deren Ideen sich in den 70er Jahren verfestigten.“ Aus dem im Matthäusevangelium dokumentierten Missionsbefehl Christi habe man „eine Karikatur“ gemacht.

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Quelle

Kardinal Müller: „Götzen in die Kirche zu bringen war eine schwere Sünde…“

25 Oktober 2019, 10:35

Der emeritierte Glaubenspräfekt übt scharfe Kritik daran, dass im Rahmen der Amazonas-Synode Götzenbilder in Kirche gebracht wurden – „Götzen in die Kirche zu bringen war eine schwere Sünde, ein krimineller Akt gegen das göttliche Recht“VIDEO

Vatikan (kath.net/pl) „Götzendienst ist gemäß dem ersten Gebot eine schwere Sünde.“ Darauf weist der emeritierte Präfekt der Glaubenskongregation, Gerhard Kardinal Müller, hin. Er äußerte sich im Interview auf die Frage von EWTN-Chefredakteur Raymond Arroyo zu der Aktion katholischer Laien. Diese hatten die umstrittenen Holzfiguren nackter schwangerer Frauen aus der vatikannahen Kirche Santa Maria del Traspontina entfernt und in den Tiber geworfen. „Der eigentliche Fehler war gewesen, die Götzenbilder IN die Kirche zu bringen, nicht, sie wieder daraus zu entfernen.“ Zwar könne die Entfernung der Götzenbilder tatsächlich gegen menschliches Recht verstoßen, „doch die Götzen IN die Kirche zu bringen, war eine schwere Sünde, ein krimineller Akt gegen das göttliche Recht“. Äußerungen des emeritierten Glaubenspräfekten ist zu entnehmen, dass er die umstrittenen indigenen Holzstatuen, die mehrfach auch in liturgischen Handlungen vor Papst Franziskus aufgetaucht waren (siehe Fotobelege und Videos unten) zweifelsfrei als „Götzenbilder“ einstuft.

Götzen dürften, warnte Müller, „nicht mit der christlichen Liturgie vermischt werden“. Die Liturgie in den Vatikanischen Gärten am 4. Oktober in Anwesenheit von Papst Franziskus habe „eine gewisse Verehrung, ja Anbetung von Götzen“ beinhaltet, ein Verstoß gegen das erste Gebot, denn Jesus Christus, gegenwärtig in den Sakramenten, „ist der einzige Erlöser“. Zwar haben Katholiken „Heiligenbilder, doch wir beten diese nicht an“, sondern wir „verehren“ nur die Bilder repräsentativ für diese heiligen Personen. „Anbetung“ stehe weder Menschen noch der Schöpfung „in irgendeiner Weise“ zu, erläuterte Müller und verwies auf die Theologie des hl. Paulus.

Den Vorschlag, dass Frauen das Sakrament der Priesterweihe empfangen sollen können, lehnte Müller klar ab. Selbstverständlich sei die diesbezügliche Aussage von Papst Johannes Paul II. dogmatisch, auch wenn es Stimmen gebe, die dies ablehnten.

In diesem Zusammenhang wies Müller auch darauf hin, dass die wirklich starken Einflussnahmen auf die Amazonassynode nicht aus dem Amazonas kommen, die Agenda sei von europäischen Fragen geprägt, den „viri probati“, der Frauenfrage – „dies hat nichts mit der Situation und den Bedürfnissen der Christen und Katholiken in der Amazonasregion“. Die Hauptprotagonisten seien aus Deutschland „oder in Österreich geboren“, also „aus dem Zentrum Europas, wo das Geld herkommt“. Ohne Namensnennung kritisierte Müller die Äußerung von Bischof Kräutler: dass jemand sagt, er habe nie einen Indigenen getauft, „ist ein direkter Widerspruch zu Jesus Christus“, auch habe Taufe ja „nicht mit Kolonialismus“ zu tun.

Ein Bischof muss für Jesus Christus sprechen, erinnerte Müller. „Ich interessiere mich nicht für Privatmeinungen von Personen in irgendeinem Land… die Welt hängt nicht von der privaten Intelligenz irgendwelcher Bischöfe ab“. Bischöfe haben die Aufgabe, „das Evangelium zu verkünden – es handelt sich um das Wort Gottes“. Die Kirche muss dazu zurückkehren, „eine christuszentrierte Gemeinschaft“ zu sein. Christus sei gleichermaßen gegenwärtig in der Amazonasregion, in der Tiberregion und in Syrien – „Rom ist nicht das Zentrum der katholischen Kirche“, die anderen Regionen seien keine „Peripherie“. Rom und der Papst seien zwar sehr wichtig für die Einheit der Kirche, doch bestehe die Aufgabe der Kirche darin, den Glauben zu verkünden.

Der emeritierte Glaubenspräfekt lobte, dass es „besonders in den USA eine starke Laienschaft gebe, mit einer guten Anzahl katholischer Intellektueller sowohl bei den Priestern wie auch bei den Laien“. Diese sollten „nicht ängstlich sein“, vielmehr sollten sie „ohne Scheu vor Rom und vor anderen politischen Gründen laut werden“. Der jüngst heiliggesprochene John Henry Newman, erinnerte Müller, habe sich ausführlich über die große Bedeutung der Laien für die Kirche geäußert und dabei das Konzil von Nizäa als großes Vorbild herausgestellt, in jener Zeit waren es die Laien, die am wahren Glauben festgehalten hatten, entgegen der Bischöfe, die von Herrschern und von politischen Themen „unterdrückt“ gewesen waren.

kath.net-Kommentare zu den umstrittenen Frauenfiguren:

– Armin Schwibach: Der Skandal der Zweideutigkeit und des Spielens mit dem Heidentum

– Petra Lorleberg: Rätselraten um die Bedeutung der umstrittenen Figuren nackter schwangerer Frauen – Vatikan schweigt

Kardinal Müller wertet umstrittene Figuren nackter schwangerer Frauen bei Amazonas-Synode als ´Götzenbilder´ – Arroyo/EWTN-Interview ab Min 20 (engl.)

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Quelle (englisch)

Kardinal Müller: Sie haben Jesus aus der Amazonas-Synode vertrieben

Patrick Craine / LifeSiteNews

8. Oktober 2019 ( L’Espresso ) – Die Amazonas-Synode hat begonnen . „Aber es wird Konsequenzen für die Weltkirche haben“, warnt Kardinal Gerhard Müller in einem ausführlichen Interview mit Matteo Matzuzzi für die Zeitung „Il Foglio„, die noch am Tag der Eröffnung des Werkes erschienen ist. „Wenn man den Stimmen einiger Protagonisten dieser Versammlung zuhört, versteht man leicht, dass die Agenda vollständig europäisch ist.“

Europäisch und vor allem deutsch. Tatsächlich wurde auch in Deutschland ein „synodaler Weg“ eingeleitet, der vom Amazonas ausgeht, um nicht weniger als die Universalkirche zu reformieren, eine Synode, in der die Laien Zahlen und Stimmen auf Augenhöhe haben werden mit den Bischöfen, eine Synode, deren Beschlüsse „verbindlich“ sein werden und die das Ende des priesterlichen Zölibats, die Ordination von Frauen, die Reform der Sexualmoral und die Demokratisierung der kirchlichen Befugnisse zum Gegenstand haben werden.

Es ist ein Erdbeben, das seit seiner Ankündigung in Papst Franziskus selbst Unruhe stiftete. Er schrieb im Juni einen offenen Brief an die deutschen Bischöfe, um sie davon zu überzeugen, ihre exorbitanten Ambitionen zu mildern. Im September schrieb Kardinal Marc Ouellet, Präfekt der Bischofskongregation, einen noch dringlicheren Brief an sie und lehnte die in Deutschland eingeleitete Synode als kanonisch „ungültig“ ab. Und dass Ouellet im Einklang mit dem Papst handelt, steht außer Zweifel. Er hat dies vor einigen Tagen bewiesen, als er sagte, er sei „skeptisch“ gegenüber der Idee, verheiratete Männer zu ordinieren – ein zentraler Punkt der amazonischen und deutschen Synode – und fügte sofort hinzu, dass „jemand über mir auch“ skeptisch sei. Was Franziskus anbelangt, so beschloss er, sich am 25. September mit acht jungen Katechisten aus Nordthailand zu treffen, den Führern kleiner Gemeinden, die weit voneinander entfernt sind und die nur sehr selten von einem Priester besucht werden, der die Messe feiert und sich dennoch weigert, darum zu bitten die Ordination von verheirateten Männern. „Das Himmelreich gehört den Kleinen“, sagte ihnen der Papst, „zutiefst gerührt“ in der Erzählung von „L’Osservatore Romano„.

Aber die Warnungen, die Rom an Deutschland gerichtet hat, haben bisher keine Wirkung gezeigt . „Rom wird uns nicht sagen, was wir in Deutschland zu tun haben“, hatte der Münchner Erzbischof und der Präsident der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bereits zwischen der ersten und zweiten Sitzung der Familiensynode erklärt. Und dieses Mantra hält sich stabil in Deutschland mit der Zustimmung der meisten und der Opposition nur weniger, von denen der Erzbischof von Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki erstrangig ist, der so weit gegangen ist, die Drohung eines Schismas zu sehen. “

„In Deutschland“, sagt Müller jetzt – er ist auch Deutscher, obwohl er keine Diözese regiert und deshalb nicht an der Bischofskonferenz teilnimmt – „wollen sie die katholische Kirche fast neu gründen. Sie denken, dass Christus nur ein Mann ist der vor zweitausend Jahren gelebt hat, sie behaupten, dass er kein moderner Mann war, sie sind davon überzeugt, dass er keine ihrer Ausbildungen hatte, und glauben daher, dass es notwendig ist, diese Lücken zu füllen und dass es an ihnen liegt, zu handeln. In einer Predigt fragte Kardinal Marx rhetorisch: „Wenn Christus heute hier wäre, würde er dann sagen, was er vor zweitausend Jahren gesagt hat?“ Aber Christus ist keine historische Figur wie Cäsar. Jesus Christus ist auferstanden und gegenwärtig, er feiert die Messe durch seinen Stellvertreter, den ordinierten Priester. Er ist das Subjekt der Kirche, und sein Wort bleibt und bleibt für immer wahr. Christus ist die Fülle der Offenbarung, wegen der es keine andere Offenbarung geben wird. Wir sind es, die danach streben müssen, es mehr und besser zu wissen, aber wir können es mit Sicherheit nicht ändern. Christus ist unübertrefflich und irreversibel, und heute scheint dies nicht sehr klar zu sein bestimmte Breiten.“

Für Müller ist dieser Fehler auch im „Instrumentum Laboris„, dem Basisdokument der Amazonas-Synode, enthalten: „Ein Dokument, in dem es nicht um Offenbarung, um das inkarnierte Wort, um Erlösung, um das Kreuz, um die Auferstehung geht, über das ewige Leben“, sondern die religiösen Traditionen der indigenen Völker und ihre Visionen des Kosmos zu einer göttlichen Offenbarung erhebt, um als solche akzeptiert zu werden.

In Aparecida warnte Benedikt XVI. 2007 die Bischöfe des Kontinents. „Die Utopie, die präkolumbianischen Religionen wieder zum Leben zu erwecken und sie von Christus und der Universalkirche zu trennen, wäre kein Schritt nach vorn, sondern ein Rückschritt. In Wirklichkeit wäre es ein Rückschritt.“ Es wäre ein Rückzug in eine Phase der Geschichte, die in der Vergangenheit verankert war. „Aber er war überwältigt von Kritikern von Theoretikern eines „neuen Verständnisses von Gottes Offenbarung“, das bei indigenen Völkern festgestellt werden sollte, und daher ohne den Wunsch, sie zu bekehren. Zu den am stärksten umkämpften gehörte der nach Brasilien ausgewanderte deutsche Theologe Paulo Suess , inspiriert von dem in Österreich geborenen Bischof Erwin Kräutler, führender Stratege der Amazonas-Synode, Mitverfasser des „Instrumentum Laboris“ und Befürworter der Idee, die Eucharistie nicht nur von „viri probati“, sondern auch von „verheirateten Frauen, die eine Gemeinschaft führen“ feiern zu lassen.

„Es gibt aber kein Recht auf das Sakrament“, beanstandet Müller. „Wir sind Gottes Geschöpfe, und ein Geschöpf kann von seinem Schöpfer kein Recht beanspruchen. Leben und Gnade sind ein Geschenk. Der Mann hat das Recht zu heiraten, aber er kann nicht verlangen, dass eine bestimmte Frau ihn heiratet, indem er ein bestimmtes Recht anruft. Jesus hat es frei gewählt Unter all seinen Jüngern stellten zwölf seine göttliche Autorität dar. Er erwählte diejenigen, die er wollte, es ist Gott, der wählte. Niemand kann das Heiligtum betreten, ohne gerufen zu werden. Wieder herrscht die säkularisierte Mentalität vor: man denkt wie Männer nicht wie Gott.“

„Der Priesterliche Zölibat“, fährt Müller im Interview mit „Il Foglio“ fort, „kann nur im Kontext der eschatologischen Mission Jesu verstanden werden, die eine neue Welt geschaffen hat. Es war eine neue Schöpfung. Mit den Kategorien des Säkularismus.“ man kann die Unauflöslichkeit der Ehe nicht verstehen, wie auch den Zölibat oder die Jungfräulichkeit der Orden, und man kann mit diesen Kategorien auch Probleme nicht lösen, die ihren Ursprung ausschließlich in der Glaubenskrise haben Es bedarf einer geistlichen und theologischen Vorbereitung, man muss in die Spiritualität der Apostel eintreten und nicht auf die weltlichen Organisationen achten, die aus Gründen, die völlig im Gegensatz zur Sendung der Kirche stehen, viel und in vielen Dingen beraten gebraucht, nicht Weltlichkeit. “

Und Kardinal Müller sieht Weltlichkeit auch darin, wie sich ein Teil der Kirche auf die Seite der Umweltideologie gestellt hat:

„Die Kirche gehört zu Jesus Christus und muss das Evangelium predigen und Hoffnung für das ewige Leben geben. Sie kann sich nicht zum Protagonisten irgendeiner Ideologie machen, sei es des ‚Geschlechts‘ oder des umweltbewussten Neopaganismus. Es ist gefährlich, wenn dies geschieht. Ich komme noch einmal darauf zurück Das Instrumentum Laboris, das für die Amazonas-Synode vorbereitet wurde, spricht in einem seiner Absätze von Mutter Erde, aber dies ist ein heidnischer Ausdruck: Die Erde kommt von Gott, und unsere Mutter im Glauben ist die Kirche. Wir sind gerechtfertigt durch Glauben, Hoffnung und Liebe, nicht durch Umweltschutz. Natürlich ist es wichtig, sich um die Schöpfung zu kümmern, schließlich leben wir in einem Garten, der von Gott gewollt ist. Aber das ist nicht der entscheidende Punkt. Was ist die Tatsache, dass für uns Gott ist wichtiger. Jesus gab sein Leben für die Rettung der Menschen, nicht des Planeten. “

„L’Osservatore Romano“, der einen Nachruf auf den „durch unsere Schuld“ gestorbenen isländischen Gletscher Okjökull veröffentlicht hat, kritisiert Müller: „Jesus wurde Mensch, kein Eiszapfen.“ Und er fährt fort:

„Natürlich kann die Kirche ihren eigenen Beitrag leisten, mit guter Ethik, sozialer Doktrin, mit dem Lehramt, unter Berufung auf anthropologische Prinzipien. Aber die erste Mission der Kirche besteht darin, Christus, den Sohn Gottes, zu predigen. Jesus hat Petrus nicht angewiesen, sich um sich selbst zu kümmern mit der Regierung des Römischen Reiches tritt er nicht in einen Dialog mit Cäsar, er hat sich auf Abstand gehalten, Petrus war kein Freund des Herodes oder des Pilatus, aber er erlitt ein Martyrium, die Zusammenarbeit mit einer legitimen Regierung ist gerecht, aber ohne zu vergessen, dass die Mission von Petrus und seinen Nachfolgern darin besteht, alle Gläubigen im Glauben an Christus zu vereinen, die nicht empfohlen haben, sich mit den Gewässern des Jordan oder der Vegetation von Galiläa zu befassen. “

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von L’Espresso .

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