Kardinal Gerhard Ludwig Müller – Predigt bei Priesterweihe von Michael Sulzenbacher SJM, in Rom in der Kirche Sant‘ Agnese in Agone


„Korruption der Lehre zieht immer die Korruption der Moral nach sich“

„Nicht der Klerikalismus, was immer das sein mag, sondern die Abkehr von der Wahrheit und die moralische Zügellosigkeit sind die Wurzeln des Übels.“ Predigt zur Priesterweihe von Frater Michael Sulzenbacher SJM. Von Gerhard Kardinal Müller

Rom (kath.net) kath.net dokumentiert die Predigt des früheren Präfekten der Glaubenskongrefation, Gerhard Kardinal Müller, zur Priesterweihe von Michael Sulzenbacher SJM in Rom in der Kirche Sant’Agnese in Agone am 15.9.2018 in voller Länge – kath.net dankt Kardinal Müller für die freundliche Erlaubnis zur Veröffentlichung

Lieber Mitbruder Michael Sulzenbacher,
ich bewundere – menschlich gesagt – Ihren Mut und – geistlich gesprochen – Ihr Gottvertrauen. In schwieriger Zeit treten Sie an den Weihealtar. Mit Ihrem Adsum sprechen Sie die Bereitschaft aus, Ihr ganzes Sein und Leben Gott zum Opfer darzubringen. Das ist die entscheidende Weichenstellung auf Ihrem irdischen Pilgerweg und eine Stunde der Gnade für das ganze Volk Gottes.

Die Kirche aber, die von Gott gestiftet ist und aus Menschen besteht, befindet sich – nach ihrer menschlichen Seite hin – in urbe et orbe in einer tiefen, von Menschen verschuldeten Krise ihrer Glaubwürdigkeit. In diesem dramatischen Augenblick ahnen und fürchten wir die möglichen negativen Konsequenzen aus Skandalen und Führungsfehlern. Unwillkürlich denken wir an die Spaltung der abendländischen Christenheit im 16. Jahrhundert oder an die Säkularisierung des geistigen Lebens im Gefolge der Aufklärung und der französischen Revolution.

Nicht der Klerikalismus, was immer das sein mag, sondern die Abkehr von der Wahrheit und die moralische Zügellosigkeit sind die Wurzeln des Übels. Die Korruption der Lehre zieht immer die Korruption der Moral nach sich und manifestiert sich in ihr. Die schwere Versündigung an der Heiligkeit der Kirche ohne Gewissensbisse ist die Folge der Relativierung des dogmatischen Fundaments der Kirche. Das ist der wirkliche Grund der Erschütterung und der Enttäuschung von Millionen gläubiger Katholiken. In der Analyse der Ursachen der Abspaltungen von der einen Kirche Christi im 16. Jahrhundert stellte der Kirchenhistoriker Hubert Jedin (1900-1980) im ersten Band seiner „Geschichte des Konzils von Trient“ fest: „Das Wort Reform verdeckte die Häresie und die entstehende Kirchenspaltung.“ (I, 151).
Damals wie auch heute ist viel von Reform die Rede.

Was steckt hinter der schillernden und mediengerechten Propagandaformel „Reform der Kurie und der ganzen Kirche“, wenn nicht – wie ich inständig hoffe – die Erneuerung in der Wahrheit der Offenbarung und der Nachfolge Christi gemeint ist? Nicht die Verweltlichung der Kirche, sondern die Heiligung der Menschen für Gott ist die wahre Reform.

Es ist nicht Reform, sondern eine Irrlehre zu meinen, man könne die Lehre der Kirche bestehen lassen, aber um der schwachen Menschen willen müsse man eine neue Pastoral erfinden, die die Ansprüche der Wahrheit des Wortes Gottes und der christlichen Moral ermäßige.

Die Erlösung von der Sünde gründet in der Wahrheit, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Ohne die Wahrheit der Inkarnation würde die Kirche auf eine innerweltliche Weltverbesserungsagentur zusammenschrumpfen. Für unsere Sehnsucht nach Gott und das Verlangen nach dem ewigen Leben hätte sie keine Bedeutung. Der Priester wäre nur der Funktionär einer sozialreligiösen Bewegung. Die Kirche gewinnt nicht an Relevanz und Akzeptanz, wenn sie der Welt die Schleppen des Zeitgeistes nachträgt, sondern nur wenn sie ihr mit der Wahrheit Christi die Fackel voranträgt. Wir sollen uns nicht mit sekundären Themen wichtig machen und die Agenda anderer bearbeiten, die nicht glauben wollen, dass Gott allein der Ursprung und das einzige Ziel des Menschen und der ganzen Schöpfung ist.

Denn die wirkliche Gefahr für die Menschheit von heute besteht in den Treibhausgasen der Sünde und im global warming des Unglaubens und des Zerfalls der Moral, wenn niemand mehr den Unterschied zwischen Gut und Böse kennt und lehrt. Der beste Umweltschützer und Naturfreund ist der Verkünder des Evangeliums, dass es nur mit Gott ein Überleben gibt und zwar nicht nur limitiert und für demnächst, sondern für immer und ewig.

In der Meinung, das christliche Dogma sei nicht mehr Grund und Kriterium von Moral und Pastoral, kommt eine christologische Häresie zum Vorschein. Diese besteht darin, dass man Christus, den Lehrer der göttlichen Wahrheit und Christus den guten Hirten in Gegensatz bringt. Christus ist dagegen ein und dieselbe Person. Vor Pilatus hat er nicht geschwiegen, sondern „das gute Bekenntnis abgelegt und ist als Zeuge für die Wahrheit eingetreten.“ (1 Tim 6,14). Dem Relativismus des Pilatus, der den Zynismus der weltlichen Macht verkörpert, stellt Jesus die erlösendende Macht der Wahrheit Gottes entgegen: „Ja, ich bin ein König. Dazu bin ich geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“ ( Joh 18,37).

Ein- und derselbe Christus sagt von sich „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6), der auch als der bonus pastor die Pastoral der Kirche in Person ist, wenn er das Geheimnis seiner Person und Sendung offenbart: „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.“ (Joh 10,11).

Zeuge der Wahrheit Christi zu sein und Diener des guten Hirten: das ist das Geheimnis und der Ursprung des sakramentalen Priestertums in der Kirche des Neuen Bundes.

Das einzige Hohepriestertum „des erhabenen Hirten seiner Schafe“ (Hebr 13,20) schließt jeden anderen Weg zu Gott außer durch Jesus Christus aus, aber die sakramentale und kirchliche Vergegenwärtigung der ein für allemal von Christus erwirkten Erlösung ein, indem Christus selbst den Dienst und die Mission der Apostel gestiftet hat. In den Heiligen Weihen geht die apostolische Vollmacht und Sendung auf die Bischöfe und Priester über.

So gilt Ihnen, lieber Mitbruder, in dieser Stunde das Wort des hl. Paulus an seinen Mit-Apostel und Nachfolger Timotheus: „Fliehe vor der falschen Lehre, sei Diener des Wortes, Verkünder des wahren Glaubens und Kämpfer für die Wahrheit Christi. So ergreifst du das ewige Leben, zu dem du berufen worden bist und für das du vor vielen Zeugen das gute Bekenntnis abgelegt hast.“ (1 Tim 6,12). Diese vielen Zeugen sind heute alle, die hier versammelt sind: Ihre Mutter und Ihr Vater, die Ihnen als erste Zeugen den Glauben an Christus, den „Retter der Welt“ (Joh 4,42), vermittelt haben, mit den Großeltern, Geschwistern und allen Verwandten und Freunden, den Mitbrüdern Ihrer Gemeinschaft, den vielen Priestern und Diakonen und zuletzt auch mir. Als Bischof kommt mir die Vollmacht Christi zu, Ihnen durch die Auflegung meiner Hände und das Weihegebet, Anteil zu geben an der Vollmacht und Sendung des Messias. So vermögen Sie in der Person Christi, des Hauptes der Kirche, mit der Kraft des Heiligen Geistes, die Gläubigen zu lehren, leiten und heiligen (PO 2), damit sie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen, Gott lieben über alles und den Nächsten wie sich selbst.

Der ist ein wahrer Seelsorger, der mit der Liebe Gottes auf die ihm anvertrauten Menschen schaut und sich in seinem geistlichem Wirken und christusförmigen Lebenswandel nach dem Hohenpriester, dem er dient, ausrichtet. Der gute Hirt unterscheidet sich vom Mietling, weil er mit dem Herzen Jesu und Mariens die Menschen liebt und weil er sein Leben für die Herde des Herrn einsetzt. Der Apostel ist „Mitarbeiter Gottes, Diener Christi, Verwalter und Ausspender göttlicher Geheimnisse“ (1 Kor 4,1; 2 Kor 6,1). Ihm geht es nur um eines, „in voller Ehrfurcht vor dem Herrn, Menschen für Christus zu gewinnen.“ (2 Kor 5,11). Ihm ist der Dienst an der Versöhnung zur Verkündigung und sakramentalen Vermittlung übertragen worden. Und darum sind die geweihten Priester wie die Apostel „Gesandte an Christi Statt und Gott ist es, der durch sie mahnt: Lasst euch mit Gott versöhnen.“ (2 Kor 5,20).

Gewiss steht er auch in den Reihen der Gläubigen und bedarf auf dem Weg der irdischen Pilgerschaft – wie wir alle – der Gnade für sein geistliches Wirken und der Vergebung Gottes für seine Sünden und Versäumnisse. Die Wahrheit des Glaubens, die er verkündet und das Heil, das er in den Sakramenten vermittelt, hängt aber – Gott sei Dank – nicht von der Tiefe seiner Spiritualität oder der hohen Moralität seines Lebenswandels ab, sondern von der objektiven Heilswirkung der Sakramente. Denn Christus bedient sich der Menschen, aber er macht sich in seinem Heilshandeln nicht von ihnen abhängig. Denn er ist allein der „Urheber des ewigen Heils“ (Hebr 5,9).Während Christus ohne Sünde war, bedürfen jedoch alle Gläubigen und ihre Hirten der Vergebung. Das Bekenntnis unserer Sünden gehört in den Beichtstuhl. Wenn aber gottgeweihte Personen in zynischer Verachtung ihrer Berufung ein Doppelleben führen, gehören diese Taten vor das geistliche Gericht. Böse Taten müssen von der kirchlichen Autorität verurteilt, die Missetäter gerichtet nach Maßgabe des Rechtes bestraft werden. Wer das kirchliche Strafrecht für unvereinbar hält mit dem Evangelium der Liebe, der handelt nicht aus Barmherzigkeit, sondern aus der Verachtung für die Menschen, die um ihre Rechte und Würde betrogen wurden. „Wehe der Welt mit ihrer Verführung. Es muss zwar Ärgernisse geben; doch wehe dem Menschen, der sie verschuldet.“ (Mt 18,7). Dies gilt in besonderer Weise denen, die durch das geistliche Amt zu Vorbildern, Typoi, für die Gläubigen eingesetzt und in der heiligen Weihe mit dem Heiligen Geist bestärkt sind.

So möchte ich Ihnen, verehrter Mitbruder, und uns allen vor dem Empfang der heiligen Priesterweihe die Mahnung des Apostels Petrus an seine Mit-Priester in Erinnerung rufen: „Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes, nicht aus Zwang, sondern freiwillig, wie Gott es will; auch nicht aus Gewinnsucht, sondern aus Neigung; seid nicht Beherrscher eurer Gemeinden, sondern Vorbilder für die Herde – forma facti gregis ex animo. Wenn dann der oberste Hirte erscheint, werdet ihr den nie verwelkenden Kranz der Herrlichkeit empfangen.“ (1 Petr 4,2-4).

Und in umgekehrter Blickrichtung sollen alle Gläubigen sich für ihre Seelsorger verantwortlich fühlen, wenn sie im Hebräer-Brief lesen: „Denkt an eure Vorsteher, die euch das Wort Gottes verkündet haben; schaut auf das Ende ihres Lebens und ahmt ihren Glauben nach… Gehorcht ihnen, und ordnet euch ihnen unter, denn sie wachen über euch und müssen Rechenschaft darüber ablegen; sie sollen das mit Freude tun können und nicht mit Seufzen. Betet für uns.“ (Hebr 13,7.17f).

Lieber Mitbruder Michael, wir beten um die Gnade, dass Sie ein guter Priester werden nach dem Herzen Jesu und seiner lieben Mutter Maria. So sei es! Amen.

Rom am 15. September 2018

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Kardinal Müller: „Wir erleben eine Bekehrung zur Welt anstatt zu Gott“

Der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation übt schwere Kritik an Kardinal Marx und der Agenda der liberalen deutschen Kirche: „Das sind ihre Ziele, und um diese zu erreichen, sind sie auch bereit, die Bischofskonferenz zu spalten“

Gerhard Kardinal Müller, der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, hat in einem Interview mit „Catholic World Report“ schwere Kritik an Kardinal Marx geübt. „Eine Gruppe der deutschen Bischofskonferenz mit ihrem Präsidenten an der Spitze sieht sich als Trendsetter der katholischen Kirche auf dem Marsch in die Moderne. Sie sehen die Säkularisierung und die De-Christianisierung von Europa als ein nicht mehr rückgängig machbare Entwicklung.“ Daher sei laut Müller in ihren Augen die Neuevangelisierung ein Kampf gegen den objektiven Lauf der Geschichte. Der Kardinal meint, dass sie für die Kirche eine Nische suchen, wo sie in Frieden leben können. Daher müssen in ihren Augen alle Glaubenslehren, die sich gegen den Mainstream richten, reformiert werden.

Müller erklärt dann, dass als Konsequenz daraus die Eucharistie an Menschen ohne katholischen Glauben und an Menschen, die nicht im Stand der heiligmachenden Gnade sich befinden, gespendet werden soll. Auf der weiteren Agenda befinden sich laut Müller Segnungen für Homosexuelle, Interkommunion mit Protestanten, die Relativierung der Unauflösbarkeit der sakramentalen Ehe, die Einführung von Viri probati, die Abschaffung des Zölibats und die Anerkennung von sexuellen Beziehungen vor und außerhalb der Ehe. „Das sind ihre Ziele und um diese zu erreichen sind sie auch bereit, die Bischofskonferenz zu spalten.“ Gläubige, die die Lehre der katholischen Kirche noch ernst nehmen, werden als „Konservative“ gebrandmarkt und außerhalb der Kirche gestoßen. Diese werden laut Müller auch von liberalen und antikatholischen Medien diffamiert.

Müller stellte nochmals klar, dass kein Bischof die Autorität hat, die Eucharistie an Christen zu verteilen, die sich nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche befinden. Eine Ausnahme gäbe es nur bei Todesgefahr. Der Kardinal kritisierte, dass heutzutage nicht einmal Bischöfe den katholischen Glauben von Einheit des Sakraments und der kirchlichen Gemeinschaft kennen. Die Untreue zum katholischen Glauben werde laut Müller mit „pastoralen Gründen“ gerechtfertigt. Dies widerspreche aber den Prinzipien der Kirche.

Der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation übte anschließend Kritik, dass es in der Kirche ein Kriterium für einen „guten Bischof“ oder „guten Priester“ geworden ist, wenn dieser in der öffentlichen Meinung als beliebt gilt. „Wir erleben eine Bekehrung zur Welt anstatt zu Gott. Wir brauchen Priester und Bischöfe, die mit Eifer für das Haus Gottes erfüllt sind und die sich vollständigen der Rettung der Menschen auf dem Pilgerweg des Glaubens zur ewigen Heimat verpflichtet haben. Es gibt keine Zukunft für ein ‚Christentum Light‘. Wir brauchen Christen mit einem missionarischen Geist.“

Der Kardinal übte auch erneut Kritik an Papst Franziskus, weil dieser die Bedeutung der Glaubenskongregation minimiert habe. „Der Glaube ist wichtig für die Erlösung. Päpstliche Diplomatie kann viel Gutes in der Welt bewirken.“ Aber die Verkündigung des Glaubens dürfe nicht irdischen Machtspiele untergeordnet werden.

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Eucharistie-Streit: Kardinal Eijk will Klarheit vom Papst

Die deutschen Bischöfe sollen den Kommunion-Streit selbst lösen, sagt der Vatikan. Kardinal Willem Jacobus Eijk nannte das „unverständlich“. Noch schärfere Worte wählte aber Kardinal Gerhard Ludwig Müller.

Der niederländische Kardinal Willem Jacobus Eijk wünscht sich in der Debatte über den Kommunionempfang für nichtkatholische Ehepartner mehr Klarheit von Papst Franziskus. Die an eine Delegation der Deutschen Bischofskonferenz gerichtete Vatikan-Erklärung vom vergangenen Donnerstag kritisierte er in einem Beitrag für die US-Zeitung „National Catholic Register“ (Montag) als „völlig unverständlich“. Und das, obwohl die kirchenrechtlichen Vorgaben eindeutig seien, so der Erzbischof von Utrecht.

Ein Zugang zu den Sakramenten der katholischen Kirche sei nichtkatholischen Christen demnach „nur in Notfällen“ möglich – besonders dann, wenn Lebensgefahr bestehe, schrieb Eijk. Eine Interkommunion komme im Grunde nur mit orthodoxen Christen infrage, weil die Sakramentenlehre der Ostkirchen jener der katholischen Kirche entspreche. Das sei bei deutschen Protestanten jedoch nicht der Fall.

Vatikan hatte den Konflikt an die deutschen Bischöfe zurückverwiesen

Die deutschen Bischöfe hatten bei ihrer Frühjahrsvollversammlung im Februar eine bisher noch nicht veröffentlichte Handreichung für konfessionsverbindende Ehen mit Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedet. Darin soll der Kommunionempfang für nichtkatholische Ehepartner in begründeten Einzelfällen zugelassen werden. Sieben Bischöfe um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hatten inhaltliche und formale Bedenken gegen das Dokument angemeldet und sich an den Vatikan gewandt. Unter anderem ging es um die Auffassung, eine Lösung für diese Frage könne nur auf weltkirchlicher Ebene gefunden werden.

Der Vatikan wies den Konflikt am Donnerstag allerdings an die deutschen Bischöfe zurück. Papst Franziskus ersuche sie, „im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung zu finden“, hieß es in einer Erklärung nach einem Gipfeltreffen vatikanischer Behördenleiter und deutscher Bischöfe.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller im Porträt
Kardinal Gerhard Ludwig Müller hatte die Vatikan-Erklärung bereits am Freitag als „armselig“ bezeichnet.

 KNA/Harald Oppitz

Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller hatte die Vatikan-Erklärung bereits am Wochenende als „armselig“ bezeichnet. Sie gebe keine Antwort auf die Kernfrage, nämlich dass es „keine sakramentale Gemeinschaft ohne kirchliche Gemeinschaft“ geben könne, sagte der frühere Präfekt der Glaubenskongregation dem Magazin „National Catholic Register“. Der Papst und die Glaubenskongregation hätten „ganz klare Orientierung“ zu geben, nicht qua „persönlicher Meinung, sondern gemäß dem überlieferten Glauben“.

Müller warnte vor Übertragung von lehrmäßigen Kompetenzen

Müller warnte vor einer Übertragung von lehrmäßigen Kompetenzen auf nationale oder regionale Bischofskonferenzen. „Dem müssen wir widerstehen“, so der deutsche Kardinal. Bischofskonferenzen seien von „sekundärer Bedeutung“ für den Papst. Es sei unmöglich, dass Bischöfe mit Mehrheiten über Angelegenheiten der katholischen Lehre abstimmten. Wenn das Prinzip der Einheit von sakramentaler Gemeinschaft und kirchlicher Gemeinschaft zerstört werde, „wird die katholische Kirche zerstört“, so Müller. Er forderte alle Bischöfe und auch die Glaubenskongregation auf, „ihre Pflicht zu tun und den Glauben zu erklären, zu verteidigen und voranzubringen“.

Die Mehrheit der deutschen Bischöf betont dagegen, dass es sich bei ihrem Schreiben um eine „Pastorale Handreichung“ und nicht um einen Lehrtext handele. Mit der Orientierungshilfe bewege man sich „im Rahmen der gegenwärtigen theologischen und kirchenrechtlichen Möglichkeiten“, schrieb etwa Ökumene-Bischof Gerhard Feige. Mit dem Text werde keine generelle Zulassung oder offene Einladung zum Kommunionempfang ausgesprochen. Daher sei auch keine Rückbindung an Rom erforderlich. (bod/KNA)

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Cardinal Müller on Intercommunion Meeting: ‘More Clarity and Courage’ Needed

Cardinal Gerhard Müller. (Edward Pentin photo)

The former CDF prefect views the statement on the meeting about Holy Communion for some Protestant spouses as ‘very poor,’ and calls on bishops and cardinals to ‘raise their voices.’

Edward Pentin

Yesterday’s crucial meeting went quicker than expected, lasting a little over two hours, but the outcome pleased none of those who took part, and will have far reaching consequences for the Church, sources close to the talks have told the Register.

Cardinal Reinhard Marx, president of the bishops’ conference, arrived at the May 3 meeting in the Holy Office at 4pm, along with two allied bishops and Jesuit Father Hans Langendörfer, secretary of the German bishops’ conference, confidently expecting to be able to influence the proceedings in his favor.

Summoned to the Vatican meeting by the Pope last month, the cardinal archbishop of Munich hoped to win the Pope’s backing, and thereby persuade two opposing bishops and senior Vatican officials to support a highly contentious German bishops’ pastoral proposal to allow Protestant spouses in some cases to receive Holy Communion.

The so-called “pastoral handout,” which German bishops overwhelmingly voted for in February, proposed that a Protestant spouse could receive the Eucharist after having made a “serious examination” of conscience with a priest or another person with pastoral responsibilities, and “affirms the faith of the Catholic Church,” wishes to end “serious spiritual distress,” and has a “longing to satisfy a hunger for the Eucharist.”

Proponents said it would help to resolve the suffering of some Protestant spouses unable to receive Holy Communion with their Catholic wives or husbands. Critics called it a “rhetorical trick” that wrongly sought to redefine the sacraments as a means of alleviating mental distress and satisfying spiritual needs.

Criticism heightened after seven German bishops wrote to the Vatican March 22 to protest the move, arguing that the proposal is “not right” as it touches on “the faith and unity of the Church which is not subject to a vote,” and asking for four areas to be clarified.

Two of the seven, Cardinal Rainer Woelki of Cologne and Bishop Rudolf Voderholzer of Regensburg, arrived at the May 3 meeting hopeful that, given what many considered to be serious doctrinal flaws in the document — and which reliable sources say was opposed by Benedict XVI — would be thrown out by the Pope, or completely revised.

Postman Prefect

But to the surprise of many, neither happened. After both sides made their case, Archbishop Luis Ladaria, prefect of the CDF, relayed to the participants that Pope Francis appreciated the “ecumenical commitment of the German bishops and asks them to find, in a spirit of ecclesial communion, a unanimous result, if possible.”

In comments to the Register May 4, Cardinal Gerhard Müller, prefect emeritus of the Congregation for Doctrine of the Faith, expressed his disappointment with the outcome, saying the statement was “very poor” as it contained “no answer to the central, essential question.” It is not possible, he stressed, to be in “sacramental communion without ecclesial communion.”

For the good of the Church, he added, a “clear expression of the Catholic faith” is needed, for the Pope to “affirm the faith,” especially the “pillar of our faith, the Eucharist.” The Pope and the CDF, he went on, are supposed to “give a very clear orientation” not through “personal opinion but according to the revealed faith.”

A source close to the two bishops opposed to the proposal told the Register May 4 that the “official answer is that there is no answer.” The Holy Father, he said, had “failed to fulfil his obligation as pope regarding a question of dogma which his office must decide.”

The Pope “refused” to take a line, he stressed, “and the CDF was left to act as a postman, not to affirm the faith, but to announce this information.” The dicasteries, he said, “are useless” if all will be given over to bishops’ conferences to decide. He acknowledged that the term “unanimity” is not properly defined in this context, but expects Cardinal Marx to somehow seek to reduce the number of bishops opposed to the proposal in order to attain the unanimous requirement for it to go forward.

“Our job now is to strengthen the seven bishops, to strengthen our priests in the argumentation” the source said. “It’ll be a long fight and over the next six months, this is what we’ll be dedicating ourselves to.”

But Cardinal Marx and the German bishops’ conference were also said to be disappointed. The meeting was held in the Congregation for the Doctrine of the Faith, indicating that the Vatican sees this as a doctrinal matter, not simply one of pastoral practice that Cardinal Marx tried to argue it was (he insisted in February it was a “pastoral handout” and not intended to “change any doctrine”).

More significantly, the proposal’s proponents failed to obtain the Pope’s ringing endorsement. Instead, consistent with his wish expressed in his first apostolic exhortation Evangelii Gaudium, Francis is pressing on in his efforts to decentralize the Church’s governance by giving more “doctrinal authority” to bishops’ conferences. He is, therefore, putting the ball back in the court of the German bishops.

“In a way it amounts to a refusal [of the proposal],” said German Church commentator, Mathias von Gersdorf. “It sounds something like this: You [Cardinal Marx] have created a huge problem. Look to yourself to try and get out of it. And if that doesn’t lead to unanimity, so the problem is resolved.”

Marx’s Lost Battle

Also disappointing for Cardinal Marx’s party was the opposition they encountered during the meeting from Cardinal Kurt Koch, president of the Pontifical Council for Promoting Christian Unity. The Swiss cardinal, who was not notified of the proposal before or after it was voted upon, showed himself to be sympathetic to the seven bishops’ concerns.

The disillusionment on the part of the German bishops’ conference was also evident when, after the meeting, its spokesman, Matthias Kopp, said it would be holding no press conference, nor issuing statements or interviews. “It was a lost battle for them, though not a lost war,” said the source close to the talks. “Kopp doesn’t want to speak about a lost battle.”

But the seven bishops and their allies have the greater concerns. Although they believe the meeting could have gone “much worse,” according to the source close to the talks, and the proposal cannot be published as a handout as the German bishops’ conference intended, they see this as an “ecclesiological revolution.”

“The real problem is not the issue itself, but the refusal of the Pope to carry out his obligation as Peter, and this could have heavy consequences,” the source said. “Peter is no longer the rock he was, instead the shepherd is saying to the sheep: ‘Go and look for yourself for something to eat.’”

He foresaw a similar process being adopted to introduce such novelties as married clergy, and that the general drift towards decentralization of doctrine will make the Church more closely resemble the Anglican Communion.

Cardinal Müller, referring to Lumen Gentium, reminded that bishops’ conferences have a “secondary importance” to the Pope, and it is not possible for them to vote unanimously on a matter of doctrine that would contradict “basic elements” of the Church. “We must resist this,” he said, and warned that if the principle of Catholic identity consisting of both sacramental and ecclesial communion is destroyed, “then the Catholic Church is destroyed.” The Church, he stressed, “is not a political actor.”

“I hope more bishops will raise their voices and do their duty,” Cardinal Müller said. “Every cardinal has a duty to explain, defend, promote the Catholic faith, not according to personal feelings, or the swings of public opinion, but by reading the Gospel, the Bible, Holy Scripture, the Church fathers and to know them. Also the Councils, to study the great theologians of the past, and be able to explain and defend the Catholic faith, not with sophistic arguments to please all sides, to be everyone’s darling.”

Going forward, Cardinal Müller regretfully predicted the matter will “continue without the clear necessity for a declaration about the Catholic faith.”

He said bishops must “continue explaining the faith” and he hoped the CDF would fulfil its role, not only as mediators of the different groups, but in leading the magisterium of the Pope.

“More clarity and courage must be encouraged,” he said.

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Kardinal Müller: „Humanae Vitae wird von zwei Heiligen gestützt“

Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Bei einem Vortrag an der Lateranuniversität hat der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, die Enzyklika „Humanae Vitae“ von Papst Paul VI. gewürdigt. Gleich zwei Päpste, die heilig seien, würden die Theologie in dieser Enzyklika verkörpern, sagte er.

 

Mario Galgano – Vatikanstadt

Paul VI. und Johannes Paul II. sind die beiden Stützen von Humanae Vitae, so Kardinal Müller. Es gehe darum, das „Heil der Menschen“ in den Mittelpunkt zu setzen und nicht einen Streit unter Gläubigen hervorzurufen. Die Kirche sei nämlich keine politische Partei oder eine „sonstige menschliche Organisation“. Deshalb sei das kirchliche Lehramt so wichtig, fügte Müller an.

Der Papst als Verteidiger des Lehramtes trage deshalb eine große Verantwortung. Denn als Nachfolger Petri müsse er „die Einheit im Glauben“ nicht nur verkörpern, sondern sie auch stärken.

„Wer Humanae Vitae in die Tiefe studiert sowie die nachfolgenden Dokumente des Lehramtes, die sich darauf stützen, der wird feststellen, wie menschenliebend diese Enzyklika ist. Wir sehen auf der anderen Seite, welche negativen Entwicklungen es geben kann, wenn Regierungen stattdessen das Eheverständnis umkehren. Damit zerstören sie sich selbst.“

Der emeritierte deutsche Kurienkardinal warf Parteien und Regierungen, die eine antikatholische Haltung einnähmen, vor, dass diese sich als „Herren über die Körper der Menschen“ sähen. Die Kirche lehre hingegen, dass nur Gott der Herr über die Menschen sei, weil er der Schöpfer des Lebens sei. Der Mensch sei ein „Verantwortungsträger“, der das Leben als Geschenk erhalten habe.

Eine Kehrtwende mit Papst Franziskus gebe es diesbezüglich nicht und wer ihn der Häresie bezichtige, der liege falsch, so Kardinal Müller. „Es ist aber legitim, vom Papst klare Worte zu verlangen. Ich habe ein Vorwort zu einem Buch von Rocco Buttiglione zu Amoris Laetitia geschrieben und darin habe ich klar festgehalten, dass solche Vorwürfe gegen Franziskus falsch sind.“ Es sei somit, so Kardinal Müller, wichtig, die Rolle der Glaubenskongregation zu stärken, weil die heutige Welt einer klaren Stimme des Lehramtes bedürfe.

Nun ist Kardinal Müller aber nicht mehr Präfekt der Glaubenskongregation – und auf die Frage, ob der Papst diesbezüglich falsch gehandelt habe, antwortet der Kardinal:

„Ich habe bisher nicht über Papst Franziskus gesprochen, sondern einzig über mich, und ich kann sagen, dass ich öffentlich verbal angegriffen wurde. Diese Stimmen kamen von Leuten, die meiner Meinung nach nicht gute Berater des Papstes sind, weil sie öffentlich Kardinäle angreifen. Sie fühlen sich wie die Zensurbehörde der Kirche, aber die Kardinäle brauchen so etwas nicht. Niemand hat das Recht, sie anzugreifen und unnötige Polemik gegen die Kirche zu führen.“

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Benedikt: Kardinal Müller wird weiter dem Glauben dienen

Auch wenn Gerhard Ludwig Müller nicht mehr Präfekt der Glaubenskongregation ist: „Ein Kardinal ist nie einfach im Ruhestand“ – davon zeigt sich sein Freund und Förderer Benedikt XVI. überzeugt.

Vatikanstadt – 27.12.2017

Kardinal Gerhard Ludwig Müller wird auch weiterhin „öffentlich dem Glauben dienen“. Davon zeigt sich der emeritierte Papst Benedikt XVI. in einem Grußwort zu einer Festschrift anlässlich des 70. Geburtstags des ehemaligen Präfekten der Glaubenskongregation überzeugt. Müller habe nach dem Ende seiner fünfjährigen Amtszeit als Präfekt zwar „kein bestimmtes Amt mehr inne, aber ein Priester und erst recht ein Bischof und Kardinal ist nie einfach im Ruhestand“.

Der emeritierte Papst würdigt in seinem Grußwort das Wirken Müllers in Rom, zunächst als Mitglied der Internationalen Theologenkommission, in der er „vor allem durch den Reichtum Deines Wissens und die von innen her kommende Treue zum Glauben der Kirche aufgefallen“ sei. Nach dem Ruhestand von Kardinal William Levada als Präfekt der Glaubenskongregation sei Müller „der am meisten geeignete Bischof“ für die Nachfolge des US-Amerikaners gewesen. Als Präfekt habe der vormalige Regensburger Bischof sich bemüht, „nicht nur als Gelehrter, sondern als Weiser, als Vater in der Kirche“ zu wirken: „Du hast die klaren Überlieferungen des Glaubens verteidigt, aber im Sinn von Papst Franziskus ein Verstehen dafür gesucht, wie sie heute gelebt werden können.“

Reichtum des Wissens, Treue zum Glauben

In dem vierseitigen Schreiben erinnert sich Benedikt daran, wie ihm Müller 1995 eine Ausgabe seiner „Katholischen Dogmatik für Studium und Praxis der Theologie“ geschenkt hat. In der Dogmatik Müllers sieht der emeritierte Papst das Vorhaben einer kompakten Zusammenstellung des Glaubens der Kirche in einem Band als verwirklicht an. Benedikt selbst hatte einen entsprechenden Plan aufgrund seiner vielfältigen Aufgaben als Konzilstheologe, Erzbischof von München und Freising und schließlich Präfekt der Glaubenskongregation nicht selbst verwirklichen können. Besonders würdigt er Müllers Darstellung des Glaubens der Kirche „als Einheit und Ganzheit“, so dass „die letzte Einfachheit des Glaubens durch alle komplizierten theologischen Überlegungen hindurch sichtbar“ werde.

Dies sei das Merkmal eines guten Theologen, so Benedikt: „Ein großer Theologe wird man meiner Meinung nach nicht dadurch, dass man gescheite und schwierige Details behandeln kann, sondern dadurch dass man imstande ist, die letzte Einheit und Einfachheit des Glaubens darzustellen.“

Das Grußwort ist der Festschrift „Der dreifaltige Gott: Christlicher Glaube im säkularen Zeitalter“ vorangestellt, die anlässlich des 70. Geburtstages von Gerhard Ludwig Müller am 31. Dezember. Es wird vom Leiter der Regensburger Benedikt-XVI.-Stiftung, Christian Schaller, und dem Vallendarer Dogmatiker George Augustine herausgegeben. Zu den Autoren gehören Kardinal Reinhard Marx, der jüngst mit dem Ratzinger-Preis ausgezeichnete Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke und der ehemalige Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz, Karl Wallner. Benedikt XVI. selbst bedauert in seinem Grußwort, dass er selbst „nicht mehr in der Lage“ gewesen sei, einen „regelrechten wissenschaftlichen Beitrag zu schreiben“. (fxn)

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Kardinal Müller: Gedanken zum Weihnachtsfest

Kardinal Gerhard Ludwig Müller war von 2012 bis 2017 Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre. Zuvor war er Bischof von Regensburg (2002-2012) und Professor für Dogmatik.  dpa/Lena Klimkeit

Gott wird Mensch: Es ist nur schwer zu begreifen, was das bedeutet, schreibt Kardinal Gerhard Ludwig Müller in seinem Gastbeitrag. Auf katholisch.de erklärt er das Weihnachtsfest.

Weihnachten | Vatikanstadt – 25.12.2017
Als der junge Rhetorik-Professor Augustinus aus Nordafrika in einem Zustand der Desorientierung nach Mailand kam, hörte er die Predigten des katholischen Bischofs Ambrosius. Damals war der spätere Kirchenvater noch ganz in den Banden des Manichäismus gefangen. Zu seiner großen Überraschung stellte er fest, dass die Polemik der Manichäer gegen die angeblich zu fundamentalistische Auffassung der Katholiken vom Christentum nicht zutraf. Die Manichäer bildeten sich viel ein auf ihre höhere, vergeistigte Interpretation der Bibel, so wie auch Augustinus den Glauben Monikas, seiner katholischen Mutter, verachtete und in ihm doch nur einen „Platonismus für das Volk“ erkannte – wie Jahrhunderte später einmal Friedrich Nietzsche das Christentum charakterisieren sollte.

Als Augustinus bei einer Predigt seines geistigen Mentors merkte, dass die Mysterien des christlichen Glaubens weder vergeistigt-idealistisch noch verdinglicht-materialistisch aufzufassen sind, so formuliert er in seinen Bekenntnissen „errötete ich vor Freude, dass ich so lange Jahre nicht gegen den katholischen Kirchenglauben, sondern gegen die Gebilde meines fleischlichen Denkens gebellt hatte.“ (Conf. VI, 3). Für ihn war Jesus abseits von all den gnostischen Spekulationen über einen Christus-Mythos und seine modernen Ableger in den rationalistischen Konstruktionen eines Jesus hinter den Evangelien „nur ein Mann von hervorragender Weisheit“ (Conf. VII, 19).

Das große Geheimnis der Menschwerdung

Und der größte Kirchenvater des lateinischen Kirche fügt in der Rückschau auf die Zeit seines Suchens und Irrens und schließlich seines Findens der Wahrheit hinzu: „Welches Geheimnis aber in dem Satz ‚Das Wort ist Fleisch geworden‘, ( Joh 1,14) lag, konnte ich damals nicht einmal ahnen.“

Wie die Kirche in einem langen Ringen zur endgültigen gedanklichen Klärung und sprachlichen Formulierung des Geheimnisses der Menschwerdung des Sohnes Gottesgelangt war, und was es bedeutet, dass Gott in seinem ewigen Wort unser Fleisch und unsere menschliche Natur angenommen und in Jesus Christus eine echte menschliche Lebensgeschichte gehabt hatte, war Augustinus als einem der größten Theologen durchaus in allen Einzelheiten bekannt. Aber man muss nicht die ganze Bibelexegese, die christologische Dogmengeschichte, die systematische Christologie und Trinitätslehre und die Widersprüche dazu, angefangen vom antiken Philosophen Kelsos bis zum Evolutionstheoretiker Richard Dawkins, durchlaufen haben, um zum Glauben an die Wahrheit und Wirklichkeit der Menschwerdung Gottes zu kommen. Was Augustinus, der von seiner schlichten Mutter in der Welt des gelehrten Wissens und im philosophisch-theologischen Reflexionsniveau um Lichtjahre entfernt war, mit ihr verband, war nicht nur die natürliche Liebe zwischen Sohn und Mutter, sondern der übernatürliche Glaube.

Der Glaube ist übernatürlich, weil er uns – vermittelt durch die kirchliche Verkündigung – eingegossen wird vom Heiligen Geist, indem wir ihm frei mit der Vernunft zustimmen. Denn der Glaube an Jesus den Herrn, sein Kreuz und seine Auferstehung gründet in der Botschaft (Röm 10,9). Und wenn wir sie hören, steht der Glaube auf dem Fundament des Wortes Christi, der uns das Geheimnis seiner Person und Sendung erschließt (Röm 10,17).

Christus macht alle Menschen zu Brüder und Schwestern

Der Glaube verbindet einfache und hochgebildete Menschen in der Erkenntnis Jesu und in der Liebe Gottes. Weil Gott wirklich Mensch geworden ist, sind wir in Christus wirklich Brüder und Schwestern. Unsere unterschiedlichen Gaben und Fähigkeiten dienen dem Wohl der Menschen und dem geistlichen Aufbau des Leibes Christi, der Kirche.

Das neue Leben und das ganz andere Verhalten der Christen resultiert nicht aus dem Entschluss, aus eigenen Kräften die Welt der Sünde, des Egoismus, des Bösen, des Leidens und des Todes zu überwinden. Wir waren und sind nicht in der Lage, das Paradies auf Erden zu errichten, ein Schlaraffenland der Arbeit ohne Mühe und der selbst nachwachsenden Güter zu schaffen. Auch können wir keinen Kulturbetrieb organisieren, der höchste geistige Ansprüche erfüllt, indem wir die transzendentale Verwiesenheit des Menschen auf Gott als Ursprung und Ziel allen Seins außer Acht lassen. Weder sozialistische noch kapitalistische Programme der Weltverbesserung werden den neuen Menschen erschaffen.

Dossier Weihnachten: Gott wird Mensch

Alljährlich feiern die Christen am 25. Dezember die Geburt Jesu. Unser Dossier informiert über die Bedeutung von Weihnachten, bekannte Bräuche sowie spannende Hintergründe rund um das Fest.

 Zum Dossier

Weihnachten ist ein Fest der Gnade und des Friedens, wenn wir der Aufforderung folgen: „Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit“ (Eph 4,24). Der Mensch und die ganze Schöpfung werden wegen der Menschwerdung Gottes erlöst aus aller Verlorenheit und einem Leben ohne Hoffnung. Zugleich werden wir berufen „zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.“ (Röm 8,21). Weil Gottes ewiger Sohn unser Menschsein sich zu eigen genommen hat, sind wir in ihm zu Söhnen und Töchtern Gottes geworden. Wir dürfen zu Gott durch seinen Sohn – seiner göttlichen Natur nach – und durch unseren Bruder – seiner menschlichen Natur nach – voll Vertrauen sagen: „Abba, Vater!“ (Röm 8,15, Gal 4,6).

Weihnachten bietet eine tröstliche Gewissheit

Wer mit dem Wahrheitssucher Augustinus und vielen Millionen von Mitmenschen bis zum heutigen Tag sich nicht mit Mythen, Ideologien oder von irgendwem ausgeklügelten Erlösungslehren und Wellnessangeboten abspeisen lässt, sondern sich dem Evangelium Christi öffnet, der erfährt an Weihnachten eine tröstliche Gewissheit. Wir werden getragen von einer begründeten Hoffnung. Und wir dürfen die Sendung der Kirche Christi zu allen Menschen mittragen, der seinen Jüngern verheißen hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20).

Unglaublich, aber wahr! Das Kind, das ein paar einfache Hirten in der Krippe fanden, ist der Grund großer Freude für das ganze (!) Volk: „Denn heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren, Christus, der Herr.“ ( Luk 2,11).

Von Kardinal Gerhard Ludwig Müller

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Quelle