KLEIN PETER — EIN KOMMUNION-APOSTEL

Vorwort

Gibt es wirklich solche Kinder, solche Knaben, die so lieb und fromm sind wie der kleine Peter, der hier geschildert werden soll? Fast könnte man glauben, es sei ein Märchen, das hier erzählt wird. Aber es ist kein Märchen, es ist Wirklichkeit. Peter war der Sohn des Hauptmanns D´Airelle und lebte in St. Malo, im nordwestlichen Frankreich. Im Jahre 1913 ist er gestorben. Kaum acht Jahre alt war er, als ihn Jesus, den er innig liebte, hinaufholte in den Himmel.

So früh an Jahren musste Peter sterben. Aber offenbar war er reif für den Himmel. Die öftere heilige Kommunion hatte das zustande gebracht. Im Alter von sieben Jahren durfte er nämlich schon zur ersten heiligen Kommunion gehen. Seither unterließ er keinen Tag, seine Seele mit dem Engelsbrot zu stärken. Das wandelte den Kleinen ganz um.

Gewiss war er nach außen genau wie Kinder seines Alters. Auch in der Schule unterschied sich Peter anfangs gar nicht von den anderen kleinen Schlingeln. Genau wie sie konnte er nicht ruhig sitzen. Auch machte er seine vielen Fehler beim Lesen, Schreiben und Rechnen. Ja, man kann von ihm nicht einmal behaupten, dass er besonders gern in die Schule gegangen wäre oder auffällig fleißig gelernt hätte.

Aber das wurde von Tag zu Tag besser. Denn mit jeder heiligen Kommunion, die Peter empfing, wurde er bräver. Der Kleine arbeitete fest und treu an sich, um ja jeden Tag zur heiligen Kommunion gehen zu dürfen. Er bekämpfte seine Bubenfehler, denn er wollte dem Heiland Freude machen. Die Liebe zum Heiland hat aus ihm sogar einen richtigen Apostel gemacht. Er fing an, die anderen Kinder für die öftere heilige Kommunion zu gewinnen. Und was das Schönste war: Peter betete und opferte. Ja, schließlich bot er dem lieben Gott sein Leben an, um seinen ungläubigen Vater zu bekehren und für den Himmel zu erobern.

Wie dem kleinen Peter das alles gelungen ist, soll hier beschrieben werden. Eigentlich erzählt er es selber in einigen herzigen Brieflein, die er einem Missionär geschrieben hat.

Mögen Große und Kleine, vor allem die lieben Erstkommunikanten, vom kleinen Peter viel lernen und ihn treu nachahmen.

 

Wie Peter Briefschreiber wurde

Es war im Monat Februar 1912. Da kam ein Missionär in die Stadt St. Malo, um eine große Volksmission abzuhalten. Um recht viel Gnade auf die Mission herabzuflehen, suchte der Pater sich vorher fromme Beter und Helfer aus. Er ging nämlich zu den Kleinen, zu den Kindern. Die kleinsten von Ihnen bereitete er auf die erste heilige Kommunion vor. Zu ihnen gehörte auch Peter. Er war wirklich noch klein. Denn eben erst hatte er seinen siebenten Geburtstag gefeiert. Aber weil er geweckt und verständigt schien, durfte er schon in diesem Alter den Heiland empfangen. Und wirklich, Peter zeigte großen Eifer und innige Liebe und Sehnsucht nach Jesus im Allerheiligsten Sakrament. Darum ging er bereits am anderen Tag wieder zur heiligen Kommunion. So tat er am dritten und vierten Tage, ja, schließlich fehlte er während der ganzen Mission nie am Tisch des Herrn. Der Kleine wusste, warum er so betete. Er dachte an die Sünder, besonders an seinen Vater. Der glaubte und betete seit 20 Jahren nichts mehr. Zwanzig lange Jahre hatte er nicht mehr gebeichtet und nicht mehr kommuniziert. Das tat dem Kleinen wehe. Denn der Vater war doch sonst so lieb.

Auch als die Mission vorbei war und der Vater sich nicht bekehrt hatte, ließ Peter in seinem Eifer nicht nach. Der Pater Missionär hatte unter den Kindern einen Verein gegründet, um ihren Eifer wachzuhalten. Diesem trat Peter bei. Dadurch wollte er sich verpflichten, möglichst oft, ja jeden Tag zur heiligen Kommunion zu gehen.

In diesem Kommunion-Verein war Peter einer der Eifrigsten. Die anderen Kinder, die in solchen Dingen ein gutes Auge haben, hatten das bald herausgemerkt. Und als sie einen wählen mussten, der Buch führte über die Mitglieder des Vereins und neue Mitglieder werben musste, fanden sie keinen tüchtigeren als ihn. So wurde er Sekretär des Kommunion-Bundes. Als solcher musste er dem Pater, der wieder fortgereist war, Briefe schreiben. Zwischen beiden entstand so ein amtlicher Briefwechsel. Ei, das waren herzige Briefe, die der kleine Mann da schrieb. Anfangs steckte freilich noch mancher Fehler darin. Aber die wurden immer seltener. Und immer schöner wurden diese Brieflein, weil auch Peter in seiner Seele immer schöner wurde. Diese Briefe mögen hier nun folgen. Sie sind mit geringen Änderungen ins Deutsche übersetzt worden und werden sicher viel Freude machen.

 

Peter erzählt vom großen Eifer der kleinen Apostel

April 1912.

Lieber Pater!

Ich bin es, der kleine Peter, der Ihnen hier schreibt. Ich möchte Ihnen sagen, dass ich seit der Mission jeden Tag an Sie gedacht habe. Als Sie abgereist waren, erzählten die großen Kinder am anderen Tag, dass sie mit Ihnen auf den Bahnhof gehen durften. Ich wäre auch gern mitgegangen, aber ich bin erst sieben Jahre alt. Darum hat Mama mir nichts davon gesagt, sondern mich um acht Uhr ins Bett gebracht.

Montag sind die Ferien zu Ende gegangen. Jetzt haben wir wieder wacker Schule. Der Herr Lehrer hat gesagt, dass er mit mir zufrieden sei. Ich sei fleißig. Aber nicht wahr, ich muss doch jeden Tag fleißig sein, damit ich jeden Tag kommunizieren darf! Aber ich bringe noch nicht alle Aufgaben ohne Fehler fertig. Ich mache noch Böcke beim Rechtschreiben. Aber ich will mich in Acht nehmen, dass Sie mit jedem Brieflein sehen, dass ich Fortschritte mache und ein gutes Mitglied unseres Kommunion-Bundes bin.

Nicht wahr, Herr Pater, der liebe Gott wird mich segnen, wenn ich ihn recht liebe! Und ich liebe doch Jesus aus ganzem Herzen. Ich sage es ihm jeden Tag. Seit Sie weg sind, habe ich nur einmal mein Versprechen nicht gehalten, alle Tage zur heiligen Kommunion zu gehen. Aber verzeihen Sie, lieber Pater! Ich konnte nichts dafür, frühzeitig ging ich an jenem Morgen in die Kirche. Aber es war keine Messe. Man bereitete ein Begräbnis vor. Niemand kümmerte sich um mich, denn ich bin halt noch so klein. Hans, mein größerer Bruder, ist wie ich in der ersten Abteilung des Kommunion-Bundes. Ich bin schuld, dass er jetzt dabei mitmacht. Denn ich habe ihn dazu aufgefordert. Und das freut mich sehr. Sicher ist es dem Jesuskind recht, wenn recht viele Kinder alle Tage kommunizieren.

Zuhause bin ich ein wenig bräver geworden. Aber Papa ist doch noch hie und da böse auf mich. Manchmal stehe ich halt beim Essen auf, ohne zu fragen. Und hie und da zankte ich mich mit Ottilie, meinem kleinen Schwesterchen. Eigentlich sollte man mich mit der Rute schlagen, aber bis jetzt hat man es nicht getan. Und ich hoffe, dass es bald gar nicht mehr nötig sein wird.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Peter.

 

Peter erzählt, wie er seine Fehler bekämpft

April 1912

Lieber Pater!

Es freut mich sehr, Ihnen wieder schreiben zu können. Zuerst möchte ich Ihnen sagen, dass ich immer den lieben Jesus und die liebe Muttergottes von ganzem Herzen gern habe. Aber ich weiß nicht recht, ob sie mich auch so lieben. Denn leider habe ich noch viele Fehler. Mama will, dass ich es Ihnen ehrlich schreibe.

Ich folge nicht immer, wenn man mir sagt, dass ich mein Schwesterchen Ottilie in Ruhe lassen und nicht mit ihm zanken soll. Wir zwei haben uns sogar einmal ein wenig geschlagen. Aber das wird sicher nicht mehr vorkommen. Ich verspreche es Ihnen, lieber Herr Pater.

Mama sagt oft zu mir, ich sei faul wie ein Murmeltier. Wenn ich Sprachlehre lernen sollte, mache ich ein saures Gesicht. Der Fräulein Lehrerin widerspreche ich oft. Und wenn ich Suppe essen soll oder Fisch, den ich gar nicht mag, kann ich recht eigensinnig sein. Das sind meine Fehler. Es sind ihrer viele. Aber ich will mich ernstlich bessern. Wenn das Jesuskind mich jeden Morgen zur Kommunion kommen sieht, soll es an mir Freude haben.

Ich habe das Gebet für das Gebetsapostolat auswendig gelernt. Ich bete es jeden Morgen, gerade wenn ich aufwache. Dann ist der ganze Tag dem göttlichen Herzen Jesu geweiht. Und alles, was ich mache, kommt den Seelen zu gut. Ich schreibe dieses Gebetchen auswendig hin:

Alles, was ich tu und denke,
Jesus, heute ich Dir schenke.
Dafür, Heiland, sei so gut,
Wasch mich rein mit Deinem Blut.
Schließ mich und die Lieben mein
In Dein heilig Herz hinein.

Bei der Messe bete ich den Rosenkranz. Ich bete das erste Gesetzchen für das Gebetsapostolat, das zweite für den Papst, das dritte für Papa, das vierte für Mama, das fünfte für uns drei, nämlich Hans, Ottilie und mich. Nach jedem Gesetzchen bete ich das kleine Gebet, das mir Mama gesagt hat: „Kleines Jesuskind, mache, dass ich groß und verständig werde. Erhalte und segne Papa, Mama, Hans, Ottilie und uns alle.“

Es grüsst sie vielmals

Peter.

Nachschrift. Es kommt mir noch etwas Wichtiges in den Sinn, an dem Sie gewiss Freude haben werden. Es kommen alle Tage neue Kinder, die sich in den Kommunion einschreiben lassen. Ich habe sie alle in meinem Heftchen aufgeschrieben. Davon kommunizieren zehn alle Tage, acht gehen zweimal in der Woche zur heiligen Kommunion und 30 alle Sonntage. Bis jetzt hat noch niemand sein Abzeichen verloren. Ich sammle sie nämlich immer nach der Messe ein. So mache ich es auch mit den Liedern, die wir dabei singen.

Ich grüsse Sie herzlich

Ihr kleiner Sekretär Peter D´Airelle.

 

Peter wird in seiner eigenen Familie Apostel

Lieber Pater!

Großmama ist mit mir gar nicht zufrieden. Es passt ihr nicht, dass ich alle Tage kommuniziere. Sie tut es auch nicht, und meint, sie sei doch älter als ich. Sie hat mir gesagt: „Du bist viel zu wenig artig, als dass du so etwas tun dürftest.“ Ich habe ihr geantwortet, wie sie es uns gelehrt haben: „Liebe Mama! Ich kommuniziere alle Tage. Aber nicht deswegen, weil ich brav bin, sondern weil ich es werden möchte. Und ich verspreche dir auch, dass ich mich fest zusammennehmen werde, um es zu werden.“

Seither lässt mich Mama in Ruh.

Am Morgen stehe ich ganz allein auf. Hans hilft mir nur meine Schuhe anziehen. Dann gehen wir miteinander in die heilige Messe. Ganz sachte schleichen wir die Stiege hinunter. Wir wollen keinen Lärm machen, um Papa nicht zu wecken.

Ich sage immer zu Papa, er solle seine Ostern halten. Aber er will nicht. Und beten tut er auch nicht. Aber ich sage es jeden Tag dem lieben Gott, dass er ihn bekehre. Oft, wenn ich allein bin, muss ich weinen. Ich habe Angst, ich käme ohne Papa in den Himmel. Denn sie haben einmal gesagt, dass jene die ihre Ostern nicht halten, eine große Sünde begehen und ein schlechtes Beispiel geben. Ich habe das Papa gesagt. Aber er hat mir zur Antwort gegeben, ich solle den Mund halten. Beten Sie doch recht fest für ihn.

Es grüßt sie ihr Peter

 

Klein-Peter hört nicht auf, Apostel zu sein

Juni 1912

Hochwürdiger, lieber Herr Pater!

Papa hat gestern beim Essen gesagt, dass Jesus Christus nicht Gott sei. Er sei nur ein Mensch wie wir auch. Da habe ich geweint und gesagt: „Nein, nein! Er ist Gott, der Pater hat´s gesagt.“ Hans sagte das gleiche wie ich. Dann ist Ottilie von ihrem Stuhl aufgesprungen und hat mit den kleinen Händchen in der Luft herum gefuchtelt und dazu gerufen: „Er ist Gott, er ist Gott! Der Pater hat’s gesagt.“

Hochwürden, beten sie doch recht viel für Papa! Und schreiben Sie mir einige Bücher auf, dass er sie lesen und wieder glauben kann.

Sie haben uns oft gesagt, dass wir nicht nur vom Heiland predigen, sondern auch beten und Opfer bringen sollen. Deswegen bete ich jeden Abend den Rosenkranz vor meinem Bett. Nach jedem Gesetzchen sage ich: „Liebes Jesuskind, bekehre meinen lieben Papa!“ Wenn man mir Süßigkeiten und Obst gibt, so gebe ich die Hälfte den Armen und bitte sie, dass sie mit mir beten.

Ihr kleiner Peter grüßt Sie.

Noch eine frohe Nachricht, Hochwürden! Denken Sie sich, Mama kommuniziert jetzt alle Tage mit uns. Bisher tat sie es nur alle Sonntage. Da habe ich ihr gesagt: „Mama, warum kommunizierst du nicht alle Tage, wie ich, um Papa zu bekehren?“

Sie hat mich umarmt und nicht geantwortet. Aber am nächsten Tag hat sie angefangen, jeden Tag zu kommunizieren. Und seither kniet sie jeden Morgen zwischen Hans und mir an der Kommunionsbank. Wie ich mich freue! Sicher, wir werden Papa doch noch bekehren!

 

Peter hilft den Armen
und dient so dem Jesuskind

August 1912

Lieber Pater!

Juhu! Wir haben Ferien. Wir haben lange darauf warten müssen, aber endlich waren sie doch da. Gleich fuhren wir hinaus aufs Land, ans Meer. Was es da nicht alles gibt. Gestern habe ich 300 Meerkrebse gefangen, Hans gar 400. Ottilie hat zwischen den Felsen ein Feuer gemacht. Darin haben wir die Krebse gebraten. Das gab ein großartiges Festmahl mitten in den Felsen drin.

Nachher haben wir einen richtigen Tintenfisch gefangen und eine große Krabbe. Wir haben sie gegeneinander losgelassen. Das war ein lustiger Wettkampf. Die Krabbe siegte. Der Tintenfisch musste fliehen.

Wie wir vom Meeresufer zurückgekommen sind, bin ich auf der Straße einem kleinen Lumpensammler begegnet. Der war nicht viel größer als Papas Stiefel. Er schleppte einen großen Sack hinter sich nach. Der war sicher schwerer als er selbst.

Es regnete. Das Wetter war kalt. Der Kleine ging barfuß. Er wanderte von einer Haustüre zur anderen und suchte in den Kisten, die davor standen, nach Papier. Als ich ihn sah, hatten sich gerade drei Spitzbuben auf ihn gestürzt und wollten seinen Sack leeren. Da lief er davon und weinte bitter, denn die drei waren größer und stärker als er. Sie verfolgten ihn sogar und warfen ihm Steine nach. Da warf ich mich auf den größten von ihnen. Ei, da konnte ich zeigen was ich alles beim Turnen gelernt hatte.

Als er genug Schläge bekommen hatte, lief er auf und davon. Seine zwei Freunde eilten ihm nach. Dann fragte ich den Kleinen: „Wie heißest Du?“ – „Zozo“, gab er zur Antwort. „Wo wohnst du?“ Fragte ich weiter. „Bei der Brücke.“ – „Wo hast Du Deine Schuhe?“ fragte ich ihn aus. „Ich habe keine“, sagte er, wobei er sehnsüchtig auf meine schönen Schuhe schaute. „Komm, Mama wird dir solche geben“, sagte ich zu ihm. „Ich habe keine Mama“, sagte er, und fing an zu weinen. Ich tröstete ihn: „Komm nur zu uns, meine Mama wird Dir Schuhe geben.“

Ich habe ihn zu uns geführt. Mama gab ihm mein Paar alte Schuhe und ein großes Butterbrot dazu. Ich half ihm die Schuhe anziehen. Sie passten herrlich. Das machte uns beiden Freude. Dann fragte ich ihn: „Hast du Glaskugeln zum Spielen?“ – „Nein.“ – „Komm, ich will Dir von den Meinigen geben.“ Ich steckte ihm beide Taschen voll. Da lachte er und ging davon, während er fest ins Butterbrot hineinbiss. Auch ich war echt froh. Sie haben ja einmal in der Predigt gesagt, was man für die Armen tue sei für das Jesuskind getan. Als mir das in den Sinn kam, hüpfte ich vor Freude auf einem Bein um Mama herum und sagte: „Juchhe! Ich habe die Hälfte von meinen Glaskugeln und von meinen Schuhen dem Jesuskind gegeben. Du wirst sehen, Mama, Papa wird sich bekehren!“

Mit einem lieben Gruß bin ich ihr Peter.

 

Peter will lieber sterben,
als eine Todsünde begehen

Lieber Herr Pater!

Ich komme eben zurück vom Fischfangen. Mit Hans und Ottilie zusammen habe ich Sandaale gefangen. Dabei mussten wir auf die Möweninsel hinüberwaten. Ottilie hatte dabei Furcht, sie möchte ertrinken. Da nahm ich sie auf meinen Rücken. Hans machte den Kutscher und trieb mit der Peitsche das Rösslein an.

Wissen Sie, Hochwürden, wie man Sandaale fängt? Sie sind immer im Sand versteckt. Aber wir hatten drei große Messer aus Holz bei uns. Damit schrieben wir in den Sand was uns gerade einfiel. Ich schrieb: „Ich werde Hauptmann wie mein Papa.“ Ottilie wollte das Sprüchlein schreiben, dass sie ihrer Puppe immer vor sagt. Hans hat Rechnungen in den sandigen Meeresboden hineingeschrieben. Bei jedem Buchstaben sprangen die alle erschrocken auf. Ottilie hatte Furcht. Die Sandaalen glänzten nämlich wie Silbernadeln und waren fast zwanzig Zentimeter lang. Wir aber haben keine Furcht gehabt.

Mit beiden Händen griffen wir zu. Und gegen zweihundert konnten wir erwischen.

Jetzt möchte ich Ihnen ein Geheimnis anvertrauen. Es ist ein Monat her. Da habe ich mich nach der heiligen Kommunion an ihre Predigt von der Sünde erinnert. Auch an den kleinen Märtyrer von Tonking musste ich denken. Er wollte lieber sterben als eine Todsünde begehen. Da bat ich das Jesuskind, mich lieber sterben zu lassen, als dass ich eine schwere Sünde tue. Mir ist’s gewesen, als ob dieses Gebet dem lieben Jesus Freude machte. Und jetzt bete ich jeden Abend nach dem Rosenkranz für Papa dies Gebet: „Mein Jesus, ich bitte dich, mich lieber sterben zu lassen, als dass sich eine Todsünde begehe.“ Ist es recht so, Herr Pater?

Es grüsst sie ihr Peter.

 

Wie gern KleinPeter bei Jesus war

Oktober 1912

Wir sind wieder daheim und die Ferien sind vorbei. Die Schule hat wieder angefangen und ich gehe mit neuem Eifer ans Lernen. Aber für heute bin ich mit meinen Aufgaben fertig. So habe ich gut Zeit, Ihnen ein Briefchen zu schreiben. Ich will Ihnen von meinen Geheimnissen erzählen.

Oh wie gerne gehe ich in die Kirche, besonders wenn sonst niemand darin ist. Dann bin ich ganz allein mit Jesus und kann zu ihm reden wie ich will. Manchmal gibt er mir Antwort, manchmal auch nicht. Aber auch wenn er nichts sagt, bin ich doch froh, bei ihm zu sein. Ich sage ihm jedes Mal, er solle Papa bekehren.

Wenn ich heimgehen muss, sage ich: „Jesuskind ich möchte gerne länger bei dir bleiben. Aber ich muss jetzt meine Aufgaben lernen. Dabei werde ich dich aber nicht vergessen. Alles, was ich für die Schule arbeite, gehört dir. Der Pater hat gesagt, dass man auch bete, wenn man arbeitet. Man müsse die Arbeit nur Dir zuliebe tun.“

In der Schule gehe ich während der Pause gern auf jene Seite hin, wo die Kapelle liegt, damit ich näher bei Jesus bin. Auf den Spaziergängen suche ich die Dorfkirchen auf und grüße den Heiland. Abends wende ich mich im Bett dorthin, wo die Kirche steht, und sage zu Jesus: „Gute Nacht!“

Wie wird das schön sein im Himmel, wenn man immer beim lieben Gott sein darf! Aber wo wird dann Papa sein? Bitte, bitte, beten Sie für ihn. Und schreiben Sie wieder einmal

Ihrem Peter.

 

Peter will für seinen Vater leiden

November 1912

Herr Pater!

Mir tut es recht leid, der liebe Gott scheint meinen Papa nicht bekehren zu wollen. Und doch bitte ich ihn darum so oft ich nur kann. Am Morgen, bei der heiligen Kommunion, beim Rosenkranz, ja überall denke ich daran. Aber gestern fiel mir plötzlich ein, dass man drei Dinge tun muss, um Seelen zu bekehren. Man muss beten, predigen und leiden. Ich habe viel gebetet und sogar gepredigt. Aber ich habe noch nicht gelitten, lieber Herr Pater. Da habe ich zu Jesus gebetet, mich viel leiden zu lassen. Ich möchte doch büßen für Papas Fehler und für seine Gotteslästerungen, damit er sich bekehre. Er sagt immer zu Mama, dass Jesus Christus nicht Gott sei. Die Priester hätten die Religion erfunden, und noch viel anderes spöttelt er. Er hat zwar die Bücher gelesen, die Hochwürden mir geschickt haben. Aber er sagt, dass das alles nichts beweise. Er werde niemals beichten und es gäbe keine Hölle. Wir sind recht traurig und Mama weint oft.

Ihr Peter.

 

Peter bietet dem Heiland sein Leben an

Dezember 1912

Sonntag nach der heiligen Kommunion ist es mir vorgekommen, als wenn Jesus zu mir sagte: „Willst du sterben, um Papa zu bekehren?“

Ich habe geantwortet: „Ja, ja.“

„Aber du wirst dabei viel leiden müssen.“

„Gut, wenn Du mir hilfst, will ich es gern.“

Jetzt bin ich bereit zu sterben. Aber ich habe vielleicht eine Sünde begangen, dass ich es angenommen habe, ohne Sie und die Eltern um Erlaubnis zu fragen. Habe ich unrecht gehandelt, lieber Herr Pater?

Eine große Neuigkeit! Papa muss jetzt dann in einer anderen Stadt Militärdienst tun. Darum müssen wir alle zügeln. In einem Monat reisen wir ab.

 

Rein wie eine Lilie will der kleine Peter sein

Jänner 1913.

 

Heute hat der Herr Pfarrer den Kommunionbund zusammengerufen, wie er es alle Monate tut. Er hat uns gefragt, wie viele neue Mitglieder wir für jede Abteilung gewonnen haben. Die erste Abteilung, das sind jene, die alle Tage kommunizieren, ist jetzt doppelt so groß. Davon habe ich sechs neue Mitglieder gewonnen.

Dann hat uns der Herr Pfarrer vom heiligen Stanislaus erzählt. Er hat gesagt, dass Stanislaus mit sieben Jahren schon das Gelübde der Keuschheit abgelegt habe. Mir kam es vor als wenn Jesus mich fragte, ob ich nicht auch immer rein bleiben und es versprechen wolle, wie der heilige Stanislaus. Ich habe geantwortet, dass ich es gern wolle. Und ich habe es ausdrücklich versprochen. Ich bin so froh, dass ich mich nur ganz dem lieben Gott schenken darf. Wenn sie es mir erlauben, werde ich mein Versprechen von jetzt an alle Tage nach der heiligen Kommunion erneuern.

Mit einem lieben Gruß grüßt Sie

Ihr Peter.

 

Warum der kleine Peter alle Tage
zur heiligen Kommunion geht

Jänner 1913

Wir haben nun unseren bisherigen Wohnort verlassen und sind nun hier in L. Oh, lieber Pater, ich bin sehr traurig. Denn hier sieht es ganz anders aus als in St. Malo. Hier gibt es keinen Kommunionbund und kein einziges Kind geht täglich zur Kommunion. Denken Sie sich, die frömmsten gehe nur alle Monate einmal.

Wir waren noch nicht lange da, kaum acht Tage. Da ließ der Herr Pfarrer Mama und mich nach der Messe in die Sakristei rufen. Ich hatte richtiges Herzklopfen. Denn der Herr Pfarrer schaute mich, als wir kamen, einen Augenblick lang so sonderbar an. Dann sagte er: „Gnädige Frau! Hier wundert man sich sehr über ihre Handlungsweise. Man versteht es noch, dass sie es über sich bringen, alle Tage zu kommunizieren. Aber dass sie alle Tage ihr Kind zum Tisch des Herrn führen, das begreifen einige nicht und nehmen Ärgernis. Glauben Sie wirklich, dass ihr Kind genau weiß und versteht was es tut?“

„Ich glaube es, Herr Pfarrer“, sagte meine Mutter. „Übrigens habe nicht ich mein Kind dazu gebracht, alle Tage zu kommunizieren. Es ist vielmehr das Kind das mich dazu gebracht hat.“ – „Wie alt ist ihr Kind?“ fragte der Herr Pfarrer. „Acht Jahre.“ – „Und warum willst du denn jeden Tag kommunizieren?“ Wandte sich der Herr Pfarrer an mich. „Um Jesus Freude zu machen und auch dem Heiligen Vater, Herr Pfarrer“, gab ich zur Antwort. „So, so“, machte er. „Und dann auch, um Papa zu bekehren“, fügte ich bei. Dann ist der Herr Pfarrer eine Zeit lang ganz still gewesen und hat nichts gesagt. Dann aber sagte er: „Gut, Peter, ich bin einverstanden, dass du weiterhin alle Tage zur heiligen Kommunion gehst. Wenn unser Heiliger Vater in Rom, der Papst, dich dazu ermuntert, wäre es ungerecht, wenn ich dich davon abhalten würde.“

Sie können sich denken, wie wir da froh heimgekehrt sind.

Ihr Peter grüsst Sie.

Nachschrift. Morgen sind wir bei der Frau Major zum Tee eingeladen. Mama hat mir dazu ein kleines Husarenkleid machen lassen. Das sieht recht farbig aus; es ist nämlich rot und blau.

 

Peter ist eingeladen
und bekehrt die vornehmen Damen

Februar 1913.

Ich bin ein wenig krank. Mir war kalt, als wir von der Frau Major zurückkamen. Dabei habe ich mich erkältet. Aber Mama wird mir helfen, meinen Brief zu schreiben.

Wir waren also bei der Frau Major auf Besuch. Es waren viele Offiziere und Offiziersdamen dort. Alle diese Damen haben Mama meinetwegen angegriffen, weil ich jeden Tag kommuniziere. Die Frau Major hat damit angefangen. Sie hat zu Mama gesagt: „Frau D´Airelle!, Ich begreife gar nicht, dass eine so gute Christin wie sie sind, mit solchen schlechten Gewohnheiten einverstanden ist. Wie können Sie nur ein Kind von acht Jahren zum Tisch des Herrn gehen lassen? Und dazu noch alle Tage! Das ist doch die verkehrte Welt! Ich habe bisher immer gemeint, dass die erste Pflicht eines guten Christen die sei, vor den Sakramenten Ehrfurcht zu haben und auch den Kindern diese Ehrfurcht beizubringen. Was mich betrifft, so habe ich vier Kinder. Aber das sage ich Ihnen: keines, nein, wirklich keines von ihnen wird zur heiligen Kommunion gehen, bevor es elf Jahre alt ist. Wenigstens wissen sie dann, was sie tun.“

„Und dann“, fiel die Frau Oberst ein, „ein so spätes Frühstück schadet sicher der Gesundheit der Kinder. Ich lasse meine Kinder frühstücken, wenn sie noch im Bett sind.“

„Übrigens“, setzte eine große starke Dame, die einen ganzen Strauß von weißen Federn auf dem Hute trug, hinzu, „man kommt schon wieder ab von all diesen Neuerungen. Viele beklagen sich, dass die Erstkommunion nicht mehr so feierlich sei. Auch sollen die Kinder, wie es scheint, nachher viel weniger Eifer im Unterricht haben.“

All diese Damen redeten zu gleicher Zeit auf die arme Mama ein. Ich schaute sie heimlich an. Ganz rot war sie. Und ich sah wohl, am liebsten hätte sie es gemacht wie ich, und geweint. Als alle mit ihren Einwänden fertig waren, hat Mama ganz ruhig gesagt: „Meine Damen! Ich will nicht auf ihre Schwierigkeiten und Vorwürfe eingehen. Ich überlasse die Antwort den Priestern, den Theologen. Meine ganze Einstellung in dieser Angelegenheit ist diese: gehorchen, folgen. Unser Heiliger Vater in Rom wünscht, dass unsere Kinder kommunizieren, sobald sie den Gebrauch der Vernunft erlangt haben. Er macht es uns zur Pflicht, sie dann zum Tisch des Herrn zu führen. Soweit es möglich ist, sollen wir das alle Tage tun. Sehen Sie, ich gehorche einfach dem Papst. Das weitere kümmert mich nicht. Es ist nicht meine Sache, den Papst zu richten und die Kirche zur Rede zu stellen.“

„Bravo, Frau D´Airelle!“ hat da der General gerufen, der eben zur Türe herein gekommen war. „Das gefällt mir, das ist die einzige Art Katholizismus, die ich verstehe. Wenn wir über alles kritisieren wollen, werden wir lieber gleich protestantisch. Dann können wir sagen und glauben, was uns passt.“

Nach diesen Worten wandte er sich an mich: „Du, Peter, komm und gibt diesen Damen da eine Katechismusstunde. Wer kommandiert in der Kirche?“ – „Der Papst.“ – „Sehr gut, mein kleiner Freund. Sehen Sie da, meine Damen, das ist die Antwort auf Ihre Einwände. Wo kämen wir im Militär hin, wenn es von jetzt an jedem Soldaten erlaubt wäre, meine Befehle zu kritisieren und mich belehren zu wollen? Und doch, ich bin nicht unfehlbar wie der Papst. Ich kann nicht wie er auf den besonderen Beistand des Heiligen Geistes zählen. Kleiner Peter, du bist ein wackerer Mann. Komm, umarme mich!“ Ich habe ihm zwei herzhafte Küsse gegeben, weil er uns so geholfen hat.

Während Papa im Gang draußen seinen Mantel anzog, habe ich gehört, wie der General ihm sagte: „Herr Hauptmann, ich gratuliere Ihnen, da haben Sie einen Prachtskerl. Der wird Ihnen sicher einmal keine Schande machen.“

Auf der Straße hat Papa mir die Hand gedrückt. Er war offenbar mit mir zufrieden. Abends habe ich vor meinem Bett die Hälfte des Rosenkranzes für den General gebetet, weil er so gut gegen Mama und mich gewesen ist.

Ich umarme Sie. Peter.

 

Peter wehrt sich, damit er alle Tage
zur heiligen Kommunion gehen kann

Februar 1913.

Der Streit ist von neuem losgegangen. Die gleichen Damen, von denen ich Ihnen das letzte Mal erzählt habe, sind am Donnerstag zu uns auf Besuch gekommen. Wieder griffen sie Mama an, so fest wie sie nur konnten. Es passte ihnen wohl gar nicht, dass ich immer noch alle Tage zur Kommunion ging.

Diesmal war niemand da, der uns verteidigt hätte. Darum ist, als alle fortgegangen sind, Papa auf Mama zornig geworden und hat gesagt: „Siehst du! Ich habe es ja gesagt. Wir sind auf dem besten Weg, uns vor der ganzen Stadt lächerlich zu machen. Werden denn diese Andachten niemals ein Ende nehmen?“ Mama fing an zu weinen.

Mir fiel ein, was ich in meinem kleinen Buch gelesen habe. Das sagte ich jetzt zu Papa: „Papa, warum willst du, dass ich alle Tage esse?“ – „Nun, weil du groß werden sollst und dazu ernährt werden musst.“ – „Gut, Papa. Ich will aber auch groß werden vor dem lieben Gott. Darum muss ich meine Seele jeden Tag mit der heiligen Kommunion nähren.“

Papa antwortete nichts. Er ging auf sein Zimmer, ohne mich wie sonst zu umarmen. Das machte mich recht traurig. Mama ging mit mir auf mein Zimmerchen. Als ich im Bett war, stand sie davor und sagte: „Peter, du siehst, alles ist gegen uns. Niemand macht uns Mut. Vielleicht müssen wir doch nachgeben, um die Leute nicht bös zu machen.“

„Aber Mama, dann folgen wir ja nicht mehr dem lieben Gott.“

Das ist wahr, Peter. Aber wenn wir so weitermachen, wird man immer mehr gegen uns reden. Das wird Papa noch böser auf uns machen als er es schon ist.“

„Aber, Mama, könnten wir es nicht so machen: am Sonntag kommunizieren wir in der Pfarrkirche. Die übrigen Tage gehen wir in andere Kirchen. Es sind in der Stadt noch sechs andere. Das reicht für jeden Tag. Ich kann schon ein wenig früher aufstehen. Du wirst sehen: niemand merkt etwas davon.“

Mama hat mich darauf zweimal umarmt und mir gesagt: „Du hast recht, Peter. Das machen wir. Morgen fangen wir mit unseren Wallfahrten an. Bitte deinen Schutzengel, dass er uns dabei helfe.“

Seitdem stehe ich morgens eine Viertelstunde früher auf. Jeden Tag gehen wir in eine andere Kirche. Oh, mein lieber Herr Pater, wie das für uns kleine Kinder doch schwer ist, zu Jesus zu kommen. Alles will uns von ihm abhalten.

Ihr Peter.

 

Peter schreibt vom Krankenbett aus

Februar 1913

Mein lieber Pater!

Ich schreibe Ihnen vom Bett aus. Darum schreibe ich nur ganz kurz und mit dem Bleistift. Mama ist mit Hans und Ottilie in die heilige Messe gegangen. Leider kann ich heute nicht zur Kommunion gehen. Vielleicht kann ich gar nie mehr in meinem Leben kommunizieren.

Nach der heiligen Kommunion am Freitag schien es mir, als ob Jesus wieder zu mir sagte: „kleiner Peter, bist du bereit zu sterben, um Papa zu bekehren?“ – „Ja, ja“, habe ich geantwortet. Dann habe ich den lieben Gott gebeten, dass er mir viel Leiden schicke für Papas Sünden. Nachmittags, als ich nach der Schule heimkam, musste ich Blut brechen. Am nächsten und übernächsten Tag wieder. Der Arzt ist gekommen, um mich zu untersuchen. Als er weg war, hat mich Mama umarmt und dabei fest geweint. Dann hat sie zu Hans gesagt, dass er mit mir zusammen eine Novene halten solle, damit ich wieder gesund würde. Aber ich will doch nicht gesund werden. Ich möchte viel lieber sterben, um das Jesuskind zu sehen und Papa zu bekehren.

Ich habe viel Schmerzen. Aber Leiden tue ich gern, weil auch Jesus gelitten hat. Und weil ich dadurch viele Sünder bekehren möchte.

Beten Sie für mich, wenn ich gestorben bin. Auf Wiedersehen im Himmel!

Ihr kleiner Peter.

 

Peter wird bald im Himmel sein

März 1913

Mein lieber Herr Pater!

Ich bin´s immer noch. Aber ich kann nicht mehr selber schreiben. Hans schreibt den Brief für mich.

Bald werde ich bei Jesus sein. Es wird nicht mehr lange dauern. Wie bin ich froh. Wenn ich allein bin, singe ich mein Lied: „Jesus, Jesus, komm zu mir, o wie sehn ich mich nach Dir!“

Ich habe viel Schmerzen auf der Brust. Aber ich bin trotzdem recht froh. Ja, ich bin noch nie so glücklich gewesen. Der Herr Pfarrer hat mich aufgesucht. Er fragte mich, ob es wahr sei, was man ihm gesagt, dass ich nämlich jeden Tag in eine andere Kirche gegangen sei, um ja kommunizieren zu können. Ich sagte ihm: „Ja!“ – „Und warum das, kleiner Peter?“ Wollte er von mir wissen. „Um Jesus und dem Heiligen Vater Freude zu machen. Und dann, um Papa zu bekehren.“ – „Du willst also Papa bekehren?“ Fragte er mich. „Ja, darum habe ich zu Jesus gesagt, er solle mich sterben lassen.“

Darauf hat der Herr Pfarrer sich umgedreht und geweint. Er sagte nichts mehr zu mir, sondern ging fort. Gern hätte ich ihn gebeten, mir die heilige Kommunion zu bringen. Aber ich wagte es nicht. Doch ich werde es dem Jesuskind anvertrauen. Das wird ihm diesen Gedanken schon eingeben.

Ihr Peter.

Wie Jesus zum kranken Peter kommt

März 1913

Mein lieber Pater!

Es scheint, es geht mir etwas besser. Ich hätte sogar selber schreiben können. Aber Hans war damit nicht einverstanden. So schreibt er für mich, was ich ihm vorsage.

Hören Sie nur. Der Herr Pfarrer hat mich am Tag nach seinem Besuch wieder aufgesucht. Ich habe fast gemeint, er sei böse auf mich. Aber er hat mich lieb bei der Hand genommen und gefragt: „Peter, hör´ einmal, wärst du nicht froh, wenn du auch jetzt noch alle Tage den lieben Heiland empfangen könntest?“ – „Oh ja Herr Pfarrer.“ – „Gut, ich selber werde dir alle Tage die heilige Kommunion bringen. Morgen schon fangen wir an. Aber du musst dabei auch ein wenig für mich beten, kleiner Peter, nicht wahr?“

Den anderen Tag in aller Frühe brachte er mir den Heiland. Mama hatte überall Blumen aufgestellt Hans und Ottilie sind niedergekniet und haben gebetet. Sie hielten brennende Kerzen in den Händen. Papa war sehr ergriffen. Er kniete auf den Boden und ich glaube gar er hat mitgebetet.

Der Herr Pfarrer bereitete mich auf die heilige Kommunion vor. Nachher half er mir, die Danksagung machen. Als er sagte: „Beten wir für die Eltern!“ habe ich auf Papa geschaut. Er hielt das Taschentuch vor den Augen.

Nachmittags ist der Herr Pfarrer wieder gekommen er hat mich gefragt: „Peter, was meinst du wohl, dass man tun könnte, damit die Kinder hier mehr kommunizieren, vielleicht gar alle Tage wie du?“ – „Herr Pfarrer, man müsste wohl einen Kommunionsbund gründen, wie in St. Malo einer war.“

„Gut, Peter. Ich werde mich gleich an die Arbeit machen. Bete für mich, dass es gelingt. Und morgen bringe ich dir wieder die heilige Kommunion.“

Mama sagte zu ihm: „Herr Pfarrer, mühen sie sich nicht so ab. Der Herr Kaplan ist noch jung. Der könnte es leichter tun.“ – „Nein, nein“, sagte er. „Ich muss mit dem guten Beispiel vorangehen. Es soll jedermann wissen, dass es mein Wunsch ist, die Seelen der Kinder zu nähren wieder göttliche Heiland und auch der Heilige Vater sie ernährt wissen will. Ja, jetzt begreife ich, warum der Heiland die kleinen so geliebt und bevorzugt hat.“ Er hat mich umarmt und ist dann fortgegangen.

Es bittet um ihr Gebet

der kleine Peter

 

Peters letzter Wunsch und letzter Brief

Lieber Pater!

Das Jesuskind meint es gut mit mir. Es will alle meine Wünsche erfüllen, bevor ich sterbe.

Der Herr Pfarrer hat den Kommunionbund gegründet. Dann hat er erlaubt, dass Ottilie, die fünf Jahre alt ist, am Gründonnerstag zur ersten heiligen Kommunion gehen darf.

Jetzt bleibt nur noch Papa übrig. Ich habe ihm gesagt, er möge doch mit mir beten. Und er hat es getan. Einen ganzen Rosenkranz hat er gebetet und auch das „Gedenke, oh gütigste Jungfrau Maria“. Vielleicht werde ich nicht mehr am Leben sein, wenn er sich bekehren wird. Ich will dieses Opfer dem lieben Gott bringen. Aber vom Himmel aus werde ich es sicher sehen können. Das wird wohl mein letzter Brief sein. Ich kann gar nicht mehr schlafen und viel, viel muss ich husten, besonders in der Nacht.

Ich werde im Himmel viel für Sie und für alle Kommunionkinder beten.

Auf Wiedersehen im Himmel.

Ihr Peter.

 

 

Peters Vater schreibt,
wie sein Liebling gestorben ist

Ostersonntag 1913.

 

Hochwürdiger Herr Pater!

Ich möchte Ihnen Mitteilung machen vom großen Schmerz, der uns getroffen hat. Unser kleiner Engel, unser Peter, ist nicht mehr. Einen ganzen Monat lang musste er leiden. Ein wahres Martyrium musste er durchmachen. Aber er hat gelitten, wie die Heiligen leiden. Nie hat er geklagt, nie ist er ungeduldig gewesen.

Der Herr Pfarrer brachte ihm alle morgen die heilige Kommunion. Diese Stunde, auf die er sich während der ganzen schlaflosen Nacht freute, war für ihn der Himmel. Wenn er die Schritte des Priesters auf der Treppe vernahm, verklärte sich das Antlitz des kleinen Engels. In seinen Augen schien sich die göttliche Herrlichkeit widerzuspiegeln. Und dieses wunderbare Licht verschwand den ganzen Tag nicht.

Wenn ich während des Tages in sein Zimmer trat, betete er den Rosenkranz und sang die Lieder von der Mission. Ich sagte ihm oft, er solle sich doch ausruhen. Er aber gab zur Antwort: „O Papa, wenn ich mit dem lieben Gott rede, ruhe ich mich doch aus.“ Ich fragte ihn: „worüber redest du zu ihm?“ Das sagte er, während er mich so lieb anschaute: „Über dich!“

Am Morgen des letzten Tages sagte ihm die Mutter, dass man eine neue Novene anfange, damit er wieder gesund würde. Da fing er an zu weinen: „Nein, Mama, du musst nicht verhindern, dass ich sterbe. Ich will doch sterben, damit sich Papa bekehre.“

Am Morgen des Gründonnerstag ist er dann gestorben. Unsere kleine Ottilie war eben von ihrer ersten heiligen Kommunion zurückgekommen. Peter hat sie fest umarmt. Lange hielt er sie an sein Herz gedrückt. Dann bereitete er sich auf seine letzte heilige Kommunion vor. Der Herr Pfarrer kam mit der Wegzehrung. Peter kniete im Bett. Die Hände hielt er gefaltet, himmlische Freude strahlte aus seinen Augen. Er hat mich dann um Verzeihung gebeten für seine Fehler, mit denen er mir weh getan habe. Gerne hätte ich ihm gesagt: „Mein gutes Kind, ich sollte vielmehr dich um Verzeihung bitten.“ Aber ich konnte vor lauter Schluchzen nicht sprechen. Seine Mutter, der kleine Hans und Ottilie weinten wie ich. Auch der Pfarrer musste weinen. Peter allein blieb heiter und tröstete uns.

Der Todeskampf begann, während die Glocken der Stadt zur heiligen Messe läuteten. Auf einmal schien mich Peter zu rufen. Ich näherte mein Ohr seinen Lippen. Er flüsterte: „Auf Wiedersehen, Papa … Im Himmel … ich sterbe … für dich!“ Darauf hauchte er seinen letzten Seufzer aus, während er seinen Rosenkranz von der Mission zwischen den abgezehrten Fingern presste.

Gleich nach dem Tode wurde Peters Gesicht strahlend, als wenn ein Stahl Himmelslicht darauf gefallen wäre. Um die Lippen spielte ein Lächeln. Ein unaussprechlicher Friede ruHte über dem kleinen Leib, den das Leiden solange abgezehrt und geläutert hatte. Mir schien es, als schimmerte etwas vom göttlichen Licht durch diesen Engel. Wirklich, ich war nicht würdig, dass er mein Kind war.

 

Peters Vater erzählt,
wie er sich endlich bekehrt hat

Ach, Herr Pater! 20 Jahre hatte ich nicht mehr gebetet, 20 lange Jahre auch nicht mehr geglaubt. Aber vor diesem Totenbett bin ich auf die Knie gesunken. Ich habe gebetet. Ich habe geweint und geschluchzt. Aber nicht seinetwegen, sondern meinetwegen. Ich habe Gott und diesen unseren lieben kleinen Engel um Verzeihung gebeten für diese schreckliche Feigheit, mit der ich ein gottloses Leben geführt hatte. Oh, wie ich mich jetzt vor ihm schämte! Wie ich mich klein fühlte vor ihm, der so groß war! Ich fühlte mich unwürdig, diesen Auserwählten zu umarmen. Ich Sünder, ich Verworfener!

Schon der Gedanke, eine ganze Nacht mit meiner schmutzigen Seele neben ihm zu bleiben, schien mir unerträglich. Mir scheint, ich fühlte etwas von jener Scham in mir, welche die Verworfenen am Tage des Gerichtes in Gegenwart der göttlichen Heiligkeit empfinden müssen.

Ich hielt es so einfach nicht mehr aus. Ich eilte davon, um einen Priester zu suchen. Ihm habe ich meine Sünden gebeichtet, die Sünden meines ganzen Lebens. Erst dann habe ich mich weniger unwürdig gefühlt, vor der Leichnam meines Kindes zu erscheinen. Erst jetzt fand ich den Mut, ihn zu umarmen und bei ihm zu sein.

Als ich heimkam, lag Peter aufgebahrt in seinem Erstkommunionkleid da. Ich kniete zu seinen Füßen nieder und betete. Meine arme Seele hielt ich ihm hin, dass er sie segne und bewahre.

Am Karsamstag haben wir den kleinen Sarg auf den Friedhof gebracht. Es war in der gleichen Stunde, als alle Glocken der ganzen Stadt zur Auferstehung läuteten.

Es schien mehr ein Triumphzug als ein Leichenzug zu sein. Die Kinder der Pfarrei waren dabei in ihren weißen Erstkommunionskleidern. Ich freilich, ich habe geweint aber diese Tränen waren weniger Trauer. Sie waren Freude. In meiner Seele empfand ich eine Tiefe, neue, unsägliche Freude.

Auf dem Friedhof haben sich die ganz Kleinen um das Grab gestellt. Als man die erste Schaufel Erde auf den Sarg geworfen, nahm der Herr Pfarrer das Wort: „Meine lieben Kinder! Ich bin zu ergriffen, um euch eine lange Rede zu halten. Wir wollen lieber ein Gebet beten und dem lieben Gott recht danken, dass er so große Dinge an der Seele eures Freundes gewirkt hat. Die Gnade wartet nicht, bis man alt ist, um die Auserwählten zu Heiligkeit zu führen. Die tägliche heilige Kommunion hat aus unserem kleinen Peter einen Apostel und Helden gemacht. Möge er auch im Himmel ein Apostel sein. Möge er uns allen, euch und mir, eurem Seelenhirten, diese Gnade geben, dass wir mehr und mehr das Verlangen des göttlichen Heilandes in der Hostie verstehen. Denn Jesus möchte jeden Tag auch zu euch kommen, um euch rein zu bewahren und groß zu machen.“

So etwa hat der hochwürdige Herr Pfarrer gesprochen.

Bitte, Herr Pater, beten Sie für uns, besonders für mich, damit ich mich vor meinem lieben, kleinen Engel im Himmel nicht schämen muss. Sein Vater bin ich, es ist wahr. Aber er hat mir das Leben der Seele verdient. Es grüßt sie in aller Ehrfurcht

Hauptmann D´Airelle.

 

Peters Vater wird Kommunion-Apostel
wie Peter einer war

Mai 1913

Hochwürdiger Herr Pater! Wieder ist es Peters Vater, der ihnen schreibt. Ich schreibe Ihnen anstelle des lieben dahin geschiedenen. Ist er wirklich dahin geschieden? Oh, nie habe ich gemeint, ihm näher zu sein als jetzt. Am Ostersonntag ging ich zur heiligen Kommunion. Sie war die erste in meinem neuen Leben, in diesem Leben, dass er mir durch seinen Tod verschafft hat.

Da war es mir, als hörte ich im Grunde meiner Seele eine deutliche Stimme, die Stimme meines Kindes: „lieber Vater! An dir ist es nun, alle Tage meinen Platz an der Kommunionsbank einzunehmen.“ Ich wollte anfangs nicht auf diese Stimme hören. Aber diese Worte schnitten mir ins Herz und erfüllten es doch wieder mit Freude.

„Ja, an dir ist es nun lieber Vater“, wiederholte diese Stimme geheimnisvoll. „Ich habe deine Bekehrung teuer erkaufen müssen. Du musst nun dafür sorgen, dass sie vollständig sei.“

Dieser Aufruf wiederholte sich während mehrerer Tage. Er wurde besonders eindringlich in der Morgenstunde, da Peter zur heiligen Kommunion zu gehen pflegte. Zuletzt konnte ich nicht mehr anders. Ich habe mich ergeben. Fortan werde ich alle Tage den freigewordenen Platz ausfüllen, so gut ich es kann. Ich komme spät, wie der Arbeiter zur letzten Stunde. Aber ich werde mir Mühe geben. Dieser Entschluss hat in meiner Seele einen grossen Frieden zurückgelassen.

Ich habe nur noch einen Wunsch: von Ferne seinen Fußspuren zu folgen. Langsam möchte ich diesen Weg der Heiligkeit emporsteigen, diesen königlichen Weg des Opfers. Mein Kind hat ihn so schnell zurückgelegt. Sein Schüler will ich sein. Ach, ich hätte ihm doch Lehrer sein sollen!

Als ich heute früh im Garten spazieren ging, blieb ich vor einer grossen Lilie stehen. Ihr weisser Kelch hatte sich frisch geöffnet. Am Fuße der Lilie schaute eine winzige Sternblume zur Lilie empor. Dieses kleine Blümchen möchte ich sein und so ganz nahe unter dem Schutze unseres Engels weilen.

Beten Sie für meine arme Seele!

Hauptmann D´Airelle.

 

Schlusswort

Das Grab des kleinen Peter liegt auf einem hohen Hügel. Von dort sieht man weit hinaus auf das Meer. Über seinem Grab steht ein Kreuz aus rotem Granit. Auf dem Grabstein aber hat man ein Ziborium hin gemeißelt. Darüber schwebt eine strahlende Hostie. Und um diese Hostie ist die Einladung des göttlichen Heilandes geschrieben:

Lasset die Kleinen zu mir kommen!
Wehret es ihnen nicht!
Denn für solche ist das Himmelreich!

Lieber Leser! Nun kennst du die Geschichte des kleinen Peter. Hast du nicht Freude gehabt an diesem Kind, das so treu die Einladung des göttlichen Kinderfreundes befolgt hat? Wie schön muss diese Kinderseele gewesen sein! Wirklich, darin hat der liebe Gott mit seiner Gnade ein Himmelreich aufgebaut.

Aber das möchte der Liebe Heiland auch in deiner Seele tun. Du musst nur auf ihn hören und seiner Einladung folgen, wenn er dich zur heiligen Kommunion ruft. So oft du nur willst, darfst du ihn in dein Herz aufnehmen.

Aber viel Liebe musst du ihm schenken und ihn dann in deinem Herzen wirken und befehlen lassen. Ahme darin Klein-Peter nach! Ganz sicher wird Jesus dann auch aus deiner Seele etwas Wunderschönes machen.

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Quelle: A. Bessières, Klein Peter, Ein Kommunionapostel – Peter d’Airelle – 1905-1913. Aus dem Französischen übersetzt — Neubearbeitet von P. Walther Diethelm O.S.B. — Kanisius-Verlag, Freiburg/Schweiz, Konstanz/Baden, München 23. (1957)

Das heilige Messopfer, die wertvollste Aufopferung des Kostbaren Blutes Jesu Christi

Das heilige Messopfer ist die lebendige Fortsetzung und Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers Christi. Darum strömt auch im Heiligen Messopfer, wie aus frischer Wunde blutend, das Kostbare Blut des Herrn. In diesem Opfer wird das Kostbare Blut in unsere Zeit, in unsere Gemeinde hineingetragen. Nirgends ist das Kostbare Blut so wirklich, so lebendig und so greifbar nahe wie im Opfer der heiligen Messe. Hier können wir es mit den Händen greifen; denn es fließt lebendig im hl. Kelche. Hier können wir es trinken beim Empfange der hl. Kommunion. Weil es hier nun so wirklich gegenwärtig ist, gibt es auch für den himmlischen Vater keine wertvollere Aufopferung des Kostbaren Blutes als die, die wir in Verbindung mit dem hl. Messopfer machen. Der Heilige Vater sagt hierüber: „Wir haben ein mächtiges Mittel, um den religiösen Eifer mehr zu wecken und um dem frevelhaften Treiben der Gotteshasser womit unsere Zeit besudelt wird, einen Damm und ein Heilmittel entgegenzustellen. Was vermöchten nicht unsere Gebete! Was vermöchte nicht die Bitte, die im Namen Christi von einem unschuldigen und reuigen Herz ausgesprochen wird, stark durch die Kraft des Vertrauens, begleitet vom Gefolge guter Werke! „Das Gebet ist die Mauer des Glaubens, unsere Wehr und Waffe gegen den Feind, der uns allenthalben belauert“ (Tertullian). Doch alles, was die religiöse Huldigung und Übung ist, tritt zurück vor dem eucharistischen Opfer, das in unblutiger Weise die blutige Hinopferung Christi am Kreuze fortsetzt und deren reichste Heilsfrüchte den Menschen zuleitet. Da wird der himmlische und ewige Vater geehrt, um Verzeihung gebeten und versöhnt durch das Kostbare Blut des makellosen Lammes, dessen Stimme wirksamer ist als die Stimme des unschuldigen Blutes Abels und aller Gerechten, weil es unendliche Würde und Kraft besitzt; von uns genommen, wird es für uns vom Sohnes Gottes selbst dargebracht, bewirkt es uns Frieden und Versöhnung, schenkt uns unerschöpflich jegliche himmlische Gabe.

„Wenn durch unsere Schulden wir reizen
unseres Richters Rachestrahl,
möge uns dann Schutz verleihen,
dieses Heiligen Blutes Ruf;
und es möge von uns weichen
aller drohenden Übel her.“

(Aus dem Hymnus des Festes vom kostbaren Blute)

Als wahres Sühneopfer wird es auch dargebracht „für die Sünden, Strafen, Genugtuung und die übrigen Nöte.“ (Konzil von Trient). Wenn also die Gottesleugnung und der Hass gegen Gott eine ungeheure Schuld ist, wodurch das gegenwärtige Jahrhundert entstellt wird und weswegen es nicht ohne Grund erschreckende Strafen zu fürchten hat, so können wir durch das Bad des Blutes Christi, das der Kelch des neuen Bundes enthält, den entsetzlichen Frevel gutmachen, dessen Folgen nach erlangter Verzeihung für die Schuldigen beseitigen und der Kirche einen herrlichen Triumph bereiten (aus der Apostolischen Mahnung des Papstes Pius XII. an die Bischöfe der ganzen Welt am 11. Februar 1949).

Nehmen wir deshalb recht oft am Heiligen Messopfer teil. Wir werden nicht nur für uns großen Nutzen daraus ziehen, sondern wir erweisen dadurch der menschlichen Gesellschaft den größten Dienst und bewahren sie vor dem völligen Untergang.

Du hast uns erlöst, oh Herr, in Deinem Blute!

KARDINAL MÜLLER: PRIESTER SIND VERPFLICHTET, BISCHÖFEN ZU WIDERSTEHEN, DIE PROTESTANTEN ZUR KOMMUNION ZULASSEN WOLLEN

Er sagt, sie gehorchten denjenigen Prälaten zurecht nicht, die eine offene Kommunion anordnen.

ROM ( ChurchMilitant.com ) – Kardinal Gerhard Müller spricht sich gegen Bischöfe aus, die ihren Priestern befehlen, Protestanten zur Kommunion zuzulassen.

Müller, ehemaliger Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, betonte, dass Kleriker verpflichtet seien, solche Anordnungen abzulehnen, und sagte, dass sie Bischöfen „zu Recht nicht gehorchen“, die solche Handlungen anordnen.

Die Aussagen des Kardinals folgen auf eine verfehlte Äußerung des deutschen Bischofs Felix Genn, Leiter der Diözese Münster. Am 20. November veröffentlichte Genn einen pastoralen Leitfaden mit neuen Richtlinien, die von den deutschen Bischöfen anfangs dieses Jahres eingeführt wurden und den protestantischen Ehepartnern der Katholiken die Tür zur Kommunion öffnen. Im Münsterführer stimmte Bischof Genn den neuen Richtlinien zu und sagte: „Als pastorale Verwalter haben wir nicht das Recht, den Zugang zur Eucharistie zu erlauben oder zu verweigern. Es ist strikt unvereinbar, die heilige Kommunion zu verweigern.“

In einer Erklärung, die LifeSiteNews bereitgestellt wurde, warnte Kardinal Müller, dass jeder Prälat, der die Häresie propagiert, seine eigene Autorität untergräbt: „Die Bischöfe würden ihre Autorität untergraben, wenn sie Gehorsam gegenüber Verstößen gegen das natürliche Sittengesetz und falsche Lehren in Doktrinär- und Moralfragen fordern“, sagte Müller. In solchen Fällen fügte er hinzu: „ist jeder Katholik, und besonders jeder Pfarrer, – wie der heilige Paulus gegenüber dem heiligen Petrus – verpflichtet, ihm ins Angesicht zu widersprechen, weil er beschuldigt werden musste.“

Kardinal Müller bekräftigte, dass kein Priester einer Anordnung zur Annahme von Protestanten oder anderen Nichtkatholiken zur Heiligen Kommunion gehorchen muss. Stattdessen, so Müller, sei es seine Pflicht, „die Sakramentalität der Kirche“ nicht zu verletzen.

„Offensichtlich verlangte der ehemalige Erzbischof von Washington, McCarrick, von Seminaristen und Priestern unmoralische Handlungen, indem er seine Macht missbrauchte, um Menschen zu belohnen oder zu bestrafen“, bemerkte Müller. „Es wäre genauso schlimm, wenn ein Bischof durch Berufung auf ‚religiösen Gehorsam‘, den ihm die Priester und Gläubigen seiner Diözese schulden, eine von der Wahrheit der Evangelien abweichende Verkündigung und Seelsorge von ihnen fordern würde.“

Die heilige Kommunion kann nur von einem getauften Christen, der in vollem Umfang mit der katholischen Kirche in ihrem Glaubensbekenntnis (= Lehre), ihren Sakramenten, dem Papst und den Bischöfen steht, würdig empfangen werden.

„Einige Bischöfe sind liberal“, stellte der Kardinal fest, „das heißt, in der Doktrin nachsichtig und gleichgültig, ja nahezu relativistisch, während sie gleichzeitig hyperautoritär gegen orthodoxe Katholiken vorgehen und nur Drohungen umsetzen und Strafen verfügen können.“

Kardinal Müller führte diese Abweichung von der Doktrin auf die „Säkularisierung der Kirche“ zurück, ein Prozess, bei dem die Opfer vor dem Eingriff in die Häresie geblendet werden und ihre Fähigkeit, den Glauben zu verteidigen untergraben wird. Er bekräftigte, dass „die heilige Kommunion nur von einem getauften Christen, der in vollem Umfang mit der katholischen Kirche in ihrem Glaubensbekenntnis (= Lehre), ihren Sakramenten, dem Papst und den Bischöfen steht, würdig empfangen werden kann.“

Bischof Felix Glenn, Bistum Münster

„Die deutschen Bischöfe“, fuhr Müller fort, „mit ihrer in theologisch mangelhafte Weise aufgearbeiteten Handreichung über die Kommunion für protestantische Ehepartner – überschritten damit eindeutig ihre Amtskompetenz, wie die Kongregation für den Glauben mit Zustimmung von Papst Franziskus feststellte .“

„Es kann nicht dem Gewissen des katholischen Gläubigen oder nicht-katholischen Christen überlassen werden, ob er/sie die heilige Kommunion im katholischen Sinne empfangen möchte“, fügte er hinzu, „oder der heiligen Kommunion eine lutherische oder humanistische Bedeutung gibt (das heißt das, was ein Gemeinschaftsgefühl fördert).“

Ein Priester, betonte der Kardinal, „ist nicht durch das göttliche Gesetz verpflichtet, die heilige Kommunion einem Nichtkatholiken darzureichen, und er kann jedenfalls nicht an eine bischöfliche Ordnung gebunden sein – rein nach kirchlichem Recht –, eine Tat zu begehen, die gegen die Sakramentalität der Kirche verstößt und sie verschleiert. “

„Ein Bischof, der Priester bestraft, die in diesem Fall zu Recht ungehorsam sind“, fügte er hinzu, „missbraucht dadurch seine apostolische Autorität auf schwerwiegende Weise und muss sich vor einem höheren kirchlichen Gericht des Papstes dafür verantworten.“

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Quelle

Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

Siehe auch:

Nein zu „Vertuschung“: Predigt des Papstes in Ostia (voller Wortlaut)

Franziskus in Ostia

Papst Franziskus hat in der römischen Hafenstadt Ostia dazu aufgerufen, „die Mauern der Gleichgültigkeit und der Vertuschung niederzureißen“ und den Weg der „Legalität“ einzuschlagen. In seiner Predigt am Sonntagabend spielte er auf die Mafia-Probleme in Ostia an.

„Ihr habt schmerzliche Situationen erlebt; der Herr will euch nahe sein“, sagte Franziskus wörtlich. Wir dokumentieren hier die Predigt des Papstes bei der Messe in ihrer amtlichen Übersetzung.

„Im Evangelium, das wir gehört haben, wird vom Letzten Abendmahl berichtet, aber überraschenderweise liegt die Aufmerksamkeit mehr auf den Vorbereitungen als auf dem Abendmahl selbst. Es wiederholt sich mehrfach das Wort „vorbereiten“. Die Jünger fragen zum Beispiel: »Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten?« (Mk 14,12). Jesus schickt sie mit genauen Angaben zur Vorbereitung und sie finden »einen großen Raum […], der schon für das Festmahl hergerichtet und mit Polstern ausgestattet« (V. 15) ist. Die Jünger gehen, um vorzubereiten, aber der Herr hatte schon vorbereitet.

Etwas Ähnliches geschieht nach seiner Auferstehung, als Jesus den Jüngern zum dritten Mal erscheint: Während sie fischen, erwartet er sie am Ufer, wo er schon Brot und Fisch für sie vorbereitet. Aber zugleich bittet er seine Jünger, etwas von dem Fisch herbeizubringen, den sie soeben gefangen haben und von dem er selbst gesagt hatte, wie sie ihn fischen sollten (vgl. Joh 21,6.9-10). Auch hier bereitet Jesus im Voraus vor und bittet die Seinen mitzuwirken. Noch einmal hatte Jesus kurz vor Ostern zu seinen Jüngern gesagt: »Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten […], damit auch ihr dort seid, wo ich bin« (Joh 14,2.3). Jesus ist derjenige, der vorbereitet, der gleiche Jesus, der wie vor seinem Hinübergang mit deutlichen Ermahnungen und Gleichnissen jetzt auch uns bittet, uns bereit zu halten (vgl. Mt 24,44; Lk 12,40).

Eucharistie ist die Reservierung des Paradieses

Jesus bereitet also für uns vor und bittet auch uns, vorzubereiten. Was bereitet er für uns vor? Einen Platz und eine Speise. Einen Platz, der viel würdiger ist als der „große hergerichtete Raum“ aus dem Evangelium. Es ist unser geräumiges und großes Haus hier unten, die Kirche, wo es Platz für alle gibt und geben muss. Aber er hat uns auch einen Platz dort oben, im Paradies, bereitet, um für immer mit ihm zusammen und miteinander verbunden zu sein. Außer dem Platz bereitet er uns eine Speise, ein Brot, das er selbst ist: »Nehmt, das ist mein Leib« (Mk 14,22). Diese zwei Gaben, der Platz und die Speise, sind das, was wir zum Leben brauchen. Sie sind die endgültige Kost und Wohnung. Beide werden uns in der Eucharistie gegeben: Kost und Wohnung.

Da bereitet uns Jesus einen Platz hier unten, weil die Eucharistie das schlagende Herz der Kirche ist, sie bringt sie wieder und wieder hervor, sie versammelt sie und gibt ihr Kraft. Aber die Eucharistie bereitet uns auch einen Platz dort oben, in der Ewigkeit, weil sie das Brot vom Himmel ist. Sie kommt von dort, sie ist die einzige Materie auf dieser Erde, die wahrhaft den Geschmack der Ewigkeit trägt. Sie ist das Brot der Zukunft, das uns schon jetzt eine Zukunft vorauskosten lässt, die unendlich größer ist als jede beste Erwartung. Sie ist das Brot, das unsere größten Erwartungen stillt und unserer schönsten Träume nährt. Sie ist mit einem Wort das Unterpfand des ewigen Lebens: nicht nur eine Verheißung, sondern ein Unterpfand, also eine konkrete Vorwegnahme dessen, was uns geschenkt werden wird. Die Eucharistie ist die „Reservierung“ des Paradieses; sie ist Jesus, Wegzehrung auf unserem Weg zum glückseligen Leben, das niemals enden wird.

“ Seien wir unersättlich! ”

In der verwandelten Hostie bereitet uns Jesus über den Platz hinaus die Speise, die Nahrung. Im Leben müssen wir uns beständig ernähren, und dies nicht nur durch Nahrungsmittel, sondern auch durch Vorhaben und Gefühle der Zuneigung, durch Sehnsüchte und Hoffnung. Wir hungern danach, geliebt zu werden. Aber die willkommensten Komplimente, die schönsten Geschenke und die fortschrittlichsten Technologien genügen nicht, sie sättigen uns nie zur Gänze. Die Eucharistie ist eine einfache Nahrung wie das Brot, aber sie ist das einzige, das sättigt, weil es keine größere Liebe gibt. Dort begegnen wir Jesus wirklich, wir nehmen an seinem Leben teil, wir spüren seine Liebe. Dort kannst du erfahren, dass sein Tod und seine Auferstehung für dich sind. Und wenn du Jesus in der Eucharistie anbetest, empfängst du von ihm den Heiligen Geist und du findest Frieden und Freude. Liebe Brüder und Schwestern, wählen wir diese Speise des Lebens: Setzen wir die Messe an die erste Stelle, entdecken wir die Anbetung in unseren Gemeinschaften neu! Bitten wir um die Gnade, nach Gott zu hungern, und seien wir unersättlich nach dem, was er für uns bereitet.

Verlassene Tabernakel

Aber Jesus bittet heute auch uns wie die Jünger damals, vorzubereiten. Fragen wir ihn wie die Jünger: »Herr, wohin sollen wir gehen, um vorzubereiten?“. Wohin: Jesus bevorzugt nicht exklusive oder ausschließende Orte. Er sucht Orte, die von der Liebe nicht erreicht und von der Hoffnung nicht berührt wurden. Zu diesen unbequemen Orten möchte Jesus gehen und er bittet auch uns, für ihn die Vorbereitungen zu treffen. Wie viele Personen sind eines würdigen Ortes zum Leben und der Speise zum Essen beraubt! Aber wir alle kennen einsame, leidende, bedürftige Personen: Sie sind verlassene Tabernakel. Wir, die wir von Jesus Kost und Logis erhalten, sind hier, um diesen schwächsten Brüdern einen Platz und Speise zu bereiten. Er ist für uns zum gebrochenen Brot geworden; er bittet uns, dass wir uns den anderen schenken, nicht mehr für uns selbst zu leben, sondern füreinander. So lebt man eucharistisch, indem man die Liebe, die wir aus dem Fleisch des Herrn schöpfen, in die Welt ausgießen. Die Eucharistie übersetzt sich ins Leben, wenn wir vom Ich zum Du übergehen.

“ Die Mauern der Vertuschung niederreißen ”

Die Jünger, sagt das Evangelium weiter, bereiteten das Abendessen vor, nachdem sie »in die Stadt gekommen waren« (V. 16). Der Herr ruft uns auch heute, sein Kommen vorzubereiten, nicht indem wir draußen, in der Ferne bleiben, sondern indem wir in unsere Städte eintreten. Auch in dieser Stadt, deren Namen „Ostia“ gerade den Eintritt, die Tür in Erinnerung ruft. Herr, welche Türen willst du, dass wir sie hier für dich öffnen? Welche Gitter rufst du uns weit zu öffnen, welche verschlossenen Zugänge müssen wir überwinden? Jesus wünscht, dass die Mauern der Gleichgültigkeit und der Vertuschung niedergerissen werden, die Gitterstäbe der Gewalttaten und Anmaßung entfernt, die Wege der Gerechtigkeit, des Anstands und der Legalität geöffnet werden. Der weitläufige Strand dieser Stadt ruft uns die Schönheit in Erinnerung, sich zu öffnen und auf das Meer das Lebens hinauszufahren. Um aber dies zu tun, ist es notwendig, jene Knoten zu lösen, die uns an die Leinen der Angst und der Beklemmung binden. Die Eucharistie lädt dazu ein, sich von der Welle Jesu mitreißen zu lassen, nicht mit Ballast beladen am Strand zurückzubleiben in der Erwartung, dass etwas kommt, sondern frei, mutig und vereint in See zu stechen.

Die Jünger, so schließt das Evangelium, gingen »nach dem Lobgesang zum Ölberg hinaus« (V. 26). Am Ende der Messe werden auch wir hinausgehen. Wir werden mit Jesus gehen, der durch die Straßen dieser Stadt ziehen wird. Er wünscht, in eurer Mitte zu wohnen. Er will euch in euren Lebenslagen besuchen, in die Häuser eintreten, seine befreiende Barmherzigkeit anbieten, segnen, trösten. Ihr habt schmerzliche Situationen erlebt; der Herr will euch nahe sein. Öffnen wir ihm die Türen und sagen wir zu ihm:

Komm, Herr, kehre bei uns ein.
Wir nehmen dich in unseren Herzen auf,
in unseren Familien, in unseren Städten.
Danke, dass du uns die Speise des Lebens bereitest
und einen Platz in deinem Reich.
Mache uns rührig in der Vorbereitung und
lasse uns deine freudigen Träger sein, der du der Weg bist,
um Brüderlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden
in unsere Straßen zu bringen. Amen.“

(vatican news – sk)

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Eucharistie-Streit: Kardinal Eijk will Klarheit vom Papst

Die deutschen Bischöfe sollen den Kommunion-Streit selbst lösen, sagt der Vatikan. Kardinal Willem Jacobus Eijk nannte das „unverständlich“. Noch schärfere Worte wählte aber Kardinal Gerhard Ludwig Müller.

Der niederländische Kardinal Willem Jacobus Eijk wünscht sich in der Debatte über den Kommunionempfang für nichtkatholische Ehepartner mehr Klarheit von Papst Franziskus. Die an eine Delegation der Deutschen Bischofskonferenz gerichtete Vatikan-Erklärung vom vergangenen Donnerstag kritisierte er in einem Beitrag für die US-Zeitung „National Catholic Register“ (Montag) als „völlig unverständlich“. Und das, obwohl die kirchenrechtlichen Vorgaben eindeutig seien, so der Erzbischof von Utrecht.

Ein Zugang zu den Sakramenten der katholischen Kirche sei nichtkatholischen Christen demnach „nur in Notfällen“ möglich – besonders dann, wenn Lebensgefahr bestehe, schrieb Eijk. Eine Interkommunion komme im Grunde nur mit orthodoxen Christen infrage, weil die Sakramentenlehre der Ostkirchen jener der katholischen Kirche entspreche. Das sei bei deutschen Protestanten jedoch nicht der Fall.

Vatikan hatte den Konflikt an die deutschen Bischöfe zurückverwiesen

Die deutschen Bischöfe hatten bei ihrer Frühjahrsvollversammlung im Februar eine bisher noch nicht veröffentlichte Handreichung für konfessionsverbindende Ehen mit Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedet. Darin soll der Kommunionempfang für nichtkatholische Ehepartner in begründeten Einzelfällen zugelassen werden. Sieben Bischöfe um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hatten inhaltliche und formale Bedenken gegen das Dokument angemeldet und sich an den Vatikan gewandt. Unter anderem ging es um die Auffassung, eine Lösung für diese Frage könne nur auf weltkirchlicher Ebene gefunden werden.

Der Vatikan wies den Konflikt am Donnerstag allerdings an die deutschen Bischöfe zurück. Papst Franziskus ersuche sie, „im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung zu finden“, hieß es in einer Erklärung nach einem Gipfeltreffen vatikanischer Behördenleiter und deutscher Bischöfe.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller im Porträt
Kardinal Gerhard Ludwig Müller hatte die Vatikan-Erklärung bereits am Freitag als „armselig“ bezeichnet.

 KNA/Harald Oppitz

Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller hatte die Vatikan-Erklärung bereits am Wochenende als „armselig“ bezeichnet. Sie gebe keine Antwort auf die Kernfrage, nämlich dass es „keine sakramentale Gemeinschaft ohne kirchliche Gemeinschaft“ geben könne, sagte der frühere Präfekt der Glaubenskongregation dem Magazin „National Catholic Register“. Der Papst und die Glaubenskongregation hätten „ganz klare Orientierung“ zu geben, nicht qua „persönlicher Meinung, sondern gemäß dem überlieferten Glauben“.

Müller warnte vor Übertragung von lehrmäßigen Kompetenzen

Müller warnte vor einer Übertragung von lehrmäßigen Kompetenzen auf nationale oder regionale Bischofskonferenzen. „Dem müssen wir widerstehen“, so der deutsche Kardinal. Bischofskonferenzen seien von „sekundärer Bedeutung“ für den Papst. Es sei unmöglich, dass Bischöfe mit Mehrheiten über Angelegenheiten der katholischen Lehre abstimmten. Wenn das Prinzip der Einheit von sakramentaler Gemeinschaft und kirchlicher Gemeinschaft zerstört werde, „wird die katholische Kirche zerstört“, so Müller. Er forderte alle Bischöfe und auch die Glaubenskongregation auf, „ihre Pflicht zu tun und den Glauben zu erklären, zu verteidigen und voranzubringen“.

Die Mehrheit der deutschen Bischöf betont dagegen, dass es sich bei ihrem Schreiben um eine „Pastorale Handreichung“ und nicht um einen Lehrtext handele. Mit der Orientierungshilfe bewege man sich „im Rahmen der gegenwärtigen theologischen und kirchenrechtlichen Möglichkeiten“, schrieb etwa Ökumene-Bischof Gerhard Feige. Mit dem Text werde keine generelle Zulassung oder offene Einladung zum Kommunionempfang ausgesprochen. Daher sei auch keine Rückbindung an Rom erforderlich. (bod/KNA)

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Quelle

Cardinal Müller on Intercommunion Meeting: ‘More Clarity and Courage’ Needed

Cardinal Gerhard Müller. (Edward Pentin photo)

The former CDF prefect views the statement on the meeting about Holy Communion for some Protestant spouses as ‘very poor,’ and calls on bishops and cardinals to ‘raise their voices.’

Edward Pentin

Yesterday’s crucial meeting went quicker than expected, lasting a little over two hours, but the outcome pleased none of those who took part, and will have far reaching consequences for the Church, sources close to the talks have told the Register.

Cardinal Reinhard Marx, president of the bishops’ conference, arrived at the May 3 meeting in the Holy Office at 4pm, along with two allied bishops and Jesuit Father Hans Langendörfer, secretary of the German bishops’ conference, confidently expecting to be able to influence the proceedings in his favor.

Summoned to the Vatican meeting by the Pope last month, the cardinal archbishop of Munich hoped to win the Pope’s backing, and thereby persuade two opposing bishops and senior Vatican officials to support a highly contentious German bishops’ pastoral proposal to allow Protestant spouses in some cases to receive Holy Communion.

The so-called “pastoral handout,” which German bishops overwhelmingly voted for in February, proposed that a Protestant spouse could receive the Eucharist after having made a “serious examination” of conscience with a priest or another person with pastoral responsibilities, and “affirms the faith of the Catholic Church,” wishes to end “serious spiritual distress,” and has a “longing to satisfy a hunger for the Eucharist.”

Proponents said it would help to resolve the suffering of some Protestant spouses unable to receive Holy Communion with their Catholic wives or husbands. Critics called it a “rhetorical trick” that wrongly sought to redefine the sacraments as a means of alleviating mental distress and satisfying spiritual needs.

Criticism heightened after seven German bishops wrote to the Vatican March 22 to protest the move, arguing that the proposal is “not right” as it touches on “the faith and unity of the Church which is not subject to a vote,” and asking for four areas to be clarified.

Two of the seven, Cardinal Rainer Woelki of Cologne and Bishop Rudolf Voderholzer of Regensburg, arrived at the May 3 meeting hopeful that, given what many considered to be serious doctrinal flaws in the document — and which reliable sources say was opposed by Benedict XVI — would be thrown out by the Pope, or completely revised.

Postman Prefect

But to the surprise of many, neither happened. After both sides made their case, Archbishop Luis Ladaria, prefect of the CDF, relayed to the participants that Pope Francis appreciated the “ecumenical commitment of the German bishops and asks them to find, in a spirit of ecclesial communion, a unanimous result, if possible.”

In comments to the Register May 4, Cardinal Gerhard Müller, prefect emeritus of the Congregation for Doctrine of the Faith, expressed his disappointment with the outcome, saying the statement was “very poor” as it contained “no answer to the central, essential question.” It is not possible, he stressed, to be in “sacramental communion without ecclesial communion.”

For the good of the Church, he added, a “clear expression of the Catholic faith” is needed, for the Pope to “affirm the faith,” especially the “pillar of our faith, the Eucharist.” The Pope and the CDF, he went on, are supposed to “give a very clear orientation” not through “personal opinion but according to the revealed faith.”

A source close to the two bishops opposed to the proposal told the Register May 4 that the “official answer is that there is no answer.” The Holy Father, he said, had “failed to fulfil his obligation as pope regarding a question of dogma which his office must decide.”

The Pope “refused” to take a line, he stressed, “and the CDF was left to act as a postman, not to affirm the faith, but to announce this information.” The dicasteries, he said, “are useless” if all will be given over to bishops’ conferences to decide. He acknowledged that the term “unanimity” is not properly defined in this context, but expects Cardinal Marx to somehow seek to reduce the number of bishops opposed to the proposal in order to attain the unanimous requirement for it to go forward.

“Our job now is to strengthen the seven bishops, to strengthen our priests in the argumentation” the source said. “It’ll be a long fight and over the next six months, this is what we’ll be dedicating ourselves to.”

But Cardinal Marx and the German bishops’ conference were also said to be disappointed. The meeting was held in the Congregation for the Doctrine of the Faith, indicating that the Vatican sees this as a doctrinal matter, not simply one of pastoral practice that Cardinal Marx tried to argue it was (he insisted in February it was a “pastoral handout” and not intended to “change any doctrine”).

More significantly, the proposal’s proponents failed to obtain the Pope’s ringing endorsement. Instead, consistent with his wish expressed in his first apostolic exhortation Evangelii Gaudium, Francis is pressing on in his efforts to decentralize the Church’s governance by giving more “doctrinal authority” to bishops’ conferences. He is, therefore, putting the ball back in the court of the German bishops.

“In a way it amounts to a refusal [of the proposal],” said German Church commentator, Mathias von Gersdorf. “It sounds something like this: You [Cardinal Marx] have created a huge problem. Look to yourself to try and get out of it. And if that doesn’t lead to unanimity, so the problem is resolved.”

Marx’s Lost Battle

Also disappointing for Cardinal Marx’s party was the opposition they encountered during the meeting from Cardinal Kurt Koch, president of the Pontifical Council for Promoting Christian Unity. The Swiss cardinal, who was not notified of the proposal before or after it was voted upon, showed himself to be sympathetic to the seven bishops’ concerns.

The disillusionment on the part of the German bishops’ conference was also evident when, after the meeting, its spokesman, Matthias Kopp, said it would be holding no press conference, nor issuing statements or interviews. “It was a lost battle for them, though not a lost war,” said the source close to the talks. “Kopp doesn’t want to speak about a lost battle.”

But the seven bishops and their allies have the greater concerns. Although they believe the meeting could have gone “much worse,” according to the source close to the talks, and the proposal cannot be published as a handout as the German bishops’ conference intended, they see this as an “ecclesiological revolution.”

“The real problem is not the issue itself, but the refusal of the Pope to carry out his obligation as Peter, and this could have heavy consequences,” the source said. “Peter is no longer the rock he was, instead the shepherd is saying to the sheep: ‘Go and look for yourself for something to eat.’”

He foresaw a similar process being adopted to introduce such novelties as married clergy, and that the general drift towards decentralization of doctrine will make the Church more closely resemble the Anglican Communion.

Cardinal Müller, referring to Lumen Gentium, reminded that bishops’ conferences have a “secondary importance” to the Pope, and it is not possible for them to vote unanimously on a matter of doctrine that would contradict “basic elements” of the Church. “We must resist this,” he said, and warned that if the principle of Catholic identity consisting of both sacramental and ecclesial communion is destroyed, “then the Catholic Church is destroyed.” The Church, he stressed, “is not a political actor.”

“I hope more bishops will raise their voices and do their duty,” Cardinal Müller said. “Every cardinal has a duty to explain, defend, promote the Catholic faith, not according to personal feelings, or the swings of public opinion, but by reading the Gospel, the Bible, Holy Scripture, the Church fathers and to know them. Also the Councils, to study the great theologians of the past, and be able to explain and defend the Catholic faith, not with sophistic arguments to please all sides, to be everyone’s darling.”

Going forward, Cardinal Müller regretfully predicted the matter will “continue without the clear necessity for a declaration about the Catholic faith.”

He said bishops must “continue explaining the faith” and he hoped the CDF would fulfil its role, not only as mediators of the different groups, but in leading the magisterium of the Pope.

“More clarity and courage must be encouraged,” he said.

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Quelle

Bischof Rudolf Voderholzer zur Frage des Kommunionempfangs evangelischer Ehepartner  

Die gemeinsame Sehnsucht nach Einheit wach halten –

Respekt vor dem Glauben des Anderen.

  

Herr Bischof Rudolf, wie fühlen Sie sich als „Ewiggestriger“ oder gar als „Antiökumeniker“ – Etiketten, die Ihnen und Ihren sechs bischöflichen Mitbrüdern in den Medien aber auch innerkirchlich angeheftet worden sind?

Ich bedauere, dass die öffentliche Diskussion in der seelsorgerlich wichtigen Frage des Kommunionempfangs des evangelischen Ehepartners durch ein solches Vokabular bestimmt wird. Mir ist es wichtig, die Menschen ernst zu nehmen und ihnen den Glauben der Kirche zu verkünden, und zwar so, dass sie sich darauf verlassen können, dass es richtig und gut ist.

Den sieben Bischöfen wurde öffentlich vorgeworfen, sie hätten am Vorsitzenden der Bischofskonferenz und der Mehrheit der Bischöfe geradezu verschwörerisch und konspirativ vorbei gehandelt, als Sie ihren Brief nach Rom mit der Bitte um Klärung in dieser Frage gesandt haben. Was sagen Sie dazu? Wie kam es zu diesem gemeinsamen Brief?

Auf den beiden letzten Frühjahrsvollversammlungen der deutschen Bischöfe haben wir die Frage der Zulassung evangelischer Ehepartner zur Kommunion offen und auch kontrovers diskutiert. Wir haben dies stets in einer mitbrüderlichen Atmosphäre getan. Ein echtes pastorales Ringen war bei allen Bischöfen deutlich zu erkennen. Doch am Ende kam es in dieser Frage zu keiner Einmütigkeit. Es blieb ein Dissens bestehen.

Ich halte dies aber nicht von vorneherein für schlecht. Es ist ein Ausdruck unserer gemeinsamen Wahrhaftigkeit, dass wir keinen unehrlichen Kompromiss anstrebten. Es gilt vielmehr auch die andere Position eines Mitbruders auszuhalten. Das verlangt der Respekt voreinander. Entscheidend freilich ist, dass wir im Einklang mit den anderen Bischofskonferenzen der Weltkirche handeln möchten. In einer so wichtigen, den Glauben betreffenden Frage wollen wir keinen Alleingang machen. Das verlangt die Kollegialität und die Solidarität über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Sieben Diözesanbischöfe und sechs Weihbischöfe stimmten am Ende gegen den Text. Das sind viele Gegenstimmen bei einer Frage, die eigentlich Einstimmigkeit erfordert. Wir haben uns dann entschieden, uns – im Hinblick auf die Einmütigkeit mit der Universalkirche – an Rom zu wenden, wie es jedem Bischof selbstverständlich immer möglich ist. Eine Kopie des Briefes haben wir – persönlich/vertraulich – an Kardinal Marx als den Vorsitzenden der Bischofskonferenz gesandt, um ihn über den Inhalt zu informieren.

Herr Bischof, wenden wir uns den theologischen Gründen zu: Viele Gläubige sind verunsichert, nicht selten aufgebracht: Wie können diese sieben Bischöfe so hartherzig sein? Wie kann man evangelischen Ehepartnern die Kommunion verweigern – sie ausschließen? Könnten Sie Ihre theologischen Gründe und Ihren Standpunkt in dieser Frage näher erörtern?

Lassen Sie mich zunächst zwei Vorbemerkungen machen: Ich verstehe die Ökumene als einen Grundauftrag Christi selbst. Im Johannesevangelium spricht Jesus zum Vater: „Sie sollen eins sein, wie wir eins sind. … So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast“ (Joh 17, 22b-23). Diesem Grundauftrag Christi müssen wir treu bleiben. Es geht nicht um die Frage: Ökumene: ja oder nein, sondern um den Weg der Ökumene, den Weg zur Einheit. Nach dieser Einheit sehnen wir uns alle – auch ich!

Lassen Sie mich noch ein Zweites voraus schicken: Ich weiß um die Nöte und Probleme, die gerade auch in der Glaubenserziehung der Kinder in konfessionsverschiedenen Ehen auftreten, aber auch im religiösen Leben der Ehepartner entstehen. Ich weiß auch um die Spannungen, die daraus erwachsen und zu Verwundungen führen können. Ich kenne dies aus Gesprächen mit Menschen in dieser Situation und erlebe dies auch in meinem familiären Umfeld. Das nimmt mich als Bischof auch mit.

Es geht mir daher mit dem Brief, den ich mit meinen Mitbrüdern verfasst habe, darum, nach einem Weg zu suchen, der die Not der Menschen ernst nimmt und gleichzeitig Hilfen anbietet. Wir sind aber der Meinung, dass die von der Mehrheit der DBK angestrebte „Handreichung“, die dem evangelischen Ehepartner den Kommunionempfang ermöglicht, nicht die Probleme und Nöte löst. Sie wird auch der Bedeutung des Sakraments der Eucharistie in der katholischen Kirche nicht gerecht. Ferner berücksichtigt die „Handreichung“ nicht ausreichend das unterschiedliche Glaubensverständnis der einzelnen Konfessionen hinsichtlich der Eucharistie auf der einen und des Abendmahls auf der anderen Seite.

In der Frage der Ökumene müssen wir nicht zuletzt auch die Sicht der Ostkirchen berücksichtigen. Dort wird der Zusammenhang zwischen Kirchengemeinschaft und Eucharistiegemeinschaft noch tiefer gesehen als in der Westkirche. Wenn die katholische Kirche diese Sicht verdunkelt, vergrößert sie erheblich den Graben zu den orthodoxen Kirchen.

Aber sind „Abendmahl“ und „Eucharistiefeier“ nicht doch im letzten ein und dasselbe?

Über das protestantische Selbstverständnis des „Abendmahls“ ist es schwer, von katholischer Seite letztverbindlich Auskunft zu geben. Da gibt es zwischen den einzelnen Gemeinschaften selbst noch einmal Unterschiede, wenngleich sich die verschiedenen Gemeinschaften seit einiger Zeit gegenseitig Abendmahlsgemeinschaft gewähren. Wenn man die Texte studiert, stellt man freilich fest, dass dem Abendmahl nirgendwo eine so bedeutende Rolle zukommt wie der Eucharistiefeier auf katholischer Seite. Wer den Wortgottesdienst feiert, hat schon die höchste Form der Gottesbegegnung, über die hinaus das Abendmahl keinen Mehrwert darstellt (Vgl. EKD – Der Gottesdienst. Eine Orientierungshilfe zu Verständnis und Praxis des Gottesdienstes in der evangelischen Kirche, 2009, S. 40). Entsprechend selten wird das Abendmahl gereicht, im Durchschnitt einmal im Monat. In der katholischen Kirche feiern wir nicht nur selbstverständlich an jedem Sonntag und an jedem Feiertag die Eucharistie, sondern sogar täglich.

Was die katholische Sicht betrifft, so ist besonders wichtig, dass die Heilige Messe nicht die Wiederholung des Abendmahles Jesu mit seinen Jüngern ist, sondern die Feier seines Todes und seiner Auferstehung, die Vergegenwärtigung seines Kreuzesopfers.

Warum ist es evangelischen Gläubigen verboten, in der katholischen Kirche die Kommunion zu empfangen?

Der Begriff „Verbot“ ist ganz unangemessen. Es geht darum, den eigenen Glauben und das Bekenntnis des anderen ernst zu nehmen. Wer in der katholischen Kirche die Eucharistie empfängt, bejaht den Glauben bezüglich der Eucharistie.

Und was heißt das genauer? 

Da ist zunächst die Glaubensüberzeugung von der realen und bleibenden Gegenwart Jesu Christi in den eucharistischen Gestalten. Doch darauf beschränkt sich der Eucharistieglauben nicht. Gerade das Zweite Vatikanische Konzil hat mit neuer Deutlichkeit herausgestellt, dass die Eucharistie Quelle und Höhepunkt des ganzen kirchlichen Lebens ist. In der Eucharistiefeier wird der gesamte katholische Glauben in verdichteter Form ausgesagt und bekannt. Die Eucharistie ist Ursprung und Quelle der Kirche und ihrer Raum und Zeit übergreifenden Einheit.

Es handelt sich nicht um eine gemeinsame Mahlzeit, wo sich jemand ausgeschlossen fühlen muss, wenn er nichts zu essen bekommt.

Wo wird das ausgedrückt? Wie zeigt sich diese kirchen-bildende Funktion der Eucharistie?

Am deutlichsten beim Höhepunkt der Heiligen Messe im Eucharistischen Hochgebet, in dessen Zentrum vom Priester die Wandlungsworte gesprochen werden. Das Hochgebet wird gesprochen in Einheit mit dem Papst und den Bischöfen. Der Name des Bischofs wird ebenso genannt wie der Name des Papstes, weil die Gemeinschaft ganz konkret besteht. Die Messe wird gefeiert in Verbindung mit der Kirche des Himmels, mit Maria, Joseph und allen Heiligen. Und in jeder Messfeier wird für die Verstorbenen gebetet. Am Ende des Hochgebetes antworten alle mit „Amen“, „so sei es“, „ich glaube es“. Das ist nicht einfach so dahingesagt, sondern ein Bekenntnis! Die Heilige Messe mitfeiern und mitbeten ist ein Bekenntnis! Wer nun von seinem Bekenntnis her das Papstamt ablehnt, die Heiligenverehrung nicht kennt und das Gebet für die Verstorbenen für unnötig oder unmöglich hält, dem ist der Eucharistieempfang nicht „verboten“, sondern er oder sie muss sagen, wenn er sich selber ernst nimmt: Dieser Kirche will und kann ich nicht angehören, zumindest nicht ganz und in höchster Form.

Wenn es anders ist, steht der Weg der Aufnahme in die katholische Kirche offen. Von jemandem aber einerseits den vollen Eucharistieglauben zu verlangen und gleichzeitig zu sagen: Du kannst bei Deinem Bekenntnis bleiben, ist nicht ehrlich. Und das sehen ja auch Vertreter der evangelischen Kirche selbst so. Der evangelische Theologieprofessor Ulrich H. J. Körtner nennt die Handreichung gar

„ökumenischen Murks“.

Das Kirchenrecht räumt den Bischofskonferenzen aber ein, Kriterien zu benennen, wann Notfälle bestehen, in denen ein Kommunionempfang ohne volle Kirchengemeinschaft trotzdem möglich ist.

Sie sprechen Canon 844, 4 an. Dort ist ausdrücklich von „Todesgefahr“

oder einer „anderen schweren Notlage“ die Rede und von dem Fall, dass ein Geistlicher der eigenen Gemeinschaft nicht erreichbar ist. Die Kriterien müssen sich also auf der Ebene solch gravierender Umstände bewegen. Uns scheint, dass allein das Leben in konfessionsverschiedener Ehe diese Kriterien nicht erfüllen und auch nicht allein zu einer „gravis spiritualis necessitas“ („schwere geistliche Notlage“) führen kann. Auch da erbitten wir eine Klärung.

Bewegt Sie nicht die Not vieler konfessionsverschiedener – die Handreichung spricht ja von „konfessionsverbindenden“ – Ehepaaren? Es ist heute ohnehin nicht leicht, den Glauben zu leben, ihn weiterzugeben an die Kinder und Enkel. Jetzt wirft die Kirche ihnen auch noch Knüppel zwischen die Beine. Muss man da so kleinlich sein?

Die konfessionsverschiedenen Ehepaare tragen die Hauptlast der Glaubensspaltung. Es zeigt sich, dass die konfessionellen Prägungen oft bis in die Einzelheiten der Lebensgestaltung hineinreichen. Im besten Fall kann die Situation zur Bereicherung führen. Katholiken lernen von der Bibelfrömmigkeit und der Kirchenmusik, Protestanten beginnen, die Schönheit und Sinnenhaftigkeit der Liturgie, den Reichtum der Tradition kennen, vielleicht auch die Bedeutung der weltweit einen Kirche schätzen. Wichtig ist, dass der jeweils andere in seinem Selbstverständnis respektiert wird. Ich kenne konfessionsverschiedene Ehepaare, die seit Jahrzehnten gut miteinander unterwegs sind und die Grenzen respektieren.

Im letzten Jahr haben sich die Konfessionen erfreulich angenähert. Warum jetzt dieser unfreundliche Akt?

Ich bin sehr froh über die gewachsenen Freundschaften und wir werden sie vertiefen. Zu einer guten Freundschaft gehört es auch gerade, das Gegenüber zu respektieren und in seinem Bekenntnis und in seinem Selbstverständnis ernst zu nehmen. Die geplante „Handreichung“ hingegen könnte als unfreundlicher Akt der Abwerbung verstanden werden, zumal die Ermöglichung der Eucharistieteilnahme im Einzelfall durchaus nicht umgekehrt gilt. Ich halte dafür, dass wir in ökumenischer Verbundenheit alles das miteinander tun, was wir längst tun können: Miteinander das Wort Gottes hören, miteinander singen und beten, miteinander für den Lebensschutz, für die Bedeutung der Ehe von Mann und Frau und der Familie und für die Wahrung der Menschenwürde eintreten. Die gemeinsame Eucharistie kann nicht eine Etappe auf dem Weg sein, sondern sie ist das Ziel. Mehr Einheit geht dann nicht mehr.

Aber bis dorthin ist noch ein Weg.

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